Sachsen. Dresden. 4. Juni. Die Zw'eite Kaminer erledigte heute in einer halbstündigen Stßung eme Anzahl Pe- titionen und Beschwerden. _ _
_ Nach hier eingetroffenen telegraphischen Meldungen aus Eibenstock find gestern Abend von den am Tunnelbau bei Eibenstock beschäftigten italienischen Arbeitern (circa 200 Mann) Exccs s e verübt worden. Ein Referendar, 4 Polizeidiener und 2 Ingenieure wurden, wie das „Dr. J.“ meldet, dabei von den Excedenten festgehalten. Von Schneeberg wurde Militär requi- rirt, durch welches in voriger Nacht 56 Italiener verhaftet worden find. Erhebliches soll nicht vor efaUen sein.
Leipzig, 2. Juni. Für die diesjäZrigenHerbftül-ungen des Königlich sächfischen Armee-Corps find, wie die „L.Z.“ ver- nimmt, nachfolgende Bestimmungen getroffen worden: _
„Die Infanterie wird Brigadeüöungen auf _dem Mati_övyririerram bei DreSden bez. auf den durch Nachbargrunditücke entivrechcnd zu vsrgrößernden Exercirpläßen bei Baußxn, Zw1ckau und Chemnitz ad- balten und zivar die ]. Jufanierie-Brtgade Nr, 45 vom 27. bzs mit 31. August, die 2. Jnfanierie-Brigade Nr. 46 vom 24. bis_ mit 28. August, die 3. Jnfanterie-Brt'gade Nr. 47 vvm„25.„bis mit 29. August, die 4. Jnfanterie-Brigade Nr.48 vom 27. b16m11'81.August. Für die in der Zeit vom 3. bis mit 14. September zwnchen "Lom- matsch, Nossen, Wilsdruff und Meißen abznhaltenden Divifionkoubun- gen der ]. Jnfanteric-Divifion werdcn selbiger drei Cécadrons der 1. KavaÜerie-Brigade und das Regimeni „Corps-Ariillcrie“, ausschließ- lich der reitenden Abtheilung, für die m derselben Zeit 3w1schen Zschopau, „Hainichen und Oederan abzubaitenden Divifionsüdungcn der 2. Infanterie-Divifion dieser drei CScadrons der 2. KavaÜerix- Brigade und das Regiment „T)ivifions-Artillerie“ zugeibcilt. Die Uebungen der KavaUerie, das Regiment zu 4 Cécadrons, nebst zugx- ibeilter Abtheilung reitendcr Artjilerie werden vom 24. August bis mit 5. September bei Großenhain stattfinden.
Württemberg. Sinti art, 3. Juni. In der vor- geftrigen Sißung der Kammer er Standesherren nzurde der Staatsvertrag mit Baden über die Herstellung weiterer Eisenbahnverbindungen beraihen. Fürst Hohenlohe-Langenbixrg erklärte sich durck) diesen Vertrag für sehr befriedigt und befur- wartete einen ähnlichen Vertrag mit Bayern, um insbesondere eine Bahn von Weikersheim nach Würzburg zu Stande zu bringen. Indessen bei Artikel 1 fragte Direktor v. Werner: ob in der Ziffer 3 des Artikels 1 des Vertrags, der von dem An- schluß bei Alpirsbach handelt, auch die Annahme des Baues der Bahn von Stuttgart über Böblingen begriffen sei, was Minister v. Mittnacht bejahte. Darauf stellte Fürst Hohenlohe-Langenburg den Antrag: die Berathunß des Vertrags so lange auSzuseßcn, bis über das neue Eisen ahnbangeseß beraihen und Beschluß gefaßt sei. Dieser Antrag fand Annahme und wurde somit auf heute vertagt,
Heute hat nun die Kammer der Standesherren mit der Berathung des Geseßeniwurfes, betr. den Bau von Eisen- bahnen in der Finanzperiode 1873/74, begonnen und den Art. 1 und 2 (Linie Bicjigheim_Heffenthal und Stuttgart_Böb- lingen-Freudenstadt) angenommen, ltherer mit der Bitte: „daß, soweit thunlicl), unbeschadet der Arbeiten auf der Linie Stutf- gart-Eutingen, gleichzeitig die schwierigeren Bauten auf der Linie Eutingen_Freudenftadt in Angriff zu nehmen seien.“
_ Der Wirkliche Geheime Kriegs-Rath von Mand, bis- her in Königlich preußischen Diensten, ist zum Chef der Oeko- nomie-Abtheilung des Kriegs=Ministeriums ernannt worden.
Baden. KarlSruhe, Z.Zuni. Das Großherzog- liche Finanz-Ministerium giebt bekannt, daß außer der
General-Staatskaffe hierselbst, der Ober-Einnehmerei Mannheim .
und dem Haupt-Steueramt Freiburg auch das aupt-Steueramt Konstanz zur Einlösung der preußischen Friedrj sd'or ermächtigt w'orden i|.--*Zu3!e:ch wird darauf aufmerksam gemacht, daß die nut dem 1. April d. I. außer Kurs geseßten Münzen, nämlich: 1) die Kronenihaler deutschen, österreichischen und brabanter Ge- präges; 2) die im 20-Gulden-Fuße ausgeprägten ganzen, ha[- ben und viertels Konventions- (Spezies-) Thaler deutschen Ge- pröxges, so wie 3) sämmtliche Goldmünzen deutschen Gepräges (mat AuSnahme der neuen Reichs - Goldmünzen) nur noch bis zum 30. Juni d. J. umgewechselt werden.
. Hessen. Dnrmßadt, 3. Juni. In der heutigen (59.) Stßnng der Zweiten Kammer wurde zunächst der gestern bereitzz mxtgetheilte Antrag Goldmann und Genossen über das Qetrot Mit 24 gegen 21 Stimmen angenommen. Hierauf wurde die Vorlage, betreffend die Vereinigung der Burgkaserne und des sogenannten Fe'ldwebelbaues zu Friedberg mit dem Groß- herzoglichen Familieneigenthum, zustimmend erledi 1. Ferner wurde dem Beschluß der Ersten Kammer, daß die 1111: die ver- fnllenen _Grundrentenscheine wiederholt anzuberaumende Ein- losungsfrtst Mit dem 31. Dezember 1875 zu Ende gehen solle, beigetreten. Dagegen wurden der Antrag des Abg. Dernburg auf Nachzahlung, der 1872 bewilligten GehaltSaufbefferung für jenes Jahr an die Forstwarte, ebenso wie der Antrag des Abg. Dumont nuf Aufhebung des Geseßes vom 22. November 1872, die Mitwnkung der Forensen bei der Festseßung des Gemeinde- vorgnschlags betreffend, abgelehnt; der Ausschnßantrag auf Revision des_ leßtgedachten Geseßes fand die Billigung der Kammer. Die Beralhung über den Antrag Königer-Küchler nuf Erhebung der„städtischen Realschule zu Groß = Umstadt zu einer Staatsanstalt wurde auf die kommende Sitzung vertagt. _ Die nachste Sißung findet Freitag, den 5. d. M., statt.
Mecklenburg. Sazwerin, 4. Juni. Die erzogin Marie und die ]ungeren Prinzen und Prinzessinnen FZaben von gestern an Aufenthalt in Rabensteinfeld genommen.
' Neufirxiiß, ]. Juni. Der Erbgroßherzog, welcher m London die Masern sole1cht überstanden, daß er nach 9Tagen dns Zimmer Wieder verlassen konnte, ist bereits auf der Heim- reise und 111er morgen zur Eröffnung des Pferde-Zuchtquktes m Neubrandenburg erwartet, wohin auch die Großherzoglichen Herrschaften von hier ach fick) begeben werden.
Neuß j. L. Gera, 3. Juni. Ge ern it die ür tin Mutter ebenfalls von hier abgereist, um Tunäch11 SornFmercsmf- enthalt, m Schloß Thnlle zu nehmen. In einigen Tagen wird auch dte regierende Fursttn den Osterftein verlassen und sich nach dem Sommersiß Heinrichsruhe begeben, um dort mit dem Fürsten zusammenzutreffen.
Greiz, 2. Juni. Der Fürst und die Fürstin haben fich zu einem mehrwöchigen Aufenthalte nach Schloß Burgi begeben.
Oefterreich-Unaarn. Wien, 3. Juni. Der Kais er hqi dem vom galizischen Landtage votirtcn Geseßentmurfe, mit welchem der 2. Absah des Art. 7. des Geseßes vom 22. Juni 1867, betreffend die Unterrichtssprache an den Volks- und Mittelschulen Galiziens und Lodomeriens mit dem Groß- Zerzogthume Krakau, abgeändert wird, die Sanktion ert eilt.
uf Grundlage diese); Gesetzes wird nunmehr an dem a ade- mischen Gymnasium m Lemberg auch in den vier oberen Klassen
die t::uthenische Unterrichtssprache, und zwar stufenweise eingeführt wer en. . Karlsbad, 3.3uni. Der Großherzog von Mecklen- burg-Schwerin ist zum Kurgebrauche hier angekommen,
Triest, 3. Juni. Der Gesandte Baron Schwarz-Sen- born ist gestern hier eingetroffen. Derselbe besuchte heute die Hafenbauten, die Schiffswerfte, den „Navale adriatico“, ferner die Handelskammer und die Lloyd-Direktion und nahm die Wünsche betreffs der Handelsverbindungen Triests nach Amerika entgegen.
Pest, 4. Juni. Der Minister Szaparr] motivirte in der Konferenz der Deäk-Partei die W ahlgef eßvorlage. Ein voll- ständig neues Wahlgeseß sei wegen der Zeiikürze unmöglich; dock]
edenke er, den größeren Uebelständen, wie der geringen Anzahl Zauptßädtischer Deputirten, durch besondere Vorlagen abzuhelfen, Die Ausdehnung der Reichstagsperiode auf fünf Jahre wird gleichfalls besonders beantragt werden. Ludwig Horvath erklärte, er hätte ein neues Wahlgeseß gewünscht; die Novelle werde den Mängeln des 1848er Gcseßes nicht abhelfen, die statistischen Daten seien unzuverlässig. Pulszky wünschte, daß die Census- bestimmungen weggelassen würden und sich auf die Errichtung ständiger Wählerlisten so wie Regelung des Wahlverfahrens be- schränkt werde. Der Minister-Präsident Bitto betonte, daß die Regierung nur die Präzifirung zweifelhafter Bestimmungen be- absichtige und keineswegs an den Details festhalte. Die Vorlage wurde sodann im Nügemeinen angenommen.
Schiveiz. Bern, 2. Juni. Auf der heutigen Tages- ordnung des Ständerathes stand der Auslieferungs- vertrag mit Deutschland, "welchem der Nationalrath schon im Laufe der leßten Wintersesfion (in seiner Sißung am 31. Ja- nuar d. I.) die Ratifikation ertheilt hat. Der Ständevaih ge- nehmigte denselben ebenfalls oHne weitere Diskusfion.
_ Der Nationalrat!) begann heute die Beraihung des neuen Gefeßes über Pfandrechte an den Eisenbahnen, mit welcher der Stänkerath fick) schon in der Winterscifion be- schäftigt hat. Die Kommission beantragte eine vom Eniwurfe des Ständeraihs sehr abweichende Redaktion. Heute Wurden 3 Artikel erledigt. Im Ganzen umfaßt das Gese 43 Artikel.
St. Gallen, 4. Juni. (W. .T. B.) Der Ziefige Große Rath hat die Aufhebung des nach jesuitischem Systeme ein- gerichtetenKnabenseminars zu St. Georgen mit 91 gegen 52 Stimmen beschlossen, auch dem RegierungSrathe die Befugnis; zur Abberufung renitenter Geistlichen ertheilt.
Niederlande. Haag, 1. Juni. Gestern Nachmittag ist dem Kolonien=Minifterium ein an demselben Tage in Buiten- zorg aufgegebenes Telegramm des General-Gouverneurs von Niederländisch-Indien 'mit nachstehenden Meldungen aus einem Berichte des Militär- und Civilbefehlshabers in Atchin, des Obersten Pel, _zngekommen. Angriffe des Feindes auf Kota- radja, Penajong und Maraksa waren zurückgeschlagen worden, der leßte mit schwerem Verluste für den Feind. Dieser nistete sich östlich auf verschiedenen Punkten ein. Der Gesundheits- zustand war nicht günstig. Dcr Rath von acht in Penang, in dieser britischen Handelsstadt, ansässigen vornehmen Mchinesen hatte wegen der Bedingungen für die Unterwerfung von Aichin angefragt und schien zur Annäherung geneigt.
' Frgnkreich. Parts,]. Juni. Fouriou hat noch in seiner Eigenschaft als "Unterrichts- und- Kultus-Minifter an den Bischof von Amiens ein Schreiben gerichtet, worin es heißt:
' „Monseignxur! Seit dem Jahr,1840/_1)at sich der Staatskatl) ge- Weinert, dn! 1urisiisxlye Perfonund Befugnis; der Diözese anzuyrkennkn, obaleick) eine1 beitzacßilicbe '" _ 'von Verordnungen und Erlasscn, 1001 0 _den rechtlichen Bestand [eser Anstalt vorausseßcn, von ihm gene. mtgt worden find., Das - ultuC-Ministerium bat, dér alten Juristrudenz ich, zu Wiederhqlken Malen versucht, ihr über eine neue, Fchon 1o oft'von der Praxis wzderle te Doktrin die Oberhand zu ver- chaffen. DLL chnßungen mé1ner§1 o'rgänger smd fruchtlos geblieben, und xn der leisten Zeit gianhte man mcht über ein System hinausgehen zu durfen, welches dem Bncbofe auögedchntcre Persönliche Befugnisse, dagegxn aber der geistlichen Anstalt, deren Tiiui'ar er ist, keine jurisiiiche Existenz zugestand. Ick „110.110 mich gegen eine Uebercinkunst gestrqnbt, welche nur in der Doktrin unrichtig, in der Praxis unzu- länglich schien, nnd mich da[)sr persönlich „an der Regelung einer An- gelegenheit betheiligen zu s„ol10n geglanbt, die schon so lebhaften Wider- spruch angeregt„bat_und fur den Epiikoyakt 0 wichiig ist. Es freut mich, Jhnxn mritheilen zu können, Mon1cigneur, daß der Staatsrath sich nach einer eingehenden Prufxmg der verschiedenen vorgcfchlagenen Syiieme „fur msmén Antrag cnt1chieden nnd ansrkarni iyat, daß die Qtoze1e__emen legalen Bestand hat und so'lgkicb mit der rechtlichen Befug111ß_Zusgxsiaiict ist, zu erwerben, zu bcfißen, kurz gleich den anderen offentlichen Anstalten alle Akte des bürgerlichen Lebens zu
vollziehen.“ _
_'4. Zum. (W. T. B.) Das rechte Centrum der Nationalversammlung hat ein Parteiprogramm auf- gestellt und in demselben die Erklärung erneuert, daß es der 00111 Kabinet. des Herzogs v. Broglie verfolgten Politik iren bleibe. Es Wird sodann weiter aUSgeführt, das rechte Centrum wxrde auch den Nachfolgern, des Kabinets Broglie seine Unter- st'ußnng'angedeihen lassen, dasselbe müsse aber auf der Nothwen- digkeit einer Organisirung der Regierung des Marschall-Präfiden- ten bestehen. Denn der Leßtere würde die ihm gestellte Aufgabe nicht zu lösen im Stande sein, falls er nach dem Auseinander- gehen der Naiionalversammlung nicht in der Lage sein sollte, auf ryeise erwogene und abgemeffene Institutionen fick) stüßen zu konnen. Was die Eventualität einer Erledigung der Exxkutwgewalt anbetreffe, die in der Person des dermaligen Tragers derselben eintreten könnte, so werde das rechte Centrum an dem auf 7 Jahre abgeschlossenen, zur Beruhigung der Parteien bestimmten Waffenstillstande nicht rütteln, erst nach Ablauf dieses Zeitraums 'werde die Frage der definitiven Regierungsform ohne Gefah'rweiter" behandelt werden können. Das rcchte Centrum hahe m Gemaßhea dessen beschlossen, den dem Träger der- Exe- kuttrgewalt durck) die bestehenden Gcseße beigelegten Titel auf- r_echt,zu erhalten _und jeden Antrag abzulehnen, der darauf ab- zielen könnte, die Beschlußfassung über _die konstitutionellen Geseßvorlagen ganz zu verhindern„ oder auch nur zu verzögern, oder deren Bedeutung abzuschrvächkn.
' Versailles, 4. Juni. (W. T. B.) In der heutigen Sißung der Naiionalversammlung wurde zunächst ein Gesehentwurf" iiber Aufbesserung und Verstärkung deer Testen Plaße an der Ostgrenze vom Kriegs-Minifter emge nicht.. Die „Versammlung beschloß für diese Vorlage die Drmglichken. ierauf begann die Verathung des W ahl- geseßes. _Lous Blanc bekämpfte dasselbe sehr lebhaft, weil da's allgemrme Stimmrecht durch dasselbe verkümmert werde. Die Deputtrten Meaux nnd Batbie traten für den Gesehentwurf ein. . Gambetta beschrankte sich auf eine Kritifirung mehrerer Beßunmungen der Vorlage. Dufaure war der Anficbt, daß man 111 die zweite Lesung des Geseßentwurfs eintreten könne. Die Versammlung beschloß mit 378 ge en 301 Stimmen, die,
Italien. Rom, 29. Mai. Während der gestrigen Ver- handlungen der Deputirtenkammer über das Definitiv- budget des Iuftiz-Ministeriums für 1874 interpellirte Hr. Miceli den *qutiz-Minifter über die Art und Weise, wie das Königliche Placet und Exequatur bei Ernennung von neuen Bischöfen ertheilt wird. Er begann mit einer Kritik des Garan- tiegeseßes, welches den Staat zum Vortheil des Papstthums und des hohen Klerus seiner Reäyte beraubt, und tadelte die zu gwße Nachgiebigkeit der Regiernug gegen die päpstliche Curie, indem fie dcm Vatican volle Freiheit"laffe bei den neuen Bischofs- ernennungen. Der Iustiz-Minister erwiderte: Seitdem das Mai- geseß vom Jahre 1871, das die der Regierung bei der Ernen- nung von Geistlichen zustehenden Befugnisse bex'timmt, in Kraft :Setreten ist, habe die Regierung es fich ßets angelegen sein „affen, dasselbe zu befolgen und auch von anderen befolgen lassen, indem fie ebenso sehr zu verhüten gesucht hat, ihren Rechten etwas zu vergeben, als sie durch zu strengeMaßregeln, welche sowohl dem Getsie wie dem Buchstaben des Geseßes entgegen find, zu über- schreiten. Da aber Hr. Miceli dabei blieb, daß der Minister die Besttrnmungen des Garantiegesehes weder richtig aufgefaßt noch energisch durchgeführt habe, indem er mehreren Bischöfen das Exequatur gegeben, ohne daß diese die päpstlichen Ernennungs- bullen vorgelegt hätten, erklärte der Iustiz-Minifter, daß die Re- gierung stets dem Gutachten des StaatSrathes gefolgt sei, wenn fie Pfarrern, welche von Bischöfen ernannt worden waren, die das Königliche Exequaiur noch nicht erhalten hatten, ihr P(acet“ gab. Es sei aber nicht wahr, daß Bischöfe, ohne darumein: zukommen, das Königliche Exequatur erhalten hätten. An Ver- suchen habe es allerdings nicht gefehlt, ste seien aber stets fehl- ge1chlagen Der Minister schloß mit der Erklärung, daß die Regierung jeden Versuch, die Rechte nnd Geseße des Staates anzutasten, entschieden zurückweisen, aber auch kein Verfolgungs- syftem einführen werde. vorgeschlagen hatte, so blieb seine InierpeUaiion ohne Folgen.
_ Der Senat genehmigte in seiner gestrigen Sißung die Finanzvorlagen, welche die Besteuerung von Cichorien- wurzeln, Bier: und Branntweinfabrikation und den statistischen 3011 zum Gegenstande haben.
_ Die „Corr. Stef.“ erfährt aus guter Quelle, daß die Deputirtenkammcr im August aufgelöst wird, und daß die Neuwahlen im November stattfinden sollen.
_ Das Ministerium unterhandelt mit General Menabrea über die Beraihung des die Landesvertßeidigung betref- fenden Gesehentwurfsx General Cialdin ist nach Rom ge- kommen, um an diesen Unierhandlungen ihciFunehmen. Die Linke scheint entschlossen, ein Manifest an das olk zu erlassen.
_ 4. Juni. (W. T. B.) In der heuiigen Sitzung des Senats verlangte der Minister-Präfident Minghetti die Fest- stellung der Tageöordnung. In der Debatte hierüber sprach Menabrca den Wunsch aus, daß die Diskussion über ,die Befestigungöarbeiten noch vor den Ferien stattfinden möge. Cialdini dagegen verlangte, daß die Berathung dieser Bor- lage so lange suSpendirt werde, bis die dazu notKwendigen Geld- mittel vorhanden seien, und beantragte die TageSor nung in diesem Sinne. In Erwiderung hierauf sexzte der Minister-Präfident aus- einander, wie der Ertrag der gegenwärtigen Steuern sowohl ohne Erhöhung als auch ohne Auflage neuer Steuern ergiebiger ge- macht werden könne. Er legte dar, wie nothwendig es sei, das Gleichgewicht der Finanzen herzustellen, und daß dies nur mög- 1ich sei durch die SuSpendirung der Vorlage über die Be- festigungsarbeiten, deren Annahme weiteve AUSJaben mit fick) führen würde. Der Minister-Präfident versprach, keinerlei Vor- lagen „ganz full_en zu lassen, welche sich aus militärische und auf öffentliche Arbeiten bezögen.. Die von Cialdini vorgeschlagene und von der Regierung genehmigte TageSordnung ward hieran fast einstimmig angenommen. _ *Die Deputirtenkammer iz vertagt worden. - .
_ Der Papst litt nach einer Meldung der „Agenzia Stefani“ geßern an großer Appetitlosigkeit und hatte in der ver- gangenen Nacht wiederholt einen starken Fieberanfall. Die Aerzte find von dem Zustande beunruhi ;1.
_ Ein zweites Telegramm vsn 4. Juni, Abends,"; meldeé: Drr,GesundheitZzustand des Papstes ist heute ein be- friedigenderer. Die Aerzte haben ihm den Rath eriheilt, sich nach seiner Sommerresidenz in Castel-Gandolfo zu begeben, dock; hat er diesen Vorschlag abgekehnt.
' Rußland und Polen. St. Petersburg, 3. Juni. Wie die „M. 3.“ meldet, wird gegen Ende Juni das Eintreffen des Großfürsten Michael Nikolajewitsch aus dem Kau- kasus 111 St. Petersburg erwartet. Bei der Anwesenheit des Großfürsten-StaitlZaliers„ in der “Residenz sol! auch die Frage von der Reorgani ation der Truppen des “kaukasischen Miliiär- bezirks erledigt werden.
_ Der General-Gouverneur von“ Turkestan, General-Adju- tant von Kauf f mn nn, ist hier eingetroffen.
_ _ Dre geseßltche Theilung des Jahres in Arbeits- zeit und Festtage im Sinne des §. 1046, Bd. QT. der Geseß- Sauxmlung, AUSg. von 1857, soli vom Ministerium der Reichs- doxnanen m Anregung gebracht worden sein. Gleichzeitig soll obiger GeseßeSbestimmung die Erläuterung hinzugefügt werden, dnß es auch an Festtagen, nach Erfüllung der religiösen Pfli ten, nicht verboten ist, fich mit einer nüylichen Arbeit zu beschäf gen. Schweden und Normegen. Der Bericht der norwegischen Regierung an den „König über die Verweigerung der Sanciion für den Starthiiigsbeschl11ß*-in' der Staats r a t hs s ach e ist 1201, nachdem er durch Königliche Resolu- tion vom 28. U. M. angenommen worden, dem Stört hing zuge- stellt. Der Verfaff er desselben, Justiz: und Polizei-Minifter, Staats- rath Stoll, d'effen Anschnuungen fick) die Übrigen Mitglieder des StaatSraxhs 'nn Wesentlichen anschließen, giebt zuerst ein ziem- lick) au0fuhr11ches Referat über dasjenige, was sowohl Seitens* der ?xxxoristattnlj? audch Fteixns der Minorität des Konstitutions- com10 ge ag : un 6 „_ ann u der An auun d - temenK clYun. dEs [)e11'zt dann: z M g es Depar „ 9 em jetzigen Siorthin eine Köni ii 0 ro ' unterbreitex Wordc _war, die auf das ggenaueste undg 9118101311115? gearbeitet 111 und dte fich darauf stüßt, daß die betreffende'Reform, um auf sichere und zweckmäßige Weise auSgeführt werden zu können, noihwendiger Wezse von anderen Verändacungen im Grundgesetz be- gjeitct werden mu_sse, hat das Siotibiug unter dem 27, März 1). J. e1n0n_Besch1uß _gesas t, der in Wirklichke1t- die Königliche Proposition anticwirt, da dtefel e erst im Jahre 1877 dem Storthing wieder vor- gelegt,werden ka'nn. Sou nun die Königliche Initiative und das Sanktionsrexht nicht seine Bedeutung verlieren,“ namentlich bei einer Angelxgenbcti von so gr oszer politischer und konstitutioneller Bedeutung wie dtxsc, so kann schon dieser Umstand aÜein ein hinreichender Grund sem, Fe SÉnktxk zuhxekr'weigernß“ ' *
er eri ge ann 11 er zur Sa 11 elbt na dem er konstatirt hat, daß Veränderungen,. welchec71ufsde11,Beschckl)uß des
zweite Leskmg der Geseßvorlage vorzune inen.
Departements von Gewicht sein könnten in den obwalt d Verhältnissen nicht eingetreten wären, und fährt fort: en en
Da Hr. Miceli keine TageSordnung'
Christiania; 31. Mai. *
„Es hat sich in den Bexbandlungen des Siorthings, sowohl im Counts als auch in der Hauptversammlung, öfters die Anschauung geltend gemacht, die Einführung der Hauvireform dürfe nicht von dxr gleichzeitigen Annahme der Königlichen Garantie-Vorschlage abhangig . emacht werden. ,Die meisten Redner wollten gegen diese Vorschlage elbst keine Einwendungen machen, gingen aber von dem Stgndpunkt aus, daß zwischen ihnen und der Hauptreform eine notwendige Ver- bindun nicht existire, oder sie waren mit einzelnen Heimlhestimmun- . en ni einverstanden oder meinten endlich, die Zufaße eigneten sich effer für eine Separat-Geießgebung als für das Grundgeseß. Dennoch aber mus; das Departement an dem Standpunkt der _Re- ierung vom 9. Dezember festhalten. gerade wxil es in _der aklemxgen Einführung der Veränderung eim? Gefahr erblicke und furch_icn musse, daß dadurch das ganze bisherige System des StantSorgantSmns und die bi0berige Vertheilung der politischen Macht zwrschen die einzelnen Faktoren verrückt Werden würde.“
Darnach geht das Departement zur Untersuchungder Ein- wendungen über, welche gegen die einzelnen Vorschlag? der _Re- gierung gemacht smd, indem es erklärt, daß es Klarheit dnruber zu erhalten wünsche, ob wirklich ein Anlaß vorhanden sei, die einmal gemachten Vorschläge zu verändern. Schließlich kommt es aber zu dem Resultat, daß es nicht nachgeben durfe "und auf ** seinem eirtmak angenommenen Standpunkte beharren am e. Es endigt feinen Bericht so: ,Das Departement hat ]th a 0 Ein- wände von irgend welcher Bedeutung, welche entweder von der Majorität des Konstitutions-Comités oder während der Debat- ten des Storihings gegen die Zusasvorsthläge vorgebracht smd, untersucht. Es kommt aber zu demselben Resultai, " w?!- ches schon früher von ihm .auSgesprochen worden ist, daß nnmlicl) die Vorschläge, welche durch die Königliche Proposition Mit der Vornahme der Hauptreform in Verbindung gebracht Wurden find, beibehalten werden müssen und daß deshalb dem Beschluss des Storthings auch dieses Mal die Königliche Sanction zu ver- weigern sei.“
_ Nach Mittheilungen hiesiger Blätter hat das Militär- Comité des Storihin 8 sich über die Befestigung des Drobacksundks in deerlben Weise wie voriges Jahr aus- gesprochen und die von der Regierung verlangten 70,000 Spd. zur Bewilligung empfohlen.
Dänemark. Kopenhagen, 2. Juni. Der König emfing gestern in besonderer Audienz den am hiesigen Hofe akkreditirten Königlich belgischen Minister-Refidenten Anspach, welcher nach beendetem Congé auf seiner Rückreise nach Stock- holm hier eingetroffen ist.
_ Vom21. bis zum 27. Mai sind 200,000 Zwei-Oerestücke, 100,000 Fünf-Oerestücke und 220,000 Zehn-Oerestücke außge- Münzt worden. Im Ganzen sind 1th 2,81Z,000Zwei-Oerestüche, 605,000 Fünf-Oerestücke und 1,854,000 Zehn-Oerestücke aus- gemünzt. “ * .
Amerika. Washington, 4. Juni. (W. T. B.) Das Schaßamt ift angewiesen, am 1. September d. I. von. den 5/-,»er Bonds von 1862 für 5 Millionen Dollars zu amortifiren.
_ (N. A. C.) Ueber die Lage der Dinge in Paraguay wird aus Corrientes unterm 29. April gemeldet: „Die bra; filianische Armee unter dem Kommando von zwei Generalen ist gegen die paragnitischen Insurgenten, die Paraguay zu ihrem Rendez-vous gewählt haben, ins Feld gezogen. Die Regierungs- truppen hatten die Stadt verlassen, um die Insurgenten zu engagiren, waren aber geschlagen worden; ste wurden fast alle zu Gefangenen gemacht, und ihre Geschütze u. s. rv. fielen in die Hände des Feindes. Morlas kam mit den aufständischen Truppen in Ll-ffuncion an, wo die braftlianische Streitmacht die Offensive ergriff. Die Rebellen zogen fick) znrück, ohne einen Schuß zu thun, gefolgt von den brafilianischen Truppen. Mar- tinez, der Redacteur des Amtsblattes, Wurde von den Aufstän- dischen getödtet. Die gesammten argentinischen Streitkräfte find am Chaco in der VilXa Occidental staiionirt. Es herrscht große Aufregung in Paraguay.“
Vereinswesen.
Stuttgart, 3. Juni. Die zweite ordentLiche Generalver- sammlung des Württembergiscben LnndeSvereins der Kaiser Wilbelm-Stiftung für deu1scheJnvalidenfand am 1. Juni unter dem Vorsiscdes Prinzen Hermann zu Sachsen-WZiuma'x statt. Der Hohe Präfident legte in seiner NOL das Verhgltmß zwischen d-m Reichs-Invalidenfonds und der'Kaner thßelm-Siisxung des Näheren dar, was deshalb nothLndig erschien, weil hieruber vielfache Jrrtbümer verbreitet sind. In die Domäne der Kaiißr Wil- i-belmssttftung gehören namentlich die Fällé, in 1116106011 der ursacbitche „Zusammenhang der Erkrankung mit dein Feldznge von 1870/71nichiin der vom Militärpeniionßgeseße vorgezeichneten Weisenachgewie1en werden kann, oder wo dis Erkrankung oder der Tod zwar in Foigx des Feldzuges, aber nichi innerhalb der qeießlickoen Frist eingctreten ist; vor Allem
tritt die Stiftung auch für die Relikten ein, fie bewilligk .Unter- stüßuugen an Wittwm mit Kindern, welche durch die Pflege ihrxr Kinder am Erwerbe ebiudert sind, Waisen, Eltern, Welche auf die
Hohe Vorsitzende sprach deshalb die Ansicht „aus, daß diejenigen Pri- vaten, welche das Loos der Invaliden durch leßtwillige Verfügung
Unterstützung ihrer ge allenen Söhne angewiesen waren 11. s. w. Der
Erleichtern 1yollen, ihren Zweck ,am besten „erreichen, wenn sie die nicht durch Geießesschran'ken gebundene, nach freiem ' Ermessen, zu Yndeln befugte Kaiser Wilhelm - Stiftung mzt le iW1111_gen
aben bedenken. _ Der Vorstand. des wurttembergiscben amiats- vereins, Pfarrer Hahn, sprach den mnigsten und _aufricbttgsten Dank dem Hohen Präsidenten aus. Dieser erthetlie dle Versichxrung, dcxß er nach besten Kräften feine Ansgabe in Letrung der_Snftung, 10 lange dieselbe ihm anvertraut sei, zu crfüllcn_ bestrebt fem 1112130, Es sei für ihn ein Bedürfniß des Herzens, fur die hravenGoldateu, ivelche so große Erfolge errungen, iowie für deren Hinterbliebene nach bestem Wissen und Gewissen zu sorgen.. _ Die tatutengemaf; aus dem Verwältungßrakh aysscheidenden Mitglieder v.Habermaas, Ober- Kriegö-Rath; [)x-, v. Jauer, Ober-Regierungs-Ratb; Jul. _Jobst, Fa- bringkt ; ])r. v. Kübel, Direktor, wurden durch Akklamaiton Wieder- ge1va .
Kunst, Wissenschaft und Literatur.
Vor Kurzem fand in Gera kine gesellige Zusammenkunft _von thüringer Juristen zum Zwecke einer Vorberaibung über emen späteren Juristentag statt. Es wurde beschlossen, diefen Juristentag am 21. Juni in Gera abzuhalten, Derseib0 1011 gegen1eitigem Meinungsaustausch und der Besprechung gememschastltcher Inter- essen dienen. __ _
_ Nach einem der Kaiserlich Königlich Geographncbcn Ge1ell- ichaft in Wien aus Tripolis, 21. Mai [. J., zugekommenen Te- legramm War der Forschungöreisende ])r. Nachtrgal am 11. De em- bsr v. J. wohlbehalten in Abescbe (Wadai) angekommen und Hatte die Absicht, noch in demselben Monat durch Dafur nach Alexandrien
abzugeben. LandWirthsÖaft. _
_ Der Kongreß der deutschen Landivintbe hat in i_emer Sitzung vom 24. Februar auf Antrag der Preisrichter-Konim11sion„ bestehend aus den Herren Dr. Herth-Heidelberg, Over-Upchntwns- Raik) a. D. v. Lenihk-Lenthe, Pabsi-Burgsiall, Seiler-Ncueniglz und v. Wedenieyer-Schönrade, beschlossen, keiner der m drr Tarrx- un_d Verbraucbssteuer-Reform eingegangxnen KonkurrenzitHris- ten den ausgesetzten Preis zu ertbeilen, dagrgsn der anker dexn'Moiio: „Die volle Wahrheit muß die Lösung aller Widersprüche_ 1ein“, ein- gegangcnsn Schrift lobende Anerkennung auszu1prechen, _werlFch darm die Grundlagen erkcnnen lasicn, aus denen eine volle Loiung der Preisfrage möglich erscheint.
Der Kongreß hat daher in der Sißu11g_ von) 24. Fsbrunr d.. I. auf Antrag der Prei-Zrichter-Kommifsion deichloßen", 110101111113 einen Preis von 1500 Mark deutscher Reichswahrung fur, die beste, das nachfolgende Thema bebandelnde Schrift zur offentirxhcn Konkurrenz auszusetzen: „Welcher Reformen bedürfen die jetzt fur das Deutsche Reich gültigen Zöile nnd Verbrauchsfteuern, um den gerechten Forde- rungen der Landwirtlmchafi Rechnun zu _traxzen?“ Der Beantwortung dicser Frage hai zunächst eine ku hiitorische Darlxgnng der mgx;- gebenden handelspolitiichen Systeme und ihres ,bsstimmendcn Ein- fsusies auf die jeiveilige deutsche Zollref95m, sow» „eine kritische Be- leuchtung derjenigen Momente, welche m Betreff dieskr Frage 111 den Verhandlmtgcn des Kongresses druischer Volkvirtbe, des Zollparlax ments und des Reichstages hervorgetreten sind„ vorauSzugel)§n. BSL Beanirvortung der Frage selbst ist die in dem deutschen _Rcsortnpro- gramm betonte Verbindung der TarifreForm Mit der FmanHrewrm, sowie die Ersaiztlnorie ins Auge zu faiien,_ und die wrrthi aftlicbe und finanzieüe Bedeutsamkeit der dafür in Aussicht genommenen Steuerohjekte mti in Betracht zu ziehen; , „
Als Schlußtermin für die Einlieferungen ist der ]- Julr 1875 festgeseizt Worden. _ _ .
Die Preisschrist_ioil 13011 Raum einer maßtgen onschure nichl überscbreitcn und muß deutlich in "deutscher“ Sprache-geichrieben sern. Eine jede Arbeit ist mit einem Wahlspruch zu „versehen und Mit einem verfiegekten Briefe emzusenden, welcher achWendig denselben Wahlipruxb trägt, innen den Namen und Wohnort des „Verfassers angiebt. Die Entscheidung über die Zuerkennung des Preqes erfolgt durch die Preisrichter-Kommiffion. , _ _ ' _
Die mit dem Preise gekrönte Arbxtt muß unverzugiick) veroffent- licht Werden. Dem erfasser bleibt die Wahl, ob 01: das Eigen- tbuerecht der Kommiffion abtreten. oder die Publikataonxntf eigene Rechnung übernehmen will. Jm [esteren Falle ist er verpxiixh'txi, der Kommission, Welche dén Drmk 1ofort zu veranlassxn berechtigt 111, 400 Exemplare gkgen Erstattung dkr Druckkosten zu uberlasjen. , _
Die Verfasser der Bcwerbungöscbrtften Werden ermcbr, dicielßcn zu dem bczeichncten Termin an den Ausschuß des Kongresses zu Hau: den des Generai-Sekretär de_s Kongresses HrnOekonomie-Ratl) Haus- burg in Berlin, Zimmerstraße 91, emzusenden.
Gelverbe und Hande].
Liegnitz, 5. Juni. (W. T. B.) Auf dkm hiesigen Woll- marki Waren etwa 2000 Cenknxr Woll? nus erster und zweiter Hand angefahren. Wäschen theilwxiw befriedigend. Der Zrexßaleag gegen das Vorjahr betrug zwnchen 3 und 5 Thalex. 0111er waren rheinische und inländische Fabrikanten. Der Markt ist bereits ßeendet.
_ Der deutsche Mülleriag in Frankfurt a. M. 1st_ am 1. Juni in Gegenwart dcr Regierungsvertreier und 1103 Over-Burger- meisters eiöffnet worden. Vertreten find 2900 Mahlen durch 24
sind _es *:nngenkranke, Rückemnxrksleidende, Gliederkranke u, 1. w., Welche unter diese Klasse von Unterstüßuungedürftigen gehören; ferner
“""- Gastspiel der Herzoglick] sachsen-meiningischen Hof- theater-Gesellschaft im Friedrich-Wilhelm-Z städtischen Theater.
Seit Anfang vorigen Monats weilt die Schauspie'ler-(Hesell- schaft des Herzoglich sachsen-meiningensck)en Hoftheatxrs m hiesiger Stadt und hat bis heute eine ununterbro ene Reihe von Gasi- vorstellungen auf der Winterbühne des Friedrichs-Wilhelmftadti- schen Theaters veranstaltet, die fick] eines stetig wachsenden Erz folges zu rühmen haben. Das Gastspiel begann am 1. Mm mit Shakespeare's „Julius Cäsar“, der hintereinander 10 _Mal vor vollem Hause aufgeführt wurde und, nachdem das folgende Mindingsche Trauerspiel „Sixtus 7.“ von dem Repertoire ab- gesetzt worden, wieder mehrere Tage hindurch zur Darstellung kam. Dann folgten „Was Ihr Wollt“ von Shakespeare und Albert Lindners „Bluthochzeit“, die aber neuerdings ebenfalls dem „Iulius Cäsar“ Play machten. Se. Majestät der Kaiser undKönig hatten nach der Rückkehr aus Wiesbaden den Wunsch ausdrücken lassen, daß eine Wiederaufführung dicses Trauer- “spiels stattfinde, und wohnten am Montag, den 1. d. M., der- selben bis zum Schlusse bet.
Die wohlwollende Aufnahme, welche die Herzogliche Hof- Theater-Gesellschast gefunden, hat ihren Grund "einmal in der. sorgfältigen historisch-treuen Ausstattung tn Kostumen und De- korationen, dann aber besonders in dem dnrch knnftverständige dramaturgische Leitung veredelten Spiel. Die Regte hat 00 ver- standen, auch die Comparsen durch Schulung und richtige, An- weisung ihres Plaßes zu brauchbaren Gliedern heranzubtlden. Sind die Einzelleistungen nicht vollendet, so wacht doch über allen die Einsicht einer höheren kunstversländigen Instanz, deren Waltrn fick) auch in den geringßen Einzelheiten in überraschender Welse dokumentirt.
Zweigvereinc. Der Präsident iheilte vor der Tageöordmmg mit, das;
Die Wahl des „Iulius Cäsar“ von Shakespeare war eine besonders glückliche, da dieses Trauerspiel,“ abgrsehen von der vorjährigen studentischen Auffuhrung, hter_ langere Zett nicht gegeben worden ist. Die Gesellschaft hatte bis vor Kurzein in ihrem Ehrenmitgliede Hrn. L. Barnay (vom Stadtthegter in Frankfurt a. M.) einen in jeder Hinsicht vorzüglich befahigten Darstelker des Marcus Antonius, dem fick) Hr. Teller als Casjius, Hr. HeUmuth-Bräm als M. Brutus und Hr. NeEper als Julius Cäsar würdig anreihen. Nachdem Hr. Barnay Berlin verlaffen, hat in den leisten Tagen Hr. Nksper den M. Antonius, Hr. Richard, der friiher den Verschwornen Cinna gab,"die Rolle des Cäsar übernommen. Als Charaktxrdarstelker bewahrte fich Hr. Stoppenhagen (CaEca), Der ißchttge Regisseur Hr. Eronegk begnügte fiel) dagegen mit einer kleinen Bürgerrolle.' Von den Damen der GeseUschast find Frl. Seitt in der kleinen Partie der Portia und Frl. Berg als Caipnrnia zu nennen. .
Die Ausstattung des Stücks ift eme mufterhafte. Dt0 ar- chäologisch studirten Dekorationen, die der Herzogliche Dekorations- maler Brückner gemalt, zeigen in der ersten Scene des ersten Akts das 170111111 ÜOWUÜUW mit dem Kapitol im Hintergrunde. vor welchem die Vokkshaufen und der Zug des Cäsar fich vorüber be- wegen. Bei effektvollem Mondlicht und späterer Morgen- röthe führt der zweite Akt den Garten des Brutus mit dem edelen klassischen Bau seines Hauses vor, wo sich die Verschwornen versammeln. Dann folgt der Prunk- saal bei Cäsar und darauf im 0. Akt die Kurie des_ Pinn- pejns mit des Leyteren Bildsäule, uberspannt von prach11gxn Tüchern. Den Höhepunkt der Leistung aber bildet allabendlnh die Scene auf dem Forum vor der Leiche des Cäsar, die Rede des M. Antonius und der darauf folgende VolkSaufruhr. Die alten Prachtgebäude, Triumphbögen, Saulenhaljen, smd auf das Genauesie nach den Trümmern rekonstruirt. Man steht im
der Vorstand derWienér Fracht- und Meblbörse die deutschen Müller zum Besuche des im August in Wien ftgtifindenden, zwerien mier- naiionaleu Getreide- und Saatenmarktes etulade, dessen Vortheile von dem Wiener Delegirien Leinkauf auseinandergefeyt wurden.
Kopenhagen, 4. Juni. W. T. B.) In dem Prozesse dxr Berliner Wechölerbank gegen„das Bankhaus Gxdalta Wegen der aus der Zeichnung auf die letzte französische Anlxthe her- rührenden Ansprüche hat heute das Höchste Gericht definitiv auf Freisprechung des Beklagten erkannt.
London, 3. Juni. Von der, Werft dcr Thames Jron- works und Shipbuilding-Compauy m Blackwall lief gestern das erste anillingsscbiff'der englischen Kanal-Schiffahxts- Gesellichaft erfolgreich von Stapel. Der Hauptzweck dieses Zwillingschiffes, das diese Bezeichnung dem 111nstande verdankt, daß es aus zwei in der Länge getherlten Halbrumpkxn besteht„ist die Vermeidung der rollenden Bewegung, Welche die Haupturjache der Seekrankheit ist. Beide Enden des Dampfers, der eine Länge von 290 Fuß bai, find gleich und mit Dovpelrudenrn periehen, _io daß _die Nothwendigkeit des Umdrehens im Hafen, ganzlich yermreden wird. Das Schiff wurde im Beisein einer zahlreichen nnd glanzenden Gesell- schaft, worunter sich auch der deutjche Botschafter„ Graf Münster, mit fsteiner Tochter befand, von der Grafin Granville ., Castalia“ ge au .
Königliche Schauspiele.
Sonnabend, 6. Juni. Opernhaus. Keine Vorstellung.
Schauspielhaus. (145. Vorstellung.) Hamlet, rinz von Dänemark. Trauerspiel in 5 Abiheilungen von S akespeare. Claudius: Hr., Marx, vom Kaiserlich konzesfionirten Theater in Straßburg, als Gast. Anfang halb 7 Uhr. Mittel-Preise.§1 ck
Sonntag, 7. Juni, find die Königlichen Theater geschloffen.
Friedrich-Wilhelmftädtisches Theater. Winterbühue.
Sonnabend. Gesammtgastspiel des HerzoglichMei= ningenschen Hoftheaters. Auf Verlangen: Was Ihr wolLt.
Sonntag. Zum leßien Male: Iulius Cäsar. spiel in 5 Akten von Shakespeare.
Trauer-
'l'oloxrapbs-ebo Mlttoknuxyverlojew;
&Ugauwws 14.111113615- 811810111.
138.1". 41177 Tomy. 41177 1 1). 11. 7. U. L. NY.?
4. 111111.
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7711111.
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1) (310810111 170011111, 771777. mä881g. *) 8110111 17, (10815, 178011111, 171777, 1110.581Z'. Strom 17, 3) (10810111 171111337; (107711101' 111111 8181-1101“ 80,901]. 4) (310810111 701111, K0g011. 5) (30513, 701111, KSZM, t') (1081, 110x011.
K
Hintergrunde den Palatin und die während der Bürgerkriege zerstörte Kurie des Senats, im Mittelgrunde_d1e Nostra, dre Rednerbühne mit den erbeuteten Schiffsschnabeln, von der herab M, Antonius seine zündende Rede an das Vylk halt. Die vortreffliche Einrichtung dieser Scenen, das kunstlerische Zu- sarUtnénwirken der Comparserie mtt den Hauptdarstellxrn zu einem gewaltigen dramatischen Gcsammthilde, erheden die Be- strebungen der Gesellschaft und ihrer Leiter weit uber die Be- deutung des Gewöhnlichen Hinaus und haben denselben unt Recht allgemeine "Anerkennung erworben. Gegenüber diefen lebens- vollen Auftritten weichen die leßien Akte verhältnißmäßig zurück. In der Zeliscene auf dem Kriegsschauplaße *in Klem- afien finden die HH. Hellmuth-Oräm und Teuer „Gelegen- heit, fich als tüchtige Künstler zu erweisen, während nn leßten Akt wiederum die malerische Dekoration das Interesse fesselt. Der Beschauer ist auf einem Berge gedacht und ßeht von dort rechts Philippi, links in der Tiefe ist da? Schlacht- feld zu denken, im Vordergrunde altgriechische Grader; Her liegt wieder ein Verdienst der Gäste und ihrer Regie tn dem wohlgelungenen Arrangement der Schlachtscenen, deren bahnen- rechie Gestaltung immer zu den schwierigsten Anfgabezt gerechnet worden ist, und die hier in befriedigendßer Weise ge10st werden.
Morgen wird auf Verlangen „Shakespeares „Was Ihr wollt“ wiederholt. *In den nachsten Tagen Wird die Herzogliche Hoftheater-Gesellickzafx noch zwei Nom- täten bringen, nämlich _ein einaktigeß Schauspxel von dem norwegischen Dichter onrnstxernL Bjornsqn: „Zivis en den Schlachten“ und Molisre's Lustspiel: „Der eingebikdete Kranke,“. Am Sonntag sol! „Iulius Cäsar“ zum„leßten Male erscheinen und am 15. d. M. das so
erfolgreiche Gesammtgastspiel drfinitiv seine Endschaft erreichen.