- In Begleitung Sr. Hoheit des Herzogs zu Sachsen-Coburg-Gotha an der Durchreise nach St. Pe: tersburg waren hier eingetroffen: Ter Oberst-Lieutenant von Schrabisck), Flügel:?ldjutant Sr. Hoheit des Herzogs zu Sachsen=Coburg-Gotha, und der Premier-Lieutenant Graf von Schwerin 1. vom Magdeburgischen Kürasfier-Regiment Nr. 7.
_ Der Rest des vor einiger Zeit zur Ausführung von Tynamit-Sprcngarbeiten nach Hirschfelde, Königreich Sachsen, abgerückten Detachements des Eisenbahn-Vataillons ist nunmehr hierher zurückgekehrt.
_ S. M. S. „Arcona“ ist am 19. Dezember 1873 in Rio de Janeiro kingetroffen. _ An Bord Alles wohl.
_ Die Preußische Hauptbank hat Heut den Diskont auf 4 Prozent und den Lombard-Zinsfuß für Waaren und Effekten auf 5 Prozent ermäßigt.
Bayern. München, 17. Januar. Der König ist heute Nacht zur Begrüßung der Kaiserin von Oefierreicl) von Hohen- sckzwangau hier eingetroffen.
_ Wie die „Allg. Ztg.“ vornimmt, hat der König den Grafen Max von SeinSheim auf Grünbach durch offenes Dekret zum erblichen Reichsrath der Krone Bayern ernannt.
_ Die Kammer der Abgeordneten hat gestern die Veratbung des Iuftizetats beondigt; die sämmtlichen Po- ßtionen wurden nach den Vorschlägen des Ausschusses ange- nommen. Auf den Antrag Trillers wurde der Gehalt der Geist- lichen in den Gcfängnißanstalten erhöht. Schließlich ward de): Antrag Freytags, daß die bcwiUigten TheuernngSzulagen für die pragmatisch angesteilten Beamten als pragmatische Gehaltszulage zu betrachten seien, mit 92 gegen 40 Stimmen abgelehnt. Die nächste Sißung findet am Montag statt.
_ Bei der vorgestern Abends zwischen den Mitgliedern der beiden Fraktionen der Abgeordnetenkammer Wegen Vertagung des Landtags stattgefundenen Besprechung einigte man sich dahin, der Staatsregierung vorläufig einen die Vertagung bezie- lenden Wunsch nicht auszudrücken.
_ 18. Januar. (W. T. B.) Der König hat den Frei- herrn Schenk v. Stauffenberg, anläßlich seines 25jährigen IubiläUmH als erster Präfidsnt der Kammer der Reicth-räjhe, in den erblichen Grafenstand Erhoben.
Baden. KarLSruhc, 17. Januar. In der heutigen 5. öffentlichen Sißung der Ersten Kammer theilt? der Präsident Ober-Hofrichter Obkircher den Inhalt eines Schreibens des StaatS-Miuisters mit, welches nach Allerhöchster Entschließung ans Großherzogliche Staats-Ministerium vom 15. 1). auch dsr Ersten Kammer die Beschlüsse der Zweiten Kammer vom 22. t). M., eine allgemeine Verfassung-Zrevision betreffe'nd, zur Berathung und Veschlußfaffnng vorlegt. Nachdem Graf von Berlichingen, unterstüßt von dem Prinzen Karl von Baden, beantragt hatte, daß eine Kommission von 7 Mitgliedern hierfür eingeseßt werde, wurden gewählt: Prinz Wilhe'lm von Baden, Fürst waenstein-Jreudenberg, Graf von Berlichingen, Freiherr von Rüdt, Geheimer Rath Ur. Renaud, Präsident Hildebrandt, Hr. Dennig.
_ Die Zweite Kammer erledigte heute das Budget des Großherzoglichen Ministeriums des Innern für die Jahre 1874 und 1875. Daranf folgte die zweite Berathung und Unverän- derte Annahme dsr Geseßentwürfe „über den Betrieb der Dampf- kessel“ und Über die „Zuständigkeit der Amtsgerichte als Vor- mundschaftsbehörde.“
_ (Fr. I.) Der Kbinmisfionsbericht über den Gesetzent- wurf wegen Abänderung einiger Benimmungen des Gsseßcs über die rechtliche Stellung der Kirchen und kirck): lichen Vereine im Staat vom 9. Oktober 1860 bojaht die Fragen, ob eine Ergänzung des [eytkren Gyseßis in den Ver- hältnissen begründet sei, und ob die von der Regierung vor- geschlagene Ergänzung und theilweise Aenderung mit den Prinzipien des Geseßcs im Einklang stehe. Die Kommisfion ist im Allgemeinen mit der Vorlage einverstanden, beantragt aber verschiedene Aenderungen. So die f02genden Zusäße: „Vom dreijährigen Besuch einer dcntschsn Universität darf Der nicht dispenfirt werden, welcher seine Studien an einer Anstalt gemacht hat, an der Jesuiten oder Mit- glieder anderer verwandter Orden 1eHren“; und: „Die Knabcn- Seminarien und Knaben-Konvifte sind mit Ende des laufenden Schu1jahre9, die Konvikte für Studirende mit Ende des Sommer- Semefter-Z 1874 zu schließen“. Für den Paragraphen, durch welchen die freie AuSÜbnng dcs Wahlrc'ckns gegen kirchliche Beeinfluffung möglichst gesichert werden soU, schlägt die Kom- misfion xine Faffung vor, wclche die Wahl-Agitation in bestimm- ter Parteirichtung verbietet und auch die? mit Strafe bedrohte Handlung unzweideutig ausdrückt, nämlich folgsnde: Geistliche, welche in Anwendung ihrer kirchlichen Autorität ans Anlaß öffentlicher Wahlen auf die Wahlberechtigten in einc'r bestimmten Parteirichtung einzuwirken suchen, werden an Geld von 60 bis 600 Mark bestraft“. Das Gescß wird in der nächsten Woche in der Zweiten Kammer zur Verathung kommen. _ Für die Uebergangs-Vestimmnng beantragt die Kommission fok- gende Fassung: „Diejenigen Geis11ichen, welche zur Zeit der Ver- kündung dieses Gcseßes bereits die _tl)eologische Prüfung bxstan- den haben, bezw. zu Prisftern gewmht find, können, sofern ste unter die Verordnung vom 6. September 1867 faÜen, cin Kirchenamt nicht erlangen, bevor se die Staatsprüfung über ihre aUgemein wiffenscbaitlickw Vorbildung bestanden oder von der Regierung auf persönliche Bitte DiSpens erhalten haben; da- gegen wird ihnen gestattet, bis auf Weiterck kirchliche Funktionen ausznüben; die Regierung aber ist ermächtigt, du1ch Verordnung ihnen diese Befugnis; wieder zu entziehen.“
Hessen. Darmstadt, 17. Januar. Die Berichte der Zweiten Kammer über die abermalige Rekommunikation der Ersten Kammer bezüglich der Gcseßentwiirfe, die innere Verwaltung und die Vertretung dcr Kreise nnd Provinzen, die Städte:Ordnung und die Landgem.*inde=Ordnung, erstattet von dem Abg. Kücbler, und bezüglich des Entwurfes des Volksschul- gescßes, erstattet von dem Abg. Greim, find jeßt im Druck er- schienen. Hinfichilich des Entwurfs wegen der Verwaltung und Vertretung der Kreise Wülxet, Wie „D. 3.“ mittheilt, keine Dif- ferenz mehr ob, dagegen bestehen noch diejenigen über die ande- ren Entwürfe (also namentl1ch wxgen der von der Ersten Kam- mer angenommenen Wahl der Halfte der Stadtverordneien aus dem höchstbesteuerten Vierthetl des Wahlbarcn, wegen des von der Zweiten Kammer vcrfochtcnen Prinzips der direkten Wahl des Bürgermeisters, wegen der Zulassung r-ligiöser Orden an Lehr- und ErziehungMnftalten des Großhcr ogthums und des Aus- schlusses solcher Orden von öffentlichen Volksschulen). Der
Ausschuß der Zweiten Kammer beantra t nun allenthalben Be- harren auf den früheren Beschlüssen, oßne in diesen schon so gründlich und erschöpfend behandelten Fragen sich,; auf neue weitläufige Entwickelung einzulassen. &».ny WMW
“"'"-“Y“"Mßoy achsen- eimar-Eisenach.§ Weimar, 18. Januar (W.T.B.) Der ordentliche Landtag des Großherzog- thums ist heute“ in der herkömmlichen Weise eröffnet worden. In der landesherrlichen Propofitionsschrift wird der erfolgten Vermählung des Erbgroßherzo s gedacht; die forisckzreiiende Befestigung des Deutschen Rei 9 und der weitere Ausbau der Reichsinftitutionen werden besonders hervorgehoben, ebenso der Abschluß der neuen Militärkonvention mit Preußen. ' Die für den Landtag bestimmten Vorlagen umfassen ein neues Volks- schulgesey, eine neue Gemeindeordnung, die Einführung von Frieden?:geriehten und ein neues Wahlgeseß. Das neu gewählte Präfidium des Landtags besteht aus den Abgeordneten Fries (Präfident), Brehm und von Rothenhan (Vice-Präfidenten.)
M. *M“WM Neu . Greiz, 15. Januar. Zu der in Nr. 11 des „R. u. St.-A.“ veröffentlichten, der „Weimarischen Zeitung“ ent- lehnten Mittheilung über einen Vorgang im hiesigen Landtage ist berichtigend zu bemerken, daß nach dem Protokoll dem Land- tage von Fürstlicher Regierung nicht im Allgemeinen das Recht, auf die Abstimmung der Regierung im Bundesrathe bceinfluffend einwirken zu wollen, abgesprochen, sondern lediglich die formelle Frage, ob die vom Abg. Leidholdt dem Landtage vorgeschlagene Erklärung, wie solche in dem obengedachten Artikel ihrem we- sentlichen Inhalte nach enthalten ist, (1ka ein Antrag im Sinne der Landegyerfaffung zu behandeln sei, diskutirt und von Fürst: licher Regierung unter Bezugnahme auf die einschlagenden Ver- fassungSparagraphen verneint worden ist.
OefterreichMngarm Wien, 16.Ianuar. Der Kais er hat gestern Nachmittags 2 Uhr den außerordentliohen Gesandten und bevollmächtigten Minister det.; souveränen Iohanniter-Ordens am Allerhöchsten Hofinger Feldzeugmeister Bailli SigiSmund Frhr. v. Reischach empfangen und ]dcffen Beglaubigungs- schreiben entgegengenommen.
_ Die Landtage von Böhmen, Ober: Oesterreich, Tirol und Schlesien sind heute geschlossen worden.
_ Der Kaiser hat am 12. d. M. 211 Personen Straf- nachsicht, beziehunchweise Strafmiiderung zu Theil werden lassen, In Folge A(lerhöchster Entschließung vom 5. d. M. ist bereits der Rlst der Strafe 387 Sträflingen erlassen worden. Der Begna- digung cmi Grnnd des AUerhöchften Handschreibcns vom 1. De- zember 1873, in welchem der Kaiser an dem 25. Jahrestage der Thronbesteigung auch der dem Arme der strafenden' Gerechtigkeit verfallenen Bewohner des Reiches in Gnaden gedachte, find mithin 598 Personen theilhaftig geworden. “
Lemberg, 17. Januar. Der Landtag nahm den Dring- lichkeitsantrag an, welcher die Regierung auffordert, nebst der deutschen Re,ichs- und Recht§geschichte ami; das polnische Recht als obligaten Prüfunchgegenstand an der Lemberger und Kra- kauer Universität einzuführen.
Triest, 18.“ Januar. (W. T. B.) Die Infantin Donna Maria Theresa von Spanien, geb. Prinzessin v. Beira, Wittwe des Don Carlos (Gräfin Molina), ist gestern Abend hier im 80. Lebensjahre gestorben.
Pesth,17.Ianuar. Im Unterhaus erklärte auf eine Interpellation Emerick) HUHzars der Minister des Innern, daß er von den Ungeseßlichkeitcn bei der Pancsovaer Abgeordnetenwahl Kenntnis; habe und die sirengsp-Ahndung derselben, so wie das Vexbot des Gebrauches serbischer Fahnen angeordnet habe. Die Antwort wurde znr Kenntniß genommen. Horn interpeUirte dcn Minister-Präfidenten wegen Benachtheiligung der ungarischen Industrie bei der OffertauSschreibung für die HeereSauHrÜstung. Ter KUÜUS-Ministi'k unterbreitete eine Geseßvorlage betreffs Vans ciner medizinisch-chirurgischen Klinik.
Schtveiz. Am 31. U. M. sind zwischen dem Bundes- Präfidentcn Cresole und dem italisnisckyen Gesandten Melegari nnterzcicbnet wordcn: 1) eine Uebereinkunft zur Berichtigung des auf dem Verlauf der Grenzlinie zwischen Brnfio und Tirano bcziiglichen §. 4 einys am 9. August 1867 zu Andeer in Aus- führung des Vertrages von Piattamla vom 27. August 1863 über die Grenzregnlirung zwischen Graubünden und Veltlin ab- geschlossenen Marchprotokolls; 2) ein Vergleich, betr.N11f= ftellung eines Schiedsgerichts für die endgiltigc Festseßung der schweizerisch:imlienischen Grenze auf der Alp Cravairolo (Tessin).
_ 19, Januar. (W. T. B.) Von 100,000 stimmsähigen Bürgern des Kantons Bern haben 70,000 für das vom Regierungswthe vorgeschlagene liberaleKirchengesetz gestimmt, 16,000 dagegen.
Belgien. Brüssel, 19. Januar. (W. T. B.) Die Stadt Brüssel hat eine Anleihe über 70 Miik. Frs. ef-
fektiv mit einer Grnppe von Finanz-Instituten und Bankhäusern
abgeschlossen, an deren Spiße die Bank von Paris und die „Societéz générale“ stehen.
Frankreich. Paris, 17. Januar. (W. T. B.) Baron Bourgoing ist nach St. Petersburg abgereist, um Wegen eines neuen Handelsvertrages zwischen Rußland und Fr an kr e i ck) zu vkrhandeln.
Versailles, 17. Januar. (W.T. B.) Die Nationas- Versammlung fuhr Heute in Berathung des Maire-Ge- setzes fort. Zu einer längeren Diskussion führte ein von der Linken eingebrachte?) Amendement, wonach die Regierung gehalten sein soU, die Maires aus der Zahl der Munizipalräthe zu wählen. Der Herzog von Broglie sprach fick) gegen dieses Amen- dement aus und hob [)crvor, man müsse eine Institution haben, welche hinreichende Garantien für die konservativen Interessen biete und die Heilung der vorhandenen Schäden fick) angelegen sein (affe; die gegenwärtigen Mittel hätten fick) als unzureichend erwiesen. Broglie rief für seine Behauptung Thiers zum Zeugen auf und erklärte, cs bedürfe eines ganzen, nicht eines halben Heilmittels, wie ein solches mit dem Amendement vorgeschlagen werde. Das Nmendement wurde darauf mit 343 gegen 329 Stimmen abgelehnt.
Spanien. Madrid, 18. Januar. (W. T. B,) ier eingetroffenen Nachrichten zufolge sind die aufständis en Banden in der Provinz Burgos in der Stärke von 3000 Mann voUftändig geschlagen worden und haben beträchtliche Verluste erlitten. _ Der Viadukt bei Toquella auf der Eisenbahnstrecke von Valencia nach Almansa ift bei der Aus-
-führung von Reparaturen eingestürzt. 33 Arbeiter verloren hier-
bei das Leben.
_" Ein Telegramm aus Oran vom 18. Januar meldet: Die „Numancia“ wird heute Abend unter Begleitung des aus den Fregatten ,Vittoria“ und „Carmen“ bestehenden
spanichen Geschwaders von dein Hafen Mers-el-Kebir nach Car- tagena abgehen.
Italien. Rom, 13. Januar, Die „Unita cattolica“ giebt nachstehende Einzelnheiten über das Kardinalskollegium: Die Zahl der italienischen Kardinäle beläuft ßck) auf 35 und rechnet man die sechs neu ernannten dazu, auf 41. Frankreich hat 6, Oesterreich 4, Spanien 3, Deutschland, Portugal und Irland je einen, zusammen 57. Zwei hat Papst Pius 1x, er- nannt, es bleiben also noch 11 zu ernennen, um die in der Bulle Sixtus 17, festgeseßte Zahl von 70 Kardinälen voll zu machen. An Jahren ist der Kardinal de Angelis der älteste, denn er ist am 16. April 1792 gsboren und im Konftiwrium vom 13. September 1838 ernannt, aber in thto behalten wor-
den. Proklamirt wurde er im Konsistorium vom 8. Juli 1839."
Dem Datum der Ernennung nach ist Patrizzi der älteste, denn er wurde im Konstßorium vom 23. Juni 1834 ernannt, aber in patio behalten und am 11. Juli 1836 proklamirt. Er wurde demnach 4 Jahre früher als de Angelis zum “Kardinal ernannt, obgleich er 4 Iahre später als jener in Siena am 4. September 1798 geboren wurde. Von den Kardinälen, wclche den gegen- wärtigen Papst erwählt haben, [eben nur noch acht: Patrizzi, Amat, de Angelis, VanniceÜi, Casoni, Schwarzenberg, ASquini, Carasa und Riario Sforza, Erzbischof von Neapel.
_ Gestern verkaufte die Liquidations-Kommission wieder mehrere sequestrirte Klostergrundstücke. Ihr Werth war auf 144,120 Frs. mxirt worden, sie erbrachten aber 248,300 FM.
_ Nach dem von dem Handels-Minifter veröffent- lichten RechnungMbschlUffe der italienischen Kredit-In- stitute am Ende November hatten die 89 Volksbanken und 114 gewöhnlichen Kreditanstalten, zusammen 233 Stück mit einem Einlagekapital von 393 Millionen Fr., 25,934,211Fr. an Kassenscheinen in Umlauf gegen 27,492,309 Frs. am Ende Oktober. Die (Zirkulation der sechs Emissionshanken ist von 1551 Millionen auf 1544 MiÜionen und der baare Kassenbestand von 396 auf 373 Millionen gefaUen. Die Sparkassen haben 9.039.892 Frs. eingenommen und 11,954,318 Fr. UUSJezahlt, also 2,914,426 mehr als fie eingenommen hatten, Auel) irn ver- gangenen Monat wurden 2,949,323 Frs. mehr zurückgezogen als eingelegt.
_ 17. Januar. (W. T. B.) Der „König hat in Folge der gesehehenen offiziellen Notifikation vom Ableben der Königin- Wittwe Elisabeth von Preußen eine 20tägige Hoftrauer an- geordnet.
Rußland und Polen. St. thersbnrg, 3. Januar. Das im Llusznge telegraphisck] mitgethetlte Kaiserliche Ma- nifest, betreffend die Einführung der abgemetnen Dienstpflicht, lautet: , „
Von Gottes Gnaden Wir, Alc'xaader der chxtx; Kaiser nnd Solbstvercschcr al] !: Reußcn, König von Polen, imromurst von Fina- land u. s. w. u. 1“. w. u. s. w. tbun aÜen Unsere'n getreuen Unter- thanen hiermit fand und xu wissen:
In der [*eständx'gen Sorge um das W051 Unseres Reiches nnd um V-rlpihung besiercr Institutionen für dasselbe- badewWir, nicbt umhin gekonnt, der bisher beitkbénden Art und WAs? für die Lei- stung der M'litärpflicht Unser Auxienmcrk zuzuwwden, Nach den bis j-“ßt zu Kniff bestehenden GeWen hattkn dieie Letstunq nur die Stände dcr Kleinbürgér und Bauern zu tragen, und ck_n gxoß-rr Theil russisckyer Untorthanen war von einvr Vkrpflicbtung befreit, die AÜW
leich be'ilig sein muß. Dieser Morus, der swb untsr anderen Ver- ?)ältnissen gkstaltet hat, entipricbt wede'r den vrrandcrtcn Bedingungen des Staatslebens, noch gcnügt er den Yuforderuugen an das Militär der Jeßtzi-it. Die jüngsten Erciguimo bahnt dakgotban, daß die Stärke der Sta-ziten nicht «Nein in der Musst der Trlwpa-n beruht, sondern vOczug€w§iie in den iittlicbcn nnd intkllekmcÜ-n Eigenscvaftcn derselbcn, die zur [1öchstkll Entfaltung erst dann aclnnqen, wenn die Sache der Vatexlandsvertheidigung Gemeingut dcs Volkes wird, wenn AUS, obne Unterschied dcs Berufs und W Standes, siti) zu diesem heiligen Werk voreinigcn. _ .,
In der Erkenntnis; der Nothwendigkcti, die'Org-znnaiion _der militärischem Kräfte di's Reiches nach den Fingerzeigon der derzeitigen chabrung-n ummgpstaltcu, befassen Wir im Jabre1870 dem Krii-gs- Minister, zur Abfassung von Entwürfen zu einem vollkommencren Modus der Komletirxwg Unserthrupprn unter Heranzie'bung aller Stände zur Militärwflickot zu schre1ten. .
Die erprobte Bcreitwilbgkcik Unic-rer Untert-“ancw. sicb dxr Hxi- mats) zum Opfer zu bringen, war [1116 eine Bürgickmft, dn]; Ume-r Ruf in den rusfischn Herzen eincn symvmhxscbpn Widerhnsl findcn Werde. Wir haben darin nicbt geirrt. Unser großborzigec Adel und die anderen, von der Rekrutiruns JUSJ1chlorsen n _Dkändc haben 11115 in vielfachen Kundgebungen _dcn freudigen Wunich erk nnen 1as1en, mit dem ubrigcn Theile der Bcvölkexrung die Bi'ichwerdeu des obliga- torisch€n Krichdienstcs zn fbÜlkn. _-
Wir haben diese Kundgebungen mit dem erhebenden Gcluhl dcs Stolzc's und mit ebriurchtövoller Dankbarkeit für die Vqriebnnx ent- g-“gengcnommen, wvlche Uns das Scevter über ein Vo|k_m die Hand gegeben, in dern die Likbe zum Vaterlandennd dte_Selb1tve-leugnung cin UlWi'käUßSklichks, von Geschlecht zu (Heicblccht nbcikommcnes Gut aller Stände bilden.
Um nacb den angedeuteten Haupigrundzüaen das neux'Statui über die Militärwflicht zu entwcrken, Wurd? fokann eine beiondxre Kom- mission aus Beamten verschiedener Rrssoeis und andere-nPexionen_1nit der erforderlichm Sachkenntnis; gebildxt. Das von der Kommnfion entworfene und nach eingehender Vkrathung vom Reick§raih«- verbesserte Statut ontspricbi vollkommcn Unseren Absichten. Von d'r Grund- besiimmuug ausgebcnd, daß die Vertheidigunn von Thron nnd Vater- land eins heilige Pflicht jedes rusfiichsn Untertbanen ist, _zst dieses Statut zur Betbeiliaung an der Ablcixtung der *))!Zlitaxpslicht die ge- sammte männliche Bevölkerung heran, ohne Zumßuug dis Loskgufs durch Geld odkr dcr Stellvertretung durch Freiwälitgc. Die W'rkmm- keit des nouen Gescßxs hat fich nur nich auf die_§iosaken[*evölkerung zu erstrecken, welche den Militärdienst in einer 711x419 festx-xjesten WZist leistet, auf einige Nichtcussen, das transkaukajixche Gebiet und anderc', in Unsercm Edikt an den dirigirenden Senat benannte enifekute Gegenden, fur wclche besondere Bestimmungen erl.1sscn weiden iollen. Mit diesen Aukmahmen und ' einzelnen zeitiveiligen Wer,;ünsti- gungc'n, die in demselben Edikt ierahnt sind, „wird die ge- sammte männliche Bevölkerung des Reiches und dcs Königreichs Polen nach Erreichung des Ztijälwigen LebenSalters dem Loos untcrwvrfcn, welches ein für allemal ent1che1d_e6Mx in den aktiven Dienst zu !rxtcn hat und wer von demselben befreit ist, Obgleich für die bci den Landirupven Dienenden eine allgemeine 15jährige Dicnstfrvst angenom- men lst, so Werden d1e1e1b_en doch na_ch Vcrlauf von seeds Jabren und, falls die Möglichkeit vßrliegk, auch früher entlassen, mit di'r Vorpflich- tung, sich auf den Ruf der Regierung nur bei Gelegxnheiten außer- ordentlichen militarncbm Bld-kaks zur Fahne zu slcÜen. Für die Mannschaften der Flotte und der in einigen entfernten Gcgendx-n sta- tionirten Truppen _werden besondere Dimstfristen fstge'cßt werden. Für junge Leute, die Schulunterricht, selbst den der Volksfclxul-n nicht anßgeick|ossem „genossen haben, wird die Dauer des obligatorischen Verbleibcns _bet den Truppen Zur JriedcnSzeit nacb rem Grad und der Art ihrerBildung bedeutend abgekürzt und außcrdem werden ihnen andere Wkienk'1xbe Erlcichterungen :uqestanren,
. Indem Wir das nach diesen Prinzipien en worfme Siatut über die Militarvsltcht bestäkigten und Unsere Unterthans'n im Namen dei uns allen thcnrcn Vaterlandes zu 1)ing:bendcr ErfüUung der ihnen anferlegxen Pflichten berufen, haben Wir nicht die Absichn die Grund- saße cinrzuchOc-n, denen Wir wäbrcnd Unserer ganzen Regierung unab- weichltch gefolgt find. Wir suchen nicht den Glanz des Kriegöruhmes,
"diesem Vorschlage nicht
wie Wir ihn bis jeßtnicbi gesucht haben, und schätzen als das séböuste Loos, das Uns Gott hat zu Tini! werden lassen, Ryßland ausdm _Wege fxiedlichen Fortschritts nnd allseitiger innerer Entwickelung zur (_Hroßezy fübrcn, Die Organisation einer gewaltigen Militäxmaxht wnd dieje Entwickelung wider aufhalten nccb verzögern; sie wird nn Gcgentlyeil ihren regelmäßigen und unaufhaltsamen Gang gewälvrleist-n, indem sie die Sicherheit des Reiches schützt und jedes Attentat auf seine Ruhe im Voraus abwendet. Mögen aber die den jungen Leuten, denen Bildung zu Thril gctvordcn, jcßi verlicl)enen_ wichtigen Vorrechte cin neues Mittel zur Verbrritung wahrer Aufklarunz 111 111179er Volke werden, in dcr„Wir dcn Grund und das Unterpfand seincs künftigcn Wohlergelxens erblicken.
Gegeben zu St. Petersburg am 1. Januar im Jahre des Hexrn eintaujend achiyundert und vierundsiebenzig, 11n1ercr Regierung im neunzehnxen. . . _
Das Original ist von Sr. Kaiserlichen Majestät Höch1t- eigenhändig unterzeichnet.
' _ 8. Januar. (W. T. B.) Der Feldmarschall General- lejutant Graf von Berg ist ernßlich erkrankt.
Schroeder: und Norwegen. Stockholm, 13. Januar. Auf Antrag der am 1. Januar eröffneten „Bank für Helsing- land“, haben alle schwedischen Banken, welche zum Aus- stellen von Zetteln befugt find, Erxaubniß erhalten, dieselben auf Kronen lautend auSzusteUen. _ Im nächsten Monat soll die Auswünzung des größten Theils der 10: und 20-Kr011en- stücke in Gold ihr Ende erreichen. Um die Verwechslung der W-Kronenstücke mit den 2-Oereftücken zu verhindern, gedenkt man den Glanz von den Bronzemünzen zu entfernen, so daß diese ihre urspiünglich dunklere Farbe beibehalten.
Amerika. (91.21. E.) Die neueste brasilianische Post bringt die Nachricht von dem Ende deo.“- Krieges in Entre- Riys. Der „Buenos Ayres-Standard“ vom 16. Dezember berichtet darü'er Folgendes: Die Regierungstruppen haben einen Höchst entschixdenen Sieg über Lopez Jordan errungen, .deffen Streitkräfte vöUig zersprengt wurden. Ueber 1000 Mann Zielen, die gesammte Nriillerie und Baggage wurde erbeutet, und
er Rebellenführcr selber ergriff mit nur 20 oder 30 Anhän- gern die Flucht. Die Freude, wclche disse Nachrichten in Vnsnch Ayres hervorgerufen haben, beweist die Bedeutung des Sieges, und eine der größten Ursachen der anhaltenden Handelsswcknng und Geldverlegenheii ist beseitigt worden, Oberst Grinza, der Iordcm besiegte, ist auf dem Schlachtfelde auf kaehl des Präfi- denten zum General proklamirt worden, und gestrige Telkgramme von Rosario melden, daß sämmtliche höheren Offiziere des Ior- dan sich im Laier einfanden, ihre Degen Übergaben und der Nationalrcgierung den Lehnscid leisteten. Die Angelsgenheii kann mithin als endgültig gercgclt betrachtet werden.
Oberst Martin de Gainza hat folgenden Bericht Über die Niederlage des Lopez Iordan erstattet: „Schlachtfeld, Don Gonzalo, Dienstag, 11 Uhr Abends. Heute stieß ich nach einem Marsche von 10 Meilen mit Jordans Armee, die aus 5000 oder 6000 Mann, incl. großer Massen Kavalleris und 5 Bataiilonen Infanterie nebst 8 Feldgeschüßen bestand, zusammen. Wir haben einen voUständigen Sieg errungen, indem wir die gesammte feindliche Infanterie tödtcten oder gefangen nahmen, während viele ertrunken oder vcrmißt werden. Wir erbeuteten auch die ganze Artillerie des Feindes 6 oder 7 Fahnen nnd eino. Menge von den Flüchtigen im Stich gklaffene Waffen und Mu- nitonMorräths. Seine Kavallerie flüchtete nach allen Richtungen hin, und wenn ich eine Stunde mehr TageSlicht gehabt hätte, würde ich Lopez Jordan, der mit einem kaolge von um: 40 Personen über den Strom seizte, gefangen genommen haben.“
_ Die peruanische Regierung hat eine aus fünf Mitgliedern bestehende Kommission ernannt, welche die Guano- lager in Peru inspiciren soll. Dieselbe hat in Iquique bereits ihr Werk begonnen.
_ (Monatsübersicht) Die durch die WLgUÜHML des „Virginius“ entstandenen Differenzen zwischkn Spanien und den Vereinigten Staaten, welche eine Zeit lang die Erhaltung friedlicher Beziehungen zu bedrohen schienen, smd durch das Ent- gegenkommen der spanischen chicrung glücklich beigelegt worden. Der Rest der gefangen genommenen Passagiere und Mannschaft Wurde am 18. Dezember in Santiago an den amerikanischen Kriegsdampfer „Iuniata“ ausvgelicfert und von demielben nacl) NewYork gebracht. Der „Virginius“ selbst wurde schon am 16. in Bahia Honda, wohin derselbe Tags zuvor von Ha- vannah gebracht worden war, dem amerikaniscixn Aviso- dampfer „De-Zpatck)" übergeben. Da es fick] bei der in Washington angestiUten Untersuchung herausgestellt hatte, daß der „Virginiu-Z“ nicht berechtigt gewesen war, unter amerikanischer Flagge zu fahren, so unterblieb bei der Uebergabe das von der amerikanischen Regierung friiher beanspruchte Salu- tiren der Flagge der Vereinigten Staaten. Während der Fnhyt nach New-York scheitene der „Virginius“ am 26. Dezember in der Nähe von Cap Fear in Nord-Carolina.
Am 1. Dezember trat in Washington der 43. Kongreß zu seiner ersten Session zusammen Da d.:S jeßige Rkpräsentanten- haus das erste ist, welches nach der auf Grund des Census von 1870 neu“ eingeführten DistriktSeintheilung gewählt wurde, so ist dasselbe um einige vierzig Mitglieder stärker als bisher. Was die politische Zusammenseßung des Kongresses anbetrifft, so hat die Regierung in jedem Hause iiber eine große Majorität zu ver: fügen. Im Senate "“,“..aden sick) 49 Republikaner, 18 Demoercken und 6 libernl. chnblikaner, im chräscntantenbause gehören 193 Mitglieder der Regierungspartei, 93 der Opposition an. Die an den Kongrkß gerichtete Botschaft des Präsidenten beschäf- tigt fick), neben der seitdem erledigten Virginius:Yugelegenbkit, hauptsächlich mit den finanzieüen Zuständen des Landes, nament- lich wird in derselben die Wiederaufnahme der Bmirzahlungen befürwortet, welche das einzige Mittel sei, die augenblicklich so zerrütteten Finanzverhältniffe zu einer gesimden Basis zurückw- führen. Ferner spricht fick) der Präsident darin zu Gunsten einer politischen Amnestie aus, welchem Wunsche das Haus durch die Erlassung eines Geseßcs, welches allen früheren Theiknehmcm an der Sezesßon voUe politische Rechts zurückgiebt, bsreits entsprochen hat. Der Kongreß hat dcn vom Marine-Minifter geforderten Kredit von 5 Millionen zur AUSrüstung der Kriegsmarine genehmigt. Dagegen war man bis zu der am 19. erfolgten Vertagung nicht darüber einig geworden, auf welche Weise das seit etwa 4 Monaten fick) zeigende Defizit in den Staatseinnahmen, wel- ches fich am 1. Ianu_ar bereits auf über 20 Millionen belaufen dürfte, für das nächxte Finanzjahr aber auf 42 Millionen ge- schätzt wird, zu decken wäre. Der cFinanz-Minister, welcher augenblicklich genöthigt ist, den Reservefond von 44 Millionen anzugreifen, hat den Antrag gestellt, dies durch die Erhebung neuer Steuern, namentlich durch Wiedereinführung der Zölle auf Thee und Kaffee, zu erreichen, doch scheint die Majorität betßimmen zu woklen, und statt einer neuen Anleihe oder der VeranSgabung wei.-
dessen Vorläufig ist die
teren Papiergeldes geneigt zu sein.
Regierung um Angabe der in allen Departements möglicherweise zu machenden Ersparnisse angegangen worden, doch dürften fich dieselben nicht höher als auf 5 Millionen be- laufen. Das vom vorigen Kongresse angenommene Geseß über die Erhöhung des Gehaltes der Kongreßmiiglieder, wodurch im ganzen Lande eine große Mißstimmung hervorgerufen wurde, ist abermals Gegenstand der Berathung gewesen. Im Hause beschloß man, da?: Gehalt auf 6000 Dollars und die wirklichen Reisekosten zu normiren, doch hat der Senat diesen Antrag nick1taiigen0n1men, vielmehr hat das Finanzkomite dcffelben vor- geschlagen, dies Gehalt auf die frühere Zölzer zu reduziren.
Die seit dem Frühjahre schwebende rage, welche der beiden Legislaturen, bez. welcher Gouverneur in Louisiana als rechtmäßig gewählt zu betrachten sei, ist noch nicht zur Ver- handlung gekommen; dock) hat fick) das Haus dazu entschlossen, voriäufig die Abgeordneten der Kellogg-Partci zuzulassen.
Die Schuld der Vereinigten Staaten belief fich am 1. De-
zember auf 2,150,862,053 DoÜnrs 46 C., nach Abzug des Be: standes an baarem Gelde und anHschließlick) der zu Gunsten der Pacificbahnen emittirten Obligationen. Dieselbe hat demnach seit dem 1. Novemb.r um 9,028,576 Dollars zugenommen. In Bezug auf die am 1. Januar 1874 fäklige Anleihe von 1858 zUm Betrage von 20 Mi11i911e11 hat der Kongreß die Bestim- mung getroffen, daß es den Inhabern derartiger Papiere frei- stehen sdlxe, dieselbe bis znm ]. Iuli gegen ander? fünfprozen- tige Obligationen zu vertauschen. - In industrieller Beziehung haben fick) die Verhältnisse bedeui-an gebessert. Die Mehrzahl der in den Neu - England Staaten und Pennsylvanien befindlicbc'n Woüen : und Bnumonenwaaren : Fabriken, welche in Folge der finan- zieilen Krisis geschlossen wurden, haben wieder angefangcn zu arbeiten. Ebenso haben die pennsykvanischen Eisenwerke begonnen, den Betrieb wieder aufzunehmen. Doch ist diese Wiederauf- nnhme fast überall mit einer Rednktion der Arbeitslbhne Um 10_20 pCt. verknüpft gewesen. Wie aus den auf eincr Muffen- Versammlung in New-York mit großem Enihufiasmus ange: nommenen Béschsiiffen hervorgeht, beginnen sozialistische Ten- denzen Unikr der dortigen ?lrbciter-Bevblkcrung um fick) zu greifen. In diesen Beschlüssen wird nicht nur das „Recht auf Arbeit“ und deren Beschränkung auf acht Stunden, sondern nach die „Vßrpfiickzmng“ der Gemeinde, die unbeschäftigten Ar- beiter und deren Familien auf öffentliche Kosten zu erhalten, beansprnckyt. Auch wird darin die Errichtung eines SichcrhciT-Q: Aussckwffcs in Ansfickn genommen.
Am 16. Dezmn' cr wnrde in Pennsylvanien die neue Kon- stitution dcs Staates mit großer Majorität angenommen, und wird dieselbe“ am 1. Jannar in Kraft treten. Die dadUrcl) ins Leben tretsnden Verändc-rnngen sind dnrchgreifender Art. Die Legiskatur wird um das Doppelte stärker icin, dock) werden die Bcfngniffe derselben in bobcm Grade eingeschränkt, und den größeren Siädten eine fast voUständige Selbstverwaltung ge- geben. Ebenso enthält dieselbe vielfach Bkftimmnngen, wclche eins Schnizwehr gegkn dix M11chtaixsdehnnng dcr Eisenbahnge- seUschaften Und anderer Korpc-ratibnén, nam0ntlick) uncl] gegen den Einfinß politischer Verbindungen bilden sollen. In den Staaten Ncw-York nnd Kentucky, wo ähnliche korrupte politische Organisationen [)(-rischen, wie bisher in Pcnnsnlvanisn, wcrden g(eickffuüs konstitUtidncUe Abänderungen beabsichtigt.
Mexiko. In Einzelnen Gegenden dauert die dnrch die neuen Kirchengeftßs hérvorgernfene Aufregung fort. So haben in Zinacaniepec, Tenancingo und Tejupilco blutige Aufstände der Indianer staitgsfnnden, welche indessen dnrck; die Energie der Behörden bald nntcrdriickt wnrden. Die Anstifter dkrselbkn, die katholischen Priester Arias und Gillas, bsfindcn fick) in den Hän- den der Regierung. Da indessen der Bischof von Queretaro das Volk aufgefordert hat, (][1811 Widerstand gegen die Regierung aufzngcbcn, so erwaxtet WM, daß die durch die Geistlichen ver- ankc1ßte Aufregung sick) überall in kurzer Ze-it [egen werde.
In Yucatan dauert die Revolution fort. Von Vsra Cruz Wurden Regiérungstruppcn nnch Progreso befördert, und schien es, als ob ernstliche Maßregeln gegen den Anführer der In- surgcnten VUSqnaz ergriffen werden soilten. Die Dcpntirten von Yucatan protestirtcn im Kongress gegen jede Intervention der Bnndesrsgiernng in die inneren Angelegenheiten dss Staates. Der Erklärnug dcr Regikrimg zufolge ist dieselbe indeffen nur auf die Aufforderung dsr mix dcm Gouvernenr in Konflikt ge- rathenen legislativen Versammlung erfolgt. -
Vom Kongreß ist die Einssßung einer aus 15 Deputirten und 14 SL'UÜWWU bestehenden Permanenz=Kommisfion be: schlaffen worden. Diestr Kommission, welche den Kongreß wäh- r-ynd dcr Fc'ricn desselben zn vertreten hat, steht das.“; Recht zu, nach Bcspxeckwng mit dsr Exekutivgewakt, und wenn zwciDrittcl dé“? Stimmen fiel] dafür erklären, cine oder beide Kammern zu einn" außerordemlick)en Sitzung einzuberufen. Von Seiten der Regierung ist ein Gcscß norgelcgt worden, wonach aile im Lande neu zu errichtende Fabriken nnd neu einzuführende Gewerbe"- zweige völlig frei von Abgaben sein sollen.
Zwischen Mexiko und Guatemala ist ein Auskiefernngs- vertrag abgeicksoffkn wurdcn.
Centralamerika. Seit der Vertreibung Palacios erfreut fick) Guatemala andauernd eines inneren Friedens. Die Re- gierung ist auf das Eifrigste darauf bedacht, für die Hebung der Landwirthschaft und Industrie zu sorgen, und sucht durch die Erricytung von Schulanftmten auch das geistige Wohl des Volkss zu fördern. Nucl] Salvador war ruhig, dock) hatte die ngie- rung in Folge des mit Nicaragna und Honduras abge- schlossenen Schuß: nnd Trußbündniffcs Truppen abgesandt zur Abwehr der unter Führung des Obersten Tinoco, angeblich mit Hülfe von Costa Rica, gemachten Invafion, welche bei San Bernardo gelandet war und sowohl Honduras als Nicaragua bedrohte. Tinoco besetzte am 23. November die im Depar- tement Chotuleca, nahe der Gronze von Nicaragua in Honduras gelegene Stadt Corpus. Die amtliche Zeitung von Nicaragua sagt, daß der Präsident von Costa Rica, Thomas Guardia, den Plan habe, im Verein mit Correoso Panama und Nicara- gua zu annektiren. Präsident Guardia dagegen beschuldigt Nicaragua kriegeriscber Gelüste, Und behauptet, daß es Costa Rica von allen Vortheilcn des intcroceanisckzen Kanals ans- scbließen wolle, auck) dränge es unfer dsm Vorwande, daß der Präsident von Costa Rica ass Verschwörer gegen den Frieden Central-Amerika's beieitigt werden müffe, zn Feindseligkeiten. In einer an das Volk von Costa Rica erlassenen Ansprache er- klärt Präsident Gnardin, daß er, von dem Wunsche beseelt, daß um seine Person kein Blut vergossen werde, sein Amt auf den ersten Sterertreter übertra, cn have. Demgemäß hat Salvador Gonzales, bisher Finanz-Mmister, am 21. November die Regie- rung übernommen.
In den Vereinigten Staaten von Columbien er- regte die Wahl des nächsten Präsidenten allgemeine Aufregung. Da dae.“- Recl)t der Wahl den LegiSlaturen der einzelnen Staa-
ten zußeht und die Legalität einzelne; derselben, angeblich wegen vorgekommener W.]hlfälschunqen, angefochikn wird, so wxrkt dies auch auf die Rechtmäßigkeit der Präfidentenwahldzurück.
In Panama hat der Präsident, General Nigra, sem Ann niedergelegt und fick) nach Buenoenmra cingescbifft. Der _Legis- latur des Staates ist es überlassen, einen Stellvertreter fur den Rest seines Amtstermins zu ernennen. Die Ruhe ist in Panama dadurch nicht gestört worden. .
Ans Grund der Grmizstreitigkeiten mit Columbien- hat der Präsident von Venezuela, Guzman Blanco, alle Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Columbicn abgebr0chen. Irn Staate „Iulia brach aus Veranlassung Liner vom Gou-verneur Pulgar erhobenen Kontribution von 30,000 Dollars eme Re- volution aus. Die Regieiungstruppen wurden gcschlagen UU? sieht man weiteren Znsammenstößm entgegen. Der übrige Theil des Landes war ruhig.
Bolivien. Der zu Anfang Oktober in Ehnquisaca eröff- nete Kongreß, ist am 7. November geschlossen worden. Ein Theik der von der chiexung verlangten Anlcihe wnrde bewilligt. Der fehlende Theil soll durch neue Steuern und Herabseßung der Beamtengehälier aufgebracht werden. Président Ballivian ift bereiis nach La Paz znrückgekchrt. DieGerüchte von der be- vorstehenden Abdanknng desstlbcn gewinnen mshr und mehr an Wahrscheinlichkcit, und dürfte in diesem Falle in'. Frias, wie nach der Ermordung des Präfidenkcn Morales, provisorisch die LeitUng der Staaicdesthäfte übernehmen.
Chili, Der Kongreß hat das neue Siraigescßbuck) ge- nehmigt. Von besonderer Bedeutnng find die darin enthaltenen Bestimmungen, welche die freie Llusübnng jedsr Religion fest- seßen und die Geistlichkeit in gewissen Fällen der weltlichen Ge- richtsbarkeit unterworfen. Die Regiernng bat den Antrag, jun- gen Damen, Welche fick) durck) eine Prüfung Über ihre Kenntnisse auSJewicsen haben, die Fakultätsstndien zn gestatten, genehmigt.
Die argentinische Regierung hat bei dcr ckilenischen Protest gegen die von der chterkn beabsichtigte Erbanmiq einst.“- Leucht- tlntrch am östlichen Eingangs der Magkilansstraße eingelegt.
_ Brasilien. Die religiöse Aufre'gnng ist in Pernambnco nn Wachsen. Der Bischof hat allen Gcistlichcn, zu deren KirckJen die interdiziricn Brüdersckjafxen gxhören, imisrsngt, Gottesdienst abzuhalten, und find in Jolgk dessen aUe Pfarrkirchen geschlossen worden. Die Vikare sind indessen dadurch mit der weltlichxn Macht in Konflikt gerathen, da der Präsident von Pernambuco verfügt hat, daß aUen dsn Gistlickzcn, welche nicht nachweisen
* können, daß sis regelmäßig Gotteszdienft abx-ebnlien haben, das
Gehalt ferner ni.?xt mehr ausbezahlt werden soll, 11111 die kieri- kale Partei zu stärken, haben die Ultralkontansn im ganzen Landedie Bildung von Knilwlikenvereincn unn-rndmmyn und dadurch der Regierung nene Sclnvisrigkeiten bcrcitct. Gegen den Blickwf von Para ist gleichfalls cine Untcrsncinmg eingeleitet worden.
Die Regierung hat ein Dekret vsröffenrlicht, wonack) vom ]. Januar ab wesentliche Vcrändernngkn in dcn bi§[)er erhobenen „Inschlägen auf die Einfuhrzbils eintrexen sdUen, Auch soll von demselben Zeiipnnkto ab von ailen frkmden Sckiiffkn, g(kicbviek ob in Baüast oder mit Ladung, ob sie aus einem fremden odcr einheimischen Hafen kommen, ein Hafengcld von 200 R81?) per Tonne von 1000 Kilogramm criwbcn wc-den, doch nicht öfter aiH secchmal im Jahre von demsklben Sibiffs. Eb-xnfo sollen in al1cn Häfen, in denen fick) Hospéiäicr befinden, Welche Seclkute Unentgelxlicl) aufnehmen, besonde ? Abgaben orboben werden.
Argentinische Republik. Die RcbeUion in Entre Rios ift noch immer nicht unterdrückt. Wie es sckzcint, versucht Lopez Jordan eine Entscheidung bis znm nächstcn Mai, zu wc-lckze'r Zeit die Präfidentenwalß stattfindet, hinzuzichen, Präsident Sarmiento, wekckwr fick) auf den Kriegssckxguplaß bsgcben hatte, ist nach BuenoE-Llyres znrückgekehrt. Eine Rescrve=Armee von 5000 Mann unter General Iwanowski soÜ in Rosano aufge- steUt werden.
Asien. Ans Calcutta wird den ,Time-Z“ vom 15. d. Mis. emcldet:
„ ie hi'ute cingegangxnen Berichte dsr Pflanzcr von Tirbui [anten schlimm«'r,_ Es ist unw.1drscheinlich, daß dcr V:“WKö-iig dit'seß Jahr Simm be1uchcn wird. Sir G. Campbkll hofft die' [*siße Saison in Caicuttn zuxnbcingcn. Er bat dsr Re'gie'rung xim'n V- mnsch1.1g für writers Einfuhren untcrbre-tet und ('r dringt auf ein erdot der Aus- fuhr. Jm lcßtcn Monat wurdcn 42,000 Tons Rcis (rwo-tirt Siber wird in C.1lcutta,Madras und Bombay kn.!vi). Schnee bat die Ankunft von Depc1ch€n yon der Kaicsnmr-G:]“andtickzait v-crhéndert, Ruisisckyx Want 11 sind in Yarktmd reichlich oorlmndcn Der T'ltalik ist im Bsgmff, eincn andarcn Gesandten naid Konstaniiiwpcl zu fan- den. Der Fürst von Llrcoi starb gcstcrn.“
Afrika. Die britischen Kriegsschiffe an der Gokdküße haben, wie ein Telegramm aus London vom 17. d. M. meldet, Befehl erhalten, fick) nach dem Kap zu bcgeben, wcik im Natal- lande Unruhen auSgebrdchen sind.
Statiftische Nachrichten.
München, 16, Januar. Von vorgcvtc'rn bis gestcrn Abend sind 21 Erkrankungkn und 10 TODCSfäÜL, yon gestern bis [)xute Abend 33 Erkrankungm und 21 Todesfälle an Ebolkra hier vorgckommen.
_ Nack) der „Austria“ unifaßte dcr PostNrkEbr in Wien i. J. 1872 “29222559 Br efe im internen, !!,-539.240 V. im inter- naiißnalen Vsrfcln, zusammcn 411761759 Blisse"; im internen FUN" postvexkehr 182,412 Packete nnd 2,527,236 (H-"ld- und chthsendungen im Gcsnmntwertl) von 3290897722 (55111541; im internationalen Fahrpostv-rkshr 169,290 Packete und 455,530 Geld- und ertbsen- dungen im Gcsammtwertli von 258656293053, zusammen im Fahr. poftve-kodr 351,70? Packt'ké' UW 2,582816 Gch- und Wcrxhsendungeu im Werthe von 587,746,0;5 G.
Landwirthschast.
Wien, 17._ Januar. Die „2133in 3.“ schreibt: Jn [&ndtvirtb- schaftliiben Krciftn ist von mercean Oxitcn der Wunsch goänßert ivor- den das; für jene LZVÜTU,_ die aus die außwärtigcn Woilmärkte gefuhrt, aber als unvxrfaust von denselben E1g«*nthümcrn zurückgeführt werden, der umexenens gezalxiie Ausfuhr- wwie der ji'nskjts gezahlte Einfuhrzoll rückcrjeßi, das heißt das volle Losungsvcrfgbren eingerämt werde,
Zur Information fü_r die_ bxtheiligkcn Kreise wird hier bemerkt, daß dcm erwähnten Wunicht', wiern es sich um die wichtiqsikn Wou- ;nälckifc in Dxutjchiand und Italien handelt, xhatsäkhlick) bereits ent- pro 7811 m.
Es [*.-steht nämlich einerseits _ein Ausfuhrzoü für Wolle nacb un- serem Zoiltartfe nicht und anderer1eits ist durch unsere Handclsverträge mit dem deunchen Zollvereine vom 9. März 1868, Refchs=Gcscßblatt Nr. 12 (Art. 63) und mit Italien vom 23. April1867, Reichs-Ge- seßblatt Nr. 108 (Urt. )( u,), hinsichtlich unseres Verkehres mit diesen Staaten das volle Losungver-“ahrcu für den Marktoeakcbc im Allge- meinen (außgenommcn bei Vcrzehrungégcgenstäudcn) schon eingeführt
worden. Verkehrs-Anftalten.
Berlin. Der Centralverein für chung der deutschen Fluß- und Kanalschiffahrt hielt am Sonnabcnd im Bürger-