1873 / 103 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Wed, 30 Apr 1873 18:00:01 GMT) scan diff

Grenadier-Regiments statt, dessen Chef Allerhöchstdieselben smd. Se. Majestät wohnten derselben zu sechs bei. Die Stadt ist wegen des Gcburtstages Sr. Majestat des Kaisers Alexander festlich geschmückt und freudig bewegt. Abends sollte der große Zapfenstreich stattfinden.

Ein zweites Telegramm meldet;

Gestern Mittag wohnten Se. Majestät mit dem ganzen Gefosge dcm Festgottcézdienste, welcher zu Ehren des Geburts- festecö Sr. Majestät des Kaisers Alexander in der Kapelle des Winierpalais stattfand, bei und empfingen um 2 Uhr die beiden Botschafter von Großbritannien und Frankreich. Hierauf erfolgte im Beisein decZ'ReichskanzlercI, Fürsten von BieZmarck, und des deut- schen Botschafters, Prinzen Reuß, die Vorstellung sämmtlicher Mitglieder der.? diplomatischen CorpH. Um 6 Uhr fand Fami- liendiner in den Gemächern der."- Deutschen Kaisers statt.

In dem Bericht über die Ankunft Sr. Majestät in Königs- Oerg in Nr. 101 d. B1. ist statt „Häfen“: „Hufen“ und statt „den Vüsoldsthen Grundstücken“: „dem Busv1dschen Grund- stück“; in der gestrigen Nnmmer: 01: Busch statt 01“. Rush zu lesen.

_ Ihre Kaiserlick]en und Königlichen Hoheiten der Kronprinz und dir Kronprinzessi-nßnd, [aur rele- graphischer Meldung, in Begleitung Sr. Könrglrchen Hohen dee“: Prinzen Friedrich Wikhelrn gestern Nachmntag um 5? Uhr in Wien angekommen. Se. Majestät der Kaiser, Ihre Kaiserlichen Hoheiten die Erzherzöge Albrecht, Carl Ludwig und Leopold in preußischer Uniform, die sämmtlichen übri- gen Erzherzöge, Ihre Königlichen Hoheiten der Prinz von Wales nnd Prinz Arthur von Großbritannien, die Mitglie- der der prenßischen Gesandtschaft, der Feldzeugmeifter Ma- roicic, Uiele andere Genernke und ein zahlreiches Gefolge harten fich zum Empfange auf dem reichdekorirten Franz-Josefs- Bahnhofe eingefnnden, wo eine Compagnie mit der Kapelle als Ehrcnwnche aufgestellt war. Beim Eintreffen des Zuges spielte die Mnstk die preußische Volkshhmne, Se. Majestät der Kaisrr traten in den Snlmnvagen, begrüßten Ihre Kaiserliche Und Könighche Hohen die Kronprinzessin, mnnrmten den Kron- prinzen und geleiteten sodann die Kronprinzesfin aus dern Wa- gen. Nach Vorsteünng drr gegenseitigen Sniten verließ Ihre Kaiserhche Und Könighehe Hoheit die Kronprinzesfin am Arme Sr. Majestär des Kaisers, der Kronprinz znr 'Seite des Prinzen von Wales, sowie die ührigen Fürstlichkeiten den Bahnhof und be- gaben Sich in den bereitstehcnden Hofequipagen znr Hofburg. Auf dem Bahnhofe sowohl, als vor demselben, sowie in den Straßrn, dnrch welche die Hohen Gäste fnhren, bildete eine dichtgedrängte Menge Spalier Und begrüßte Dieselhen mit [rb- haften Hochrnfen.

Bei Ihrer gestern Abend erfolgten Ankunft in Herzen- dorf wnrden die Höchsten Herrschaften von den OberFthofämtern, den Knpitäncn der Kaiserlichen Leibgarden Und den Kaiserlichen GenrrnkAdjntanrcn empfangen und sodann von Ihrer Majestät der Kniserin herzlich brgrüßt.

_ Ihre Königkichen Hoheiren der Prinz und die Prinzes ]" in Albrecht find nebst Gefokge vorgestern auf Schkoß Cnmenz ringetroffrn. Sowohl in Liegniy als in Frankenstein wnrde HörhstdcnseWrn bei der Durchreise ein festlichrr Empfang bereitet,

_ In der gestrigrn 17 . Plenarsirzung drs Bundesrarhs, in welcher der Srnnrk-Minister Tekbrüch den Vorsikz führte, wurden A*nSsänrßberickne crftatiet über n. die Vorlage, betreffend den Enrnnxrf eines Gesehes wegcn des nnßerordentlichen Gr1d: bedaer für dir Rriclch:Eise11bah11e11 in Elsnß-Lorhringen; 1». den Ech des Rehhrxknnzlcr-Amts für 1874 nebst drm Nnrhtrage ZUM Etat fÜr 1873; 0. Maßregekn grgen dic Rinderpeft; (1. die Bil: dung einer Kommisswn znr Verhütung des Eindringencs der Cholera.

_ Die vereinigren NnHschüssc des BundeHratth für 8011: nnd Srenrrwescn und für Handel und Verkehr, sowie der YlU-Zsrhnß für 3011: und Stenerwrx'en hiekten herne Zihungen.

_ In der henrigrn Ziynng des Reichstags, der am T-ifthe dcs Bnndesrnrhes der Präfident des Reichskanzl"er-Amts, StaatH-Ministcr Telhrürk, mit „zahlreichen Mitgliedern deffelben beiwohnte, stand „znnächst der vom Abg. Frhnlze Und Genossen eingebrachte Ges chentwnrf znr dritten Berathnng, der die Abändernng drs Arr. 32 der Neichverfaffnng und die Gewährung drr Rrisekoften nnd Diäten für die Mitglieder der? Reichstag?- verlangt. Für den 211111“an sprachen die Nbgg. Windrhdrst (Berlin), Hölder, Herz nnd Or. Windthorst (V]Teppen). TcrLrHrere veran- laßte den Präfidcnrcn des Reichskanzler: Amtes die Erklärung ahzngebrn, daß bezüglich der freicn Eisenhahnfahrt auf Staat?:- bahnen die Verhnndknngrn noch nicht völlig anesckUoffen seien, daß die Angelegenhrit aber Unzweifelhnft irn Interrffe der Ab- geordneter: cr[edigt werden wird. Bei Schluß des Mattes trat das Haus in die Spezialdicsknsßon des Gex'ehenrwnrfs ein.

_ Im weiteren Verlauf dcr gestrigen Sirznng des Herrenhauses wurde die. Sprzinl-Disknjfion über den Gefech- entwnrf, brtreffend die kirchliche Tirzzinünargcwnh nnd die Erri : tnng des Königlichen Gerichtshoées für kirchliche Angelegenheiten, fortgeserzt.

Zu §. 1 welcher lautet: .

„Die kirck1ickc Dizzirlinnrgewak üdrr Kirchendiencr “darf nur von dcntschrn kirciélirhen Bchörden ausgeübt werden.“

beantragte Graf Krhffow folgende Faffung:

„Tie kirchlin'x:Tisziplin-nrgrrrnlt über die Bischöfe drr römisöh-

kathr1ifckrn iräée wird nach Maßgabe der bestehenden Kirchen- Verfassung mik rrr Einschränkung ausgcükr,_ daß zur Veerfung dessrivcn ein drm St_nat grnchmigter Viknrmd mnerhalb des pren- ninhrn Staats ZU [*rrtrÜrn irt. ' Jm Uebrigen darf die kirchliche TirzirlinnrgcwÜt über Kirchen- diener der evangelischen und der römisch=katbrlischen Kirche nur von den innerhalb des preußischen Staates bcfindlichen kirchlichen Bc- hördrn nrxégrürt Werden.“

An der Tisknsfion bctheiligten fich außer dem Regierung:"- Kommiffar Geh. chirrnngs-Rnth Hübler, die Herren Graf von Landsherg-Velen, Graf Rittberg nnd Offenberg. Dann wurde der Antrag Kraffow abgelehnt und F". 1 in der Fassung der Vorlage angenommen. '

Die §§. 2 bis 10, und zwar die §§. 2, 5 Und 10, zu welchen Graf Kraffow einige unerhebliche Amendements gestellt hatte, wurden nack) unwesentlicher Diskusfion gleichfalls in der Fassung der Vorlage angenommen,

34 11 der Vorlage lautet:

„Tie Bernknxgg "inrcr außerdem statt, wenn

1) die Cntxcrnnng aus dem kirchlichen Amte (,§. 2 Absatz 2) als DisZiplinarytrafe oder Frust wider den Willen des davon Be- troffenen ausgesprochen wdrden ist, und die Entscheidung der klaren thatsächlickxxn Lage wicxyrkwricbt Oder die Gesche des Staates oder allgemeine Rechtsgrundyaße verletzt; *

2) nach erfolgter vorläu ger Suspenswn vom Amt das Weitere '

Verfahren ungebührlich verz gert wird.“ . leiequ beantragte Graf Kraffow den Abs 1 zu fassen, wre () :

g]) die Entfernung aus dem kirchlichen Amte (§. 2 Abscrß 2) als ÖiSziplinarftra'fe aUSgesprrcben _uwrden ist, und die _CnUcbei- durg die Gesetze des Staats oder allgemeinen Rechtsgrundjäße ver- l_e';*t. Entscheidungen über Lehre und Kultus smd von der Beru- fung auSgeschlrssen.“

Außer dem Antragsteller befürwortete noch Herr v. Kleist- Rehow sehr warm diesen Antrag, während der KultnS-Minifter ])r. Falk mit Entschiedenheit sich gegen denselben erklärte. Das Haus lehnte den Antrag demnächst ab.

Die Z§. 12 bis 23 wurden ohne bemerkenSwerthe Diskusfion nach der assung der Vorlage angenommen.

In §. 24 beantragte Graf Kraffow fol_ende J _ung:

-.Krrcheudiener, erhen die geseßlichen -rforderni1c_ zur Be- kleidung des gei tlicben Nrntes fehlen, oder welche wegennneö Ver- ehcns und Ver rechens, welches das Deutsche Strafgenßbuch mrt Zuchthaus oder mit“ dem Verluste der öffentlichen Liemtcr bedroht, verurtl)eilt find, oder Welche die Rechte des Staats_ oder die kant- 11chenRechte der _Unterthanen fo sch1ver verlcßten, daß auch Fernerhm eme Achtung diexer Rerhtörnrhältniffe Von ihnen nicht zu errvarten rst, können für rechtlich unfähig zur Ausübung ihres Amtes erklärt Werden. Die1e Erkkärung hat den Verlust des Amts-Einkommens und die Erkedignng drr Srejle zur Folge.“

Die Antragsteller, Gra! Brühl und «Herr vonKleift-Rehow befürworteten diesen Antrag, während der Kultus-Minister 1)r. Falk fich gegen denselken' erklärte. Das Haus lehnte ihn ab und nahm die Jaffung der Vorlage an.

In gleicher Weise wurde. auch die vom Grafen Udo Stol- berg beantragte Fassung des §. 31" vom Hause nach kurzer De- batte abgelehnt und die Fassung der Vorlage angenommen.

§. 33 lautet in der Vorlage:

„Der Gerichtshrf besteht aus cilf Mitgliedern. Der Präfidrnt und wenigstens fünf andere Mitglieder müssen etatsmäszig angrkteklte Richter win. Die 111ü11d1iche Verhandlung und Entscheidung in den einzelnen Sachen erfolgt durch ficken Mirgliedcr, Der Vorsitzende unkh_Wenigst6ns "drei Beifiher müssen zu den richterlichen Mitgliedern ge,oren.

Die GeschäftZordmmg, insbesondere die Befugnisse des Präfi- denten und die Reihenfolge, in rvclcher die Mitglieder an den ein- zelnen Sihungcn Theilsn nrhmen haben, wird durch ein Rrgulativ

cordnet, Welches der Gerickytshdf zu entwerfen und dem Staats-

)kmisterium zur Brstätignng einzureichen bat.

_ Dnrch_Plenarbrscklüsfe d-“S Gerichtshofes können (11111) die in dre1em Gruß gcgek'rncn Vrrsrhriften des Verfahrens ergänzt und der_enangcmäße Amvcndung auf andere durch Gesetz dem Gericht?- hoxc „nberwiefene Angelegenbciken geregrlt werden

Hrerzu beantragte Graf Kraffow folgende Fassung:

„Der Gerichtehof _bcttcht aus drei ehn Mitgliedern, welche der evangclücben oder römixchzkathdlifxleen irchc angehören müssen.

_ Drr Präsident und LTÖZ Mikhliedcr müssen etatsrnäßig ange- stellte Richter „drs höchsten Prenßisrbrn Gericknshdfes sein. Die An- jvcsenhett von _neun Mitgliedern grnügt bei “der mündlichen Verhand- lung und Entstheidung der einzelnen Sackzrn.

Der Vorüßende nnd Wenigstens Fünf Beifihcr müssen zu den richterlichen Mitgliedern gehören,

„Von den gemäß §. 34 Absatz 2 präsentirten Mitglicdern haben in_Oachcn Welche die evangelische Kirche betreffen, nur die von d1€1€k, in Sachen, Wekrhe die röt11isch-kathr1€scke Kirche brfreffen, nur die von [rßterer präsenrirron Mirglirder STL und Stinnnrecbk.

_Die Gexck)äfts-Ordnnng wird durck) ein von drm Gerichtshof reibxt enrworsem's Rxhnlativ geordnet. JJ

, _ Durch Plenarbeichlüssx dcs Grrichchrfes können anch die in WWU Genße gegebenen Borjchriften ch Verfahren?» rrgänzk, und deren ünngemäße Amren'dnng auf andere durch das Gesetz dem Gr- r1chr§ahore zugewiesenen Angrlegenheitrn geregelt werden.“

Nachdem der Antragsteller sowie die Herren v. Kkeist-Rehow und v. Senfft-Pslsarh den Antrag vertherdigr, dcr Kultus-Mi- nnter ])]: Fa1f jedoch denselben bekämpft harte, Wurde der An- trag abgelehnt nnd die Jaffnng der Vorlage angenommen.

In gle5cher Weise wurden auch die übrigen §§. des Gesetzes.“: nach dem Wortlante der Vorlage genehmigt und der §. 39 derselben, welcher [nuten

_ „Dns ngenwärtige Gesch iritr nicht vor dcm Grieß, [*etrcffend dle Abänderung der Artikel 15 und 18 drr V-xrfassnngsurknnde rom 30. Januar 1850 in Kraft."

wer! das Geseh Über die Abändernngen der Artikel 15 und 18 der Jersaffnng bereits puhkizirr ist, gestrichen.

_ In der heutigen (30. Sitzung) des Herrenhanses, welche der Präfident Graf Otto zu Sto1l1erg:Wernige- rode Um 111 Uhr eröffnxre Und wekrhcr der Präfident des Königlichen Staats-Ministcrinms, Gencra1-Je1dmarsckzall Graf 1). Roon, sowie. die Stnatk-Minister Cnmphausen und 1)r. Falk und mehrere Regieru11g-Z-Komn1iffare briwohnten, stand zu- nächst auf der Tachordnung die Vorberathnng des Gesehent- warf?) betreffend die Grenzen der? Rechte:; zum Gebrauche kirchlicher Skraf- nnd chhtmittek. *.*-[n der General: Diskussion betheiligten sich die Herren Gobbin, U. Voß und Hobrecht für und die Herren Graf Kraffow, Graf zur Lippe, Graf Brrthl, v. Kleist-Rehow und Freiherr U. Landsberg gegen die Vorlage. Bei der Spezial Diskusfion stellte zu §. ], welcher lautet:

Kcine Kirche oder Rchgions-Gesellsckyaft ist befugt, andere Straf- oder Znckytmittcl anzudrdhen, zu verhängen oder JU verkün- drn, als rolÖe, Welche dem rrin reli iöscn Gdeiete nngrhörxn oder die Entziehung eines i11nrrhnlb_der irche rdcr Re[igirnSg-esrllschafr wirkenden Reckts_oder die Llusxchlirßung «nus drr Kirchen- oder Re- ligionÖ-Gesclksckxasr betreffen.

Strnf- odcr Zuchtmittel gcgen Leib, Vermögen, Freiheit oder bürgerlicher Ehre smd unzuläsfig.

Graf Krassow den Antrag, den F. 1 zu fassen:

Muhen: und Religions-Geseüstha cn sind nicht [*rfngt, Skraf- oder Zucbtmirtel, welche das bürgerliche echtsgebiet ihrer Angehörigen [*c- Treffen, grgcn inb, Vermögen, Freiheit und staatöbürgrrlichc Ehre an- zndrohcn oder zu verhängen.

Der Antragsteller und Graf zur Lippe befürworteten diesen Antrag, während ihn der Regierungs-Kommiffar Geheimer Rc- gierung-Z-Rar Hübe1er und Herr Gobbin bekämpften. Das Haus lehnte thn al) und nahm den § 1 in der Fassung der chiernngs-Vorlage. ebenso die §§. 2 und 3 in derselben Jaffnng cm.

Zu §. 4, welcher lautet:

Die Verhängung der nach diesem Gesetz znläsfigen Straf- und Zncknntittel darf nicht öffentlich bekannt gemacht wcrden.

Cine nur die Gemeinde-Mitgliedc'r bexchränktc Mitrheilung ist nicht aus*gerchlossen.

Die Vollziehung oder Verkündung derartiger Straf- odcr Zuchtmittel darf auch nicht in einer kUcbimpfenden Weise erfolgen.

beantragte Graf Krass ow folgende Fassung:

„Eine Öffcntlichc Bekanntmachung der Androhung oder Vcr- l)ängung kirchlichcr Strax- und Zuchtmittel von “Seiten der Kirchen- oder Religion?;diencr dar, nur innerhalb der Kirchen oder der zu religiHLen Vermmmlungen dcr ReligionH- Gesellschaften bestimmten Gebäude stattfinden.

Die Vollziehung oder Verkündigung derartiger Straf- und

' verwaltnng smd

Yrbnnittel darf nicht in einer die bürgerliche Ehre befchimpfenden eise geschehen.“

Graf Kraffow und Herr v. Kleist oertheidigten diesen An- trag, während Herr v. Goßler ihn abzurkehnen hat. Das Haus verwarf den Antrag und nahm §. 4 wir: auch die ?§. 5 und 6 ohne Diskussion in der Fassung der Vorlage an. E enso wurde die Ueberschrift und Eingang des Geseßcxs genehmigt und eine Anzahl von Petitionen, über welche Herr v. Voß berichtete, als durch diesen Beschluß erledigt erachtet.

Es folgt als zweiter Gegenstand her TageSordmmg die Vorberathung über den Gesehentwurf, betreffend den Austritt aus der Kirche. Zur Generaldiskusston nahm nur Frhr. von Manteuffel-Crossen das Wort.

Bei der Spezialdiskusston wurden die §§. 1 und 2 in der Fasung der Vor1age genehmigt.

§. 3 lautet:

Die AuZtrittSerklär-rmg bewirkt, daß 'der AuSgetretene zu Leistun- gen, welcbe auf der persönlichen Kirchen: oder Kirchengemeinde- Angebörigkett beruhen, nicht mehr vervflichtet wird.

_Die1e Wirkung tritt mit dem Schlusse des auf die Austritts- Erklarung folgenden Kalenderjahres ein. Zu den Kostcn eines außerordentlicbcn Baues, dessen Nothwendigkeit vor Ablauf des Kglenderjahres, in wc1chem der Austritt aus der Kirche erklärt rmrd, fxftgrstellt ist, hat der Austretende bis zum Ablauf “des zwä- ten auf die Llustrittserklärung folgenden Kalenderjahres ebenso Lle'l'zmllQNTU, als wenn er reinen Austritt aus der Kirche nicht er-

art M r.

Leistungen, Welche nicht auf der persönlichen Kirchen- oder Kir- chengemeinde-Angehörigkeit hernhrn, insbesondere Leistungen, Welche entweder _Krast besonderen Rechtsmittels auf bestimmten Grund- stncken harten, rdrr von allen Grundstücken des Bezirks, oder doch von agen Grundstücken einer JMYM Klasse in dem Bezirk ohne Unrer1chied des Befißers zu entri ,ten find, werden durch die Aus- tntiserklärung nicht berührt.

_ Hierzu beantragte Graf Kras ]" ow Minen 2 folgender- maßen zu fassen:

Diese Wirkung tritt mit dem Schlusse des auf die Austritfs- Erklärung folgenden Kalenderjahres ein. Zu den Kosten eines Banes rdrr zu nnderrn außergewöhnlichcn Aufbrwgungen, Welche vor Abgabe der Austrittserklärnng beantragt find, hat der Austrrrende nr, drri Jahre lang nach definiriver Feststeklung derselben ebenso [*crzutragrn, als wenn er seinen Austtnt aus der Kirche nicht er- klarr hätte.

Der Antragstelser befürwortete diesen Antrag, während der RegierungH-Kommiffar Geheimer Ober-Regierrrnch-Rath de la Croix fick) gegen densckben aussprach. Der Antrag wurde vom Hanse verworfen und §. 3 ebenso die § . 4_11 dcs Geseßes, sowie Ueberschrift und Eingang in der Fa ung der Vorlage an- genommen.

. Der Präsident schxoß um 12 Uhr die Sitzung und beraumre dre nächste auf morgen Vormittag 11 Uhr an, wo die Schluß- bernthung der sämmrkichen 4 Kirchenvorlagen erfolgen soll.

_ _ In diesen Tagen gekangte die neue Bearbeitung des Handbuchs über den Preußischen Hof und Staatznr Au-Zgabe. Dieselbe nnierscheidet fich, abgesehen von den Verän- derungen, welche durch den Uebergang verschiedener Verwal- tunng-Zzweige auf das Deutsrhe Reich bedingt wurden, im We- sentlichen von den früheren dadnrch, daß der Anfang gemacht worden ist, bei den einzelnen Provinzen (1116 der betreffenden Pro- vinz angehörigen Behörden und Institute, sofern nicht Rücksich- ten auf Refforrbezichnngen Aus::ahmen forderten, zn vereini- gen, um auf diese Weise die Uebersicht des in jedem einzelnen Theike der Monarchie bestehenden staatlichen OrganiÉ-mus zu er- leichtern. In Oestixnmter Ordnung fokgen dann in diesen Nb- schnitten die Königlichen und ständischen Verwaltungsbehörden, die geistlichen Behörden, die Universitäten, Akademien, die tech- nischen und die Justizbehörden. Trotzdem, das; wegen des Ueber- gange; verschiedener Verwaltungözweige auf das Reich, wie Post- und Tekegraphenvermnlrmrg, die merärtigen Angelegenheiten, Marine U“. die darauf bezügkichen Anführnngen in der vorsie- genden Aqunbe des Handbuchs wesentiich beschränktere als in den früheren AUHJaben smd, ist der Inhast dersekben im Gan- zen ein erhebkich erweirerter. Zunächst ist das gesammte Beamten-

personak der nen erworhencn Provinzen, sowie der.": Herzogthums ' Lauenburg rn der neuen Llusgabe aufgenommen, dann haben,

neben den nen eingerichteten Heimathsdeputationen, Eichungs- ämtern 26. die ständisthen Verwaltnngsorgane und die densel- ben untergeordnetenInstitnte eine sorgfältige Berücksichtigung ge: funden, Auch dir Beziehungen der prenßischen zu der Reichs- nicht unbeachtet geblieben. In allen Fällen, wo Preußische Behörden zugleich (1ka Organe der ReichtherrrnUung fnngiren oder Seiten?: dieser mit besonderen VoUmachten ausgestnrter wnrden, find bezügliche Hinweisungen gegeben. Der große Umfang der vorkiegenden Arbeit läßt fich daraus ermeffen, daß daS dem Handbuche beigegebene alphabe- tische Namen-Zregister, umgerechnet die sehr große Znhk udn Na- men, welche mehr als einmnl in verschiedenen Stellen vorkom- men, Über 25,000 Personennamen enthält. an Erleichterung beim praktischen Gebrauch find außer dem vorerwähnten Na- menSregifter eine ausführliche Inhaltsüberficht und ein alphabe- tischch Sachregister beigefügt. Eine Anlage zu dem lehrern ent: hält ein akphahetisch geordnetes Verzeihniß derjenigen höheren Lehranstalren, Welche zur Ausstellung gültiger Qualifikations- zengniffe für den einjährigen freiwilligen Militärdienste berechtigt find. In demselben ist zugleich auf diejenigen SteÜen des Bun- des-, beziehenüich ReicthgeseHblatte-Z hingewiesen, an welcher die Publikation über das Anerkenntnis; dieser Bere tigung Seitens des Reiclßkanzlers geschehen ist. Außerdem _ent ält das Hand- bnck) für 1873 wie sonst eine Uebersnht dcs Flächenraumes und der Einwohnerza [ des preußischen Staates, sowie ein alphabe- tischcs Verzeichni der Städte und im Stande der Städte ver- tretenen Flecken mit Angabe der Civil : Einwohnerzahl nach den am Ende des vorigen Jahres definitiv festgestellten Ergebnissen der Vokkszählung am Schluffe des Jahres 1871. Die äußere Ausstattung ist eine“ gute und zweckmäßige; es ist ein etwas größeres, aber nichr unbequeme-Z Format gewählt, der Druck scharf und klar.

_ Der General der Kavallrrie nnd kommandirende General des 1'11. ArmeeCorp-H Wilhelm Graf zu Stolberg-Werni- gerade ist gestern behufs Beiwohnung der Versammlungen des Herrenhauses von Münster hier eingetroffen und im Thiergarten- Hotel abgestiegen.

_ Ter General-Lieutenant und Chef der Admiralität, Staath-Minister von Stosch ist von Wilhelmshaven hierher zurückgekehrt, wohin fich derselbe vor einigen Tagen in dienst- lichen Angelegenheiten begeben hatte.

_ Der Genrral-Major, General 5:1 13 suite Sr. Majestät“ des Kaiser:.“- 11115 Königs und Inspecteur der Jäger und Schüßen von Stiehle ist aus der Provinz Schlefien hierher zurückge- kehrt, wohin fich derselbe mit Urlaub begeben hatte.

Posen, 29. Apris. Der Ober-Präfident Günther befieh- tigte gestern Vormittag die baulichen Veränderungen und Garten-

"corps aufstellen lassen,

anla en im Königlichen Regierungsgebäude und reifte alsdann mit em Nachtzuge 11; Uhr von hier nach Berlin ab.

Fulda, 29. April, (W. T. B.) Die bischöflichen Kon- ferenzen haben unter Vorst des Erzbischofs Melchers von Cöln heute begonnen. Der Err") nung ging eine Zusammenkunft der Bischöfe an der Gruft des heiligen Bonifacius vorauf.

Wiesbaden, 28. April. Heute Abend haben vor der Wagemannschen Brodfabrik *Znsammenrottungen stattgefunden. Die Gensd'armerie mußte einschreitensund die Menge anseinander- treiben. Es find mehrere Verhaftungen vorgenommen, und militärische Vorfichtsmaßregeln gegen die Wiederholung der Unordnungen getroffen.

Bayern. München, 27. April. Heute war zu Ehren des Geburtsfeftes des Prinzen Otto im Königlichen Wintergarten große Familientafel.

_ Die von Sr. Majestät dem König angeordneten Feft- lichkeiten für die Neuvermähltcn, Prinz Leopold und „dessen Gemahlin, schließen bekanntlich am Sonntag, den 4. _Mm, Unt einer Mittags zwischen 12 und 1 Uhr stattfindenden Nrmenaus- speisung in den verschiedenen Stadtbezirken. Der Ball, welchen Prinz Luitpold in seinem Palais giebt, wird am Montag, den 5. Mai abgehalten, am Mittwoch, den 7. Mai, veranstaltet der hiefige öfterreichische Gesandte eine größere Festlichkett.

_ 28. April. Die Ankunft des Prinzen Leopold _nnd der Prinzessin Gisela ist heute Na mittag 33 Uhr erwlgt, und wurden dieselben in dem festlich ges mückten Bahnhofe, m welchem auch eine Compagnie Infanterie mit Mufik und Jahns als Ehrenwache aufgestellt war, in der im Programm bestmnn- ten Weise empfangen; die drei Infanterie-Reginrenter der hte- figen Garnison bildeten dann vom Bahnhoxe bls znr Refidenz Spalier. Vor dem Bahnhofe wie auf *dem Plahe vor der Schühenstraße, wo die Hohen Ankommcnden durch eme Anrede des ersten Bürgermeisters 1)r. Erhardt Namens der Residenz- stadt in herzlichster Weise begrüßt wurden, Und festl1ck) geklxrdete Schulmädchen Blumen streuten, war eine Rerhe Flaggenhnume aufgestellt und dicselben, wie aUe Königlichen Und staatlichen Ge- bäude, dann viele Privargebäude, namentlich in den S1raßen,„dnrch welche fick) der festliche Zug bewegte, mit Flaggen Und Fahnen :c. rn den bayerifthen und östrrreichischen, wie in den habsbnrgnÖen HZUFZ- farben geschmückt., In einer überaus herzl1chen*u1_1d.1nntgen Yzetse Wurden die Hohen Neuvermähkten in der K9111g11ck)e11 .*)rendenz durch den König, die Königin:Mntter .und dre _hter anwercnden “Prinzen und Prinzesfinnen des Königlichen Farmer„ welche von dem gesammten Hofstaat umgeben waren, empfangen. Der prachtvolle Königlickze Gnlmvngen, in welchem die Nrnnernrahlterf saßen, und auf welchem die von Genien gerragene Knntgrokrone heute durch einen silbernen Mhrthenkranz &]th wnr, wnne das Yrrliche Sech-despann an demselben erregten dre_ aÜgemetne

ewundewnng. An einigen Mähen harre der M.:gntrat Mnfik- welche bei dem Vorbeifahren der Hohen Ankommenden die österreichische Nationalhymne spielten. "Ern zahlreiches Pnbliknm befand fich in den Straßen Und_ begrußre 'die Hohen Neuvernnähsten mir den herzlrrhstert annren. Der festliche Einzug hat bei schönstem Wetter ]tattgenmden.

Sachsen. Drecsden, 28. April. „Der (Ywßherzog von Oldenburg ist am 26. d. M. hier etngetronen, nn Horel Bellevue abgetreken und hente Ranzmittag 4 Uhr nach Prag abgereist.

Hessen. Darmstadt, 29. April. (Fr. I.)_ Ter jährliche Ertrag aus Regalien, direkten Stencrn und 1ndtrektanu7- lagen ist für 1873_75 anf rnnd 5? Mcklionen Gulden veran- schlagr. Die hieranf bezüglichen Vrrwaltnngskosten ]tnd mtr 540,424 fl. in Ansatz gebracht. _ Tn» Métte „Zum Meder he- ginnende Sessrrn der Zweiten Kammer rrnrd vornnézxnhtltch etwa 3 Monate in Ansprnch nehmen. _ Ter anschuß der außerordentlickzen evangelischen L an d e S]" r) n 1.) d e*nYrd den 5. 1. M; seine Thä'igkeit wiedrr aufnehmen, Um den «FerrannngsEnrrvurr durchznherathen

Sachsen-Weimar-Eifenach. Weinrnr, 28. April. Laut Telegramm ans Pera vom 25. April_ hr dsr Erhgroß: hcrzog daselbst an demselben Tage, her herrlichem Wetter, Morgens" 10 Uhr in bestem Wohhern ringerronen.

Sachsen-Coburg-Gotha. Cnburg, 28. April. Der Herzog ist heure Mittag von Gotha hier eingetroffen.

Wien, 29. April. (W. T. B.) österreichischen Reichs-

Oesterreich-Ungaru. Der Budgetansschnß der ' . rathsdelcgntion genehmigte in der hentlgen Srt'znng den Bericht Über das Kriegsbudget Und nahm das Ordinarium für die Kriegs-Marine größtentheäc; in Ueber- einstimmung mit den RegierungS-Anträgen _an. Unter den gestrichenen Posten war der erheblichfte der Annux von 9800011. für die Korvetre „Donau“. Die Mehrzah[_ der Ponnonen des Extraordinariums wnrde ebenfaUs in Gemäßheit der Regierungs- Anträge genehmigt, indeffen die Forderungen für die Kasemntten- schiffe „Erzherzog Carl“ und „AdmiralTegethof“ nicht bennUtgt.

Schmeiz. Bern, 29. April. (W. T. B.) Der Na- tionalrath Professor Walther Munzinger, Bruder des Afrikareisenden und 1“. Z. Verfreier der schweizerischen Llltkatho- liken auf dem Münchener Kongresse, ist hier in der vergangenen Nacht gestorben. _

Genf, 29. April. (W. T. V.) Gestern hat, wie das „Genfer Journal“ minheilt, dic hiestge Polizei im Auftrage des Bunchrathes den Kammerherrn des Herzog:; von Ma- drid, Don Juan Rockaberti de Dameto, auf der be- nachbarten Campagne Bocage, Welcher in dem Verdachte steht, für die Carlisten zu werben, verhaften und_zugleich zwei zur Versendung mir der Eisenbahn verpagkte Ge1chriße in Beschlag nehmen lassen; die gerichtliche Untermchung rst bereits ein- geleitet.

Niederlande. Haag, 29. April. (W. T. B.) Bei der heute fortgesehten Debatte der Zweiten Kamrner über _die Angelegenheiten in Atehin erklärte der Kolomnl-Mznqter Framen van de Putte, daß er alle Verantwortlichkett fur dre Kriegs- erklärung an ?[tchin übernehme, dieselbe sei nach so viel erlittenen Unbilden und Beschimpfungen ein Akt der Norhwjendtgkeit gc: "Wesen. Es sei zu bedauern, daß man angenblicklich eme Schlaype erlitten habe, er sei dadurch aber durchaus nicht „entmuthtg't. Man solle sich der Erfokge erinnern, die man ferner 3811131

alembang, Bali und Vom doch noch davongetragen habe. Dre dition nach Archi]: sei in der vorsorglichsten Weise vorberertet,

ein Endurtheil über dieselbe könne noch nicht aUSgesprochen werden. Dem Deputirten Dcroo stimme er darin bei, daß der Rücktritt des Ministeriums mit dem Urtheile der Kammer über die An- elegenheit in unmittelbarem Zusammenhange stehe. (Manke Berno, daß das Ministerium seineSchuldigkeit nicht gethan habe,

so müsse er ihn auffordern, ein Votum der Kammer gegen das Ministerium herbeizuführen. Deroo erwiderte, der Minister möge doch seinerseits den Versuch machen, von seinen Partei- genossen ein VertrauenSrwtum fich ertheilen zu (affen. Der Dr- putirte Heemskerk frag, ob das Ministerium 10,000 Mann Truppen und genügende Seestreitkräfte nach HoUändisch-Indien zu schicken gedenke; sei das nicht der Fall, so müsse das Mini- sterium aus Patiotiömus zurücktreten. Die Debatte wurde noch länger fortgeseßt und dann auf morgen vertagt, wo der Kolonial- Minjfter weitere Erklärungen abgeben wird.

Großbritannien und Irland. London, 28. April. Die Königin kehrt am Mittwoch in Begleirnng der Prinzes- sin Beatrice von Osborne nach Schloß Windsor zurück, wo: selbst Ihre Majestät bis zum 15. oder 16 Mai verweilen wird, um dann nach Balmoral, ihrem Landfih in den schottischen Hoch- landen überznfiedeln.

_ Der König und die Königin von Dänemark, sowie deren Tochter, die Prinzes s in Thhra, werden Ende Mai zum Besuch des Hofes in London erwartet.

_ Das Nur:;wärtige Amt hat vom britischen General: Konsul in Cairo, Oberst Sranton, ein Tekegramm erhalten, wonach Nachrichten aus Khartoun vom 21. ds. zufolge Sir Samuel Baker und sein Gefolge ßck) in Bepabrooke, im Sü- den von Gondokoro, im besten Wohlsein befanden. Leider fehlt das Datum der angeblich g[nulnvürdigen Kunde.

_ 30. April. (W. T. B.) Der in der gestrigen Sihnnn des Unterhanses von Hamilton eingebrachte Antrag auf Ankauf der irisrhcn Eisenbahnen durch die Regierung wnrde vokrhGladstone bekämpft und mit 197 gegen 65 Stimmen ab- ge e nt.

_ Einem Telegramm aus Toronto vom 28. d. M. zu- folge, hat fick) der Premier der Prinz Edward-Insel nnch Ottawa begeben, um wegen der Konföderation der Insel mir dem Do- minino von Kanada in Unterhandlnngen zu treten.

Frankreich. Paris, 28. April. Die gestrige Wahl hat insofern Bedeutung, als die Betheiligung im Vergkeich mit früheren Wahlen sehr groß war. Am 8. Februar 1871 stimm: ten 328,970 Wähler; am 2. Juli 1871 stimmten 247,000; am 7. Januar 1872 stimmten 245,000; gestern, am 27. Aprih da- gegen gaben 342,700 ihre Stimme ab.

_ DerMarschall Serrano, dem es gehmg, narh Por: tngak zu entkommen, wird in Paris crwnrret. Die Znh! der Spanier, welche über die Grenze gekommen find, ist bereits sehr bedeutend. Unter denselben befinden fich über 6000, die ohne aUe Mittel find.

_ Ter Marre non Lézignan (Aube) wnrdc 'für zwei Monate suspendirt, weil er einem Civik-Leickxnhegäniß in Amts- rrncht anxvohnre.

_ 29.21prik. (W. T. B.) Bei den bereits gemeldeten Wah1 en im Departement de la Riézve betrng die jrht definitiv feststehende Anzahl der für den republikanischen Kandidaten anigm] abgegebenen Stimmen 33,071; sein Gegenkandidat Gillois erhielt 31,954.

. Spanien. Telegramme ach Madrid vom 26. und 27. drs „Dn11n-Te1egrnph“ melden: „Für den Augenblick herrsrht Rnhe in Madrid, aber die Verfolgung der Mirglieder der Pernmnenz: Kornmi'sston dauert fort. Sennor Becerra wurde in dem Hanse der Mntter Serrano's arrejirt, und Sennor Sngnsta wnrde, wic versauter, von einer Abtheiknng Bewaffneter nmzingclt. Sennor Figneroln wurde gestern in der Baladero gefangen ge: nommen. Die Ministerkrifis dauerr forr nnd i't es noch mcht bekannt, welrhe Verändernngen beabsichtigt wer en. Dns Gc- ri'rrht, daß das Hans eines fremden Gesandten mit einer Dnrch: snchnng bedroht wurde, entbehrt der Begründung.

_ Eine Rentersche Depesche ans Banonne meldcrun: term 25, d.: „Eine Carlistenhande unter Lecca wurde am Mitr- woch in Maestn, Alana, auf's Hanpr geschlagen. Die spnnrsrhen Trnppen marschirrn in der Richtung non Vera. Ein Gererhr fand anch Unweit der Indalah-Brürke stan, dessen Resnlrnre Un- bekannr find. Man behauptet, daß Vera heute von 1500 rc- gn[ären Truppen befehl wnrde.“ _

_ Aus Barcelona vom 25. ds. wird dem „Rentcrschen Bnrean“ telegraphirt: ,Genernl=Kapitän Veknrde traf am 23. dB. in Ripolk ein, 1110 er energische Maßregeln für die Unterdrücknng drs Cnrliften-Anfftnndes nnordnete. Sämmtliche Pachthöfe oder Landhänser in den Bergen sollen geschlossen werden, Und. die Einwohner sojlen mir allen ihrenLebenSmirteln nach denStérdten artHwnndern. Der Rechenfi'threr Snbnlls hat seine Trnpprn in zwei Banden von je 500 Mann getheilt, um so beffer im Stande zu sein, die Pläne der gegen ihn Operirenden zu ver- eitekn. Von der Bande unter Eucala, die in FnUedn in die Flucht geschlagen wnrde, find ungefähr 200 in Vendrnll gesehen worden, die Mehrzahl aber ohne Waffen, da fie dieselben uns der Flmht weggeworfen harten. “Oberst Obal hnt Quien in den Bergen von Iuncosa, in Tcrragona, geschlagen.“ ,

_ Dem Carliftcn-Komite in London find andererseits telegra- phische Mittheilungen an?; Bahonne vom 27. r). M. zngegangen, wonach die Carlisten in der Nähe vdn „Vera einen bedeutenden Erfolg gegen die Regierungstruppen errungen haben. Lehtcre waren 1400, erstere nur 700 Mann stark. Das Gefecht begann um 11 Uhr und dauerre bis zum späten Abend. Die Repnblt- kaner wurden vöUig geschlagen Und ließen 80 Todte nnd Ber- wundete auf dem Maße. Der Feldzugéplan von Nonvilas ist nach diesem Erfolge Dorregcrrarss aks vöUig gescheitert zu be-

trachten. _ Den Carlisten ist eine Sendung von Waffen zuge- gangen.

Italien. Rom, 23. April. Der Ministerrath hat die Prüfung der von der Kommisfinn znr Berathnng' des Klostergesehes vgrgenommenenModifikationen beender, ennge acceptirt, andere einmüthig verworfen nnd wrrd demnachst der Kornmisfion die streitigen Punkte mrttheilen. .- . _ . '

_ Der Gesundheitsznstand des Papstes qt ern besrtedr-

ender.

g _ 29. April. (W. T. B.) Die Differenzen zwischen der italienischen Landwirthschaftsgeselljchaft„ rn Tunis und der dortigen Regierung Fmd dadurch vollstandig an?:geglichen, daß die erstere eine Entschahigung von 125,000 Fr. aUSgezahlt erhält, dafür aber auf alle thr brsher M Tunis zn- geftandenen Rechte verzichtet. '

_ Eastellamare, 29. Llprtl. (W. T. B.). Der F'urst und die Fürstin von Montenegro find heute hter sm_ge- troffen und zum Besuche der Kaiserin von Rußland sofort nach Sorrent weiter gereist.

Schweden und NorWegen. Stockholm, “25. April. Die japanische Gesandtschaft ist hier gesrern Mattag ange- kommen, und der König empfing heute in “önentlrcher Audren_3_ Sionii Tomoni Jwakura, JUHhii H'roumt Ito und Inshn Maska Yamaqnachi. Der erste Gesandte überrerchte dem Komge

die Kreditivc der Gesandtschaft. Darauf erhielt dieselbe Audienz bet der Königin und der vermittweren Königin.

_ Der StaatSauÉ-schuß des schwedischen Reichs- tages hat die Bewilligung der verlangten Auggabe von 70,000 Rdl. schwedisch zur Krönung des Königs und 'der Köni- gm befürwdrtet.

Dänemark. Kopenhagen, 28. April. Am Schlusse der gestrigen Jolkethingssißnng wurde von den Führern der Ltnken, Alberti, I; A. Hansen und Winther folgender Vor- schlag zum Beschlnß_des_Thinges angemeldet:

, „Das Folkethmg be1ch11cßt den Ausspruch, daß es die ohne Mit- wtrkung der Ggfeßgebungsmacht unter ministerieÜer Verantmvrtlicbkeit getroffenen Yeftnnmnngen, wodurch über die Mittel der adeligen leZfier Ballo und Vemmetostg Verfügt wird, als grundgesetzwidrig ansteht und behalt steh vor, rnckstchtlich der gedachten Bestimmungen nathcnxlich der Nexkripte vorn 2. April 1873, weitere“ Maßregeln zu rcnen.“

Amerika. Aus Washington wird unterm 26. d. M. per Kabel gemeldet: Die Regierung hat dem Gouverneur Kellogg empfohlen, die Staatsmiliz in das Innere von Lonisrana zn senden. M*Enert) organifirt Militär, um der Regierung Troß zu bieten.

_, 29. April. (W. T. B.) Den Eigenrhümern der preußtschen Schiffe, Welche während des Bürgerkrieges als, der Führung von Kriegskontrebande verdächtig in ameri- kanrschcn Häfen festgehalten waren, ist auf erhobene Rekka- m_atron in Gemäßheit der Bestimmnngen des preußisch:n1nerika- nischen Vcrrrnch von 1779 von dem kompetenten Gerichtshofs tnSgesammt eine E111schädigung§snmme von 13,000 Dol]. zuerkannt worden.

_ Die Nr. 28 des „Amtsblatrs der Tenrsäxen Rricbs- Postverwaltung“ enthält: General-Verfügungen vom 24. Aprés 1873: Behandsnnn der mir Avrrfirniwnmr-Stcnwcl versehenen Briefe aus Bayrrn. _ Vom 26,5.)[dri1 1873: Prftdamdfsck-irf-Vrrbindnnnen mir Dänemark und Srhwrden. Vcrntcrk nur den Pncknbchleirkréefen in Bckrrff dec zngehörigen Sendnngcn, 'Ildrrs'sirnnn d=:r «"ck die Prst- nnstnltrn in Berlin bestimmten Zeitungrdnckete. Arnhcrnng gewisser Preuhijchrr Sremrelal'gabcn. '

Kunst und Wiffenschast.

Berlin„ 3032011111; Yeim Vrrstnnd der Grfellsrhnfr für Erdkunde und 111 d1e1rn Tahcn'von vcr1ckirde_nen Seitrn Mitthei- lungen nher Dr._Narhttgn1,_*1dwre em an Prox. Bastian gerichteter Brres Unt anöxuhrltchen chcndttzen nnd ein;“r Kartcnfkizze ein-

,gegangen.

_ _ Die Oberl'nnsitzische Gesellsrhnkr der ZWissen- Uhnfken hielt nm 17. Ndril ihre 140. Hnndrdersmnniinnz; nnter Vorsitz _i_hrcs Präsidcnten, dcr; Lnnderhnnpntmnns vrn Zendrwiß ab nach demon C“ öffnnnngrrten drr Zrkrstär ürer die seir Ostern'1872 vor“]tdrbenen nnd die nenritnnrrerenen Mitgliedrr borishrem. Da keine Lösung der in dcr östcrlickxen Hnrrdtderfnnnn[nnn ch ». Z,.“ abermals gestrkltcn Preisnnfgnde Über die Verfasstntnrndscbirrte der Örerlansiß eingrgnngen war, der Gegenstand aber der Brrsnnnnlnnn rrn beirn; drrrr Wichtigkeit (*rsrhirn, sd beschkdh man, rrrn dirfrxdd Anrnnrr Ursb- mals zn strllcn. Sie lautet: Ueber die Enrstclknng Und (?nnréckclnng der eigetnlxijmlichrn chns- nnd Zranksrrrfnsénng drr I1*crl.1n"it; dis zn dcn Folgen drs PönfnUrL. 9115 (Finlirfcrrnlnsrerjnin wnrde“ der 31. Dezembrr 1875, n!I„PreiÖ-_ der_früln're von 300 Tl'xnlernbesrnnmr. _ Als» none Prerdnnsgabe [*c1chldxz die Versammlung: „eine Monr- grnphie über den Görlitzer Mcistrrfännrr Aram Pnsahnmnn.“ “IllI Chr!irfernngstermin wurde der 531, Trzember1874, „115 PM 50 Tinner 7011906151. *

In Paris ist, Wie die Arril-Nnmmcr dcs „Zirndgr. Ierrhid-Z" berirhtet, Hiypdlire Prevost, Dirckxdr dcs strndnrnwhnn'nn Burcunö der chenmligrn Pairöknmmcr nnd dnnn dcs Kaiserlichen Zdnnts ron 1830_1870, nm 20. Februar 1873 im 2111er vrn 65 Jahren gestor- ben. Sein Shskcm dcr Stendgrndhir ist das L*rnte allgemein in Frankreich rezipirra nnd ami) noki) grgrrwärkén in Vrrsnéhrs nngrwcn- dete. Es ist eine writerc Lln-ZOildung drr „Lrgdnradhic“ “„Nur-W, dcs nachnmligcn Hrrzdgs von Bassnny. nnr!) wxlclwr 1789 die Brll'kerins drr'Natirna[dersamnrlnng und frntrr die Brrirhtc im „Jdnrnnl dfn- cirl“ angefertigt wnrdrn,

Kopenhagen,28.211301. „DidReiterfrnrneFriedrich111,5 wrnhe vor dem Schirme Chrininrnbrrg ibrcnPlnh lmdrn !"rll, ift jrßt nnrh dent beschwerlichen nnd lnnxnnmcn Trnnzddrf nuf delen rdndcrn äußersten Punkte der wrstlnhrn Vdrxtadtxgliicklich, nn _ ihren Bestimmungs- drn' angelangt. Tie Anmtcllnng dcr ,x-mme [OU Wort in Angriff ge- nommen Mrdcn,_ damir dic 0kr1117stll1111g dernlrcn nm 5. Juni, drm Grnndgrsrhtnge, ]raftfinrrn kann.

Bonn, 27. April. „Verfldssrne N.]chf nnn) 12100 jvnrdc in drr (H:Jend von (F"?ndcnick) cin Fehr JrUW-„S'SÄZÜMUJCI Meteor gc- srhen. Dnssrlbr brrvrgte sich unter 1=1i]3.11n111rhrr Erlcnrthg das_Ho- rizontes zur Erde und harrenmch Al_nrzmnestdrr deddnckncndcn Px'rxonen eine schöne bläulirh-grüne Färbung dcr jrxnzcr Spihr.

Rom, 29. ANY." Ans Yielrn Provinzen Treffen Moldnnnrn ein, denen zufolge em „1117511115365 «1111021 dcr ijnprrarur )tnttgesnn- den hat. Ans vteLen Grgrnden Wird von Schnee und “(51le [*e-

richtet. _ _ Landwirtbsthart.

Münchrn, 29. ?(Prxl. (Allg. Ztg.) “.*-[115 den rrrscknsdr17rn Theilen des Landes lauren 1ehr [*eirübende *.Wnrhrirln-511 'üve'r dcn Skim- den ein, dcn der Frost während der ichtcn Tage nngrrnhtrf._ In dcn Wringegrndrn der Pfalz. find die jungen ZTchhhnlnnr-s grönrrtnléeils, ja, wie Verschiedrne Blätter melden, xdgnrhnnzlnlr rrsrdrrn. '.][n den blühende" Obstbäumen: und in_ den .chescldern wil die Zerstörung rbenfalls eine sehr hcträghtlirhc nin.“ Fru Odenwnid, uberhaupt an der ganzen Bcrgsrrahc, ist dn*_Ob1t-.1n§n(1)r hlrnhmltö drinn, dn_al1e Blüthe, namentlich die der 911175- und Krrxchdannrd, vdflnnndnx erfror.

Stuttgart, 2:3.Apri1. 'Auf demÖdicöjährigrn Pferdemarkt wurden durchschnittlich weir höhere Prene nix.- xchtcs “Fahr erzielt und ist namentlirh die Anwcjenhett 1_r_hr wrrlcr Kansrr aus Bayern, Baden und der Schwsi'z dic Bemalunung gcwcnn; Zn Markt gebracht Wurden im Ganzen ca. 2000 Pferde; dcr Gemmmterlds beläuft fich (bei etwa 869 Käufen,nätnljch 27!) angrzrtgten und ca. 590 nich? an- eigten) nuf 379,203 Fl.; ans„1r_dcs versknnhe Pferd kynnnen nn Durch- clmitt einm 430 Fl. Der hocknrc PFW fur ein Netpscrd wnrde mrt 1800 Fl., für 2 Wagenpserde nnt 2500 F1. bezahlt.

Paris, 26. April. _ Telegramme an?» den verschiedensten Writt- gegenden (Bordeaux, Eyrrnay,*P-crnnarnr, Mncrn, Beaune, Renn?) melden, daß durch den Ihen Wxtternngöwcch1rl dcr lehtrn Tage dre Weinreben bedeutenden Schaden gelitten hndrn und _an manchen Stellen ein Viertel der Weinpswnznng durch den Fron zu Grunde

e an en it, Jg 8 s GeWerbe und_ Handel.

Die Dirckfion der Bank _für „Y_andcl 11nd§JndZnstrJie sagt im Eingnnge ihres Gcfchästöbcrtchtö fur “1872: Dre Snprrdividcnde dcs gedachten Jahres hat abermals 11 % dcs hixrzu berechtigten Aktienkapitals "oon Fl. 25,011),000„ergcben, 10 d. die grmnnnte Rente der Aktien dieselbe „Höhe ww in 1871 erreicht. Danech ist ein Betrag von über Fl. 160000 311 Abschreibungen, und O_onrnngen der verschiedenen Spezialrcscrvcn verwendet und dem .»mptrexcrvewnds das grsammte aus* der 1veit_e"ren Begehung von Aktxen (Welt? Auf- geld mit Fl. 5,000,000 zuthhrt Wordcn. _

_ In der vor Kurzem ]“tnttgrfnndcncn ZSihnng des Aufricht's- rathsder „ZeißcrEisengiehcrcinnd_Ma1rhrnrnban-Artzem- Gefellsrhaft“ wurde die Dividende snr das verflossene Gejrhafts-