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tragischen Schönheiten dieses Stücké ihren Beifall nicbt versagen können; alle aber stimmch darin überein, daß die Cataftrophe nicht hinreichend vorbereitet, und Über- haupt nicht so gestaltet ist, um gcoßen Beifall auf ei- ner französix'chen Bühne einzuär'ndten. Der bekannte Critiker Martaiuville sagt jm Drapeau blanc: „dies Stück ist ein tüchtiges, derbes Drama, das aus" einem Schillerschen Stücke genommen rst, welches den Titel bürgerliches Trauerspiel mit Recht führt; denn wenn man im deutschen Werke auch einige tragische Incen- cionen nicht verkennen kann, so wimmelc es doch von bürgerlichen Lächerlichkeicen und niedrigem Geschwätz. Dies nennen die Anhänger der dcutscbcn Litteratur, „sublime Gegensätze.“ Der französische Beaxbeiter, Hr. Gustav von Wailly, ist dem Ortginal meistcns cr-eu geblieben. Einige Veränderungen smd nicht glücklich, z. B. hat der UeberjeHer aus dem deutschen Präsiden- ten, welcher im Original recht deutlich als der erste Minister des Fürsten bezeichnet wird,“ einen bk'oßen Präsidenten, man Weiß nicht wovon, gemacht. Das Journal des Debacs glaubt, daß der Ueberseßer hierin weniger seinem eignen Antriebe als der Weisung der Theater-Ceüsur gefolgt ist. Wie es auch sein mag, so hat diese Veränderung eine Schwächung der Charaktere und der Situationen hervorgebracht und dem Ganzen eine matte Farbe gegeben.“ _Die Scene, Lady Milford den Brillanxenjchmuck gebracht wird und worin fie erfährt, daß dieje Steine mit dem Herzbjucc der Landeskin-der erkauftsnd, “ist gänzlich weggelassen. Wenn der Ueberselzekdies gethan hat, um gehäsfige Anspielungen zu veumeideu, so hat er seinem Werke durch eine [“e-"chr übel angebrachte Delikatsse sehr ge- schadet. Braucht man denn in einem Lande, wo die Güte und Wohlthästgkcic selbt? auf dem Throae fißt, wo diese Tqurben' ihren“ CMfiuß zum Besten aner Unglücklichen täglich äußernx'dqs Gemälde von Lastern zu scheuen, die der Zeix und dem Orte so fremd smd? Die“ natürliche Folge dieser“ Weglaffung ist, daß der Encschluß der Lädy Milfo-rd, mit cinem'mal aus Pflicht- gefühl allen Vorzügen des Reich tms. und der Gunst zu entsagen viel zu *:MsCk) 'U-l1_d.:«s “dend schant, gar nicht hinlänglich n:otivirt,“und Ioknahe- unerkiärltch ist", weil er durch" nichts vorbereitet und herbeigésührc ist. Der Uebersefzer hat ferner, man weiß nécht recht warum, aus “de,.w Hofmarschsall einen Groß-Sencsckxal gemacht. Er [)Ükexaber nicht 'verges-en sollen, daß die Seneschale nicht Hofbeamce, sondern Justizbedience wa- ren, welchen ihre amcliche Stellung Leinesweges die Thüren der Hofzimmer öffnece; auch diese Verän- derung is: eine Quelle von Unwahrschcinlichkeiten. Glücklicher hat es der Ukbersekzer getroffen, indem *er dia Rolle von Luisens MUtter ganz wsggclassen hat, die auch in Deutschlanv einen höchst umangenehmen Eindruck hervorbringt. -- Was die Classicéskcn am meiscc-n in Erstaunen sekzc, is!: die Kühnheit, welche der französische Schriftsteller gehabt hat, eine Person, wie die Lady Milford auf die französtsche Bühne zu bringen, und se räumen ein, das; der Verfasser des Originals d-ée damit verbnndemen Schwierigkeiten sehr glücklich überwunden hat. Die großs Scene z1vi]"-..)en ihr und Ferdinand ist ganz treu und sehr gut übersetzt Und hat iyren Effekt gicht verfehlt; wogegen der*Eit1druck der Scene zwischen Luise und Lady Milford in der Uebersetzung sehr geschwächt ist. Der le'kzce Akt ist der- jenige, worin der Bearbeiter am meisten vom Original abgewichen ist; er läßc Lady Milford ihrV'ermögen dem
worin der"
ar'mcn'M-iller qbtrßten, wodurch der Präsdcnt bewogen wwd, [eme Emwtlligung zur Ehe zwischen Fsrdénand und Lucse-zu geben, und während Miller zum Notarin
Allgemeine
Y*xck?.:f*.;.;*:?“dkaFéxxfoUIF,“k*§.:i".ö.".s.:h7:4122323: P r e u ß :“ fck e S t a a t s .- Z e [' t u n g.
Lgije von. diesen Umständen unterrichtet ist, slch und seme Gelcxbte, jedoch nicht mit Limonade sondern mj Thee vxrgtfcer. Das Journal des Debats meint, de Hauptkehler. des Stücks sei, daß zu viel Laster und Schlechttgkeec auf die Seite des Landesherrn und seine Umgebunzzen gelegt sei, während alle heroischen Tugen- den, der Adel der Gefühle, die Wohlthäcigkeic und de Muth, stcs) ein Rendezvous in den Herzen von zwe" Frauen gxgeben zuohaben scheinen, deren eine die erst Tugend thres Gejcl)lecl)ts abgeschworen hat, und di anoxre durch ihre Stellung im Leben' und durch ihr Erztehung enur berufen zu sein schei:1t, die stillen Tage den des _hausljchen Lebens auszuüben. Der Ueberseh (_)qc auch! das Herbe der Original-Charaktere gemildert |em Prasident ist nur ein stolzer, ehrgeiziger Mens uzrd dae ga'nze Lasterhaftigkeic des Präsdenten ist de t1cederträchtegen Sekretair beigelegt, von welchem er d' Schwachheit hac, steh leiten zU'lassen. Vielleicht ist da nachstehende _Urrheil eines früher" Ueberseßers und Be ehrers von „Schiller hier von Einfluß gewesen: „D“ Idee und dce Ausführung des Stücks trägt einen en
'schiedenen Charakter von Feindschaft gegen die höhe
Classe der Gesellschaft, se ist in eiyem falschen und g zxpungenen Lechce dargestellt. Schiller konnte fich rühm etdn Utzgeheuex hervorgebracht zu haben, wie es in d Geseüjckxasc tztchc existirc. Die Verderbcheit des Prä deencet) :| bas zu einem Exccß betrieben, der alle v nunfxxgen „Gränzen überschreitet. .. . Es war gar ni- nßthtg, thm so derbe Verbrechet__1 zuzuschreiben. M wrrd dgdurch an die Bemerkung eines Mannes erinne der bet der Vorstellung von Atre-as und Thyestes ä
.ßcrte: „Es würde doch_ sehr unangenehm sein, sosch l
'))?enschen in der Gesellschaft zu begegnen.“ Lleber-selzu11g oder Bearbeitung ist übrigens, nach de Urchecle aller franzöfischen Blätter, in sehr guten Ve „sen ge[ch'rteben, und ist bis auf den lelzcenAkc mit gr ßem Betsall aufgenommen worden. Eine and Yéqchayxnucng des Schél1erschen Stücks war vor einig OST aus emem kleinen Theater als ONelodrama, unt yen1T§rel „die Tochrer des Musikers“ gegeben worde ;_n- dtejexn Stücke ist aber Ferdinand nicht der M-örd ]etner S_eltebten, da dies-r freiwillig ihrem Leben 0 txeunrodt1ch6 Welse durch Kohlendampf ein Ende ma-
Y
Königliche Schauspiele.
Sonnabend, 4. März. Jm Schauspislhause: Zu Frsténmale wiederholt: „Geheime Rache für geheim Zchnnyf,“ Trauerspiel in 3 Abtheilungcn, aus de Spantjchen des Calderon überseßc und für die Dorst 1ung bearbeitet. Hierauf: „Die Verstorbene,“ Po m 1 “Auszug, von C. Lebrün. Fortscszng der Pos] „ Nammcr 777.“
. Sonntag, 5. Nkärz. Jm Opernhause: „Der W bter von Sevilla,“ L_omijche Oper in 2 Abtheilunge Musik von Rossini.
Im Scham'pielhanse: „Das Käthchen von He bronn,“ großes Ritter; Schauspiel in 5 Abtheilunge nebst einem Vorspiel, genannt: „Das heimliche © richt,“ vonH.v. chésr. (Mlle. Carol. Bauer: Käthchet
Gedruckt, bei Feisccr'
und Eiserödorff. Redacceur J o hn.
“ihm ausgefertigte Bestallung AllerhöchslSelbsk zu voll-
Paris.
. bei dem Könige;
„KH 55.
Berlin, Montag, den 6cen März 1826.
Amtliche Nachrichten.
Kronik des Tages.
Des Königs Majestät haben den bisherigen Regie- rungs-Ratl) Borenc bei der Regierung zu Marien- werder zum Geheimen Regierungs-Rarh aller- gnädigft zu ernennen, nnd die in dieser Eigenschaft für
ziehen geruher, „
Des Königs Majestät haben den bisherigen RQ)- nungs-Ratl) Rose zu Trier zum Regierungs-Rattz bei der Regierung zu Cöln allergnädigst zu ernennen, und daI Patent für ihn Allerhöchstselbjk zu vollziehen ge- ru et.
!
Der bisherige Privatdocent Dr. von Bohlen in Königsbérg in Pr. ist zum außerordentlichcn Professor in der dortigen philosophischen Fakultät ernannt worden.
Der bisherige Oberlandesgerichts-Referendarius Robert Barth ist zum Zustlz-Kommissarius bei den Untergerichten im Departement des Oberlandesgerichcs zu Frankfurt, mirAnweisung seines Wohnsitzes énArns- Walde, bestellt worden.
Angekommen. Der Fürst von Lichnowsky, von Breslau,
Durchgereist. Der Kaiserl..Rusfische Feldjäger Ioussew, als Kourier von St. Petersburg nach
Axbgoreisk; Der Landgräfi. Heffen-Homburgsche Hof-Marschal1 und außerordemlickx Gesandte am Kais. Russ. Hofe, Eichen-Walduer von Freuudstein, nach St. Petersburg. »
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Zeitungs-Nacl)richten.
“Ausland.
Paris, 27. Februar. Vorgestern war große Cour die Gräfin Appony“ wurde S. M., den Prinzen und Prinzessmnen vorgestellt.
Vor einigen Tagen erschien vor Dem hiesigen Zucht- polizcigexicht dcr Wirth eines Gasthofes und verklagte den Eigenthümer eines Eleplxantcn, welcher in einem Anfalle von Wut!) seinen Stall zertrümmert, einen Wagen und mehrere andere Gegenstände zerschlagcn
hatte. Der Gastwirth verlangté Schadenersaß. Der Aövokat des Elephantenft'xhrers behauptete in seiner Vertheidigungsrede, die Wahrheit der Anführungen, die von beiden Seiten geschehen wären, könnte eigentitch nur durch Cicirung aller Partheien in Person bewiesen wer- den. Er räumte ein, daß der Elephant einen Ausfall gethan habe, suchte aber zu beweisen, daß die bereits als Schadenersaß bezahlte Summe hinreichend sei) um die Verheeruagen dieser nächtlichen Campagne wieder gut zu machen. Der Kläger hat _1jbrigensxfuhr der Advokat fort, den Charakter tneitfss'Clientxn verläumdet, denn es ist bekannt und Büffon hak'es schon gesagt", daß der Elephant sanft, ernst und nicht zum Zams geneigt ist; übrigens muß der Kläger wohl das“1'c[)otxbezahlce Schmer-
,zengeld als hinreichend angesehéis haben, ,sonst würde
den Elephancen nicl)r,-wi,e“ geschehen ist,“ haben fortreisen, sondern wie er das ÜRéchc dazwhatte; zur Sicherstel- lung seiner Forderung", eineg Personal-Arresk erwirkt haben. Die ganze Verhandluag und besonders die De- fcnsion waren für die Zuhörer sehr bélustiq-nd.
Eilf zur KiM von 1824 gehörewde Rekruten find überführt worde: '„sa-ä) muthkieh“ver|immelt zu haben, um sick) dcm Militdirdicnfte zu entziehn; *ste sind dem; “ nach zur Pionier-Scraf-Compagnie auf der Znsel-Oleon abgeführt worden, ' "
_ Fünfproc. Rsnre 96*98„Fr. 40 . -- Dreéproc. 64 Fr. 25 C. 4.64. Fr.“ 60 C- 7 .
London, 24. Febr. Der im Unterhause von Hrn: Ellice gestern gemachte Antrag: daß sämmtliche Peti- tionen gegen die Einfuhr fremder Sside an einen be- sonderen Ausschuß verwixsen w:»rden sollten, _wurde von Hrn. Willrams lebhaft Unterstützt, wobei diejer zugleich das liberale H.:ndels-System der Minister im Allgemei- nen angriff. Hr. Husktsson fand [ich unter dieejen Um- scänden um so mehr bewogen, sch umständlich uber die- ses System auszusprechen, nachdem er fich zuvördeyst gcgen einige mehr persönliche Vorwürfe des Hrn. Wri- ltams verttzeidigc hatte. „Die Herren, sagte er,-ha»ben aesprOchen, als wenn die Wkaaßregeln, gegen dte lhre Vorträge gerichtet waren, nicht im Parlament bespro- chsn, nicht vor 18 Monaten Landeögejekx ge:p_orden wä- ren. Sie'scheinen hauptsächlich habxtz deweqen wollen? daß die Handelsprincipieu, welche 1th den letzten zwe; oder drei Jahren im Parlamente herrjchten und darauf abzwcckten“, alle Handelßbeschränkungen zu entfernen und die Ausdehnung der ONanufaUUkeU- dez GEMM- fieißcs, die Verwendung der Capitalien mögltchsr z_u er- leichtern, an der gegenwärtigen Lage des Landes 1chuld seien. Es handelt fich also darum, ob die .Bar-bote und das Restrictions-Syßem wieder allgemem emgcsührt und der geschehne Schritt zu einem bessern Stxscm der Handels-Pokétik wieder zurüÉgatHan werden 1olle-odcr nicht. Wir müssen, Wenn letzteres statt finden jollce,