Sachseu-Coburg-Gotha.
In der Sißung des gemeinschaftlichen Landtages dcr HerzoLZthümer Coburg undGotha vom_26_. d. M. wurde der ntrag der Finanzkommission auf zweixahnge Fest- setzung des gemeinschaftlicben Etats, zunächst nur für die Jahre 1897/98 und 1898/99, einstimmig genehmigt. Das Herquiche Staats-V.inister_ium beharrte während der Verathung an der bisherigen vierxährigen Festseßuna, erklärte sich aber berxit, probeweise auf einen cin1ävrigcn Etat einzugehen, wenn eme Union der beiden Herzogthümer zu stande käme.
Oefterreirh-ngarn.
Der Fürst und die Fürstin von Bulgarien sind gestern von Paris in Wien eingetroffen.
In der vorgestrigen Sißung des österreichischen Ab: qeordnetenhauses protestierte der Abg. Groß gegen das Vorgehen des Präsidiums während der Sißung vom Tage zuvor gelegentlich der Abstimmung Über den Antrag Kaizl, betreffend die Auslegung der Geschäftsvrdnung. Er beantragte eine Berichtigung des rotokolls über die letzte Sißung, verlangte grheimc A stimmung über seinen Antrag und namentlich2 Abstimmung darüber, ob geheim abgestimmt werden soUe. Aehnliche Anträge wurden von den Abgg. Sylvester und Fuxike gestellt. Nach einer kurzen Entgegnun, seitens des Vize-Präiidenten Kramarz schritt das Haus zunäch?t zur namentlichen Abstimmung darüber, ob über den Antrag (Groß geheim abgestimmt werden solle. Sämmtliche Anträqe wurdcn abgclrbnt. Im weiteren Verlauf der Sißung seßte die Links ihre bisherige Taktik fort. Es wurden in achtftündiger Sißung 15 namentliche Abstimmungen vor- genommen, ohne daß es möglich gewesen wäre, zur Tages- ordnung überzugehen.
Großbritannien und Irland.
Dsr vorgestern zu Ehren des Geburtstages der Königin in London abgehalteneU Parade wohnten der Prinz und die Prinzessin von Wales, der Köni, und die Königin von Württemberg, der Prinz und die zZrinzessin Karl von Dänemark, der Prinz Christian zu Schleswig-Holstein, sowie die Herzoge von Connaught, York und Cambridge bci.
Das Unterhaus nahm gestern die erste Lésrmg einer Vorlage an, durch welche der Gebrauch des metrischen Systems für Maß und Gewicht [egalisiert wird.
Im canadischen Unierbause besprach, wie „M.TB.“ aus Ottawa meldet, am Mittwoch der frühere Premier- Minister Tupper die Vorlage, betreffrnd den Vorzugstarif zwischen Großbritannien und Canada, und be: gründete folgendes Amendement: Das Haus ist der Ansicht, die canadische Regierung solle die britische Regieruwg wissen lassen, daß sw, sobald die vorliegenden Schwirrig- keiten beseitigt sein würden, bereit sei, das Ueberein- kommen bezüglich der Vorzuq-Ztarife mit Großbritannien ab 1:- schließen. Der Marme:Minister Davies erklärte, ie canadiscbc Regierung bestreitr, daß die deutschen und belgischen Güter nicht zur Vorzugsbehandlritig berechtigt seien, da diese Staaten Meisibcgünsiigungs:Verträge mit England hättrn. Das Amendcment Tupper wurde mit 74 gegen 42 SUMMER abgelehnt.
Rußland.
Am Mittwoch, dem Jahrestage der Krönung des Kaisers und der Kaiserin, fand, wxe „W. T. B.“ 111le21, in der Kirche des großen Palais in ZarskO]e:Sse_lo ein Gottesdienst im Beisein des Kaisers und der Kai1erin, der Kaiserin- Wittwe, des Prinzen Johann zuSchleswig-Holstcin- Sonderburg:Gliicksburq, des Herzogs Parti zu Mecklenburg und der Mitglirder der Kaiserlichen Familie Y_at_t„ Später folgte LM Familienfruhstück im Alexander-
a als.
Der Kaiser empfing vdrgestcrn den Botschafter in Wien Grafen Kapnifi, den Geiandien in Tokio Baron Rosen und den Gesandten in Belgrad szolSkU, sowie spätcr den französischen Yoiscbafter Grafen Montebello.
Gcstern Und die chineyischen (Hsiandtcn Sl)u-King:Chen und Iong-Chu in St. Petersburg eingetroffen, dcr erstere bebnfs U-xberrcichung des Abberufungsschreibsns, der icßtere zur Ueberrcichnng seiner Accreditive.
Italien.
Gestern Vormittag fand, wic „W. T. B.“ meldet, in der St. Prters-Kirche zu Rom dieHeiligsprcchung dcs Antonio Maria Zaccaria aus Mailand, dcr im 16. Zahrhundcrt dcn Barnabiten:Orden begründeik, und des Peter Fourier, der im 17. Jahrhundert lebte und den Beinamen „Apostel von Loihringen“ führt, durch den Yapst in Person _stati. Gegen 81/2 Uhr seßtc sich die -rozeffi0n, welche sich in der Sixtinisckzen Kapelle versammelt hatte, nach der St. Pckch-Kirche in Bcwcgung, wohin ihr kurz darauf drr Papst, umgeben von seinem Hausstaat und den Kardinälen, folgte. Auf drm Hinwcg Blr Feier wurde der Papst, wie es bei solchen Gelegenheiten kaucl) ist, von der versammelten Menschenmengc', welche auf 40000 Personen ge- schäßt wurde, durch Schwenken von Tüchern und Hüten begrüßt, während alle Zurufe unterblieben. Im Innern der Basilika hatten sich außer den zahlreichen Pilgern und Andächti en iiber 40 Kardinäle, 300 Erzbischöfe und Bischöfe, das dip omatische Korps und viele Vertreter der G2: sellschaft, darunter zahlreiche Damen, eingrfunden. Die beiden ersten Theile der Zeremonie hielt der Papst selbst ab, während er die auf die eiligsprcchung folgende große Meffe auf An- raiben seines eibarztes 1)» Lapponi durch den Kardinal Oreglia zelebrieren ließ. Die Feier war um 11/g Uhr u Ende. Troß der großen Anstrengungen, welche sie ?ür den Papst mit fick) brachte, sah derselbe vortrefflich aus und zeigte sich hocherfreut und ticfgerührt durch die lebhaften und anhaltenden Zurufc, welche ihm settens der Menge auf dem Rückweg zum Vatikan dargebracht wurden, wohin sich der Papst, fortwährend den Segen spendend, mit seiner Umgebung gegen 2 Uhr zurückzog. Am Abend war die Faxade der Si. Peterskirche glänzend beleuchtet.
Die „Opinione“ vcröffcntl-icht anläßlich der Zeremonie in der St. Peters-Kirchc einen Leitartikel, worin fie ihre Freude über die Kundgebung der Gläubigen, die in Rom zusammen- gesirömt seien, ausspricht, weil dieselbe die vollkommene Un- abhängigkeit des Papstes bowcise. Jeder neue Beweis der praktischkn Möglichkeit dcs Zusammenlebens des Königs und des apstes sri ein Triumph des modernen Italien und eine San tion der Versprechungen, die Victor Emanuel der Welt
gegeben habe und die niemand, solange die Freiheit dauere, in Rom brechen werde.
Spanien.
Die Deputirtenkammer hat vorgestern alle im Butgetentwurf vorgesehenen Finanzvorlagen angenommen.
Türkei.
Das Wiener „TeerxKorresprureau“ meldet aus_ Kon- stantinopel, daß der inisterrath am Mittwoch die am Tage zuvor von den Botschaftern überreichte Note berathen habe. Der „Times“ zufolge ist die Antwort der _Pforte den Botschaftern gestern zuge angen. Die Friedensbedmgungen würden darin nicht bespro en, die Pforte zeige aber ihre Bereitwilligkeit, mit den Botschaftern zu yerhandeln, sobald die Formalitäten des Waffenstillstandes erfiillt sein würden, und drücke den Wunsch aus, den Frieden m Phgrsala zu unter- zeichnen. Auf den von den Botjchaftern bezuglich _der Aus- weisung der Griechen unternommenen Schr_i_t_t_ habe_die Pforte erwidert, daß die AuSrveisungen vorläufig "":.th seien.
Infolge von Berichten des Konsularkorps m Vqlo, wonach die Beschlagnahme ausländischer Waaren im dortigen Zollamte seitens der Türken zu befürchten sei, haben die Botschafter bei der Pforte Vorstellungen erhoben, damit diese Waaren respektiert würden.
Nach einer Meldung dsr „Morning Post“ aus Konstan- tinopel dauern die TruppentranSporte fort. Es _set der Befehl zur Enisendun von 30 Bataillonen aus Syrien zum Dienst an der serbiizchen und bulgarischen Grenze ertheilt worden. Sechs TranSportschiffe seien am Dienstag mit ver- siegelten Befehlen von Konstantinopel abgegangen.
Nach einer Meldun der „Times“ aus Athen vom Mittwoch haben die Auf!?tändischen auf Akrotiri auf den Nati) des Obersten Staikos drei Geschüße ausZeliefert; die beiden anderen (Hesehiiße sind im Befiße der Aufständischen im Innern der Insel kalieben. _ Wie die „Agence Haves“ b:: richtét, s;i€n von en Aufständischen in drr Umgegend von Netbymon Brandstiftungen verübt worden.
Aus Kanea vom gestrigen Tage meldet die „Agence Havas“, daß daselbst beunruhigende Gerüchte Über die Absichten der Mohamedancr im Falle drr Abberufung der jürkischen Truppen verbreitetsxicn. Die Admirale bätten den Gouverneur benachrichtigt, daß 11? ihn für etwaige Vorkommnisse verant- wortlich mgchen würden. JEMail Pascher habe versprochen, seinen Einfluß _eltend zu machen, indeffrn xede Vsrantwortlich= keit abgelehnt, a der europäische Befehlshaber die Polizei übernommen habe,
Der in den Dardanellen beschlagnahmte griechische Dampfer „Artemisia“ ist infolge der gemeinschaftlichen Schritte der Botschafter freigelassen wordrn.
Griechenland.
Die leßte Abtheilung der griechischen Truppen ist, dem „W. T. B.“ zufolge, am Mittwoch vom Kreta in Athen eingetroffen.
Zwischen dem Minister:Vräsidcnten Ralli und dem italienischen Dcpniirten di Felice ist es am Mittwoch im Marinc-Ministerinm zu einem äußerst lebhaften Auftritt ge- kommen. „W. T. B.“ berichtet darüber: di Felice stellte den Minister-Präfidenten in übéraus grober Weise und unter beleidigenden Ausdrücken zur ere. Dieser rief so- gleich Nach der Polizei und bkauftragte dieselbe, di Felice an Bord des iiaiicnischen Panzerschiffss im Piräus zu brinqen. Ten Kommandanten des Schiffes ließ der Minister=Präsident bitten, di Felice nicht zu gestatten, den riechischcn Boden wieder zu betreten. Die von Epirus im &iräus eiygctroffenen Garibaldianer machten den Ver- fUch, di Felice zii befreien; hierbei entstand ein Streit, bei welchem eine Privawrrson und ein Soldat verwundet wurden. An Bord der „Sardrgmd“ gcbracht, wurde di Felice am Abend auf die Jnterventirm des italienischen Gesandten und sein Verspreckxsxi, abzurcisen, ohne weiteren Zwischenfail wieder freigelasscn.
Fünf Mitglieder drr „Ethnike Hetairia“ find ver: Haftet wordsn, w;il sie während der Panik in Lamia das
aus des Erzbischofs geplündert haben soUen; einige silberne Leuchter sricn bei ihnxn rorgefundrn worden.
Rumänien.
Nach de_m am Mittwoch Abend angegebenen Bulletin über das Besmdcxi dcs Prinzen Ferdinand war deßZustand noch immsr brumubigcnd, indessen hatte sich das Aügemein- bcfmden gebessert. Gestern war das Befinden des Prinzen günstiger, doch trat in der Nacht zu heute eine schwere Krifis ein. Der König, die Königin, alle Minister, die Prä- sidenten des Senats und der Kammer sowie mehrere Gesandte verbrachten die Nacht in Cotroceni, der Residenz dees Prinzen. (Gegen Morgen irat Beruhigung ein. Der Prinz verfiel in Schlaf.
Im ganzen Lande giebt sich eine tiefe Theilnahmc kund; Tausende UNI Personen bsgeben fich nach Cotroceni, um sich nach dem, Bcnnden des Prinzen zu crkUndigen.
Dänemark.
Die Prinzessin Ingeborg, die zweite Tochter des Kronprinzen, hat sich, wie amtlick) bekannt gemacht wird, gestern auf Schioß Bernstorff mit dem Prinzen Karl von Schweden und Norwe en verlobt.
Dcr Finanz:Minister Zörring brachte, wie „W. T. B.“ meldet, am Mittwoch die neue Budgetvorlage im Folke: thing ein. Die umstrittenen Forderungen sind nicht darin enthalten. Bezüglich einiger orderungen für militärische Zwecke erklärte der Finanz-Minister: er werde auf diese Forde- rungen verzichten, falls sie Widerstand finden soUten,
Amerika.
'n der Militärschule zu Rio de Janeiro brach vorgc tern einc Meuterei aus, zu deren Unierdrückung Truppen _exitsandt _xvurden. Die Schüler unterwarfen sich, nachdem sie ihre Waffen und Munition ins Meer geworfen hatten.
Asien.
Nach einem Telegramm der „Nowoje Wremja“ aus Peking empfing der Kaiser von China am 26. d. M. die außerordentliche russische Gesandtschaft unter Ybrung des Fursten Uchtomski. Der Kaiser ließ dem Kaiser 'kolaus für die übersandten Geschenke danken. Bei den Empsfängen im Tsun li-Yamcn imd durch Li:Hung-Tschan wurde eitens der Chine en die zweihundcrtjährige FreundsYat Chinas mit Ruß: kgchtidxxrvorgehoben. Die Empfänge zei neten sich durch Herz- i U aus.
Afrika.
Nach einer Meldung Londoner Blätter aus In ann burg vom 26. d. M. wurde Dr. Leyds mit 19 Éümnxx auf einen weiteren Zeitraum von vier Jahren zum Staats- sekretär gewählt. _
Ueber die Mitte Februar 1). Z. bet der Truppen; abtheiluna des Majors Leroi im Uelle- Gebiete vor- gekommene Revolte veröffentlicht, wie „W. T. B.“ meldej der Unabhängige_Congoftaat folgende Mittheilung: Kurzé
eit nach der Emporung ter zu dem Gros der Expedition des
arons Dhanis gehorenden _Abtheilun eingeborener Soldaten fand bei dem Dorfe Nditfi im Uelle- biet zwischen den treu gebliebenen Truppen und den aufständischen Soldaten ein Kampf statt, in welchem ein Offizier und zwei Unteroffiziere efallen sein sonen; Diese Nachricht bedürfe jedoch der Bw täti ung. Zwei Offizieren, von denen man angenommen baby, daß ie bei der Empdrung der Avand-Garde getödtet worden seien, sei es gelungen, sich auf das Fort Avakubi im Ituri-Gebiet zurückzuziehen. Der Congofiaat erklärt die Nachricht für im: begründet, das; bei einer neuen Meßelei 20 weiße Unteroffiziere, die zu der Expedition des Baroiis Dhanis gehörten, ums Leben gekommen seien, Der Congoftaat verfichert, daß er die,» Namen aller Umgckommcncn, die zu seiner Kenntniß gelangt seien, veröffentlicht habe.
Parlamentarische Nachrichten.
Die Berichte über die vorgeftrigen Sißungen des Reichs: tages, des He_rrenk)auses und des Hauses der Ab- geordneten befinden fick) in der Ersten und Zweiten Beilage.
_ Das Herrenhaus _seßte in derbentigenß19.) Sitzung, welcher der Mmiiter der geißlxchen 2c_. L_lngelegen eiten 1). ])r. Boss e und dcr Imtiz-Mmiiter Schonytedt beiwohnten, die eratbung des S_tgatshauMallE-EtaW für 189798 beim Eiat der Justizverwaltung fort.
Bet den Einnahmen giebt
_Ober-Wür ermeislr Struckmann-Hildesbeim zur Erwägurg aiibetm, ob ni t eine Reduktion der zu hohen (Gebührentarife ange- zeigt sei. Die S_txigerung der Einnahmen sei nicht durch eine Zu. nabme der Geschastx, [ondern durch die neue Grbübrenordnung don 1895 zu erklaren. Nach dkrselben bäiten sich auch die Notorious. gxbübrewnach den Gerichi§gebübren zu richten. Besonders bart sei die Provinz Hannover don der neuen Regelun betroffen wordrn. Redner _sucht dies a_n den Ergebnissen der KaZenderwaltung bxim Amtssertcht éiideßbeimwäber nacbzuwrisen. Jedenfalls habe das nxue Gericht? ostengesk für die siädtistben und Ländlichen Gemeinden eme _ungemem bobs _ ebxb:lastrmg zur Folge und wirke auf das Publikum geradezu abicbrsrkrnd gygen die fernere Inanspruchnahme 1er Gerichte für Akte_ der fteiwiüigsn Gerichtsbarkeit. Das sei eine sehr bedénkliche Wirkung des neuen Geseßes.
Hierauf nimmt dcr Justi :Minister Schönstedt das Wozt, drssen Rede morgen im ' orllaut wiedergegebsn werden tmr .
__ Das ngs der Abgeordneten nahm in dcr heutigen (93) Sißung, welcher der Minister der öffentlicheir Arbeiten Thielen und der Minister des Indern Freiherr von der Re_cke bciwohnten, zunächst in dritterBerathung die Geseyentwurfe, betreffend den Erwerb von Theilen dcs Aachen-Mqaftrichter Eisenbahnunternehmens durch den preußischen Staat Und betreffend die Feststellung eines Nachtrags zum Staatshaushalts : Etui für 1897/98, unverändert an Und ging dxnn znr zwcitexi Bc: rathung dcs Geseßeniwurfs zur Ergänzung und Ab- anderung von Bestimmungen Über Versammlungen und Vereine Über. _
DteAbgGraf zu L imburg - Stirum(kons.) und Genossew beaytragexn, vor dem Art. 1 der Vorlage folgenden besonderen Artikel einzuschieben: „Veriammlnngerz, von dcnen auf Grund voii Thatsachen anzunehmcn ist, daß sie die öffentliche Sichc'r- h_eit, insbesondere die Sicherheit des Staats, oder die öffent- liche Ordnung gefährden würden, können von der Landes-Polizri: behörde verboten werden.“
Abg. Schmieding (nl,) erklärt namens seiner Freunde, daß sie gegen den Antrag stimmen würden aus den früher bereits erörtsrtcn. Gründen.
Abg. Winckier (konsx): Meine Freunde baben den Antrag trois der Ablxbnung m drr Kommission wixdecbolt, um ihre prinzi- pixlke Stxüurig bezüglich des Pravexitivvabots klar ulegeii. Die Auflofizng Einer Versammlung führt in den eiftrn Failxn zu einer großen Erregung, und die Entscheidung liegt dabei allerdings in den Händxn untergeordneter Polizewrgane. Es ist daher am besten, wenn iolcbe Versammlungen, welcbe di? Grundlagen des Staates und der Geseukchaft zu bedrohen geeignet sind, von yornberxin Verhindert werden, und wenn wir die Entschei- dung daruber nicht in die Hände untergeordneter Polizri- organe, 1onderx1 der andespolizeibebörde legen; Der Kom- rmffch der Rxgirrung hat in der Kommiifion geiagt, daß der Regierung eine derartige Befugniß nur sehr willkommen ietn köänte, daß sie allenfalls aber auch ein solches erbot anb dem besiebrnden chbt glaube aussprechen zu können. In anderrn St_aaten, Baden und Sachjen, ist eine solche Möglichkeit Feirßitcb feijgelegt, in Preußen nicht; es ist auch in Pieußen noch ein__Gebrauch gemacht worden, und wir m_üffen aucb theoretisch bc- zwéiseln, ob das bestehende Recht dazu auSrEicht. Wir glauben, noch einxnal rm Gedcxnken anregkn urid die Möglichkeit geben zu sclkn- dieje Lück»: auSzuiüllen.
__Miniitér des Innern Freiherr von der Recke: Ich kann ir; Wwdcrboluna der Erklärung der Kommiffars in der Kommission nur nocb axrxdrücklich bestätiFn, daß die Gewährung des sogenannten Pradeniivverbois für ersammluygen der KöniÉlicheu Staat?- regieru-g nur sehr wilLkommen icin könnte. ie erkennt d:? V_orzü,;e, die der Vorredner dafür hervorgehoben, voll- standig _ an, und wenn fie ihrerseits darauf ver,ichtct bat, dlkik's Y_orauéverbot mit in den Gesesentwurf aufzunehmen, so ist das [.disltch aus dem Grunde gewesen, weil sie sick; nur auf das Aliernotbwendigiie bat beschränken wollen. ck kann daher nur an- beZmsteilen, den Von der konfkrvativen Parisi gestellten Antrag anzu- ne men.
Abg. Motti; erklärt fich namens der Polen gegen den Antrag. „
_ Abg. Dr. Lieber (Jenin): Wer mit der großen Entschiedenkxit wie wir gkgen den _Artikel 1 der Regierungsvorlage stimmt, muß mit umso größerer Cntychiedenbeit gegen die von den Konservativxn vdr- gescblagene und von der Regierung so warm begrüßte Prabentrr- maßregel stimmen.
_ Abg. Freiherr von Zedliß und Neukirch(fr.kons.): Jch_m=ß Sie bitten, gegen den Antrag zu stimmen. Dt? praktischen Grunde, welche uns zur Ablcbrung zwingen, liegen darin, daß der Landek- bebörde Aufgaben aestcUt WJldin, die sie garnicht crfüiien kann. Wenn z. B. im Regierungxbezitf Düffeidorf Hunderte von Ver- sammlungen ixi erregten Zéiten angemeldet werden, wie soil der Re ierun s-Prafident im stande sein,Hunderte von Versammlungen inner- bal 24 Stunden mit Angabe der Gründe zu verbieten? Schwerer als die prakiiscben Bedenken wiegen die grundsäslichen._ Man kann der Regieruns eine Vollmacht nicht ertheilen, die sie sklbfk
_ Ikgen die Sozialdemokratie gesevlich vorgegangen
' erbeten hat. Der Minisier will allerdings ebr gern eine solche F!Beimung Feiner Befizgnifie ent_egennebuen. weng die Re- gjmng eine o Bestimmung ur nothwendig erachtet hatte, dann „zu:; sie sie auch voriibiagen sollxn, um so mehr, als eine solch Bestimmung im preußischen Vereinsrecht ein völligus Novum ist. Wir legen großen Werth anf die Aystecbterbaltung des verfassungs- mäßigen Versammlnygs- und VeretnSre__chts, _wir wollen nicht die Freiheit der Meinungßaußerung unterden burgerltchrn Parteien ir endwie einschränken oder knebelzi durcb Bestimmungcn, die_fich ledigli richten egen Sozialrebolutionare oder Nationalrerolutionare. Die Regierung Fat auchnich1 entfernt an eine Bescbaniung der_bürgerlicben Freiheit edacht. Mau behauptet, die Abfichtdes Geseßes sei, dxe oppositionellen Ri tungen aller Art mundtodt xu wachen. Das ist ein geschicktes Manöver, um die großen Waffen m das Garn bestimmter Parteien zu bringen, um sie für die nach_f_ten Wahlen zu appretieren. Man agiiiett und wirbt mit der Vesurcht_ung _voc autokratischen,_ absolutistischen Be- strebungen. Auch daFur liegt nicht die mmdefie Berechtigung vor. Kein Mann in_t_ a_nzen ands denkt an dée Mög- lichkeit odkr Zw'ckazaßig eit eines solchen persönlichen Re- giments. Wenn wrr _ ein starkes Rrsiment fordern, so sexzen wir voraus, da!; es aefübrt aird im Sinne des altrn Hobmzoücrneegiments zum Schuß? des Staats und des Rei 9. Die Agitationen dienen nur dazu, die Verschiebung der Ma t- veibältniffe vorzubereiten zu Gunsten des Rixichstaaes, des varlamentarischcn Regiments. Da geben _ die _ Metnungezi der Parteien etwas durch einander; man _will etnsn unitaxi- schen Konvent bilden, in dem Zentrum immer Trumpf _isi. Die Verfeblungen einzelner Beamten bei Arisfübrung res Vweirs- Und Versammlungsrecbtes werden ausgebeutet, uxn Mißtrauen zu der- breiten. Die Quellx diefes Mißtraucns muß beieitigt werkix; durch die Faffung des Geießes darf nicht ein Keil in die_ nationaien_Par- teien getrieben werden, in die_Partei2n, welcbe dre Probe auf ihre deutsch-nationale Gkfinnung bexirbcn und diese nicht saüezi lamm, wxnn es sich um varlamentarijche Macbtgelüste oder um die Welt- macht des Papstes handelt. _ _ _ __
Präsidsnt von Koelier: Wir diskutieren lediglich uber den Antra des Grafen Limburg-Stirum, der von dem Verbot bon Ver- iammixungen bandcit. _ _ _
Abg. Freiherr von Zedliß und Neukirch: Dre al1gcmeinen Kritsrien, nach denen das Verbot erfoTJen kann, sind uns nicht scharf gknug aufgefaßt. D__er Antraz enthält viele_ zweideutigen Ausdruck, wclche Mißvet tändninen ausges-ßt find. _ Wir sind zu dem Ergebmß gekommen, daß man genau di? Parteien bezetchnen_ txiuß, gegen welche die Bsstimmungen angewendet werden sollen: die jozialreoolu- tionären und die nationalieoolutionären Bestrebungen,_ nicht aber gegen alle oppositionellen Bestrebungsn. _Auf der preußischen (Hessis- gkbung soü nicht der Srixein de-Z Vorwurss basiert, das; zum Kawpf gegen solche Brstrebunaen die bär Zrlich erxbélt angetastét wird. Wir vaan den Schild des preu ischen Staats blank balken im Interesse Deutschlands. _ _ _
Abg. Rickert („kk- Vgg.): Wir onen nicht mehr unt anen diskutirren, wir werden den Antrag ablehnen.
Abg. Dr. Porsch ( entr): Durch den Vorstoß gegen andere Parteien wollte €Mr von edliß wobl nur seine ablebncnde Haltung JSJLUÜÖST dem ?onserdaiiven Antrag rrrdecken. Wir _klcht€l1 uns nach dcr Wirkung, die die Vorlage haben fax". Wenn die Regierung jW: arck) nicht die BMW;? zu eincr Kneb-lu;i:„i_verwenden will, die Möglichkeit dazu liegt vor, und dkxbaib 121;wa wir den Antrag ab.
Grgen die Stimmsn der Konskrvaiiocn wird der Antrag des Grafen Limburg abgelehxzt. _
Auf Antrag des Abg. Rickert wcrden ite Art. _1 und 111 der Vorlage gegen die SUMMLn_ der beiden konservativen Par- teien in der Verhandlung mit einander verbunden.
Diese Artiksl sollen nach dem Antrag der konservativen Partei lauten: ___ _ Artikel 1. Versammwngen, welchr dis öffxntlicbe SlÖLkbklt, insbésondere die Sichkrbeit res Staates, oder die öffentiiche Ord- nung gefährden, könncn von den Abgeordneten der Polizeibehörde (§_4 der Verordnung vom 11. März 1850, Geseß-Samml. «. 277) ausgelöst werden. _ _ _ _ ArtikeL 111. Verrine. dereg Zwkck bxxr qutigiett den Strai- gesFen zuwideriäust oder die öffkgilicbs Sicherheit, m_Zbesondexe die Si scheit des Staats, oder die Hrssn_tiiche Ordnung gsxardkn, konnen von der Landeswlizcibebörde geschloncn w2rden. In der Vorlage hieß es stait „OfsMÜLÖC Tcdnrmg“: „öffentlichen Frix-dcn“. _ _ _ _ _ Nack) drm Aiitrag dcr Freikonservatwcn MUSU dir Artiksl 1 141111 111 laulcn: _ .VRsa-MMWUFM, in weicbkxi anqrcbiitiicbe, _ sozialdémrixarxicbs, sozialistifcbe odcr kommunistiicbe, aus den Umsturz der bwirbrnan Staats- und Gesellschaftsordnung gerichte_te Y_eiirebqngcn iL cmer die öffentliche Sicherheit, insbesondere die Sicherheit des Staats, gefäbrrendén Weise zu Tage treten, können von dsn Angorrneisn der Polizeibehörde i§ 4 der Vérordnung vom 11. Marz 1830, EkseZ-Samml. S. 277) aufgeiöst werdrn.“ _ _ _ _ „Vzreine, in welchen anarchistithe, soztaldemokrattfcbe, soziaTistische oder kommunistische“, auf den Umiturz der bestkbenden Sjgzts- rind Gkseusckzafisordnung gerichtete Vestrcbyngen in einer die dsfcntltcbe SiÖerbrit, insbesondere die Sicherheit des Staats, efabrdendrn Weise zu Tage Treten, können von der Laqdes-Poltzetbeborde gc?- fcbloffkn werds". Dasselbe gilt von Vereinen, welche die Los- rrißung eines Theils drs Staatöscbiets vom Ganzen erstrcbcn oder vorbereiten.“ _ Abg. Sch1niedinq(nl.): Im Namen meiner Freunde kltfk ich, die Art. 1 und 111 in der FaffuW der Regierunßworiage und auch sämmtliche dazu gestellten _ nfrage abzulebnxxi. Der Antrag des Grafen Limburg enthält mcht_s als_die verscharxt3 R:“- ierungßoorlage. Herr von edli m_eint, die Regierung habe an eine Sschrénkun drr bürger! en reiheit nicht gedacht. Ich glaube, was ie und es kommt ni t auf die Absicht der e iciung an, sondern aui die Wirkung deräLUrt. 1 und 111. Und die ZLirYunß ist die_ Beseiti- KUng der Garantien, welche in der Verfaffung fur die Vereins- und VNiammlungsfreibeit egeben sind. Die ,Kreuz-Zettung', das maß- Ybende Organ der Koniiervativen, sagt: Es font_mt darauf an: hat man ertrauen zur Polizeibehörde oder hat man krins “L_ Die FraÉestellung it richtig, und die „KreUz-Zeitung' antwmtei: Wir haben ertrauen zur Polizeibehörde. Ich kann namens meiner Parteifreunde antworten: _ir haben kein Vertraurn zur Polizeibehörde und nach der) Vor- Jangen der chien Zeit auch nicht das Vertrauen zur Komglichm Staatöregierung, um ihr so weitgehende Vollmachten anzuvertrauen. Wir und alle die, welche aus Kreisen der Industrie hierher geschickt sind, wünjcben dringend, daß den Bestrebungen der Sozialdemokratie schar er als bisher entgegengetreten wird, aber bis beute bat die Re ierung noch mxht einmal die ihr zu Gebote stehenden Mitte mit aner SchaYA angewendet. Ueber dl,? Dehnbarkeit und den leichten tßbrauch der Be- timmungen sowohl der Regierungsvorlage 015 der konservativen nträge ist Ihre eigene Preße durchaus nicht zweifelhaft. Die Extremen unter den Kouservattven sagen ficb: _.Es können Zeiten wiederkommen, wo Graf Caprivi das Regiment in_brt, und dann wehe uns!“ Der Antrag von Zedli? ist mir, als ich ihn zuerst las, nicht
egierung geda t bat, weiZ_ er so wenig wre ich,
Unsvmvatbisch gewesen _ gewi , die ganze Entwickelung der national- liberalen artei zeigt ja, daß wir d esen Bestrebungenentge entreten,_aber iemebr 1 mir den Sinn des Antrags klar machte, de to mehr bm ich davon zurückgekommen, da er etwas Brauchbares bietet. Er trifft das Uebcl nicht an der urzel. Für die Sozialdemokratie _an den Grenzen dcs preußifchen Staats ist die ganze Maßregel em ein- facher Schlag ins Waker. Es ist eine halbe _Maßregel, die nach etwas aussiet und schließlich doch nicht hilft, Das ist das Schlimmste was man ma en kann, wenn _man thut, als gäbe man eine Maßregel, die d nicht wirksam tftd. W_en__n wer en 0 ,
dann muß man das nicht nebenbei machen, dann hat die Re- gierung die Sa? zu warben, damü sie die Verantwortung zu tragen_ bat. W werden deshalb nur für die Kommissions- bescbluffe stimmen, die das wesentlich Brauchbare aus der Vorlage berauSgeschält haben. Die Mindeijäbrigen sollen aus den Versammlungen entfernt werden. Wer sieb nicbt bürgerlich selbständi4 Verpflichten kann, wer nicht stimmberécbtigt ist, der soll nicht in der terroristischen Art, wie es zu geschehen pflegt, in den Versammlungen auftreten dürfen. Wenn die übrigen Yarteien nicht bereit fikid, uns auf diesen Boden zu folgen, dann mü en wir ihnen die Verantwortung dafür überlassen._
Abg. Graf zu Limburg-Stirum (kons.): Der Kern der beutizen Berajbung liegt nicht darin, daß_ die eine oder andere Be- stimmung angenommen wird, sondern darm, daß die ReJierung mit einer Maßregel vorgeht, welche dem Lande kundtbun so , daß die Autorität der Regierung gestärkt Werden solL, daß es noch eine starke Regierung in Freußen giebt. Ich hab; das Geißbl: wenn unsere Partei eine so cbeHaltung einnehmen wurde, irir die nationaliiberale, dann würde sie breitgetretcn werden. Ich wiÜ aber rein 79chlich sprechen. Wxnn man einschreiten will, muß man elastische Biiugniffe geben. Ich habe in meincr langjährigen parlamentarischn Thätigkeit die Unmöglichkeit kennen gelernt, klare, praxise, brauchbare Bestimmungen zu schaffen. Man muß immrr rin gewiffes Ermessen walten laffxn. _ Im ganzen Lande ist in Kreisen der Woblgefinnien kein Zweifel, daß es wie je t nicht mehr weiter aebi; dt? Regierung muß ibre Autorität fest eUen gegenüber den Klassen, weiche den Umsturz be- fördern. Es kann eine B:stimmung, wie sie in der Vorlage vor- liegt, mißbraucht werdcn; aber dieser Nachtbxil ist nicht so groß wie dcr, daß die ngierung iiberhaupt nicbt vorgeben kann. Eine: ungerechte Auflösung kann korrigiert _werden. Ich kann die Ge- fabr dess Mißbrauch nur als eine minimale ansehen. Wexw der nationaliiberale Redner eine Spezialgeseßgebung vrrlangt, so nt das immer nur ein Vorwand, um das gerade Vorgelegte abzulkbnkn. Wérd ein Spezialgeseß Vorgelegt, dann Verlangt nian ein Vorgebrn aa" dem Boden des gemeinm Rechts. Die Zeit wird konimen , da werden die erren (nach links deutend) noch viel weiter in der Er! eilung von Befugmffen _gchn _müffxn, (116 jetzt. Demgegenüber wird die Vorlage em Wusenknabe sein. Ich härte gern gesebcn, daß die Regierungsßdorlage zur ?lnnabme ge- langt wäre. Wlein ich muß anerkennen, daß die Antraße der Frei- konservajiven, wenn sic Mniger bisten, drci) immer etwas bringen. Wir wollen dem Lande grgenüber dic Autoriiatdks Staats zei en. Es ist gksagt worden, daß man zur_ Regietang kein er- trauen babs. Auf dem Standpunkt i_ieben meine Freunde nicht, daß fie die ertrauensfrage Fgeyüber der Regierung steüen. Was einzélre Mitglirdsr de_r § rgierung thun, hai_uns mißfaüen. Aber ein allaemcincs V?xßtrauen widsrstrebt unicren Grundsä en. Daß die Bestimmungen gegen 1an angrwendet wrrden könnten, äßt uns ganz kali. Wenn einmal eine Nesterung kommrn sollte, die ihre Jntxreffen 10 falsch verstehen _soiite, scharf _gegen die Konservativen vorzugehen, dann würden_ schließlich noch scharfere Be- stimmungen gegen uns gemachtwrrden ko_nner_1. Es find zwci sicb ent- gegsnsiebande Strömungen vorhanden: die e_me de_bauptet, man könne drr Sozialdemokratie Herr werden durch die freie Brwegung. Wir VSktkLR'U die andere Auiidffung: man soll aiiss thun, dt_c L_rute zu be- lebten und die Lage der Massen zu verbessern, absr wir 1agkn aucb: Der Staat kann wich? Bestrebungen nicbt Duldxn. Darymxbletbx ich auf dem Standpunkt sieben: JchYbalie dafur, daß die Staats- resirrung etwas Rxchxiges gethan hat u::f der_Vorlagr; ich hoffe, dqs wird der Anfang cinrr writeren Aktion in _upidrsm Smyr sein. Wir werdrn erst für kik Rgirrungsvorlage, schTlSZilkh (1er sur den Antrag von Z7diiß stimmsn. _
Abg. Dr. Porsch (Zentra): Meine Freunde haben nach genauer Prüfung erkannt, daß die Vorlage Schaden bringen wird. Desbqib stimm-“n wir gyaen die Vorlage und _gegen dcn Antrag vdn Zediiß. Wir find der M::inung, das; US bestevenden Gese e volisixmdig aus- reichen, daß man gegen Einzelne Parteien vorgeben ann, wie wir das im Kulturkampf an unserem Körper _erlebt haben. Objskitv ware es wünscbsrxéwerib, daß auch die Komervatchn einmal eine scharfe Anwendung dxs. Vrrrinsgcseßés eipürt Hätten. Eine Rutbe bewertbet man anders, _rrenn man sHe selbst grfüblt hat, als wenn man“ *]"12 dir?: auf dsr; Körvrreinrs Andkren bqt iar-zxn laffen, Dureh Furcht vor Mißbrauch muß man fich v:;n Liner Vorlage nicht obne weiteres abschrecken lasicn: ab3r man mm; sis doch daraufhin Prüfsn, ob ein Mißbrauch möslich ist. Wie wrrdkn die _untrrgrordnsten Organ? rin ioicbrs Gsiky arwknden mit iTiNCU kauticbukartixsn Be- stimmunzsn? Darß, dsr Vcamte nachber r€ftifi5ierx__ wird, wsii cr die Versammlung zu Unrrcbt aufgelöst bar, _111 gar kklnk KäUTSl. Die Aufiöiung einer Versammlimg ist l_éin Mtitsl znr Wabrung drr Öffenjlicbcn Ordnu:1g._ Wir sind dte_€ntsc_htedensten (Hegner dsr Sozialdrmokxaten und bekampfen sie praktisch im Lande. (ZIÖM MEW.) Hat dcr Herr, der da _lacht,_ etwas Derarxiges ge- than? Hirrbrr kommen und cin Polizeigexeß machrn, das ist sebr leicht. Zcb derwsisr auf die zahlreichen katholischen Arbriterdereine nnd den Vkrcin für das katholische Deutschland, der 5er 200000Mitglieder hat. Wie wiU man anarchistisckpe, sozialdemokraiische, sozialistische oder kommunistische VéstrkbUUJLU bon einander abgrxnzen? Sozialistische Bestrebungen fiiiden sicb nécht bloß bei den Arbeiten], sie Werden um so gefährlicher, in je böicre Schichten fie bmaufstetgen. Was nußt
. eine solche Bestimmung, wie der Antrag von Zedliß? Das Sozialisten-
grief, war viel schärfer und hattrdßdem nichts aussgericht§t, 'a vielfach die wzialistische Bewegung intensider gemacht. Durch die blebnung der Anträge gefährden wir in keiner Weise die Ordnung des Staats. ?_ierauf nimmt der Minister drs Innern Freiherr von der ecke daS Wort. (Schluß des Blattes.)
Arbeiterbewegung.
Aus dem Rubrkoblenrevier wird der ,Frkf. Ztg.“ unter dem 25. d. M. geschrieben: Der Maugel an Bergarbettern, der schon seit längerer Zsit im hiesigen Bergbaubezirk herrscht und bei der steigknden örderung der Zechen immer fublbarer wird, hat das Gute zur Fo ge, daY2 die Löhne sich in einer aufwarts steigenden Richtung bewegen. achdem inzwischen die Löhne fast auf sammt- li en Zechkn mehr oder weniger erhöht wordrn sind, hat die Berg- ar eiterbewegung viel von ibrsr ftüberen Sch_arf_e verloren.
In Basel befinden fich seit Montag fcub in sechs chemischen Fabriken von 1250 Arbeitern 524 Mann im Ausstande, welche, einer Mittheilung des „VorwärtS' zufolgr, 4 Frs. Tagelohn und 111 Stunde Mittagspause fmdc'rn.
In Stockholm Wurde, nach demselben Blatt, in einer Ver- sammlung des Bäckerei-Arbeiterverbandes mit 474 geHen 49 Stimmen der Be inn des Ausstandes bes [o_Yen, da die Mei ter sich weigern, das Kos - und Logissystem abzus (1 en.
Kunst und Wissenschaft.
Fur Erlangung von Entwürfen für ein Denkmal Kaisxr Wil elm's 1., welches die deutschen Burschens aften in Eisenach errichten wollen, war zu Anfang dieses abres ein Wettbewerb unter den Arcikitekten aus deutschen Burschenschaften außgeschrieben worden. Vor ein genTagen wurde nunmehr entschieden, da der Entwurf des Regierungs-Baumeisters Oskar Zeyß hier- sel | zur Ausführunß gebracht werden sol]. Nach dem Programm der Ausschreibung so te mit einer zu Beratbungßmecken und zur Abhaltun von Festlichkeiten dienenden _Rubmesballe ein Tburm-Denkmal für den Be ründer des Reichs und feine treuen Helfer sowie für die im Kriege gefa enen Burschenschaft8mitglieder verbunden werden. Diese Aufgabe ist in dem zur Ausführung bestimmten Entwurf auf das
lücklicbste gelöst. In romanischer Bauweise zeiglt detsrlbe eine an-
ßeimelnk-e, romantisch-poesievslle Auffassung, we che mit dem Mo- numentalen das Wobnliche, mit der Würde die Anmutb zu verbinden weiß. Der Bau, zu welchem in den Pfingsita en der Grundsiein gelegt werden wird, verspricht daher eine nen? ierde der so schön gelegenen Stadt Eisenach zu werden.
_ Jm AUJUsi und S_eptxmber d. I. wird, der .Germania' zufolge, in [Ltd no eine internationqle Ausstellung von alten und mrdwnen Kopien der Werke Raffael's statjfinden. Zu-
elaffen werdcn Kopien aller Art (Oelgemälde, Pastellbilder,
quarellgemälkc :c.), ferner Stiche, PboioZramme, Kunstwerke und Schriften. die auf das Leben und (1er die Werks Raffaei's Bezug haben. Die Ausstellun wird Medaillrn aus Gold, Silber und Bronze und außerdem brendiplome zuerkennkn. _
_ Der 1T internationale KongreZ fur Hygiene und Demographic, welcher am 11. Oktober d. . in_M_adrid eröffnet nvxrden sollte, ist nach einer Verordnung Jbrer Maxcstat_der Königin- RL.]crtéxx vom 31. März d. I. auf die Zeit dom 10. bis 17. April 1898 dcrschobcn Wordcn.
Land: und Forstwirthschaft.
In der Zeit vom 18. bis 26. September 1). J. findet im Haag einc landwirthschaftliche Ausstellung statt, welche in folgcndcn Abtheilungen international sein wird: für Pferdezucht, Geflügelzucht, für landwixthschaftliche Maschinen und Geräthe, für Bienenzucbt, sowie in dcr landwirihschaft- lichen Abtheilnng für einige Getreidearten, in der Gartenbau- Abtheilung, fiir eini c Obstsorten und in zwei Nummern der Abtheilung für MilZwirthsÖUft.
Die Anmeldungsliften sind vor dem 1. August 1). I. dem Sekretär der Holländischen Land15irihschaft§=©escUschaft, Herrn V. F. L. Waldcck in Loosduincn (Holland) zuzustellen.
_ Untersuchungen über Raumccwicht und Druckfestig- keit _des Holzes“ wichiiger_ Waidbäume, ausgcfübrt von der preußifchen Fauytstation d:“s fdxitlichkn Vérsucbswrssns zu Ebrröwalde und _der mr an*?Ö-techriifcben VrrsUÖSanstait zu Cbarloitenburg. Be- arb_€ttet 13011 Dr. Adam Schwabpacka, Königlich preußischem Forst- me1sic_r und Professor an drr Königlichrn Foritakademie Eberswalde. 1. DU? Ktefsr. Mit 3 Tafkln. Berlin, Verlag von Julius Springer. Pr. 3.44 _ Seit dem Jahre 1890 werdxn don drn im Titel Zenanntkn Aysiakten Unteriucbungen über Rauwgewicht und Druckfestigkeit der wichtingen Holzarten außgefübrt. Dir Ergebnisse diessr langjährigem und mubsamen Arbeiten liegen bezüglich drr Kiefer in QUILT Schrift n_unmebr vor, diejenigen der mit drr Fichtc', Wéißtanne und chmutbs- kiefer angestklitrn Untersuchungen soüen ctwa binnen Jahresfrist folgen, Dr_efe Untersuchungen sind für die: Wiffenscbast, wie für die Praxis gleich wichtig, und die Rrsuliats diirftsn zit Liner erhöhten Werth- scha§ung des dxutscbsn Waldks das ibrige bxitragcn.
Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs- Maßregeln.
Aus den .Veröffentlicbungen des Kaisrrlichen GssundbeitSamiS' Nr. 21 vom 26. Mai. , „ Cbolkra. Britisch-Ostindien. Kalkuita. Vom 4. bis 10. und vom 11. bis 17. April sind 132 bezw. 122 Personen an der Cbolrra, 6 bczw. 5 an Pockkn ard 213 bszw. 215 an Fiebcrn
(;.-sterben. _ GSLbsiebkr.
Jn Habanna wurden, den „1516110 11681cb rsyorrg“ zufolge, i_r_1 der Woche vom 16. bis 22. April bei 60 Nsiierkrankungen 16 Todes- falle festgesteut, letztere sämmtlich im MilitärHospital. InPanama starben Vom 8. bis 14, April 17 Perionrn an Gribfieber.
Verschiedene Erkrankungen.
Pocken: Mgdrid 3, New-York 4, Warschau 5 TodesfälXe; London (Krankrnbauser) 6, Paris 7, St. Petersburg 12 Erkrankunaen; Flrcktypbus: Moskau 2 TodésfäÜe; Genickstarre: New-York 11 Todesfaüe; _Reg-Bsz. Schlcéwig 2, Kopenhagrit 3, Wien 2 Er- krankungen; Jnslu€nza: London 19, Vkoskau 2, NSW-YOkk 8, St. Zetcrxburg 6,_Nom 3 Todesfäilsx Krpénbagkn 43, Stockholm 28 Er- rankurgcn; Keucbbnitkn: London 33 TddkaäÜé; Wien 52 Er- krankimgM. _ _Mkbr als ein Zebntrl aller (Hestorbenen starb an Maiern (Durchschmtdaüer deutsckpcn Bericbtßorte 1881/90: 1,30 0/0): in Furth und Cdmburg. _ Erkrankungen sind angemeldet m_ Berlin 53, Breslau 30, in den Rrg.-Beiirken Düsseldorf 139, Lüneburg 161, Posen 301, in Miinchen 99, Nürnberg 25, Hamburg 46, Budapest 157, Edinbur 306, St. Petsrsbarg 223, Prag 36, Wien 591 _ an Scharia (1831/90: 1,39 0/9): in (Gera _ Er- krankungen kamen vor in Berlin 34, Bicslau 21, Budapest 41, Edin- burg 25, London (Krankenhäuser) 239, axis 40, St. Pktersburg 106, Stockholm_21, Wicn 84_an Dipbt crie und Croupi'1881/90: 4,49 0/0): in Bruthen _ Erkrankangen wurden gcmeldet in Berlin 47, Münchrn 37, Hamburg 23, London (Krankenhäuser) 94, Paris 50, Si. Petersburg 133, Stockholm 23, Wirn 49 _ des,;l. an Unter- lctbstypbus in St. Petersburg 140.
Theater und Musik.
Jm Königlichen Opernbauie wird morgen anizctti's Oper „Lama von Lammrrmoor' mit Signorina Francescbina PkaOsti ais Lucia und Hkrrn Emil Göße ais Edgardo gkgckcn Den Lord Astbon sinat_Herr Hoffmann. Vorher «cbt Mascagui's „Eax-Wgrja rnRioamr“ in Sccne. Die Saniuzza singt darin Frau Sucher, den Turiddu Her Sylva.
Jm Königlichen Sebauspic-lbausc geht morgen zum elften Male .Der Tod d:s Tibcrius', Drama in sincm Aufzu (mit tbciiweisrr Bruuxzung der gleichnamigen Gsibsl'schen Ballade? don Wilhelm Henzen, in Scene. Die Beseßung lautet: Kaiser Tiberius: Kerr Grube; Cajus, genannt Caligula: Herr Arndt; Tiberius: Herr
. Arndt; Cnejus Domitius: Herr Plaschkex Macro: Herr Keßler; Ennia: Frau von Hochenburgrr; Tbrasyllus: Herr Kabir;_ Cbarikles: Fark Heine; Glauke: Fräulein Lindner; Ingo: Herr Mai- owéky; Grro: Herr Molenar* Myron: Herr Nesper; __ Hierauf folgt zum Ersten Male .Die s 5116 Toledanerin', Lustjptel m 3 Auf- zügen nacb Lope de Vega, frei bkarbkitet von Eu en Zabel, in fol ender Bess ung: Don Diego: Herr Purscbian; _“ arqus von Vi cna: Herr rndt; Bürgermeister von Toixdo: err _Pübencr; Don Fernando: Hrrr Herßer; Donna Antonia: Fraulem Abicb; Juana: Fräulein Lindner; Page: Frau Conrad; BenediLt: Herr Zcine; “ nes: Fräulein von Mayburg; Schiffer: Herr Stammen
az Stück spielt in und bei Toledo ur Zcit Karl's des_ Fünften. Beide Werke sind vom Ober-chiffeur rube in Scanc gescyt.
Das Theater des Westens schlikßt am Sonntag, den 30. d. M., seine Pforten, da dcr Orchestermum für die Opcrusqison vergrößert werden muß. Die beiden lcxßtcn Vorstellungen bilden Wiederholungen des_ von dem (Hast Herrn August Junkermann bearbeiteten Neuter'tchen Werkes „Panne Nütr un de lüttxk Pudel“.
Jm Tbalia-Theater wird Miß Mariena (Fim, eine im: e Amerikanerin, morgen und am Sonnta als ,Trilbv' _in dem_gleic§- namigcn Schgufpiel gastieren. Die No c des Svengalt bat fur dir 6 Vorstellung Herr Julius Tülk übernommen.
Mannigfaltiges.
Für die unter dem Allerböcbsten rotektorai Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin zu erbauende er te: der_drei 11811?" Kirchen in Groß-Lichterfelde ist gestern Mittag in feierlicher Weise auf dem Wilbelméplaß daselbst der Grundstein gelegt wordep. Dcr
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