Außerdem wurde dem Präsidium die Ermächtigung ertheüt, mit der Firma Siemens u. Halske wegen probeweise: Aufstellung eines Abßimmungs = Telegraphen in Verbindung zu treten. „_ . Schließlich erklärte der Reichstag die Wahl des Abg. v. Klem- sorgen für Sigmaringen für gültig, da die vorliegenden Proteße unerheblich find.
_ In der heutigen (28) SiYung des Deutschen Reich-Ztages, welcher die BUUdesbevoklmächtigten Staats- Minißcr Delbrück, v. Nostiß-Wallwiy, ferner der General=Tele-
aphen=Direktor Oberst Meydam, der Geheime Ober-chierungé- Rath Michaelis und andere Bundeskammiffare beiwohnten, wurden zunächst einige Wahlprüfuugen erledigt. Bis zum Schluß des Blattes war die Wahl des Abgeordneten v. Seyde- wih für den 10. Liegniyer Wahlkreis beanftandct und die Bean: tragung einer näheren Untersuchung der vorgekommmen Unre- gelmäßigkeitcxt beschlossen.] ““*_ UeberfernereKundgebang-en für das dem Reich?:- tage vorliegende Militärgesey liegen heute Berichie vor aus NordhaUsen, Cassel, Hagen, Burgdorf, Hameln, E(dagsen, Lübeck, Braunschweig, Wolfenbüttel, Harzburg, Apolda, Baden 2c. Wie die „Kölnische Zeitung“ mekdet, hat die in der Ver-
sammlung in Cöln vom 6. d. M. bkschl0ff€11e Adrkffeder [ibe- : ralen Reickzstagswähler an dén Reichstag bis; gestern Abend be: ; reiiS 4000 Unterschriften gefunden, eine AUzahl, die etwa zwei *
Dritteln der Stimmen der vereinigten Nationalliberalen und der For1schri11§partei bei der [eßten Reickiéztagswahl entspricht. Die Unterzeichnungöiisien sollen heute Abend nach Berlin gesandt werden und Nachtragslisten noch einige Tage aufliegsn. * Aus Stuttgart, meldet W. T. B. Unter dem 9. April, Abends: In einer zahlreich besuchten Versamm- lung von ReichHiag-Zwähkern wurde heute die Resokution ange- nommen, dem Reichstage gegenüber den Wunsch aquusprechen, daß die Friedenspräsenzftärke der deutschen Armee durch das Mi- litärgeseß festgestellt werde und, daß der Reichstag fick) mit der ReichSre kerung Über die Friedenspräsenzstärke auf einer von der Rei )Sregierxmg für annehmbar erachteten Grundlage eini- gen möge. Tie gestern von Straßburg abgegangene Petition hat folgenden Wortlaut: „Zahlreiche Altdeutsche aller Bsrufsklaffsn fühlen fich zur 'Er- klärung gedrungen, das; die Gefahr, die Fordsrungcn der Rkichs- regierung bezüglich der Präsknzstärkc dcs Reichdbécrcs möchten nicht die Zustimmung der Reich9majorität erHalicn,« dix Gemütber der Deut- schen in Elsaß-Lothringen mit peinlichstyr Svrge erfüllt. AU:: dim Vorposten des Reick)?» unter feindlicdsn Elementen konstatirsn wir die Befriedigung dieser feiüdlickzen Elemente Über die bisher der Re- ierung bereiteten Schwierigkeiikn, über die drohende Wiederkeör frü- Lerer deutscher Uneinigkeit uud Schwäche, über den deutschen Ideolo- kn, welcher die Stärk? DCS Vaterlandés unbewußi ssinen Feindsn reis giebt. Wir fordern di€ reiéstrcuen AbngthLn aui, einmü- thig zur Regierung zu stehxn und angefiÖis der Rüstungen Frankreichs uuskre militärische Kraft in fester Einigkeit zusammenzuhalten.“ _ Der General=Major und Commandeur der 11. Infan- terie-Brigade von Rothmaler hat fick) mit kurzem Urlaub nach Liegniß begeben.
_ Der Generakarzt 1. Klasse und Corpsarzt des )(11. (Königlich Sächsischen) Nrmee=Corps ])r. Roth und zahlreiche Ober-StabS- und StabHärzte find zum ChirurgemKongreß hier: her kommandirt worden und zu diesem Zweck hier eingetroffen.
_ Der ngierungs- und Landesökonomie-Ratk) Buß bei der General-Kommisfion zu Caffek ift auf seinen Antrag mit Pension in den Ruheßand versth. Der SpeziaL-Kommiffarius zu Eschwege, Regiemngs-Asseffor Kneuper, ist als HMH- arbeiter in das Kollegium berufen und die Verrvaltung der Spezial-Kommisfion zu Eschwege dem bisher beim Kollegium beschäftigten Regierungs-Affeffor Rauch übertragen. Der Ge- richts-Affeffor Delius ist in Folge seiner Uebernahme in die landwirthschaftliche Verwaltung zum Regierungs-Affeffor ernannt. Dem Spezial-Kommiffarius, Regierungs-Affeffor Knaß, bisher in Gelnhausen, ist in Fo1ge Verlegung der dortigen Spezial- Kommisfion nach Hanau der zuleZt genannte Ort zum Woßnfiß angewiesen. *
Hildesheim, 7. April. Die gestrige Erinnerungs- feier der Kampfgenoffen des deutschen Reichsheeres vom Jahre 1848 *49 an die Schlachten im April 1849 fand eine recht rege Betheiligung und verlief in heiterfter Stimmung. LlUf Beschluß der Versammlung wurden an Se. Majestät den Deutschen Kaiser und an den Verein in Dresden, resp. an den König von Sachsen, welcher als damaliger Kronprinz das sächfische Bundes- Corps in Schleswig-Holftein befehligte, auf telegraphisckzem Wege Begrüßungs-Telegramme abgesandt.
Bad Ems, 6. April. Wie die „Elb. Ztg. mittheilt, mird Se. Majestät der Kaiser von Rußland nach den ge- troffenen Reisediöpofitionen am 20. Mai hier ankommgn und in den „Vier Thürmen“ absteigen.
Bayern. Münchxn, 10. April. (W-T. B.) Vom Kultus-Minifterium lft heute das Rechtsgutachten über die Frage der Anerkennung von Reinkens als Bischof der Altkatholiken in Bayern vxröffenilicht ivorden. Dasselbe geht im Wesentlichen dahin, daß dre bayerische Regierung nicht berechtigt ist, den Bischof Reinkens mit den begehrten rechtlichen Folgen im Verwaltungsmege anzuerkennen, sondern daß es dazu eines Ge- seßes und zwar eines VerfaffungSgefeHe-Z bedarf.
Sachsen. Dresden, 9. April. Die Deutsche Kai- serin ift heute Nachmittag kurz vor 3? Uhr, zunächst von Wei- mar kommend, zu einem Besuche am Königlichen Hofe hierfelbst eingetroffen. Der König und die Königin, die Königin Marie und dar Prinz und die Prinzessin Georg empfin- gen die Kaiserin im Leipziger Bahnhofe und geleiteten I re Majestät nack) herzlichßer Begrüßung nach dem Königli en Schlosse. Der König und der Prinz Georg trugen die Uni- formen threr Kö:1iglichen preußischen Regimenter. Im Bahnhofe waren auch der hiesige Königlich preußische Gesandie Graf Sokms-Sonnewalde und der Gesandtschafts-Attaché Graf von Bismarck zur Begrüßung Ihrer Kaiserlichen Majestät anwesend; ferner der Stadtkommandant General-Lieutenant Freiherr von
usen, der Königliche Polizeidirektor Schwauß und der Eisen- ahndirektor Böge. Im Königlichen Schlosse fand um 44 Uhr bei Ihren Königlichen Majestäten Familientafel ßatt, und Abends kehrte die Kaiserin nach Berlin zurück.
Würxtemberg. Stuttgart, 9. April. Der König „hat'die Prmzen Bernhard und Alexander zu Sachsen- WetmarZEtsenach, Söhne des Prinzen Hermann zu Sachsen- Weimar-Eisenach, unter die Großkreuze des Ordens der Würt- tembergisckzen Krone aufgenommen.
_ Dem GeanaZ-StabSarzt, Dr. von Klein, iß die Steüe des Chefs der Milxtar-Medizinalabtheilung des Kriegs-Ministe-
riums und dem Direktor des Ober-KriegSgerichts, von Schall, die SjeUe des Chefs der Iußizabjheilung des Kriegs-Minifiermms übertragen worden.
Mecklenburg. Schwerin, 9. April. -Der Jürß Windischgräß ift nebß drei Prinzessinnen Töchtern geßern Abend hierselbft eingejroffen.
Sachsw-Weimar-Eisenach. Weimar, 9. April. Die DeutscheKaiserin und der Fürst Reuß Heinrich )(]1'. kamen gestern zu einem Besuche am Großherzoglichen Hofe hier an. Ihre Majestät reifte heute nach Dresden ab.
_ Der Geburtsta der Großherzogin i| geßern in herkömmlicher Weise feßli begangen worden. Die öffentlichen Gebäude, sowie zahlreiche Privathäuser prangten im Flaggen- schmuck. Um 12 Uhr fand im Großherzoglichen Refidenzschloß GratukationScour statt, bei welcher di? Mitglieder der Staats- Ministcrien, die bei dem Großherzoglichen Hof beglaubigten Ge-
s sandten, die Vertreter der Univerfität Jena, der LandtagMorstand,
das Offizier-Corps des 94. Infanterie-Regiments (Großherzog von Sachsen), die Höheren Beamten, sowie ;ahlreiche Fremde von Distinktion Ihrer Königlichen Hoheit ihre Glückwünsche dar- brachten. Nachmittags 4 Uhr fand im Refidenzsckzloffe Festtafcl statt. Abend?: 7 Uhr begaben fick) der Großherzog und die Großhsrzogin, sowie die zu Besuch anwesenden AUerhöckgsten und Höchstkn Herrschaften in die Gala-Vorßeüung des Großherzog- 1ich€n Hoftheaters. Das zahlreich versammelte Publikum be- grüßte die Fürstlichen Herrschaften bei dem Eintritt wie bei dem Verlassen des Theater in ehrfurchtcsvoüster Weise.
Lippe. Detmold, 9. April. Tas „F. L. Reg. 11. Anz.- Bl.“ veröffeutlicht einen Bescheid des KabinQFMinisteriums auf die Eingabe der „Horrem Büxten und Genossen vom 23. März d. I., welche als AquleickxmgSmittel in dem Verfassungs- konflikt die Berufung einer Versammlung nach dem Reichs- wahlgesexz vorgeschlagen haben. Das Kabinets:Miniftkrium be- ton: in der Antwort, daß eine Ancrkemumg des 3691: Wahlge- seHc-Z eine unbedingte Forderung der Rothwendigkeit sei. So: lange eine beschlußfähige Landesvertretung verhindert werde, bleibe der Regierung nichts übrig, als die Regierung des Landes auf eigene Verantwortung weiter zu führen.
Oesterreieh-Ungarn. Wien, 9. April. (W. T. B.) Der neu ernannte päpstliche Nuntius Iacobini Trifft zur Uebernahme seineH Postens morgen Hier ein.
_ An die am 26. t). M. zu Ende geführten Berathungen Über das Lehrerbildungswesen reihten fick), wie die „Prag. 3.“ mitiheilt, die weiteren Berathungen Über Normal-Lehrpläne für Volks- und Bürgerschulen. Für leßtere wurde be- reits durch den Erlaß vom 20. August 1870 ein provisorischer Lehrplan angeordnet, und was die ersteren betrifft, so war bis- her das in den §§. 51_60 der Schul- und Unterrick)tsordnung aUgemein gesteckxe Ziel maßgebend. Bei ÖLU gegenwärtigen Be- rathungen Über die Bürgerschule ist bestimmt worden, daß die ach1klasfige Bürgersckzule die vollendetste Gestalt der Volksschule zu repräsentiren habe, daß dieselbe daher eben so wenig den Charakter einer Fachschule, als den irgend eines Vorbereitungs- inftitutes haben dürfe. Mit Rückficht auf diesen rein praktischen Zweck ging die Kommission bei der Wahl und Anordnung des Lehrstoffes vor.
Pest, 7. April. Wie der „PeßiNaplo“ meldet, arbeitst der Finanz-Minißer Ghyczy an einem Exposé, welches ein vollstän- digeH Bild der Finanzlage und die von ihm zu machenden Vorschläge enthalten wird. Daffelbe solT im Laufe dieser; Mo- nats im Reichstage vorgetragen werden.
Niederlande. Haag, 6. April. Der Kaiser von Rußland wird dem Vernehmen nach auf seiner demnächst be- vorstehenden Reise nach England einige Tage im Haag zum Besuche des niederländischen Hofes verweilen.
_ Das Programm der Festlichkeiten, nach welchem die Haupfstadt des Landes, Amsterdam, des Königs 25jähri- ges Regierungsjubiläum am 12. Mai feiern wird, ist fol- gendes. Der König wird, wenn keine Aonderung des Programms eintritt, am 11. Mai seinen feierlichen Einzug in Amsterdam halten, und zwar zu Pferd; und es werden ihn in dom Fest- zuge begleiten die Königin, in ciiiem Gala-Wagen, sämmtliche Prinzen des Königlichen Hauses nebst deren Hofstaat Und dem mikitärisckzen Hause ch Königs. Am 12. findet die kirchliche Festseier in dsr Nieuwe Kerk und am Abende eine allgemeine Illumination statt. Am 13. ist Gala=VorsteUung im Theater. Auf die beiden folgenden Tage smd Beglückwünsckzunch- Audienzen und Fcfibankette angesth. Die Wiederabreise des Königs nach dem Haag wird am 16. erfolgen. Den Fest- lichkeiten in Amsterdam werden sämmtliche Minister, das diplo- matische Corps, die Mitglieder des Staatsrathes und beider Kammern der Generalstaajen und die Bürgermeister der bedeu: Tendften Gemeinden des Reiches beiwohnen. Auf den Strecken, welche der König bei seinem Einzuge berühren wird, wird eine Reihe von Ehrenpforten fick) erheben. Ihre Einrichtung ist bereitS in Angriff genommen. Auf dem Konningplein (Königs- plalze) wird die Haupt-Ehrenpforte prangen, welche ganz aus Blumen und Pflanzen mannigfachßer und seltenfter Art be- ftehen wird.
_ Der Minister Geertsema befindet fick) seit einigen Wochen in Wiesbaden zum Gebrauche einer Kur. Er wird zu dem am 9. d. Mis. stattfindenden Wiederbeginne der Sitzungen der Ersten Kammer der Generalstaaten zurückerwartet.
_ Auf den 16. d. Mis. ist in der Zweiten Kammer der Generalstaaten die Verhandlung über eine auf die Politik der Regierung in der atchinefischen Frage bezügliche Inter- peUation anberaumt. Es haben fick) Gerüchte verbreitet, nach welchen die Oppofition einen Versuch machen würde, bsi diesem Anlaffe durch ein Tadels- oder Mißtrauens-Votum das Mini- sterium zum Sturze zu bringen.
_ _ In Rotterd am war am 31. März wieder ein Cholera- xaU mit tödtlichem Verlaufe vorgekommen. Indessen ift derselbe seitdem ohne Nachfolge geblieben.
Großbritannien und Irland. London, 8. April. General-Major Sir Garnet Wolseley hat mit seiner Gemah- lm eine ErholungSreise ins Ausland angekreten, kehrt aber An- fgngs Mai wi der nach England zurück, um einem Bankett, das dre.Stadt Po mont? der „Schwarzen Wache“ und der Marine- Brigade zu geben ge enkt, beizuwohnen.
, Frankreich. Paris, 8. April. Gestern hat zu Vue ber Versailles der Bau der neuen Feßungswerke be- gorxnen. Drei der neuen Forts, die von Buc, VaUeras und SanZt-Cyr, soUen in diesem Jahre zum wenigßen beendet werden. Satnt-Cyr soll eben so stark werden wie der Mont Valérien. Der Jura wird gegenwärtig von Genie-Offizieren bereift, da dem Vernehmen nach mehrere Punkte deffelben befestigt werden
sollen. Alle diese Arbeiten Werden jest mit dem größten Effex betrieben.
_ Heute fand das Leichenbegängniß des früheren Ministers des Innern und Deputirten Beule“: in der Kirche Saint Germain des Prés (Faubourg St. Germain) ßatt. ' Leidtragenden hatten ßch im Institut versammelt, wo Beulé, der ständige Sekretär der Akademie der schönen Künste war, wohnte_ Der Zug seßte fich um 121 Uhr nach der Kirche in Bewegung, Ein Bataillon Infanterie bildete die Eskorte. Die Zipfel des Leichen1uches trugen der Herzog de Broglie, Vice-Präfident des Ministerraths, Buffet, Präsident der Nationaloersammlung, Jourdain, Präfith der Akademie der Inschriften, Wallon, von der Akademie der schönen Künste, und Caro, von der franzöfischen Akademie. Unter den Leidtragenden befanden fi außer den Verwandten der Fürst de Berghes, Iäger=Lieutenam„ wekckzer den Marsckzakl Mac Mahon vertrat, der Kriegs-Minifter General du Barail und der Gouverneur von Paris, General Ladmirault (beide in bürgerlicher Kleidung), d:“r franzöfische Bot- schafter in London, Herzog de La Rochefoucauld : Biiaccia, dj; Mitglieder des ständigen Ausschusses der Nationalversammlung, view andere Deputirte, Mitglieder det: Akademien, Journalisten, Gelehrte u. s. m. Der kirchlichen Feier stand der Bischof von Angers, Mr. Jreppel, vor. Um 11/2 Uhr begab fick) der Leichen- zug nach dem Kirchhofe Pére Lachaise. Am Grabe wurden vier Reden gehalten, die erste von Jourdain, von der Akademie der Inschriften, die zweite von Signal, von dsr Akademie der schönen Künste, die dritte von einem Mitgliede von der 120014; 1101111818 nnd die vierte vom Herzog de Broglie, dem Vice- Minißer-Präsidenten.
_ 10. April. (W. T. V.) Das „Journal officiel“ ent; hält eine die Flucht Rocheforts und seiner Genossen betreffende Miülxilung der Regierung, nach welcher die Ent- weichung auf einem englischen nach Australien bestimmten Schiffe stattgefunden hat, während der Gouverneur von Neu-Kaledonim auf einer JnspektionSrundreise begriffen war. Eine strenge militärgerichtliche Untersuchnng dee.“- näheren Vorganges ist ein- geleitet. Von Seiten des Marine-Miniiteriums ist ein höherer Offizier init den umfängkickzsten Vollmachten fÜr etwaige weitere Schritte in dieser Angelegenheit nach Neu-Kaledonien abgeordnet, wohin derselbe am 14. d. M. abgehen mird.
Versailies, 9. April. (W. T. B.) In der heutigen Sißung der Permanenzkdmmission kam zunächst die Ver- hängung dcs Belagerungszustandes über die Stadt Algier zur Sprache. Der Herzog von Broglie erklärte, der General-Gou- vemeur, General Chanzq, habe wegen der von der Presse in Algier begangenen Ausschreitungen die Maßregel betrieben, die
Notabeln von Algier seien vorhrr darüber befragt worden und -
hätten die Maßregel durchaus gebikligt. Betreff?- der erfolgten Auflösung des MUnizipalrathes von Marseille, welche sodann in Anregnng gebracht wurde, wurde vom Präfidenten der Nationalvsrsammlung, Buffei, bemerkt, es sei daS eine Sache, die zu einer Wiedereinberufung der Nationalversammlung einen so dringenden Anlaß nicht geben könne, die Permanenzkom- misfion gehe dieselbe nichts an. Endlich wurde auf Befragen vom Herzog von Broglie bestätigt, daß Rochefort aus Neu- kaledonien entflohen sei. Die näckzste SiYUUg der Kommission wurde auf den 23. d. M. anberaumt.
(Monat'sübersicht für Februar und März.) Die Nationalversammlung hat im Monat Februar ihr Bu- reau erneuert; Herr Buffet ist mit einer schwachen Majorität in seiner Stellung als Präfident der Nationalversammlung b- ftätigt worden. Die Erncnmmg der Quästoren hat mehrere Sißungen in Anspruch genommen; schließlich haben zwei der von der Opposition begünstigte Kandidaten den Sieg davon- getragen. Dieser Umstand ist in der Presse als ein Zeichen der Schwäche der RegierungSpartei gedeutet worden. Die rein ge- schäftlichen Sixzungen der Kammer find mit Verhandlungen über das Budget ansgefüUt worden. Die Ersahwahlen, welche im Monat Februar stattgefunden haben, smd zu Gunsten der Bonapartisten Und Repnblikaner auSgefallen.
Der Marscha11 Mac Mahon, Präfident dcr Repu- blik, hat am 5. Februar vor der Pariser Handelskammer erklärt, daß er seine Regierung, d. h, das Septennat vor aUen An- griffen, woher sis auch kommen mögen, schüxzen werde. Diese ku"rzen Worte des MarschaUs find von der Pariser Preffe aus- führlich kommentirt worden und haben eine heftige Polemik zwisthen den regisrungsfreimd[ichen Organen und den Zeitungen der legitimistisckxn Opposition hervorgerufen.
Das neue Gesetz über die Ernennung der Maires ist während des Monats Februar von der Regierung stark aus- gebeutet worden. Der Herzog von Broglie hat ein Cirkular an die Präfekten erlassen, in dem er sagt, daß die Regierung von einem Maire aufrichtigs und unbedingte Zustimmung zu dem Septennat verlange; in Folge deffen smd eine große Anzahl von Munizipakbeamten aus den von ihnen seit dem 4. September 1870 bekleideten Stellungen entlassen worden. Besonderes Auf- sehen hat die Entlaffung des Maire von Versailles, des Herrn Ramsau, erregt.
Herr Emil Ollinier, der seit dem Sturzc des Kaisex- thnms Paris verlassen hatte, ist im Monat Februar dorthin zurückgekehrt zum Behufe seiner feierlichen Aufnahme in die fran- zösische Akademie.
HerrRouher hat in der Zeitung „('-Ordre“ einen Brief ver- öffentlicht, der als das neueste Programm des BonapartiSmus betrachtetwird. Herr Rouher sagt darin, daß die Bonapartisten das Septennat unterstüßen werden, weil diese provisorischeRegierungs- form die Anhänger derselben für die Zukunft nicht binde. Eine definitive Regierung, meint Herr Rouher, müsse ihren Ursprung einem 39le 311 [38111316 verdanken; er glaubt, daß die Mon- archißen es nicht wagen werden, fiel; der Nation gegenüberzu- stellen, und daß das französische Volk schließlich nur darüber zu bestimmen haben werde, ob die zukünftige Regierung von Frank- reich die Republik oder das Kaiserthum sein soll.
_Der Prinz Iéröme Napoléon hat einen Brief veröf- fxntlrcht, in dem er sick) von der bonapartistisrhen Partei, Wie diese von Herrn Rouher vertreten wird, lossagt; er ist in Folge dessen von dcr bonapartistischen Zeitung „Le Pays“, in heftig" Weise angegriffen worden. _
' Michelet, der bekannte Hißoriker, ist am 8. Februar 111 HYSTLS geßorben.
_ Die Nationalversammlung in Versailles hat wahrend des Monats März verschiedene interesante Fragen er- örtert und theilweise zum Abschluß gebracht; auch haben einige stürmische Sitzungen statt efunden, welche die Existenz des Mini- sterium Broglie zu bedroJen schienen. .Das Budget iß in einxr langen Reihe von Sißungen diskutirt worden, ohne daß es blk jest gelungen wäre, die Frage vollftändig zu erledigen; jedoch hat der Finanz-Minister, Herr Magne, die meisten der von ihm gemachten Vorschläge durchgebrackzt. _ Die Verhandlungen über die Befeßigung von Paris find in dem von der Regierung se-
wü nschten Sinne erledigt worden; Thiers, welcher bei dieser gelegenheit eine längere Rede gel) ten hat, ist mit seiner Mei- nung in der Minorität geblieben. _ Herr Christophle, einer der Fuhrer des linken Centrums, interpeUirte die Regierung wegen der gegen die republikanische Zeitung, )(1)(. Siécle, ergriffenen Maßregeln. _ Einige Tage später, am 18. März, erklärte Herr
Cazanove de Pradine, Mitglied der äußersten Rechten, daß er „
und seine Parteigenossen das Septennat nur als einen Ueber- gang zur Monarchie betrachten könnten. _ Am 25. März wurde das Ministerium darauf wegen Auflösung der Munizipalräthe inter- peUirt, und zwei Tage später, am 27. März, verlangte Herr Ta- hirel, ein hervorragender Legitimist, daß eine sofortige Entscheidung über die zu adoptirende Regierungsform getroffen werde. _ Der
Herzog von Broglie hat die von der Linken und Rechten gegen _ das Ministerium gerichteten Angriffe zurückweisen können, Und : ist in allen Fällen der Uebergang zur Tagesordnung mit Ma: '
joritäten von 40-60 Stimmen zu Gunßen der Regierung ent- schieden worden. Bei der Abstimmung über den Vorschiag Dahirel haben Mitglieder der radikalen Partei, Unter Andern die Herren Ledru-Rollin und Naquet, für die Regierung gestimmf. Die regierungsfeindlickze Presse deutet dies als ein Symptom des Zerfallens der konservativen Kammermajorität. Am 28. März hat sich die NationaXUersammkung auf 6 Wochen vertagt.
Der Dreißiger-AuHschuß, welcher Namens des Mar: schalls von Mac Mahon aufgefordert war, seins Arbeiten mög- lichst zu beschleunigen, hat nun seinenBericht Über das neue Wahlgesetz veröffentlicht. Der Herzog von Broglie hat vor diesem Ausschuß einen längeren Vortrag Über die Zusammen: schung einer Zweiten Kammer gehalten, welcher von der fran- zöfischen Presse in lebhafter Weise kommentirt worden ist.
Der Marschall Mac Mahon hat am 19. März und im Verfolg der Kammerverhandlungen vom 18. März _ Rede des Herrn Cazanove de Pradine _ einen Brief veröffent- licht, in dem er erkärt, daß das Septennat als eine Regierung Ini gsuekLZ zu betrachten sei, we1che weder der Republik noch der Monarchie vorzeitig Platz machen würde.
Der Geburtstag des Kaiserlichen Prinzen Napo- leon, welcher am 16. März großjährig geworden ist, hat Ver- anlassung zu bonapartißischen Manifestationen gegeben. Die
öffentliche Ruhe ist nirgends gestört worden; jedoch hat fick) die *
Regiernng veranlaßt gefühlt, den Herzog von Padous und Herrn von Caffagnac wegen hervorragender Beiheiligung an dem Feste in Chiselhurst ach den von ihnen bekleideten SteUen als Maires zu entlassen.
Die Ersatzwahlen, welche im Monat März ftattqeiunden haben, sind zu Gunsten der radikalen Parisi ausgefaUcn; das Departement des Var hat Herrn Ledru=Rollin, das der Haute: Marne Herm Danekle, und das der Gironde Herrn Roudier mit sehr bedeutender Majorität gewählt.
Spanien. St. Jean de Luz, 9. April. (W. T. B.) Marschalk Serrano ist nach Madrid zurückgekehrt, an seiner Statt hat General Concha, der mit Verstärkungen in Santander angekommen ist, den Oberbefehl über die bei Bilbao operirende Armee ÜbkkkaMLn. Es geht das Gerücht, daß der Abschluß einer Konvention zivischen den um Bilbao stehenden beiderseiti- gen Armeen bevorstehe.
Italien. Rom, 5. Aprib Der Finanz-Minifter hat der General-Budgetkommission bereits die vexsthiedenen Voranschläge für das Jahr 1875 zugestellt: Die Einnahmsn find mit 1,142,258,283 Fr. Oxdinarium und 69262568 Fr. Extraordinarium, zusammen 1,211,520,852 Jr. beziffert. Der Voranschlag der AUSgaben des Finanz-Ministeriums beträgt für 1875 857269832 Fr., d. i. 8973302 Fr. mehr als im Jahre 1874, betragen. Davon kommen 1,701,436 Fr. auf Garantien und Dotationm und 7,527,655 Fr. auf verschiedene Verwal- tungSzmeige. Die Verwaltung des Kirckzenvermögcns nimmt 255,800 Fr. weniger in Anspruch (116 im Voranschlag für 1874. Die Zinsen der konsolidirten Zchnld, welche im Voraiisckzlag für 1874 345,034,029 Jr. betrugen, smd um Z,867,048 Fr, höher
Ausßellung des Verein?: zur Förderung des Zeichenunterrichts. ].
Der „Verein zur Förderung “des ZkicbknunicrricLiS“, d im Jahre 1868 von sieben Mitglicdkm [*cgründct, vente bereits dere 166 zähli, hat, wie berc;ts gxmeldei, gcgsnwärtig in den Räumen der biesigen Kunstakademie seine dritte Aussteklung veranstaltet, dis, uach mchr als einer Seite hin umfangreicher als die beiden 1869 und 1870 ihr vorausgegangcnxn, einen doppelten Zwch ins Auge faßt. Es war die Intention des Vercins, ein, soWeit dies möglich, anschauliches Bild von däm augenblicklichen Stande des Zeicheuuntcrrichts in den ver- schiedenen Untcrricthanstalten darzubieten, zugleich aber auch in dcr Ausstcllung dac-jenige Material zu geben, auf Welches cine Klarstel- lung dcr in dem Zeichenunterricht zu verfolgenden Ziele sich gründen muß.
Nach den yetschiedexisien Seiten hin ist deShalb die Einladung Zur Beschickung der Auéitkslung ergangen, und so zeigt fick) in ihr eine Fükle von Produkten des Unterrichts sowohl wie der Judustriechigé vereinigt, in chen das Zeichnen 1eine praktiichc Verwendung sind??, Nicht etwa als Vorbild dcfsen, Was der Vsrein erstrebt, darf somit die Gesammtheit der ausgesteUien (Hegknstände betrachte't Werden, son- dern vielmehr nur als eine Summe von AnhaltSpunkten für die er-
wünfchte Klärung dcs Urtbeils, als der Stoff, aus welchem feste", 1
mustergiltigc Bildunßen fick) allmählich gestaitsn dürften. Daß dieser Stoff bei Weitem nicht vollständig und gleichmäßig zu bc1chaffcn war, ist in der Natur der obwaltxnden Umstände begründet; was aber in der AussteYung __ tl)eiiweife 1y1tkmatisch geordnet, theilweise mehr durch den Zukall zujammengefüßrt _ vorhanden ist, kann nur unter dem eben angedeuxeten Gesichtspunkt richtig verstanden und gewürdigt werden. Den Fachgenosien. zumeist den Zeichenlchrem, dann aber auch dem weiteren Publikxim wird es an fruchtbaren Anregungén dort nicht fehlen, _wenngleicb' m der Anordnung der ungleichmäßig einge- kangenen Ansitellyngsobßkte eme ftxenggeschlossene Einheit und lücken- ofe VoUständigkeit mel)r_fach vermißt wird. _ , Der „Verein zur Fordc'rurxg des Zeicbemmterrichis' hat fich die in 1emem Namen angedeutxte Auxgczbe gestcÜi, dahin tbätig zu sein, daß dem_ UnterriÖt im Zeichnkn„_e1nmal der ihm gebührende Platz im System der Erziehgng zugeka1eu,„d_ann aber auch demselben ein fest- bestimmtes Ziel geießt und eme dte1em entsprechende Methode in ihr zur Geltung gebracht Werde. „Indem er einem planlosen Dilcitan- Wmus aus dem Weiten Gebiet des Zeichnens entgegentritt und viel- mehr eine einheitliche Organisation desselben ais eines vollbcrechtigien, nicht bloß wünschenswmben, sondern unenihebrlichen Unterrichtszwci es verlangt, stellt der Vkrein seine Ziele in die Rc:be_ der mannigfa en Bestrebungen unserer Zeit, die, im Gefolge der gro ext internationalen Ausstellungen cntstandcn, eine echte Bilduzig des e1chmacks und die damit auf praktiichem Gebiete zmammenhangcnde Hebung der moder- nen K_unstindusirie bezuseckyn. Denn für die_vollc Verwirxitchung die- ser Bestrebungen ist zweierlei erfordexlich, zunachst das Vorfahren mals?- gebender Muster, welche (Heinerbemmeen uud Ausstgnungen kunsther - licher Gegenstände, wie jene vor zwei Jahren im Zegghause statt- ebabte, darbieten, _ ferner aber auch eine da;": Studnnx der“ vor- andmm Vorbilder vertiefende und ein lebendiges Verstandnis der
angeseßt; die rückkaufbare Schuld 16,849,266 Fr. im Voran- schlag für 1874, beträgt 5,481,409 Fr. weniger, und die schwe- bende Schuld 3 Millionen mehr.
_ Dem Mailänder ,Corriere“ wird von Rom geschrieben: Die Gefahr des Krieges mit der Mydlik San Marino ist glücklich vorübergegangen und die milttqrts Einschließung der- selben bereit?: wieder abkommandirt. Die * "erung der Repu- blik wiU fick) dafür zu Verhandlungen über die Reoifion des AuslieferungWertrages herbeilaffen, um ihn wirksamer zu machen. *FW .' ;éxx-“xI-MéngHM,
_ Eine Verordnung des Kriegs=Ministers ver- bietet Offizieren und Militärbeamten, fick) in kommerziellen und industriellen Gesellschaften oder Kreditanftalxm anstellen ZU lassen oder Mitglisder des VerwaltungSrathes solcher GeseUschaften und Anstasten zu werden.
_ Gestern fand im KonüftoriumSsaale des Vatikans ein großer Empfang von Katholiken ftatt.
Rußland und Polen. St. Petersburg, 8. April. Am 4. April fand in der neuen Admiralität die Kieüegung des eisernen Kanonenbootes „Iersch“ statt. Das Boot wird 250 Fnß lang, mit Gesckzüßen schwerßen Kalibers armirt und zum Küstenscbuß bestimmt sein. Die Kiellegung eines zweiten gléichen Boote-Z soll bald folgen.
_ Die „M. Ztg.“ schreibt: Bekcznntlick) bedienen fick) nac!) „ dem jeßigen Reglement für die militärische Disziplin Offiziere J
beim Sprechen mit Untermilitärs jeden Grades, mit Zinsnahme der Portepée-Jnnkcr, der Anrede „Du“, währeud die Untsrmilitärs beim Sprechen mit Offizieren das ihrsm Range zukommende Prädikat „Ew. Wohlgeboren“, „Ew. Hochwohlgkboren“ :c. gebrauchen. Das Komite für Bildung und Organisation der Truppen soil nun einen Antrag zur Bestäti-
gung an dem Wege der (Hefeßgebung eizigkreicht haben, nach : we1chem dis Form jener persönlichen Y_eztehungen dahin abge- . ändert werden soll, daß die Unter-Milltars Offiziere nach ihrem ;
Rang, also „Herr Lieutenant“, „Herr Oberst“ 29. titUliren, die Offiziere dagegen alle Unter-Militärs mit „Sie“ anreden.
_ Der „R. W.“ wird mitgctheilt, daß der rusfisckzen Re- gierUng das Projekt des neuen Tarifs zur Beftätignng zuge- gangen sei, welchcs die russisch-belgisckzs Konferenz unter Mitwirkung einer.; Vertreters der russischen Haupt-Eiscnbahn- gesellschaft ausgearbeitet hat zum direkten Verkehr von Moskau Über Ssmolensk, wie üdkr St. Petersburg Nack; Belgien.
Amerika. Waßsngton, 7. April (per Kabel). Am SchlUß der Debatte über die Finanzbill im Senat wurden von den republikanischen Mitgliedern Warmmgen gegen die Ver- mehrung des Papiergeldes geäußert. Jm Lande finden zahl- reiche AppkUe statt, die in den Präfidenten dringen, die Bil! mit seinem Veto zu belegen.
_ Der Präsident Grant empßng heute offizielx Herrn ," Bartho[di, den neUen französischen Gesandten bei der Union. ,
Die Nr. 32 des „Amts-Blatts der Dcuticbsn Reichs- Postverivaltung“ hat folgenden Inhalt: Général-Veriügungen: vom 20. März 1874: Bückysrzeitel; vom 6. Ayri1 1874: Aufkleben der Freimarken; vom 5. April 1874: Anwendung dir vorgxstbriabcnén Bizeiidmmg béi dsn an Soldaten gerichtsxen _Pacfeten; vom 7. April 1874: Kcrrespondeuzverkehr mit “den Fidji-quekn.
_ _ _ Nr. 15 vom Justiz-Ministerial-Blati für die “preu- !*,ixcde Gcseßgebung und Recthpflege, Herausgkgebcn im Buréau dcs Justiz-Ministeriums, zum Besten der Justiz-Ofstzianten- Wittwenkaise, hat folgdnden Inhalt: Allgcmeins Vkriügung vom 18. März 1874, betreffend die Verrechnung der Portoausgabcn. Wige- meine VIrfügung vom 1. April 1874, deireffend die Zastäudigkeidder Justizbedörden in Ansehung der Grundstücks und Lckalisn der Justiz- verwaltung. Allgemeine V-srfügung vom 1. April 1874, betreffend
Verfügung vom 4.__ April 1874, die. Vereidigung „Königlicher Forst- 1chu8beamtcn betreffend. Crkezzntmt; des Königircbxxi Ober-Tribu- nals vom 18. Februar 1874 (3. (&ntcal-HandclSrcgixier).
Form erscbiießende cigkne Ucbunq im Z€ichncn, die dsn LCkNMTOn ;
im L_[nschlusz a_n dix durch die AnikhaUUng__aufgknommenen Foxmsn Flltmahlich zu ielbitandig exfiudmdkr, nylgkmaxzer Produktion dinuder- ki et.
der Industrie in eine Weckzselwitkung, did ück) um so fruckotbarcr er- weisen wird, je inxiiger fick) die gsgénscirigén Vezic-[xungen zwisckyen ihncn gestalten, deren Pflege in erster Linie den techniscbkn Vcrdexsimngx- anstaiicn, den GewerbexeiÖenÜnlen nnd älmiichen Jnstitursn anheim-
IUZ! wird. (ZMS Ausster? cmgtlaber, inddcmglüe dis Ergebnisse [FH *:i snunterri ts in dcr »cl ss „U? mit en . nfordkrungen, ws 2 ; - . . . .,- , - , , „die Industrie zu erheben qenötbigt ist, in Vérglcich steili, nod die , faiten, durch dre Akbkltkn im Außteckyen uud Anxnaben, tm zischtm
Frage an, inwieWLit die Volk-Zschuls ihre Ziele mit dieie'n Praktischn Anforderungen dirskt zu verbindkn [yaban dürfte, um ibrem Zögling dercihbkqnemen Uebergang in eins kunstgewerbliche THäiigkeit zu er- lei tern.
In ihrer gesammten Er-We'immgYsrgnschaulfcht dic Ausstel- lung die Thatsache, daß für den Zsichcnuntérricht noch nicht die feste Stellung gefunden wurde, dercn [LÖ andere DiSZipiiacn im System unfc'rer Erzishung erfreuen, da[; aber auch unter den Fackgcnoffcn selber noch ksincs1vsgs_Usbsreinstimmung ["User die endlichen Ziele dieies Unterrickxts, g€1chweigerenn über die ihm zu Grunde zu lagende Method? vorhandm Ut. Di? Betrncßtung der verschiedenartigen Mothodsu, die sich in der *Bexcbaxisnsxeit ihrer Unterrichtsmittel wie der damit errcichcen Raiultate dar- steilen, wird somit den sorgsam Prüfenden_ Be1ucker der Ausstellung zu wichtigen Erwägungen veranlassen munen. WHHrmd jede dieser Methoden, wie billig, auf die Erzielung von_FexttgkeZt und “Sicher- heit der Hand und dcs Auges lyinstrcbt, unterycheidcn sie sich wesent- lich in dcr Art und Weise, wie src das) zweite Bildungömvment des Zcichenunterrichts, die EWxckuxxg eins?: ichkndigen Formcnfinnes, mehr oder Weniger in den Vordergrund lrcte_n lassen, wie fie enther mehr die Nachbildung abstrakter mathematiicher Formen betonen oder durch die Darstellung von Gegenständen und Motiven der belebten Welt
das Interesse des Schülers zu feffsln MCSE", Wie sie endlich zum Theil ,
auf den Anschluß an andere Unierrickytsgegenstände verzichten, zum Theil sich mit ihnen, wie mit dsr Geographie und Naturkunde, in engere Beziehung zu setzen bemüht sind. _
Bei der Betrachtung der einzelnen Grudpen der Aukjtcilung wic- derholen sicb dieselben Wahrnehmungen _mebrsach und fordern 3_ur Ab- wägung der Vortheile und der Nachtdeile des betreffenden Vcrsabrens auf. Wir werdkn auf einige der [)exvcrrßgendsten Ericheinungeu in dieser Bezichung noch besondkrs aufmerkzam machst!, wxnden uns gbßr zunächst zu einer kurzen Ueberfickyt uber den Inhalt der Aus- 1te ung. _
Jm Uhrsaal dsr Akademie sind von vxrschxedenen Buchhandlungcn Musterblätter, Vorlagen und andere. Publikatiouxn, die mit den ver- chiedenm Stufen des Zeichenunterrrcksiß und mxt dcr gegxnwärtigen
eweßung auf dem Gebiete der Kunstmdustrte zusammenhangcn, zu; Ansicht aufgelegt, Der Böchr findet dadurch Gelegenheit, fich mit älteren wie neueren wertbvo en Erscbejnpngen mit Br. Barber und Gnauths „Kunsthandwerk, mit V. Teirtchs „ lätkern für Kunstga- werbe“, mit Racinets „polychromeuz Ortiament“ u. a. 'm.) bekanntzu machen. Ferner befindet sich hier eme reichhaltige Ausstellung der ver-
die Einlösung der außer Kurs gejestcu Landesgoldmünzen. A-Ugemeine IUbelseier.
Komik, Wismsthaft und Literatur.
London, 8. Aprés. ijkKrvstaUpalast in Sydmbam Werden Vorbereitungm für das dlesßbrige-Händxlfeft getroffen. Das (Fest wird am 22, 24. und 26.__an u'ud die Generakvwbx aux 18. Zuni stattfinden. Die musikalqcbe Leitung des Festes Mrd wieder Sir Michael Costa übernehmen. _ _ _
Straßburg, 7. Apxil. Den scuhxren Bucher-Schenknngek aus Spanien, wclche die Kaixerltcbe Univerjitats- und Landes- bibliothek der Thätigkeit des Makridcr meitcs zii verdanken hat, reihte sich, wie die „Str. Ztg.“ mittheilt, Furzlicb em? eixere "du, Miche hauptsächlich Pracbtwerke enthiilt, dic noch von Surg Ama- dkus für die genannte Bibliothek bestimmt worden waren.
Stockholm, 6. April. Aus KongSvingkr in _NorWegen wird geschrieben: Wir haben ikst endlich u_nd 3nxax3um critxj Male“ voÜftändigen Winixr, Der Schnee liegi1chon1cif3medreren Tagen, und überall herrscbt ki? größte Rührigkeii, um _th 'O unsrwartet Lkbülfknß gute Bahn zum TranSWrt dsr aukgshaut'ten Waarxa zu benußen. Der r€ichlichc Schneefall ist uns auck) in axiderkr BézéelZUNg sebr wiklkommen, indem wir binnen kurzer Zeii au Wamkrmanße! damn leiden müssen.
Geloerbe und Handel. Nre§[c'.11,*9. Avril. (W. T. B“) Die Générawkrsammlunz
der „Schlesi'Öcn (Zentralbank für Landwirtbsckzaft und Handel“ bat die Vsribciiunq einer QÉWWZLÜÜQM Dividend? und die Rücklegung von 350,000 Thlcn. in dcn Rkscrvsfonds Jenebmxgt.
_ DiE Zsiischrift für Gswerbc, Handle und Volks- wirtHiÖait, Organ ch Ybsricdkxüickésn Berg- und Hüttsnmän- nischen Vkrzins, Nr. 14 enthält: Zur Militär-Konftiktsirage. Obe:- icblsüens Handelskammsr oder auch Handelskammern. Oberschiesiens Koblenadiaß im Jahre 1873.
München, 9. April. (W. T. B.) Nack) zuvsrläsügér Mit- tHeilung wird die vom Vsrwalrungérailx der Bayeriichsn Wechs- [erbank fcstqeietzte diesjähriße Dividende 47; bktragen,
Wien, 9. Avril. (W. T. B.) Die auf bsuts andéraumte Ge- neralveriammlung der Aktionäre der Bodenkrsditanstalt war nichi beicblußiähig und wurde auf dm 22. d. M. vertagt.
_ Am 16. Södismber 1875 wird in Santiaao_(CHile1 eins nternationale Ausstellung f„"tr Rcditvä', MaWinen, Jr:- dnitric un?) Manuéaktur, schöne Künste und Sksntlichcn Unterricht eröffnet wcrdcn.
Verkehrs-Anftalteu.
Breslau, 9. Avril. (W. T. B.) Die Direktion dsrRechten Oder-Ufer-Vahn bat [*siÖlofsM, bsi dem Vsrwalmnchratbe, der GsnxraMrsammlung und dxm HandelÉ-Ministér dé: Gensdmiguug zur Liéß-rnadme des Betriebs der OelS-Gnesener Bahn Und zu einer 10jäk§rigxn Garaniie der berreffcndcn Stamm'Pricritätea mit 4 pCt. Vorschupweise nachzusucde'n.
Königliche Schauspiele.
Sonnabend, 11. Aprés. OpernhaUs. Keine Vorstellung.
Schauspielhaus. (97. Vorsteüung). Viel Lärmen um Nichts. Lustspiel in 5 letheilungen von Shakespeare. Anfang 7 Uhr. Mittel-Preise.
Sonnabend, 11. April. Im Saal-Theaicr des König- lichen Schauspielhauses. Siebenundfünfzigste Vorstellung der frau- zöfischen Schauspieler=GeseÜschaft. ])SizxiizmS 1*€x)ré35811tarj0u (18: YoutFW-S.
Sonntag, 12. April. Opernhaus,. (92. VorsteUung.) Fra Diavolo, oder: Das Gaßhaus zu Térracina. Oper in 3 Alx
= theilungen. Mufik von Außer. Pameüa: Frl. Horina. Zerline:
Ir. Mallinger. Fra Diavolo: Hr. Niemann. Lord Cookburn: Zu'xSalomon. Lorenzo: Hr. Schott. Anfang 7 Uhr. Hohe re:,e.
Schauspielhaus. (98. Vorstellung). Zur hunderiährigen GHH von Berlichingen mit der eisertien Hand. Schauspiek in 5 Abtheilxmgen von Göthe. Anfang halb 7 Uhr. MittebPreise.
Sonntag, den 12. April. Jm Saax-Theafér des Königlichen
,
SckzaUspielhaUseH. Achtundfütiizigste VoriteUUng der französischen ! SÖauspieler-Gesellschaft. “[*r0151e'711161'6x)ké§€[1t51101] (19: UGÜÜGFS.
schi8densteqZsicbe'ninatsrialixn, in die sick) mit rsnvmmirte'u Hiefigm Frrmxn die Fabri? dcn .*)..Zrdixnutd [U'Wlén undBwa-KZ tbcilt. Ten Erxsugmmen [[cka Blerxtirstabrik wxrd von cmsr Kommission
. , . . , . .. Sackwer'tänM cr das ün'ti “te eu ni' eben. Datmi tretkn der Zeickxcnuntcrrichi und die manmgracbm ZMlge ) ' 1 *g g ! gi 3 g 8 W
Dék folgsnde Saal der Lluöstsllung soil di? Enkw'sckslung des
. „3xichcnu11terrichis von scinkn erstkn Anfängen an, die im Kindergarten
wizrzéw, _bi_s_z_um Abisdlnß der Volk-Zsckuls zur Nnicbxnuug bringen. _Dze BUCHMNJUUAIMÜÉÜ des Kindergartens zicl-In iämmtlicb auf rrndzkitig-Z Erweckung des Form-snünns ab, dcr durck) das ZELM von
x Sxädchen, Ringén und Täfclckzcn, durch das Sviel mir dem Bau-
und Ausfcdnsiden, sowie in Anfängen des Modeilirens seine Pflege
: ändét. Während verschiédene Pxoben dcr Auéstsilung bi?! eins eiu-
lxcitliche Methode vkrmiffanaUM, wicdcr anxcre dEr ausgestélltea Arbeitsn über die Sphäre des Kindss binauszugrsifcn sÖsinZn, ist in dcm mcfbodifckycn Librqange, dcn ])r. Gocrgens ausstéklr, die Zahl dkk Beichäftigungsmittxl beschränfi, ;uglsick) absr anch där Vsrfuch gemacht, den Z€ichkr1untcrricht dsr Volksschule mit dem Kindsrgartsn in V;“rbindung zu ießcn, wäHrrnd gegenwärtig beide Institute ihre ßeiondkrsn, von einandér unabhängigen Wxge gxbön. Ar: disée's Pro- jekt, das in drei nach dsn AlterÖklaffsn “dsr SchÜl€r abgestuftea _Tbeikn dis versckyisdsnartigsten Vorlagsn dardictst und viel- MOS Bsachnmg kikdet, sÖlic__t"_:k iich dic Auzstcüang 'der Bkrliucr
* Gsmeiud€schu1sn und Einst Reihe anderér Volkzschulen an, dic Probe-
arbcifcn und L?Hrmirfel hexgesandt haben und in ibnkn die schon an- g-deutete Thatsaéhs bswcifsn, dat"; eins Uebsreinstimmnng über die Ziele ch Zeichenunt€rrichts bisher in keiner Weise [*kstcht, dude: auch die Résultats desselben Weil auHxinand-xrraslcn. Nur in dsm Groß- Hkrzogtdum Hessen ist eine einheitlixhe,_vom Profsssor Kumva be- gründctc Msthode durchgeführk, die rreilxckx in der Volksickxule über die Verwendung der geraden Linie niäyt i_xinausgxlxi. Neben dieser Methode ist noch eine andere schx (*kmerkenswertv, die in den von Falk in Zwickau ausgsstc-Utcg großen Wandtafsln vsranfckxaulicbt wird; im ngcnsaß zu der Kumpaichen Msthcde knüpft six durchweg an Motive an, die in der Natur, in der_c_n_ lebcndigcr ngeiation sowohl wie in mannigfachen ermcn Von L_):sagsn :(. gegebkn sind und auf ihre einfache Gmndgestalr zurückgefahrt Wcrden.
Das Bild des Zei_chenunterricht_§ in der Volksschule findet seine Ergänzung in dcr Ausytellung .er Osminnre, die nicht sehr reich bc. schickt worden ist, aber doch emtge interc-ffante Probst! des Zeichen- untérricbis darbietet. Namegxtlich das Seminar von Eise'nach erwirbt fich durch die korrckte Ru-mhmng der Zeichnungen und durch die Außwahl der behandelten Vorwürfe cine eingedendere Beachtung.
Ju'dexnfeiben Saale befindet |ck) endlich noch die AussteUung dcr Königlickxxn BZiZNdcuanfxalt zu Berlin, die eincn Einblick in die Art unJWeUexroffnei, Wie mit Zubülfsnahme des allmählich sich zu hdder _(Zx-icherbeit ausbildchenijtfiunes auch dem Blinden das Ver- standnis; der„F9rmen sicb wweix erschließt, daß er nicht nur die der Figurxu benotdigien mathematiicheu Bcweise zu führen vxrmag, son- der_n jogar dahin gelangt, Körperformen, die er durcH Batasten in sich agsgenomtyen hat„ durch Modcllirung selbständig zu revroduziren, wxc'das cm v_o!_t einem Blinden geschnißter, mit drei Hundeköpfen verzierter Uhrjtauder [*ewetxt.
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