1825 / 93 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung, Fri, 22 Apr 1825 18:00:01 GMT) scan diff

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die Schi e bleiben" auf ihren Ankern mitten im Flusse, wo sie gxfgen Wind und Wetter sicher find, währeiid die Mannschafc sich vo11 den Beschwerden der Reise am Lande erho.lc,_und die Schiffspatrone 'mit den_Kau_f- leuten wegen neuer Frachten uurerhandeln. Dies ist das "lebendige Schauspiel, welches London unterhaib der Londoubrücke darbietet. Weiter hinauf bewegen fich nur große, schwere, zur innern Schifffahrt dienende Fahr- zeuge ohne Maske und_ leichte Schiffchen, welche zu Spazierfahrten _benußt werden. .

Es war also nicht daran zu denken, den schiffbaren Theil des Flusses durch Anlegung einer neuen Brückr zu beschränken. Andererseits aber konnten und können bis jetzt die Einwohner des Stadtviertels der Doofen, eines sehr volkreiehen und besonders handeltreibenyen Viertels, nach dem rechten Flußufer nur mit Hülfe vou Schiffchen gelangen, welches Mittel höchst unbe- quem und in vielen Fällen ganz unbrauchbar ist; oder sie müssen sicl) entschließen o_en Umrbeg über die London. Brücke zu_machen, der für Einige unter ihnen LF engl. Meilen beträgt. _

Unter diesen Umständen erschien der unterirdi1_che Weg als allein dazu geeignet, die Aufgabe zu löien. Schon vor "funfzehn Jahren hatte man einen fruchtlo-

sen Versuch gemacht, diesen Plan auszuführen. Die 9

Hindernisse, an denen er scheiterte, sind bekannt. Aber das immer lebhafter gefühlte Bedürfniß, ein stehendes Verbindungs-Mittel zwischen beiden Ufern zu haben, hat die Aufmerksamkeit der Kunstverständigen abermals auf diesen Gegenstand gezogen. Ein „Ingenieur, dessen Ruf bereits, durch den schönen Bau der Werfce zu Chatham und durch die sowohlxdorc, wie bei den Werf- ten in Portsmouth eingeführten vortreffiichen mechani; sche11.Werke, in England begründet ist, Hr. Brunel, hegt die Hoffnung des Gelingms, da indessen das ge- wöhnliche Verfahren der Bergleute hier nicht angewen- det werden konnte, so mußte Hr. Brunel ein Neues ersmden, welches ihm auch geglüékt ist.

' 'Der Ort., Wo der unterirdische Weg angelegt wer- den soll, ist 1.2 engl. Meile von der lehrenBrücke ent fernt. Der Fluß ist daselbst 800 Fuß *) breit,. und wiewohl er, erwgs weiter aufwärts eine viel geringere

Breite hat„ . so konnte “doch, wegen anderer örtlicher“

Hindernisse, dieser Vortheil nicht benutzt werden.- Die Breite der Themse ist hier jedoch geringer, wie an der Waterloo - Brücke, wo sie 1150 Fuß beträgt.. .

. Zuvördersk kam es nur darauf an, die' Tiefe des Wassers-und 'die Beschgffenheit des Bodens am Orte; wo gearbeitet werden soUce, zu untersuchen.- Der Fus; bietet an dieser Stelle“ (zur" Zeit der hdchstrn Fluchen) eine Tiefe von 32 Fuß bei der Fluch und “von 12 Fluß bei der Ebhe dar. Der Boden ist auf 19 Punkten, bou-

denen jeder 40Fuß vom andern eut_fert“1t'war, untersucht; worden, hierdurch har, man, unter dem Waffe:", folgende“

Schichtung _ erkannx :

Unmittelbarer; Flußbetk, Kies und Sand ZFu'ß ZZÖÜ' * _ “miger Oeffnungen haben.

Eine Schichr von Thor; 'ugidSand un;- termischt.„..ZI...,.“ .. 11“--1

ReinerfésterFl1ot1 . . ._ . . . 35 x -- -

. Durch, diese Thonscbichc soll die Gallerie gehn: 1111!» bietet Erstere,„i'n Herxganzen Länge .des Weges“ keine Verschiedenheieen dgr, so ist die Beschaffenheic'des Bo- déns dein“ auszuführenden, Werke sehr günsiig; da nur die oberen S_chiaxtxn dem Bau der Einfeihrien in die' Gallerie “einige Schwierigkeiten etitgeg_en_-seize_n_ werden. Die Gallerie, oder das“ Geivölbe“1'elbsk, wird sch von'beidrn Enden sanft nach der Micce'ZU “neigen; und zwar jo,

*) Wenn iti-diefem Auffaße vdwFuß- und Zoll-Maaß die Rede iß, so ist immer französisches Maaß gemeint.

daßder Rücken des-Gewölbes _an beiden Enden 30, Und iwder “Mine, * am „niedrigsten Punkte, 50 Fuß c;, wie der Wasserspiegel und die Ufer, bei mitiierem W, serßande, sein wird. Mit Rücksicht auf die Uneb“ heiten des Flußbettes wird hiernach das Gewölbe v' ?sWasser durch eine Erdschicht von 16 bis 24 Fuß getreu“ ein. Da nun die Gallerie soweit unter den Fluß-Uf, anfängt, so hätte man die Einfahrten in dieselbe, j Fall man se 'in gerader Linie fortgeführt hätte, um Abhang nur erträglich zu machen, in einer großen E.. fernung (etwa 800 Fuß) von den Flußufern anleg müssen. Um diesen Uebelskanö“ zu vermeiden, wird ßch jede Einfahrt in einer Spirallinie um einen Cylino winden, ' der ungefähr 70 Fuß im Durchmesser hab; und dessen Axe von den Ufern der Themse 150 *bis 21.-„ “Fuß entfernt sein wird. In zwei Wendungen gelan die Emfahrc auf den Boden der Gallerie, d. h. 45F1 tief." Die Einfahrt wird eine hinreichende Breite“. ben, daß zweiWagen einander ausweichen können. Auch beabsichtigt- Hr. Brünel, eine Wendeltreppe in dem innern Raum eines_Bru nens (von 50 Fuß im Durchmesser) anzulegen, derz schen der Oeffnung der Einfahrt und" der Gallerie raben und auf den Anfang derselben stoßen soll. Die bloße Gallérie wird. 950 Fuß, das ganzeWe mit Inbegriff des Durchmessers .der Einfahrts-Cylinx ungefähr 1200 Fuß langr sein. Der zu grabende irdische Gang, der die Gallerie aufnehmen soll, ist ei prismatische Aushöhlung, deren scheitelrechces Pro _ein 18 Fuß 8 „Zoll hohes und 32 Fuß 8 Zoll breit“ Rekcangel zeigen wird. Dieser Raum wird ganz

in seiner _ganzen Länge von zweigewdlbcen Gäng durchzogen wird, deren jeder 10 Fuß breit und 12 Fu doch win soll. Damit aber das Mauerwerk dem Dux der anliegenden Erde um so sicherer wiederstehe, wer die beiden Gänge nach allen Seiten gewölbt, und 1__ also wie ein hohler Cylinder geformt sein (der B1 jedoch flach). Das obere (Gewölbe soll drei ga] Maverst'einlängen haben“, und dessen „Dicke also 30 3 betragen. . . , Von den 10 Fuß, die jeder “Gang im Lichten h“- wird, find 6 für den Fahr- und 4 für 2 Fuß- (Troctoirs) bestimmt; in dem einen Gange werden | die Wagen und Fußgänger nach der einen, in dem * 'dern n'ach. 'der andem Richtung hin bewegen. Da ungeachtet des dicken Mauerwerks, _dui, Wasser eindringen“ dürfte, soll von dem niedrig Punkte der Gallerie ein schräger Cangi dieses Wo in einen unmittelbar unter einer der Einfahrten lie den Behälter führen, aus welchem es vermittelst "Dampfmaschine her ausgepumpt werden wird. _- Die Scheidewand zwischen beiden Gängen, bestehi aus den sich an einander lehneuden Seitenwdlbuuz dieser Gänge,“ wird selbst einegwße Anzahl bogenf. Die "Oeffnungen werden . gefährso groß, wie die dazwischen stehen bleibend

für die Fußgän _

Allgemeine

reußifchc Staats- Zeitung.

M

93.

Berlin, Freitag, den 22|en April1825.

]. Amtliche Nachrichten.

_Kroxnik des Tages.

Se. Majestät der „König haben dem Lieutenant, imais im 1strn KÜrasüer-Regiment, Grafen Königs- cff anf Lohe den St. Zohannirer-Orden zu verlei- : geruher.

Bei der am 18- 19. und 20. "d. TN. geschehenen

einem Prisma von MauerWerk angefüllt, welches leß: „*UUI der 4k?" Klasse 51fter Kölügs- Klasscn-Lotterie

der Hauptgewinn von 8000 Thlr. auf No. 6035; *Geiviune zu 3000 Thlr. fielen auf No. 8094 und 9-9, .3 Gewinne zu 1500 Thlr. auf No. 25987- "5". und 48994; 4 Gewinne zu 1000 Thlr. auf No. ---: 22977. 38582 und 75655; 5 Gewinne zu 600 auf No. 12274. 12776. 20554. 55010 und 57107; Gewinne zu 200 Thlr. auf No. 3070.7006. 11038- x...: 40118. 42085. 55021. 66988. 77277 und 78698; . Gewinne zu 150 Thlr. auf No. 1989- 3523. 6455. "28- 28305 31171- 31412- 53967. 35255- 44186. -79. 46112. 46768. 50670. 52552. 52617, 54173.

“584- 57450- 65202- 70666- 70951. 74053. 81241 und .648; 50 Gewinne zu 100 Thlr. auf No. 5059. 6411.

2 1 396. 2 1 635. 29609. 31525. 41558- 43813- 49657- 57247- 66502. 682 52. 75734. 7849 1-

407. 13622. 17503. 17819. 18527. 45. 22843. 25855. 24212. 26162. «12. 59561. 40321. 40920. 41320. - 45258- 46547. 48638. 48664- 38- 58102- 584'5- 62524- 64695. ***-* 72443- 73057. 74996- 75041-

. .17. 81698. 81936- 8-1972- 84-145 und 84998- '

Der Anfangrer Ziehung der 5ten Kian": dieser terie "ist auf den 18. Mai d. J. festgeseßc, Bérlin, den 21. April 1825. KdnigUch Preußisch? General x Lotterie- " Direktion.

MUUSMUUL skin. .Die Laternen; die narürlichTag. .

Nakht in diesem Wege brennen müssen, werden an d

Skylußsteine jedes .Bogens der Scheidewand häu

und „folglicb-beide Gänge erhellen. „ohne die faLren und Fußgänger durch ihren Schau m der Ent ern

'btmdm. . . *" (Schlus folgt-)

K ö*“niglich"e' „S*ch'a !: spj elt.__ Donnerß. 21. April. ZmSchauspielhagse: Zum?“ jkemuale:-Scl)wur und Rache, Trauerjpiel m 421, t

“von G. A. v.“ Malciß. .

Gedruckt bri Feister.

Redacteur „Joh

_ 11.- Zeitu-ng-s- Nachrichten.

An's'lan d.

Paris,“ 15. Avril.“ In der Sißung der Depu- rten-Kammer vom 12. äußerte fiel) der Minister

bh“ rG'eistlichen, Angelegenheiten über das Gesetz

gen des Sarrilegiums folgendermaaßen: Das Sacri-

ium besteht weder in einem Gedanken, noch in Wor-

ten, noch in Schriften, noch in Drohungen gegen die Religion; es bestrbr in einem materiellen Angriff, in einer Tbätlicbkeit, die an einem geweihten Gegenstande ausqeübt wird. Dies reicht hin, um die chimäriscbm Besorgnisse hinsichts der Ausdehmmg des gégenwärtiqen Geseßrs zu beseitigen. 'Von jeher ist das Verbrechen “des Sacrilegiums bcßrafc worden; denn man hat von jeher überall eine Staatsreligion anerkannt, und diese als die wahre Religion angesebn. Umsonst will man behaypcen, das SacriiegiuNFönne nur vor dem inne- ren Foro beUrtheilr werdcn," indem*es eine Sünde sei; denn wenn auch diese Behauprung einen Schein von Wahrheit für sick) hat, so bleibt es dennoch ausgemacht,

.daß das öffentlick) begangene Sacrilegium die" Gesell-

schaft selbst verletzt, es isi ein Frevel gegen die ganze gesellige Ordnung, ein Verbrechen. Das Evangelium ist zwar sii: Gesc? reich an Gnaden, es ist ein Gesch der Barmherzigkeit; dessen ungeachtet darf mcm aber die heftigen gegen die Religion gerichtetenAngwffe nicht dulden. Auch ist das Gesetz mit der Charte nicbt iin Widerspruch. Es ist durch dieselbe jedem Cuicus ein gleicher Schulz gesichert, aber die catholcscbe Religion ist die Reliaion des Staats.“ und dies Wort darf nicht ein leerer Schall sein. Die nationale Religion nimmt das Dogma der leiblichen Gegenwart als Grundlage an. Wer gegen dies Doanm dnrch äußerliche Handlungen frevelt, begeht ein Verbrechen, das Verbrechen des Sa- crilcgiums. - In der vorgestrigeu Sitzung sprach Hr. Bertin-Deveaux gegen das Gesetz, und suchte zu beweisen, es sei mir dem Geist: und Worte der Charte im Widerspruch, es sei ein Mißgriff bei dem jetzigen sittlichen Zuskande und endlich eine Beleidiguvg der öf- fentlichen Meinung,. die der Religion nacvtheikig sein würde. - Hr. Dübourg suckite die Nothwendigkeit des Gesekzes darzurhun. Zu dieser Béziehung führte er an, daß, bei der in Beziehung auf Kirchenentheiligung nnd Kirchenraub in den Gesetzen vorhandenen Lücke, der Kirchenräuber viel gelinder bestraft werde, als der Dieb, der den unbedeukrndsten Gegenstand aus einem bewohnten Hause stiehlt, indem sein Verbrechen nur als

“ein in einem unbewohnten Orte begangener Diebstahl

bestraft werden könne und bestraft würde. --' Hr. Cha- baud-Lakour fürchtete, das Gesetz werde unter den Protestanten Unruhe und Besorgnisse erregen. -- Der Siegelbewahrer kündigte an, die vorliegende Frage sei schon so gründlich erörtert worden, daß ihm nur

übrig bleib-e, *die Argumente dafür und dawider zusam-

men zu tragen. Hierauf faßte er in einer improvifir- ten Rede, die zwei Stunden Lauerte, das Ganze zu- sammen, widerlegte mit den nämlichen Argumenten, wie früher in der Pairskammer, die vorgebrachten Ein- wendungen und schloß mit dem Antrag:, das Gesch anzunehmen.

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