1873 / 64 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Thu, 13 Mar 1873 18:00:01 GMT) scan diff

_ In derheutigen(17.)Si13ung des Herrenbauseß, welche der Präsident Herr von Plöß fiir. den erkrzznkten Prä- sidenten Graf Otto zu Stolberg um 101 Uhr eroffnxte, und welcher der Ministerpräsident Graf Noon, der Minister der auswärtigen Angelegenheiten Fürst v.VrSmatck-und dre Staats- Minister Graf zu Eulenbur , Graf v. Jßenplitz, „Campbausen, 1)r. Leonhardt und ])r. Fal , sowie mehrere'Regrerungs-Koni- miffare beiwobnten, wurde zunächst dcr'neu in das Haus ern- getretene Fürst zu Jienburg-Brrstetn Vereidet. Dann trqt das Haus in die Tagesordnung, deren erster Gegenftnnd dre Schlußberathung iiber den Gesetzentwurf, betreffend dre Ab- änderung der Art. 15 und 18 der VerfassungH-Urkunde vom 31. Januar 1850, auf Grund der unverandexrt an- genommenen Vorlage war. An der Genrral-Dtskuision betheiligten fick) die Herren Graf'Kraffow, Freiherr von Man- teuffel-Croffen, Graf Brühl, Freiherr von Landsberg-Offenbeck, wclche sämmtlich gegen die Vorlage sprachen. In der Spezial- diskusfion nahmen zu Art. 15 nur Herr v. Krocher .und Graf v. d. Schulenburg-Beeßendors_ das Wort, worauf die Vorlage erst im Einzelner: und schließlich in der Gesammtabstimmung mit 93 gegen 63 Stimmen angenommen wurde. EH folgte "die Schlußberathung über den Gesetzentwurf, betreffend die Ausfuh- rung der KreiSordnung vom 13. Dezembet 1872, welcher nach Empfehlung durch den Referenten Herrn v. Krocher ohne Diskussion genehmigt wurde. Herr v. Kröcher erstattete sodannmundlrchen Be- richt der Finanz-Kommission iiber ÖM Rrchcnichaftsbe_rr"cl)t, betreffend die Vertvsndung des zur Gewährung Von Bexbnlfrn an Angehörige der Reserve und Landw chr durch das „RePE- gesetz vom 22. Juni 1871 bersit gestellten Fonds, www, iiber den Entwurf eines Gesetzes, betreffend die den Angehörigen der Reserve und LandWebr geleisteten Beibiilfen und empfahl die Rechenschaft fiir geführt zu eracbten und den (Heietzcnthnf zu genehmigen. Das Haus trat dieiem Antrags bex. '

Es folgte der mündliche Bericht der annz-Komrntfftbn über verschiedene Petitionen, die sämmtlickz' cbenjo Wie dix- jenigen der Agrar-Kommiiston, deren Bericht 1tch hieran ixbloß, durch Uebergang zur Tagesordnung Erledigt wurden. Dre Sitzung WM; 11/4 Uhr-

_ In der heutigen (63) Sißnng des Hauses der Ab-

geordneten, welcher am Ministeriische mehrere Regierungs- ,

Kommiffarien beiwohnten, thrilte der Präsident v; Jorckenbeck mit, daß das Präfidinm dex: Hauses gestern, Nachmrttag 4F'Uhr bei Sr. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit dem Kronprinzen die nachgesuclzte Audienz hatte, mn Dernselben zu Seiner nnch sch1verer Krankheit erfolgten glücklichen Ruckkehr die Gluck- wiinsche des Hauses zu überbringen. Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit nahm dieselben huldvqll entgegen Und beauftragte das Präsidium, dem. HUM Seinen Dank abzu- statten. _ Vom Iustiz - Minister 11T em Geseßentwurf iiber die den Gerichtsbeamten bei den Kdlleginlgerichten im Be- zirk des AppellationSgerichts zu Eöln für Reisen in Civilpro- zessen zustehenden Reisekosten und Tagegeldcr und. vom Abge- ordneten von (Innern ein Antrag auf ANTJÜHZL'L eines GeseHeH, betreffend die eranziehung der Forensen, ]Ur11tischen Personen, Aktien- und ii nlichen Gesellschaften zu den Kommunalabgaben eingegangen. Anf Veranlassung det.“: Prirfidenten fand ein Na- mensaufruf statt, um die Beschlußfahrgkrit des Hauses zu er- mitteln. Es waren 238 Mitglieder anwesend und das Haus demnach beschlußfähig, Zunächst passirten-daranf die drei Gesetz- entwürfe iiber das Grundbuchwesen m Neuvorponnnern und Rügen, in der Provinz Schleswig- olstein und im Bezirk des Appellationögerichts zu Cassel dre ritto Lesung, worauf das Haus die zweite Berathung des Entwurfs ?MLZ!“ G'eseßes iiber die Vorbildung und Anstellung der Geistlichen fort- e. . 17: setzt „?Die Uebertragung eines gcistlich Amts, w_elche der Vorschrift des §. 1 zuwiderläuft, oder welxbe vor Liblaux der im §. 15 Für die Erbebung dcs Einipruchs getvalnten Frist erfolgt, gilt als nicht e (12 en.“ wFr-sde) Legen den Widerspruch des Abg. von Mallinckrodt ange- nommen. _ Zu §. 18 :„_ , '

„Jedes Pfarramt nt innerhalb einestalnxs vbm Tag? der Erledigung, wo gesetzlich bder observanzniaßig einc Gnadenzeit [*L- stcbt, Vom Tage dsr _Erledignng der Psrnnde an gerechnet, dausrnd zu besetzen. Die Frist ist vom Obcr-Prcrsrdentcn nn Falle des Be- dürfnisses auf Antrag angxmxssen zu vcrlangker'n. _ ,

Nach Ablauf der Fr:]t ist der Qber-Praszdent befugt, die Wie- derbeirßung der Stelle durch Geldstrafen bis zum Bitrage von 1000 Tblrn. zu erzwingen. Die, Androhung und Zestnßnng der Strafe darf wiederholt Werden, bis dchG'eieZe genugi tit.

Auszkrdem itt der Minister der g€1stllchkn Angeltgcnbeiten er- mächtigt, bis dabin Staatsmittel emzubxbglten, Welche, zur Unter- baltung der Stelle oder deslrnxgen geistlichen Oberen'dienen, der das Pfarramt zu besetzen (ckde die Be1eßung zn genebmtgcn hat.“"

lagen folgende beiden Amendements vor: vom Abg. Holtz: Fur

Absaß 2 und 3 einen Absaß 2 in folgender Fassung anzu-

ne men: h „Wird die dauernde Besetzung cines_Pfarramies länger als ein Ja r, vom Tage ch Frciwc'rdens ÖW Pfründe garschnet, obne einen na (Trachten des Ober-Präsidcnten aUSreich6ndenvGrund verzögert, 0 steht demselben zu, die dauernde Besetzung bmncnicmcr zu be- itimmenden Frist zu fordern und nach deren vergeblichen Ablauf als Einkommen bis zur dauernden Befe?nng dcs Amtes'mit Be- schlag u belegen, und iiber „das mit Be ching belegte Einkommen zu kir lichen Zwecken JUUVerugen.“

und vom Abg.1)r. Bruel: dem §. 18 folgende Fassung zu ben:

ge „Wird die dauernde Besetzung eines Pfarramies länger als ein

FreiWerdens dcr Pfründe gtrechnet, ohne einen na Erachten des Obcr-Präsidentcn ausreichenden Grund verzögert, io tebt demselben zu, die dauernde Beseßung binnen .cinsr zu be- stimmenden Frist zu fordern und nach deren vergeblichem Ablauf das Einkommen bis zur dausrnden Besetzung des Amts mit Be- sch1ag zu belegen, und iiber das Mit Be1chlag belegte Einkommcn zn kirchlichen Zwecken zu verfugen.“

Beide Amendements wurden, nachdem fich der Unter-Staats- Sekretär [)r. Achenbach und der Referent Abg. Dr. Gneift gegen dieselben aquespr0chen, abgelßhnt, nnd der §. 18 m der Fas- sung dsr Kommisfion genehrmgt. Bet §. 19:

„Die Errichtung“ von Seelsorge- Aemtern, deren Inhaber un- bedin t abberufen werden dürfen, ist nur „mit Genehmigung des Miniiters der geistlichen Angelegenheiten zulassig

,Die Bestimmungen des §. 18 beziehen fich auch auf die so-

enannten Sukkurial-Pfarreien des französischen Rechtes rnit der aßgabe, da die in Absaß 1 des §. 18 vorgeßchriebene Frist dom Tage der Pu likation dieses Gesetzes an zu lau en beginnt.“ beantragte Abg. Holtz den Absatz 1 abzulehnen. Wie gegen §. 18 nahm auch gegen §. 19 außer dem Abg. Dr. Windtborst (Meppen) der Abg. bon Mallinckrodt das Wort, während der Regiemngs-Kommistar wiederbolentlich fiir die Fassung der Kommission eintrat.

Das Amendement wurde darauf abgelehnt und der Para- graph unverändert genehmigt.

Der § 20 lautet:

Zach, vom Tage des

„Anordnungen oder Vereinbarungen, welche die dur „daß Gesetz begründete Klagbatkeit der aus dem geistlichen AnitSper)altntsse ent- ipringenden vermögenSre'chtlicben Amprüche aus! ließen odex be- schränken, sind nur mit Genehmigung der Staatö-ehorde znlasiig.“

Dieser Paragraph wurde nach kurzer Gegenrededes Abg.

Von Mallinckrodt ebenfalls angenommen. ";ck, .*"?- __ """“"

Gegen „H. 21 «.;-IM;- '

„Die Verur heilung znr Zuchtbausstrafe, die Ab, nung der bürgerlichen Ehrenrechte und der Fähigkkit zur Bekleidung qffent- licher Aemter hat die Erledigung der Stelle, die Unfabigkxit zur Ausübung des geistlichen Amtes und den Verlust des Amtßemkom- mens zur Folge.“ . nahm der "Abg. Simon v. Zastrow das Wort, indem er „Preu- ßen die Kompetenz zum Erlaß eines solchen Gesetzes be tritt, da es mit dem Reichs-Strafgeseßbuch in Widerspruch ste e. Der Abg. Petri trat dieser Ausführung entgegen, ebenso der Un- ter-Staats-Sekretär 01“. Achenbach, während der Abg. von Mallinckrodt fiel) auch gegen diesen Para raphen auHsprach. Abg. Ur. Brüel beantragte, vor „Unfäigkeit“ dacJ Wort „rechtliche“ einzuschalten. Der Referent Abg. 01“. Gnent fand die Ausführungen des Abg. von Zastrow unbegründet und er- klärte sich gegen das Amendement Bruel. Dieses wnrde darauf in namentlicher Abstimmun mit 177 gegen 162 Stimmen ver- worfen und der Paragrap unverändert angenommen. _ Da- mit war der dritte Abschnitt des Geseßes erledigt. Der vierte handelt von den Strafbestimmungen und enthält die §§. 22, 23 und 24. _§. 22 Wurde nach kurzer Diskussion gensbmtgt. Ergen §. 23 nahmen die Abgg. Graf Schwi'intß und vo"n Mallinckrodt das Wort, während der Uirterstaats-Sekretar 1)r. Achtnback) fiir denselben eintrat. Nachdsm aucb dteiér Paragraph angenommen war, vertagte fick) das Haus bis morgen.

_ Gestern veranstalteten die Studirenden dcr hiesigen Hocbsckyulen zur Feier der Wiedergcneiung Sr. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen einen Fackelzug. Nachdem man auf dem nach der Stadt zu gelegenen Theile des Königsplaßes Aufstellung ge- nommen batte, bewegte fick) der aus über tauicnd Fackeln bestehende Zug zunächst durch das Brandenburger Thor, die Linden entlang vor das Kronprinzlicbe Palais. Nachdem dis Klänge des Liedes „Deutschland, Deutschland über AlleS“ vcrballt waren und einer der Studirenden eine kurze Ansprache gehalten batte, erschien Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit dsr Kronprinz an der Rampe des Palais und dankte in war- men Worten fiir die Ihm zu Theil gswordene Ehre. Die Antwort hierauf War ein dreimaliger begeisterter Hochruf auf das Wohl Sr. Kaiserlicben nnd KöniglickyenHobeit. Sodann betvc'gte sich der Juz durch die Schloßsteiheii, den «Zerderschen Markt und die Französische Straße nach dem Gensd'armrn- Markt, wo unter den Klängen dcs „EZUÜSQWUZ“ das LÜTHSU dcr Fackeln erfolgte.

An den Fackelzug, der übrigens an Großartigkeit alle bis- her jemals in Berlin veranstalteten übertraf, schloß sick) ein all- gemeiner Kommers in den Räumen der städtischen Turnhalle, welche von den städtischen BehördM zur Verfiigung gestellt war. Der Besuch War indeß so stark, daß weder der Saal, noch die Tribünen auSreichten.

Schon vorher hatte Se, Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz erklärt, daß Ihm sein GesundheitSzustand leider nicht erlaube, bei dem Kommers zu erscheinen. Nucl) der Reichskanzler von Fürst Bigmarck war aus demselben Grunde nicht in der Lage, der an iim ergangenen Einladung Folge zu leisten. Der Kommers, welchem der Rektor der Universität und zahlreiche Professoren der, hiesigen Hochschulen beiwohnten, endete erst in früher Morgenstunde.

_ Des Kaisers und Königs Majestät haben die Widmung dcr kritisch berichtigcnden Angabc, welche der unter dem Vorfitze des Prof. 01". Prowe zu Thorn bestehsndc, Coper- nicus-Verein fiir Wisscnichaft Und Kunst znr viertsn Säkular- feier des großen Astronomen von dem Haupttverke dcssslben „(16 !*SUO]UT10111[)U§ ordjuw 606188ii11kn“ veranstaltat hat, anzu- nehmen gernbt.

_ Se. Königlich Hoheit der Prinz August bon Württemberg. General der Kavallerie und kommandirsndcr General des Gardc-Corps, bat fick) gestern Abend zur Vcirvob- nung der Trauerfeierlicbkeiten fiir die verstorbene Königin-Muttcr von Württrmberg nacb Stuttgart begeben. Die Geschäfte des General-Kommandos sind während der AbWLsenbeit des kom- mandircnden Generals auf den General-Lieutenant und Com- mandeur der 2. (Harde-Jnfanterie-Divifion v o n B ud "riß ki iiber- gegangen.

_ S9. Durchlaucht der Fürst zu Ysenburg-Birstein ift vorgcstc'rn Abend und Se. Erlaucht der Graf Heinrich von Schönburg-Glanclyan gestern von Dresden bier angekom- men und im Hotel Royal abgestiegen. _

Königsb er g, 12. März. Von den nach dem Gesetze vom 23. Dezember 1867 im Regierungsbezirk Königsberg an 7450 Grundbesitzer bewilligten Notbstandsd arl cl) nen in Höhe von 489,282 Thlr. find, nach der „Ostpr. Ztg.“, bis Ende 1872 zurückgezahlt von 5569 Empfängern 409,943 Thlr. 1 Sgr. 9 Pf., niedsrgeschlagen bei 59 Empfängern 4414 Thlr. 14 Sgr. 6 Pf., in Summa 414,357 Thlr. 16 Sgr. 3 Pf., so daß noch 1822 Empfänger 74,924 Thlr. 13 Sgr. 9 Pf. riickständig smd. _ Ferner murdrn an Darlehnen auf Grund dieses Geseßes aus- gegeben: 3) zur Armenpflege 198,000 Thlr., darauf sind zurück- gezahlt 184,153 Thlr. 1 Sgr. 8 Pf., mithin nock) rückftändig 13,846 Thlr. 28 Sgr. 4 Pf.; b) zu Chauffecbauten 300,000 Thlr., zurückgezahlt sind 132,100 Thlr., no rückständig 167,900 Thlr.; 0) zu Meliorationen 149,969 T in, worauf zurückgezahlt find 67,369 Thlr., niedergeschlagen smd 14,000 Thlr., in Summa 81,369 Thlr., noch rückständig find 68,600 Thlr. _ Im Ganzen smd nach dem Geseße vom 23. Dezember 1867 an Darlehnen ausgegeben worden 1,137,251 T lt., darauf find bis zum Schlusse des Jahres 1872 zurückgeza lt 793,565 Ter. 3 Sgr. 5 Pf., niedergeschlagen 18,414 Thlr. 14 Sgr. 6 P ., in Summa 811,979 Thlr. 17 Sgr. 11 Pf., find mithin nocl) rück- ständig geblieben 325,271 Thlr. 12 Sgr. 1 Pf. _ Nn Saat- darlehnen nach dem Gesetze vom 3. März 1868 smd im Köni s- berger Regierungsbezirke an 57,295 Empfänger 1,179,367 T lr. 2 Sgr. 9 Pf. ausgegeben worden, darauf smd bis zum Schlusse des Jahres 1872 von 22,407 Empfängern 611,426 Thlr. 3 Sgr. 8 Pf. zurückgezahlt und bei 2561 Empfängern 36,697 Thlr. 11 Sgr. 2 Pf. niedergeschlagen; nach Abzug dieser Be- träge rnit in Summe 648,123 Thlr. 14 Sgr. 10 Ps., bleiben noch 531,243 Thlr. 17 Sgr. 11 Pf. von 32,327 Empfängern rückständig.

H anno v er , 12. März. Residenzstadt Hannover ist

Dem Magistrate der Königlichen nachstehendes S chret b en des

Grafen Otto zu Stolberg-Wernigerode unterm 7. Märzjd. I.

zugegangen: _ _ Hannovsr dyn 7. Mgrz 1873.

„Nachdem dcs Kaners und Königs Manstat alls meme Bitte Allergnädigst gerubt haben, mir die Entlassung aus,dem StagiSdtenste zu ertbeilen, und ich in Folge dessen gestern meme Funktionen gls Obcr-Yräsidcnt der Provinz Hannover niedergelegt ha c'. bin ich im Begri , am heutigen Tage die Stadt Hannover Fg verlassen.

Von diesem Ort, an welchem ich wahrend uns und emem_bal- ben Jahre meinen Aufenthalt gehabt habe, vermag nb nicht zu 111)?!“ den, ohne dem Magistrat es no besonders ausznsprechcn, ww dani- bar ich für die_ rose Freundlich eit bin, welchc; in dieser ganzen Zeit mir bier so viel ach bewiesen worden ist, und em wre lebhaftes Inter- esse ich für das fernere Wohl dieser Stadt, emp nde.“

Um auch ein sichtbares Zeichen meines au richtigen Dankes und meiner warmen S mpatbiezu geben, bitte ich dentMagtstrat ganz er- gebenst, irn Intereése der Armen hiesiger Stadt eme Gabe 'von Dr_ei- tausend Tbalern gü_tigst_von mir annehmen zu wollxn. Mein Wumch würde es icin, da!; die1e Summe von dem Magistrat als ein von dem_ Kommunal-Nrmenverrnögen getrennter Fond verwaltet und dessen 35mm für besondere NotbtäUe verwendet würden, indesien uberlaffe ich alle speziellen Bestimmungen und Anordnungen Wohldeffclben bestem Erinc-ssen.

Indem ich nunmehr von der Königlichen Residenzstadt Hannover Abschied nehme, erlaube ich mir dem gütigen Andenken der geehrten Mitglieder des Wohllöbliclxn Magistrats und der Einwohner dieser mir lieb und wcrtb gew-ordencn Stadt mich zu empfehlen.

Otto Graf zu Stolberg.“

Bayern. nel) en, 11. März. Wegen Ablebens der ver- wittweten Königin vonWÜrttemberg wird derKönigliche Hof eine dreiwöchige Hoftrauer anlegen. _ Wie zur Zeit be- stimmt ist, wird die Kaiserin von Rußland auf der Reise nach Italien am 16. d. Morgen?- in Prag eintreffen und von dort, ohne Aufenthalt zu nehmen, die Reise über Fürth, Schwan- dorf, Regensburg, Passau und Salzburg fortsetzen.

Sachsen. Dresden, 12. März. Staats - Minister 131". von Gerber hat heute mit Allerhöchstem Urlaub eine Vierzehn- tägige Erholungöreise angetreten.

Württemberg. Stuttgart, 12. März. Der heutige „Staats-Anzciger fiir Württembsrg“ enthält anläßlich des Ab- lebens der Königin-Mutter Folgendes:

Ihre Majestät die Königin-Muttcr bon Württemberg, Pauline, geborene Hkrzogin von Würiicmbcrg, ist heute Nachmittag um 5 Uhr nach längeren Leiden, die Sie mit Wahrhaft christlicber Geduld und Ergcbung crtrug, verschieden. ,

Dic sämmtlichen Mitglieder der Königlichen Familie, besonders Jbre Majestätcn der König und die Königin, Höchstivclibe der Ver- cwigten mit kindlichcr Liebe und Vercbrung zugethan Waren, sind durch diesen TodeFfal]. in die tiefste Trauer versetzt worden.

An diktcr Trauer_nimtnt das ganze Land, welches der Vcrewigten Jbres edeln, wahrhaft frommsn Sinnes und Ihrer unermüdli en Wolcklil)ätigkeit 1v_egen allgemeine Verehrung und innige Anbänglich eit bewahrte, den ausrichtigiten Anibcil.

Ihre Majestät war geboren den 4, September 1800, vsrmäblt mit des verewigtkn Königs Wilhelm Majestät den 15. April 1820, Winnie seit dem 25. Juni 1864.

_ WLILU Ablebens Ihrer Majestät der Königin-Mutter Pauline von Württemberg wird vom 10. d. Mrs. an auf die Dauer Von 24 Wochen Hoftrau er angelegt.

_ (W. T. B.) Nach den nsueften Bestimmungen soll die Leiche der Königin-Mutter am Freitag um 4 Uhr in die hiesige Stiftskirche übergeführt werden, wo der Trauer- gottesdienst stattfinden wird; von dort aus soll fick) der Leichen- kondukt gegen 6 Uhr nach Ludwigsburg begeben.

_ In der heutigen Sißung der Zw eiten Kammer wurde der Antrag des Abg. Oesterten, Über die Regierungsvorlage wegen der Militäretabliffementskosten zur TagesQrdnnng über- zugehen., mit 66 gegen 20 Stimmen abgelehnt.

Baden. KarlSruhe, 10.*März. Der Großherzog bat gcstsrn Nachmittag 5 Uhr den bei dem Deutschen Kaiser nnd König von Preußen als außerordentlicher Gc- icmdtsr und bovollmärbtigtcr Minister des Königs von Italien, bsglaubigten Grafen Eduard von Launnt), in besonderer Audisnz empfangen und aus dessen Händen das Schreiben des Königs cntgegengsnommen, wclcbes ihn in der gleichen Eigenschaft auch am Großbsrzoglicben Hofe beglaubigt. _ Hruie wurde der Gesandte der Großherzogin vorgestellt und zur Großherzoglichen Tafel gezogen.

Hessen. Darmstadt, 12. März. Der Großherzog bat mittelst Allerböchster Entschließung vom 11. [. Mrs. die Zuimnmrnberufung ciner außerordentlichen Synode zur bsgutachtenden Beratbung des Entwurfs einer Verfassung fiir die evangeliiébe Kirche dss Großherzogtbums angeordnet und bcstimmt, daß die feierliche Eröffnung der Synode am 25. März d. J. stnttzufinden habe.

_ Mit thsbmigung des Großherzogs ist den Ständen ein Gesetzentwurf, die Kompetenz der Gerichte in Strafsachn in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen betreffend, mitgetheilt worden.

Oldenburg, 11. März. (W. T. B.) In der heutigen Landtagsiitznng wnrde iiber die drei Eisenbahnvorlagen der- handelt. Osffentlick) War nur die Verhandlung Wegen der Sub- vention fiir die Bahn Von Westerstede nacl) Ock)l)olt. _Die Bahn soll,'als eine sogenannte sekundäre, m sparsamer Weite möglichst ickymalspurig bsrgestcllt werden, um „den Flecken Westerstrde mit dsr Bahn Oldenburg-Leer zu verbinden; die Kosten find fur 6880 Meter Länge einicblisßlick) des Betriebsmaterials nur auf 70,000 Thaler veranschlagt, von denen die Gemeinde Wester- stede durck) Herstellung des Daniiires 10,000 Thaler tragen will, 15,000 Thlr. durcb Prioritätsaktien gesichert, Weitere 15,000 Thlr. in Stamnmktien gezeichnet sind und fiir die letzten 30,000 Thlr. nacb dem Regisrnngsantrage der Staat die Zinögarantie iiber- nebmen soll. Der AUL]chU[;, nus 9 Personen bestehend, hatte sich mit 3 Stimmen gegen die Bewilligung der Zinsgarantte, mit 6 Stimmen dafür, *aber unter der Modifikation erklärt, daß aus dem Ertrage die Verzinsung der vom Staate zu garan- tirenden Aktien dcn Stainmaktien vorgeben solle. Der Mehr- beitsantrag wurde angenommen.

Die Verhandlung über die beiden übrigen Vorlagen erfolgte ,in geheimer Sitzung, deren Ergebnis; aber veröffentlicht werden diiiite. Die abgeschlossenen Punktationen Wegen der Bahn Zhrbobe- Neuscbatz wurden genehmigt und dem ständigen Aus-

schuffe des Landtags die Befugnis; ertbeilt, in Betreff der noch -

ichtvebenden Verhandlungen die StaatSregierung zum Abschluße zu ermächtigen- Dcm Vertrage wegen der Bahn Quakenbruck nacb OsUabrück ertbeilte der Landtag seine Genehmignzig. Jm Fürstenthum Lübeck gilt in Betreff der Klagen-Verjahrung bis 'th das gemeine Recht. umsäsießende Schle-Z-wig-Holstein durch Gesetz vom 9. Februar

1869, die preußische Verordnung vom 6. Iult 1845, betreffend *

kürzere Verjährungsfriften, eingefiihrt ist, ist auch dort ein neues

Seitdem für das das Fürstenthum _

Berjährungs-Geseß zum Bedürfnis; geworden; die StaatSregierung hat daher dem Landtag den Entwurf eines Gcseßes vorgelegt, welches im Wesentlichen mit der erwähnten preußischen Verord- nung überein immt. Der Landtag nahm den Entwurf in erster Lesung mit einer kleinen Abänderung an.

BraunschWeig, 11. März. In der Landesversnmm- lung verlas heute der Präfident ein Schreiben deH crzoglichen Staats-Ministeriums, in welchem dasselbe erklärt,_da es in Be- zug auf die von dem Ab , Senfertl] und Genossen ergangene Interpellation wegen Erri tung einér preußischen Bankfiliale nicht im Stande sei, für jetzt auf die ergangene Frage weder eine bejahende nock) verneinende Antwort zu geben, indem die deshalb von auswärts erbetenen Nachmeisungen noch nicht ein- gegangen seien. _ In einem andern Schreiben erklärt fich die LandeSregierung mit den von der Lande?:versammlung zu dem DisfidentewGeseße und dem Gesetze wegen Aufhebung der Tauf- frist vorgeschlagenen Abänderungen, vorbehaltlich der Redaktion?- feststellung, einverstanden. _ Von dem Abg. Senfkrtl; ist ein gehörig unterstützter Antrag auf Wiederanfnahme der Vkrhand- lung über den Bericht der staatsrechtlichen Kommission wegen Revision des Wahlgeseßes gestellt. Die Versammlung beschloß die Wiederaufnahme der Beraihung und Nbg. Seyferth beantragte zunächst über den erstenThcil des KommisfionSantrags Nr. 1 und dann uber die Weite Hälfte desselben getrcnnt abxustimmen. Nach kurzer Debatte, in Mlcber Abg. CaSpati die Griinde aus- einandersetzte, Miche ihn in der letzten Sitzung ÖLWOJM haben, gegen den Antragzn stimmen, während er beute in dcr jetzt vorgeschlagenen AbstimmnngSWciie für denselben stimmcn Werde, wurde die erste Hiilfte des Kommisfionöantrages, Welchc lautet:

„Herzoglicbe Landcsrrgicrung zu ersuchen, dic bestehknde Gesetzge- bung über die Zusammenicßnng dcr LandeSversarnmlnng und das Wahlgesetz einer Revision zu unterziehen“,

mit großer Mehrheit angenommen. Der ziveite Abiaß, Welcher heißt: „und dabei die in d€m Ko1nmiisi0nöb2richt€ grgebcnen Andeutnngen auf Grund anzustellsnder Vorarbeiten in Erwä- gung zu ziehen“ wurde mit Majorität abgelehnt. Abg. Kcil stellt den Antrag:

Herzogliche Landeörsgierung zn ersucbcn, noch drin gegenwärtigen éLandtage cinen Gcsrßrntwurf borzulcgcn, Durch Wochen das direkte geheime Wahlverfahren eingeführt werde“;

derselbe Winde jedoch in Hinsicbt auf ÖM iiber die erste Hälfte des Kommissionstrnges gefaßtsn B Wlns; abgilahnt. Die PL- tition wurde durch ÖM angenommenen Kommissionsirntrag für erledigt erklärt.

' Bremen, 12. März. In der heutigen SilZung- der Bitrgcrmhaft theilt? der Präsident mit, daß am 15. eine abc-rmaligs Sitzung der Bürgerschaft stattfinden tvsrdc. Der erste Gegenstand der Bernthng betraf die Mittheilung des Senats Vom 3. März, betreffend Grundzüge zu einer Verein- barun mit Preußen und Oldenburg Wogen Ucb-xrtragnng der UnterZ-alxung dcr Sck)iffal)rtcchichen in dcr Unicrweicr an Brrmen Und Erhsbnng ciner Abgabe von der Schiffahrt in den kontra- birendcn Staaten, sowie ferner die Bewilligung von 150,000 Mark für ein neues Außenleuchiicbiff (in der Gegend der Sckyliisssltonnt') und 50,000 Mark für damit zusammenhängende Ansegabcn. Die Vorlage wurde unW'ändert genehmigt.

Elsaß-Lothringen. Straßburg, 12. März. (W.T.B.) Dkk in Gcmäszbeit drr Bestimmungen des §. 8 des Geistch Von 1871 betreffend die iiinricbtunxx, dcr Verwaltnng- in El- iaß-Lotlninakn zn organisircndc Kaiserliche Ra il) znr Wahr- nalime dsr Verrichtungen cincs Staatsraibs tritt am 14. d. in Wirksamkeit. _ Durch eine Verfiigung dcs Ober-Prc'ifidinms Vom heutigen TÜJE ist drr hiesigen Gtiiicindevertvaltnng cin Thkildkr Polizeivertvaltnng iibcrwicien wvrdén.

Das Ersatzaushcbunchg eschäft fiir die hiefigr Stadt ist gestern beendet worden. Zu demselben hatten fiel) 389 Militär- dienstpslichtigegestellt, von denen 178 für tauglich erklärt wurden.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 11. Miirz. Im Abgeord- netenhanse wurde der StaatSvornns cl)lag fiir 1873 berathen. Nack) Verlesung ch."; GencralbcrichteH wurden in der Spezial: debatte die Knpittl': „Hofstaat, Kabinetskanzlei, Reichsratl), Reichs- gericht, Ministerrath“ nach den Llntriigsn dec."- Llussohuffes gc- nehmigt, und beim Kapitel „Ministerium des Innern“ die im Titel „Straßenbau“ vom Aussthnffe gestrichenen Summen fiir Straßenbanten in Dalmatien und der Bukowina wieder eingestellt, sodann das Kapitel „Ministerium des Innern“ nach den An- trägen dec; Anssthnffeé; erledigt und das Kapitel „Landes- vcrtheidigungs-Ministerium“ ohne Debatte nach den Anträgen des Aitssclmffes angenommen. Sämmtliche Positionen des Etats dcs Finanz-Ministeriuch bis zum Kapitel „Salz“ wurden nach den- Anträgen des AuEschuffes bewilligt. Schließlich wurde eine Interpellation Ljubiffa's und Genossen in der Angelegenheit der Errichtung einer griechisch=0rientalisch9n Metropole in Czernowiß verlesen.

_ 12. März. (W. T. V.) Auf Befehl des Kaisers wird der hirfige Hof wegen ch Ablebens dcr Königin-Mnttcr Fon Wiirttembérg vom 13. d. auf zehn Tage Trauer an- e en.

g _ Die „Tropp. Ztg.“ meldet: „Während der Zeitperiode vom 22. Februar bis 1. März 1873 bat die in Sckxlestcn herr- schende Cholera-Epidemie weiter die Ortschaft Herzmaniß des Freistädter politischen Bezirkes hbimgesncht. In der oben er- wähnten Zeitperiode find in den Ortschaften Zamost, Poln- Ostrau und Herzmaniß dcs Freistädter Bezirkes 21 Personen an der Cholera erkrankt. Seit dem Ausbruchs der Epidemie, den 28. November 1872, find in Schlesien bic; 1. März l. I. in acht Ortschaften ch Freistädter, in 13 Ortschaften des Testi)- ner und in sechs Ortschaften des Troppauer politischen Bezirkrs, zusammen in 27 Ortschaften rnit einer Bevölkerung von 30,634 Einwohner, 543 Personen an der Chalcra erkrankt, hiervon 274 genesen, 256 gestorben und 13 in weiterer Behandlung ver- blieben. Bis jetzt ift die E idemie in 22 von derselben befallen gewesenen Ortschaften erlos en.

Pestl), 11. März. Jm Unterbanie leite der Referent Széll die Berichte des Ceutral-Ausstlmffes iibt'r die Sieucr- vorlagen und iiber die RefundirungZangelegenbeit der Donau- Dampffchiffahrts - Gciellichaft vor. Jranyi's Beichlußantrag Wegen Einfiihrung einkr Luxussteucr wrrde nack) dt'n Steuer- vorlagen zur Vsrbandlun gelangen, welche auf die Tages- ordnung der Sonnabendsiißun gesetzt Werde“. Das „Haus seßte demnächst die Debatte iiber das Budget des Finanz- Ministeriums fort. Bei dem Posten „Bergwch und Prägranstalten“ legte der Finanz-Minister Kerkapolyi dcn Vkrtrag vor, den er hinsichtlich der Vajdahunyadcr Eii€11Werke abgeschlossen hat. Nach diesem Vertrage Wird eine Gesellschaft mit 8 Millionen Stammkapital gebildet. Die ganze Summe wird eingezahlt; ,das Konsortium erhält fiir die Geldbejchaffung 5 Prozent. Die Gesellschaft erhält die Eiicngeivcrke; derStaat .ubernimmt die Verpflichtung, den Bei'gtverken das nöthigc Holz

nnd die Holzkohle zu liefern. Der Preis derselben wird alle 10 Jahre neu bestimmt. Die Fracht hat die Gesellschaft zu be- sorgen. Dem Staate werden jährlich 45 Millionen Gulden, das ist so viel, als der bisherige Nußen; bezahlt. Wenn hier- anf em Nutzen bleibt, so gehört derselbe der Gesellschaft bis zur Hdhe von 7 pCt. des Anlagekapitals. Was über 7 pCt. ist 10le zw1schen Staat und Gesellschaft getheilt. Hinsichtlich der Zsckthaler Kahlenbergwerke will der Minister einen ähnlichen Vertrag schließen, der fich von dem obigen nur dadurch unter- scheidet, daß dem Staate die Investitionen von 11/2 Millionen vergütet werden. Auf Antrag des Finanz-Minifters blieb der Posten „Zsilthal und Vajdahunyad“ in der Schwebe bis der Finanzausschuß den Vertrag berathen und das Haus denselben genehmigt hat. Hierauf Erledigte das Haus das Budget de§ Jinanz-Ministerinm-Z und den Bericht über die Kredit-Opera- tionen, womit das ganze Budget erledigt ist.

Schweiz. Solotburn, 12. März. (W. T. B.) Die hiesige Wahlbehörde hat auf Antrag der Kirchengemsinde Olten dcn altkatbolischen Pfarrer Herzog in Crefeld mit 12 gegen 1 Stimm? zum Pfarrer bon Olten gewählt.

Genf, 12. Miirz. (W. T. B.) Pat-Ir Hyacintl) ist beuio hlér eingetroffen; derjelbe wird seine Vorträge am nächsten Montag eröffnen.

Belgien. Brüssel, 12. März. (W. T. B.) In der Dcpntirtenkammcr wurde heute die Beratbung iibcr die Vorlage Mgen dcs Ankaufs dsr Eisenbahn „Grand Luxem- bourg“ fortgesetzt und, nacbdkm verschiedene Abgsordnete das Wort ergriffen batten, der Schluß der Gsneral-Disknifion angs- n_ommen. Morgen soll in die Béraibnng der einzolnen Artikel emgetretsn nnd Vorauöfic'fnlicl; anck) brreits zur Abstimmung gs- ichritten Werden.

Großbritannien und Irland. London, 11. März Der Prinz und die Prinzessin von Wales gaben in F))?arlborongb-Houie gestern anläßlich drs zehnten Jahrestages 1b_rer Vsrmäblung einen großen Ball, der Seitens des diploma- ti1ch€n Corps und dsr hoben Aristokratie icin znhlrcickie Bctlyei- ligung batte. Während des Balles empfing Ritter Cadorna, der italienische Griandte, cin Telegramm, Worin er ersucht Wurde, im Namen des Königs Victor Enianucl nnd der König- lichen Prinzen bmi Jtalisn das Prinzlicbc Paar zn il)r€1nHock)- zeitsiagc zu beglückwiinsclwn, tvslclnn Auftrages cr fick) “sofort cntlcdigtc. Zn Windsor wurde dsr freudige Tag durch Glocken- gelänts Und Kanonenstbüffß fc'stlicb begangen.

_ 12. März. (W. T. B. Das ObOerUs bat in zMiter Lcinng dic Bill, betrcffsnd die Errichtung Eines Ober- Llppsllationsgericbtslwfi's, angenommen,

_ Gladstone wurde heute Morgen von der Königin empfangen; hitranf fand eine Ministcrkonfcrcnz statt. In derselben soll, wie das „Echo“ versichert, der Rücktritt des Ministeriums beschlossen sein. Gladstone hatt? nacl) dsr Kon: forenz einc zweite Audienz- bei der Königin. In Folge dcren gilt es als wahrscheinlich, daß Dileacli sofort in dsn Palast berufen Wird. Die anderen Abendzeitnngen enthalten jedorl] keinerlei Mittheilnngen bezüglich der Ministeririfis nnd ist Über- haupt nichts Positives dariiber bekannt geworden.

Frankreich. Paris, 11. März. „Bien public“ schreibt:

„Es ist _ksin Gcbcimniß, da]"; die virrtc Milliardi', von dcr silydn die erste Hälßc abgrzablt ist, mindesicns binnen zwei Monaten in den Händcn der Dcnifchcn skill wird und das; kaum noch drci Mo- nats erforderliii) ssin tvkrdcn, bis definitiv über Zinblnng der fünften verhandelt icin wird, z_u dcr bwrxits dcr Staatsschutz die Hiilfte in Kassk bai. Laut dcn trübyrcn Vsrträgen Werden die bridrn Dcparte- msnis dcr Ardcnn-sn und Vog-Iixn gcräumt, 'Wenn die vikrtc Milliard-x, vollständig abgoznlylf ist, als spätestens im Juni, so daß die voll- ständige Räumung der noch besctztcn Landéstlnilc spätrstcns Ende Srptkmbcrs cius vollbracbteé Thatsache sein wird, da diesc Frist noth- wendig isi fiir die Oprmtioncn dcr Abznblnng dcr lrßtrn Milliarde die durch Trattcn bewirkt werden soll, die fiir Dcutscliland den Wcril) dcs baarcn Geldes haben, wobiri aber den großen Finanzinstituten diese Zrit gelassen i_vrrden mnßtc', un; die Llnleibs zu emittircn und dir Snbikrivticn anizulcgen.“

Das Blatt fiigt schlikszlicl) Hinzu:

„Was aucb unsere Bcickwrrdcn wäbrcnd dcs Kriegos sein mochten, 10 kann man doch nicht ]LUJUSU, das; Dc'utscbinnd sxit Unicrzcichnung dcr Vsrirägc von 1871 und 1872 in nlicn scinrn Schritten uns gcgen- iiber Brtvcisc von Rechtlicbl'cit, I)iäßinnng und Umsicht gcgcbcn bat.“

_ Die „Asstmblée Nationale“ theilt folgende Details über die Zuiammsnsstznng dor französischen Llrms'e mit:

„Im Jahre 1870 batten wir 116 Infanteric-chimcntcr, 21 Jäger-Baiaillcne und Z Bataillon? leichter Jufanteric. Dns „Mili- tärische Jabrbnii)“ von 1873 vc'rz-xiclxngr 126 Linicn-chimcntcr, 4 Znaan-chinikntcr, 3 chimcntrr algicri1chcr Jägcr (Turkbs), 1 From- dsn-chiincnt, im Ganzcn 135 Jiifanterie-Rc-gimenter. Anßrrdmn 30 Bataillone Jägcr zn FUF, 3 Bataillons leichter afrikaniscbt'r JU- fanteric kabirs), 5 Di§ziplitmr-Comvngnirn. an Jabrc 1870 b€* stand uniere Kavallrric aus 6 Gardc-ngimentcrn, 10 KürasffM 8 Ulancn-, 12 Jägcrz 8 .Hnsarsn-échinitntern, 4 chimchnicrn afrikani- scher Jäger (Cbasscurs d*'.)ifriquc1, 3 Spahis-chimentcrn, im Ganzcn 63 Rrgimcnicrn und 3 Cmnpagnicn dcr Rsmontc. Jm Annuaire von 1873 ist die Zahl dieselbk; nur cxistircn die' Carabinirrs und [Lianen nicht nicht, und wir haben 12 Kiirassicr-, 20 Drnndnch 14 Jägcr-, 10 Hniaren-chimenter, 4 chimcnicr (sbasscurs 'd'Lliriqnc und 3 Rc- gimcntc-r Spadis, Die Llrtillkric, dis 1870 aus 22 chimcntcrn, 1 chimcnt Pontonnicrs und 2chi1ncntcrn Train bksiand, zählt 1873 30 chimrntcr, 1 Ponionnicukaqimcni, das Von Mcß nail) Avignon verirgt wurds, und 2 Train-Regimcnicr. Dis Zahl der Arbeiter-Compagnien ist von 17 auf 15 grfallcn. Die Geniciruppcn bcstcben wie friiher aus 3 Regimcntern; dic Lirbcitcr-Compagnie ist anfgclzobcu.“ *

_ In Toulon smd 38 Miigliedcr derIntcrnationale vor das Polizeigericht gestellt worden.

Versailles, 12. März. (W. T. B.) In der heutigen Sißung dcr Nationalvcrsamrnlung wurde die Bcrathung iiber die Vorlage der Dreißigcr-Kommisfion fortgesetzt. Von dem letzten Artikel wurde der erste Paragraph, betreffend die Ußbcr- tragung dcr Gewalten rnit 434 gegen 196 Stimmen, der zweite Paragraph, betreffend die Errichtung einer Zweiten Kammer mit 381 gegen 213 Stimmen, der dritte Paragraph, betreffend das Wahlgesetz mit 470 gegen 163 Stimmen, endlich der Paragraph, wonach von der Regierung die ent- sprechenden Gesehentwürfe vorgelegt tberden sollen, mit 451 gegen 183 Stimmen, und schließlich der Artikel im Ganzen mit 367 gegen 227 Stimmen angenommen. Hierauf wurde ein Antrag. des Abg. Kerdrcl, daß die bezügliclien Vor- lagen erst nach der Ränmung ÖVG Landes yon der Regierung eingebracht werden sollten, nachdem sick) der Iusttz-Minister Dufanre Namens der Regierung d'ag'égen erklart hatte, mit 436 gchn 168 Stimmen verworfen. Morgen wird die Diskussion über ein von dem Abg. Naquet vorgesclzlagench Zusatzamendemcnt statt- finden. _ Die Kommission für die Handelsiierträge hat den Nbg. Pouyer-Querticr zum Vorfißcndcn crwahlt.

Spanien. Madrid,8.5.1)1ärz. Der"_vern1itt€l11de ?in- trag dcs Generals Primo de Rivera, ursprunglich das Mino:

rétä'tsvo-tum der von den Cortes gewählten Kommission, deren Mchrhett der ministeriellen Vorlage feindlich war, 1th den Zu- sammentritt der konstituirenden Versammlung auf den]. Zum und den Beqinn der zur Wahl nöthigen Groß- ]nhrtgkeit auf das 21. Lebknsjahr isst; die parlamsntariiche Lucke bis zur Konstituante soll ein ständiger Autischuß mit voll- zrehender, nicbt blos berathender Macht ausfiillkn. Die An- nahme deH Antrages bat die Rui)? auf einige Tage gesichert. In Madrid [)xrtte man bereits das Gerücht in Umlauf gesetzt, dgß 22 PrOVrnzen sntschloffen seisn, die Llntorität Madrids nicht mehr anzuerkenncn, Wenn die Auflösung der Versammlung noch mit hinausgeschoben würde.

In Malaga find ernste Ruhestörungen vorgekommen. Das bernasnete Volk drang in die Kasernen ein, zwang die ganze mrlttarzsckie BÜHNE der Stadt, die Waffen niederzulegen, be- setzte" dre 'offenilt ]Ln Gebäude und das Kastell Gibralfaro, und soll die bundesstaat1iche Republik angerufen haben. Die Sol: daten und Gensd'armen mischten stil] nachher unter die Menge, welche, republikanische Lieder abfingend, durch die Straßen zog. Vergreisungen an Eigenthum werden nicht gemeldet; im Gegen- therl wurden die Regimentskaffen dem stellvertretenden Gouver- neur Fantoni übergeben, und die Zollkaffcn werden von den be- wanneten „Freiwilligen bewacht. Viele wohlhabende Familien verlaffen die Stadt. Nachrichten ans Regierungsquellen melden dagegen nur die Entwaffnung von 60 Carabiniers. _ Der aus Velez-„Malaga gemeldete Zusammenstoß zwisckzen den dortigen Freiwilligen nnd einer Carliftenbnnde war unbedeutend; die [eß- tere_ ranmte nach einem kleinen Gefechte init Hiiiterlaffnng von drei Verwnndeten das Feld.

_ 12. 'März; (W. T. B.) Die Nationalversamm- lung bat die drci Artikel dss bon Primo Rivera qc- stelltcn vermittelnden Antragss, tvonack) nnr im Alliie- mctnen erklärt wird, daß dsr Tag der NEUMANN] Und des Zusammentrrtts dcr konstituirendcn Cortes festzustellen iei, an- genornmcn. Nncbrichien dcr Ri'gicrnng schildkrn die Verhält- 111116. in Valcncm, Tarragona, Barrelona sehr günstig, Figueras ist in Barcelona mit großsn Freudeezeigungcn cmpfangen wordxn.

_ In der l)-:Utigcn Si13nng drr kammer verlas der Präfidcnt Bianckxri ein Schrei- bxn des Hkrzogs bon Aosta, worin dcrjelbe seinen Dank sur die Sxitcns dcr Kammsr an ihn gerichtete ErgebenbsitS- adrcsie nnsiprlcln; er habe die ipaniicbc Kronc in der Hoffnung nngcnomnrcn, dem Lande Ruhe geben zu können; nachdem er xedocb Lingcicben, daß Spanicn unter isincr chicrung nicht gluxklicl) Werden könne, babe rr der KMM entiagt, mit dem Be- tvnßt'cm, dic beichworenc Verfassung loyal bsobacbtet zu Haben; Italien nicrde in ihrn immer 8111611 patriotifck'en Soldaten finden.

_ Nack) ans San Sebastian Vom 11. März nach Paris grinngten, aus Regierungsqucllen stammsnden Nachrichten wäre ein ctwa 2000 Mann zählcéndcr Cnrlistenbaufsn nnter Dorre- garai) boi Monrsal in Navarra von dcn chisrungstruppsn ge- icblagen Worden und hätte viele Todte und Gefangene vrrloren. Einandrrcr Cauistcnirnpp untcr Sorreta Hätte gleichfalls eine vollitäiidigc Nicdcrlagc erlitten und wäre in di? Berge Von Oyarznn gedrängt WOLDCU. Dcr letztßrc lyiitte 23 Todtc, dar- unter Sorcta, anf drin Platze gelassen, eine große Anzahl isi verwundet, viele icien iiber die franzöfisckx Grenze gcflobsn.

. Schweden und NorWegen. Stockholm, 8. März. „Aftonbladet“ theilt ach zuverlässiger Qnelle mit, daß die Ge- rüchte iiber eine Erkrankung dec; Königs der Begründung ent- behren. Der König sei zwar scbr ergriffen worden durch den plötzlichen Hintritt seines geliebtrn Brudcrs, befinde fich aber sonst wohl, habe seine gewöhnlichen Promenaden täglich ge- macht und vorgestern Staatsrath gehalten.

_ Die Obdnktion der Leiche des Prinzen August ist gestern durch den Professor Ker) in Gegenwart der Staatsräihe, des Ober-Kommandantcn U. (1. Personen geschehen; nm Mon- tag und Dienstag Wird dieselbe auf dem Paradcbctte gezeigt werden, Und daS Begräbnis; wird am Donnsrstag stattfinden. Dazu werden der Erbprinz von Anßalt mit *scincr Gcntaßlin, Sclnvester der Prinzessin Therese, der Wittwe des Prinzen August, am Dienstag .crwartct. Die irdischen Uebkrreste des verstorbenen Prinzen Winden in dem Sarge ruhen, welcher im vorigen Sommer hier in Stockholm fiir den König Carl )(7. angefertigt, darnach aber nicht benutzt wurde, weil man den Sarg nnwendete, der in Malmoe angefertigt und in welchem die Königlich? Leiche von dort hierher gebracht worden war.

_ Die Proposition des Kdnigö, betreffend die An- nahme der mit Norwegen und Dänemark abgeschlossenen Münz- Konvcntion, ist sclwn am Mittwoch dem Reichstage vorgelegt worden. Da fck]0n friihcr gemeldet worden ist, daß nach der: selben Gold der alleinige Werthmcffcr sein, die Rcchcneinheit Krona (an Wertl) wenig verschieden von dem jetzigen Reicht“- tlmler, gctlzeilt in 100 Dore) heißen soll, daß zwei Münzen zu 10 und 20 Kronen von Miinzgold, enihnltsnd 90 pCt. feines Gold, sowis zur Scheidemiinze silberne und kupferne Münzen geprägt werdrn sollen U. a. m., so ist hier an*:- der Proposition nur zu erwähnen, daß dieselbe die Einführung derselben, sowie die Fiißlnng aller öffentlichen Reihenschaften nach dem neuen Münzsnstem zum 1. Ianunr 1875 vorschlägt.

_ Der Reichstag ist mit der Berathung des Budgets fiir 1874 bcscl]äftigt.

Amerika. Aus Washington wird unterm10. Marz per Kabel gemeldet: Mr. Caldwell, der neugewählte Senator für Kansa-Z, ist fiir niclzt legal erwählt erklärt worden. Die Mit- gliedcr dcs diplomatischen Corps haben den Präsidenten Grnnt anläßlich seines AmtSantritts fiir die zweite Periode begluck- wiin t.

schlicW-chrk, 11, März. (W. T. B.) Nack) Berichten aus Mexiko ist Porfirio Diaz zum Oberrichtervon Mexiko erwählt worden. Der nordarncrikanisckzc General Austun ist in der Grenzstation am Rio-Grandc del, Norte cingetroTcn, um Maß- regeln zur Sicherung der amerikanqclzen Grenz evölkerung zu tre en. - '

ff Asien. Die neuesten indischen „Zeitungen melden den Tod zweierindischenJürsten, dcs Maharadschal] von Iohdpore und des Radscha's von Dhalepore. Leßterer leistete den Flüchtlingen von Gwalior im Jahre 1857 gute Dienste, für welche er, wie fiir seine Loyalität im Allgemeinen, das Groß- kreuz ch Sterns von Indien erhielt.

Kunst und Wissenschaft. _

Berlin, 13. März. O_as Baklet des Königlichen Oprrnbantes brachte gestern Abend neu eimtudirt und mit zum Theil neuer Ausstat- tung ein älteres chorecgraphiichechrk: „Aladin oder dieWnndcr- lampe". Dieses früher gern gesehene Zauberballet, eine Erfindung des vrrstorbcncn Königlichen Balletmeistcr Hognci, _batte mcbrere . Jahre gcrnbt und damit miri) äußerlich in Brzug ausYZescßlan UU verändkrtes Linielnn Erhalten. Dic Pnrtic drr Prinzemin Liaidriyxtz . baldonr, einst von Frl. Maric Taglicni gctanzf, ist 1th vcn “srl.

Deputirten-