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Reichs-Anzeiger
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für Berlin außer den Rost-Anßalten auth die Expedition
IT., Wilhelmstraße “Nr. 32. Einzelne Uummnn koaen 25 „3.
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die Königliche Expedition des Deutschen Reiths-Inzeiget- jmd königlich Preußischen Staats-Auzeiger- Berlin ZW., Wilhelmstraße Nr. 32.
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M 179.
Seine Durch Taucht der Fürst Ottcz von BiSMarck, Herzog von Lauenburg, ist am 30.Jult, Abends 11 Uhr, in Friedrichsruh verschieden.
Das Vaterland tzatseinen größtex Sohn'verloren. Zehn Jahre nach dem Ableben des großenzkaiyers i_ftcksem großer K_anzler ihm in den Tod gefolgt. Ein gnädige? Gesch1 hatte uns mrt dexn Anblick vertraut gemacht, dre Bcgrundcr des neuen Reiches m ungebrochener Kraft bis an die leßten Grenzen des Lebens unter uns wandeln zu sehen. Kaiser Wilhelm und Moltke sind als Neunziger von uns geschieden; es sollte dem Heutschen Volke nicht vergönnt sein, don Letzten aus großer Zett gxerck) lange zu besißen; das Heldcwzeilalter ukserer neuesten Geschxchte ist zur Rüster gegangen noch vor dem Ablauf des alten
Jahrhunderts.
Uebcr fünfzig Jahre hat Fürst Bi§marck dem öffentlichen chen der Nation angehört, fast dreißig Jahre hindurch hat er an der Spiße der preußischen StaatsregierunY dann der dcujschen RcichSreqierung gestanden. Preußen, -cutscbland, Europa weissn die unvergänqlickx Spur von seinen Erden- tagen auf; ein axxHerlescnes Werkzeug der Vorsehung, hat er die Wslt verwandelt, die er ]eßt vcrlicß. ' _ .
Als Otto von BismarckSchönbauscn, zmcnmddreißißjährig, Diner der jüngsten unter den Landtags-Abgeordneten, dxn politischeß Scbauplaß betrat, schickte das deutsche Volk soeben sick) an, die schmerzlich entbehrts Einheit ßck) selbst zu schaffen. Töcr Versuch der Frankfurter Nationnlversammluvg mißlang: nicht durch Reden und Majoritätgbcschlüffe, wieBiSmarck vierzehn Jahre „späwr :üxkscbauend gesaat hat, konnten die großem Fragen der Zeit gelöst wexden. Auch Hic monarchische Unions- pokitik scheiterte, deren Träger im Rall) König Friedrich Wilbelm's 17. Josef von Radowiß war. Im Erfurter Parlamcnt hat Biswarck dcn Radomiß'schcn Per- saffnngscntwnrf lcbhaft bekämpft; dcr künfttge Eimger Deutschlands zählte zu den Gegnern dcr damaltqcn Einhmts- bcstrcbangcn nicht als Vsrächter dcr nationalen Idee, aber in dcr “ xsorgniß, daß in dem dcutsckkcn Néubau, ww rr geplant wurdk, das preußische Köniqthum c'me festanrundlagen ver- lieren werde. Der Deutsche Band von 1815 ward wieder: hergestkllt, und BiSMarck wurde Preußens Vertreter auf dem Bundestags. Er ging nach Frankfurt als (Hegner dcr unitarischcn Entwürfe von 1848 und 1849, als abgesagtcr Feind der konstilutionellen Doktrin, als marmor Freund Oeßerreichs; er schied aus Frankfurt mit der Losung, daß Preußens Palladixxm in Dcutscbmnd liege, mit der Erkenntnis» daß für den zu sckmffendcn deutschen Einheitsstaat konstituttonelle EKnrichtungen nicht zu entbehrenfeicn, mit der Voraussagung, daß auch in diesem Jahrhundert „der deutsche Dualismus seine Bczichunaen durch einen gründlicheninneren Krieg werde regulieren müssen“. _
Nach der Uebernahme der Regcntscbaft durch den Prmzm von Preußen hat Bismarck gemeint, man müsse die auswärtige Politik mit der im Innern eingeschlagen_en liberalen Richtung in Einklang bringen; er *edachte für semc nationalen Pläne die Untcrstüßung der kontitutionellen Partei zu „qxxmnnen. Da geschah es, daß vielmehr die innere Politik "aus der liberalen in die konservative Bahn zurückgxdrangt wurde, weil das Ministerium der neue_n Aera m der Frage der ArmesReorganisation von den l1beralen Parteien nicht unterftüßt wurde. BiSmarck hat den Verfassungs- konflikt nicht geschaffen er fand ihn bei seinem Eintritt in das Ministerium im Éeptember 1862 ferti vor. Er duxfte sein nationales Programm nicht offen enthü en, er durfte some deutsche Gefinnung nicht auf dieÉunge nehmen, sondern mußte sie lief in seines erzens chrein verschließen. Ich kam“, so hat er 24 aHre später_ in einer berühmten Rede gesa t, ,mrt einer bewußten Abstcht, die ich noch „_mcht aussYreckZen durfte; die Saat, die ich sorgfältig 'hutete, wäre erstickt worden durch einen kombinierten Druck dex k?- qulrxmten Europas, das unsern Ehrgeiz zur Ruhe verwte en
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Was Bismarck seinem Königlichen „Herrn in jenen jchweren Jahren inneren Zwistes und auswärttger Spannyq en gewesen ist, at der dankbare Monarch dem Mm: er yiemals verge e . Bismarck's unver leichlicheDiplomatic er- offnete einen usweg aus dem La yrinth. Ungeahnt bath schlug die Stunde der deutséen Einheit. Nach der Au!
richtung des Königreichs Ital en hatte Graf Cavour emeim, auch Deutschland werde seine Einheit finden, aber die reußen
Berlin, Montag, den 1. August, Abends.
zu dejzt Werke brauchen, das die Viemontcsen in dreien außgefuhrt hätten. n der That, König Wilhelm hatte die Einigung Deutsch ands seinem Sohn oder seinem Enkel vqrbehalten geglaubt; Schritt für Schritt aber überzeugte er s1ch von der Unmöglichkeit,“ dem Kampf um die Vorherrschaft in Deutschland länger aus dem Wege zu gehen. Der preußische Staat kehrte nach den langen Zeiten des Zuschauens und der Unentschiedenheit zu den ruhm- vTohllen Uebxkrlieferungen einer Politik des Entschlusses und der at zurü .
Binnen einem Lustrum, wie es in den Jahrbüchern der deutschen (Geschichte oZne Gleichep dastebt und dastehen wird schritt diese neue preu ische Polittk vqn Erfolg zu Erfolg, auf den Schlachtfeldern, in der Diplomatie, m den Parlamenten. Das 1866 mit ficherer Hand Gewonnene wurde behauptet und erweitert in einem neuen Kriege, dessen leßte und tiefste Ursache doch immer in jener von dem Hervorragends-len Staatsmann und Geschichts- fchrciber Frankreichs damals scharf formulierten Anschauung zu suchen sein wird, daß Frankreichs historische Machtstellung in Europa durch die Fortdauer der politischen Zerrissenheit des deutschen Nachbarvolkes hedingt werde.
Deutschland hatte 1ein Recht, seine Einheit gefunden. THaten waren vollbracht, so groß und überwältigend, daß üe füglich nicbt überboten werden konnten. Unschetnbarer, aber darum nicht minder schwer und verdienstvoll war die öffentliche Wirksamkeit Biswarck's während der nun folgenden zwanzig Friedensjahre. . Sie galt einmal unauSgeseßt der Wahrung. des M ,harten Kämpfen erstrittenen Friedens. „Mtllione'n Bajonette“, so hat der große Staatsmann 1882 im Reichsmge ausgeführt, „Yaben ihre polare Richtung gegen das Zentrum Ettropas, und Deut chland im Zentrum Europas ist dieser geographischen Lage nach und außer- dem infolge der ganzen europäischen Gcfchichte dcn Koalitionen anderer Mächte vorzugsweise aUSJesth. Unsere Schwäche hat früher diesc Koalitionen gefühlt; wir haben die Objekte, die Gxgenstand der Bcgebrlk keit für jeden unserkr Nachbarn sein können, und wenn 1' mir in der auswärtigen Politik irgend ein Verdienst bcimessext kann, so ist es die Verhinderung Zink? ?ZZrKächtigcn Koalition gegen Deutschland seit dem
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Indem BiHmarckLZ Staatskunst so dsn Völkcrfriedcn, den Weltfrieden zu erhalten wußte, ward die Vorbedingung ge- schaffen für den Ausbau der Zustände im Innern, für eine gesesgc'berische Thätigkeit auf breitester (Grundlage und auf allen Gebietsn. Welck) gewaltigen Theil dieser Arbeit des Ausscstaltens hat der erste Kanzler des neuen Reiches den Kindern und Enkeln doch abgenommen! Eine höchste, die entf cidende, die große nationale Auf gbe, an der die Kunst der orfahren immer gescheitert war, te war gelöst; welche
ülLe neuer Aufgaben hat BiSmarck, 'kbenso unerschöpflich an
edankcn wie erfindungöreich an Htlmeittcln, erkannt, be- zeichnet, gestellt, um ste thetls selber noch zu lösen, theils anerdings den Na folgern u überlassen. Auf der parlamen- tarischen Bühne it der mm, der die Bercdsczmkeit eine geistige Funktion weiten Ranges nannte, dreiundvterzi Jahre hindur der Mei ter des Worts gewesen, der BcherrsZer der Redesch acht, ein Rufer im Streit. Denn eine Kampfes: und Truvnatur war ihm geworden, eine Herrscherseele, ,Etn Mann ist not!), ein Nibelungen-Enkel,
Daß er die Zeit, den toll gewordenen Renner, Mit eherner Faust regier' und ehernem Schenkel“
- so hatte in den vierziaer Jahren des Jahrhunderts einer unserer Dichter geklagt. Als dann dieser Etserne kam, wie hätte“ es ihm an Feinden Zhlen sollen! Ihrer viele hat er zu sich herübergezogen, seine opularität und die-Zahl seiner Ge- treuen wuchs stetig, und als Bismarck vor ]eßt acht Jahren von den Staawgeschästen schied, waxd mehr noch als uvor offenbar, welch . unermeßlrchen Schuß an lebe und Verehrunß) er 111 allen deutschen Gauen sich erworben hatte. er bisher streng Abges lossene, fast Unnahbare, den An en der Welt oft auf lange onate Entrückte öffnete 1th d e sorten seines quses gastxrei den Besuchern von fern und na , und unerme [:ck war d e Zahl derer, die in den Sachsenwald zogen, um emma! im Lebxn dieses ehrwürdige Greisenantlih geschaut zu haben. Alljährltch und von Jahr zu Jahr in steigendem Maße war Yer 1. A rtl ein nationaler Festtag, an dem in_der Helmuth und .m der remde ungezählte Tausende von deutschen Männern und deutschen
würden fünfzig Jahre
1Z9S.
Frauen ihrer Treue und Dankbarkeit gegen den Alt-Reicbs: kanzler begeisterten Ausdruck aben, und an dem achtzigsten Geburtstage hat ihm das dem?? Volk unter Führung semes Kaisers Huldtgun en dargebra t, StaatSmann zu tlßeil geworden waren. _ .
Nich! die Verehrung und Bewunderung der eigenen Volks- FWFMÉYYZRM nuthdYchZleZe Jtlxeßil Jer YxmdenMwirßd urre ungweer ter roeen eren a- stab abgebetx. Aber keJn Fremder hat uns noch zum Vorwurf emacht, daß wir Verdienst und Bedeutung Bi3marck's über- Kchäßt hätten; ]a vielleicht ist die rückhaltslosefte Anerkennun seinem staatéomännischen Genius gerade im Auslande gezo t worden. Bramarck habe, so urtheilte ein Franzose, „die Deutschen aus dem Dunkel hervorgezogen und auf den Scheitelpunkt des Ruhms erhoben; er habe mehr für Deutsch- land gethan, als Richelieu für Frankreich, Cromwell für Eng- land, Peter für Rußland“. leitung fern stand, lauschte die Welt noch immer einem jeden seiner Worte.
Nicht nur der Einiger, auch der Erzieher seines Volkes, ist" dieser große Deutsche geworden. Wie er der in politische Starrheit versunkenen Nation die Glieder gelöst, wie er das Volk der Dichter und Denker und der Träumer handeln gelehrt und unserer Politik, seinem eigenen Ausdrtzck nach, „eine respektablere Farbe“ verlishen hat, so hat er ]edcm Einzelnen das Beispiel gegeben, in Arbeitsamkeit, Hingebung und Pflicht- treue gan ftck) in den Dienst des Staathedankens zu stellen und auf rden keine höhere Pflicht zu kennen, als die Pflicht gegen das Vaterland.
Wenn der Saß wahr ist, daß die Staaten erhalten werden durch den (Geist und die Kraft, darin sie egründet wurden, so wird der Name Wißmarck uns ein Wa rzeichen und eine Verkündung bleiben für alle eiten. Und wie einst Biomarck zu rankfurt frei heraus er lärte, ein Preußen, welches der Erb (haft des Großen Friedrich entfaZFn könne, bestehe in Europa nicht, so wird ein Deutsches eich in keiner Zukunft bestehen können ohne das Festhalten an dem Vermächtnis; seiner Begründer, des ersten hohenzollerischen Kaisers und feines großen Kanzlers.
wie ste noch nie einem
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Seine Majestät der Kaiser und König erhielten Ystern Morgen von dem Professor Schwenin ger die telegraphische achricht von dem Abends uvor erfolgten Tode des Fürsten von BiSMarck. Seine Majesztät sandten darauf folgondes Tele- gramm nach FriedrichSruh: „Fürst Herbert BiSmarck FriedrichSrul).
In tiefer Trauer theilnehmend an dem Schmerz, der Sie Alle um den theuren großen Todten erfaßt,_beklage Ich den Verlust von Deutschlands !großem Sohné, dessen treue Mitarbeit an dem Werke der Wiedervereinlgung unseres Vaterlandes _ihm die Freundschaft Meines in Gott“ ruhenden Großvaters, des Großen Kaisers Majestät, für's Leben erwarb, und den unauslöschlichen Dank "des ganzen deutschen Volkes für alle Zeiten. Ich werde seiner „Hülle in Berlin im Dom an der Seite Meiner Vorfahren die leßte
Stätte bereiten. Will) elm, 1.12.“
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Seine Maj stät der Kaiser und König haben ?Yliäßn des Ablebens des Fürsten von Bismarck einezehu- ge a-ggen sämmtliäher Neiähs- und Staats - Dienstgebäude alvmast bis nach dem Tage der Beisetzung angeordnet,
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Als Bismarck längst der Staats- *
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of- und eine ack-ttägige Armee - Trauer, “sowie :X?!“