1874 / 157 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Tue, 07 Jul 1874 18:00:01 GMT) scan diff

die Beamtenverhältniffe, sowie eine voUßändige Klarlegung der Einnahmen und der Ausgaben in allen ihren wichtigen Einzel- heiten zu fordern. Von Erhebun en über den durchschnittlichen jährlichen Zumachs und über die Letzt in den Staatsforsten auf- ßehenden Holzmaffen (Holzkapitalien) ist dabei ganz abgesehen worden. Ebenso war die Kommisfion der Meinung, daß fie nicht empfehlen könne, für die Forststatistik selbständige Erhebun- gen über den Verkehr mit Forstprodukten und über deren Ver- brauch vorzunehmen, daß fie es aber als eine Aufgabe des ßaii- stischen Amtes erachte, das in der Industrie- und Verkehrs- ftatistik gesammelte oder zu sammelnde Material für diese Zwecke möglichst auszubauen und nußbar zu machen. Auch meteorolo- gische Angaben smd nicht erfordert worden, weil in Deutschland zur Lösung der einschlagenden forstlichen Fragen bereits eine Anzahl besonderer Beobachtnngsstationen besteht, deren Beob- achtzmgsresultate sick] das statistische Amt zu vsrschaffen haben wrr .

Die Organisation des gesammten Erhebungswesens hat die Kommission dahin aufgefaßt, dasz in erster Linie die Forstverwal- tungsbeamten des Staats zu den Erhebungen heranzuziehen seien, und hisrnach die Erhebungsbezirke iiberall da, wo eine Gliederung der Staatsgebiete in Forstverwaltungsbezirke durch- geführt ist _ wie in Bayern, Baden, Großherzogthum Hessen, Elsaß-Lothringen, in Theilen der prerißischen Provinzen Hessen- Naffau und Hannover. _ mit diesen Bezirken zusammenfallen sollen, und daß im Uebrigen für diese Erhebungsbezirke die po- litische Eintheilung nur insoweit maßgebend sei, als dabei die Grenzen der größeren Verwaltungsbezirke, Regierungsbezirke, bezw. der Kreise (wie in Bayern) oder der Provinzen (wie in Heffen) zugleich Grenzen von Erhebungsbezirken bilden soÜen. Es würde also das gesammte Areal eines jeden Staates in Er- hebungsbezirke zu theilen sein. Diese Erhebungsbezirke sollen an die bestehendsn Staats:Forstverwaltungsbezirke und, soweit dies nbihig und möglich, an Gemeinde: und Privat-Forstverwalfungs- bezirke angeschlossen werden. Wo eine territoriale Einibeilung in Forstverwaltungsbezirke, welche die Waldungen aller Besiß- kategorien umfassen, bereits durchgeführt ist, sollen diese die Er- hebungsbezirke bilden. In denjenigen Fällen aber, wo die Er- hebung nicht an bereits bxstehende Forstverwaltungsbezirke an- geschlossen werden kann, muß es den Landesregierungen über- lassen bkeibcn, in geeigneter Weise für die Bildung der Erhe- bungsbezirke, cveniuell auch für die BesteUung besonderer forst- technischer Erheber Sorge zu tragen.

Diese Einrichtung hat zunächst den Zweck, eine große, nur alle 10 Jahre zu wiederholende Aufnahme zu ermöglichen, welche in jedem Erhebungsbezirke die Fläche der Forstgrandstücke, deren Vertheilung nacl) Holzgrund, Nebengrund und Unland, sowie nach dem Befiß, ferner die Waldungen nach Fläche, Vefiß, Standort, Bestand und Betrieb, sowie nach dem Unterschiede der Wirthschafts- und Schußwaldimgen feststellen und die Fläche der Waldungen bezeichnen sou, welche gänzlich außerhalb der Staats- verwaltung bezw. der Staatsauffickzt stehen. Die dadurch jedes 10. Jahr entstehende große forstliche Beschreibung würde Seitens der Forst-Direktionsbehörden durch eine Angabe über die in den Staatswaldungen ihres Bezirks bestehenden Forftservituien, Sei- tens der Central-Forstbehörden durck) die nbthigen Angaben über die Verwaltimg und Beaufsichtigung der Forsten, und in beson- derer Veranlassung der Landesregierungen, soweit thunlicl) schon vor Beginn der eigentlichen forstlichen Aufnahmen, durch Auf- stellungen über die Fläche des Gesammtareals jedes Erhebungs- bezirkes und deren Vsrtheilung nach den Hauptkulturarteu er- gänzt bezw. vorbereitet Werden,.

Neben diesem ErbebungSwerke, welches die dauernden oder “nur langsam fick) verändernden Elemente der forstftatistischen Be- schreibung enthält, und deshalb nur einer aile 10 Jahre wiederkehrenden Erneuerung bedarf, sol] eine kleinere Reihe von Ermittelungen über Gegenstände fortlaufen, welche einem schnellen Wechsel unterliegen oder deren regelmäßige Beobachtung zu einer genügenden Beurtbciwng nöthig ist. In diesem Sinne würden von den cinzeinen Erhebungsbezirken jährliche Angaben über Arealveränderungen in den Waldungen, von den Forst- Direktionsbebörden iiber das Auftreten von Forstschäden und über die Materialeriräge, die Preise und die Löhne in den Staatswaldungen, von den Ceniral-Forstbehbrdcn Über die Ein- nahmen und Ausgaben der StaatS-Jorstverwalfung und Über gewisse Fragen der Forstwiffenschaft und des Forstnnterrichtes, in besonderer Veranlassung der Landesregierungen endlich iiber die Ablösimg der Jorstservituten in den Staatswaldimgen und über Forßfrevel gemacht werden.

Die Angaben der Erhebungsbeamten werden von den Di- rektions- oder Central-Forftbebörden oder yon staiistischen Be- hörden zusammenzustrllen sein, wobei es fick; empfiehlt, Techniker der Siatifiik, event. Forsttechniker zuzuziehen. Im Uebrigen smd für die Erhebung sowohl, wie für den Eingang bei dem statisti- schen Amte, dem die Haupi=ZUsammenftellUng und weitere Be- arbeitung und Verwerthung des Materials obliegt, thunlichft weite Fristen bestimmt worden.

Soweit für den Zweck dieser centralen Bearbeitung und zur Erlangung eines möglichst gleichwerthigen Materials einheitliche Normeri erforderlich erschienen, hat die Kommission dieselben ent- worfen. Im Uebrigen aber hat fie bei der Vrrscliicdenheit der Organisaiion dss Forstwesens in den einzelnen Staaten den LandeSregierungen die näheren Bestimmungen zur Arisführung der Vorschriften anbeimstellen müffen.

Unter diesen allgemeinen Gefickztsprmkten find die Bestim- mungen für die Jorftftatiftik des Deutschen Reiches aufgestellt worden. Dieselben betreffen:

1) Den Gegenstand und Zeit der Erhebung im Aligemeinen:

§. 1. In allen Staaten des Deutschen Reichs soUcn Er- hebungen über folgende Gegenstände vorgenommen werden: 1) die

Fläche des Gesammiareals, unterschieden nach den Haupt-Kulfur- .

arten; 2) die Fläche der Forftgrundstücke, unterschiedennack) Holz- grund, Nebengrund und Unland, sowie nach dem Befißstande; 3) die zur Holzzucht bestimmten Forßgrundftücke (Waldungen), und zwar: 3. ihre Fläche, unterschieden nack) Vesißstand, Standort, Bestand nnd Betrieb, sowie ihre Eigenschaft als Wirthschafts- oder Schußwald, 1). größere Veränderungen des Waldareals; 4) die Verwaltung und Aufsicht &. in Bezug auf die gesammte Waldfiäche, b. in Bezug auf die Gliederung und auf die Be- hörden und Beamten der Staats-Forftverwaltungen; 5) Forst- servituten in den Staatswaldungen, und zwar: 3. bestehende Forstservituten, b. Ablösung von Forstservrtuten; 6) Wirthschasts- verluste durch: a.Iorftfrevel, 1). Forßschäden; 7) Materialerträge, Preise und Löhne in den StaatSwaldungen; 8) die Einnahmen und AUSgaben der Staatsxßorßvmvaltungen; 9) Forßwiffen- schaft und Unterricht.

2) Die in besonders zu bildenden Erhebungsbezirken von be- sonders u beßellenden Erhebungsbeamten zu erhebenden Gegen- ÜÜW ( - 1 Zi et 2, 3, 4); 3) die von den Forst-Direktionsbe- hörden aufzuß enden Nachweisungen (§. 1 Ziffer 53.„6b., 7);

4) die von den Central-Forfibehörden aufzustellenden Nach-

weisungen (§. 1 Ziffer 4b., 8, 9); 5) in besonderer Ver- anlassung der Landeswgierungen aufzusteüenden Nachweisungen

(§. 1 Ziffer 1, 5b., 63.); 6) Mittheilung der Nachkveisung an das statistische Amt des Deutschen Reiches; 7) Zusammensiellung

&ndckJVerTffentlickzung der Nachweisunqen durch das statistische et sam.

_ Se. Majeßät der Kaiser der Ottomanen ertheilte am 27. Juni Vormittags dem bisherigen Vertreter des Deutschen Reichs, “erm von Eich man U, im Palast von Dolmabagdtsche die Abs iedsaudienz und nahm aus den Händen des Gesandten das Abberufungsschreiben entgegen.

_ Der bisherige Kaiserliche Gesandte am Königlich griechi- schen Hofe, Herr von Wagner, hat am 5. d. M. Athen verlassen und sich Über Brindisi nach dem Bade Homburg begeben. "

_ S. M. S. ,Arcona“ ist am 3. d. Mrs. in Naga- saki eingetroffen. An Bord Alles wohl.

Paderborn, 7. Juli. (W. T. B.) Das hiesige Appel- lationsgericht hat auf den Protest des Bischofs Konrad Martin gegen den Beschluß des hiesigen Krengerichis über Annahme der für den Bischof durch einen Dritten eriegten Geld- sirafe die Akten des Kreisgerichts. eingefordert.

Bayern. München, 5. Juli. Mit dem 10. d. M. endet die verfassungswäßige zweimonailicbe Dauer des Land- tags; da es nun aber bis dahin nicht mbglick] ist, das Budget, einige Eisenbahngeseßenlwürfe u. (1. noch zu erledigen, so wird, der ,LlUg.Ztg.“ zufolge, eine Verlängerung der Landtagsdauer, man glaubt von 6-8 Tagen, eintreten; das Wahlgeseß, das Brandverficherungs€xeseß n. a. werden aber dann noch unerledigt bleiben müssen, und ob" der Schlörsckcke Geseßeniwurf, betreffend die Erwerbung der Ostbabnen, noch von beiden Kammern wird eriedigt werden können, ist zweifelhaft.

_ 6. Juli. (W. T. V.) In der heutigen Sißung der Kammer der Reich9räthe wurde der Antrag des Abg. v. Miller, betreffend den „Bau eines neuen Akademiegebäu- des, welcher von dem Prinzen Ludwig und dem Reichsratlx Bombard befürwortet wurde, einstimmig angenommen.

_ In der SiHung der Zweiten Kammer fand die Ge- neraldebatte über den ordentlichen Militäretat statt. Der Kriegs-Minister, Frhr. v. Pranckl), erwiderte auf die Bemerkung des Abgeordneten DaÜer, betreffend die ungerechten Vertheilungen der Lieferungen für das Militär, es sei überhaupt nnr eine ein- zige derartige Klage erhoben worden, und diese sei unbegründet gcivesen. Was die Beschwerden des Abgeordneten Mahr über die aUzugroße Militärlast und dessen Verlangen betreffe, daß die Militärgerichtsbarkeit und der Fahneneid abgeschafft werde, so seien dieselben an eine falsche Adresse gerichtet. Der Schwer- punkt der Entscheidung in Militärfragen liege jeßt außerhalb Bayerns; ein neues Militärstrafgeieß sei das langjährige Ver- langen der Kammer gewesen und gewähre dasselbe jedem Sol- daten den besten Schuß. Was den FalL der angeblichen Miß- bandlung und Beleidigung des Soldaten Plattner von Neumarkt betreffe, so beklage er denselben tief, müsse aber das Militär- sch5vurgericht gegen jeden Vorwurf der Parteilichkeit in Schuß ne men.

_ 7. Juli. (W. T. B.) Die Zweite Kammer ver- handclte [genie in der Generaldiskussion Über die Ge- währung eines Kredits für die außerordenlichen Heeresbedürfnisse. Für die Bewiiligung sprachen der Re- ferent Voelk und der Abgeordnete Kraushold, gcgen dieselbe Freytag. Letzterer rügte insbesondere das Verfahren des Kriegs- Minsters, welcher die jeYt verlangten Gelder bkreits vor Genehmigung der Kammern verauSgabt habe. Der Krirgs-Minifter Freiherr von Pranckh erk1ärie darauf: Im Ganzen handle es fick] ,bei BewiUigung dieser Mittel zunächst um die Erfüllung vertrags- mäßiger Verpfiickziungen und sodann um die Versorgung des Heeres nach den Grundsäßen der Humanität. Dazu gehöre, daß das bayerische Heer in derselben Verfassung erhalten werde, wie die Übrigen dentsckzen Heere. Bisher habe es hierfür nor!) keines Befehls von Seiten des Reichs bedurft, wel- cher hoffentlich auch in Zukmift uicht erforderlich sein werde. Was eine Verweigerung der Mittel jedoch zur Folge haben wcrde, woÜe er nicht erwähnen. Ebenso sei die Verbesserung der Kasernen Und des Lazarethwesens unabweisbar. Gegenüber dem Vorwurf, daß er fick] unkonftiiutionell verhalten habe, bekenne er, in der ihm gefieliten Aliernaiive zwischen den Pflichten gegen die Verfassung und der Vertretung der Inter- effen des Landes und des Heeres, lebtere vorgezogen zu haben, er trage aUe Konsequenzen der Verfaffungsverleßung im Bewußt- sein, das Land gegen etwaige Katastrophen vorbereitet zu haben. Was die Finanzlage des Landes angebe, habe Bayern 158 MiÜionen Kriegsentschädigungsgelder erhalten, wovon abzüglich aÜer Kosten inkkufive des verlangten Kredits von 24 MiUionen circa 50 Millioen noch dem Lande verbleiben würden. Der verlangte Kredit halte fick) daher in bescheidenen Grenzen und der Anspruch der Armee sei ein voÜbereck)tigter und wohlbe- gründeter. "

Nach diesen Erklärungen des Kriegs-Ministers wurde die Spezialdebatte eröffnet.

Kissingen, 6. Juli. (W. T. V.) Für heute Abend war zu Ehren des Reick)skanz[ers Fürsten von Bismark eine große Serenade mit Feuerwerk beabsichtigt. Dieselbe wurde von ihm jedoch mit Dank abgelehnt, da er der Ruhe bedürfe.

Bamberg, 3. Juli. Nm 1. Morgens starb Hier der Hof- marschaU der Königin-Mutier von Griechenland, Viktor Emil Freiherr v. Gebsattel, nach kurzem Krankenkager am Typhus, der ihn auf einer Reise befallen hatte. Z...

Sachsen. Dresden, 6. Juli. Der König und die Königin haben am Sonnabend ihre Reise durch den Zwickauer Kreis:Direktionsbezirk beendet und find Abends nach 10 Uhr, von Annaberg kommend, in PiUniß wieder eingetroffen.

Am 8. d. M. gedenken Ihre Majeßäten eine dreitägige Reise durcb) den Baußener Kreis - Direktionsbezirk anzutreten. Dieselben werden Mittwoch Vormittags 9 Uhr von Niedersedliß per Extrazug abreisen und fick) an diesem Tage über PulSUiß, Kamenz, Marienstern nach Bauhen begeben und im dasigen Landhause Wohnung und Nachtquartier nehmen. „Am 9. Juli reisen Ihre Majestäten per Bahn von Baußen über Löbau nach Zittau und kehren von dort am 10. Juli Vormittags über Wb"?- Baußen und Bischoföwerda nach Dresden und Pillniß zuru .

Württemberg. Stuttgart, 5. Juli. Nach "einer von der Staatsschuldenzahlungskaffe aufgestellten Berechnung beläuft fick) ihr Gel-dbedarf für das Etatsjahr 1874/75 über Abzug der aus Grundstocksmitteln zu deckenden 85,300 Fl. und der durch Vorschüffe von der Staatshauptkaffe bereits ge-

deckten 1,922,000 Fl., zusammen 2,007,300 Fl., auf die Summe chn 7,324,816 Fi. 30 Kr. Es werden daher durch Ver- fugung des Finanz-Minifteriums auf Grund des Art. 4 des Sinatsschuldenftatuts vom 22. Februar 1837 nach getroffener Ueberemkunft mit der ständischen Staatsschulden=Verwaltungs- behorde der Staatsschuldenzahlungskaffe folgende StaatSeinkünfte zum_ Bezug atigexmesen: &. direkte Steuer vom Grundeigenthnm, Gefalien, Gebunden und Gewerben 2,000,000 Fl., 1). direkte Steuer voii Apanagen, Kapital: und Renten-, Dienst- und Berufs - Einkommen 1000000 Fl., 0, Wirthschafts - Abgaben 1,500,000 Fl., c]. Remertrag vom Eisenbahnbetrieb 2,824,816 Fl. 30 Kr., zusammen 7,324,816 Fl. 30 Kr.

Sachsen - Weitpar - Eisenach. Weimar , 6. Juli. (W. T. B.) _ Der thser von Rußland ift heute Nachmittag niich 5 Uhr in Begleitung des Großherzogs, welcher ihm bis Eisenach entgegengefahren war, hier eingetroffen. Am Bahn- hofe wurde der Kaiser von der Großherzoglichen Familie empfangen. Das Diner wird im Schloß Belvedere eingenommen

werden. _,7. Juli. (W. T. B.) Heute Morgen um 91 Uhr hat der Kaiser Alexander, nachdem er fich auf dem Bahnhofe

von der Großherzoglichen Familie verab iedet eine Rei e na Dresden fortgeseßt. fck , s s ck

_ Oldenburg. Oldenburg, 5. Juli. Der Großherzog ist 'von einem viertägigen Ausflugs in die Münsterschen Landes- thetle, nachdem er auf der Rückreise auch die Städte Wildes- hausen und Delmenhorst besucht hatte, gestern Abend nach Schloß Rastede zurückgekehrt.

. _ .Der am 8. d. M. bevorstehende Geburtstag Sr. Königlichen Hoheit wird, wie in früheren Jahren, durch ein gemeinsames Diner der Beamten und des Offiziercorps im Kafino festlich begangen werden.

' “_ An _Stelle des am 23. U. M. verstorbenen Staats- Mrritsters Freiherrn von Rössing ist dem Minister des Innern Freiherrn von Berg der Vorsi im Staats-Ministerium nunmehr definitiv übertragen wor en.

' _. Der ständige Landtags=AuSschuß wird in nächßer Woche in Anlaß der mit der Königlich preußischen und der Kö- mglicl). niederländischen Regierung neuerdings abgeschlossenen Verträge über die Eisenbahnverbindung Ihrhove-Neueschanz zu einer kurzen Sißung hier zusammentreten.

SachfemMeiningen-Hildburghausen. M einin g en , 5. Juli. Der Herzog Bernhard traf am 30. U. M. im besten Wohlsein von Baden-Baden hier ein und verlegte gestern mit der Herzogin Marie die Residenz nach Schloß Alten- stein bei Bad Liebenstein. Der regierende Herzog Georg und seine Gemahlin kamen heute früh mit Extrazug von der längeren Reise aus Frankreich und Italien hier an. Morgen früh bereist der Herzog mit seiner Gemahlin, in Begleitung des Staats- Minifters und der Hofchargen, auf 14 Tage den größten Theil des Herzogtbums. In Heldburg UUd Saalfeld, wo mehrtägige Aufenthalte stattfinden, wvrden Empfangsfeierlichkeiten vorbereitet. WWNMWWQFQSW“W-x- * . -x-.I».- * |

Sachsen-Altenburg. Altenburg, 3. Juli. Heutewur- den von hiesiger Stadt die Abgeordneten zum Landtage des Herzogthums gewählt. Die Wahl fiel auf die bisherigen Abgeordneten Kommerzien-Rath Lippold, (;ewählt von den Höchst- besteuerten, Appellationsgerirhts:Vize-Präfident 1)r. Wagner, ge- wählt von der 1. Abtheilung, Advokat Göpel, gewählt von der 2. Abtheilung, und Ober-Biirgermeister, Gel). Reg. Rath Lau- reniius, gewählt von der 3. Abtheilung. Die Betheiligung an den Wahlen war nicht stark und von Auffteüung von Gegen- bewerbern abgesehen worden.

Anhalt. Dessau, 3. Juli. Der Prianduard iraf heute Mittag von Ballenstädt zum Besuch seiner Hohen Eltern in Wörliiz ein.

Neuß. Grsiz, 4. Juli. Der Fürst und die Fürstin find von Schloß Burgk vorgestern hierher zurückgekehrt. Der Fürst und die Fürstin von Schaumburg-Lippe, sowie Prinzessin Hermine und die Prinzen Otto und Adolf find zum Besuch des Fürstlichen Hofes hier eingetroffen. Zu Ehren die: ser, dem Fürstlichen Hause nahe verwandten hohen Gäste hcrtte die Stadt reichen Flaggenscbmuck angelegt, und findet heute Vor- stellung und Galatafel statt, zu welcher u. A. auch der in DepartementSersangschäften hier anwesende General-Major von Scheffler gezogen wurde.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 5. Juli. Die vierte Sißung der internationalen Sanitäts-Konferenz fand am 4. d. M. unter Vorfiß des Vize=Präs1denten, Frbrn. v. Lenz, russischen Staats-Raihcs, statt. Nach Vcrifizirung des Proto- kolls der leßten Sißung machte ])r. Polak Mittheilung von einem Telcgramm aus Teheran des Inhaltes, daß in Zukunft der Transyort der Eholeraleichen nack) dem persischen WallfahrLSUrte Kerbela erst nach jahrelangem Begrabenscin stattfinden dürfe und daß künftig die Friedhöfe iiur außerhalb der Städte angelegt werden dürfen. Zur Tagesordnung, der weiteren Berathung und Besrblußfaffung über die wiffenschaftlichen Vorfragen, ward weiters der siebente Fragepunkt: „Kann die Cholera durch Choleraleichen verbreitet werden?“ von der Konferenz ein- stimmig bejahr. In Betreff der achten Frage: „Kann die Cholera durch die atmosphärische Luft allein weiter ge- iragen werden?“ wurde die Entscheidung der Konfiantinopeler Konferenz vom Jahre 1866 acccptirt, wclche lautet: „Es ist ein Grieß, von dem bis jetzt noch keine Ausnahme bekannt ist, daß die Cholera nie rascher vorgeschxitten, als die Möglichkeit, durch KommunikationSmittel an den Ort zu gelangen, gegeben war. Bis jeßt hat es keine Thatsache bewiesen, daß *die Cholera in die Ferne durcb) die Atmosphäre, in welchem Zustande sie fick) auch immer befindet, getragen wurde.“ Die 9. Frage: „Hat der Zutritt der freien Luft zu dem cholera erzeugenden oder cholera- verbreitenden Agens einen Einfluß auf dessen ansteckende Eigen- schaft oder nicht?“ wurde im Sinne der Konstantinopeler Ve- schlüffe einstimmig dahin bejaht, „daß das cholera erzeugende Prinzip in freier Luft sehr rasch seine schädliche Wirkung verliere, daß jedoch im Gegentheil seine Wirkung unter gewissen eigenthüm- lichen Bedingungen der Absperrung fiel; auf eine unbeschränkte Zeit thätig erhalte.“ Die 10. Frage: „Wie lange währt bei Cholera-Ansteckung die Periode der Inkubation?“ veranlaßte eine längere Diskussion. 131". v.“Pettenkofer, Königlicher Ober- Medizinal-Rath und Univerfitätsprofeffor aus München, begann die Debatte mit einem Exposé über den Stand dieser Frage, welche nach den vorliegenden Thatsarhen noch nicht als spruch- reif betrachtet werden und daher nur von einer approximativen Bestimmung der Jnkubationödauer die Rede sein könne. Bei seinen “Untersuchungen während der [chien Cholera-Epidemie in München fand Redner eine durchfchnittliche Dauer von 14 Tagen,

welcher Zeitraum allenfalls zu einem Maßstabe der Inkubations- dauer genommen werden könnte; allein zur definitiven Feststellung einer Maximalgrenze _ so wünschenswert!) dies auch wäre *- seien die vorliegenden Erfahrungen noch nicht genügend. ])r. Drasche aus Wien erklärte, daß nach seinen Beobachtungen der Cholera-Epidemie vom Jahre 1873 in Wien die durchschnittlich? lokale Dauer der Inkubation steh auf 8 bis 10 Tage erstreckte; der scheinbare Widerspruch mit den Angaben 131“. Pettenkofers habe darin seinen Grund, daß [eßterer seinen Erhebungen nicht den Todes-, sondern den Erkrankungstag zu Grunde gelegt habe. Für eine kürzere Jnkubationsdauer sprachen noch mehrere Redner, wie Dr. Schleißner aus Kopenhagen, 1)r. Kierulf, 1)r. Berlin, Delegirte von Schweden und Norwegen, ])r. Semmola aus Neapel, Dr. von Souza-Martins aus Lissabon, 1)r. Orphanides aus Athen, 1)r. Marcoviß aus Bukarest und ])r. Zehnder aus Zürich. Bei der Abstimmung ergab fich ein Majoritäisbescl)luß für die Annahme einer kurzen Inkubationsdauer, welche nach den Konftaniinopeler Beschlüssen selten einige Tage übersteige.

_ 6. Juli. (W. T. B.) Den Abendbläitern zufolge ist der hiefige politische Verein „Zukunft“, der sozialpolitische Verein „Nrbeiterbruderbund“ sowie der Fachverein der Manufaktur-Arbeiter- und Arbeiterinnen durch Verfügung der Statthalterei aufgelöst worden.

Pest, 6. Juli. (W. T. B.) Die Abendblätier melden, der UnterrichtS=Minifter Trefort habe in Folge eines seinen Bericht und seinen Antrag in der Angelegenheit des israelitischen Sebulfonds ablehnenden gestrigen Beschlusses des Unterbauses, beabsichtigt, seine Enklaffung zu nehmen und nur auf Zureden seiner Parteigenossen und der übrigen Minister davon Abstand genommen, seinen Entschluß auSzuführen.

SchWeiz.Basel, 6. Juli. (WTB) DieRegierung von Solothurn hat dem Kloster Mariaftein, wie die „Va- seler Nachrichten“ melden, die Verwaltung seines Vermögens entzogen und von Staatswegen einen Verwalter und einen Kom- missarius angesteÜt.

Belgien. Brüssel, 5. Juli. Zu der am 25. d. Mis. hierselbst zufammentretenden int er n atio n a [ e n K o nfer e n z sind bereits 42 Delegirte der verschiedenen Regierungen angemeldet.

Großbritannien und Irland. London, 4. Juli. Am Donnerstag hatte der französische Botschafter de la Rochefoucauld-Bisaccia eine Audienz bei der Königin auf Windsor, um sein AbberufungSscbreibeu zu überreichen. Später wurde die Herzogin von Ihrer Majeftät empfangen und verab- schiedete fick) von derselben.

Am nächsten Dienstag findet auf Windsor cine Kabinets- berathung unter dem Vorfiß der Königin statt. Am Mittwoch wird die Königin in Chobham eine Revue über die in Aldenshet für die zweite Serie der Sommermanöver versammelten Trnppen ab alten.

[) Jm Vuckingham-Palnft fand am 1. d. Mis. Abends das zweite Hofkanzert in dieser Saison statt. Der Prinz und die Prinzessin von Wales, Prinz und Prinzessin Christian Von Schleswig-Holstein, der Herzog von Cambridge, der Herzog und die Hsrzogin von T(ck, das diplomatische Corps und Mitglieder der hohen Aristokratie befanden fick; unter den Anwesenden.

_ Die Kommissare für die Reduktion der National-

chuld zeigen in der „London Gazette“ an, daß die Summe von 92,286 Lsir., d. i. der vierte Theil dss Uebersclzuffes der Einkünfte über die AuSgaben in dem am 31. März 1874 been-

deten Jahre (369,146 Lstr.) in dem am 30. September 1874“

endenden Quartale zur Reduktion der Staatsschnld verwendet werden wird. '

_ Am'2. d. M. fand die feierliche Eröffnung des der Stadt London von Baron Albert Grant zum Geschenk ge- machten Leicester-Square unter dem Zusammenfluß einer zahlreichen Menschenmenge statt. Der lange „vernachlässigt ge: wesene historische Square ist nunmehr in eme prächtige, von einem eiserncn Gitter umgebene Gartenanlage verwandelt wor- den, welche Fontainen, vier Marmorbüsien, Newton, ])r. Hunter, Reynolds und Garrick _ ehemalige Bewohner des Square _ darstellend, Und eine stattliche Bronzestatue des Dichters Shake- speare _ die bei dieser Gelegenheit enthüllt wurde _ zieren. _

_ In der Kanonengießerei des Arsenals in Woolwicl; ist man gegenwärtig mit der Fabrikation eiiier 80 Tonnen ichweren Kanone beschäfxigt. Der Stablbiock, aus welchem das innere Rohr gefertigt werden sol1, kam am Dienstczg von Sheffield an. Er 'ist 25 Fuß lang, hat im stärksten Theile 25 Zoll im Durchmesser und wiegt ca. 240 Centner.

_ Der Lordmayor von Dublin gab gestern im

Manfion-House von Dublin dem General=Major Sir Garnet W011" eker] ein Banker, bei welchem außer dem Sieger von Kumaffie eine glänzende GeseUschaft zugegen war.

_ Die Bank von Montreal und die Herren Morten, Rose & Co. in London laden zu Zeichnungen auf eine Emission von 8,000,000 Lftr. in 5prozentigen Obligationen der Provinz Quebeck zum Course von 9711 Proze'nt ein. Der Ertrag der Anleihe ist z::r Deckung der Subsidren bestimmt, welche, die Legislatur gewissen in der Provinz im Bau begriffenen Eisen- bahnen bewilligt hat.

Frankreich. Paris, 4. Juli. Der KriegZ-Minister hat beschlossen, daß die Rekruten der zweiten Klasse des Kon- tingents von 1872, welche vom 1. Juli bis 31. Dezember d. I. unter die Waffen berufen ist, Anspruch auf den Sold von Sol- daten zweiter Klasse haben, und daß ste, wenn fie zur Infantr- rie gehören, 25 Fr., und wenn sie zur ArtiUerie oder dem Train gehören, 35 Fr. für ihre Equipiruug erhalten sollen." Bekannt- lich muß in Frankreich das ganze Kontingent (ungefahr 250,000 Mann) dienen, nämlich etwa 135,000 Mami fünf Jahre und der Rest sechs Monate. Manhofst, diejenigen, welche sechs Mo- nate dienen, so weit zu bringen, daß, falls der Krieg ausbricht, man fie als Ersaßmannschaften benußen kann. Der Kriegs- Minifter hat deShalb auch"angeordnet, daß ihm genaue Berichte Über die Leistungen der Leute des zweiten Kontingents von 1872 zuzusenden find.

_ Das „Journal de Paris“ giebt seinem Befremden dar- über Ausdruck, daß der Graf Chambord in seinem Manifest den einzigen Differenzpunkt, der iht) 11011 den gemäßigten Mon- archisten trennt, die weiße Fahne mit keinem Worte berührt hat, und erklärt am Schlusse:

„Wir sind Anhänger der Monarcbix geblieben. Wenn sie, noch möglich wäre, weiin es nur von uns'arbmge, sie,_fei es auch xntt den größten Opfern, einzuführen wir wurden sie emfubren. Sie ist aber auf fieben Jahre nicht mebr möglich. Am 20. Novxmber hat die Nationalversammlnnq dem Marschau Mac Mahon die vollstreckendx Gewalt auf fiebxn Jahre anvertraut. Wir haben diesen Entschluß gebilligt und unterstützt. "Er ist Laudeögese? geWorden. Wir sind auf sieben Jahre gebunden. Wik find durch das Ge eß, wir sind durch unsere Ehre gebunden. Wir sind demnach entschlossen, die Gewalt des Marschalls Mac Mahon gegen Jeden, der sie angreifen möcöte, selbst gegen

urisere cinenen Freunde, zu veriheidigen. Hieraus ergiebt fich, daß er'die Programme Derjenigen, Welche uns vorschlagen, eine andere Regierung an Siclle derjenigen des Marschalls zu setzen, gar nicht prüfen dürfev. Man kann den Titel und die Bedingungen Der am 20. November cingescßten Regierung vrrändern, (1er nicbt diese Re- gierung selbst vernichten oder ibrcDauer abkürzen. .Die oberste Gewalt ist heutzutage ein Kampfposten. Dieser Posten wurde im Stich gelassen und _sah sub von den Faktionen bedroht. Man mußte also eine Schildwaibe hinstellen, und man wählte dazu den ersten Soldaten Frankreichs, Denj-nigcn, Welcber im Siege wie in der Nicdrrlage, die nationale Fahne am rubmvolisien gstragen hat. Man bat ihn gegen seinen Willen auf diesen Postcn gestellt und ihm den Auftrag gegeben, auf demselben sieben Jahre lang zu verweilen. Jeßt führt er dcn Befshl aus und ruft cinem Jedrn, der da ein- Zritugc'n will, Wer er auch 1ci, die Worte zu: Drr Eingang ist Ver-

0 en.“

_ 6. Juli. (W. T. B.) Das „Journal de Paris“ hält es für leicht möglich, daß die morgige Sißimg der Na- tionalversammlung zu einer Auflösung der Versammlung führen könne. Dem Vernehmen desselben Blattes zufolge sei der Präsident Buffet entschlossen, morgen jede Erörterung abzu- schneiden, in welcher die RegierungSgewalt des Präsidenten Mac Mahon in Frage gestellt oder die unmittelbare Wiederherstellung der Monarchie verlangt werde.

Versailles, 6. Juli. (W. T. B.) Die Nationak- versammlung bestätigte heute die Wahlen von Ledru R01 [in zum Dcputirien für das Departement Vaucluse und von Rondier für das Departement Gironde und setzie darauf die Berathung des Munizipalwahlgesexzes fort. Ein ZU- saßantrag, den Familienvätern eine doppelte Stimme beizulegen, wurde abgelehnt. Die Vorlage sokl am Mittwoch weiter be- raihen werden.

* Am Schliiffe der Sißung faßte die Versammlung den Be- schluß, daß in dcr morgenden Sißung zunächst die Beratbung des Munizipalwablgeseßcs zu Ende gefiihrt werden und dann erst die Iiiierchation Lucien Bruns iiber die Sii-Zpendirung der „Union“ zur Verhandlung gelangen sol]. Es ist demnach als noch durchaus nicht feststehend zu betrachten, daß die Inter- peÜation Bruns morgen übkrhaupi zur Diskussion gelangen wird. Die Verhandiungen unter den einzelnen Gruppen und Fraktionen der Nationalversammlung iiber die Siellnng, die sie der gedachten Interpellaiion gegenüber eiiizimehmen gedenken, werdcn lebhaft fortgeseßt.

Spanirn. Madrid, 5. Juli. (W. T. B.) Zum Ver- treter Spaniens bei der internationalen Sanitäts- Konfercnz in Wien ist Bustamente ernannt. Derselbe wird morgen nach Wien abreisen.

_ 6. Juli. (W. T. B.) Eine etwa 5000 Mann starke Carlistenabtheilung hat die Stadt Teruel in Aragonien angegriffen und eine Vorstadt derselben in Asche gelegt. Der Angriff ist jedoch abgeschlagen worden und haben die Car- listen gegen 40 Todte und eine große Anzahk von Verwundeten “gehabt. Gegen 100 Carlisten wurden von den chiernngstrup-

pen gefangen genommen.

Santander, 6. Juli. (W. T, B.) Eine Abtheilung carlistischer Streitkräfte unter Valdespino, die fich mit Einrechnung der dabei befindlichen Kavallerie auf etwa 2000 Mann belaufen mag, bat fick) in der vergangenen Nacht bis in die Nähe von Astillero herangezogen und bedroht Santander, das nur schwach beith ist. Seitens der Behörden istielegraphiick] um Verstärkungen gebeten worden. Die hier befindlichrn Rrgie- rungssthiffc sind in der Bai heraufgegangen, 11in im FaUe eines Angriffes der Stadt durch die Carlisten die nachste Umgebung derselben durch ihre Geschüße decken zu können.

_ Ueber die Kämpfe bei Estella meldet der Bericht? erstattkr der „Köln. Ztg.“ ans Tafalla vom 28. Zum Folgendes: ,

„Ja der Nachi vom 24. zum 25. Juni lagen die drei Corps dcr Nordarmee, von den Gsnerale'n Rosfel, Echague, Martincz Camwos gefübrt, in Larraga und einem brnachbarten kleinrn Flecken. Am frühen Morgrn zog Concha aus und Waricie jrnssits Otsizcx, das 11011 ciner brhsn Bergkuwwe in ein isbr bügcligcs Thal l)inunt_€r1chaut, bis die Truppen von Martinez Campos rechts in der Nisderung er- schienen. Auf den jrnsxitigea Höhen waren carlistqcbe Rmter und Jnfantrris; dicsslbe ver1chwcknd nach einem kurze'n waxbrfeu'sr, das von drn Truppen nicbt rrwidert wurde, und nun mar1chirte die ganze Arme: in mehreren Colonnen über das Gebirge, Welches dcn Oteizanern die Aussiwi _in das Thal von V1Uatuerte und_die durch dasselbe laufcndc Straße von Pucnta la Rcymr nacb Eitella vsr- wehrt. Gcgsn einige Tranchesn, die sich über cinén o_or Villqiux'rte liegenden Hügel binzogen, wurden auf zwci bbbercri L_vaobxn Geichuße aufgestellt, und die Royalisten bcgabcn sicb bald eifrig auf 'die Flucht. Nun wurde aus denselben Batterie'n rin [)eftigrs Fruer ausillatucrie eröffnet Und das hartnäckig vertbeidigte Dorf crstnrmi. Dcr Gommi- stab stieg den Berg hinuntcr, über7chritt den Thalgrund und stellte sich bei Murillo auf, während ge'gcn die recbts oberhalb Viilatuxrte br ndlichen Woinberge ein heftiges Feuer eröffnet Wurde. Die Jagrr erxürmten auch hier einige Traurbsen rbns allen Verlunst- Ws es dunkelte, wurde zum Aufbruch geblaien, und die ganze Armee „ubernacbiete in dem kleinen Lorca an der Clwussce uncl) Pucnta 1a Reytia. Am andern Morgrn begann der Kampf iki den genannten" Wembérßcn oberhalb Viilatuxrie wieder, während dEr Generalstab iibcr MUMM) weitrr üb?! das Gebirgs bis zu einem Punkte ruckte, wo wan _iani'mt- liche Positionen der Carlistcn vor fick) lyatte. Si? lagen "]ensejt k!"?s Thales mit sehr durchschnittenem Erdboden auf, einem Hopenzuge, der von Viüatucrte sich bis learzuza [)inziebt. Beim lstzteren Dorfe be- ginnen die Amezcuas, déren äuizersie, " das Tixcck grgrn Norden schlie- ßende Vorberge ebenfalls mit Laufgraben berieben warczi.

Es wurde von verschiedenen Stellen eine „heftige Kai1otiade gcgc-n einzelne Pimkie diessr einm drei Meilen langen, Linie vroffnct und nacl) Zittag die Dörfer Grvxrc, etwa. 111 der Mitte der Linie gelkgrn, uud Abarzuza ersturmt. Die Gaza- dores hatten bei dieser Gekgenchii nur drei Vérwundrte. Troß diescr schönen Erfolge sal) Con „cr dm ganzen Tag nber sehr verdrießlicb aus, gerade wie das Wetter, das von 3 Ubr gb die Fort- setzung der Operationen unmöglich machte., 2116 Grdcie genommen War, begab sich der Generalstab ins Thal hinunter.. Die Nacht wiirde in Abarzuza zugsbracht, in nächster Nähe “dcr Cgrltsteii. Am drtitcn Tage zog Concha mit seinem Stabe sichtlich mxßmmbig aus dem v'on einigen Soldaten in Brand gestecktbn Dorfe aus, anderie'uocki im Orte selbst die Anfangs gewählte Rtébtrxng und begab sich "1,6 Thai wo er der schwierigen Stcllnng von Cams de Myras gegenuber sicb aufstellte, Während Infanterie links die Vorhohcn der Amezcuas säuberie, obne die dort liegrndcn Dörfer Jrunela und Azcona zu nehmen, batte fich die gesammte ArtiÜerie 1m„T[Zalaufgest'cÜtund begann ein heftiges chbardrment gegen die m _der Mitte des Gebirgßzuges errichteten Laurgräben. _ Es war eme Feuerltme von mindestens einer Meike“. Die Carlisten“ antworteten mit, furcht- barem Schucheuer. Etwas nach 2 Uhr ruckte die Jnfanterre zum Sturme gegen die Trancheen oberhalb Abarzuzas und Casas de Mßras vor, und es entbrannte nun ein furchtbczrer Kampf, der auf beiden Seiten mit unbestreitbarer Bravour gefuhrt wurde. Aber die Weser- ven lie en es an wirksamcr Unterstutzung der Gueriklas (ist bte_r der technis e Außdruck) fehlen, und die einzeln veriprengten Leute, di_e bet den Trancheen anlangten, wurden yon der Ucbermacbt leicht bewaltigt uud erschlagen. Vor dem SelmeÜfeuer ichrxwlxen ggnze Cowpagmen zusammen. Deu Verwundeten schlugen die Royalisten, mrt Kylbcn die Schädel ein. Eine Compagnie des Schußen-BatarilouZ C1tella

wurde u.nzingxlt und mit dem Bavonneie umgebracht. Gegen 7 Uhr stellte fick: Concha, von nur einem Miigliede des General- stabes begleitet, an die Spiße dreier Comvagniesn und ging gogen dic Trancheen vor. Eine Kugel kraf ihn in den Unter- leib. ,:Jch sterbe an drr Sviße der GucriÜaS', war skin letztes Wort. Er wußt:_scbr wohl, _daß die Zak)! dcr Trupven zu klein War, um Zugleich dle Rückzugsimie zl_l ichüßen und den Sturm gegen die furcht- aren Befestigungen auIzuxühren. Er hatte, von Madrid aus ge- drängt, schweren Herzcns das Unmögliche unternommen. Zwei Tage lang waren die Truppcn ol)nc j.glich€ Zuiuiw grwcien, da die Pro- viantwagrn durch das Schn€l1feucr der Carlisten von den Höhen über Viklatuerie aus an der Ueberichreitnug drr Chaussee gehindert wurden. Sofort nach der Einsteklung des Feuers begann der von Echague kom- mandirte Rückzug, der von den Carliitcn von ihren zahllosen Tran- cbeen aus beunruhigt wurde, bis die Nachbar die Höhen von Laraga erreicht hatte. Die Vcrwundeten wurden mir nach T4fa11a geschleppt. *Die Vsrluste berechnet man einstweiién auf 2000 Mann. Die Car- listen „l)abkn aUcr Vermuihung nacb auch stark gelitten. Dcr Rückzug ging in guter Ordnung vor sich, und _ertc Morgen steht schon die ganze Armee in Larraga, Lorin und Tasalla.“

Schroeder! und NorWegeu. Stockholm, 2. Juli. Gesiern Abend reifte die verwittwete Königin Josephine mittelst Extrazuges nach Christiania, wo kIhre Majestät sich bis Anfang August anfzuhalien gedenkt, und wo man U. A. drn 50jährigen Gedenktag ihres ersten Besuchs in Norwegen festlich begehen wird.

_ Die dänischen Offiziere Oberst Good, Ober-Inicndant Kapitän Gorm und Kapitän Le Maire haben, der „Snällpoft“ zufolge, in diesen Tagen auf der Reise nach Jönköping die Skadi Malmö pasfirt Und gedenken den Feldübnngen in Westgdiland beizuwohnen. Außer diesen Und den bereits früher angekommenen dcntschen Offizieren wird das Uebungs- lager anck) vom französischen Militär-Attaché in Stockholm Mar- quis Le Mulier, sowie vom norwegischen Oberst-Lieutenani Dahk u. m. A. besucht werden.

_ Der Vize-Polizeidirekror Oldrnburg aUZ Kopciihagen ist am Dienstag in Stockiwlm angekommen, wo er fick), wie „Afwnbladet“ meldet, mit der Einrichtung des Polizeiwesens bekannt zu machen gedenkt.

_ Die sripvcdisclx Corvette „Norrköping,“ welche in Veranlassung des bevorstehenden Tairsetidjahrfestes nach Island zu segeln beordert worden ist, soll, dem „Dagh. NN).“ zufolge, nicht vor dem 26. Iiili im Hafen bci Reykjavik ein- laufen, weil ste bei den Faroerinseln dic Ankimst des dänischen Geschwaders abwarten solX.

Christiania, 2. Juli. Die Königin-Wittwe kam hier um 11 Uhr an und wurde am Bahnhof von den höchsten Civil: und Militärbehörden dcr Skadi empfangen. Der Bahn- bof sowie der ganze Weg zum Schlosse war aufs Festlichste ge- schmückt. Eine große begeisterte VolkSmeUge streute B(Utnen auf der ganzen Länge des Weges.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Berlin. In dcmiorbcn erschienenrn 111. Heir dEr Z cbrifien des Vereins für die Geschichte derSiadt Berlin, Brrlinische Nachrichtexi von L. Schnridcr (Vrrlag der Königlichen Gel). Ober-Hofbuchdruckerei (R. ». Decksr) in Berlin), wrrdm die im 8. Heft begonnenen erliner Nachrichten aus dem );1/1. Jabrbunderi forigeir'lzt, Dcr Vcrfassrr sagi bisrüber: „So erzcbcint denn bier gesammelt, was ich eigcnjlick) tür unicrn Vcrein g§1chris_bcn, noch ehe derselbe zusammengétrcten war. Eine Erinnerung Tür Dix ultra, Mit- glieder, _ cin Brwris meiner aufrichtigen Ergrbcnbcit fUr die Zwecke des Vereins, _ ein Dank für das mir entgegcngctragcne Vertrauen in mcine Amtsführung, _ vielieirbr bald ein Lindenkrn.“

' _ Aus Ilmenau traf die Kunde yon drm dorf am »1.d."Mts. Abends erfolgikn Tod des Prsfcffrrs und Königlicbcn Kammrrsangers Eduard Maniius bier ein. Der Veiirorbene gehörte eirze Reibe von Jahren hindurch der Kbniglirixn Oper an, imd bai spgter ,als LCOrEr dcs dramatischkn Geiangrs fick) in drn weitesten Kreijen LMM ehrrnvollen Namen crworben. _ * " . _

_ Franz Bendel, dcr ialsnivollk: und geßcbaßie Pianist (Schüler LäßtS), aurb als Komponist bekannt, ist am 3. d. M. hier versiorben. _ _ _ _“ _

_ Das 6, Hcfi dsr „Zeiticbrisr “silk drnticbe Kultur- geschiche“ (NSU? Folge, 111_J.11)rgch1ng), [)?räUM?gch*bkt_1_VOU Dr: J. H. Müller, Studienratb, (Hannover, 111 Kommxifibn ber Carl Meyer), bai folgkndcn Inhalt: chm Fran-xnbriese des )(7._ck(71. Jahrhunderts. Lins dem Nachlaß des Dr. jur. Emil Rorszlkr, weiland Bibiioibckars zn Sigmaringen, Mitgctbkilt von C“. Dümmicr. _ Dic chcnsweiis Des OSriabriickjchn Adels im 16. Jabrbundcri. Von Hrrmann Harinmnn. _ Yns dcm Gedenk- bUck) dcs Hörmann Wsinsbcrg. Von L.Enncxi (Forlicßung). _ Bilder und Sprücbe auf den Fcldzcicbcn kuriächsiicher Regimemrr Wahrend des dreißigjährigen Krieges. Von K. G. Helbig. _ Bkccbrrichau: Geschichte der Sckiwarziriaidcr JndUstrie. Von J. B. Trenkle. _- Buntes: Cin Schwindler zu Nürnbrrg im Jahre 1430. Mitgetiwrlt von Dr. Kerler. Kinder-Prcdigtrn am Ende dcs ischszelwtcn Jabr- lunderts,

) _ Am 24. d. wurde das an Stine des am 12. August 1870 niedergebrannten Goeibe[)äuschens.in Ilmenau auf dem Klckél' habne auf der alten Grundmaurr mit Veyuizung der ge:ettetc11Ue_ber- reste sorgfältig nach Form und innrrcr Ctnxixbtung nxucrbaurs Hairs- chru als ein Denkmal für dic1e gewcibiexStatie cmgsweibt; _

_ Das Denkmal, ivelibrs die Straßbrnqer Barack ihren während des Bombardrmrnts gestorbenen oder. 111 Folge dcssclbsn g.s- fallknen Angehörigrn im boiauiicben Garten errickztct liabcu, ,ist leßtbin drr städtischkn Behörde übergeben worrrn, unior gletcbzeiixgcr Urbar: Weisung des Übrrschirßcndsn Goldes znrn Jnsiandbqlicwxssj«lch. Wer der Enthüüung diSsCS Dinkmals hat eme Jeicrlrwicttkosxcntxltrbcr Art nicht stattgefunden. Dasselbe besicbt'aus eimm niZckUigrn “Sarkophag aus iVCißLm Sandstein, welche eine 1,7" Rccbikck gsiiiiyrte Mauer, reren Vordere Scite gcöffnct ist, aus glsicbcixi Material in_durÖbrochc'nrr Arbeit umgirbt. In der Mitte der_Hmtxrwand dicier Mauer zu Häuptcn des Sarkophags iir eiiie grbße Tussi von schwarzenx Marmor angebrarbt, Welche in Goldichriit die Jabrsözabl „870 tragt; uber diese Zahl ist ein in mattem Grau gxbaltcprs Palmblati ausgebreitet. Zu beiden Seiten des Sarkophags find innerhalb 'der umgebenden Mauer Blumenanlagen angebracht.

Landwirthfchaft.

Der Verein Berliner Kaninchenücbter wird zu Stealisz vom 16. bis 20. Juli 1874 im Loffowschen tablissemcnt, Breite Straß: 14, eine Kaninchenausitellnng mit Markt vsrgnstalkcn. _ _ Ueber die Ausbreifung und den gegenwartigen Stand der seit vorigem Herbst in den Niederlande)) betriwenden Lirngen_seuche macht die Königliche Regierung zu Duneldorf im _Amtsblatbwlgxade amtliche Mittheilungen zur Nacbacl)turig_ :mmcntlzch fur die Bieb- besitzer und das beim Viehhandel bethetltgtc Publikum bekannt. Von der Lungenseuahe wurden bxsallen: . . v. 22. Marz v.19.AVril v, 17. Mai Provinz. b.]8.Apri|. b.16.Mai. b.13.Jugr. in Nordbrnbant . 2 Stück 1 Stück 8 Stuck in Südholland . . . 44 , 48 , in Nordholland, . . 13 27 in Utrecht , . . . 45 29 in Friesland. . . . 181 149 in Gröningen . - 2 3 in Drenthe . . . . _ 6

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