Wohlthäterin beraubt, welche unermüdlich im Stillen Gutes zu thun Wußte. Aber Ihr Segen wird uns bleiben, und die Veranlassung zum Helfen wird fich stets darbieten. Die großartige Wirksamkeit der Stadt geht auch in diescm neuen Jahre ihrer weiteren Entwickelung entgegen, und ist es gewiß für die Vertreter derselben eine wahre Be- friedigung, das Gute und Nützliche aÜseitig fördern zu können, in Welchesm Bestreben Meine besten Wünsche fie begleiten. Berlin, den 2. Januar 1874 Ausgnsta.
An den Magistrat zu Berlin.
Ick danke dem Magistrat der Hauptstadt für seine aus Anlaß des Jahreswechsels an Mich gerichtete freundliche Zuschrift und er- widere dieselbe gern mit den besten Wünschen für das fernere Wohl und Gedeihen Bérlins. Die Theilnahme, Welche der Magistrat Meinem Schmcrze um den Heimgang Meiner geliebten und verehrten Tante, Jhrkr Majestät der Königin Elisabeth, widwet, [)at Meinem Herzen Wohlgethan, und verpfüchtet Mich zu besonderem Danke. Ich bin gewiß, daß die Trauer des Königlichen Hauses im ganzen Lande und Weit über den zahlreichen Kreis von Armen und Bedrängten jeden Standes hinaus, Welche in der Verstorbenen einc gütige und stets bereite Helferin fanden, aufrichtig getheilt und mitempfun- den wird.
Berlin, den 4. Januar 1874.
- Friedrich Wilhelm, Kronprinz. An den Magistrat zu Berlin.
Der Magistrat von Berlin hat Meiner auch bei dem dießmaligen JahreSWechselfreund1ich gedacht und 912111) dadurch zu aufrichtigem Danke verpflichtct, mit dessen Ausdruck Ick gern Meine besten Wünsche für das fernere Wohl der Hauptstadt verbinde.
Berlin, den 4, Januar 1874.
Victoria, Kronprinzessin. An den Magistrat 'von Berlin.
_ Des Kaisers und Königs Majestät haben die Widmung des von Franz Leu in München komponirten Mufik- ftückes „Barbaroffa“ anzunehmen geruht.
_ Der Bundesratl) trat heute zu einer Sißung zu- sammen.
_ Der BundeSratk) hat in seiner Sißung vom 21. 11. M. 11. I. beschlossen, den Entwurf, einer deutschen Gemeinschuxldordnung einer Vorberathung durch eine be- sondere, aus acht angesehenen Juristen und drei angesehenen Vertretern des Handelsstandes bestehendeKommisston unterziehen zu lassen. Die Mitglieder der Kommisfion werden auf den Vorschlag des Ausschusse-Z für Justizwesen vom Bundesrat!) ge- wählt werdcn und im Laufe des Monats März 1). I. hier zu- sammentreten. Den Vors18enden der Kommisswn wird der Reichskanzler aus der Zahl der Mitglieder ernennen; die Ernen- nung des Berichterstatters erfolgt auf Vorschlag des Vorüyenden mittelst Vereinbarung oder in Ermangelung einer solchen durch Abstimmung in der Kommisfion.
_ In der heutigen 25. Plenarfißun des Hauses der Abgeordneten, welcher am Ministertis die Staats-Minister 1)r. Achenbach, Camphausen und mit zahlreichen Regierungs- Kommiffarien beiwohnten, wurde vom Präfidenten zunächst der Eingang folgender Vorlagen mitgetheilt: ]) Vom Minister des Innern der Gesetzentwurf, betreffend die Pro- vinzialordnung für die sechs östlichen Provinzen; 2) vom Finanz-Minister ein GeseYentwurf , betreffend die anderweite Regelung der Wafferlaufa gaben; 3) von demselben ein Nach- trag zum Staatsßaushalfs-Etat für 1874; 4) vom Finanz- Und Handels-Minister ein Geseßentwurf, betreffend die Auf- nahme einer Anleihe von 50,600,000 Thlr. zur Erweiterung „ des StaatzZeisenbahnnetzes; 5) vom Handels-Minister ein Ge- sehentwurf, betreffend die Anlage von Eisenbahnen; 6) von den Ministern der AuswärtigenAngelegenheiten, der Finanzen, desInnern und der Justiz ein GeseHentwurf, betreffend den mit demHerzogthum Anhalt abgeschlossenen Rezeß über die Regulirung der Grenzen und HoheiT-Zrechte; 7) von den Ministern des Innern und der Justiz ein Geseßentwurf, betre end die Regelung der staats- rech11ichen Stellung des standes errliche11 Hauses Sayn-Wittgen- stein-Berleburg; 8)_vom _Iustiz-Minifter ein Geseßentrvurf über die Geschäftsfühigkett Mtnderjähriger; 9) vom Minister der geistlichen 1c. AngelegeUheiten ein Geseßentwurf, betref- fend die evangelische Kirchen-, Gemeinde- und Synodal- ordnung. Außerdem wurde vom Abgeordneten Hagen ein Antrag auf Heranziehung der Forenson, juristischsn Per- 11111611 11. s. w. zu den _Kreis- und Kommunalabgaben einge- bracht. Der Finanz-Mimster hatte ferner die Rechnungen der Königlichen Ober; Rechnungskammer eingesandt. Schließlich wurde ein Schretben dcs Justiz-MinisterH Verlesen, in welchem dsrselbe die Aufhebung chStrafverfaHrens gegen die Abgg. von Iaédécwski und von Czarlmski anzeigt.
Der erste Gegenstand der Tages-Ordnung war die erste Berathung des EUtWUrfs eines Geseßes, betr. die Betheiligung des Sjaats an dem Unter- nehmen einer die Stadt Berlin durchschneidenden, von einem Punkte in der Nähe des Ostbahnhofs auSgehenden Eisenbahn nach Charlottenbnrg. (S. denselben in Nr. 300_304 Jahrg. 1873 d. B.).
Der Abg. von Kirchmann bekämpfte die Vorlage, weil die in den Motiven aufgestellten Rentabilitätsrech11ungen durch- aus keinen genügenden Anhalt gäben und überhaupk die Kosten dieses Unternehmens so große sein würden, daß die 7 Millionen :*1 1011118 [1611111 gegeben würden. Außerdem würde auch, was mit beabfichtigt wäre, dem Uebelstande der WohnungSnth gar nicht abgeholfen; auch der Verkehr würde nicht wesentkck) erleichtert werden, weil ja die Bahn nur in Einer Richtung die _Stadt durchschneide. Der Redner beantragte deshalb eme Kommissmns - Berathung. _ Diesem Antrczg sck)_l9ß_fich der Nbg. v. Benda an, sprach aber im Ucbrtgen fur d1e Vorlage, weik ße ein allgemeines In- jereffe habe und man deßhalb, bei dem überhaupt geringen finan- ziellen Risiko, nicht zu vtel Rucksuht auf die Rentabilität nehmen müsse. Nachdem der Redner _noch der Kommisfion dringend empfohlen, fick) eingehend unt den juristischen Fragen zu beschäftigen, und eine Verwahrung dagegen eingelegt hatte, daß nicht etwa in falscher Analogie auch andere Aktiengesell- schasten auf StaatMnterstüßung Anspruch machen sollten, wies bei Schluß deS Blattes der Handels-Minister Or. Achenbach in längerer Rede die absolute Nothwendigkeit der Bahn im Inter- esse der Verbindung des westlichen und östlichen StaatSeisenbahn- netzes nach,
_ Der General-Major und Commandeur der 1. Garde- Kavallerie-Brigade von Krosigk, welcher ftch vor einiger Zeit mit Urlaub nach Dessau begeben hatte, ist von dort hierher zu- rückgekehrt. *
_ Der General-Major von Voigts-Rheß, beauftragt mit Führung der 20. Divifion, welcher mit kurzem Urlaub von Hannover hier eingetroffen war, hat fich dorthin zurückbegeben.
_ Die „Kölnische Zeitung“ veröffentlicht in deutscher Ueberseßung die päpstliche Konstitution „811081011086 881118 1111111113“ vom 28. Mai 1873, von welcher fie bemerkt, daß dieselbe gerüchtweise als Bulle „pr86591116 0911911616“ citirt und wegen dieser irrigen Bezeichnung abgeleugnet worden war. Sie lautet nach der „Kölnischen Zeitung“ folgende1maßen:
Zins, Bisthof, Dimer der Diener Gottes, zu ewigem Gedäcbfni .
ir halten billig dafür, daß es Amt und vorzügliche _ZPfltcbt des heiligen Stuhles sei, für die gegenwärtige und zukünftige nversebrt- heit desselßcn zu sorgen. Da die Keckheit Unserer Feinde nichts unver- sucht läßt, der freien Ausübung der heiligen Antorität zu schaden, so werden mit GOÜLS Hülfe und Gnade Wir überall wachsam seiy, das; Wir dieselbe gehegt und geWahrt erhalten. Und damit fie nicht 11gend Welchen Schaden nehme, auch nach Unskrem Tode, Wenn man et1va die Wahlver'jammlung u vcxbéndern oder auf irgend eine Weise zu stören unxernehmen mö tk, 10 find Wir gcnöthigf, Wegen der Wahl des Nacbfchers auf den höchsten Stuhl_ Petri Vorsorge zu treffen. Nach demjemgen nämlich, was von Seiten wlcher Menschen, Welche dem katholischen Glauben feindlich, 'von dem Winde der Weltströmung ge- schwellf, das höchste Regiment führen, auch in quSwärtigxn Gegenden gegen Unsere ehrwürdigen Brüder Bischöfe gcfch1eht, muß man All-s erwarten. Sie sinnen vielleicht schon in ihrem Herzen darauf, wie fie [)eimliY und wie sie öffentlich fich entgegenstc en, damit entWeder demnä st gar kein Pa st gewählt werde oder ei_n solcher, von dem sie meinen, daß er ihren öfen Planen fügsam 1ein werde, Deshalb folgen Wir Unserem Vorgänger glücklichen Angcdenkens, Papst Pius 71, welcher ebenfalls in größten Bekümmcrnissen schwebte und der ge- fährdeten christlichen Republik zu Hülfe zu _kommen nicht abstand, und beabsichtigen gegen die gegenwärtigen w1e zukünftigen Gefahrcn der Kirche nach bestem Vermögen Fürsorge zu schaffen.
Da Wir nunsehen, daß von Tag 11 Tage neue und größere Schwierigkeiten fick) erheben so gestehen ir, daß die Zkitlage auch neuer Beschränkungen bedarf. Aus diesen und anderen BcWeggründen 1111111811 Wir durch den Inhalt gc'genwärtigen Schreibens mehr das_ür sorgen, das; auf eine leichte Wei1e und mit der gebührenden SchneÜtg- keit nach Unserem Tode ein römischer Pontifex erwählt Werde, als daß dieses mit der Pünktlicben Beobachtung derjenigen Ceremonikn und feierlichen Bräuche vor fich gehe, unter denen ein so bedeutungsvolles Geschäft voUzcgen zu Werden pflegte. _
Daher 1119111111 Wir aus eigener Entschléeßung und kraft 111118161“ apostolischcn Voümacht Bstreffs jener abzukaltenden Wahlverfamm- lung aufheben, und heben überhaupt auf m 1 nur diejenigen Geseße, Welche über den Ort des u haltenden Wahlaktes festgestsllt find, nämlich dort, Wo der römiZche Pontifex gestorben sei, sondern auch die anderen, Welche die Ceremonicn und Gewohxxeiten betreffen, die 3111: VöÜigkeit und Wesenheit einer kanonischen „ ahl keineZWegs ge- hören. Zwar wissen wir Wohl, daß, sofern keine oder sehr entfernte Hindernisse und Gefahren beständen, jene Gesetze mit großer Klugheit und Würde zu beobachten vorgeschrieben ist, bejonders aus der Konstitution „Ubi ])81'10U111111“, die von dem hciligen Gregor )(, auf dem ökumenischen Konzil zu Lyon gegeben Ward, und aus einer andern Clemeus' 7. „118 301113111“, die ebenfalls auf einem aÜgemeinen Konzile bekannt gemacht ward, welcheZ im Jahre 1311 zu Vienne abgehalten wurde, ferner aus den Konstitutionen ClemeUS' 71. ,vom Jahre 1351 „111001; 111 60118811311910118“, PiUS' 17, vom Jahre 1562 „111 811x651115“ und ziveien Gregors F7. vom Jahre 1621 „119891'11j kak “T*“Kmd „])9681“. 1201881111111 koubjüosm“. endlich
* Urbans 7111, ,“,811 110111 ni 1190111111018“ vom Jahre 1626 und Clemens' *
)(11. „6110511018618 ofsiojum“ vom Jahre 1797. Da aber die Um- stände fich dermaßen geändert haben, daß AÜes zu befürchten steht von Seiten jener argl1stigen Menschen soWohl, welche fich Katholiken Wollen nennen lassen, als derZenigen, Welche zum Heorlager der Ketzer gehören, so entbinden Wir Un_ ere Brüder der heiligen römischen Kirche Kardi- näle gesammt und 1eden besdnders von der Verpfficbtung des Eides, durch Welchen ste fich anbeiscwg gemacht hatten, (6165 Jenes, Was in vorgknannten Konstttutionen enthalten ist, gehegt 11nd_ gewahrt zu kr- halten, und erklären sie durch Gegenwärtiges (dieses CML) entbunden.
Und d1es soll nicht 13198 für diejemge Wahlversammlung Geltung haben, Welche_ nach Unserem Tode unmittelbar statt haben wird, sondern auch fur folgende, wenn eH sich etwa ereignen sollte;, daß Unsere Nachfolgxr auf dkm allerheiltgstcn Stuhle Petri für die kunftige Wahl durch_ eme befondcre KonstitutYop Fürsorge zu treffen nicht in der Lage_ Waren, sei es wegen vorze1t1gen Hinschcidens, sei es aus irgend emem andern Grunde. _ _ _ _
Da Wir nun wissen, daß durch apostolische Kon1titutionen,_1ns- besondere die Paulus _17. „01111111 8801111611111“, mit härtestsn Z€n1uren belegt wird, Wenn Emer noch bei Lebzeiten und ohne Vorwiffkn des ?,)apstes es Wagte, über die Wahl de_s Nachfolgers fich zu besprechen, o Entbinden Wir der heiligen röm1schen Kirche Kardinäle in allen diesen Dingen in so weit, daß ihnen freistehsn sokl, auch bei Uyseren Lebzeiten _aÜt's dasjknige _vorher zu bedenken, Was die Hkiligkclt der Sqche_111_;t der zweck1näß1gen Eile 1'11Uedereinstimmung zu bringen gee1gne 1 . _
Demgßmäf; Werden fie ungestrafk über die Fcst1eßung_ des Tages des z11künftt_gcn Wahlaktes. über die Beibehaltung oder Aushehnng der Klausur, m1t Etncm Worte, über alles das, was auf rechtzeitrge, freie Erwählung eincs höchsten Pontifex abzielt, sick) bcsprechen könnxn. Was_ den Ort (1111111191, Wohin die Wahlversammlung zusammenberuscn 111, 19 soÜ_De1_n1enigen, Welchem nach Unserem Hinsckzeiden “encs Recht naturgewäß, wte es der Brauch ist, zufäuk, fretsteheu, fa s dieselbe, was 2811 fürchten, in Rom nicht sicher und frei statt finden [Mn, fie nacb den1 Fürstenthum Monaco auszuschreiben oder nach el_nxr französischen Stadt oder sogar nach_Malta, Wenn nur, Wo es nun 1e1n mag, man fich völliger Freiheit dajelbst erfreut, 1118 Welche zur Voll- endung dcs hochßeiligen Werkes durchaus erforderlich ist; _
Das jedoch schreiben auch Wir vor, wie es aÜe Un1er1§ Vorßanger gethan, daß keinem der Kardinäle der heiligen römischen K1rchc_1eryals erlaubt sein 1011, so lange 11118 des allmächtigen Gottes lanJmuthtgste Gnade am Leben erhält, über die 5Yerfon dessen, der demnachst zum hPc1_1_ckst zu erwählcu 16111 würde, Zu ammenkünfte und Beratbungen zu
a 1211.
_ Und sofexn mm die vorliegende Angelegenheit_ von der größten W1chtigkeif 111, sintemal Von einer rechtzeitigetx Erwahlung des höghstkn Pontifex zweifellos owvhl die Einheit als die Ruhe der katßokfchen Kirche abhängt, so Yreibetz Wir kraft _Unserer apostoli1chm Autorität allen der 11311. römi en K1rche Kardinalen und jedem Emzelncn unter Jnansprucénahme des heiligen (Heyorsams ,mxd [Zei Strafe der Exkom- munikation vor, daßfie dieser Umerer Konstqutwn Gehorsam leisten und alles, M18 in derselben enthalten 1st, m1t allem Fleiße beachten und berxttwngst ausführen.
_ er schließen aber mit den Worten Unseres Vorgängers glück- l1chen Angedenkens, Pius 71., des unbesiegt muthigen Pontifex in semer (Konstitufion) „(Hamm U08 saysrjori 311110“,
„Bei den Eingenpeiden des Erbarmers unsxres Gottes, bei der in u_nser_e Herzen ergossenen Liebe des heiligen_Ge1stes und bei der Hei- lthert des Etch, mit: welcher fich jeder Emzelne in das heilige Kol- lcgmux der Kardmäle Aufgenommene gebunden hat, die Kirche Christi zu schutzen 1_1nd zu verthejdigen bis zur Vergieß11ng seines Blutes, er- nzahnen W1r sowohl dre Einzelnen als Y_lle mögxmein, daß fie in dtxser so großen Gefahr der christlichen Reltgion die persönlichen Er- wggungep dcr Ehre_chttes und der Ruhe der Kirche nachsteüen und m1t Mlltgenx und emtracbtigem Sinne_ auf die Eine Sorge Gewicht legen, das; mcbt allzusapge das Schißlem Petriyon solchen Stürmen 2111 und h_er geworfen, des Le1tc-rs und Len ers ledtg zu schwanken gezwun en_ er, daß mchtd1e gesammte katholische Erde, da so vieleWölfe von allen etteu
auf Raub der Schafe einbrechen, aus pcrsönli__chen Rückfichten ihres Hirten und Hüters entbe ren, von_dem fie beschußt uad vertheidigt Wexden können. Davon ollen sie ubgrzeugt sem, daß, wenngleich ße tbre Treue durcb Ertragung so vtclex und so roßer Kümmermffe um Christi willen in aller Geduld und Langmutß zu so großer Chr? der Küche bezeugt haben, fie denxocb _keine xeuchtenderen Beweise_ 1hrer Treue eben könnten, als wenn fie__1n cintrachtigem Elfer durch 1chneÜc Erwäl) ung des Pontifex gezeigt hatten, das; fie 1116 Zurückseßung de_r eigenen Vortheile lediglich auf die Ruhe der K1rche, auf dgs Heck der christlichen Heerde, auf die Gefahr des gesammten Erdkretscs tbr Augenmerk zu richten beschlossen hätten.“ (Folgcn die geWohnten kurialcn Bestätigungen der apostolischen Kanzle1.) _
Gegeben bei St. Peter zu Rom, im Jahre der MemchWerdung des Herrn 1873 am 28. Mai, Unseres Ponttfikaks tm 28. Jahre.
_ Dcr Courierzug 7111. der Königlichen Ostbahn traf gestern Wegen Reifensprunges der Maschine mit 3 Stunden 57 Minuten Verspätung hier ein.
Bayern. München, 9. Januar. Nach einem von Hohenschwangau eingetroffenen Telegramm befindet ßch der König gegenwärtig in Reutte in Tirol, weshalb der Königlich sächfische Kammerherr von Gersdorf seine Abreise von hier nach Hohenschwangau zum Zwecke der offiziellen Anzeige von der Thrßonbesteigung des Königs Albrecht von Sachsen verschieben mu te.
_ Die Abreise der Kaiserin von Oesterreich aus Wien wurde laut eingetroffener telegraphischer Depesche dahin abgeändert, daß Ihre Majestät erst morgen Nachmittag 1 Uhr 25 Minuten mittelst Extrazuges hier eintrifft. Auch der Kais er Franz Joseph wird, wie der „Korr. v. u. f. D.“ mittheilt mit dem Kronprinzen Rudolph übermorgen früh hier er- wartet und im Palais des Prinzen Leopold Wohnung nehmen. _ Die Taufe der neugebornen Prinzessin, Tochter des Prinzen Leopold von Bayern, wird übermorgen stattfinden. Zur Taufpathin wurde, die Erzhsrzogin Elisabetha, Gemahlin des Erzherzogs Karl Ferdinand, erwählt.
_ Die nächste Sißung der Kammer der ReichSräthe, welche künftigen Montag abgehalten werden sollte, ist wegen der an diesem Tage stattfindenden Taufe der Tochter des Prinzen Leopold verschoben und nun auf Dienstag, den 13. Januar, Vormittags 11 Uhr anberaumt worden.
Württemberg. Stuttgart, 9. Januar. Gestern Abend fand im Weißen Saale des Königlichen Refidenzschloffes und den anstoßenden Räumen ein großer Hofbakl ftatt, an welchem die Königliche Familie Theil nahm und zu wclchem außer den Angehörigen des Königlichen Hofstaats das diploma- tische Corps, die Minister und der Königliche Geheime Rath, Mitglieder beider Kammern, die Generale und Stabs-Offiziere, sowie eine größere Anzahl von Subaltern-Offizieren der Garni- sonen Stuttgart, Ludwigsburg und Ulm, die Vorstände der Landeskollegien u. A. Einladungen erhalten hatten.
_ In der vorgestrigen Abendfißung der Zweiten Kam- mer wurden von der Regierung die Retabliffement-deseße wieder eingebracht, die im vorigen Jahre nur in dem Theil erledigt wurden, der die Staatskasse anging, während die Kammer der Anfieht war, daß das weitere Retabliffemcnt das Reick) angehe. Dieses hat jedoch eine solche Beiziehung der Reichskaffe abgelehnt, und das Retabliffement auf die dem Einzelstaat zugewiesenen KriegSentsaxhädigungSFelder verwiesen. vor: über das Reta liffement und die Neubewaffnung; über Militärbauten und GarnisonRiantungen und endlich in Fokge eines aus der Kammer der Standesherren hervorgegangenen Anirags auf Erhößung der Penfion der Wittwen und Hinterbliebenen von Offizieren und Militärbeamten. Hierzu werden verlangt rund 7,505,000 Fl. und 2,795,000 Fl., sowie 85,000 Fl. Angefügt ist ein Nachweis über Württembergs Antheil an der franzöfischen Krieg86n1schädigung und deren bis- herige Verwendung: Württemberg hat sonack) im Ganzen er- halten rund 49,685,000 Fl., wovon aber nach den früheren Verwendungen den bereits eingebrachten Exigenz'ékx zu außer- ordentlichen Staatsbaujen und den vorliegendew-“Yxigenzen 11111: 11011) 586,000 Fl. zur Verfügung stehen. DieQ" 6se8e11twürfe sollen nebst Beilagen gedruckt und einer noch _z'UÄtvähanden be- sonderen Kommisston zur Begutachtung übergebe-U werden. Der Entwurf eines VerfaffungsgeseHes wurde in der Endabstimmung mit 69 gegen 7 Stimmen angenomnwn. .» “ '
_ 10. Januar. Der König hat heuteden Königlick) Baye- rischen außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister Freiherrn 11. Gas f er in Audienz empfangen, um dessen Abbe- rufungßschreiben entgegenzunehmen.
Heffen. Darmstadt, 9. Januar. Gestern Abend traf der älteste Sohn des Prinzen Alexander von Hessen, Prinz Ludwig von Battenberg, aus London wohlbkhalten hier ein. Der junge Prinz trat im Jahre 1868 in die britische'Ma- rim: und hat seitdem dem praktischen Seedienste in Westindien und Amerika obgekegen. Nach kurzem Verweilen im Kreise der Familie gedenkt Se, Durchlaucht nach England zurückzukehren, um fiel) dem LieutenantH-Examen zu unterziehen.
_ Wie die „D. Z.“ vernimmt, hat der Großherzog die Verfassung der evangelischen Kirche des Groß- herzogthums, wie fie aus den Berathungen der außerordent- lichen LandeH-Synode hervorgegangen ist, mit einigen, von den kirchlichen Behörden beantragten, Modifikationen genehmigt. Diese Modifikationen betreffen, dem genannten Blatte zufolge, hauptsächlich den §. 1, welcher nach dem RegierungSentwurfe, mit Hinweis auf die denselben erläutexnden Paragraphen der Verfassung, und den . 66, welcher in der von der Synode bei der ersten Lesung bes [offenen Fassung aufgenommen wurde.
Braunschweig. Braunschweig, 10. Januar. Der Herzog hat neben denjenigen Mitgliedern, welche von Amts- wegen ordentliche oder außerordentliche Mitglieder der Herzog- lichen Ministerial-Kommission smd, folgende ordentliche und außerordenüiche Mitglieder f_1"1r die verschiedenen Sektionen dieser Behörde ernannt: 1) für dte _Sektion der innern Landes- verwaltung und Polizei: zu ordentltchen Mitgliedern: den Kreis- Direktor Culemann, den Kamrper-Direktor von Pawel, den Polizei-Direktor Meyer; 2) für 1116 Sektion der Finanzen und Han- dels-Angelegenheiten: zu ordentlichen Mitgliedern: den Finanz- Direktor von HanTelmann, den Landesökonomie-Direktor Dommerich, den Geheimen Finanzrath Grafen GörH-Wrisberg; 3) für die Sektion der Justiz: zu ordentlichen Mitgliedern: den Oberge- richts-Vice-Präfidenten Knittel, den Ober-StaaiSanwalt Rhamm, den Ober-Gerichtsratl) Schmid; 4) für die Sektion der geistlichen und Schulsachen: zu ordentlichen Mitgliedern: den Konfiftoriak- Raik) Abt Ernesl'i, den Schulrath Professor 131. Gravenhorst, den General- und Stadt-Superintendenten Pfeifer; zum außer- ordentlichen Mitglieder den Hof- und Domprediger 1)1. Thiele; 5) für die Sektion der Militärsachen: den General-Lieutenant von Erichsen, dcn Oberst von Seckendorff, den Oberst von Wachholß.
Es liegen drei Entwürfe-
Schwarzburg = Sondershausen. S0 11 d e 1:8 1) 0 us e n, 9. Januar. Dem einstweilen vertagten Landtage find yon der Fürstlichen Staatsregierung mehrere wichtige Geseßentwurfe vorgelegt. Unter diesen Entwürfen ist besonders hervorzuheben ein Gesetz, den Mißbrauch des Versammluygßrechts betreffend. Das Geseß, zusäßliche und abändernde Besttmmungezt zur Ge- chäftSordnung für den Landtag betreffend, _1ft yumzrehr publizirt und in Kraft getreten. Von Bedeutung tft m dtesen Bestimmungen, daß der Landtag bei gcetgnetezt Gegenstanden mit Genehmi, ung des MinisteriUms anstatt in emer Deputatmn, die VorkeratJung sogleich im Plenum oder auch ohne Vorbe- rathung sofort die Schlußberathung im Plenum vornehmen kann. Die Diäten der Abgeordneten find, wenn diese am Orte der Versammlung Wohnen, auf täglich 5 Mark, wenn fie aus- wärts wohnen, auf täglich 10 Mark festgepellt.
Oefterreich-Ungarn. Wien, 10. Januar. Die Er- gänzungSwahlen für das Haus der Abgeordneten des öster- reichlschen ReichSrathes nehmen heute theilweise ihren Anfang.
_ Ueber den von den Abgeordneten Steudel und Genossen im niederösterreichischen Landtage gestellten Antrag hat der Ausschuß jth Bericht erstattet. Der Ausschuß beantragt :
Das 9116 Haus Wolle beschließen: Dsr niederösterreichisÖe Landeöausj uß wird beauftragt, durch ein Mitglied des Hohen Reickys- ratbes fick) an das Hohe Haus der Abgeordneten des Reichskathes tm
' Wege einer Petition und unter Zugrundelegung der MotiVe, Welche
dcn nixderösterreicbifchen Landtag zu seinen am 11. Oktober 1871 und 4. Dez-Zmber 1872 gefaßten Beschlüssen veranlaßten, _mit _dem Er- s11ch1n zu wenden, derselbe WOÜS aus eigener Jnitiatwe em Gesetz behufs cinkr zeitgemäßen Reform, LVSUULLÜ Ayshebung der Verzeh- rungssteuer, im verfassnngsmäßégen Wege beschlwßen. __
Brünn, 10. Januar. Auf der TageSordnung des mal)- rischen Landtags stand heut die Regierungsvorlage, be- treffend die Fälle der strafgerichtlichen Verurtheilung von Abge- ordneten. Prazak erklärte, seine Partei könne an der_Verhand- lung hierüber nichl Theil nehmen, da sie scmst auck) fruhere Aeq- derungen der Lande-Zordnung und Landtagswahlordnung, 1118 ohne ihre Mitwirkung zu Stande gekommen find, anerkennen würde. Nachdem die ganze Rechte den Saal verlassen, mußte der Gegenstand von der TageSordnung abgesth werden, da "zur Beschlußfassung hierüber drei Viertel der Abgeordneten, nam- lich 75, erforderlich smd und die Linke urxd das Centrum zu- sammen nur 71 zählten. _ _
Prag, 10. Januar. (W. T. B.) Wer den Retchs- ratthwahlen siegte in allen Wahlbezirken die altczechtsche Partei. Nur in einem Wahlbezirk wurde Sladkomskr) (Jung- Czeche) gewählt. _
Graz, 9. Januar. Morgen wird tm Landtage der Ent- wurf einer neuen Gemeindeordnung für Steiermark eingebracht,
,wonach die bisherige Geschäft80rdnung dsr Gemeinde eine gründ-
liche Reform erfährt. _ _
8138111), 10. Januar. Die hier emgetroffene Deputatton des rusfischen Garde:Grenadier-Regiments, dessen Inhaber der Kais er ist, wurde gestern Vormittag?- von Sr. Majestät empfangen.
_ Die Kaiserin reisst heute Abend?- Hall) 9 Uhr von Ofen direkt nach München ab.
_ Die Nachricht, daß die feierliche ErÉheilung des Kar- dinalsbaretts an den Fürstprimas von Simm: schon heute, statt am 12. d. M., stattfinden dürfte, hat fick) nicht bestätigt.
_ Die Reichstagzzsißungen beginnen am 17. Januar; die Sektionen treten am 12. Januar zusammen.
Schweiz. Genf, 10. Januar. (W. T. B.) Der Erz- bischof (111 1181115118 1116661111111) von Lydda, Demanico di Panelli, der lange Zeit hindurch in Jerusalem als Priester thätig war, soll _ wie das „Iournak de Genéve“ erfährt _ die Wahrnehmung der bischöfkichen Funktionen für die libera- len Katholiken der Schweiz bis dahin übernommen haben, wo die Episkopatfrage für dicselben definitiv gerkgelt ist. Der- selbe hat bereits am Dienstag in der hieftgen, den liberaken Katholiken überlassenen Kirche von St. Germain den Goßes- dienst geleitet und wird auch morgen in derselben Kirche den
Gottesdienst wieder abhalten.
Frankreich. Paris, 9. Januar. Das „Ignrnal officiel“ veröffentlicht folgende Mittk) eilung:
In Folge der Sitzung der Nationalvsrsammlung begaben fick) die Ministcr in das Hotel der Präsidentschaft _Und 11111211 ihre _Ent- lasjung in die Hände des Marfchall-Präsidsnten nieder. O_er Mar1chall ließ ihnen zu wissen thun, daß er sich nicht dazu cntfcblreße, dieselbe für jeßt anzunehmen, und fich vorb€[)alte, darüber zu Rathe zu chen. Die Minister behalten die Leitung ihrer betreffenden Departements bis zur Entscheidung dss MarsÖUÜs.“
Versailles, 10. Januar. (W. T. B.) Dem Vernehmen nach hat die Fraktion der Rechten und des rechten Centrums beschloffe11, das Ministerium am nächsten Montage über die gegenwärtige Krisis zu i111erpelliren, um auf diese Weise ein VertrauenSvotUm zu provoziren. Dieselbe wird so- dann beantragen, daß der Geseßeniwurf über die Maires auf die TageSordnung gese t werde. Unter den Fraktionen der Rechten herrscht vollstän ige Einigkeit.
Spanien. Madrid, 10. Januar. (W. T. B.) Die Re- gierung wird, wie verlautet, die Cortes vor Ablauf eines Jahres uicht wieder einberufen, um vor dem Zusammentreten derselben die Insnrrektion völlig zu unterdrücken.
_ Eine starke Truppenablheilung ist Heute nach Albacete, welcheé. von den Carlisten bedroht ist, marschirt.
_ 11. Januar. (W. T. B.) Die amtliche „Gaceta“ ver- öffentlicht ein Dekret der Regierung, durch we1ches die Auf- lösung aller politischen Vereine und Gesellschaften angeordnek wird, die gegen die öffentliche Sicherheit und die ge- heiligten Interessen des Vaterlandes, sowie gegen die Inkegrität des Landes und die neu eingeseßte, über der Provinzialdeputa- tion von Madrid stehende Gewalt wörtliche oder thatliche An- griffe richten.
_ Ueber die Fortseßung der Bekagerung von Carta- gena smd günstige Berichte eingegangen,
_ In Bayonne eingetroffenen Nachrichten vom 10. Ja- nuar zufolge haben die Carlisten Portugalete genommen. General Moriones hat fich zu Santona eingeschifft. Wohin fick) derselbe begeben wird, ist nicht bekannt. Die Carlisten be- finden s1ch jeYt im Beßß schwerer Geschüße, mit welchen fie Bilbao bombardiren. Dieselben bereiten ferner einen Angriff auf Tolosa vor.
_ Nack) in Perpignan eingegangenen Nachrichten vom 10. Januar ist in Barcelona ein Aufstand ausgebrochen. In den Vorstädten waren Barrikaden gebaut. Die Stadt wurde vom Fort Montjot) aus beschossen.
Ein verspätete“; Telegramm des “W. T. B.“ aus Bar- celona vom 8. Januar Abends bestätigt diese Nachricht, meldet aber genauer Folgendes: Die hier UUSgebrochenen Unruhen be- gannen bereits am 7., an welchem Tage die föderalistischen Ar-
beiter in den Werkstätten und Fabriken die Arbeit einßeUien. Heute Morgen sammelten s1ck) zahlreiche Trupys von Arbettern auf den Straßen und dem Maß von Eatalomen, welche durch die Truppen ohne Blutvergießen zerstreut wurden. Gegen 11 Uhr wurde ein Kapitän der Jäger durch einen aus _der Volkaenge fallenden Schuß getödtet, worauf die Truppetz cxnen_Angr1ff _an die Arbeitermaffen machten und dieselben bls m dte Voxstadte zurücktriebkn. Die Aufständischen begannxn darauf B_arrtkaden zu errichten, die von den Truppen mit Arttlleme angegr1ffen und genommen wurden. Der Verlust an Todten und Verwundeten ist auf beiden Seiten sehr beträchtlich. Man ertyartet, daß mor- gen der Kampf von Neuem beginnen wird. Wte es hÉLßt, find Mitglieder der Internationalen die Anführer dxr Aufstandtsthen. _ *Die Stadt bietet einen sehr traurigen Anbllck dar. Rußland und Polen. St. etersburg, 9. Ian_uar. Der Kaiser hat am 23. November 118 (611111151911 des Re1chs- raths bestätigt, nach welchem außer den beretts bestehenden vom 1. Juli 1874 an in den Lehrbezirken von St. Petersburg, Moskau, Charkow, Kasan und Odeffa noch Zünf Lehxer- seminarien zur Ausvildung von Volksschulle rern gegründet werden sollen. _ _ Die neue Städteordnung ist nach der ,Börse“ fett ihrer Einführung in 360 Städten und 13 Niederlassungen in Wirksamkeit und tritt in diesem Augenblick in 65 SÉädten 111 Kraft. Es bleiben also noch 105 städtische Wohnorte übrig, bet welchen die Einführung der neuen Städteordnung noch nicht entschieden "111 _ Der „R. Z.“ wird geschrieben, daß in mehreren Kreisen des Gouvernements Kasan die Not!) nicht viel geringer ist, als in Ssamara. So hat das KreiSlandschastH=let in Tschisto- pol telegraphisck) von dem Gouvernementsland-Amt in Kasan augenblickliche Hülfe verlangt, worauf ltheres sogleich einen Be- vollmächkigten mit 24,000 R. in den Kreis Tsch1stopol absandte. Der Bevollmächtigte fand nach angestellten Untersuchungen nicht weniger als 141,000 R. nöthig, um die von HungerSnotl) heim- esuchte Bevölkerung des Kreises bis zum 15. Juli 1874 zu er- Zalten und ihr Saatkorn anzuschaffen. Die allgemeine Land- schaftsversammlung bewilligte die Unterstüßung, nachdem sie vor- her eine Kommisswn zur Untersuehung und Bégutachtung der Angelegenheit erannt hatte. Deren gründliche Nachforsch1mgen ergeben, daß die vier Wolosten Makfimkinskaja, Iegorkinskaja, Ts elkinHkaja und Andrejewskaja, welche zwischen dem Flusse Ts eremschan und der Grenze des Gouvernements Ssamara in der Steppe liegen, hauptsächlich Noth leiden, daß aber auch 1111- dere Wolosten, wenngleich in geringerem Grade durch Mißernte und Heuschrecken gelitten haben. Die Kommisfion hat vorgeschla- gen, 130,000 R. (statt 141,000) zu bewiUigen und die Regie- rung um Erlaß der Steuern für die Nothkeidenden zu bitten. Asien. Das wöchentliche Telegramm des Vicekönigs von Indien betreffs der drohenden Hungersnot!) in Bengalen meldet, daß der Erkrag der Wintercrnte die allgemeinen Erwar- tungen Übertroffen hat, und daß die Ausßchten der Frühjahrs- ernte ziemlich Zünftig smd. Die Preise steigen indeß allgemein. In Behar ist er Nofhstand unvermeidlich, und man g1a11bt, daß er ernstlich sein und fick) ausbreiten wird, faÜs kein Regen eintreten sollte. Es werden allenthalben Hülf-Z-Komites gebildet. Penang, 103111111111". (W. T. B.) Die Niederländer seßen die Beschießung des Kratons mit 12 schweren Geschüßen und 4 Haubißen fort und haben, wie hierher- aus guter QueUe gemeldet wird, bereits die Moschee von Atchin genommen. Die Uebergabe der Stadt wird„täYich crmarket. Der Gesund- heitSzuftand der Trmopen ift beser geworden. . _ Ueber die Krönung des Königs von Siam ent- nehmen wir eine; Korrespondenz der „Times“ aus Bangkok, derdHauptstadt des Königreiches,'öom 23. November 1873 Fol- en 88: g Diese Stadt War während der vorigen Woche in Folge der noch- maligcn Krönung des Königs, der unlängst seine Volljährigksit er- reichte, eine Seen? von Festlichkeiten, glänzender Aufzüge und JÜumi- nationen. Der König war ursprünglich vor etwa sechs JaHren beim Tode 1611168 Vaters gekrönt wordsn; aber da er damals nur ein acht- jähriger Knabe war, konnte er 'die alleinige Führung der chierung nicht übernehmen, und dieselbe wurde daher eincm Regsnten anvcrtraut, der seine Mächten in einer Weise erfüÜto, wie man ihr in orientalischen Lävdsrn 1911111 [*kgkgnet. Vor der jetzigen Csrcmonie war der König nach sta111csifchem©escß gezwungkn, auf kurze Zeit in den Priesterstaud zu treten, und er hatte alle die Pfkichten des jüngsten Novizcn zu vollziehen, sowiy d1'n für seine künftige Stcslung passsnden Untkrricht zu erhalten. Nach dieser Cercmonic wurde er am 16. No- vember um 532- 11131 Morgens von den Priestern seines GLfOlgLI ge- krönt, Weche Thatsache der stölkcrung durch 101 Kanonenscbüsse von dem Palast und Weitere 21 Schüsse von ciner franzöfiscben Fregatte, die zu EHrcn der Gclegcnheit nach Bangkok kam, wsrkündigt wu1de. Um 10 Uhr Vormittags begab sich dcr König, in prächtige Staatsrodcn gekleidet und umgcben von "scinen Edelleutcn, Welche die vcrschiedonen Jnfignien seiner (Hervalt trugen, nach dem Königlichen Thronsaale, Dort hatte fick) voröer eine glänzende Versammlung vor dem Throne eingefunden, und Vertreter fast jchr civiliswten Nation waren zugegcn. Kurz, nachdem Se. Majestät semen Sitz auf dkm Thron eingknommen, verlas er eine Proklamation, welche das Kriechen und Niedervcrfcn in Gegenwart eines Obsrcn ab- schafft. Seit undenksichen Zkiten War es die siamesische Sitte, niemals m Gegenwart des König:“; zu stehen, und die höchsten EdsÜeute im Lande konnten fich_dem Könige nur auf ihren Kniccn, mit den Ell- bogen auf dem Fußboden ruhend und die Hände wie zum Gebet ge- .faltet, nähern. Ein Edelmann, der einen anderen von 111311816111 Range bcsuchf, würde in einer äl)nlich1n Lage zu bleiben habän, gleichviel, wie lange die Unterredung dauern dürfte. In der Proklamation erklärte der Köyig, daß er von der Ueberzeugung durchdrungen Worden 181, daß kein Land gedeihen könnte“, wo solche gegenseitige Servilität und Verehrung Sitte wäre, und daß er die Menschen auf einem gleichercn Fuß zu sehen wünsch? so daß dEr ärmstc Uutertban im Königreich die Gewrsxheit haben dürfte, dieselbe Gsrechtigkeit wie der Reichc zu finden. Während dsr Verlelsung dieses Edikks blieben (1116 anwesenden Siamesen, etwa 400 an Za)l, in einer bingestreckten Lage auf dem Fußboden, aber nach deren Be- endi ung erhoben fie sich gleichzeitig __ und machten Sr. Ma estat eine Verbeugung nach europäncber Sitte. Na der Verlesung der Proklamation hielt dsr Regent eine Lo redo, in Welcher er dem Könige im Namen des Adels und Volkes dankte für die Abscba ung der Niederwerfung und die vielen Verbesserungen, die auf Sr. ajestät eigene Anstiftung cingcführf wvrden seien, deren eine, wie er erwähnte, ein viele Meilen langer Kanal sei, der durch bezahlte Arbeit aus des Königs Privatscbatuüe während seiner Mino- rität gebaut wvrden sei. Nachdem er seinem Souverän aÜes Glück gewünscht, schldß der Regent, Worauf der britische Konsul und andere Vertreter europäischer Nationen mit Glückwunsch-Adres- sen folgten. Nach einigen Weiteren Formalitäten zog sich der König, während die nationale Musik? lauter spielte zurück. Der König befißt au'erdem einige in der europäischen Mufié ziemlich auSgebildete Militär apcllen. Am Abend hielt der König in einer im europäischen Style gebauten und für die Gelegenhcit eigens geschmückten prächti en neuen Kapelle einen_Empfang. Nachdem die Ceremonie der Vor teÜungen vorüber war, [11 sick) der König in eine allgemeine Unterhaltung mit den anwesenden 5 usländern ein. Es ist wahrscheinlich, daß _der jeßige König Europa besuchen wird, obwohl dies nicht chex geschehen rotrd, bis seine Regierung wohlbegründet ist.
Afrika. (A. A. C.) Von der Goldküste liegen folgende bis zum 16. v. Mts. reichende Nachrichten vor. Das unter englischem Protektorat stehende Gebiet ist nun von den Aschantis gründlich geräumt; fie Haben fich über den Prah geflüchtet, und die Engländer find 1 um bereits hart auf den Fersen. Kapitän Glover hat seine ursprüngliche Absicht, fich Kumasfi auf einer unabhängigen Route zu nähern, aufgegeben, und wird fich mit seinen Streitkräften am Pra!) mit Sir Gar- net Wolseleys Armee vereinigen. Ein Berichterstatter der Liver- pooler „Daily Post“ erwähnt des etwas unwahrscheinlick; klin- genden Gerüchts, daß General Wolseley sul) mit der Abficht trägt, König Koffi, faÜs er gefangen genommen wird, 111 eine ehrenvolle Gefangmschast nach England zu schicken und einen anderen Herrscher auf den Aschanti-Thron zu seßen.
Nr. 2 des Amtsblatts der Deutschen Reichs- PostverWaltung hat folgenden Inhalt: Gsneral-Vcrfügungen vom 7. Januar 1874: Korrespondenzverkcbr mit Konstantinopel, Verkauf de_r yeue_n Portotaxe; deSgl. vom 8. Januar 1874: Postmandate mit F_all1gk_e1tstag; desgl. vom 7. Januar 1874: Kontrolverfahren übe! *d1e E111nal1me-_ und NuSgabe-Ergebniffe aus dem Postanweisungs- verkehr; Bescheldung vom 5. Januar 1874: Unzuläsfige Vereinigung von Faarenmustern mit im Wege des Postdebits bezogenen Zeitungs- cxem aren.
_Nr.1 des „Central-Blattsder Nbgaben-,Gewerbc- u11d Handels-(Hewßgebung und Verwaltung in den Kö- n1g_[1ch Preuß_1f_ck)_en St_aaten“_ha1 folgenden Inhalt: Cirkular- verk1_1gung_des_Konmltchen Fmanz-Mmistcriums, die Einreichung der Nottzreg11ter uber Deklarattdnsschkingütcr zur ngisterrevision betref- fepd, vom 10 Septembey 1873._ Cirkularvcrfügung des Königlichen F1nanz-M1n1ster1um5, dle dcn Baubeamten zu ertbeilsnden Aufträge hetreffend, vom 5._ Oktoder 1873. __ Cirkularvcrfügnngen des König- l1chen Fmanz - M1n1ster1urys, dre Befugnis; xc. von Zoll- und Steuer- st_eÜen betreffcnd. _ Vsrfugung des Königlichen Finanz-Ministeriums, d1c Erhebung der Brausteuer von an fich steuerpfliébtigen Braustoffen b_etrcffend, vom 14._Noyemdkr 1873._ Cirkularverfügung des König- l1chen Fmanz- M1n1ster1ums, die Kontrols der Postanstalten über die VersteULxung der vom Auslande untc'r Band eingehenden steuervfticb- t1gen Zettun_111*11 Hetrcfferzd, vom 28. Oktober 1873. _ Cirkularvkrfü- gung des Komgüchen Finanz - Ministeriums, die Prüfung der Mittel zur Yenaturtrung v_1_)n_ S_alz betxeffend, vom 30. September 1873. _ Verfugung des K_orygltchen Fmanz - Ministeriums, die Tarifirung von n1cht mrt Sch1eßpulvsr gefüllten Patronen betrcffend, vom 30. Oktobcr 1873. _ Personal-Chronik.
Die Finanz-Vcrwaltung Preußens in den Jahren 1870, 1871 und 1872. (S. Nr. 8 1). Bl.) _ _ 4. GWerbksteucr.
DU? Emnahmen aus der Getverbefteucr Vom stehen- den Gcwerbebetrteb find 1'11 stetiger ZunaHmc begriffen ILWÜCU. Nach der Veranlagung sollten 111 den einzelnen Skcuerklaffen an Getvcrbcftensr aufkommen:
Im Jahre:
1869. 1870. 1871. Thlr. Thlr. Thlr.
in K!affe „4, 1.
(«Handel in bedeuten- _ derc111Umfange) , . . m Klasss 8. 11.
(Handel in mittlerem _ Umfange) ....... 111 Klasse 13.
(Handel in geringem
Umfané?) .......
(Hand? mit geistigcn
Getränken) ...... in Klasse (3.
(Gast- und Schank- _ W1rtbschaft) ...... ' m Klasse 1).
(Bäcker) ........ in Klasse 11.
(Fleischer) ...... in Klasse 11". _ (Brauer). . 111 Klasse 11. _ (Handrverkkr) ..... 111 Klasse- 1.
(Müller) ....... in Klasse )(,
(Schiffer und Fuhr-
leute) ......... 102.43?)- 1021514
Gegenüber dem Veranlagungs-SOU für das Jahr: mit:
1869 4,412,300 Thlr. 1870 4,558,492 „ 4,562,874 „ 1871 4568981 „ 4,612,794 „ 1872 4,668552 „ 4,789,Z06 „
Es hat “sonach auch das Veranlagungs-Soll von Jahr zu Jahr eine Steigerung erfahren.
Die bei der Veranlagung der GeWcrbestcucr für das Jahr 1871 in Anfshung einzelner Steuerklasft'n (der chinhändlsr, Bäcker, Fleischer, Handwerker, Schiffer und Fuhrleute) hervor- gctrefenen Einwirkungen dcr kriegerisckykn Ersigniffe smd durch Zugänge bei den übrigen SteMrklasscn dergestalt: auSgeglichen word6n, daß nicht allein das V-eranlagnngs-SOU, sondern auch die Jst-Cinnahmc des Jahres 1871 dic bstreffenden Pofitioncn des Jahres 1870 11111 10,488 Thlr. resp. 49,920 Thlr., und die des Jahres 1869 um 156,68] Thlr. resp. 113.156 Thlr. über- stsigcn. Die im Jahrs 1870 für d1'n stehenden chvkrbcbetricb eingetretenen Störungen haben __an dcn Ertrag der Stoner keinen erheblichen Einfluß ausgenbt; das Veranlagungs-Soll ist von der Jst-Einnahme noch *.1111 4382 Thlr. überstiegen worden.
BLi dsr Veranlagung für das Jahr 1872 [)at fich im Vergleiche mit der für die Jahre 1870 und 1871 eine zum Tf)eil fehr erhebliche Zunahme (1nSbesonderc in den Handelskaffen 11. 1. und 11. 11, (ck., 1).„ 13. und 17.) herausgestellt; cine nennenswerthe Abnahme ist 11111" in dcr HandWerkErklaffc cin- getreten.
Die Einnahmen aus der Haujir-Gcwcrbesteuer haben fich
imIahre 1869 an 685,134 Thlr.
- - 1870 - 724,400 - - 1871 . 641,916 - - 1872 . . . 725,791 - belaufen. Die Erscheinung, daß die Einnahme des Jahres 1871 gegen die aus der Haufirsteuer in den Jahren 1869 und 1870 erzrelten Erträge zurückgeblieben ist, erklärt fich aus dem Umstande, daß eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Haufirern durck) d1e Fortdauer des Krieges an der Fortsetzung ihres 'Ge- Werbebenicbes im Jahre187] gehindert worden ist, DieseM
288,856 302,616 303,188 317,790
1,068,159 1,093,288 1,094,668 1,115,247
898,161 56,013
872,079 53,816
878,520 57,928
888,435 58,542
745,401 226,963 207,323
69,966 399,932 377,353
777,206 235,130 214,514
75,552 426,500 377.018
823,986 233,572 213,450
81,098 406,226 376,095
948,798 240,207 222,596
86,828 412,276 377,887
100,950 99,446
l).".t die Jst-Einnahme betragen :
4,496,638 Thlr.
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