1874 / 118 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Thu, 21 May 1874 18:00:01 GMT) scan diff

lichen General-Kommisfion zu Cassel als HülfSarbeiter ein- getreten.

- S. M. „Friedrich Carl“ und

Kron rinz“ fin am 19. d. M. in mshaven S. M. äbt. „Öbatroß- in Kiel in Dienst gesteFi. '

S. M. S. ,Niobe“ hat am 19. die Rhede „von Kiel ver- laffen.

Bayern. München, 19. Mai. Mit Rückficht auf die in Ausficht genommene Regelung der “Naturnl- leistungen für die bewaffnete Macht im Frieden, ins- besondere auch bezüglich der Quartierleistung, sollxn [chou 1th die nöthigen Ermntelungen zur FestsleUung der Emthetlung der Ortschaften des Königreichs (in “5 Klassen) vorgenonnnen xverden. Zur Gewinnung eines RegulatioS. für die Qunrtierbedurfntsse, den Servistarif 2c. haben die Staats :Mini'fterten des Innern und des Kriegs verfügt:

11? Ju j_edem BezirkSamte und in _jeder„um_nittelbaren Stadt iritt eine ommi1sion zusammen, Welche fur..d1_e samxntltxhen znstandtgen Ortschaften des Bezirks den Preis der O_uattterbedurfmsie, wie sie das Regulativ an die Hand giebt, zu ermrtteln und zu begutachten hat. 2) Die Kommijfion besteht in den Be irkSczmtxrn aus de_m _Be- zirkSamtmaun oder dessen Stellvertreter und Mtiqlrederu der Dlstnkks- ausschüsse, von welchen das eine dem größeren landlrÖen Gxundbefiße angehören muß, das zweite aus der Reihe der Burgermexster oder Gemeindeverireter auözuwäblen ist, in den unmittelbaren Stadien aus dem Bürgermeister und 2 Mitgliedern de_s Maglstxat'sUwelckxe „von diesem gewählt Werden. In München tritt der Kontgltche _Poitzei- direktor in die Kommission, Wofür- eines der Magtstraiömttglteder ausfäat. Ju Garnisonstädten nimxnt der Truppen-Commandcur res . kik von diesem kommandirtcr Offizier'an den_B_eratl)ungen„und

eßseßun en mit gleicher Berechtigung wie die ubrigen Mitglieder

heil. Befinden fich_am Orte Kommandanturen und Komgltcbe Gnr- nisonSvcrwaltungcn, 19 tritt der Kommission der Kommandant xe1p. dessen Stellvertreter, sowie der Garnifonsvernzaltuugs-Yorsiand,hinzu. 3) Spezielle Instruktionen bezüglich der (_Schaßungen konnen nicht er- tbeilt werden. Zur Werthßcrmittelung konnen m Betracht gezogm werden die zur Häusersteuer ermittelten Mietlßwerthe und_ die orts- üblichen Schlafstellgelder. Di 'euigcu Natnra etstungen, fur Welche im Civilhaushalte Erfahrungs äße sich mcht gebildet haben, wie beispielßiveisc: Benußun des Wohnzimmers, deRKochfeners' nnd der Géräibe des Quartierge ers, find nach, sachgemaßen Prinzlpten ge-. wissenhaft einzufchäßeu und dabei der leitende Grundiaß festzuhalten, daß eme Vergütung nur nach dem gemeinen Werthe zugeitanden Wer- den kann. Jm Allgemeinen wird noch darauf aufmxrkiam aema,ch_t, daß immer nur ObjektechQuartiere, Stallungen) von matierer Qualitat in Betracht zu ziehen sind, daß mithin 1erer Luxus, 1ede besondere Bequemlichkeit 2c. außer Licht zu lassen ist.

Sachsen. OTQSden, 20. Mai. Der Herzog Friedrich vonSchleswig-Holstein ift heute Vormittag nach Primkenau abgereist.

- Der König hat in einer am heutigen Tage dem Kö- niglick) italienischen außerordentlichen Gesandten und*bevollmach- tigten Minister Grafen von Launay ertheilten Partikular- Audienz das Beglaubigungsschreiben, durcb welches derselbe von Neuem in dieser Eigenschaft an dem hiefigen Königlichen Hofe accreditirt wird, entgegengenommen. ,

_ Die Zweite Kammer nahm heute u. A. den Gesek- entwurf über die Uebertragung der Verpflichtung zur Unter- ßüßung bedürftiger Familien von zum Dienste einberufenen Mannschaften der Reserve, Ersaßreserve und Landwehr auf die BezirkSUerbände in einer von der Deputation amendirten Fassung ohne Debatte an. Ebenso wurden ohne Diskussion die Positionen 24 und 26 des außerordentlichen Budgets, 3,502,670 Thlr. zur Verstärkung des TranSportmittelparkes 'der Staatseisenbahnen und 127,830 Thlr. zur Vollendung des neuen Signalsystems, Herstellung von Blockstgnalen :c. an diesen Bahnen bewilligt. Ferner nahm die Kammer die Anzeige von der Resultatlostgkeit des VereimgungWerfahrens betreffs des 131". Minckwißschen An- trags auf Aufhebung der §§. 92 und 103, leßtes Alinea, der Verfassunngkunde entgegen, wobei der Referent Abg. Dr. Biedermann und der Antragsteller Abg. Dr. Minckwiß die Ab- lehnung des von der Deputation der Ersten Kammer gemachten VereinigungSUorsthlags kurz motivirten, und beschloß ohne De- batte gegen 3 Stimmen, bei ihrem auf den die Verkündigung des Unfehlbarkeitsdogmas betreffenden Antrag des Abg. Ludwig gefaßten Beschluffe, dem die Erße Kammer nicht beigetreten ist, lediglich mit Weglaffung der Worte, welche die von der Re ie- rung verlangte Bekanntmachung zunächst in dem _ inzwis M eingegangenen - katholischen Kirchenblatte veröffentlicht wissen wollen, ßehen zu bleiben, dre auf diesen Gegenstand bezüglichen, neu eingegangenen Petitionen aber dadurch für erledigt zu er- klären. Dann folgten BeraThungen von- Petitionen und Be- schwerden. !

Baden. KarlSruhe, 18. Mai. (Schw. M.) In der heutigen Sitzung der Ziveiten Kamm er legte Jußizministerial- Präsident v. Freydorf einen Geseßentwurf über die Einführung des Reich5preßgeseßes vor. Das Geseß über die RechtSverhält- nisse der an anderen als an Volksschulen angestellten Volks- schullehrer und Gewerbeschul-Haup1lehrer wurde in zweiter Be- rathung einstimmig angenommen. Hierauf erfolgte Bericht- erstattung und Berathung bezüglich einer Reihe von Petitionen, uzelche Stxaßen-_und Eisenbahnbauten betrafen. -- Ob es ge- lingen wrrd, die ßändische Session bis zur Mitte Juni zum Abschluß zu bringen, bleibt immerhin fraglich, zumal man auch noch Vorxagen entgegensteht, welche mit der Einführung der FFM Munzwahrung am 1. Januar 1875 im Zusammenhange

e en.

- 20. Mai. (28. T. B.) Heute hat die Kammer die Generaldebatte ubxr das neue Einkommensteuer-Geseß begonnen. 18 nationalliberale Abgeordnete, darunter Kiefer und Bluntschli, beantragten, daß die Kammer in die Spezialdis- kusfion nicht eintrete und die Regierung aufgefordert werde, dem nächsten Landtage eine .umfgffende Steuerreform vorzulegen. Nach achtßündiger Berathung uber diesen Antrag wurde derselbe zurückgezogen. Die Spezmldiskusfion über das Einkommen- ßeuer-Geseß beginnt morgen.

Metkleuburg. Schwerin, 20. Mai. Geßern Nach- mittag begab ck der Großherzogliche Schloß-Chor auf Höchsten ' Beféhl nach udwigsluft, wo zu Ehren des Großfürsten Wladimir eine Messe nach griechisch-katholischem Ritus statt- gefunden hat.

Sachsen-Alteubnrg. Altenburg, 19. Mai. Der Commandeur der 8. Division, General-Lieutenani :) o n S ck a ck) t- m eyer und der Commandeur" der 16. Infanterie-Brigade, General-

anzerfregatten

Anhalt. Dessau, 19. Mai. (Leipz. Ztg.) Die beiden älteften Söhne des Her oglichen Hauses, die Prinzen Leopold und Friedrich, w demnächst Genf verlassen, eine Reise durch die Schweiz und Oberitalien unternehmen und sodann vorläußg auf einige Zeit ihren Aufenthalt in Deffau oder Wörliß nehmen.

- Die Generale von Mirus und von Zychlinski trafen gestern Abend von Magdeburg hier ein und werden, nach- dem fie heute eine Inspizirung abgehalten und Mittags mit dem hiefigen Offiziercorps gespeist haben, ihre Weiterreise antreten.

*,“

Oesterreich-ngarn. Wien, 20. Mai. Das Reichs- aesetzblatt veröffentlicht das Gesch vom 14. Mai 1874, wo- mit mehrere Paragraphen der Geselze vom 13. Mai 1869 und 1. Iuki 1872 über die Landwehr für die im ReichSrathe ver- tretenen Königreiche und Länder abgeändert werden.

Peß, 19. Mai. Bei der Abstimmung über die Advoka- turSvorlage im Abgeordnetenhause wurde dieselbe als Grundlage der Spezialdebatte angenommen. Die Spezialdebatte wird jedoch erst nach Verhandlung der Anlehensvorlage vorge- nommen werden. Referent Szell motivirte die AnlehenSgeseß- vorlage. Koloman TiSza wollte das Anlehen nur unter der Be- dingung votiren, daß fünf Millionen zu Darlehen verwendet werdxn. Nack) Tisza sprach Ghyszy; er dankte TiSza für das ent- gegengebrachte Vextrauen, erklärte jedoch seinerseits, volles Ver- trauen in die Miuisterkollegen zu seßen, daß sie beim Werke der Regelung des Staatshaushaltes Hand in Hand mit ihm vor- gehen werden. Tisza's Separatvotufn könne er nicht annehmen, weil direkte Staatshülfe selten zweckentsprechend sei. In Oester- reich sei nach der Erklärung des Jinanz-Ministers troß der be- willigten Staatshülfe eine große Zahl von Unternehmungen theils in Konkurs, theils in Liquidation. Die Nothlage !sei übrigens, wenn auch besorgnißerregend, doch, durchaus nicht (1 allgemein, hauptsächlich leide die obere Theiß-Gegend darunter. Der Staat gewähre seit Langem zahlreiche Nothstandsanlehen, die ziim Theile seit 1856 ausstehen und vielleicht noch lange nicht zurückbe- zahlt werden," auch die jüngst votirten Gelder für Darlehen seien noch nicht aufgebraucht. Schließlich könnten aber 5 Millionen schon darum nicht zu Darlehen bestimmt werden, weil der Staat über diese Summe gar nicht verfügen könne, nachdem von dem zu votirenden Anlehen nur zeitweise je nach Bedarf die dringend nothwendigen Beträge aufgenommen werden sollen und doch nicht verlangt werden könne, daß die zu theuren Zinsen aufge- nommenen Gelder unbenüßt liegen bleiben. Nachdem noch meh- rere Redner gesprochen, wurde bei der Abstimmung, wie bereits telegraphisch gemeldet, die Gesexzvorlage mit großer Majorität angenommen und das Separaivotum abge[ehnt. In der Spe- zialberathung wurde die Vorlage in der Textirung des Aus- schusses angenommen.

- Der Staats-Sekretär im Handels-Ministerium Edmund Art; ist gestern gestorben. "

_ Das Subcomité des kirchenpoliiischen Ausschusses hat in Sachen der Civilehe folgende Beschlüsse gefaßt: Wegen Einführung der obligatorischen Eivikehe hat der Iußiz-Minifter bis spätestens Dezember 1874 den eherechtlichen Theil des Civil- geseßbuches vorzulegen. Die Civileben werden vor den Gemeinde- vorständen, beziehentlicl) vor dem Bürgermeister und einem Notar oder dem Richter und einem Notar geschlossen. Der Richter ist für die Handlung, der Notar für die Handlung und die Ein- tragung verantwortli . Der Stuhlrichter revidirt vierteljährig die Register, die qllj" rlich im Comitats-, beziehentliä; im Stadt- archiv hinterlegt werden. Die, Civilehe und ihre im Civilgeseß- buche normirte'n Rechtsfolgen find von Jedermann zu respektiren, dock] bleibt der kirchliche Charakter der KonfessionSehe dadurch in der bisherigen Freiheit unberührt. _“ Das Subcomité wird die Arbeiten nach den Feiertagen fortseßen.

Schiveiz. Bern, 20. Mai. (W. TB.) Der gegen das von der Regierung erlassene Verbot, in den Ortschaften des Berner Jura katholischen Privatgottesdienst abzuhalten, er- hobene Rekurs ist vom BundeSrathe abgewiesen worden, weil diese Maßregel im Interesse der Ruhe und der Erhaltung der Ordnung verfügt sei.

Niederlande. Haag, 20. Mai. (W. T. B.) Der König und die Königlichen Prinzen werden fick) morgen zum Empfange des Kaisers von Rußland nach Vlies- singen begeben und denselben sodann bis Rosendaal begleiten; von dort wird der Kaiser nach Brüffel reisen. -

Belgien. Brüssel, 20. Mai. (W. T. B.) Der „Nord“ meldet gleichfalls, daß der Kaiser von Rußland am Freitag Mittag und zwar über Antwerpen hier eintreffen und nach kurzem Aufenthalte seine Reise nach Deutschland fortseßen ryerde. Der rusfische Gesandte Graf Bludoff und wahrschein- lich auch der König der Belgier werden dem Kaiser zu seiner Bewillkommnung entgegenreisen.

_ Großbritannien und Irland., Ueber die Festlich- keiten zu Ehxen Sr. Majeftät des Kaisers von Ruß- land meldet die „A. A. C.“ weiter Folgendes: London, 18; Mai. Nachdem der Kaiser von Rußland am Sonnabend von seinem Besuche bei der Kaiserin Eugenie m Chisle- burst zuruckgekehrt, nahm er beide Häuser des Parlaments in Augen- schem, w_o ex vom Lordkanzler, dem Sprecher des Unterhauses und vielen Mitgxiedcxn des Parlaments begrüßt „wurde. Dann besuchte Se. Majestat dle Westminstchbtei, wo während seiner Amoesenheit dix rmfischekVolksbymne auf der großen Orgel gespielt Wurde. Nach- mittggs begab. er sich m Begleitung des Großfürsten Alexis und der €€an Prinzen und Prinzessinnen nach dem Krystallpalast in am. - Das Fest, welches_dem russischen Monarchen im Krystallpalast geßeben wurde, _war em gan besonders großartiges. In den prächtig ge cbmncktea ,Raumcn des G aspalastes hatten sich nahezu 30,000 Per- squen exagefunden, um den Kaiser Al ander zu bewillkommnen, da dies die erste Gelegenheit war, ci welcher sich der Holze Gast öffentlich zeigte. Das dem Händelor ester gegenüber befiu = liche gxoße Tbxatex yar» znr Aufna me der Kaiserlichen uud Königlichen Gaste m eme Reihe . geschmackvqll dekorirter Logen verwandelt _worden, und Alles trug em bochfestltchcs Gepräge. Um “U Uhr Nachmittags begann unter der Leitung des Hrn. Manus ein großes_Vokal- und Jnstrumeutal-Koazert aux dem Händel-Orchester, ayögefuhxt yon dem alast-Orchester und el Militärkapellen, einem 4500 Mitglieder star eu Sängerchor, sowie von den Damen Tieijens uud Paket) und den Herren Sautley und Lloyd. .Die Damen des Chors trugen zu Ehren des Hohen Gastes Schätpen in den ruffifchen arbm. Um 6 Uhr, nachdem das Konzert halb beendet war, am der Kaiser in Begleitung des eugliséhen Hofes im und wurde von, der Menge enthusiastisch begrüßk- Ek Arme der Prinzessin von Wales, nach allen Seiten hin sich '

alast an cbritt- am

Major von Scheffler ausE urt nd ute urBe “un des _Militärs hier eingetroffen. rf “fi he z Whg g

Freundlich verneigend und grü end. Dann folgten der Groß-

Gseicben und das sche und englische Gefol e, im Ganzen etw- 100 Personen. Der rYcßiiex und dir Großfürst,“ ?owie die ca [ischen Prinzen" tru en bürgerliche“ Trgckxt. Dre kombuurten Kapellen ptelteu, als die Kai exlicbeu uud Kön! lichen Herrschaften den- Palast durcb- schritteu, den Marsch des tui schen Probraschensk-Regimeuts, und als der Kaiser sich unter dem anhaltenden Jubel der Anwesenden zwischen der rinzeffin von Wales und seiner Tochter in der Lo e nieder- - ela en batte, stimmten Orcbxster, Chor und Orne! die kussi che Volks- Kymne an und exekutirten dieselbe m höchst wrrkungßvoller Weise. Dann nahm das Konzert seinen Fortgang. Nach demselben speisten die Allerhöchsten, Herrscba en in dem Bankxttsaale des Palastes, und bei etnbrecheuder Dunkelheit wurde m den Gartenanlagen, begünstigt von schönem, . aber kühlem Wetter ein großartiges Feuerwerk abgebrannt, Dre Glanzpunkte desselben bildeten eine Beleuchtunqkdes Pgrks und der Fontainen' durcb farbiges Feuer, sowie das Aufstexgm eines gelb und rotbbrennendeu riesiaen doppelköpfigen Adlers mit der flammenden, schrift „Alexander Ill., Befreier der“ Leibeigenen.“ Der Kaiser lte sich am Schluß der Felsltlichkeit Hrn. Manns, den Dirigenten des Palastorchesters, vor- te en. '

Gestern, am Sonntage, wvbnie der Kaiser mit dem Großfürsten Alexis und der Ferzogiu von Edinburgh den) Gotiesdienste, in der griechischen Kaye e m Welderbstreet an, _empfing mi Buckingham- Palast den Grafen von Paris und begab sich dann in Begleitung 1eines Sohnes, seiner Tochtex nnd seines Schwiegersohnes u einem Bein e der Königin nach Windsor. Er blieb da elbst zum e'jeuner und ehrte Nachmittags nach London zurück. m Abxud dimrtexr mit dem Großfürsten und dem erzog_und der Herzogin von Edm- burgh bei dem rinzen und der rinzejfin von Wales nn Familien- kreise in deren Villa in ChiSwick. , _

Am Freitag, nach dem Empfange des dtpxomattscben Corps, emp ng der Kaiser den GeneralGrafen Fleury, „fruheren französischen Bot cbafter am Hofe" von St. Petersburg, in emer nvat-Andienz.

Heute stattete der Kaiser der City den verfpro xnen Be1uch_ab. Dxrselbe gab Anlaß zu einer großartigen _öffeutlicben Ovaanon. Die Straßeu auf der ganzen Tour vom Buckmghampalast nach der City wann mit Schaulustigen angefüllt. Von "Temple-Bar, dem Citythyre, bis zur Guildhal] bildeten die Haustruppen Spalier. Lud- gate-Htll, Cannon-streei und-die übrigen Straßen der_Ciiy prangteu nn Flaggenschmucke und Temple-Bar war in einen prachtigen Ehren- bogm verwandelt. Vor der Guildhall, in welcher die City-Festlichkeit vor fich ging, war ein prachtvoller Empfangs-Pavillon erbaut wor- den, dessen Inneres die lcbenSgroßen Porträis_ des Kais_ers Nicolaus und der Kaiserin Katharina von Rußland schmuck- ten; und von [when venetianischen Masten, derm' Gipfel große schwarze russische Adler zierten, Webten die russischen Far- ben. Die ehrwürdige Halleselbe: hatte ihr bestes FesttagSgewand angelexxt. Schon von zehn Uhr Morgens ab versammelten sich in den glanzenden Räumen die eingeladenen Gäste, 2500-3000 an- der Zahl, darunter die Mitglieder des diplomatischen Corps, die Kabinets- Minister, dle Spißeu der Civil- und Militärbehördcn, Mitglied?: bei- der Häujer des Parlaments und andere Personen von Distinction. Der Kaiser,- der die ganze T_our unter anhaltendem Glockengeläute und der enthusia ischen Begrüßung der unzähligen Volk6meuge urin!- gelegi hatte, ers ien kurz nach 1 Uhr in Begleitung des GroßfIÜrsten Alexis, des Prinzen und der Prinzessin von Wales, des Herzogs ,und der .?)erzogin vyn Edinburgh und der übrigen Prinzen des Königlichen Hau es, so_wie 1emcs zahlreichen und glänzenden Gefolges. Die ganze große Vmammlung erhob fich zurn Gruß, während die amvesendeu KMeÜen die russische VolkShymne spielten. Nach den üblichen Bc- gruzzungen und Vorstellungen verlas der Recorder eine Adresse an den Kaiser, die wie folgt lautet:

.Wir, der Lordmayor, Aldermen und Gemeinen der Ciiy von London, im Gemeinderatl) versammelt, wünfchen Ew. Kaiserlichen Maxestat unsere aufrichtigen Glückwünsche anläßlich Ihrer Ankunft . 111 diesem Lande als der Gast unserer geliebten Konigin darzubriugen, und im Namen uuserer- Mitbüxger und unserem eigenen statten wir (Zw. Majestät achtungsvou unjeren warmen und verbindlichen Dank fur den Befgch, mit dem Sie uns beute beehrt haben, ab.

. Es gercxichte jüngst allen Klassen der Unterthanen Ihrer Majestät ur uugethetlten Befriedigung, Ihre vielgeliebte Tochter in diesem _aude zu bxwillkommncn und in deren Vermählung mit Sr. König- lichen Hoheit dem Herzog von Edinburgh ein engeres Band zwischen den zwei Landern zg erkennen, das, wir hoffen, auch das Glück des erlaucbien nxuvermahlten “Paares fiebern wird. Wir anerkennen in Ep). Ma estat den erleuchteten Herrscher eines großen Reiches und wir wün (ben besonders„uns bei dieser Gelegenheit der großen Wohl- thgt „zu erinnern, die Sie Jhretn Volke durch die Abschaffung der Leibeigenschaft, im gan en Bereich Jbrer ungeheuren Besißungen er- xvtesen, nnd durcb wel en mit den Sympgthien von Engländern so uberemstimmendcn Akt die Frxil eit und Giückjeligkeit so vieler Millionen von Untert auen Ihrer Ma1etät erhöhi wurden und die materielle Wyblfahrt hres Reiches gefördert Worden ist. Wir hoffen inbrünstig, daß dtezer Besuch Ew..§§a1scrlichen Majestät dazu beitragen möge, die nun. zwischen den zuxei Landsmbestebenden freundlichen Beziehungen 1: be- festigen, und wir beten, daß Ew. Majestät lang am Leben er alten werden möge, umx übex em gedeihliches und einiges Volk zu herr chen.“ , -Dcr Lordmayor uberreicbte die Adresse alsdann dem Kai er in einer Wertbyollen goldenen_Kapsel, wvrauf Se. Majestät nachstehende Antwort nut bewegter Stimme verlas: „Mein Lordxnayor und Bürger von London! Ich bin Ihnen für Ihre gastfxcundlxche und herzliche Aufnahme sehr dankbar. Meiner- ierts kann :ck Sie versichern, daß ich ein festes Vertrauen in Ihre gutxn Gefinnungen gegen meine geliebte Tochter, dercn häuöliches Gluck mzr so sebx am Herzen liegt, seße. Ich hoffe, daß die liebe- vylletHetmath, die sie_ in Ihrem Lande findet, mit dem Segen der gottltchen Vorsehung, die nun zwischen Rußland und Großbritannien hergestellten freundlichen Beziehungen für den gegenseitigen Vortheil, deren Woblfghrt und Frieden, befestigen wird.“ * Die-Fejxlichkeit fand ibxen Abfchluß mit einem Dejeuner.

-- “Weitere ielegraphische Nachrichten melden aus London, 20. Max“: Der Kaiser von Rußland und der Großfürst Alexis, Haben sich heute nach Woolwich begeben, um die dorti- gen Militararsenale in Au enschein zu nehmen. Gestern haben der Kader und der GroYfürft an einem Ballfeße Theil ge- nommen, daß ihnen 'zu Ehren. in Buckingham-Palace gegeben wurde.- ,- 21. Max. Der Kaiser von Rußland und der Großfürst Alexis habm-gestern an emem vom Grafen Derby im auswär- tigen Amte ege enen Banquet Theil genommen, bei welchem anch die Punzen und Prinzessinnen des Königlichen Hauses, die, Mitglieder de"s„_d1plomatischen Corps und die sämmtlichen Minister gegxnwarng_waren. Nach dem Diner fand großer Empfang be: dxr Grafm Derby |ck.- Die Abreis e des Kaders von Rußland wird morgen Mit- * tag um- 1 Uhr erfolgen. Lord Torrington und Lord Wellesley werden denselben bis Vliesfingen gelciten.

eis - Die Königin wird morgen Abend nach Balmoral ab- :: en. *

' __Bei der Parlamentswahl in Dudley ist das bis- herige liberale Mitglied Sheridan, deffen Wahl angefochten wor- den war, wiedergewählt worden.

Frankreich. Paris, 21. Mai. (W. T. B.) Der Herzog von Decazes ist gestern Abend von Versailles hier eingetroffen, um den Fürsten Hohenlohe zu empfangen.

Versailles, 20. Mai. (W. T. B.) Die National-" vsersammlung genehmigte heute mit 384 gegen 231 Stimmen die Geseßvorlage, betreffend die Organisation des Religions- dienstes 'in der Armee. Die Deputirten des Departements Saane und L_oire haben einen Antrag auf Aufhebung des Belagerungs-

ürst AWS mit seiner Schwe er, der Herzo in von Edinbüt“ der Prinz von Wales, der Herzog von Ediuburgß, Prinz Teck, GM

zußandes in diesem Departement eingebracht.

Rußland und Polen. St. Petersburg, 19. Mai; Am"18., dem Geburtstage des Großfur „_ Nikolai Ulexandrowitsckz, ältesten Sohnes des Großf rsten Thron; folgers, fand in der IsaakskatZedrale em Dankgottesdienst un um 9 Uhr in der Kathedrale er Peter-mels-Feßung xbenfalls feierlicher Gottesdienß statt, zu welchem das Kadrebntatllon des. Leib-Garde-Reserive-Regimßnts, deffen Chef der Großxurst Nikolai

androwi , aUSrÜ e. - ,

Alex - Wietsdhie fZFinanzrevue' hört, beabsichtigt nian auf die Initiative des Kriegs-Minifters die Richtung der Wxtchs elbahn in der Weise abzuändern, daß fie non Warschau nicht nach Ro- wogeorgiewsk, sondern zur Poftftatton Jajblonna geht und dieser Ort durch eine 16 Werft lange Zwetgxtme unt Nowogeorgtewsk verbunden wird. Die ganze Bahn wurde fick) dadurch um 25

verlän ern. _ WMWWeZm nnd Nortvegen. Stockholm, 16. Mar. Die Köni in Sop ia mit ihrem Sohne, de'm Herzbg von Gotlanxd, gedenkt übermorgen von Neurmed die Ruckretse (: S weden an utreten. . n ck “chDer Schiusz des schwedischen Reichstages wird

wahrscheinlich am Freitag stattfinden.

Amerika. New-York, 20. Mai. (W._T. B.) Der demokratische Kandidat für den Gouverneurposten m Arkansas, BrookZ, hat jeßt auf seine Ansprnche perzichtet und1ftder republikanische Gouverneur Baxter Wieder m sem Amt installirt worden. * . _

- (Monatsübersicht für_ April,) Ver Pra- fident hat gegen den _von beiden Hqusern des „Kon- greffes genehmigten Gesehentwurf zur Regulirung der Fmanz- stage, nach welchem die Summe des, umlaufenden StaatSp_a- piergeldes nnd der Noten der Nationalbankenum 90 Mil- lionen erhöht werden sollte, sein Veto eingelegt. _ In dxr be- treffenden Botschaft- an den Kongreß erklaxt 513.rafident Grant, daß die in der Bill ausTeiprochenen Theorien eme Ab- weichung von den wahren Grun saßen der Finanzen, des_Nq- tionalintereffes, der nationalen Vexpflrchtung gegen die Glaubt- ger seien, und daß durch sie die vbm Kongresse angenom- menen Garatien für . das Verhältniß der Banknoten zu dem geseßlichen Zablungömittek des Landes. verleßt worden wären. Der Präsident empfiehlt ferner em . so bgldrges Wiederaufnehmen der Baarza [ungen, al:? e*z'z dre Verhaltnisse nur irgend gestaiten, und bezie sich auf die m'elfachen, in dieser Beziehung von der Regierung_ emachten Versprechungen; Als vorläufige Maßregel zur Errct ung dieses, Zwecks 1_'chlagt der

räsident vor, die StaatSeinnahmen derartig zu exhohen, daß durch fie die laufenden Auggaben gedeckt werden konnten. In dsr Sißnng vbm 28. April kam im Senate die Frage "zur Be- rathung, ob die betreffende Bil! über das Veto “des Prafidenten hinaus zum Geseße zu erheben sci. Bet der Abstimmung wurden 34 Stimmen zu Gunsten dieses Vor"schlggs, 30 gegen _denselben abgegeben. Da somitdie fürderartige JaUe nx derKdnstnutwn vorge- schriebene Majorität von zwei Dritiel iammtltckzex abgegebenen Stimmen nicht erreicht wurde, ist dre Bill definitiv verworren. Im Repräsentantenhause wurde eine Bill pasfirt, nach weslcher die bestehende Reserve der Nationalbanken zur Deckung ihres Notenumkaufs abgeschafft und die Höhe des Reservefonds_ von 15 bis 20 Prozent von dem Betrage der Denostten thanxzig sein soll. Außerdem sollen die Banken nerpflichtet sem, eme fünf Prozent ihrer umlaufenden Noten gleichkomznxnde Summe in StaatSpapiergeld in dem Schaßamie der Vereinigten Staaten niederzulegen, welche Summe nur zur etwaigen Emlojung der Banknoten benußt werden darf. Man glaubt,. dns; diese_ Bill, sollte sie im Senate angenommen und dam1t eme allniahliche Verminderung des in Umlauf befindlichen StaatSpapiergxldes verbunden werden, vpm Präsidenten unterzeichnet werden durfte. Der Bericht der Kommission für Reform des erldienste's ist dem Kongresse mit einer besonderen Bntschaft ani 18. April übermittelt ivorden. Präfident Grant enthalt _sch) m derselben einer direkten Empfehlung der von der Kommißron entworfenen Regeln bei AnsteUung von Cimlbeamten, spricht fick) aber zu Gunßen der bisher befolgten aus und empfiehlt dem Kongresse die Bewilligung der zu deren _Unfrechterhaltung erforderlichen Auggaben in derselben Höhe, tnte'nn verflossenen Jahre,. Von dem Ausschusse für die auSwaritgen'Angelegenhxtten ist dem Repräsentantenhause der Entwurf _emer Bill uber d1e Er- werbung des amerikanischen BurgerreÜtH. dnrch Geburt, Verheirathung, Naturalifirung u. s. “w., sowxe uber die Er- haltung bez. den Verlust deffelben bci lqngerem _Aufzxnthalfe nn Auslande zugegangen. In leßterer sziehung ck in der Bill vorgeschrieben, daß Bürger «der ereimgten Staaten, welche jeht oder künftigihren Aufenthalt tm Auslande nthen, fich innerhalb der ersten sechs Monate nacb! Erlangung eines Domi- zils, Minorenne innerhalb der erften 1echs Monate nach e_rlnng- ter Majoriiät, bei der betreffenden Gxsnndtschaft der Vereinigten Staaten oder bei einem von dem Mintfter des Aeußexen zu bx- stimmenden Konsmate registriren „lassen mussen. Burger, dre fich zwei Jahre unter der Jurisdiktion einer fremden Macht auf- halten, sollen als in dem betreffenden Lande domiztltrt angesehen werden. . . ' ' Zwischen Belgien und den Vereinigten Siaaten zst em Aus- lieferungSvertrag abgeschlossen worden. Es ist darm festgeseßt worden, daß derselbe-für die des Mordes und der Brandstiftung angeklagten Personen rückwirkende Geltung haben Tolle. Diese Bdüimmung hai offenbar Bezug auf, den der AUSUbungobeider Verbrecycn in Belgien beschuldigten, pxeußrsckzen Ynterthan .;osepl) Stupp, 311715 i)Kach TexfogYerdesZ'ent Auslieferung die preußische Re- ierun vereli gor ae. . ". g DLie vo? Kurzem auf Anordnung des Marme-thftermms zuiammengetretene Ingemeurkommisfion, welche unter dem Be- fehle des Commodore A'mmon steht, hat fich nach Central- amerika begeben, um die un vergangenen Jahre von den Unter- su ungek- editionen als geeignet bezeichneten Routen zur'Her- fie ung eines interozeanischen Kanals zw1schen dem atlanttschen und ftillen Meere näher zu untersuchen. „UZH besonders vor- theilhaft waren von den betreffenden Expeditionen die Route durch den See wn Nicaragua „mid “die, den thratqfluß entlczng führende bezeichnet worden. Die1Komm1sfion hat ihr? Arbeiten mit der ersteren begonnen und Wird nach Vollendung ihrer Diuf- gabe dem Kongresse Bericht darüber abftaiten, welche der beiden von ihr für die vortheilhaftere gehalten mird. . Für die Beobachtung des Venusdurchganges ist von der amerikanischen Regierung die Summe von 150,000 Dollars aus- gesest worden. Für die amerikanischen _Astronomen i_ind',acht Stationen bestimmt worden, von denen wer auf der nordluhey, vier au der südlichen Hemisphäre gele'gen find; 'auf „allen wixd der vo ständige Durchgang sichtbar sem. Jur eme derselben ist die Macdonald-Insel bestimmt, wn auch die Deutsche Regierung eine Station zu errichten beabßchttgt.

Zeit wieder günfiiger zu geüalten begonnen. Im Mnrz hgben die Einnahmen die Ausgaben mn mehr als zwei Millio- nen Dollars übertroffen und eme entsprechende Abmmde- rung der Staatsschuld gestattet. Leßtere belief fich am 1. April, ausschließlich der zu Giznften der , verschiedenen Pacific-Eisenbahnen auSgegebenm Obligationen und abzuglich des im Schaßamte vorhandenen Beßandes an baarem Gelde, auf 2,152,690,728 Doll. 50 C. gegen 2,154,880,066Do11.96 C. am 1. März, hat mithin im Marz uin 2,189,338 Doll. 46 C. abgenommen. Die Zunahtm seit 1. Inlt 1873, dem Be- inne des Finanzjahres, betrug am 1. Abril 4,872,014I_)o11ars. «zm April wurden von Seiten der Regixrung funf Millionen Dollars in Gold verkauft, der Verkauf einer gleichen Summe i|_ von den! Finanz-Minisksr für den Monat Mat angeordnet worden. Ein Ankauf von BundeSobltgaltonen [and nicht ßatt. Bei den Staatswahlen in Connecticut hat die demoknattsclze Partei den Sieg davongetragen. Ter Gouverneur, forme die Übrigen von ihr aufgefteUten Kandidaten wurden nut einen nicht unbedeutenden Majorität erwählt. Diese 5Harter verfug; ],th auch über eine große Majorität in der Staatslegislatur und hat eme Stimme im Senate der Vereinigten Sianten, gewonnen. In Rhode-Island wurde der von der republikanischen Partei nuf- gestellte Kandidat zum Gouvernemx gewablt, em Gegenkandidqt der demokratischen Partei“ war nicht amgesicllt wnrden. Die Wahlen zur Staatslegislatur daselbst finden tt_n Juni staint. Bemerkenchrth find 'die in der xe ten Zeit immen haufiger hervortretenden Versuche, das Wahlre t dßs Volks m Bezug auf die Beamten zu beschränken. In vielen Staaten smd bereits mehrfache Geseße in Betreff untergeordneter Staats: und -Gemeindeämter in dieser Richtung erlaffxn wnrden, und neuer- dings hat die Legislatur von Louisiana eme Bilk pasfiri, wodurch der StadtNew-Orleans das Recht, ihren Mayor und ihre Alder- men selbst zu wählen, genommen und dem Gouvernenr die Er- nennung der gesammten städtischen Verwaltung uberiragen werden soli. _ . ' , Nugenblicklich herrschen in Arknnsas ghnbche Wirren, wn sie bereits im vergangenen Jahre 111 Lomfiana' Und spater tn Texas aUSJebrochen waren. Gegen den dort im Jahre 1872, wie behauptet wird durch Falschung der Stimmzxttcl, erwählten Gouverneur Baxter wuxde von dem Bezirks- gerichts zu Pulaski eine Entscheidung zu Gunsten des demokratischen Kandidaten Brooks Zrlangt, und wbt? fick; dieser auf Grund eines richterlichen Exmisfionesbefehls unt Ge- walt in den Befiß des Gouverneuranéts und mehrercx Waffen- depots deZ Staates. Baxter erklärte dtxs Verfahren seines Geg- ners für einen Bruch des öffentlichen Friedens und traf Anstalten, fich mit Waffengewalt wieder in_Befiß denMacht zu setzen. In gleicher Zeit wurde der Fortgang des Streites vor. den Gerichten eingeleitet. Ein an den Präfidenien' Grant gerichtetes Gesuch beider Gouverneure um Unterstüßung ift abgelehnt rborden, zvetl eine schließliche Entirheidung der Staatchrichte noch nichtnor11ege, dock) wurden die Telegraphenlinien zur Sicheriteüung dcr Freibettdes Verkehrs auf Befehl des kommandirenden Generals durck) dre Truppen der Vereinigten Staaten mit Beschlag belegt. Nachdem eZZ be- reits am 20. April zu einem blutigen Zusammenstoße Umsehen beiden Parteien gekommen war, fand neuerdst Wieder em Kon- flikt bei New-GaÉ-cony am Red-River, 50 Meilen unterhalb von Litile-Rock ftatt, bei Yelchem die Anhanger Brooks von denen Ba ers e chla en wur en. _ _, xtDurFleasgAustrewn des Mississippi und seiner Nebenfluss find in Louifiana große Verwüftungcn " angerichtet worden. Mehr als 1400 Quadratmeilen wurden uberschwemmt, und ',st die Bäumwollenernte 'auf einer Fläckze von 250,000 Acres, dre MaiSernte auf 100,000, die Zuckerernte an mehr als 500,000 Acres vollständig vernichtet worden. Der ongreß genehmigte eine Bill zur Unterstühung der Nothleidenden durch Lieferung von Lebensmitteln und Kleidungsstücken aus den Armee- vorräthen. ' '

Nach den bei dem Ackerbau-Departement m Washington eingegangenen Berichten find die Ernteausfichten Fast tn alien Staaten, namentlich aber im Süden, außerordentlich gunstige. Nur in einzelnen Theilen von Netn-Yoxk und Pennsqlvamen haben die Wintersaaten seit Mitte Marz m Folge der thiernng gelitten. Aus WiSconsm, Minnesota'und. Iowa [unten die "Be- richte beffer als gewöhnlich. In Caitformen, wo die ungewohn- lich feuchte Witterung Schaden angerichiet hat, rechnet mnn troß- dem noch auf eine Ernte von 40 Millionen Pnshei Weizen.

In Pennsylvanien, wo die Eisen-Jnduxtrte rn Fglge der Finanzlage des Landes bereits schiver leidet und die Halfte der- großen Etablissements die Arbeit eingestellt hat, so daß fi_ch _sthon jeßt 15,000 Eisenarbeiter in diesem Staude außer Beschaftigung finden, verlangen die noch thätigen Arbetier dennoch eme Ex- höhung ihres Lohnes und drohen mit EinsieUung der Arbeit, Lalls'ihrem Verlangen nicht nachgekoznmen werden sollte. _Da

ie Arbeitgeber entschlossen sind,. nicht nachzugeben, so durFte demnächft die Thätigkeit in dieser Branche vollstandig. zum Stril: stand kommen. Ein Ende März auSgebrbchenex Strike der Erte- Eisenbahnbeamten, welche am 27. Miirz iamtntluhe Lokomoiipnt außer Betrieb ftelltßn, wurde durch die Aufbtetung von Militar in kur er Zeit bei e egt. _

Izm März laZideten im Hafen von New-York 6025 Em- wanderer, unter denen sich 2358 Deutschebefanden, gegen 13,364, von denen 6473 Deutsche waren, in demselben Monat 1873. Während des erßen Quartals 1874 belief fich die gesammte Em- wanderung auf 12,554 Personen, woruntxr 5107 Deutsche, gegen 26,102 Personen, mit 11,776 Deutschen m dern ersten O_uartale des Vo 'ahres. Die Einwanderung hat within im Marz um 7339, die deutsche speziell um 4115 Personen, im ersten Quartal 1874 aber um 13,548, die deutsche speztell_um 6669 Personen, gegen die entsprechenden Perioden des Voqahres abgonommen.

Der me ikanisclze Kongreß trat, nach seiner Vextagung, am 1. Aprilxwieder zusammen. Die Botschaft des Prafidenten wurde im Allgemeinen günstig aufgxnommen, nur sprechen s1ch die Organe der Oppofition gegenßdte vorgeschlagenx Erhohung des Zolltarifs aus. Zur Unterdruckung der Raubzugx _der In- dianer empfiehlt der Präsident die Errtch_tung von Militar-Kolo- nien. “Von den Amendements zur Persaffyng, mri denen fich der Kongreß beschäftigt, wurde das M Errzchtuz1g „eines Senats betreffende, in dem jeder Staat durch, zwei Mitglieder vertreten sein soll, angenommen. Die der Regierung ertheilten Vollmach- ten zur Unterdrückung des Menschenraube§ wurden auf em Jahr verlängert. Der Au9gabeetai der Regierung fur das [an- fende Jahr beläuft fich auf 23 Millionen Dollnrs.

Die mexikanische Regierung h_at der Regternng der Ver- einigten Staaten, welche ihre Vermxttelun'g zur Wiederherßellung diplomatischer Beziehungen zwischen: Mexiko, und Jxankreick; an- geboten hatte, erwidert, daß sie eme dernrnge'Vermutelung sehr gern annehmen würde, sobald Frankreich direkt den Wunsch

Das Land ist ruhig und ift der revolutionäre Aufstand m Chiagas unterdrückt worden.

Centralamerika. In den verschiedenen Repnbltfen herrscht verhältnißmäßige Ruhe. In CostaZtha nahtn Prafident Guardia, nack) Unterdrückun einer egen „ck11 angestifteteti Ver- schwörung, die Präsidenti aft wie er in Vefiß. Prasident Guardia, welcher wieder die Regierung ubernommen, hat mit Kolumbien einen Handels-, Grenz-, Konsular- und Poßvertrag geschloffen. iIm Hafen Vuntarena-Z- (Costa-Vica) befand fich zur Zeit die italienische Fregatte „Ganbaldi“ mit dern Herzogs _von Genua am Bord. In Honduras soUte die Wahl eines verfaffungSmäßigen Präsidenten vorgenbmmen „werden. Der frühere Präfident Arias wurde no_ch immer m Cunayagua gefangen gehalten. General Barrios, der Präfident von Guatemala, hat eine Reise durch den Stnat angetreten, um fich persönlich von den etwa nothwendigen Reformen zu überzeugen. Sämmtliche Klöftxr nn Bereiche dj_eser „Rx- publik smd aufgehoben und das kloftecltche G_e_lu_bde fur n1cht1g erklärt worden. Auch wurde es den Geistlichen vxrb_ot§n, geistliche Kleidung zu tragen, außen wenn sie amtlich be1chafiigt sind. In einem StaatSvertrage zrmschen Gugtemala und Nica- ragua find die diplomatischen Agenten und Kbnsuln des _einen oder anderen Landes zum Schuhe der beiderseitigen Angehorrgen im Auslande verpflichtet worden. Die Zusammenkunft der Pra-

'ßdenten der "verschiedenen centralamerikanischen Republiken soUte

am 10. März in Guatemala stattfinden.

Vereinigie Staaten von Columbien. Bei der Prü- fung des Ergebnisse:!- der Präsidentenwahl duch) d_en Kongreß wurde festgestellt, daß sechs Standen cine Majoritat fur Santiago Perez, drei eine für Julian Truztllq abgegeben haxten. Erftexer wurde somit zum Nachfolger Murtllo's als Prnfidenßerklart und trat am 1. April sein neues Amt an. Sem Kabmet be- steht aus ])r. Aquiles Parra, Finanz-Minister, Dx. Pablo Aro- semena, Minister des In:“.ern und Aeußern, Mtgnel Cnmncho Roedan, Finanz-Minifter, und Venanico Rueda, Kriegs-Mimßer. Adolfo Banvian, Präsident von Bolivia, :| nur 14. Februar nach langem Krankenlager geftoxben. An seine Stelle ist vorläufig ])1'. ThomaS Frias, der Prasident des Kon- gresses, getreten, dem Banvian schon vox seinem Tode. die Regierung übertragen hatte. Die Regierung_ hat ihrxn Ingenieuren den Auftrag gegeben, den 23. Gdad sudltcber Breite als die Grenzlinie zwischen Bolivia und Chili abzustecken. '

Peru. Am 16. März wurde 111 Peru „nbermals _em revolutionärer Aufstand versucht, indeffen rechtzeitig unterdruckt. Das dem Präfident Pardo eingereichte Entlaffung6gesuch der Minister der Jusjiz und des „Krieges wurde von demselben ab- schläglich beschieden. Die Guanolager auf „den Lode-Insexn sind auf Befehl des Präßdenien durch den_Fmanz-Mm1fter fur Schiffe der nationalen Agenten zur Auswhr von Guano ge- öffnet morden.

Chili. Die argentinische Regierung hat deni chilenischen Konsul in Mendoza das Exequatur entzogen, angeblich, weibszch derselbe an einzelnen daselbst vorgxfallenen Unruhen bethetltgt hatte. Dieser Vorfall hat in Chili große Aufregnng hexvor- gerufen, ebenso wie die Nachricht, daß der argenimische Kriegs- dampfer „Chubut“ in den Santa-Cruz Fluß eingelaufen und auf dem linken Ufer, welches Chili beansprucht, em Fort. erbant worden sei, doch hoffe man noch immer, daß es ,moglich sem werde, die zwischen beiden Staaten entstandenen Differenzen auf gütlichem Wege beizulegen.

Argentinien. Die Präfidentenkoablahat am 12. April ihren Anfang genommen, ])r. Nlßna ist 'zu. Gunsten des Dr. AveUanada zurückgetreten. Es stehen Mithin nur'Leßterer und der General Mitre einander gegenüber. Die Beziehungen der argentinischen Republik zu den Nachbarftaczien sind „durch- weg unbefriedigender Art. Außer den obenerwahnten ;Drneren- zen mit Chili smd die Beziehungen zu _Uruguay „keineswegs freundliche, Nachdem Prasident E*llauri Montevideo ge en Buenos Antes, in Folge der in leßterer Stadt herrsche en Choleraepidemie, geschlossen, ,aber den Uruguay offen gela_ffen hatte, schloß Präsident Sarmxento diesen Fluß gegen alle Hafen der orientalischen Republik. Die Schw1ertgieiten find zwar durZ Aufhebung der Quarantäne wieder beseitigt worden, do herrscht in Montevideo noch innnex gr_oße Aufregung. „Para- ginn; ist noch immer nicht geneigt, m die yon der argentinischen Republik geforderte GebietSabtretung zu ertgen, und auch dns Verhältniß zu Brasilien gestaltet fich von Tage_zu Tage schlytß riger. Es ist daher nicht überraschend, wenn in der argentini- schen Republik kriegerische Vorberettungen_ getroffen_werden: die Insel Martin Garcia, der Schlüssel fur die Flußsthmahri, ist rnit schweren Geschützen versehen worden, und beabsichtigt die Regie- rung, eine Armee von 60,000 Mann zu schaffen, welche in at- tive, Reserve-Armee und Landsturnx zerfaucn sou. Aike Pixo- vinzen sollen 4 Prozent ihrer Bevolkerung Zellen. Die akttne Armee sol! aus den Altersklassen. von 17 bis 25 Jahren, die Reservearmee aus denen von 25 bis 40 Jahren, der Landßurm aus allen denen bestehen, welche im Stande find, Waffen zu tragen oder überhaupt fähig find, dem Lande Dienste zn leisten. Zur Uebernahme der in Engiand bestellten Pqnzerschiffe und Kanonenboote soll demnächß xine von der Regierung ernannte Kommiifion von Marine-Oxfizieren nach Europa abgehen.

Bras ilien. Das von dem obersten Gerichiöhofe aus- gesprochene, auf 4 Jahre Zuchthaus lautxnde Urtheti gegxn den Bischof von Olinda, ist, da der Bis of keine Azapellatton emlegtx, am 11. April rechtskräftig geworde Der Kaiser ha_t ]edoch die Zuchthausstra'fe in einfache Haft umgewandelt, und ist dem B:- schof die Festung Santa Cruz im Hafen von Rio als Anfein- halt angewiesen worden. Bis die _zu seiner Anfnahme bestimmte Wohnung hergerichtet sein wird, ist derslebe m dem Fort San Jago internirt worden. Der oberste Gerichtshof hat die Verhaf- tung des Bischofs von Para, Dog Antonio de Marcedo Costa, wegen Verweigerung der von, der Regierung„geforderten Aufl)? bung der von ihm über die Freimaurer verbgngten Exkomrxmm- kation beschlossen. Der Erzbischof von Vahta und der Bischof von Rio haben offen gegen das Vorgehen der Regierung pro- testirt und mit der Exkommunikation der Regierung gedrdht,_ so daß lehtere fich veranlaßt sehen dünste, auch gegen diese b_eiden Prälaten gerichtlich vorzugekken. Ech Joxge des immer großere Ausdehnung annehmenden irchenftrettes ifi dte_Entßehung einer nicht unbeträchtlichen Partei gewesen, welche dte Bildung emer brasilianischen Nationalkirche anftredt. ,' .

Der neue Zolltarif wird demnachst yubltztrt werden i_md am 1. Juli in Kraxt treten. Die dadurch emtretxnde "Reduktion der Zölle auf hoch efteuerte Waaren tft namentlich fur die Provinz Rio Grande do Sul von Bedeutung, wo bisher ein Lebhafte: * Schmuggelhandel von“ Uruguay aus betrieben wurde, dem man auf diese Weise ein Ende, zu machen h9fft- . , abgeschloffene Posttxertrag ift am 1. April, der mit Deutschkand

Die eit dem Beginne des laufenden Finanzjnbres fast be- ständig gxdrückten StagtSeinnahmen haben fich m der lehteren

ausspräche, die Beziehungen zu Mexiko wieder anknüpfen zn wouen.

abgeschloffene nm 1. Mai in Kraft getreten.

Der mit Spanien :

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