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anderen Zweige der StaatsverWltuna gam andere giößere ueber- schüsse abliefern. Wir sind also konsequent in dieser Politik geblieben; aber einfach zu sagen: in der Zukunft sollen Mebrüberscbüffe der Eisen- bahnen überhaupt nicht mehr zu StaatSzwccken verwendet werden, _ das ist ein mechanischer Saß, der unter keinen Umständen gehalten werden kann und auch nicht gehalten werden wird. Nach den Aeußerungen des Herrn von Eynern scheint ja eine so große Meinungsverscbieden- beit, nicht vorhanden ,zu sein, aber ich glaube doch als das Resultat dieser Debatte feststellen zu können, daß die aus dieser, wie die Herren glauben, übermäßigen Verwendung von Eisenbabnüberschüffen zu allgemeinen StaatSzwecken gegen den Finanz-Minister hergeleiteten
Vorwürfe gänzlich haltlos und bodenlos sind. (Bravo! r€chts.)
, Nbg, Lüders-Gronau (fr. kons.) bittet den Minister der 5 e t- heben Arbeiten, seine Hximatb mit einigen Eisenbahnlinien ztftf 0e-
denken. Abg. Dr. van der Vorght (nl,): Der Finanz-Minister fragte
mich, ob ich 25 0/9 Zuschläge zur Einkommensteuer bewiaigen oder
Schulden machen wollte. Ich habe aber gar ni t verlan t da (»?Üenbabnuberscbüffe an die allgemeine Staatsveéwaliung gnicbt ßabxei; fuhrt werden sollten, sondern nur, daß eine gewisse Grenze festgesteüt werde. Jcb-muß auch anerkennen, daß der Finanz-Minisier im leßten Etgt bejcherdener gewesen ist. Eine Uebersicht über die Ueber- schuffe “habe ich vom Jahre 1882 an verlangt. Soweit reichen aber dre Netio-Etats nicht; Der Finanz-Ministkr Hat sich gewisser- maßen entschuldigt, da „er ube_r_ diese Dinge reden müsse, und er hat gxmeint, dgß xr nur ur die jungeren Mitglieder spreche. Ich kenne dtesz Verbaltmss-x seit Jahren, seit meiner Studienzeit, und kann nicht dafmÄbkzaß vieh niÜt scihon ftZTr bbi? gewesen bin. . ot) rn m: ae nur vonSle bauen ' schwereren Schienen und einer größeren Zahl von Schelxxi glxsproÖXrX ck verlange nux Waggyns bis zu 50 b. Der Miniftyr onte diese Vorschläge doch m Erwagung ziehen. Der Cisenbahn-Minister scheint
nur die Kanäle ausbauen zu wollen. Minister der öffentlichen Arbeiten Thielen:
. Meine Herren! Der Herr Abg. von Arnim und ich scheinen uns beiderseits mißverftanden zu haben. Ich habe vorausgeseyt, daß die Vorschlage des Herrn von Arnim fich im wesentlichen d(cken würden mit den Vorschlägen, die vor einiger Zeit in der .Kreuz-Zeitung“ enthalten ge- wesen sind. Herr von Arnim hatte von einer breiten Spur allerdings nicht gesprochen, aber diese auch 111cht auSdrücklicb verneint. Ich habe auch nicht gesagt, daß in den Kanälen allein das Heil zu suchen sei, sondern gestern und auch heute nur der Meinung Ausdruek gegeben, daß man die Eisenbahn erweitern und daneben die Kanäle auch ausbauen müsse. (Fs kann durchaus richtig sein, daß man neben den haupt- sachlich für Personenverkehr, Stückgutverkehr und SchneUzug- vkrkebr bestimmten schwer belasteten Linien noch besondere Linien fur den Maffengüterverkebr herstellt. Das ist auch die Vor- ausseßung für manche Maßregeln gewesen, die getroffen worden sind und die noch in Zukunft getroffen werden sollen. Das ist auch im vorigen Jahre ziem1ich ausführlich sowohl in der Budget- kommission wie im Plenum des hohen Hauses erörtert worden bei (Gelkgenheit der Vorschläge, die zur Beseitigung der Vetriebßunfälle und der Betriebsstörungen für zweckmäßig erachtet wurden.
Ich habe mich hauptsächlich gegen die Vorschläge gewandt, die darauf ausgeben, einen neuen Typus von Spur und einen neuen Typus von BetriebSmitteln herzustellen. Den neuen Typus von Spur läßt Herr von Arnim, wenn ich ibn richtig verstanden habe, ja bereits fallen; er bleibt aber “dabei, es möge erwogen werden, ob nicht durch Her- stellung eines neuen Typus von Güterbabntvagen wesentliche Vorzüge gegenüber der jeßigen Transportart geschaffen werden könnten; er wolle dahingestellt sein lassen, ob, wenn ein schwerer Typus von Güterwagen eingeführt werden sollte, dann auch eine Veränderung des Oberbaues, sei es in seiner Spur, sei es in sein" Konstruktion, als gegeben zu erachten sei.
,Die lthere Frage will ich zur Zeit nicht weiter berühren; es würde ihre Beantwortung ja eine technische Prüfung zuvor nothwendig machen. Ich will mich nur darauf beschränken, hier nochmals auSzufübren, daß die Schaffung eines neuen Typus von Gütkrwagen an und für sich sebr bedenklich ist; die Verwendung eines solchen neuen Typus ift im großen Verkehr immer mit außerordentlieben Schwierigkeiten verbunden. Sie müffen bedenken, je mehr Individuen wir im Wagenpark sc'saffen, desto mehr Betriebsbewegungen müssen wir machen. Denn jkdes Individuum muß als solches bei den Rangierbewegungen auf eine besondere Seite gestellt werden. Während wir es jest wie kein anderer Staat glück- lich erreicht haben, daß wir einen einheitlichen Wagenpark zur Ver- fügung haben, der überall gebraucht werden kann, wenn auch die 15 Tonnen- Wagen, wie ich vorhin schon außzufübren mir erlaubte, in sehr vielen Fällen, namentlich bei der landwirtbscbaftlicben Industrie, nur ungern genommen werden, so würde die Sache doch ganz anders werden, wenn wir statt der 15 Tonnen-Wagen auf 30- oder 50 Tonnen-Wagen kommen. ,
Die Vergleiche mit Amerika passen für uns nicht, weil die Amerikaner diese schweren Wasen auf Routen eingestellt haben, die ganz einseitig für den Maffenverkehr benußt werden und zwar für die großen Getreidetransporte, die, von den Seen herkommend, nach den Häfen bewegt werden. Da war die Einführung eines großen Typus berechtigt, um die Selbstkosten zu ermäßigen. Rückfracht haben "diese schweren Wagen sozusagen garnicht. Auch bei uns würden sie keine Rück- stacht haben. Eine Ladung*für einen 30-, 40-, WTonnm-Wagen bei einem einzelnen Absender würde an fich eine Außnabme sein (sehr richtig !), abgesehen davon, daß auch auf den meisten Anschlußgieisen und Anschlußbabnböfen der industriellen Etablissements, die hauptsächlich in Betracht kommen, Schwierigkeiten entstehen würden. Der einzelne Befrachter, der einmal eine Ladung Weizen oder Mehl erhält, kann von den schweren Wagen nur in äußerst seltenen Fällen Gebrauch machen, aber auch der industrielle Verfrachter kommt mit aüen seinen Einrichtungen und Anlagen gegenüber einem solchen Wagen in äußerste Bedrängniß. Er kann das schwere Thier nicht bewegen, er muß so *und so viel Mann mehr einstellen, um den Wagen von einem Gleis auf das andere rollen zu können, er muß sich schwerere Maschinen an- schaffen, er kann nicht unter die Ladebühne kommen mit den schweren “Wagen, er muß die Anlagen umbauen, seine Wiegeeinrichtungen paffen nicht für alle diese Dinge, und schließlich kommt er auch mit den Ab- nehmern fortwährend in Bedrängniß, sodaß schon aus diesen rein wirtbsebaftlicben Gründen, abgesehen von den Eisenbahnbetriebögründen, es nirklich nicht zweckmäßig" ist, neue schwerere Typen für die Betriebs- mittel einzustellen.
Ich darf mich vielleicht hier auf England berufen. Ich habe in der Kommission schon ausgeführt, daß wir uns die englischen Verhält-
Ortundskikenoömalk Üar vorAugm gestellt haben.
hat aber noch 4 bis 5 bis 6 !*.-Wagen und kutschiert' daniit berum. Wenn wirklich soviel mit schweren Wagen zu verdienen wäre bei den Massentransporten _ und darum kann es sich doch „immer nur handeln _ würde der Engländer sich längst dazu entschloffen und ein anderes System von Betriebs- mitteln eingeführt haben. Das ist aber nicht der Fall. Auch in anderen Ländern mit Außnabme von Amerika ist man nicht dazu über- gegangen. Selbst ein Land, welches vielleicht auch dazu geeignet wäre, Rußland, ist nicht zu diesem System übergegangen, Wenn Rußland auf der großen sibirischen Bahn derartige schwere Wagen einführte, würde ich das begreiflich finden; es würde seine großen Maffentransporte _ als da sind wiederum haupt- sächlich Getreide _ vielleicht billiger mit großen Wagen befördern können. Der offéne Güterwagen ist bei uns ein „Mädchen für alles“; der Wagen, welcher heute der Landwirtbscbaft dienen muß, um Rüben zu verladen, dient morgen dazu, Kohlen und übermorgen, Roheisen oder Fässer zu befördern _ kurz, der Güterwagen isi „Mädchen für alleß'. Nehmen wir ibm diese Eigenschaft, so, glaube ich, dienen wir nicht dem allgemeinen Vekebrsinteresse; wir schaffen neue Individuen, die aber nur sehr beschränkt verwendbar sind in dem großen Verkehrshaushalt.
Meine Herren, die Belastung .der einzelnen Achse ist bei uns ungefähr dieselbe wie bei den Amerikanern. Das würde an und für sich noch kein Motiv sein, um einen schwereren Oberbau zu machen. Es kommt immer nur darauf an, wie schwer die einzelne Achse belastet ist, und dafür haben wir in den Bundeßratbsvorschriften ein bestimmtes Maximum; das find in der Regel 721 b und kann herausgeben bis 8 i;. Dieses Maximum wird von den nkueren Maschinen regelmäßig außgenußt, von einem Theil der neueren Wagen ebenfalls. Dafür ist unser gegenwärjiger Oberbau Vollständig ausreicbknd, auch der Oberbau, der nur Schienen von 33 kx pro Meter hat. Meine Herren, er wird aber nicht mehr außreicheu, wenn auf den Geleisen große Lasten mit großer Geschwindigkeit gefahren werden müssen. Dann tritt aller- dings die Frage ein, ob es nicht zweckmäßiger ist, einen schwereren Oberbau zu wählen, wenn mit Gescdwindigkeiten, die noch über das jeßige Maß hinausgehen, gefahren werden soll. Daß wir die jetzige Geschwindigkeit auf unserm jeßigen Oberbau fahren können das beweisen wir Ihnen alle Tage, und ohne Gefahr fahren können, darüber sind unsere Techniker vollständig einig; ob es aber aus ökonomischen Gründen richtiger ist, allmählich auf den schwer- belafieten, mit großer Geschwindigkeit befahrenen Linien aucb schwereren Oberbau einzuführen, dariiber sind wir auch einig (sebr 1ichtig!), und nach der Richtung gehen wir vor. Wir können das aber auch nicht auf einmal machen, sondern müffen uns nach der finanziellen Lage des Staates strecken und machen es allmählich.- Wenn wir die koloffalen Kosten auf einmal ausschütten wolkten, würde das eine Störung im allgemeinen Staatshaushalt verursachen. Das dürfen wir nicht thun, und ich meine, unser Vorgehen hat auch im aUgemeinen die Zustimmung des hohen Hauses gefunden. Daß die Herren das Tempo ein bischen rascher wünschen, finde ich sehr be- greiflich. Auch ich habe manchmal diesen Wunsch, muß mich aber nach den allgemeinen Rückficbten auf den Staatshaushalt richten. Deswegen bin ich der Meinung, daß es wirklich nicht im Jntereffe der Verkehrsinieressentcn und namentlich nicht im Interesse derjenigen Interessenten liegt, welcbe Herr von Arnim seinerseits in erster Linie vertritt (Znuf) und auch ver- treten muß. Für die landwirtbscbaftlichen Interessen paßt es am aÜerwenigften. Eber wird sich vielleicht noch die große Industrie damit befreunden können. Aber ich glaube, auch bier wird er im allgemeinen Widerspruch finden. (Sehr richtig! bei den National- liberalen.) Ich beziehe mich auf die Vertreter der Industrie oder die- jenigen Herren, die den Verhältnissen näher sieben; fie werden mir außnabmelos in dieser Frage zustimmen. (Zuruf des Abg. von Arnim: Bloß Kanäle!) _ Nein, Herr von Arnim, nicht bloß Kanäle, sondern ich bin auch sehr dafür, daß wir dritte und vierte (Gleise anlegen, um sie ausschließlich für den Maffengüterverkebr zu benutzen. (Sehr gut!) Es fragt sich nur, ob wir damit auskommen, und ob es nicht ökonomisch richtiger ist und dem Verkehrsintereffe mehr entspricht, wenn wir im gegebenen Falle anstatt oder daneben auch Kanälx bauen, die in der Lage sind, große Massen zu bikigeren Selbstkoften zu befördern, als die Eisenbahnen. Aber, wie gesagt, darüber werden wir uns noch sehr eingehend im hohen Hause wie in der Kommission unterhalten. Ich werde mich sehr freuen, wenn ich namentlich in der Kommission, der jedenfalls die Sache überantwortet wird, mit Herrn von Arnim noch eingehender diese Frage erörtern kann. (Bravo !) Abg. reibkrr vonE natten entr. be Yerfügunnges Ministers b?züglich deLZEisethabtxZFnesxxterhdkrbxxrabdx raver, nach der auch für jede kurze Strecke 50 «! gezahlt und das Rad vom Pgffagier an den Gepäckwagen gebracht werden müsse. Die Paffygiere hatten auf kleineren Stationen kaum Zeit, das Rad ab- zuliefern und auf der) fich sckkou in BeMgung seßenden Zu zu schwingen. Die bisherigen Best mmungen genugten in der Reg . Minister der öffentlichen Arbeiten Thielen:
Meine Herren! Der Verkehr mit Fahrrädern hatte für die Eisenbahnen Dimensionen angenommen, die einen regelrechten Be- trieb an manchen Tagen und auf manchen Strecken von manchen Stationen aus nicht mehr möglich machten. Am schlimmsten war es gerade in dem Bezirk des Herrn Abg. von Eynatten, also im Kölner Eisenbahn-Direk:ionsbezirk. Da kamen zu den Schnellzügen 100 und noch mehr Fahrräder im leßten Mpment und wollten expediert werden. Meine Hsrren, es ging einfach nicht. Die Eisenbahn- verwaltung mußte also zur Beförderung der Fahrräder Stcllung nehmen und hat das gethan. Sie hat allgemeine Bestimmungen er- lassen, in denen aber schon von vornherein vorgesehen war, daß auf Grund der Erfahrungen Aenderungen Vorgenommen werden könnten. Die sind denn auch im großen Umfange bereits eingetreten. Ursprünglich waren generell die Schnellzüge auegeschloffen für die Be- förderung der Fahrräder; es hat dann eine Revision der Verhältnisse stattgefunden und es ist für eine sehr große Zahl von Schnellzügen die Befördcrung der Fahrräder freigegeben worden. Es sind auf jeder Route mindestens 2 Schnellzüge an jedem Tage freigegeben, in manchen Bezirken Noch mehr. Es ist auch dazu eine eigene Karte
„nisse, namentlich für den Maßentransport neuerdings ganz genau an
_ _ Dq Wen- wir denn die Erfahrung gemacht, daß der praktiftbe Engländer mit seinen koloffalen Maffentrausporten an Kohlen und Erzen, “an Rob- eisen und was da ist, noch'nicht einmal dazu übergegangeniist, durch- schnittlich Wagen von 10 t- herzustellen, sondern von 7 bis 8 b; er
jemand
als solcher sein Gehalt.
räder'b ordert weibeskonkiem'? "'S“ detZeitfindmieM
ich s-ZFlcbe aus der Presse entnehmen könnyi. erner wax vorgeschrieben und ist auéh no vor : rießen,
erren Radfahrer ibre Räder selbst an den Géväcktßasxn zu 11:17;ng baden, auch die Damen. Meine Herren, das ist aber auf ausdrück- lichen Wunsch der Herren Radfahrer geschehen, die ihr kostbares Stablroß nicht jedem beliebigen Gepäckträger «anvertrauen wollten. Ich kann Herrn von Eynatten versichern, daß wir in der Beziehung von den Radfahrern in überwiegender Zahl belehrt worden sind, daß sie das wünschen. Er braucht es aber nicht selbst zu thun, er kann jeden Gepäckträger damit beauftragen (ZurufZ Gegen ein Trinkgeld!) _ ja, umsonst thut überhaupt niemand was mehr, Herr von Eynatten: (Heiterkeit.) -
Herr von Eynatien, wenn Sie einen Ko er aben, 5an i Gepäckträger Ihnen in Köln auch nicht umsofxst 2:1 die BLnßntkteiT dem Koffer hat er weit weniger Last als mit dem Fahrrad, das muß er sorgfältiger behandeln. Wenn Sie ibm dafür ein Trinkgeld _ ich nenne es eine Gebühr _ geben, so ist das meines Erachtens ganz in Ordnung, aber infolgedessen sind die Verhältnisse jedenfalls im In- tereffe der Radfahrer sehr viel beffer geworden wie früher, und “es hat fich aamäblich ein ganz geordneter Verkehr hergestellt. .
ch möchie glauben, daß- die Herren Radfahrer verpfiickotet find, auch auf die allgemeinen Verkehrsinteressen einigermaßen Rücksicht zu nebmey, und wenn das geschieht, werden wir uns gegenseitig ganz gut mti einander vertragen, und ich bin fest überzeugt: von den Be- schwerden werden wir nach Jahr und Tag nichts mehr hören; es wird alles ganz gut gehen, und in dieser Hoffnung dürfte ich mich demnächst auch mit Herrn von Eynatten in Uebereinstimmung befinden.
Abg. Dr. von Iazdzewski ole bes wet üb
ZYFFJZÉFÜM bleistißem ASébxiteleblesenéBexlinfiYnd ZFUW ne o nt en r s,
der Journalistentribüne unverstäxid1irch. e t aber im Einzelnen auf
Minister der öffentlichen Arbeiten Thielen:
Meine Herren! Ick) möchte dem Herrn Vorredner zunächst auf den letzten Punkt antworten. Der Weichensteller Jaroöz ist ein ebr- licber Deutscher (Widerspruch des Abg. Dr. von“ Iazdzewski), der sich aber polonisiert hat und aus .sch“ ein „R' gemacht bat. (Heiterkeit rechts und bei den Nationalliberalen.) Seine LebenSges-bichte kennen wir ganz genau. Er ist ein Deutscher, spricht deutsch, seineKinder stud Deutsche. Aufwelchem Wege er dahin gekommen ist, daß er seine Kinder aus dem deutschen Unterricht weggebracbt hat und in den polnischen Unterricht (hört, hört!), das kann ich nicht untersuchen; darin haben aber die sämmtlichen Vorgefeyten und auch ich den Beweis gesehen, daß der Mann auf seine deutsche Herkunft, auf sein Deutschtbum nicht den allermindesteu Wert!) legt. Infolge dessen legen wir auf sein ferneres Beamtentbum auch keinen Werth. (Lebhaftes Bravo! rechts und bei den Nationalliberalen.)
Was dann die ferneren Klagen des Herrn Abg. 131“. von Iazdzewski betrifft, so können wir auf den Gebieten uns schon eber verständigen. In jedem Bezirk giebt es gute Wagen und giebt es schlechte Wagen. Dem Herrn Abgeordneten ift das hier auch schon aus dem hohen Hause ja während seiner Rede zum Anadruck gebracht worden. Es ist ja natürlich, daß die großen, interna- tionalen. Wege mit besseren Betriebömitteln aUSJestattet werden, als wenn man auf die Seitenwege kommt. Aber das Ver- hältniß der guten Wagen zu den minder guten ist von Jahr zu ;Iabr entschieden sehr viel besser geWorden. Wir rangieren jedes Jahr' soviel alte Wagen aus und ersetzen sie durch neue, sodaß aUmäblich der Zustand jedenfaUs sehr viel beffer werden- wird. Ich habe den Herren schon gesagt _ ich glaube, gestern oder vorgestern ist es gewesen _, daß wir in diesem Iabre noch 1265 neue Personemvagen bekommen, und davon wird der Direktionsbezirk Posen auch seinen Theil be- kommen. Ick hoffe, mit!) davon zu- überzeugen, wenn ich in diesem Frühjahr oder Mai mal durch Posen komme, daß der Zustand steh in der Beziebung schon gebessert hat. (Abg. Dr. von Jazdzewski: Sehr schön:!)
Was nun die Zugverbindung anbetrifft, so“ kann ich im einzelnen darauf nicht antworten. Ich möchte um: dem Herrn Vor- redner bemerken, daß der Schnellzug, den wir eingeführt haben in Posen, auf dringendes, mehrere Jak)“ langes_ Bitte'n der Provinz, eingeführt wovden ist, und auch in seiner Lage mit den Vertretern der Provinz, der Stadt Posen u. f. w. besprochen und festgeseßt worden ist.
Ob es nun möglich-sein wird, den einen oder den anderen der Wünsche, die der Heerorredner mit Bezug auf den Personenzug- fabrplan geäußert hat, zu erfüllen, das zu untersuchen, bin ich gern bereit. (Bravo!)
Abg. Dr. von Jazdzewski: Der Arbeiter ist ein Pole von Geburt, er hat selbst über seine Zugehörigkeit zu einem Staate zu entscheiden-
Miniswr der öffewtlichen Arbeiten Thielen:
Meine Herren! Meine Angaben gründen sich auf den Bericht, der mir von meinem Beamten in der Beziehung erstattet worden ist,. und der hat außdrückliob bekundet, daß der Mann ein Deutscher" ist, deutsch redet, daß seine beiden Kinder deutsch reden, in der deutschen Elementarschule bisher gewesen find n!. s. w. Natürlich habe ich ja keine Gewalt darüber, zu welcher Nationalität sicb irgend bekennen will; das steht ihm vollständig sui.
Aber, meine Herren , darüber muß ich mir doch auch
ein Urtbeil zumeffen, ob ein deutscher Beamter bei einer derartigen Verleugnung seiner Vergangenbeit deutscher Beamter bleiben kann oder nicbk. So verbä'st sich die Sache und nicht anders. Im übrigen ist der Mann war nicbj mehr Weichenstelle“); er wird aber nach wie
vor als Streckenarbeiter in demselben Bezirke beschäftigt Und bezieht
(Hört, hört!)
Ab . von Riepenbausen (kouf. : Das Wa enmaterial an den öftßichen Bahnen läßt sebr zu wiZnschen übrig,9 namentlich itx ommern auf den Nebenlinien. Auf den uptlinien ist das aterial aüerdings besser. Könnte der Miniter nicht die Linie Dirschau-Stettin-Hambur mit einem zweiten Gleise versehen? Die Beleuchtung der Eisen abnwa en barrt noch immer der ver- sprochenen Verbesserung, ebenso die Heizung in den V-Zügen. Minister der öffentlichen Arbeiten Thielen:
Meine Herren! Mit der Legung von zwei Gleisen auf den von dem Herrn Abg. von Riepenbausen bezeichneten Strecken werden wir allmählick; vorgehen; aber zu einem beschleunigtereu Tempo liegt ein Verkehrsbedürfniß zur Zeit um!) nicht vor.
Was die Beleuchtungsfrage anbetrifft, so ist die Beleuchtung
angefertigt worden, aus der ersichtlich ist, mit welchen Zügen Fahr-
für uns prinzipiell entschieden. Wir werden in Zukunft die Personen-
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aus den Kreisen der Radfahrer persönliéb nicht xügegangen, noch hake *
“ züge „yu ';Acety'„_z""lengas 5eleuchtxxt und baden auch schon “.alle Vor- "bereitii'uaeu daiu getroffen: 18 Anstalten sind schon eröffnet und bis
smn Herbsi w'erden noch 45 eröffnet sein. Wir werden also in großem Umfange mit der Beleuchtung mit Acesylengas vorgeben können. -
Was die Hsizung der O-Züge angeht, so ist auch in dieser Be- ziehung eine Verbkfferung der Einrichtungen bereits in der Ausfüh- rung begriffen.
Die Generaldißkyssioß wird geschlossen.
In der Spezialdtskusston uber die Emnahmexi aus dem Personen- _und Gepäckverkehr referiert Abg. Moller (nl,) über Petitionen um Aenderung der Personentarife.
Die„Petition_um eine Reform der Eisenbahnpersonentarife, namentlich um Einführung der zehntägtgxn Nückfahrkarten und
der Kikometerhefte, bearxtragt die Komm1ss1on, der Regierung als Material zu uberwetsen. , .
Zu dem Titel liegt ferner em Antrag dex Abgg. Wete- kamp (fr. BMW.) und Genossen vor, gegenubex der Staats- regierung die Erwartung auszusprechen, _daß der den Staats- eisenbahnen die AÜSgabe von_ Arbetterxuckfthkarten und Ar- beiterwochenkarten mindestens 111 dem bisherigen Umfange bei- behalten werde.
Abg. Wetekamp empfiehlt die Ausrangierunq der älteren Wagen und eine bessere Lüftung der Personentvagen. Die Reformbedürftigkeit der Personentarife habe der Minister schon vor Jahren anerkannt. Leider habe er ?eft'crn nicht gesagt, welcbe Aussichten die Verhandlungen nnter den eime nen Staaten haben. Was sei eigentlich eine Verein- ,facbun der Tarife? Sollten wir etwa zu der früheren Grundtaxe zurück25ren2 Das sei doch kaum möglich ohne eine Verbilligung der Tarife. Die zusammenstellbaren FabrsÖeinbefte kgmen eigentlich nur den aroßen Städten zu gute. In den kleineren Stadien müsse man fünf Tage darauf warten. Auch die übrigen Personen- tarife seien undurchsichtig und ungerecht zugleich. Die 111.K_1affe bringe jest mehr ein, als die 1. Klasse, die Süße für diese mußten also erhöht, die für die 111. ermäßigt werden. Unter dieser Voraus- seßung “könne die Ermäßigung für den Fernverkehr gam oder theilweise fallen gelassen werden. Dagegen dürfe der Yo'rort- verkehr nicbt vettbeuert werden. ErwägenSwertb ser die Einfuhrung einer gewiffen Staffelung auch für den Personenvexkebr, nicht auf dem Wege der Kilometerbefte, die schwer zu kontrolieren seien, sondern durch Einführung von Landes-Abonnementskarten „nach dem Muster der Schweiz. Bisher habe noY jede Verkehrßerletäzierunq eine Ver- mehrung des Verkehrs zur olge gehabt. Billige Tarif; seien namentlich dcn Geschäftsreiseaden und den Exbolungsbedurftigen zu gönnen, Es sei unbegreiflich, daß gerade dre Rechte sich jetzt so sehr gegen das Reisen erkläre, während fruher den Gesellen das mehrjährige .Walzen“ zur Pfiicbt gemacht war. Die Behauptungen über eine Abwanderung vom platten Lande nach den Stadtexi seren voÜständiq unbegründet. Durch bobe Tarife habe sich n_och niemand abhalten lassen, dorthin zu fahren, wo er bessere Lobnbedmgungen er- warte, :. B. nach Amerika. Durch die hohen Tarife seien aber diese Leute verhindert worden, von dort wegzugeben, wo sie nicht ihre Rech- nung gefunden haben. Billige Tarife ermöglichten unter Mitwirkyng eines organisierten Arbeitönachweises eine bessere Vertheilung der ierbetts- kräfte. Dieselben Leute, die die VerbiUi ung der (Hesellscbaftöretsen der ersten drei Wagenklaffen und die Schü erkarten unbeansiandet lgffen, laufen Sturm gegen die Arbeitergesellschaftskeifen in der „vierten Klasse. Die Arbeiter_- Rückfahrkarten und -Wochenkarten seren izn Grunde nichts als Abonnementskarten. Von diesen Karten werde em außerordentlich großer Gebrauch gemacht. Die Ayfbebung diese_r Vergünstigung würde zur Folge haben, daß die Athener ganz in dre
Städte 35 en und mit dem platten Lande nicht'mebr in Konnex Yieben. m sozialen Jntereffe empfehle 114; also dre Annahme seines ntraaes.
Abg.Krawinkel (nl): Der Personenverkehr auf den preußischen StaatZeisenbabnen hat in den letzten zwölf-Jabren um 57 U/o zu- genommen, in Oesterreich-Ungarn troß des Zynentarifs nur um 9 0/0 mehr. Das beweist daß die jetzigen Tarife der uns den Verkehr nicht aufgehalten baben. Äufkeinen Eisenbahnen der Welt fahrt man billiger als bei uns mit Ylfe der Zeijkarten :c. Die Bänke in der 17. Klasse werden als große * oblthat empfunden. Eine Verbiuigung der Personen- tarife halte ich absolut nicht für nothwendig Der Vororttarif in Berlin wirft für die Finanzen in Wirklichkeit eine:). „Fehlbetrag ab. Die Gütertatife sind bei uns nicht entfernt so ermaßtgt worden, wie die Personentarife. Die amerikanischen Personentarife sind erheblich tbeurer als die (Gütertarife. 80 0/0 des dortiaen Ußberschuffcs rühren von dem Güterverkehr her. So lange die Industrie so floriert wie jest, wäre es eine Sünde und Schande, wenn die Verwaltung nicht eine angemessene Rente aus dem Eisenbahnverkehr öge. Es emvfieblt fick) aber eine weitere Frachterleicbterunq von dem hem und Sachsen nach England. Soklen die Rückfahrkarten bestehen bleiben, dann müssen sie auch 14 Tage dauxrn. , .
Nach 4 Uhr mird dre wettere Berathung auf Freitag
11 Uhr vertagt.
Plenarversammlung des Deutschen Handelstageo.
Jm Hörsaale des in der Ziegelstraße belegenen Langenbeck- Yauses fanden gestern die dieSjäbrigen Verhandlungen des “ eutschen Handelsjages statt. Als Vertreter der Regierung waren er- “schienen: der Staatssekretär des Innern, Staats-Minister Graf von 'Posadowsky- Wehner, sowie die Geheimen Ober-Regierungs-Räthe Dr. Wermuth und Dr. Gruner vom Reichöamt des Innern.
Der Geheime Kommerzien-Natb Frenßel (Berlin) begrüßte die zahlreich erschienenen Mat lieder des Deutschen Handelstages und brachte auf Seine Majeßtät den Kaiser und König ein Hoch «us, in welches die Versammelten dreimal begeistert einstimmten. Derselbe "gedachte alsdann des seit der letzten Taqunq erfolgten Hin- scheidens des Fürsten BiSmarck und des Grafen Caprivi, welche Keb beide um die Hebung des deutschen Handels und der deutschen n- dustrie große Verdienste erworben hatten. Der Aufforderung des "Redners folgend, erhoben sich die Versamme1ten zum Zeichen des Beileids und der Hochachtung für beide Dahmgesrbiedenen von den ' lä en.
P v kerauf nahm der Staatssekretär, Staats-Minisier ])r. Graf von osadowßky-Webner, etwa wie folgt, das Wort: eine Herren! In den leßten Jahren hat dte deuisckoe _Jnduftrie einen Aufschwung genommen, „ wie ihn die deutsche Natron uberhaupt noch nicht erlebt bat. Mit diesem Aufschnzung hat xedocb die deutsche Handelsbilanz keineswegs gleichen Schritt gehalten, im Gegen- tbeil: die Handelßbilanx verharrt in Paffivität.- Aus diesem Vorgang in die er'reulicbe Thatsache zu schließen, daß das deutsche Volk laufkräftig gewoxden, daß Deutschland im siande ist, den größten Theil der industriellen Nobprodukte elbsr zu erzeugen und daß auch die in Deutschland et- en ten Halb- und Ganzfabrikate auf dem deutschen Markte Zelbst käbßaß finden. Indem der Wohlstand des, deutschen Volkes in ra chem Steigen be kiffen ist, voUziebt sich gleichzeitig ein Vorgang, der meines Eracßtens obne Neid und Groll zu betrachten ist. Das Aus- land ist bemüht, seine Robprodukte“ selbst zu Ganz- und _Halbfabri- “ katen zu verarbeiten. um seine Finanzen aufzubessern. Auch m EnLlarzd verhärrt die Handelsbilanz tro des Aufschwungs der Industre tn einer ewiffen Passivität. Eng and hat mit sehr hohen Arbeitölöbnen zu reYnen und ist bezüglich seines Absaves in der Hauptsa e_ auf seine Kolon en angewiesen. Aus diesem Anlaß bat die Pa sivität der englischen Handelsbilanz einen anderen Charakter als in Deutschland. Je passiver sich die Handelsbilanz gestaltex, dex? aktionsfäbiger muß naturgemäß die Zahlungsbilanz sem. ach der Höhe
der Zablun sbilanx isi der" Wohlstand des Volkes zu
berechnxn. Le der ist* die-Zablungsbilanz nur zu vermutben, nicht aber
rechnerisch festzustellen.' Deshalb ist es auch nothwendig, die Handels-
bilanz zu prüfen, *die “oduktion zu verbeffern, die Produktionskosten
zu verringern, sich mmer neue Absaymärkte im Auslande zu
sichern und die Grundlage upxüfen, auf der der internationale Waaren-
absatz beruht, ob fie einer rganxung oder Berichtigung bedarf. Diese
Au abe zu lösen, hat sich zur Zeit der Wirtbschaftlicbe Ausschuß, in
tvelZem Vertreter aller politischen Richtungen sitzen, untern) en. x Dieser ist bemüht, eine Produktionsstatistik aufzunehmen, um festzuste en,
was in Deutscbland produziert wird, was im Julande verbraucht, was in
das Ausland verkauft wird und welche Rohprodukte im Jnlande er-
zeugt werden, sowie welcbe Rohprodukte und in welcher Menge im
Auslande gekauft werden müffen. Ick gebe mir!) der Hoffnung hin,
daß diese Arbeiten dem Vaterlande und dem deutschen Erwerbsleben
zum Vortheil gereicben werden, zumal es mit Freuden zu begrüßen ist,
daß die Arbeiten des Wirtbschaftlicben Ausschusses aus allen Kreisen
des Handels und der Industrie mit Mittheilungen unterstützt werden.
Wenn diese Arbeiten zum Absckoluß gelangt sein werden, jo werden
sick) zweifellos große Intereffenkämpfe entwickeln. Es dürfte jedoch
alstxann leicht „möglich werden, einen Ausgleich herbeizuführen
und den verschiedenen Interessen gerecht zu werden. So
begrüße ich denn den Deutschen Handelstag mit der
Bitte, daß uns derselbe bei unseren Arbeiten mit seiner großen Sach-
kenntniß und reichen Erfahrung auf allen Gebieten des Handels und
der Industrie unterstüßen möge. Das wird hoffentlich zu handels-
politischen Verbältniffen führen, die zum Wohle des Vaterlandes und
zur Stärkung unseres Erwerbslebens dienen werden.
Geheimer Kommerzien-Ratb Frenßel dankte dem Staatssekretär
für die begrüßenden Worte und gab die Versicherung, daß die deutschen
Handelskammern bemüht sein würden, den Wirtbschaftlicben Ausschuß
in jeder Beziehung nach besten Kräften zu unterstüßen.
Hierauf wurden durch Zuruf gewahlt: Geheimer Kommerzien-
Ratb Frenßel (Berlin) zum Ersten, Senator Woermann (Hamburg)
zum Zweiten und Geheimer Kommerzien-Ratb Michel (Mainz) zum Dritten Vorfißenden, die Handelskammer-Sekreiäre 1)r. (Hensel (Leipzig), Dr. Hatscbeck (Frankfurt a. M.) und 131". Nebelibau (Bremen) zu Schriftführern.
Den ersten Gegenstand der Tageßordnung bildete das (WIH über die privaten Versicherungßunternebmungen. er Berichterstatter Dr. Ritter (Hamburg) befürwortet die Annahme fol- genden Antrags:
.Der Entwurf eines Geseßes über die privaten Verficherungs. untcrnehmungen bezweckt die ffentlicbrecbtlicbe Regelung des Ver- sicherungswesens und will den Betrieb von VerficherungSges äften von staatlicher Erlaubniß abhängig machen und staatlicher ' sauf- sichtigung unterwerfen. Ist eine derarjige Sonderbehandlung der Versicherung , abgesehen vielleicht von der Lebensverßcbe- rung, weder durch die Natur des Geschäfts noch durch üble Erfahrungen gerechtfertigt, so soll doch jene Grundlage des Gefes- entwurfs nicht angefochten werden, da fit für den „größten Theil des Deutschen Reichs dem geltenden Rechte sicb anschließt und die erstrebte Einheitlichkeit erhebliche Mißstände beseitigen würde. Im „Interesse dieser Einheitlichkeit sollte auch die Reich8aufsicht auf diejenx en Ver- sicherungöanstalten erstreckt werden, deren inländischer Gescha sbetrieb auf das Gebiet eines Bundesstaats beschränkt ist. _
Indessen geben die für den Staat vorgesehenen Befugnisse über das Maß des Zuläsfi en hinaus. Die VerficberungSunternebmungen dürfen nicht durch de nbare Bestimmungen dem freien Ermessen der Behörden prengegeben werden, und es ist Sorge dafür zu trxffey, daß nicht die Beauffickotiguna. in die innerste Geschaftsfübrung emdrmgend und Auskunft über sie fordernd, zu schwerer Belastigung und Schädigung auSarten kann. .
Dre Geltung des Gesetzes ist auf dte Lebens-, Ugfall-, Haft- rflichb, Feuer-, Hagel- und Viabversiäperung zu beschranken. Die öffentlichen Versicherungßunternebmungen, soweit fie nicht als Landes- anstalten staatlich elkitet Werden, sind dem Gesetz zu unterWerern.
Zu beseitigen nd im Entwurf die beiden empfindlichen „Mangel, die darin bestehen, daß nicht versucht wird, der Vielgesialttgkeit der Besteuerung in den verschiedenen Theilen des Deuischen Reich ern Ende zu machen,- und daß gewiffe landesgeseßltche Vorschriften (polizeiliche Ueberwachung des Abschluffes von Feuerversickverungs- verträgen, Verbot des unmittelbaren Abschlusses von Feuermrfickmungß- verträgen mit im Ausland befindlichen Anstaltsverwaltungen) un- berührt bleiben sollen. .
Die vorgetragenen Bedenken, zu denen noch €th Rekbesanderer hinzukommt, find so gewixhtig, daß dringend zu wunscben ist, der Entwurf möge in ihrem Sinne umgearbeitet Werden
Endlich ist noch die Forderung zu erheben, daß so bald wie möglich auch die privatrechtliche Regelung des V9rsicherung§wesens berbeiaefübrt werde.“ ' .
Nach einer Besprechung, an der fich der Gebeuzie Obex-Regterungé- Rath 1)r. Gruner wiederholt betbeiligte und die Perncheruyg gab, daß das Reichsamt des Innern, sobald demjelbetx dte Beschlume des Handelstages vorliegen würden, diese aufs Sorfaltigste Drusen u„nd soweit als möglich berücksichtigen werde, gelangte der Antrag em- ftimmig zur Annahme. , ' _
Dem sodann erstatteten Gescha'ftsbertcbt zuwlge sind dem Deutschen Handelstage neu beigetreten dte Handelskammern zu Friedber , Brandenburg, Ruhrort, die Handels- und Gewerbekammer zu Sau - feld, die Handelskammer zu Potsdam und an Stelle des ehemaligen Konig- licben Kommerz-Kollegiums bezw. der ehemaligen Aeltesten der Kaufmann- schaft die Handelskammern zu Altona i_md Magdeburg. Der'Handelstag zählt nunmehr 162 Mit lieder und vereinigt, außer einigen freiwilligen in- dustrieüen und kaufm nniscben Vereinigungen, sammtltcbe zur Ver- tretung von Industrie und Handel geseßlick) berujenen Körperschaften, mit Außnabme der Handelstammer zu S_winemunde und der eigen- artig organisierten Gewerbekammer zu Wetmar.
Hierauf berichtete der Zweite Vorfißende des Aelthten-Ktzüegiyms der Berliner Kaufmannschaft, Stadtrats: 1)r. Wetgxrt uber die Wasserbauverwaltung in Preußen. Die Außfubrungen des Redners deckten sich mit folgendem, von demselben gestxüten Antrage:
„Die gefahrlose Abführung des Wassers _ bezuxlicb des Aus- "baues der natürlichen Gewässer die nächstliegende Aufga e' der Wasser- bauverwaltung _ ist eine allgemeine, keineswlgs vorwiegend, land- wirtbscbaftlicbe Angelegenheit. Am Verkehr auf den naturlichen und künstlichen Gewässern smd Industrie, Handel und Schiffahrt in erster Linie betbeiligt. Die großen Aufgaben, welche die Wasserlxau- verwaltung hierbei zu erfüllen hat, verlangen, daß sie einer Beborde anvertraut werden, welche die Gewähr dafur gebt, die F?rderung des Verkehrs nicht hinter den einseitigen _oder vermeintlichen Interessen eines einzelnen Berufsstandes zurucktreten zz: lassen. Dieser Bedingung entspricht das Landwirtbscbafts - Ministerium nicbt. Sein Zweck ist in erster Reihe die Förderung der Land- wirtbscbaft, und bei einem Widerstreit der Interessen oder An- schauungen der Landwirtbschaft auf der'einen und der Industrie und des Handels auf der anderen Seite wird es ietcbt geneigt sem, die Partei der Landwirtbscbaft zu ergreifen. Von einer Uebert'ragung d'er gesammten Wasserbauverwaltung auf das genarxnte Mingsterium rst daher zu befürchten, daß mangels der erforderlichen Initiative der Ausbau der natürlichen und künstlichen Wasserstraßen „zum schweren Schaden unserer wirtbschaftlichen Entwickelung vernachlassigt und der Industrie und dem Handel in der W'afserbauverwaltung die- jenige Berückfichtignn versagt wird, die fie bx: einer den verschiedenen Berufsständen aewi ermaßen neutral gkgenuberstebenden Behörde zu finden erwarten. Aus diesen Gründen spricht sich der Deutsche Handelstag entschieden dagegen aus, daß in Preußen, die esammte Wasserbau- verwaltung dem Ministerium für Landwirtbs aft, Domänen und Forsten übertragen werde.“
Nach kurzer Besprechung gelangte dxr Antrag mit dxm Zusatz zur Annahme, daß auf Antrag des Handelskammer-Sekretars Hirsch- berg ?Brombers) im fünften Save hinter den Worten: ,und er Jndu trie und des Handelß' eingeschaltet wird: ,und der Schiffabrj .
Der nächste Gegenstand der Ta eSordnung lautete: .Die Schä- digunß des Handels durcb Kornhaus-Genossenschasten
verschaffen können,
und Landwirtbschofts-Kammern_'. Der Berichterstatter, Fabrikbeskver Reinicke, Halle a. S., befurwortete folgenden Antrag: .Die freie, auf eigener Kraft beruhende Entfaltun aeuoffenfcbaft- licher Tbäiiakeit ist ein Recht, deffen AuSübung den Bet eiligten großen Nutzen gewähren kann und vom Staate nicht behindert, sondern eher gefördert werden sollte. Die Förderung darf jedoch nicht so weit geben, daß durch die Geld- und Machtmittel des Staateß zmdere Er- werbskreise im Wettbewerb mit den Genossenschaften geschadtgx werden. Ist man in Prkußen dazu gelangt, erbebliche_ StaatSmrtte1 zur Errichtung von iandwirtbfcbaftlichen Getreidelagerhaufern zu hewilligén und diese Häuser landwirthscbaftlickpen Genossenschaften zu aunfitgeren Bedingungen zu überlassen, als zu denen Kaufleute fich solche Rgume so muß wenigstens verlangt werden, da die so unterstützten Genossenschaften keine andere, den Handel beintr cbtigende Thätigkeit auSüben als diejenige, die bei Bewilligung der StaatSmittel ins Auge gefaßt wurde. Demnach ist so1chen Genossenschaften, sofern sie sich nicht auf die Lagerun , die Bearbeitung und den Verkauf des von den Genossen erzeugten atreides beschränken, die Staatshilfe zu entziehen. erner muß Verwahrung dagegen eingelegt werden, daß Landwirtbs aftskamme-n, die nach Art von Behörden mit staatlicher Autorität außgestatiet find, ein Besteuerungsrecht besi en und Gexdmatel vom Staat bezieben, durch den Betrieb kaufmänni cher Geschafte den Handelscbädigen. Wenn auch die Begründung des preußischen Ges eßxs' über die LandwirtbfchaftSkammern für diese eine qenoffenscbaftliche Tbatrgkeit in unbestimmtem Umfang vorsah. so findet sich doch in den Be- stimmungen des am 30. Juni 1894 erlassenen Gesetzes keine Recht- fertigung dafür, daß eine Kammer für die Landwirtbe ihres Bezirks Einkaufs- und Verkaufßgefchäfte besorgt. Ein derartiger Betrieb ist daher den LandwirthschaftskamMrn zu untersagen.“ , Gegen den Antrag äußerte sich Banquier Keüer (Duisbur ), be-
fürwortet wurde derselbe von dem Kommerzien - Rath von sister (München) und dem Kaufmann Sikgfried Sobernheim (Berlin). Die Yßimmung ergab die Annahme des Antrags mit allen gegen eine
mme.
Den letzten Verbandluanegensiand bildete die Aenderung des Bankgeseßes. Der * erichterstatter, (General-Sekretär des Deutschen Fandelstages, Dr. Soetbcer (Berlin) empfahl die Annahme folgenden ntrages:
„Nachdem der Deutsche andelöiag fich am 14, März 1898 gegen eine Verstaat_lichung der Rei sbank erklärt hat, erkennt er es mit
roßer Befriedigung an, daß der Bundeskatb in dem Entwurf eines Feseyes, betreffend die Abänderung des Bankgeseßes vom 14. März 1875, denselben Standpunkt einnimmt und keine wesentlichen Aende- runsg§?_at11 der bewährten Verfassung und Verwaltung der Reichsbank vor ag .
Die vom (Gesetzentwurf in Aussicht genommenen Maßregeln einer mäßigen Verstärkung des (Grundkapitals und Reservefonds und einer nicht unerheblichen Erhöhung des steuerfreien Noienkontin ents der Reichsbank verdienM gebilligt zu werden. DeLgleichen ers eint die Vervflichtung der Pridatnotenbanken, nickzt unter dem Prozentsaß der Reichsbank zu diskontieren, als zweckmaßig, um der im öffentlichen Interesse Von der Reichsbank zu betreibenden Diskontpolitik eine größere Wirksamkeit zu fiebern. Damit das deutsche Wirtbfckyaftsleben, das in hohem Maße von dem Schicksal der Reichsbank abbängiß ist, vor schädlicher Beunruhigung nach Möglichkeit bewahrt blei ?, ist es dringend geboten, die Frist, nach deren Ablauf das Reich die Reichs- bank aufheben oder ihre Antheile erWLrben kann, Von zehn auf zwanzig Jahre zu verlängern. Endlich würde es einem in mittleren und kleineren Orten vielfach geäußerten, berechtigter] Wunsch entsprechen, wenn die Anstalten der Reichsbank auch in Städten von 80000 und wenxger Einwohnern zur Annahme der Privatbanknoten verpflichtet wur en.“
Von den Handelskammern Bayreuth, Bingen, Braunschweig, Calw, Chemnitz, Danzig, Darmstadt, Dreßden, Frankfurt a. M., Freiburg i. V., Friedbera, Gießen, Gotha, HaÜe a. S.., Heidenheim, Heidelberg, Heilbronn, KarlSrube, Konstanz, Lahr, Leipzig, Magde- burg, Mainz, Nauheim, Offenbach, forzheim, Plauen i.V. Ravens- burg, Reutlingen, Rottweil, Sonne erg, Straßburg (Elsaß), Stutt- gart, Ulm, Wesel, Wiesbaden, Worms und ittau wurde beantragt:
An SteUe des zweiten Safes im zweiten bsaßdes Antrages des Berichterstatters Folgendes zu cßen: „Dageßen erscheint eine Ver- ZFichtung der Priyatnotenbanken, nicht unter dem Prozentsaß der
eichsbank zu diskontieren, nicht allgemein, sondern nur für den Fall als gerechtfertigt, daß sie nach Lage der Umstände von der Reichsbank für erforderlich gehalten wird, um einen Abfluß von Gold ins Aus- land enigegenzWirken.“
Dieser Antrag wurde ganz besonders von dem Bankdirektor Tborwart (Frankfurt a. M.) befürwortet. Für den Abänderungs- antrag sprachen ferner noch Geheimer Kommerzien-Ratb von Pflaum (Stuttgart), Vanquier Zweininaer (Leipzig) _und Geheimer Kom- merzien-Nath Michel (Maim), für den unveranderten Antrag des Berichterstatters Kaufmann Lürman (Bremen). ,
Der Handelskammxr-Sekretär 1)r. Emmmgbaus (Mannheim) tbeilte mit, daß dem Abanderungöantrage nachträgliYnocb die Handels- kammern zu Königsberg i. Pr. und Villingen im chwarzwalde bei- getreten seien. _
Nachdem 1)r. Soetbeer nochmals seinen Antrag befurwortet batte,
elangte derselbe in namentlicher, nach andelskammern bezw. wirth- 14chaftlicben Vereinen vorgenommener bstimmung mit 133 gegen 122 Stimmen unVerändert zur Annahme. _
Bei den sodann VorTenommenen Wahlen für den Ausschuß Wurden die Herren Bar! .els (Barmen), Boeddingbaus (Elberfeld), Gerlach (Memel), Lüder (Dresden), Reinicke (Halle (1. S.), Schlum- berger (Mülhausen i. E.),_ Schüller (Bayreuth), Sewaes (Ruhrort) und Weidert (München) wreder bezw. neu gewahlt.
Damit War die Tageöordnung erledigt. Die Plenarversammlung des Deutschen Handelsrages wurde hierauf Mit den üblichen Dankes-
worten geschloffen.
Handel und Gewerbe.
Bei den Abrechnungsstellen der Neicthank wurden im Monat ("*ebruar 1899 2486 21730054 ab erechneckYegen 2589894 „46 im Januar d. Z., 20286 2400 im Februar 1898, 1 776 896900 „M im ebruar 1897, 1 885357 400 „46 im cbruar 1896, 1478 0000 «46 im Februar 1895, 129 832 600 „ck im ebruar 1894 und 1383425900 „45 im Februar 1893. om 1. Januar bis Ende Februar 1899 wurden 5076111300 _„ké abgerechnet gegen 4237 492000 «ck im gleichen Zeitraum 1898, 3781750500 „M im gleichen Zeitabschnitt 1897 und 3936193000 514 in 1896.
Die Wochenübersicht der Reichsbank Vom 28. Februar 1899 weist einen gesammten Kassenbestand von 923 336 000 (1898 998165000, 1897 948 948 000%,“ nacb, das ist der Vorwoche gegen- über weniger 19 205 000 (1898 _ 19900 000, 1897 _ 23 394 000) „ki; der Metancstand von 886 526000 (1898 963116000, 1897 915878000) „ii allein bat um 20419000 (1898 um 20458000, 1897 um 21903000) „44 abgenommen. Der Bestand an Wechseln Von 592 737 000 (1898 548 852 000, 1897 529 546 000) .“ erscheint um 12 421000 (1898 um 17 653 000, 1897 um 20 215 000) «xa höher als in dsr Vorwoche, und aucb der Bestand an Lombardforderungen von 93 345000 (1898 85644000, 1897 100224000) «44 hat um 21242000 (1898 um 11827000,
1897 um 8447000) «ck zu;?enommcn; auf diesen beiden Anlage-
konten zusammen ist also enFZugang um 3.3 663 000 (1898 um 29480000, 1897 um 28 66? 000 .“ zu verzeichnen,. Auf vgsfiver Seite zeigt der Betrag der umlausrxxdsn Noten mtt 1049675000 (1898 1021855000, 1897 982522000) .“ eine Zunahme nm
36 607000 (1898 um 31 893 000, 1897 um 34 079 000) „46, und die