garantie des Staats für das Anlagekapital einer Eisenbahn von Halle über Nordhausen nach Heiligenstadt. - Dann seßte das Haus die Bernthung des Etats des Ministeriums der geistlich en 11. s. n). Angelegenheiten fort. "
Zu Kapitel123 (Universitäten) lagen folgende Anfrage und
Resolutionen der Budgetkomnmfion bin:" _ _ .
1) Zu Tit, 1, 3 und 5 bei den Untyerniaisn Konigsberg, Bres- lau und Kiel die kauncration dcr Universitatskuraiorcn von 800 Thlr. in die Kolonne Dkk künftig wsgsallenden Zahlungen wiedsr aus-
unelmen. . . .. z )2) Zu Tit. 7. Bei der U:;ivcrfiiai Marburg eme ordentliche
Professur für National-Oekonomie inii _cinem Besoldungsbetrage von 1400 Thlr. in die Kolonne dsr knuffig Wegfallenden Angaben zu
übernehmen. _ „ „ _ _ „_ 3) Demnach die Kolonne „kunfttq wegfallend“ in folgender Wene
zu beschließen: Jn Tii.1 mit 6500 Thlr., in Tit. 3 mit 4150 Thlr., in Tit. 5 mit 3520 Thlr., in Tit. 7 mit 2850 Thlr.
4) Im Ucbrigen die Tit. 1-13 zu bewilligcn.
5) ZU Tii. 1. Die Königliche Staatsrcgierung aufzufordern: bei Voriegnng des nächstjährigcn Etats eine vergleichendeNachweisung über die Kur- und Vcrpfiegungskosten, Löbnc und andere Llusxzabexn bei dcn kliniicbsn Anstaltsn dcr Universitäten vorzulegen.
6) Zu Tii. 6. Die Königliche Staatsregierung zu eriuchcn, mit dem Etatscniwurf pro 1875 Line Denkschrift iiber die Entstehung, den rechtlichen Cbaraktcr und dm Umfang der Verbindlichkeitcn des han- noverschén Klosterfonbs dem Hause vvrzulcgcn.
7) Zu Tit. 9. Die Königlicbe Staatsregikrung aufzufordern: durcb Verstärkung des Staatözuichnffi's auf eine Erhöhung der Aus- gaben für die Pauliniicbs Bibliothek an dsr Akademie zu Münstér im Etat Pro 1875 Bedacht zu nehmen.
8) ZU Tit. 1-8. Dis Königliche Staatsrkgierung aufzuwrdern: im nächsten Eiai dafür Sorge zu tragen, das; die Minimalgebalte dcr außerordentlichen Professoren angemessen erhöht Werden.
Nachdem der Abg. ])]: Virchow als Referent der Budget-Kom- * mission diese Anträge motivirt hatte, sprach der Abg. Kreci) seine Freude darüber aus, daß endlich auch die Universität Greifs- wald einen Staatsznschuß erhalte; es wäre schon Vieles ge- leistet, es wäre aber noch mehr zu leisten, denn die meisten In- stitute und besonders die Bibliothek entsprächen durchaus nichl den Bedürfnissen. Es wäre zu wünschen, daß Greifswald in dem künftigen Etat nock] höher bedacht würde.
Nachdem die Regierungs-Kommiffarien Geheimer Ober- Regierungs-Ratl) Knerk und Professor ])t'. Geppert dem Refe- rent erwidert hatten, daß die Regierung fich damit befasse, Ver- besserungen Überall möglichst eintretsn zu lassen, ergriff der Minister der geistlickxn n. s. n). Angelegenheiten Or. Falk das Wort, nm spezieil fiir die Universität Marburg die Beibehaltung der Professur für Nationalökonomie zu befürworten; darauf ver- theidigte fick] der Finanz-Miniftkr Camphausen dem Referenten gegenüber gegen den Vorwurf der Kärglichkeit. Nachdem der Abg. Miqnel darauf aufmerksam gemacht, daß die Universität Göttingen sehr ungünstig gestcilt sei, ergriff der Abg. Dr. Lasker das Wort, um dem Finanz : Minister Camphausen zu antworten, daß allerdings gegen frübcr mehr ge- schehen sei für Universitäten; daß aber noch viel mehr dafür geschehen müßte, wenn nnr einigermaßen den Ansprüchen genügi wcrden sbUie. Nach einigen bcrichtigenden Bemerkungen des Finanz-Ministers und des Ministors der geistiicknn Ange- !egenheiten, sowie des Referenten genehmigte das Haus die Titel Mit allen Anträgen der Kommission. Bei Schluß des Blattes trai das Haus in die Diskussion eincs Antrages des Abg. Virchow:
iisKön5g1iche Staais1egierung aufzufordem, in Erwägung zu ziebcn, ob nicht die landwirtbichaftlicknn Anstalten zu Eldena und Poppels- dorf in eine unmiiieibarcVerbindung mit den Universitäten zn Greifs- Wald und Bonn zu bringen und untcr die Verwaltung des Ministers der geistlichen, Unierricbts- und MedizinalWingelsgenlxiien zn stellen find.
- Die Sammlung des Deuiscben Gewerbe-Museums hat durch Herrn Wilhelm Borckxrt eine galvanoplaftisckx Nack)- bildung von 30 Stücken dcs «Hildesheimer Silberfundes aus der Fabrik von Christoflc in Paris zum Geschenk erhalten. Dieselbe umfaßt nile künstlerisch ausgestatteten Theile des Schaßes Und ist mit Zuhiilfenahme der von Kiisthardt in Hildeshirim gemachten (HipSabgiiffe auf das Sorgfältigste hergesteilt.
Da galva110p1astischc Nachbildungen iiber Originale noch nicht hergesteilt smd, so find die Cbristofle'sck)en Nrbeiien die besten vorhandenen Kopien dieses berühmten Schaßes, welcher in dieser vollständig zusammengeseyien und ergänzten Nachbildung ein besonders glänzendes Gesammibild gewährt.
Poisdam, 30. Januar. Am 27. d. Mis. starb hierstlbst der Königliche Obcr-Regierungs-Rath und Dirigent der hiesigen Regierungsabtbeilnng für indirekte Steuern, Rudolph Gustav Bamihl.
Bayern. München, 28. Januar. In der heutigen Sitzung der Kammer der Abgeordneten beaniwortete der Minister-Präfideni von Pfriizschnsr dic jüngst vom Abgeordneten Stenglein gestellte Interpellation wegen Forts 91311119 der Kronacher- bahn nach Norden dahin, daß er nichi sagen könne, ob und wann das Bahnprojeki zur ?iusfübrnng gelange, das betreffende Konsortium habe die zur Kaution hinterlegte Summe zuriick- verlangt, und eine geseßlicbe Vcryfiicbtnng znm Bau dieser Bahn auf Staatskosten liege nicht vor. Eine Inicrpellaiion des Ab- geordneten IuliUs Knorr: ob noch diesem Landtag ein Gesetz- entwurf iiber die Ausscheidung di'r Kompetenzen der Polizei- direktion, des Magistrats und dcr Lokal-Bankbmmisfion München vorgßlegt werde, wurde vom Minister von Pfeufer bejaht. Der Wafferban-Efat wnrde nach den Anträgen des Ausschusses an- genomMen, darunter auch die Summe für die Hersteüung eines Staatshafens und Ländcbaues am Main bei Würzburg. Der Bau=Etat des Finnnz=MinisteriUms wurde ebenfalls nach den Ausschnßanträgcn genehmigt. Heute Abend wird über das pro- visorische Sienergescß beraihcn werden.
- Der Finanzausschuß der Kammer dsr Abge- ordneten hat den gestern von der Staatsregierung wegen der zu erwartenden Vertagung des Landtags eingebrachten Geseß- entwurf bszüglick) der provisorischen Steiiererhebnng und vor- läufigen Bestreitnng besonderer Ausgaben für 1874 (und zwar bis zum 30. Juni 1). I.) schon gestern Abend erledigt. Dcr Ausschuß beantragte mii nicbt wesentlichen Aenderungen die An: nahme des Geseßentwnrfs, durch welche auch die Tkjeuerungs- zulagcn der Beamten, sowie fie die Kammer bei der bisherigen Budgetdebatte beschissen bat, bewilligt werden sollen. Sobald über den Gesexzentwurf_Gesammibeschluß beider Kammern erzielt ist, was wohl bis Freitag oder Sonnabend der Fali sein wird, erfolgt die Vertagung der Kammern. Nack) Beilage s, zu die- sem Geseßeniwurf erhalten als Jahresbeitrag der Theuerungs- zulagen: 1x. Präsidenten der Appellgerichte, dann Klasse 1. und 11. des Regnlativs von 1872, sowie die betreffenden Be- amten gleicher Kategorien 420 sl., 13. 11]. und 17. Klasse 350 fl., 0. 7. bis 7111. Klaffe 280 fl., 0. 1x. und )(. Klasse 210 ft. - In der Beilage 8. ist eingestellt; Für die Pensionisten: für einen
Penfionsbetrag unter und bis inkl. 600 fl. 20 Proz. Zulage, für einen Penfionsbezug von 601 fl. bis 1200 fl. 15 Proz. Zulage und für einen Penfionsbezug von 1201 fl. bis 1800 fl. 10 Proz. - 2) Für die Wittwcnpenfionen unter und bis 200 sl. 20 Proz. von 201-400 fl. 15 Proz., von 401-600 sl, 10 Proz. Zulage. 3) Fiir Doppelmaisen: für den Bezug unter und bis 60 sl. 20 Proz., von 61-120 sl. 15 Proz., von 121-180 fl. 10 Proz. 4) Für einfache Waisen, für den Bezug unter und bis 40 fl. 20 Proz. von 41-80 sl. 15 Proz. und von 81-120 sl. 10 Proz. Zulage,
- 29. Ianuar. (W. T. B.) Die Zweite Kammer be- schloß heute, die Staatsregierung zur Forterhebung der Steuern nach den gegenwärtigen Normen bis zum 30.,Iu[i
d. I. zu autoristren, auck) dieselbe zur Erhbbnng des Tarifs für-
den Personeniransport auf den Staatseisenbahnen und zwar um 153 Prozent in erster, um 15 Prozent in zweiter und um 103 Prozent in dritter Klasse zu erxxiächtigen.
- 30. Januar. (W. T. B,) Der Kaiser von Oester- reich ist heute Morgen zum Besnck) seiner Tochter, der Prin-
zessin Leopold [von Bauern im strengsten Inkognito hier ein- YiroffeuÉZ-“Z
MFSachfen. Leipzig, 28. Januar. Der König und die Königin find heute Nachmittag bier eingetroffkn und von der Bevölkerung in enthusiastischer Weise empfangen worden. Schon Tage lang vorher war an einer ebenso finnigen als geschmack- vollen Ausschmückung vornehmlich der Straßen und Plätze, welche das Hohe Königspaar bei seinem Einzuge pasfiren würde, gearbeitet morden. Von der Bürgerschaft war die ausgedehnteste Thätigkeit in der Ausschmückung dec Häuser und Geschäftsge- wblbe entfaltet worden. In den Handlungen waren kostbare Stoffe sinnig zn Tableaux und Gruppen vereinigt und mii den Wüsten und bez. Portraits Ihrer Majestäten geschmückt. Vor dem Haupt-Portal des Raihhauses war eine Estrabe errichtet und mit Flaggen, Wappen, Emblemen, Laubwerk 26. rcick] verziert, Während das Rail)- haus selbst in vollem Schmucke prangte». Der Königliche Extra- zug lief um 12 Uhr in den Dresdensr Bahnhof ein, woselbst sich zur ebrfurchisvollen Begrüßung der Majestäien eingefunden hatten: die Herren Kreisdirekwr V. Burgsdorff, Stadtkbmmandant General-Major 1). Months, Bürgermeister br. Kock), Vice-Bürger- meister Vr. Stephani, Polizei-Direkwr 0x. Rüber, Stadtverord- ncten-Vorsteher 1112Georgi, der derzeitige 1290101" maanfiCuZ, der Reichs:Oberbandelsgerick]is:Präfident, der Bezirksgerichts- Dirckior, die Staatsanwalts, mshrere Räthe der Kreisdirektion und des Bezirksgerichts, der Ober-Postdirekwr, die Vorstände der Gerichisämter ]. und 11., der Universtiät-ZricbWr, der Amis- !)auptmann, der Direktor der Landeslotterie, die Direktoren der Leipzig-Dresdener Eisenbabn-Compagnie n. s. n). Beim Eintritt in den Empfangssalon richtete Bürgermeister [)r. Kock) an Ihre Majestäten eine Ansprache.
Nach der offizielien Begrüßung Ihrer Majestäten nahmen
dieselben in dem bereit gehalten-zn Hbfwagen Play, und es er- folgte nunmehr unter Glockengeläute der festliche Einzug dnrck) die Bahnhofsstraße, Nugnstusplaiz, Grimmaische Straße, Markt, Katharinenstraße, Brühl und Goethestraße zum Paiais in folgender Ordnung: Dem Zuge voran ritt eine Kavalkade von freiwiilig zu diesem Zwecke vsrcinigten Hcrren, ihr folgten der zngfiihrende Wagen (Stadtrail) Peucker), der Wagen mit dem Bürgermeister und den Stadtverordnetenvorstehern, der Wagen des Kreisdirektors, der Wagsn mit den Majcstäten (zu beidsn Seiien xittsn der Königliche Ober =Stallmeister und der Stadt-Kommandant, General-Major v. Monibé), die Wa- gen des Königlichen Gefolges und die Wagen der Empfangs- Depntationen. Schußmänner und Feuerwehrleute scl)loffen den Zug, der vom Austritt der Majestäten aus dem Bahnhof bis zum Einiri:t in das Palais von dcm Jubel der Bevölkerung begrüßt. - Als die Holzon Herrschaften bis an die gibße Ebrenpforte am Augustusplaße und am Eingangs znr Grimmaiscben Straße angelangt waren, traien fünfzig wcißgekleidete Iungfranen, den bestsn Familien der Skadi angehörend, hcrvor,„ deren Führerin den König bcgrüßte, Auf dem Marktplaße hatten die Studentenschaft, sowie die Miiitärvereine nnd die Innun- gen und Korporationen sämmtiick) mit den Fahnen sick) anfgestellt und Spalier gebildet. Als dEr Zug vor dem Raik)- bcnise selbst angelangt war, traten die Herren Vice-Bürgkrmeifter 1)1*.Siep[)ani und Stadtverordneten:Vorsteher ])r, Georgi an den Wagen, von denen der Lcizcre einc Ansprache an die Ma- jestäten hielt. Dnnn seßte dcr Zug seinen Weg fort, Übsrall von Hochrufen begleitet, Mittags 14 Uhr wnrden die Mitglieder des Raihs und die Stadtverordneten in [)10110 empfangsn.
Der erste Besncl) dcr Majestäien gnlt dcm inpographisckzen Institut von Giesecke und Devrient. Nack) der Rückkehr Ihrer Majestätcn ins Pnkais fand daselbst große Tnstk statt, zu welcher die Vertreter der Königlichen und städtischen Behörden und die hiesigen Konsuln Einladungen empfangen hatten. Mit dem Einbrnche der Dunkelheit strahlten die öffent- lichen Pläße, namentlich aber das Rathhaus und der Platz vor .dcm Palais im voilsten Lichterglanze. In den späteren Abendstundcn aber brachten die hiesigen Gesang- vsreine den Majestäjen einen Fackelzng nebst Serenade.
- 29. Januar. Heute Morgsn 7 i Uhr fuhr der König und der Prinz Georg nebst Gefolge in Hofeqnipagen zur Jagd auf Ehrenbergor Revier. Morgen Vormittag zwischen 9 und 10 Uhr findet nuf dcm Augustusplaß vor Sr. Majestät große Parade des hier garnisbnirenden achten Infanterie-Regi- ments Prinz Johann Georg Nr. 107 statt.
Württemberg. Der „St.=2[. f. W.“ vom 29. Januar tlzeili die Verlobung des Herzogs Wilhelm Eugen von Württemberg mit der Großfürstin Vera wie folgt mit:
„Stuttgart, 27. Januar. Mit Zustimmung der beidersei- tigen Hohsn Eitern und mit gnädigfter Genehniignng Sr. Ma- jestät des Königs, sowie Sr. Majestät des Kaisers von Rußland, als der Oberhäupier dcr bkidcn Höchsten Häuser, hat Heute in den Appartements Ihrer Majestät der Königin die feierliche Verlobung Sr. Königlichen Hoheit des Herzogs Wilhelm Eugen von Württemberg, einzigen Sohnes des zu Carlsruhe in Sch1efienwohnenden Herzogs Engen Erdmann und der Herzogin Mathilde, geb. Prinzesfin,_ von Schaumburg- Lippe, mii der Nichte Ihrer Königlichen Majestäten, der Groß- fürstin Vera, Tochter Seiner Kaiserbeben Hoheit des Groß- fürsten Constantin von Rußland nnd der GroßfürstinAlexandra, geb. Prinzessin zu Sachsen-Altenburg, stattgefunden.
Durch die Verbindung des Ihren Majestäien so nahe ver- wandten Herzogs mit der Frau Großfürstin Vera, welcbe Hbchftdiejelben stets wie Ihre eigene Tochter betrachtet haben, ist die ganze Königliche Familie mit innigster Freude erfüllt wor- Zen, PZlche ficher auch im Lande einen frohen Wiederhall fin-
en mir .“ '
Baden. Karlsruhe, 26. Januar. Nach der geßrigen Bürgeraussthußfißung folgte eine Besprechung über den Städteordnungs-Entwurf. Die Versammlung ersuchte die anwesenden Abgeordneten, in ihrer Fraktionsfißung zu er- klären, daß erstere die Vertagung der Beraihung dieses Ge- seßes in den Kammern als nothwendig erachte,
Hessen. Darmstadt, 27. Januar. Auf Befehl des Großherzogs ist den Ständen ein Geseßesentwurf wegen Revißon der Bestimmungen übst Verseßung der Civil- beamten in den Ruhestand zur verfaffungsmäßigen Zu- stimmung vorgelegt worden. Ebenso wurde den Ständen auf AUerhöchften Befehl ein Geseßesentwnrf wegen Aufhebung des Geseßes vom 14. August 1867 über die Aufbringung der Kosten für das znr Erbauung von Eisenbahnen erforder- liche Gelände vorgelegt.
chcklenburg. Schwerin, 29. Januar. Der Erb- großhcrzog und derFürstWindischgräß ncbstdreiPrin- zessinnen Töchtern find gestern Nachmittag bez." heute früh hierselbst eingetroffen.
Sachsen-Weimar-Eifenach. Weimar, 29. Januar. Der Fürst Renß j. L. Heinrich )(71, kam heute zu einem Besuch am Großherzoglichen Hofe hier an.
Schwarzburg =Sondershaufen. So nder shaus en, 26. Januar. (R. n. N. Bl.) In der heutigen öffentlichen Sißung des Landtags wurde der Antrag, betreffend die Einführung von Tagesjagdkarien, bei nochmaliger Abstimmung abgelehnt. Der von der Staatsregierung eingebrachte, aus 17 Paragraphen be- stehende Entwurf eines Gesetzes, Abänderungen der Feldpolizei- Ordnung vom 1. April 1854 betreffend, gelangte, nac!) Bericht- erstattung durch den Abg. Reinhardt, zur Annahme.' Das Ge- setz hat den Zweck, mancherlei Uebclstände, die fick) aus der äl- teren FeldpolizeiOrdnung nach den seit ihrcm Erkaffe eingetre- tenen wichtigen Veränderungen in den thatsächlichen und recht- lichen Verhäliniffen auf dem betreffenden Gebiete herausgestellt haben, zu beseitigen, Ueber den aus 3 Paragraphen bestehenden und von einer ausführlichen Darlegung der Motive begleiteten (Heseßentmurf, betreffend die Abänderung des §. 7 des Geseßes vom 10. März 1852 über die gerichtliche Zuschreibung, berichtete Abg. Helmkampf als Vorstßender der Deputation für Rechts- pflege. Dem Anirnge der Deputation gemäß wurde dem Gsseß- entwurfe die Uerfaffiingsmäßigc Znftimmung im Ganzen ertbeilt.
- 28. Januar. In der heutigsn öffentlichen Landtags- ficZung wurde die Petition mehrerer Gemeinden der Unterherr- s aft, sowie der Antrag des Abgeordneten Weberstedt, beide darauf abzislend, daß den Gemeinden gegsn Gewährung der ge- seßiickxn Lehrergbbalie die Bennizung der zu den Sck)uiftel]en gehörigen Landgrundftücke u. s. w. Überlassen Werde, nacl) län- gerer Debatte abgelehnt. Sodann wurden in geheimer Sixzung, deren Protokol] aber zu veröffentlichen beschlossen wurde, der Stantsregierung 25,000 Thlr. znr Aufbesserung der Beamten- gehalter zm: Verfügnng gesteiii. Sodann beschloß der Landtag, die Fürstliche Regierung zu ersuchen, daß den öffentlichen Die- nern der Eintritt in die Direktion oder den Verwaltungsraih von Aktiengssellschaften untersagi werde._,-
Lubeck, 29. Januar. Die „Lüb. Anz.“ publiziren fol- genden vierten Nachtrag zu dem Geseße vom 29. September 1866, das Unierrichtswesen im Liibeckischen Freistaate betreffend:
Der Ssnat bai“, im Einbetneinncn mit bei Vüigersäyxlsl, (*e- schlossen und bringt hiermit zur öffentlich Kunde:
Dem Art. 41 “des Geiyßcs vom 29. September 1866, das Unicr- ricbtswesen im Lübkckischen Freistaaie betrsffcnd, wird die folgend? vsrändsrte Fassung gcgcbcn:
Ari. 41. DiE *Sckulpflichtigkeit beginnt mit dem auf das voll- c'ndcte icclnic stsnsjnbr näcbsifolgondx'n Ostern, beziehungsweise Mi- cbaclis, und erstreckt sicb bis zu dem auf das vollendete vierzcbnie Lebensjahr folgenden Ostern, sofcrn ni-(bi auxinahméiveiw eine Disycn- miion durch das Ober-Schulkoilcgium _cri'hc'ilt iii.
Gegebkn Lübcck, in dcr Vcrsammiung dss Senates, am 26, Ja- nuar 1874.
Oesterreich=Ungarn. Wien, 28. Januar. Der „P. Lioyd“ meldet: Die Kaiserin wird am 2. Februar von Ofen nach Wien und der Kais er in den nächsten Tagen von Wien nack) München zum Besuch der Erzherzogin Giieia fahren. Für den 4. Februar ist ein Hofball in Wien angesagt, auf welcbem Beide ?))iajestäien crsch€inen; einige Tage später tritt Se. Majestät die Reise nach Petersburg an.
- In der hsnjigen Sißung des Herrenhaus es wurden
“die auf der Tagesordnung stehenken Geseßentwürfe den Kom- missionen zugerbiesen. Fürst Schwarzenberg begründete seinen Aukrug auf Ausdehnnng der STLULTer-iheii auf Bauten in klei- nen Siäbtsn und anf dkm flachen Lande, worauf der Finanz- Minister bemerkte, daß er einen solchen Geseßcntwurf bereits im Abgeordnetenhause eingebracht habe; der Antrag ward der Finanz- kommission zugewieicn. Sodann fanden die Kommissions- Wahken statt.
- Ueber den am 28. d. M. in Zürick) verstorbenen General Freiherrn L waig vo n G ab [ enz Lainebmen wir der „N. FUBU“ Folgendes: Der Verstorbene war von Geburk kein Oosterreicber. Seine Wiege stand in chm, wo er 1814 als der Sohn eines sächsischen General-Lieutcnanis geboren wurde. Von frühester Jugend auf für das Militär bestimmt, besuchte er anfänglicky die Dresdener Ritter-Akademie, trat später in die sächfische Armee und Wurde Lieutenant in dcm Garde-Reiier-Regiment. Seinem Drange nack) Thaten boi aber die Unterländisck)e Armee keinen Spielraum, und so snck)te und fand er denn in der Folge Auf- nahme in die österreichisibe Armes, der er seit jener Zeit, 1833, ununterbrochen angehörte und zu deren hsrvorragendften Führern er zählte. Nn Gablenz Namen knüpfen fick; viele der ftolzeften Erinnerungen des Kaiserlichen Hceres. Seine erste Feuerprobe legte Gablenz in Iialien ab, wo er in zahlreichen Schlachten, Gefechten und Scharmützeln kämpfte und Lorbeeren errang. 1848 wurde Gablenz aus Italien, wo er es schon bis zum Major gebracht hatte, znrückberufen, und nach der Einnahme von Wien erfolgte seine Ernennung zum Gencraistabs-Chef des gegen Ungarn operirenden Sch1ickschen Corps. Hier war es, wo Gablenz fick] durch seinen verwegen erkämpften Uebergang iiber die Theiß und durck) den Sieg über die weit überlegenen Insurgenten bei Kaschau die höchste militärische Auszeichnung, das Therc-fienkrenz, errang. Von Ungarn wurde Gablenz nach Wien berufen und nun wie- derholt vom damaligen Minister-Präfidenten, dem Fürsten Schwarzenberg, zu diplomatischen Missionen verwendet, Welcher Aufgaben er fick) mit Gcschich und Takt entledigte. Im Jahre 1854 rückte er zum General-Major vor und ward Brigadier beim siebenten Armee-Corps. Als solcher nahm er auch an dem Kriege des Jahres 1859 Theil. Die glänzendsten Erfolge und große,
allgemeine Popularität errang Gablenz während des Winterfeld-
zuges gegen Dänemark, den er als Führer des Kommandos über das sechste Nrmee-Corps mitkämpfte und in welchem Ruhm und Sieg fick] an die Fahnen seiner Truppen befreien. Als nach dem Friedenssckgluffe das Gros der Truppen mit Gablenz an der Spiße nack) Oesterreich zurückkehrte und in Wien seinen Einzng hielt, da kam die Beliebtheit, deren fiel) der Fsldberr bei dcm Volke erfreute, zum lebhaftesten Ausdrucke. Der Gemeinderatk) ernannte Gablenz einthig zum Ehrenbürger von Wien. Zwei Jahre lang weilte hierauf Gablenz als Statthalter in Schleswig- Holstein und kehrte erst wieder nach Oesterreich zurück, um an dem Feldzuge von 1866 tbeilzunehmen. 1867 trat Gablenz aus GesundheitSriicksichten in Disponibilität und verblieb in derseiben bis zum Jahre 1869, wo er zum Kommandirenden in Ungarn ernannt wurde. Hier ward Gablenz die schwierige Aufgabe, ver- mittelnd und wohl auc!) rersbhnend zwischen der Reick1sarmee und den neugeschaffenen Honveds zu wirken. Es ist dies auch seinem Takte glücklich gelungen. 1871 ging Gablenz mit dem Range eines Generals der Kavallerie in Pension.
Seit 1867 war Gablenz Pair von Oesterreich, In dieser Eigenschaft fand er oft Gelegenheii, seine liberale Gesm- nung und seine Vcrfaffnngstreue zn bsthätigen. Als fast stän- diges Mitglied der Delegationen entfaltete Gablenz auch in den einzelnen Sekiionen eine bemerkenswerthe Thätigkeit und führte mehrere wichtige Referate. Baron Gablenz war seit 1853 mit Helene Baronin von Eskeles vermählt. „Dieser Ehe entstammen zwei Söhne im Alter von 16 und 17 Jahren und eine Tochter, die gegenwärtig 14 Jahre zählt. Gablenz domicilirie abwechseind in Wien und Graz. Die Nachricht von der schwersn Erkrankung seines Bruders rief ihn vor wenigen Tagen nach Zürich, wo ihn, der in voller Gesundheit und Riiftigkeit zn stehen schien, ein unerwarteter Tod ereilte.
Post!), 28. Januar. Im Eisenbahn- und Fi1ianzansschuffe wurde die Ostbahnvbrlage mit vierzehn gcgen vier Stimmen mit dem Zusaße angenommen, daß die eingeleitete Untersuchung durch Annahme des Gcicßentwurfes nicht präjudizirt werde. Die Teak-Partei beschloß mit großer Majoriiät, für den Gesetz:
- eniwurf zu stimmen.
- In der Sißnng dcs Abgeordnetenhauses inter- peUirte Ernst Simonni die Regierung Wegen des Umstandes, daß die Konzesfionsnrkunde der Ostbahn, ohne der Legis- laiive vorgelegt zu werden, der AUerhbckzsten Sanktion unter- breitei wurde; ferner, daß die wechselgericht1iche Protokbüirnng der Firma dieser Bahn ohne vorhergängige Inarti'kuiirnng der Staiuten vorgenommen wurde; er verlangte die Vor- lage der bezügkichen Aktenstücke. Gorove, als Präfideni des In- compatibilitätsausicßnffes, erklärte, daß die Mitglieder desselben zum großen Theile in anderen Ausschüssen in Anspruch genom- men und dadurch an der Erfüllung ihrxr Anfgnbe verhindert seien“ das Haus möge daher en1scheiden, ob eine Neuwahl vor- zuneßmen sei oder die Verathungen des Ausschusses ans einige Zeit suspendirt werden könnten. Die Majoriiät entschied fick] fiir die Vbrtagung dex Ausschußberathungen Sodann wurde der Bericht des Eisenbahn: und Jinanzansstbnffes iiber den Ostbahn- Gcseßcntwurf vorgelegt und den Sektionen überwiesen; der- selbe gelangt wahrscheinlich Übermorgen zur Verbandbmg.
- 30. Januar. (W. T. B.) In der heutigen Siizung des Centralachschusses erkiäric der Minister-Präfideni v. Szlam], er habe bisher die Annahme des Gcseßentwurfs über die Ostbahn nicht als eine Kabinetsstage bezeichnet, um keine Presfion ansznüben; es sei ihm aber unmöglich anzunehmen, daß man im Faile der Ablehnung des Entwurfs ihm die Fort- führung Iss Portefeuilkes znmnthen könne. Ein Minister, der im Auslande mn Ansehen verloren habe, dürfe nicht länger an der SpiHe der Regierung bleiben.
SchWeiz. Bern, 29.Ianuar. (W.T.B.) In der heniigen Sitznng des Naiionalraths wurde vom Bundespräfidcnten Sckzenk und dem Bundesrats)e Céresole betreffs der am 27. d. M. eingebrachien Interpellation konstatirt, daß allerdings Umtriebe stattgchnden hätten, um eine I ni e rv ? n t i b n Seitens einer fremden Macht zu Gunsten der Ultramontanen [)erbeiznführen. Der Bundesrats) babe indes; die erforderlichen Maßregeln dagegen getroffen. Zum Verfasser des von dem Journal „Confézderéz“ (in Freibnrg) vcrbffentlichten bezüglichsn Memorialcs habe fick) der Nationalrath VuiÜerLt bckannt, und der Abbé- Cailct, bei welchem fick] ein Packsi mit ZUÉLLDLUÜOUÖJLslilhen vorgefnndcn, sei verhaftst worden. Nationalraik) VUiUereT erklärte, Er habe das gedachte Mémoriak in seiner Eigenschaft als Advokat ver- faßi. Nach längerer Debatte wurde der Anirag, dicMißbiUigung der im Mcmoriale VUiUcrets kundgegebencn Ansichten auszu- sprechen, in der Erwartung zurückgezogen, daß Vnillerct seincn Siß im Nationalratbe aufgeben werde, und der Uebergang znr Tagesordnung beschlossen.
- 30. Januar. (W. T. V.) Der Urheber und bis Ver- breiter des in Bar [6 Duc gedruckten Aktenstücks, welches die Intervention der Mächte zu Gunsten der Ultramontancn anruft, WLde, gutem Vernehmen nach, vor die eidgenösfiichen Nissen verwiesen werden.
Niederlande. Haag, 26. Iaimar. Eine heute Nack)? miiiag bim? ausgegebene Extrabeilage dos „Siaats-Ebnrant“ brachte foigende Mittheilung: „Nach einem [)ente Morgen ein: getroffenen vorläufigen Berichte des niederländischen Konsuls in Penang ist der Kraton von Ntckzin mit sehr geringem Verluste genommen worden.“ Mit Blißesickwells verbreitete der Telegrnpb disse Freudenboischaft nach allen Hauptortcn des Reichs, und schon cht von allc'n Seiten die te-[egraphiscbe M01- dung ein, daß die Knnde von diesem, den voilständigsn Erfolg des Feldzngcs entscheidenden Ereignisse alicrorts den größten Iubcl bervorricf; iiberall Wurde sofort auf den Staats: und Gemeinbegebäuden die nationale Flagge zur Feier des ruhm- reichen Sieges aufgshißt; bésondcrs enthusiastisch waren die Freudenbszeugungsn in Amsterdam und Rotter- dam; fast undurchdringlickw Menschenmasskn wagten dort nnter dym Gesange patriotischer Lieder Und mii wehenden Fahnen durch die Hauptstraßen, und auf dsn Marktpläizen wur- den Feuerwerke abgebrannt; von Rotterdam wurde sofort Na- mens der Societät „Nmicitia“ an den General van Swieten ein Begiückwiinschungs:Te[egramm abgefertigt. In der Residenz, dem Haag, war der Volksjubel nicht minder lebhaft; unablässig war der Zudrang zu dem Hotel des Marine-Minifteriums zur Begkückwünsckwng des Ministers Fransen van de Putte; im Königlichen Theater stimmten vor dem Beginne der Vorstellung das Orchester und mit ihm das Auditorium den „Wilhelmus“ und die Nationalhymne an, der Enthusiasmns war aligemein.
- Das Wochenblatt „De Nederla11dsche Industriee1" theilt mit, es sei beschlossen worden, ein besonderes Ministerium für Wasserbanwesen und öffentliche Arbeiten zu er- richten; an die Spiße dicses Departements wiirde Herr Hnbrecht, Generalsekretär im Departement des Innern, oder Herr Klerck, Chef der Eisenbabn-Abtheilung im Departement des In-
nern, gefteilt werden; wie man weiter vernehme, werde das Te- partement der Marine mit dem der Kolonien verermgt werden.
Großbritannien und Irland. London, 29. Januar. (W. T. B.) Gladstone ist, dem Vernehmen naib, für-den Fall, daß die Neuwahlen zum Parlament eine gar zn geringe Majorität für das dermalige Kabinetergeben solltxn, entschlossen, von seinem Posten zurückzutreten und Lord Granville als Premier in Vorschlag zu bringen. Das Amt als Kanzler der Schuß- kammer würde Gladstone in diesem Falle eventnc-U beibehalten.
Frankreich. Paris, 29. Januar, Der Conre-Admiral Martineau du Cheney, Direktor des Personals der Marine, hat an die See-Präfekten folgendes Runbscbreiben erlaffen:
Herr Präfekt! Es ist mir iibyr politinbe _iimtriebe bsxiciitet Wordcn, deren sich auf mehr oder chnger offene Wen? einig? Ossi51§r6 der verschiedenen Corps dsr Marine ichuldig gemacht haben. Obgleich iich diesc Tendenzen nur bei cin-sr geringannzabl Yundgsgkbcn haben, so haben dieselben ungeachtet dessen doch emenungcieizlichen Cbar'ajkixr. den SS zu bezeichnen gut ist, wie es auch nützlich ist, ails Mtinar- Bmmten über die Haltung aufzuklären, welcbe ihnen in iolcbanmgen auforlcgi ist. Ick) fordere Sie deshalb auf, bis Offiziére und Beamten der vkrschiedenen Corps 'der Marine, welch€n Grad sie auch babén m_ögen, daran zu erinnern, daß die Pflickiieines Offiziers [)cuie mcbr dknn )c DiE ist, fich einkr jedkn polnisch Kundgcbung zit_entixiltsn. Die Kund- gebungen dieser Art sind gefäbr1ich,_ weii sic i'm offenes Vngcben gc,- gsn die ersten Vorichrifién des Gcießcs vom 27. Jnm 1872 konjiinn- ren, Welches von dem Wahlrkcbt alle bei den Corps 1tsb€nden betnrs ansicbiießt. Jndc-m sicb die untc'r Jbrcn Besch geitcllten Offiziere und Beamten dieser Kundgebungen * cnihaiien, Welchn fie izumi) ibrsn Grad, ihre Stellung und ihre Intelligenz cine gxoße YZiÖitgkeii gébcn würöm, werden fie sicb in einem gesundcn Géitte dcbDiSziplmgnw nack) dem Verbot betreffs des Votums richten, „das eme der Wenni- liebsten Gründlagcn des ucucn Miliiäigescizcs bildczi. Jeb bab? DC.
Martineau bn Cbe'neiz.
- (W. T. B.) In der Sißung des Munizipal- raibes wurde hsute von 35 Mimizipalräich beantragt, fiir die Repräsentation dsr Siadt Paris die Summe „vnn 60,000 Francs auszuseßen. Der Munizipalraii) 'Meiwnr stellte darauf den Antrag, 40,000 Francs fiir die Faxmben und Frauen der deportirien Kommnncmiiglisdex zn boxmilrgen. ' Der Präsident des Koiiegiums, Vautrain, verlangte die Beserttgung dieses Antrages durcb Annahme der Vorstage; es iWUdL m- dcffcn bcscksoffen, den Antrag znr Abstimmung zn bringen, Und derselbe dnrauf abgelohnt. Vantrain hat uns Vcraninsnng dieses Vorfalls seine Entlassung eingereicht Und dsr („“sieme- Präfekt daranf die Sebließung der SiHungen dss Mnnizipal- raihes verfügt. _ _
Vsrsailles, 29. Januar. (W. T. B,) Die _National- versammlnng genehmigte ohne jedc DOHÜÜLÖW Zusaßkon: vention zn dem Handslsverirageniii GkOßbkltÜUUien. Der An- trag Loisels, das Budget pro 1875 dnrch die Budget-qu: mission und durch die Kommission fiir das Hesrmestn gien!)- gleickzzeitig prüfen zu laffsn, wnrde von Gambctta unterstutzt. Gambetta äußerte, daß die augenblickliche Lnge Europas und
„ das Interesse Frankreichs gebbtcn, die miiitärisckien Hiilfsmittcl
mehr zn entwickein, und meinte, daß es besser sci, etwas znßvißl zn ihnn, um zu haben, was man notbwendigenfalls bedurfe. Der Nnicng Loisels wurde abgelehnt.
Spanien. Madrid, 27. Januar. Das Memorandum an die auswärtigen Mächte, Über welches der Ministerrati) fich vorgestern schlüssig gemacht hat, ist in dsr amtlichen Zeitung veröffentlicht. Es verbreitet fick) iiber den Ursprung und das Wesen der jeßigen Regierung, deren politisches Programm in der Aufrechthaltung de-r Verfassung von 1869, mit Ausnahme des durch die Thronenisagung des König Amadco's hinfällig gewordenen Art. 33, und in dei“ Beibehaltung der vorge- fundenen Organisation dsr Staathgewalt bestebb. Die von dem früheren Ministerium ausgeübie Diktatur Habe die neue Regierung Übernommen Und werde, einstweilen obne dcn Beistand eines Parlaments, alle Mittel zur Besndiqnng dcs Bürgerkrikges und znr Unterdrückung der leidenschaftlichen Ausschreitungen dcr Demagogis aufbieten. Befreitbon der.Unrul)e, welche die nothwendige Folge der Auf- stände und der Tyrannei bewaffneter Volksbanfen sei, werde der Wille des Volkes alsdann zn gelegener Zeit seinen Ausdrnck durch die zu wählenden Cortes finden, Dic dnrch dieAbdankung des Königs entstandene Lücké werde dieRegiernng ausfüllen nnd in der Verfassung die als unabweisbm: erkannten Verbesserungen einführen. Sie stehe fest zu den Prinzipien und Ergebnissen der Rsboiution von 1868, dercn politische Bedentnng in der Amtsführung dcr voilzichenben Gswaii zu Tage treten werde.
- Nach einem der „Jndépendancc beige“ ans San Se- bastian unterm 29. Januar zngegangenen Tclegramms ist an der Miindnng des Ncrbion, ibéstlicl) bon Bilbao, eine kleine Flotille angekommen, mn Bilbao zu helfen und dkm Goncxnl Moriones zur Unterstüßung zn dienen. Der Flnß selbst ist durch orpcdos unschiffbar gemacht. Die Cnrlisten hatten die Nuswe )sclnng der 900 Gefangsncn angeboten, die fie in Por- tngalete gemacht haticn. Dem General Mortbncs, dcr icin Dc- misfionsgesucl) znrück'gczbgen hatte, waren betxachtlick]8r Verstär- kungen zugegangen. Dersklbc hatw bereits seme Opexaiionen in Biscana begonnen, Und hieß es, es sei ihm geiungon, iiber Dn- rango vorzudringen nnd Bilbao zu eniseßen.
Italien. Rom, 24. Januar. Nach cincr Turiner Dc: pesche ist in dem Znstande der Herzogin von Aosta einc klein? Besserung eingetreten.
- Der Instiz-Minister gedenkt in seinem Entwurfs des nenen Strafgeseßbuchs anch cinen Paragraphen anfznnebmen, Welcher die Staatsbeamtcn betrifft, die öffentliche Urkunden ohne Erlaubnis; der chicrnng zn Privatzwecken benußen.
- Gestern haben fick) dcr Finanz-Minister und die zur Prüfmig und Berickztcrftattung iibcr den die Papiergeld- Emission betreffenden Geseßcntwnrf niedergcseßte Kommission Über alie Artikel deffslben Verständigt. Heute Mittag ist die Kommission noch einmal znsammengcircten, um dem Berichte des Abgeordneten Mezzanotte ihre förmliche Zustimmung zn geben; demnach soll er der Kammer vorgelegt werden.
- Die bsterreichisch:ungarische Regierung hat dem italienischen Kabinet vorgeschlagen, dem zwischen beiden Ländern abgeschlossenen Auslieferungs-Vertrage cinen Zusatzartikel beizufügen, wonack) gerade wie in Folge der zwischen Italien und der schwei- zerischen Eidgenoffcnscbast getroffenen Uebereinknnst, alLe Staate“- beamtcn, welche fick) Unterschlagungen anvertrauter Gelder haben zu Schulden kommen lassen, ausgeliefert werden müssen.
- Die italienische Regierung wird, wie die „Ita1ieé mii- theilt, nicht allein den mit Frankreich, sondern auch dic „unt andern Ländern abgeschlossenen Handels - Verträge eme_r Revision unterziehen und mit Berücksichtigung der durck)_ die industrieile Untersuchnngs=Kommisfi0n ermittelten Angaben emen General=Zolltarif aufstellen, der ihr zur Grundlage für die neuen Vorschläge dient, welche sie den anderen Regierungen zu machen gedenkt.
- In der Teputirten-Kammer wurde heute der die Rekrutirnng der 1854 geborenen Militärpflichttgen betreffenbe Geseßeniwurf vertheilt, Die Zahl der Rekruten erster Kaiegorie ist wie im vorigen Iahre anf 65,000 Mann festgesteüt; die Re- giernng behält fick) aber die Bestimmung des Zeitpunktes noch vor, wann sie unter die Fahne berufen werden sollen., Die heutigen Verhandlungen betrafen das GeseH Über den obligato- rischen E(emcntarunterricht; die Kammer genehmigte ohne be- sonders bémerkenswerthe Debatw die vier ersten Artikel.
- Die cbemalige päpstliche Accademia di San Luca ift dnrck) ein Dekret des Ministers des Unterrichts aufgehoben und eine Königliche Kunstakadkmie nach den Grundiäßen der modernen Anschannng nnd damit ein ncncs Lehi'erpersonal an ihre Steile geseßi worden. Profkffbr Filippo ProSperi wurde ass Direktor auf drei Jahrs am Dienstag feierlich bestellt.
- Dem Quästor in Livorno war schon seit einiger Zcit die Anzeige gemacht worden, daß der sozialdemokratische Arbci- terbund daselbst an der SpiHe der internationalen Benwgnng in Toscana stkht. Am 21.Ianuar nahm dsr Quästor 111111 im Einver- ständnis; mit der Justizbehörde gcgen dreißig Haussuchnngen in dem Lokal des soziakdemokratiscben Arbeitcrbnndes, in dem des Guemzzivereins Und bei anderen Geseiischaften, sowie in den Privatmohnnngkn bekannter Lkgenien und Vercins-Präsiden- ien 26. vor. Dabei ficken der Polizei Papiere in die Hände, Miche die Verzweigung der Intornationasen über ganz Itatien beweisen und die N(UULU Und Zahl ihrer Mitg1i€dek in dsn ver- schiedenen Provinzen angeben.
- Wie die „Sentinella“ von Brescia berichtet, sind auf verschiedenen Punkten der Provinz Brescia Heuschrccken- schwärmc derselben Art nicdsrgefallen, Welck]? irn vergangenén Jahre die Felder der Insel Sardinien abgesteffen haben.
- Leßter Tage ist die Legung bon zwsi USUS?! Teiegra- pbenkabcln zwischen Ganzirri Und Cannitello in der Meerenge von Messina [Wendet worden. Das eine [)at einen und das andere zwsi Tclegrapbendrähie, so daß nun einschließ- lick) dcr bereiis friiher gelegten vier Drähte sieben teisgrnphiichc Komnmnikationcn mit der Insel vorhanden smd.
Rußland und Polen. St. Beiersbnrg, 27. Januar. HLM? brachten das diplomaiische Corps, das Gefoige der aus- ländischen Fürstlickxn Gäste, die Damen des Hofes nnd die hof- fä[]igcn Damen den Hohen NLUVerähiWn ibre Glück- wünsche dar, die von anskbjeSsew nach der Residenz gc- kommsn wann. Bei der Kaiserin fand zu Ehren der R01!“- vcrmähltbn sin Frühstück statt, welchem (Uni] die dentschcn Kronprinzlichen Herrschaften bLiwohntsn, nachdem fie vorher eine Sck)[ittenfak]1ch untcrnbmmcn hatten. Zmn Diner vsrsammclten fick) die «Hohen Gäste bei Ibrcr Majestät, Abends war Roni bei dem großbritannischcn Botschafter Lord Lbftus,
- Heins Nachmittag um 5 Uhr hakte die Depntntion der hiesigen Angehörigen des Dcntsckxn Reichs, Unter Führung des Herrn Uiixmann, die Ebro, VON Ihren Kais9r1ichcn und Königiicben Hobeiien dchronprinzcn und der KronprinzessindcsDcntichcnReicYSundvonPrcußen in dem Paiais dé]? Eremitage empfangen zu WLden in Gegcn: mark des deutschcn Botschafters Prinzen Heinrich 711. Renß, dcs Botschastsraihs Baron 0011 Alvenslebcn, dcs Konsnls i,)i'. Bitsch Und Dén iibrigen Herren dcr Bbtsckwst, dcs Miiiiärbevoiimächtig- ton, Generals von Werder, sowie Dcr Damen und Herren dcs Gefolges, der Gräfin von Vrandsnburg, dsr Gräfin von Brühl, dss Generals dsr Kavallerie Hann von Wenbern, des «Hoi- mnrscbails Grafen von Enienbnrg, dcs Kammerherrn Grafcn von Sockendbrff und dcr Adjnianten Oberst Mischke Und Kn: pitän von Liebenau (i'. di? Adresse unter Berlin).
- Wie die „St.Pct.Zig.“ erfähri, wsrden dic deniscbcn Kronprinzlichen Herrschaften von Moskau nicks über Warschan, sondern Über Ssmokensk, Witsbsk nnd Diinnbnrg die Rückreise? anireten.
- Ueber dic Vermäblnngsfcisr am 23. Januar kni- nchmen wir russischen Blättern nbck) Nachstshendcs:
Um Halb 12 libr setzte sich der Hocbzl tszug von den inncrcn (Jemächcrn dss Winterpalaste-Z nach der Kabi'iie in BLWLJUUJ, An de'miklbcn nabmcn nsbst dsm Kaiskr Yllkxandcr xm): dsr Kaiserin Maria Alexandrowna folgende Fürstlich? Personen Tblilx der Großfürst Thronfolgsr Alsxandsr standrowiiicb, dicGros;fiirstin Césarcwna Maria Féodorowna, “dsr Prinz unb dis Prinzessin von Walch, der Kronprinz und bis Kronprinxssün dcs Dcuiscbcn Reichs “und von PWUßM und “Dcr Kronprinz von Däncmark, dsr HSrzbg von Edinburgh unb diE Großfürstin Maria Alcxandrbivnn, Prinz Arthur bon Großbritannicn, dcr rcgisrsndc Hsrzbg VM Saibicn-Cobmg- Gotha, die Großfürstin Wladimir Vilkxandrowirticb, Alexander Alexandroivitfcki, S*:rgii Aicxandrowitfcb und Pini Lilkxandrowiiiib; Dcr Gkbßfürst Konstantin Nikolajcwétscb und dic (Hrbßfüritin Alcxandrn Joiefowna; dic Großfürstin Nikoiai Konsinntinowitiib, Kyn- stnniinKonsinniinowiifib, Dimitri Konstaniinowiisck) nnd Wjakicbsslav Kbnstnniinowiistb; dcr Großfürst Nikolai Nikolajswitiib d. Lic. Und die Großfürst n Lilcrandra Peirownnz dic Grbßfiiritin Nikolai Niko- lajcwitsti) 1..J. und Pcisr Nikolajs-bitjck); dic (Hroßfürstin Maria Nikolnicivna: dis Großiiii'stin Katbarina Micbailwa-xa Und Zo. Groß- bcrzcglicbe Hobeii dcr Ochoa (onrg VM *.*]iickécnbnrg-Sirclii,;; die Fürsten :)iomanowski, Hcrzcgs von Lcuchrenb9rg, Jaivgsnii, Sergii mid (Hkorgii *))?aximilianowitiib ; die Prinzessin Maria “).)iaximiiianmvna bon Bxidcn, Prinz Peter VON Olbcnburg, Prinz ?'[ssxandcr VKU Hesscn, Prinz Alkrandcr und Prinzeisin szgenja Maximilianvwna bon Ti- dcnburg, Prinz Konstantin von Oldknbnrg. *
Zu11ächst nach den Kaiscrlikben Majcstätm sckri1ten die dréi Thron- fxl-zxxx-„mn von Rnßland, Großbritannicn und Dsm Dcutickxn Rbich, ebenfalls in ruifiiibcm Kostüm mib mii langen SÖWPPLU. anm folgten ihre Drsi Gcmablo nnd dcr „Kronprinz von Dänsmark, hinauf bis übrigwn I)iiigli-sdcr Der Kaiskrlicbanamiiic UUD Dis frcmdcn Fürst- licbkciicn. Als dcr Hol)? Bräniigmn, in der Uniform cines englischen Oberstsn, mir dor Kcite dcs Audrsas - Ordcns und dcm Bands dcs Alsxaudsr - *)ic'wsk'i Ordkns gcicbrniiikt. dic Kirche beirar, io ergriff Sc, Majestät dic Händc dcs Bram- paarcs und führte sie Unter dem Gesangs: „Es frohlockf meine Sékll',“ 0 Hcrr“, zu dcm erböbtcn Plaizs, wo der Tkauungsaltar errichtet war. Dürr stand, sie erwartcnd, dcr B8ichbibui€r Jbror Ma- ji'stäten, dcr Oberpriesiev Baibanbw, mit vikr .Hbfgcisiiiibsn Und zwsi Oberdiakonsn. Dic höhere Gkijilicbkeit nahm den Platz am Altar cin. Auf dem Haupte tmn sie den Brautkranz und di? Gws;fsirstiichc Krone in Diamanten. Zbr chid War von Silbcrbrbkai, mit silbernen Bouqm'ts g(siickt, bon dcn Sibuitxrn iiil der Großfürstjiibc Mantel bon Pin'Puriammct und „Hérnichn, getragen bon drci Kammxrbcrrcn nnd LiULUl Siallmcistcr. Sc. Mnjcstät DbrKniicr, dic Mitglisdcr Dcr Kaiscrlicbcn Familie, der deutsche sowie dcr Dänische Kronprinz, dcr Herzog vvn Sack,)sen-Coburg und dsr Prinz bon Hsssen trngcn iuisiscbc Uni- form mit der Lludreas-Ordenskciic um dcn Hals und dsm Grosxkordcn dcs Al-xander-NewSki-Orbensi; der Prinz von Wales die roths eng- lische GeneralSuniform mit dem Aibxandcr-Ncwskibands, Prirz Arthur die sibwarze Uniform der Riflkincn. auf wcbber nichis Glänandes oder Metalliichcs zu _iel)en. Siebcn Hojenbandritter, kenntlich an di'n weißen Schleifen ani bciden Schaltern, Waren bei dcr Cercmonic anwesend; Se. Majestät dsr Kaiser, der deutsche Kronprinz, die drei englisöben Prinzen, dcr Hrrzog von Co- burg-Gotbn und Lord Sidnsy, der Vertreter dcr Königin Victoria.
Die Krona über der «HOHEN Braut biclton dic Großfürsten Wia- dimir und Alexei Aicxandrvwiticb, übcr dem anog von Edinburgh der Prinz Arthur und dir Großfürst Sscrgei Alexandrowitsch. Zwei