1897 / 118 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger, Thu, 20 May 1897 18:00:01 GMT) scan diff

kmdem 11de Um": . ür die Arbeiter batdie ie- Ha ich Lem Ge eßgebuna gesorgI" aber fMe-t

dutch die sozialpolitis Melßand bat sie wenig übri gehabt, und die QMMgen durch lange Kämpfß abgerungen ivorden. I

orla e ift den bitte Sie den Antrag von Viereck anzunehmen.

!) . Reißbaus (S .): Von der Or ani erung der Arbeiter vill Yak nichts wissen, wxi'l es nicht möglix i , die Organisation der Arbeiter zu kontrolieren. Die Zwangöorganisation der Handwerker aber läßt man 11, weil sie fiändi kontroliert werden könne. Aber wo sind denn d (: Handwerker? ie große Mehrzahl der Handwerker beute abbänLci'g von anderen Handwerkern oder von Gro industriellen oder vom Kadi [; sie haben keine gemeinsamen Jntere en mit dxn Groxindustrielien und dem Kapital. Der Antrag von iereck will 'die nnungöbildung aucb auSdebnen auf die Damenmäntelschneider. Die Damenmäntelscbneider sind aber garnicht selbständige Unter- nehmer, und viele der sonst angeführten Handwerke sind ebenso wenig

selbständig. '

Abg. Bassermann (nl,): Es ist nicht richtig, daß die ohne Lebrlinae und Gesellen arbeitenden Meister von den Innungen aus- geschlossen sind. Ossi nur, da ker uptzwcck der Innungen die ante Ausbildung der Lehrlinge ist, die Bestimmung aufgenommen worden, daß diejenigen Meister, _w-:lche obne Lehrlinge und Gesellen arbeiten, nicht in eme Innung hineingezwungen werden können. Ueberall Zwangsinnungen einzuführen ist nach dem statistischen Material nicht iich, weil sich niÉt die nöthige Zahl yon Handwerkßmeistern zur ildung einer lebensfabigen Innung findet. Ferner hat fich erwiesen, daß die süddeutschen Hand- werker von Zwangsinnungen nichts wissen wollen, daß sie im wesentlichen nur für die Handwerkerkammern zu haben sind. Ein ersprirßlicbes Zusammknwirkrn ist nur zu erwarten, wenn eine Mehr- heit, und zwar eine erhebliche Mehrheit in der Innung vorhanden ist, die auf dem Boden der Zwangßinnizng steht. Wir hatten deshalb die Bestimmung ewünscbt, daß für die Bildung einer Innung eine Zweidrittelmebrbet notHWeadig sein soll. Der Antrag ist leider nicht

angenommen worden. Darauf wird die Debatte geschlossen, nachdem Abg.

Ahlwardt (h. k. T.) ohne Erxolg, nämlich nach Beendigung der Abstimmung, ie Befchlu fähigkeit des Hauses (welches noch beschlußfähig war) bezweifelt hatte.

ES kommt sodann folgender, von dem Abg. Stadi- hagcn (Soz.) gestellter Zusaßantrag zu § 81 zur Ver- handlung:

„Gastwirthen darf die Veranstaltung öffentlicher Luftbarkeiten nicbt untersagt werden, Wenn sie einem an demselben Orte seinen Betrieb ausübenden Gastwirt!) . . . mag dieser einer Innung an- gehören oder nicht . . . gestattet ist. - Wird für den Bétrieb des Schankgewerbes eine Polizeistunde festgesetzt, so muß dieselbe für sämmtliche Schankwirthschasten desselben Ortes die gleiche sein.“

Staatssekretär des Innern, Staats-Minister ])r. v on Boetticher:

Ich kann Sie nur dringend bitten, diesen Antrag abzulehnen, denn er gehört absolut nicht zu der Materie, die uns augenblicklich beschäftigt, am allerwenigsten gehört er in den Titel 71 der (Gswerbe- ordnung. Drr Herr Abgeordnete hat das auch selber gefühlt, drnn er hat diesem Anfrage ein Mänieichen umgehängi, das die Annahme ermöglichcn soll, als ob er doch in den § 81 eingeschmuggelt werden könne, insofern er in den Antrag die Worte aufgenommen hat: „mag der Gastwirti)einerJnnungangebören odrr nicbt“. Aberdieses Mäntelchen ist doch nicht dicht genug, um nicht die Absicht erkennen zu lassen. DiefeAb- sicht verstimmt aber nicht. Ich muß das hohe Haus bitten, dem Anfrage nicht siatizugeben, denn cs handelt fich dabei um weiter nichts als um gewerbepolizeiliche Bestimmungen bezüglich der Ertbeilung dsr Erlaubnis; von Lusibarkeitén und bezüglich der gleickymäßigen Fest- seßung der Polizeistundk. Daß dies beides nicht in den Paragraphen gehört, der jrtzt berathen wird, und der den Gewerbetreibenden die Berechtigung gewährrn will, zu Innungen zusammenzutreten, darüber werden Sie mir wohl die Weiterkn Ausführungen erlassen. (Bravo !)

“Iii.“(g. Stadißagen (Soz.): Der Antrag gehört hierher, weil er zur *:,"- bung des Mittelstandes dienen soll, zur Befreiung des Gast- wirtngewcrbes von allen Pdlizkimaßregein.

Abg. Zubeil (Soz.) spricht sich ebenfalls für den Antrag aus.

Ge en di:- Stimmen der Sozialdemokraten, Freisinnigen und Poien wird die Vertagung der Debatte abgelehnt und der Schiuß derselben herbeigeführt.

Der AntraFZ von Viereck wird geJen die Stimmen der deutschsozialen eformpartei und etwa er Hälfte der Deutsch- konfervativen abgelehnt; ebenso der Antrag Stadthagen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Freisinnigen.

Schluß 53/4 Uhr. Nächste Sißung Donnerstag 2 Uhr. (Erste Berathung des dritten Nachtrags:Etats. Dritte Lesung des VereinSnothgescHes und Fortsesung drr zweiten Berathung der Handwerkcrvorlage)

Preußischer Landtag. Haus der Abgeordneten.

88. Sitzung vom 19. Mai 1897.

Ueber den ersten Theil der Sißung ist gestern be- richtet worden.

Bei der dritten Berathung des Geseßentwurfs, be- ireffend Abänderungen der Geseße vom 9. Juli 1886 und vom 6. Juni 1888 über den Bau neuer Schi ahrtskanäle und die Verbesserung vorhandener Wafferstraxfen (Nack)- forderung für den Dortmund-C'ms-Kanal) bemerkt

Finanz-Minister 131. von Miquel:

Meine Herren! Ich finde eigentlich nicht, daß diese ganze Debatte, der Streit um die Vorgänge des Jahres 1886, über die damals kundgegebenen Anschauungen iiber die Renjabiiität des Kanals, mit der hier in Frage stehenden Vorlage viel zu thun haben. Die Staats- regierung bat den Kanal mit Zustimmung der beiden Häuser des Landtags von Dortmund nach Ems gsbaut. Es ist jetzt eine Nack)- forderung in Frage und ai]? Welt ist darüber einig: das Geld ist au6gegeben, man kann die Ueberschreitungen, wie ich das Vor allem thus, aufs iiefste bedauern (hört! hört! rechts); man kann die Recht- fertigung der Techniker in Bezug auf die Bauausführung oder den ursprünglichen Kostenanschlag in Voliem Maße gelungen und in geringem Maße als weniger gelungen halten, das Geld ist ausgegeben, muß ausgegeben wsrden, so weit es 11011) nicht geschehen ist, um den Kanal zu vollenden. Es steht nicht in Frage, die Nach- forderung der Staatsregierung abzulehnen. Wir müssen die Konskquenzen unserer früheren Thaten bier ziehen, das bleibt garnicht aus. (Zuruf) Ja, darüber find ja die Ansichten verschieden, aber die That ist vollzogen, die Konsequenzen sind da. ch karin Ihnen per- sichern, daß dem Hrrrn Minister für öffentliche Arbeiten und namentlich dem Finanz-Minister diese Nachforderungen im höchsten Grade schmerzlich und peinlich sind, und daß skb daran ausfübriiéoe Verhandlungen geknüpft haben, wie man in Zukunft derartige Dinge beffer vermeiden kann, - wobei aber

doch die Sache ein milderes Liebt bekommt, wenn man er- wägt, was Wafferbauten bedeuten. wenn man erwägt, wie "ck in anderen Ländern in dieser Beziehung die außerordmtlkbßen Ueber- schreitungen der ursprünglichen Kostenaustbläge vorkommen. (Zuruf) Ja, der Amsterdamer Kanal ist in viel größeren Maße überschritten. Das liegt ja, meine Herren, in der Art derartiger Bauten, wo man mit Verhältnissen unter der Erde zu thun bat, die man nicht überall genau kennt,:vo man auf große Ueberraschungeu stößt. Das kann man mil- dernd hervorheben ; ganzrechtfertigen will ich aber durch diese Bemerkungen diese Ueberscbreitungeu doch noch nicht; man hätte doch noch vielleicht etwas vorsichtiger sein müffen. Ich kann mir aber darüber als Laie kein Urtbeil erlauben. Also, meine Herren, um die Annahme oder Ablehnung der Vorlage handelt es sick) nicht. Was hat es nun für ein Interesse, uns den Kopf darüber zu zerbrechen, was für Aussichten entmzder von der Regierung oder den Parteien, die damals für den Kanal waren, in Beziehung auf die Rentabilität gemacht worden sind! Garkein Interesse. Obendrein ist vollständig nachgewiesen, daß die Regierung damals in ihrer Vorlage offen erklärt “hat: wir rechnen nicht auf eine Verzinsung des Anlage- und Baukapitais. Die Kom- mission bestand in der Mehrheit aus solchen Mitgliedern, welcbe geneigt waren, die Vorlage durcbzubringen, die Sache möglichst optimistisch aufzufassen und günstig darzustellen, und in den Kom- missionsverhandlungen wurde die Sache schließlich so aufgefaßt von der Mehrheit, daß dann auch zugleich eine gute Rente herauskommen würde. (Sehr richtig! links.) So ist die Sache. Ueber die Frage der Rentabiliiät eines solchen großen neuen Verkehrsweges kann man wirklich sehr verschiedener Meinung sein. Wenn Sie die Korrespondenz zwischen mir und dem Ministerium der öffentlichen Arbeiten über die vermutbliche Rentabilität von Eisenbahnen lesen würden, dann würden Sie sehen, daß selbst bei den genauesten Prüfungen doch auch unter Sachkundigen die ver- schiedensten Meinungen smd. Wir haben erlebt, daß in dieser Be- ziehung beide Ministerien sich sehr geirrt haben. Es smd Sekundär- babnen rentabel geworden, bei denen das eine Ministerium sagte: sie würden nicht die Betriebskosten aufbringen, und umgekehrt, andere Linien sind unrentabel geblieben, obgleich beide Ministerien einver- standen waren, daß sie akier Wabrscheinlichkéit nach sehr reniieren würden, Ist das nun schon der Fall bei Eisenbahnen, in um so viel größerem Maße naturgemäß bei solchen Kanälen, wo ja auch die Ein- wirkung der Konkurrenz des Rheins und der gegen 1886 ganz ver- änderten Eisenbahntarife im böchsten Grade mitspricht.

Also ich sehe nicht recht ein, was man mit dieskr ganzen Debatte eigentlich erreichen will. Höchstens könnte doch die Frage in Betracht kommen, 01) nicht zu Ungunsten einer bestimmten Klasse der Bevölke- rung oder zur Übermäßigen Begünstigung eines anderen Industrie- zweigrs die Tarife falsch normiert find. (Sebr rich1igi links.) Meine Herren, Sie können fich doch vorstellen, daß das Finanz- Ministerium einen Tarifnie genehmigen würde, der so beschaffen wäre, daß das Erträgniß des Kanals nicht mehr als nöthig berabgedrückt wird,. Beide Ministerirn müssen in dieser Beziehung genau denselben Gesichtspunkt haben. Ich halte allerdings _- ich habe das hier ofi ausgesprochen -- bei dem Bau der Kanäle wenigstens die begründete Aussicht auf die Rentabilität und eine mäßige Verzinsung des Bau- kapitais für erforderlich. Aber der Tarif kann nicht willkürlich ge- sieilt werden. (Sehr richtig! links.) Wenn die Sache so gemacht wäre, daß man überhaupt seitens der Betheiligten auf die Herstellung einer Flottille, auf die Anlagen von Einlade- und Auslade- vorrichtungen, die Herstellung von lokalen Häfen Verzichtet hätte in dem Glauben, die Schiffahrt auf dieser Strecke könne überhaupt nicht konkurrieren gegen den Rhein bri so hohen Tarifen, - ja, meine Herren, dann hätten wir den ganzen Kanal brachiikgen [affen müssen und hätten g€wiß keine Rente bekommen. Herr Graf Kunitz muß doch auch bedenkrn, daß große Kapitalien, die erforderlich sind, um alle Einrichtungen, Schiffe u. s. w. herzustellen, ibreiseits auch großes Risiko laufen, und je höher wir dcn Tarif steilen, je weniger wird man geneigt sein, auf solche Unternehmungen einzugeben, Weil das Risiko ein um so größeres wird. Ich habe in der Vorberatbung immer den Satz Vertreten: wir müssen bis an die äußerste Grenze gehkn, um eine möglichst hohe Rente herauszu- ziehen. Ich habe mich aber überzeugen müssen, daß durch die Berechnung der KonkurrenzVerhäitniffe von den holländischen und belgischen Häfen über den Rhein nach der Ruhr wir schon von dorn- berein eine gewisse Grenze voraus hatten, die wir garnicht überschreiten konnten, sonst wäre der Kanal einfach garnicht befahren. CH haben Konferenzen an Ort und Stelle in Dortmund stattgefunden, es Wurde uns da mit dürren Worten von der Stadt Dortmund erklärt: wir werden garnicht das Geld für dén tbeuren Hafen auf das Budget nehmen, wenn die Tarife so hoch gestellt werden, wie der Staat es ursprünglich beabsichtigte.

Nun wolle ferner drr Herr (Graf bedenken, wenn dieser Tarif einmal frstgesetzt ist, daß dann die Interessenten, die in gUtem Glauben infolge größerer Unternehmungen erhebliche Kapitalien aufwenden, eine gewisse Dauer unbedingt haben müssen; darüber ist kein Zweifel. Aber in Zukunft wird man die Entwickelung selbst abwarten, man wird sehen, welche Quantitäten Erze und Getreide über den Kanal gehen, wie fie wirken auf die deutschen Erzsiätten; man wird prüfen: gebt Getreide in erheblichem Maße über den Kanal, Woher kommt das Getreide, kommt es z. B. aus Ostpreußen oder aus Amerika? Dann kann und muß man ja auf alle die Fragen zurückkommen. Der Herr Minister der öffent- lichen Arbeiten hat ja ausdrücklich mehrfach auSgesprochen, daß damit nicht auf ewige Zeiten ein Definitivum gemarht werde.

Also ich glaube, man solite sich doch vorläufig bei der Sache beruhigen. Die grundsäylichen Gegner aller Kanäle müssen sich doch sagen: diese Grundsäße können wir hier nicht anwenden; es ist diese koloffaie Aufweniung für den Kanal seitens der Staatöregierung einmal gemacht, dsr Kanal ist vorhanden; hier kann es sich also nicht um die Frage handeln, ob man noch einen neuen Kanal baut.

Nun möchte ich endlich noch sagen, daß aiierdings bei den An- schaunngen über die Rentabilität dieses Kanals derselbe ja 1886 doch nur als eine Stricke eines großen Kanalunternebmcns vom Rhein bis zur Elbe angesehen wurde, und das mußte naiürlich die Anschauungen über die dauernde Rentabilität dieser Strecke selbsisebr beeinflussen. Wir sieben ja auch noch heute auf dem Standpunkt, daß diese Strecke als Einzel- tbeil eines größeren Unternehmens anzusehen ift. Ob das größere Unternehmen zu stande kommi, können wir ja z. Z. mit Sicherheit nicht wissen; aber wir können den damaligen Anschauungen gegenüber den Vertretern derselben nicbt verdenken, wenn damals, als von aller

!-

Welt vnausskseßl winde, daß derkaul solvobl vou Downmix W demNbein, als von derWeser nacb derElbe fortgeführtwexd“ sollte, die Anschauung über die Rentabilität dieser speziellen Strecke, die wir vielleieht mit Unrakt zuerst aukgebaut haben, günstiger war, wie wir sie 1th vielleitkt haben.

Meine Herren, ich glaube, diese ganze Debatte, auch bezüglich der Höhe der Tarife ist deswegen verfrüht: weder Herr Graf Kaufs noch wir haben die Entwickelung auf diesem Kanal voraussehen können; würden wir z. B. aus überzeugen, daß die Tarife für Ge- treideeinfubr zu niedrig find, daß die Landwirtbscbaft zu sehr geschädigt wird, oder daß die Erzfarife zu niedrig sind, daß mehr auf diese Tarife, ohne den Kanal zu benachtbeiligen, geschlagen werden könnte, so können Sie sicher sein, daß der preußische Fiskus am Play: sein und das Notbwendige anordnen wird.

Abg. von Hagen (Zentr.) wünscht, daß bei der Stadt Papen. bar?, statt der beabfichtigteu Kanalschleuse eine Seeschleuse angelegt wer e.

szrimn Ober - Baurat!) Dresel erwidert, da eine See. schleuse Viel höhere Kosten verursachen würde, daß; die tadt Papen. brzrg schon zu einem Beitrag aufgefordert worden ei,worauf aker noch keine Antwort erfolgt sei.

Abg. Gotbein (fr.Vgg.): Ich weiß auch nicht, was die Herren drüben wollen; wir stebxn doch einer vollendeten Thatsache gegenüber. Herr von Pappenheim irrt, wenn er Raubt, daß die Kanäle die An- lie?u schädigen. Bezüglich der Oder- eaulierun ist das Gegentbeil sch aaend nachgewiesen worden. Es werden dur solche Regulierung die Ufer festgelegt und die Gefahr der Ueberschwemmun und Ver. sumpfung verhütet, und das kommt der Landwirtbscha 1: gute. Bei der Kanalisierung der oberen Oder find solche Entwä erungs. anlagen emacbt _worden, daß die Landwiribe an den kanalisierten Strecken 1ch beffer stehen als die an nicht kanalifierjen Strecken, so daß sich die letzteren sogar beschweren, dgß ihnen der Staat nicht auch solche Anlagen macht. Die Konservativen sollten uns mit ihren falschen Argumenien gegen die Kanäleqverschonen. Die Preisunter- schiede zwiscbrn Stettin und Cassel Und nicht mehr so hoch wie früher,_und daß ist eine güxistige Folge der Aufhebung des Identitäts- nachwetses. Die Zufußr fremden Getreides iit mambmal für die Mühlen notbwmdig, um das einbetmijche Getreide überhaupt der- werjhen zu können. Auf der Weser ist hauptsächlich Mais eingeführt worden, dahinter versckzwinden die anderm Getreidearten fast, und die Landwirtbschast braucht doch die Maißxinfuhr fiir die Viebfütterung. Der Vorfißend-Z der schlrsischrxx Landwrrtbschaftskammer ist gerade im Intéreffe der Landwirtbfchaft 1ür billige Tarife auf unserm Wasser- straßen eingetreten, urn die Absaßverbäitnisse zu vrrbeffern. Wir können der Regierung nur dankbar sein, daß sie unsere Ströme reguliert hat. Zwischen drn Vertretern der Landwirtbschait und In- dustrie in SÖlefien bat vöiliae Einmütbigkeit bezüglich der Tarifierung geherrscht. Am 8. März ViTöffLUtliÖte das Amtsblatt der Regierung in Potsdam, das niemand z_u (Gesicht kommt und fast unter Aus- schluß der Oeffentlichkeit ericheint, eine Vrrfügung der Regierun , durcb ercbe aus den märkischen Wafferstraßen die polizeiliche kaogn?- tionßgebühr für Schiffe, die im Strom lic en, erhöht und außerdem für Privatanlegrstélien eine Bollwerksabga e erbobrn wird. Das widerspricht der Reichsverfaff-mg, wonach auf den natüriichen Wasser- straßen nur Abgaben für _brsondere Anstalten erhoben wrrden sollen. Die Rrgierung hat uns drriprochen, Vor Einführung von Kanalabgaben die Interessenten zu hören; ich bitte daher den Fmauz-Minister, die Verfügung wieder aufzuheben und rrst die Juterrffenten zu hören. Die schlesische Eisenindustrie ist nicht gegen den Dortmund-Ems-Kanal wegen drr Zufuhr der Erze; wenn man nicht kleine Verschiebungen mit in den Kauf nehmen wii], kann man überhaupt keinen Fortschritt erzielen. Wir wollen dsn Verkehr nicht künstlich aufhalten durch Ab- gaben, Welche drr Verkehr nicht tro en kann. Auf der Elbe haben wir mit hohen Abgaben ichlechte EkßJkUY en gemachtz durchzu hohe Abgaben verödet der Verkehr. Ganz verfe lt wäre es, die ausländi- schen PiOdUktS mit Höheren Kanalabgaben zu belasten, da es uns nur Repressalien dom Anklande zuziehen würde.

Ministerial-Direkjor Schulß: Derr Vorredner hätte seine Ve- schwerde iiber die Erböéiung drr märkischen Schiffahrtsabgaben nicht erhoben, wenn er den Beschstd des Ministers an diE Breslauer Harxdelsk3mmer (xekannt hätte. (Abg. Gothein: Ist bisher nieht bekannt g-zwordkn!)

Abg. Schmidt-Warburg (Z-Zntr.) bestreitet, daß „die Weser- Kanalisierung der Landwirtbfcbafr schaden würde. Die Staats- regirrunxx soiite das Projekt der Kanalisierung der Obcr-Weser nach Krästcn fördern.

Abg. von Pappenheim (ions): Ich habe nicht_ behauptet, daß die Anlieger der Fulda durch die Kanalisierung geichädigt worden seien. Daß das_ aber im qilgemeinen vorkommr. wird auch der Regierunßskomminar nicht bestreiten können. Aus dem Osten kommt vi-rscbwind-snd wenig Getreide nach dem Writen. Wenn wir den östlichen Wrizrn zur Vrrbcffexung unserer Qualität benußen könnten, würden wir es mit Frrude thun. Ob unsere Flußiäufe drn Charakter von nkiliüfriichen Gewässern überhaupt noch haben, ist mir mehr als zweife :( t.

2189. Bueck (nl,): Bci der Anlage irgend weicher Verkehrsmittel läßt sick) garnicht frstiteiikn, daß die Zinsen drs Anlagrkdvitals durch die VerksbrSgebübren gédkckt wrrden. Dqs ist schon bei Eisenbahnen nicbt mö-Zlicb, um wie viei weniger bci Kanälen. Es wäre richtiger gewesen, von vornherrin auch den Dortmund-Rhein-Kanal in Vor- schlag zu bringkn, aber jrßt müssen wir mit den Thatsachen rechnen. Der Kohlenrxport hat augenblicklich allerdings Wenig Aussicht, anders war es aber in den 702r Jahren, und es können wieder andere Zeiten kommen, wenn fick) durch Anlage neuer Schächte die Produktion bebt. An den Erzimport ist 1886 nicht gkdacht worden; seitdem hat ck) aber unsereEifenproduktion außerordentlich gehoben, und wir brau en dazu andere Erze wie früher. Schüttete man den Dortmund-Ems-Kanl zu, wie es Graf Kunitz wünscht, so würie die westfälische Industrie die schwedischen Erze über den Rhein importieren. Graf Kani? sucht bier die Rolle des Schußonkels für einen bestimmten Industr ebezirk zu spirlxn. Ich habe den Verdacht, daß er damit nur Zwiespalt in die Industrie hineintragen wiil. Die Versibiebungsn, von denen Herr von Padpenbeim sprach, kommen auch sonst vor und haben den wirth- scbaftiichen Verkrbr grfördert. Wollte man seinen Einwand auf die Spiße trriben, so würde man zu der Meinung kommen, daß jedes neue Verkehrömittel ein Unglück ist.

Abg. von Mendel-Steinfels (kons.): Wir Landwirtbe und die konservative Partei smd keine prinzipiillen Gkgner des Kanaiwesenß- Wir wünschen nur, daß das Zünglein der Waage für die Industrie und die landwirtbschafilick)? Produktion gleichgestelit werdx. Wir fürchten mit Nacht die großen Kanäle, die unsereBinnengewaffer mit der See verbinden, weil fich an diesen großen Kanälen Jmportmiihlen etablieren und unsere heimische Landwirthjchaft schädigen. Die exmgen Vortheile der Flu läufe für die Befördrrung von unger- mitteln v. s. w. 0111an gegen diese Benachtbeiiiguna „gar- nicht in Frage. Darum auch unsere Opposition gegen den Mittel- landkanal. Die Landwirtbschaftskammern von Posen, Ostpreußen Md Schlesien haben den dringenden Wunsch außsesprocben, die Getreide- frachten nicht zu ermäßigen. Die Getreidepreise des Ostens find nkcht gestießen, sondérn die des Westsns sind gefallen infolge des Z.;stroms über den Rhein und der Einfuhr argentinischen Getreides. _Der Aus- bau des Dortmund-Ems-Kanals wird die Preise noch mehr drucken. Dem Grafen Kaniß fällt ck nicht ein, einen Keil in die Industrie zu treiben- Wir wollen mit ihr Hand in Hand eben, und ich bin überzezigt- da sich Mittel und We e finden müssen,Ybre Wünsche nach Kanalen mit den Wünschen der andwirtbicbaft zu vereinigen. , „_

Abg. Gotbein: DU Mittelland Kanal ist doch kern Seekanal- der dem Import fremden“ Geiteides dienen könnte. Von einer Melio- ration der umliegenden Ländereien durch die Kanäle babe ich garnicht gesprochen.

Damit ichiießt die Generaldisiussron.

In der Speziaidiäkni fion über Z 1 konstatiert - ba Bronte (|V » da die deutscheTeGnikimKar-ai a an - ihc alla Länder 71:6 UYU tmr bezüglich des Bank des Nord-O ee-KaaKU, sondern bei dem Dortmund-Ems-Zmal, der, Misik betraétet von bababre endet Bedeu'iung ist. Diese Kanal- zagten sind ein Ruhmestitel deutscher Arbeit. Möge in gleichem Maße auth ferner verfahren werden! .

§ 1 wird angenommen, deSglerchen der Rest des Geseßes, sowie das Gesetz m Ganzen. .

Zu der Vorlage beantragt die Kommission fol ende Ref 0 - lation: die RFierung zu ersuchen, durch zwe entsprecheride Taristerung der analgeb uhren der dre einheimische Produ'ktion schädigenden Konkurrenz entgegenzurmrken. _

Die Abg. Leppelmann (Zentn) u. Gen. beaytragen dazu folgenden usgß: und zu dtexem Zwecke_nach Ero nung des Dortmund: ms-Kanais Erhe ungen daruber _anzu teilen, sb und inwieweit die bereits festgeseßten Kanalgebuhren einer Abänderung bedürfen.

Ab . Leppelmann (Zenit) begründet seinen Antrag mit dem HinweisßbeafTie Not??»brndigkeii, die Jntereffen der Industrie und

dwirt zu ver nen.

Lan Abg. Freiherr von Plettenberg-Mebruui (ions): 2119 ich neulich darauf hinwies, daß die westfälische Landwirtbscbaft geschadigt würde, wenn fich am Dortmund-EmsKanal eme roße Mahlen- industrie entwiäelt, meinte Abz. Wallbrecht, daß ck eine große Mühleninduftrie nicht so schnell aus dem Aermel schütteln la en würde. Sein Fraktionßaenoffe „Schmieding hat, uns aher sei st mitaetßeilt, daß schon beute eme Mühlenmdustzre dorx rm Entstehen ist, und zwar im Vertrauen axxf den. szüyrentarts des Kanals. Die große Mühlenindustrie ist aiko bereits am Werke. Der kleine Mann “will nicht nur für den eigenxn Bedarf Gstreide bauen, sondern auch Getreide verkaufen. Jm Bielefeldjchen ifi eme große Mühle in eine Margarinefabrik umgewandelt worden und den “kleinen Landwirtben-dadurcb ein Abfaßgebiet entzogen wordéxn. Vor solckoen Vorwürfen, wie sie Herr Bueck dem Grafen Kan gemacht hat, soiiten wir 'uns doch buten. Wir vertreten daz; gxmze and, nicbt eiiie einzelnk Provinz. Das Gefühl der Solidaritai ist in _der Industrie ebrnso stark vertreten wie in der Landwirtbschafk, und ici) hoffe, daß diese Soiidarität auch zwischen den'beiden großen pryduzterenden Er- werbsständen fich immer mehr befestigen wird.

Abg. Broemel: Die Beseitigung der ausländisxben Konkurrenz und die Rentabilität des Kanals sind schwer zu vereinigende Gegen- säße. Eine zweckmä'ige niedrige Bémeffung der Gebizbrensixße wurde die Rentabilität be er gewiibrleisten als 5000 Probrbriivs ?. Dre Re ierung “hat durch die Yestießung niedriger Saße für dre er ien fünf Jaßre daS'Richtige geiro en. Ick) bedauere, daß die Resolution den ruhigen Gang der Entwickelung stören will. Der Antrag'Lsppelmdnn schwächt diese nachtheilige WirkunJ etwas ab. Wir werden für ihn, aber gegen die ganze Risol ution s immen.

Abg. Möller (ni.): Auch ich halte es für eine Tborßeit, wenn Landwirrbsrhaft und Industrie sich befebdem' Ich mußte mich aher neuiick) dagegen wehren, daß Graf Kamy die Industrie unfreundlich bebaudelie. Konkurrenzgegensäée zwischrn Often und Westen schließen nicht aus, daß man in gro en allgemeinen Fragen znsammengebt. Ferr von Plettenberg wird nicht bestreiten können, daß der Bund der

andwirthe “die Jnterrffen des Ostens mehr vertreten hat als die des Westsns. Die Landwirthschaft wird aber von den SchU?zöllen nur dann einen Rußen haben, wenn eine leistungsfähige Indus riebevöike- rung vorhanden ist, die ihr die landwirlbschaftlichen Produkte abnimmt. Ich habe bei jeder vernünfti en, erfüilbaren Forderun der Landwirts)- "chaft das Wort geredet. ir werden grgrn die Re oluiion und den ntra Lchve1mann stimmen.

ck59. Freiherr von Plettenberg-Mebrum: Uns lirgi nur daran, daß Nicht mehr Getreide ins Land kotnmt, als zur Ausfüiiung der Lücken nothwendig ist. Es kommen aber so viele Massen fremden Getreides herein, daß sie auf die beimischen Preise drücken. Der Bund der Ldeirtbe hat es fich zur Regel und Pflicht gemacht, in

ra en, wo Osten und Wesisn koUidieren, eine durchaus neutrale te ung einzunehmen. Den einzelnen Interessenten wird es überlaffen, ihre Jntereffe-n für sich zu vertreten.

Abg. Ple-ß kZentr.) empfiehlt den Zusatzantrag Leppslmann und meint, daß der Dortmund-Ems-Kanal eine Rente nur haben Mrde, wenn er nach drm Rhein auSgebaut werde.

Abg. Sckpröder (Pole) führt aus, daß Landwirtbsclmfi, Industrie und Handel unier einandcr einig sein müßten, daß abw.", Wenn die Tarife so niedrig bemxffen würden, allerdings die Landwiribschaft geschädigt werde, und tritt für den Zusatzxnirag Leppelrnann ein.

Die ResoluTion wird rnit dem Zusaßantrag Leppxlmann gegen die Stimmen der Naironaiiiberalcn und der Freisinnigen :angenomm-In.

Es folgt die zweite Vcrathung des Geseßentmurfs, bLireffend die Ta egelder' und Reisekosten der Staatsbeamten. ie Komm1sfion, an welche die Vorlage in der zweiten Lrsung zurückverwiesrn wurde, hat noch die AMderung beschlossen, daß, wenn sick) eine Dienstreise auf zwei Tage erstreckt und „innerhald 24 Stunden beendet ist, nur das _Einundeinhaibfache der Saße für die Tagcgeider zu iiqmdieren sei.

2159. Krawinkel (UT,) bittet um Auskunft darüber, ob bei mehreren zusammenhängenden Ortschaften die Reisekosten von dem Wohnort oder yon d-Ir Grenze des gesammten Gebiets aus gerechn€t wxrderrsoiien, und_ wie es mit drn Reisekostrn der Mitglieder der Emschaßuugskommiysionen steht.

Finanz-Ministcr Dr. von Miquel:

Meine Herren! Es handelt sich hier um die Spezialberathung eines Gesetzes, das sich nur darauf bezieht, weiche Diäten und Reise- kOft-en denjenigrn Personen zusteßen sollen, die darauf einen Anspruch Haben. Ick) glaube daher, es wird nicht ratbsam sein, auf die Von dem Herrn Vorredner ang eregien Fragen einzugehen, ob die Mit- siieder der Voreinsthäßungs-Kommissionen berrchiigt find, Diäten zu empfangen, Ich möchte, um die ganze Diskussion nicht auf Gegen- fiände zu lenken, welche mit dem Geseß garnicht in Verbindung sieben, meinerseits vorziehen, den Herrn Vorredner zu bitien, bei einer anderen Gelegknbeit diese Frage wieder aufzunehmen.

Meine Herren, ebensowsnig stehen die andsren Bemerkungen des Herrn Vorredners mit der gegenwärtigen Verhandlung in Verbin- dung, mit Außnahme einer Frage, die ich auch brantworten will.

Bei zusammengeseßten Gemeinden, die aus mehreren Ortschaften bsstkben, ist ja häufig zweifelhaft, welche der Ausgangspunkt "kd der Eadpunkt der Reise ist und wie die Kilometer b?_rkchnet werden müssen. Das Staats - Ministrrium hatte früher eine Entscheidung darüber dahin getroffen, daß die Ortschaft entscheiden solle und nicht der Wohnort in der zusammen- Üeskßten Gemeinde des reisenden Beamten. Diese Entscheidung ist “er vom Reich§gericht auf Klage eines Beamten nicht als mit dem Fefeß vollkommen vereinbar erklärt worden, und daher hat das StaatS-Ministerium diese übrigens in manchen Beziehungen kaum genere]! ganz richtig zu erledigende Frage anderweit dahin geregelt zu GUnstrn der reisenden Beamten, daß immer der Wohnort des be- ireifMden Beamten entscheiden soll. Die „Frage ist daher bereits durch M'Uifierialbeschluß erledigt worden.

Abg- von Pappenheim befürwortet die Kommissionsbeschlüffe.

Finanz-Minister Dr. von Miquel:

Meine Herren! Ich glaube, die Diskussion vielleiÖL abkürzen zu können, wenn ich schon jest die Stellung der Staatöregierung zu den iehigen Vorschlägen der Kommission zu erkennrn gebe. Die Staats- regierung bedauert allerdings, daß die Kommission eine Herabseßung der Reisekostenvergütung in den von ihr gewünschten Beträgen vor- geschlagen bat, sie legt aber sehr erhebliches Geivicht darauf, daß die jeßigen Mängel des Geseßes von 1873 beseitigt werden: einerseits durch eine mäßige Erhöhung der Diätensäye, andererseits durch eine den wirk- lichen Reisekosten mehr entsprechende Herabseßung der Reisekosten- gebübren. Sie legt aber auch um so mehr Gewicht darauf, daß den Wünschen des Hauses tbunlichst Rechnung getragen wird mit Rücksicht auf die eben vom Hause in so dankenswertber Weise bewilligte Erhöhung der ganzen Bezüge der Beamten. Sie schließt sich den Ausführungen in der Kommission an, daß wenigstens nach unsern Verhältnissen eine Spezialliquidierung im einzelnen Faii zu Unzuträgiichkeiten führen Werde, uiid wiirde daher, wenn das Haus drn Beschlüssen der Kom- misfion beitritt, geneigt sein - ich glaube, ich kKnn das ziemlich be- stimmt aussprechen _, den Wünschen des Hauses entgegenzukommen und das Geseß nach dieser Fafiung zu accepticren.

Ich möchte nur, damit ich nicht noch einmal über diese Frage das Wort zu ergreifen brauche, bitten, daß das Haus in Art. 71 die Wsrie „dem 1. Juli“ ersest dure!) die Worte „dem ]. Oktobrr'. Es wird nämlich, wenn jsßi, nachdem die Session schon soweit vor- geschritten ist, der Abschluß des Geseßes fich erheblich Verzögert hat, kaum möglich sein, das Grieß bereits am 1. Juli in Kraft treten zu lassen;“ denn es müssen auf Grund dieses Geseßss eine Reihe König- licher Verordnungen, die spezielle Bzstimmungen für bestimmte Kate- gorien in Bezug auf die Rzisekosten und Diäten enthalten, abgeändert werden, und das wird so schnell nicht geben. Derartige Verordnungen bestehen fast in allen Ressorts, und ich glaube nicht, daß es möglich sein wird, damit bis zum 1. Juli fertig zu werden. Da es fick) hier um eine Zeit von nur Fber handelt, so darf ich wohl an das Haus die Bitte richten, den 1. Oktober statt des 1. Juli zu nehmen, viel- leicht darauf einen Antrag einzubringen, was ich ja nicht kann.

Abg. Kirsch (Zenit) bemängelt daß in der Vorlage das Wort Bausckxver üxung nicht mit „P' ge chrieben sei, während in einer anderen orlage cin „P' stehe.

Finanz-Minifter ])1'. von Miquel:

Ich persönlich tbciie die Anficht des Herrn Vorrrdners in Bezug auf die Schreibweise; aber fachkundigere Männer smd anderer Anficbt und beweisen, daß P hier unrichtig ist. Ich möchis bitten, dabei zu bleiben. Man kann ja für das B als ganz erheblichen Grund den anführen, daß es nicht beißt: P.:usch und Bogén, sondern; Bausch und Bogen. (Heiterkeit)

Vize-Yräsrdent ])1'. Krause: (Ein Antrag auf Verwandiiing drs „B“ in . " ist nicht gesieiit.

Das (Heseß wird darauf nach der Kommisfionsfaffung mit der vom Abg. 131: Sattler (ni.) braniragten Aenderung an- genommen, daß es erst am 1. Oktober in Kraft tritt.

Es folgt die zweite Berathung des Geseßeniwurfs, betreffend Aenderrzngen de? Reglements fiir die Königlich preußische Offizierswrttwenkasse.

Abg. Freiherr Von Williserr (ions) b'ittét die Régierung, es bei diesem schüchternen Versuch einer Erleichterung der Offiziers- wittwen nicht bLWenden zii lassen. Der finanzieüe Effekt der Vor- lage sei der, daß das Reich nur 1400 .“ jährlich mehr Zuschuß an die WiUWenkaffe leiste, d. 1). pro Kopf 1,20 „k; Weiteren Erl€ichtr- rungen werde das Haus gern" zustimmen., _Das Mindrste, was yer- 1anst werden müffe, sei die ganzliche Bxseiitgyng der Rückerstattung des Eintritisgeldes.

Wirklicher Gkheimer Kriegsrat!) Kiesner erwidert, daß seit 1882 die Leistungen des Reichs für die Wittwenkaffe gestiegen seien. Die An- regung des Vorredners in drr ersten Lesung hake zu Erwägungen geführt, indessen könne zur JM nicht mit weiteren Forderungen an das Reich herangetreten Werden; die Angeisgcnheit iönns aber noch- mals in_ Erwägung gezogkn wsrden.

Dre Vorlage mird angenommen.

In zweiter Berathung wird ferner der Geseßcntwurf- betreffetid die Forstschuß bcamten der (Gemeinden und öffent- lichen Anstalten im Regierungsbezirk Wiesbaden mit Ausschluß des vormals _Landgräfiick) heffen-homburgischen Gebiets und des Stadtkrciics Frankfurt a. M., ohne Debatte angenommen.

Es folgt _die T?Mite Berathung des von dem Abg. Dr. Langerhans (fr. olksY.)_beantrag,texiGeseßentwurfs, wonach die a_uf dem markischen Prqvmzialrrcht, insbesondere der Visitations- und Konsistorialordnung von 1573, beruhenden Verpfiichtunxzcrr der biir erlichen (Ge- meinden bezüglich der KtrchenbaulKJt aufgehoben werden folien. .

Die Kommission beanira t die Annahme der Vorlage.

Abg.1)r. Irmer (ions): n der Kommission sind nsue Ge- sicbtépunkie nicht zu Tage getreten. Wir halten an unserer Ableh- nung des Antrags aus den 111 der ersten Lösung erörterten Gründen fest. Dsr Antrag ist lrdxglich aus einem lokairn Bedürfniß hervor- gegangen; äbniiche Besttmmungcn bestehen aber auch in anderen Pro- vinzen, wo (1110, wenn der Antrag in dirfrr Faffuxig an enommsn wird, die ustände bestehen bleiben. Dadurch könnte sine erdunke- lung des echtSzuftandes eintreten._ Die Strömung der Zeit geht aiierdings dahin, die Lasten a_uf dre konfrssionellen Gemeinden zu legen, und wir wollen aus dieyer Strömung nicht widerseßen, aber wixbklénnen hier ein wvblerworbrnes Recht nicht ohne Entschädigung an 2 en.

Abg. 131". Langerbans „(fr. VOMP): In der Voria e von 1881 für das litike Rheinufer tft vom ganzen Hause und vom crren- hause das Prinzip meines Anirags angenommen wvrden, und nicht ein Mitglird des Zentrums, nicht ein ka'tbdltscber Priester hat damals auch nur kin Wort von einer Entschadrgung gesagt. Ich verstehe nicht, wie man jeßt davon sprechen kann. '

Abg. Dr. Porsch (Zentr.) befürwortet die Annahme des Antrags.

Nach einer kurzen Erwiderung des Abg.D1-. Irmer erklart Geheimer Regierun s-Ratb Steinhausen, daß die Regierung bei der in der ersten Le ung eingenommenen Haltung b_eharre; wo es sich um die Aufgabe von Rechten handle, sei eine Eniscbadigung vorzusehen. Die Regierung wünsche auch dem unieidltchkn Zustand in Berlin ab- zubeifen; das könne aber nur durch eme Uebereinkunft der Betheiligten, nicht durch ein Geseß geschehen.

Der GrstJntwurf wird gegen die Stimmen der beiden konservativen arteien angenommen.

Schlu 33/4 Uhr. Nächste SißunZ Sonnabend 11 Uhr. (Dritte Le ung der heute in zweiter esung_ erledigten Vor- lagen; Vorlage wegen Erwerbes von Theilen des Aachen- Mastrichter Eisenbahnunternehmens; Nachtrags-Etat; zweite Lesung der Sekundärbahn-Voriage.)

WMW

Tägliche Wagengéstelluug für “K'oblen und Koks

- an der Ruhr und in Oberschlesien.

An der Ruhr sind am 19. d. M. gestellt 12 507, nicht rechtzeitig gestellt 150 Wagen.

Jn Oberschlesien sind am 19. d. M. gestellt 3888, nicht recht- zeitig gestellt keine Wagen.

Zwangs-Verfteigerungen.

Beim Königlichen AmtsÉericbt 11 Berlin standen die nachbezeichneten Grundstücke zur erfteigerung: Zu Telt_ow, See- bof, belegen, dem Kaufmann Hermann Mos er zu Brrlm gehörig; Fläche 18,31 a; Nußungswerib 2400 „46; mit dem (Gebot von 27 500 „FC blieb Rttikrgutsbesißxr Georg Maul zu Rittergut Busch bei Giesenslage Metßbietender. - Ver- linerstraße 102 zu Pankow, dem Zimmermeister Ernst Fürst zu Cbarlotienbur qeböri ; Flache 35,10 &; unt dem Gebot von 160000 ckck blieb (Zastwirt Carl Ebersbach zu Mummels- burg bei Brrlin, Kantstraße 7, Meistbietendsr.„- Marienfelderstraße zu Groß-Lichterfelde belegen, dem abrtkanten Carl Hart- mann geböria; Fiäcke 72,50 &; ußungswertb 6525 „ji; mit dem Meistgebot von 68 250 «M wurde Kaufmann Max tanke zu Berlin, Mühlenstraße 39/40, Ersteher. - Au gehoben wurde das Verfahren , der Zwangsver- sieigerung wegen des Grundstücks zu Groß-chbtcrfrlde, dem Architekxen Arthur Peßenbürger gehörig. - E_tngeftelit Wurde das Verfahren wegen der nachbknanntari Grundstucke: Macb- nowerstraße 40 zu Zeh lendorf belegen, der Frau Caroline D obrmann gehörig. - Zu Pankow, Bcebmefiraße 5/6, dem Fabrikanten Emil Gronau und dem Maurerpolier Ernst Hinßler gehörig, da Gebote nicht abgegeben wurden.

- Die Herstellun der für die Kleinbahn Rastenburg- Sensburg erforderii en Güterwagen 2T. ist, wie die Firma Oren- stein &, Koppel in Berlin mittbeilt, ihrer Waggon: und Weichenbau- anstalt von der Direktion der Osipreußischm Südbahn in Auftrag gegeben worden.

_ In der gestrigen Sitzung drs AufsicbiSratbs der Dort- mund er Union, Afitenqefeilicbafi fur Bergbau, Eisen- und Stahl- Industrie, wurde mitgeibeiit, daß der Umtausé.) dsr iu Vorzugs- Aktien „[Mi.-(J umgewandelten Aktien bitt, 11 nahezu völlig beendet sei. Die Direktion Wurde _errxiäcbtigt, den bis jrßt noch nicht an- ?emeldeten Rest noch 3achtraglich zuzulassen. Die Direktion berichtete

odann über die durchaus„befriedigenden Ergebnisse des dritten Viertsl- jahres des laufxnden Gescbaftsjabres, welches, wie „W. T. V.“ mittbeilt, nach den vorlaufigen Monatsübkrsichten grgen den gieichrn Zritraam des Vorjahres ,ein Mshr von 395 227 „44 ergiebt. Im Ganzen ist bis 12151 nach den provisorischen _Monaisübersicbten für die drei ersten Vixrteljabre des [aiifenden (Yßsebaftsjahres ein Mehr von 1 784 690 M erzreli worden. Die V€schaktigung dcr Wsrke isi fortdauyrnd gut.

- Die BetriebszCinnadwen der Schweizerischen Nord- ostbahn betrugen im April 1897 für den Personenverkehr 852 000 (im April 1896 provisorisch 762 000, definitiv 767 426) Fr., fiir „den Güterberkehr 1148000 (im April 1896 Pro- disorisch 1067 000, definitiv 1097 359) Fr., diverse Ein- nahmen 101000 (im April 1896 provisorisch 91000, deßnitiv 94196) Fr., zusqrrrmen 2101000 Fr. (im April 1896 prodi orisch 1920 000, definitiv 1 958 981) Fr. Die Betriebs-Ausgaben beirn en 1 121 000 (im April 1896 provisqrisckp 1 165 000, définitiv 1 152 266) Fr. Dem„nach_ Ueberschuß im April 1897 980 000 (im April 1896 provisomch 755 000, definitiv 806 715) Fr.

Stettin, 19. Mai. (W. T. B.) Nack) Pridatermitielun en wurde im freien Verkehr notiert: Weizen loko 159, Rogßen [Zw 115, Hafer loko 126-130. Rüböl pr. Mai 55,60. SPÜÉW 1de 39,43 MÄUZVWW _.

res_au, .. ai. . T. B.) (SchlußKurse) S [. ZH 0/0 L.-Psdbr. 1111611. 100,30, Breslauer Diskontobank 116,3?0, Breslauer Yeehsierbdnk 104,25, Sch16fischsr Bankvrrein 131,30, Breslauer HpntxabrrJ 145,00, Donnersmarck 152,75, Katiowißer 159,60, Oberschl. E17. 101,75, Caro H€g€nscheidt Akt. 128,25, Obersck). P. Z. 144,75, Ovp. Zement 153,75, Giéskl Zem. 143,50, L-Ind. Kramsia 145,15, Schief. Zement 194,50, Schief. Zinkh.-A. -,-, Laurabutte 162,90, Orksl. Oelfbr. 107,75. V :“ Ykrddubkikanki.59éZZrÉu-Z pxr 100 1 100 0/0 exkl. 50 „Fl

crorar: ;arga M Or. 5.1 (U , c., 0. do. 70 „W eb . abgaixsiki pkk.) Yiai 39,5103 GdM V r rauchs

ag e urg, .. ck ai. (W. T. B.) Zuckerbrri t. Kyrnzucker exkl. Von 92 0/0 -,-, Kornzucker exkl. 88 % Rkndemént 9_,55-9,70. Nachpr0d11kt3 exkl._750,“0 Rendern. 7,00-7 70. Ruhig. Y_rotraffiriadc 1_23,00. _Vrotraffinadc ][ 22,75. Gem. Broiraffinade mxt ' Faß 22,50-23,25. Gem. Melis 1 mit Faß 22,25. Ruhig. Robzucker 1. Produkt Tranfito f. a. V. Hamburg pr. YZ: 683,30 ZHJUZHY Fr.,Avr. FUZiÜZiJY FW„ 8,75 Br., pr. Juli

,“ .„ 2 r., r. uu* , €.„87 3r., r. - DezeXber ?,80 (Bd., F5 Br? Ruhig. z Z B p Oktober

ran furt a. ., 19. Mai. (W. T. B.) S [u -Kure. Lond. Wechs. 20,38, Pariser do. 81,183, Wienér ck))o.ß170,!17), 30/0 'Reichs-A. 97,70, Ums. Egy ter 107,80, Jtaiienrr 92,30, 3% port. Anlkxthe 23,00, 50/0 amort. um. 100,80, 4 0/0 russische Kon. 103,30, 4%) Russ. 1894 66,40, 4% Spanier 61,00, Mittelf- merrb. 95,80“ Darmstadter 155,80, Diskonto -K0mmaudit 201,40, Mitleid. Kredit 113,40, Orsterr. Krcditakt. 309, Oest.-Ung. Bank 820,00, Reicthank 160,20, Laurahütte 162,50, Westerkgrln 181,00, HöchstefrkaatrbwerY 442,00,t Pr(ivaxdlis§0)nt Fi

rn- ozie ä . S u. eterr. Kreditaktien 309 , .Gottbardbahn „158,60, Diskonto-Kommandit 201,60, Laurahütie -,--, Portugiese'n 23,60, Ital.. Mittelmeerb. 96,30, Schweizer Nordostbabn 115,30, Jtai, Méridionaux 130,00, 60/0 Mexikancr "",-", Italiener 92,60.

56 80Köin, 19. Mai. (W. T. B.) Rüböl loko 58,50, pr. Mai

Dresden, 19. Mai. (W. T. V.) 3% Sächs. Rente 97 40, 3,10/0 do. SiaatSanl. 101,30, Dresd. Stadtanl. v. 93 101,75, 21119. deutsche Krrdit 213,25, Dresd. Kreditanstalt 141,00, Drrsdner Bank 159,00, Lerpziger _Bank 181,75, Sächs. Bank 127,60, Dreßd. Straßén- bahn 230,00, Sachs.-Böbm. Dampfschiffahrts-Ges. 250,25, Dresdner Baugesellsch. 221,50, Dresdner Bankverein 118,50.

LeipzTiÉ, 19. Mai. (W. T. B.) (Schluß “KUksL- 3% Sachsische ente 97,40, ZH 0/0 do. Anleihe 101,60, Zeiser araffin- und Solaröl-Fabrik 107,25, Mansfelder Kuxe 1000,00, Leipziger Kreditanstalt-Aktien 213,90, Kredit- und Sparbank zu Leipzig 116,50, Leipzi er Bankakticn 182,00, Lripziger Hypothekenbank 148,25, Säch sche Bankaktien 127,40, Sächsische Boden-Kreditanstalk 135,00, Léipziger Baumwolispinnerei-Aktiex1 169,75, _Kammgarns innereiStöhr u. Co. 177,50, Altenbur er Aktienbraueret 240,00, uckerraffinerie

(;ck-Aktien 110,00, Gro e Leipzi er Straßenbahn 262,00, Leipziger

lektrifcbe Straßenbahn 177,90, bürm ische Gaßgesellschaftsttjen 206,00, Deutsche Spitzenfabrik262,00, Leipz Jer Elektrizitätswerke 132,50.

Kammzug-Terminhandel. La lata. Grundmuster 13. pr. Mai 3,10 „M, pr. Juni 3,10 .“, pr. uli 3,10 „14, pr. Au ust 3,10 «M, pr. September 3,10 „M, pr. Oktober 3,10 „14, pr. o- vember 3,10 „js, pr. Dezember 3,10 „jz, pr. Januar 3,10 «45, pr. Februar 3,10 «M, pr. März 3,10 „16, pt. April 3,10 „sé Umsa : 50 000. Bebaupiet.

remen, 19. Mar. (W. T. B.) Börsen-Scblußbericht. Raffiniertes ?Wir 0 l e u m. (OLZfizielle Notierung der Bremer Petroleum- Börse.) et. Loko 5,60 5 r. - chmalz. Ruhig. Wilcox 22 Ö, rmour shield 22 „g Cudaby 23 43 Choice Grocery 23 45, White label 23 :S" Specx. Rubi . Short clear middl. loko 25 „3. Reis stetig. Kaffee -. Faumwolle. Ruhig. Upland middl. loko 40 „5. Kurse des Effekten-Makler-Vereins. 59/0 Norddeutsche Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei-Aktien 170 Br. 50/9 Nordd.

Lloyd-Aktien 1061 (Hd., Bremer Woiikämmerei 270 bez.