1897 / 126 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Mon, 31 May 1897 18:00:01 GMT) scan diff

Fahrzeuge der deu .'chen Marine, owie die Stäbe der Ma- trosen: und Werft-D-vifionen, der Torpeder-Abtheilun en a. s, w. enthält.

Bayern.

Aus Anlaß der heute in München stattfindenden Ver- mählung Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Marie, der zweiten Tochter Seiner Köni lichen Hoheit des Prinzen Ludwig, mit Seiner Königlichen Éoheit dem Prinzen ??er- dinand von Bourbon, Herzo von Calabrien, and am Sonnabend bei Seiner Königli en oheit dem Prin?- Negenten Familientafel statt, an we cher sämmtliche n Münchexi eingetroffenen ürstlichkeiten sowie die Prinzen und „Prinzessinnen des Königlichen auses theilnahmen. Das hohe Brautpaar saß bei der Tafel em Pmnz-Regenten gegenüber.

Württemberg. Ihre Majestäten der König und die Königin sind am _Sonnabend von England wieder in Stuttgart eingetroffen, während Ihre Köni liche Hoheit die Prinzessin Pauline noch für einige Zeit bei Ihrer Königlichen Hoheit der Herzogin von Albany in Claremont zurückgeblieben ift.

Hessen. Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin hat sich am Sonnabend von Darmstadt 11ach Coburg begeben und gestern von dort die Reise nach Bukarest fortgescßt.

Sachseu-Coburg-Gotha. ' Seine Königliche Hoheit der Großherzog gedenkt sich, wie die „Cob. Ztg.“ meldet, heute von Kissingen nach London zu begeben.

Oesterreith-Ungarn. *

Der Kaiser ist gestern von Budapest wieder in Wien eingetroffen.

Wie das „Militär-Verordnungsblatt“ meldet, hat der Kaiser die Aufstellung weiterer vier Kompagnien .Jn- fanterie in BoSnien und der Herzegowina im Herbst dieses Jahres genehmi 1.

Der deutsche JForifchrittSklub hat gestern einen Protest an das idium des Abgeordnetenhauses gerichtet, worin die beiden Vize-Präsidenten Abrahamovicz und Kramarz unter Anführung von neun Fällen, in denen sie die Geschäftsordnung verleßt haben sollen, zur Niederlegung des Präsidiums aufgefordert werden.

Dem ungaris en Minister-Präfidenten Baron Banfft) sind aus Anlaß er Militärsehulvorlage aus verschiedenen Landestheilen Zustimmungs- und Dankes- Telegramme zu- gegangen.

Zn Rovereto hat gestern der Kongreß der „X-SZZ R8210U318“ unter Theilnahme der Vertreter von 87 Vereinen und 18 MUUizipien einsiimmi den Antrag auf Errichtung einer italienischen UniverFität und eines Vädagogiums in Triest angenommen. Der nächste Kongreß findet in Monfalcone statt.

Frankreich.

Der Präsident Faure hat am Sonnabend die Mitglieder der in Paris eingetroffenen marokkanischen (Gesandt- scizaft empfangen.

In der Deputirtenkammer interpellierte vorgestern der Tcputirte Berri) die Regierung dariiber, wen die Ver- antwortung fiir den Brand in dem Wohlthätigkeitö-Bazar treffe. Der Jnterpellant wies auf die Aufopferung und den Muth hin,. den Männer aus dem Volke bei dem Rettungswerke bewiesen Hätten; es seien aber auSreichende SicherheitSmaßregeln für die Zukunft nothwendig. Den Polizei- räfekten treffe der Vorwurf, daß er nicht, wie es sem cht gewesen wäre, den Bau des Bazars überwacht habe und eingeschritten sei.- Der Minister des Innern. Barthou erwiderte, die Ursache des Brandes sei jest genau ermitteltkdurck) ein Zündholz sei der Aether, welcher zur Be- leuchtung der Lampe des Kinematographen gedient habe, ent: zündet worden. Wen die Verantwortung hierfiir treffe, werde noch festgestellt werden. Der Polizei-Präfekt habe den Bazar nicht Überwachen lassen können, da er in einem Privairaum stattgefundexi habe. Der Deputirte Valle kam auf die offizielle Feier in der Notre-Dame-Kirche uriick und prach sein Erstaunen darüber aus, daß man bei dieser Feier die Rede

abe _von dem, Dominikaner-Pater Ollivier _halten lassen. Der

inijter-Yräsident Mélin e vertheidigte sich gegen den Vor- wurf, da das Kabinet klerikal sei und betonte, das Kabinet habe stets alle Geseße mit Festigkeit angewendet; es sei bei der Feier nur dem Beispiel gefolgt, welches Goblet seiner Zeit nach dem Brande der 09617» e0qune gegeben abe. Er sei erstaunt darüber, daß seine Gegner ein der- artiges Gebiet, zum“ Gegenstand einer Interpellation machten. Der Deputirte Goblet warf dem Minister-Präfidenten vor, daß er sich stets hinter seine Vorgänger verschanze, und Yügte hinzu: als im Jahre 1887 eine Trauerfeier für die bei em Brande der 0p8'r3. e0quue Umgekommenen veranstaltet worden sei, habe die Regierung fich mM in die Lage verseyt, dem Vertreter einer außwärtigen acht, die er nicht nennen wolle, ihren Dank auSzusprechen. Die von der Re- gierung verlan te einfache Tagesordnung wurde darauf durch Aufheben der ände an enommen. Der Deputirte Delcasséz interpellierte sodann ii er die allgemeine Politik der Re- gierung und bemerkte, daß keine Reform er ielt werde, weil die Regierung nicht an die Gesammtbeit der epublikaner appelliere und sich auf die Rechte stütze. Der Minister- Präsident Méline entgegnete: die Re ierung sei ihren Ver- pflichtungen nachgekommen; wenn ihre läne nicht zum Ziel gekommen seien, so sei dies die Schuld der Jnterpellamen. Schließlich wies der Minister-Präsident den Vorwurf zurück, daß er fick) auf die Rechte stüße. Seine Majorität sei eine republikanische. Die Kammer nahm sodann mit 296 gegen 231 Stimmen eine Tagesordnung an, welche die Erklärungen der Regierung billigt.

Die Armeekommission der Deputirtenkammer beendete am Sonnabend die Priifung der Frage, betreffend die Einsetzung eines Hochstkommandierenden, und beschloß, der Kammer einen Gesetzentwurf vorzulegen, betrÜend die Bildung eines obersten KriegSraths auf Grund eines efeßes und die Errichtung von General:Waffeninspektionen, ferner einen Gesetz-

atrosen-Artillerie und der

“richtete am Freitag, wie

entwurf, nach wel ein neuer militärischer Grad eschaffen

werden soll, der hM ist als der „eines Divifionk- Öenerals.

[Y) isolirden 25 Ernennungen für diesen neuen Grad erforder- em.

Einige Aenderungen in der Organisation des Territorialheeres, dessen Bestand und Gliederung auf dem Geseke vom 13. März 1875 beruhen, find durch em am am 8. April d. J. erlaffenes Gesetz angeordnet, welches besagt, daß der 48. Artikel jenes Geseßes na stehende Fassung anzu- nehmen habe: Ein jeder Armee:Korps- e irk stellt eine je nach den Ergebnissen der Rekrutierung veranderli e Zahl von artilleristischen Einheiten, ein aus Sappeurs- inoeurs uiid Sappeurs-Fahrern bestehendes Genie-Vataillon_ und eme Train- Schwadron auf. Aus den aufgestellten artrlleristischen Em- heiten werden Territorial:Abtheilungen gebildet, von denen jede von einem dem betreffender) KoerKommandeur unter- stellten Stabdofßzier befehligt wrrd. Außerdem smd zrufzu- stellen: Gruppen von Territorial-Artillerie, die der 19. Artillerie- Brigade, ein 19. Genie-Bataillon und Eisenbahn-Vataillone, die den entsprechenden Truppentheilen des "stehenden Heeres angegliedert werden, urid eine 19. , Eskadron Territorial- train, welche in das nämliche Verhältniß zu der ent- sprechenden 19. Train-C'ekadron des stehenden Heeres tritt. Wenn Nücksichten anf die Mobilma ung des Heeres es angezeigt erscheinen lassen, so kann auf nordnung des Kriegs- Ministers auch noch eine 20. Territorial-Eskadron im Anschluß an die 20. Train:Eskadron des stehenden Heeres errichtet werden. Der Stand eines jeden der vorgenannten Truppen- tlieile ist der nämliche, welcher für das stehendeHeer die Regel bildet, mit dem einzigen Unterschiede, daß es unter den Haupt- leuten wie unter den ineutenants nicht zwei, sondern nur eine Rangstufe giebt.

Rußland.

DerKaiser urid die Kaiserin Haben, wie „W. T. B.“ meldet, sich vorgestern zu dauerndem Aufenthalt von Zarskoje- Sselo nach Peterhof begeben.

Der „Regierungesbote“ meldet aus Jurjew (Dorpat): Am Sonnabend Morgen traf der Großfürst Wladimir Alexandrowitsch hier ein und begab sich vom Vahnhofe nach der Kathedralfirche. Mittags fand anläßlich der Centenarfeier des KraSnojarsker Jnfanterie-Regiments eine Kirchenparade statt; darauf besuchte der Großfürst die Universität und alle diejenigen Heilanstalten, in denen sich die bei dcr neulichen Zugentgleisung verletzten Chargen des ge- nannten Regiments befinden; der Großfürst erfreute dieselben durch die Uebermittelung eines Allerhöchsten Grußes und syrack) den Professoren und Studenten den Allerhöchsten Dank Lirr die Einmütliigkeit in der Selbstaufopferung aus, welche ieselben den Truppen gegenüber bei dem Unglücksfall an den Tag gelegt hätten. Um 6 Uhr wurde in (Gegenwart des Großfürsten am Grabe der verunglückten Soldaten eine Seelenmesse zelebriert. Der Großfürst _vertlieilte sodann die Dekorationen, welche der Kaiser denjenigen verliehen hat, die sieh bei der Hilfeleistung aus ezeichnet haben; unter den Dekorierten befinden fick) die Profe oren Kork) und Afanaßjew, sechs Aerzte, ein Pharmazeut und ein Student. Frau von Samson, welche ebenfalls den Verunglückten Hilfe geleistet hatte, wurde ein Kaiserliches Geschenk und die Rettungs- Medaille verliehen. '

Außer dem KraSnojaerer Regiment feierten am Sonn- abend noch zwei Garde-Regimenter und 13 Infanterie- Regimenter ihr hundertjähriges Bestehen. Diesen Truppen hat der Kaiser neue Regimentsfahnen mit Jubiläumsbändern und Inschriften verliehen. Die Soldaten erhielten am Jubiläumstage je einen Rubel.

Italien.

Der Leibarzt des Papstes ])1'. Lapponi hat, dem „W.

T. B.“ zufolge das Befinden des Papstes, Meß der An-

strengungen, welche die Feier am 27. d. M. mit si gebracht

habe, für ausgezeichnet „erklärt und seine Zustimmung dazu

«gedemdaß 2000_loll)rmgische und lombardische Pilger der

effe beiwohnen könnten, welche der Papst heute im Loggia- saale des Vatikans abhalten wollte.

Spanien. Der der Opposition anJOehörende Deputirtc Morel

„W. „V.“ berichtet, in einer in der liberalen Vereinigung gehaltenen Rede Angriffe _ae, en den Minister-Präsidenten, welchen er für das Fehlen der Li eralen in der Kammer verantwortlich machte, und tadelte das Ver- halten der Regierung, welche die JndemnitätSvorlaye durch eirße Kammer habe annehmen lassen, in der es keine Opposition ge e.

Türkei.

Die von der Pforte den Botschaftern am Donners- tag als Antwort auf das Memorandum der Mächte über- reichte Note ist, wie „W. T. B.“ aus Konstantinopel meldet, in sehr entgegenkommenden Ausdrücken gehalten. Die Note beschränkt sich auf eine Erörterung des In- halts des Memorandums und richtet an die Mächte das Ersuchen, zu interyenieren, damit die gegenwärtige Waffenruhe zu cmem regelrechten Waffenstillstande umgewandelt werde, derart, daß auf den Frieden ielende Unterbandlungen eröffnet werden könnten. 11 der

ntwort auf diese „Note haben die Botschafter am Sonn- abend erklärt, daß fte keinen Einwand gegen den Abschluß des Waffenstillstandes gemäß. den Wünschen der Pforte erhöhen und daß fie in diesem Sinne Schritte in Athen thun würden. Die Botschafter, seien übrigens der Ansicht, daß die BG rathung der Frtedenchedingungen olzne weiteren Verzug zu beginnen habe. -

Nach einer Meldung der „Agence Harms“ scheine

Griechenland der Festsetzun eines re ulären Wa em“ iii ;“

stillstands, wie ihn die Tür unter Zutimmung der achte fordere, keinen Widerstand mehr emgegenfeßen zu wollerz. Der „Waffenstillstand solle solange verlängert werden, als die Friedensverhandlungen dies erforderten.

In Konstantinopel sind, dem „W. T. B.“ zufolge, Ver- ordnun en betreffend die in Thessalien befindlichen vernach- lasfigtetx o cheen, sowie betreffend die Beschla nahme von VakquZutern in Thessalien, amtlich bekannt gema t worden.

ie, den „Daily News“ aus Kanea gemeldet wird,

haben die kretischen Führer in Ka ndia versprochen, die

Mstörte Wasserleitung wiederherTUstellen. -- Einer anderen

eldung desselben Blattes zufo ge sei eine Bande Baschi-

bozuks ani Freitag Abend ohne die geringste erausforderung

in ein christliches Dorf in der Nähe von Kand a eingedrungen und habe 15 Kreter, darunter zwei Frauen, niedergemacht.

.tw-heulend.

Aus Athen berichtet die „Agence vas“, da alle M [, dungen über eine angebliche antidyriHaaftische ewegmxg

und über Meinungsverschiedenheiten zwischen dem.

König und dem Kabinet jeder Begründung entbehrtexx Die öffentliche Ordnun sei durch das Einvernehmen der OrdnungSelemente, wel e die große Mehrheit im Lande bildeten, vollständt estchert.

Na einer e ung aus Lamia vom gestrigen Tage, wären reguläre und irreguläre türkische Truppen in der Nacht u gestern auf die Entfernung von einer halben Stunde egen

iori vorgerückt, wo sie eini e Zelte errichtet hätten; ori. sei spiiter durch die T_urken eseßt worden. Man ?öre von Lamia aus „die türkischen Signale. Die Türken eien bis Aghios Dimitrios vorgerückt und befänden sich, wie man in Lamia annehme, auf dem neutralen Gebiet. Der Kron- prinz,habe Offiziere nach der neutralen Zone gesandt, um sich über die Lage zu unterrichten.

Rumänien.

. Ein am Sonnabend Mittag auchgebenes Bulletin über das Befinden des Prinzen Ferdinan besagte: „Der ganze Vor- mittag verlief ruhig, die Kräfte kehren wieder, die Temperatur ist gesunken“. Das am Abend desselben Tages aUSgegebcne Bulletin lautete, rvie „W. T. V.“ meldet, minder günstig. Danach war das Allgemembefinden weniger zufriedenstellend, die Athem- ngth machte sich deutlicher fühlbar und die Temperatur war er- ?oht. Doch wer der Umstand, daß der König und die nigin, 'Wie die Minister Cotroceni verlassen hatten, ein Anzeichen dafur, daß die Gefahr keine unmittelbare sei. Gestern früh wxirde folqendes _Bulletin veröffentlicht: „Nach mittel- maßigex Nacht iyt der Ystand des Prin en in der Fruhe em wenig besser“, ach einer „weiteren eldung des „W. T. B.“ von gestern ist in dem Befinden des Prinzen Ferdinatzd eme Besserung eingetreten, obwohl die Aerzte die Bildung eines dritten Ent ündungsherch und zwar gn der rechten Lunge kon atiert hatten. Das allgemeine Befinden des Prinzen war ein ziemlich gutes. Die Temperatur war gesunken, Puls und Athmung; wgren gut. Die linke Lunge hat sich bedeutend gebessert, wahrend die rechte stationär geblieben ist. Der König theilte der im Hofe des Schloffes von Cotroceni angesammelten VolkSmenge die Besserung in dem Befinden des Prinzen mit,. was m_iter den Versammelten große Freude hervorrief. Mehr Ils b173000 Personen haben sie!) gestern nach Cotroccni ege en.

Bulgarien.

Der „Politischen Korrespondenz“ wird aus Sofia ge- meldet, daß die macedonischen Comités in Sofia und Philipyopel endgültig beschlossen hätten, ]edes Vorgehen ir: Macedomen zu unterlassen, da Kegenwärtig die Umstände nicht

zinstig seien und die vulgaris e Regierung ]edem Versuche- 1eser Art enZFe enwirken würde. Die Comités wollen die Resultate der efYrm-Aktion abwarten.

Schweden und Norwegen.

Der Ausschuß des Storthing zur Vorberathung der Frage wegen Einseßung vo n Schiedsgerichten bei Kon- likteri mrt fremden Mächten hat, wie „W. T. B.“ aus Christiania_meldet, eine Adresse an den König vorge- schlagen, worm es heißt: weil Norwegen auf Grund seiner Lage Konflikten mit fremden Mächten weniq aUSgeseßt sci, erscheine eS_ nicht schwierig, Verträge wegen rrichtung eines fest organisierten Schieds§1erichts abzuschließen. Das Stortlzing ersuche den König, die nöthigen Schritte zur Förderung dieser Sache zu veranlassen..

Amerika.

Aus Rio de Janeiro vom vorgestrigen Tage meldet „W. TB.“, daß der Senat und die Kammer einen Antrag, die, Regierung wegen der Unterdrückung der Meuterei in der Militärschule am 26. Mai zu beglückwünschen, abgelehnt hätten.

Afrika.

Nach einer Meldung des „Reuter'schen Bureaus“ aus Bloemfontein vom 29. d. M. hat der VolkSraad dcs Oranje-Freistaats auserlangen des Präsidenten Steijn das Geseß, betreffend die Einwanderung von Fremden, zurück- gezogen.

Parlamentarische Nachrichten.

DieVerichte über die Sißungen des Herrenhauses vom Freitag und Sonnabend und die vorgestrige des Haus es der 8ÉlZlYFeordneten befinden sich in der Ersten und Zweiten

ei age.

- Das Herrenh und nahm in der heutigen (21.) Sißung, welcher der Finanz - Minister Dr. von Miquel und der Minister der öffentlichen Arbeiten Thielen beiwobnien, zunächst die Vorlage, betreffend die Tageßelder und Netsc- kosten der Staatsbeamten, an, ging 1"; er die Petition des Stadt-Hauptkaffen:Rendanten Rhode in Prenzlau namens des Zentralverbandes der Gemeindebeamten Preußens um Ausdehnung der Bestimmungen des Gesetzes auf die Ge- meindebeamten ur TageSordnung über, stimmte der Vorlage,. betreffend den rwerb von Theilen des _Aachen-Maastrichter Eisenbahnunternehmens durch den preußischen Staat, forme dem NachtraZs-Etat für 1897/98 (Erweiterun der Bahnhofs: anlagen in 5 achen, Bochum und Dortmund zu und trat dann in die Berathung des aus der Initiative dcs Hauses der Abgeordneten (Antra Langerhans) hervor- geganéxenen (HesecYentwurfs, betreffen die Verpflichtungen der ürgerli en Gemeinden bezüglich der Bauten un_d Reparaturen von Kustergebäuden (Aufhebung der märki chen Vist- tations- und Konsistorialordnung von 1573), em. Die Justizkommisfion hat beantragt, denselben abzulehnen iznd durch diese Beschlußfassung die Petition des Kirchlich- liberalen Parochialvereins von St. Simeon zu Berlin fur erledi t zu erklären.

eferent von Schöning: Die Kommission hat sich auf _den Standpunkt der Staatsregierung gestellt, daß zwar die Reformdedka- tigkeit der betref=enden Rechtsverhältniffe anerkannt wird, die A1?- nabme des Vorgeséblagenen Gesetzentwurfs aber abzulehnen ist. da die Verhältnisse im einzelnen viel zu verschieden lägen und außer ven der Stadt Berlin kaum irgend welche Beschwerden erhoben worden seien, auch die Tragweite des Gesehentwmfs nicht zu übersehen sei.

Ober-Bürgermeister Zelle-Berlin beantragt die Annahme des Geseßentwurfs.

(Schluß des Blattes.)

Kirchen-, Pkarr- und

- An der Tagesordnung der heutigen (95.) Sitzung des Hau ess der Abgeordneten, welcher der Justiz- Minister chönstedt und der Mmister des Innern Freiherr von der Recke beiwohnten, stand die drrtte Berathung des Geseßentwurfs zur Er änzung und Abänderung von Bestimmungen 1": er Versammlungen und

ereine.

V Die konservative Partei hat ihre Anträge auf Wieder- herstellung der Artikel 1 und 11] der Negierungdvorlage (Auflösung von Versammlungen bei Gefährdung der öffentlichen Sicherheit, insbesondere der Sicherheit “des Staats, oder der öffentlichen Ordnung), und die Frei- konservativen haben ihre Anträge_ bezüglich, , der Auflösung der anarchistischen, sozialdemokratrschen, sozialistischen oder kommunistischen Versammlungen_ mieder eingebracht, ebenso der Abg. Rickert (fr. Vßq.) seinen Antrag bezuglich der Aufhebung des Ausschlusses

Versammlungen.

In der Generaldebatte erhält zunächst das Wort

Abg. Stößel (Zentr.): Er wendet sicb gegen den Ausschluß der Minderjährigen aus volitischen Versammlungen und Veretrzen; ein solcher Ausschluß sei schwer. durcbzrzfubren „und brenne daher keinen Nutzen. Namentlich wurden_ die Sozial- demokraten in ihrer Agitation dadureh garnicht beschrankt. Aber die katholischen und sonstigen cbrrstltchen Vereine, welche auf dem Boden der heutigen GeseÜsÖaftHordnung sieben," wurden dadyrch in ihrer Thätigkeit beeinträchtigt; diese Vereine tbaten der Sozial- demokratie am meisten Abbruch. ,

Damit schließt die Generaldiskusfion,

Es kommen zunächst zur Diskixsfton die Antrags der Konservativen und der Freikonservanven auf vollige bezw. theilweise Wiederherstellung der Art. [,und 111 der Vorla e.

Abg. Freiherr von Zedlt_i5 und Neuktrcb (fr. kons.) empfie lt kurz die Annahme seiner Antraqe. ' ' '

Abg. Hobrecbt (nl,): Ich babe tm Narren meiner politischen reunde zu erklären, daß wir über ' die Veschlusie zweiter „esung nicht hinausgehen können. Es giebt in unseren Kreisen viele, die aus eigener Erfahrung zu der Ueberzeugung ge- kommen sind, daß auch auf dem Gebiete "des Vereins- und Versammlungdrechis eine Siärkun der Autoritat des Staats und der Behörden dringend geboten ei. Aber ohne Außnabme sind wir einig in der Ueberzeugung, daß 'die vor- geschlagenen Aenderungen, des Gesetzes absolut ungeeignet" sind, daß sie vielmehr dazu dienen würden, „aufzureizen und zii schadigen. Sie greifen auch in eine Materie em„ die verrgffungßmäßtg geregelt ist, und es liegt kein Grund vor, in den Einzelstaaten gegen das Reich Stellung zu nehmen. Der beforzdere' Anlaß. der uns nothigt, auf Grund der Vorgänge im Reiche mit dieser Materie uns zu be- schäftigen, wird von uns voliauf gewürdigt. Wir versagen der Regierung auch nicht das Entgegenkommen Ui'ld den Dienst, welchen sie nach den Vorgängen im ReicHe zu erwarten batte. . "

Abg. von Kardorff (fr. kons.): Der, Abg. Lieber, fuhrte am 28. Mai mir gegenüber aus, daß nur ein flemerTöetl seiner Freunde für die Verlängerung des Soxialtstengeseßes gemxnmt babe. Bet der ersten Verlängerung 1880 haben nur 12 Mitglieder des Ke'ntrums für die Verlängerung gestimmt. in diesem e1ch§tage hatten die Kartellparteien die Mehrheit. „1884 hatte 'das Zentrum die ausschlaggebende Stellung, die _es ' auch "jest hat. Damals haben 37 Mitglieder des Zentrums fur'dte Verlange- rung des Sozialistmgeseßes gestimmt. Herr L_teber wird aljo “seine Behauptung, daß nur eine kleine Minderheit iur'das Gesetz gestimmt babe, etwas einschränken müffen. 1887 wurde die Verlangerung mtt 169 gegen 137 Stimmen beschloffen; unter der Mehrheit befanden sich 27 Stimmen des Zentrums, ohne dessen Stimmen das Gesetz damals nicht rerlängert worden wäre. Bei der nachsten Abstimmung wurden nur 8 Stimmen vom Zentrum für das Gefeß abgegeben, aber es fehlten damals sehr viele Mitglieder des Zentrums. Jeb wolite durch diese Bemerkung nur M*ißverständniffe„beseitigen.

Abg. Dr. Lieber (Zentr.): Ick bin dern Vorredner dankbar, daß er den Spuren des Zentrums narbgegangen tft.- Es wird doch Jeder- mann zugeben müssen, daß bei emer Parteistque von, mehr als 100 Mitgliedern die Zahlen 12, 37, 27 und 8 m_emals dre Mehrheit darstelien. Bezüglich der Anträge babeiÖ'dte Erklarung abzugeben, daß wir bei unserer Stellangnahme in zrveiter Lesung bleiben Werden, mid zwar aus den bei der zweiten Lesung vorgetragenen Grunderr. ' Durch Nuknabmegeseye ist nichts zx: erreichen. Möchten doch aÜe diejenigen, die es angeht, unserer warnenden Stimme Gehör schenden, das Uebel an der Wurzel ergreiirn Und die Krankheit des Sozigltsmus zurückdrängen, ehe sie die edelsten Organe ergriffen hat! Eine Be- schränkung des Vereins- und Versammlungßrechis ware durchaus zweckwidrig. _ '

Die Anträge der Konserothexi werdeii gegen die Stimmen der konservativen Partei, die „Antrage der Frei: konservatien werden mit 207 gegen 188 Stimmen abgelehnt.; für die leßteren stimmen die Konservativen und die Frei: konservativen, dagegen _die“ Nationqlliberalen, das_ Zentrum, die Polen und die Freisinnigen, soryie der Abg. Stocker.

Der Art. 1 der Beschlüsse zweiter Lesung (Ausschlußder Minderxähriaen von Versammlungen, m rvelchen politische Angelegenheiten berathen wcrden sollen) mird, angenommen

egen die Stimmen des Zentrums, der Freisinnigen und

er Polen. . . , Artikel 11 der Beschlüsse weiter Lesuyg betrifft die Auf- hebung des § 8 des Vereinsgekeßes (Verbmdungsverbottund den Ausschluß der Minder1ährtgen von politischen Vereinen. Abg. Rickert beantragt, den Ausschluß von Frauen von politischen Vereinen aufzuheben.

Abg. Rickert (fr. V g.): Wen'n Sie meinen Antrag annehmen, dann werden die Frauen déie Berechtigung haben, auch ar; Versamm- lungen der politischen Vereine theilzunebmen; sonst „wurde unsere preußische Gesetzgebung eine Jnkonsequenz haben, die absolut un- verständlich ist. Die Befürchtung, daß die Frauen, wenn man ihnen die Theilnahme an_ solchen Versammlun en gestattet, sehr bald auch das politichpe Wahlrecht“ erWer en _ wolltet), ist ziemlieh unbegründet, wenig tens fur 'US jetzt (Generation. Die heutige (Gesetzgebung hat den Frauen die Bere tigung ertheilt, an den politischen Wahlvereinen jbeilzunebmen, denn nach _Art. 21 der Verfassung unterliegen Wahlwereine den 'Bescbrankungen des § 8 des Vereinsgefeßes nicht, aher politische Vereine anderer Natur, die nicht Wahlvereme sind, sind den

rauen verschlossen. Auf , dem evangeliscb-syzialen Kongreß Fat vor 11? Jahren - das ist doch auch em politischer Kongreß - die rau Gnauck-Kühne eine, wie die konservativen Zeitunget sqgten, epoFemachende Rede gehalten, über die aliUZemeine Befriedigung in konservativen Kreisen herrschte. Von eichrvegext ist durch die Gewerbeordnung die Freiheit der Bereinigung und Verabredun gesichert, das trifft auch fur „die rauen zu. Eine . oalitionsfteibeit mit einer sol en Veßchrankung [t ein Unding. first BiSmarck hat die Zukixnft eutsch ands ausdrucklich von der teilung der rauen zur Politik abhangig gemacht. Wenn man verlangt, das; si die Frauen für das Vaterland interessieren sollen, soift es sehr wen ganTebracbt, die Veralteten und unzeitkzemäßen Bestimmungen des Geseßes ezüglich der Frauen bestehen zu affen.

Geheimer Ober-Regierungs-Natl) von Philipsborn: Der Antrag Rickert bat eine weittra ende Bedeutun . Die Regierung hat das Recht der Frauen be üglicb er politischen ' ereme unherubrt ge- laffen. Das Ideal der rauen ist doch wohl nieht, daß sie sick) mii Jiitik beschäfti en. Nach ReichSrecht durfen' Frauen an

ablVereinen nJcbt tbeilnebmen, weil sie ni t wahlbe- rechtigt find. Für die preußischen Wahlwereme liegt die Sache

er Frauen von Vereinen und '

nicht (Janz so klar, aber die Regierung hat immer an mommm- daß auch n reußen Wablvereine ur aus Wablbere tigten bestehen diirNen. viveit es sich um die ngeleqenbeiten des § 153 der Ge- werbeordnung handelt, dürfen die Frauen auch Mitglieder von_Ge- werkschaften sein; es darf aber niemals die Grenze des § 153 uber- schritten und Politik etrieben werden.

Abg. Dr. Oswa t (an bittet um Ablehnung des Anir'a es. Es wäre ein Fehler, die Auf ebung des Koalitionsverbots polttts er Vereine von unserer Seite aus mit Dingen zu verknüpfen, die nicht damit in Verbindung ständen; .

Abg. Spahn (Zentr.): Ich glaube, die Mehrheit meiner Freunde wird auch gegen den Antrag stimmen. Wir sind im Reichsta e von dem Gedanken aus egangen, daß das Verbindungsverbot fur ereine ohne weiteres aufge oben wird; wir werden gegen jede Bestimmung stimmen, die darüber binaußgeht. '

Aba. Freiherr von Zedlitz und Neukirch (fr. kons.): Ick bm Herrn Rickert außerordentlich dankhar, daß er durch seinen Antrag anerkannt hat, daß man das Koalitionsverbvt nicht aufheben kant), ohne auch andere Bestimmungen des .Vereinsrecbts zu regeln_. Wie das mit der Auffassung des Herrn Rickert sicb vertragt, weiß 1ch nicht. Jc'h bitte, den Antrag abzulehnen. . ' '

Abg. Stöcker (l). k. F.): Der evangelisch-soziale Kongreß ist kein Verein, sondern eine alle Iqbre eintrial stattfindende Versamm- lung; der Kongreß ist auch fem politischer Verein. Wenn sich

rauen daran_ betbeiligen können, so genugt das; die Frauen zu erumeäßiqen Politikerinnen zu machen, liegt uns fern. .

Abg. Rickert: Die Nationalliberalen liqben uns gezwungen, die Frage der Minderjährigen zu diskutieren. __Wz-r wollten davyn nichts wi en. Aber wenn die Frage der Minderjahrtgen berubrt wrrd, dann musx auch die Frauenfrage geregelt Zverden. Mein Antrag ist riur ein edentueller. Ich werde schließlich gegen den ganzen Artikel stimmen. , '

Nach einigen Bemerkungen des Geheimen Ober-Regierungs- Raths von Philipsborn schließt, dte_Debatte.

Gegen die Stimmen der Freisinnigen werd _, der Antrag Rickert abgelehnt und der Art. 11 nach den Beschluffen zweiter Lesung angenommen. " ' _.

Zu Artikel 111 der Beschluffe zweiter Lesung (Straf- bestimmungen fiir die Verstoße gegen den Agsschluß der Minderjährigen) liegt der Antrag des Abg; FretHerrn von Zedliß und Neukirch vor, 'der herezts m zweiter Lesung gestellt worden war, wonach die Minderzirhrigen zum Verlassen der Versammlung aufgefordert" werden mussen; wenn dies nicht

eschieht, kann die Auflosung, der Versammlung „erfolgen. ?Oiese leßterc Bestimmung ist in zweiter Lesung mcht ange- nommen worden. . ' .

Der letzte Absaß der Beschlusse zweiter Lesung bestimmt. „Unterläßt oder verweigert der Vorftßende die Erlassung der Auf- forderung und der zweckdienlichen Maßregeln zur Durchfuhrung derselben, so trifft ihn die Strafe des F 14 der Verordnung vom 11. März 1850.“

Die Abgg. ])1'. Lohman_n (nl,) u. Genossen beantragen, die Worte: „und der zweckdienlichen Maßregeln zur Dixrch- führung derselben“ zu sireichen, weil dgdurcl) das Amt eines Vorsitzenden _zu sehr. erschwert und niemand mehr sich als Vorfißender finden würde. , _

Abg. Freiherr von Zedliß und Neukirch erklart sich Uegen diesen Antrag Und empfiekzlt dafür ieineri Antraxz; wonach tm Falie der Nichtentfernung der Minderjährigen dre Auflozunq der Bersemm- lung erfolgen darf. Diefes sei das wirksamste Mittel, „Um, die Unter- nehmer der Versammlung zur Entfernung der Mmderjahrtgen zu der- anla en. '

Jill)» 1)r. Bachem (Zentr.): Da die Anträge der Konserdativen nichts Neues enthalten, so müssen wir, wie in zWetter Lesung, dagegen stimmen. Der Antrag Lohmann enthält eine Erleichterung; deshalb werden wir für diesen Antrag stimmen.

Abg. Hansen (fr. konf.) beantragt, im letzten Saßedes Art. 111 zu sagen: ,Unterläßt oder verweigert der _Vorsißewde dieErlaffung der Aufforderuna oder der zweckdienltchen Maßregeln“ u. 7. w. _

(Geheimer Ober- Regierungs - Rail) Von Philipsborn erklart sich fiir den Antrag von Zedlitz und gegen den Axnrag Lohmann;

Es werden gegen die Stimmen der beiden konservativen (Gruppen dieAnträge der Freikoniervativen'abgelehnt, der Antrag Lohmann dagegen angenvmmen und Mit diesem Antrage der Art. 111 der Beschlüsse zweiter Lesung, der leßtere gegen die Stimmen der Freisinnigen und des Zentrnms. . _,

Bei der Berathung der Einleitur-ig und Ueberschrift erklart

Abg. Graf zu Limbura-Stirum (kons.): Die kon- servative Fraktion bleibt inhaltlich auf dem Boden der Regierungs- Vorlage stehen und ist mit der stattgehabten Streichunxz don .Be- stimmimgen derselben nicht einverstanden. Nur um die Moglichkeit'zu verschaffen, daß noch eine wiederholte Beratbung der Vorlage „bter und im Herrenhause zu einer Wiederbersteliung derselben fiihre, ;verden wir in der be::tigen Schlußabstimmung fur das Gesetz

timmen. _

Die Vorlage wird darauf im Ganzen nach “den nur im letzten Artikel abgeänderten Beschlüssen der zweiten Lesung gegen die Stimmen des Zentrums, der Polen und der Frei- sinnigen angenommen. _, _ _.

Der Präsident von Koller xtellt unter Zustimmung aller anwesenden Mitglieder des Harries fest, daß in der Vor- lage eine Aenderung der Verfassung enthalten „sei, daß des- halb Über dieselbe nach 21 Tagen Wieder abgestimmt werden müsse. ' ' Damit ist die dritte Berathung deS Verernßgeseßes erledigt. Schluß des Blattes.)

-- Von den Abgg. von Mendel-Steinfels und Geno'sfen ist im Hause der Abgeordneten folgender Antrag eingeoracht Worden: '

Das Haus wolle beschließen: die Königliche StaaTSregterung auf- zufordem, daß dieselbe _ '

& die atsntliiche ForFole lf;;r alles zum öffentlichen Verkauf ge- lan ende leich n de eae eie; ,

gb. leFr die Fleischbeschau allgemein gültige Vorschriften erlasse;

e. im Bundesratl) dahin wirke, daß ' im Ausland gefrhlachtetc Thiere, sowie alle Fleischwaaren fremdländtschen Ursprungs btnsirbtltch der Kontrole bei uns ebenso wie die des Jnlandes behandelt wurden.

Nr. 21 des „Centralblatts ür das Deutsche Reich", beraußgegeben im Reichßamt des nnern, vom 28. Mai, oat folgenden Inhalt: 1) Zell- und Steuer-Wesen: Abänderungder Be- stimmungen über die Tara; _ Abänderung des§,70' der Ausfuhrungs- bestimmungen zum Zuckersteuergeseße; -- Ermacbttgung der obersten Landes- inanzbebörden zur Bewilli ung von Zollerlassen aus Billig- keitßrück chien. - 2) Konsulat- eien: Entlassung; - Cxequatur- Ertbeilungen. - 3) Polizei-Wesen: Auöweisung von Auslandern aus

dem Reicthebiete.

Arbeiterbewegung.

Die Klempner imd Installateure Heidelbergs löc- schlo en, wie der .Vorwärtö' mittbeilt dort zu kundixcn, wo der Zehn tundenta und 30 «& Minimal-Étundenlobn ni t bewilligt würden. 30 * ann sind bis ieyt dcm Beschluß nachgekommen, Zwei Meister haben bewilligt.

Dresden wollen. der .vag. Zt .“ zufol e, am 9. Juni die Tis Iker einen allgemeinen Ausstand Tus W seven, falls ibte Forderun en nicht bewilligt werden. Die Yunungömeister und die meisten öbelfabrikanten stehen den gestellten orderungen geschlossen gegenüber. _ . In Antwerven hat, einer rivatdepesebe des „Vorwarts zu- fol e, die Ausiperruna beziehentich der Ausstand der Metall- ar eiter mit dem Siege der leßteren geendet. , Der Ausstand der Hufschmiede der Londoner „Eisen- babn-, Tramway- und Omnibus - Gesellschaften ist, wie die „Allg. Korr.“ meldet, zu Ende. Am Sonnabend kehrte die Mehrzahl der Arbeiter zu „den von den _ Arbeit- gebern angebotenen Bedingungen: namlich 6_ sh. fur Huf- schmiede, welcbe die Pferde beschlagen. und 7 ii). i_ur die, welche die ufeisen bereiten, zur Arbeit zurück; Ursprimglich verlangten die Yusständigen 7 kb. für die erstere Arbeit und 7 id. 6 d. fur die letztere. Vor dem Ausstande Waren die Löhne 30-357l). resp. 30-4'2sb,

gewesen.

Kunst und Wissenschaft.

JnWien fand, wie .W.T. B.“ meldet, anläßlich. des fünfzig- jäbrigen Bestehens der Akademie der Wissenschaften in Anwesenheit Seiner Majestät des K'ats ers raxiz Joseph, des Kurators Seiner Kaiserlichen und Könrlickoen ohett“des Erzherzogs Rainer. der anderen Erzherzoge, der M nister, der Wurdentrager und zahlreicher Mitglieder des diplomatischen Korps gestern eine Fest- sitzung statt, in der der Präsident Profeffor Dr,. von Arnetb für das erwiesene Wohlwvllen dankte und „nut, der Ver- ficherung unerschütterlicher Treue und dem Gelobmß, auf dem eingeschlagenen Wege zum Ruhme Oesterreichs und zum Besten der Wissenschaften fortzufahren, unter drauxenden Hochrufen schloß. Seine Majestät der Kaiser gedachte tn jemer Antwort der ununter- brochenen Arbeit der Akademiker, der von denselben erzielten Er- fol e sowie des siegreichen Wettkampfes mii alteren _berubmten InZtitutc-n anderer Staaten. Die Akadeqne habe die wissen- schaftliche Arbeit erweitert und vertieit, und „l:?! Geiste des erhabenen Gründers, erfüllt _von patriotischey Ge- sinnung, durch die Förderung der Wittenicbafr und_ dre Erweiterung gediegener Kenntnisse nicht bloß dem Wohle der burgerltcben Gesell- schaft genüyt, sondern auch wesentlich zum Ansehen des Staats be!- etragen, das mit dem Erwerbe idealer (Huter wachse und dariere. er Kaiser versicherte die Akademie, WE in weiterem Wirken und Schaffen ihren hohen Ztelext zustreben werde, [eines unveränderten Wohlwollens und, !einer _Fusrsorge und An- erkennung. Den Worten Seiner _ Majestat folgten h_e- geisterte Kundgebunßen. Der Vize-P:afidez1t Profeffyr Or. Suß hielt sodann die Gedenkrede und schloß tritt dem ehrfurchtsvollsten Danke für das Erscheinen Seiner Majeftat des Kaisers unter de- geisterten Hoebrufen auf Alierlxöckystdenselben. 'Der Kaiser richtete noch eiui e Worte an die ihm vorgestellten Mitglieder der Akademie und vera schiedete fich sodann.

Theater und Mufik.

Königliches Schauspielhaus,. _

.Der Tod des Tiberius“, ein Drama in einem Aussage, das Wil helm Henzen naeh der gleichnamigen Ge:bel"!chen Ballade _de- arbeitet hat, geiangte am Sonnabend nicht edrxe Erfolg Wk ersten Aufführung. Es zeigte sich aber, daß die dramgttiebe Gestaltung Don Balladenstoffen ihre besonderen großen Schwiertgkertendarbtetet. Jn breiten Zügen schildert der Dichter die Sitten des rom1schen Volks der Kaiserzeit; die Verweichliebung und Entartung de? stolzen Roxx: wird in einer großen Zahl von Gestalten gekennzerchnet,_dte m scbneÜem Wechsel vorüberzieben, ebe U19" zi; wahrer Tbetlnabme für sie gelangen kann. Am eindrucksvyllsten tritt aus dieser bewegten Schaar die Gestalt des germanischen Kriegsknegxis Ingo _bxxvor, eines Jünglings, der in seiner sittlichen Und letkchTn Krafttulle Wgcbt hält bei dem sterbenden Kaiser des finkemden * o.:n. Aus dteiem Gegensaß hat der Dichter aber keine rechte 'drama'tiicbe Steigerung zu schaffen dermrcbt; badet blieb eme _ tiefere Wirkung des Werke; auf die Zuschauer troß der VoZZU-thcben Darstellung aus. err Grube ivrach dieUFiebervdantaiiZn _unr den drohenden Abs ied des chiserx1 an 1einen Erben Caligula sehr geschickt und kunstgerecht. Herr Arnd? zeichnete den Charakter des Caligula in kräftigen Zügen, und Herr_Matiewar ragte als Inge, gewaltig in seiner Sittenstrenge und Kra't, rrie em Zeit:!)rxburm aus den brausenden Wogen der unstären Menge berker. . __ _

Viel lebhaftere Wirkungen auf die Zu7chaUer batte das_Lqitkriel .Die schöne Toledanerin', welches Eugen Zabel “fkk! nacb Love d e V e ga bearbeitet hat. In einem fröhlicher: Jnrrtgdenwtelwerden die Erlebnisse der schönen Juana geschildert, welcbe, ihren Oeirten_i_ucher1d, als Bäuerin verkleidet, in Toledo bei einer ältlichen, gefallkuchngcn Dame Dienste nimmt. Wie die Schöne tie Liedeklerdechbalt res beschränkten Bruders ihrer Herti", Fernando, _rcs übermütbigen Pagen Stephan und des galanten, schnell in heißer Liebe aufiedernden Marques von Villena weckt und wie fie xHren Exakter! Dm Teese durcb Eifersucht zu fichzurückfübrt, wird in SYwakauaxgier Um makrÖc-“r komischen Uebertreibung durchgeführt. Das Stück muß der:.n airch_keck im Ausdruck gespielt werden, um die darin liegende Komet“ wrrxam hervortreten zu lassen. Diesen Ten tra? am _ de'rer. Frau Conrad, die in der Rolle des Pech Harder: mr.- Zcbalieude Heiterkeit entfesselte; auch «Herr &:er xrimmte al:? Fremando fröhlich in diesen Ton ein und ckan Yer! Arndr „11:5 der ;aiayre Marqués. Fräulein Lindner war eine “reizt Tame un? Br*:ch Bäuerin und Fräulein Abtei) eine TksiZ ikrcr Gexcrtdext Ur? Gelati- sncbt noch immer liebenswürdige A.“:rexiia. _Trc JU'HZu-xr _Uekmex besonders die beiden ersten Axxizäze ';111 iedU'TW 2 519511 ;;».

Im Königlichen Opernba22§c _:xi“: xexzxxauinxrideM Befehl mit aufgehobenem Adwmemrxx ***) *.???tir Zreer) der Ort- manent reservierten Plätze Ander"; Tr:“: .I.": :N::::er* erexKQJeQ- meister O1*.Muck*s Lettungm Scene. “LTB“JWZZQUZ l:.UZrt; Zs-snycr: Naval; Roger: Herr Pdilirv: H:“nrieitc: Fw:: III“? zexau ertrarid: Frau Göse: Irma: Fräulein Weis: dci“. Bartiixk “rng: „PC??? QÖUÖYTJ vom Königlichen Theater in «Hamwver 31:5! Gait. - Der AZiang ttt auf 8 Uhr festgesetzt. Ueber den grßßtkw *; de:! der Brücts Ut Aller- böchst verfügt. Dre noch rcrdlcidcr-dcn Bilicts für den 1. 9?an und das Parquct werden nur unter der Briingnng verkauft, dax; die Be- iucber im Gescllschaftdanxug ctsÖcinm. (.Herren im Frack und weißer Binde.) _

Jm Königlichen Sckiauspielbausc werdcn Sbakciyearc'k dreiaktiges Lustspiel .Die Komödie der Irrungen“ mit den .Herren Keßler, Oberländer, 1:rschian, Matkowskv, Hartmann. BeQuiet und den Damen ron "w endurger, Lindner imd von Markyrg M den Hauptrollen und * kolidrc's .Der eingebildete Kranke“, in welchem Herr Vollmer nnd Frau Conrad austreten. gegeben., _ _

Bei dem Orgel-Vortrag in der MarienkirYYamxnachiten Mittwoch, den 2. Juni, Mittags 12_iil*r, werdcn Fraulcrn (First Klein, Fräulein Maria Walter und „Herr Georg Weißt" _mitwiri'en, Zur Aufführung gelangen u. a. Bach's (7-111011-Pbantaiic, drr „31.58757- Variationen von Thiele, ein Duett ron Dirne! )(. Der (mert ist frei.

Der Königliche Kanmrcrsängcr Franz Krolrx: istgestxrn Mtxrag in der Klinik des Geheimen Sanitare-Natbs Ur. „Halm, («h_aridtten- straße 58, an den Folgen einer schweren Damovrration grLerbcn, Am Montag hatte er noed. obwohl schon leidend. aiéGrat Oberthal in der Oper .Der Prophet" mitgewirkt. um dgé Gastipicl'Tamagno's nicht zu gefährden, und sich gleich nach der Vorstellung 1:5 die enapnrc Klinik begeben. Franz Krolor wurde am 5. Srptcrxilßn- 1840 zu .Wir: in Böhmen geboren, absolvierte das Grmnafium m GUNÖLU, studierte dam! Jurisvrndenz an der Universität Prag *.md widmete "ck znnächst zwe“:

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Jahre lang der Auditorspraxié bei dem Militär-Avvsliarionspcrisbt

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