Ministerium der öffentlichen Arbeiten.
Der Waffer-Bauixtspektor Dorp ist von Breslau an die Königliche Regierung tn Koblenz versth worden.
Ministerium _de_r geistlichen, Unterrichts- und Medtzmal-Angelegenheiten.
_Dem ordentlichen Lehrer an der Dorotheenschule zu Berhn Dr. Ferdinand Otto ist das Prädikat „Oberlehrer“ verliehen worden.
Es sind angestellt worden:
xm der Präparanden-Anstalf zu Landeck der bisherige Semmar-Hilfslehrer Reiß zu Ober-Glogau als Zweiter Präparandenlebrer,
am Schullehrer-Scminar zu Pilchowiß dsr bisherige Seminar - Hilfslehrer Viehweger zu Peiskretscham als ordentlicher Seminarlebrer, und _
am Schullehrer-Seminar zu Petskretscham der bisherige Präparanden-Anstalts-Hilfslehrer Volkm er zu Landeck als Seminar-Hilfslehrer.
Justiz=Ministerium.
Die RechtScmwalte Reimann und Weiß in Danzig find zu Notaren für der) Bezirk des Lber-LandeSgcrichts Marienwerder, mit Anwersung ihres Wohnsißes in Danzig,
der Rechtsanwalt Dr. Gneist in Iüierbog ist zum Notar für den Bezirk des Kammergerichts, mit Anweisung seines Wohnsißes in Jüterbog,
der RechtSanwalf Petsch in Stettin zum Notar für den Bezirk des Ober-Landeszgerichts Stettin, mit Anweisung seines Wobnfißes in Stettin, und
der (HerichtS-Asseffor Byns in Bensberg zum Notar für den Be irk des Ober-LandeSgcrichts zu Köln, mit Anweisung seines obnfißes in Kirchberg, ernannt worden.
Den Notaren Pohl in NieberbreisiHL und Hunnen in Merzig ist vom 1. Juni 1). I. ab der ohnfiß in Mülheim a. Rh. angewiesen worden.
Die von heute ab zur Außgabe gelangende Nummer 21 der „(Heseß-Sammlung“ enthält unter
Nr. 9907 das Geseß, betreffend die Regelung der Richter- gebälter, vom 31. Mai 1897; unter
Nr. 9908 die? Verfügung des JUftiz-Ministers wegen Auf- hebung der Hypothekenämter zu Koln, Köln-Dcuß und Simmern, vom 25. Mai 1897; und unter _ Nr. 9909 dre Verfügung des Justiz-Ministers, betreffend dte Anlegung des (Hrnndbuchs für einen Theil des Bezirks dcs Ange-ricbts Münden, vom 31. Mai 1897.
Berlin KZ, den 4. Juni 1897.
Konigliches (HeseßSammlungs-Amt. Weberstedt.
Bekanntmachnng.
Unter Bezugnahme auf § 4 der Allgemeinen Vorschriften für die Marksckyeider im preußischen Staat vom 21. Dezember 1871 bringen wir_ zur öffentlichen Kenntniß, Haß dem Markkchkider-Aspiranten Alfred Wildner aus Sulzbach bei Saarbrücken “rie Konzesfion zum Bktriebe des Gewerbes 'der Marfscheidcr ron uns crtbeilt worbkn ist.
Bonn, den 29. Mai 1897.
Königliches Obkr-Bergamt. Eilkrt.
Bekanntmachung.
Untxr BS'ZUZUQÖML au? § 4 dsr AUgsm-xinsn Vorschrifjen für die Markscheiker im Preußifckpxn Staat vom 21. Dezémbkr 1871 bringen wir zur Öffér-tlichen Kxnntniß, daß dem Markscbeidex-Awiranten Wilbelm Bischoff zu Hxinjs bei Saarbrücksn die Konzesfion zum Betrieb? OS:“- Géwxrbss 181: Markscbki'k-Fr Von Uns ertheilt worden ist.
Vorm, 17611 29. Ykai 1897. _
KS.“.iglichs Tbér-Bkrsamt. Eilkrt.
Bckanntmachng, 112 km Mamkk-Ackexmanzz'scbs Stirxndiknstikmmg bstrxmxnd.
Dcr Gcbsime Lbkr-Mkkizinal-Natb und Kaiserlich rusüscbk Leib- arzt O1". Martin 17911 Mank! 11111 1817811 Engartin Johanna Cbarlotfs Ludbbika, gcb. Acksrmann, babsn in ibrcm am 20. Oktrbcr 1857 Erricht€t€n wechs€17811196n Testamßnt dsr Königlickysn Rbsiniscbexn FÜSÖÜÉ-W11hL1MÖ-UU1VLÜLTÜ zu Vorm zur Förderung wiffknsckpafxlicbkr Und- tscbnischer STUÜLU unter der männli kn Nach- krmm2nschaft ibrer Seitenberwandtkn Untsr dem Namkn:
„bon MankT-Acksrmann'sclye Stibsndiknstiftung' ein Kapital von 48 000 :46 5811115551 mit der Best1mmung, _daß die Zinssn bsssslbkn, nacb Abxug 'der VérwalturYskosten, zur UnteUFüsung Yun er Männer chréstliÖer Réligixn, wel „€ _ficb der Arznet-, der KELLE- unk den in 15"! kkiks'Wkk'i'ÖM Fakultat bertretsnen Wiffen: schaften auf Univsrfitäxxx. (131 181 bbbkren 1€chnisch€11 Ausbildung auf Gewsrbescbulen und 517111115811 Anstaltsn ?ridMn, als Stirkndien ver- MndEt wsrkkn 1011811.
Diese Stiftung ist 11111 16711 SbmmN-Ssmsster 1890111 Wirksam- k€it getrstkn. _
Dis Zabl dsr Skivsnrién Tft au; drei ?sstgcxext.
Zum Gcnuffk Dcr Stirsnkien 71111 rchUg-Ö-WNTL berUfkn:
1. die kbklichn männlichkn Nachkommen dkr Gesschwism der Stift?! und zwar: _
in er ster Reibs dcs Ebcmanns rcn Mankt rcllbürttgen Vm'rcrs Karl Tbsobbr Manbt,
111 “zweiter Reibe “ces Ehemanns 1:1:11 MMU vollbünigen Schersikr Tbkresé, bersbelichtxn Grant),
'm rritter Reibe ksr Ebéfrau bon Manct Brudsrs Albert Ackx-rmarm, _ _
111 viertkr N-sibe ksr Ebexrau bon Mundt Bruders Gebhard Ack-xrmann; _ _ _
151111156171 in ErmanZelan von Bswcrbern 7:18191 Katkgorte
11. 118 männlichen Nachkomm€n: _
“5112th 'US 185211151111? ron Mankt bNdkn Halbbrüder Friedrich Mank: unk Franz Mankt, _
zweitens “172€ JLWU'TSZ 1.61: Sth'ter, des AvpeÜationßgenchtS- Ratbé Wilhelm Graffunkkr.
dritten 5 1:25 Frkun'kes ker Stiftkr, kes Regierungs- und Bau- ratbs Emil FlaminiU-Z;
und erst, rrknn bcn 1167911 [2811211 Klaffsn bcn Stirendienberbchtigten keine Bewerber vcrb,»:_1nkm ünr, können die Stirkndien cm an Fremde, insofern kiékksbx-n kée Eigynschakt rrsußischer Unten anen aben, Verlieben werksn. _
Der Gsnuß und bis Vkrabwlßung kcr Stirkndien ist nicht von dem Besuche dEr Bknnkr Unérkrütxt, nech Übkrbaurt rrn ker Gégen-
wart auf einer dex preußi then Un“ ttäten und beranstalten ab- bänY; jxdoch befrett der _ im uslande in kemem We von der eibrmgung der ur Valet ung erforderlichen Zeugnisse wirk- lich besuchten Unterri tSanftalten.
Bewerbungen, we chen amtliche Zeugnisse über das _Verwandt- schaftsverbältniß mit den Stiftern, beziehunTSweise den unt Vorzu s- recht bedachten Familien, die Schul- und Sütenzeugni e der bisßer be1uchten UnterrtchtSanstalten, das Univekjitäts-Immatri lations- und S'rttenzeu i , sowie eirz Dekanatszeu nig, von den Gewerbetreiben- den: _empr ende eugmffe der Gewer ebebörden und die Unterrichts- zeugmsse der Vors ulanstalten und Lehrmeister beigefügt sein müffen,
find bis zum 23. Juni 1897
bierber einzusenden. Bonn, den 2. Juni 1897.
Das Kuratorium d_er bon Mandt-Ackermann'scben Stiftung bsi ker Nbeiniychen Friedrich-Wilbelms-Univerfität. H. Seuffert.
Abgereist:
Seipe Céceüenz der Staats: und Finanz-Minister ])1'. von Mtque , zur Kur nach Wiesbaden;
_ Seine Excellxrxz der Staats:Minister und Minister der qeiytltchen, Unterrtwts- und Medizinal:Angelegenheiten ]),1)1'. Bosse, nach dem Harz.
' Angekommen:
S_eine Excellenz der Staats:Minifter und Minister für Laydwmhschast, Domänen und Forsten Freiherr v on Hamme r- stetn-Loxten, aus Westpreußen.
Yiehtamtlichez.
Deutsches Reith.
Preußen. Berlin, 4. Juni.
Das Staats - Ministerium trat heute Nachmittag 2 Uhr im Diqnstgebäude, Leipziger Plaß 11, unter dem Vorsiß des Vize:Vräftdcnten, Staats-Ministers ])1'. von Boetticher zu einer Sitzung zusammen.
Der Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Staats- Miqister Freiherr von Marschall hat einen ihm Allerhöchst bewxlligten Erholungsurlaub angetreten. Während der Ab- wesenheit desselben ist mit seiner Vertretung der Unter:Staats- Lektretä? Wirkliche Geheime Rath Freiherr von Notenhan e rau .
Der Bevollmächii tc zum Bundeöratk), Großherzoglich nßcckleyfburg1schc Ober: olldirektor Kunckel ist nach Schwerin a geret .
__ Der RegierungE-Affessor Dr.Wecker aus Stolpi.Pomm. nt von Anfang Juli 13.3. ab dem Landratb des Kreises Hanau, Regterungsbezirk Cassel, und der Regierungs-Affeffor .Herrfabrdt zu Hanau dem Landratb des Uniertaunuskreises, tm Regierungsbxzirk Wiesbaden, zu Langenschwalback) bis auf weiteres zur Hrlfeleistung in den landrätblichen Geschäften zugctheilt worden.
Schwarzburg-Sondershansen.
De_Zcitung „Der Deutjche“ veroffentltcht nachstehendes Bullettn :
Jbre Hoheit die Fürstin bat fich am Montag, M1 31. Mai, einkr Operation unterzogkn. Der Verlauf dersklben war ein guter, den Erwartungen entsprechender. Der augenblickliche Zustand der HobSn Patiént'm läßt erwarten, daß in zwei bis drei Tagen jegliche Gsfabr vorüber sein wird.
Halle (1. S, den 2. Juni 1897. 131". Bayer. Reuß ö. L.
Seine Durchlaucht der Fürst hat sich gestern in Be- _leitung Ihrer Durchlaucht er Prinzessin Marie von reiz nach Schloß Burgk begebesi.
Oesterreich-ngaru.
Ter Kaiser empfing gestern den bisherigen rufftschen Botschafts-Ratb Grafen Benckendorff und alsdann den russischen Botschafter Grafen Kapnist in besonderer Audienz.
Auf das Schreiben des Vize:Präfidenten Abrahamovicz an den Abg. ])1“. Baernreither (stehe Nr. 128 5. Bl.) hat dieser, dem „W. T. B.“ zufolge, erwidert: Er babe seine Erklärgng in der Si ung des Abgeordnetenhauses vom 1. d. M. mcht für seine Öerson, sondern im Namen der Janzen politischxn Vereinigung, der er angeböre, abgegeben. r halte es fur einen Jrrthum, zU gkauben, daß seine Partei für etwas Anderes eingetreten sei, als für eine ruhige und gewiffenhafte Auffassung der politischen Lage und die richtige Handhabung der GeschafWordnung.
Das „Vaterland“ veröffentlicht eine Erklärung des
Klubs der. katholischen VglksPartei, welche die Obstruktion vom dynastiscben, österreichischen und wirth- Lchaftkicben Standpunkt aus verurtheilt und besagt, daß ie wirfliche Vcrsöhnung beider böhmischen Nationen nur durch eine gegenseitige Verständigung auf dem Boden der christlichen Gerecbttgkeit erfolYZn konne. Die Sprachen- verordnung aber könne nicht zum UHgangSpunkt der Obstruk- tion genommen werden. ,Der Klubhabe. keine Gemeinschaft mit Parteien, die den posttiv katholtschen und österreichischen Standpunkt theilweise offen verleugneten.
Großbritannien und Irland.
Tas Oberhaus hat sich gestern bis zum 18. d. M. ver- tagt. _ Im Unterhaus e beantragte der Erste Lord des Schaßamts Balfour die Vertagun des Hauses biszum 17. d. M. Sir Charles Dilke bra te hierauf die krettsche und die griechische Frage zur Sprache. Der Erste Lord des Schaßamts Balfour erwiderte: die Regierung sei noch nicht in der Lage, volle Auskunft über den Stand der Unterhandlun en zu geben. Uebrigens sei die Politikber Re ierung_betreffs retas wiederholt dargelegt worden; eme De alte uber Kreta und Griechenland werde erst thunlich sein, wenn die Regierung dem Hause Aufschluß über die Unterhandlungen geben
könne. Sir Charles Dilke scheine zu glauben, daß sich die Zustände auf Kreta verschlimmerten. Unzweifelhaft hätten
Unordnung und Anaxcbie auf der Insel nicht solange dauern „konnen, als ste thatsächlich gewährt hatten, und be_dauerlrche_ Spuren zurück elassen, zu deren Ver- wtschuxtg eme lange Zeit e orderlich em dürfte. Aber e_r kon_ne verfichern, daß eine pe statistische Anficht ubxr dle Zustände auf Kreta nicht berechtigt sei. Die Wrederherste urxg ber Ordnu stehe allerdings nicht eher zu erxvarten, als bts dae transttori chc Methode, zu der die Mächte bet der Bxhandlung der_ La ? gxzwungen gewesen seien, auf- gegeben set. Erst wenn eme mretchcnde Gendarmerie und die Elemente einer guten_ Verwaltun auf Kreta vorhanden seien, werde man hoffen konnen, daß Zeiheit und Autonomie auch dort wre anderwärts gute Frü te tragen würden. „Hieran wurde der Antrag auf Vertagung angenommen.
Frankreich.
Der Präsident Faure empfin gestern Vormitta den Staaissekretär der Südafrikanischen 9Republik ])1. Le vgs.
Der Sen_at _beg_ann gestern die Berathung der orlage, durch welche kunfttg dre gäpzltche Abschaffung der Oktroi- abgaben gx_ftat_tet und dte L_hcilweise Abschaffung der Oktroi- gebuhren, namlxcb der auf d1e hygienischen Getränke gelegten, vorgefchrrcben w1rd. Mehrere Arnkcl der Vorlage gelangten zur Annahme.
_ In der Deputirtenkammcr befürwortete der Finanz- Mrmstex Cochcry die Vorlage, betreffend die Erneuerung des Pnytlegtums der Bank von Frankreickx. Er legte dar, daß es 1116 Aufgabe der Bank sei, dem Handel Stabilität des Wechsxldt'skonts zu _s1che_rn; fie solle nur einen Diskontsaß haben und memanden begunfn, en. Die Anhänger der Errichtung einer Staatsbank_ hätte_n _no keinen Antrag in diesem Sinne ?in- gebracht; dte Soztaltsten crträumten thatsächlick) den Stur aller fixtanztellerx Institute. Beim Bestehen einer Staatsbank, fqu der F_1nqnz-M1mster fort, würde die Politik in die Geschäfte hmem getragen werden. Sodann wies der Minister die von der Bank von Frankreich bisher geleisteten Dienste nach und hob d1e_ Vortheixe der gegenwärtigen Vorlage hervor. Nach der Rede des Fmanz:Ministcrs wurde die Generaldebatte ge- schlossen. _ Der Deptztirte Baron des Rottours brachte emen Antrag em, welcher eine Erhöhung
der Zollsäße auf alle Erzeugnisse der VereiniJFtcÉ: a
Staaten von Amerika verlangt, für den
'das; lthere Prohibitivsäße einführen. _ Von Deputirten des,
Departements du Nord ist ein Antrag eingegangen, welcher sofortige Maßnahmen zum Schuhe der Zuckerrüben- famen:Ku1tur gegen die deutsche Konkurrenz verlangt.
Die Budgetkommission der Deputirtenkammcr hat fich gestern konstituiert. Zum Vorsi enden wurde der Deputirte Dclombre, zum General-Beri terstatter über das Budget der Deputirte Kranß gewählt.
Italien.
Die Deputation des 1. Hessischen Husaren:Nc- giments Nr. 13 wurde, wie „W. T. B.“ aus Rom meldet, gestern Abend von dem Kö nig in überaus huldvoller Weise cmpfangsn. Der König nahm die ihm über- reichte Statuette untcr lebhaften: Danke entgegen. Hierauf nahm die Deputation an dem zu Ehren des Königs von Siam veranstalteten Galadiner theil. Nach dem Diner, welchem auch der deutsche Militär:AttachÉ, Ma'or von Jacobi beiwobnte, fand Cercle statt, der bis gegen 11 br währte.
Der König von Siam wollje sick) heute Nachmittag 3 Uhr nach dsm Grand Stel und von dort nach dem Vatikan begeben, um dem apst einen Besuxh abzustatten. Bei dem Empfange wird dasselbe Zeremomell beobachtet wie bci früheren Gslegenbeiten. _
Die Deputirtenkammcr berieth qestern in_ zwe1ter Lesung den Geseßententwurf, betreffend die Re organtsaxiotx der Armee. Zu Art. 1 beantragte der De utirte mer1a_m im Namen mehrerer Radikalen, daß die enennung „Komg- liche Armee“ in „National-Armee“ um eändert werde. Der Antrag, welchen der Kriegs-Minister elloux bekämpfte, wurde mit 209 gegen 18 Stimmen abgelehnt und die Vorlage sodann in zweiter Lesung angenommen.
Spanien.
In dem gestern in Madrid abgehaltenen Ministerrat!) seßte, wie „W. T. B.“ erfährt, der Mmister-Präfident C a n ov a s bei Castillo die Gründe für die Demission des Kabinets _aus- einander. Die Königin:Regentin beauftragte dchimster- Präsidenten, die Geschäfte bis zur Lösung der Kris1s_wetter- zuführen. _ Der Marschall Martinez Campos _1ft nach Madrid berufen worden und dürfte beute dort eintreffen. Es heißt, die Königin-Regentin one ihm den Oberbefehl auf Cuba übergeben, behufs Durchführung der für Cuba beschlossenen Reformen.
Türkei.
Gestern Nachmittag fand, wie „W. T. B.“ aus _Kon: ftantinopel meldet, in dem PaviUon Tophane dte erste S1ßung statt, in der über den Friedensschluß_ verhandelt murbe. Sekretäre nahmen an der Sißung nicht thetl, auch wurde kein Protokoll cführt. Die Verhandlungen werden vorläufig streng geheim ge alten. _ _ _ _
Ein aklgemeiner Waffenstillstand fur Eptrus rst, nack) eincr Meldung der „Agence ZFUW“, gestern unterzeichnet worden. Derselbe hat folgenden ortlaut:
Jmaret, 3. Juni, 6 ch Abends. Die Majore Soußo und Vakaloglow für Griechenland sowie Mustapha Bey und Saltk Bey für die Türkei erklären in “gemeinsamer Uebereinstimmung, daß, ken- form dem am 19. Mai unterzeichneten Dokument, die Bedingyngen Yes Waffenstillstandes zu Waffer und zu Lande unverändert bletben wah- rend der ganzen Dauer der Friedensberbanblungen.
schriften).
_!
ügeln bei Taratsa zusammxxz- rotokol! über den Waffetxsttll- stand auf. Nach di rotokoll soll der Waffensnllstand während der FriedenSverbandlungen _fortdauern. _ Fa_lls Meinungsvetschiedenbeiten über Einzelbetten des Wafxenfnll- stands aufträten, folie jedes der beiden Heere 24 Stunden vor Eröffnung der Ferndseligkeiten _ das egnertsche Lager benachrichtigen. Es bleiben noch emige u_nkte zy regeln, von denen dte wichtigsten die Forderungen der Turken smd daß die Bewegungen der Flotte nur in vor_aus festgefeßten Grenzen erfolgen dürfen, und daß alle Schtffe, :pelche untxr türkischer und neutraler Flagge fahren ohne Hmderniß m den griechischen Häfen ugelaffen werden ollen. Dte Delegtrten werden heute nochma s zusammentreten, um dte Schmerig- keiten zu beseitigen, die fich _erhoben haben, und um das Protokoll endgültigÉu unterzetchnen.
Der ,Agenzia tefani“ wird aus Kanea von gestern
trafen gestern auf _den seßten ein provisonsYes eem
berichtet, aß der Admiral Canevaro Hierapetra, Sina und
(Folgen die Unter;
..“-0 Die Delegirtcn der beiden Armeen in Thessac'xT-tx
' 1311 acht unddie dortft enden a ö* enSol- . ?JYYÉNYe passteren laffen. Dieseehlnitten5rab21z «Mral
freundliche Kundgebungen dargebracht. Die AuÉüändischen zeigten
sich versöhnlicher und seien im Begriff, eine ommi€?fion zu er- nennen, die einen thun!1chst_ regelmaß en Verkehr mitt den Admi- ralen unterhalten solle. Dre Aufständ schen beharrten jedoch auf ihrem Verlangen, daß bie turk1schen Truppen von Kreta zurück ezo en wüxden. Dre mohamedanische Bevölkerung ihrer- seits, urcß bie turkischen _Siege in Thessalien kühner gemacht, widerstrebe der Autonotzue und _ Abzuge der türkiéchen Truppen. _ In Kandta hätten türktsche Einwohner me rere Christen getödtet al_s Vergeltung für frühere Uebeltbaten der Christen. Zehn Turken seien unter dem Verdacht, die Morde verursacht zu haben, vsrhaftet und nach Kanea gebracht
worden. Griesheuland.
Die Königin und die Kronprinzessin find vorgestern zum Besuche des Kronprinzen, Höchstwelcher seinen Namens- tag feierte, von Athen nach Omerbey abgereist.
Wie die „ olittsche Korrespondenz“ aus Athen meldet, sind die unter rochenen Beziehungen zwischen den Häfen von Athen und St.Petersburg durch ein Schreiben des Königs von Griechenland an den Kaiser von Ruß- land wieder aufgenommen worden, in welchem der König seinen tiefgezühlten Dank für die Intervention des Kaisers zur erbeifü rung der Waffenruhe ausdrückt und die Bitte um irkung emes riedens ausspricht, der Griechenland keine seine Kräfte über teigenden Opfer auferlege.
Afrika.
Wie die „Agence Havas“ aus Aden bericbtst, hätte der König Menelik der an ihn gesandten britischen Mission gegenüber den Wunsch aUSgefprochen, mit Großbritannßen ebenso ernste Vereinbarungen zu treffen, wie mit Frankretch, Italien und Egypten, jcdoch unter der Bedingung, daß diese neuen Verträge durch die anderen, Acthiopten benachbarten Mächte, d. b. durch Frankreich, Italien und die Türkei, (116 den Suzerain Egyptens, ratifiziert würden. Der König Meneltk sol], um zu einer Lösung der gegcnwärtigen Fragen, namentlich der die Ntlgegend und das Sudangebiet betreffenden, zu gelangen, willens sein, 11 verlangen, daß die sechs europäischen Groß- mächte Garantten für die Jute rität der ottomanischen Gebiete in Afrika übernähmen und da sie bei der Abgrenzung seines Reichs vermittelnd einträten.
Aus Prätoria vom 2. d. M. erfährt das „Reuter'sche Bureau“, daß der VolkSraad, einem von dem Präsidenten Krüger bei der Eröffnung geäußerten Verlangen entsprechend, cine Kommisfion von fünf Mitgliedern ernannt habe, die eine Revifion des „Grondwet“ (Grund cseßes), be- sonders bezüglich der Stellung des obersten erichtshofes vorncbmen und ermächtigt seinsoll, Geseßeskundige zu befragen.
Die geseßgebende Versammlung der Kapkolonie hat einstimmig einen Antrag des .?leS Innes angenommen, wonach die Kolonie zu den Kosten der eichsfiotte beitragen sol]. _ In der gestrigen Sißung dcr geseßFbenden Versammlung gab der Ncherbau:Minister Faure die (klärung ab, daß das Niederschießen der Viehberden eingestellt wordxn sei, da nichts mehr die weitere Ausbreitung der Rinderpeft 'm der Kap- kolonie verhindern könne.
Arbeiterbewegung.
Ueber den Ausstand der Tischler in Stettin (vgl. Nr. 115 d. Bl.) wirb dem .Vorwärtß“ geschrieben: Bis jetzt haben 21Me1ster nut ca, 70 Gesellen die Forderung der Geseüen bewilligt. DW Gesammtbeit der Meister vexbarrt dagegen auf ihrem fxübkren St_andpunkt. Auf ein von der Kommisfion an dkn Arbeitgeberbund gertcbtetes Schreiben ist die Antwort eingelaufen: beffen Kommission babe bxscbloffen, daß nur dann in mündliche Unterbandlung mit einer Kommtsfion der Arbeiter eingetreten werden würde, wenn diese Kommisswn aus sieben Mitgliedern der Bau- und Möbeltischler- und Drechslerbranche zusammengesetzt sei, wenn die Namen dieskr Kom- Yissionsmitgliedec vorher _mitgetbeilt würden und wenn in sämmt- lichen Fabrikkn und Werkstatten, die Vorher und bis jetzt von dem aUgemeZnen Ausstand außgeschloffen find, die Arbeit niedergelegt ski.
Wte demselben Blaxt gus Wolgast telegrapbiert wird, find dort dre Tischler dxr Kraft'schen Fabrik ausständig geworden.
In Magde_bura legten, dem _.Vorw." zufol e, die Weiß- gerber_ der Janxcke'scben Leberfabrtk (Neustadt, lexanderstraße) wkgen emer Lohndtfferenz die Arbeit nieder.
_ In LeipziZ hielten, der ,Lpz. Ztg." zufol ?, die Textil- aroxtter am ienstag eine_ von ungefähr 800 ersonen besuchte Vertammlung ab, in welcher tte Arbeits“ und LoanLrbältniffe in der Kammgarnspmnerei von Stöhr & Comp. erörtert wurden. Daselbst rst von_ der Fabrikleitqng nach Einstellun? neuer, weséntlich verbesserter Mafchmen, obne daß_dtes vorher den 250 nteresfierten Arbeitern beiderlei Geschl_echts mrtgetbetlt worden ist, ein neuer Tarif ausgearbeitet und emgefubrxworden,1n welchem zwar etwas niedrigere Lobnsäße angese t sind als die btsberigen, nacb welcbenx aber troxzdem der Verdient der Arbeitxr sich ebenso boch stellt, wetl dieselben mit den leistungsfähigeren Maschmen bedebtend mehr Arbeit zu fextigen im stande smd. Wegen dieser nach Anstcht der Arbeiter ei?enmachtigen plötzlichen Einführung des neuen Tarifs Yurch die Pr nzipalität und wegen der statt- gefunbenen Lohnausfalle bis zu 4 «sé haben 150 Arbeiterinnen und Arbetxer des e_natxnten Etablissements die Arbeit eingestellt, während dsn mchx ausétandtg gewordenen Arbeitern der Lohnausfall nachgesablt worden rst. Es wurde eine Kommission ernannt mit dem Auf- trag, mi_t der Fabrikleitung in entsprechende Verhandlungen zu treter» namentl1ch aber auch wegen der in der Versammlung erhobenen Jlagen über _ungeböriges Auftreten der Meister den Arbeitern gegen- uber vorstelltg zu _werden und auf Abstellung dieser Uebelstände zu dringen. __ In einem Töp ergefcbäfte legten wegen Verlesung des Lobntartfs durch den Ar eitgeber sämmtliche Arbeiter _ außer
Lebrltngen _ die Arbeit nieder.
Ju Zuxickau entschied, der .pr- Ztg.“ zufolge, eine Versamm* lunL der Zrmmere; fich dafür, nachdem die Lobnerböbun glücklich pur_gess t worden tft, zur Erreichung der zehntündigen rbeitszeit m eme ewegung einzutreten. _
„ In Gera verlangen, wie die ,G.Ztg.' mittbeilt, die Muster- d€tchner zmd Leviererinnen höhere Lobnsäße und kürzere Arbeits- zert. In emer kürzlich abgehaltenen Versammlung Wurde beschlossen, darauf abzielende Verbandlun en einzuleiten.
In Basel haben. dem ' erner .Bund' zufolge, die aussiändigen Arbetter der chemischen Fabrik Sandoz (Vgl. Nr. 124 d.Bl.) Ygeq Zugeständntß einer kleinen Lohnerhöhung am Mitiwockx die _rbett wieder aufgenommen. Im Ausstand find noch 100 Arbeiter Uner einzi en_ Fabrik.
Aus ten meldet „W. T. B.“, daß am gestrigen Vormittag Vor der Polizei-Direktion zwischen Vertretern der PferdebaÉn- Gkiellscbaft und einer Abordnung der Angestellten er- bandlungen behufs Beile ung der Differenzen (vgl. Nr. 128 d. Bl.) ftßttgejunden haben. Dße D rektion der Gesellschaft machte dabei In eständ- Use m Bezug auf dte Fest eßung ber Entlohnung von Uebe: tunden; dix Abgeordneten der Scha ner waren hiermit einverstanden und er- klarten, nicht in den Ausstand treten zu wollen. Die Delegirten der KUtscher waren jedoch mit den Anerbietungen nicht zufrieden und er-
klärtxn, die Entscheidung über ihr weiteres Vorgehen einer für den heuttgen Freitag emzubetufenden Versammlung uberlaffen zu wolXen.
eber neue Unruhen auf derKoblenzecb: La Grand' Combe (bergl. Nx._91 d. Bl.) meldet „W. T. B.“: Gestern Abend kam es b1_er zu etntgéerx Rnbefiörun en anläßlich ker Verhaftung eines aus- ftandtgen At tiers. Der nter-Präfekt wurde dabei durch einen 5511“wa leicht am Ohr verletzt; einige Ausftändige wurden ver- a e .
Kunst und Wissenschaft.
_ Dix Juui-Siyung der Archäologischen Gesellschaft er- offnete m Ve_rtretung des Ersten Vorfigenden Herr Conz: mit Vor- lequng der eingegangenen kisten, denen Herr Winter eine reiche Sammlung von Photographien aus Kleinasien anreibte, die von der Direktion der anatoltscben Eisenbahn dem biefigen Museum ein- ??esandt worden waren. Den ersten Vortrag hielt Herr alkmann über die Jakcbos-Gruppe des ältsren Praxiteles, die er aus einer Statue "cer Viüa Albani. dem Log. Feiersburger Eros und einer Figur aus Scbetscbel wikder er- ellen zu können glaubt. Sodann sprach Herr von Kekule übkr das Peliaden-Relief des Berliner Museums, deffen antiken Ursprung er gegenüber neuerdin s aufgetaucbten Zweifeln mit Entscbéedenbcit vertrat. um Scblu ließ Herr Conze vortrefflich auSgefübrte vbotograp ische Aufnahmen der bei den franzöfiscben Außgrabungen bsi Dikyma gemachten Funde zirkulieren, die der Freundlichksit des Herrn Hauffoullier verdankt wurden.
_ In der jüngsten Sitzung der Kunstgeschichtlichen G esell- schaft sprach Herr Profeffor Springer über die M_alereien der Burg Karlstein in Böhmen. Sie find_ ein Beiwiel der regen Kunfübätigkeit, die Böhmens rößter Herr1cher, Kaiser Karl 17. hervorrief. Der Antbeil czech1scßer Künstler an dieser Bewegung ist zu einer nationalen Strektftage gewvrden, deren belicbtung durcb Chauvinismus und Fälscbun an auf beiden Seiten tvkyentliä) erschwert ist. Daß aber in den Meta arbeiten, vor allem im Goldschmiede- gewerk und dem Gleckenguß gerade Künstler czecbiscber Abkunft fich ausgezeichnet haben, ist um so mehr berporzubebcn, o_ls ibre Selbst- ständigkeit in der Malerxi durch die Eznfiüffe yon fremden Kunst-
ebieten, besonders von Italien ber, leicht verdunkélt werden kann.
ie böhmische Miniaturmalerei hatte schon in den Arbeiten d€s Weüeslaus, dessen Hauptwerk beute _in dkk Sammlung des ?ürstsn Lobkowiß zu Prag aufbewahrt wird, [bre sebr bedeute'nrkn Leitun_?en aufzuweisen; die große Malerei erhielt erst durch Karl 17. den Am 0 zu freierer Entwickelung, und die von ibxn 1348 akgründete Veste Karlstein bsi Prag wurde die bkrVorragenUte Pflezftätte dieser Kunst. Diese Burg batte dkn doppelten ch'ck, als Wohnung des Kaisérs und Bewahrungsort der Kroninfignien und Reliquién zu disnen; daraus erklärt fick) die Vielgestaltigkeit ihres Grundriffes, in dem man An- klän € an die Päpnlicbe Refidxnz in Avignon bat finden onsn, um oeber, als Karl 17. bei einem Aufentbaü in Avignon 1344 den Baumeister des Doms von _St. Veit in Pra ,_ Matthias von Arras verpflichtet batte. Troßkem_1chließt die Vers tedenbeit in Lage und Anordnung jede kaeinsckmxt mit dem Palast der Päpstß aus. Die Ausschmückung der 1365 vollendeten Burg lag in den Handen dreier Maler: Thomas bon Modena, Theodertck) bon Prag und Nikolaus Wurmser von Straßburg. Den ersten Künstler, ficherlicb einen Italiener, mag der Kaiser auf seinem Zuge über die Alpen 1354 kennen elernt babs". Seine beute in Wien befindlichen Bilder lassen bei ibrer ?tatke'n Uebermalung keinen festen Eindruck von seiner Kunst gewinnen, doch sind mit ziemlicher Sicherbeit auf ibn die Fresken der kleinen Katharinen- Kaveüe zurückzuführen, nach denkn er ein mit allen Vorzügen seiner italienischen Herkunft ausgestattetes, mittelmäßiges Talent gewesen sein muß, an ma1erischem Können und künstlertschr Selbständigkeit weit z ückstand bmter seinem Genoffen Theoderich von Prag, dessen böbmif (? Nationalität durch 516 neuere Forschung außer Frage gesteüt ist. Dafür sprcchxn auch 'die durchaus slaviscben Typep in ken Fresken der Kreuz-Kapelle. Aufden dritten Künstlkr, den Deutjcben Nikolaus Wurmser dürften dis Fresken im Treppcnbausc zurück- zuführen sem; sein Hauptwexk, die untergegangenen Bilder im Pallas, die nach dem Bericht Eines Zeitgenossen, des Bra- banxer Gesandten Edmond de Dinter, eins Genealsgie dés Kaijerlicben Geschlechts bis auf die Trojaner zurück darstellten, find durch einen glücklichen Fund des Profsffors Neuwirth in Prag in ciner Kopienfolge nachgewiesen, die kurz_ bor Zerstörung der Originale ca. 1569 auf Veranlassung Maximiltan's 11. hergestellt Wurden und, wie Eck; aus dem Vergleich unt ken wknigen Erhaltensn Spuren schlie en läßt, den Stil ibre'r Voxbilder ziemlich getreu wiedergkbxn. Trotzdem gxwinnkn wir _von Wurmser'sAtbeiten kei_n klarks Bilk; jedenfalls ft€bt auch er bxntcr dym €inbe1mischen Künnlsr Tbcodericb bon Prag zurück.
Herr Professor Lebfelbt sprach alsdann über einen Altar in der Hauptkirche zu Neustadt a. d. Orla. Dsr Ursprung diesrs figürlich wie dekorativ _vorzüglichkn Werks mit seinen Vikl- fachen Flügeln um 5611 _ geyckpnißten Schrein läßt fich zurück- verfolgen bxs zu dem Auftrag, den Lucas Cranach Vom Ratb zu Neustadt im Jabre 1511 erhielt. Auch von dem Fort ang der Arbeit, den Kosten und der schließlicben Aufstellung im Ja re 1513 find wir dokumentarisch unterrichtet. Troydem treten innerhalb dss Werks so starke stilistische Verschiedenheitkn hervor, daß es nicht möglich ist, alle Theile auf Cranach zurückzuführen. Am wahrschein- lichsten ist die anstebung im Werxstattbexrieb, bei dsr ganz ver- schiedenartige, theilweise recht sclbstandige Kräste mit ewitkt hätten. Das Sockelbild, eine Darsxelluna des Jüngsten Geri ts, zsigt noch alle Ergenschaften Cranach'xcher Schulbilber bei mäßigcr Mitwirkung des Meisters. In den obexen Bildsrn mit den Scenen aus dem Leben Christi un_d Johannis des Täufers spricht fich eine selbständige künstlertsckße Individualität aus, die fich vor den All- gemeinbeiten der Schule durch edlere Körperbildung, größere Energie im Ausdruck und ttefere Beseelung außzeichnet. Die Frage nach diesem Künstler fübrt_ zurück auf den unter dem Namen Pseudo- Grunewald oder Stmon yon A chaffenburg viel umstrütenen Werkstaitgenossen Cranach's, dessen unstwetse der Vortra ende aus bayerischer Schulung und italienischen, besonders lombardi chen Cin- flüffen berleitete. Gerade in Nord-Tbüringen smden fi vielfach Werke mit Verwandteq Zügen, die wohl auf eine umfassendere Thätig- keit dieses Künstlers emen Schluß erlauben. _
HerrReaiexun s-Affessor Gieblow legte karauf die Photographie einer bisher unbe annten, von ihm in einem Sammelbande des British Museum ge_fundenen Zeichnung Albrecht Dürer's, das Martyrium eines Heiligen darstellend, vor, die ihrer frühen Ent- stehung wegen (etwa in der Zeit der Apokalypse) von um so eröfßerer Wicbttgkeit ist, als in den [eßten Jahren die künstlerischen n änge des Meisters durch die Forschungimmer festereGestalt gewonnen haben.
Nach einer Anzeige der von Scheiblcr und Aldenhoven besorgten Publikation der Hauptwerke aus der Kölnxr Malers ule durch Herrn Dr. riedländer legte Herr Geheimer Rath L vp- mann einen Farbenbolzscbnitt nach einetxt dem Piero della
ranceßca zugeschriebenen Frauenportrat der Berliner
alerie vor. Der durch eme Reibe trefflicher Reproduktionen bekannte Kupferstecher Albert Krüger hat hier den Versuch gemacht, mit neun farbigen Platten die Wirkung des Gemäldes wiederzugeben, künstlerisch und technisch mit gleichem Geling_en. Durch die Ver- wendung von Metallplatten _an Stelle der veranderlichen éolzstöcke, die früher üblich waren, ist hier eine Schwierigkeit, die allen isbetigen Versuchen verhängnißvoll wurde, glücklich vermieden.
Literatur.
Rechtsprechung des Gerichtshofs zur Entscheidung der Kompetenzkonflikte. Jn amtlichem Auftrag s te- matiscb zusammengestellt von Dr. Otto Stölzel, Gerichts-Affe or. Berlin, Karl Heymann's Verlag. Preis 10 .,“ _ Das Grenz ebiet zwischen Privatrecht und öffentlichem Recht wird tro seiner ich- tigkeit nur selten zum Gegenstand wissenschaftlicher * ebandlung ge-
macht. Auch die Praktiker ballen fich von demselben meistens fern. Die kaber vorhandene Lücke füllt das vorliegende Wexk 114. Es umfaßt die gesammte Rechtsprechung des p_reußtschex Gert » ("fs zur Entscheidung der Komvetenzkonfiikte, sowett fie fur kxe X...,. noch Bedeutung bat. Die Entscheidungen find nicht wörtlich mitgetheilt, sondern nach den Aussuaen, die von den Refe- renten nach Abfaffung der Erkenptniffe _angefertigt und vom Bureau des Gerichtshofs zu sm_er Prajudizienfammlunz ver- einigt werden. Dixjenigen E_n_tschexdun en,_ welche infolge von Aenderungen der Geßßgebung mr den euttgen Rechtskustapd ihre Bedeutung verloren baden, sind von_ der Wiedergabe ausgexcbloffen worden. Die mitgetheilten Erkenntntffe sind nach Materixn über- sichtlich zusammengestéllt, sodaß jedkr Abschni1t ein_e abge1chlosscne Darfteklung der einschlägigen Judikatur entbßlt. Em kurzer ctster Theil handelt von dsc formeÜen Beurtbetlung des Kompetenz- konftikts, wäbrend der zwsite dxr sachlichen Entscheidung desselben ge- widmet ist und in acht Abschnitten das Beamtenrccbt, das obeits- recht des Siaats in militärischer. volitncher und geseyqeberis er Be- ziebung, das Abgabenwesen, das Aufsjcthrecht des Staats über öffentlich- rxchtlicbe Körperschaften, bie Pol'tzet und ]onsttge Zr-ejge der Staats- berwaltung, das ZuständigkeitSaebiet ker AuSetpanderkesungsbebörden und Gewerbestreitsachen betreffende Erkknntntsse des Gerichtshofs systematisch ecrbnet Entbält. Beis? eben find zwei Register über die ergangenen ntscheidungen, deren Zabl berbits mebr als 2400 beträgt, nämlich ein Verzeichnis; nacb “dsr Nummerwlge der Prozkßlifte und ein nach dem Datum geordnetes Verzeiclynif; ber Cntscbeidun en, fcrner ein Verzeichnis; der Behörden, Welche die Besugniß zur Er ebung des Kompetenzkonfiiks in Anspruch _genbmmen babén, ein Queüenverzeiebniß und endlich ein sorgfältig angkxerttgtes SaÖksgister. Das mit Fleiß zusammenaesteüte Werk bietet eine genaue 11kbe1sicht über 1611 Stand der Judikatur des Gerichtshofs und dürsré fich deshalb Richtern wie Verwaltungsbcamten und Anwalten als ein wertbbollcs Hilfs- mittel erweisen. _
_ Jm Verlage von J. A. Hörbxg in Berlin bai der Schriit- steükrTb. Stromxr ein ,ques !rani_sch-d€utsches Wörter- buch“ erscheinen lanen, das _c_me Lücke aur diesem kaifograpbischen Gebiet auszufüllen bestimmt 111. TU_Verfaffer, der (11111) korrkspbn- dierendks Mitglied dsr Köyiglixb ?:;Lntschen Akademie der Künste von S. Fernando ist, hat die xvamsch Hprach zu seincm Sonderstudium axmacht und schon 7113er E11) Hanbbuck) der spanisckpen Umgangssprache beraungeben._ Dre borltegende lexikograybische Arbeit, welche Jbrer ' ?ajeftat ker Königtn Maria Cbristink, ngentin 5911 Spanien, gewixmet ist, hat das Wörterbuch der Königlich spanischkn Akabkmte: ztzr GrundJagx gsmommen, ohne das; dsr Verfasser jedoch auf relbstanrxgc _?pracbsMcberi'che Arbeit rer- zichtet hätte. Natürlich wurden auch, wxc es im Vorwort beißt, die besten spanischsn Wörterbücher und sprachwiffenscbaftlichen Fachwerke für Das neue leikon bknuyt. Exkcnnbar hat es sich der chikograpb angelcgen sein 1affen, nicht nur überkommene Unrichtigkeitkn auszu- merzen, sondern er hat auch sein Augsnmcrk darauf gsricbtet, daß dcr Wörtersckyaß in dem Sinne Ölterén _Wétken gegsnüber Vervoll- ständigt Werde, wis 8:3 durch 111? Forxxchritte der Zivilisation und im bésondersn ker chbnik nötbig erschten. Hierdur und durch drn für ein Handwörterbuch ungewöhnlichen Neicbtbum an Redensarten erscheint das NSU? Wörterbuch für dm Gebrauch der Kauf- leute, Jndustricllkn und Techniker wwbl gseignct. An die Sorgfalt“ dks Vcrfasers bc-ri der Bcarbeitung darf man um so mehr glauben, als er sklbßlt bescheiden daravf hinweist, daf; Wörterbücher nie ganz Von Mängeln frei skin werden. Was im Laufe der Arbsit fich noch als anführenswertb erwies, bat ber Verfaffer in einem kurzen Nackztra zusammengefaßt. Für den praktixchen Gsbrauck) dankenswertb ist au eine Zusammenstellung der in Spanien üblichen Abkürzun en.
_ Als einer der besten und ZUVZläsfigsten Führer dur bas Harz-
gsbirge gilt_ „_Der Harz“ aus 58: Série „Meyer's Rsisebücber' (Leipzig, Btbltograpbischcs Insntut; Pr.2.-é:). Für seine Beliebtheit spricht aucb die Höhe Nr Auxlagcn, reren vierzehnte soeben cr- fchienen ist. Dkk mit kinsm rxichsn Apparat von Plänen und Spezialkartkn sowiexinsm Bröcken-Panorazna versehene Fuhrer hat in dieser nsuxn Auslass noch mannigfache Versicherungen cr- fabrsn. Den besondcren Bkifall dcs Touristen dürfte die An- abe der Pcei1€ für ijmer, Frühstück, Mittagkffen und Fcnfion bsi dsn Gastköskn finden, weil er danach schon vor An_tritt dsr Rsise fich ein genaues Budgkt aufstkllen kann. Andkrerxeits find ren Einzelm'n Tourcn cine Ncich bon Rathschlägm für Radfabrsr, dkn Angabkn über Eisenbahnen, Wagenfabrten und Fußtouren entsprachsnd, hinzugéfügt worden: was der täglich wachsen- ksn Zabl dsr Freundk dicsks Skorts stcbsrlich wiUkommen sein wird. Ferncr babsn auch bcreits fie ncus Harxqusrbabn von Nordhauscn nacb Wernigxrvd? und _kie von Kieser L_inis aszeigendc Brocken- babn_ Berückßchtigung Wunden. Tv: Ulbsnastung ist ebenso praktisch wie früher.
_ "Or. A. Petermazm's Mittbéilungen aus Justus PertbeW Geographischsr Anstalt. HerauSge 65811 von Plif- 131“. A. Supau. (thba, Justus Psrtbes; jäbrli 12 Hsfte zu 18 2 „k? __ Das 5. H(ést 43, BMW (1897) bat folgkndcn I;:- balt: Ru s11che topographische und kartographische Aufnahmen in Sibirikn im Jahre 1895, Von Gäneral-Major z. D. Krahmer; _ Ein_e Naturforscherfabrt nach dem Litoral des südlickzen (Guyana zwischen Oyapock und Ynxazonenstrom, rbn Or. Emil A. (Göldi (Schluß); _ Vorschlage zur svstxmatikchcn Erdbebenforscbnng in den einzelnen Ländern, Vortrag, gkbaltsn auf dem T11.Deutscben Geographentage von Profsssor Dr. A. Supau; _ Klkincre Mit- theilungen (Der F11.Dcutsche Geozzlrapbcntag in Jena, 21. bis 23. Avril 1897, von Profcssor Dr. . Supara; Zur Neuausgabe von Bergbaus' 0111111 0k 1110 1701111, Begleitwotte zur Karte. Taf. 4, von H. Wichmann 2T.), Gsogravbischer Monatsbericht, VLi- lage: Literaturbericht. _Karten unter Redaktion Von 131". Br. Hassen- stein: Taf. 9. Russisch-Asien und Franz Josef-Land zar Ueberficht der Sibirisch-Mandscburischkn Eisenbahn und der Aufnahmen bon F. Nansen 1893/96, F. Jackson 1894/96 und A. Wilkizki 1894/95. Ausschnitt aus H. Bergbaus' (?bart; of" 1110 Work“], 12. Aufl., gänzlich neu bearbeitet von H. Habenicht und Br. Domann.
Land: und Forstwirthsthast.
Die Preußische Staats-ForstVLrwaltung betrachtet es als eine ihrer Aufgaben, im Jntsresse d:“r Landeskultur auf den Lolzanbau in den Waldungen der Gemsinden, öffentlichen Anstalten, rivatgrund- befißer u. s. w. anregend und fördernd auch dadurch einzuwirken, daß fie gutes Pflanzenmaterial zum Selbstkostenpreise denjknigen Wald- besißern ainebt, welche nicht Gelegenheit baben, sich die erforderlichn Pflanzen sc bst zu erziehen. In der Zeit vom 1. April 1896 bis dahin 1897 sind auf diese Weise an Holzpflanzen aus dsn Staatsforsten abgegeben worden:
Laubholz
Nadelholz
Hunderte [(LC 60] [60
Zusammen In der Provinz
45 382 75 47179 56 2 352 51 48 335 12 50 687 63 1 059 00 84 722 06 85 781 06 1 144 88 6636 54 7781 42 23 332 44 24088 19
OsterUßen ...... 1 796 81
W:stpreußen . . . . . Brandenburg . ommern
Yosen . . , . . . . 755 75 Schlesien ....... 916 54 9685 63 10 602 17 Sacbsen ....... 529 21 30 338 24 30 867 45 Sch eswig-Holstein. . . 185 501 356 36 541 86 annover . . 2837 33 65 789 10 68 626 43 eftfalen . . . . 539 86 2036 14 2576 00 effen-Naffau ..... 1420 93 13 025 09 14 446 02 beinprovinz . . . . . 2346 87 6914 47 926134
Im ganzen Staat . 15 8851 19] 336553 94] 352439113