1892 / 25 p. 9 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 29 Jan 1892 18:00:01 GMT) scan diff

„IH 25.

Deutscher Reichstag- 159, Sißung vom Donnerstag, 28. IOMMU 2 Uhr.

Am Tische des Bundesraths die Staatssecretäre _])r. W" Boettrcher, Frciberr von Malsahn und Fretherr von Marschall.

Auf der Tachordnung steht zunächst die drttte Berathung des (Hesexzetxtwurfs betreffend die Anwendunxö der ver: Yragsmaß1gen Zollsäße auf das am 1. Fe ruar 1892 1!) .DEUtschland vorhandene unver o__llte axxs- landxsck)e Getreide, wozu nach den Bes lussen zwctter LLsUF HUF Und Wein treten. Abl! d C

, , I- ?*rk Ln-Koblen Cantu): Die «nung cr OM-

UUssWUsÖLscZULsZ wegen derz 5 egünstignn der _au dc'xn _ SIL nach Deutschland befindlichkn Getreidcvorrätbß abe dre_ etrczdsmtckreßenten am Rhein und 111 „anz Westdeutschlax1d ILIMUHÉ ÖW" EMU“: WWU. Welche TranZtlager hätten, in eme nackxhelklge Lage verskSkx denn sic Hätten, da fie keine Transitkagcr he aßen, gr_o YÜWWF“ vorrätbe in Holknnd [ieglm für die nun dte_ dxfferenkze ? ' LY?" * lung eintrete, wenn sie mcht nachwiescn, daß chr GWD? “ZF ck Lx“ trags- odcr meistbc-günstigten Staaten_ erstamme. DLLs? _a KMF ski nicht leicht, 111 vielen FäUen u11n_1dg[1ch. O_er R€lchs anz ex ha 8 mm zu seiner Berubi ung jede Erletchtcruxg dreses NachnlolLZsLv ZULE- sagt, und er bitte da)er den SébaßsLCÜJtak- 7)? dle Zo amt_e_r_der HZszstaaten sofort angewiesen würden, dn: Erler terungswrma [taten urchzuführen. , ,

Ak“) . Frxibcrr von Stumm (Rp.): Im Jahre 1879dsererk_d1e Transit ager unten: Zustimmung aÜer Yarteten mxd des ama [gen R(Tichskanzlcrs zu stande gekommen. Jede Erwx1tcrung_der ZVÜ- begünstigungen müsse abgelehnt_chrden. Schon LGZ ser 111 WWW Ländern die Aufi tweit verbrextet, da _man _von_ eutsébland auch ohne GegenconccÜonen dieselben Vort ctle wre dre _VertragSstaaYen erlangen könne; Dcutschland müsse_dak)er AYes vermetdeu, was semc

ositton gegen das Ausland 11011) wxrtcr schwach€.* Das gelte_namcnt-

ich yon der Concurrenz des spanrschen_ WemH. Er und exn großxr Theil der Reichspartei Werde gegen dt; Erlctchterungen fur Wem stimmkn und wenn diese an enommen Wurden. gegen dgs ganze GLsL .

Abä- Rickert (dfr. : I)ie Sache habe s1ch ryatertelk und forme vollkommen anders ver alten, als der ng._Fre1k)exr v. Stumxn es darstekle: es habs 1879 lange gsdauert, [us dle Abnetguyg des urstxn BiSmarck gsgcn die Transitla er überwunden worden se1. Ex egrerfe auch ni t, wie der Abg. Freißerr yon Stumm nach den Erkkärungen des Rei skanzlers bei der zweitkn Lesung am 26. d. M. sagen könne, er werde mit seinen Freunden w_ege11 der Ausdehnun dcr Begünsti-

ungcn gegkn die ganze Vorlage sttmmen. Béi eincm ?() Liligcn Gesc önne doch auf solche Wsisx nicht vérhanhelt Werden, und 65 Habe fi wieder einmal gezeigt, wre falsch cs se1, solche Verhandlungen dkm ufaU einchiHun 1m_Plen_um zu überlassczn. An die Hkrren vom __entrum, d1e sick) ür d1e E111beziebung dsr MüHlenlager interesfirt hatten, richte er dre drinJcnde Biftc, dicse ErwÜterung aufrecht zu crHalten. Man würd? 681111 Lande nicbt Vcrstcßen, das; man der Be- vö1erung 81118 so[che Er1c1cht€rung vorcnthalts. Leider Habe man die 17ch1v1mmenden Lager mcht 1111 GEW. Den Erk1äru11 en des Rei s- Fanzlkrs gegenübkr könne 81: nur b1tten, daß der Nei stag das Ge LZ 111 dsr aus der zweiten BeratHung hervorgegangenen orm annebme.

AFK von Kkeist-Reßow (cons.): In der päten Stunde einer bendfixzung sei man zu cursorisck) über diese Angolegenheit inwegge angen; Es Handele sich hier nicht darum, Beßünsti ungen fir die nteresjenten, sondern Erleichterungen für die Bevökxkerung herbeizu Uhren. Wenn Interessenten begßnstigt würden, so _xei cs natürli , daß die Holzbändler, Weinhändler und Mühlen esiyer kämen, um die Berücksichtigung ibxer Interessen zu fordern. Er halte «:s dur anzen Situation des Re1chst_ags für unan cmessen, auf diesk Weise LZpersonal- und Specialxntereßen zu berü ': tigen. Es sei nicht richtig, daß" ein Cmnpromrß statfgefunden upd er Reichs- kan [er erklärt habe, daß er den An_träge:n d2r_ Commi]_[ion zustimme; er Jab? nur gesagt, Wenn die Anfrage so seren, dgß te den Inten- tionen dsr chisrung entsprächen, so werde er ste (znnehmen. Er stehe mit der Regierung auf dem Standpunkt, ZoÜersc1chtetungen nur 1-1antereffe der Lanzen stölkerung eintreten zu [affen und set gegen alle usätze der (,ommisfion. _ _ _

_ „Wg. 1)1'. 58qu (ns. : Von 2111er unangemessenen B; unst1gyng Emzelner könne hikr ni t die Rede Cssin. D1e Beschlqu zwaxter Lesung wollten nur den Interessenten rleichterungen_ ewahren unk? »d§n Zollbehörden selbst den Uebergang möglickyst «[A tern. Ek: sex n1ch_t zytreffcnd, daß die großen MüHlen auf Kosten der klemen Begunstxgt würden. Wenn die Beschlüsse der zweiten Lqun an e- 110111me_n würden, so würden vielleicht in manchen Fällen einze ne 5 e- -ilzer emen Nachtheil Haben, im Z_)Znoßcn und ganzen aber die Be- -tim1nungen von dem ganzen üllergcwerbe auf das angenehm te empfundsn werdcrz. Was die Erleichterungen für Wein anbetrc e, so handele es fich n1cht um Wein, der etwa noch in Mala a, :sondcrn nur um den, der am_ 1. Februar in Deutsch[and sel st Tagere. Er bitte drmgknd, dre Beschlüsse der zweiten Lesung zu . fiken. cxchpAbg. von Schalscha (CWM): ,Nur die ursprüngliche Vorlage Habe ihrem Zweck ent PWch€W EÜ? Bekfügungen der Commis ion seien LedigÜCÜ tendcnziössr rt. Waxutxz d?mt alle möglichen Kau leute für irre verspäteten Absehküsse beruck11chtrgen9 Thekaeise sei so a,; auf ei)ne durch ein solches GSW ZU erwarxende Ersparung_an SpekZen hin chulirt worden. Man WOUL aU mcht der_ consumtrYnden Bevöl- kcrnn sondern ewissen anderen _ taaten“ dux Zollerletckpterup _en zu -1ttegéom111cn [asJew Er constatrre, daß m1t der Zoüverb1_1gmxg ?edigäck) dem Auslande €dic11t werden solTe. Man sc1 aber mcht m der La e ibm olche GLJÖMK U machen. _ _ _

_ ASF,. Fürsx Haßfeldt (Rp.): _Er muste a[s_ Vorfitzether der Commission dagchn Vexwakyrung 6111169211, daß s1e tendenz_1o_se Bc- sch[üffe Lfaßt [abe fie haba s1ch [cdzgltch Vox) Zivxckmaßxgketts- gxündsn SMW" affe11. Bei seiner ?_lbstnnmung uber d_1€_vor(1_egcnde Frage könne er sich den Mothen- TUT)???" A,B? vo" KW,? [YUM-

fnr die Oeschkuse dEr zweten esung

n€cht anschließen und werde stnnmen. Im Namen der Interessenten, welche

. Ab. Möller ni.): . RWIN „..,. W“-“1111111311111;11111113;sz11.1? Ur rin end wün KnStvcrt , (LU „1

ohltbagten dess eseßes cjnzuschlxkßen- Jm_ Moment___w6rde de? 5 wikrig sein, in diesem Punktc 91116 Peru mende Er,aru121k1_6v -U"dcskatl)cs zu extrahircn, cr vcrz1cht61kdo dacmUf, emen n rag Y_mzubringkn und hoffe, daß die wkrsprochene Erle1ch_tcr11ng m dsn *lbfertigungsformaütäten «ck den schwxmménden Lagern zu gute

kommen werde .. .AÖJ- Br* : Er beantrage zusmnmen mit dem Abg. Bus)"?! Line relxxxttißxchrLLMderung des die Müblcnconten betreffenden

THSÜE des Gese es da[iU' _ ' “DK; 1)stsz 81. Januar 1892 cinschlreßlrch m emem__ZoU- czonw . fur zu verarbéitcndcs ausländisches Gctrctde a11g€sch11cbcn§ UMWE- wÜÖes 11ach amtkichcr Festschun am __1. Februar 189„. 1111, unvérarbeiteken Zustande in den der 011136131)de m1gen1€1deten - Namncn oder kn Form von Vergütungsfähigen Muhlenfabmkaten ?" WWU? Allfbcwahrung dersclbc'n dicnßndeu Ramncn Vorhgndcn ist, Wrrd, soMir mangéls entsprcchcnder A11§111br Vo11M1tlcklc11-

zum Deutsxhkn Reichs-Anze

Zweite Beilage

Berlin, Freitag, den 29. Januar

fabrikaten bei dsn Abrechnungen für das zweite,_ dritte und vierte

Quartal1891/92 eine VcrzoÜung von _(Hetrctde einzutreten hat, zur

Entrichtung der vertraanäßigen Zollsaße zF?€lassc11/' _ _ Es handkse s1ch wessntkich daru111,_dre Beschluss de_r zwctten Lexupg mit der Praxis der ZoÜbebörden m Emklan __zu brmgetx; aÜe dte- jenigen, welche für die Einbeziehung der uhlenlager_m dte ZoÜ- vergünstigung seien, bitte er, für ssmen Antrag zu _st1mznen. Alle diejenigen, Welche sich durch den Ausschln des noch mcht 111Dcutsch- [and beßndliche11, gleichsam in ausländrs en Tranfttlagern lagernden Getreidcs bestimmen [affen Wollten, gegen das ganze Geseß zu stimmen, bitte er von diesér Absicht abzusxehen. Nax!) den Er- klärungen des Reichskanzlers würden die Zollbkborden a1tge_1v1esen_ werden, das möglichste Ent egenkommen walten zu lassen; xe Wetter der Reichstag den vkr ündeten Regierungen cntgegenkomme, um so mehr würden auch fie concediren; komme aher das gaz1ze Géseß _z_u Fallc so würde davon nicht mehr die Rede [cm. Er bitte also, sur di? _Beschküsse der zweiten Lesung mrk semem Amendemynt cm- zu re en. * _

Abg. Freiherr Von Stumm (Rp.): Der Perchskayzler Habe keineswegs crkkärt, daß die Regierungen die Be[ [UF zwe__1tcr Lesung unbedingt annehmen würden, sondern er Habe dre e eschsuffe als dre äußerste Grenze des Annebtxzbaren erklärt. Darum konn_e es doch aber, bei aller Loyalität, ferner Partei unanneHmbar sexy. Man könnk)? nichts befferss thun, als die chierungEVorlage unverandert an- zunc men. _

Danach wird das Geseß mit dem Antrag Broemel m seinen einzelnen Vesthmungen angenommen. _

Die Gesammtabstimmung über das gapze Gxseß bletbt einstweilen ausgeseßt, weil, wem) die Besckluste zwetter Lesun in dritter Lesung abgeändert smd _- u_n dtes_gcschah dur Annahme des Antrags Vroemel _, d1e so o_rt1 e (Besamml- abstimmun_ nur dann erfolge_n darf, wen_n em it lxed des Hauses Wi erspruch erhebt, cm solcher _deerspruck) a er vom .lbg. Freiherrn_von Stumm erhoben xvtrd.

Es folgt dre erste u_nd event. zwexte Berathung des Geseß: entwurfs, betreffend hte Anwendung der vertrags- mäfzigxn Zollbefxerungxn und ollermäszigungen gegenuber den mchtme1stbeqünst1gten Staaten.

MYLGraßvon Kanilz (Mus.): Er laubc, daß die Vorlagk mit großer _chrhktt an e11on1m€n1verd€._ Na dem man durch die Handels- verträ e emen umfaJsendßn ConMntwnaktarif geschlossen haba, mügse de11_1 Teichstage daran liegen, die Hceundschaftbchen Hand? s- hsztebungen aus 11112 die Staatsn auszude nen, mit Welchen das Reit!) Übkrhaupt cin Jnkereffe Habe, in Beziehung zu stehen. Er halte dcn Vorliegenden „Geskycntwurf für eine Conscquenz dxr [WTM FandelSVertrage. Auch die österreichi€che Re- gzerung Habe ich dnrck) das Geseß vom 7. Dezem er 1891 eme aHnliche Vollmacht crtHeiLM lassen, welche fich absr von dcx deutschcn dadurch unterscbetdc daß dort dic Namen der Staaken, 1n1t wel_ch€n verhandeü werden 0110, gcnannt würden. Er, wünschs, 119 “(7168 auch von dLutsch€r Ute gefchebk, Und bitfe, d1e persön- l1 ep Wünsche _zurücktrctxn zu lasen, damit die Actionsstcibeit der Reg1erung 11lög11chst 1116111 bsfchrankt werde. Die Frage, wekche St_aaÉcn ohne weitere Ver andlungen in den Mit enuß der Vor- te1le der [eßten HandßlIVLrträge träten, sei an deshalb von „edeutun , weil, je größsr der Kreis der mcistbegünstigfen Staatén sei, um ?() geringer naturgsmäß die Zahk der Staaten sxi, von wclchen Deutschland durch Zuwendung von ZoUvergünst: unßoqn Vortheilc erlangen könne. Er möchte glguben, daS] 18 Frage der Mcistbegünstigung selßst in Regtérungskreisen eine controverse sei. Aus dem Text der Vorlage ?ck? bexvor, daß nach der Anficht der Regierungen die McistbegüYigung emen mit Deutschland abgeschlossenen Handelsvertrag zur 5 orczussesung hgbe. Bis 1881 habe sie auf Handelspolitis em Gebiete eme sehr_ger1nge Bedeut11ng_ ehabt. In diesem Jahre abe das Deuts (? Reuth de_n ersten Tartßvertrag mit der Schweiz eschloffen, _w_e cher fur d1e Dauer des Vertrages eine gewisse Zak)? von_Tar1fsaßen_festgelegt habe. In den Verträgen mit Spanien, Jtalten uud erechenlgnd 1883_und 1884 seien dann auch Ermäßi ungen für gewtffe_ wemger wicht1ge Artikel bewiüi t worden. Es kZei 1888 der schwerzer Ver- MZ gefolgx, wchcher den oll für ewisfe Artikek des deutschen Gewerbe-

U, Ls ermaßigf babe. DieÉe Ermäkézigung sei auf Grund des Fran urter “rtedxns Frankreich zu thei geworden, dann auch andexen Stagten. ' (lck)- er se: der Bundesratk) der Frage näher getreten, es s611883 em Gesey zu Stqnde gekommen, welches den wichtigen Saß enthalte, daß, wenn Tartfconzesfionen, wie sie damals gegeben worden, "auf andere Staaten, Welch€ nicht vertra smäßig darauf Anspxucl) Hatten, ange- wendet werden sollten, die (Zenehnngung des Retchsta s daztx na? esucht werdcn soÜe. Dies sei aber niemals geschc en, v1e1n1e r Zabe dtZr Bundesrats) nur eine Liste aufgestellt von Stqaten, wxlche nach seiner Meinung als msistbe ünstigt zu behandeln seren. DtLses Verzeichniß sei niemals als Geßeß pubxicixt worden, sondern nur 1111 Handelsarchiv, welches allerdings amtlichen Charakter babe. Nack; diesem Besckylu dcs Bundesraths seien sämmtl1che_ Staatxn Europgs, mitAuSnahme ußlands und Monacos, im Vexkehxmrt Dxut1chlan7x me1st- begün tigt; Von au er-curopäischen Staaten [aten n1cht melstbsgünfttgt nur die taaten von Süd- und CentraT-Amertka. Wenp das Verze1chniß weiter gelte, werde sich die Zahl" der n1€istbcgünst1gte11_Staaten in Bälde vermehren um_d1_cjenigcn, _deren Vcrtra demnachÉ ablaufe, z. B. Spanien, Rumänxerx, Serbien und Gris enland. ie Meist- begünstignng dcr _ Veremrgtcn Staaten Werde merkwürdigerweife zuxücx efübrt auf e1n_en Vertrag, welchen _Yxcußen _ am 1. Mai 1825 mxt 1 nen abgcschloßen hab_e. Bet der 1cht1gke1t der Frage müsEe fich dcr Bundesrats) daryber klar Werden, welche Staaten a s me1stb€ ünsttF anzuscßen seren; er müsse also das von ihm aufge-

steÜte Ierzci niß einer Revision unterziehen.

Staatssecretär Freiherr von Marschall:

Der geehrte Herr Vorrkdner Hat die Geschichte 176: Frage, welche Länder als mcistbegünftigk zu gelten Haben, richtig geschildert. Bekanntlich ist im Gesetz Vom Jahre 1883 die Ermächtigung gegeben ivorden durcb Kaiserliche Verordnung nach erfolgter Zustimmung des Bundeßratbs, zu bestimmen, daß die damals an Italien und Spanien gegybenen ZoÜermäßigungen auch solchen Staaten gegLnüber Anwendung finden soUcn, Welche einen vkrtragsmäßigen Anspruch auf diese Ermäßigung nicht [)abkn. Um yon dieser Ermächtigung Gebrauch machen zu könncn, war es seWstVcrstänchh znsrst UZTHig, féstzufteüen, 1v81che Staaten überbaupt einen vertrags111äßigen Anspruch auf di? Meistbcgünstigung habcn. Das Ergebnis; dieser Prüfung das Bundes- ratHs ift niedergclegt in einer Bekanntmachung vom 20. Februar 1885, die der Herr Vorredner richtig citirt [)at. Ganz zukreffc'nd Hat dEr Herr Vorredner ausgeführt, daß dama1s die Frage Von einer wciÉ geringerkn Bedeutung war, ab? [)8111€, Mik damals die Rutsche Msistbcgünstigung 8111611 viel geringeren Inhalt Hattc, aks sie es vom 1. Februar an babcn wird. Der Herr Vorredner Hat HEUTE bcmängelt, das; damals auch die Vcrßinigtcn Staaten 'von Am'crika untcr der Zahl der mcistbegünstigten Nationen anfgsnommen seien. Er hat von

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TFM mW Königlich Preußischen Staats-Anzeiger. 1

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einem Vertrag mit Preußen gesprochen. Außer diesem Vertrag der Vereinigten Staaten mit Preußen bestebsn noch Verträge der Hansestädte mit den Vereinigten Staaten, ein Vertrag zwischen Olden- burg und ein Handels- und Schiffahrtsvertrag zwischen MeckWn- burg-Schwerin und den Vereinigten Staaten. In einem ähnlichen Verhältniß befinden wir uns auch „mit anderen Staaten, daß nicht das Reich, wohl aber die Particularstaaten mit anderen Staaten Mkistbegünstigungsverträge abgeschkoffen haben, und auch in diesem FaÜe ist vom Bundesrats) anerkannt worden, daß diEse Staaten einen Anspruch auf Meistbegünstigung Haben.

Sobald dsr Geseßenkwurf, deerrer Genehmigung unterbreitét ist, in Kraft tritt, Halteich es für selbstverständkich, daß derBandeSrath abermals in eine Prüfung der Frage eintritt, wklck)? Staaten gegenwärtig die Meistbexgünftigung genießen und welche nicht, und ich kann dem-Herm Vorredner sagen, daß der VundeSrats) diese Prüfung bereits be-

gonnen hat.

Ab . von K!aist-Reßow (cons.): In Europa könnten nach den bekzte?enden Meistbegünstigungsverträ EU die nach der Vor- [age zulä figen Abmachungen nur mit ußland gcmacht wcrden; nun sei zwar bis zum 1. Dezember d. J. und“ wohl au länger kein Getreidcnnvort aus Rußland wegen der dort herrs enden Noth möglich, abcr für später könnten ja gegen Erleichterung der Ein- fuhr der deutschen Jndustrieproducte dem russischen Getreide niedrigxre Einfuhrzölle zugestanden werden. Das würde aber zu den unertrag- [ichen Zuständen führen, die bis zum Jahre 1887 geherrscht Hätten, und zu deren Bese1ti ung dgmals die Getreidezölle erhöht worden seien. Die deutsche oggenernfubr aus Ru [and sei so bedeutend, daß dagegen der Import aus alTen den T-tc1c:t€n, mit dcnsn das Reich jeßt Verträge ab esch10ffen Habe, Unerheblich sei; [affe man da egen die gleichen Zo ermäßigungen an dem rusfischen Getreide zu ommen, so werde die Folge eine Uebe chwcmn1un§_ mit Getreide sein. Um diese zu vermeiden, empfehle er die blehnung der Vorlage.

Staatssecretär Freiherr von Marschall:

Es ist nichL zutreffend, Wenn der bochgeehrtc Herr Vorredner meint, daß dieses Gesetz, Wesentlich gegen Rußland allein Anwendung finden könnte. Nicht nur RußTand gehört zu den Staaten, mit denen wir vom 1. Februar ab nicht in dem VerhäUniß der Meistbegünsti- gung stehen, es ist außerdem noch Rumänien, mit dem unser Vertrag am 10. Juni Vorigen Jahres abgelaufen ist, es ist ferner Portugal, weTchks auf den 1. Februar dieses Jahres s€inen Vertrag ge- kündigt und bereits seinen WiÜen dahin kund gegßßen hat, zunächst in ksinen provisorischen Zustand mit uns einzutreten, und ferner wird auch Spanien zu dissen Ländern gehören, obgleich hier noch immsr die Hoffnung besteht, daß wir zu einem provisorischen Abkommen gelangßn.

Ich kann dem verehrten Herrn Rcdner unmöglich in dieser Hin- ficht auf das Gebiek folgen, hier zu prüfen, welches Bedürfniß eventuell dem einen oder dem andern Staat gcgenüber unsererscits besteht, in ein Meistbegünstigungsverhältniß zu gelangkn oder nicht. Ick) kann nur sagen: wir erbitten uns diese BWollmächtigung zu dsm Zwecke, einen periodischen Zustand der Meistbegünstigung Heröei- zuführen, und wir werden in dieser Beziehung namentlich in kem Falle Gebrauch machen, wenn wir bei einem nicht mcistbegünstigten Staat dcn ernsten WiUen schen, mit uns freundlichere und ständige gute Handelsbeziehungen anzubahnen.

Abg. Freiherr von Münch (b. k._F.): Die süddeutsche) _Getreide- interessenten wünschten eine Begün ügun des aus Rymamen k_om- mendcn Getreides. Es handele _si n_i t darum, wie der thchs- kanzler meine, Getreide aus Rumanien exnzulasxen, _wodurch Rumamen in seiner Geneigtheit, mit Deutschland emen ?unsttgen _Handxlsvertrag einzugeben, minder ünstig gestimmt würde, ondexn d1e Wuns e Her süddeutschen JntereÉJentcn beträfen nur das Getxe1de, _le es eretts in festen deutschen efiy übergegangen sei und dre rumams e Landes- grenze verlassen habe. Es sollte deshalb der Bundxöxatb das Ge- treide aus nicht meistbegünstigten Ländexn zum ermaßtgten "QUIZ einlassen, xvenn e_s sckyoy vor einiger Zett Verkauft und verscht t“ e1.

Damtt schlteßt d1e erste Lesung.

_ In zweiter Losung wird der Geseßentwurf ohne Debatte m1t großer Mchrhett angenommen. _

Es folgt die erste Berat ung des Gese entwurfs uber das Tele raphenwejen des Hutschen GUYS. __

_ ei S 1 refertrt Ab . Freiherr _von Yuql (Centr.) uber dre 111 Petitionen, wel e therls__eme ganzlich; Ablehnung, der Vorlage, theils wesentlicZe Abanderungen wynschten. _Dte Petitionen seien erst nach bschluß h_er Kommsswnsqrbetten 1m vorigen Jahre eingegangen und fuhrten zum Thexl ganz neue Momente zur Beurthetlung der FW 53 des Telegraphen: rxgals des Reiches an._Er [telle anhetm, 16 Petttwnen durch dle zu fasxnden Beschlusses fur crledt t zu erklären.

Abg. chrader (dfr.) zur _ GeselÉi Syrdnung: Er beantrage, den_ Gejeßentwurf _zur _nochmalzgen xwagung cm die Commisszon zuruckzuwe1sex1, da 1nzw1schen xme Re_1l)e won dama1s noch mcht bxkannten Dmgen eingetreten sex. Zunachst seien so viele Petitionen emgegangxn, 111cht von ein elnen Personen, sondern von städtilschen Coryoratwnen allerersten _ anges, hinter denen ein großer Tbei der BeVoxkerung ßcbe, da dress 911 zur Be ründung semes Antrags auSretchxn wurde. ber ax: gndere omente, besonders die Zortschrrtte d_cr Clektrotxchmk, uns sie sich auf der Ausstellung in

ranfurt gszetgt Hattetx, kamen in Betracht; er erinnere nur an den groß- arttgenErfol der eLektxtsckyen Krgftübertragung, die dort ge Ligtworden sei.

Das Jntere eder Stadtcau drescr ra 6 sei durch die Érgebniffe jener AussteZlung und des fich daran ans _l_ie enden, von den ersten w1 en- schaft[1k_h_en uzzd _prakt1]"chen Autorttaten besuchten elektrotechni chen Co11gr_e es machttg gestarkt worden. Es sei nicht mehr angängig, die zu jplrtbschastltchen Zwecken nutzbare Elkktricität aTs quaurjbé UÉZUZSÜHW zu beHandeln. Die Erkenntnis; Von der Einwirkung, der elsktr1sckcxz Anlagcn anf eingnder Habe erst in der [eßten Zeit sokchk Foxtschrrtte gemacht, daß dte Maßregew zu ihrem gegeYeitigen Schuß ganzlich 11111g€staltet_1verdcn mußten. Das sei ein ovum, 1vc1che_s dcr Refurent noch mcht babe vortragen könnsn. Dazy komm_e 1eßt eme sy große Menge von Abänderungsanträgen, daß dxe thettx dcr Cot111111_ss1on wohl no nicht anz *aus ereift sei. Die Commrffiotz Habe alle d1es€ Di11„e no nicl)tü?)ersebc11[?önnc11. Man werde also bet emer abßrmaligen domm1ss'1onsberatbung die nguen Erfahrungxn “"“ wenden und d1c bisherigen Fehler verbeffcry konnen. _ Es set daher wünsckyenswertk), daß dieses (Heseß erst znxammcn mrt Yum GEW über die elektrischen Anlagen zu Éqnde komme,_ denn bcrde Geseye Hätten einen äußerst 1veifgch€ndcn m_fluß _an c1na_nder, _Bis_dab1n würden auch dlc irrigen Ansichten 1m Pqutkum uber d1cZWrrk_u_11g dieses Gesetzes und die Bedeutung der clektrtschen Industrie besett1gt