1897 / 105 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Wed, 05 May 1897 18:00:01 GMT) scan diff

26. April. Pappadiamantopoulo, Sec. Lt. vom 1. Feld- Art. Rygt. Nr. 12, Arayrovoulos, Sec. Lt. vom 1. KönigS-Huf. Regt. Nr. 18, _ aus allen Militärverbältniffen entlassen.

Beamte der Militär-Verwaltung.

Durch Verfügung des Kriegs-Minifteriums. 26. April. Meißner,_ Kasernen-Jnsp. in Dreßden, unter dem 1. Mai 1896 alssK;*ntrolsÜbrer auf Probe zur Garn. Verwalt. nacb Königsbrück der ev .

Deutscher Reichstag. 214. Sißung vom 4. Mai 1897, 2 Uhr.

Ueber den Anfang der Sißung wurde in der gestrigen Nummxr d; Bl. bcrrchtxt.

“sur dre allgexneinen Rechnungen für 1885/86 bis 1891/92_ mird, entiprechend dcr) Anträgen der Rechnungs- komm1fnon, die Entlastung rrtheilt. ,

Ebenso werden m dritter Berathung die Rechnungen der Kasse der Qber-Rechnungskammcr und dieUeber- srchien dcr Einxnrihmcn u_nd Ausgaben der Schuß: gebiet? für 189490 und 1890/98 erledigt. _

Wer dem [xßieren Gegenstande erklärt auf eine Anregung des Abg. Dr. Yammacher (nl,) der

Direkjtvr der Kolonial - Adrheilnng dss AUEwäriigeii Amts, 1)r. Frr'tberr vori Rickytdoxxn, daß keine Nachricht und aiich kein Anhaltspunkt daiUr . vorliege, daß i_n _West- Afrika die decrrrst ausixebrochen sst. Für den Jai], daß dies ge- scheircn wüte, dürre nian Pcb wohl der Erwartung hingeben, daß die Erfahrunchi des Gédétmeq Raths Y_r. Krch drm Schaßzediet zu Gute kommen wurden Und er iemen A7111tcnz-Arzt ])r. Koblitock dorthin entsenden _werde. , _ __

Es 70th die rrite Bcrathimg dcs (_Hescßeritwurjs, betreffend den Serwiswrif und die Klaifencirithciiung der Orte.

Abg. Ricbtkr (i_r. Volk-F-YN EH wrrdcn ständig RLUS Anfordxrungcn an den Reich-Ztag g€1t€Üt,_n*adrknk alle Forderungen_ drs Reichsta-ZS unerrülix dléibén._ Ick) mrch't€_dadkr (zn deri Krirgs-Mmiitrr die Frage richtén, wis €§ mrt drr Milriar-Straxrrozsyrrkmmg Uedt.

Stjaatsickrctär dcs Zimrrn, Staats-Minister Dr. von BoetUcher:

Dic Vorla-Zr i:?züglicb dsr Ncugrstaiiang drs MilitäriirairrrzcffeZ ließt, was dem Özrrn Argérrdnrtrn ja wobl äUßsriicb dkiannr Zc- wordkn 1":in wird, im Vundkérark. Si? ift drrr an die? Au-k-ichüfie Überwisicn. Srdixl ich weiß, smd dic AWicbufzksrarkungxn nrch nicbt abgsscblriirn. Srbxlr da:“- z:!"cbekrn ist, wird sich drr BundeSratd in seinem Plérum Unrcrzüsiicb (Öcitcrkrit) mir drm Ergenstand be- ichäfti5M und wknn darm dsr BURDSÖL'JTÖ B:""cbimß gciaßt bakxn wird, wird dix Vrriazs Urrcrzäzlickd (Hsirrrkcit) drm Rsich§taz€ zagrkxn.

Mg. ])r. Hamr'iaobrr Zr,:xiragx „dir chrrwsiiung dcr Vorlage cm die Budgerirmmi'kzxn urid irricb: “rm Bedaurrn darükkr aus, daß dir Ermeinde Sam, _rrrr di:“ ?r ck93. wrkrmais eirzetrétrn, nickt iki ein“.- dö'rxre SNHÉUMS :ckruimxn is_i. _ _ _

Ads. Or. Ziekkr !JZInir.) !cbiiéxt U:!) M Namxn ?rinérrrlitiiwcn Freund: dem Axmxs xn. & _ , _

AIZ. Riäorrr: Dir _éxxriats'ekrcrdr drr. Brrtricbrr d:]!e die' Eins, wird 835“: drr: L_HL'ÖIUZZMZ UU- Byridréraiix zuislcdrrn. Dixiär Briekrirri; krdUrrts er? ".:r m_rcb nicbt, deu ist meine karl:- wcmariixdk _Erxakrruz air ZUWZ. EZ dandrir 71:8 bikr Um dis i:?- itimmxs ZU'JZL Teé- RNÖÉkanxicrH, r:-: NUNMÖDkl-"TZC drm Nrickys- tase im ;)rrktt rrrsuixsrw.

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Aba. von Saliscb (d. kons.): Die Preise haben fich cini et- maßen a eglichen; es ist nicht auf eine Verseßung der Ottscba en in eine l!!)?)Tere Servisklaffe Bedacht zu nehmen, sondern auf eine Außgleichun der Differenzen zwischen den einzelnen Klaffen.

Abg. ichter bält ck aucb für nothwendig, den eigentlichen Servisnaif zu prüfen und einen AUSgleicb herbeizuführen. Der Reichskanzler babe beiseiner Zusage, dem Wortlaute nach, doch wohl angenommen, daß der Bundeßratb die Militär-Strafprozeßreform schneller erledi en würde; denn er habe davon gesprockpen, daß sie den geseßgebenden aktoren, also auch dem Reichstage, im Herbst Vorgelegt werden sollte.

Staatssekretär des Innern, StaaU-Minister Dr. von Boetticher:

Der Herr Abg. Rickoter, ein Kenner unseres Verfaffungérecbts wie kaum ein Zweiter, weiß, daß zu jedem Reichßgeseß die Zustimmung der beiden Faktoren, des BundQSratbs und des Reicbtages, gehört. Wenn in Aussicht gestellt wird, daß diefen gessßgebenden Faktoren eine Vorlage gemacht werden soli, so ist es ganz selbstverständiiä), daß diese Vorlage zunächst, sowohl wenn fie eine Präsrdialdorlage ist, als auch wenn sie auf dem Antrags eines Vundésglikdes kerubt, dem Bundesratb zugeben muß. Die bkzüglicb der Militär-Straiprozeß- Ordnung gegebene Zusage des Herrn Reichskanzlers ist, das wiederhole it!), in voiiem Maße dadurch erfülit worden, daß dem Bundesratdr die Vorlage zugegangen ist. Der Herr Reichskanzler würde meines Er- achtens nicbt allein nicbt vorsichtig, sondern auch nicht drr that- sächlichcn Lage der Dinge und ibm naturgemäßcn Entwicklung entsprscbend gehandelt baden, wenn cr hätts in Aussicipt stellen wollen, daß im Herbst auch der Reichstag mit dieser Vorlage beschäftigt werden sol]. Denn der Herr Reichskanzler weiß ebenso gut wie wir alle, daß dic Thatsache dsr Vorlage eines Entwurfs, der einem der gefeßgedrnden Faktorsn zugcfertigt worden ist, noch keineswegs die Bürgschaft in sich dafür schließt, daß innerbaib einer bestimmten Zrit die Vorlage aus der Beraidung dieses geseßgebenden Faktors wieder brrauskcmmen wird. Ich behaupte also _ und ich glaube nicht, daß mir irgend jemand darin wird widersrrcchsn können _, daß der Herr Rrickyskanzler die Zusage, diu er hier im hohen Hause ertbcilt hat, in rci'le'm Maße der Erfüllmig cntgcgengsfübrt bat.

Abg. Ricbter: Dann würde drr Rcickskanzler gksagt haben, daß die Vorlagr drm Vundoßrajb vorgklc'gt wsrden soUts. Urbrigkns Hört man, das: dir Schwicrigkxitkn nicht im Bundedrati» sondern beim rreußiichén Staats-Miristrrium lägen, ron drm die Vorlags QUZJLZQRZLU M.

Staatsirkrctär des Innern, Staats-Minister [)1'. von Boettichcr:

TITLE man kört, ist nickt immrr rickrtig! (Heiterkeit)

„Tir Vorlage wird darauf drr Budgcrkdmmiifion Über: MMM.

Es iolgt die zweite“ Berarßung dcs Geseßeniwurch wegen anderwcircr Bemessung der Witxwen- und Waisengeider.

Von de'n Sozialdrmokratcn liegt ein Antrag vor, die Mindcstpenfion dcr Wittwen von 216 .ié: auf 430 “& oder doch mindestens 380 .“: zu erhöhen,

Ada. Stadtkagrn (Soz.) brgründst diesen Antrag untcr Hin- wéis auf skins Außiübrungkn dci drr criicn LSsung; dis Pension wüffs io bsme'ffen werden, daß sine Witxwe mindestens täglich 1 & Pension dare.

Der Antrag wird gcgcn die demokraten abgrlekmt.

Ein wsitrrcr Antrag drs Abg. Stadthagen gebt dadin, fiir die Witiwcn dcr Pcrsonrn drs Soldatcnfiandes row Fridwxdci abwärts im Faiie eines Unfalls cbcnfalis eine Mindriwrxiidn von 450 brzw. 380 «xx zu gewähren, für die Waiirri aber itari ch Betragrs VON 44 .“: für eine vaterldie, rm 72 „45 fiir eim: rarer: Und muticrldse Waise die Beträge DM 150 und ;)?-5 „E zu bewilligen.

Sxaatéikkrrtär dcs Rcich§= Schaßamrs Dr. Graf von VerowkaWehner:

Méinr Örrrrn! Jcb möckie wir mir Einen formalen Einwand FCZ??? dixikn Anrrxg CriaUkW. WEnn dir: die Renke für die Kinder kf"! Miii:57:*rrirrxri in dcr Weiss erköbt wird, also über kw kis- kerixrr'. §€7€Zmäéi§€n Sax rrn kinsm Drittxi dczw. Sinkm Fünitsl drs Nsiikrknzrixxs drr Wirkwérr bi'naué. ic wird natürlich isir die Kinder

rr Zi:iix:rxr-:r. dkr'isii-Z Fal] sirtrkrrn müffm. Tann lisst die M5;Tick€it :::, d;? dir ineZTiÖ, zvgskiüixten Reiiktsngcidcr ikar- “ZÉLZÖ rickr iéxoxx: *;"rder. iénnen IUZ dem kiniackxsn Grunde, weil ri? N:!ikterci'dxr drr Kirrkr Urd dis Wixiwknrknswn zusammrn nichr ??rrx kSZerm BSTk-LZ ausmackkr. dürixn wi? diE Pension, di? dsr drkomwé'r. känx, wrnn €: an ieinxm „Tdd-FZTQZI :*ek.*“::r.*,r"r: wärs. (Fixx ":ick-I Erdékrnx lisst adkr auch meine? (Fr- :ÉI-KÉ :::?xrddik rx? ersicbs drr 532r§irli€n Möglicbkéit. Ick) babe _ _ ri? AKTTÖZL **:rd mir *"9 ivät xwxßanxrn, dai;

* NSÖrUi-xrr. ckck: äuiiriiiek. [FM konnte; ich babe absr

-: erxcerrxrn :kitriirri 1377521 _, "da?, wknn die Anträzé

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:r:r:; Ü::rr. d:? Mxkrrrirrr-krrii; im Bkdarrdnzxzvitanrx 6 Millirnkn

85:75, :?:: drr (Frentuaiarxrag duni;- :::'::dc. Mkrré'ricrkx-eriß 4 Miliiy-rn kerragrn Ick ZZ.:QZH, rxir 'Dr.: jr.?! 1'ckrn xixmiicb wxit MTZLZM- WSZTÉ :*xr HCT: TZZ. ST:.rthxxn r,:merikiieb dé? Jäile 2:75“: I-errxléäxrx Jr.". m:!ikériWC: Tikrit dkircrxkkric-kn da!, so „;_.-:'7::::5 ;ck wir ::::r. j,:i Kiruna, d;? Nit iw Jakre 1895 rinG-Fxx erxkn'kxl :::-ar “.::. rrrr;ch drr: Anxkkérixen "kk? im Dirr-t't ver- ;“:.j.(3ch7x: L'Ulitérrxrrirrrr. Hixrr-Mr: eriknnxeidxr ZMZiÜiZT 1"md. MZ-k'r Nkixkyrxxixyr 3,2: ZSwZ-ern, wis rx kik: erZSsÖLÜZM iir, gebt ::.-xx:xx E:;Érx-rx "“ :rdeiirxik Eekürinii; und auch (ider die L.?ixrr ii: dsr Staat nicht in der Lage, i: "xw-xn Mit:?ln auszukdmmkn. Ick

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Preußischer Landtag. Haus der Abgeordneten, 75. Sißung vom 4. Mai 1897.

Das Haus seßt die zweite Verathun des Etats des Ministeriums der geistlichen, nterrichts: und Medizinal:Angelegenheiten bei dem Titel „Universi- täten“ fort. _

Nach der bereits gestern im Auszug wiedergegebenen Rede des Ab? Freiherrn von Zedliß und Neukirch (fr.kons.) nimmt as Wort der

Minister der geistlichen 2c. Angelegenheiten 1). ])1'. Bosse:

Meine Herren! Der Herr Abgeordnete Freiherr von Zedliv hat, wie ich mit Freuden anerkenne, große Gesichtspunkte zur Sprache ge- bracht, die für die ganze Entwickelung unseres Unidcrfitätöwesens von sehr erheblicher Wichtigkeit find. Es ist mir deshalb willkommen, zu den angrregten Fragen auch die Stellung der Staatéregierung und insonderheit dcr Unterrichtßverwaltung mit einigen Worten darzulegen.

Msine HMM, ich bin mit den meistert Auéfäbrungen des Herrn Abg. Frsibcrrn von Zedliß einverstanden, aber ich muß sie doch nach einigen Richtungen bin zu ergänzen und vieileicbt auch zu berichtigen suchen. Ich will dem Gange seiner Ausführungen folgen.

Er bat zuerst im Anschluß an die gestriße Behauptung des Herrn Abg. Dr. Virchow drn Vorwurf berührt, daß es wohl vorkomme, daß die Statuten der Universitäten durcb einseitige Vérfügungen der Unterricbtchrwaltung gsändert würden. Mkine Herren, ich kann nur sagen: mir ist in meiner länger als fünfjährigen Verwaltung ein solcher Fal] nicbt entgegcngetreten, und es läge doch sehr nahe _ ich glaubs, das ist kein zu großes Bärlangen _, daß in solchen Fällen zunächst die Uniwerfitäisbcbördrn selbst Beickywerde crböben und mit dersslden an mich krranträten. Ich kann vsrßcbkrn,daß ick) dassofort aufnehmen würde, und daß ich VrUkommen damit einderstanden bin, das; Statuten- ändkrungsn der Unidcrsirätrn, dicser bedrutfamen Korporation in unsérem éffsnilichen chen, Nicht Linseitig und nicht mit Nrbkn- verfügungrn zu murder. firid, sondern daß fie und zwar ibunlichft nacb AnbÖrUng dcr Krrporation grmacht wkrden müssen, und daß sie in ordnungsmäßigem Wegs ixstzustelirn mid zu dubliziereu smd. In diesem Purkie bin ich mit den bridcn Hkrren voükommrn einde:- ftandrn. Ich kann äbék sagen, daß mir Ein solcher Fall bis jsyt nicht dorgxkdmm€n ist.

Sodann bat fich drr Herr Abg. Frkibsrr don Zxdliy dem Falls Arons zugrwandi. Jm Ganzrn und Großen ist die rraktiscbe Bedeutung dicsss Falies in der Oeffentlichkeit übrrsckßäxxt worden. Tir birfigr rbilosopbisäoe Fakultät kat Bedenkrn gxtragcn, drm 1)r. Arons wegru seiner Zugehörig- keit zur soziaidrmokrariickprn Partei, die er Offen erklärt hat, die rsriiz ].LJSUÜi zu entziebékn und die Remotirn gegen iim aus- zusrreckxen. Dagkgrn bat sie im Juli1895 drm 131“. Arons wkgcn Vcricßendsr Aeußerungen gcgen iiaatlichc Organe eine amtliche Ver- warnung und dén Ratio ertdeilt, sich in Zukunft politischer Partei- agitationen zu evibaltkn. Ick glaube, wenn Sie die StSUung drr Unterricht§rerwaltung in dicser Frage richtig bkuribeilen wollen, muß ich wobi diesc Warnung im Wortlaut miitbeilen. Es beißt in der Verfügung der Fakultät:

Die Fakultät siskr sich daher deranlaßt, anen die Verwarnung zu eribeilen, sich in Zukunft solcher Miitcl der öffentlichcn Agitation zu entbaltsn, welche er-tweder direkt durch die tbatsächlicbe Art ihrer Handhabung, oder indirékt durcb icickot cntstcbende mißvckrständlich€ Anfiaffung gecigriet find, anen sclkst ziim Nackoibeii zu getrieben und darübkr irirmiis dkn gunn Ruf unscrrs chrkörpcrs zu schädigen, sowie auch vicilrickyt in weiterer Folge dkn Stand der Privat- drzxntkri in ihrem Vcrbältniß zur Fakultät zu becinträckztige'n.

Nun, meins Hsrrkn, bei dissér Siellungrabme dcr Fakultär crgak iich für mich die Frage, ob nicht don Aufsicbiswcgen Weiter gegen den brtreffkndrn Dozenten einzuscbreiién sci. Das führte zunächst auf die Vorfragx Üdrr die DisZiplinarbefi-igniffe des Ministers den Priwat- dozrnten ßkgenüksr übrrbaurt. Eine sehr sorgfältige Prüfung aufGrund rirgééolrxr Gutachten sieiite fest, daß die Meinungen über die Frage zkrdeiit warrn. Srdr dsrvorragendc: Juristen bejahten und andere rdenso brrvvrragcnde JUristen rsrnrinteu die Disziplinargewalt des Ministers über dir Privatdozentkn. Ick wiU bier auf die Griinde nicht näher cingehrn, sie wrrkcn demnächst auch zu Ihrer Kenntniß krmme'n.

Meinx Hkrrrn, was ioigt darauß? Ich mußte mir sagen: wenn ich gegen einsn Priraxdozerstsn einsckprcits, dann muß ich sch9n im Jntcreffs drr STÜQLÖQULOÜÜL einen festen Rechtsboden Haben; faßt man in solchen FMM zu, dann muß man auch fest zufaffen, dann miri; man skincr S.:che sicher skin. Für mich ergab sich aus diesem Verlauf drr Sache drékalb dir Notbwcndigkeit, zunächst r€chtliche Ordnunz und Klarheix in die DiIziplinarverhältniffe der Privat- dozenten zu bringen. Ick) babe deéhalb über die Frage einen ©2er- enrwuri außardeitrn lafien. Ueber den Gesetzentwurf find die Universitätcn sedört, Und gsgenwärjig schwrben darüber noch Verhandlungen mit den andsren betbeiiigrén Refforts; das wird wahrscheinlich noch einige Z-Jit dauern; ich glaub? kaum, daß es möglich sßin wird, den Gesetz- erirwuri noch in kiesrr Session einzubringen; aber er wird eingebracht wsrdrn, und dann wkrTSn wir hier Geiegknbeit haben, diese ganze Frage nach aUen Skiken din gründlich zu erörtern.

Nur Sins möchis ich schon jeßt brrdorbeben: In der Presse ist von einer Sxité mit einer Konsequenz, die ich nicht recht verstehe, be- hauptet wrrdrn, 65 dürfe gkgen die Priyatdozenten Überhaupt keine riézipiinariicbr Gewalt beitebrn oder konstituiert werden; gerade die abirlurr Jrribeit der Privatdozenten sei ein ungemeines Gut der Unirrrsitäten und ein weskntiicher Schuß dsr Lebrfreibeit an den Unir-krsitätm Ükerbauvt. Das ist ein Standpunkt, den ich meiner- seiLZ nicbt tdeilkn kann. Den jungen Privatdozenten, die da- durch, daß fie fich an der Universität babilitieren, das Neeb! be-fommen, an dsr Universität Vorlesungen zu halten unter éfienliiäyer Auteriiät in den Lokalkn des Staats und unter Bknuyung der staatlichen Lkbrmittel, _ kann man unmöglich diese Sonderstellung vor den Profefforen einräumen. Haben wir gegen di? Pcofesiorrn rim? DiSziHlinargc-walt, und müffen wir fi? haben, so müssen wir sie gegen die Privatdozenten meiner Meinung nach Ebenfalls haben. Also auf dieser Basis werden wir die Sache demnä-Ést ordnen.

Nun hat die Sache in drm Vorliegknden Falle nach der praktischen Seite eine so überaus große Eile nach meiner Ueberzeugung nicbt- Na-cb jenkr VeWarnung ifi Hkrr 111“. Axons agitatorisch in keiner Weise mei,! hervorgetretkn, sondern hat sich auf seine VorlesunZS-

jhäjigkeit beschränkt. Nun kann man ja sagen _ ich will das auch garnicht bestreiten _, die bloße Thatsache, daß ein Privajdozent, der der sozialdemokratiseben Partei angehört, Univerfitäts-Vorlesungen hält, hat etwas _ ich will einen ganz gelinden Ausdruck gebrauchen .. Befremdendes. (Sehr richtig! rechts) Ick) gebe das vollständig zu- Aber aucb abgesehen von der recktlich§n LIZZ ker Scchx, die ich Ihnen eben dargelegt babe, darf man doch nicht ganz außer Acht laffen, worauf sicb die Thätigkeit des Privatdozenten beschränkt. Er liest zwei Kollegien, das eine über „Anwendung der Differential- und Integralreämunz auf physikalische und chzmische Aufgaben“, und das andere: „elektrische und magnetische Mrßmetboden', und dabei hat er einmal fünf, einmal sekos, einmal acht, einmal zrbn Zuixörcr ge- habt. Nun, meine Herren, ist nicht drr leissstc Anhalt dafür vor- handen, daß der Mann seine Vorlesungrn über Integral- und Diffs- rentialrecbnung und über elrktriscbr und magnetisch? Meßmctdoden be- nuyt hätte, um etwa srinen Zuhörern auch nur andeutungdweisesozial- dcmokrasiscbe (Gedanken darzulkgen. Ick Z-aube, diese Gefahr bestedt auch nicht; dazu ist der Hsrr auch viel zu wissenschaftlich. Also wir werden die Sache obne praktische Uanträglicbkeiten solanzr mit an- sehen könnkn» bis wir eine bestimmte rechtliche Basis für ein wsiteres Vorgehen haben.

Ich komme nun zu der von dem errn Abg. Freibrrrn von Zedliß in dankenswertdcr Weiss angrrsgien Fragc über die Grundsäße, nach denen die Unrsrrichtsverwaltung die national - ökonomiscbkn Proirffuren brseßt. Ueber diese Frage möchte ich mich aUerings etwas Weiter dkrbreiten sehon um manchcr Lkgcnde auf diesem Gebiete entgcgcnzutretcn.

Vor allen Dingen liegt es uns Vollständig férn, eine bestimmte Richtung in der Staatswiffenschait, insbesondere in der natioxal- ökonomisckoen Wissenschaft, zu monopolifiercn. Grrade im Gigeutbeii. Ich kann die Frage, nach we'lcben Grundsätzen dir Unterricbis- vxrwaltung bei Bescyung der Lehrstühle in der Staaiswiffcnickyait ausgebi, ganz kurz dahin beantworten, daß sie dabei dirielbsn Gefickets- vunkte beobachtet, die Überhaupt bfi BLsLHUli von akadrmischrn chr- stüblcn für fie leitcnd find. Ich halte LS für meine Pflicht, nicht kinseiiig der ein€n odcr der anderen wisirnschafilicben Richtung zu dienen. Es ist vicimebr mein Bestrcbcn, die rersckxi-Jdexcn Rich- tungen auf jedem wissenschaftlichen Gebiet _ natürlich aÜc nur, soweit fie wissenschaftlich legitimiert find _ zur Geltung zu bringen, eine ]osrjtiu äiJerdußjra zu üben in dem Sinn?, daß an unseren Unider- sitätrn aÜe wiffensckoaftlicb anerkannten und berrcbiigirn wissenschaft- licbcn Richtungen vertreten sind, Licht und Schattcn zwischen dicskn Nickytungcn möglichst biliig und gerecht vertbcilt wcrden.

Meinr Hrrrkn, daran darf sich nach mcinsr UkerZWZUW dir Unterrickßßderwaltmxg auch nicht irre machen laskn diirch ein? cin- skitige Richtung der einrn oder anderen Fakultäi. CF licgt nun einmal in drr ganzen Organisation drr Fakultätsn di: * ?Hglicbkrit und die Gefahr, daß eine Fakultät einfrixig Eine in ii): wcssntiick; veriretene Richturrg begünsiißt und Eine: andcre Richtung zurückstelit, und daß daraus, icb wil] es mal etwas stark aUHdrücksn, eine Ver- knöcberung drr wiffenschaitlicben Behandlung des betrrffrndcn Faches entsteht. So wértbvvll im aligemeinen die Vorschläge der Fakultäten für die Beseßung dsr Professuren find, so darf sich doch die Re- girrung gegenüber Einseitiger Bkrdrzugung cinzslner Richtungen drr großen Vsrantwortlichkeit, die fie trägt, nicht enrzieben. Ich thus das auch nicht; ich kann es schon im Interesse der Lkhr- und Lernfreidcit nicbt thun, die ich meinerseits unkedingt aufrecht erhalten will. In leßierer Béziebung will ich hier tmr ganz kurz einschalten _ was übrigens im vorigen Jahre Von Herrn Abg. Dr. Fri-zdrerg sebr richtig berdorgebobkn ist _, daß ja die chrireideit dsr Universiiäten auch gewiffe Schrankcn bat. Es gikdt grwiffc Vor- kommniffe, die cd absolut ausschließen, daf; Lin Profrffor weiter in einer Fakultät lehren kann; so würde z. B. drr Uebertriti eines katholiscbrn Theologen zur evangelischen odcr umgekrbrt, eines edangelischen Tbeoiogen zur katholischen Kirche sine Fortführung feiner Lühribätigkeit absolut unmöglich machen. Das geht nicht andkrs. Aber ich muß weitergebknd, auch ctwaigrn ein- seitigen Richtungcn in den Fakultäten gegenübsr, dafür sorgrn, daß die Lrbr- urid Lernireibeit nicht zu einrm [€€an SchaU wird, daß fie nicht verwandslt wird in einen gsradczu uncrträglicbsn Lebr- und Lernzwang. Das ist der grundsäßliche Standpunkt, wn drm die Negicrurg bei Besetzung akadsmischer Lehrstühle ausgeht. Ich habe das Zin diesem hoben Hause bereits wisdcrbolt dargelegt, namentlich in Brzug auf di? Bescßung dcr edangcliscb-tbcologischen Lehrstühle.

Meine Herren, außerhalb dieses Hauses _ das möchte ich doch auch nicht unerwähnt [affen _ ist dicser Standpunki drr Unterrichts- verwaltung vielfach dahin mißvrrstanden worden, als ob ich nun bei jeder einzrlnen Fakultät alle Richtungen Vertreten Haben wollte. Das wäre garnicht durchführbar; dazu liegt auch nicht schlechthin Cin Be- dürfnis; dor. Denn, meine Herren, auf unseren Univkrfitäten herrscht ja Freizügigkeit, und die Studierenden find ja nicht an eine Univer- sität absolut (;.-bunden. Die Vertretung alier Richtungen bei einer Fakultät ist auch nicht immer ratbsam _ schon deshalb nicht, um das einbeitiiäye Zusammenwirken einer Fakultät nicbt unnötbigerweise zu stören. Der Grundsay, den ich über die Vertretung mehrerkr Richtungen aufgestellt, läßt fich nur in Bezug auf Gruppen von Universitäten durchführen und nicht nach einem bestimmten Schema, sondern unter Berück- sichtigung der konkreten Verhältnisse, wie sie an der betreffenden Uni- Verfitäi liegen; ich will mal sagen, in dem theologischen Fakultäten unter Berücksichtigung der Bedürfnisse drr Provinzialkirche, _ kurz, unter konkreter und verständigrr Bsacktung aller Momrntr, die hier in Frage kommen.

In dieser Beschränkung, meine Herren, giit nun ganz dasselbe auch von den siaatSwiffcnschastlichen Professuren; auch hier soll mög- lichst jede Einseitixkeit vermieden, möglichste Vielseitigkeit angestrebt und nach Kräften für eine Vertreiung der vc'rscbiedenen staatswissen- schaftlichen Richtungen gesorgt werden. Indessen ist mir diese Auf- gabe, wie der Herr Freiherr von Zedliß sebr richtig hervorgehoben hat, außerordentlich durch dcn Umstand erschwert, daß im Ganzen nur 20 staatswiffensckyaftlickpe Professuren, darunter 8 Extraordinariate, zur Verfügung stehen _ ich komme auf diesen Gegenstand nachher noch einmal zurück.

Nun ergiebt sich die weitere Frage: wieweit ist die Unterrichts- verwaltung in der Lage gewesen, jenen Gruudsaß auch wirklich ins Leben einzuführen und danach zu handeln? Bei diesem Anlaß läßt sich die Frage nicht umgehen: welche Richtungen sind denn in der deutichen Nationalökonomie Vertreten?

Meine Herren, die Gcgensäße innerhalb uuserer nationalökono- mischen Wiffenscbaft sind für denjenigen, der der Sache näher steht, bei weitem nicht so groß, ais häufig in weiten und umb in gebildeten Kreisen angenommen wird. Bis Vor einigen Jahrzehnten herrschte in Deutschland bckanntlicb saft auSnabchlos das Manchestersystem, die Theorie des ]8i556r-8116r 1ai556r-i'ajr6: die Ansicht, daß die Aufgabe des Staates nur darin besteben könntk, Hinderniffe wegzuräumen, die der freien Entfaltung wirtbichaftlicber Kräfte im Wege sind, daß aber dsr Staat zu einer positiven Mitarbeit aui sozialem und wirtbscbaft- lichem Gebiete überhaupt nicht oder doch nur in möglichst geringsm Umfange berufen sei. Das bat fich geändert seit dem Anfang der firbziger Jahre. und diese Aendxrung ist wobl wesentlich arri unseren großen Staatsmann, den Fürsten BiImarck, zurückzuführen, dsr nicht nur ein großer Staatßmann, sondern auch ein ebrnso großsr Volkswirtb ist, und dessen d011 56115 _ will ich es mal nennen _ aucb auf wirtbscbaftlicbem Gebiet in Verbindung mir der cnsrgiscben Anfaffunz dieser Frage in der Praxis großc Verändkrungen hervorgerufen bat, die dann auch tis? bineiiigrwirkr [*ab-Zn in die? wiffenscbaftlicbs, wirtbickzaitlickoe und soziale Tkkrrie. Anfangs dcr siebziger Jahre bildete sich unter unseren Nationalökonomsn iind den Männern, dis fich ST pr0k€550 mit den Sraatswiffxniwairxn befaßten, eine neue sozialreformatoriicbe Richtung, cine rsaiiitiiécyx Schule, die nicht wie die alte Freihandelsschule C1 ])ri0ri arrakm, das; staatliche Tdätigkeit der Volkswirtbichaft nur Sckoadrn. absr keinen Nußcn bringcn könne, sondern dir an dcn Staat die Ford?- 711118271 ikelite, auch auf diesem Gsbi-xt lritcnd und mit drm ganzkn Gewicht der Staatsgewalt im Interés: des aUgrmcinrn Wobics CitiZngEifEU. Diese Schule nahm nicht, wie? die alte Schnlr, & priori ein? naiurgxießiickye Harmonik dcr Jntcreffrn an, die nach drr Meinung der Freihandelstbeoric gegenwärtig nur nicht zur VOÜCU Entfaltung käms, wcil dic künsiiiwen Sckprankrn dis doiic wirtbschaitlicbe Bswcgungdfreibeit und damit auch das wirth- schaijiich€ Glück hinderten. Virimebr nahm die ncuc Schule an, daß das frric Spiel “der wirtbscbaftlichsn Kräfte auch sehr crbrblickxr Mis;- stäradc Erzeugcn, insbrsondcre eine den Jiiicréffcn dcs Grmrinwoblrs nicbt entsprcchrnda Vrrkürzung ch Ariideiis drr grvßrn Mais? dsr Bevölkrrung an dem Produktionskrtragr mii sich drixzrii iönnc. Sie glaubte adcr, daß die? Macht dcs Staats ausrcicTF-xn würde, und daß der Siaat bcrufßn ici, solche Urbcl Wknigstcns za mildsrn und idre gcmcinschädlicbe Wirkung zu beßkn. SiS iintsricbied sich von der frübcrcn Tbsoric wricntlicb dari:7, daß fie in die Bcnrtdcilung disser wiribschastlichrn Vrrbäliniffe ribiscbc Grfiwispunkte bineinbrachtr, Von dem Erdankcn cqugchcnd, daß die Vrr'rältniffs auf mcnichiicbem Handkln bcrndiun, wclches dcm fittlich€n iirxizril nicbtcntzogcn wrrdrn dürfc- Ick giaxbr, daß die ncuc Schals damit im irrsrntiéckyen Rkwi hat. So dcrband fich nun rn-xbr mid mrbr mit dsr rraiisiischcn Forsckung eine praktische Tcndknz. I.)?an bLtrackItstc die soziaikn Und wirtdschaftlirhcn (Frschkinungcn nicbtmeizr wie die Frribandclstdeorktikcr lsdiglich drm optimistischrn Staudpimkte, sondrrn KMU); und in dem nruxrwackoten Zutrauen in die sozialr L-eisinngsfäbizksit des Staats empiadl man Reformen zur Bssritigung der erkanntcn Urbkl. Für diese Schule! wurde 1871 dcr Srvltname .Katbedcrioziaiistcn“ erfunden, und zwar _ die Herren werden Es zum größten TÖLil wissen _ Von J. Oppenheim in der „Nationalzcitung“. *.iiemals ist Ein Namo wrnigcr gsrrchtfcrtigt gxwesen als disscr. Wrnn diese Schule richtig bkzcickynet wordcn wärs, so hätte fir Weit cher .Katbéder- Antisozialisten“ brißrn müffcn. Es war nicht cinsr darunter, drrnicht dirrkt antisozialistisck) war, und nichts drswwenigcr wurde der Name gang und gäbs. Diess Richtung konsolidicrte fich in dem .Vsrein für Sozialpolitik“, wie der Herr Abg. Freiherr don Zedlitz ganz richtig dargelegt hat, und dirscr Verrin brzeicbnetr ciné maßvolle: soziale Reform als notiowrndig, protestierte aber gleichzritig grgrn alle sozialistischrn Experiments. Tie Leistungcn dieses Verrinö [irgen gc- ,"xmmelt Vor in 70 Bändrn, und vergebens wird man in dieser ganzen Bäridere'ihc nach einem einziasn Saß: suchen, den mcm ais srzialif'tisck: bczcichnrn kunn. Man wird Vollends nichts darin findrn _ dak; wil] isi) außrrdem noch bcrvorbeben _, was mit siaaiItreucr Und monarcbischxr G6fin7iung im WidrrsprUch stände. Es waren auch Männrr alier Partrién bei dem Verein beiheiligt, don drr äußerstsn Rrchtsn bis _ ich will nicht sagrn ziir äußrrsten Linken; das ist ja brate kin Begriff, der schwer zu definierrn ist _ aber doch bis Mit hinein in die Reihcn dcr librrairn Volkswirtbe und Politiker.

Nun, meine Hsrren, gegenwärtig gebörrn fast alie Unidersiiäis- lehrer _ ich weiß wrnigstens augcnblicklich ksine Außnabmc _ in ihrer Grundanfchauung dcm Vcrrin für Sozialpolitik an, und unier ihnen ist kein einziger, drr nicht vöÜig auf dem Boden der Kaiserlichen Botschaft vom 17. November 1881 und dcr sich 1890 daran an- schließenden AUerl76chii€n KundgebUngc-n stündeé, die ja nichts Anderes smd als eine Bestätigung der Vom Kaiser Wilhelm dem Großen Lr- laffcnen Botschaft. Jnfofsrn giebt es also krine v-Zrscbiedcnen Richtungen in drr deutschen Nationalökonomie. Aber im einzelnen bestrbt natürlich auch innsrhalb die'scr wissenschaftlichcn Gruppe eine sehr große Zahl Von Vcrschirdrnbriten. Insbesonder: laffrn sich zwei Hauptgruppcn urtkricbriden: cine liberale Richtung, die die Gcwrrk- dcréine nach englischrm Mustcr in den Vordergrund stellt, und eine mckr konsrrdaiiVe, die sich an die altpreußischen Staatsrraditioncn anschließt. Danebrn geben nach der wiffen- schaftlichen Meihode auseinander einmal die Historiker, die nach drm Vorgriiig yon Roscher und Schmoller mit Vorliebe wir1bschaft5geichich11ich€ Fragen behandeln, und auf der anderen Seite die Systematikcr, die etwa im Anichluß an Adolf Wagner sich vor- zugsweise mit der Theorie und den dogmatischen Fragen beschäftigen, Auch nach dem Arbeitögebicie geben die Richtungcn dieser Gruppe auseinander. Es sind aber vrrhältnißmäßig doch nur wenige, die sich irrzifisck) mit der Arbriterfragr brfchäftigen, in Preußen etwa sechs; dabei ist der Professor Hive in Münster eingerechnet, der nicht cigentli Vrrtretcr der Staats- wiffenschaftrn, sondern Theologe ist. Alle diese smd arbeitcrfreundliä); aber ich mus; doch bLkVkabk", daß das keineswegs gleichbedeutend ist mit unternebmrrfcinrlich. Ich brauche zum Beweise dafür nur auf die bekannten und sehr beredten Worte hinzuweisen, in denen einer der bedeutendsten diese? Professoren, Schmolln, in seinem Aufsaße über die Entwickelung des Großbetriebe» _ im Jahre 1892 er- schiencn _, die hohe Bedeutung und die Vcrdirnstr des großen Unter- nebmertbums nachdrücklich anerkannt hat.

Meine Herren, wenn wir nun alle diese Richtungen überblicken und damit die Besrsuug der staatöwiffenscbaftlichen Lehrstühle ver-

gleichen, so darf ich voll behaupten, daßdabei in der That die ]ust-ikja (LjZerbutix'a zur Geltung gekommen ist, soweit das nach der be- schränkten Zak)! der vorbandcnen Profeffuren und der sonstigen Ver- bältniffe, dsr entstandknen Vakanzen 11.1". w, möglich gewesen ist. Damit soll aber nicht verkanntwerden,dasz auch in dieser Beziehung wie bri aUen m€nschlichrn Einrichtungen noch manche? zu wünschen und zu bessern übrig blkibt. Es wird sich dakci namentlich um folgende G€ficht§vunite dandcln.

Einmal bin ich mit dém Herrn Abg. Freiherrn von Zedliß darin doilkommrn eindrrftandkn: es giedi keinkn brffercn Schuß gegen doktrinäre Einicitigkriten ais eiirc grdirzrne praktischeEriabrung. Ich glaube daher in dcr That, daß es die Aufgabe auch dcr Unterrichts- verwaltung ist, fick) nacb wirtbichafxiicb durcbgrbiidsten Männern drr Praxis umzusebcn und zu Versuchrn, wir weit man fi? für eine akademiscbr Lebrtdätigkcit auf dem Erbirte der Staatswiffsnscbaiikn gkwirme imd fis iann zngänglicb mach?" kann. Das wird iiicht leicht sein; indCff-xn ist ('S dock) M:!) nicbt ganzunmöglich. Die großen Ncugeiialtungrn, die infolge: dsr srizialpolitiscbxn Grirsxbung des Reickpex- knistandén sind, haben doch SW? Mrngé Kräfte in die Praxis kSrciNZEÉracht, aw.“- drnrn aucb wiffrnsckoafsiick) tüchtige und wodk- driädiZTS LxUtc bsrrwrgxbrn, dis im iiarid? sind, auch eins akadrmiicb-x Zrbrtdätißkrit zu üörrn:d:rikn. Ich wrrdr also dirssr Frage Miixic Aukmxrkiamksit zuwsndcn, wis ick) diss auc!) schon gctdan hab:», und i:!) driré, 9.5 wird aiich zriingrn, da CiliiZL Kräfxé ZU gewinnxn, dir n:.ch disi-x-r Niéctung din dis :iadrmiichZ Irbrtiiixigkéix in günstigst Wéisk duni“ grnaxx merriiß dsr Przri-Z crzänzrn.

Mxiné Ökrrxn. was dxim dix Aricitrrirazc angkdr, ,so wird 95 wrdl zwrckmäßig iéin, w:“:m sik!) ÉIÜZMZWZT dazu dirket, Bédacht darauf zu iicdmen, daß aiich drr Slanrrunkt drr Ardcitgcbrr etwas mcbr ais bi§ick€r dabei ZW.“ Gritimz krmmi. (Srbr richtig!) Meins HILTON, ich mriß bci disssr Frazc wicdrr an den Fürsten BiZmarck crinncrn und an ein dskannt gi'wordknrs Wort ron idw. Dkk Fürst BiÖ-marck bat immer bei Brbandlamg drr Arkkircrfrazr init Rücksicht auf die Strllung drs Untrrnsbmsrtkng und der Arbciigzicr an dkn alikn Saß erinnert, daß man dir Henni“ „ck schiachrcn ioiic, die: di“: goldsncxiEiLr legk. Und das ist in drr That eincr dcr Graxdsckoädrn dsr ganzen sozialdcmokraiiscbcn und andcrkr wirtk'scbaiiiickycn TÖSOkiSn, daß fie dikssn Gesichtspunkt viel zu ssbr außrr Augen [affsw (Fr maß also bei der Bcieyung drr chrstüble auch in thracht gszvzxn wirdxn, und cr muß auch da mit zur Gritung krmmrn.

Meine Hürren, ob es möglich skin wird, IUÖ in agrarwliiiich Béziedung, odrr ich wii] licher so iazrn: „raf dic agraiwiitiicbs Tdcorir und Ledrc nacb dicser Skit? bin größrres waicbt zu [rgcn als bisher, da? wird man cbcniails in Erwägung zicksri müffrn. Ick giaudr, daf; fich das recht sigsntiiÖ naä) dcn Vsrbältniffrn drr dr- ireffsxiden Unidérfität, an der cin L-Zdrsiudl zu keskskn iii, wird r:cht8n müffrn. E:“; giebt Provinzkn, wo dic agrarischen Vrrkälsniüs so im Vordcrgrundr stebsn, daß di“: Landwirtdschaft Linen dolirn AnsprUch darauf iéat, dax“; ibreJntcrLffZn aach wiffrnscixaftlick) ander brtrrffknden Uiiivkrfität derirctén ssin müffsn.

Und endlich vikricns würd“: ich _ ganz im Einrrrständniffe mit dem Harm Freibcrrn Von Zrdliß _ mir ein sehr günstiges Ergebnis; davon dersdrcchcn, wenn es geiängx, dies rmtirnaiökonomischcn und die staatswiffenschaftlickzsn Professuren mit der juristischen Fakultät zu dcreinigen. Die Priorität dieses Gc- dankcns darf ick), glaubr ich, für uns in Anspruch nehmen, denn wir tragkn uns damit schon scit gcraumcr Zrit. Abkr, meine Hsrrcn, ich habe: biöbcr Bcdenkrn getragkn und trags noch Bédenken, im WSJ? dcs Zwangcs, SiliCs Eingriffs in die brstrdrnch korporativriiVerbält- niffc dcr Universitätcn die Sache ctwa nun, weil es uns als ein guter Gsdarikx erichrint, der sick) ja aUkrdings in Straßburg bewährt hat_ ich sagr, ick) dab: Bcdcnken getragen, das mm im Wrge des Zwanges zu thun. Jil) dcriprccbc mir von dicser Vsrcinigung sehr viel, zweifle absr gar nicht, das; fir in Unidcrfitätskrcisen selbst in sehr Ernste Erwägung gsnommsn wrrden wird und daß man wahrscheinlich hier und da zu einem crwünichtrn Resultat kommen kann. Denn, meine Herren, das liegt auf der Hxnd, daß das bisherige völlige AuGeinanderbalten der juristischen und der wirtbicbaftlichen Auffassung zu gcsunden Resultaten nickpt fübrkn kann und auch nichr geführt hat. Ick enlsmne mich aus mcincr eigenen Studirnzeit des Staunkns, als ich zum ersten Male in “crx! Pandekrrn di? juristische Bedeu'ung des Geldes und des Eigen- rbums babe erörtern hören ausschließlich nach rechtlichen Gesicbts- punkten, ohne auch nur die lriseste Bezugnahme, ohne auch nur ein Eingehen auf den wirthichaitlichen Inhalt dieser Be- griffe. Ich bin damals sehr unbefriedigt gewesen, ob- wohl ich das Glück gskiabt hab?, b:i Einem ausgezeichneten Juristen damals mrine iuristischrn Studien zu machen. Und das ist nicht bloß mir so ergangrn, sondern vielen jungen Juristen. Es ist auch dann kurz darauf in der Literatur, nicht bloß in der juristischen, drr Yersuch gemacht, die DarsteÜungen drr Rechtslebrsr mit dem wirtbschafllicben Inhalts drrjenigen Rechtsbegriffe, die sich auf wirth- schaftliche und soziale Dinge beziebén, zu Verbinden, und das ist sehr glücklich, Es liegt ja aach auf der Hand: die vorwiegcnd logische und formulistiichc Behandlung dcr Rechtsfragen, die größte Gefahr, die wir in unserer Rechtspflrge Haber» muß abgeschwächt nicht bloß, sondern sie muß verbcffert und mit einem tieferen In- halte erfiil1t we'rdcn, sodald man auf den materiellen oder wiribscbaftiichkn mid sozialen Inhalt der Begriffe, um die es sich handelt, eingeht. Dadurch wird die formalistiscbe Nei- gung des Juristcnthums zurückgedrängt, und umgekehrt unsern Wirth- schaftslcuten wird es garnichts schaden können, wenn sie genötbigt werdsn, mit juristischer Schärfe: auch ihre materiellen, ihre spezifisch nationalökonomischcn Begriffe daraufhin zu prüfen, wie fie sich zum Rechtssystem stellc'n. Meine Herren, in dieser Brziebung batte unser altes, preußisches Landrecht, das so viel getadelte, vor allen anderen Grundlagen rechtlicher Anschauungen das Voraus, daß es einen guten Ansay nach dieser Richtung hattc, und Gott sei Dank, im neuen Bürgerlichen Gcfcßbuch wird das in noch viel größerem Maße der Fall sein. Es ist gar nicht daran zu zweifeln, daß auch an der Hand unseres Bürgerlichen Grseybuchs dieser Zusammenhang zwischen nationalökonomischen, sozialen und juristischen Bcgriffcn unseren Juristen zum Bewußtsein kommen wird, und davon erwarte ich sebr viel. Daraus wird sich denn auch ergeben, daß die Wiffenscbaft selbst auf diese Verbindung binzuwirken suchen wird, und ich werde alles thun, um das, und wäre es auch zunächst nur in einzelnen Fällen, zu fördern, soviel in meinen Kräften steht.

Das, meine Herren, ist die Erwidrrung, die ich im wesentlichen auf die dankenswertben Darlegungen des HMR Abg. Freiherrn