1898 / 187 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Tue, 09 Aug 1898 18:00:01 GMT) scan diff

** „Ösewatore Romano“ vetöffentlkcßt“ eine" vom

M. datierte Enc clika des Papstes, welche, an den

opat und das im! enische Volk erichtet ist 11111: die Unter- drückung der katholischen Vereine und [älter, die jüng von der Fsalienischen Regierung beschloss“) wurde, zum Gegen iand hat. Der Papst _verbreitet 1ch darin uber die Entstehung und Noth- " Wendigkeit ]ener Vere'ne, deren Ziele in reli loser, moralisckxer, ozialer und ökonomischer Hiyftcht er ,klaxe t. Er erklart, erartige Maßregeln, wie ste die italien che Regierung ' *Ytroffen habe, verleßten die Grundregeln von Gerechtig- - it und Geseß und beleidigten besonders den Papst, der ]ene friedliebenden Vereine gesegnet habe.," Sie verschärften ferner den für Italien so nachtheiligen „religiosen Zwist und beraubteu es einer im Kampfe gegen Sozialismvs und Anarcknswus fo hervorragend staatSerbaltcndwirkendenKraft. Yber dieKatholiken _ würden,obwohlgrundsäßlichGegnerderVerschworungunddesAuf- ruhrs, weder durch Dro ungen noch durch Gewalt zu einer Aende- run ihrer altung gebracht werden. Sie würden sich dem augen- blickichen tand der Dinge fügen, ihn ]edoch nicht unter- stüßen, solange derselbe auf dteDemüthigung des“ Papstthums hin- ziele. Der Papst erhebt gegrn jene Maßregeln Einspruch, welche er für willkürlicheserklärt und welche die LaJc des Papst: thums immer peinlicher und unerträglicher gcsta teten, da ihm dadurch auch die Mittel für seine Thätigkeit in religiöser und sozialer Hinsicht genommen würden. Der Papst macht die Katholiken Italiens und des Auslandes auf diesen Stand der Dinge aufmerksam und ermahnt die Italiener, in den Grenzen der Gcseßlichkeit dem Episkopat und dem Klerus treu zu bleiben.

Spanien.

Nach dem „Liberal“ hätte die Regierung die von den Vereinigten Staaten vorgeschlagenen Friedensbedingungen nur „311 rsfsnznänm“ angenommen, weil sie der Ansichtsei, daß eine Abftimmuna der Kammern zur Abtretung von Gebiets- theilen erforderlich sei. chn der Präfident McKinley die Bedingung der Annahme „311 19161611611111“ zurückweise, werde die Regierung die Cortes noch in diesem Monat einberufen. Eine neue Note McKinley's werde noch in dieser Woche in Madrid erwartet.

Anläßlich der Wiederkehr des Todestages Canovas del Castillo's wurde gestern in Barcelona ein Trauer- gottesdienst abgehalten, welchem die Behörden und zahl- reiche- Würdenträger beiwohntcn.

Portugal.

Der Präsident drr Vereinigten Staaten von Brasilien Campos Salles ist, dem „W. T. B.“ zufolge, gestern von Lissabon nach Rio de Janeiro abgereist.

Türkei.

Das Wiener ,Telegr.-Korrcsp.-Bureau“ “meldet aus Kon- stantinopel, da die Admirale in Kreta ihren Régierungen empfohlen hätten, auch die Verwaltung der Zebntcn zu über- nehmen, da die ZoUzuschläge für die Bedürfnisse der neuen Verwaltung nicht ausreichten.

Der serbische Gesandte Novakowiifck) hat fick) bei der Pforte über den jüngsten Einfall der Arnauten und Nizams Tn Serbien beschwert. (Siehe unter Serbien.)

Serbien.

Ter „Politischen Korrespondenz“ wird aus Belgrad gc- meldet, daß eine starke Arnautenbandc nahe di'l' Grenze zwis en Mutivoda und quischevaß serbische Feldarbeiter über allen habe. Die srrbische (Hronzmache sei zu Hilfe geeilt. Aber auch die Nrnauten hätten durch 200 Stammes: genossen und 60 reguläre Nizams Beistand erhalten. Das “Gefecht habe drei Stundep gswährt. Auf ,feindlicher Seite Hier! drei Nizams und zwei Arnauten gefallen. Ein gefallener , izam sei mit seiner ganzen AUSrustung auf serbischem Gebirte zurückgelassen worden. _Serbien habe umfaffrnde Maßregeln getroffen, um erneute Einfälle zu verhüten.

Montenegro.

Zu Ehren des in Cetinje eingetroffenen Fürsten von Bui arien fand, wie „W. T. B.“ meldet, gestern daselbst in der utter-Gottes-Kathedrale ein feierliches Tedeum statt. Bei dem Galadiner am Abend brachte der Fürst von Montenegro einen , Trinkspruch aus, in welchem er sagte: Er empfmde doypeltc Freude Über den lang erwarteten Besuch des lieben ruderfürsten nach dessen Besuche in Rußland. Montenegro ,und Bulgarien seien durch gemeinsame Interessen verbunden; ste möchten in Einig- keit zusammenwirken; daraufhin trinke er auf die Gesund- heit des Fürsten Ferdinand. Der Fürst von Bulgarien erwiderte: Wunsch und Pflichthätten ihnnqch Cetinxe geführt zu dem heroischen Volke, mit dem Bulgarien durch nationale und historische Bande sowie durch gemeinsame Religion ver- bunden sei. Zur Erfßllung der gemeinsamen Pflichten sei eine en e Freundschaft nothig. Der ürst Ferdinand trank um SZlu auf die Gesundheit des ürsten Nikolaus, des or- Zäikßnyr? der Freiheit und des Fortfchritts auf der Balkan-

a M e .

Amerika.

Der französische Botschafter Cambon hat, wie „W. T. B.“ aus Washington erfährt, die Antwort der spanischen Regierung gestern Nachmittag gegen 3 Uhr erhalten. Da die betreffende Note ziemlich umfangreich ist, dürfte die Dechiffrierung derselben einige Zeit in Anspruch nehmen.

Der leßte Bericht des Generals Shafter über die

esundheitlichen Verbältnisse in der amerikanischen Armee auf Fuba Zieht die Zah der Erkrankten auf 3681, darpnter 2638 Fieber ranke, an. General Shafter fügt hmzu , daß an enblicklich drei, Viertel seiner Truppen vom Fieber

Urn seien. Die Schwere der Erkrankungen und die Lan amkeit der Gencsungen seien namentlinie Folge der fur tbaren Strapazen während der ersten 3 ochen des eld-

zuges, in denen die Truppen schu los der entseßlichen itte- run aus eseßt Tewesen seien un ununterbrochen nur von Fleäch, rot un Ka ee gelebt hätten.

Aus Valparai o wird gemeldet, daß der ar entinische

Kommissar Moreno am 5. d.„M. von Buenos ires nach ValparaiY abgereit sei, um mn dem chilenischen Kommiffar Djego _ arros- rana behufs Einigung über die Grenz- !“Linie zu verhandeln. 'Der Prästdent Errazuriz habe sich an 6. d. M. mitxmehreren Ministern nach C„oquimbo be- 2331 um die Flotte vor deren Abfahrt zu den Manövern zu . igen.

Wie dem „Reutér'st'hen Bureau“ aus Pekina, vom

gestrigen'Tage gemeldet wird, hat das Tsung-li-Yamen

einen chinesischen Kommxffar beauftragt, gemeinsam mit den russischen Behörden thätz zu sein, um die wangSenteignung des Landes für die rufst che, Ba?n in der Mandschurei durch- zuführen, deren Bewohner sick) b s 1th gewetgert haben, ihren Grund und Boden zu verkaufen.

Die „Times“ erfährt aus- Hongkong vom gestri en TaY, daß der Kolonial-Sekretär in Zongkong Lockhart ich in egleitung von sachverständigen erathern an Bord des britischen Kanonenbootes „Plover“ nach der Mirs-Bay be:

eben habe. Der Kolonial-Sekretär solle dort als Spezial- ommissqr bei “der Festseßung der Grenze des Kaulung- Gebietes thätig sein.

Nr. 32 des „Centralblatts für das Deutsche Reich“, berauSgegeben im NeichSamt des Innern, vom 5. August, hat folgenden Inhalt: 1) Konsulat-Wesen: Ernennung; _ Exequatur-Ertbeilungen. _ 2) Marine und Schiffahrt: Bestimmungen über die argenseitige AnerkennuZZ der Schiffömeßbriefe in Deutschland und Rußland. _ 3) Justiz esen: Nachweisungen der zur Vertretung des Militärsiskus bei Pfändung des Diensteinkommens von Militärpersonen berufenen Militärbebördeu. _ 4) Zokl- und Steuer-kaen: Veränderungen in dem Stande oder den Befugnissen der Zoll- und Steuerstrlken. _ 5) Polizei-Wrsen: Ausweisung von Ausländern aus dem Reichsgebiet.

Nr. 25 des .Eisenbahn-Verordnunnglatts“, beraus- egeben im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, vom 5. August, Fat folgenden Inhalt: Erlasse des Ministers dsr öffentlichen Arbeiten: Vom 26. Juli 1898, bktreffend Wobnunarn und Wobngebäudr für Beamte; vom 30. Juli 1898, betreffend Aenderung der Staatsbahn- Wagen-Vorschriften; Vom 31. Juli 1898, betreffend Bcfähizung der Schiffsführer. _ Nachrichten.

Statistik und Volkswirthschast.

Die Ergebnisse der eidgenössischen Viebzäblung vom 20. 52151111896.

O_ie sämmtliche Kantone drr Schweiz umfassenden eidgenössischen Viehzablungen haben bisher nach dem Bundesgesetz vom 18. Juli 1865 al]e 10 Jahre, und zwar am 21. April 1866, 1876, 1886 und am 20. April 1896 stattgefunden, während fie in Zukunft nach dem Bundesgefeß, betreffend die Förderung der Landwirthschaft durch den ?Bämd, vom 22. Dezember 1893, al1€ 5 Jahre veranstaltet Werden :) en.

In der 116.„Lieferung der „Schweizerisohen Statistik“ Wkrden die Ergebnisse der Zahlung vom 20. April 1896 ausführlich veröffentlicht. Einbezogen m die Erhebung waren Pferde, Maulthiere. EsEL, Rind- vieh, Schweine, Schafe, Ziegen und Bienenstöcke. Außerdem Wurdén neben der Zahl der Viebbefißer nach der Art und Stärke des Viehstands (1896 zum ersten Mal) ihre Beruisvethältniffe festgesteUt. Die Veröffentlichung bringt_auch Vergleiche mit den Ergebnissen früherer Zählungen und Hinweise auf die Ein- und Ausfuhr. Der Nußvieb- tand der landPirtbschaftlicbc'n Betriebe ist nicht besonders ersichtlich gemacht, auch nicht die Zahl der landwirthfxclkxaftlichxn Zagtbiere. Es ist alto auch das nichtla11dwirthschaftlichs ieh (Zugpferde im Ver- kelt)Zs?etverbe-, Vieh bei Handlsrn, Schlächtern u.s.w.) in den Zahlen en (1 ten.

P fe r d L. Der Bestand am Zähltage war folgendcr: Gesammtzabl _Zucbt- Stuten trächtig andere dcr Pferde HSUJstS odrr säugsnd Pferde 1896 108 969 178 5999 102 792 1886 98 622 272 6888 99 462 1876 100 933 321 6410 94 202 1866 100 324 428 9515 90 381.

Auffaklrnd ist der Rückgang der Zuchthengste und Zuchtstuten, und es kann drsbalb nicbt überrajchen, wenn folgende Zahlen ein er- beblichks Anwachsrn der Mehreinfuhr erkennen lassen:

Ueberschuß der Einfuhr

über die Ausfuhr

Pfrrde Fohlen

1891-95 ........... 6455 1221 1886-90 ........... 5067 1401 1881-85 ........... 3649 793 1876-80 ........... 2399 521 1871_75 ........... 3369 815 1866-70 ........... 695 312

(Deutschland hat 1896 im Ganzen 3563 ferde nach der S:!)weiz ausgeführt, keine you'da eingefiihrt); De inländische Zucht der Schweiz reicht heute bei weixem nicht bin, auch nur die Hälftr des Landesbedarfs zu befriedigen.

Rindvieb. Im Ganzen find gezählt worden 1896: 1 306 696; _ 1886: 1212 538; _ 1876: 1035 856; _ 1866: 993 291 Stück.

Darunter waren ('i i b “b

. , «ungv e n er Kzlbcrbbts ck Jahr und Kühe k Rinder

1896 213 392 319 908 688 052 1886 183 099 289 624 663 102 18 391 58 322 1876 138 791 241 592 592 413 10 324 52 736 1866 130 012 247 460 553 205 1M02 52 527

In den Jahren1892 bis 1895, für welche verläßliche Zahlen

vorliegen, betrug die Einfuhr Ausfuhr Von Ochsen . . . . . . . 45 695 456 ., Kuchistieren . . . . . . 4490 2105 üben. . . . . . . . 7456 18711 Jun viel) und Rindern . . 5763 11505 Maikälbern über 60 kx . 11912 4695 Kälbern bis 60 kg . . . 3010 9946 (Deutschland hat 1896 aus der Schweiz eingeführt 10 429 Kühe und 4456 Stück Jungvieb bis zu 2) Jahren, ausgeführt nach dort nichts.) Die von verschiedeyen Seiten vorgeschlagene .Raffenzäblung' war abgelehnt wvrden, ebenso die Beantwortung der Frage nach dem Gewicht. Versuchsweise sind übrigens im Mai1896 über das Gewicht Berichte von etwa 200 Sachverständi en aus verschiedenen Gegenden er- beten worden, deren Ergebniffe am chluß der vorliegenden Veröffent- lichung gleichfalls mitgeibeilt find. Die Zahlen sind vielfach nur an- nähernde und vorläufig wo [obne erheblichen Werth. ür die ganze S weizbetrug danachdas Le endgewichtderKübeimDurch Ynitt510lxg. _ as die grö eren Rindviebbestände in einer Hand betri 1, so waren (bei 215 208 indviebesitzern im Ganzen) 183 Beßßer von 51 bis 100!) Stiück, 18 von 101-150 Stück und 2 von mehr als 150 Stück vor an en.

S (hw ein e. Es sind ezäblt worden: Zuchteber. utterschweine verwendete zur Zucht

1.896 2112 54 363 1886 1499 36 551 1876 1640 30 801 1866 1544 30 228

Zuchtstiere Ochsen 22 270 63 074

!-

andere Gesammt- Schweine zahl 510 499 566 974 356 867 394 917 302 066 334 507 272 656 304 428.

Trotz dieses starken Anwachsens des Bestandes ist der Ueberschuß der Einfuhr überdie AusL-br leicbfalls ganz erheblich gestiegen. C.: be. trug nämlich im Dur fchn tt'jährlich:

1891_95 81491 1876-80 64 282 1886_90 71677 1871_75 46159 1881_85 62 207 1866 -70 31297 Größere Bestände in einer Land waren: 270 von 51 bis 200, 45 von 101 bis 150, 11 von me r als 150 Stück.

Schafe und Ziegen. Die Zählungsergebniffe waren folgende: Schafe

Ziegen 1896. . 271 901 415 817 1886. -. 341 804 416 323 1876. 367 549

396 001 1866 . 447 001 375 482

Der Einfubrüberschuß an Schafen Wurde 1891 bis 1895 mit 70 965 bereehnet, während er 1866 bis 1870 fich nur auf 40 025 steine. Bei denyZiegen hat sich im Iabrfünft 1891 bis 1895 ein Ausfuhr- überfchuß von 1526 ergeben, während 1866 bis 1870 noch einr Mehr- einfubr von_6131 zu verzeichnen war.

An größeren Schafherden waren 1896 noch Vorhanden 36 von 51 bis 100, 11 von 101 bis 200, 7 Von mehr als 200 Stück. Von den Ziegenbesisern hatten 90 0/0 nicht mehr als 5 Stück, doch kamsn immerhin noch 22 Ziegenberden mit mehr als 50 Stück zur Zählung.

Bienenstöcke wurden gezählt:

1896 1886 1876

254 109_ 207 384 177 120. Die beiden leßten Jabrsüs-iftx wiejen eine Mebreinfubr von 1659 und 1825 Bienenstöcken auf.

Die! Frage nach den Berufsverbältnissen der Vieb- besißer war Veranlaßt worden durch den der schweizerischem Berufs- statistik (Zählung von 1888) anhaftenden Mangel jeder Auskunft über den Nebenerwerb. Namentlich empfand man diesen Mangel bei Behandlung der agrarpoiinschen Fragen der GSgentvart, da es Von boher Bedeutung war, zu wissen, inwirwsif die in der andwirtbsÖaft tbäiigM Arbeitskräfte durch Nebenerwerb in den natürlichen Ruheperioden der landwirtbschaftlichen Arbeit Be- schäftigung und„Verdienst finden und in den für die Landwirtbscbaft un- günstigen Zeitlauften übsr W1ff5r gehalten werden [(Z.-1111311. Aller- dings bleibt die Auskunft, die in dieser Frage bei einer Viebzäblung: geworinen werden kann, immer eine undoUst-ändige. (Erst die nächste Berufszäblung wird durch Stellung der Nebenerwerbsfrage dzm Manael wirklich abbelfsn.

Von sämmtlichen 1896 gezählten 287 430 Viebbefißern habcn 242 523 die Landwirtbscbaft als ihren Beruf bezeichnet, während 44 907 einen anderen oder keinen Beruf anzugeben hatten. Von dert 242523 viehbrfißrnden Landwirthrn wieder bezrichneten 172 625 die Landwirthschaft als ihren einzigen Baruf, während die übrigsn 69 898 neben der Landwirtbschast noch einen anderen Beruf angegeben babrn, und zwar bezeichneten Von [Eßteren 26 638 die Landwirtbfcbafi als ihren Hauptberuf, 43 260 als ihren Nebsnberuf.

Zu bemerken ist noch, dgß 'der Kanton Zürich bereits 1886 und ebrnso 1896 mit der eidgenösüicben Viebzäblung eine den Anfo rdernngen der Statistik durchaus entiprecksende, umfassende landwirtbschaft- [iche Betrieszählunq ver unden hat. Die Ergebniffe von1896 find noch nicht veröffentlicht. Kein anderer Kanton und eben- sowenig die Eidgenoffenschxst ist im Besiß einer landwirthscbafilichen Bexrisbsstatisiik. Bern hat 1888 nur eme Befißstatistak zu gewinnen VLrFUÖt und Aargau 1886 die thriebSJrößen der Viebbssiser nebenher schaßungswzise erhoben.

Zur Arbeiterbewegung.

In Frankfurt a. M. sind, wie „W. T. B.“ meldet, die Maurer in den Ausstand getreten, da die Arbeitgrbér die Forderung eines Stundenlohn?) von 45 „Z bsi 10stündiger ArbeitSzLit nicht bc- willixxijt haben. ,

„las Lauenburg a. d_._Elbe wrrd dcr „Mgdb. Ztg.“ geschrieben: Der Ausstand der Sibisiszimmerer auf der Werft von J, G. Hiyler ist beigelegt und dir Arbeit bereits seit einer Woche wieder auf- genommen wordrn. Die Firma zahlt jeßt einen Stundenlohn von, 38 Y, statt wie bisher 35 „5, und steüt geeignete Hilfskräft-Z ein„ soweit dies ““der Bstrieb erforderlich macht.

Kunst und Wissenschaft.

Große Berliner Kunstausstellung 1898. 71-9 Die Wandbilder H. Prell's für dLn Palazzo Caffarelli.

[.. X(. _ Seit Voriger Woche find im Saa131a dsr Aus- stellung 018 großen Wandbilder dem Publikum zugänglich (;ck-- macht, dic Profdsior Hermann Prell im Auitrage Seiner Maisstäx des Kaisers für den Thronsaal des deutschen BdtjchUtsPalais in Rom in der kurzen 3211 von szLi Jahren au9gefübrt hat. Es handelte sick) darum, einen großen, ziemlich langgestreckten Repräsentationsraum des in italienischer Horb: renatsfarce im skchzebnten Iabrhundert erbauten Palazzo Caffarellt: auf drm Kapitol mit einem Bilderschmuck zu vkrseben, der nach Ab- sicht des Hohen Auftraggebers den altgermanischcn Mythos vom Wechsel der Jahre'Szeiten schildern sollte.

Da die der Tbronwand gegenüberliegende Fensterseite des Saales die Entfaltung einer Breitkomvosition verbot, der nordische Mythos- auch nur drei Jahreszeiten, Frühling, Herbst und Winter kennt, er- gab sich bon selbst die Haupteintbeilung des Bilderkreises derart, daß“ an der- Thronwand der Sommer, an den beiden Schmalwänden Früh- ling und Winter dargestellt wurden, während dem Thron gegenüber oberhalb der beiden Mittelfenster die aüegoriscbe Gestalt der Gero- mania, ffankiert von Baldur und Erda, ihren Play fand.

Die Malereien reichen - wie aus den ebenfalls aus estellten Aqaarellskizzen des Gesammtinnern zu ersehen ist _ von der öbe des oberen Tbürsturzes bis zur braun-kassettierten Holzdeckeberaus und sind durch gemalte Atlantenfizuren im Geschmack des ttaliemschsn Barock seitlich flankiert. Diese balbarckoiteftonjsche und deshalb dem Baustil des Palastes angepaßte Einrahmung kyntrastiert auffällig mit den nordischen Sagengestalten der Bilder, die indeß dem Ort ihrer Bestimmung insofern ebenfalls angepaßt sind, als ste im Wesentlichen die Formensprache der klassischen, akademischen Kunst reden.

Inhaltlich beginnt der Cyclus mit dem Frühlingsbild der linken Schmale-id; da hier eine Flügeltbür neben der Fensterwand an- ebracbt i. , hat der Maler die Komposition nicht zentral angelegt, Fondern gewiffermaßen als Prolog des Ganzen über dem Tbürfturz in Bronzefarbe die germanische Sage gemalt, eine in weite Schleier gebüute bockende Matronengestalt, neben der der Nabe flattert,. während sie im Scho e das Haupt Mimir's, des, Riesen, in dem die Edda das .Gedäcbtni ' verkörpert, hält.

Die eigentlichr arstellun des Frühlings nimmt die beiden übrigen Drittheile der Wand em: Baldur, der Sonnengott, ist mit seinem gleichfalls jugendlichen Genossen Skirnir ur Erde herab estiegen und rastet am Quell eines Gletschertbals, als 1511 die drei S wanen-- jungfrauen, die auf blumigcr Au im S atten frühlingsgrüner Birken erscheinen aufleben ihre von den interriefen l'lgefangene Mutter Erde zu befreien. Die e wird rechts in den els üften des Hintergrundes in einem Wo kenschleier sichtbar. innend lehnt der Sonnengott an seinem Roß und hört den Bitten der Jung- frauen zu _ eine Gruppe, die deutlich an das Vorbild antiker Kunst gemahnt. Au die Gestalten der Schwanenjungfrauen sind über dem Modell klas scher Körperscbönbeit eformt, während die“; Köpfe mit ihrem gelockten Blond aar mad den rost m- Wangen wohl das germanische Schönheitsideal versinnlt sollen. Ein idyllischer, gemütbyoüer Zug liegt über der a Komposition des VordergrundeS, während im Hinter runde "male „Tillich die Alpenfirnen aufleuchten. Die Beschränkung au wenige G,?stalten

")'S. die Nrn.'117, 125, 146, 169 und 176 d. Bl. «'

*desRS

iebt dem Bilde Uebersichtlicbkeit und Klarheit. wenn man auch die Öeberdenspta-Ie im einzelnen lebendiger und deutlicher wünschen möchxe, damit der Bescbauer des ?edruckten Kommentars völlig entrathen könnte. Die lichteÉfarbigkc t, die sich namentlich in der Birkengruspe auf der rechten ck eite zu poesievoller Schönheit steigert, weckt uneingesckpränkte Bewunderung, Prell ist hier der dekorativen Seite feiner gro en Aufgabe in hohem Maße gerecht geworden. Besonnen und e enmaßig 111" auch der Aufbau, der streng an der Absicht eines linienschörien Flachenschmucks festhält. Das umfang- und figurenreicbfte Bild des Cyclus stellt _ als Sinnbild des Sommers _ den Kampf Baldur's und der Walküren, der Wolkengöttinnen, gegen die Berg- und Winterriesen dar, jenen Kanibf. in dem die Einbildunqskrast der Germanen sich die majestatis e Naturerscheinung des Gewitters gestaltenkräftig be- lebte. Der onnkngoxt in gleißrnder Goldrüstung stürmt auf feurigem'Roß durch diz Lüfte gegen die Bergriesen, die Jigantiscbes FelfIgrstem dem siegbaften Kämpen vergebens cntgeaensckpleudern. Die berittene Schaar der Waiküren folgt auf fablen Wolkenrossen ihrem Fuhrer, wahrsnd links im Vordergrundc: auf blumiger Wiese Erda und ihre Genosfinnrn den Befreier zam Kampfe anfeuern.

Die Göstaltsniüllx machte eine-n ähnlich übersichtlichen Auibau wre im rüblina“ unmöglich; aber geschickt hat der Maler durch die dunklen elsmaffen des Rtesenbeims auf der Nxcbten eine scharfe Be- grenzung gxgeben und nicht minder geschickt das farbige (Gleichgewicht durch die lichte Haltung der linken Bildbälfte hergestéllt. Die Figur Baldur's würde durch wuchtigere Vrrbältniffe noch gewinnen; obwohl sie den leuchtenden Mittelpunkt des Kampfcs bildet, triff die Aktion doch nicht kräftig genug hervor, und das Motiv des zum Schlage ausbolénden Flammenschwertes wirkt etwas lahm. Groteske Wildheit lebt in den Lsibern der Bsrgrissen, dercn Mutter _ ganz rechts _ in Felsenscbluchten hockt. Die scharfe Zeichnung und vlasttsche Durchführung aÜer Gestalten beeinträchtigt den Eindruck des Vifionären, Gsisterbaften, das solcher Verkörperung Links elemen- taren Naturschauspiels nicht ganz fehlen durfte. Dafür entschädigen dcn Bsscbausr auch hier wieder Einzelheiten Von bober Schönheit und lyrischm Schwung, die insbesondere eine der Bealeiterinnen Erda's, eine Mädchengestalt Von lieblicher Anmutk),_ auszeichnen.

Die Thronwand in ihrer ganzén Breite mit einer fortlaufenden Komposition zu füllen, würde zu eim'xn störenden MißNrHältniß zwischen Höhe Ukid Breite des Bildks g-xiübrt haben. PrLU flankierte daher das Frühlingsbild durcb zwri _ wikderum plastische Grupven farbig andeutende _ Cinzelfeldrr: links Baldur, die befreite Erd- aöttin an sick) ziebknd, rechts Hödur mit dem todten Sonnengott zu ssinen Füßrn. Diese beiden Plastischen Cäsuren kben der ohnehin irhdn weit auSgkdebnten Breitkomyosition drs Mittelbildks festeren Halt und Zusammenschluß. Sie erinncrn in Aufbau und Formen- fpracbe an die bildneriscbkn Schöpfunarn Von Reinhold Vegas.

Dzn Schluß des Jibreszeitenkreisrs [»ildei das Bild des Winters auf der rechten Schmalw1nd,_ in die _eine Orchesterlvge leider törend einschneidet. Links steht aus einer Klippe am dunklen Frlsg ade Erda, umgeben von Wasserfrauen und Meergreisen; Web- mütbig blickt sie auf die anstürmenden Wogen, die die Welt wiederum in Eifcsfesieln zu schlag-xn droben. Rechts im Vordergrunde fißf auf

' cinkm Felsblock der Barde, dem die Schicksangöltin mit dém strahlen-

äugigen Kinde dcs kommrndrn Frühlings im Arn] Begeisterung zu neucm Singen und Sagen leiht. Am fernen Horizont sinkt die Sonn? blutiarotb in die tiefvioletten Merreswogen.

Landschafjlick) macht dieses Bild von allen den tiefsten Eindruck; dir 1xostlose Stimmung der versinkenden Lebensfreude isjausgezeicbnet grtroffem, die grauen Felsmaffen beben fich wirkungsvvll gegen die grüne Mseresbrandung ab. Entsprechénd der Frühlingskompofition anf drr gkgsnüberliegendcn Wand hat Prell fich auch hier auf wenige ausdrucksvokl: Figuren beschränkt. Zu ernster Größe erhebt s'1ch dic Nornengrstalt, die: der rechten Hälfte des Bildes eine kräftige Cäsar aiebt- und deren Silbourtie wirkungsvvll bon drm wsiten Mker absticht. Freilich wird auch bier der Beschauer obne Crläutsrung nicht ganz auskommen können. Dir nordische GöxtcrsMiy die Schöpfung eines Naturvolks, dem die (Gabe bildnerischer Kunst in jenen Zeitaltern frühester Kultur durchaus versagt war, muß stets ein spröder Stoff für dic Malerei bleiben, sobald diese nicht ihr-n Kern, die Wirkung der Naturgewalten auf das menschliche Gémütb, künstlerisch zu fassen sucht. Prell bat dabsr di? landschaftliche Schilderuna mit Rlch1 in den Bildern des rüb- lings und Winters in den Vorderarund gestellt und damit einer scbwierigrn Aufgabe dir einzige Möglichkeit starker Wirkung ab- gcrungen.

Mehr in den Bahnen dés Herkömmlicben bewegt sich die AÜegorie auf Deutichlands Macht, die an dsr Fenstermand des Saales, dem Thron gegknüber ibren Play gefunden hat. In einer Barocknische, neben der Atlanten im Stile Giulio Romano's als Dcckenträger fungieren, ist der Thron für die Gestalt der Germania errichtet. Sie hält, mit Schuppenpanzer und Kaiserkrone bekleidet, das Reichs- scbwcrt auf ihren Knien. Jbr zu Füßen haben sich Erda und Baldur _ als Bronzefiguren sedacht _ niedergelassen.

Eine in Marmor gemeißelte Inschrift am Sockel dieser Malérei girbt Aufschluß über Veranlassung und Auftraggeber des Unter- ncbmkns, das in dsr ewigen Siebenbügelstadt künden soll Von der Sagenwelt des nordischen Rsichs: (1111161111118 1l. irnpsrabor 193: 1111147111111] Y10k138 11101110r 1161105 QSrmanjas 111 111110 QOkSkUU. 131111115 padrjus 0r11arj _]"118518

Uzbkr den writeren Verlauf der Verhandlungen des 29. Deutschen Anthrovologen-Kong_reskes in Braun- schweig entnehmen wir einem Bericht des „Hann. Cqur.“ Folgsndes: Ur. Boas aus New York sprach arri Freitag _uber die anthropologische Forschung in Amerika. Er fuhrte aus, daß sich in den Hauptstädten der VSreinigten Staaten Byreaux ge- bildet hätten, welche die einzelnen Forschungsgebiete bkarbeiteten; so beschäfiige sicb beispielswxise das Bateau in Washington mix der Erforschung der Lebensweije und Entwickelungsqeschichfte der'Jnd'tanex, andere wieder mit der Sprache u. s. f. Ein Hauptbmderntß fur die Forschung bilde gegenwärtig der Mangel an jüngeren Arbeitskraften, doch sei Hoftnang vorhanden, daß diesem bald abgeholfen werde. Der Redner berührte auch die in Amerika betriebene physische Anthro- vologie. _ Der le te Vortrag der zweiten wissenschaftlichen Stß_ung war der des Proeffors Dr. J. Ranke-München, welcher aber bevölkerungsstatistische Beobachtungen aus den Indianer- dörfern des X ingu sprach und auf die Schwieri keiten hinwies, die der Arbeit des Forschers bei solchen van der Ku tur noch völlig unberührten Volksst mmen sicb entgegensteuten. _ („Endlicb sprach dann no Realschullebrer Lübmann-Braunschweig uber eine von ihm bear eitete Karte der vorhistorischen Elmbefestigungen.

Am Sonnabend Vormittag wurden zunßckxst die Technische Hoch- schule und das mit derselben räumlich veretmgte Herzoizliibe Natizr- historische Museum besichtigt. Darauf begann die Sch ußsißung tm Wilhelms - Garten. Zuerst wurde der Rechxnfchaftsbericbt er- stattet, dem zufolge das Vermögen dex Geiellscbaft 19 505 „M 96 „_3 beträgt. AlSdann wurde gema dem Vorschlage des General - Sekretärs Professors 1)r'. Ran e .die Stadt Lindau am Bodensee einstimmig als Ort der nächstxäbrigen Versaznmlung gewählt, wo gleichzeiti auch die Wiener Anthropologische Gejellf ait taqen wird. Zum Er ten Vorfivenden wurde wieder der Geh me Medizinal-Ratb Or. Waldeyer, zu Beifißern wurden der Geheime Medizinal-Rajb -1)r. Virchow und Freiherr Dr. von Andrian-Warburg

“gewählt. Hierauf nahm dann Dr. Köbl-Worms das Wort, um

über neue Gräberfelder der jünZeren Steinzeit bei Worms zu sprechen. Der Redner hat 18 5 bei Worms ein grö eres Gräberfeld entdeckt das aus 69 unversehrten Gräbern bestand. iese boten ein reiches Material an Skeletten, Schmucksachen, Gefäßen und Gerätben. Ein zweites eld entdeckte der Redner 1897 in der Nähe tunden von orms entfernt sie enden Ortes Monsheim und ein drittes im Frühjahr 1898 b dem 1 Stunde von Worms entkernt liegenden Dürkheim a. Rb. Lesterer Fund

“bot eine recbe Ausbeute an k:ramischen Erzeugnissen, Hunderte

von Gefäßen, die in Verbindung mit den Wormser Funden ein voklstärxdigesBild von der Keramik der Steinzeit geben.

as Alter der Graberfunde ist auf 5000 Jahre zu schäßen. _ Nach diesem mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag erhielt Museums- Jnspektor Grabowskv-Vraunscbweig das Wort zu einer Schilde- rung neuer neolithischer Fundstellen im Herzogtbum Brauns cbweig. Die von ihm vor drei Jahren beschriebenen funf Fundsteaen haben sich inzwischen auf mehr als hundert ver- mehrt. Die meisten Fundsteüen liegen rechts von der Oker, und die Funde sind dadurch intereffant, daß“) aÜe Feuersteinaerätbe Line rothe Farbe zeigen. Die durch die u-x angreicbe Spargelfuitur zu Tage geförderten Fuzide mehren sich täglich, sodaß es nach weni en Iabren möglich sein wird, eine umfangreich: Karte der neolitbis en Besiedelung Braunschweigs anzufertigen. Im Anschluß hieran bieltder Redner dann noch einen Vortrag über einige im Thale der Lippe (Unterlauf) bei Wesel von Herrn Bankoorstmd M. Telge- Oberhausen xntdkckt'e neolithische Fundstellen. _ Nack) einer Pause wurde nsch 2111? Reihe bon Vorträgen gehalten, welche die Gehirn- und Schadelbtldungen des Menschen 2c. zum Gegenstande batten. _ Am Abrnd Vereinigten sib di? Theilnehmer im Stadtpark zu einem von der.,Stad: gegebenen ertenfest. Die folgenden Tage waren zu AquLUs-Zr'n nach dem (Um, nach Wsrnigerode. Rübeland sowie zu einer B: chtigunq drr megalitbischen Denkmäler in der Althaldens- [ebener Forst bestimmt.

Literatur.

Kaiasier der eingetragenen Genossenschaften im Königreich Preußen _ Unterlagen zur Genossenschaftsstatistik, bearbeitet von der Preußischen Zrntral-Genossenscbafts- Kasse. 662 Seiten in Großfolio-Formaf. erlin 1898, Karl HeymannZs Verlag. Preis 45 516. _ Die durch Gescy vom 31. Juli 1895 _„zur Förderung des Psrsonxlkredits, insbeiondere des qenoffsnschastlicbsn P.'rfonalkredirs“, begründete Zentral- Gsnossenschxfts - K1sse hat es fich seit ihrer Errichtung an- gelsgen_ scm [aff3n, als eine der wichtigsten Vor bedingungen für die planmaßige szung und Wsiterentwickelung der genossenschaftli en Orgariisxtion im preußisch2n Staate auch die Gsnoffensckpaftsstatitik tbatkcastig ,z_u fördzrn. “Qik erste Frucht ihrer dahin zielenden Be- strebungen 111 der vorliegrnde umfangreichs. durchweg auf amtlichen Materialien „aasgsbaute _GmoffenschxfWkataster Preußens, in dem vorerst allerdings nur die gerichtlich eingetragenen Ecwrrbs- und Wirthschuftsgenoffenschaftcn berücksichtigtsind. Die Grundlagen hierfür zu [reierm war auf Antrag des Präsidenten der Kasse den Gsrickztsbkbörden sclbst durch Ministerialberfügung _vvm 1. Mai 1896 aufgegeben wordsn. Die allein über 500 Großfolioyeiten füÜenden Tabellen des eigent- lichen Katastertheils führen in der alvbabetisckzsn Folge der Land- und Amtsgerichtsbezirke im Gxnzen 6598 eingetragene Genossenschaften nach, Firma, Sis, Haftpflichtart und Ge enstand des Unternehmens mit ihrer Eintragsnummrr im GenossensckjaYtSregister agi; sie ergänzen diese Angaben durch solch: über die Höhe der Ges äitSantbrile und die Zahl der Genoffrn, sowie bei beschränkter Hatpflicbt übst die Zaftjumme für jeden Antbeil und die Gesammtbaftsumrn? für di:“

enossenscbast. ferner über die Händbabung der Revision durcb gericht- liche Revisoren oder innerhalb von Redifionkderbänden und über Za- lasfung oder Ausschluß von Genoffensckiafien als Gsnoffan. End1ich lassen sie vermöge ihrer klaren, übersichtlichen Anordnung gleich- zeitig mühelos das Zablenberhäliniß der mit unbeschränkter Haftsfticht, der mit unbeschränkter Nachschuxßpflicht und der mit bsschränkter Haftung arbeitenden Genossenschaften zu einander, sowis dasjenise der gerichtlich und der verbandsseitig revidierten Genoffenfckoaften innerhalb jedes einzelnrn Amxs- und jedes Landgerichtsbezirks erkennen. Unter- schixden werden nach dem Gegenstand des Unternehmens, je für fick) aufiummiert, acht Hauptgattungen: 1) Vorfchuß- und Kredijvereine ( auch prr- und Darlebnskaffen), 2) Robstoffoereine (auch zur Beiäoaffung von landwirtbfchaftlichen Gebrauchsgegenständen. Düngemitteln 2c.), 3) Absaßgenoffensckpaften, 4) Magazingenoffenschaften (insbesondere Getreideberkaungenoffenschaften), 5) Produktivgenoffenschaften (ins- besondere Molkerei-, Winzergenossenschaften), 6) Konsumvereine zur Beschaffung von Lebsnsmittelti 2c.. 7) Wohnungsgenossensäyaften und 8) Genoffenscbaften für sonstige erscke, welchs [esseren noch eine besondere TabeUe nach Geschäftsiweigen klasstfiziert. Die aus der Aufsummierung der Haupttabeacn gewonnenen Resultate führt sodann noch eine Uebersicht der Landgerichtsbezirke allein und wieder noch einmal im Großen eine solche der Ober- LandeSgericbtsbrzirke ziffernmäßig bor Augen. Angeschlossen ist ein uber 100 Seiten umfaffendrs Firmrnregiiter der ge- sammten Genossenschaften, nach dem Ortsalphabet ibrer Sitze: ge- ordnet und unter Angabe der Verwaltungsbezirke, in welchen diese liegen. Voraufgeschickt ist ein kurzes Vorwort zur Orientierung über die Vorgeschichte des Werkes und über die gewaltige Arbeitsleistung, welche u seiner Durchführung in verhältnißmäßig sehr knapp brmeffener eit zu bewältigen War; das Vorwort schließt mit dem Versprechen, daß alsbald die Verwertbung des Katasters z:; statistischer Einzel- bearbeitung in Angriff genommen werden und die Veröffentlichung des ersten Heftes demnächst erfolgen solle.

Dasselbe ist bereits unmittelbar nach dem Hauptwerke zur Aus- gabe gelangt unter dem Titel „Mittheilungen derPreuß_is_chen Zentral . Genossenschafts - Kasse, 1. fot:,S1ati|tische Ergebnisse des Katasters der im Königreich Preaßen vorhandenen eingetragenen Genossenschaften“ (94 Folio- seiten; Berlin 1898, Karl Heymanns Verlag; Preis 5 «is). Mit diesem Heft leitet die Zentral-Genoffrnscbafts-Kaffe ein Unternehmen ein, welches „in zroangloser Heftfolge vor allem Bearbeitungen dxs statistischen Materials, dann aber nach Bedarf auch noch sonstige, die Zrntral-Genossenschafts-Kaffe selbst oder das Genossenschaftswesen betreffende Veröffentlichungen“ zur aÜgemeinen Ksnntniß bringen soll. Die durch „Vorbemerkungen“ erläuterten Tabellen desRersten Zeites zei en die in dem großen Gsnoffenschaftskataster aufgesuhrten

enossen (haften nach verschiedenen Weiteren Gesichtspunkten gruppiert. Tabelle 1 ist nur ein Wiederabdruck der im „Kataster“ enthaltenen Zusammenfassung der Endzablen desselben nab Land- und Ober- Landksaericbtsbezirken Tabelle [[ giebt eine Uebersicht über den Stand der Genossenschaften in ihrer Vertheilung auf die Y_erwaltunasbezirke, Tabelle 111 ihre Vertheilung auf die RevifionSVerbande, nacb Unter- nehmen und Haftpflichtart getrennt, und Tabelle 17 die Vertheilung auf die verschiedenen Genossensckpastszwsige. xrach fotpfltchtart und Revisionsverbältniß gesondert. Angesagt :| eme mehrfarbige Karte, welche das Zablenverbältniß der Mitglieder der „eingetragenen Ge- nossenschaften zur Gesammtbevölkerung veranschairltcht.

_ Annalen des Deutschen Reichs fur Gesetz ebung, Verwaltun und Statistik. Staatswiffensckoaftkiche eitschrtft und Materiakiensammlung, berauSgJeben von Dr. Georg Hirth und Dr. Max von Seydel. 31. abrgang, Heft 3-10. Munchen und Leipzig, Verlag von G. Hirth. Abonnementsprets vierteljährlich (3 ézfte) 4 „14 _ Die vorliegenden Hefte'entbalten eine größere An- zab wertbooller Abbandlun an von aUgememem Interesse. Vor allem sind zu nennen die .Vortr ge aus dem gllßemeinen Staatsrecht“ von dem Münchener StaatSrechtslebrer Profe or Max don Seydel, die Abhandlungen von Dr. „jur. Gustav Bansi in Marienwerder über „,Die Gebietsboheit als rein staatSrecbtlicber Begriff dur - geführt“, Anita Augspurg über "„Die Entstehung und raxs der Volksvertretung in England“, Gustav Sie el „Zur Entwi elang der Unabhängigkeit der Rechtspre ung“. Affe or Dr Albrecht Hoff- mann-Dreöden über „Die öffentl chrechtliche,Ver1äbrung nach den Abgabengeseyen des Deutschen Reiches“, die Aufsäßx über „Die Amortisation der preußisckpen Staats- und Eisenbahnschuld“, „Die Verschärfung der esevléchen Unterbaltöpfticht' von Rechtsanwalt Dr.

uld in Main „,I-Hie so ale Lage _der imarbeiter“ von [):-. W. Kuland in ünchen, . in französijches ach über die deutschen Agrarverbältni e' von Richard von Kaufmann, „,Die Landschaften und die preußi Yak) potbeken-Aktien-Banen, unter besonderer Berück- sicbti ung ibrer ez e5un en zu dem ländlichen Grundbesiße in Preu en“: von Ed. We ener, ein, ortrag über den „Streit um die Ver aat- lichung der eichsbank“, der am 19. November v. I. im Sozial-

wi ens xftli Verein zu München von cofésfor 1)“r.WMn“„ . ge alte???11111333111 ist, und „Ein Mabuworthetreffs Herstellung.:W-4 vollständigeren Statistik der kommenden Reichstagswahlen“; von N. Siegfried. Im zehnten fot endlich veröffentlicht der Legajionk-

*Sekretär im bayerischen Staats-Ministerium des Könißlicben Hauses -

und des Aeußern Vr. Jose Graßmann unter der [Le erschrift „Die Sonderstellung des bayeris en erres und das Reichs-M11itärgerfcht“

eine Abhandlung, in welcher der Verfa'Xer die von der herrschenden.

auch von einigen bayxrifchen StaatSreäbtslebrern vertretenen Ansicht ' abweicbsnden Anschauungen der bayerischen StaatSregierunq über die Frage der obersten militärgerichtlicben Instanz für das Königreich Bayern wissenschaftlich zu begründen sucht. An Materialien enthalten die vorliSqenden Hefte u. a den Entwurf eines Geseses, betreffend die deutsche Flotte. nebst der Begründung und den Denk- schrift-sn des Reiaßs-Marineamts über „Die See-Intere en des Deutschen ReichS“ und „Die 'Unßgaben für Flotte und Land cer und ihre Stellung im Haushalt der wicZTiasten Großstaaten“, ferner den Bericht über die Thätigkeit der eichskommiffare für das Aus- wanderungswesen während des Jahres 1897, den Verivaltungsbericbt der Reichsbank für das Jahr 1897, und unter der Ueberschrift „Ver- band deutscher Priyat-Feuerverficherungs-GesellsYaften“ find die all- gemeinen, die landwirthsÖaftlichen und die für abriken und gewerb- liche Anlagen in Kraft bkfindlichen Versicherungsbedinkzungen derselben, sowie deren Vorsichtsbedingungen für elektrische Lcht- und Kraft- anlagen mitgetheilt.

_ Die am 4. August zur AuSgabe gelangte umfangreiche „Bismarcszedachtnißnummer" der „Illuftrirten ei- tun_g“ enthalt einen Aufsay aus der Feder Moriß Bu ch's: :. „BiSmarcx's Wssen und Werk“. Der außerordentlich reiche Bilder- schmuck dieser Nunimer vergeßenwärtiqt noob einmal den verewigten Fürsten, wre ihn die Meister and Franz von Lenbach's und der Meißel Gustav Eberlein's aufgefaßt haben, er zeigt ferner den Mitbegründer des Deutschen Reichs als Knaben, Jüngimq und Mann und bietet auch Illustrationen Von dem Daheim des Fürsten in Varxin und in Zriedrtckßruh, sowie von dem Reichskanzler-Palais zu Berlin. Gute

olzschnittreproduktionen der bekannten Kunstschöpfungen Anton von Werner's und Geor Koch's leiten dann in die Tage von Sedan und ngris zurück. 'Die abre nach dem Rücktritt des Reichskanzlers sind ekonders aUSgiebig mit Illustrationen nach Originalzeicbnungen und Momentnufmabmrn bedacht, so die Feier des 76. und namentlich des 80. (HSburtsta es, die Neije im Sommer 1892 nach Wien, und die Tage , der ywesenbeit Seiner Maj:stät des Kaisers in Friedrichsrub im Frühjahr 1894. Auch das bekannte Bild, das dan " Fürsten im Kreise der Seinen zeigt, fehlt nicht. Die G:dgchtnißnummer, welchc in Anbetracht der kurzen Her- steÜungsfrtsi als vortreffliche Leistung der Typographie und des JUnitrationSdrucks bezeichnet zu werden verdient, ist auch einzeln zum Preise von 1 «14 50 H zu beziehen, wobei noch darauf hingewiesen ser, daß diese Nummer außcr 26 Großfoliofeiten Illustrationen zum Gedächtmß des Fürsten von Bi5marck zwanzig Holzschnitte nach Auf- nabmrn des Reaierungs-Ratbs 1)1'. Bumiller enthält, mit denen eine in großen Umrissen gehaltene Skizze von Major von Wissmann's und Dr. Bumiürc's „Jagdxusflug nach dem Altai“ eingsleitet wird, die dm Vorläufxr 91an in Aussichtges1ellten größeren Neisewerks darstellt. Text und Faustrationkn find _eiu dankenswertber Beitrag zur Kenntniß von Land und Leuten drs ruzsiscben Zentral-Afiens dec ngenwart.

Bankvesen.

Das Königlich württembergische Landes-Gewerbe- museum in Stuttaart.“ Hzrausgegebxn von S. Neckelmann, Architekten und Profefsor an der Königlicbxn Technischen Ho:!)schule in Stuttgart. Berlin, Verlag von Ernst Wxsmuth, Markgrafen- straße 35. _ In dieser schönen Publikation giebt der Architekt des Landes - Géwerbemuseums in Stuttgart eine kurz gefaßte BeschreibunY dieses Prachtbaues, welche durch 24 Großfolio-Tafeln in Lichtdru nacb photographischen Original-Aufnabmen erläutert ist. Diese vec- anscbaulrcben zunächst das Aeußere: die Hauptansicht nach der Kanzleistraße nebst Details von dieser und den Fronten nach der Schloß- und der Lindenstraße, ferner dkn Treppentbüren (mit einem schon dekorierten Fries von Frucht- und Blumenqebängen und grotesken Masken in Sandstein nach Entwürfen von Neckelmann) sowie das Hauptportal, Dann folgen Aufnahmen des prächtigen Innern, fie ze gen die VorbaUe, die König Karl-Halle (vier besonders schöne Tafeln), den Eingang zur Bibliothek, diese selbst. mit ihrer ebenso splendidcn wie vraktischen Einrichtan , den Japanischen Saal und endlich das obere Treppenhaus. Den lanz- punkt bildet die König Karl-Haüe, welche auf vier Tafeln dargestellt ist. Diese zur Erinnerung an die für die Entwickelung der Gewerbe in Württembera segenSreiche RegierunJ des verstorbenen Königs (gestorben 6. Oktober_ 1891) zu dsffen 25jäbrigem Regierungs- jubiläum (1889) gestiftete Halle ruht auf 36 Marmorsäulen und 6 Pfeilern aus demselben kostbaren Material. Die künstlerische Ausstattung wurde von den württembergiscben Ständen zu diesem Jubiläum dem König ?ewidmet. Die von

ardinand Keller ausgeführten Wandgemälde ze gen die sämmtlichen errschsrgestalten des württembergischen Fürstenhauses, umgeben von

ervorragenden Zritgenossen aus dem Volke und in Verbindung mit

Im Mitteibilde sieht man die imponierende Gestalt des Königs Karl, aufrecht stehend und den Plan der ihm geweihten HaÜe in der Hand haltend;

reich belebten rappen idealer HuldigungSzüge.

zu seinen Füßen die allegorisckoén Gestalten der urchtlosigkeit und der Treue (nach dem Wappenspruckp des önigsbauies). Die Treppenwangen schmücken allegorische Bronzegruppen von Eder- lein: Das im Frieden rubendekcaftoolle Land; Reichtbum und Frucht- barkeit des Landes; und von Hundrieser (Gewerbe und Handel). Mehrere Tafeln endlich zeigen die Grundriss der beiden Obergeschoffe, sowie verschiedene Querschnitte des Prachtbaus. Die Ausführung der Tafeln ist musterbaft, die Ausstattung so gediegen wie alle Publikationen des Wasmatb'scben Verlages.

Land: und Forstwirthschaft.

Einen erfreulichen Anklang bei der Bevölkerung im Kreise Siegen babrn die Bestrebungen des Winterschul-Direkwrs Alm aus Elsy: gefunden, welcher in der Haushaltungsschule in Neunkirchen einen Milchwirtbschaftskursus geleitet hat, an dem (i:!) achtzig Mädchsn bztbeiligt haben.

In gleich löblicber Wzise sucht durch theoretische und yraktisch: Anleitung Direktor Hannemann in agen das erständnig für einen rationellen Gartenbaubetrie , bawtsäcbliib bxiu wxiblicbzn Geschlecht, zu heben. Lsider war die Vetbeilizung bisher eine scbkvaHe.

Aus dem Regierungsbezirk Koblenz wird bxricbtet: Die Entwickelung des Weinstocks berechtigte im Frühjahr: zu guten Ernteausfibten. Diese sind aber durch das bald eingetretene naffe Wstter und das in Mengen auftretende Ungeziefer sebr getrübt worden, sodaß ge enwartig ein guter Wsinertra nicht mehr zu erwarten isst. B:!onders in den Kreisxa reumaö und Cochem bat (iH der Sauerwurm wieder in größeren Mengen gezei , was zu ernfter Besorgniß Anlaß giebt. Außerdem hat in dem Kreitge Cochem die 1361'01108 ora 7111100111 die Entwickelung der W211!- töcke geö'ommt; doch wird Flo allgemein drink zeiti es Bespcihen der

einstöcle mit Kupfeckqlklö uns zu bekämpfen gesu t.

Ernteaussicbten in der Bukowina.

Nachrichten aus LemberI zufolge ist der Szabenstand in der Bukowina sehr befriedigend. ée Ernte, mit Ausnahme von Mai!", hat bereits begonnen und verspricht ein gutes Resultat.