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Die vereinigten Ausschüsse des BundeSraihs für Zoll:
.- *“ "und Steuerwesen und für Justizwesen, sowie die vereinigten
Ausschüsse für oll: und Steuerwesen und für Handel und Verkehr hielten cute Sißungen.
In einer Verfügung des Justiz- Ministers vom 29. Sep:“ tember 1881 ist es den Gerichtsvollziehern' schon zur Pflicht gemacht, bei Uebernahme freiwiliiger Ber- stei erungen auch den Zweck derselben und die dabei von den uftraggebern verfolgten Absichten einex Prüfung auf ihre Geseßmaßigkeit und Zylässigkeit zu unterziehen. Nachdem fick) ergeben hat, daß häufig Personen, welche _die Erlaubnis; zum Kleinhandel mit Branntwein oder Spiritus (§33der Gewerbeordnung) nicht befißen, gleichwohl den gewerbSMäßi en Verkauf dieser Gegenstände ini Wege der freiwilligen er- steigerung durch GerichtSvoUzieher betreiben, werden die Gerichtövollziehcr in einer im „JustizoMinisterialblait“ ver- öffentlichten Verfügung des Justi-Ministers vom 15. p. M. angewiesen, den Auftrag zu sol en Versteigerungen nicht zu übernehmen, sobald die Vermut unq naheliegt, daß der Auf: tra geber nicht bloß gelegenili , sondern ngerbömäßig aufgdicse Weise Spirituosen vxrkaufen mill, ohne im Beiiß der hierzu erforderlichen Erlaubnis; zu sein.
Der Wirkliche Geheime Lber-Bauraik) im ReichQ-Eisen- bahnamt S i r e ck e r t ist aus Süddeutschland hierher zurückgekehrt.
Der Regierungs-Affeffor Eckelberg aus Lüneburg, zur Zeit in Berlin, ist der Königlichen Regierung in Postn zur dienstlichen Verwendung überwiejen worden. -
Sachsen.
Seine Majestät der König empfing gestern Seine Hoheit den Herzog Heinrich zu Mecklenbur ,um das Schreiben entgegenzunehmen, durch welches Allerhöchtdemselben das Ab- leben Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs Friedrich Franz 111. von Mecklenbiirg- Schwcrin und die Uxbcrnahme der Re entschaft seitens Seincr Hoheit des Herzog?- Albrecht zu Me lcnburg notifizieri wird.
Baden. _
Die heutigeTr (: u erfei er für Seine Großherzogliche Hoheit den vcrewigicn PrinzenWilhelm von Baden begann in der Schloßkirche um 10 Uhr mit einer Trauerrede. Bci dem Trauerzuge schritten hinter dem Sarge die _nächften Leid- tragenden, Seine Großherzogliche Hoheit der Prinz Max von Baden und Seine Hoheit der Erbprinz von Anhalt. Dann folgten Seine Königliche Hoheit der „Großherzog mit Ihren Kaiserlichen Hoheiten dem Großfursien Niko: [aus Michailowijscb und dem Herzog von Leuchten- berg, sodann Seine Königliche Hoheit dcr Großherzog und Seine Hoheit der Prinz Wilhelm von Hessen mit den anderen Fürstlichkeiten, sowie die Vertreter befreundeter Söfe. Um 12 Uhr traf der Zug vor der Kapelle der" Frust ein. Die Musik spielte einen Choral, die Truppsn präseniierien. Dann wurde dcr Sarg in die Kirche getragen und nach dem chen und einem (Hebei in der Gruft dei- gescßi. Mi: Gkbct und Segen schloß die Feier.
Mecklenburg-Stijerin.
Seine Königliche Hoheit dcr Großherzog ist, wic die „Meckl. Nachr.“ melden, am 28.1).M. in Cannes eingetroffen.
Seine Hohxit dcr Herzog:Ncgcnt hat sich heute Vor- mittag von Schwerin nach Berlin bcgebcn, um sich nach er- folgtkr Uebernghme dcr Regcdtschaft Seiner Majestät dem Kaiser vorzustellen.
Reus; ö. L.
Szinc Durchlaucht der Fürst hat sich am 29. U. M. zu
kurzem Besuch nach Bückeburg begeben. Elsaß-Lothringen.
Der LanchaUsschuxß_crlcdigie in seiner vorgestrigen Siyung ohne Debatte in dritter Lesung die GescZ-entwürfe: 1) betreffend das Vkrmögcix dcr Orischaften, 2) bL- treffend die RechtSverhäliniffc der (Herichtövollzieher und die Errichtung einer Pensionskasse fiir dieselben, 3) be- treffknd die Verzinsung der (Gelder der Sparkassen und der auf Gegenseitigkeit bcruhenden HiifSJcnoffenschaftm Angenommen wurde der Antrag des Abg. Winterer auf Ab- änderung des § 33 des Sparkasscngcießes vom 14. Juli 1895 dahin, daß die Anlage der Sporiaffengelder (bei Sparkaffen mii Gymeindebstrgschaft) geschehen konne: „4) in Darlehen auf Schuldfcheine gegen leisiungsfähége Bürgschaft oder unter Be- stellung eines Faustpfanch an Peiwnen, welche im Geschäfts- bcziik der Sparkasse ihren Wohnfiß haben. Die Tarlchcn dürfen nur auf bestimmte , die Dauer von fünf Jahren nicht über: steigande Zeit und im Höchstbeirage von 1000 (sé; für. den einzelnen Schuidncr gcgkben werden.“ - Der Präsident von Schlum: berger gab sodami eine kurze Uebersicht iiber die Thätigkeit des Hausss während der Session, worauf der Staatssekretär _von Puttkamer den vom 28. April datierten Aller- höchsten Erlaß vcrlas, durch welchen der Schluß der Ses'ion vsrkündigt wird, und, auf Grund dieses Allerhöchsten Eria1es, im Auftrage Seiner Durchlaucht des Fürsten Statthalters die; 24. Session für geschloffen erklärte. In das von dem Präjidcntcn aUSJebrachie dreimali 8 Hoch auf Seine Majestät den Kaiser stimmten die bgeordnetcn begeistcrt ein,
Oesterreich=Ungam
In der gestrigen Siyung „des österreichischen Ab: eordnetenhauses führte bei der Verathung über den ßringlichen Antrag wegen Auflösung der Organi- sation der Eisenbahnbeamten und Anges-telltcn der Minister-Präfident Graf Badeni aus: Nach dem Kongreß in Zürich seien in Oesterreich zahlreiche Vereine der -isendahnbeamien und Angestellte:) ge: ündet worden nur zu dem weck, um Agitation in Re Reihen der Eisenhahnbedienneten zu tragen. Die in Versammlungen sowie in der Preise aufßeftellien Forderungen würden im Falle der Realisierung dersel en eme ahmlegung dcr Eisenbahnverwaliungen zur Folge gehabt haben. Obwohl man gewußt habe, daß dicZRealisierung 5er
Forderun cn unmöglich sei, sei sogar ein all meiner Aus und in Ausfi t genommen worden, um den or rungen Ge tung zu verschaffen. “In dieset; planmäßigen ion habe eine große Gefahr fur die Staatswtereffen gele en; andererseits habe man qetrachtet, in den Reihen der Eißenbahnbedientesten Un- zufriedenheit wachzurufen. Diese Bewegung habe zunächst das Wkrksjättenpersonal erfaßt, sodann das Zugpersonal, das Wächter- erxonal und schließlich einen Theildes Beamtenpersonals. Diese eirebun en seien geradezu als gemein efährlich erschienen; infolge d en sei für die Regierung die P icht erwachsen, dicser VeremSorganisation ein Ende u machen. Gegen die versuchte Auflösung der Vereine habe *.*n Betroffenen das Recht der Beschwerde an das Reich69ericht zugestanden. Die Regierung spreche sich ge en die projektierte Einfassung eines parlamen- tarischen Aus chuffes zur. Untersuchung dieser Angelegenheit aus, welche einen Eingriff in die Rechte der Exekutive bi?- deuten würde. Nachdem noch mehrere Redner ge: sprochen hatten, wurde die Dringlichkeit des Antrages mit 179 gegen 134 Stimmen abgelehnt. Die Abgg. Funke und Genossen überrei ten dem Hause den Antrag: „das aus one beschließen, die Minister Graf Badem, Graf leispach, Freiherr Glanz von Eicha, VM Bilinski und Graf Ledcbur . wegen einer gröblichen Pflichiverleßung durch den Erlaß dcr Sprachcnvsrordnungen zur Verantwortung Zl ziehen und in Anklagezustand zu verseßen“. Der nirag wird dadurch begründet, das; nach Artikel 19 des Staatsgrundgeseßes die Alleinberechiigung der Sprachen nur im Wege der Geseßgebung, nicht abcr durch willkürliche ein- seitige Verordnungen einzelner Minister durch eführt werdcn konne. Ferner mird darauf hingewiesen„ da diese Verord- nungen im Reichs-Geseßblatt nicht publiziert worden seien und deshalb keine bindende Kraft hätten. Die Minister, welche diese Verordnungen unterzeichneten, hätten fich somit einer vorsäßlichen Verlcßung der Verfassung schuldig gemacht. Der Antrag trägt 48 Unterschriften. Aehnliche Anträge brachten die deutschmationalen Abgg. Kaiser und Genossen sowie die Abgg. von Schönerer und Genossen ein. Leßtere über- rei ten förner einen Antrag, worin die Regierung aufgefordert wir , eine GeseßeSvorlage gegen die Einwanderung und Nieder- lassung ausländischer Juden in Oesterreich einzubringen.
Großbritannien und Irland.
' Die Königin ist gestern Abend von Nizza in Windsor Wieder eingetroffen.
Jm Unterhause erwiderte gesiern der Staatssekretär dsr Kolonien Chamberlain auf eine bczügliche Anfrage: daß fick) das im Jahre 1893 iiber die Salomon-Juseln proklamierte Protektorat auf alle Inseln der Salomon- (Hruppe südlich der in dem Abkommen mit Dsutschland im Jahre 1886 festgesteliten GrenTlinie erstrecke. Die Regierungs- xtation solle auf der Insel Tu a e errichtet werden.
De_r parlamentarische usschußzurUntersuchung dxs Einfalles Jamesonis in Transvaal hat gestern seine Sißungen Wieder aufgenommen. Der Staatssekretär für die Kolonien Chamberlain gab die eidliche Versichcrung ab, daß weder er noch Beamte des Kolonialamts die leiseste Ver-
" muthung von dem Einfall in das Gebiet der Südafrikanischen
Republik gehabt hätten bis zu dem Tage, bevor derselbe cr-
foigi fei. , Rußland.
Der Kaiscr und die Kaiserin haben, wie „W. T. B.“ Yeldct, mit der Großfürstin Sergius gestern Nachmittag Fi. Yetershurg wieder vcrlaffsn und sich nach Zarsk915-Sselo
egcsm.
, Der „Regierungsbote“ meldet die Ernennung des bisheri cn Bizc:K'onsuls m Neapel Baron von Hcyking zum Vizc-KonJUl in Berlin.
Italien.
Die Yacht „Zarnißa“ ist mit dem Großfürsten:Thron- folgcr von Rußland an Bord grite'rn in Palermo ein- getroffen.
Dem „Eswrciio“ zufolge beabsichtigt die Regierung ]sßi, nachdem. die Gcfangenen aus Schoa zurückgekehrt sind, eine voklrtändtgc urkundliche Uniersuchung zur Feststellung der Verantwortlichkeit fiir den AUSgang der Schlacht von Adua einzuleiten.
Türkei.
Dcr Ausweisungstermin für. die Griechen is, wie „W. T. B.“ meldet, mittels Jrad: um acht Tage v:rlängeri worden.
Eine amtliche Bsiannimachung veröffentlicht eine Depesche Edhxni Pascha's an den Kriegs-Minister, nach welcher die 1. Division HairiVascha's am Mittwoch Nachmittag Trikkala besxßt h_czt. Vor Trikkala wurden die türkischen Truppsn von freigelamenen Sträfiingen beschossen, ohne jedoch Verluste zu erleiden. Die Eirxwohncr der Dörfer sowie Trikkalas, welche geflüchtet waren, Und infolge einer Proklamation zum großen Theile zurückgckxhrt. Die Depesche konstatixrt, daß von den Griechen Waffen cm die Bevölkerung Trikkalas und Um- gebuxig vcrtheiit worden seien, außerdem sei das Militärdepot geplaudert worden; deshalb sei der Befehl ertheilt worden, das Kriegsmaterial binnen 24 Stunden zurückzusteilen, widrigen- falls _man fich_ strengen Strafe ausseßc; auch der geraubte Prymant mühe zurückerstattet werden. Die Nichtbefolgung diéxes Befehls sei mit Geldstrafen zu belegen. Allo Ver- des1erungen zur Sicherimg der Ruhe seien durchgeführt worden.
Edhem Pascha ist, wie das „Rsuter'sckxe Bureau“ meldet, am Donmrstag früh mit seinem Stabe in Larissa ange- kommcn imd von der mohamcdanischen Bevölkerung ehrfurchts- voll empfangen worden. Der GensralstabS-Chef Seifullah Bet) wurde wegen seiner außgczcichneten Dienste im Felde zum Pascha ernannt. _
Wie dem „Reuter'1chen Bureau“ aus Laris s a vom 28. o. M. gemeldet wird , fanden die Türken bei ihrer Ankunft in Larissa alle 14 «m-Geschiiße in der Festung voükommen unversehrt, ebenso eine 7 ungeheure Menge von Schießvorräihen aller Art. Die Preißgabe einer so starken Sieuung seitens der Griechen w;rde als unbegreiflich deirachiet. Die Türken seßten einen Zivil = Gouverneur m Larissa ein. Plündern ist unter Androhung der strengsten Strafen verboten worden, Die riechischen Bemo ner der Stadt werden in jeder Weise ermut igt, dahin zurü zukehren,
, Der Kampf, welcher, wie gestern gemeldet, am Mittwoch bei Velcstino begonnen hatte, dauerte, wie aus Athen be- richtet wird, gestern noch fort. Die Brigade Smolenski kämpfte 2(Legen 8000 Mann türkischer Truppen, welche unter
xoßen erlusten zurückgeschlagen wurden. Die griechische
“avaUerie griff wiederholt ein, die türkische Kavallerie wurde zurückgeworfen,
Nach einer dem Großvezir zugegangenen Depe che des Vati von Saloniki ist der Rest der aus regulären .Sjoldaten zusamznepgeseßten grixchiscben Bande, wel c bei Pravista aus turktsches Gebiet _emgedrunßen war, voll ändig aufgerieben worden. Zehn Mitglieder
genommen. .
„Die „Agence Haoas“ de_richtet aus Athen, daß nach Berichten aus Pharsala eine Abtheilung türkischer Ka- vallerie, von Larissa kommend, bis an die; Linie P arsala- Domoko vorgegangen sei. Die_ griechische Arti rie habe em heftiges Feuex auf die Turken eröffnet, welche sich dann, von griechischer Kavallerie verfolgt, urückgezogen
ätien. , Man glaube, die, Türken beabsi tigten“, sich iirch_die Entsendu'ng zweier HeereSabtheilungen, von denen die eine von Larissa, die andere von Trikkala aus vor- m_akfchich, Pharsaias zu bemä tigen. Vier türkische Eskadrons hatten eiiien Angriff versucht, eien aber durch ArtiUerie- und Jnfanieriefxuer unter großen Verlusten zurückgeworfen worden.
Eine m Konstantinopol gestern verö entlichte amtliche Bekanntmachung besagt auf Grund des erichts des Kom- mapdanten der ersten Division des türkischen Armee-Kotps iti Eyirus, Ferik OSman Pascha, daß die Griechen von den Hohen welche die Umgebxmq von Bezbunar oder Pentepi hadia deherrfchen, durch funf Bataillone unter Mutapha Pascha, dym Kommandanten der vierten Brigade, vertrieben F?rxxn seien. Die Türken hätten hierauf diese Stellungen ce .
Nach einer in_Konftant'mopel eingegangenen Depesche dcs Vali von Ja,:iina an den Minister des Innern vom 27. und 28. April haben vier griechische Schiffe neuerdings das Bombardement von Prevcsa aufgenommen, ohne jedoch Schaden anzurichten.
„Aus Athen ipird die Nachricht von dem Nückzugc dcr Guriechen in Epirzis bestätigt. Die griechischen Truppen battxn fick) gegen die (Grenze hin zurückgezogen und einen Theil des voti ihnZn bisher befeßten (Gebietes aufgegeben. Salagura dennde sich noch in den Händen der Griechen.
Die griechische chnonenboots-Flottille im Golß von Arta bcschoß dic Kaste bei Nikopolis.
Griechenland.
DJS Kahinet hat fich gestern Mittag konstituiert. Das- sslbe, Ut, Wie folgt, zusammengeseßt: Nulli Vorsiß und Marine, Theotofis Inneres, Skuludis Aeußeres, EutaxiasUnterricht,TrtantaphilakosIustiz,Simopulos Finanzen, Oxberst Ts am ados Krieg. Das Dekret, durch welches Nulli zum Minister-Präsidenten ernannt wird, at nach der „Agence Havas“ folgenden Wortlaut: „ ir ernxnncn Nulli an Stelle Delyannis' zum Minister- Prasidenten.“ Ob Delyannis seine Entlassung gegeben hai odcr entlassen wurde, _wird nicht erwähnt. - Theotokis, welcher gestern Nachnzrttag um 21/2 Uhr in Athen eintraf, Yat xrst nach_ langem Zoger_n und nachdem die iibrigen Mini ter ihm erkiart hgtten, seine Weigerung könne die Bildung des Kabinets in Frage _stellcn, was .den Interessen des Landes sehr sch_aden wurde, sich bereit erklärt, in das neue 'Kabinet einzutreten. Während die neuen Minister dexi Eid leijieten, erklärte Del annis, daß die äußerste Klug- heit'fur Gxiechenland geboten ci, und versprach, dem neuen Kabmed seiiien Beistand voll und ganz leihen zu wollen. Theotokts leistete später, nach einer Unterredung mit Nan', dexn König „dyn Eid. Nachdem Theoiokis eine Stunde bél dcm Komge verweilt hatte, wurde ein Ministerrath abgehalten, um über die Lage zu beraihen. Jn dcm: fclden wurde bcxschloffen, daß die Minißer Theotokis und T_samados sich nach Pharsala begeben sollten, um sich yon dem Zustande der Armee zu überzeugen. Vor seiner Abreise legte der Kriegs: Minister Tsamados dem Köni ein Dekret zur _Unterzeichnung _vor, durch welches der GeneralJabs: Chef, Oberst Sapundzaki abberufen und Oberst:Lieuienant Rall: zum propisorischen Chef des Generalstabs ernannt wird.
Das itaiiinifcbe Panzerschiff „RS Umberto“ ist gestern vo]: Smyrnci in Phaleron eingetroffen, wo noch weitere aus- wartige Schiffe vor Anker liegen.
Rumänien.
, Dsr Mmister-Präsident Sturdza hat sofort, nachdem ihm. die Note des Grafezi Mitrawjew (wehe die gestrige Nr. d. Bl. unter „Rußland“) uberreicht worden war, an den rumänischen, Gesandten m_dSt. Petersburg folgende Depéschs gerichtet:
„Wygen Sie dem Grafen Murawjew die dolle Befriedigung" dkxxumamschzn Regierung Über dic Mittheilung ausdrücken, welche tmr _th rus]1sche_ Gesandte über die korrekie un.d_kluge Haltung der, rumamscben Regierung angksickois des ' griechi1ch-türkitcb€n Kon- fliktes getpacbi' hat. Das bksiänd'ge Ziel der Politik Rumäniens ging dahiri, den Bemühungen dar Großmächte zur Erbaitung dss aligemeinen Friedens dieniiib zu sein, der einen Schutz der O_rdpuyg, der Ruhe und der Entivickslung der Staatsn bildet. Die Königlich Régieruna fühlt fish glücklich, daß ihre korrekte und kluge Haltung die hohe Biüigung S_qur Majsstät des Kaisers Nikolaus und seines_ erhabensn Gastes, Seiner Majestät des Kaisers Franz Joseph, geximden, bat“. '
Eine iden'tiscbe Depesche wurde auch an den rumänischen Gesandten in Wien abgesandt.
Montenegro. Der_Erdprinz Danilo hat sich gestern von Cetinje niich Antivari be eben, um den König von Serbien bei seiner Ankunft da elbst zu begrüßen.
Afrika.
Aus Sansibar meldet das „Neuter'sche Bureau“, daß eine italienische Truppe mit mehreren Asfaris aus Maffowah- am 23, April in das Wadan:Land eingedrun en sei, um die Somalis zu züchiigen, wclche den italicmchen Konsul Cecchi ermordeten. Die Italiener hätten drei Dörfer ver:- brannt. Etwa 50 Somalis, darunter zwei Mörder Ckcchi's, seien getödtet und 100 verwundet worden.
Dasselbe Bureau berichtet aus Kapstadt, daß der“ Abg. Merriman in der _qeseßgebcnden Versammlung der Kapkolonie einen Antrag eingebrqcht habe, wonach das Haus dem Ministerium sein Vertrauen
versage, weil cs, wie der Redner sagte, nur auS-
Anhängern Rhodcs' bestehe. _Der Arbeits = Minister Sivewrigt erk ärte: wenn die Regierung von Transvagl nur versöhnliche (Gesinnun?ZZ zeigen würde, werde die Regierung alles thun, um“ einen
hoüändischen Abgeordneten griffen Cecil Rhodes, der an- wesend war, heftig an. Bei der Abstimmung über deri An- trag Merriman ergab fich Stimmengleichheii; die Stimme-
des Sprechers gab dann den Ausschlag zu Gunsten der Re:-
gierung.
er Bande wurden gefangen _
ruch des Friedens zu verhüten. DW'
' «...-me“,»- Naqeuhuy
Die Berichte über die gestrigen Sißunxzen des Reichs . LaTes unddes Hauses derAdgeordnUen befinden fich in er Erfien Beilage.
- Das Haus der Abgeordneten feste in der heutigen (73) Sipung, welcher der Minisicr der, geistlichen 2c. An- gelegenheiten 1). ])!) Bos s e beiwobnte, die zweite Verathung des Etats des Ministeriums der _ eistlichen, Unter- richts- und Medizinal-Angelegen eiten bei dem Titel „Gehalt des Ministers“ fort.
A „Dr. Porsch_( entr.): Das Küchenbermögensgeseß ift obne Mitwi ung der katholts en Kirche gemacht worden, und schon deshalb bedarf es'jevt nachdcn Erfahrungen mit demselben seit den siebziger Jahren einer Revision, mit_ der auch Graf Limbur -Stitum fich einmal einderstanden erklart hat. Das Haus at in einer Resolution diese Revision verlangt. Diesem Bescbxuß ist leider keine Folge gegeben worden. Ick! bitte_ die Re- gierung dring-nd, diese Frage, bei der is sicb m_n_kenz staatliches Hoheitörecbt handelt, sondern nur um die Zweckxtiaßtgkett der Ver- mögensverwaltung, geseßlich zu reKeiln. Am bxsten ist die Verwaltung des Kirchenvermögens kurch ein rcherxkoüegtum von drei Personen. Die Verwaltung durch die ganze Genietndevertretung ist zu umständ- lich. Bezüglich der Doitmunder Wahl empfehle iel? den Herren die Lektüre des neuesten Artikels der ,Tremonia', n der die Vkr- bältniffe in Trier dargelegt werden und auf den Zwang bingewi:sen wird, den die Arbeitgebe: auf die Arbeiter aukgeübt haben. Allerdings müssen bei den Stichwablen die Parteien, welche die Sozialdemokratie drogrammmäßig bekämpfen, dix Wahl eines Soxial- demokraten verhindern, aber es ist in vielen Fallen schwierig, dieses Ziel zu erreichen. Die Bekämpfung der Sozialdemokratie kann fich avex nicht erschöpfen durchxdie Ahstimmun bei einer Stich- wahl, vielmehr müssen die QueUen ver opft werden , aus denkn die Sozialdemokratie ihre Nahrung nimmt. Herr von Eynern hat uns wieder Lesefrüchte zum besten gkgeben , Von denen ich nicbtwei , oh fie auf seinem eigenen Tisch gepflückt find, die aber nicht wiffcns stlicber Natur sind und für die geistige Strömung in der katholischen Kirche nicht maßgebend sind. Das kommt mir vor, als wollte jemand seinem Freunde aus der Eartenhau-Ausßellung eincge Blumen und Blätter mitbringen und ihm sagen: Gel) nicht bin, hier siehst du, was da zu sehen ist. Herr von Cynern beschwert sich über Testamente zu Gunsten der Kirche. In dem all in Paderborn kam der h_eiieffende Nachlaß nicht der Kirche seldst, ondern überhaupt christ- lichen Kulturzwcckkn zu gute. Und so ist es in der Re el mit den Vorwürfen gegen die katholische Kirche. Das Kloster aria - Laach soll den ganzen Bauernstand der Umgegend aufsaugen und immer mehr Vermögen an sick; ziehen. Uns wird von dort mitgetheilt, daß seit 1892 das Kloster im Ganzen 2 118. 22 8 angekauft hat, von Leuten, die froh waren, ihre ParzeUcn los zu werden, und das nennt err ron (Fynern Aufsaugung des Bauernstandcs. Für unsere eschwerken über die imparitätische Behandlung haben wir nicht nur unser Empfinden als Verveis beigebracht, sondetn Thak- sachen. Dcr Abg. Friedberg hat prinzipielle Bedenken gegen die Be- erung don Veamtsnfiellen mit Katholiken überbaukt, wäbrénd 7561: A g. Satilcr sagt, man könne sehr wohl aus römiscb-katholischem Standpunkt stehen und doch StaatSbeamt-Zr fem. Die Debatte ist für uns so verleyend aewssen daß uns aUerdings das Zu- sammen eben mit den Nationajlikeralkn bei den Wahlen außer- ordeniii erschwert ist. Nach Herrn Friedberg kann dexj-“nige nicbt Staatsbcamter werden, der tie Lehren, die die römische Kurie in die Welt gesetzt hat, - an ein sehr schöner Ausdruck -- mit vollem (Glauben annimmt. as würden Sie 1agen, Wenn ein Katholik so unbescbeiden wäre, einen Protestanten danach zu fragen, wie wcit seia Glaube gehe, eh? er ihtxi ein Staatsamt anvertrauen wih? Ich irexde als Katholik :solcbe Fragkn ab- lehnén. Ich beschäftige mich ausdrücklich hiermit, damit nicht an andkrer Steile gigen katholische Staatsbkamte auf Grund unkontro- lierbarer Gkrüchte ein Verdacht erregt wird. Wir leben in voller Eintracht mit dem Papst. Das hindert uns aber nicht, unsere Pflichten als Staatsbeamie auch in höheken und höchsten Beamtsn- steÜen zu erfüüen. AUFKLÜLM steht ja dem Staat das DiSzivlinar- verfahren zu Gkhote. eligiöseDispute lehnen wii; hiér ab; sie haben keinen Zweck Männern gegenüber, dre dazu nur ihren Aniagcnismus ?kg-n die katholische Kirche mitbringen. Das Gebiet der Theo ogie ist von svlcher Zartheit, da es ganz unmöglich ist, in einer Versammlung von Laien solche ragen zu entscheiden. Wenn dazu einer nur Kenntniß einiger Pamvl) :*te Zegkn
'die kathclischc Kirche mitbringt, so kommt man in einkr solcb-Zn
Diékussikn nicht weiter. Herr Friedberg solln“, wcnn er Kerntniß von unserer Kirche erhalten wil], sich an ein Mit-
,glikd ker römilkch-katholischen Fakultät Wenden, nicht an
einzn Menschen, er don dc:- Kirche ahgefaüen ist. err Fried- berg hat gistkrn auch über die Prohabilitatßlxbre gesprcchkn. Tias kommt mir so vor, als wann ich den Herrn Prasidenten biiten wollte, diese Versammlung hier auzufordexn, den Saal zu Verlassen, weil möglicherwäse einmal iie ecke cinstür en könnte, Was die m- burgcr Libretversammlung betriffi, so ha e ich nichts dagegen, da der ProiefforLehmann die Affen alsseine Ahnen ans1:ht. Aber Lehrern, die auf solchemStandpunkt stehsn,kann man den Religionßunterricht nicht an- vertrauen. DerSyUabus hat, wie errFriedbcrg meint, dieGlaubenSfreikx-eit als äsUramsxtt-um bezeichnet. ir haben uns oft über den Rcligions- unieiricht dex Disfidentenkinder unt€rha11en, und da hat der Kultus- Mmistex es als Pflicht dss Staais bezeichnkt, auch diese Kinder in dersReltgion zu unterweisen. Mit meinem Herzen stand ich auf seiner Sens, aber nicht_ vom rechtlichen Standpunkt aus. Ich selbst babe aber einmal außgeiührt: w.nn jemand ein absoluter Heide sei, so könne dk: Staat ihn auch nicht abhalten, seine Kiddr als Heiden zu erziebén. Jiu so _pofitiver Forty, wie Herr riedherg behauptet, steht jsnes Zitat ubrigens garnicht im Sylla its, denn der SyUabus ist ja uberhaupt nichts Positives, sondern eine Kritik und ansur von manchen _Dingen. Der St_aat ist ja selbst zu manchen Sätzen des Syüabus ubsrgegangen. Sie haben ja im Reichétage wiederholt durch das Sozialistengesey die absolute Redefreiheit beschränkt. Ein KathoLik kann alles für recht halten, was im Syllahus steht, und doch seiiJe Pflichten als Staatsbeamter gegen den Siga: tre'u erfiillen. Herr Friedber bat fich auch auf Pcrone berufen. Soll ich Ihnen Stellen aus utber's Schriften zitieren, die sich auch nicht sehr i_reundlich Legen die tömiich-katholische Kirche verhalten? Der Konsistorial-Rat Leuschner in Worms bat in„ciner Predigt gesagt, dßs Yvangebszhe Volk mü e einmüthig protestieren gegen die Lage, die in der ka! olischen Kirche ihr Wesen treibe, und gegen die falsche Staatskunst, die mit dieser Lüge paktiete. Aus der, spanischen Geseß ebung können Sie der katholischen Kirche sxlbst keinen Vyrwurf maZen. In Braunschweig müssen aber fatbo- ltfche Eltxrn dix. Genehmigung-des evangelischen Pfarrers einholen, wenn sie ihre Kinder katholischtaufen lassen wollen. In Berlin be- steht ein Vexein, an dessen Spixe 1891 ein vortragender Rath aus dem Kulnis-Mimsteriiim stand, zur örderung des Evangeliums in Spanien. Was würden Sie sagen, wenn in Madrid ein Verein zur Bekkhru ng dex arkxennMecklenburger, die noch in der Finxterniß wandelten, gc- arunoet wurde? Ein katholischer Graf Ketten urg in Mecklenburg bat eine ei ene Hanska elle und ließ fich einen Pfarrer aus* Linz zu seiner eeisorge ommen; die mecklenburgische Regierung ljeß das aber nieht zu. Unsere katholischen Beamten konnen die Staaxsgescye, wenn sie sie autb nicht für richtig halten, doch korrekt austbten. Kann etwa ein Landrath, der ein prinzipielle: (Hegner des aiigemeinen leichen direkten Wahlrechts ist, nicht als
-Wahlkommiffar bei“ dk" Üch9ka68wablen fungieren? In Belgien
ist kik Zuge lebhaft h_espxoÖen worden , ob ein Beamter, dxr volltandig auf romirch - katholis em Glaubensbekennt- nzß steht, den Eid auf die belgif e Verfassung leisten konne. In Holland find zweilfellos auf römisch-katholiscbem Stand- punkte stehende Manner Mita ieder des Ministeriums gewesen. Cin
Vize-König von Indien und .Mitglied des liberalen Kabinets in England hat auch auf, streng tömistb-katbolifchem Staud- puukt Zefianden. Ohne ihre kirchlieben flichten zu ver! , können_ atbolikeu sehr wohl den Eid auf die taatsvetfaffung lei en.
hatte nicht ge laubt, daß es jemand wagen würde anzudeuten, da _mein Eid auf d e preußische Verfaffung nur um eines Haares Breite schwacher sei als der Eid, den, der evangelische Herr Präsident dieses Hauses oder der Abg. Fnedber geleistet hat. Ich stehe voll und ganz auf dem Boden der katholichen Kirche und will in voUer Einheit mit dem Pavst leben und sterben. Glauben Sie, daß dies meinen Eid auf die Verfaffung irgendwie beeinträchtigt? Ick boffe von der Ehrenbafti keit des Abg. inedbera. daß er auf meine präzise Frage eine präzi e Antwort giebt. _ Er bat schließlich den konfesfions- losen Staat 'auf den Schild gehoben. Wie darf man noch _ von emem_Königtbum von Goties Gnaden sprechen gegenuber Staatéburgetn, die nicht an Gott glauben, und wie kann der Richter einen glaubenslosen Zeugen auf die Ewigkéit dex Strafen hinweisen? Die überwiegende Mehrheit diesks Hauses wud aber wohl der Meinung sein, daß der christliche Staat auch der gerechteste ist und daß seine Aufhebung ein nationales Unglück wäre.
(Schluß des Blattes.)
Nr. 17 des ,Ceniralhlatts für das Deutsche Reich“, betanSgegeben im Reichöamt des Innern, Vom 30. April, hat folgenden anth: 1) AUgemeine Verwaltungs-Sacben: Békannt- machung, betrcnend _die den mittleren und unteren Beamtsn der Verwaltung des Kaiter Wilhelm-Kanals bei der Beschäftigung im LootS;, Fahr-, Bag er- und Streckenauffichtsdienst zu gewährenden VerYtungen. - 2) onsulat-Wesen: Ernennungen; _- Ermächtigung zur omahme von Zivilstands-Akten; _ Todesfall; _ Exequatur- Erthei'lung.,- 3) Zoll- und Steuer-Wescn: Bestimmungen über dem zollfreien Einlaß _der von dem internationalen landwirthschaftlichen Maschinenmarkt in Wien zurüxkgelangenden deutschen Güter; - Rangexhöhung eines _Stations-Kontroleurs. - 4) Polizei-Wescn: Ausweisung yon Auslandern aus dem Reichßgshiet.
Arbeiterbewegung.
Aus Steitin berichtet die .Osisce-Fig.“ zum Ausstande der Getreideträger: Die Ausständigen ielten gestern eine Ver- sammlung ab, in der six beschlossen , ungeachtet der er- folglos verlaufenen Verhandlungen zwisch€n der Kommission und den Vertretern der Arbeitgeber am Montag die Arbeit wieder aufzunehmen. Sie beschlossen fkrner, bei denjenigen Arbeitgebern," die bisher den Tarif innegehalten haben, zu den darin angegebenen Sa en und Bedingungen weiter zu arbeiisn, bei den ührigsn ahex, wo ich dielEXlegenhcit bietet, ihre Arbeitskraft nach Möglichkeit bezahlen zu 3 en.
In Hanau haben, der .Frkj. Zig.“ zufolge, die Diamant- scbleifereibesißer auf die Anfrage des Gewerbegerichs die an- gehoiene Vermittclung abgelehnt. Dagegen haben fi? fich bereit erklärt, cinzkln mit dcn ausständigen Arbeitern zu Verhandéln.
In Heilbronn ist dsr Ausstand der Maler, der .Heilhr. Ztg.“ zufolge, hssndet, da die Mkifter die Forderungen zumeist an- erkannt hahxn,
Kunst und Wissenschaft.
Große Berliner Kunstausstellung 1897.
Im Kuppelsaal des_ Landes-Ausiieüuxi Lgehäudes smd hkute Mittag um 12 Uhr die seierliche Crö:?nung der Großen Berliner Kunst-AuSiiellung 1897 durch dkn Minister der geistlich€n, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten 1). [)r. Bosse stati. Schon geraume ZSU Vor Beginn der iner hatte sich in den , abweichend van den Anordnungen früherer Jahrs, durchweg zugänglichen Sälen der Ausstellung cine zahlreiche
estversammlung Lingefundsn. Außer dem Minister des Königlichen
auses von Wedel und hohcn Staatsheamten sowie den Mitgliedern dss Senats der Akademik der Künste waren zahlreiche ausstellende Künstler mit ihren Damen erschienen. Mit einem Jansaren-Chor wurde der Festakt eingeleitki, und nach einex kurzen Anfprach, welche in Ein Hoch auf Seine Majestät den Kaijer und König aUT-flanZ, ciklärie dsr Minister der geistlichen ;_c. Angelegenheiten 1). Ur.__Bo-n€ die Aussieüunz iür eröffni't, worans der Rundgang durch di: Sale erfolgt?.
Vorbericht.
11. TK. - Der Strom moderner Kunstühung ist im Zaiife der lkßtkn Jahre erfihtiich hriiker, ruhig-xr, aber auch seichter gewdrden; mri neugieriger Un :duid fräié-t man daher bei jeder Gelegenheit nach ncu auftuuchenden Létromschnsiicu und laßt die vißleU kleinexi Talente, die mit dem Strom schwimmen„ weil ihnen die Kraft eigener Richiung mangelt, vorühcrztehen, ohne ihrer zu achten. Leider lockt mit selten ein séster Felsblock, an dem die WLULU brechin, dcn Blick des Wanderers am Ufer. Dyppelt freudig muß man deshalb in der dtesjc'xbrigen Aizssteüung, die im Wesentlichen auf deutsche KUnst beschrankt ist, einige Künstlerindi- dualitätcn begrüßen, die fest i_vurzeln m der Anschauung, die sie in tapfercm Ueherzeugungskampfe 1ich und der Welt errangen, und die dieser ncuen Anschauung Bahn chrochen hahsn auf Kosten des _ver- führerischén Tagesetfolges. Dur die _Scbaar dkr'Nachzügler wachst nur ihre Größe, und selbst da, wo sie heute uherholt scheinen, weckt ihre volle und mannhafte Persönlichkeit Vewunderyng. So bietet sich in diesem Jahr lekgenheit. das Schaffen Ma x L: ? d'erman n 's, der Jabrzehnie lang unier der Anfechtung seiner _kunstlertschen GrundsaJe durchdie öffsntliche Meinung hat lciden mu1 en, in einem geschlo enen Bilde zu würdigen. Der ihm für eine Sonderausstellung zugewiesßne Saal mit seinen grünen Stofftapetzn, _dem Holzpanexl und dem Licht- fchirm, der das grelle Oberlicht dampft, tst_ zugleich ein Muster vor- nehmer und geschmackvvller Ausstattung cines zum Kynstgenuß he- stimmten Raumcs. Die Z'Lbl der ausgestellten Werke ist ansxhnltcb, aber nicht ermüdend und ermöglicht einen Ueberblick über die Ent- wickelung dieses so vielfach mißverstandenezi Talents. „ _
Andere Sonderausstellungen, weyngieich in weniger intimer Ah- geschlossenheit, gewähren einen Einblick in die Lebenöarheit des greifen Ehren-Präfidenten der Akademie Karl Becker, des LandkchaftSmalers Albert Hertel, Ludwig Dettmann's und dss Bildhauers Gustav Eberlein, der sich zugleich auch als Male; hei dxm Berliner Publikum vorstellt. Andere Künstler, wie der geniale hollan- dische Porträtist Ian Beth und AdolfFRännchen haben eben- falls Zink? stattliche „Zahl ihrer neuesten Arbeiten in geschlossener Reihe aus e e t.
ng Ehrensaal lenken das aroxze Repräsentationshild von Wi [[ i a m Pape; „Cin Reick) -- ein Vok - ein Gott“, sowie ein Neiter- bildniß Seiner Majesiät des Kaisers _von Werner Schach und das geniale orträt des Nei skanzlers Fursten &a Hohenlohe von Franz Lenba besondere Au merksamkeit auf cb. Lenbach's Kunst ist überdies auch noch durch andere Werke vertretxn, unter denen besonders eine Weibliche Porträtskizze und das Bildntß des Bildhauers Rein- hold Vegas in halber Figur hervorzizbeben nd.
Tie Porträtmalerei bar in diesem ahre neben vielem Un- zulänglicben aucb manches .Erei niß' aufzuwkisen. Außer den schon erwähnten charaktervoüen Schöp?ungen J'an Vetb's seien bcsondexs zWei vornehme und geistreich emalte Bilder der polnischen Malerin Olga Boznanska, eine ehr zxrte FrauenZestalt von Karl Lie ler, mehrere ener ische Männerköpfe von udwig Keller-
ü eldmf, ein etwas argiertes, aber flott hingewocfenes Modebild von Emil Heilemann und das Porträt des. Schriftsteüers Frei- herrn Dstlev von Liliencron Von Momme Nissen genannt.
Von bisher weniger bckannteu Malern der jüngeren Generation debütieren mit Glück Hans Bachmann-Düsseldorf, Paul Kaemmerer-Stuttgart, der Marinemaler Eichstetten und der junge Berliner Landschaftßmaler Alfred Scherres, deffen Sonnen- unteraang am Meeressirand überraschende kolyristiscbe Kraft offenbart.
Die Düsseldorf_er Malerfchule ist reichhaltig und mit ener ischen Individualitatep, wie Spaß, ?einricb Herrmanns, Z. eimes vertreten, kt? fich neben den ekannteren Genossen von
e baxdt, Kampf, Brütt und Klein-Chevalier ehrenvoll zu behaupten wissen. '
Karlßruhe bat eine klxme, aber vortreffliche Außwahl von neueren Werken des Grafen Kalkreuth, Carlos Grethe's, Franz, Heim's und Kallmorgen7s aufzuweiskn.
Die Münchener Schule ist, soweit eine Jüchtige Wanderung durch die noch halb unfertige Ausstellung ein Urjhxil erlaubt, dieSmal durch die eigene Ausstellung zurückgshalien. Nur die trefflichen Zeichner der „Fliegenden Blätter“, Hengeler, Wahle, René) Reinecke und Harburger treten uns als geschloffene Gruppe an einer Wand eines Nebensaalcs sntgegen, vor der voraussichtlich manches _heriliche Lachen erschallen wird. Schwerlich wird auch die pxiFsih jiilifierte „Maria“ vou Strothmann als ernstes Kunstwerk yon der Mehr- zahl der Ausstellun shesucher gewürdigt werden. Zu bedauern bleibt die einer künstleris en Schruns geodferte große Mühe und Arbeit.
Von BerlinerMalern schließlichseien außer den oben bereits genannten noch flüchtig eine sehr feine Mondlichtstimmung von Skarhina, eine prächtige Brandung von W. Hammacber, mehrkre Porträts von Vilma Parlaghv und schließlich das Arch): Breitbild Von Franz Paczka, Adam und Eva in weiter Landschaft darstellend, erwahnt.
Einige scharf individmilifierte Männerbüsten von R. Vegas, Karl Janssen und A. Kaan fesseln in der plastischen Ah- theilung bei flüchtiger Rundschau den Blick. . _
Troß der großen Nummerzahl, die auch der_diesjahrige Aus- stellungs-Katalo voraussichtlich aufweissn wird, darf man die Aus- beute an wirfli bedeutenden oder gar epocbetziachenden Leistungen keineswegs boch anschlagen. Hoffentlich kommt eme solche Ruhkpauss der gesunden Entwickelung unseres Kunsilebens, das durch die aÜjähr- lichedn großetn Ausstellungen ksineSwegs immer wohlthätig heeinfiußt wir , zu gu e.
Der zu der heutigen Eröffnung der großen Berliner Kunst- ausstellung 1897 von der hiesigen Kunstwerlagsfirma Rudolf S ck u si er gelieferte K ata ! o g zeigt mehrsre dankenßwerthe Neuerungen. Derselbe bringt diE Bildnisse aÜLr derjsnigen Künstler, welche durch Kollektidausstellungen vertreten sind. Sodann wird das Auffindkn der einzelnen Namen jest durch große Buchstaben in den oberen Ecken der Seiten crleichteri. Endlich enthält _der Katalog noch ein Ver- zeichnis; der durch Ehrendiploms und Medaiilen auf den Bérlinkr Kuastausstciiungen aushezeichneisn Künstler. Die Tcxiausgahe kostst geheftet 1 «sé Der illustrierte Katalog (Preis gsheftsi 2.46, gehundm 3 ck) wird in einigem Tasen erxcbeinen.
Im Ganzen sind nach dem Kaialog 2132 Kunsiwsrks ausgkstklit, darunter 1626 Gemälde. DIL AUÉstLÜUp-g währt bis zum 26, Sexv- icmhcr und ist täglich von Morgkns 10 Uhr an geöffnst, und zwar bis zum 31. Juli bis 9 Uhr Abends und _vom 1. August bis 26. SW- temhcr his 8 Uhr Abends. Dc'c Einirittéprets bsiragt 50 „Z, Montags 1 „46
Im städtischen AuSstkliungs-Palait ZU DrüZden fand heute Vormijtaß die feierlicheErösfnung dsr intcxnaiiorxalenKunst- ausstellung in Gegenwart Seiner Majkstat (“83 Königs, Ihrer Königlichen Hoheiten ker Prinzkn uud Prinzesfinnep, der Mitleieder de's diplomatischen Koxps, kLk Staais-Ministar,_ der waraiiiat, der SOZZM dkr thördkn und zahlr.?ichxr Ehrxngäit: duréh din Staaxs- Minister Von Meßsch statt.
Verdinguugen im Auslande.
Nicd€r1ande. Ohne Datum. Gemsinde-Gasfabrif zii Devknicr: Lisierunxz Von 80 000 111 englisch-Zr und déaisshi'x Gaswhlen. deingungen [)St Fraako-Anfrage vom Direktorium der Fabrik Erhältlich.
Dänemark.
10. Mai, 1 Uhr. Staachahn-Vetivaliung (UJZYUQMSUUZSUJ Comor, (?01dg'örn5-3r15gac18 611) Kopenhagen: Lieferung Von 500 m Wagenborten, 200 Stück Wagknquastkn, 2500 m“ Naht- schnüren, 6500 Siück Schmiekkiffen, _300 w Schmierkinenzéug, 1500 Siück runden Lampendochten, 50 PsandLsinsngarn, 200 Pfund Bindaarn, 100 Pfund Schnürgarn, 200. Pfund gstheertem Garn, 600 Pfund Signalpfeifcxnsckxnürkn, 1000 Pfund Spundgarn, 250 Pfund Packaarn, 350 Pfund Seilen. Bedingungen und Angebotsformulare an Ort Und Stelle und beim „Reickos-Llnzeiger' (in dänischer Sprache).
15. März, 12 Uhr. OirSCTSUWU kor LSiz'ZriiUgZMSZoZiSr, 22 1765176 130n18x'3rc1, Kopenhagen: Lieferung von 50000 Pfund Blei. Bedingungen zur Anfickot auf dkm Jngmikari'omwr der Gas- anstait, wwchxntäzlicb von 10-3 Uhr.
Theater und Musik.
Berliner Theater. ,
Paul Lindau's Schauspiel „Die Brüderlgm-Z gestern mit st-axkem äußeren Erfolge, abkr doch ohne ernste Wirkung zum_ ersten Véal in Scene. Das Stück macht den Eindxuck einer drginattfikrien Krimixal-Novsük, hei dsr mehr die Erregung der nggicr (i_ls eme iief-Zre seelische Antheilmahme dcr Zuschauer erzielt Wird; fur G?- müth und Secls Ergichi siéh kein dauerndkr Gcwan Dre Exposition der beiden erstkn Akts _ ist mit dexn dqrhcrsitknden Ereignissen za de das Schauspiel ahxchließenden, innerlich unwdhr- scheinlichcn Vcrdrechcn des Mordes außgefüllt,_ welchxs em Architckt Martin Hallenhxrg aus Eifersucht begeht. Aus dcr'Bü'hne sicht man den sdäiercx: Verbrecher Proben großer Gswtffenhasttgksit gkhcn. Wenn es sich um die Ordnung von (Geldange'legexiheitdn handelt, aber auch Prohkn höchst unriiterlichsr Hinterliit seinkr quut, einer Operettcnsängerin, gegenüber. Aus die Unthat bxreitej' auch eine Andeutun des Bruders des Architektczi vor,_der als richter- licher Beamter die ntersuchung führt und seinen jnngkren Brizder Warnt, sich von seinem Jähzorn ühermannen zu lassexx In den beiden leßten Akten bilden dann die gsricbtlichen Verhöre, bei denen der eine Bruder den anderen zum Bekenniniß zwingt, das Haupt- interesse. Die Handlung gleicht im Ganzen einem wohl _ aus- geklügelten Rechenexemvel, abér darum war_ den aufmerkkamen
uschauern der Schuldige auch ohne Verhör 1angst bek_annt. Dem
chauspikl Lindau's fehlt also wieder die iiinerliche Bkgrundung cines noihwendigen seelischen Konflikts, sodaß die kunstlichkaufgedfropften Rührscenen am Schluß, als fich die Eifersucht Martin's als grund- los herausstellt, nicht mehr ergreifend wirkth. -; Die Dar- stellung bot einen bei weitem höheren kunstlertscben Genuß dar als das Schauspiel an sich. Die Herren „Kraußneck i_md Sommerstvrff spielten die Brüder würdevol! und mit kluger Zurucx- haltung" Herr Bassermann gab einen alten Juwelenbandlex MÜ derber Charakteristik, und Herr Pohl bot eine? Musterleistung m der RoUe des eben dem Zuchthaus entlaufenen, spionierenden IosefAiten- dorfer. Die rechtscba ene Operettensängerin fprachFcaulemPosp1schil mit warmer Herzlichkeit. __
Jm Königlichen Opernhause' wird morgen Meyerbeer'ö Oper ,Die Hugenotten“ unter Kavsgmeister 1)r. Mizck's Leitung ge- geben. Am Montag findet eine Autsührung von „Richard Wagner's .Tannhäuser' unter Kapellmeister 1)r. Muck's Leitung stqtt. Den Tannhäuser sin t Herr Sylva, die Elisabeth Fräulein Hiedler, die Venus Frau ucher. '
Jm Neuen Köni lichen Opern-Theatxr wird morgen zu ermäßigten Preisen Ra mund-"s ,Versthwender' m der kekannten Baseyung gegeben.