1874 / 239 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Mon, 12 Oct 1874 18:00:01 GMT) scan diff

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Bedingungen nicht erfüllen, werden als unfrankirie Briefe betrachtet und folglich als solche taxirt.

Für den Transport_ durch die Post Werden keine Briefe oder an- dere Sendungen zugelanen, welche gemünztes Gold oder Silber, oder Bijouterien und Kostbarkeiten, und überhaupt dem ZoÜe unterliegende Gegenstände enthalten.

Korrespondenzkaricn, die nicht genügend frankirt sind, Werden nicht spedirt. Jede Verwaltung hat übrigens das Recht, Korrespondenz- karten, Welche Aufschriften enthalten, die durch die geseßlichen oder regiemenfarischen Bestimmungen des Landes verboten sind, nicht zu verienden oder in ihrem Dienste nicbt zuzulassen. Dasselbe gilt für Briefe und andere Korrespondenzobjekte, die äußerlich Aufschriften glei- cher Art tragen, ! * --

Ueber die Einrichtung und Funktionen des internationlen Bureaus führt das genannte Blatt Folgendes an: Die schweizerische Ober-Poßverwaltung ift bezeichnet, um das Bureau zu organifiren. Die allgemeinen Koften desselben dürfen jährlich die Summe von 75,000 Fr. nicht überschreiten; darunter find die besonderen Kosten für ,die periodischen Versammlungen des Kongresses nicht begriffen. Diese Summe kann später mit Bei- 1*timmung aUer kontrahirenden Staaten erhöht werden. Das internationale Bureau dient als Vermittler der regeimäßigen und allgemeinen Notifikationen, welche die internationalen Beziehungen interesfiren. Es wird, mit Hülfe der Doku- mente, die ihm zur Verfügung ßehen, ein besonderes Blatt in deutscher, englischer und franzöfischer Sprache herauSgeben. Das Bureau soll ferner jederzeit den Mit- gliedern der Union zur Verfügung stehen, um die nöthigen den internationalen Postdienst betreffenden Fragen zu beantworten. Der Direktor des Bureaus nimmt an den Berat ungen des Kongresses Theil, ohne derathende Stimme zu aden. Die französische Sprache des Bureaus ist die offizieile.

Als zu der aligemeinen Poftunion gehörend, werden be- trachtet: Island und die faröischen Inseln (Dänemark); die ba- learischen und kanarischen Inseln, die spanischen Befißungen in Afrika und die spanischen Posteinrichtungen auf der westlichen Seite von Marokko (Spanien), Algerien (Frankreich); Malta (England); Madera (Portugal) und Finland (Portugal).

Das S chlußproto 1911 des Postkongreffrs, der am Freitag seine Arbeiten beendigt hat, lautet in deutscher Ueberseßung folgendermaßen :

Die unterzeichneten Bevoiimächtigten der Landesregierungen, die heute den Vertrag, betreffend Gründung einer aligemeinen V?xrlmsison, unterzeichnet haben, haben folgende Uebereinkunst ge 0 en:

In dem Falle, daß die franzöfische Regierung, die fich das Protokoll offenbehalten hat und die daher im Vertrag unter den kontrahirenden Theilen erscheint, ohne demselben ihre Bei- ftimmung gegeben zu haben, iich nicht entschließen könnte, ihn zu unterzeichnen, wird dieser Vertrag nichtsdestoweniger definitiv und für aile anderen kontrahirenden Parteien, deren Vertreter ihn heute unterzeichnet haben, verbindlick) werden.

Zur Beglaubigung dessen haben die Bevollmächtigten das gegenwärtige Schlußprotokoll entworfen, das die gleiche Kraft und Giiltigkeit haben soll, als wenn die darin enthaltenen Be- stimmungen im Vertrage selber enthalten wären und haben es in einem Exemplar unterzeichnei, das in den Archiven der schweizerischen BundeSregierung deponirt und wovon jedem Theil eine Kopie zugestellt werden wird.

Bern, 9. Oktober.

(Folgen die Unterschriften der Delegirien der Regierungen von Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Beigien, Dänemark, Aegyp- ten, Spanien, Vereinigte Staaten von Nordamerika, Großbri- tannien, Griechenland, Italien, Luxemburg, Norwegen, Nieder- lande, Portugal, Rumänien, Rußland, Serbien, Schweden, Schweiz und Türkei,)

_ Der General:Postdirektor Stephan hat in Anerkennung des großen Nußens, den die Stenographie im tech- nischen Postbetriebe gewähren kann, die AUSarbeitung einer deutsch en Po ftftenographie angeordnetund, wie das „Dr.I,“ mittheilt, damit den Professor am Königlich sächsischen stenographi- schen Inßitute in Dresden, H. Krieg, beauftragt. Die erste Lektion der deutschen Poftftenographie erscheint im Oktoberhest des „Deutschen Poftarchivs“ (Beiheft zum Amtsblatt der deutschen ReichSpostverwaltung), und sollen die Postbeamten im Wege der Verordnung darauf hingewiesen werden, „daß der durch das Post- archiv zur Veröffentlichung'gelangende Lehrgang zur fortlaufenden Memorirung und praktischen Einübung bestimmt sei, und daß es in der Abficht liege, in Stelle der bisherigen, versuchsweise ein- geführten Schreibabkürzungen _ welche in ihrer weitern Aus- bildung erheblich größere Anforderungen an das Gedächtuiß machen würden, als die aus dem einfachsten Alphabet natur- gewaß und nach den Hauptgrundzügen der geWöhnlichen Schreib- weise fich entwickelnde Poststenographie _ das in dem Lehrgange Dargesrellte von einem später zu beftimmenden Zeitpunkte ab allgemein zur praktischen Anwendung zu bringen.“

_ Das Kammrrgericht hat am Sonnabend in zweiter Instanz das Gesuch um vorlaufige Freilassung des Grafen v on Arnim aus drr Hast abgelehnt.

_ Der General-Feldmarschall von Steinmeß ist nach Görliß zurückgekehrt.

' _ Der Contre-Admirai und Direktor der Kaiserlichen Ad- miralität, Henk, hat ßch in dienstlichen Angelegenheiten nach Danzig und Stettin begeben.

_ Der Kaiserlich Königliche dfterreichisch=ungarische Ge- sandte am Königlich dänischen Hofe, Graf Kalnokh, iß, von Wieniommend, heute früh auf der Rückreise nach Kopenhagen hier eingetroffen und im Hotel Royal abgestiegen.

Stettin, 9, Oktober. Die Regierung veröffentlicht im Amtsblatt eine Großherzo lich mecklenburgische Poli- Zei-Verordnung vom 4. uguft d. I., die in Ausführung es Rezeffes vom 10.Dezember 1869 betreffend die Korrektion der Peene, zur Regelung der SchiffahrtSUerhältnisse im Cummerower See und auf dem Peene-Flusse, soweit derselbe zwischen Preußen und Mecklenburg die Grenze bildet, erlassen worden ist.

YBayeru. München, 10. Oktober. Die „Ang. Ztg.“ meldet: Heute Vormittag 11 Uhr hat Ihre Majestät die,.Königin- Mutter Marie von Bayern bei dem protestantischen Pfarr- amt (Dekanat) dahier die schriftliche Erklärung ihres Austritts aus der protestantis en Landeskirche durch den Hofmarschall Ihrer Königlichen Ho eit der Prinzessin Alexandra, Freiherrn v. Lerchenfeld überreichen laffen. Hr. farrer Rodde ist von Hohenschwangau, wo ge enwärtig Bis of Dr. U. Haneberg verweilt, hierher zurückgeke rt.

_ Die Prinzessin Karl von Hessen, Schwester der

_ Der o berste S chulrath nimmt heute seine wöchentlichen Sißungen, die seit längerer Zeit unterbrochen waren, wieder anf.

_ Prof. Dr. von Pettenkofer ift, dem „Corr. v. u. f. D.“ zufolge, gestern nach Meiningen abgereist, wo die Behörden den Rath Pettenkofers in sanitärer Beziehung hinsichtlich der wieder- aufzubauenden abgebrannten Stadttheile vernehmen wollen.

Würzburg, 11. Oktober. (W. T. B.) RechtSanwalt Gerhard hier ist vom Gerichtshofs zum Offizialvertheidiger Kullmanns eftellt worden. Dem Vernehmen nach nunmehr der 29. d. M. zur Verhandlung vor dem hiefigen Schwur= gerichte anberaumt.

Württemberg. Stuttgart , 10. Oktober. Die Prin- zessinnen Ludwig und Leopold von Bayern, sowie die Prinzessin Therese von Bayern find vorgestern zum Besuch im Königlichen Schlosse in Friedrichshafen eingetroffen, haben an dem Familiendiner theilgenommen und find Abends nach Lindau zurückgereift.

_ Der Minister der Justiz und der Llu9wärtigen Angelegen- heiten, v. Mittnacht, ist gestern Abend nach Berlin abgereist, um dort an den Arbeiten des BundeSraths Theil zu nehmen.

Baden. Karrsruhe, 9. Oktober. Prinz Eduard von Sachsen-Weimar ist gestern nach England, der Prinz von W as a nach Waldleiningen zum Besuch des Fürsten von Leiningen abgereist.

_ Der hiefige Gemeinderath berieth am 6. über die Bildung des künftigen Stadtraths und beschloß nach länge- rer Berathung, dem Bürgerausschuffe als Ortsftatut vorzuschla- gen: Der Stadtrath habe zu bestehen: aus dem Ober - Bürger- meister, 2 Beigeordneten, wovon der erste den Titel Bürger- meister führt, und 22 Stadträthen. Dem künftigen Stadtrath soll die Entscheidung vorbehalten bkeiben, ob etwa ein dritter Beigeordneter noch ernannt werden soll. Nach der Städteord- nung wird der Bürgerausschuß außer den Mitgliedern des Stadtraths noch aus 96 Stadtverordneten bestehen. Es wird dabei bemerkt, daß Anfangs Januar k. 3. die Wahl der Stadt- verordneten ftatifinden dürfte, sodann jene der unbesoldeten Stadträthe und, da voraussichtlich aus den gewählten Stadtver- ordneten mehrere Stadträthe ernannt würden, alsbald die Ersaß- wahl für diese folgen werde, und hierauf die abgesonderten Wahlen des Ober-Bürgermeifters, des 1. und 2. Beigeordneten vorgenommen werden.

Mecklenburg. Das nachstehende, an die Großherzog- liche Landesregierung gerichtete Schreiben des Commandeurs der 18. Division vom 23. September d. 3. bringt die Groß- herzogliche Landvogtei in Schöneberg, ebenso wie früher das Schreiben des kommandirenden Generals des [F. Armee-Corps, zur ailgemeinen Kenntniß:

„Nach den von den Truppen eingegangenen Berichten über ihre Unterbringung während das ManHvers halte ich mich für verpflichtet, der Großherzogliéhen Regierung tm Namen der Division und der übrigen ihr i_mterstellt geWefenen Truppentheilc für die gute und freundliche Ausnahme, Welche Offizieren wie Mannsäxaften während der verflossenen Herdftüßungen in Stadt und Land allseitig zu Tbeii geworden ist, meinrn besonderen Dank auSzusprechen. Auch die mit- unter unvermeidliche engere VeleF-ng einzelner Gegenden hat der guten Aufnahme des Soldaten keinen Eintrag gethan, eine für mich besonders erfreuliche Wahrnehmung, Welche neben den sachgymäßen Anordnungen drr VerWaltungs - Behörden vornehmlich Wohl ein Resultat der ngebung und Fürsorge! der Lokalbehördcn, denen an dieser Steiie noch brsonders gedankt sei, gemesen sein dürfte. Der Großherzoglichen Regierung stclle ich schließlich eine entsprechend er- scheinende weitere Verbreitung vxrstahenden Schreibens ganz ergebsnst anheim. Von Diringshofen, General - Lieutenant und Divisions- Commandeur.“ .

Sachsen-Cobnrg-Gotha. Gotha, 10. Oktober. Die „Goth. Ztg.“ veröffentlirht die Bekanntmachung des Staats-Mi- nisteriums vom 5. d. M., den Zusammentritt der Vorshnodezur Berathung einer neuen Kirchenyerfaffung für die Herzogthümer Coburg und Goiha betreffend. Die Vorshnode tritt am Mitt- woch, den 4. Nopember d. I., in Gotha zusammen. Sie wird an diesem Tage Vormittags 10 Uhr durch einen öffentlichen Gottesdienst in der Augustinerkirche eingeleitet und hierauf Mit- tag?- 12 Uhr in dem Sißungssaale des Landtags für das Herzog- thum Gotha eröffnet. .;;

Elsaß-Lothringen. Hagenau, 11. Oktober. (WT. B.) Die internationale Ausstellung von Hopfen, Bier, Brauereimaschinen und Geräthen ist heute unter sehr lebhafter Betheiligung des Publikums vom Bürgermeister Neffel mit einer Ansprache eröffnet worden. Die Ausstellung ist außer- ordentlich zahlreich beschickt und durch große Mannigfaltigkeit auWezeichnet.

Oesterreich-ngam. Wien, 10. Oktober. Der Kais er und die Kais erin find gestern um halb 4 Uhr Nachmittags in Göddllö eingetroffen.

_ Die Kaiserin Maria Anna ist am 9. d. M, in Prag angekommen. *

_ Der Herzog von Anhalt ist am 8. d. M. vonSalz- burg nach München abgereift.

_ Der Fürst Karl von Rumänien ist mit seiner Ge- mahlin gestern hier eingeiroffen und hat Nachmittags seine Reise nach Peft fortgeseßt.

_ Der Prinz Heinrich 117. Reuß ist in Wien ange- kommen.

_ Der Botschafter des Deutschen Reiches General von Schweiniß ist naoh Wien zurückgekehrt.

Linz, 10. Oktober. Die Sesfion des Landtages wurde heute vom Landeshauptmann mit einem dreimaligen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser geschloffen, in das die Versammlung lebhaft einstimmte.

Salzburg, 10, Oktober. Der Landtag hat in seiner Abendftßung die Regierungsvorlage in Betreff der Schonzeit des Wildes angenommen, deSgleichen die beantragte Abänderung des Schulauffichtheseßes genehmigt und ferner eine Petition an die Regierung um Errichtung einer medizinischen Fakultät in Salz- burg und einer Landes-Zwang9arbeitSan-'rtalt beschlossen.

Brünn, 9 Oktober. Im Landtage beantragten Prazak und 24 Genossen “eine Adresse an den Kaiser, und es sei zur Berathung des von den Antragstellern vorgelegten Entwurfes em eigener neungliedriger Ausschuß einzusehen. Der Adreßent- wurf enthält verschiedene Beschwerden und wendet “fich insbeson- dere gegen die geänderte mährische Landtags-Wahlordnung von 1872. Der Entwurf schließt mit der Hoffnung und der Bitte, daß der Kaiser diesen Beschwerden ab- helfen„und die zur ErfüUung der Wünsche und Bedürfnisse der Volker geeigneten Maßnahmen treffen werde. Dieser An-

Kdnigin-Mutter, ist in Hohenschwangau angekommen. Auch der Bischof von Speyer, 131". von Haneberg, ift daselbst eingetroffen.

trag gelangt Anfangs nächster Woche auf die TageSordnung.

wesen Mährens wurden einige Resolutionen gefaßt, betreffend das baldige Zustandekommen der Eisenbahnlinien Trozppau- Wlarapaß, Wlarapaß-Brünn, Iglau-Furth, Kriegsdorf-R-Zmer- ßadt, Lundenburg-Tyrnau, Einbeziehung von Kremfier in das Eisenbahnney und Anschluß der preußischen Bahnlinie Glah- Neiffe-LandeSgrenze an die mährische Centralbahn.

Lemberg, 9. Oktober. Die ruthenischen Deputirten inter- pellirten im Landing den RegierungSvertreter, weshalb in den Lemberger Lehrerseminarien keine Vorträge in ruthenischer Sprache gehalten werden, und weshalb bisher in den Landes- Schulrath keine entsprechende Anzahl von Pädagogen berufen wurde. Der Landtag beschloß eine Resolution, wonach die Re- gierung aufgefordert wird, energische Maßregeln zur Beseitigung der Iuftizmisére in Galizien vorzunehmen und" insbesondere die Vermehrung 'der Gerichtsbeamten und die Verschärfung der Strafen für einzelne Delikte zu veranlassen.

Czernowiß, 10. Oktober. Der Landtag verwies die Regierungsvorlage über das Uebereinkommen mit dem Staate wegen des Grundentlastungsfonds an den LandeSausjchuß zur Berichterstattung in der nächften Sesswn. Nach Erledigung aller Vorlagen schloß der Landeshauptmann die Session mit einem dreimaligen Hoch auf den Kaiser, in welches die Abgeordneten begeistert ein"'timmten.

Pest, 10. Oktober. Wie die „Peßer Korrespondenz“ meldet, wurden in dem heutigen Ministerrathe alle bisher aus- gearbeiteten verschiedenen Gesehentwürfe, darunter auch die Fi- nanzvorlagen, erledigt und gutgeheißen, und find hiermit auch alle etwaigen Meinungsdifferenzen vollständig auSgeglichen. Der Budgetentwurf für das Jahr 1875 ist auch bereits endgültig festgestellt.

_ Die zwischen dem HonvÉd-Kommando und dem Honvézd-Minifterium bestandenen Differenzen gelangen in den nächsten Tagen zur Austragung; die diesbezügliche Ministerraths- vorlage wurde bereits Sr. Majestät unterbreitet.

Agram, 10. Oktober. Der Landtag hat in seiner gestrigen Sißung den Gesehentwurf über die Reorganisation der politischen Verwaltung, nachdem mehrere Redner gesprochen, in der General: und Spezialdebatte größtentheils nach dem Ausschußantrage angenommen. Heute Wurde der Gesehentwurf in dritter, die Gesehentwürfe über die Organisation der Gerichts- höfe erster Instanz und der Gehalte der Gerichtsbeamten in der General- und Spezialdebatte mit großer Majorität angenommen.

Niederlande. Haag, 6. Oktober. Aus der Capftadt smd Veri te bis zum 5. September eingetroixfen:

.DTZ ouvert'ixme'ni war bestrebf, dic Wa enübungeu bei den FreiwiÜtgencorps 111 dieser Kolonie mehr und mehr zu befördern; es soll die Absicht bestehen, aus diesen Corps aÜmählick) eine tüchtige Landmehr heranzubilden; das Gouvernement hat beschlossen, ihnen fortan das rrforderlichx Schießmaterial zur Verfügung zu stellen. Der Handel der Kolonie entwickelte fich zu immer größerer Blüthe. Aus Port Eiisabeth wiirde gemeldet, daß der Preis der Siraußfedern trotz der ZWZM Quanittaten dieser Waare, die aliwöchentlich dort auf den Mgr kamm, ber raschem Absaße fest und selbst steigend blieb. Airs Nieuw-Grikwaland (den Diamentbezirksn) berichteten die neuesten Mitthetlgngxn, daß es endlich durcb Arnrendung von Damvfpumpen gelatzg, die uberschwemmien Gruben südlich vom berühmten Colnsberg- K'oZoxe nacb und nach von den Wassxrmaffeu wieder zu befreien; es würden dtee Grgbrn nun„wol)l bald wieder in Betrieb genommen werden können; m_den iibrigen wurden fortwährend Funde von mehr oder weniger großen Diamanten von guter Qualität gemacht. Aus dem T_raquaai hatte man in der Capstadt die Meldung, das; die Nach- rxchten aus den Goldbezirken nicht ungünstig lauteten; es mehrten fich die Funde von Edelmetall, auch in größrren Stücken; jüngst wurde em Stuck von zehn Pfund gefunden; aus zwei der jüngst verkauften Claims hatten die Erwerbrr schon mehr als tausend Unzen Gold ge- wimnen. Aus deux Transvaal kommen nun auch Sendungen von Ko- ba_lt;_„ der Werth diefes Metqlis wird auf 250 Pfd. Stari. pr. Tonne gc1chaßt. In drr Capstadt ist, im Alter von 62 Jahren, Hr. C. H. Schwabe, „der [ehr geachtetc Agent für die rheiniichen und andere deutsche Missionare, gestorben.

Belgien. Brüssel, 11. Oktober. (W. T. B.) Der „Momteur beige“ veröffentlicht heute den erßen Bogen der Verhandlungen der internationalen Konferenz.

Frankreich. Paris, 9. Oktober. Der Sekretär des MarschaÜS Mac Mahon, Graf d'Harcourt, richtete an den Mcztre von Nevers, der den Marschali eingeladen, bei seiner YZse'bnach dem Süden seine Stadt zu berühren, folgendes

rei en:

Heeraire! DeriMarsclmlT-Präfideni der Republik empfing Ihren Brief, welchen Sie _nn Namen des Gemeinderaths Von Nevers ax! ii)!) richteten. Er beauxtragte mird, Ihnen zu sagen, daß er durch die Einladung, die er enthielt, und die Beweise der hohen Sympat ie, drr Sie ihnx ubermacbten, sehr anaenehm brrührt Wordcn. Nack) en" beiden vyn ibm,1m Westen und_Norden Frankreichs gemachter; Rund- rei1en geitatten ihm seine zahlreichen Geschäfte nicht mehr, den Siß der Regierung zu verlassen; Wenn er jrdocb später abkommen kann, so Wird er sich freuen, Jhrc Stadt zu besuchen und Ihnen selbst zu ver- fiebern, welchen großen Anthetl er an dem Wohlergehen drr Stadt Nevers mmmt, Genehmigen Sie 2c.

Der Sekretär der Präsidentschaft. E. d'Harcourt.

_ 11. Oktober. (W. T. B.) Der „Moniteur“ bestätigt, daß dem Herzog von Décazes von dem spanischen Ge- sandten eine Note Überreicht morden ist, die den Umfang einer völligen Denkschrift hat und alle einzelnen Thatsachen auf- zahlt, aus denen angeblich hervorgeht, daß die Carliften von Seiten Frankreichs begünstigt worden find.

. _ 12. Oktober. (W. T. V.) Bisher liegt das Ergebnis; von 36 Stichwahlen für die Generalräthe vor. Es find 18 konservative und 18 republikanische Kandidaten gewählt.

Spanien. Nach einem Telegramm der „Inch endance Belge“ aus Bayonne vom 11. Oktober hat die Ent ebung Dorregarah's und anderer Befehlshaber von ihren Posten in den carlißischen Reihen sehr unangenehm berührt. Durch die Beseßung la Guardias von Seiten der RegierungSiruppen, ist das linke Ufer des Ebro frei geworden und der Angriffs- bewegung der Carlisten gegen Miranda Halt geboten. Die Carlisten _find vor General Mariones, der Viana besehte, zurückgewrchen, Don Carlos hat in der Nähe von Pena- cerrada befestigte Stellungen bezogkn.

_ Der „Times“ geht eine genaue Analyse der neuerdings Seitens des spanischen Gesandten der franzöfischen Regie- rung überreichten Note zu. In derselben wird zunächst das Bedauern au6gesprochen, daß die Zoffnungen bezüßlich einer verän- derten Haltung er franzöfischen ehörden gegenü er den Carliften fich nicht erfüllt hätten, obgleick] inzwischen die Anerkennung der spanischen Regierung Seitens Frankreichs erfolgt sei. Es wird konstatirt, daß das Verhalten der in den Grenzdiftrikten fungirenden französischen Beamten im Widerspruch ßehe mit den freundschaftlichen Zuficherungen, welche der Herzog v. Décazes der spanischen Regierung gemacht habe. Spanien müsse daher die

Bet Berathung des Generalberichtes über das Kommunikations-

Aufmerksamkeit des Ministers auf diese Thatsachen lenken. Es

werden hierauf spezialifirte Beschwerden vorgebracht über die wenig strengen Maßregeln zur Verhütung der K.ontrebande a_n der Grenze. Spanien habe fich zwar auch über eme andereNatwwzu beklagen, welche den Carlißen ebenfalis Waffen und Murxittoii liefere; aixein dieser Fall sei doch em ganz andxrer, weil die Schiffe, mittelst derer der Waffentransport bewrrkftelitgi werde, dezi Zufällen einer langen Seefahrt auSgeFeßt seien. „Dre Vegzmßr- gung der Carlißen Seitens der franzofischrn Regieung sm_eine ganz augenscheinliche und zivar habe fich dieselbe schon bethaitgt zur Zeit, als Don Carlos nach seiner Niederlage bei Ordzqmeta sul) auf französisches Gebiet habe flüchten muffen. "Einen. be- sonderen Beschwerdegrund bilde das Verhalten gegenubrr Lizar- xaga; wenn auch zugegeben werden könne, daß_de__rsel[*:e nn Befi eines regelrechten Paffes gewesen sei, so hatte derselbe „d? keineSfalls für sein aus 29 Perfonrn bestehendes GefolgeGulftg- keit haben können. Die spanischen Konsuin hatten. die frau- zösische Regierung rechtzeitig von dixser tmßbrauchltchen Aus.- dehnung dieses Passes unterrichtet, ]edoch ohne Erfolg. Die Anwesenheit Don Carlos in Bayonne _und Van. set durch den spanischen Konsul der französischen Regierung“ bereits vor dem 2, Mai 1872 mitgetheiltworden, und troßdem serseinem Antrage auf Verhaftung des Prätendenten keine Folge gegeben worden. Weiter wird angeführt, daß Baron de la Torre und Herzog de la Rocca nicht inrernirt worden seien, obgleich ße nachgewxx- senermaßen in Pau und Bordeaux Waffenankaufe fur die Carlisten bewirkt hätten. Bezüglich der Pferdeausfuhr von Frankreich nach Spanien müsse Spanieri den Anspruch erheben, daß jeder TranSport, welcher nicht durch Spa- nien genehmigt sei, verboten werde. chhdem noch_ an die Thatsache hingewiesen isi, daß bis in die neueste Zeit 111 Bayonne carlistische Briefmarken öffentlich verkauft Worden, kommt die Note zu der Schlußfolgerung, daß em Wechsei der Beamten in den Grenzdepartements, sowie absolutr AUEweisung aller Carlisten aus dem französischen Gebiete und em Zusanimen- wirken beträchtlicher franzöfischer Streitkräfte nut den spanischen Truppen erfolgen müsse.

Italien. Rom, 7. Oktober. (It. N.) Gestern fand eine Sißung des obersten UnterrichtSrathes statt. Der USUS Unterrichts-Minifter, Herr Bonghi, benutzte diese Grlegenhert, um sein Programm zur allgemeinen Kenntniß gelangen zu laffrn. Er übernahm das Präsidium der Sißung und äußerte ungefahr Folgendes: Er sei fest entschloffsn, in der Unterrickgtheseßgcbung keine angemeine Umwälzung hervorzubringen, sondern Vielmehr energisch für die Ausfiihrung der bestehenden Geseße zy sor- gen; er werde sich darauf beschränken, dem qulamcute drei 0er vier Gesehentwürfe von geringerer Wichtigkeit vorzulegen. (E"r werde die nothwendigen Reformen im primären und sexundcz- ren Unterricht nach und nach einführen, und ach,“; fur die Einführung des obligatorischen Unterrichts vorbrretten, deffen entschiedenen Vertreter er sich nenne. Das Stndtun] werdr der Minister auf ein höheres Niveau zu bringen und die Disziplin unter den Schülern wie unter den Lehrern zu befestigen fruhen. Er wolle fich bemühen, die Beziehungen zwischen dem Minister und dem UnterrichtE-rathe mit jedem Tage inniger zu machen und die genannte Institution zu dem zu erheben, was fie zmch der Absicht ihrer Schöpfer sein sollte, d. h. JU einer Wirksainen Stüße des Ministers und nicht blos zu einer Deckung seiner Autorität in gewissen Fälien.

Türkei. Belgrad, 11. Oktober. (W. T. B,) Die_scr- dische landwirihschaftliche Ausstelluiig ist heuie eroffnrt worden; der Fürst hat der Eröffnungsfeier m Person bei- gewohnt.

Montenegro. Cettinje, 10. Oktober. (W. T. B,.) Der Fürst hat die Absicht, an den Truppenmandvcrri in Rumänien theiizunehmen, aufgegeben und wird dem Fursten Karl erst im nächsten Frühjahrs einen Besuch abstatten.

Rußland und Polen. St. Petersburg, 9. Oktober. Dem „Reg. Anz.“ wird ach Liv adia telegraphirt, daß der Groß- fürst Thronfolger mit Gemahlin und Kmdertx, 'der Groß- fürst Wladimir Alexandrowitsch und die Großfrrrsim „Maria Pawlowna gestern Vormittags wohlbehalten m Ltvadta em- getroffen sind. '-

_ Der Kais er hat dem Kriegs=Minifter, General-Adxu- tantanten, General der Infanterie Dmitri Miljuiin m „Wier- kennung seiner hervorragenden Verdienfte um dir Reorganisation der russischen Armee Und seiner thätigen Therlnahxne aii der Durchführung des Projekts der allgemeinen Wehrpflicht mxttelft Allerhöchsten Handschreibens vom 30. August den Andreas- Orden verliehen. - '

_ Die Beförderung der telcgraphischen Korrespon- denz zwischen Rußland und Oesterreich wurde bwher durch die Stationen in Warschau und Shitomir „und die Osterrei- chischen Stationen Krakau und Lemberg vermxttrlt. JU Folge einer Vereinbarung mit der österreichischen_ Regierung ist nun- mehr die direkte Uebergabe der Depeschen zwrschen Warschau und Wien und Kiew und Lemberg eingeführt, wodurch die Ueber- mittelung der telegraphischen Korrespondenz Rußiands *Mit Oesterreich sowohl, als auch den übrigen Staaten, welche diesen Weg benußen, beschleunigt wird. '

_ Unterm 30. September ist die Eröffnung der allgemeinen Sammlungen zum Besten der durch Mißwarhs in Roth ge- raihenen Bevölkerung des Kreises Tiraöpol im Gouvernement Cherffon genehmigt worden. . .

_ Semmare für Schullehrerinnen sollrn, wie die „R. W.“ erfährt, zur Ausbildung geeigneter Lehrirafte fur die Volksbildung bei den weiblichen Schulen des geistlichen Ressorts ins Leben gerufen werden. In Wilna soll der Anfang gemacht werden. Das Ministerium des Innern hat nach der genannten Quelle bereits 15,000 Rubel zu diesem Zweck asstgmrt, “siellt aber die Bedingung, daß dafür 40 Stipendiatinnen „des Ministe- riums, Töchter von Geistlichen, welche den Kursus m der weib- lichen Schule mit Auszeichnung vollendet haben, der) Uytxrhalt in der künftigen Anstalt frei haben. 40 andere Semmartstmnen folien außerdem auf eigene Rechnung in der Anstalt unter- gebracht werden. ,

_ Die Gerüchte von Unruhen im Uralschen Kdsakenx heere, welche seit einiger Zeit kurfiren,_ scheinen" durch eme Notiz der „Uralschen HeereSzeitung“ indirekt eme Bestatigung zu finden. Um 7. Septemberift nämlich um 1 Uhr Mittag day erste; Echelon des Orenburgschen Linien-Bataillons in Uralsk emgeruckt, um 7 Uhr Abends folgte ihm der General-Gouderneur von Oren- burg, General-Adjutant Krhshanowskr). Dir Unruhen sollen durch die Reorganisationen hinfichtlich der Dienstpflicht hervor- gerufen sein.

_ Ueber die Morosowsche Karawarie, welche aus Kaschgar zurückkehrt und am 4./16. August in Naryn ange- langt ift, erhält die „R. W.“ nachstehende Nachrichten:

Ende April machte fish die Karawane von Ngryn aus nach KasZ- gar auf, wo fie am 15. Mai anlangte, Sie naherte fich der Kas -

ars en Gren e ni t ohne Furcht. Die urcbt vrrmebrie fich x_wch, Zis cibi» 200 erstchvon der Stadt eitie cbaar bewaffneter „Krieger entgegenkam. Dieselbe nahmen sie übrigens freundlich auf, wie auch Jakub-Bek die Mitglieder der Karawatxe, als sie ihm vorgestellt wur- den, sehr gnädig empfing. Einen Tbetl der__Waaren'verk_aufte die Karawane gleich nach ihrer Ankmxft. D_er großere Theidblteb unver- kauft und eignete sich auch gar nicht fur den Handel in Kaschgar. Daher wollte Jefim Romanow, Welcher _nach. dem, Tode von G_ali- Faisulin die Leitung übernommen haite, m die chmxfiichen Stadio Urumtscbi, Uliassutai, Varkul, Chami und Turfan weiterziehen, wozu er von Jakub-Bek die Erlaubnixz erbai. Jakub-Bek gestatiete das aSbrr nicht, weillertnicht wollte, daß die Russen den Weg m diese tädte ennen ern en.

Auf die dringendcren Bitten Romanows enifchlo fich Jakub-Bek, die nacbgebliebenen Waaren auf ieme Rechnung anzu aufen, um de_n Russen jeglichen Vorrvand, weiter "zu ziehen, _ zu nehmen. Auf dicie Weise setzten die Russen ihre Vorrathe voriheiibaft ab und begaden sich mit dem haaren Geld? und emgeiauschteg Waaren, Wie Jndgo, Färberoth, Rohieide, Seidrnzeug ans den Ruckwrg. Der Emir he; schenkte fie vor ihrer Abrede, Welche am 30. Juli erfolgte, „und [ie? ihnen bis an die Grenze das Geleit geben, damrt ihnen mnerhal seines Reichs nichts Widerwärtiges passire. _ ,

Am 21, August langte die Karawxne bereits wohlbehalicn im Fort Werny an.

Schivtden und Norwegen. Stockhoim, 6. Oktober. Am 1. Oktober wurde der noch bisher zuruckftehexide Theil (zwischen den Stationen Kopparberg und Ludvrka) der trnttelst eng: lischen Kapitals angelegten schwedischen Crntraleisenbahn oder Frdvi-Ludvikabahn, eröffnet. Seitdem die Krylbo-Norbergs Eisenbahn ebenfalls vor Kurzem eröffnet worden ist, kann man somit auf der Eisenbahn den Mälaren umreisen, mit AuMahwe der 4 Mcilen langen Landstraße zwischen Norberg und Smrd1e- backen. Eine Festiichkeit bei Eröffnung der crstgeyanntexi Eisen: bahnftrecke hat nicht stattgefunden. Dieseibe "bildrt em hdchst wichtiges Glied in der Kommunikation und ist fur diekschwxdische Eisenindustrie von sehr großem Werth, mdem ste die reichsten Erzlager Schwedens, z. B. Grängesderg und Kopparberg, durchschneidet.

Amerika. New-York, 10. Oktober. _(W.,T. B.) Zu Paterson ist ein sehr stark besuchteSrepublikaxiische-Z Mee- ting abgehalten worden. Bei demselben “koxiftatirte, der Sekre- tär der Marine, Robeson, daß die gegenwartige Regierung voli- kommen die republikanische Partei repräsenttre. Weder die Re- gierung noch ihr Oberhaupt würden jemals den Interessen oder den Traditionen des Landes zuwider handeln. Grant denke mcht daran, zum driiten Male die Präsidentschaft'zu übernehmexi und halte dafür, daß einer Dinusswn über diese Frage keinerlei Beachtung zu schenken sei.

_ 11. Oktober. (W. T. B.) Dem „'New-YdrkHerald“ zu- folge ist die Lage der Dinge in Louistgna „eine. sehr bedenk- [iche und steht der Ausbruch neuer Feindseligkeiten zwrschen Weißen und Schwarzen zu erwarten. Der Zuzug von Negern wird auf 15,000 angeschlagen. .

_ (A. A.C.) Aus Cuba smd per Kabel im Laufe der Woche folgende Nachrichten eingetroffen: Um der Geldnotb des Staatsschaßes einigrrmaßen abzuhelfen, ist der Verkauf von Adelstiteln und Besteuerung derselben wieder eiiigefuhrr wordey. Das dieselben unterdrückende Dekret von 1873 ist annuilirt; ,in dem betreffenden Eriaß ist jedoch die Schaffung neuer Titehmcht vorgesehen; die Regierung überläßt das den Cortes. IriMsthen find die Inhaber der alten, wieder ms Lebrn gerufenen Titel, welche in Cuba residiren, und welche die Entrichtung der Struern unterlassen, gemäß dem Königlichen Dekret von 1846 Verpflichtet, den fälligen Betrag zuzüglich 33 Prozent zuerirgcn. Im Unterr- laffungsfall ist die Venuyung dieser Titel verwzrxt. _ Kiirzltch wurde ein Versuch gemacht, den General-Kapitari „Concha auf seinrr Sommer-Refidenz, welche stets von Freirvtiligen'brw'acht ist, zu erschießen; der Verdacht hat sich auf einen'der Freiwilligen gelenkt. Die Angelegenheit ist der _Oeffenilichkeit, soweti dies möglich, entzogen worden. _ Es wrrd berichtet, daß rs 111 der Absicht der Regierung liegr, innerhalb 10 Tagen eme neue Zwangs-Anleihe von ],500,000 Doiiars zu machen.

Buenos-Ahres, 9. Oktober. (W.T. B.) Der Insur- gentenführer Rivas hat sein Lager Janz m der Nahe von Buenos-Ahres aufgeschlagen. Die Regierungstruppen hadert Belgrano und Maron beseßi. Dat.“; dcn"Insurgenten gehortge Kanonenboot „Parana ist, verfolgt von einem Regierungs- geschwader, in dem Hafen von Montevideo eingxtroffezi, wurde indeß sofort angewiesen, den Hafen unverzugltch Wieder zu verlassen.

Asten. Nach einem der „Großen nordischen Telegraphen- gesellschaft“ in Kopenhagen zugegangenen _Txlegramme aus Shangai vom 10. Oktober Nachrmitags h_estattgt es sich, daß eine KriegeZ-erklärung zwischen Ching und Japan nicht erfolgt ist. Im Gegeniheil werden die Verhgndlrrngen zur Erzielung eines Einverständniffch zw1sthen den beiderseitigen Unterhändlern Okubo Lund Tsung-11:Yamen„fortgeseßt, und ge- winnt es den Anschein, daß die ganze Frage eme friedliche Losung erfahre. Die Verhandlungen werden sogar den fremden Gestindt- schaften gegenüber sehr geheim gehalten.

Zur Begründung des Entwurfs der (Zivilprozeß- Ordnung. (Vgl. Nr. 236 d. B1.) 17

§. 10. Das Verfahren des Entwurfs_ beruht aus der fol- genden einfachen Regel. Wer eine rirhtrrlichr Entsthridung er- wirken will, welclie auf Grund einer wundlrchen Verhandlung Erfolgen muß, hat die ngrnpartri iti eme brfttmmtc, dym Vor- sitzenden des Gerichts bezeichnete Sißung lgden zu lasten, nnd zwar mittelst Zustellung cinesöSchi'rftjaßcs, m Welchem dre Ge- genpartei von dem in der Sißung zr: stellendet'r Gesnche rind den fiir dasselbe iprechenden (Hrnndrn m Kenntmß geseizi wird. Die Gegenpartei ist bei Vermeidung der Kosten des verzrgerien Prozeffes verpflichtet, der Vorladrnden'Parter vor demTemnwe eme Gegenerklärung zustellen zu lauen, m welchcr fie nntthetlt, _ob und Welche Griinde fie dem in der Sitzung zu stellrnden Ge- suche entgegenzuseß-n beabsichtige. In dem anberaumten Ter- mine stellen die Parteien ihre Gewehr und verhandeln zur Sache. , „_ ' ' Diese einfache Regel ist aber" aiich eme allgrmeme. Sie gilt fiir alle RechtSstreitigkeiien, filr ]rde Instanz, deren Ver- fahren überhaupt ein mundlrchrs ist, fur dix Hauptsache wre fiir Zwischenstreitigkeiten, fur jede Art der mundltchen Prozedur.

Für das Verfahren vor den Handels- und Amtsgerichten, ist eine Abweichung insofern zugelassen, als d_1e Gegenpartei auf einen ordentlichen Gerichtöiag ohne vorgangtge Bestim- mung desselben durck) den Vorsitzenden geladen werden kann,

die Gegenpartei auch nicht bei Vermeidung der Kosten, des

verzögerten Prozesses verpflichrct ist, der Partei vor dem Ter- mine eine Gegencckiärung zustellen zu lassen.

Dem Entwurf ist die Unterscheidung zwischen einer or- dinären und jummarijchen Prrzrdur im Sinne drs 0066 (16 procézäurs 0i711€ fremd. Dagegsn kennt er in dem Urkunden- und Wechselprozeffc cin Vrrfafsen mit, matsriell beschränkter Defenfion und in dem Ehe- und Entmündigungs- prozesse “ein Verfahren mit nicht unwewntlichet] Abreichungrn, welche mit der Natur der Rechthrrhälinixse wlbst im engsten Zusammenhange stehen. _

Neben dem durch das Miindlichkeitéprinzip hrheMchten eigentlichen Prozeßrerfahrcn findet ein ganz abwwckyend kon- stMirtes Vérfahren PlaiZ, Welche?- der Cntrvurf „gls Mahn- vrrfahren bezeichnet. Dasselbe brruht auf der_ErwggUng, daß der tägliche Verkrhr eine Masse von Rechtsstrrrtrgkrtirn hrrvor- ruft, welche lediglich aus dem Gruydc vor drr Grrxxhtr “gelan- gen, weil der Schuldner nus Saumieligkeit, Nachla111gkert dder wegen Mangrl augenblicklich bcrciter Mittel ein'? unstreittge und dr-Zhalb der richterlichcn Frststcllung nicht bednrfendr For- derung nicht brrichtigt, Zn drm rrwirkien, unter Androhimg sofortigrr Zwangsvollstreckung crgehendcn Zahlungsbriehir [MJK fiir den Schuldner eine ernst? Mahmmg, seinen Glanbiger zu befriedigen. 171

§. 11. Das bestrhendr ReckyiÖmiiielshstem hat im Entwnrf Abänderungen erlitten, welchc ihrrm ailgcnwinrn Charakter nach schon hier zu drlcnchten smd. _ _

DSi" Begwff eineö Rcchthiitrls ist kein hxstrriicf) gcge- brner; in derProzeßtheorie, wie in den Geießgcbungen, wird er in verschiedenem Sinne genommen. Im Eniwurf wcrdsn unter RechtSmitteln prozessualiichc Rciiiisbcheift: rerstandcn, wodurch Cnijchcidungrn, erche die Rechtskrafr noch nichi brickiriitey habrn, vor einem höheren Richter angefrchien wrrdrn._ Danni 'cheiden aus der Reihe der chht-Zmittel die Wrsdrrrmseßmug m den Vorigrn Stand, dcrEinipruck), die Nick)tig_keiisklagc und dir RestitutionÖklagr. Dir Wiedcrcinjrßnng bczMckt, die Foigeu dcr Versäumung eincr Nothfrist zu O_esritigen Z"? die Anrech- tung einer durch Aer der thhfrixt rechtskraxtrz grwordeiien Enischeidung zu ermöglichen; uber den Antrag (l_Us Wwderrm- setzung entscheidei das Gericht, jvcichcm die Enisthcrdung Uher die nachgrholte Prozeßhandlung zusteht. Dcr Etnxpruch gehort zur Zuständigkeit drsjcnigsn (Hrrichts, 1V€lck19§_kas Unigr- horiamsurtheil Eriiesz, und hat nicht rechtskraxttge_ 'Urt'heile zum Ergenstaiidr. Dir Nichtigkeitsklage nnd dw Rsstttuttons- klage richtrn fick) strts grgcn rechtskräftige Urtheile iind gc- hörcn nicht zur Zuständigkeii einrs höheren Richtors. Von der Wirdrreinchung wird im Zniammrniyaime mit den Folgen drr Vrriänmung, von dem Einipruchr ini Zusainin'rn- bange mit dem Ungehorjanisurilwil ((shandelt.“ Die Ntrhtigkcxis- klage und die Rrstiiniionsklage, Welche in gleichrchiie, wcnn (lilck) aus vrrichiedenrn Griindkn, _die Wiedrrauxxmhme emos durck) re tskrästigcs Urthril geschloßrnon Versahrctxs [),Szwchen, bilden den Gegenstand eines besonderen Bachs; fast sämmtliche Prozcßnormrn sind beiden KMILU gemeinsan

Als R€chtsn1itt€l kommrn in Betracht dre Berufimg, dic Rrvifion Und die BrichMrdr. “_ _ _

Unter dissen Rcchi6miitcln ist die Beichwrrdc Von cmsr mehr unirrgcordnetrn, nebsnsiichli§hcn Bcdrntutig. “Den Gegen- stand drr Anfechtung bilden vcrhalinißmäßig czniache, unbcdeu- trnde Eniichridungen; fiir die Anfechtung 1eldxt und drren Er- lsdigung empfehlen fich dahrr thiM'lichst einfache FOUUCU. Die einzelnen Entschcidungen, jvrlck)? den Gegenstand der_BcjckZMrdc bilden, könnrn nicht wohl in einer allgemeinen Gci'rßcssormrl znsannncngciaszt worden. Zur aligemeinen Charakterrsirung drr rinzelnrn Ciitickwidungen dient jedoch Folgendes: Wcmr dcr iibrigen auf mündlicher Prozedur drruhrxrdcxiRechtsiixittrl, ihrer ganzrn Konstruktion nach, nur wiche richtcrlxchg E11t1ch§tduiigsn zum Gegenstande haben, welche ncick) vri'gairgtgrr nmndltchcr Verhandlung im Vrrhältniffr der emen Yaiiri znr imderrn _cr- folgte sachliche Entickwidungrn cnihalicn, w fallen dem Grdrrte der Beichwerde Entschridungen (mheim, Welche endweder Lilie mündliche Verhandlung nicht voraussxhcn odcr eincn Streit zwischen dcn Parteien und dritten Pcrwnrn brzieien oder eme Fachliche Entscheidung nicht enthalten. NU!" giigz' a1_1s«11al)ws- wciie sind Entickwidungen, anf_1vcick)s drci? Kriisrien 'nicht passen, dcm Rechtsmittel dcr Be1chwcrdc untcrwdchn, Mil dir Utitrrgcordnete Bedeutung der Ent1chrtdungen dic Annwndnng dcr cinfacheren Prozeßfornicn rochtferngt. ' .

Dic jonstigrn Rechtsmittel haben nur Endnrthch zu ihrcm Grgrnstandr.

Statistische Nachrichten.

Dem fünften Jahrgang des statistischen Jahrbyches (1872) für das Großherzogihnm Bgden entnehmen Wir fol- gende Daten: Die Ergebnisse der Yolfszadiung_ v_o_m 1. Dezember 1871 waren: 303,228 bewvhnte Gebaude, 290 wnytige Aufenthalts- stäiten, 300,517 Haushaltungen, 418 Aufruthalts- und G'xtra'Haus- haltungen, 1,434,970 anwesende Personen, wovor) 1,379,982 badische, 42,003 sonstige Reichsaugchörigewund 12,980 Retchkriusiander. Nach der Konfession 475,918 evanaclmche _Chrtjtrn, 931,007 Katholiketz, 2435 sonstige Christcn, 25,599 Israeliten, 2 Bekenner_andrrer RZ!!- gion und von 9 ist dasselbe nicht _aqgcgrbrn. ' Jn_der_ RUbUk' „Große und Preise der landwirihschastltchcn Lirgrnixlxaxrcn init Aus- schluß der Bauvlätzr“ ist der Grsammtcrloßx bcmerkenöwerik); er betrug 26625903 F1. im Jahre 1872 und qt der Unterschied des Preises für die Hektare Land von 1871 und 1872 bei Aeckern 380 Fl., Garteniand 276 Fl., Rebiand 496 F1. und Wald 62 Fl., Was mit der allgemrinen Prrisstkigcrung _zusammenhangt. _ Die Thätigkeit der bürgerlichen Grreäytigkxttépslege anlangend, so Wurden 92,424 Zahlbefehle gelöst, 973 ngrnscdastéroilstrc_ckungen„ 1882 Fahrniß- und Haimfrücbte'Versteigerungen vrilzrgrn, (rs wur- den 551 Ganien anhangig. Die Amtsgerichte erledigten 26,990C1vil- prozesfe. Der Kapitalbetrag der angcsteÜten Pfandurkunden nxnht m bezeichnetem Jahrezuiammen13,812,751Fl._„ExneZunahmeder Oteuer- kapituliert ist erfichtlick). Das Grunck-_unr Hautirriieyrr-Kapttai betrug 543,995,817 Fl., das Häusersteuer-Kapitai 21921222.) Fl., das waerb- steuer-Kapital 251,892,350Fl„, dasKavitaisteucr-Kap:tal 329,372,2_50F_1., das Klassensteuer-Kapital 52,922,930 Fl„ ix_n Gxnzcn _sieuerbare Kahrialien 1,397,395,572 Fl., das steuerfreic Kaptial drs Startck, 1“cpra1ent1rt einen Werth von 33,390,757 F1. Diese Stxucrkapttalten betragen demnach mehr als 3 Miliiardrn Francs. _ Der Gesammi-Hagei- schaden im Großherzogibum betrug im Jahre 1872 2,981,454 Fl'._-" Waldflächen besaß das Großherzogihum im Jahre 1872 „an 515242

ektaren, gcgen 514,033 Hektaren im Jahre,1871; es _laßt fi eme Fete Vermehrung des Waldbestandes nachweisen.„_ Die Linza [ der Sparkassen "im Großherzogthum War_97, dre neuxn Einlagen zu Ende des Rsclmungöjahreö 123,207 und die Ge'satnmtemlagen standen auf 37,617,526 Fl., aiso auf mehr als 37 Millionen. Demnach kawe auf den Kopf Mehr (116 25 F1. Ersparmß. Bedeutend War die Tha- tigkeit der Borschußvererne, deren es“ am S lasse des Jahres 1871 _ 70 waren. Beträge auf Schuld5cheme, Weck) 81 und Diskonte

t d n u ammen auf 11,444,040 Fl der Umsatz in Kontokorrent be- irÜJ eini sJal)re 1872 _ 85,892,'791 Fl. gegm 52,909,124 Fl.