1874 / 139 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Tue, 16 Jun 1874 18:00:01 GMT) scan diff

Kreistage zu führen, in Behinderungsfälken aber der dem Dienst- beztv. LebenSalter nach älteste Kreisdeputirte den Vorfiß zu übernehmen.

Wer in dem Falle, wo auf einem Kreistag ausnahmsweise weder der Landrath, noch einer der beiden Kreisdeputirten anwesend sein sollte, den Vorfiß zu führen habe, darüber enthalte das Geseß keine Bestimmung. Zu der Annahme, daß der Ge- seßgeber für diesen Fall die Regelung dcs Vorfißes der von dem Kreistage auf Grund des §. 125 a. a. O. zu beschließen- den Geschäftsordnung habe Überlaffen wollen, böten die legis- lativen Verhandlungen keinen Anhalt, Es werde daher aus den Bestimmungen des §. 118 zu folqern sein, daß die Abhal- tung eines Kreistages ganz zu unterbleiben habe, wenn auf dem- selben weder der Landrath noch einer der beiden Kreisdepu- tirten anwesend s ein sollte. Sei dies e der Absicht des Geseßgebers ent- sprechende Auslegung des §. 118 richtig, dann erscheine auch die Kreisversammlung nicht befugt, in dem gedachten FaUe die Abhaltung des Kreistages unter der Leitung eines von ihr selbst zu wählenden Vorsißenden durch die Geschäftsvrdnung zu be- stisznen, da eine solckze Bestimmung gegen das Geseß verstoßen wur e.

_ Der General-Lieutenant und Commandeur der 1. Garde- Infanterie-Dioifion von Pape hat fich mit mehrwöchentlichem Urlaub nach Süddeutschland, der General : Major Graf von Wartensleben, zur Disposition des Chefs des Generalstabes der Armee und Chef der kriegsgesckzichtlichen Abthcilung des Großen Generalstabes, mit kurzem Urlaub nach Franzensbad, der General-Major von Gärtner, Chef des Stabes bei der General :Inspektion des Ingenieur-Corps und der Festungen, mit längerem Urlaub nach Weilbach und dem Rhein, der Oberft- Lieutenant und Abtheilungs-Chef im Kriegs - Ministerium von Sodenstern desgleichen nach der Schweiz begeben.

_ Die Beerdigung des verstorbenen Staats-Ministers a. D. Freiherrn von der Heydt fand heut Nachmittags 2 Uhr, vom

Trauerhause, von dcr Heydtstraße Nr. 15 aus, statt. Wir wer-

den morgen Näheres über die Feierlichkeit berichten.

Pos en, 15. Juni. In der 2. Plenarsitzung des Provin- zial-Landtages bildete der LandtagS-Marschall vier Abthei- lungen zur Vorberathung der vorliegenden Gegenstände. “Es wurden die Wahlen für foxgende Abtheilungen vorgenommen:

Zur 1. Abjheilung, der die allgemeinsn Verfaffungs- und Verwaltungs: sowie die Chauffeebausachen zugetheilt sind; zur 11. Abtheilung für die Angelegenheiten des Korrektionshauses zu Kosten und des Landarmenwesens; zur 111, Abtheilung für die Verwaltung der Provinzial-Irren-Anstalten, der Taubstum- men- und Blinden: und anderen milden Stiftungen; zur 17. Abtheilung für die Angelegenheiten der Provinzial-Feuer-Ver- fich_erungs-, der Hülfskaffen-Instituien, Kaffensachen im AÜge- meinen.

Die Geschäftsordnung vom 4. Oktober 1868 wnrde vom Marschal] wieder in Kraft geseyt und die Anberaumung der nächsten Plenarfißung von der Fertigßellung der Vorberathun- gen in den Abtheilungen abhängig gemacht. Deputationen für die Inaugenscheinnahme der Anstalten in Kosten und Owinsk sollen von der 11. und 111. Abtheilung event. ernannt werden.

Breslau, 14. Juni. Im Einverständnis; mit dem Ma- gistrat hatte die Denkmals-Kommisfion in dankbarer Erinnerung an die Pfiege verwundeier und kranker Soldaten während der [exten Feldzitge Ihre Majestät die Kaiserin-Königin um dre Erlaubmß gebeten, den Pkaß, auf welchem das Denkmal sieht, „Kaiserin Augusta-Plaß“ benennen zu dürfen. Daraus ist folgendes Antwortschreiben Ihrer Majestät eingegangen:

_ „„Ich habe Mich beeilt, die Genehmigung des Kaisers uud Königs fur die „Absicht zu erbitten, welche Ihr Schreiben in einer Mich ehrcn- den Welse kundgiebt. Das große Weck christlicher Humanität zu för- dern, das allen Frnuendblisgt, und für Welches unser Deutschcs Vater- land so empfangltck) iyi, betrachte Ich (116 Meine Lebensaufgabe, und es Faun Mich daher nur freuen, in einer Stadt wie Breslau mit dem bleibendxn _Andenkxnxan das Verdienst tapferer Hingebung, die Leistung jener weiblthen Fnrtorch in Verbindung gebracht zu sehen. Ich danke Ihnen bierfnr und gewahre gern M-inen Nainkn dem Krieger-Denk- mnls-Plaß in Breslau mit den besten Wün1chen für das fernere Ge- deihen der Stadt und ihrer Benwhner.

August a.

Badén, den 7. Juni 1874. An den Obersi-Licutenani 3. D. und Bezirks-Commandeur von Donat ' zu Breslau.“ Hannover, 15. Juni. Ihre Hoheit die Herzogin von Dal ekarlien passtrte vorgestern Nachmittag auf der Durch- reise nach Caffel den hiesigen Bahnhof.

Bayern. Münckzen, 14. Juni. Die Interpellation, welche m Betreff der Einführung der Civilehe der Abg. Herz in dex Sißung'der Kammer vom 2. d. M. an die S*aats- rethrung r1chtete, erd im Laufe der nächsten Tage beantwortet wer en.

_ Neben dem zur Vorberathung des neuen Wahl- gesehentwurf s von der Kammer der Abgeordneten zu wäh- lenden offiziellen Ausschusse will man, wie es bezüglich des gleichen Giseßentwurfs im Jahre 1870 der Falk war, eine aus Mit: gliedern der beiden Parteien in der Kammer bestehende freie Kommission mederseßen, um eine Verständigung über die Vor- lage herbeizuführen.

_ Die in Bejrxff der Organisation der Aufschlags- und Stempxlgefalls-Verwaltung und deren Unterord- nung unter die Genxral-Zokladministration nothwendig geworde- nen Personalberanderungen find bereits der AUerhöehften Stelle unterbreitet. Es werden hierdurch 4 Ober-Aufschlags- beamte, 5 Conxroleure, 1 Vorstand des Filial-Zahl- und Stxrnpelamtes Nurnberg, 1 Offiziant daselbst theils in den de- Fmtiven Ruhestand, theils vorbehaltliF) der Wiederverwendung n denselben verseßt, theils in andere Verwendung genommen werden. 3 Stellen von Ober-Auffchlagsbeamten und 2 von Controleuren find bereits bis zur Durchführung der Organisation des Ausschlagwesens vakant geworden. Da die General-Zolb administration dem Königlichen Finanz-Minifterium untergeord- net wird, so werden die Königlichen Ober-Zollräthe M. Ios. Eggxnsberger und F. Felser, leßterer bisher in Verwendung beim Komglichen Staats-Minifierium des Königlichen Haus es und des Aeußern, vom leßtgenannten Minifterium zum Finanz-Ministe- rium versest.

Sachsen. _ Dresden, 13. Juni. (Dr. I.) Die Erste Kammer beschaftigte fich geftern Abend mit dem neulich auf Antrag des Abg. Sachße und Genossen von der Zweiten Kam- mer e_faßten Beschluffe:

ie Kammer one die Vorausseßnng aussprechen, daß die in 5. 32 der neuen Landtagsordnung festgesetzten erböbten Tage- gelder der'Kammermitglreder bereits vom 1. Januar d. I., als dem Beginn der neuen Fiuanzperiode, ab gewährt werden.

Die Majorität der 3. Deputation-beßritt dem Sachße'schen Antrag, auf seinen Wortlaut und seine Entstehungsgeschichte gestüßt, den Charakter eines ständischen Antrags; sie war daher der Ansicht, daß die Erste Kammer fick] mit diesem Anfrage gar nicht zu befaffen habe, und beantragte: es bei der Mittheilun des Beschlusses der Zweiten Kammer beidendcn zu lassen; zugleicZ solXte der Zweiten Kammer von den Motiven dieses Beschlusses Kenntnis; gegeben werden. Als Separawotant beantragte dagegen Bürgermeister Clauß, über den Beschluß der andern Kammer abzustimmen; er und mehrere andere Redner vindizirten dcm Sachße'schen Antrag die Eigenschaft eines ständischen, über den fick] die Erste Kammer auch materiell erklären müsse. Nament- lick) konstatirte auch Präsident v. Zehmen die Pflicht der Ersten Kammer, auf eine offizielle Mittheilung der Zweiten eine offi- zicUe Antwort zu geben. Es wurde der Claußsch€ Antrag und hierauf ein Antrag des Oberschenks v. Meßsch angenommen: detlihBeitritt zu dem Beschluffe der Zweiten Kammer ab- zu e nen.

Heute erstattete die Finanzdeputation durch Herrn von Erdmannsdorff der Ersten Kammer mündlichen Bericht über die Eisenbahnprojekie 2c., über welche die Zweite Kammer Donnerstag Abend Beschluß gefaßt hat. Die Kammer lehnte dis Konzesfionirung der Linie Dresden-Ostrau-Leipzig nach kurzer Diskussion ebenfalls ab. Zu dem Beschluffe der Zweiten Kammer, wonach die Regierung die Ausführung einer Gürtel- bahn bei Chxmniß für eine künftige Finanzperiode in Erwägung ziehen soll, versagte die Kammer n.'ck) längerer Debatte mit 18 gegen 17 Stimmen ihren Beitriit; das von der Zweiten Kammer abgelehnte Gesuch um Ueb.rführung des Chemnißer Bahnhofs be- schloß fie, der Regierung zur Erwägung mit dem Ausdrucke der Er- wartung zu empfehlen, daß die Stadt Chemniß zu einem angemessenen Beitrag herangezogen werde. Im Uebrigen wurde den Be- schlüssen der Zweiten Kammer beigetreten. Ohne Debatte er- folgte der Beitritt zu den den Bau der Staatsbahn Schwarzen- berg-Iohanngeorgenftadt und den Umbau odsr die Verlegung des Altenburger Bahnhofs bewiÜigenden Beschlüssen der andern Kammer. _ Anck) die Aufnahme einer weitern 41prozeniigen Anleihe beim Reichsinvalidenfond bis znr Höhe von ZMiÜio- nen Thalern wurde nach dem Antrags der Majorität der Finanz- deputation durck) Beitritt zu den bezüglichen Beschlüssen der Zweiten Kammer gegen 1 Stimme genehmigt, nachdem die gegen diese Jinanzoperation gerichtete Opposition Seilers und die auf die Deckung dsr außerordentlichen Staatsbediirfniffe durch den Verkauf 4prozeniiger Staatspapiere nnd die Ausgabe von Schaß= scheinen hinaiislaufcnden Gegenvorschläge desselben vom Finanz- Minister v. Friesen in längerer Rede bekämpft worden waren; der Minister wies die völlige Unthunlichkeit der von Seiler vor- geschlagenen Maßregeln eingehend nach. Nachdem noch die Rückgabe der verfallenen Kaution der Annaberg-Weiperter Basjn genehmigt worden war, nahm die Kammer das unmittelbar vor- hxr von der Zweiten Kammer gsnehmigte Finanzgeseß auf die laufende Finanzperiode in der dort beschlossenen Fassung an, worauf von Sr. Königlichen Hoheit dem Prinzen Georg das Königliche Acceptationsdekret vorgetragen wurde. Hierauf erhob fixk) Staais-Minifter Freiherr v, Friesen und brachte das Aäer- hochsie Dekret zur Kenntnis; der Kammsr, durch welches der Landtag anderweit vertagt wird.

_ Die Zweite Kammer genehmigte unverändert den Entwurf eines andermciten Nachtrags zu dem außer- ordentlichen Budget für die Finanzperiode1872/73, und ebenso das Jinanzgesey sfrr die Jinanzperiode 1874/75. Das ordentliche Budget balanzirt nach den nun- mehr feststehenden Beschlüssen der beiden Kammern in Einnahme und Au9gabe mit 15,830,973 Thaler für ]edes der beiden Jahre 1874 und 1875, und das außer- oxdentliche Budget mit 27 ,327,478 Thaler für die ganze Jmanzneriode. Nachdem noch Abgeordneter Starke (Schmölen) uber die bezüglich der Chemnitzer Bahnprojekte vorhandenen Differenzen Bericht erstattet und die Kammer beschlossen hajte, oezüglicl) des Chemnitzer Güterbahnhofs bei ihrem Beschluss stxhen zu bleiben, in Beziehung auf die Ueberführung des Chem- mßer Bahnhofs aber dem Besckzluffe der Ersten Kammer beizu- txeten, verlas Staais-Minister von NostiH-Waüwiß das König- [:ck]? Dekret, durch welches der Landtag „von heute ab bis auf Weiteres vertagt wird.

_ „15.Iuni. Die Königin-Mutter ist mit der Erz- herzogin Antoinette, Prinzesfin von Toskana, heute Mit- tag von Iahmshausen im Hofinger zu Pillniß eingetroffen.

Badsu. Karlsruhe, 14. Juni. Die Zweite Kam- mer erlxdigte in ihrer Sitzung am 12. d. den Gesesentwürf, welcher die Folgen der bevorstehenden Einführung der Reichs- markrechnung für die künftige Anwendung des Feucrverfiche- rungSgeseHes vnn 1852 durch Abänderung einiger Bestimmungen desselben, sonne durch eine transttorische Vorschrift sachgemäß rege'lt (an Stelle des Guldens treten 2 Mark). Ebenso wurden zxoei Nachforderungen zum Hauptfinanzetat für 1874 und 1875, fur erlegung der Schiffswerfte in Konstanz (34,200 Gulden) und fax die Anlage einer Güterstation auf dem rechten Rhein- ufer bei Konstanz (44,500 Gulden) genehmigt.

_'15.__Iuni. (W. T. B.) Die Zweite Kammer bat heuée die «'taatsverträge, betreffend die Eiscnbahnverbin- dungen mit Elsaß-Lothringen, Württemberg und Hessen, genehmigt.

Hessen. Jugenheim, 14, Juni. Die Kaiserin von Ru ßl a n d ißheute Mittag im erwünschten Wohls ein hier eingetroffen und wuxde an der Station Bickenbach von dkm Großherzog, dein Prinzen Alexander und dessen Familie, sowie von den Mitgliedern der Kaiserlich rusfisckxn Gesandtschaft empfangen.

Mainz, 15. Juni. (W. T. B.) Zu der morgen statt- findenden Generalversammlung des deutschen Katho- likenvexeins ist bereits eine große Anzahl von Mitgliedern des kgtholtscben Adels und von anderen auSwärtigen Gästen hier eingetroffen. Zur Begrüßung derselben fand heute Abend an „Frankfurter Hof“ eine Voroersammlung statt, bei welcher mehrere Rednßr, u. A. der Präfident Freiherr v. Los, Freiherr v. Frankenstein (Bayern), Graf Bisfingen (Württemberg), Baudry (Coln), auftraten und zahlreiche von auSwärts ein- getroffene Telegramme und Zuschriften verlesen Wurden.

Sachseu- Weimar : Eisenach. Weimar, 15. Juni. Der Grdßherzog und die Großherzogin, in Gesellschaft des Prinzen Heinrich der Niederlande, unternahmen, xvie aus dem Haag vom 12. Juni gemeldet wird, in lehter Zeit offers Ausflüge, welche theils historisch interessante Orte und Kunstsamtnlungen, sowie Hervorragende Werkstätten modernen Gewerbefleißes zum Ziele atten, Kheils den Unternehmungen und Bauten galten, welche zum Zwecke der Küstenregelung, der

barer Landstriche dort zu Lande ausgeführt werden. Die Ab- reise Ihrer Königlichen Hoheiten nach Weimar wird am 18. d. M. erfolgen, nachdem dieselben an der Feier der Geburtstage des Prinzen Heinrich am 13. und Ihrer Majestät der Königin am 17. Theil genommen haben werden.

_ Tas „, Regierungsbl att für das Großherzogthum Sach- sen-Weimar-Eisenack)“ enthält in Nr. 16 das Geseh, 'die Tarifi- rung der Flößereiabgabm an Befißer von Wafferwerken an der Werra und Saale nach der Reich§markwährung betreffend, und das Gesch, betreffend die Aufnahme der taubstummen und blin- den Kinder in die Großherzogliche Taubßummen- und Blinden- anstalt zu Weimar.

Oefierreich:Ungarn. Wien, 16. Iuni. Die heutige „Wiener Zeitung“ veröffentlicht ein Kaiserliches Hand- schreiben, welches den bisherigen Reichs-Kriegs-Minister, Baron v. Kuhn, von diesem Posten, enthebt, denselben zum kommandirenden General in Graz ernennt und ihm. in aufrichtiger dankbarer Anerkennung seiner ausge- zeichneten Dienste und insbesondere der erfolgreich durchgeführten Reformen des Heerwesens das Großkreuz des St. Stephans- Ordens verleiht. _ Ein weiteres Kaiserliches Handschreiben er- nennt den bisherigen Statthalter von Böhmen, Baron v. Ko [ [er, zum Reichs-Kriegs-Minister unter dem Ausdruck besonderer Zufriedenheit mit seinen bisherigen vorzüglichen Diensten.

Der Kais er hat ferner ernannt: Den kommandirenden Ge- neral in Graz, Baron John, zum Chef des Generalstabes, den kom'mandirenden General in Brünn, Baron Joseph Philippovich zum kommandirenden General in Prag, den Militär-Kommandanten von Kaschau, Baron Franz Philippovick) zum Fsldzeugmeister und kommandirenden General in Brünn, den General-Major" Stransky zum Vorstands des Präfidialbureaus imReichs-Kriegs-Ministerium, dcn Gcneral-Major Schwertführer zum Festungs- und Plaß- kommandanten in Budapest und endlich den Statthalter von Mähren, Baron Web'cr, zum Statthalter in Böhmen. Der bis- herige Leiter des Generalstabes, FML. Gallina, ist unter Ausdruck voller Zufriedenheit des Kaisers von diesem dienstlichen Posten enthoben und zum Truppen-DivifioW-Kommandanten ernannt. Dsr bisherige Vorstand des Vräsdialbureaus im Reichs-Kriegs- Ministerium, Oberst Dumoulin wurde, unter Vorbehalt ander- weiZerb Verwendung im Truppendienste, seines bisherigen Postens ent 0 en.

SchWeiz. Bern, 11. Juni. Der Nationalrath hat heute den am Schlusse der gestrigen Sißung noch in Behand- lung genommenen Geschäftsbericht des Bundesraths und des Bundesgerichts von 1873 erledigt, welchen der Ständeratl) bereits in Berathung gezogen hat. Auch im Natio- nalrathe bot die Diskussion kein großes Interesse. Den vom Ständerathe genehmigten Postulaten wurten vom Nationalrathe nur noch zwei beigefügt, von denen das eine das Eisenbahn- und Handels-Departement betrifft und folgendermaßen lautet:

„Der Bundeskatb wird eingeladen, zu unterwcben, ob nicht ein- zelne Bestimmungcn der Verordnung vom 20. Hornunq 1873, betref- fend 'die Nachweise bei Gesuchen nm Eifenbahn-Konzesfionen und die vor und nach dam Bau einzureichenden Pläne und Dokumente, so wie des in Weiter Ausführung dieser Verordnung am 19. August 1873 ?rYaffencn chulativs im Sinne einer Vsreinfachung zu rcvidiren enen.“

Das zweite hat den Geschäftskreis des Post- und Telegra- phen-Departements zum Gegenstand und lautet:

.Der Bunbcörail) wird eingeladen, die Frage zu prüfen, ob nicht eine voÜständige Verschmelzung des Post- und Eisenbahndienstes, der Verwaltung und der Jnspcktionrn thuniick) und im fiskalischen In- teresse des Bunde sei.“

_ Von den Herren de Seigneux und Christ (ersterer ift Ad- vokat in Genf, leßterer in Basel) ist der Bundesaversammlung eine Petition zugegangen, Seitens des Bundes einen inter- nationalen Kongreß behufs Erzielung eines einheit- lichen Frachtverkehrs einzuleiten.

Niederlande. Haag, 10. Juni. In der Zweiten Kammer der Generalftaaten kam gestern die Interpel- lation des Herrn Godefroi über den Nordseekanal zur Verhandlung. Herr Godefroi führte aus, daß die Kanal- geseUschast, was dyn Bau der Hafenwerke betreffe, den Plan und die genehmigten Entwürfe der Regierung genau befolgt habe, so daß, wenn weitere Werke zur Verstärkung nöthig seien, die GeseUschast wohl verpflichtet wäre, dieselben auszuführen, jedoch nur gegen Vergütung; sehr zu beklagen sei der Zeitver- lust und die Verzögerung seit September 1872, da man bereits damals vorausgesehen, was später auch eingsireten, daß die Vorwerke (0265001665) nicht zureichend seien gegen die Elemente, Der Jnterpellant wünschte Auskunft darübex, ob die Regierung rasch und kräftig Maßregeln Behufs Abhülfe gegen diese Lage treffen werde. Der Minister des Innern erwiderte: Bereits früher habe man fich mit einem Plane für Verstärkung der Vorwerke beschäftigt, und schon damals habe fick) die Frage erhoben, ob die Gesellschaft oder aber die Regierung dieses Werk ausführen solle; die GeseUschaft *sei allerdings nicht ver- pflichtet, weitere Verstärkungszwerke auf ihre Kosten anzulegen, aber die Regierung sei es ebenso wenig. Nach den inzwischen (seit 1873) aufgestellten Entwürfen für die als nbtbig fick; heraus- fteUcnden weiteren Werke, seien die Kosten für die Ausführung derselben anf achtMil1ionen Gulden geschäßt. Er (der Minister) erachte es für höchst wichtig, daß der „Kanal zu Stande komme; es sei aber eine andere Frage, ob die Gesellschaft Herrin des Werkes werde bleiben können oder sollen; doch auch dieser Frage gegenüber müsse mit Vorficht verfahren werden; die Gesellschaft sei ihren Verpflichtungen stets nachgekommen, und er (der Mi- nister) glaube, daß, wenn man über die herzustellenden Werke einig sei, der Kanal nach menschlicher Berechnung in der be- timmten Zeit vollendet werden könne; er sei wie stets, so auch 1th sehr woblwoüend für die Gesellschaft, aber früher oder später werde fich die Wünsckzenswürdigkeit herausstellen, daß das ganze Untexnehmen in die Hände der Regierung komme und nicht im Betriebe einer Privatgesellschast sei; die Regierung widme der Sache_ alle Aufmerksamkeit, habe jedoch noch keinen Anlaß (ÜÜUlSläjüZ) zu einer bestimmten Geseßvorlage.

_ 15. Juni. (W. TV.) In dem der ZweitenKam- mer vorgelegten Finanzberichte erklärt der Finanz-Minister, er sei nicht geneigt, die Zuckersteuer provisorisch aufhören zu lassen, es erscheine indessen eine Abänderung des Modus der Er- hebung dieser Steuer erforderlich. Nach den in Frankreich in Betreff der Besteuerung des Zuckers getroffenen Maßregeln be- stehe für die Regierung keine Veranlassung, eine Erneuerung der Konvention herbeizuführen.

Großbritannien und Irland. London, 13. Juni. Der Herzog und die Herzogin von Edinburgh verließen heute London, um fich nach Ems zu einem Besuche der rusfischen

Schaffung neuer Wasserstraßen _und der Trockenlegung frucht-

Majcstäten zu begeben.

_ Die amtliche „London Gazette“ notifizirt die Nieder- seßung einer Königlichen Kommisfion zur Prüfung devr Yr- sachen von Eijenbahnunfällen sowie der Möglichken einer Beseitigung solcher Ursachen durch eine weitere Geseßgebung. Die Kommission befteht aus dem Herzog von Buckingham als Vorfißenden, dcm Carl von Aberdeen, Earl Delaware, Earl von Bélmore, Sir Seymour Fißgerald, Hrn. Ayrton, dem General- Lieutenant Sir I. L. A. Simmons vom Genie-Corps, „Hrn. Harrison, dem Präsidenten des Infiituts der Civil-Ingemenre, und Hrn. William Galt, dem Fürsprecher des Ankaufes der Eisenbahnen durch den Staat.

_ 15. Juni. (W. T. V.) Seitens der englischen Re- gierung find 1)r. Seaton vom Gesundheitsamte in London und Dr. Dickson, Bo1schaftsarzt bei der englischen Botschaft in Konstantinopel, zu Vertretern Englands bei der in Wien zu- sammentretenden internationalen Cholerakonferenz er- nannt worden.

_ Wie der „Standard“ wissen will, dürfte Sir John Glover von dem Ministerium für die Kolonien ersucht werden, für ein Jahr nach der Goldküste zurückzukehren, zu dem Be- hufe, die Regierung sowie die Defensiv-Maßregeln zu organi- firen und nut dym König von Dahomey betreffs der Abtretung eines schmalen Küstenstriches, der fick) im Befiß dieses Monarchen befindet, in Unterhandlungen zu treten.

Frankreich. Versailles, 15. Juni. (W.T.B.) Der heute im Namen des linken Centrums von Casimir Perier ein- gebrachte Antrag, betreffend dieOrganisirung der Re- publik, wurde schließlich von der Nationalversammlung an die konstitutionelle Kommission zur Vorberathung überwiesen. Die Dringlichkeit des Antrages wurde von Perier selbst und von Laboulaye befürwprtet, von Changarnier nnd Kerdrcl bekämpft. _ Außer dem Pericrschen lag noch ein Antrag des Deputirten Lambert de Sainte-Croix vor. Nach demselben soll die Uebertragung der Präsidentschaft an den Marschalk Mac Mahon für 7 Jahre von Neuem bestätigt, eine Erste Kammer errichtet und leßterer in Gemeinschaft mit dem Präfi- denten der Republik die Bqugniß beigelegt werden, die Auflösung der Volksvertretung auszusprechen. Nach dem Erlöschen der Gewalten des gegenwärtigen Präfidenten der Republik sollen die beiden Kammern zu einer gemeinschaft- lichen Session zusammkntreten und entweder einen Nachfolger des Marschalls Mac Mahon ernennen, oder eine Revision der Verfassung vornehmen. Der Antrag Lambert de SainteCroix wurde ebenfalls an die konstituiioneile Kommission überwiesen. Die Minister griffen nicht in die Debatte ein, um, wie „Agence Havas“ bemerkt, die Versammlung Über die geschäftliche Behand- lung der Anträge nach freiem Ermeffen entscheiden und aus einer Dringlichkeitsfrage nicht eine Kabinetsfraae entstehen zu lassen. Die Regierung habe deshalb vorgezogen, fick) nicht an der Diskussion zu beiheiligen; auch sei jedem einzelnen Minister die Freiheit der Abstimmung vollkommen gewahrt geblieben.

Im weiteren Verlaufe der Sißung nahm die Versammkung mit 345 gegen 341 Stimmen für den heute von Casimir Perier im Namen des linken Centrums eingebrachten Antrag, welcher darauf hinau6geht, die Republik unter der Präfidentschast des Marscha11s Mac Mahon zu organifiren, die Dringlichkeit an. _ Von Larochefoncauld wnrde der Antrag eingebracht, die Mon- archie wieder herzusteUen und den Marschall Mac Mahon znm General-Statthalter zu ernennen. Die Ueberweisung dieses An- trages an die konstitutionelle Kommission zur Berathung dessel- ben wurde von der Versammlung abgelehnt,

Spani-n. Die spanische Nordarmee hat ihre Opera- jionen gegen die Carlisten wieder aufgenommenßwelche [eßterem ca. 26,000 Mann stark, auf den GLbirgen bei Estella echellonirt stehen, und zwar 8000 Navarresen, 7000 Biscaner, 6000 Ala- vesen und 4000 Eastilianer. Sie befißen 9 Feldgeschützc leichten Kalibers, und ihre Reiterei ist 400 Pferde stark. Carlistische Quellen geben diesklbe Streitmacht auf 101 Bataillone und 3000 Reiter an. Nach Madrider Meldungen vom 11. d. Mis. zieht General Concha am linken Ufer des Ega, einem von Westen nach Osten die Provinz Alana durchstrbmenden Nebenfluß des Ebro, hinauf, und wird seine Richtung voransfichtlich auf Villa- tuerta nehmen, bis wohin die Telrainformation die Aufwendung von Kavallerie und weittragendkn Geschüßen gestattet. Beim Vormarsch gegen Estella haben die republikanischen Truppen 6 Kilometer im Gebirge zurückzulegen.

Madrid, 14. Juni. (W. T. B.) Wie der „Im- parcial“ erfährt, bereitet fick) Concha zum Angriff auf Estella vor, welcher in Folge des schlechten Wetters bis- her nicht möglich war. Die carlistischenTruppen in Gui- puzcoa sollen den Gehorsam verweigert haben. „Diario espagnol“ will wissen, daß Don Carlos 18 Unteroffiziere, welche die Truppen in Tolosa zu einem Aufftande zu verführen suchten, hätte erschießen lassen.

Portugal. Lissabon, 8. Juni. Der König hat ein Dekret unterzeichnet, welches die Neuwahlen für das Abge- ordnetenhaus auf den 12. Juli anberaumt.

_ Mit dem Dampfer „Gironde“ ift heute der Graf von Eu nebst Gemahlin, der Tochter des Kaisers von Bxafilien, hier angekommen, um nach Rio de Ianeiro weiter zu re-isen.

_“ Castelar ist heute nach Oporw abgereist. _ In Folge richterlichen Enticheides wird der Graf von Magnlhaes un- verzüglich wegen Versuchs der Empörung gegen die Staatsge- Walt vor Gericht gestellt werden.

Italien. Rom, 9. Juni. Ueber das Verfassungs- feft am 7. d. M. melden die „It. N.“ noch Folgendes: In Rom ließ der König die Nationalgarde und die Besayung Revue pasfiren und der Prinz Humbert kommandirte die Truppen. Unter andern Festlichkeiten, welche in den Schulen, Theatern und öffentlichen Pläßen gefeiert wurden, verdient erwähnt zu werden, daß der König mehrere Preise und eine goldene und 90 silberne Civil-Verdienstmedaiüen an diesem Tage vertheilte. Abends 9 bis 10 Uhr fand beim schönsten Wetter die Illumination der Engelsburg statt. Aus allen Provinzen find zahlreiche Adreffxn an den König eingelaufen. Das vor Cagliari vor Anker lie- gende franzößsche Geschwader begrüßte den Llnbrnch des Tages mit Kanonendonner. Als bei der Festvorstellung '1m Theatex ein Gedicht zum Preise der Unabhängigkeit, Freiheit. und Einheit Italiens vorgetragen wurde, klatschten der Adintral und die FloitcnOffiziere enthusiastisch Beifall. Ffir, den 8. hatte der Admiral die Spitzen der Civil- und Militär-erwaltznig vdn Cagliari zu einem Bankett an Bord des Admiralsthins em- eladen. g _ Der Senat genehmigte in seiner gestrigen Sißung elf Geseßentwürfe, darunter zwei finanzielle, die 'T'axe auf Börsengejchäste und die Zuweisung der 15 Addiiwnalcen-

timen, welche bisher den Gemeinden zu Gute kamen, an die Staatskaffe. Als einige Senatoren gegen diese Vorlage das Wort ergriffen, erklärte Hr. Minghetti, daß die Gemeinden immer noch 6 Millionen Franks Ersparnisse machen könnten. Hinsicht- lich_der Nationalgarde, deren Kosten nicht mehr von den Ge- meinden bestritten werden sollen, erklärte der Minister-Präfident, daß fie nur durch ein förmliches Geseß aufgelöst werden könne, daß dieses aber seiner Zeit vorgelegt werden würde, da die Bürgerwehr nach der neuen Hekreseinrichtung als Landwehr in die Armee aufgehen werde. Einstweilen Werden die Kosten der- selben vom Staate getragen.

_ 15. Juni. (W. T. B.) In dem heute abgehaltenen Kon- sistorium hat der Papst bei den neu ernannten Kardinälen Chigi, Simor und Guiberi die Ceremonie der Osffnung des Mundes vorgenommsn und darauf mehrere Bischöfe ernannt. Der Gesundheitszustand des Papstes ist völlig befriedigend.

Türkei. Belgrad, 15. Juni. (W. T. V.) Die amt- liche Zeitung veröffentlicht die Ernennung des bisherigen dipw- matischen Agenten Zukits in Bukarest zum Vertreter der serbischen Regierung in Wien.

Rußland und Polen. St. Petersburg, 14. Juni. Der „Regierungs=Anzeiger“ veröffentlicht den Bericht des Domänen-Miniskers über die zur Regelung der Ver- hältnisse der Domanialbauern vorgenommenen Arbeiten. Nack) demselben war Anfang 1873 die Grenzberichtigung der den Domanialbauern Überwiesenen Grundstücke in 28 Gouvernements von Großrnßland, in Bessarabien, Estland und den 4 östlichen Provinzen beendet. Die Zahl der in diesen 34 Gouvernements ansässigen Domanialbauern belief sick) auf 6,417,422, die der ihnen zugewiesenen Uecker anf 37,206,050 Teßjatinen. Während des verflossenen Jahres wurden die Verhältnisse der Domanial- bauern in den Gouvernements Kiew und Podolien, Wiiebsk, Mobilen.) und Iolhynien geregelt, wo den Bauern nUr noch die Befißtiiel ausznhändigen waren. In Lievland und in dem Gouvernement Orenburg find die Vorarbeiten gleicbfalls beendet worden, so daß es nnr 11061) die Gouvernements Wialka, Perm, Wologda, Okoneß, Tschernigew, Pultawn und Neuropol sind, in denen die beLreffenden Arbeiten noch nicht in Angriff genommen worden sind.

_ Nach der „R. W.“ ist im See-Minifterium eine besondere Kommisfion eingefeßt worden, um den Bedarf der russischen Flotte an Steinkohlen festzustellen und die Mittel zu ihrer Herbeischaffung zu ermitteln. Nach der Berechnung der Kommission konsumiren die Dampfer der Flotte aÜjährlick] zwi- schen 8 und 10 MiUionen Pnd Kohlen. Die erforderlichen Vor- räthe sind nach A11ficht der Kommisfisn in einzurichtznden Maga- zinen auf den verschiedenen Flottonftaiionen zu konzentriren und zwar ohne öffentliche Lizitation durch die Marinebehörden selbst.

Schtveden und Norwegen. Stockholm, 11. Inni“ Die Herzogin von Dalekarlien ist am 9. d. Mis. nach Deutschland abgereist. Die Herzogin ist Wittwe dcs Bruders des jeßigen Königs von Schweden. Ihr Gemahl war der Prinz Nicolaus August.

_ Von den neuen silbernen Scbeidemünzen sind jeßi 900,000 Zehn-Oere-Sbücke geprägt worden.

Dänemark. Kopenhagen, 9. Juni. Ueber die Reise des Königs nach Island und das 1000jährige Jubiläum der Kolonisation dieser Insel find bis jetzt folgende Dispositionen getroffen: Das Fest sol] am Sonnabend, 1. August, seinen Anfang nehmen. Der folgende Tag, Sonn- tag, ist zu der kirchlichen Feier oder zu dem Festgottesdienße be- stimmt, der in der Kirche zu Rejkiavig stattfindet. Der Tag dcr Abreise des Königs, welchcr bekannilick) von der jütischen Stadt Fredrikshavn crfolgen wird, ist noch nicht genau festgestcklt. Da Se. M. anch die Faröer auf einige Tage besnchen wil], so wird die Abreise etwa Mitte Juli erfolgen. Unter den Personen, welche den König begleiten, wird außer dem Instiz-Minister und dem Kabineis-Skkretär u. A. der dänische Diclncr Carl Andersen, welcher als Dolmetscher fnngiren soll, genannt. Derselbe ist auf Island erzogen und der isländischen Sprache vollkommen mächtig. Carl Andersen, nicht zit_verivechseln mit dem Märchen- dichter H. C. Andersen, ist dem ausknndiichen Kopenhagen befinden- den Publikum besonders bekannt als Inspektor der chronologischen Sammlung der dänischen Könige anf dem Schlosse Rosenbnrg. Das Postdampfschiff geht am 7. IUZ: von hier ab und soll am 19. Juli in Island eintreffen. Die Bereiyung des Landes gs- fchieht auf isländischen Pferden. Anek; dedr König'und dns Kd- nigliche kaolge werden auf diese Weise die Reise in'das Innere des Landes machen. In Rejkiavig wird der König bei dem Landeshauptmann Finsen wohnen. _ , _

_ General Raaslbff, der frühere Krregs-Mimsier, wcl- cher sick) längere Zeit im Auslande aufgehalten hat, ist ]eßt nach Kopenhagen zurückgekehrt. ,

_ 15. Juni. (W. T. B.) Die Nachricht, daß das Mi- nifterium seine Demission eingereichtbabe, wird offiziell bestätigt. Der ehemalige Minister Eftrup ist heute Nachmittag um 3 Uhr zum Könige gerufen ivorden.

Amerika. New - York, 12. Iuni. Eine Kon- vention sämmtlicher Baumwolxenbörssn in Amerika hat eine nationale Börse mit, einem gleichförmigen System der Baum- on-Klassifikation organifirt.

_ Am 27. v. Mts. starb in Washington im84.Lebens- jahre dcr Contre-Admiral und Senior auf der Pcnfionirtenltste WiUiam Brandon Shubrik. Im aktiven Dienst zeichnete er fick) als Lieutenant der Fregatte „Conßitution“ im Kriege von 1812 und später als Kommandant der Expedition nach Paraguay aus.

Ceniral-Amerika, (N. A. C.) Der ehemalige Präsi- dent von Honduras, Arias, ist aus dieser Republik fürsdte Dauer von fünf Iahren verbannt worden. Er wie sein Minister Cid befinden fick) noch immer im Gefängniß. Die „National- Konvention von Hsnduras tagt noch. _'Nach einein _m Nica- ragua erscheinenden Journale beabsichxigt der politische Klub von Leon, auf die Unterstüßnng dcs fruheren Marschalls Gon- zales rechnend, Ierez als Präfidentsckzaftskandidaien zu_ prokla- miren. 1)r. Ierez erbietet sich, Wie man sagt, die Iesunsn aus Nicaragua zu vertreiben.

Peru. Nachrichten aus Lima vom 12, U. M. zufolge sokl die Prüfung der Guanolager dem englischen Kommissar de_s Kriegsschiffes „Peterel,“ dessen Commodore die Erlaubmß nac!)- suchte und erhielt, die nördlichen Lager. besuchen zu können, for't- gefetzt werden. Das europäische Publikum xvird daher bald m den Besrß weiterer Details mit Bezug, auf die Lager von Gna- nape, Macabi, Islas de Lobos de tierra und Islas de Lobos de afuera gelangen. _ In La Paz starb ,H'err Croxton, der Geiandte _der Vereinigten Staaten bei Bolivia. _ Der Herzog

Mon Genua, Neffe dss Königs von Italien, kam am 7. Mai an Bord der italienischen Fregatte ,Garibaldi“ in Callao an und wurde mit Diners und anderm Merkmalen der Achtung bewill- kommnet. Einem Feste beim Präsxdenten im Gouvernements- palaft folgte am 12. ein diplomatisches Bankett.

Asien. (A. A. C.) Aus Corea wird von einer großen Revolution berichtet. Der Vater „des Königs, der die Wittwe des verstorbenen Königs geheirathet.und fick) zum Regenten ge- macht hatte, wurde plötzlich abgeseht» Dieser Mann, von Hause aus ein Adliger, Namens Li, wird als Feind der Frem- den geschildert; von dem eigentlichen König aber, unter Leitung der Regentin-Mutter, die eine Christin ift, erwartet man die Eröffnung Coreas für den Verkehr mit dem Auslande.

Nr. 24 des Central-Blatts für das Deutsche Reich, Herausgegeben im Reichskanzler-Ami (Carchymanns Verlag, Berlin), hat folgenden Inhalt: Allgemeine Verwaltungsmchen: Vkrweisung vcn Llusländern aus dkm Rrichsgcbicte _ Münzrvesen: Ucberfichr über die von den deutschen Bundesstaaten in Folge dcs §. 3_ dxr Bekannt- machung vom 6. Dezember 1873 (R.-G.-Bl. S. 375), betresscnd die Außer- kursse ung der LandeSgoldmünzm nnd der lanchgeseßlicl) ben inländi- |ka Münxen glcickxgcstkÜten ausländisckxsn Goldmünzen, im Monate April1874 m Einem festen W:!Llwerbältnisse eingelösten deuiichen Landesgolkmünzen; Uebersicht übcr die Ausbrägnng von Rsichömünzen. _ Zoll: und Steuerwssen: Anibsbung des Hnnptstcuemmies zu An- klam. _ Marine und Schiffnbrt: Mittheilung, betre'ffénd Schiffsr- :c. Prüfung in Altona. _ Heimatbwsscn: drei Ccksnntnisse des Bundes- amts für das Heimatbwesen. _ Konsulatwesen: Ernsnnung.

_ Nr.12ch „Centrnl-Blatis der Abgaben-, GSWerbe- und HnndclSZGe1€tzgebu1ig und Verwaltung in den Kö- niglich Prcußi1chcn Stanton“ hat solgcndcn anaki: Cirkular- Vsrfügnngen des Köninlichcn Finan? -Ministeriums, die Taravxr- gütnng für Wanken in VnÜen oder Säckcn betreffend, nom, 26. Marz 1874. Cirkular-Vorfünnng dss Königlichen Finanz-Miniiisriums, _Vsr- änderungen in den 3011- und Stsuerstcslen und deren B'eingniß bé- treffead. Cirkular-Vcrfügnng d-FS Königlickxn Finanz-Minnieriums, die Rückvergütung dcr Bransieuer betrcffsnd, vom 2. Abril 1874. Cirkular-erfügnng des Königlicbsn Finanz-Ministsriums, dix Erhebuna dsr UebergangsabgabL VM B1?! betréffcnd, vom 13. Abril 1874. Cirkular-Vsrfügung des Königlichen Finaaninisierinms. dcn Stcmpel zu den nur dcr Unterschrift nxcb vor G2richt ankrkninisn U:"kunden betreffcnd, vom 18. März 1874. Cirknlar-Vsrfägnng des Kbniglicben Finanz-Ministcriums, die Bkbandlung der Frage: ob die chkbnng des Auflassunßsstsmpch nothwendig geweisn bktreffénd, vom 11, Avril 1874. erfiignng des Königlicher: Fiimnz-Minisierinms, dis Tarifirung von maffivein Wsißcn und gescbninenem (531.116 betrenknd, vom 17. pri[ 1874.

_ Nr. 24 des „Justiz-Ministerias-Blatiss“ enthält eine Allerhöchste Verordnung vom 0. Mai 1874 undBeriügung dcs Justiz- Ministsrs vom 8. Juni 1874, betreffend die Zuiiändigkeii dcs Prkußi- schen Gerichtshofos zur Entscheidung der Kompetenzkonslikte für das Herzogthum Lauenburg.

Statistische Nachrichten.

In Berlin Waren Anfangs dicses Jaeres_172,126 Wok)- nungcn und andere Gelaffs vorbandsn; davon lieferten 67,440 mit einem Misibswertlx Von 1 bis 100 Thlr. 10,976 Steusr,_52,665_ von 101 bis 200 Thlr. 17,3%, 19,207 von 201 bis 300 Tblr. 11,375, 10,348 yon 301 bis 400 Tblr. 8,7%, 6307 von 401 bis 500 Thlr. 0,8%, 8008 Von 501 bis 750 Tbir. 11,774, 3306 von 751 bis? 1000 T[)1r.7%, 4845 Wohnungsn über 100074130. '.NWWL 26,3%. Dicleßt- erwähnten 4545 ÜLLHWMJM Übök 1000 Thlr. Mistbswertb brachten also fast eben so viel Mietbsstcuer cin, als die 120,000 Wobniingsn vom Misibswcrtb bis zu 200 Thlr. j51)r1ich._ Die WobnnnZZn bis zu 400 Thlr. Mietbéwcrtb (rund 150,000) [lesérn nur 487€ Steuer, dic Wobnungkn über 400 Thlr. (rund 22,000) 5275.

_ V::i dEr im Jabre 1873 in 15er Rbcinprovinz siniigcbabten aÜgeinkincn Haus- und KircbcnkoÜekte für dic Taubstummen-An- stalten der Rheinprovinz sind 7433 Thlr. eingykommsn, danou 2924 Thlr. vcn Evangelischen, 4306 Thlr. von Katholiken, 203 Thlr. vbn Juden. Am Schluß des Jabres 1872 Waren in dcn 4 Anstalten 143 Zöglingé (91 Katholiken, 47 Evangkiixche und 5 Inden) und *war in der Anstalt zu Brübk 47 Katholiken, Kempen 44 Katholiken, zTeu- wied 24 Evannsliiche, 5 JHrnsliten, Mörs 23 Evangeliiihe. Dcuun- ter Waren 79 Knaben und 64 Mädchen.

Kunst , Wiffmsthaft und Literatur.

Das Jnni-Heft ker bciF. Schneidern. C0. in Berlin erscbxi- nenden und vom Hauptmann G. v. Marées _rebigirten „Jabr- bißcher für die deutsche Armee und Marine“ bai folgenden Inhalt: Der Anibcil dcr KaVaUeric ant Fsldzug: 1859 m Jialiin, von K. Landmann, Königl. bzycrifcher Prem.-Lienrenani, komrnandirt zum Generalstabs. (Mik 7 Skizzen.) _ Vor hundert Jahren. Skizzxn aus dem Privatleben einiger Lientenanis in Potsdam. _ Der Frie- dens- und Kriensstand dcr italicniichen Armsc. (Mit Uebersichib- tabeüen.) Von A. von Drygalski, Prkmiec'Licnkenant a. D. (SONY) _ Dic Entwickelung dsr Organiiaiwn der ru1fi1(_b,_en Armec, vonqub- mer, Hauptmann im Gch-n Generalstabs (Schbiß) _ “Studien iibcr Truppcniübrunß von “. von Verdi) dn Verndis. ___Das Denk- mal für das 111. Arnike-Corps bci Dahmsdorf nn Krsn? Lebus, _ Umschau in der Militär-Literntur. _, Betsagcn: Skizzen zn dexn Aufsaße: „Der Anthi'il dzr Kavakicric an dem Fßlkznge 1859.1n Jtalicn.“ Stärke der Kavaslsrik ix_n FZldzuge „1859 M Italien. Tabellarisrhc Zusammknstcsl'ing der Krisgsftarke der italienischen Armee.

_ Das soeben erfcbicnxne Heft3. Band )(. dsr ,Pbilojo- Phischen Monatsbeftc' __ herausgegeben . vsn 1)r, Aichcr10n, 1)r. Bergmann und Dr. anknjchéxk _ Berlin, Vsrlag 'von F. Henschel. 1874 _ enthalt außßr mebrexsn Rßzsnsionsn eine Ab- handlung über ben Jdéalisinus_ immer Zeit. Fsitrede von ])1".L. Friedländer, orb. Professor in Konigsberg.

_ Ter Privatkoccnt und Projector des patsyologifck=anato_:nischen Instituts an der Univsrfität Königsberg, ])r. V)1ax_Perls, _nt zuuxn ordcmlichen Professor in der mcdiziniscbcn Fakultat_ der Univetntnt Gießen, insbesondere für das Fach ker pathologischen Anatomie und aUgemCinen Pathologie, ernannt worden.

_ Jm Verlage derBuchbandlung yon J. G. Striese in Königs- berg i. d. N. wird in kurzer Zeit erscheinen: Der Auxißvoxsteher, Leitfaden für die Verwaltung der Ath- und „Polizeigesckyaste, mit Beigabe der gesetzlichen und polizcilichen Voricbrnten und Formulare in besonderer Beziehung anf dcn Regierungsl*ezzrerankxurt a. d_. H., herausgegeben von Limbcrg, Königlichen Krezs-«ekrexar zn Kom JZ- bcrg i. d. N., ca. 10 Bogen in groß 410. aus S_xbrcibpapter. ie Schrift hai folgenden Inhalt: 4. Des Ntnksvctitebxrs Rechte und Pflichten. Seine Stellung zum Landrqtb, zum Kreis- nnd Amts- Ausscbusse. 13. Jnftrnkticn zur Bearbeitunß Dcr dém Kreis-Azlss'chuß unterstehenden Dienstsacbcn mit genauer Wiedergnbe der bezuglxchen Gesetze, Verordnungen und Erlasse, (ck. Instruktion zur Polizeiver- Wallung des A1111Svorstcher6 (nnter AuZichlui; der zur Koxnveienz des Kreis - Ausschusses gcbörigcn Sachcn) nut Angabe re1d.'?lbdruch der bezüglicbcn Gesetze, Verordnungen, Regicmngs- und antenal - Erb lasse. Nebst Formularen _zu Re1olute_n, „Mandaten, Verhandlung?! und Vereidigungen. Zur 1_chnellen Ortenttrung find akle hierher gebo- rigen Sachen in alpbabeiiixder Rähmfolge zufammengestcllt. 1). Aus-

führliche Anweisung zur Einrichtung der Umtsbibliothek, des Amis- bureaus, des Amikgefänguiffes und dsr Reginraéur, nebst Formularen

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