1874 / 249 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 23 Oct 1874 18:00:01 GMT) scan diff

werbung _nocb vine feste amtliche Anstellung smd. Privatdozenien an Univerfitaten find von der Bewerbung nicht audgeschlo en.

§.'4. Mit„_der wissenschaftlichen Leitung der tiftung ist die KäniNrchßprenßer Akademie der Wissenschaften beauftragt. Die philo1op511chch1tornchs Klasse der Akademie wählt eine ständige_Kom- mission, welche dre Aufgaben aus dem Gebiete der Phiwlogte be- stimmt, die eingrlieierten Arbeiten prüft und dem Verfasser derjenigen Arbeit, Welche die meiste oder, falls keine anderen Arbeiten eingegan-

en_smd, an fick) die genügende Befähigung zeigt, das Stipendium drr

tiftung als Preis zuerkennt. .Die Klasse berichtet Hierüber _an die Akademre, nach deren Genehmigung und in deren Namen dre Be- kanntmachungen erfolgen.

§. 5. In jedem vierten Jahre macht die Akademie die Preis- aufgabe in der auf den Anfang des Monats Juli faÜenden öffent- lichen Sitzung am Leibniztage und dunn durch die Zeitungen bekannt.

Die Verkündigung _der im Jahre 1874 zu stellenden PreiSauf- gabe erfolgt auMathweise in einer der gewöhnlichen Sißungen der Akademie und' durch die Zeitungen vor dem Ablauf des Monats Oktober genannten Jahres. _

§. 6. Die Arbeiten der Bewerber find bis zum 1. März des der Verkündigung der Preißaufgabe folgenden Jahres an die Akademie einzusenden. Sie find mit einem Denkwruch 'zu versehen, und in eincm verfiegclten, mit demselben Sprache bezeichneten Umschlage ist der Name des Bewerbers anzugeben,_ und der Nachweis zu liefern, da die im §. 3 bestimmten Voraus1eßungen bei dem Bewerber zu-

re en.

§, 7. In drr öffentlicHen Sißung am nächsten Leibniziage, zuerst am Leibniztage des Jahres 1875, ertheilt die Akademie der als des Preises würdig befundenen Arbeit das Stipendium. Dasselbe besteht in dein Genu'sfe der zur Zeri ]ährlick) _41) % betragenden Zinsen des Stiftungskapitals von Zehntausend Thalern auf die jedesmalige Dauer von vier Jahren.

„Das Stipendium wird dem Stipendiaten in vier Jahreöraien geWabrt, von _denen _die erste am Leibni-ztage drs Jahres der Verlei- hung des Preises, die drei übrigen je am 1. Juli der nächstfolgenden Jahre zur Zahlung gelangen.

§. 8, Ertheilt die Akademie keiner der eingereichten Arbeiten den Preis, sr) stelit fie in derselben Sitzung eine neue Aufgabe oder Wiederholt die ungelöste.

Diejrnigen Zinsen des Stistungskapitals, welche bis ;um 1. Juli 1874 schon aufgekommen sind und künftig etwa in Ermangelung eines zum Grnusse Berechtigten unverWendet bleiben Werden, find zur Er- höhung des Kapitals bestimmt, um in geeigneten Fällen zur Erkhei- lung von Nebenpreifen zu dienen. .

Berlin, den 30. Juli 1874.*

Der Reichskanzler. Im Auftrage: ([.. 8.) gez. Eck.

_ In der Sißung des Ober-Tribunals-Senars für Strafsachen vom 8. Oktober cr. erkannte das Ober-Tribunal, daß ein „g eistliches Amt“ im Sinne der Maigeseße nicht mit „Seelsorger-Amt“ gleichbedrutend ist. Vielmehr fäUt unter diesen Begriff auch das Amt eines Hülfs-Geiftlick]en, Welcher zwar nicht die Seelsorge auszuüben oder die eigentlich pfarramtlichen Funktionen wahrzunehmen, aber doch in der Kirche Messe zu lesen, oder an der Versehung des Gottesdienstes Theil zu nehmen hat. Das Geseß vom 11.“ Mai 1873 hat zwar selbst, wie das Ober-Tribunal motivirend aquührt, eine Bestimmung des Begriffs „geistliches Amt“ nicht gegeben, in den Motiven jedoch zu jenem Geseße wird für die Auslegung dieses Begriff?- auf die Terminologie des Ailgemeinen Landrechts Bezug ge- nommen. Das Allgemeine Landrecht bezeichnet (im Theil 11. Tit. 11 §. 59) als Geistiiche „Diejenigen, welche bei einer christ- lichen Kirchengemeinde zum Unterrichts in der Religion, zur Be- sorgung des Gottesdienstes und zur Verwaltung der Sakramente bestellt smd.“ Auch läßt das Geseß vom 11. Mai 1873 in sei- nem ganzen Zusammenhange und seinem Zwecke keinen Zweifel darüber, daß dieses Geseß den Begriff des geistlichen Amtes nicht auf die eigentliche Seelsorge - Aemter hat beschränken, sondern auf alTe kirchlichen Aemter hat beziehen onen, mit welchen Überhaupt die Vornahme heiliger Handlungen verbunden ist, und welche nicht ausschließlich mit dem Kirchenregimenie zu thun haben. DMU der §. 2 erklärt die Britimmungen des §. 1 sogar für anwendbar auf die Anordnung einer Steilverlretung oder Hülfeleistung im Amte, also auf rein provisorische Stellungen, deren Inhaber ein Amt gar nicht bekleiden, und giebt in den Motiven als Grund die Rothwendigkeit an, die Umgehung des Geseßcs zu verhüten. Damit würde es völlig unvereinbar sein, wenn diejenigen Geistlichen, welche Hülfe oder Stellvertretung vermöge eines sie dazu ermächtigenden festen Amtes leisten, dem Geseße nicht unterworfen sein sollten, sobald nicht die eigentliche Seelsorge mit diesem ihrem Amte verbunden ist.

_ Die fällige englische Post aus London, den 21., Abends, ist aus;;eblieben. *

' _ Der Stadtverordnetenversammlung lag gestern em Antrag des Magistrats, die Einrichtung konfessions- loser Schulen, zur Berathung vor. Der betreffenden Vor- lage des Magistrats entnehmen wir Folgendes:

. Die „aligemeinen Bestimmungen des Königlich prenßifcben Mi- nisters der geistlichen, Unterrichts- und Medizinai-Angelegenheiten vom 15. Oktober 1872, betreffend das Volksschul'Präparanden- ,und Semi- narwrsen,“ haben zwijchrn der Pflege des religiösen Gefxihls und der Arisdildun des Verstandes ein so richtiges Verhältniß brrgestellt, da); 111 un ern öffentlichen Volksschulen eine übermäßige Betonung des Yoniesfioneilen Elxments nicht mehr zu besorgen ist. Dem Unterricht rm Rechnen und m_der Geometrie, sowie in den 1ogenannten Realien (Geographie, Geschichte, Naturkunde) ist ein sehr hohes Ziel gesteckt; das_Lesebuck),„ Welches auf den Vorsteüungskreis der Kinder und ihr sittliches Gefuhl den wesentlichsten Einfluß ausübt, sol] siine Stücke nus dem Schaße de_r,deutschen Literatur entnehmen und sich von ktrchltchen und politischen Tendenzen frei halten; endlich wird die Mittheilung, Besprechung und Einprägung geeigneter deutscher Ge- dtchte emviohlrn. Werden diese Bestimmungew mit Einfichi aus- gefuhrt, so wird auch unsere Jugend in den An1chauungen und Ge- danken erzogen werden, welche das Geistesleben unseres Volkes be- herrschen. Es „war dre Ausgabe unserer Schulverwa11ung, auf Grund jener .allgcmemen Bestimmungen“ einen neuen Normal-Lehrpian auf- zustellen. Nach demselben wird seit Mrcbarlis vorigen Jahres ver- fahren. Er bietet der Vereinigung von Kindern verschiedener Kon- fesfionen umfoweniger Schwierigkeiten, als er auch-die kirchengeschicht licJen Mittheilungen in die Religionsstundxn verweist. Seine Ver- vo kommnung und insbesondere seine scharfere Gliederung ist der Gegenstand weiterer Fürsorge. Während ich so an unsern Schulen ern frisches Leben entwickelt und die Krafte der Lehrer1chgft durch dre neuen Aufgaben erheblich angespannt sind gndererseiis aber em neues „Unterrichtsseseß in Aussicht steht, ichemt es nicht ge- raYen, mit weiteren prinzipielien Aenderungen unserer bestehenden S_ ulen yorzugehen. Bei der Errichtung neuer Schulen dagegen mussen wir dahin streben, der ivachsenden Belastung entgegen zu treten, welche fur unseren Schuletat aus der fortgesetzten Scheidun der Schulen uach Konfessionen entspringen würde. Es kommt daran an, Mit Schulen, Welche _kemen spezieuen Konfessions-Charakter an sich tragen, vorzugehen-und die Frage, ob diejelben den Anschauun en der Bevölkerung w1r_k[1ch entsprechen, durch den Versuch zu ent (heiden. E!". solcher Veryucb mn? m verschiedenen Gegenden der Stadt gleich- zeitig [Zegonnen und, wer mancherlei Vorurtbeile zu befiegen sein wer- nen, langere Zett hindurch fortgesetzt werden. Es ist außerdem nothwendig, solche Schulen gerade dort zu errichten, wo ein dringendes

Schnibedürfniß vorliegt. Aus dieien Gründen beabsichtigen wir, die vier neuen Schulen, welche in der Wrangelstraße, Kleinen Andreas- straße, Scharnhorstftraße und der Pappei-Ailee nothwendig wer- den,_dem_ Beschluße der geehrten Versammlung vom 4. Januar 1872 gexngßxmzurrchten. Wir haben deshalb den folgenden Antrag an das Konigltche Provinzial-Scbulkoaegium gerichtet: ,

Vyn den jetzt bestehenden 77 Bcrlmer Gememdescbulen smd 71 (vanzeiich und 6 katholisch. Nach der leisten Volkszählung betrug die evangeli che Bevölkerung 732,677 Seelen, die katholische 51,712, die jüdische 36,015, die dissidentische 2099. Dem Artikel 24 der Ver- saffungß-Urkunde: „bei der Einrichtung der öffentlichen Volksschulen smd die konfxsfioneklen Verhältni e möglichst zu berücksichtigen“ rst daher bei uns in hohem Maße Rechnung getragrn. Wir hören auch jrßt nicht auf, für die konfessionellen Schulen zu sorgen; wir bxabfickptigen, zum 1. Oktober c. eine katholi1che Schule (die 37. Gemeindeschule) um zwei Klassen zu vermehrcn, die ganze Anstalt aber in einem erheblich besseren Miethslokale (Melchior- straße 14) unterzubringen; eine andere katholische Schule (die 36. Gemeindeschule) erhält eine neue Klasse und ein eigenes Schulhaus (das der 8. Gemeindeschule, Linienftraße 162); von den evangelischen Schulen aber werden die 8„ 50, 54., 56., 57.,_ 60, 62, 63., 67., 68. und vielleicht auch die 74. zu demselbrn Zeitpunkt neue Schulhäuser beziebxn und einen erheblichen Zuwachs an Klassen er- halten. Nucl; für die folgenden Jahre sind Schulbauten Vorgesehen. Schon vor langerer Zeit aber haben wir die Ueberzeugunq gewonnc-n und ausgesprochen, daß eine fernere Trennung der Konfejsionen in den hiesigen Volksschulen zu einer unerträglichen Be- lastung des Kommunalbaushalts führen, daß daher allmählich mri: der Emrichinng hiesiger Volksschulen für Kinder verschie- dener Konfessionen vorgegangen 'Werden muß. Die katho- lische und die jüdische Bevölkerung rst über das ganze Gebiet der Stadt zerstreut, bei getrennten Konfessionen müßten wir also be- ständig schwach besetzte katholische wre jüdische Schulen in drn verschiedenen Stadtgegenden unterhalten, während die evangeli- schen Kinder in den überfüllten Schulen drsselbrn Siadtibeils kaum ein Unierkommen finden würden. So hat nach der Frequenz- liste vom 1. Mai d. I. die katholische 40. Gemeindescbule (Schöne- berger Straßer 26) m 3 Knabenklassen 124 Schüler und in 3 Mädchenklasjen 111 Schülerinnen, sie läßt 155 disponible Pläße unbeseßi. In demselben Schulinspektionsbezirk liegt Wilhelm- straße_.11_7 die evangelische 27. Gemeindeschule, Welche in 12 Klassen 831 Gchulerinnen hat und ihre Fassungskrast um 41 überschreitet. Analog bat in Moabit die katholische 41. Gemeindeschule in Z'Knabenklaßsrn 107 Schüler und m 2 Mädchenklassen 55 Schüle- rinnen und laßt 60 Pläjze leer; während die gleichfalls in Moabit gelegene evangelische 31. Gemeindeschule in 7 Knabenklassen 438 Schüler und in 8 Mädchenklassen 475 Sobiilerinnen zählt und die bisherige Waldau'scbe Schule in 6 Knabenklassen 340 Schüler und in 6 Madch'enklassen 358 Schülerinnen. Keine der.6 katholischen Schulen [)ai essbrsher zu 6 aufsteigenden Klassen gebracht, in der 36, Gemeinde- schule rst sogar noch (bis zum 1. Oktober c.) eine gerni1ckte Knaben- nnd MadciZeznklasse. Vergleichen unfertige Schulen würden wir abrr m_ noch großerer Zahl einrichten müssen, und insbesondere wiirden ww uns der Einrichtung jüdischer Schulen auf die Dauer nicht entziehen können, wenn es uns nicht gelingt, solche Schulen in Berlin herzustelien und in dem Vertrauen der Bevölkerung zu befesti- gen, welche evangelijéhe, kaiholisckve und jüdische Kinder gleichzeitig unterrichten. Schulen dieser Art sind in Nr. 26 der Ministerial- erfugung Vorn 15. Oktober 1872 ausdrücklich vorgesekyen. In ihnen Wurde der Rcltgionßunterricht für jede der drei Kategorien besonders ertheiit werden, in die Religionsstunden der Evangelischen wiirde auch die Reformationsgeschichte rauen, wie dirs schon jeßt geschieht, und ebenso würde für den Gesang, soweit er gotteödienstlickyen Zwecken dicni, eine Trennung eintrcien. Jm Uebrigen würde in den Normal-Lxhrplan, drr schonnjexzt für die beiden christlichen Konfeisionen gleichrnäßig gilt, nichts geandert werden. Wir müßten uns vorbrhaltcn, an die1eSchulen Lex)rer verschiedener Religionsbekenntnisse zu berufen, ohne uns an ein brittmmtrs Zahlenverbältniß zu binden, außer dem, Welches fich aus der Nothwendigkeit, für den erigionsunierricht auSreichende Lehrkräfte zu beschaffen, von selbst ergiebt. Endlich würden wir denjenigen Eltern, welche auf Unterbringunß ihrer Kinder in evangelischen oder kathylisckokeu Schulrn bestehen, hierzu Gelegenhei geben. Ans diese WSUS Wurde auch der Schein eincr Gewissensbedrückung vermieden werden. Unter solchen Voraussetzungen benbsichtigen Wir auf den Vorsckylag der'Schuldeputation _ die denielben in ihrer Sitzung vom 24. Juni c. beschlossen hat___ die vier neuen Gemeindeschulen, Welche am 1. Oktober 1). J. eröffnet werden müssxn, nämlich die 79, in der Pappelallee, die 80. in der Wrangelstraße, die 81. in der Klemen ?lndreasstraßx, und die 10. in der Scharnhorststraße (die Nr. 10 ist abgetrennt -von der Verbindung 9./10., Welche bisher den Namen der in der Hirtengasse belegenen Schiris bildete), obne be- sonderen kdnfesfionellen Charakter, als Grmeindeschulen für Kinder aller Religionsbrkenntnisse einzurichten. Das Königliche Provinzial- Schulkollegium ersuchen wir gehorsamst um geneigte Genshmigung dieses Pianes. Derselbe kommt einem, vvn der Stadtverordneten- Versammlnng vor längerer Zeit ausgesprochenen und häufig wieder- holten Wunsche entgegen und wird, wie wir hoffen, auch 'bei der MeHrhert der Bürgerschaft, Welcher der Frieden zwi1chen den Kon- fessionen am Herzen liegt, einen solchen Anklang finden, das; wir bei Ueberwmdung der Schwierigkeiten, Welche fick) bei seiner Ausführung etwa ergeben sollten, auf den gut.:r Willen der Betheiligten werden rechnen dürfen. ' '

Dre Königliche Provinzial-Schulkommission hat in dem auf diesen Bericht ertheilten Bescheide noch eine nähere Prüfung des Bedürfnisses nnd der Zweckmäßigkeit der paritätifrhen Einrich- tung der vier Schulen unter Berücksichtigung der lokalen Ver- hältnisse für nöthig erachtet und dem Magistrat anheim- gegeben, die vier neuen Schulen zu eröffnen, über den KonfesstonScharakter derselben aber einstweilen noch keine Entscheidung zu treffen, Der Magistrat theilt demgemäß der Stadtverordneten:Versammlung mit, daß er die qu. Schulen eröffnen werde, ohne über ihren Konfesfioanharakter Entschei- dung zn Treffen, und daß er Kinder alXer ReligionSParreien in dieselben aufnehmen werde. Der Sachlage entsprechend, müsse er auch wünschen, daß für diese Schulen alsLokal-Sch1rlinspektoren nicht, wie für die älteren Schulen, die Geitlickzen der Parochie, sondern bewährte Schulmänner bestellt wer en.

Die Versammlung beschloß mm gestern, dern Magistrat ihre Anerkennung auszusprechen und ihn zu ersuchen, auf dem be- tretenen Wege weiter vorzugehen.

In derselben Sißung bewilligte die Versammlung zur Fort- führung. der KanalisationSarbeiten, resp. zurn Ankauf eines Rieselfeldes weilere 600,000 Thlr.

_ Der Kaiserlich Deutsche Botschafter Fürst zu Hohen- lohe-Schillingsfürst ist hier eingetroffen und hat im Hotel du Nord Wohnung genommen. -

_ Der italienische Gesandte am hiesigen Hofe, Graf 9 a unay, at sich gestern mit seiner Gemahlin zu einem etwa vexrwöchentlrehen Aufenthalt nach Wiesbaden begeben und wird wahrend seiner Abwesenheit von Berlin von dem italienischen Geschäftsträger Marquis Tosi vertreten werden.

_ Der General-Major, General :) la suite Sr. Majestät des Kaisers und Königs und Inspecteur der Jäger und Schüßen von Stiehle ist von Urlaub aus Schlefien zurückgekehrt.

_ Der GeneraT-Major und Commandeur der 4, Garde- Infanterie-Brigade von Dannenberg ist in gleicher Eigen- schaft zur 1. Garde-Infanterie-Brigade unter gleichzeitiger Ueber- trameg der Geschäfte der Kommandantur von Potsdam verseht wor en.

_ Der Contre-Ndmiral und DirektorZ der Admiralität Han hat sich in dienstlichen Angelegenheiten nach England be- ge en.

_ Der Polizeipräsident v. Madai ist am Dienßag Abend von [31er nach Kopenhagen abgereist.

_ L_)er Gerrecal-Gouverneur der Oßseeprovinzen, Fürß Bagratron, ist gestern Abend aus Paris hier eingetroffen und m Hotel Royak abgestiegen.

_ _ Der Vize = Präsident von Baumbach bei dem Appellationsgericht in Cassel ist gestorben.

-'S. M Dampfkanonenboot „D elphin“ ist am 21. Okto- ber cr. m Kiek außxr Dienst gestellt.

Bayern. München, 21. Oktober, Unter dem Vorfiß des Staats - Ministers von Pfreßschner fand vorgestern eine Staatsrathssißung statt. _ Der Staats-Minister des Innern von Pfeufer hat heut eine dienstliche Reise nach Franken angetreten. Während seiner Abwesenheit, die einige Tage dauert, versieht der Königliche Staatsrath von Schubert die Geschäfte des genannten Ministeriums.

Sachsen. Dresden, 20. Oktober. Der König wird am 24. d. M. vom Iagdschlosse Wermsdorf nach der Viila Strehlen zurückkehren. _ Die Königin hat fick] heute Mittag nach Meißen begeben, um den Dom und die AlbrechtSburg in Augenschein zu nehmen. _ Prinz Georg ist heute früh nach Sibyllenort abgereist.

_ Der Vorstand des sächsischen Gemeindetages hat eine Einladnng zu der am Montag, den 2. November d. I., in Löbau stattfindenden IahreSversammkung erlassen. Die TageSordnung ist für die diesjährige Versammlung folgende: 1) die Genteindefteuerfrage, Referent Advokat Kirback), Correfe- rent 1)r. Gensel; 2) die Frage über Bildung einer Gemeinde- Penfionskaffe, Referent Bürgermeister Ludwig-Wolf; 3) Antrag des Stadtraths zu Dahlen, die Beichaffung vonAmtswohnungen für den Bürgermeister betr., Referent Advokat Hendel; 4) An- YFZ, das GemeindeZFenerwehrwesen betr., Referent Stadtratk]

ume.

Sachsen-Coburg-Gotha, Cob u r g, 19. Oktober. (Fr. I.) Nach mehrwöchigen Berathungen irn hiefigen Landtag ist das neue Vo*lk5schu[geseß mit F0rtbildungdschu1en nach gegen- seitigen Kompromissen zwischen der Regierung und Landes- vertretung angenommen worden. Die hauptsächlichsten Differen- zen betrafen die Zusammenseßung der Schulvorftände, nament- lich die geseHliche Mitgliedschaft der Geistlichen im Schulvorstande, die Aanahrr-esteilung der Stadt Coburg bezüglich ihres Schul- wesens, das Wahlrecht der Gemeinden bei AnsteUung von Lehrern und die Stant-Zauificht über die Schulen. Der Landtag erstrebte hierbei eine volkständige Trennung der Kirche von der Schule. Auf der geseßliclz auSgesprockzenen Mitgliedschaft des Geistlichen im Schulvorftand beharrte jedoch die Regierung mit ailer Entschiedenheit, wovon zugleich die Sanktion des Ge- seßes abhängig gemarht wurde. Der Landtag willigte daher in das freie Wahlrecht für die Geistlichen als Mitglied des Schul- vorstandes, wogegen regierungsseitig eine Vereinfachung der StaatSaufsréht durch nur einen Schul-Jnspektor, die Aufbesse- rung der Lehrergehalte nach den Anträgen des Landtags zu- gestanden und das Gesetz mit den sonstigen Abänderungen der Landtags-Kommisfton angrnommen wnrde. Dasselbe sol] mit dem 1. Januar 1875 in Kraft treten.

Lübeck, 22. Oktober. Der Kronprinz und die Kron- prinzessin von Dänemark, welche gestern Nachmittag mit der Prinzessin von Wales von Kopenhagen mit der engli- schen Dampfnucht „Osborne“ hierher abreisen sollten, unterl-ießen, wie ein Telegramm an das hiestge Königlich dänische Konsulat heute anzeigte, die Abfahrt wegen der stürmischen See und ist deren Ankunft vorläufig noc!) unbestimmt. Die Herrschaften sollten in Travemünde landen und von dort mittelst hiesiger Equipagen hierher befördert werden.

Oesterreich- Ungarn. Wien, 22. Oktober. Der dem ReichSratl) vorliegende Entwurf des Finanzgeseß es für 1875 enthält folgende Positionen: StaatSaUSJaben: Aller- höchster Hofstaat 4,650,000, Kabinetskanzlei Sr. Majestät 74,295, ReichSrach 1,648,365, Reictherickzt 22,000, Ministerrath 620,542, Ministerium des Innern 19.652869, Ministerium für Landeswertheidigung 8,417,000, Ministerium für Kultus und Unterricht 17,268,287, Ministerium der Finanzen 72402596, Handels - Ministerium 23,544,244, Ackerbau - Ministerium 11,971,640, Ministerium der Justiz 20,615,340, Oberster Reck)-

,nungshof 157,000, Pension-Zetat 12522445, Subventionen und

Dotationen 19,710,311, Staatsichuld 91,446,784, Verwaltung der Staatssthuld 791,687, Beitragsleistung zurn Aufwands für die gemeinsamen Nngelegenheiirn 76,267,146, Gesammtsumme des Erforderniffes 381,782,551 Fl. r"). W.

Davon 343,656,549 Fi. für ordentliche und 38,126,002 Fl. fiir außerordentliche AUSgaben.

Staatzöeinna'hmen: Ministerratk) 430,225, Ministerium des Innern 1,131,677, Ministerium für Landeswertheidigung 39,288, Ministerium für Kultus und Unterricht 4,686,304, Ministerium der Finanzen 320,120,827, Handels-Ministerium 20,285,350, Ackerbau-Minifterium 11,039,290, Ministerium der Justiz 370,294, PenfionSetat 36,194, Staatsschuld 9,412336, Verwaltung der Staatsschuld 345,600, Einnahmen aus der Veräußerung vom Staatseigenthume 900,000, Zahlung der Donau-Dampfschiffahrtö-Geseilsthaft 632309, Gesammtsumme der Bedeckung 369,429,694 F1. 5. W. Davon 356,084,721 Fl. ordentliche und 13,344,973 Fl. außerordentliche Einnahmen.

Pest, 21. Oktober. Das Amtsblatt meldet die Ernennung Hieronymi's zum Staats-Sekretär im Kommunikations- Ministerium und Julius Paulers, Sohn des Justiz-Ministers, zum LandeSarchivar, ferner die Abdankung des Grafen Pälf fL) vom ObergespanSposten in Preßburg.

Agram, 21. Oktober. Der geßrige Festball fiel glänzend aus; denselben besuchten die hervorragendften fremden Gäste, worunter Minister Pauker und Professor Gneist. Mit dem heutigen Frühzuge reißen die fremden Gäste unter den Hoch- rufen des zahlreichen, am Bahnhofe versammelten Publikums ab-

Karlowi , 19. Oktober, In der heutigen Sitzung des serbischen irchenkongresses wurde der Kongreß- Statutenentwurf des Fünfzehner-Uusschu es nach kurzer Generaldebatte als Grundlage für die Spezia debatte einstimmig angenommen. *

Schmeiz. Bern, 20. Oktober. In seiner heutigen Sißung hat der Nationalrath die Art. 79 bis und mit Art. 81 der neuen Militärorganisation, welche vom

, KriegSaUSrüstung,

* „Vaterland“

. . Vorunterricht handeln, in Berathung gezogen. Dieselben lauten nach dem Antrage der Kommission wie folgt:

Art. 79. Die Kantone iraben dafür zu sorgen, daß die männliche Jugend “durch emen qngcmeffenen Turnunterricbr auf den Militärdienst vorbereitet werde. ,Die Lrhrer erhalten die zur Ertbeilung dieses Unter- xjchts nötbige Anleitung in der Rrkrutenichule. Der Band wird die zm: Voliziebung erforderlicheereisungén an die Kantone erlassen.

Art. 80. Die aus der Schule entlassene Jugend ist bis zum Be- ginn der Wpebrpfiichtzur Fortsetzung dixser Uebungen (Art. 79) ver- halten, sweilicl»: jahrlich wahrend Wenigstens 15 halben Tagen vorzu-

men in . Mh Art. 81. Die zur Voüziehuxrg dieser Anordnungen nöthigen Vor- schriften werden vorn Vundr erla1s_en.

Eine Kommrsfionömmderheit beantragte Streichung dieser drei Artikel, blieb aber nach längerer Debatte mit nur 19 gegen 87 Stimmen in Minderheit. Außerdem genehmigte noch der Nationalratl) die Bestimmungen, betreffend das Genie, Welche, wie seiner Zeit mitgetheilt, auf eine spätere Berathung vertagt worden waren und sick) von dem seitherigen Geseß namentlich dadurch unterscheiden, daß in Zukunft der Bund Rekrutirung und Stellung der taktischen Einheiten aliein übernehmen wird, während er seither diese Aufgabe mit den Kantonen tbeilte. Reick] dem neuen Gesetz wird der Bund dieselbe in der Weise lösen, daß einer jeden der acrzt Divisionen dcr; Bundesheeres ein Genie-Bataiaon zugetheilt sein wird, welches aus einer Com- pagnieSappeure, einer CompagniePontonniere, einer Cornpagnie Pioniere und einer Parktraincompagnie besteht. Endlich ge- nehmigte der Nationalrath noch _die Bestimmungen, betreffend Bekleidung, Bewaffnung und AUSrüstung der Mannschaften, Kriegsmaterial, Munition, Inspektion und

Pferdesteüung, sämmtlick) unwesenjlick) verändert nack) bundes- Die Bekleidung und AuHrüstnng der die Bewaffnung Sache

räthliclxm Antrage. Mannschaften ist Sache der Kantone, des Bundes. , '

_ Der schwetzer Bundesversammlung ist vom Bundesrath ein Programm vorgelegt worden, in welchem 34 Ge - seße für nothwendig, resp. für mehr oder minder dringlich er- klärt werden. Der „Schweizer Grenzpost“ zufoige find dieselben in folgende drei Kategorien getheilt:

], 1) Gesetz über Volkßabstimmung 2c. (bereits erlcrssrn); 2) de_- treffend das Bundesgerichi (ebrnfails schon erlassen); 3) anr Organi- sation des Militärwesens (gegrnrvartig in Beraihuxrg); 4) rider Mili- tärpcnfionen (vom Naiionairatbe beraiizcn); 5) uber M43);- und Ge- wicht; 6) für die Oderaufficbt über Wasser- und Forirpoltzei; 7) das Banknotengesrt) (liegt im Entwurf vor); 8) Gesetz uber Steuxrn zu Kultußzwrcken; 9) üier Civilstand imd _El)e_(licgi gls Entwnrs Vor); 10) über-das Stimmrrcht der Schwetzerburge_r_(1m Nationalrathe schon brraiben); 11) über bürgerliche und' civilrechtlrche Steilung der Niedergelaiiemn und Aufrufhalter; 12) __uber Erwerb und Verlust des Bürgerrechts; 13) betreffend die 056117131161; _14) betreffend dre Kantone, welche unter Art. 1 der Uebergangs-Vcstimmungcn der Ver-

a an allen, __ _" f " 113. fSerie: 15) Organisation und Gescharisiuhrung des Bundes-

rathes; 16) Grieß über Organisation" der Militäradministration; 17) berreffend Militärsteurr; 18) nder Enilxebung vonmder thrpfticht; 19) über Benutzung drr Waffenplatzenrnd Militar- anstalten; 20) Erpropriationdizeseß; 21) Ardeiisrgeseß (Zur Vorlage an eine Erprrtenkommnfion fertig); 22) Gessß, Betref- fend Geschäftsbetrieb von AuswandernngSagrnten; 23) beireffrnd Frer- zügigkeit der wissenschaftlichkn Brruséarirw; _24) betreffend Dauer und Kosten der Niederlasinngsbewtürgung; 25) Verpflegung und BHW“ digung armer schweizerischer Niedergelasjcnrr; 26) „betreftcnd Perion- liche Handlunngähigkeit; 28) ObligmwrrSrecht nnr Handels- und

' c i.

WRRL ckÉrrie: 29) Gesex über Ausübungwon Fiscberri nnd Jagd; 30) zum Schutz der UÜLU rn Vögel; 31) uber den Geschaiisbetrreb von Privat:Assocuranxuntrrnekxmungrn; 32) LotterrgesYZ; 33) Grseß übcr das Urbeberrcchi an literarischen und Yrmstlcrrchen Wrrken; 34) weitere Ausführungsxzefeße. [*r-treffend das thrwejen.

_ 22. Oktober. (W. T. B.) DieBundeSversammlung hat heute Roguin (Lausanne), BlumerkaarUS), Morel, (St. Gallen), Anderwert (Frauenfrld), Pictrt (Genf), Niggeler (Bern), Kopp (Luzern), Oligratt "(Poschmnox Blaeft (Solo- thurn), zn BundeSrichYtern gewahlt. .

_ Vom Nationalrathe wurde [zerrte dre Berathnng des Geseßentwnrfs über die Mil'itärorgan'rsntron fortgeselzt und beschlossen, am Polytechnikum in Zurich Lehrkurs e

für Militär")isse"MF:,„YYYÜJLÄZLÉLWPWJ; _ ""KiFé'Z's-index an ,22. Oktober. (W. T. V.) Das veröffenthku gein Schreiben des „Ober-Befehls- habers der zweiten Expedition nach Archin, General van Swieten, in welchem derselbe Fonßatrrt, daß der miliiärische Zweck der Expedition „volistandtg errer/Yt ser, da es gelungen sei, den Kraton zu „nehmen, fick) dort festzuseßen und so einen Stüßpunkt zu gewinnen, von dem" aus die weitere Unterwerfung des Landes bewerksteilrgr werden konne. Es sei selbst eine dauernde Niederlassung gegrunder und „dadurch die Verbindung zur See gesichert, dre Expedition sei daher durchaus nicht mißlungrn. Die Unterwerfung der benachbarten kleineren Gebiete sei ein Beweis, daß der Widerstand des Sul- tanats Aichin nicht länger fortgeseyi nnd "der Krieg bald zu Ende geführt sein werde. Der Partergerst durfe die Erfolge der Expedition nicht verkleinern.)-

Großbritannien und Irland. London, 20. Oktober. Prinz Leopold begiebt fick) am nächsten Freitag_nach Oxford zurück, um seine" Studien an der dortigen Universitat wreder auf- zunehmen.

*_ Der schwedische Gesandte am dee vom „St. James, Graf Hochschild, ist mit seiner Gemahlin von Schweden nach London zurückgekehrt. "

_ Hr. William Robinson, einer der Hauptsekretare im Ministerium für die Kolonien, ist an Stelle des Hrn. Pope Henneffr) zum Gouverneur der Baharna-Jnsein ernannt worden; Hr. Robinson war Kommiffär für die brttrschen Kolonien bet der leßten Wiener Ansftellung. .

_ Die Leichenbeschauer -Untersuchung über die Entstehung der furchtbaren Pulver-Explosion irn Regents-Park- Kanal hat ihren Abschluß gefunden mri einem Verdikt der Jury, welches erklärt, daß die Explosion dadurck) verursacht wurde, daß der Dampf von Benzolm an Bord des ;Kahnes „Tilbury“ mit Feuer in Berülzrung kam.. Das Verdikt fugt hinzu, daß die Kanal-Compagme, deren Eigenthum der Kahn mar, sick) einer groben Nachlässrgkrrt schuldig gemacht habe, und daß die vorhandenen Gesche bezüglich drs Trandports von Pulver und andern explosiven Körpern unzutraglwh fur die Zwecke der öffentlichen Sicherheit seien. ' '

_ 22. Oktober. (W.T.V.) Die Kaiserin. Eugenie hat heute Mittag der Kaiserin von Rusland emen Besncl) Abgeéiartet. Dieselbe wurde Namens de_s Herzogs von Edm- burgh vom Oberst Byng und dem Kaprtan Haig am Bahnhofs empfangen und in einem Königlichen Wagen nach dem Bucking- Hampalafte geleitet.

Frankreich. Paris, 22. Oktober. (W. T. B.) Bei der Wahlder Vorsißenden dcr Generalräthehaben die Kon- servativen nur 5 Präfidentenfiße eingebüßt, dafür aber 13 andere gewonnen. Von sämmtlichen 86 Präsidenten gehören 53 der konser- vativen Partei an. Die konservativen Präsidenten haben bei den An- sprachen, mit denen dieselben die Generalrath-Sißungen eröffne- ten, durchweg betont, daß die Generalräthe die ihnen obliegenden Geschäfte erledigen und alle Politik bei Seite [affen möchten; nur einige der republikanischen Präsidenten berührten in ihren EröffnungSrcden das poliiische Gebiet.

Spanien. Madrid, 22. Oktober. (W. T. B.) Die Car-

'liften haben, nach hier eingegangenen Meldungen, die Provin-

zen Alicante und Murcia verlaffrn. Don Alphons von Bourbon, Welcher einen neuen Versuch gemacht hat, über den Ebro vorzudringen, ist von den Regierungstruppen zurückgewie- sen und wird lebhaft verfolgt.

Türkei. Konstantinopel, 22. Oktober. (W. T. B.) Der „Pforte“ ist die Meldung von einem Znsammenstoße zugegangen, der zwischen Türken und Christen am 19. d. tn Podgoricza (in Albanien), an der Grenze von Monte- negro, stattgefunden hat. Derselbe wurde durch die Weigerung der christlichen Bevölkerung, fick) der von der Regierung anbe- fohlenen Entwaffnung zu fügen, herbeigeführt. Genauere Nack]- richtrn liegen noch 11icht vor.

_ Ein Telegramm nus Zara, vom 22. Oktober, Nachmit- tags, meldet: Nach hier eingegangenen amtlichen Meldungen find am 19. d. in Folge der in Podgoricza vorgekommenen Tödtung eines Türken alle auf dem dortigen Markte anmesen- den Montenegriner von den Türken niedergemacht worden. Am 20. d. sollen in Podgoricza und in der Ebene von Zeta aber- mals mehrere Montenegriner getödtei worden sein. Die Gesammt- zahl der getödteten Montenegriner beträgt angeblich 17, außerdem find noch einige iürkische Unterthanen christlicher Konfession nieder- gemacht worden, die _ fälschlich _ fur Montenegriner gehalten wurden. Der Archimandrit des Klostersx non Piperr fand dadurch, daß er fiel) in die Wohnung des turkiickzen Kai- n'akans flüchtete, seine Rettung; die in der Gegend von Pod- goricza fich aufhaltenden Montenegriner flüchteten nazi) Monte- negro. Von den in Montenegro sick) aufhaltenden Turken wnr- den die Meisten auf ihren Wunsch zur Grenze geleitet, nnr einige zogen es vor, in Montenegro zw bieihrn._ Es herrscht große Aufregung in Monienegro, indrß nt 66,012; ]th zu_ keinen Repressalien gekommen. Auf bridrn Seiten ist man mrt Fest- stellung des Thatbestandes beschaftigt.

Rumänien. Bukarest, 22. Oktober. (W. T. B.) Den Manövern der rumänischen Truppen, die vorgesiern unter dem Befehle des Fürsten Karl an der _Ialomnrxza begonnen haben, wohnen auch Türkische Offiziere bei. Der Schluß der Manöver findet in der Nähe von Bukarest start. und sollen dabei zugleich Fahnen an die Truppen verliehen werden.

Rußland und Polen. St. Perersburg,_21. Ok- tober. General-Adjutant Fürst Dondnkow - Kor1s'akow, Generai-Gouvrrnenr von Kiew, Podolien nnd Wolhynien, ist am 18. Abends auf der Nikolaibabn [)ier eingetroffen. '

_ In dem Budget pro 1875, welches das Ministerrnrn der Wegeverdindungen demnächst dem Reichsratk) znr Prufung vorstellen wird, ist die Gesammtsumme aUer Nn-Zgaben dieses Ressorts fürs nächste Jahr, wie die „Jinanz=Revne“ meldri, auf 31,499,365 Ndl. veranschlagt worden. Diese Summe ist um 1,300,686 Rbl. geringer, als die fürs laufende Jahr ver- anschlagre, Übersteigt aber die des Jahres 1873 um 2,007,467 Rubel.

_ In Veranlassung der vom Chef eineHLr-hrbezirkd an- geregten Frage, welche Vergünstigungen den privaten Erziehern und Hachlehrern in Bezug auf die Abletstnng dier Wehr- pflicht gewährt werden können, hat, wir, dre '„Lwi'. Goar).- Ztg.“ meldet, der Ministrr der Volk-ZÜUfklarung irn Einverneh- men mit dem Kriech-Minister es nicht für möglich befunden, diesen Personen in Bezug anf die ?lbleisrrrng der Wehrpflicht Vergünstigungen in gleicher Grnndlage mir den Personen zu “gewähren, welche in den Regierungslehranstaitrn unterrichten, und zwar in Anbetracht deffen, daß erstens die Gewahrnng der- artiger Vergünstigungen einen'breitcwWeg zur Eniziehung von der aligemeinen Wehrpflicht öffnen wurde,'und zweitens, in Er- wägung der Schwierigkeit, eine Kontrole Über diese Personen zu organifiren, um fich davon zu überzeugen, daß ste m der That ihre Pflichten erfüllen. '

_ Mit Bezug auf die unter den Urairschrn K.osaken stattgehadtrn Unordnungen, die bekanntlich. die _Emseßung eines KriegSgerirhi-Z zur Folge gehabt haben, bringt die russische „St. P. Z.“ eine umfangreiche Korrespondenz aus ,Uraisk vorn 15. September. Diese Korrespondenz schilderr sehr eingehend die frühere Verfassung der etwa 90,000 Personen umfassenden ura- lischen Kosakenbevdlkrrnng und die durch das AUerhochste Regu- lativ vom 9. März d. I. betreffs Neugestaltung der Verwaltung und der Militärdienstpflicht des."; uralischen Koiakenheerrs hervor- gerufenen Veränderungen. Hiernach waren ' dre Nene- rungen zugleich mit einer nicht unerheblichen wirthschaftltchen Mehrbelastung verbunden. Dieser Unrstand, und das geringe Verständnis; für die Sache im Allgememensznd dre Vrranlaffung zu den Unordnungen grwesen, die jedoch keine erhebliche Bedeu- tung haben.

_ Vom Amn-Darja wird dem „Ruff. Inv.“ unter dem 14. September geschrieben:

Die Zustände am linken Ufcr des Amn, d. 1). im eigentlichen

Chanat Ciiwa md sebr crreczt, an Unordnungen ist kern Mangel. Der CHan)und Leine Räthe haben in Betrcffodkr Turkmenen noch zu ksinem Enischluß kommen können. chou im vrrgangrnen Jahre, während seinrr Anwesenheit in Chiwa, stellte der General-Adjutant Kaufmann das dringende Vcrlangen an Muhamed-Rarhnn-Chan, un- mittelbar nach dem Abzug drr rusfi1chen Truppen aus seinen Brfitzungen etwa anderthalb Tausend Nuker aus der Zahl der UZHLken auIzu- wählen und diese an den bedcutendnsten Punkten des S_iwnats zn v_er- theilen, um die Einwohner zu schußen und Raubanfallen und Plun- derungen Seitens der Turkmenen vorzubeugxn. Erst jeßr hat sich der Chan entschlossrn, diese Maßrcgel zur Aukrahrung zu bringen,- „indem er den Befehl erlassen hat, 1500 Nuker zu sammeln und" m den Städten des Chatrats zu veribeilen. Das inrftreten der Turkmenen ist nicht wenig kühn; nm 1. Septxmber plauderte eine 15 Mann starke Bande derselben ein Boot zwischen Kungrad und Chodsherlr. _ Nm rechten, d. h. an unserem Uker des L_lmu, herrscht vollkommene Ruhe und es ist unter der Bevöierung nichts bemnkban' Dre Rc- artitionslisten find den Aeltesten ubergxben worden, und dtxeAbgaben Langen aiimäßlich an einzugehen. Es rst dies der erste Versuch der Abgaben rhebung von der Bevölkerung des im vergangenen Jahre be- seßten Amu-Daria-Gebrets. SchWtden und Norwegen. Stock13o1m, 19. L_)kwber. Die Einweihung der östlichen Siammbahn wrrd, der „Snallpoft“ zufolge, ungefähr Mitte des nachsten Mdnats stattfinden. Der König wird aus diesem Anlaß Norrköping besuchen. Im De-

zember erwartet. man die Eröffnung der Yftadbahn; aber der Besuch des Königs bei dieser Gelegenheit in Lund und Malmö hat, wie die „Post oel) Jnr. Tid.“ mittheilt, aus verfchiedenen Gründen, darunter die, vorgeschrittene Iahredzeit, vorläufig auf- gegeben und bis zum Mai 1875 aufgeschoben werden müssen.

_ Ueber den_Vorschlag des Universttätscomirés zu Ver- änderungen der UniversitätSftatuten theilt „Upsala- posten“ Folgendes mit: '

Die freie Wahl des Rektors untcr den M*.tgiredern des akade- mischen Konsistoriums geschieht ohne Rücksicht aui dredem Brtrezffrnden im Konfistorium anscwiewne Reihenfolge. WarderwaiU dars statt: finden. Alle laufenden Gesckäite srilen'vom0011513r0r1um 3020811116111]! major; einem 00U5i§t0r1um aaaäsmjauw 111111115, Welches aus 5 rm 0011515t. majiw gewählten Mitgliedern nedst Rektor nnd Prorektch zusammenxes-YF ist, überwiesen werden. Die phrlosrphii e Fakuiiat soli in zwri Sektionen eingetheili: Werden, eine humanriti) e, und eine naturwissenichaftliche, mit zwri Kandidaten": und zwei _Licentiaten- examen. Die Aufhebung des Prälinrinarexamens Wird, vorgr- ichlagen. Das theologisch - philosophi7che und das nirdch :win- iosopbische Examen wird unveränrrrt [)eibelwitrn. Hiwirhtiich drs juristisch - philosophischen Examens wrrd ernixx Abanrerunß in Vorichlag gebracht, u. A., das; aus Rücksicht auf die altrn Geseizs die nordischen Sprachen ein Eramcnßfuch bilden )riirit. Zn Brtreff der juristisébcn Fakultät wird vorgeschlagen, das das W192 Hoigrrrchis- rxamsn wegfallen und das juristische Kandidatrnexamrnnls Brdxnsung für die Zulassung zu Richtrrämirru und anderen juxijiiichn Anitriinn- gen gelten soll. Ferner wird ein geringeres juristi1chrs Cramrn, cine Art Kanzleiéramen mii größrren Fordrrungcn irn Civii- nnd Prozeß- recbt vorgeschlagen. Diries Examen nebst einrm vor dirirm „15101- virten pbisosophisckwn Kandidatenexamrn von humanrstiicbrr Ricßtung soil zu“!)ödrren Civilämiern bercchtigcn Für dia mrdiziniickzr Fakul- tät find keinewrsentiichm Verändcrungen in Vor1ch1ag gebracht wcrdrn.

Dänemark. Kopenhagen, 20. Oktober. Das Kron- prinzliche Paar mit dessen ältestem_ Soßne wird morgen, der „Berl. Tid.“ znfolgr, die Prinzesin von Wales und ihre Kinder nach Lüch Osgleiten und von dort die deadfichtigte Reise nach dem Schésffc Muskau, wo die Hohen Renenden dem Großvater der Kronprinzessin, Prinz Friedrick; der Niederlande, einen Besuch abzustattrn gedenken, fortsejzen. " .

_ Der neue österreichische Gesandte nm damsckzen Hofe, Graf Kalnockr), ist gr diesen Tagen in Kopenhagen an- gekommen.

Amerika. New-York,22.0ktober, (W.T. B.) In Folge der zwischen Negern und W eißen in Louisi ana stattfindenden Reibungen find viele Weiße verhaftet worden. _ Die die'chaizrige Znckerernte in den Unionsftaaten soil nach den vorliegenden Erhebungen alie seit dem Jahre 1861 dagewesenen Ernien uber- treffen. .

Kunst , Wiffenschast und Literatur.

Das Stadttheaier in Ste_iiin beging am 21.den 25. Jahrrs- tag seines Bestehsns durch eine Fettvorstrslirng.

_ Die kleine gristvrilr Sihriit von Prrsezsor ])r, F-Lll'.“ Eberty: „Die Grsiirne und diejWelichbichtc, Gedanken übrr Naarn, Zrii und Ewigkrii,“ ist 111 J. 21.-Krrnserrlag (Marx Miiller) zu Bre-Zlan ioebrn in driiier _Viufiage €r1chienen. „Die erste Edition hatte vor Jahren bereits rn Liner anonyinon en3111ch8n Uebertragung besonders jenieits des Kanairs, diele ;Ancrkrnnung grinn- den, so daß slk, nachdem das d611i1ch€"O"kigll_1a[ m Vrrgcsixnirrit _gr- ratinn war, aus dieser ins Dentickzc znrncknirerirßr wurde. Die ]SHLZS dritie Auflage ist thrilwcise 1ach11ch cmsndrrt.

_ In Görliß wurde „am 15, d. Mis. das Denkmal Her- mann Siendners enthüllt, Weich-sr gin 10. 21er 1863 (ils Mit- giied drr Hrugiinsckzen Expeditiwn znr Ersorjchung Inner-Afrikas da- selbst starb, ,

_ Von der ilinstrirtcn Zeiifchrist „Die Bunte Welt“, _brr- ausgegeben von Wilheim Uhland (Verlag von Y_idoidk) Wolf in DreSden) ist Heft 1 des neurn (4) Ja'ingaug-J (1875) wrden niic- gegebrn worden. Dasselbe bringi Crxadlungen, deirinende Artikel, nülziiclwWinken. ncbst gutsn'Holz]cknitt-Jilristratwnen. _Der Preis be- trägr fiir das Heft (monatlich) & Mark, m Wrchén-Nummrn pro Ouartai 1 Mark 60 Pf.

_ Die sorben erschienenen Liefsrungcn 8,und 9 drr Kultur- geschichtd in ihrer natürlichen Entwrckxlung bis zur Ge- genwart vvnFriedrici) von Hslleld (Vrriagj yon Lanzpnrt & C0. in Augs burg) haben folgedey-JniMit: 8. _Liesrrnng; Soziale Cntwickiung des Mittelalters: Gesrßinaß.gkeit dcr mittclalterirchxn .Kui- turentwickiung. Ackerbau und Landwirtdichafi. Grivkrbr, Jodie, Bürgertbum uud Zünfte. Handelsentwicklung. Viatrrielle Kultur. Moralische und kvziale Zustände.“ „Dre Juden und anderr Ansge- stoßenc, Rrchtsverhälfniffe. _ Vom *.)„Nrtteialtkr znr Nruzeri: Zcit- alter der Scholastik. Die Literatur des Mrtielaliers'. Kunstant- wicklung des Mittelalters. 9. Lirferrrng; Vom Mittel-Uier. zur Neuzeit: Erfindungen und Enidrcknngrn. T_Oie KuliurvoikrrAmerika?. Die (Europäer in Amerika. Folgen dcr (Entdeckung Amerikas. Die Renaissance. Die Reformation. _ Cntwrrklung der modrrnrn Kultur: Folgen der Reformaiion._ Die Grisiischast Irm. POMUÖE Eni- wicklung bis zur französich Rrvdlutwn. (Hestaiiung drr _soziairn Verhältnisse. Bewegung der geistigen Kultur. Die franzosnche Rc- volution.

_ Wir der „Heidelb. Zig.“ mitgeiszeildwird, befand fiel) in lcßter Woche Staats-Niinister' 1311J011y m Hrideldrrg, „um"aßn Brraihungen über die ukünftrgc Unterbrinsung der zur Umverntat gehörenden 1andwiribéchaft11chen Instrinte Thrrl zu_ „nehmen, für welche in Folge der zugestandenen Beseitigung ros Zeitberrgcn landwirthichafilichrn Gartens „andrrrveittge Rgume' be1§9nr wrrden müssen, die fick) thrils irn Friedrichsbau, [!)an rm reien. nndrn Werden. Auch andere Univerfitarkangelegenhertsn sollen girichzeitig zur Sprache komrnen.

_ Der Präsident der Gesellschaft der_ärztlichen Sanitätßbeamtrn in Lo Udon, Or. Letheby, hielt kürzlick) LMM Vortrag „11259: die Ergründung des Gesundheitßzustandes von Grmern den und die Verhältnißmäßige Salubritat der Stadtr.“ Der Redner ging davon aus, da); die gewöl)n'[tche„Mrthode _der Morialt- tätsbercckwung eine vöÜig falsche und 1rrefnhrende sri. -" Zunachst würde der Einfluß der Ein: und Lluswanderung nicht _gednhrcnd ins Auge gcÉaßt. So lange vom Lande nach der Skadi ern Influx von jungen rwachsenen stattfände, mehrt fick) dte'StcrblrchkeitSrate „m den Landdistrikicn, Welche fie verlassen, nnd minderi fich selbige _m den Städten, wo sie einwandern, weil diese dadurch der iebenkojtenden Aufgabe der Großziehung überhoben _werdrn. In London meinte sich die Bevölkerung von 2362236 an thre 1851 auf 3,254,260 im Jahre 1871, also um 38 %; Von diesen _kommen nur 25% auf den Ueberschuß der Geburten uber die Todesfalle, wahrend 1076 jenem Einflusse von frischem L_eben zukommen, ganz_ abgejelwn von der großen Menge, weiche andre Steüe der_er trat, dre wegen Krank- heit und anderer Ursachen die Stadt verirr en und anderSwo starben. Da nun in London von 100 Kindrrn nur 0 das Alter _von 20 Jah- ren erreichen, 10 würde die Stadt jcne 296.923 Individuen, welche ihr von außwärts als Erwackoskne zukommrn, m_rx mit einem Aufwande von 494,872 Geburten und 197949 Todesfallrn haben _erganzen können. Diese schwere Arbeit fäiit abcr _somit den Landdistrikten zur Last. Es ist unschwer, nachzuweisen, daß die H?alste der Londoner Bevölkerung aus Provinzeinwanderern besteht. on 1851-1861 by- lief sich deren Jährliches Quantum auf 31820 und ubertrifft die Zahl der in ondon Aufgewachsenen (13,356) um mehr denn dre

Hälfte. Es kann sick) also die Riescnstadt beständig regeneriren,