Rüben auf Zucker verarbeitet und daraus 3.417,013 Ctr. Füll- maffe gewonnen worden. Von den verarbeiteten Ruben sind 16,486,904 Ctr. von den betreffenden Fabriken selbst gebaut, die übrigen 11,161,496 Ctr. angekauft worden. Das muthinaß- lich in der Campagne 1872-73 noch zu verarbeitende Ruben- quantum wird auf 34315188 Gtr. angegeben), so daß also überhaupt 61,963588 Ctr. Rüben zur Zuckerfabrikaiton voraus- sichtlich zur Verwendung gelangen werden, wahrexid im Betriebs- jahre 1871/72 nur 45,018363 Ctr. znr Verarbeitung gekommxn smd. Es berechnet fick) sonack) für die [cznfende Campagrre e_m Mehr von fast 17 Millionen Centnxr Ruben, welches lediglich dem giinstigen Ausfalle der keytjährigen Rübenernte zuzu- schreiben ist.
_ Der Minister der geistlichen oc. Angekegenheiicn 1)r. Falk hat die medizinischen Fakultäten angewiesen, dem Uebelstande, daß die Studircnden der Medizin vielfach unmittelbar nach Ablegung drs “ksntamSn ])11781011111 zum klinischen Unterricht Übergeben, ohne theoretische Vorlesungen über Chirurgie. und Medizin zu hören, dadurch entgegen zu treten, daß fie in1edem Semester für einen theoretischen Vortrag über Chirurgie und Mcdizin sorgen.
_ Der fünfte Vereinstag des deutschen nautischen V er ein s wird am 20. Januarund an den folgenden Tagen im Hotel de Rome hierselbst abgehalten werden. Die TageSordnung ist folgende: .4. Versammlung der Deiegirten am 20. Januar 10 Uhr Vormittags. _ Zusatz zu den Statuten. _ Wahl des Vorstandes :c. §. 19. 13. Allgrmsine Versammlung, woran jedes Mitglied Theil nehmen kann. ]. Bericht des Vorstandes iiber den Stand der Interessen des Seewesens und über seine Geschäftsthätigkeii. 11. In den Bezirksvereinen vorbereitete Gegenstände: ]. Seemannsordnung. Anwendung der;“- §, 47. Vorschläge für die Instruktion an die Bundeskonsuln. 2. Stran- dungsordnung. Vorlage: Entwurf einer Strandungsordnung von Herrn Justizratk) Pereis. 3. Internationales Seerecht fiir Havariegroffc, Bodmcrci- imd Frachtkontrakte 2c. Referent: Hrrr Tecklenborg. 4. Kiistenbeleuckgtrmg, einheimische und der Nach- barstaaten. Verschiedene Anträge von Bezirksvereincn. 5. Schiff- fahrtsiibgaben in druischen Häfen, Refrrent: Herr Professor Karsten. Vorkage: Tableau Über in mehreren Häfen bestehende Abgaben, 6. LootSrvescn an deutschen Strömen und an deut- schen Küsten. Referent: Herr Kapitän Hein. Vorlage: Ueber- sicht der an einigen Revieren bestehenden Anstalirn. 7. Bericht iiber Anmusterungen in deuischen Häfen, seii 1867, nebft An- gabe der Ausländer. 8. Staatsseitige Bevorzugung der Dampf- schiffe den Segelschiffen gegeniiber.
Hannover, 13.Januar. Sr. Hoheit d'er HerzogPaul von Mecklenbnrg-Sck)weriu ist vorgestern Nachmittag hier eingetroffen und heute Nacht nach Bonn abgereist.
Bayern. Miinchen, 9. Januar. Der König hat 27 Beamten des äußern Vcrwaitunchdienstcs, in huldvollfter Wür- digung des von denselben durch Förderung der Interessen des landwirthschastlichen Vereins in besonders hervorragender Weise beihätigten crsprießlichen Eifers, die Allerhö Jie wohlgefällige Anerkemiung ausgedrückt, und deren Vekanntge ung durch das Regierungsblatt, was [)ente geschieht, angeordnet.
_ Nack) amtlicher Bekanutgebung hatten die sämmtlichen Ge- meinden dss Königreichs am Schlnffe des Jahres 1871 einen Schuldenstand von 29,340,751 sl. 18 kr. und betrug der Sckzuldenzugang in diesem Jahr 3.081,235 fl. 3 kr.
_ 11. Januar. Die Vrrmiihlung des Prinzen Leo- pold von Bayern mit drr Erzherzogin Gisela yon Oesterreich wird, wie nun bestimmt ist, am 24. April dieses Jahres zu Wien stattfinden, und die Neuvcrmählten wsrden einige Tage später hier eintreffen. Das Grsammipersonal fiir den Hofstaat des hohen aarrs ist bereits ernannt, und daffekbe hat vom 1. März nächst in in Dienst zn treten.
Sachsen. Dresden, 13. Januar. Die Zweite Kam- mer beschäftigte sick) in ihrer heutigen öffentlichen Sißung, wel- cher eine geheime vorhergegangeii war, mit dem vom Abgeord- neten Klemm erstatteten Bericht über das von der Regierung ziim Zweck der Erweiterung des hiesigen Königl. Großen Gar- tens eingebrachte Postulat von 90,000 Thlr., welches nach [än- gerer Diskussion gegen 15 Stimmen bewilligt wurde. _ Dann folgte der Bericht der 1. Deputation iiber den Entwurf eines Kirchengeseßes, eine Abänderung der Bestimmungen in §. 25 der Kirchenvorstands- und Synodalordmmg iiber die Beseßung geistlicher Stellen enthaltend. Referent war der Ab eordnete [)r. Biedermann. Die Mehrheit der Deputation empfaZl der Kam- mer, ihre Zustimmung zu dem Kirchengesetze aueZzusprechen, während eine Minoritéit beantragte, diese Zustimmung abzu- Xehnen. Der Kultus-Minister ])1'. von Gerber verwandte sick; kurz für die Genehmigung dei“; Kirchengeseßes nnd beantwortete eine Anfrage des Abgeordneten Ludwig wegen der Besexung der Ober-Hofpredigerstelle dahin, daß die Re ierung in ihren Bemü- hungen forifahre, eine ausgezeichnete rast für dieses Amt zu gewmnen. Nachdem der Präsident die Spezialdebatte Eröffnet hatte und §. 1 des Kirchengeseßes mit 41 gegen 25 Stimmen abgenommen worden war, wurde über einen Antrag diskutirt, ohne Berathung und Abstimmung Über die einzelnen Para- graphen, die Zustimmung oder Ablehnung des Geseßes im Ganzen zu erklären.
Hessen. Darmstadt, 13. Januar. Die zweite Kam- mer des Großherzogthums ist nunmehr auf den 20. Januar einberufen worden.
Mecklenburg. Schwerin, 12. Januar. Das Regie- rungsblatt ent älieine Großherzogliche Verordnung vom 11. d. M., nach wel er bis zu anderweitiger Regelung durch die Reichs- geseßgebung alle Zahlungen, welche in Mecklenburg in Tha- lern Gold, die einfache Pistole zu fünf Tbalern gerechnet, zu leisten find oder geleistet werden dürfen, in Courant iiach dem Verhältniß von 100 Thlrn. Gokd gleich 1111/24 Thir. Courant oder von 1 Pistole gleich 5 Thlrn. 261/2 Schilling Courant sollen geleistet werden können.
Oldenburg, 10. Januar. Das „Gesehbkatt“ veröffentlicht eine Verordnung vom 1. September 1872, betreffend Haus- geseß für das Großherzoglich oldenburgische Haus.
Braunsrhiveig, 11.Ianuar. Neben den von Amtswegen or- dentlichen oder außerordentlichen Mitgliedern der Herzoglichen Mi- nisterial-Kommissionfind noch ernannt zu ordentlichen Mit- gliedern derselben: 1) für die Sektion der innern LandeSUerwaltung und Polizei: der_Kreis-Direktor Culemann, der Kammerrath von Pawel, der Polizei-Direktor Meyer; 2) für die Sektion der Fi- nanzen und YandclS-Yngclegenheiien: der Finanz-Direktor von Zantelmann,ader Geheime Kammerrath Krüger, der Kamtiterrath
reif von (YorH-Wrisverg; 3) Für die Sektion der Justiz: Ober- GertchtS-„Prafidemt Dr. zur. Trteps, der Obergericht§=Vize=Präst= dent Knittel, der Ober-StaatSanwalt Rhamm; 4) für die Sek-
tion der geistlichen und Schul-Sachen: der Konfiftorialrath Abt
Erneßi, der Schulrath Profeffor 1)r. Gravenhorst, der Emeral-
und Stadt-Superintendent Pfeifer; zum außerordentlichen Mit-
gliede: der Hof- und _Domprediger, Propst ])r. Thiele; 5) für
die Sektion der Militär-Sachen: der General-Lieutenant von
YiYsZn, der Oberst von Seckendorff, der Obrist-Lieutenant von a ] olß.
Sachsen= Coburg- Gotha. Coburg, 12. Januar. Die Herzogin hat sich heute Mittag nach Gotha zu längerem Aufenthalte daselbft begeben.
Anhalt. Dessau, 11. Januar. Die Ges. - Sammlung veröffentlickzt ein Geseß vom 8. d. M. *zur Ausführung des Geseßes vom 19. Februar 1872, die Abänderung einiger weiterer Bestimmungen der Landschaftsordnung betreffend. Das neue Grieß enthält Bestimmungen über die Abgrenzung der Wahl- bezirke, die Wahlen der Wahlmänner, Abgeordneten und Meisi- besteuerten.
Lübeck, 13. Januar. Die heutigen „Lübeckischen Anzeigen“ enthalten folgende Bekanntmachung:
Am 18. Januar d. I. kehrt der Gedenktag der Wiederauf- richtung des Deutschen Kaiserreichs wieder. So lange es noch an einem gemeinsamen, ganz Deutschland umfassenden, die Segnungen der Erfolge des großen Kampfes von 187071 feiernden Nationalfeste fehlt, eignet vorzugsweise jener Tag fick] zu festlicher Begehung Ueberzeugt, dabei aliseitiger Theilnahme der Bevölkerung zu begegnen, hat der Senat das Folgende be- schlossen: Am 18. Januar Mittags wird mit den Glocken Hämmi- licher Hauptkirchen der Stadt gcläutct, auch von den T ürmen der St. Marien; und der St. Iacobi-Kirche der Choral „Nun danket Alle Gott“ geblasen werden. Wie der Senat voraussetzt, daß die Schulvorfteher dafür Sorge Fragen werden, der ihnen untersteliten Schuljugend am 18. Iannar die große vaterlän- dische Bedeutung dieses Gedenktages ans Herz zu legen, so find die Geistlickzen der Kirchen des Lübeckischen Freistaates veranlaßt worden, an dem auf jenen Tag folgenden Sonntage, bei dem Gottesdienste, des Ereignisses der Wiederaufrichtung dees Deut- schen Reiches unter der Führung seines ruhmgekrönten Kaisers in' angemessener Weise, mit Dank und Fürbitte, zu gedenken. Der Ertrag einer am Sonntage, den 18. Januar d. I., zu ver- anstaltenden Kirchen-Kollekte, für die Invaliden aus den Kämpfen von 187071 und die Hinterbkiebenen der im Kampfe Gefallenen bestimmt, wird der „Kaiser Wilhelms-Siiftnng für deutsche In- vakiden“ überwiesen werden.
Gegeben Lübeck, in der Versammlung des Senates, am 11.
Januar 1873. . Ed. Hark), Or., Sekretarins.
Oesterreich-Ungarn. Wien,*13. Januar. Dcr Finanz- minister de Pretis hen, der heutigen „Neuen Freien Presse“ zufolge, vom Kaiser die Genehmigung erhalten, Linen Gessi;- entwurf über Aufhebung der Inseratensteuer dem Reichstage vorzulzgen. _ Denselben Blatte wird aus Rustchuk telegra- pbirt, daß, nachdem auf Befehl des Großvrzirs die griechische Kirche wieder eröffnet war, die Bulgaren die Griechen bei der Abendandachi überfallen und die Thüren und Fenster der Kirche zertrümmert haben. Bei dem Tumult ist eine Person ums Leben gekommen, mehrere smd verwundet. Die Garnison ift kon- fignirt, um weitere Ruhestörungen zu verhindern.
Großbritannien und Irland. London, 11. Januar. Der Prinz von Wales ist von seinem Besuche bei Sir An: thdm) Rothschild in Aston Clinton nach Marlborough-House zu: riickgckchrt. _ Wie verkaufst, werdcn fick) der Prinz und die Prinzessin Christian von Schleswig-Holstein auf längere Zeit nach dem Kontinent begeben,
_ Der énngeriyphns, der seit geranmer Zeit im Süden von London )crrschi, ist, wie die „A. A. C.“ initiheilt, jexztauck) in Manchester und in den Töpfereibezirken von Siafford- shire zum Vorschein gekommen.
_ Aus Calcutta wird der „Times“ unterm 10. d. tele»- graphiri: Das Publikum billigt Sir W. Muirs Ernennung zum Finauz-Minifter an Stelle Sir Richard Temple's. Die Türken bedrohen den Sultan von Lahej, dcr Aden mit Zufuhren versieht.
_ 13. Januar. (W. T. V.) Die Leiche Napledns wird, dem „Globe“ zufolge, bis morgen Nachmiitag 4 Uhr in Parade ausgestellt. Die Kaiserin Eugenie ist erkrankt und wird der Becrdigringsfeierlichkeii nicht beiwohnen können.
" Frankreich. Paris, 12. Januar. Nach dem Bericht uber Algerien, Welchen das „Journal Officiel“ Veröffentlicht, ist die Ruhe in den Grenzdistrikien und im Süden nicht ge- stört worden. Die Aussichtsn fiir den Ackerbau sind durchaus befriedigender Art.
„__.Der Präsident des geseßgebenden Körpers unter dem Kar]erretch€, Schneider, hat sich nach Chiilehurst begeben.
_ In Folge der Abstimmung, welche gestern Wegen der Wahl des Vorstandes des linken Centrums stattfand, wird fich cine Grupps unter dem Titel „Kéuni0u (18 1a République? 00n§8r78tria€“ bilden. Das Programm, Welches in eincr vor- bereitenden Versammlung vorgetragen Wurde, ist in folgenden Sätzen enthalten: „Der Verein besteht aus konservativen Re- publikanern, d. 1). aus Männern, die überzcugt sind, daß die Republik heute die allein in Frankreich mögliche Regierung ist, welche jedoch entschieden konservativ sein muß. Die Versamm- limg hat die Absicht, außerhalb der exircmen Parteisn die Po- litik zu unterstützen, Walch? zugleich auf der Botschaft des Präsidenten der Republik und auf der in der Sitzung vom 14. Dezember Vom Sicgelbewabrer im Namen der Regierung gehaltenen Rede basiri ist,“
Versailles, 13. Januar. (W. T. B.) ' Der Präfident Grevr] machte in der heutigen Sißung der Nationakversamm- lung die Mittheilung, daß die Antragsteller der Interpellation über die Entlassung Bourgoing's mit der Regierung dahin über- eingekommen seien, die Festseßung eines Tages für die Beant- wortung der Interpellation bis zum Mittwoch hiiiaUSzuschiebew _'Larcr) berichtete heute über die Unterredungen des Präsidenten Thichs mit den Mitgliedern der ersten Subkommisston des Dre1ßiger-Au5schu ,es. Das Ergebnis; soll geheim gehalten wer- den, bis der 1ijxräsi ent sick) von Neuem vor drr Kcimmisfion hat veriievhmen la en. _ Die Petitionskommisfion Lat heute über die Petition des Prinzen Napoleon berathen un den Deputirten D peyre, welcher der"elben günstig grftimmt ist, mit 11 gegen 4 Simmen zum Beriéhterßatter gewählt.
Spanien. Madrid, 12. Januar. (W. T. B.) Unter außerordentlich „zahlreicher Betheiligimg aller Klaffen der Gesell- schaft „(man schaßi die Zahx der Anwesenden *aus etwa 15_1700)
at hier heute eine Versammlung zu Gunsten der Auf- e_bung der Sklaverei in den Kolonien stattgefunden. Die Versammlung entsandte eine Deputation aus ihrer Mitte,
um die Regierung wegen ihrer Haltung in dieser Frage zu be- glückwünschen, *
_ Bei den Gefechten mit den Carlisten in den [eßten Tagen find die von Saballs, Castells, Fagola (in Catalonien) und Pallor (Murcia) befehligten Banden geschlagen und die drei leßteren Anführer getödtet worden. Andere Abtheilungen in den Provinzen Castellon und Navarra unter Cocalla Olio und anderen Führern sind unter Zurücklaffung vieler Todten und Verwundeten zersprengt und die Bande Fallada's von den Freiwilligen von ViÜaseco zurückgeworfen worden.
Italien. Rom, 13. Januar. (W. T. V.) Für Napo- leon 111. soll auf Befehl des Königs eine zwölftägige Hof- trauer angelegt werden. _ In Florenz ist eine Subskription eröffnet, zum Zwecke der Veranstaltung einer Leichenfeierlichkeit für Napoleon in der Kirche Santa Croce.
_ Nach einer aus Rom in Paris eingetroffenen telegra- phischen Meldung hat der Papst am 13. d. M. die deutschen Katholiken, welche in Rom wohnen, empfangen.
_ Der Bericht des Abgeordneten Depretis Über den Vor- anschlag des Budgets des Bauten=Ministeriums für 1873 liegt gedrucht vor. Die ganze Summe bekäuft fick) einschließlich des Traiisports aus dem definitiven Budget des Jahres 1872 für das Jahr 1873 nach dem Vorschlage des Ministers aiif 149,266,300 Fr. und nach den Anträgen der Kommission auf 145,078,555 Fr. Davon kommen nach dem Vorschlage des Ministers 52-3- Millionen auf die ordentlichen, 96T Millionen auf die außerordentlichcn Auchaben. Die Kommisfion will danach nur 921 Millionen Fr. auf die außerordentlichen Aquaben ge- nommen wissen. Die von der Kommission bestimmten außer- ordentlichen Ausgaben vertheilen fick] folgendermaßen: 6,777,900 Fr. für allgemeine Aiisgaben, 22,215,611 Fr. für öffentliche Ar- beiten, 61,248,752 Fr. für Eisenbahnen, 2,000,000 Fr. ais Ent- schädigung fiir die Adriatisch-Orienialische Gesellschaft; zusammen 92,235,263 Fr. Die von derKommisfion vorgeschlagenen Abzüge kom- men auf Rechnnng der im Bau begriffenen Eisenbahnen. Sie s chiägi nämlich vor, die AUSJaben für die Ligurische Eisenbahn 15,303,000 anf 6,507,000 Fr. herabzuseßen, die der Poüber: brückung auf der Linie Modena-Mantua von 1,200,000 auf 650,000 Fr. und die Million zu streichen, welche für die Voll- endmig der Linie Asesano-Groffeio ant.":geworfen war. Diese Herabseßungen smd in der Voraussexinng vorgeschlagen worden, daß diese Nquaben im Jahre 1873 nicht nöthig smd. Dagegen werden für die caladrisckxficilianisckxn Eisenbahnen 6 Millionen mehr vorgeschlagen, im Ganzen 27,872,000 Fr. Die für die caiabrisch-ftcilianischen Bahnen abgeschloffenen Kontrakte beliefen sick] am Ende September 1872 auf 89,568,000 Fr., nämlich 49,556,000 Fr. fiir die calabrischen und 40,312,000 Fr. für die ficilianischen. Ueber die Zahl von Arbeitern an diesen beiden BahnneHen, welche bergangenen Sommer vom Fieber heimgesucht wurden, enthält der Bericht folgende Angaben: Es verließen 10,949 Mann die Arbeiten fieberkrank, 568 wegen anderer Krankheiten, 7065 aus Furcht vor dem Fieber; es wurden also 18,582 Mann außer Thätigkeit gesetzt. Diesrr Umstand erklärt, warum die Arbeiten vorigen Sommer nicht mehr vorgerücht smd. Das Budget der öffentlichen Arbeiten wird nach der Wieder- eröffnung der Kammern zuerst anf _die Tagesordnung kommen.
Der Bericht des Kan111ierausichuffes,welchcrmii der Prü- fung des neuen Rekrutirungsgeseßes bstraui war, ist so chu zur Vertheilung gekommen. Das neue Gesetz grbi von dem Grundiaßc der allgrmcinrn Wehrpflicht aus und gestattet nur in so fern einc Llusnabnic fiir die ältesten Brüder junger Waisen und die ältcsten Söhne oder Enkrl von Wittw-sn, als dieselben in die dritte Kategorie treten. Es Werdsn jährlich 100,000 Rekruten angcboben; da aber der Arisgabsnctai des Krisgs-Ministcriums nicht gestattet, sie alle unisr den Waffen zu halten, so müssen die bcstcbenden beiden Klassen beibehaltenWerdrn, deren crste75--80,000Rekruten miidrcijäbrigerDienstzeit umfaßt; die anderen werden in die zweiieKlaffe gestellt. Die gan e Dienstzeit dauert19 Jahre. So wird das strlxndeHeer fick) auf64 ,000Mann belaufen, von denen 500,000 zur ersten, 140,000 zur zweiten Klasse gehören. 260,000 Mann würden die mobile Miliz bil- drn, w-xlrbe im Kriegsfalle das stehende Heer unterstützen muß, sei es, um in zxveiter Linie zu kämpfen, oder um die Festun- gen und Küsten zu bcsrßen. Nack) Absauf der dreijährigen Dienstzßit können die angedienien Soldaten fick) auf's Neue anwerben lassen und erhalten dafiir am Ende ihrer Dienstzeit 120 Franken. Die einjährigen Freiwilligen tretrn nach dem Ablaufe ihres Dienstjahres in 'die Weite Klasse ein. *
Rußland und Polen. St. Petersburg, 12. Ja- nuar. Das10jährige Jubiläum des Großfürsten Michael Nikolajewitsch als Statthalter im Kaukasus wurde am 18. Dezember in Tiflis festlich begangen.
_ Am Neujahrsiage, drm Geburtstage des Großfürsten Alexej Alexandrowitsch und der Großfürstin Helene Pawlowna, wird die Stadt festlich illuminirtwerden. -
_ 13. Januar. Das für das rusfische Reick) pro 1873 aufgestellte Budget weist nicht allein kein Defizit, sondern noch einen Einnahme-Ueberfchuß auf. .
_ Der GeheimeRath im russischen Ministerium des Ncnße- ren,dvon Weftmann, ist zum Wirklichen Geheimen Rath ernannt wor en.
SckWeden und NorWegen. Stockholm, 7. Januar. Die Zweite Kammcr des hier am 15. d. M. zusammentrctenden Reichstages wird aus 194 Mitgiiedern bestehen, wovon 112 alte und 78 neugewählte find; für 3 Wahlkreise find die Wahlen noch unbekannt geblieben. Von den Repräsentanten find 45 civile oder militäre Beamte, 111 Landleute, 11 Kaufleute, 3
Priester, 4 Küster und Schullehrer, 2 Aerzte, 1Literat, 7 Hand- .
werker 'und 7 Bergwerksleute. Die Zahl der Landleute beträgt somit fast 60 Proz. der ganzen Repräsentationsanzahl.
Dänemark. Kopenhagen, 13. Januar. (W. T. B.) Der Kultusminister C. C. Hall deutete in der heutigen Sißung des Folksthingß auf die Möglichkeit der Auftösung der Ver- sammlung hin, da Seitens der Linken die Erklärung abgegeben wurde, sie werde bei der zweiten Lesung des Schulgeseßes gegen die RegterungSuorlage stimmen.
Amerika. Moiiaisiibcrsicht. Die dritte und leßie Session des 42. Kon resses der Vereinigten Staaien ist am 2. Dezember in ashington eröffnet worden. Die dem- selben übergebene Botschaft des Präsidenten weicht insofern von allen friiheren ab, als in derselben von Seiten der Administra- tion dem Kongresse eine Reihe von Vorschlägen zur Prüfung anempfoblen wird, welche fich auf eine ausgedehnte WaYerver- bindung durcb Erbauung neuer Kanäle im Innern des andes, auf Subvention derjenigen Dampfschifflinien, Welche den Ver- kthr zwrschen San Franzisko und China, Japan und Austra- lien, _soww den zwischen Brasilien und den Vereinigten Staaten vermitteln, und endlich auf die Erwerbung der sämmtlichen
Telegraphenlinien durch die Regierung beziehert. Bisher wizr es immer dem Kongresse überlassen gewesen, die Znttmttbx in dergleichen Sachen zu ergreifen, oder man hatte es der Prwat- industrie überlassen, Bauten, wie _die vorgesetzlagcrien, zu unter- nehmen und auSzufübren; daß die Centralbrhorde es 1th unter; nimmt, mit solchen Plänen vorzugehen, legt ]edenfalls Zeugnis von der immer wachsenden Centralisation in „den Vereinigten Staaten ab. Sonst hebt die Botschaft des Präsidenten das un- unterbrochene materielle Gedeihen des Landes im Innern und die seit der Entscheidung der Alabang und San_Juan;Frage durch nichts mehr getrübten Vcrhgltmne zu drn auswiirtrgcn Mächten herbor, Wobei nur Spanien und Mexiko ZUlt emiger Reserve behandelt werden. Doch auclrbei ErWahnung der beiden letzteren Mächte findet man keizie Andeutung, .daß irgend Welche Aenderung in den benehcnden frirdlickxn Verhältnissen zu befürchten wäre, und haben Dicßntgeti, welche in der Botschaft eine, Wcun _aucbumcht drohende, __dock) Wenigstmis fcbarfe Sprache gcgen bcide Landerzr: borenbonicn, in ihrcn Erwartungen getämcht gefunden. Dixs freundschaftliche Verhältniß drr Vereinigtsn St_aaten zn Dquchland, Rußland und Frankreich wird ganz bewnders bcrvorgebobcn. Lins die Finanzen übergehend, wird ein groszrs errckyt aux die Ver- minderung der Bundesickmld nm 360'Mrllionen Dollars gelegt, auch eine Reduktion in drn durch die' Erbebmrg drr Birndes- steuern verursachten Koste'n in Ansfickü gestellt, eme Herabwlzung drr Steuern abcr fiir unzulc'iifig erklärt. In Brireff der Reform des Civildienstes äußert sick) der FkäsLdet dabirr, daß,d1§ Lin- ftcllungcn bisher zu sehr als der 91711 sur_pdliti_1ck)e Dienste be- trachtet Wordcn icien, und daß es 1rxn ernstliibes Bestrebenn sem wcrdr, die größtmöglicbstr Reform brrzuitcllen, dock) bcdu1*fe_er dazu der thäiigen Mitwirkung des Kongresses. " Jndcsicti sch*cini drr Präsident in dirier Brziebmig bei den Juhrrrn drr ropublikaniickxn Partei auf Widrrstaiid strizen 'zu 7011911, _da noch kiirzlich einzelne derselben ihre Yustckßrn dabm ausgcwrochn haben, daß die Siellcn, 1vrlche dic Régierurig zn bergeben habe, als die 0130113. Ipima der siegreicbrn Partei angeicben wcrden müßten. „ . . ' Der Finanz-Minifter brnrrmoriet in' seinem Brrtcbtr die Umivandlung der 6prozcntigrn BUNDESPPÜIÜUOZWUUM '5proze'n- iiac, Wozu "seiner Meinung nach augrnbliiklick) em gunstiger Zeri- piinkt ici, er spricht sick) fcrncr gleichfalls gegen Ct'wa-lIL Reduk- tionrn dcr Sieuern und bcsonders gegen die des jcßigen „hohen Einfuhrtarifs aus, da seiner Meinung nach der augenblickliche Wohlstand der Vereinigten Staaten „nur „dcn bobcn Eingang)?»- ziilien zu verdankon sei, Wodurcb allem cm Hoher Lohniaiz sur dic arbriienden Klassen ermöglicht werde._ Auck) gegen eine etwaigr Vcrminderung der Paprergeldcirkulaiwn, um dadurch den Uebergang zur Wirderaufnabme dcr Baarzahlungen zu errnog- lichen, ist der Minister ringenommrnx rr Will vwdnehr dieii'n Uebergang bis 311 der Zeit verschoben WMW, wo die augenblick- lick) Vorhandene Maffe papirrner Werts) ercbcn- den durch der- mchric Einwwbrwrzahl und erhöhten Ver "rbk grstetgerien Bedarf- niffen des Landes entsprochen wird. ' _ "
Schr ungünstig ist das Bild, welches der Miirme-Mmqier bon dem Zustande der a1nerikani1chen Flotte entnnrft. Obgleich dieselbe aus 178 Schiffen bcstcbt, Wormrter 68 Dampfer und 51 Panzericbiffe, so befinden fick) unter dieser Zahl dock)“ kaum 4 Schiffe, welche den Anforderungsn der iieurstcn „Zeri mir irgendwir entsprechen und welcbe im Fiille EMCS Krieges mii Vortheil verwi'ndet werden könnten. (Ciixs der ersten Geirize, Welchß dem Kongresse vorgelegt nmrdrn, isi deshalb auch smd über den Ban neuer Krirgsftbiffc geWesen, auch,!)at das chra- irntanienlmus sofort den Bau Von srcbs Schiffen genehmigt, Miche ailcn Anfordrrungen der Neuzeit entwrerhen sollen, der S€11ai hai indrffen auf den Bau bon zehn solchen Fahrzeugen, wie in der ursprünglichen Vorlagr beantragtfßwordrn wiir, be- standen, Und die Bill ist deshalb dem Reprajentantenbame zur norbuialigcn Brraihung vorgelegt Wordeii. '
Nach dem Berichte des KriLgs-MUUster brstel)t die Armrc
der Vereinigten Staaten zur Zeit aus 26,594 Marni. Derselbe spricht sicb grgen jede Reduktion cmd, da die Zustande iti den südlich Staaten, in denen augrnblnilich em großrr _Tbril der Armee steht, eine solche Maßregel nicht zu rcchtxcrtich ver- mbckten. - )Ein sebr unerfreuliches Resultat Hat das Posi-Drpqrirmrut gclirferi. Dasselbr weist im laufrnden Jahre em Defrcri von 4,742,000 Dollars auf, und wird das Deficit des kommenden Jahres sogar auf 6,000,000 Dollars gsjcksißt. _
Die Botschaft des Präsidenten und die Berichte der ver- ichi€dcnen Departements-Cbefs haben im Allgemeinen imOLande Linen giinstigrn Eindruck gemacht, Wenn st€_ gleich auf den Haridrl und besondrrs auf den Geldmarkt obwe Einfluß geblieben smd. Das Goldagio, Welches fick) Während des crstrn Drittels des Monats auf über 13 Proz. hielt, sank_späier bis auf 111? Proz. bsrab, und zur Zeit ist keine Veranlasiung Vorhanden, ein wei- teres Steigen zu befürchten. Der Exportbandel blieb gedruckt, mas vorzüglich drr Knappheit dcs Geidmarkics und 'drn durch Mangel an Schiffsräumen veranlaßtrn hoben Frarbiscitzen zuzu-_ schreiben ist, und auch der Jmporibandcl hat in icrnen Umiéißeu dir entsprechende Periode des Vorjahres nicbt erreicht. *
Die Schuld der Vrreinigien Staaten betrug am 1.De§mber, *
nachbminderung drrsrlben im Roycmbi'r 11ni1,198,229 ollars Und nach Abzug des Baarbestandes im Schaizamie an dcmselen Tage von 103,186,751 Dollars, 2160568030 Dollars. Fur dén Dezember hatte der Finanz-Mmistcr den Verkauf bon 4.000,000 Dollars in Gold und den Ankauf eincr gleichen Summe von BundeSobiigationen angcordnct, außerdem auch 8W000 Dollars dreiprozentiger Certifikate behufs Einlösung ge- kundigt, deren Verzinsung mit dem 31. Januar 1873 aufhört.
Im Hafen Von Ncw-York landei-Zn im Novrmbcr 18,904 Einwandcrer, unter denen sich 10,450 Deutsche befanden, 1170 111951“ als in demselben Monate des vergangenen Jahres. Hie Griammt-Einwanderung im Hafen von NeW-York betrug Wai)- rend drr crstrn elf Monate 278,361 Personen, worunter 121,_338 Deutsche, gegen 218,717 Personen, worunter 78,929 Deui1ch_c, 11) drmselben Zeitraum des verflossenen Jahres. Es hat mithin dis deutsche Einwanderung in New-York allein in dieser Periode Um 42,409 Personen zugenommen.
Durch den so kurze Zeit vor der Zusammenkunft der Elek- klyralwähler erfolgen Tod Greeley's, Wodurch dcn Wählern nicht Mina! Zeit blieb, sich behufs der Nomination eines neuen Kan- didaten an die Urwähler zu wenden, ist die Frage vielfach an- 8212th svordcn, Was denn zu geschehen habe, wenn einmal der Kandidat der siegreichen Parisi zu einrm ähnlichen Zeitpunkte sterben sollie. Nach der Konstitution stkht es den Clektoral- wclhlern allerdings vollständig frei, für wen fie ihre Stimmen asogebeu wollen, sofern der Von ihnen Erwählte nur den in der Koxistitution fcstgeseßicn Bedingungen entspricht; praktisch ist die]? Berechtigung abcr fcbon seit langer Zeit durch die sehr ausI-sbildete ParteidiSciplin aufgehoben worden, und smd die
Elektoralwäbler moralisch gezwungen, nur fiir den von ihrer Partei aufgestellten Kandidaten zu stimmen. Es ist daher von der Presse aller Parteien in Anregung gebracht worden, auf die Mitglieder des Kongresses dahin eiwuwirken, daß das System indirekter Wahlen abgescha t und dem Volke durch direkte Wahlkn die Erwählung des Prä- sidenten, Welche rs faktisch bereits ausübt, überlassen werde. Von den dem Repräsentantenhauje vorgelegten GeseßeScntwiirfen ist brionders der des General Banks hervorzuheben, wonach die AmiLdauer des Präsidenten auf sechs Jahre verlängert und sein Gehalt auf 50,000 Dollars erhöht Werden soll, doch soll der jedeSmaiig-Z Präsident bon der Wiederwahl ausgeschlossen werden. Einen ähnlichen Antrag hat der Senator Summer im Senate eingebracht.
Srhr uncrfreulicber Art sind die politischen Zustände in den iiidlichen Staaten, Zn Louisiana soWohl als in Alabama babrn sicb zWei geirßgebcnde Versammlungen und 3Wci Regierungrn gebildet, Von denen jede die rechtmäßig gewählte zu sein bc- lxruptet und auch die nbtbig erscheinenden gesetzlichen Verord- nungen und Ernennungen erläßt. Es dürfte schwer festzustrllen icin, Welck)? von ihnen, angesichts der vielfachen auf beiden Scitcn bii der Wahl vorgekommenen Fälschungen, diE recht- mäßig erwählte ist, ein Umstand, der es auch unmöglich macbt, die dem Gcnrral Grant zngefallsnen Elektoralstimmen genau aiizugrbrn; doch ist in Louisiana die Frage! durch die Regierung in Waibington dahin entschieden worden, daß die republikanische Regierung und gsjrßgrbrnde Versammlung als die zu Recht "be- stehenden anzuerkennen seien, und wird voraussichtlich in Ala- bama dasselbc geirbebrn. Wenn auch diese Wirren ohne ernst- liche Rubesibrungrn voriibergegangen sind, so diirften sie doch wegen der durch sie erzengienVcrwirrnng und Rechtsunficherbeit noci) nacbiräglick) eine schädliche Wirkung ausiiben,
Am 4. Dezember gaben die Präsidentschaft?=Elektoren ihre Stimmen ab. 29 Staaten stimmten fiir Grant und Wilson; in 6 Staaten, in welchen die drmokraiiscb-libcralr Partei gesiegt batte, zi'ripliitertcn sicb die Siimmrn in Folge von Greelcy's Tode, dock) fielen die meisten auf den Gouvrrncur von Indiana, Hrndricks, als Präsidenten und auf B. G.Browa als Vizepräsidenten. JU Louisiana und Alabama, in denen bride Parteien gcsirgi baden wollen, Wurden aucb Elektoralstimmen fiir die Kandidairn bridrr Parteien abgcgcben. Der „Zahl nach rrbieli Grant Von 366 Stimmen 300, die iibrigcn 66 fielen tbrilö anf Hendricks, theils sogar auf den Verstorbenen (Hrecley.
Die amerikanische Kommission hat ihren Bericht über die an drr mexikaniicbcn Grenze verübten Grenzberleßungcn voll- endet. Obgleich die Untersuchung nur auf einer Stricke von 500 englischen Meilen, Von der Mündung des Rio Grande bis zur Stadt Rio Grande, angestellt wurde, so hat die Abschätzung drs auf dicirr Strecke von den Mexikanern angrricbtci-zn Seba- chs alirin eine Summr bon Z0,000,000 Doklars crgsben. Fiir das gesammte Grcnzgebiet diirfte dicselbe kaum Weniger _ais 100,000,000 Dollars betragen. Um für di? Zukunft dergleichen Raubziigcn vorzubeugen, empfiehlt die Kommiffion eine schärfere Bewaibung der Grenze durck) Kavallerie.
Nachrichten aus Mexiko zufolge herrscht dort fortwährend rine RuHe, an welch? man bisher in jenem bon Revoluiionsn zcrwiihlirn Lande nicht gewohnt War. Lerdo de Tejada warde am 16. Nobember Vom Kongressr als der erwählte Präsident proklmnirt. Obgleich noch 45 Distrikte mit ihren Wablbericbtcn im Riickstande wiircn, io ergaben doch die bereits eingegangenen Berichte so viele Stimmen iiber die vorgeschriebene absolute Majoritäi. daß der Kongreß den Besébluß faßte, sich, ohne dir weitsren Berichte abzuwarten, als Wablkollegium zu konstituiren. Von den bis dahin cingcgangrncn Stimmen waren 9520 für Lerdo de Tejada, und 604 fiir Porfirio Diaz abgegeben worden, die iibrigen 188 werthi'ilten sick) auf verschiedene Kandidaten. Am 1. Dezember iibrrnabm der neue Präsident sein Amt für die bis 1876 dauernde Periode. In der von ihm erlassenen Proklamation spricht derselbe aus, daß er der Konstitution stets nacbkommcn wokle und daß er hoffe, am Ende ieincr Amts- periode Verkiiiidigcn zu können, daß alle Bürgerkriege vorüber seien. Fiir die durch die Wahl erdo de Tejada's erledigte Strike eines Präsidenten des Höchsten Gerichtshofes find die NeuWahlen anf dcn zwäien und vierten Sonntag im Februar anbcraumt Worden. Als Kandidaten find die General? Anza, Iglefius und Riva-Palacios aufgetreten. Der General Porfirio Diaz traf in der Hauptstadt ein, doch rief seine Ankunft keine brsondere Aufregung hrrbor. _
In der Eiienbahnfrage ist nock) keine Ent1ck)eidung getroffen worden, doc!) Hat der Kongreß das Roscnkranzscbc Projekt, wo- nach der Hafen von Tuapan am mexikanischen Meerbusen mit dem von Manzanilia am Stillen Ocean und ferner die Städte Mexiko, Pachuca, Queretaro, SanLuis Potosi, Aguas Calienies, Guadelajara, Zecaiecas und Colima mit einander durch Eisen- bahnen verbunden Werden sollen, der Regierung zur Prüfung anempfohlen, fick) selbst aber die iibließlicbe Entscheidung vorbe- halten, Welche, da fick) der Kongreß am 15. Dezember brrtagt, somit auf mindestens ein Jahr hinausgesckwben word-sn ist.
Die den Kaufleuten in Matamoras bisher bewilligten Zoll- erleichterungen sind aufgehoben Wordcii, und tritt daselbst am 1. Januar der volle Tarif in Kraft.
In Central-Amerika ist alles ruhig. Die Bericbicüber den Eisenbahnbau in Costa-Rica lauten sehr günstig. Auf der Strecke von Port Simon, Welches zu einem Freihafen erklärt nwrden ist, nach Cartago fibreiten die Arbeiten in befriedigrnder Weise fort, auch an der Strecke von Cariago bis zum Pacuaré- Flusse wird bereits gearbeitet. Jn Honduras sieht man der Vollendung drr interveeaniichen (Eisenbahn entgegen, welche ohne Zweifel viel dazu beitragen wird, den Woblstand und die Ein- tracht drr Rixpublik_3u befördrrn. Wie es“ heißt, wird Don Fraciano Secca Präsident von Honduras Werden und der jetzige provisorische Präsident das Kriegs-Ministerium übernehmxn. In Salvador sind durch einen Ausbruch des Vulkans bci Santa Anna große Verwüstungen in den dort belrgenen Kaffre-Plan- tagen angerichtet worden. - „
Von librraler Seite ist in Salvador, Honduras, Nicaragua und den iibrigen Republiken Central-Amerikas der Plan axige- regt worden, nach dem Muster der Vereinigten Staaten „emen Bundesstaat zu bilden, und können alle Freundx des Friedens und des Gedrihens Central-Amerikas die Ausfuhrung desjelben nur auf das Lebhafteste befürworten.
Die Differenzen zwischen Brasilien und der argentini- schen Republik sind vollständig beigelegt Worden. Die Haupt- punkte des zwischen dem Marquis de San Bruce_nie und dem General Mitre abgeschlossenen Vertrages smd folgende: Die zwischen dem Baron de Cotopipa und der Regierung von §I)a- raguay abgeschlossenen Verträge bleiben bestrhen und Werden von der argentinischen Republik anerkannt. Mit der argentinischen Republik und Uruguay wird die chierung bon Paraguay be- sondere Verträge abichließen; sollten sick) bei der Grenzregulirung
mit Paraguay Schwierigkeiten rrhrben, so werden fick) die drei Alliirten in Gcmäßheii des Vertrages von 1865 miteinander dariiber Vérständigen. Alle drei verbündeten Mächte stehen in Bezug auf die Von Paraguay zu zahlende Krirgsentschädigung auf völlig gl€ichem Fußr.
Die brasilianische Regierung bemüht fick) von Neuem, einen Theil von dem Strome drr europäischen Auswanderung nach Brasilien zu lenken, und bat zu diesem Zwecke Verträge mit mehreren Agenten abgeschlossen. Bis jrßt scheint SI den Letz- teren nur in England gelungi'n zu icin, Auswanderer anzuwcr: ben, Wenigstens bai neuerdings die deutiche AuZtvandcrung nicht bemerkenswrrib zugenommen.
An der Wiener Wciiauöstcllung wird sick) aucb Brasilien betbciligi'n. Die für dieirlbe bestimmten Gegenstände sollen zu- vor in Rio de Janeiro zur Ausstellung gelangen.
In der_argeniiniichcn Republik Wurden die Sitzungen drs Kongrrnes durch den Präsidrnicn Scmniento geschlossen. Die diesinalige Seiswn ist durch die Annahme mcbrrrrr Vor- lageii von drr größtsn Bedeutung fiir dir Zukunft des Landrs geweien. Zu den wichtigsten von dem Kongresse genehmigten Maßregrln gehört das Batrmanichc Hafenprojekt, wodurck) ein- mal die Unsicherbcii des Hafens Von Buenos Ayrrs und dann auch das langsame Laden Und Entladen drr Srbiffe durcb Lcicbter bciriiigt wcrdrn soll. sowie das Eiiriibabngcssß, welches die Er- bauung bon 1540 Meilen m'iicr Schirnrnwrgr gcncbmigi. Daß sick) zur Ausführung des lc13tcrcn Projektes das nötbigc Kapitai findcn wird, dürfte bei dcr nacbgswiescnen Rentabilität der bor- bandencn Eiirnbabnrn imd drr bon drr Regirrung geboisnen Garantie kaum zWrifelbaft cricbcincn. Die Einwaiidcrimg [)at in letzter Zeit bcdeuti'nd zugenommen, so das; an11mnchrnTagrn an 1000 Einwanderrr, der Mehrzahl nacb Italiener, iiiBueiwö Livres grlandet worden sind,
In Chiki ist man aiif dcn AUÖfali der brv-orstcbsnden Wablrn sehr gespannt und läßt sicb noch nichts über das wabr- scheinliche Resultat dcrsrlbrn sagen. Vom Scimtc ist eine neue Triegrapixulinie, Welche Caldera und Lota, sowie die dazwiirben liegenden Häfen brrbindcn soll, gcncbmigi wwrdcn. Ju chu, im südlichen Thrilr bon Chili, sind reiche Goldminen rntdrckt Worden. Einig? Anfrcgimg bat die Von der pcruaniichcn Re- gierung auf die Ausfuhr bon Salpeter aus Atacama grlcgtc Sicurr verursacht. „Da indcffi'n der zu Chili gehörig? Theil der Wüste von Atacama gleichfalls Urbcrfluß an Salpeter "bat, io beabsichtigt man, drn Schlag, welchen die Ucur Steuer dem br- irrffendcn Grsckyästszwrigr in Peru berie'izrn muß, ZU brnußen, ' um diesen Handel in Chili sclbst mehr cmporzubringen.
Die Schwierigkeiten, Mirbs zwischen CHili mid Bolivia bestanden, sind dnrrb dic Vrmniiiclung drs Präsidentsn von Peru, der nur in drr Einigkeit drr iiidanicrikaiiischcn Rrpnblikcn drrrn künftige Größr sicht, beigelegt winden.
Zn Boiivia schrint dic Regicrimg alles Mögliche tbun zu WOlliZU, um dir Entwickelung dcr rricbrn 111ineraliichcu Schätze des Lauch zu befördern, in richtiger (Erkenntnis; dessrn, das; darauf aiirin dcr künftige Wohlstand des Landes beruht. Die Silbermim'n bon Caracoles werden demnächst dnrch cine Eisen- bahn mit dem Hafsn bon Mcjillones Verbunden wi'rden, aucb bestrrbt fick) die Regierung, dem Lande naue Abzugsqucilcn drr- miitclst Verbindungen mit dem Paraguay: und dem Amazonrn- stroms zn jebaffcn. - -
Die Regierung von Peru ist durck) die Uiiparicilick)keit und Gcrecbtigk'rit, mit 1vrlchcr drr Präsident Balta sein Amt ber- waltei, isbr gekräfiigt worden. Das Miliiär-Gcsrtz, wriebcs eine regelmäßige Ausbrbimg und eine Dienstzeit von 5 Jahren, wi): bon zwci in drr RrserW, festseizt, wird dem1iächst griirbniigi werden. Die finanziellen Vrrbéiltniffe smd durcb dic Geirßr iiber die Einkommenstensr von 4 Prozent, "und die Erhöhung der EinfuhrzöUe um 5 bis 10 Prozcnt sebr bcrbrffcri wordrn, wcnnglcick) bridr (Hrseßr wenig populär sind.
Durch die Angelegenheit ch Coolin-Scbiffcs „Maria Luz“ ist in Peru cin? großc Aufregung [)ervorgrrnfcn WOL'ÖLU. Dic peruanische chirrung bai in der Person des Herrn Garcia r) Garcia cinen außrrordcntlickicn Gcimidicn nacb China und Japan abgricksckt, der sich aleaid anf dcr Panzerfrcgafic „Indrprn- drncia“, dercn Kommando er zu gleicher Zcit übernimmt, ein- schiffen wird. Auch das pcrnaniick)? Krirgsstbiff „Union“ ist von England iich) den japanischen eriiffern bcordcri WN'ÖEU, um dori mit der „Jndeprndcncia" 3iisanimrnzutrcffen. DOCH 1Fanbt man allgemein nicht an drn Ausdruck) bon Fcindirlig-
eiten.
Jm Urbrigen lauten dir Nackxrickxirn aus alisn Theilen Pcrus in Hobcm Grade befriedigend, Die (»Zi-ienbahnbon Arequipa nach Pinto, sowie die Linien zwischen Huarez und Cbimbote, Pacarmayo und Guadrlupr, Salaverro und Trujillo nähern sicb ihrrr Vollrndung und wird Peru in Wenigen Jahren ein Eisenbabnneß, Von mehr als 700 Meilen besiizen; aber erst dann wird der wundcrbarc Rcicbibum des Landes zur wollen Entwickelung und Peru dazu grlarigen, die ihm gebührende prädominircndc Stellung unter den iiidamcrikaniichcn Republiken einzunehmen.
China. Die chinesische Regierung hat, wie die „Anstria“ mittheilt, eine einheitliche Kriegsfiagge adoptirt, welche auch bereits am 2. November 1872 auf ihren Schiffen zum erstenmale gchißt wurde. Die Fluß- und Seekriegsfahrzeuge Chinas, ferner ' die den Arsenalen in Footehan und Shanghai zugetheiiien Dam- pfer, sowie die Zollwachtschiffe wcrden sonacl) kiinftighin eine Nationalflagge am Flaggenmaste fiihren, nnd es wurde bestimmt, daß disse betreffende Flagge von Einem Farbenmuster sei, und daß ihre Größe in Fuß und 3911 sich nach der Länge des Schif- fes, das sie führt, zu richten habe, so zwar, daß ein Schiff von nicht über 200 Fuß Länge einc Fkagge zu fübren habe, deren Diagonale eine Länge von 8 Fuß hat, und jene iiber 200 Fuß Länge eine Flagge, deren Diagonale 22 Fuß lang ist. Die Grundfarbe dieser Flagge ist gelb, die Form derselben eine drei- eckige; es ist eine Drachenflagge, der Kopf des Drachen darin nack) aufwärts gerichtct. Die Flagge selbst ist aus gelbem, der Drache aus blauem Fkaggcntuche,
Die SecmannSordnung „pom 27. Dczcmber __1872, _nebst dem Gesetz, betroffend die' Verbslichtung deut1cher_ Karmabririicyiffe zur Mitnahme hiilssbcdiirftiger Srcleutc, v_on demieibrn Datum, ist so_cclben im Verlage dcr Königl. Gel).Obrr-Hosbuchdruikerei (R. 1). Decker) cr] tenen,
Statistische Nachrichten.
Die haupi'äxhlicbsten: Rc1u1iatc der qm 1. Dkzcmber 1871 vorgenommenen ablung dcr o_riöanwcmnden Bevöltsrnng im Königreich W1rrttc1nberg_ 1it_1d nach dem Jabre-Zberirbt der Handels- und Gewerbrkammcr da1rlbtt folgende: Die Gosammtzabi drr Einwolmrr beirug 1,818,541(1867 1,778,396Pcrsonc11) und besteht aus 398,386 Familien oder Haushaltungen mit 876,165 männlichen und