1889 / 259 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Wed, 30 Oct 1889 18:00:01 GMT) scan diff

Hänle gegen die Erhöhung für die Großbrauereien und jpdann der Ftnanz-Mimster Dr. von Riedel. Der_ Mmister rechtfertigte, dem „W. T. B.“ zufolge. die Ermäßtgung der Malzsteuer für die Kleinbrauer und „dle Erhöhung derselben für, die Großbrauer mit der Emfü xung dex: Fabrka betr1ebes statt der früheren handwer ltchen V1erbrauere1 Fit Einführung des erhöhten Malzauffchlags. Bpm ahre 1876 bis zum Jahre 1888 habe der ]abrltxhe Verbrauch der Kleinbrauer an Malz um 400 000, der1emge der Großbrauer um 900 000 111 zugenommen. Dux gesammte Bierproduktion Ba erns habe seitdem um 108 Prozent, der Export um as Vierfache, der Export m das Ausland um das Sechszehnfache zugenommen. Der Geseßentwurf, schädige keineswegs den Export, sondern führe die nothwendige auSg[eichende Gerechttgkeit her- bei. Eine noch mehr verschärfte Konkurrenz im Inland gls Folge des Geseßes sei nicht denkbar. Gerabe der unersättlt?e onkurrenztrieb habe die Einbringung emes neuen M9 €- aufschlages beschleunigt. DerFinanz-Minister erklärte sich schlte ? lich allenfaÜ-Z dazu bereit, den Steuerzuschlag von je 25,3 erst bet 40000 111 Malzverbrauch und den Zuschlag von50 43 erst bei emem solchen von 70000 einzuführen. Die angedrohte Erhöhung der Bierpreise um 2 ,:3 pro Liter sei ungerechtfertigt, da der Steuerzuscblag nur 1/5 ,:Z au5mache. Der Gefeßentwurf nehme das ntereffe des ganzen Landes wahr. Die Debatte wurde schlie lich auf morgen vertagt.

Sachsen. Dresden, 29. Oktober. Se. Königli e Hoheit der rinz Georg, Herzog zu Sachsen, und Höck) = dessen Fami ie haben, wie das „Dresd. Journ.“ meldet, heute daS Palais auf der Langestraße bezogen.

Württemberg. Ludwigsburg, 27. Oktober. „(SOA, f. W.) ("hre Königliche Hoheit die Prinzessin W1[heln_1 ist heute “ZZNittag von dem etwa dreiwöchentlichen Besuche ber ihren erlauchten Eltern in Böhmen hixrher zurückgekehrt. Se. Königliche Hoheit der Prinz erhelm war mxt dxr Prinzessin Pauline bis Marbach seiner hohen Gemahlm entgegengefahren und kam mit Höchstderselben auf dem hiefigen Bahnhofe an, wo beide hohe Herr- schaften von dem zahlreich anwesenden Publikum wärmstens begrüßt wurden. Nachmittags begaben sich Höchstdieselben emeinfam nach Stuttgart, statteten Ihrer Königlichen oheit ber Prinzessin Catharina einen längeren Besch) a und nahmen hierauf an der Hoftafel bei Ihren Majestäten Theil. Nach Aufhebung der Tafel kehrten Ihre Königlichen Hoheiten hierher zurück.

Baden. KarlSruhe, 27. Oktober. Am Freitag haben die Landta Swahlen im 2. Bezirk (Meßkirch) und im 47. Bezirk ( annheim) stattgefunden, wo die national-

[iberalen Bewerber gewähltworden sind. Es stehen nunmehr no,ch zwei Ersaßwahlen aus. Gegen die Freiburger Wahl wurde Seitens der ultramontanen Wähler Einsprache erhoben, da angeblich ein neuer Wahlgang an einem späteren Wathage hätte vorgenommen werden solXen nachdem der erste erge nißlos gc- wefen und ein großer Theil er Wähler weggegangen war. Die Wahl des liberalen Bewerbers wurde aber von dem Wahlkom- miffar,welcher den zweiten Wahlgang unmittelbar nach dem ersten vornehmen ließ, für gültig erklärt, und nun wird die Kammer Über die Gültigkeit dieser Wahl zu entscheiden haben. Der neuen Kammer werden, der M. „Allg. tg.“ zufolgé, 46 liberale, 13 ultramontane, 2 demokratische itglieder, sowie 1 deutsch: freistnniges und 1 konservatives angehören; die beiden leßteren werden voraussichtlich in entfcheidenden Fragen stets mir der Mehrheit gehen. Die amtliche „Karlßruher Ztg.“ spricht sich über den Ausfall der Wahlen befriedigt aus, da es in der_neuen Kammer keinen Zwiespalt zwischen der Mehr- heit und der Regierung geben werde.

Mecklenburg - Schwerin. Schwerin, 29. Oktober. (Meckl. Nachr.) Se. Königliche Hoheit der Großherzog sowie Ihre Kaiserlichen Hoheiten die Großherzogin und die Großfürstin Wladimir trafen am 27. d. M.in Paris ein. Das Befinden Sr. Königlichen Hoheit ist besser, 'edocb muß der Großherzog heute das Zimmer hüten. Die eiter- reise nach Cannes erfolgt wahrscheinlich morgen.

Waldeék. , Aroxsen, 28. Oktober, Der zur diesjährigen verfaffurFmäßWen Stßung einberufene Lan dtag der Fürsten- thümer aldxck und Pyrmont wurde heute Mittag 12 Uhr im landstänwschen Sißungssaale im Gerichtsgebäude dahier von dem Königlichen Landesdirektor Hrn. Sakdern mit nachfolgender Rede eröffnet:

Meine Herren! Von Sr. Majestät dem Könige von Zpreußen durcb" Aüerböckzstcn Exlaß vom 4. v. M. ermächtigt. den andfag der Jgrstentbßmer Waldeck und Pyrmont zur diesjäbrigen verfassuygßmaßtgen FSUZung einzuberufen und zu eröffnen, begrüße ich Sie ber Ihrer heutigen Zusammenkunft mit dem Wunsch?, daß Ihre Verathungen und Beschlusse dem Lande zum Heil und Segen qereickden möchten. Ihre Muwtrkung wird in der bevorstehenden Session vor- zugsweise bet der Feststellung des Staatshaushalts-Etats für die Jahre 1890 bis 1892 in Anspruch genommen werden. Der Ent- wurf dazu'wtrb anen alsbald nach seinem in kürzester Frist zu erwar- tenden Wiederetngange von Berlin vorgelegt werden. Demselben liegt das Bestreben zu Grunde den wirklichen Bedürfnissen des Landes und allen Ansprüchem'welche berechji 1er Weise an den Staat gefteüt werden können, sowett die finanzie en Verhältnisse dies irgend ge- statten, zu entsprechen. Namentlich auf zrvei Gebieten wird darin den von den Betbeiligten der Regierung wie dem Landtage wiederholt in dringlichster Form vgrgetraaenen Wünschen Wohl Rechnung getragen Yin. Zur Gewabrung von Alterßzulagen für die olksschullebrer w_ie „aucb zur Verbesserung der äußeren Lage der Geistlichen „aller Bekenntnisse Werden, wie ich Grund habe zu hoffen, gervtffe aüerdings noch einigermaßen beschrankt: Symmen neu in den Etat eingesteüt sein.

Éexner wtrd Ihnen ein Geseßentwurf, betreffend die Erhöhung des, ertrages der Waldeigentbümer zu den Kosten der dem Staate obliegenden VerWaltun der Gemeinde- xmd Korporations-Waldunqen, und der Entwurf des „fats der Jmmobtliar-Feuerverficherungsan falt für [bie Jahre 1890 [ckck 1892 zur Beratbung und Beschlußfa ung zuge en.

Außerdem werde!) Ihnen die StaatskaffenreÖnung vom Jahre 1887, dte"Ueberszcht uber das Domanial-Stammvermögen, die Nack)- wejsung uber dre Yxrwendung der zur Hebung der Pyrmonter Kur- und Badeanstaltezt_1abrlich bestimmten 12 000 „M zur Wahrnehmung

.. der verfaffnngßrpaßtgen Rechte vorgelegt. Einige wettere Mittheilungen betreffen die Wahl eines Mit- * JFF? der Kommtsfion für das Heimatbwesen und dessen oweie ZZZULSCI die Verwletung dZt Registratur des Landtages, etreffend die "(betbubjzf FLZ YbschnbßtenaZeFllejährigenKLabjÖZIV“ ern U l)!" a U“ Wohnquoéldzl-schuffes und die Erhöhung zder Gebührzen

a den Landtag der Für“ Majestät des Kök'kgs von Preußen erkläre

men S der Klaffensteuerveranlagung. tsientbümer hiermit für eröffnet. ich

Reuß F. L. Gera, 29. Oktober. (Ger. ZFH n der heutigen Stßung des Landtages wurden zupa ahl- ri'tfungen erledigt. Alsdann erfolgte dte Wahl des YZräsidiums. Zum ersten Vorsißexxden nZuxde abermals der Abg. Fürbringer gewählt, zum Vtze-Prastdynten und_ zum Schriftführer die Abgg. ])r. Düger und Kants. Schlrele1ch wurde dann die Wahl der Ausschüsse vorgenommen.

Großbritannien und Irland. London, 29. Oktober. (A. C.) Hier eingelaufenen Nachrichten zufolge tft d1e dxm Herzog von Edinburg 111L1ssabonzugesioßene Unpaß- lichkeit keine ernste. Zn Coburg wxrd _der Herzog, w'ohm er zunächst zurückkeért, einen Monat blerbey und erst wxeder im Dezember in C arence House hierselbst emtreffen.

AUS Malta meldet ein Reuter'fches Telegramm, daß Prinz Ludwig von Battenberg daselbst am 27. d. xm Bord kW britischen Truppenschiffxs „Tamar“ a_nge_kommen xst.

Zur Feier der Kronprinzhchey Hochzett 1x! Axhen wurde am Sonntag in der gr1ech1schen_prhtenkrrche hierselbst ein Tedeum celebrirt. Der gxtechtfche Gesandte, der deutsche Botschafter und die Geschäftstragxr Rußlands und Dänemarks befanden sich unter den zahlretchen Anwesenden in der Kirche.

Belgien. Brüssel, 29. Oktobex. (W. T. B.) Der Präsident der britiséhen ostafrikantschen Gesellschaft, Mackinnon, und der Direktor derselben Geseüschaft, Mackenzie, sind hier eingetroffen.

Serbien. Belgrad, 29. Oktober, (W. T. B.) _Die Königin Natalie hat gestern dem Metropoltten Michael einen Besuch abgestattet. ' _

Einer Meldung der „Narodny Dnewmk“ zufolge 1ft bereits ein Theil der auswandernden Montenegrtner, ungefähr 1380 Personen, nach Serbien abgegangen und dürfte bereits am 1. November eintreffen.

Montenegro. Cettin'e, 29. Oktobkr. (W.T. B.) Der Fürst Nikita hat, der , ol. Corr.“ zufolge, dem, hiestgen österreichischen Minister-Refidenten Oberst von Milltnkovic den innigsten Dank auedesprochen für die_ Bereitwilligkeit, mit Welcher die bosnische LandeHregierung Unterstüßungen in AuHsicht gesteüt habe für die über das bosnisch:herzegowinische Gebiet nach Serbien au§wandernden Montenegriner.

Amerika. New-York, 28. Oktober. (A. C.) Die Seekonferenz nahm heute ihre Sitzungen wieder auf. Nach Annahme einer Resolution, wonach die endgültigen Reglements und Vereinbarungen in englischer, französischkr, dcutscher und spanischer Sprache veröffentlicht werden soUen, schritt die Konferenz zur zweitsn Lesung verschiedener Segelordnun en sowie der Zusäße dazu, von denen es bereits 86 giebt. er Zusaßantraa, daß ein Dampfschiff unter Segel aber nicht unter

ampf als ein Segelschiff, und wenn unter Dampf, gleichviel ob es segele oder nicht, als ein Dampfer betrachtet werden solle, gslangte zur Annahme.

Die Mitglieder deS Pan:Amerikanischen Kongresses besuchten gestern die Gold: und Silberschmelzerei zu Omaha und Teisten sodann von da nach St. Louis ab.

Nachrichten aus Hairy zufolge hat am 16. d. M. in Port:au-Prince die feierliche AmtSeinführung des Generals Hyppokife als Präsidenten der Republik Hayti stajtgefunden.

- 29. Oktober. (W, T. B.) Der Minister des Neuß eren von Guatemala erklärt in einem Telegramm an den hiesigen Konsul die Gerüchte von einer daselbst aus- gebrochenen Revolution für völlig unwahr. In der Provinz Santa Rosa hätten zwar Unruhen stattgefunden, wären jedoch innerhalb dreier Tage unterdrückk worden; gegenwärtig herrsche übetaÜ vollkommene Ruhe.

' Afrika. “Egypten. Aus Kairo, vom 28. Oktober, nnrd den „Dmly News“ gemeldet, daß Gerüchte Über einen ne_uen Vyrstoß dex Derw'iscbe die Grenze erreicht haben. DW Der_wxsche marschnen, w1e es heißt, von Omdurman m nördchher N1chtung.

Das neue deutsche Säyuchbiet im südlicben Somali- Land umfaßt, dcx „Köln. Zip zufolge, zur Zeit eine Küstsnstrecke von 35 Mmlen Lange. Jm Nord-n grenzt es an das dem Sultan von Zanzibar gehörige, nur zebn Quadratmeilen große Gebiet des Hafenß Kismaju, welcher den Schlüffel zum Juba, dem größten Fluß des mtlklcron Ost-Afmka, und damit zu den weitcn. gcsegneten Län- dern der Somali und Galla bis nach Abesfinien bin bildet. Der Hauptbafen des neum deujscben Gebietes liegt etwa unter 10 s. Br. an der Münb'utxg dks Flüßcbens Wubufckoi, wo vor drei Jahren die deuYscbe Stamm Hobcnonerybafen gegründet wurde. Im Süden schlreßt dre deutsche *.*-, omalt-Küsie dm Hafen von Kweio ein, von wo aqs bekanntlich Dr. Peters mtt dkr deutschen Emin Pascha'Cxpedition femxn Marsch ins Innere atxtrat. Nickt Weit von der Kweio- Bar fo'lgt „nacb Südwesttn bm bie Manda-Bucht, deren tiefer Einschnitt dix Grenze zwischen Deutjch-Somali-Land und dem kleinen deutsch€n thu-Lande bezeichnet. Letzteres reicht dann sÜWestlicb bis zu den] Tana-Fluffe, der Nordgrenze dcr Jntereffenfpbäre der Britisch- Ostafrtkaniscben Geseüscbaft. Im Süden wie im Norden der [este- ren erstrecken fich also jetzt größere deutsche SÖquebiete.

Parlamentaristhe Nachrichten.

In der _heutigext (H.) Sißung des Reichstages, welchxr der Vtze:Pras1dent des StaatS-Ministeriums, Staats- sekretar des Innern Dx. von_ Boettickyer, der StaatS-Minister von Verd "du Vernots, d1e Staatssekretäre Freiherr von Malßahn- ulß und Heusner _sowie andere Bevollmächtigte zum BundeSrath nebst “Kommtffarien desselben beiwohnten, the1lte der Prgfident xm Schreiben des Reichskanzlers mit, nach welchem dte Enthlrfe _für das Kaiser-Wil elm-Denkmal vom 9. November ab für dte Mitglieder des Re1chstages aus- gesteUt sem werden.

Als erster Gegenstand stand auf der Tagesordnung die Berathung des von dem Ab . Letocha und Genossen ein- gebrachten Aytyages, betre end die Einstellung des gegen dasuMquuxd des Re1chstages Stoeßel bei dem König- ltchen,Sckszoffenger1cht&u Essen resp. bei dem ReichSgericht zu Letpzm chwebenden trafverfahrens für die Dauer der Ses smn.

Nach einer kurzen Vegründun durch den Abg. Letocha gelangte der Antrag ohne weitere ebatte zur Annahme.

Darauf fol te dte Fortseßung der ersten Berathung des Entwurfs emes eseYes, betreffend die Feststellun des Reichshaußhalts: tats für das Etats'ahr 1830/91, tn Verbmdung mit der ersten Berathung des ntwurfs eines

Gese es, betreffend die Aufnahme einxr Anleihe für we e der Verwaltyngen des Rexchsheeres, dec arine, der ReichMtsenbahyen und_der Post und

Telegraphen, in weitxrer Verbtndung mtt der ersten Bx

ratbung des Entwurfs emeIUGes eHeS, betreffend Aende-

rungen des Reichs-Militargesetzes vom.2.Mai1874, Abg. von Wedelb-Malchow empfahl eme gründliche

Prüfung des Etats, memte aber, daß die nythwendiqen Aus-

gaben nicbt würden verweigert werden konnen. Ueber die roßen Militärforderungen_ wüxden der Budgetkomnzisfion ittheilungen zu machen-stm, dle stch darnach übex das Be-

wiUigung werde schlüsstg zu machexx haben. Dle Armee müsse jedenfaüs so ausgerüstet “sem, daß fie ]edem

Gegner gewachsen sei. Die Besetttgung der Zuckerexport-

prämien, die der Abg. Rickert gewünscht, sei so lange

nicht möglich, als andere Staaten dxeselben zahlten; es würde sonst die blühende deutsche Zuckerrndustrie ruinirt werden.

Die „LiebeSgabe“ von 20 (M an die Brenner, die nach dem

Abg. Rickert in dem Vranntweinsteuergeseß enthalten_fei, sei

nothwendig gewesen, wenn nicht das Brenneretgewerbe

der Vernichtung hätte preißgegeben sein solxen, die doch der Abg.

Rickert und seine Freunde ebenfalls nicht wünschen könnten.

Die Einführung der Reichs-Eink0mmensteuer würde, wenn fie

praktisch werden sollte, auch bei dem Abg. Rickert auf Bedenken

und Hinderniss stoßen. , Der Abg. Rickext habe sohann die

Aufhebung der landxvtrthschaftlxchen Zölle, dle eme Ver-

theuerung der Leben-Zrmttel zur Folge hätten, ve_rlangt; warum

habe er das nicht auch konsequ§nterweife' für dte Industriezölke gethan? Diese ZölXe hätlen ble Landwrrthschaft über Wasser gehalten und wieder kaufkräfng gemacht; mxt der Aufhebung dieser ZöÜe würde das ganze Erwbrbslxben der Natwn ruinirt werden. Der Abg. Rickert habe mit ferner Rebe nur die Sache der Sozialdemokraten gefördért. Den Vergletch mit Italien in Bezug auf die FreZheit könn? D'euxschlaud wohl aushalten;

Redner selbst möchte mit den ttaltemschen Verhältnissen die

deutschen 'nichk vertauschen.

Bei Schluß des Blattes nahm der Abg. Bebel daS Wort.

(Weitere „Parlamentarische Nachrichten“,_ insbesondere der Beruht über die gestrige Sißung 1. Beilage,)

Zeitungsstimmeu.

Das neue Sozialistengeseß steht noch immex im Vordergrunde der Betrachtung. So schreibt der navonakx liberale „Hamburgische Correspondent“:

„Legt man (in nationalliberalen Kreise? nach den wiederholten Erfabrungen, die man mit dem kbnsiitutfone en FormaliSmus gemacht hat, wie es Meint, nicht mebr unbedingten Werth auf die- Ablehnung eines dauernden Auénabmegeseyes, will man seine Zustimmun zu diesem Vorschlage des Bundesratbs nur wieder einmal möglichst auSZiebig VLXWthbLn, um swb das Anseben besonderer Selbständigkeit zu geben, so steht es doch außer aÜem ZWLifel, daß man dem prinzipieÜen Zugeständniß weder hat aus dem Wege gehen können noch wyUen. Es fragt fick) also, ob man es verantworten kann, in einer solchen staakkichen und nationalen Lebensfrage Fraktimrsvolitik zu treiben und damit die Entscheidung im Sinne einer vernünftigen Staatsleitung zu gefäbrden.

Wir lassen es dabingesteUt sein, ob sikh die verbündeten Regie- rungen auf Grund sachlicher Erwägungen noch zu weiteren Milde- rungen des Gesetzks berbeilassen können: aber es wäre für beide Theile ein trauriges Schauspiel, wenn sic dieserbalb von eitxcr regicrxngs- freundlichen Partei in eine Zwangslage versetzt würden. So großen Werth wir desbalb ach) darauf lesen.daß das neue Gases obne Frist- bestimmung erlassen wird, können wir es dock) nicbt befürworten, daß fich der Vunchratb in diesem Punkte miT dcm R:_ich§tage 'm einen Handel einläßt. Gerabe den Wünschen dex Naxionall'xbcralen smd die verbündeten Regierungen so bereitwiUig enwegeagékommen, daß ihnen eine moralische Verpflichtung obliegt, eino: enkxpreckyenden Erledigang der Vor'xage nicht unnötbige Schwierigkeiten zu bereiten. Dazu kommr, daß wobl selten ein Vorschlag 10 vortrefflich begründet wurde, wie es die§mal mit der Befürwortbng eincr unbescbxänkten Geltungsdaner des Geseßes geschehen ist. Es ist sicher richtig, daß sub in dem vorliegenden FaÜc eine Fristbestimmung nur auf die An- nahme zurückführen läßt, das; der Zweck des (Hkseßes ein voxüber- gehender sei, oder dax fich seine Bestimmungen als ungeeignxt erweisen würden. Der Sozialißmus ist indessen, wie jrßt Jeder zugeben muß, keine vorübergebende Krankbeit, sondern ein chronisches Uebel, und Nikmand kam: ernstlich bestreiten, daß fick) die Bestimmungen des Geseßes bewährt Haben. Wenn es aber ejwas giebt, was geeignet war, die Wirkung des Gesetzes abzuschwäcben, so war es die Frist- bestimmung, die es zu einem provisorischen, also zu einer halben Maßregel machte. Vor einem solchen Geseße konnte zumal die Masse der Bevölkerung von vornherein nicht den erforderüchcn Re- spekx haben, und wenn sie ihn troßdem batte, wurde er ihr syste- mat1sch durcb die Aaitation ausgetrieben, die fich jedesmal an die fit!) in kurzer Frist im Reichstage über seine Verlängerung crneucrndm Debatxen knüpfte. 'Es find das so durchschlagende Gründe, daß vor ibnen1elbstHr. thdtborft die Waffen strecken muß. Geben wir kesbalb die Hoffmmg auf einen guten Verlauf der Sache nickot auf.“

In. der gleichen Nichbung bewegt sich ein Artikel der „Kolntschetz Zettung“, m welchem es heißt:

.Die Natwnglliberalen haben fich lange mit der Hoffnung ge- tragen, bas Soztalistengeseß durcb gemeinrechtliche Bestimmungen, welcbe dte _Umsturzbewe ung von allgemeinen Geficbtspunkten aus zu Treffen battxn, , entbe klick) machen zu können. Der jbeoretiscbe Fanatthus fur dtegemeinreebtliche Regelung war allerdings innerhalb dex nationaxltberalen Partei stets in sehr verschiedxnen Graden ent- w1ck§lt._ Dre Ueberfübrung der unentbehrlichen Bestimmungen des Sozxaltstengeseyes in das gemeine Recht würde selbstverständlicb eine Ver1chärfung_ des Sjraf- und Preßqeseßes, eine Einschränkung der aYgememen bürgerlichen Freiheit darstellen. Wir haltxn n'un dle gemeinrecbtliche Regelung für ein Ideal, für un rtchjunggebendes Ziel, aber wir find nicbt geneigt, auf dem Alia]: dieses Ideals allzu kostbare Opfer der gekennzeichneten Art dar- zubringen. Manche unserer Parteifreunde ließsn fich nicht so lei k durch die Schwierigkeiten abschrccken. Wir standen deshalb im Frü jabre dem ersten praktischen Versuch einer Lösung in dieser Richtung- über welche eine Einigung der Kartxavarteien rxur schwer zu erzielxn. sein würde, von vornherein sebr zwerfelnd gegenuber. Als demgemaß im Frühjabre die bekannte Straf- und Pre geseßn-Welle an dem Widerspruch der nationalliberalen Presse und artei gescheitert war. erklärten wir, es käme nunmehr darauf an, an deren Stelle ein' gemil- dertes, mit Rechtsbürgsckoaftcn umgebenes, aber dauerndes Spezmlgeseß zu seßen; insbesondere sollten an bie SteUe dec Anordnungen der Vex- waltungsbebörden und der Entscheidungen der Beschwerdekommisfion Hie Wabrsprüche der höchsten Gerixbtejreten. Das neue Sozialistengeseß ist in dem also bezeichnejen Sinne aUSgebaut worden. In Yer Preffe tritt nunmehr die Anficbt hervor, die Nationalliberalen durften auf die periodische Fristbestimmung xmr unter der Bedingung verzichten, daß noch weitere Milderungezt nx dgs Geseß aufgenommen würden- Wir unserseits halten es fur ganzltch unangebracht, die Frage'der Dauer oder der Fristbestimmung unter den Geficbtöpuniten cines parlamentarischen Hanhengeschästs zu betrachtxn. „an übt keine Entsagung, man letstet keinen Verzicht, wenn "man eme Forderung durÖsevt, Welche man aus wohlerwogeyen Grunden auf- gestellt hat. Wir haben nun aber im Einklang mtt der „National-

liberalen Corresvondenz“ wiederholt die Gründe dargelegt, welche uns