1897 / 109 p. 5 (Deutscher Reichsanzeiger, Mon, 10 May 1897 18:00:01 GMT) scan diff

die getrennten VerkaufSräume zu streichen; 2) von den Ab 9. von Grand-Ny und Genossen, welche besondere e- stimmungen für die Ortschaften, die weniger als 5000Ein- wohner haben, aber in baulichen: Zusammenhange mit Ort- schaften üer 5000 Einwohnern stehen, getroffen wissen wollen.

Abg. Rettich (d. kons.) vertritt diesen letzteren Antrag.

Abg. Wurm ?Soz. : Wir wollen den listen Versuch machen den Kommisfionsbe chlu wiederberzustellen, werden aber schließliÖ gegen das ganze Gesetz stimmen.

, 4 wird nach dem Antra von Grand-Rr) angenommen.

u § 7 haben die Sozia demokraten ihren Antrag wiederholt, daß auch die Butterproduzenten von ihrem Betriebe Anzciqe machen sollen,

Abg. von Ploeß (d. kons.): Wir können für den'Yntrag nicht stimmen, weil er die kleinen Butterproduzenten nicht freilaßt.

Abg. Dr. Barth (fr. Bag,): Wenn Sie die kleinen Butter- vroduzrnten nicht unter das Gesetz folien lassen wollen, dann lassen Sie doch auch die kleinen Händlcr heraus. Ich beantrage deshglb, die Worte ,oder vertreiben will“ zu streichen, sodaß nur die Margarine- produxemen ihre. Betriebe anzeigen müssen.

I? wird mit dem Anfrage Barti) angenommen,

ei § 8 konstatiert "

Abg. Dr. Barth, daß nach dcn zu § 4 gefaßtsn Beschlussen Buttrr und Margarine nicht in denselben Räumen Üeilgeboten werden könnten: ebenso wenig Vuiterkäse und Margarinekase; ßbet" es sei nicbt ausxzeschidffem daß die Buttrr und der Margarmekase oder die Margarine und der Butterkäse in denselben Raume'n verkauft würden.

§ 8 und der Rest des Geseßes wird unverändert an- genommen. ' ' .

Präsident Freiherr von Bur)! will die namentlickoe Abstimmung über das Grieß im Ganzen vornehmen lassen. .

bg. Dr. von Leveßow (d. kons.) maxht jedoch darauf auf- merksam, daß bei der Annahme mrbrcrcr Antrage Erst eme Zusammen- stellung der Beschlüffe erfolßen müsse.

Die Abstimmung wird darauf auf eine spätrre Sißung vsrsthoben. _ . '

Schluß 41/2 Uhr. Nächste Sißung Dienstag 2 Uhr. (Aenderung dcs Reliktengeseßes, zweiter Nachtrags:Etat und Petitionen.)

Preußischer Landtag. Haus der Abgeordneten.

79. Sißung vom 8. Mai 1897.

Das Haus seßt die zweite Berathung des_EtaiS des Ministeriums drr geistlichen, Unterrichts: „und Medizinal:Angelegenhciten bei den einmaligen

Ausdaben fort. . . ' Uebcr drn ersten Tbeil der Debatte ist vorgestern berichtst

worden.

Jill Erweiterung der Kunstmussen diirch Errichtung von cbäuden an der I)iuseumsinsei in Berlin werden als erste Rate der auf 5850000 «46 veranschlagten Gesammtkosten 500000 «16 gefordert. ' ' '

Abg. don Kröcber (ions): Es wird unssckywer, diese Mriitdnen für Museumszwecke aus der Tasckye der Steuerzablrr zii bervilitxien, ÖLUM rs richt schlecht grbi. Und das soi] gescbcben m emem Augen- biick, wo di" Amerikanrr Linkin aroßen Tbril unserer Jizdusirte und unserer grsammten Landwirtbschafl 'das bischen Fell, das sir noch bat, Übsr die Obrrn ziebkn woÜen. Und unsere Rrgirrung macht nicht einmirl Mienr, dagegen Repriffaiien zu ergreifen. 'Wir laffezi aber ursérr Bsdsnken 969811 die Pofition schweigen. Seine Majrsiai der Kaiirr bat die Absicht, auf der Spise der Museumdiysel em Dkn'k- mai für Seinrn Hdckossligrn Vater zu rrricbten. Wir sind brrert, drm Vorgang drs Rrickvsiagrs, welchsr die Mittel zur Crrigbiung des stkmaiö für Kaiser Wildelm [. aus Reichsmiiieln bewilligt bgt, folgend. die Kosten der Errichtung einrs Drnkmals fur Katier Friedrich 111. aus StaatF-miitéin zu bew1lligen. '

Abg. Dr. Largkrbans (ir. Volksv.)3 Jah _verstebe n'lcht,_,Wi€ mcm zivrifriiérfr skin kann, diexe Summe fUr Kunitkund Wiscnicdaft zu brwilligrn, "ci“.- der Guiammibert zum Nysen gereicht. Mir grmUt Rishi, wi: man nur einzelne Gébäudr aus_dxm kostbaren Stuck L_and der Museumsinsel errich1€n will, um fie _]patrr wirder wegzurrtßén, anstatt daß man cinrn einbeitlickpcn Pian sur di? Bebaurrng ausstellt. Bei drr näÖith ETClliÖÖEWZUTiZUUJ soiite uns tre Régiemng Linen srl rn einbéitli sn * an vor egkn.

* ckGeneral-Tirekw? drr Königlichen Masken Hr. Sckyöxxe: An der Fkstiteilung eiiies eindeitlicben Plays für die Unterbrmgrxng ,unierer Kunst- schä5€ feblt es nicbt. Es isidazweinxKddiurrrnz_au§gr]chrrxb9n gewesxn. Auf der Sriße "dsr Museuméimel wil em Gsbayde sur dre Kunsiichaße drr christlichen Periode erricbrét werdrn, aui dsr anderen Seite der Stadtbahn ein Gsbäudx für die Antike, und aus drm Trrram des Akiirnireicbrrs rin Grbäurc iür die Bedüririiffe unirrer Gibssamm- lunßen. Tir Besorgniß, dax“; dianirs iris Blaue Hinein vorgegangen wird, iir nich ;,?rcäyxirrligt. __ _ _

Abg. Ricksrt (ir. V z): Hrrr rrxi Hirsche): hat es fur ange: mxiirn NQÖTSF, dirk "dir eisgrnbcit drm Zaimé zU brechen, um. der einer Cratér-rsiiicn, ri? aiiribr nicht§ kannt zu ibun bai, einer; Froniar-gri; ZSZÉ'R dis Rriäxérxßiriung urid ibre Wirtbscbafxsrwlitik ZU rickrrn. Trrarti? schwirrigr urid mrnuxnentale Fragen laff€n_fich nicbt wii Ein TI-(Léik' rdrnsartsn abmackprn; ire wrrdrn tm Lande i_emen Wixrbali sinken. Örrr don Kröckoer bai wrbl n:;rdem Haß_d€r Krusxrr-atirxn gsxr! Hrrrn von Mar!chail,4d€r YE ihren Nerbe'n brrrrrxesaann iind kcnisrraiid ddrch iind rxrcb iit_,__€m€ki ministr- virrrxn Aurrruck Z„Zeben. Tie anwéirndrn OkeUZiiÖLK Ministkr i:; 7:27; :U? VUIÜÜFUNJ, ragsch Vkrrr-abruncx kinzulrgen, daß ma.". "di“- Priitik rnikrrr Rricbérkgixrung Amrrifa gr enüber in kiki?! W:“iié ::.?“cbwärzr. Jbre Prism? nrxmt j: unser? ?KÜÖÉ' wiérxk ?ixr xriiwaticnair. Hrrr bon Marichail bat gerade das n::irraik ankix'äs :?rtrrrkn. (_ZUrui !SÖTÖ: im ireiünnigen Sinns!) W;“- :Üirr. Sie drrm Si,;rntiicd von der Rrich§r8ZirrunJÉ Sriien x:“:r kirk NTM wr'rii WQÖM ngeyübßr Amrrika? Rücken Sir wch ÜZ'TIYYZ wxx *;er: fiäßrrrxi UN“: dairriääiiichkrrn Poiaif! Tkrfe Ari. "l.;:k *.*-;.“: Fm RSÖÖÉLQZL ichrr gknüxer-d zurückgxwirxxn worden. Mir :::-***. Z.:er Z-kwriie-r. Sit: m;: Jbre Jßndranz in winbichairlichkn ;;;r:. W;? drr Bard dsr Lanlwiribr für di? Volkkwinbscbast “-.““: *.7'7, ::»?rk-kn Sir dri drm kächit€n Wädien erfxnnkn. Bis jHFt U:? Si,; Z-Öiäßk bkkxmmkn, überaU, wr Sie Kandidaten auigeite 't "drr, “'i-iki: im Wablkrriir deZ HM r-r-n PWLH. Wenn Herr kon x-Öx-r r-arnrn? drr krnierdRir-kri Paktki fick) bkrrit _rrkiärr bar, iür L-Ukwxi DLZ drrrrxisrr-n KTii-xrd Frikrrirh 'die Kriten drs SUITS “::-::**'„*,".',_.r:„ "r- iriwmen wir "Lim darin zkrn bsi.

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Staatsregierung zu äußern. Das aber halte ich with allerdings ver- pflichtet bier auIzusprechen, daß die Staatöregierung eine solche Bereitwiiligkeit des Landtages nur mit großer Freude und mit Dank- empfinden begrüßen kann. Ob die Allerhöchste Entscheidung dahin aquaUen wird , von dieser Erklärung irgend einen weiteren Gebrauch zu machen und daraus weitere Veranlaffungen zu entnehmen, darüber kann ich mich nicht äußern. Aber der gute Wille und die patriotische (Gesinnung, die hier im Landtage von den ver- schiedenen Parteien Ausdruck finden, kann der StaatSregierung in jedem Falle nur höchst erfreulich sein, und wir können, wie gesagt, diese Erklärung nur mit Dank annehmen.

Abg. Jm Wall? ( ruft.): Wir können uns glücklich schäßen, das; wir" jetzt durch die iyanzlage in die Lage kommen, für unsere Kunstschaßx IL sorgen. Em Apyell an die Steuerzahler ist nicht nötbig, die Steuern brauchen nicht um einen Pfennig erböbt zu werden, wenn, wir diese Million bewilligen. Es ist des preußischen Siaatxs würdig, daß wir nach so langer Zeit der trostlosen Ebbe etwas für die Kunst tbun. Es ist tbatsäcblick; unrichtig, daß die Reichs- regierung untbättg gegenüber Amerika ist. Sie hat versucht, das größte Unheil von uns abzuwenden, und hat auch Erfolge erreicht, es wird nicht der_ZoÜkrieg gegrn uns eröffnet Werden, sondem es sind Milderungen béschloffen worden, und diese verdanken wir der vorzüg- lichen Politik unserer Reicthegierung. Die Baupläne der Regierung find Von der Budgeikommissidn eingehend gkprüft und gutgeheißen worden. Es wird eine eintache, aber würdige AuSgestaltung der Museumsinsel werden, und es soll noch eine zweite Brücke über die Spree geschlagen werden, wenn der Fiskus den Play dazu bergiebt.

Abg. Möller (nl,): Bei dem lebhaften Temperament des Herrn von Kröcher habe ich seinen Husarenritt gegen die Reichsregierung nicht so tragisch genommen; in der Sache sind wir ja alle einver- standen. Wenn die Reichßregierung m'ihrer Politik anders vorginge, würde sie leichtfertig handeln und und m die Grfabr bringen, einfach verbaurn zu werdrn. Es ist sebr erfreulich, daß wir endlich einmal das Geld haben, um für diese Kulturaufgaben etwas thun zu können. Das ist eins Ebrenpflicbt für ein Land wie Deutschland und Preußen, der Preußen sich allzu lange Zeit entzogen bat. Ich kann auch nur meiner Freude darüber Auddruck geben, daß dem verewigten Kaiser Friedrich an dieser Steile ein Denkmal errichtet werden sokl. Kein Mitglied unserer Fraktion wird da sein, das nicht gern einem schönen Dénkmal zvftimmen würde.

Abg. Freiherr von Zedliß ,und Neukirch (fr. kons.): Die R€ichsangelegenbeiten [i?gen allerdings etwas fern von diesem Ge en- stand. Das FSU werden wir uns nicht über die Ohren ziehen la en. Wrnn die Herren auf der Linken den Anschein erwrcken, als könnt:- Amerika nicht auch Schlimmes mit Schlimmem vergrlten, so1bun Sie dem Vatrrlande keinsn Dienst. Auch meine Freunde Werden in dolier Bersiiwilligkeit damit einverstanden sein, die Kostrn für das Denkmal als StaaiLkosten zu übernehmen.;

Abg. Graf zu Limburg-Stirum (kons.): Es ist doch eine Thatsache, daß unsrre Landwirtbscißaft fich in schwicriger Lage be- findet. Bei der Beamtenbewldungsvoriage haben wir aber unsere finanziellen Bedenkrn schwinden lasen, und 'Sie könnrn es uns nicht übrl nehmen, wenn wir an hier wirder auf unsere Be- denken hingewiesen babrn. Die Neichsregikrung ist nicht mit der Energie vorgkgangen, wie man es früher ari'ibr gewohnt war. Aber Herr bon Kröcher hat nur einem allgemeinen Grfübl in der Be- völkerung Ausdruck gcgsben. Die nrulickpe Debatte tm Reichstage hat gezeigt, daß die Regierung stcb einen Recbisbrucb Vor zwei Jahren don seitrn der Amerikaner ohne Rrklamation bat gefallrn lassen. Es bätte doch von unserer Seite dagegrn reagiert werden müssen, man bat sich aber bri den Maßregeln der amerikanischen Regierung beruhigt wrgen des kubanischen Aufstandes. Wenn ich jemand verklage, weil er mir ein Pferd gestohlen bai, kann mir da der Richter sagen: Was wilist Du, Du hast ja dafür einen günstigen Kauf mit zwei Kübrn einacht? Ick wünschte, daß wir den Amerikanern mehr Entschieden-

eit zsigten, und das Bewußtsein, da wir aiich einen Zollkrieg mit ihnen nicht scheuen würden, wird die mrrikaner unseren Forderungen grneigter machen. Herr Rickert drnkr, wir _würden anders auftreren, wenn Herr von Maricbali nicthtaatssekrrtar des Audwartigen Arnis sei. Das ist ein Jrrtbum. Hsrr von Marschall ist nicht der Trager der Reichspolitik, sdndrrn vertritt fie nur, der Reichskanzler bat die Vrrantwortlichkeit persönlich. Wenn einmal eine andere Wendung in der Politik komwsn sollte, sd wird, drffrn bin ich überzeugt, Frei- berr von Marscbai] fie mit rerj-klben Geichicklichkeit dkribridigen.

Finanz:Minist€r O1". von Miquel:

Meine Herren! Ick glaube, daß 'der Eindruck doch im Hause unbediugr dorbandrn ist, daß die Frage einer richiigrn oder unrichtigen Behandlung der ZdUdolitik durch die Reichsregierung bier doch nicht brrgebbrt. (Sebr richtigk links.) Die Reichsregierung ist hier nicht vertreten; ich bin ein Minister eines Einzelstaats. Die Reichsregierung hat auch Vorbrr garnicht wissen können, daß solche Fragen bei Gelegen- heit drs Denkmals des Hochseiigen Kaisers Friedrich vorgebracht werden würden. (Sebr gut! links und im Zrntrum.) ES war dock) hier nicht die richtige Stellc, solche Fragen überhaupt zu erörtern. (Sebr wahr! links.) Msins Hrrren, die Sachen. gehören Vor den R2ichstag: fie sind dort aussiebig verhandelt; die- selbrn Gründe und Gegengrüäde wie bier sind dort er- örtkrt wordsn, und ich glaube, &? ist daher um so weniger ratbsam, unmi:telbar nach den Debatten im Reichstage solche Debatten bier ndck) einmal zu fübrrn. (Sehr richtig! im Zrnirum und links.) Aber jedenfails muß ich, wenn Herr Graf Limburg-Stirum gesagt hat, er sei überzeugt, _ daß der ja nicht persönlich für diksé Politik vxrantwortliche Freiherr von Marsckakl eine andere Politik mit derselben Dialektik vertreten würde (Hört! hört! im antrum und links), dissen versönlicben Angriff direkt zurückweisen. (Srbr richtig! links, Brady! im antrum.)

MLik-L Hrrren, ich komme auf die Suche zurück und freue mich, da:"; Lin? solche Uebereinstimmung im Hause herrscht, auch brzüglicb drr Fixianzen, dis uns gestatten, soiche Audgabrn für Kunstzwecke jexzt obne Bedrnfen zu mawen. Jeb möchte auch gern daran die Nuß- anwsrduns knüvien, daß Eine sparsame Finanzpolitik die leßten Jahre dindbrch, wie fie das Haus mit der größten Konsequenz gestüßt hat, doch wesentlich zu dieser günstigrn Finaßziage beigetragen hat, und daß das Haus “daraus die Konsequenz zieb-n möge, in dieier Politik auch in Zukunft fortzuiabren. (Heiterkeii.) Denn, meine Herren, wir wifirn ganz (,'-mau, wir schnell Lire gute Finanzlage sich auch wieder in “rab Gegentbrii vrrwandeln kann, und wie leicht das namerilich bei und ist, die wir in großem Maße don dem schwanken- drn Verhältniß zum Rrixhe und zu unieren eigenen Betrirbdder- waitungrn abhängen, Aber ick) habe doch r*etiönlich durchaus bei unserer jkin-zn Finanzlaßr krir-erlri VLÖLNLM tragen könnrn, die Aukgabe, wie sie uw? bis: bevorsteht » cs handelt sich birr ja nur um eine ?ck: NKU ie? dyn Etat anxun-Fbmen. Ick bin überzeugt, daß nicht M*? !*.-n “risiken (Etat das möglich ift, sondern daß “die weiterrn Raten LU.ch ir dra uächitkn Jahren, wknigiiend ailrr menschlichen Voraus- ii-Fß“: "(:I-Ö, “2:2 Gleichgewicht unsren Finanzen in keiner Weise stören. Tui? Ac-W-armp, don “der Wü; für 'die nächste übersebbare Zeit ;;C-Kiiöxzxa Zyx? drr Finanzen hat mir!; um it) mehr aUer finanziellen NMUN“ birrboben ißt die Ausiübrung des in unzweifelhaft norb- w-xr-rixm MMUmHWv-xs, wir er bis: geplant ist. Meine Herren, ich

gehe auf die Notwendigkeit dieses Baues gar nicht weiter ein; er ist von keiner Seite bestritten, und ich hoffe, daß die Vorlage ein- stimmig bewilligt wird, urxd daß ein Mißklang, der vielleicht aus der Debatte hervorgehen könnte, durch die patriotischen Erklärungen der Vertreter aller Parteien vollständig verwischt werden wird. (Bravo !)

Abg. von Kröcber: Zu diesem Kapitel ebörte er meine . merkung direkt nicht, und es thut mir leid, Hgmu Riikert in Zs: Aufregung versetzt zu babxu. Ick) bitte ibn dafür um Verzei ung Aber es war einmal notbtg, die durch die Reicbspolitik verschärft fL_c-ÉW der Landwirtbschaft den Herren auf der Lin en zu Gemütbe zu u ren.

Abg. Dr. Virchow (fr. Volksp. Auf der Tribüne sebr (bwer verständligi))5 Jeb bedarzere, dgß diese Bemerkungen gerade iki diese chhen bmxtnkdmmen, die sie nicht angeben. Was das Denkmal des Kaisers Friedrich betrifft, so ist es zweifelhaft, ob der Maß der geeignete ist; es handelt sich darum, ob wir diesen Wunsch des Kaisers exfullen konnen. ur dte'Steuerzabler werden diese Außgaben nicbt fublbar werden. _er Kaiser Friedrich hat als Kronprinz das leb. bafteste Jntereffe fur dre geplanten neuen Museumsbauten an den Tag grlegt, aber seine kriegerischen Thaten sind es nicht gervefen, weirike ihn den Herzetz des Voikes nahe gebracht haben. Durch seine erfrt (bende Brichasttgung _mrt den Künsten und Wiffenschaften |_th rr _uns nahe, und wir wollen uns seiner als eines Friedens. fucsten erinnrrn.

Abg. Rtrkcrt: Herr von Kröcber hat keine Veranlassung, mich um Engschuldrgunz zu bitten, ich bin nicht aufseregt, ich habe eine sanitmutbtgere Art, ais Herr von Kröcher annimmt. Aber ich werde den Hrrren immer mit aÜer Kraft entgegentreten. Graf Limburg stelit den Herrn'von Marschall auf die Stufe eines Regierungs- Kommrffars, er ist aber, strmmfübrendes Mitglied im Bundeskatb und Strüdertreier drs Reichskanzlers, nicht ein Regierun s-Kommiffar, der iedigltch drr, Befrble srines Chefs außzuführen kbat. Redner bestrettei, daß die Netchsregicrung nicht mit der nötbigrn Energie gegen Amerika vorgsgangen sei. Soll die Regierung etwa gleich mobil warben und Schiffe abschicken? Nach den Erklärungen des Staatssekretars don Marschall hätte die Reichsregierun vor zwei Jahren dern Vaxerlande einen sehr schlechten Dienst erwie en, wenn sie es zx: emew Konfiikt hätte kommrn lassen. Graf Limburg konnte darauf un thcbstage nicht antworten, Herr Abiwardt War es, der dagegen auftrrtkn mu te. Kommen Sie doch mit uns in den Reichstag; da baben ie natürlich nicht den bereitwilligen Resonanz. boden wie bier, von dem es laute Brados giebt.

Abg. Graf zu Limburg-Stirum: Ich werde Herrn Rickert in seinem erregten Tone nicht folgen. Die Argumente des Herrn von Marschall batten mit der Sachlage vor zwei Jahren garnichts zu thun. Die Reßierung hat einen Rechtsbrucb der Amerikaner ruhig eingesteckt. Und diese Erfahrung der Amerikaner wird sie ermutbigen, aucb ert unseren Ansprüchm Nicht entgegen zu kommen. Wenn ich gesagt abe, daß 'Herr don Marscbau auch eine andere Politik mit derselben Geschicklichkeit vertreten würde, so ist das gar kein Vor- wurf gegen den Charakter des Herrn von Marschall, denn es handelt sich bier nicht um prinzipieüe Fragen, sondern um Fragen, über welche die Anschauungen wechseln.

Finanz:Minister Dr. von Miquel:

Ia, mrine Herren, nach dieser Erklärung des Herrn Grafen zu Limburg-Stirum, die ich dxbin derstrbe, daß er mit seiner Aeußerung dem Herrn Freiherrn von Marschall, meinem Kollegen, einsn persön- licbrn, gewiffsrmaßen moralischen Vorwurf (Abg. Rickert: Sehr richtig!) nicht hat macbrn wollen, Halt:“ ich die Sache für erlrdigi. (Sehr richtig! recbis. Heiterkeit.)

Meine Herren, ick) bin nicht in der Lage und halte es nicht für nöibig, in den matericilen analt dieser Dinge hier in diesem Augen- blick bei dissrr Position im Landtage einzugehen. Das lehne ich ab, meine Herren, und ici) giaube, ich ihne gut daran. (Sebr richtig! links,) Drnn sonst würden wir in der zweiten Beratbung des Extra- ordinariums des Kultus-Etats (hört, hört! links) nach der allerdings sehr erklärlichen Stimmung visier Herren im Hause und nach dem Sprichwort: Wo! das Hrrz voll ist, da fließt der Mund über (srbr richtig! links), in eine große bandelédolitische Debatte kommen. Ich hatte nur - und ich freue mich, daß ick) mich nach drr Erklärung des Herrn Abg. Grafen zu Limburg-Stirum geirrt babe - einen Vorwurf gegen die Urberzeugungsireue und die Charakterfrstigkeit des Hrrrn Freiherrn von Marschall in der ersten Aeußerung erblickt. Nachdéw dies zurückgezogen ist, worüber ich mich sehr freue, halte ich diese per- sönlicbe Frage hier für erledigt. (Bravo !)

Die Forderung wird bewilligt. , _!

Bri der Forderung von 8000W zur Errichtung eines nm der biologischen Anstalt auf Helgoland zu verbindenden Nordsee-Museums lenkt,

Abg. Dr. Kelch (fr. kons.) die Aufmerksamkeit auf die Vedeuiunß der Meeresforschung und des U-planten Museuws und wünscht, daß man in der Nordsee von der Raubfiscberei zu einem qkregeltexi ang- system übergebe, da es ein Jrrthum set, daß der Ozean die ist!;- bestände immer wieder ergänzr. "

Bei der Forderung von 36000 „% znr Bekampfyng der Lepra und zur H:»rstellung eines Leprakrankenheims im Kreise Memel giebt ' ,

Abg.1)r. Virchow einige Aufschlüsse über die Geschichte und Entstehung dieser Krankbait. Die uriprüngliche Annahme, daß 721? Krankbxit erblich sei, habe man a]s einen Jrrtbum erkannt. EZY?! Lin Leprabacilius gefunden worden, derckich aber merkwürdiger WAF? im Gegxnsaß zu allen anderen Bari en nicht als züchtungschbxg erwiesen babe. Ferner sei er auch nicht als „eminent ansieckungsfabiz anzusehen, sodaß keine so große Gefahr in dieser Krankheit liege. _

Ministerial-Direfwr Dr. von Bartsch nimmt das Wert, um die Besorgniffe der Bevölkerung als grundlos zuruckzxx' weisen; es handle sich hier nicht um eine Volkskrankbxll- sondern nur um 2 Dußend Krankheitsfälle. Die Kranken skis",- wenn auch innerhalb ihrer Häuslicbkeit, hinreichend isoliert, um 81le Ansieckungßgsfabr audzuschlief3en. Für diese Kranken soUe nun EZ: besOr-deres Heim errichtet werden nach dem Muster drr Anstalten M Rußland.

Der Titel und der Rest der einmaligen AUSgaben bös Etats warden bewiliigt.

Bei den allgemeinen Bemerkungen zu den dauernden Aus- gaben dcs Haupt-Etats berichtet ,

Abg. 1)r.Sattler(nl.) über die Grundsä 6, Welche nach den Erklä- rungen der Kommissare in der Budgetkommis on bei den Remunkkä“ tionen der Beamten befolgt werden sollen. _

Abg. Kirsch (Zaun.) wünscht, daß an dieböberen Beamten uber- haupt keine Nemanerationen gezahlt werden soilen.

Finanz-Minister ])r. von Miquel:

Meine Herren! Für den nächstfolgenden Etat werden die einzslM R-fforis die betrrffenden Positionen nach dem Inhalt dieser EZ" gegebenen Erklärung über die dabei zu befolgenden Grundsäße in M Etat einstellen, und wir dürfen annehmen, daß der Landtag im näÖfÉ Ebat sich darüber schlüssig machen wird, ob es wünschenswertb M- W Etat dureh Bemerkungen die betreffenden Positionen für Reka' rationen und Unterstützungen näher festzulegen. DiexFinanzverde wird das auch prüfen, und es ist möglich, daß in dieser Benelxaüé auch in dem nächsten Etat Vorschläge gemacht werden. L*Kek*e!1?=i§i_z werden wir bemüht sein, obwohl in diesem vorliegenden Etat die U“ stellung der einzelnen Positionen nach diesen Grundsäßen noch U“

erfolgt ist, doch siko" in diesem Jahre in der Praxis nach diesen Grundsäven tbunlicbft zu verfahren. Ich sage: tbunlicbst. Voll- kommen Wird das nicht durchgefübrt werden können und wird jedenfalls erst in Betracht gezogen werden können, wenn die Gehaltsverbefferungen durchgeführt sind. Aber es ist aüerdings wünschenswettb, daß die eimelnen Ministerien die Notbwendigkeit, diefe Grundsäße für das nächstfolgende Jahr zu beachten, auch schon in Betracht ziehen bei Verrvendung dieser Fonds in diesem Jahre, damit bei einzelnen Positionen der Uebergang nicht allzu schroff werde. Ich glaube auch, daß die Budgetkommission sich mit diesem Stand- punkt wird einverstanden erklären können. Ich bevorworts jsdoch, daß ich dafür irgend eine Verpflichtung oder Garantie nicht über- nrhmen kann.

Die allgemeinen Bemerkungen werdcn genehmigt.

Es folgt die Berathung des Etatheseßes.

Die Kommission hat einen neuen Paragraphen eingefügt, wonach die bis zur geseßlichen Frststellung des Etats schon geleisteten AuSgaben nachträglich genehmigt werden.

Finanz-Minifter ])r. von Miquel:

Meine Herren! Es ist zweifellos sebr bedauerlich, daß wir so spät nach Abschluß des Etais die Verwaltung des Landes weiter führen mußten, obne dazu durch die Bescblüffr dcs Landtages ermächtigt zu sein. Ick möchte bier zuvörderstkonstaticren, daß dieStaaiSregierung keinrrlei Schuld trägt, denn wir haben den Etat wie in allen Jahren, in denkn ich die Vsrimrltung führte, unmittelbar bei Zusammeniritt des Landtages vorgelegt. (Zurufe.) -- Nack) Neujahr, gewiß, meine Herren! Vor Neujahr kann der Etat jeßt nicht abgeschlossen werden, dann würde er so falschsein, oder es würde ein so willkürlicbrs Greifcn von Zahlen stattfinden, daß es nicht möglich ist, den Etat vor Neujahr vorzulegen, und er ist in früheren Zeiten auch?;"nicbt frübcr gekommen.

Meine Herren, _ich muß ferner konstatieren, daß selbst auch die Vorlage der Veamtrnbesoldungßderbefferung nicht so wesentlich zu drr Vsrzögerung des Abschlusses der Etatsdrrbandlungen beigrtragen hat. Allerdings muß ich zugeben, daß die Besoldungssache einige Er- scbwrrungen gebracht hat, aber sie war doch nicht nach meiner Meinung entscbri'dend für diese stattgefundene Vrrzögerung.

Nun, liegt es mir ja völlig fern, drm boden Haufe irgénd einen Vorivurf macbkn zu wollen, daß durch die Ausdehnung der Be- ratbungsn und Verhandluxgen die Verzögerung sich ergeben bai; dic Verhältnisse lagen eben so, und wir können nur die Lebt? aus den heutigen Erfahrungrn nehmen, daß man aliseitig, sowodl seiieris der Regierung als seitens des Landtages, in Zukunft mit voller Enrrgie bestrebt sein soU, eine solche lange Hinaussobiebung des Abschlusses des Staatshaushalts für die Zukunft zu Vermeiden. (Srbr richtig !) Meine Herren, nicht bloß, daß wir regiercn müssen gewissrr- maßen nebe n der V::rfaffung, ich wili nicht gerade sagen geg€n die Ver- fassung, dsnn aße Weit ist ja don vornherein WiÜens, die Jndrmnität nachzusuchen beziehungßweise zu ertbeilen, und wir sind ja auch bei vollkommen r€chizeitigem Abfchluffe des Etats häufig in der Lage, außeretatsmäßige AuEgaben machen zu müffen auf die Veraniwortlich- keit des einzelnen Ministers bin. Daher ist dsr Ausdruck „dsrfaffungs- widriger Zustand“ vielieicht wohl nicht ganz zutrrffend - sofern wenigstens die doris 11068 in Betracht kommt; Es handelt sich hier, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, obwohl cr auch nicht ganz richtig ist, um einen .derfaffungslosen Zustand“. Meine Herren, es ist in der Budgeikommisfion schon im März "dir Frage erwogen, wie man bier verfahren folie, da man vorausfah, daß der Etat nicht recht- zeiiig würde abgesckyloffrn werden. Es ist in der Budgetkommisfion auch die Frage angeregt, ob es nicht richtig sei, schdn jetzt rin sogenanntes Notbgeseß einzubringen. Aber die Stimmung in der Budgeikommisfion ging doch dahin,wie der Herr Berichterstatter auch scbonausgcfübrtbat, daß man es bei der bisherigen Uebung belassen one, eine nach- trägliche Genehmigung der nach drm 1. April grmachten AuGgabcn Vor dem definitiven Inkrafttreten des Eiatheseßes schon cht in das Eiaißgrsetz aufzunehmen. Die StaatSregierung und ich persönlich würden volikommen bereit gewssen sein, ein solch€s Nothgeseß vorzu- legen, wenn die Budgetkommission eine'n solchen Wunsch aukgesproclyen Hättr.

Aber ich babe schon bei einer früheren Gelegrnbeit -- ich glaube Zegenüber einem Anfrage des Herrn Abg. Sack - darauf hin- gewiesen, daß mit einem solchen thHg-Zseß aucb nicbt virl gewonnen ist; denn der größte Theil des Ordinariums besteht ja aus rrchtlichen Verpflichtungen des Staats, fie müffen unter alien Umständen gemacht wsrden. Wenn das Notbgeseß da[)in geht, daß man, wie es in andrrrn Staaten üblich ist, ein Zwölftel bewilligt, was soll das heißen? Soll das ein Zwölftel der Ctatsvyrlage odkr des früheren Etats sein? Der frühere Etat hat aber keine praktische Bedeutung, weil eine Menge Positionen in dem früheren Etat sind und jedenfalis sein können, die fiir das folgknde Etatsiabr nach dem Vorschlag der Rrgierung garnicht übergeben können und folien. Man würde sie ermächtigrn zu AUZJaben, die man garnicht machen will und man dem Landtag auch garnicht zu machen vorgescbiagen bat. Bezieht sich das 1/12 auf den kommenden Etat, so präjudiziert sich der Landtag auf das Alieräußersie; denn hat man 1/12 für irgend eine Position anegeben, dann muß man ibatsächlicb auch 11/12 bewiÜigen. Der Landtag ist aber nicht in der Lage, sich definitiv schlüssig zu machen, ;ck diese U/12 oder, richtiger gesagt, 13/12 überhaupt bewilligt werdrn oklen.

Die Staatsregierung bat daHer geglaubt, so mißständig diese Sache auch ist, man kann diese Mißstände weder durch ein Nolbgeseß ganz beseitigen, noch kann man sie beseitigen, wie ich voÜkommen zu- gebe, durch das jeßt bier eingeschlagene Verfahren. Die Minister sind genöibigt gewesen durch den heutigen Zustand, fich große Zurück- haltung aufzuerlegen, Wo nicht ganz besondere Gründe dafür waren, und es im Interesse des Staates nicht unbedingt nöthig und jedenfalis im höchsten Grade erwünscht war, hat man neue Bautcn nicht in Angriff genommen. Der Herr Kultus-Minister, dessen Etat heute be- wMgk ist, hat z. B. ganz ausnahmslos, wenn ich recht be- richtet bin, so verfahren. Die Beamtenbesoldungs-Erhöhungen konnten natürlich noch nicht Play greifen. Das ist aber auch kein großes Unglück, denn es giebt doch nur eine schr kleine Verzögerung der Zuwendungen an die Beamten, wenn sie zwei Monate etwa länger warfen auf den “erhöhten Gehalt. Angenehm ist das freilich auch nicht. Wir haben uns bemüht, möglichst wenig der dLfinitiven Beschlußfassung des Hauses zu rräjudizieren.

Nun ist aber doch - und das hat auch die Kommission zu ihrer Stellung veranlaßt - es von sehr erheblicher Bedeutung in diesen Fragen, wie man üblicherweise in früheren Jahren verfahren ist. Da

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möchte ich darauf hinweisen, daß vom Jahre 1865 ab - soweit will ich zurückgeben - doch nur in zwei Fällen ein besonderes Notbgesev gemacht ist. Diese Fälle lagen aber ganz anders, als der hier vor- liegende Fall. Damals konnte der Landtag gar nicht rechtzeitig berufen werden, es konnte überhaupt gar keine Etatsvorlage gemacht werden. Da mußte natürlich der Minister, der er für ein Vierteljahr überhaupt gar keinen Etatsvorschlag machen konnte, weil der Landtag nicbt einberufen werden konnte mit Rücksicht auf den Reichstag - sich entschließen zu einem solchen Notbgeseß, das dann erlassen ist in den Jahren 1874 und 75. Seit der Zeit und auch fcbon Vorher in den Jahren 1868, 69, 71 bis 74 ist so Verfahren, wie die Budget- kommission uns vorschlägt. Dcnn eben während meiner Dienstzeit in den Jahren 1890/91, 91/92, 94/95, in den übrigen Jahren ist der Etat rrchizeitig zum Abschluß gekommen-

Wenn also eine feststehende Uebung in dieser Beziehung in Preußen vorhanden ist, nach meiner Meinung aus den angeführten Gründen keine genügende Gründe vorliegen, anders zu erfabren, man vielmehr dabei noch in größere Schwierigkeiten kommen würde, so glaube ich, hat di? Budgeikommission durchaus richtig gehandelt, uns diesen Vorschlag der nachträglichen Genrbmigung hier zu unterbreiten: von seiten der Staatsregierung kann ich nur dringend um die An- nahme diesks Antrages der Budgrtkommission bitten. Würde diese ihrerseits die Jnitiatide nicht ergriffen haben, so würde, wie das in anderen Jahren geschehen ist, der Finanz -Minisier seinerseits rinrn solchen Antrag gcstclit haben. Soviel geht aber allerdings aus der ganzen Sache brrdor: Die Uebelstände, die Nachtheile, die aus einem verspäteten Abschluß des Etats erwachsen, find weder durch dcn Vorschlag der Budgetkommission noch durch ein solches Notbgesctz zu brseitigcn. Um so energischer, glaube ich, müssen aUe Tbrile dahin streben, dsn Etat wirklich rechtzeitig zum Abschluß zu bringcn. Das, glaube ich, wird die aligemeine Ueberzeugung sein, und es giebt ja vikllsicht Mittel, auch selbst bei den ausgiebigstrn Reden, die hier bei den verschiedenen Fragen gehalten werden, doch dazu zu kommen. Ich habe schon früher als Abg-Zdrdneter dorgeschlagen, ob es nicht vielleicht angängig wäre, die großrn Reden, die zu den einzelnen Gehaltssäizen der Minister gehalten werden, Lic] Zsyarubum zu derwrisen (Heiterkeit), Vollständig die Rcdén hinterher freizulaffen, aber nur diejenigen Reden bei der Etatsberatbung zu gestatten, die die brtrrffrnde Etatspdfition wirklich anfechten (sebr richtig !), was ja bei all diesen Reden betreffs des Landwirt!)- schafts-Ministeriums, des Kultus-Ministerimns überhaupt nicht der Fal]; ist. Man will ja garnicht in irgend einer Weise den Gehalt anfrchtrn. (HriierkeitQ Aber das wage ich ja dem Hause nicht zu unterbreiten, ici) Haba ja, mit drr Geschäftsordnung krine Beziehungen; ici) Habe das bloß mal anrege'n woiien, wenn rs garnicht anders geht, wenn man auf dirscs Mittel verfalien kann.

Also ich siche gdnz auf dem Standpunkt des Hérrn Bericht- erstaiters der Budgetkommission; ich bedauere den gegenwärtigen Zu- stand und wünsche mit ihm, ihn in Zukunft möglichst zu vcrmeiden.

Abg. Dr. Virchow wünscht, daß durch den Vorgang in diesem Jahre kein Präjudiz geschaffen werde, und meint, daß der Minister Fit größerer Energie den Etat dirsmal auch früher bätie einbringen

onnrn.

Finanz,:Minister 131: von Miquel:

Meine Herren! Es ist das erste Mal, solange ich im Diknst bin, das; man mir zurufi: Finanz-Minister, werde bart! (Heiterkeit) Im Gegentdeii, ick) habt? sonst oft das Grgentbeil gehört, und ich glaube, auch in diksrm Falic bedarf «s doch dirser Mahnung nicbt. WEM! der Verehrte Herr Abg. Virchow sich mal bei mrinen Herren Kollkgen er- kundigen onte, welchen Druck auf rcchtzeitige Einbringung ihrer Etats brim Firanz-Minister und auf rcchtzeitige Erledigung der kom- miffariscbcn Beratbung ich ausübe, s o würde er, glaubr ici), wobl böten, daß ich so weich nicht bin. Früher war drr Termin, zu welchem die Rrssorts dcm Finanz-Minister ihre (Etats dorirgen mußten, früher als heute. Ich habs den Termin Verlängcrt, Wikil ich gesehen babe, daß der Zwang gigen die Resorts, ihre Etats aÜzufrüh Vor Beginn des nächsicn Jahres aufzustelien, zu den größicn Mängeln drs Etats geführt hat. Für jeden Praktiker brauche ich das garnicht auSeinanderzuseßen, man kann die Bedürfniffe im Juli oft noch nicht übersehen, es fällt dabci eine Menge eiliger Sachen aus, und häufig ist auch die Vorbereitung bis zum ]. Juli garnicht möglich: einestbeils, weil der Landtag so lange tagt und so diels Rätbe in Anspruch nimmt, daß man garnicht in der Lage ist, die Kkästk herbrizuschaffrn, um den Etat in den einzelnrn Ministrricn bis zum 1. Juli auf- zusteiien. Anderersrits müssen doch auch die Räthe sich eine kleine Erbolungszeit erlaubcn, diese fäUt eben in den Somme'r und meist in diese Zeit. Die meisten Hcrrcn Rätbe find ja mit Kindern gesegnet, sodaß für sie die Fcrirn entscheidend sind. Also es ist un, endlich schwer, bis zu diesem Termin den Etat aufzustellen, selbst bis zum 1. Sepiember geht das namcntlich wcgen der Urlaubbzeit in dcn einzelnrn Ministerien auch noch nicht immrr.

Mrine Herren, wir baden jeßi dcn 1. Srptember allerdings fest- gehalirn, aber ganz strikt kann man auch diesen Termin gegenübrr dem Drängen der Vrrbältnisse und drn Anforderungen der derschiedenrn Ressorts nicht behaupten. Wenn die kommissa- rischrn Beraibungen gründlich gsfübrt wrrdcn folien, so bedarf man dazu drr Zeit, und man darf namentlich dem Finanz- Minister die Zeit zur genauen Prüfung drr einzrlnen Etats und der Besprechung derselben in den kommissarischen Beratbungen mit den übrigen Resorts in keiner Weise beschränken. Die Beratbungen werden jetzt viellcicht bisweilen gründlicher geführt als früher. Die Beratbungen mit dem Ministsrium der öffentlichrn Arbeiten dauern häufig fast zwei Monate.

Nun drängt sich im letzten Augenblick alles zusammen. Im Anfang Dezember sind die Beraibungrn abgeschlossen; nun kommen die aufgestellten Etats der einzelnen Ressorts an den Finanz-Minister. Ießt geht bei uns *- ich kann geradczu sagen - eine Rirsenarbeit los, und ich habe hervorragende Beamte, die seit Jahren keine rechten Weibnackoten baden feiern können; fie müssen dann fast Tag und Nacht arbeiten, der Etat muß gedruckt Seiner Majestät vorgelegt werden, und ich bin so immer sehr froh, wenn ich im Anfang Januar den Etat vorlegen kann.

Ich habe sehr oft darüber nachgedacht, wie man diesen Zustand ändern könne. Man könnte ihn nach meiner Meinung ändern viel- leicht durch Verlegung des Etatßjabres, wovon ich mir aber in keiner Weise etwas Gutes verspreche; - man könnte ihn auch dadurch viel- leicht ändern, daß man rücksichtslos die Termine früher in das Vor- jahr verlegt. Aber ka bin ich, wie gesagt, der Ucberzeugung, daß der

Etat dann viel mangelhafter aufgefiellt wird und die wirklichen Be- dürfnisse durch den Etat des betreffenden Jahres nicht befriedigt werden.

Ich weiß also kein anderes Mittel. Die Herren können vielleicht erwägen, ob hier nicht durch die GescbäftSordnung mehr Vorsorge getroffen werden könne, daß der Etat rechtzeitig abgeschlossen werde. Einige Zeit muß man dem Herrenhaus: aucb (affen; das Herrenhaus will auch nicht überbasiet sein. Es tritt besonders in der Kommission in eine ganz eingehende Berathung des gesammten Etats, und dam: muß ein schriftlicher Bericht erstattet werden. Das kostet auch fast immer 8 bis 14 Tage, und wenn der Etat rechtzeitig abgeschloffen werden sol], muß er hier eigentlich Mitte März fertig skin. Ich wage in dieser Beziehung dem Landtage nicht unberufenec Weise Vorschläge zu macbén, vielicicbt sind sie auch garnicht durchführbar; ich will das nicht so obne weiteres behaupten, aber es wiirde doch vielleicht eine nützliche Wirkung üben, wenn jeder Einzelne sich immer bewußt bliebe, daß es seine Hauptfiicht auch als Abgeordneter ist, die Vcrfaffung auf das strengste inne zu ballen, und daß man da auch grwiise Nedebedürfniffe einmal gelkgenilich opfern kann mit Rücksicht auf diesen höheren Zwrck. (Sehr richtig!) Wenn das geschicbt, so hoffe ich dock), daß wenigstens solche Ver- bästniffe wie in diesem Jahre und nicht wieder Vorkommen wsrden.

Abg. Knebel (ni.): Wir bcfinden uns nicht in einem Verfassungs- losen„ sondern vrriaffungswidrigsn Zustand. Auf diese Verzögerung bat die Fragx der Beamtenbesoldung erheblich eingewirkt, dir neben dern Etat baite , erledigt wcrden können. Vor Wrihnacbten waren wir nicht aztEretcbend beschäftigt, später war die Bad rtkommission uberlgstet, wahrend das Plenum wenig zu thun batte. Zlbbilfe wäre mögltck) gewesen durch eine rechtzeitige Vorlegung eines Nothgeseßes von seiten der Staatsregierung. Für die Zukdnft wird 83 iich erbellin, öfter als bisher Abrndfißungen zur Erlrdigung drs Etats a zu (1 en.

Finanz:Minisier [)1'. von Miquel: Meine Herren! Gestatten Sie mir nur noch Einige Bemer-

kungen auf die Aeußerungrn des Herrn Vorredners. Darüber streite ich garnicht, darüber kann ich gar nicht streiten, daß es nach drr Ver-

faffung nicht berechtigt ist, AusJaben zu Lasten drs Staats zu machen,-

die noch nicht bewilligt sind. Der Fall kommt aber auch in Jahren dor, wo ganz etatsmäßig verfahren und rechtzeitig der Etat abge- schlossen wird. Sie finden in jrdrm Jahre eine ganze Reibe außer- eiatdmäßiger Aukgaben, die durch das Staatsinterrsse grboten waren, und da wird hinterher dann die Bewilligung beantragt.

Meine Herrrn, ich habe auch nichts dagegkn, wenn man den Zustand, wie er jetzt hier borlié'gt, einen Verfassungswidrigen nrnnt; ich wollte nur aussprechén, daß dem keincr Seite die Absicht bestanden hat, gegen die Verfassung zu handeln, und daß dis Minister um so beruhigier sein konnten, wenn schon im März die Budgetkommission die nachträgliche Gcnrbmigung der ohne Vorabsibluß des Etats ge- machten Audgaben beantragt; demnach war sich jeder Minister wenigstens in dem guten Glauben, es werde das geschehen, was hinterher in Gemäßbeii des Etatsgeseßes gcnebmigi worden. Nun babe ich aber ausdrückiicb berdorgebobrn, daß die Minister fich sebr beschränkt haben und keineswi-gs alie Außgaben, die in drm neuen EtatSentwurf stehen, gemacht, sondern darauf Bedarht genommrn haben, someit möglich nur diejenigkn AuGgaben 511 machen, wrlche auf rechtlicher Ver- pflichtung beruhen, wo ja ein Risiko gar nicht vorliegt; nur in ein- zelnem ganz besonderen Fällen ist wvbl dabon abgewichen, z. B., wie der Herr Ministrr der öffentlirhcn Arbritrn bier außdrücklick) erklärt hat, in Bkzug auf die Einsrßung der neuen Direktion Mainz. Das war Eine Sache, die garnicht zu vermeiden war; der Ministrr würde dßichtwidrig gehandelt haben, wenn er sie nicht auf scine Verant- wdriung übernommen hätte. Ich bin überzrugt, in drn einzrlnen Resort:“; ist so verfahren, wir rin Mann drrfäbrt, der das Brsireben bat, die verfassungsmäßigcn Rechts des Landtages auf das sorgfältigfie zn acbtcn.

Ick wiii nicht darüber wird äußrrn, wd eigrutiich die Ursache dirscs derzößerten Abschlusses liegt: wo mehr, im) weniger. Der Herr Vorredner sagt: wir hätten -- wenn ich ihn rrcht verstanden Habe- die Beamicnbesoldung don der Etatßberathung Trennen sollen. Das halte ich nun für das ailcrderkebrteste und bedenklickyste. (Sehr richtig!) Dazu würde ich mich kaum herbeigrlaffen haben. Man kann nun sagen: man Hätte dann die Besoldungsdorlage früher machen sollen. Ich lade den Hrrrn Redner ein, mir!; mit seinem Besuche zu beehren. Dann will ich ihm di? Akten zeigen, die Verhandlungen mit den übrigen Ressorts, ob ks dem Finanz-Minister möglich war, trotz alien Drängens, diese Vorlage auch nur einen Tag früher ein- zubringen. Das kann man [sieht sagrn. Ich habe schon früher von langen und schwierigen Verhandlungen im Staats=Ministerium über diese Besoldungßdorlage gesprochen; ich kann vrrfichern, daß ich die Sache so zeitig in Angriff genommen habe, daß die Ressorts ein ganzes Jahr Zeit gehabt haben, die Sache zu erwäßen und sich mit ein- ander zu verständigen. Hätte ich aber diese Besoldungddorlage früher fertig gehabt, ehe der Etat frstgestelit war - was sdiite ich damit machen? Ich konnte doch nicht dem Hause zumutbrn, eine Be- soldungßdorlage Von dieser Bedeutung eher zu bearbeiten und zu er- lrdigen, als der Etat dorsag. Das Haus mußte doch prüfen, ob die Einnahmen dafür da find, um diese großen Ausxxabrn zu machen.

Diese Art von Vorwürfen kann ich daher in keiner Weise acceptieren. Ich würde mich sonst gern schuldig erklären, aber es ist das wirklich nicbt mit meiner Ueberzeugung vereinbar; in der Presse kann man das leicht sagen, da wird das nicht widerlegt, aber hier geht das nicht.

Meine Herren, die ganze Frage würde für das Haus leichter zt lösen sein, wenn es möglich wäre, den Landtag im Nddember immer schon zu berufen und ihm dann den Etat vorzulegen; ich habe gar- nichts dagegen, wenn diese Frage mal in der Budgetkommission -- hier geht das nicht - kingebend geprüft Wrrden würde, - ich bin überzeugt, die Kommission wird sich schließlich auf meinen Standpunkt stellen. Denn ein mangelhafter Etat, der nach alien Richtungcn lückenhaft ist, wo die Vorbereitungen entweder überbastet find oder wo die erforderlichen Materialien für die einzelnen Rrfforts noch garnicht vorliegen, das halte ich für das größte Uebel. Will aber die Vudgetkommission die Sache prüfen, so kann man ja näher auf die Sache eingeben; ich bin in dieser Be- ziehung durchaus nicht eigenwillig.

Denn, meine Herren, den Landtag im November zu berufen, wie das verlangt ist, ohne daß man ihm den Etat vorlegt, das hat ja gar keinen Sinn; ich bin auch überzeugt, das würde die größte Urn zufriedenheit hervorrufen. (Sehr richtig!)

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