1874 / 27 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Sat, 31 Jan 1874 18:00:01 GMT) scan diff

_ Ihre Majestät die Kaiserin-Königin empfing geßern Abend die anwesenden Mitglieder der Königlichen Familie und Fürftlichkeiten, die Botschafter, Generale und Minister, das diplomatische Corps, die Präfidien der beiden Häuser des Land- tags, viele Personen der hiefigen Gesellschaft und vorzustellende Fremde, sowie die Vertreter der Stadt, der Wiffenschaft und Kunst im Königlichen Schlosse, “wo im Elisabethsaale das große Konzert unter Leitung des Ober-Kapellmeifters Taubert und Mitwirkung der Sängerinnen Mallinger und Lehmann, sowie der Kammersänger Beh und Niemann stattfand.

_ Der Bundesrath,_sowie die vereinigten Ausschüsse für das Landheer und die Fextnngen und für Rechnungswesen hielten heute Sihungen. F*HÉFU“

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_ Bis zum 11. Januar d. I. waren in den Münz- ßätten des Deutschen Reich?- in Zwanzigmarkstücken 818931260 Mark und in Zehnmarkstücken 198,604,810 Mark auSgeprägt worden. MJ EMH

Die Gesammi-Auöprägung in ReichH-Goldmünzen ßeUt fich daher bis zum 17. Januar 1874 auf 1,017,935,610 Mark, wovon 818,931,260 Mark in Zwanzigmarkftücken und 199004350 Mark in Zehnmarkstücken bestehen. In der Woche vom 11. bis 17. Januar 1874 sind ferner geprägt in Zehn- markßücken: in Berlin 350,460 Mark, in Frankfurt a. M. 49,080 Mark. “W ZI“;

An Reichs-Silbermünzen und zwar in 1Markstüchen waren bis zum 11. JanUar d. J. 2818934 Mark und in Zwanzigpfennig- stücken 1,791,047 Mark 20 Pf. außgeprägt worden, In der Woche vom 11. bis 17, Januar 1874 sind ferner geprägt in 1 Mark- stücken: in Berlin 161,286 Mark, in Hannover 99,203 Mark, in Frankfurr 8668 Mark, in Miinchen 126,590 Mark, in Stuttgart 45,041 Mark, in Karlsrnhe 54,000 Mark, in Zwanzig- pfennigstücken: in Hannover 45,298 Mark, in Miinchen 44,958 Mark 20 Pfennige, in Dre-Zden 50,000 Mark, in Siuitgart 31,509 Mark 20 Pfennige, in Karlsruhe 32,000 Mark, in Darmstadt 13,200 Mark, mithin steüi fich die Gesammt - Aus- prägung in Reichs-Silbermünzen auf 4,609,981 Mark 20 Pfen- nige und zwar in 1 Markftücken 2,818,934 Mark und in Zwanzigpfennigftücken 1,791,047 Mark 20 Pfennige.

An ReichI=Nickelmünzen und zwar in Zehn-Pfennigstücken waren bis zum 11. Januar d. J. 421,962 Mark 50 Pf. ausgeprägt worden. In der Woche vom 11. [“is ziim 17. Januar 1874 sind ferner in solchen Stücken geprägt: in Berlin 38,545 Mark 10 Pf., in Frankfurt a. M. 13,225 Mark 50 Ps., in Miinrhen 7480 Mark 30 Pfennige, in Stuttgart 15,047 Mark 80 Pfen- nige, in Darmstadt 6875 Mark, mithin Gesammt- Airsprägung in Reichs-Nickelmünzen 503,136 Mark 20 Pfennige.

An Reichc5-Kupfermünzen waren bis zum 11. Januar d. I. und zwar in 2 Piennigstücken 42,978 Mark 10 Pfennige Und in 1Piennigstüchen 2794 Mark 30 Pf. aitheprägt worden. In der Woche vom 11. bis 17. Januar 1874 find an 2 Pfen- nigstücken ferner geprägt: in Berlin 2647 Mark 30 Pfennige, in Hannover 3885 Mark 70 Pf., in München 2073 Mark 16 Pfennige, in Sintigart 1803 Mark 30 Pfennige, in Karchruhe 2968 Mark 22 Pfennige, in Darmstadt 450 Mark; an 1 Pfen- nigstücken in Berlin 594 Mark 90 Pfennige, in München 517 Mark 66 Pfennige, mithin eine Gesammi-Aanrägung in Reichs- Kiipfermünzen von 60,712 Mark 64 Pfennige, und zwar in 2 Pfennigftücken 56,805 Mark 78 Pfennige, in 1Pfennigstüchen 3906 Mark 86 Pfennige.

_ Im weiteren Verlaufe der gestrigen Sihung des Hause?: der Abgeordneten wandte sich die Berathung dec.“- Etats des Ministeriums der geistlichen 2c. Angelegen- heiten zu dem Kapitel 124 (Etats für Gymnasien und Real- schulen) und zwar hauptsächlich zn den beiden Titeln 4 und 5, von denen Titel 4 die Zuschüffe für die vom Staate zu unter- stühenden Anstalten, Titel 5 die Position zur Erfiiilung des

Tormaletats von 1872 bei Gymnasien und Reaisthulen 1. Ord- nung Und zu BesokdUng-Zverbessernngen für technische Hülfe;- und E(ementarlehrer an diesen Anstalten, sowie für die Dirigenten Und Lehrer an allen höheren Unterrichts- anstalien enthält. Zu Tite14 beantragte der Abg. Schröder (Lippstadt), die Sinaisregierung aufznfordern: Auf die Ditrckgfiihrnng des Normnl-Besdldnnch-Eiais beim Gym- nafinm zn Brilon Bedacht zu nehmen und die dazu erforderlichen Mittel bei Aiifsteilung des Etats pro 1875 da- durch bereit zn steilen, daß der Sinaisznsckwß fiir Brilon auf mindestens 3500 Thlr. gebracht wird. Zu Titel 5 beantragte die Budgetkdmmisfion folgenden Vermerk hinzuzufügen: „Aus diesem Fonds können auch, insoweit fich hier ein Bedürfnis; herausstellt, den nicht ausschließlich vom Staaie unterhaltenen höheren UiiierrickztsÜnstalten Behnch Bewilligimg von Wohnungsgeldzuschüffen an die Dirigenten und Lehrer, Beihülfen ertheilt werden,“

Der Referent Abg. Miqncl bedauerte, daß eine Durchfüh- rung des Nr*rmaleiatc; an allen höheren Lehranstalten noch nicht möglich gewesen wäre, hoffte aber, daß in diesem Jahre energisch daran gegangen würde. Er empfahl die Annahme. des Vermer- kes, um die Kommunen zu untersiüßen. Der Abg. von Schor- lemer:Nlst mnchte darauf aufmerksam, daß eine von Gymna- siasten herausgegebene Zeitschrift „Walhalla“ und die zur Redaktion und Unterhaltnng derselben gebildete Verbin- dung nicht wie seiner Zeit die katholischen Ghmnafiaften: Vereine aufgehoben wäre. Hierauf erwiderte dcr Mi- nister der geistlichen U. s. w. Angelegenheiten ])r. Falk, daß dieselbe wohl nächstens: anfhbren wiirde, da eine Bedin: gung, die Mitwirkung der Lehrer, nicht crfiiilt zu sein schiene. (S. unter Landtags:Angelegenheiien.) _ Der Abg. Kantak be- schwerte sich über das Fehlen des Religidiis:Unierrichts an den polnischen Gymnasien, da man mich den Privatunterricht unter: sage; beionders vom Marien:Ghmnafinm in Posen würden nile polnischen Lehrer entfernt. Der KiiltUH-Minister Ur. Falk er: widerte.' (S. unter Lundings-Angeiegenheiten.) _ Hierauf folgte die Disknsfion Über den Antrag des Abg. Schröder (Lipp- stadt). Nachdem der Antragsteller seinen Antrag begründet und der Geh. Ober-RegwrnngH-Rath Dahrenstedt Namens der Re- gierung fich gegendenseihen erklärt hatte, wurde auf Antrag des Abg. Lasker uber denselben zur TagecZordnung übergegangen. _ Eine längere Diskusiwn rief der *.“.ntrag der Bndget-Kom- misfion hervor; es beihethgien fick) an derselben die Abgg. Lucius, welcher gegen, BethumHuc, OnEberU) nnd 1)r. Techem, welche dafür sprachen. Nach einer Erklärung des Finanz-Ministers Camphausen (S. unter Landtags:Angelegenheiten) wurde die Po- sition auf dem Vermerke genehmigt. Schluß 4x Uhr.

_ In der heutigen (40) Sißung des Hauses der Ab- eordneten, welcher am Ministertisch die Staats-Minister Camp- Yausen, 1)1-. Falk und ])r. Achenbach mit mehreren Regierungs-

Kommiffarien beiwohnten, wurde zunächst der Nachweis über die Verwendung des Fonds für das Jahr 1872 zu unvorherge- sehenen außerordentlichen AUSgaben für die Staats-Eisenbahnen an die Budgetkommisfion verwiesen. Dann wurden die Gesehentwürfe, betreffend die anderweite Regelung der Gebühren für die Voll- streckung der Exekutionen Seitens der Verwaltungsbehbrden in den Hohenzollernschen Landen, und betreffend die Ablösung der den geistlichen und Schniinftituten, sowie den frommen und mil- den Stiftungen u. s. w. in der Provinz Hannover zustehenden Realberechtigungen, in dritter Beraihung definitiv angenommen.

Hierauf schie das Haus die zweite Berathung des Etats de?- Ministeriums der geistlichen u. s. w. Angelegen- heiten fort. In Kap. 125 (Elementarunterricht) Tit. 1 und 2 (Schrillehrer-Seminarien und Präparanden-Anstalien) lagen die Antrage der Budget-Kommisfion vor, die Königliche Staats- regierung aufzufordern, a. für das Jahr 1875 1) den Besoldungsfonds der Direktoren und Lehrer der Seminarien (SteUenzahl und Gehaltssäße); 2) die sonstigen persönlichen YUSJaben; 3) die säehlichen Aitsgnben nach getrennten Titeln m _den Etat aufzunehmen und in entsprechender Weise mit Tit, 2, Praparandenanftalten, zu verfahren; h. in dem Etat für 1875 die konfessionellen Bezeichnungen der Seminarien und Präparandenan- stalten, someit fie Staatsanstalien sind, sowie in dem bezüglichen Extraordinarium wegfailen zu lassen.“ Der Referent, Abg. Ur. Wehrenpfennig, rechtfertigte diese Anträge; der Abg. Kiesel ernpfahi die Seminarlehrer der Regierung zur besonderen Be- rxrcffichitgung bei dem zu erlaffenden Unterrichtc3geseß; eine langere Diskussion knüpfte fich besonders an den lehten

Mannckrodt, Or. von Gerlach dagegen, die Abgg. Or. Techow und Dr. Haenel s1ch für denselben erklärten. Nach einigen kur: zen Bemerkungen des Referenien wurden die Titel mit den An: trägen der Budget=Kommisfion angenommen. _ Die Diskussion wandte fich zunächst dem Extraordinarium zu und zwar den Positionen fiir den Bau von Seminargebäuden, wozu die BUdget:Kommisswn den Antrag steUi: „“Die Königliche Staatsregierung aufzufordern, die Errichtung Von „Seminar-Zntrrnaicn fortan möglichst zu v:?rmciden, sowie bei der m Berent, Warendorf, Fulda, Usingen und Mettmann in Aus- sicht genommenen Einrichiung das Internat nur so weit auZzu- dehZen,-als die örtlichen Verhältnisse .es unbedingt nothwendig ma eu,

Nachdem der Referent Abg. O1“. Wehrenpfennig diesen An- trag begründet hatte, befürworteten die Abgg. Kiesel imd 1)r. Techdw denselben aus praktischen Gründen. Der Regierungs- kdtnrntffar, Geheimer Regierungs-Raih Schneider, machte darauf aufmerksam, daß die Frage, ob Internat oder , Externat, von pädagogischer Seite noch nicht entschieden sei; das Externai biete viele Gefahren, die im Inter- nate mcht vorhanden wären. Im ULÖÜZM sei die Staatsregie- rung mit der Resolution einverstanden, Nachdem noch der Abg. v. Mailmckrddt fich gegen, der Abg. Miquel fich für die Reso- lution erklärt, wurde dieselbe angenommen. ' '

Bei Schluß des Blattes wandte sich die Verathnng dem Titel Elewentarschulen zu.

_ Die diesjährigen Frühjahcm-Besichtigungen der.“: Garde-Corps werden nach Allerhöchster Bestimmung wie folgt stattfinden: 18. April. Eintreffen des Füfikier-Bataiilons 3. Garde:Grenadier-Regimenis, Königin Elisabeth, in Spandau. 28. April. Besichtigung deH 4. Garde-Regiments zu Fuß und des 3. Garde-Grenadier-Regiments, Königin Elisabeth, bei Spandqu. 5ck30Mäjwr1 „“ Besichtigung des Kaiser Alexander Garde: Grenadier: egiments Nr. 1, des Kaiser Franz Garde-Grenadier: Regiments Nr. 2 und des GardeSWihewBataillonS bei Berlin Wid Abmarsch dcs Füsilier-Vaiaillons des 3. Garde-Grenadier: Regiments, Königin Elisabeth, nach Wrießen a/O. 1. Mai. Besichtigung des 2. Garde-Regimenis zu Fnß, des Garde-Jüfi: lier:Regiments und des GardeWionier-Bataiüonéz bei Berlin. 2. Mai." Besichtigung des 1. Garde-Regiments zu Fuß, des Garde=Iager=Vaiaillons und der Unteroffiziersckzule bei Potsdam. 22. Mai. Große Parade bei Berlin. 23. Mai. Große Parade in Potsdam. 27. Mai. Zusammenziehung des Regiments der Gardes du Corps: und de:"; 3. Garde-Ulanen-Regiments bei Poisdam. 9. Juni. Besichtigung der Garde-Feld-ArtiUerie-Brigade bei Berlin. 10. Ihm. Besichtigung dec; Garde-KürasfierMegimentH und des 1. Garde-Dragoner-Regiments bei Berlin. 11. Juni. Besich- tigung des 2. Garde=Dragoner-Regimenis und des 2. Garde- Ulanen-Regiments bei Berlin. 12. Juni. Befichtignng des Gnrde-Husaren-Regiments und des 1. Garde:Ulanen-Regiments bei Potcsdam. 13. Juni. Besichtigung des Regiments der Gardes du Corps und des 3. Garde-Ulanen-Regiments bei Potsdam. 15. Juni. Rückkehr der detachirten EScadrons ders RegimentH der (Harders du Corps und des 3, Garde-Ulanen- Regiment?- in ihre Garnisonen.

Sämmiliche Besichtigungen bei Berlin beginnen um 9 Uhr Vormittags; diejenigen in und bei Potsdam, wenn sie im Lust- garten abgehalten werden, Um 91/4 Uhr, wenn fie dagegen auf dem Bornstnedter Felde abgehalten werden, um 93/4 Uhr Vor- mittags; diejenigen in Spandau um 93/4 Uhr Vormittags.

Die große Parade bei Berlin beginnt um 10 Uhr, die- jenige in Potsdam um 11 Uhr Vormittags.

_ Ein ans Berlin den 27. Januar datirker Artikel der

„Rheinischen Zeitung“ beginnt wie folgt: „So lange die Kkaqen über ailznstarke Steigerungen in den Einsckwhnngen zur Ein- kommenstcner nur in Berlin laut wurden, konnte man glanben, daß es fick) nnr um die falsche Benrtheihmg der Verhältnisse Seitens einer einzelnen EinschäHUng-Z:Kommisfion handle, nach: dem aber derartige Klagen in allen Theilen des Landes laut werden, darf man wohl der Mittheilnng des „Vörs.-Cour.“ Glanben schenken, welcher auf das Bestimmieste erfahren haben w'iil, daß Herr Camphansen nchdriicklich verfügt hat, es soUe mehr nur auf die bedcnkliéhen wirthschaftlichcn Verhältnisse des Vorjahres bei der Schäxzung keinerlei Riicksicht genommen wer- den, sondern es solle iiberall, wo das irgend thUnlich, auf eine Erhöhung der Einkommensthähung hingewirkt werden.“ "Diese Mittheilungist unrichtig; es existirt weder die erwähnte Bersuqung, noch ist überhaupt Seitens des Finanz : Ministerii eme Aufforderung zur Erhöhung der Einkommenschäßung behufs der Steuerveranlagung erlassen worden.

_ „_ Der Chef der Ydmiraliiäi, General-Lieutenant Staats- Mtnhter von Stosch ist von seiner Dienstreise nach Kiel hier- her zurückgekehrt,

_ Der General-Major uud Commandeur der 2. In anterie- Brigade Walther von Moanry ist von KönigsberT; i. Pr. hier angekommen.

_ Am 26. d. M. verstarb zu Bückeburg im 88. Leber»

Antrag, indem fich die Abgg. 01". Windthorst (Meppen), von

Horst. Derselbe war geboren zu Charlottenburg am 19. Oktober 1786 und der Leyte von den Offizieren, welche, bei Schills Husaren-Regiment stehend, mit diesem den Zug nach Stralsund ' ausführten. Der Verstorbene hat in den Feldzügen von 1806/7, 1812, 1813_15 mit Au-Z-zeichnung gefochten und kommandtrte viele Jahre hindurch das Z., jetzt Zieiensche Husaren-Regiment und zuleht die Kavallerie-Brigade in Trier. Nach einer län er als 50jährigen Dienstzeit, einschließlich der Feldzugsjahre, er at er im Jahre 1848 den Abschied. .

. _ Der Major im schweizerischen Generalstabe von Mechel isi zur Bcfichtigung der Militärschießschule in Spandau komman- dirt worden und zur Nbftatiung persönlicher Meldungen hier eingetroffen.

_ Auf Allerhöchsten Befehl haben die Hofprediger Heym und [).-Kögel unter dem Titel: „Zum Gedächtniß an die verew1gte.KöniginE(isabeth Luise von Preußen“, eine kleine Schrift hernaSgegeben, welche soeben im Verlage von T_h. Chr. Fr._Enslm hierselbst erschienen ist. Dieselbe enthält emen Vorbericht des. _Hofpredigers Heym über den Heimgang der „Horhseligen Kbmgm, welcher einer zum Gedächtniß Ihrer Maxestat am 4. Adventssonntage in der Friedenskirche gehaltenen Predigt entnommen ist; die Beschreibung des Leichenhegängniffes Ihrer Hochfeligen Majestät in der Friedenskirche am 20. Dezember 1873, die Bekanntmachnng durch den Ober-Kirchenrath über das Ableben der verwittweten Königin und die Predigt des 1). Kögel am 4. Adventssonntage, 21. Dezember, gehalten im Dom hierselbst.

Bayern. München, 29. Januar. Die Kammer der Abgeordneten beschloß heute bezüglich der provisorischen Steuererhebung: Die Regierung ist ermächtigt, die Steuern nach den bestehenden Normen bis zum 30. Juni 1874 zu erhe- ben; den Tarif für den Personentransport auf den StaatQ- eisenbahnen in erster Klasse um 15,1, in zweiter um 15, in drit- ter um 10“; Prozent zu erhöhen; den Beamten, dem Bediensteten- Personal, den Penswnirten, den Beamtenwiitwen und den Waisen fiir die ers1e Hälfte des Jahres 1874 eine provisorische Zulage von 20, 15 und 10 Prozent zu gewähren; endlich für Erhöhung der Bezüge der Gensd'armen ein Mehr von 119,036 Gulden zu verwenden.

Die Kammer der Reichsräthe stimmte dem Geseheni-

den Beschlüssen der Kammer der Abgeordneten bei und nahm den Gesetzentwurf über die provisorische Sienererhebung an. Mor- gen Vormittags 10 Uhr wird in der Kammer der Abgeordneten und in der Kammer der Reichsräthe das Allerhöchste Dekret der Vertagung des Landtags pnblizirt werden. Im Verlauf des hentigen Nachmittags hat fich bereits ein Theil der Abgeordneten in die Heimath begeben. .

_ Der telegraphischen Mittheilung bezüglich des in Anre- gung gebrachten Projekt?- des Ankaufs der bayerischen Ostbahnen durch den Staat fügt die „Nilg. Ztg.“ vorerst noch bei, daß Herr von Schlbr einen diechäiligen Jnitiativ-Gese = entwnrf, ans fünf Artikeln, mit eingehenden Motiven, beftehen? der Kammer der Abgeordneten in Vorlage bringen wird. Es, soU dies aus dem Grunde noch vor der Vertagung des Land- tags geschehen, damit in der Zeit bis zum Wiederzusammentritt der Kammer der aUerding-Z sehr wichtige Gegenstand in einqe- hender Weise und nach allen Seiten hin erörtert werden kann.

_ 30. Januar. (W. T. B.) In der heniigen Sihung Zweiten Kammer gelangte die Interpellation des Abg. Ap- peUaiionSgerichis-Raths Dürrschmidt znr Beraihung, ob dem KultuS=Minister die aus Anlaß der Reichstagswahl von den katholischen Bischöfen und zwar mit Umgehung des Königlichen Placet erlassenen Hirtenbriefe bekannt seien und ob hierin nicht eine gesetzwidrige, die Verfassung verleßende Handlung ge- funden werden müsse, gegen welche Seitens der StaaTSregierung einznschreiten sei Kultus-Minister v. Luiz verneinte die ge- steUien Fragen und erklärie, daß keine geschlichen Bestimmungen vorhanden 1eien, aus denen die Rechi-Iwidrigkeit des Verhaltens dEk'Blftkac, sd erhebliche Bedenken dasselbe auch zu erregen geeignet sei, nachgewieien werden könne. Eine Verpflichtung zur Eniholung des_Königlichen Placet bestehe nur für die Ver- öff ntlichung von kirchlichen Gesehen, Verordnungen und Anord- nungen. In den gedachten Hirtenbriefen könnten aber nur rektgidse Mahnungen gefimden wxrdcn, wie dergleichen häufig yon der Kanzel erlaffen würden und niemals beanstandet wor- den seien.

Am Schlnffe der Sißung verlas der Minister des Innern, v. Pfenfer, ein Königliches Dekret, durch welches die Kammer bis auf Weiteres vertagt wurde.

Sachsen. Dresden, 30. Januar. In der heutigen Siizung der Zweiten Kammer interpellirte der Abg. Philipp die Regiernng wegen der fiir die in der Nähe von Militär- Sck)ießftä_iten belegcnen Gemeinden bei der jehigen Tragweite der Feuerwanen' fich ergebenden Uebelftände nnd Gefahren. Der KriegE-Mimster General der Kavallerie von Fabrice antwortete, dnß das Krt_egszMinisteriiim das Vorhandensein dieser Uebel- stnnde vollstandig „anerkennt? und ihrer Beseitigung fortgesth seine ?[Ufmerkiamkett widme. Nach kurzer Diskussion bewilligte die Kammer 250,000 Thlr. znr Voilendimg des Rothschönberger StoUns. Dre Fdrdernng von 900,000 Thlr. zum Neubaue eines Zenghauses,_ sonne einer Kaserne fiir ein Infanterie-Balnillon und yon 1,020,000 Thir. zur Errichtung anderer neuer Militär: Eltabliffements in Dresden, mit welcher im Laufe der jehigen Jmanzpcriode vorgegangen werden soll, wurde nach längerer Debatte mit 65 gegen 7 Stimmen bewiüigt.

Leipzig, 30. Januar. Bevor der König fich gestern Morgen in Begleitung des Prinzen Georg nebst Gefolge zur Jagd anf Ehrenberger Revier begab, statteten die Hohen Herr- schaften dem Neuen Schiihenhause einen knrzen Besuch ab. Das Ergebniß der Jagd waren 20 Rehe, 60 Hasen und einige Ka: mnchen. Die Königin besuchte mit Gefolge Nachmittags mehrere Geschnite und kehrte „in der vierten Nachmittagsstunde in das Königliche Palms; zuruck. Am Abend beehrten beide Majestäten und der Prinz Georg das Gewandhauskonzert mit ihrem Be: suche, nach deffcn Beendignng Prinz Georg 9 Uhr 50 Minuten nach Dresden fich zuruckbegab. Bei ihrem Erscheinen wurden die Maxeftaten von dem Publikum durch Erhebung und Hoch- rufe ehrfurchtSooÜ begrüßt. Die den Beginn des Konzerts bil- dende Sachsenhhmne hörte das Publikum gleichfaUs ßehend an, Wie dasselbe fich auch von den Sißen erhob, als Ihre Majestä- ten nach Beendighng des Konzerts den Saal verließen.

Hertie Vdrmntag 8 Uhr hörte die Königin in der katholi- schen Kirche die Messe, während sich Se. Majestät um 9 Uhr zU Fnße nach dem Augustusplaße begab, woselbft das hier gar- msornrende 8. Infanterie : Regiment Prinz Johann Georg Nr. 107 m Parade aufgestellt war. Nach Beendigung der Revue

jahre der General-Lieutenant a. D. Freiherr Wilhelm von der

attete der König dem städtischen Museum einen Besuch ab. Fiat: 10 Uhr ab gedenkt Ihre Majefiäi mehrere Wohlthätigkeits-

'1874;

wurfe Über Vervollständigung der Eiscnbahneinrichtungen nach _

' schuldigen Riicksichien entiprechen wiirde,

Instituten in Augenschein zu nehmen, Nachmittags 4 Uhr fin: det durch Se. Majestät Empfang des Kaiserlichen ReichH-Ober: Handengerichts in €0rp0re statt. Um 5 Uhr findet große Kö: nigliche Tafel im Palais statt. Am Abend wird zu Ehren Ihrer Königlichen Majestäten eine aUgemeine IÜumination der öffentlichen und Pri atgebäude und Seiten der gesammten Stn: dentenschafi cin gro er Fackelzug veranstaltet.

Württemberg. Stuttgart, 29. Januar. Das Regie- rungsblatt Nr. 3 promnlgiri folgende Ges eye: Gesex», betreffend die Abänderung des Gesehecs vom 8. September 1852 über die Abgabe von Hunden, vom 16. Januar 1874; Geseß, betreffend die Verwendung des württembergischen Antheils an dem Ueber- chuffe aus der Verwaltung der französischen Landesposten durch die deutsche ReichSpostverwaltung während des Krieges gegen Frankreich in den Jahren 1870 Und 1871, vom 16. Januar Geseß, betreffend die Erhöhung der Gehalte der Lehrer an VolkSschuien, vom 22. Iannar 1874.

_ 30.Ianuar. (W. T. B.) Die ZweiteKammer hat euie mit 80 gegen 2 Stimmen 72* MiÜionen Gulden zur An- ?chaffnng neuer Gewehre Und Geschütze bewilligt.

Hessen. Darmstadi, 29. Januar. In der hentigen Si ung der Zweiten Kammer der Stände wurde bei Be- ratJung der Anträge der Abgeordneten MbUingcr und Uilmann wegen Aufhebung des Geseßes vom 14. August 1867, die Anf- hringung der Kosten für das zur Erbauung von Eisenbahnen erforderliche Gelände betreffend, u. s. w. die Regierung ersucht, auf gütliche Festseßnng der den Gemeinden auf Grund des cr- wähnien Gesehes zur Last faUenden Beträge möglichst hinzn- wirken und demnächst die Frage, ob die den Gemeinden zur Last fallenden Beiräge definitiv anf die Staatskasse iiherndmmen werden soUen, in Erwägung zu ziehen und eventuell den Stän- den desfallfige Vorlage zu machen. Weiter wurde gelegentlich der Beraihnng einer Petition versthedener Lehrer an die Regie- rung das Ersuchen gerichtet, die Pensionen der vom 1. Januar bis 26. November 1872 penswnirten Lehrer nach Maßgabe der hiernächst nachträglich erfolgten Vesoldnnchrhbhungen zn nor- miren. Endlich erhielt der Gesehentwurf Über die Abgrenznng der Landtags-Wahlbezirke die Genehmignng der Kammer.

Nach Erledigung der Tagechrdmmg nahm anläßlich einer Anfrage des Abg. Srhrbder, bezüglich der Nachtragxetais und Besoldnncherhdhnngen, der Abg. Mixx das Wort, um (115 Vor- sißender des Finanzaussckzuffes zn konstaiiren, daß die Gerüchte über Konflikie zwischen dem JinnnznnHsckwß Und der Regierung, ein Ultimatum des Ersteren n. s. 11) total unrichtig seien, sowie um weiter zu bemerken, daß Seitens des JinnnzanHschnffes diese Frage ach die dringlichste betrachtet werde. Der Nbg. Mex; kam zum Schlnß noch auf die Opporinnitäi provisorischer Be- wiilignngen zu sprechen und erklärte, daß der Jinanznnssähuß, falls die Regierung jeht schon definitive Enischlixßungen zu faffen in der Lage sei, solchen niht widerstrebe. Der Minister: Präsident Hofmann ganbi, daß die allerneuesten TiSpOfiÜOULU der Regiernng woh[ die Frage der provisorischen Verwiiiigung einer Lösung entgegenführen würden.

_ 30. Immnr. (W. T. B.) Die Zweite Kammer macht dar."; Znftandekommen des Volksschulgese§es von der_Ge- nehmigimg des Beschlnffes abhängig, daß in den öffentlichen Schulen Mitglieder eines geistlichen Ordens als Lehrer nicht zu- gelassen werden dürfen.

Mecklenburg. Schwerin, 30. Januar. Die Er- öffnung des außerordentlichen Landtages wird'am Sonntag, den 1. Februar, Mittags 1 Uhr, im Großherzogirchen Schlosse staitfinden. ZU LandtagH-Kommiffarien find der M1: nister-Präfideni Graf v. Bnffewiß und der Staatöraih Weizel1 bestimmt. Man wird nicht in Unifor:n erscheinen. Nack) bei den in den nächsten Wochen bevorstehenden Hoffesten wird naeh der früher bereits verbffenilichien Bekanntmachung des Hbf: marschailamies vom 17. d. M. keine Gala angelegt werden.

Rostock, 29. Januar. Auf die von hier_ abgegangene Petition, betr. Veröffentlichung der für den außerordentlichen Landtag bcstimmten Vorlage Und Geftatinng yon Versamrn- lungen znr Besprechung der Verfassungs:Angelegenheit im ganzen Lande, event. einer Versammlnng in Rostock, ist, wie die „R. Ztg.“ mitiheilt, das nachstehende Reskripi em: gegangen: _ .

„Auf das (Zieinch rem 19/20. 1“, M. wird Ihnen biernn: er- widert, das;, da Die von Ihnen geirünichie ichleunige amtliche Veröf- fentlichung der dem bevorstehenden an!;ererdeniiichen Landtage zu machenden Vorlagen Wader der im hiesigen Lunre wie in anderm Staaten bestehenden Uebiirhkcit nrw den der LandiagÖ-Veriammlung Ihrem dcsfnlliigcn Anfrage nicht zu wiilfahrcn ist Und damit Ihre weiteren Anträge grgrnstanrs- los geworden iind.

Srbiverin, den 26. Januar 1874.

Grrszherzeglich mecklenburgische? I)iinisierium des Innern. Wetzell.“

Vraunfchtveig. Braunschweig, 30.Januar. (W. T. V.) In der heniigen Sihung der LandeSversamnr- lung fand die erste Lesung ch Geseheniwurfs, über die künftigen Wahlen zum Landtage statt. Der §. 2 deffclben, welchrr die Einführung, der direkten ge- heimen Abstimmung vorsckniigi, wnrde bei namentlicher Ab- stimmung mit 29 gegen 16 Stimmen abgelehnt. [eignung stimmten sämmiliche iiindiiche Nbgeordneie,

Anhalt. Dessau, 28. Januar. Von der Kommission für innere Verwaliungdsachen war der dringende Nntrug gesteili worden, der Hohe Landtag one die Herzogliche Staatsregie- rung ersuchen, von dem Entwnrfe einer neuen Gemeinde-Ord- nung für jehi abznsehen und der Landtag selbst woiie Über den bereits vorliegenden Entwurf in [)ieno nicht weitrr berathen. StaatH=Minister 1)r. v. Larisch beleuchteie in der hentigen De- batte den Standpunkt, welchen die StaaiHregierung dicser Ge- meindeOrdnunchfrage gegenüber eingenommen und „zeigte, in- wi-zfern dieselbe ein dringendes Bedürfnis; sei Und die Griind- lage bilde, cm die fich andere Gesetze _ das Sci)u[lasten-, Pa- r0chia[-, UnterstÜHUng-Zwohnfiiz, Wegegeseh )e. _ organisch an- fügen könnten. Daß nicht gleich damals (im ersten Siadinm) eine Vereinbarung stattgefunden habe, sei bedaueriick). Uebrigens sei man über die VerhiiUniffe erst nach den ReicheZtagSwahlen recht klar geworden. Die Stadtgemeinden seien dadurch in eine gewisse Aufregung verseht. Das Klaffenshstem erscheine an sick) als das richtige. Die Staat-Zrcgiernng könne in Bezug auf diese Sache kein Vorwurf treffen, die- selbe sei auch jeht nock) bereit, anf ein Provisorium einzugehen. Ein Interim sei bedenklich. Da ferner die Steuereinschäßung sehr niedrig sei, so würde der Census von 300 Thlrn. viele Von der Wahl ausschließen, die bei Durchführung des Klaffen- systems berechtigt blieben. Man müffe auch die Regelung dieser Verhältnisse im Auslande, z. B. in Frankreich mit seinem Census, im Auge behalten. Der Landtag beschloß, von der

Für die Ab- _

weiteren Erwägung des vorgelegten Entwurfs der Genieinde: ordnung ganz abzustehen. _ Dnrauf_ folgte der Bericht der Kommission für Jinanzangelegenheiten Uher _den Abschluß der Herzoglichen Staatsschulden-Verwaliungskane fur daS Jahr 1872. Die Aktiva fteUen fich auf 2,879,087 Thlr., die Passiva auf 5,213,880 Thlr. Der Antrag, daß der hohe Landtag Decharge ertheilen wolle, ward einstimmig angenommen und darauf durch Schlußabftimnmng der die Abänderung des '_§. 26 der Land: schaftSordnung betreffende Gcseßenttvnrsgenehwigt. _ Ueber den die Erbschaftssteuer betreffenden Gesehentwnrr berichtet darauf der Abg. Pbtsch. Die Vorlage, die ßch _mrt Airsnahme _von zweiParagraphen an das preußische Erbschaftsnenergeseh anschließt, hat in der Kommission allgemeinen Beifall gefunden. Der Eni: wurf wnrde genehmigt und danach auch der "Antrag der Kom- mission, daß das Gesetz erst mit dem 1. Marz 1874 in Kraft treten soile.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 29.3anuar. Das Hans der Abgeordneten wählte heut die Mitglieder der Staats- schnlden:Konirdlkommisfion sowie des konfesfioneilen Ansichnffes. Harrant interpeilirte betreffs der Verzögernnn der Wahl an Stelle Jungbauers, deffen Wahl annulirt worden. Steudel be- antragte die Einsehung eines Ausschusses zur Unierinchnng der Gründe der Kohlentheuerung. Die Regierungsvdrlhge über die AktiengeseUschastcn wnrde einem aus dem ganzen Hause zu wählenden Llchtsehneransschuffe zugewiesen. Die lehthin ge- wählten Ausschiiffe konstituirten fich.

Pesth, 29. Januar. Der Geseizentwnrf Über die schwebende Schuld der Ostbahn wurde von 8 Sektionen angenommen und in der neunien mit Einer StimmeMajorität abgelehnt. Referent des Eeiitralaiisschuffes ift Karl Oetvös,

_ In der Nbcndfihung des Abgeordnetenhauses wurde von der Rechtskommission der Notariatsgeiehentwurf und vom Centralaitsschnffe der Bericht Über den Ostbahn-Geieheniwurf vorgelegt; [eizierer wurde auf die Tagesordnung der Sonnabend abzuhaltenden Sihung geseßt.

Großbritannien und Irland. London, 28. Ianunr. Nui Oderne fand gestern nnter dem Vorsih der Königin wieder eine Knbinetsberathung statt, bei welcher der Lord Präsident der? Geheimen Raths, der Premier Gladstone und der Earl von Kimberley zngegen waren. Nach der Berathung rrtheiite Ihre Majestät Hrn. Richard Amphleit, dem neuen Richter des Schußkammergerichishofes, die Riiterwbürde.

_ Der französische Botschafter am hiesigen Hofe, Herzog de [n Rochefoucauld-Bisnccia, ist von Paris auf seinen Posten hierher znrückgekehrt. Graf Xavier de Fiorian, Attaché bei der französischen Botschaft in Berlin, ist zur Botschaft M London verseht worden.

Frankreich. Paris, 28. Januar. Der gestrige Ball im Eihiee war eben so glänzend und noch ßärker besncht, als der erste; es wären dazu 8500 Einladungen erlassen worden. Das Fest ging erst um 6 Uhr Morgen?- zu Ende. '

_ Der Oberste Unterrichtsrath hat in seiner letzten Sihnng beschlossen, daß das Examen für das Lnecniäureäi *05 196533 von “Lehr ab in zwei Stationen abgelegt werden 7011. Bisher machte das Examen den Schluß der gesammten Schul- bildung; jehi soil es in zwei Theile zerleqi werden; der erste umfaßt die Unierrichisgegenstände bis zur ,Rheiortque'« (Unter- prima), der zweiie, mit mindestens einer Zwischenzcir von einem Jahre, repeiiri Und nimmt den Spezial-Unierrickzides [ehien Inhres, der Philosophie (Oberprima) in seinen Bereich auf.

Versailles, 30. Januar. (W. T. B.) Die National: versammkung begann heine die Generaldebatie über die neuen Steuern. Der Finanz-Minister Magne hob hervor, die Rexiernng und die mit der Brrathnng der Vorlage betrante Kommission seien Über die Nothwendigkeit dreier Punkte einig, einmal darüber, daß das Gleickigewicht zwischen Einnahmen und ?[UIgaben stärergesteili werde, sodann darüber, daß die danern- den Und wiederkehrenden Aushaben aus dauernden und leichtzu ersehendenHÜlch-queüen beschafft würden, endlich dnrüber, daß di: künstlichen Hitlisrnitiek, namentlich weitere Anleihen, fern zn halten seien. Er könne es mir bednnern, daß die Kommission auf die Abgaben, die er vorgeschlagen, nicht eingegangen sei. Léon Sai] empfahl wiederholt seinen Antrag, daß die Jahres: quote der Schaldanwriisatibn bei der Bank herabgeieht werde. Die Beraihnng wird morgen fortgeseyt. "“

Spanien. (W. T. V.) Nach einer auc."- Estcila vom 25. d. M. datirten Nachwahl Über Bahdnne hat sich das zwischen Bilbao und Portugalete gelegene Fork Erichame mit seiner ach 115 Mann bestehenden Vesaxznng und der Jesammten AUS- rüstung an die Cariisten ergeben.

Italien. Rom, 30. Januar. (W. T. V.) Gestern fand ein größerer Empfang beim deutschen Gesandten von Keudell statt, dem Viele der höheren Staat?:würdenträger, sowie eine große Anzahl von Depniirten von allen Parteien, auch der frnnzbsische GesckzäficZiräger beiwohnten.

“_ Ter baheristhe Gesandte bei der päpstlichen Kurie, v. Panmgarten, ist hier eingetroffen,

_ Die Depniirtcnkammer schi ihre Beraihnngen über den obligatorischen Volkssckwlnnterrickn fort.

Türkei. Wie der „Times“ ans Konstantinopel gemeldet wird, hat die Pforre in Erwiderung auf eine dem Bei) von Tunis gemachte förmliche Vorstellung die befriedigende Znfiche- rnng erhalten, das; die tunesische Regierung den Sultan stets als ihren Kalifen und Snzerain ansehen werde.

Kragnjevacz, 29. Iammr. Dcr Unicrsnckznngc': aUcZschUß übergab der Skuprschina seinen Bericht, der auf gerichtliche Verfolgung des gewesenen Kriegs eMinistcr-x- Beii Markovits lautet. Die Skiipiichinn lud laut dem bestehen: den Gesehe den Angekiagten ein, die Akten des Ausschusses zn stndiren und sich anf die Vertheidigung vorznbereiten. Bis dahin wnrde die Skuptschina vertagt.

Rußland und Polen. St, Petersburg, 28. Januar. Heute Morgen besichtigte der Kronprinz des Deutschen Reiches dae."- Festnngsarsenal. Hieranf _ besuchten die Kron- prinzlichen Herrsthafien die Im-iks- und Kasansche Kathedrale und einige Magazine. _ .

_Ueber die Festlichkeiten amKatserlichen Hofe meldet die „St. Pet. Ztg.“ noch Folgendes: _

Gegen halb acht Uhr kleidete fick) die Stadt in den he111_ien Glanz brillanter Illuminativn und besonders war der Weg vhm Winterpalqis bis zum großm Theater und dessen Umgebung in ._glanzendstcr Welse erleuchtet, um die Neuvermählten, das Hohe Kanerhaus u_nd 1eme Gäste auf der Fahrt zur Gala-Vorst'ellung zu ehren. Die große Morskaja und die Nikolskaja hatten em ganz besonders festliches Gc-

wand angelegt. Gegen halb neun Uhr fuhren die prächtigen Gala-

wxgen der „()-Ihen Mitglieder des Kaiserlichchn quies uad seinxr Fürst- lichen Gäste bei dem Theater vor, die Equihagxn der Neuvrrmahltea mir den bskanntm herrlichen Grauschimmeln beipannt.

Im Theater hatten fich indriicn aÜe Räume mit dem giäniendften in Uniformen, Siernen, reichen Teiliien Und Erelsteinen sxcahlenden Publikum gxiüilr. Als die Hohen H;*rrschastrn in die _greße Kaiser- liche Mittelloge eingxtreien waren, inionirie das'Orckzeiter zrerst die cngliirii-preuhiicbe Narionalhymne und darauf die ruststhe, während Se. Majestät der Kaiser die Hohen Neurermähiteu auf ihre Pläßein die Mitte der ersten Reihe führte. Nach Beendigung der Hymne begrüßte das Publikum die Hohen Ncuvermählten, das Kaiserliche Haus und seine Gäste mit drnncrnksm Hnrrah.

In der ersten Reihe der nrrßxn Kaiierlichen Loge hatten Play genommen: In der Mitte die Hohen Neuvermählten. Neben _Jhrer Kaiserlichen Hoheit der Großfürstin Maria Alexandrowna sax; Se. I)imjrstär der Kaiser, rann iolgie Ihre Kön7gliche Hoheit die F?rin- zei'in vrn Wales, Se. Kaiserliche und Königiirbe Hoheit der ron- Prini des Deniickirn Reich:“; und von Preußen, Jhre Kaiserliche Hoheit die Großiürstin Alexandra Jeiephrirna und Se. Knisrriich: Hoheit der Großiürst ThrMiolg'r. Ani rerumreren Seite neben Sr. Königx [iÖSki Hoheit dem Herzog von Erinbhrgh folgte Ihre Kaifxrliche und Königliche Hoheit rie Krrnhrinzeiiin des Deutschen Reichs und von Pr-xuszsn, der Prinz von Wach, Ihre Kiiserlirhe Hrheit die Groß- fürstin Criarewna, dsr Kronprxnz ron Dänemark Und Ihre Kaiser- liche Hoheit rie Großfürstin Alexandra Peirewna. In der zw“iteu Reihe hatte die Prinxeifin Marie von Baden, die Prin- zessin Eugenie von Oldenburg, Se. Hoheit der Herzog von SachHn-Cebura'Goihi, Prinz“."lrthur von England, Prinz Alexan- der von Hessen, Jhre KK, Hoheiten rie Großfürsten, die Prin- zen von Oldrnbura und M.cklenbnrg, in dritter Rrihe eine zahlreiche glänzenre Suite Plah genommen. In den Kaiserlichen Seiteniogen befanden sich die Uiierivachiencn Mitglieder der Ka:“serlhhen Familie. Se. Majestät der Kaiser irng rie Unifrrm des Lsihgnde-Kosakea- Regimenis und _ wenn wir 11icki irren _ die Sck)ärpe des englischen Öbicnband - Ordens, Se. Kaiieriiche HehIir rer ThrrnfrlZer (Zeiarewiiich die Uniform ws Leihgxrde-Aiaman-Regiments und das Band des_ Sckywarzen Vldle'r-Ordens. Die riiifiickzen Herren trugen rie hrenhiichen GroßsCerdo-ns, die fremden Fürstlicbkciien das Band des AndreaÉ-Ordens. Sc. KaiicrlicbeHrheii rer Deutiche Kron- rrin; criÖien in der Uniform des ruihirhen Regimenis „Friedrich Wilhelm_ 111 König ron Prenßcn“, der Herzog ron Edinburgh trug die rnsfiickie Marinenanrrm.

Die Verstellunq wurde mit d rBaikonirene aus Verdis „Romer! und Giulietta“ eröffner. In der Pause Wurden Eririschungen Drä- ientiri. Dann folgte ein Akt de? B&Ueis „Der Schmetterling“. Die Vorstellung war der glänzenden Feier würdig.

_ Dae"- ,J, de St. P.“ ist in der Lage, die Namen der Personen anzugeben, welche den Kaiser Franz Joseph hier- her begleiten Werden.

Die Suite Sr. Kaiserlichen nnd Königiick'en ahvstblischen M3- ii'stät wird bestehen (aus dern Gsneral Adjuianien Feldmarschall-Lien- ienani Graf von Beilegurde, dem G.*11erai-Ülrjuinnixn Gxneral-ijor Graf Pejncicvikh, dcn Majoran Fürst Lebkrwih, Graf v. Grünne, Freiherr v. Löhnshirn. Nétneihy und Freiherr v. Salis, Adjutanten Sr, Majestät, ren Rhimeistern Buren Wersehe und v. Kcönczeöll, Profesier 1)“. Löbl Leibarzt Sr. Majestät. Die Yiiiiiär-Kanziei Sr. Majsstäi bestehi _aus deren Chef (V-neral-Major Ritier von Bcck, Oberst Kraus, Hanhitnmn Bakalrwiiich und zwei Beamten T-iarz und Haikuwicx. Das Käbitiet Sr. Majestät wrrh Vertreten sein durch drn Kxhineischsf Sinaisrath Baron Braun, den Gouvernemenisraih von Hofmann, Hof-Sekreiär Sawiczki Und noch einen Weiteren Beamten, BUS Bertreisr des Oberstaiimeisters der Obrrst-Licutenani Ritter von Brecsia. (Endlich vom Ministerium des Aeuszxrn werdcn anwesrnd sein: der Graf Andrassh, Minister des Anßern und des Kaiserlirhen Harries. S. E. drr Sektionschef Baron v. Heimann, dcr Sektionsrnih Ven Waivrik, Von Okoiicianyi und der MinisteriaL-Rath Hofrath Ritter von SÖ'ng-Il,

Das Dienstherienai Sr. Kaiieriiche und Königliche Majestäi und seiner Umgebung wird 36 Personen umfassen.

_ Das Gouvrrnemeni Augustbwo, soll wie die „R. W.“ nus ziwerlasfiger Qucile erfährt, mit dem General: Gouvernement von Wilna vereinigt und and den Kreisen dess Gouvernemenix; Ljnb.in, die voanffen benwhni sind, nebft zwei Kreisen des Gde-ernemenis Woihhnien ein neues Gouver- nement gebildet werden.

_ DerPdsten des General-Gonvernenrö von Neu- rnßland und Bessarabien wird dem „Grashdanin“ zufolge nicht wieder besrht werden, sondern ganz eingehen.

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Schw-rden und Norivegen. St 0 ck h 9112: ," 27.“ WBZ. Der König ist gestern Mittag um 12 Uhr in Upsala ange- kommen und cim Bahnhdfe vom Erzbischof und Win Amtmann empfangen worden, woranf Se. Majestät fich im Wagen des Erzbischofs nach dem Hanse desselben begab, um dort während seines Beinches in der Stadt zu logiren. Später besuchte der König die Versammlnng des landwirthschafiiichen Vereins, sowie die Achstelinng, dinirte um 4 Uhr beim Erzbischof Und kehrte 7 Uhr Abends nach der Hauptstadt znrück.

_ Unter den beim Reichstage eingegangenen Vorsrhlä: gen befinden fich zwei von V. desdn OlSsdn: drr eine geht darauf aus, daß nxrschiedene Kaffen, welche nnter Verwaltang des KriegS-Ministerimns stehen, der Staatskasse zngethcili wer- den 7011611, weil der König iiber jene KUffOn verfügt, nn?- weichen im Jahre 1870 ca, 1,700,000 Rdi. zn KrichUUkUftsn aiieF-ge: geben worden find; der andere geht dnrnuf aus*, daß nur solche bffeniiiche Vlrbeite'i in Angriff genommen werden, welche mittelst der vom Reichsiage ,bewiiligten Snmmcn vonührt werden können.

Amerika. (N. A. C.) Aus Mainmoras, 11, Januar, wird gemeldet: Die Streitmacht des Generals anedn, des ab- geieizwn Gdiwernenrö Von Coahnlia, ist abermals von den Truppen der Stants-Legiskainr geschingen wiirden, und Dr. Silas wnrde von letzterer ziim GMWLL'UOULJ erwählt. Das Treffen war zwar scharf, aber nicht entscheidend, da beide Par: teien sich noch im Jeide befinden. Die Bundesregierung von Mexico hat einen provisoriichen StaatsGdnbernenr ernannt, bis eine ordeniiiche Vdikdwnhl stattfinden kann. General Flemy, der 1000 Mann Bimdestriwpcn und 2000 Nnxionai=Gardjften unter seinem Befehl hat, wird wahrstheiniirh weitere Feindselig- keiten zu verhindern im Stande sein.

Asien. Ueber die bengalische Hungersnot!) wird den „Times“ ans Calcutta vom 28. d. Mid. gemeldet: „Bei dem Diner des Gewerbevereins crilärie Herr Bahlel), der KoUeg-e des Vice:Kbnigs, die Hungersndth für sehr ernst. Auf dem Reismarkt wurden große Einkänfe für die Kolonien gedacht. Die Artefuhr vergrößert fich, und die Einfuhr für Rechnung der Regiernng ist klein. In Calcutta wie im Innern strich die Preise. Der Nothstand ist ernstlich in Nord-Vehar. Die Nothvauten smd ungemein stark in Anspruch genommen. Es find Komites organifirt worden und Vorschüffe werden nachge- iucht. In Vatna hat ein Hülfs-Meeting stattgefunden. Der Frost hat die Saaten ernstlich beschädigt. Der Wafferverkchr ist schwierig und die Brunnen trocknen aus. In Singhbhun. herrschte die Viehseuche.“