tungsgerichteu _und xines obersten Gerichtshofes für streitige Verwal- tun siachxn, mit Rucksicht auf die anderm organischen Geseke einer von andigen Umarbeitung unterrvotfewworden. _Die StagtSregierung hofft, aÜe diese Geseßesvorlagen bis zum Beginn der nachsten Session _des Landtages fertig zu stellen. Gelingt es, uber dieselben eine Verstandigung mit den beiden Häusern des L_andtages_zu erzielen, so würden für die späteren Sessionen nur noch die Entwurfs zu_Krecs- uud Provinzial-Ordnuugen für die Provinzen Schlesttg-Holßein und Hannover, sowie neuer Gemeinde=Verfassuugs- gesetze fur d_1e ostltchen Provinzen aussuarbeiten sein. Was die Hobenzoliernschen Lande anbetrifft, so_ ist für dieselben nach dem Vorbilde der neuen Kreisordnung bereits nn vorigen Jahre eme Amio- und LandeSorduung erlassen. An dieselbe wird sich der Erlaß e1ner_neu_en Gemeinde-Ordnung, welche gleichfaüs als ein drin- gendes Bedurfmß anzuerkennen ift, anzuschlieZen haben. Von allen diesen Gesetzen, welche_ zur & rdnung der Verfassung und Verwaltung der Gemeinden, Kreiie und Provinzen theils bereits exlassxn sind, theils erlassen Werden sollen, wird der Oraauiömus der fur_d1e allgemeine Landesverwaltung bestehenden Staatsbehörden nabe berubrt. Insbesondere_find es die Bezirköre ierungen, deren Stellung und Befugmsse durch dieselben eme wesentli e Abänderung theils be- reits erfahren haben, the_ils in noch Weiterem Umfange erfahren wer- den._ Es bedgrf_daber_d1e Frage einer eingehenden Erörterung, ob die Rxgierungen in 1hrer_bisher1gen kollxgialen Verfassung noch fernerhin beizubehalten, oder 111 welch_er Werse dieselben zu reorganisiren sein Werden, Die Entscheidung dteser Frage kann zweckmäßig nicht bis dahm_ aysgeseßt werden, ivo die Reform der Gemeinde-, Kreis- und érqvmzialversaffungen zum Abschluss gelangt sein wird; vielmehr er- cheznt _es nothwend1g, _sich zunachsx über die Grundzüge eines Reor- ggmscztionsplans icbon ]eßi, im Zuiammenhange mit den Erwägungen fur dte _wetteren_ Refdrmgeietze, zu verständigen. Bet den bisherigen Berathungen des Landtages ist wiederholt der Wunsch zu erkennen gegeben worden, daß dem Landtage ein voil- standtger Plan fur d1e_Reform der gesammten inneren Landesverwal- tyng so bald als mogltci) vorgelegt Werden möchte, da es ohne Einsicht eines solcbkn Planes fast unmiiglicb sei, die auf die Reform der Ver- fassixng _der kommunalen Verchnde des Staats bezüglichen Gesc ent- w_urse eingehend und_sachge1naß zu prüfen. Und in der That ers eint dieser Wunsch_1m H1nbl1ck auf die mannigfachen und engen Beziehun- gen, welcbe zwäcben der Verwaltung des Staates und seiner Einzel- verbände bestehen und folgewene auch bei einer Reform der letzteren fich geltend machen n_1üs_sen, a_ls berechtigt. Wenn es fich beispielswxrse darum handelt, die Befugnisse der Auffichtsbehordender Ge__me1nden oder Kreise zu bestimmen, 10 wird der Geseßgeber w1ssen mnssen, Welchen Behörden diese Aufsicht über- traYen werden soli, und m Welcher Art diese Behörden organifirt sein Wer en. Es kommt ferner in_Betxacht, daß eine größere Reibe wichtiger und weittragender orgnnnatoriscber Gesetze auf anderen Gebieten, ins- besondrre das _Uniemchtögxseß, _ die Wegeordnung, das Jagdpolizei-, das_Vorfiuthge1eß u. a., fur die Bezchlußnahme des Landtages vor- bereitet Werden, welcbe aber ziveckmaßig erst dann erlassen werden können, wenn Wenigstens im Ailgemeinen feststeht, Welche staatliche Behörden und Orggne _der Selbstverwaltung in Zukunft vorhanden, und in Welcher Wciie dieselben organisnt sein Werden. Es sind deshalb die Grundzüge eines Rwrganisationöplans fir die aÜgememe LandesverWaltung a_11fgest1_?[lt worden, Welche zur Zeit der Beschlußnahme des Staats-Mmifteriums unterliegen.
_ Der Finanz-Minifter bat fick) in einem Cirkular-Rescript vom 20. d. Mis. auf eine Anfrage dahin geäußert, daß zu einer Abänderung der Cirkularverfügung vom 13. Januar 1870, wo- nach selbstgeschlacbtetes Fleisch zu den selbstverfertigten Waaren zu rechnen und der Hausirhandel der Fleischer mit selbstgeschkachtetem frischen Fleische in der zweimeiligen Umgegend des Wohnortes gemäß §. 58 Nr. 2 der Gewerbe-
Ordnung vom 21. Irmi 1869 und Nr. 1 und 5 der Anweisung vom 24. November 1869 überhaupt nicht geWerbesteuerpflichtiZ
iß, keine genügende Veranlassung vorliegt. Es ist daher an fernerhin nach dieser Cirkurlarverfügung zu verfahren.
_ Im Einverständniffe mit dem Minister des Innern hat der Iuftiz-Minister die Justizbehörden darauf aufmerksam ge- macht, daß die Kosten der ärztlichen Untersuchung einer auf Grund des §. 361 Nr. 3 bis 8 des Strafgeseybuckzs mit Haft bestraften und in Gemäßheii des §. 362 ebendas. der LandeSpolizeibehörde überwiesenen Person von dem Kriminalfonds dann nicht zu tragen find, wenn jene Unter- suchung zu dem Zwecke ßattgefunden hat, die TransPort- oder Arbeiisfähigkeit einer solchen Person festzufteUen. Die Justiz- behörden haben ohne einen von Seiten der Verwaltungsbehör- den ausgehenden Antrag eine ärztliche Untersuchung zu dem be- zeichneten Zwecke der Regel nach überhaupt nicht zu veranlassen. Hat ste aber ftaitgefunden, und find dadurch besondere Auslagen erwachsen, so charakteris1ren fich diese, wie alle anderen in dem bezeichneten Jane erwachsenden TranSportkoften, als Kofien der Polizeiverwaltung und smd deshalb, wie diese letzteren, zur Er- stattung zu liquidiren. Eine Modifikation leidet die vorstehende Bestimmung selbstverständlich bei solchen *Gericlztsgefängniffen, für welche zur Behandlung der Gefangenen ein für allemal ein Arzt in Gemäßheit vertragsmäßig übernommener Verbind- lichkeiten, namentlich nach Maßgabe der Cirkular-Verfügung vom 21. Dezember 1858, verpflichtet ist, auf Erfordern der Ge- fängnißverwaltung den Gesundheitszuftand aller Kategorien von Gefangenen zu untersuchen. Für die von einem solchen Arzte vorzunehmende Untersuchung der TranSportanden dürfen auch der Verwaltungsbehörde besondere Gebühren nicht in Rechnung gestellt Werden.
_ In der Sißung des Ober'-Tribu11al-Se11ats für Strafsachen “vom 29. Oktober gelangte der An- trag des Bischofs 131. Eberhardt von Trier auf Einlassung aus dem Gefängniß zur Verhandlung. Der Bischof war durch drei Urtheile des Landgerichts zu Trier in den Mo- naten Dezember vorigen, und Januar resp. Februar 1). I. auf Grund des Geseßes vom 11. Mai 1872 das erste Mal zu 3600 Thlr. oder 2 Jahren Gefängniß, das zweite Mal zu 6400 "Thlr. oder 2 Jahren Gefängnis; und das dritte Mal zu 400 Thlr. oder 3 Monaten Gefängnis; verurtheilt worden. Am 5. März d. I. trat der Bischof, da bei der Mobiliar-Exekution nur ein sehr geringer Theil der Strafsumme edeckt wurde, die in den er- wähnten Urtheilen substituirte Gefangnißftrafe, welche dem §. 78 2; des R.Str.G.B. gemäß den Höchßbetrag von zwei Jahren rnehr übersteigen darf, an. Nachtraglich wurden nun die viertel- ]ahrigen Gehaltsraten des Bischofs mit Beschlag belegt und so schließlich bis auf einen Reft von 2369 Thlr. bie Straffumme gedecxt. Nachdem Bischof Eberhardt 214 Tage Gefängnißfirafe verbußk h_atte, ließ derselbe durch seinen Vertheidiger beim Zucht- p_ol1zeiger1chte dm Antra steüen das Gericht möge nach öffent- licher und kontradiktoriscFer Verbandlung mit dem Köni lichen Ober - Proxuratbr,_ als der zuständigen Strafvollßr ungs- Behorde, d1e_ bis 1th gxzahlten Abschlagszahlungen in Ver- bindung mri der _erltttenen Gefängnißftrafe zur völli- gen_ Tilgung _der sannntlichen Geldstrafen für hinreichend erxlaren, und d1_e sofortige Freilassung des Inhaftirten verordnen. D1e Gesammthni der Geldstrafen aus den drei Urtheilen ift, wie der Vertheidtger ausführte, durch die Anzahl der Tage Von
diren und der sich
im Gefängnißsxrafe in Ansaß zu bringen. Der Ober- Prokurator bertxf fich dieser Ausführung gegenüber auf §. 29 drs Reichs - Strafgeseßbuches, daß der Höchßbetrag der fur ]eden Tag Gefängniß in Anrechnung zu bringenden Geldßrafe “nur 5 Thlr. betragen könne, und daß deshalb der Bestbetrag, durch 5 getheilt, noch immer eine Gefängnißftrafe bis zum 5. Marz 1876, also volle zwei Jahre bedingt. In ersier und zweiter Instanz Wurde der Argumentation des Ver- ihetdigers gemaß dre sofortige Jreilaffun des Bischofs verfügt, mdem_a11sdrücklich die Anwendung des . 29, 1 des St. G. B. auf die un §. 78 feßgeseyte Maximalftrafe von 2 Jahren bei Umwandlung mehrerer Geldßrafen in Freiheitsßrafe verneint wurde. Gegen dieses Urtheil machte der Ober-Prokurator in dem Kaffations-Rekurs besonders geltend, daß nach der Auf- faffung der beiden ersten Inftanzen derjenige, welcher zu einer geringen Heldßrafe verurtheilt ist, bei Umwandlung seiner be- reits verbußten subßdiären Gefängnißßrafe in den bezüglichen Geldbetrag eine härtere Beurtheilung erfahren würde, als ein zu emch höheren Geldstrafe Verurtheilter. Gegen diese Argu- mentation des Ober - Prokurators führte der Vertheidiger des Inhaftirten vor dem Ober-Tribunal, Iuftiz-Rath Meeke, aus, der Gedanke, welcher der Strafbestimmung des §. 78 von höchstens 2 Jahren zu Grunde liege, sei der, daß eine Freiheitsstrafe mit jedem Tage intensiver wirke. Dieser Gedanke sei auch bei der bereits verbüßten Freiheitsstrafe in Betracht zu ziehen, und schließe eine Anwendung des §. 29, 1 auf _ den vorliegenden FaU aus. Dieser Ausführung gegenuber beantragte jedoch der General-Staatsanwalt die Kassa- tton des Erkenntnises der Vorinstanzen und die Berechnung der von dem Inhaftirten verbüßten Freiheitsftrafe gemäß §. 29, 1. m1t5 T_hlr. für den Tag. Diesem Anfrage schloß sich das Ober-Tribunnl nach einer längeren Beratbung an. Zur Be- grundung seines Urtheils führte das Ober-Tribunal unter An- derem_1n seine_m Erkenntnisse aus: Nach §. 29, 1. ist der Betrag von emem bis zu fünf Thalern einer eintägigen Freiheitsstrafe gleich zu achten. Im Anschluß hieran bestimmt der 2. Absaß desselben Paragraphen, daß der Höchftbetrag einer an Stelle der Geldstrafe tretenden Gefängnißftrafe ein Jahr ist, also auch in dein Falle, wenn die Geldstrafe mehr als 5 Mal 365 Tage be- iragt. In gleicher Weise ist demnach auck) §. 78aufzufaffen, welcher als Höchstbetrag einer an Stelle mehrerer Geld- straf_en _tretenden Freiheitsftrafe 2 Jahre annimmt, ohne damn die Bestimmung des T. 29, 1, betreffend die Berech- nung des Tages mit 1-5 hlr., irgendwie zu modifiziren. In der Abficht des Geseßgebers kann, wie der KasLations- Rekurs mit_ Recht hervorhebe, es nicht gelegen haben, aß der Mehr1chuld1ge durch Abbüßung eines Theils der ihm subsidiär zuerkannten Gefängnißfirafe mehr von der ihm zuerkannten Strafsumme abfrage, als ein Minderschuldiger. Allerdings hat in dem vorliegenden FaUe der Inhaftirte den größten Theil der Strafsumme gezahlt, ohne daß ihm diese Tilgung irgend wie - zu Gute_kommt, aber der im §. 78 vorgeschriebene Höchßbetrag von zwei Iahren Gefängnis; ist als eine RechtSwoh1that auf- zufassen, an welcher der Inhaftirte mit Rückficht auf §. 9, 1 des Str. G. B. nicht Theil haben kann.
_ _ _Der fr*anz5_fi_sche Botschafter Vicomte de Gontaut- Bkthn, ist gestern srul) Wieder auf seinen Posten hierher zurück- ge 2 .
_ Der Kaiserlich deutsche Gesandte in Lissabon, Graf Bt_andenburg, l| heute früh aus Schießen wieder hierher zuruckgekehrt und im Hotel Royal abgeftiegen.
_ _ Fürst Carl zu Carolath-Veuthen hat sich heute Mrttag nach Carolath zurückbegeben.
_ _ S. M. S. „Hertha“ ist am 28. Oktober cr. Nach- mrttags von Kiel aus“ in See gegangen.
Bayern._ München, 27. Oktober. Durch Königliche Entschließung ist der Raik) der Regierung von Oberbayern, Hermann Fischer, zum Direktor der Regierung von Mittel; franken, Kammer des Innern, befördert worden.
Sachsen. Dresden, 29. Oktober. Heute Vormittag fand in der katholischen Hofkirche ein feierliches Requiem zum Gedächtniß des hochse1igen Königs Johann fiatt, welches vom Bischof Formerk abgehalten wurde. Der König und die Königin, die Königin Marie und Prinz und Prinzesfin Georg wohnten dicser Trauerfeier bei, an welcher außerdem auch die am Königlichen Hofe beglaubigten Gesandten, die Staats=Minißer und der Minister des Königlichen Hauses, die Oberhof: und Hof- chargen, die Generalität und viele höhere Staatsbeamte Theil nahmen. _Ein zahireickzes Publikum füllte das Schiff der Kirche, und dre außeren Fenster zur Königsgruft waren reich mit Kränzen gesckxmuckt. Zur Aufführung kam das Requiem von Cherubtni. _ Nach der kirchlichen Feier begaben Ihre Majeßäten fiel; zu- nächß wiederum zu der Königin Mutter nach Pillniß
den Abends von dort nach der Königlichen Villa in Strehlen zurückkehren,
Baden. Karlsruhe, 25. Oktober. Nach dem soeben veröffentlichten nenen Gerichtssportel-Ges eH nebst Vollzugs- Verordnung soll 11: für den Kreuzer 31 Pfennige, für den Gul- den zwei Mark gesth werden. An Stelle des bisherigen Stempelpapiers treten Stempelmarken.
_Heffexx. Darmstadt, 27. Oktober. _ (Fr. I.) In der heutigen Stßung des Finanz-AuSs chuss es der Zweiten Kam- mer kam die Regierungsvorlage wegen der für den neu zu schaf- fenden Verwaltungs-Gerichtshof nothwendigen Geldmittel zur Verhandlung. Die Regierung erklärt fich vorerst außer Stand, einen den zukünftigen Verhältniffen genau entsprechenden spezialißrten Etat vorzulegen, und beansprucht deshalb für den Rest der Finaaneriode den Gesammibxtrag, welcher bis dahin
fiir den demnä ft wegfallenden Staatsrath vorgesehen war. Der Fmanz-Ausschu erklärte fich eule hiermit, jedoch nur unter der Vorausseßung einverßanden, aß fiir die folgende Periode ein detaillirter Etat vorgelegt werde. _
Braunschweig. Braunschweig,“ 29. Oktober. Die Uebergabe des Geschenkes des Prinzen Friedrich Carl an das Herzvgliche Husarm-Regimeni hat, wie das „Brschw. Tagebl.“ ergänzmd mittheilt, in der Reitbahn auf dem Giers- berge_ stattgefunden. Oberst v. Rauckz hielt eine kurze Ansprache an die Mannschaften und schloß mit einem dreimaligen Hoch auf_ den Hohen Geber. DerOberß hat sich persönlich bei dem _Prmzen Friedrich Carl für die dem Regiment erwiesene Ehre m Potsdam b:»dankt, von wo er am Montag wieder zurück-
gekehrt ift. SachsemMeiuingeu-Hildburghausen. M e i n in g e n,
zwei Jahren, also 730, dem Höchstbetrage der nach §. 79 des
Strafgeseßbuches zulßsßgkn subfidiären Gefängnißftrafe zu divi- m diesem Falle ergebenden Quote von 14 Thlr. 21 Sgr. 8 Pf. bei Anrechnung der inzwischen verbüß-
und wer- *sor zur Fasanenjagd. Na
Hirsch aus Berlin haben im-Anfang dieser Woche der Regie- rung ihr mottvtrtes Gutachten über die Verwendung des Brand- schuttes abZegeben. Dasselbe erklärt sich, dem „Fr. I.“ zu- folge, mrt großter Entschiedenheit: 3. gegen die Verwendung des Schultes zur Aufhohung der niedergebrannten Stadttheile; 11. gegen die Benußung desselben zur Ausfüllung der Bleichgräben und 8. gegen die Verwxndung zur Mörtelbereitung, wie über- haupt „"gegen jede wre immer Namen habende VerMndung zum Neubau“ Es wird vielmehr die Fortschaffung des Bau: und Brandschuttes aus dem bewohnten Theile “der Stadt als „drin- gend geboten“_ gefordert; derselbe sol] außerhalb der Stadt auf- g_e1agert und tm Laufe der Zeit theilweise für landwirthschast- liche Zwecke verwendet werden. Die Unterftüßungssumme für die Abgebrannten betrug bis zum 23. d. M. 438,742 F1.
Schiveiz. _ Bern, 27. Oktober. Der Nationalrath h_at heute nur vier Artikel des neuen Militär-Organisa- tionSgeseßes erledigt. Es handelte fich um die Wieder- holungskurse, Cadrefchulen, Schießschulen und Offizier-Aspiran- tenschulen. Angenommen nach KommisftonSantrag wurden folgende Artikel:
_Art. 104. Die Juicmterie- 1_md Scbüßen-Batailioue eines jeden Kreises haben alle zum Jahre W1ederholuuaskurse in der Dauer von sechszrbn Tagen zu bestehen, zu denen der Reihe nach die einzelnen Bataillone, die Remmenter, die Brigaden und die Divisionen einbe- ru_fen werden. Der Bundesrat!) ist ermächtigt, in bssonderen Faiien Außnabmen von diexer Reihenfolge der Wiederholungs- kurse zu gestatten. Diese Uebungen werden von den be- treffenden Truppen - Kommandanten unter Zuzug dcr Stäbe gekettet, und es iövnen denselben aucb Truppenkörper anderer Waffengattungen _be_1gegeben Werden. Bei den Uebungen der Division smd die da_zu gebor1gen Spezialwaffen einzuberufen. In den Jahren, 111 denen_d1e Mannschaft keinen Wiederholungskurs zu bestehen hat, Werden die Compagnien,_ und zwar in ihrem vollen Bestande von zwvlf Jabrgangen zu eintägigen Schießübungen einberufen, Für die Unteroffiziere und Soldaten der vier leYten Jahrgänge finden diese Uebungen unter_Zuzug von Cbmpagnie-O fizieren auch in den Jahren itatt, m denen 1hre_Co_mpagnten den Wiederholungskurs machen.
Art, 105; Jahrlicb tvtrd unter dem Kommando des Ober- Jnstruktors eme Cadreschule m der Dauer von vier Wochen abgr- hai_ten. An derselben haben Theil zu nehmen: 3. neueruannte Wacht- meister und Feldjvebel der Infanterie- und Schüßen - Compaguim; b, eme Anzahl von Instruktoren der Infanterie; 6. ein entsprechendes Cadre von Offizieren.
Angenommen nach bundesräthlicher Vorla e wurde dagegen:
_„Nrt.106. Die allgemeinxn Schießschuieu ür Infanterie- und S_cbußrnofstziere u_nd Unteroffiziere finden alljährlich statt und haben" e_ine „Dauer von v1e_r Wochen. In dieselben find die angehenden Offi- " ziere 111 der Regel 1111 zroeiten Jabxe _ibrer Brebetitung einzuberufen. In diese _Schule_n konnen auch Offiziere und Unteroffiziere anderer Waffen einberufen werden.“
Annahme nack) Kommisfionsantrag fand endlich noch:
„Art. 107. JEDES Jahr wird in der Regel in jedem Kreise eine Offiziersbildungsschule abgehalten, welche eine Dauer Von sechs Wochen hat.“
Schließlich machte der Präfident die Mittheilung, daß der Ständerat!) beschlossen, sich nach Beendigung der Berathung des Geseßentwurfes, betreffend“ Cibilßand und Ehe, bis zum 2. No- vember zu vertagen, und den Wunsch ausgesprochen habe, der Nationalrath möge nochmals auf seinen gestrigen Vertagungs- beschluß zurückkommen, in Folge dessen [eßterer seine Vertagung nur bis zum 9. statt bis zum 16. November anberaumte.
_ 29. Oktober. (W. T. B.) Der Nationalrath hat die Berathung des Militärgeseßes bis auf die Ueber- gangsbeßimmungen erledigt, welche erst bei dem am 9. k. M. erfolgenden Wiederbeginn der Sißungen diskutirt werden sollen.
Niederlande. Haag, 27. Oktober. Prinz Heinrich, Statthalter des Großherzogthums Luxemburg, wird fich morgen aus dem Haag nach Luxemburg begeben, wo er einige Monate zu verweilen beabfichtigt.
_ Aus Batavia find mit der neuesten oftindischen Paß Berichte bis zum 11. September bier eingetroffen. Aus Atehin hatte man Meldungen, welche konftatiren, daß die Kriegspartei in Groß-AtckJin zwaw noch eine troßige Haltung zu zeigen fort- fährt, daß ihr aber doch mehr und mehr die Luft und die Mittel zu größeren AngriffSUntemehmungen gegen die gut- befeftigten und reichlich ausgerüsteten Steilungen der niederlän- dischen Truppen zu schwinden scheinen; die Gerüchte von einem abermaligen allgemeinen Lingriffsplane der feindlichen Häuptlinge waren seit Wochen völTig wieder verßummt. In den Küsten- ländern erlangte die Anerkennung der niederländischen Souve- ränetät stets weitere Verbreitung. Der Fürst von Patti! war mit großem Gefolge im Kraton erschienen, um dem Militär- und Civil-Befehlshaber Oberßen Pel seine Aufwartung zu machen. Rotterdckm, 29. Oktober. (W. T, B.) Der jansenistische Bischof Heykamp ist gestern gestorben.
Großbritannien und Irland. London, 28. Oktober. Der Großfürft-Thronfolger von Rußland begab fich gestern in Begleitung des erzogs von Edinburgh nach Wind- _ _ derselben nahm er bei dem Prinzen und der Prinzesfin Christian von Schle9wig-«Holstein in Cum- berland Lodge das Dejeuner _ein. ' _ Am 23. d. starb hier der General-Major a. D. Wil- liam Henry Blade, ein verdienfwoller Veteran des spani- schen Halbinsel-Krieges, in seinem 88. Lebensjahre. Er gehörte dem Genie-Corps an, in welches er 1808 als zweiter Lieutenant eintrat.
_ In Betreff der Annexion der Fidschi-Inseln durch Großbritannien wird aus Sydney vom 27. Oktober tele- graphisch berichtet, daß Sir Hercules Robinson, der britische Be- vollmächtigte, dorthin von Fidschi zurückgekehrt sei. Vor dem Verlassen der Inseln bildete er eine provisorische Regierung und ftellte einen Zolltarif her, wie derselbe indSidney in Kraft ist. Die jährlichxn Einkünfte der Inseln werden auf 25,000 Lftr. ge- schäHt. König Cacabau beabfichtigt Australien zu besuchen.
_ 30. Oktober. (W. T. B.) Die Morgennummer der „Times“ bespricht die gestrige Thronrede des Deutschen Kaisers. Der Ariikel hebt hervor, daß das Gestirn Deutschlands jeßt fichtlich im Steigen begriffen sei, nachdem der auswärtige Feind befiegt, die Gegner im Innern überwältigt und die Macht des Klerus gebrochen sei. Die friedlichen Versicherungen der Thron- rede seien geeignet, aUen kriegerischen Gerüchten ein Ende zu machen. Auch die große Anzahl der dem Reichstage vor- gelegten geseßge berischen Arbeiten lassen den Frieden als noth- wendig erscheinen. Eine Nation, welche so beschäftigt sei, könne nicht den Wunsch hegen, andere Völker mit Krieg zu überziehen. Frankreich. Versailles, 29. Oktober. (W. T. B.) Sißung der Permanenzkommission. DerDeputirte d'Abo- ville von der Rechten brachte die Verhandlun en derBrüffeler Kon- ferenz zurSprache und verlangte dieVerö*7entli ung der darauf bezüg-
28. Oktober. Die Professoren Pettenkofer“ aus München und
lichen Schriftßücke. Der Iußiz-Mini-"ter Tailhand erklärte, die
Protokolle der Konferenz würden demnächft irn „Journal officiel“ publizirt werden. Picard von der Linken r1ck_:t_et_e1ne Anfrage an die Regierung betreffs der Verhaftungen, die m Lyon und Marseille vorgenommen worden find, u_nd zu welchen die an- geblich ungeseßliche Ausübung der offentlnben Gewalt 1111 Jahre 1870 Anlaß gegeben hat, Der Inßtz-Mmister rechtfertigte das Verhalten der Behörden und erklarte, den Verbaftungen lage keinerlei politisches Motiv zu Grunde. ern emrgen anderen Kommissionzömitgliedern wurde über Rigorofiiat der Verwaltungs- behörden gegenüber den republikanischen Journalen Beschwerde geführt. Die Sißung verlief indeß ohne jeden weiteren be- merkenSwerthen Zwischenfail.
Spanien. Santander, 29. Oktober. (W. T. V.) G_e- neral Laserna hat seine Entlassnng genommen _und Wird nach Madrid zurückkehren. Wahrschemltck; 'w1rd_ Mortones ziim Nachfolger desselben ernannt werden. Erheblichere Ereignisse stehen während der nächßen Zeit bei der Armee nicht zu erwarten.
Rußland und Polen. St. Petersbrirg, 28. OW- ber. Der Großfürft Nikolai Nikola_jewrtsch d.A.1_ft am 26. Oktober, Abends, auf der Nikolatbahn nach Livadia abgereift; _
Der Iuftiz-Minißer Graf Pahlen ist uns dem Ans- lcmde zurückgekehrt; der General-Gouverneur von Kiew, Podolten und Wolhynien, Fürft Dondukow-Korssakow, hat St. etersbur verla en. _ V In eine? Note vom 10. (22.) Sepietnber 1874 druckt derößerreichisch=ungarischeBotschaFter1nSt.Pete_rsburg im Auftrage seiner Regierung unserer Regierung die aufrichtigße Erkenntlichkeit für die Bereitwikligkeit iind Umsicht aus, nnt_der zu verschiedenen Zeiten die erforderlichen _Mczßregeln ergriffen wurden, um den Erfolg der öfterre1ch1schen_ Polar- Expedition zu fördern und in der Folge _ um die Spuren der bereiis verloren gegebenen Seefnbrer zii entdecken, d1e sich an derselben betheiligt. Gleichzett1g spr1ch_t der Botschafter Baron Langenau die Bitte aus, den_ aufrichtigen Dank der öfterreichisch-ungarischen Regierung, insbesonders allen den- 'enigen rusfischen Unterthanen auszudrucken, die bei der Rettung er erwähnten Expedition mitgewirkt haben. _ _
_ Das Panzerschiff „Prter der Große , uber dessen erste mißlungene Probefahrt bereits ber1chtet _worden, hat am 10. Oktober den Versuch wiederholt, cxber nicht nut besserem Erfolge. Wie der „Kronft. Bote“ unlangft mitthetlie, ließ_ fick) etwa 16 Meilen von Kronstadt abermais das dumpfe Gerausck] an der Schraube vernehmen, und bei einer Untersuchung ertmes fich wieder eine Schraubenwindung als verbogen. Die Annahme, daß etwa eine äußere Veranlaffung,_ T'er _Stoß eines harten Körpers 2c. das erße Mal das Mißgeschick verursacht habe, widerlegt fich also von selbst, und die Befzirchtung des General- lejutanten Popow, daß die Schraubemznndungen zu schwach seien, um den koloffalen Wasserdruck _bei voliem Gangx_qu5zu- halten, hat fick) beftätigt._ _ Das Schiff ruht an Bexeitigungs- jeilen wieder an seinem 1rüheren Plaß.
Schroeden und Norivegen. Sto ckho_1uz, 26. Oktober. Ueber die Reise des Königs nach dem sud11chen Schweden ift jeyi bestimmt, daß Se. Majestät am Montag, 16. Novemxxr, Mittags, in Norrköping eintrifft und Dienftag, 17., ubßr Lm- köping nach der Station Boxholm abgeht. _Vbn dort wrrd am 18. Vormittags .die vollendete Strecke_der ostltchen_Stnmmbahn nach Nässjb eröffnet, wo dann die Eroffnungsfeisrlzchkeiten sinit- fmden, nach deren Scbiuß der König nacb Ionkopnig zu re_11en gedenkt. Die Königin wird ihn auf dieser Reise mch_t begleiten.
Christiania, 25. Oktober. Dix _Sudmestfturrne der leyten Woche haben nicht nur im Christianaßord, sondern _auch an der ganzen Südküste Norwegens vielen Scheiden angerichtet. Die Schiffsbrücken wurden überschwemmt, und in den nach dem Hafen zugehenden Straßen hat das Wasser vielxn Kelierwoh- nungen Verderben gebracht. Mehrere_' Schiffe riffen fick) von ihren Ankern und Tauen los, trieben gegen das Boll- werk an, glücklicherweise meistens, ohne großen Schnden zu leiden, nur eine Yacht sank. _ L_Ogs _ Waffkr uber- fluthete den Eisenbahndamm der Chrtftrnma - D rammen- Eisenbahn, so daß die Züge eingeftellt und die Post zu__Wagen befördert werden mußte. Besonders empfindliche Verwiistungen richtete der Sturm auf Ladegaartsöen an, einer _romaniisch bele- genen Halbinsel neben Christiania, wb fich viele (Harten iind Villen befinden. Von den kieinen Stadten am Chrißtczmaßord und an der Südkiifte bringen die Zeitungen Beschreibungen, wie auch dort das Waffer überall viel Schaden verursarht hai. Gleiches berichtet man aus anderen Städten an der Kuftc bis nach Christianssand bin. Die regelmaßigen Postdampfer konn- ten ihre Fahrten nicht einhalten und habenfich c_1_lle__mehr od? weniger verspätet. -_ . - «**-* = “;;-1.4
Dänemark. Kopenhagen, 27. Oktobxr. Prinz Wal- demar feiert heute seinen 16. Geburtstag,_ M welche_r Veran- laffung von den öffentlichen und vielen privaten Gebunden der Hauptßadt, sowie von den im Hafen und auf der Rhede liegen- den Schiffen gefiaggt wrrd. _
_ Einem Bericht der Königlichen Münze c_m das F1- nanz-Minißerium zufolge find bis zum 21._Oktober 1m_Ganzen 5,514,500 Zwei-Oereftücke und Z,259,000 Funfandzmanztg-Oere- stücke auSgemünzt worden.
Amerika. In Springfield, Illinois, wurde am 15. d. Mts. eine Bronzeftatue Abraham Lincolns, die über dessen Grabe errichtei worden,_ unter entsprechenden Feierlichkeiten und in Gegenwart _von uber 25,000 Personen enthüllt. Präfident Grant, Vize-Prafident W1ls0n, der ehemalige Vize-Präsident Coifa und General Sherman, die zugegen waren, hielten kurze AnspracJen. -
A ien. Zur Gefangennahme des Nena Sahib meldet ,die indische „Times“, daß OberLt Thor_npsbn den Ge- fangenen nicht identifiziren könne, aber Ae nlnhkext mit dem Nena erblicke. Dagegen ist er von Unna Nena, einem Neffen des Nena, sowie von Baba Sahib, einem Verwandten seiner Frau, identifizirt worden. Der Gefangene m_urde dann_rastrt_und an- gekleidet, worauf Mahraüa-Zeugen seine Identitat beßimmt b-
"tigten. Er leu net nun, Nena Sahib zu sem, und behauptet, aß er sein Geßandniß unter dem Emslu e von Hunger und berauschenden Getränken machte. Er erklart auch, daß er 111 1864 arretirt und später entlassen wurde.
21 ika. Von der Goldküste berichtet der am 27. Okto; ber ianiverpc-ol gelandete afrikanische_Poßdampfe_r „Volta, daß der Gesundheitszusland der Küste em guier sei, aber daß der Handel in Folge des Schlusses der Oelsaison -ßocke. Der
raubten der Mannschaft, als fie am Geßade landete, sogar die Kleider.
Die Nr. 41 des Justiz - Miuifierial - Blatts für die preu ische Gesetzgebung u_ud RechiSpflege, beraus- gegeben im ureau des Justiz-Mimstenums, enthalt folgendes Erkennt- ui“ des Königlichen Ober - Tribunals vom 7. Oktober _1874: _!le .??rznei“, deren Zubereitung, Verkauf _2c. nur auf Grnnd einer Polizei- lichen Erlaubuiß siaiifindm darf, ist jede Zubereitung anzusehen, welche in einer der dem Verzeichnisse 4. _der Kanerltcben Verordnung vom 25. März 1872 entsprechenden Arzneiform als Heilmitiei gegen Krankheiten feilgeboien wird, 1911“ auch nicht nachger_v1_e1_ea 1e1n,_ daß fie wirklich solche Stoffe enthalte, welche von der medizinischen W1ffen- schaft als zu Heilzwecken dicnend anerkannt find.
Prozeß Kullmann.
Würzburg, 29. Oktober. Der Schwurgxrichtsboß _bestehend aus: Appellrath Haus von Baxnberg als andent, M111'1er_uud Leuffer, Räthe, Kramer.. und Kircbgeßnxr, sie__ff1_oren a_m Bez1rks- gericht Würzburg, tritt Schlag 9_11hr1n den O1ßuugsiaal. F. A. k. ]. Staatöanwait: Riedel, Vertheiwgcr: k. RechtSanwali Ferd. Ger- hard bier. _ _ Der Angeklagte wird ungefeffelt, aber von zwei GenZd armen beiva t, vor eführi. . _ Yräsxg Die Sißung ist eröffnet. Deu Gegenstand der heutigen Verhandlung bildet die Anklage gegen Eduard Franz Ludimg Kull- mann, led. Bötichergeselien von Neustadt-Magdeburg, Wegen Mord- versucbes. Es ist vor Ailem die Anwesenheit der erren_©eich1poren_en festzustellen. Hr. Sekretär, wollen Sie das Vrrzeichnn' verleien; ich ersuche die HerrexeGeschworenen, Ihre Anwesenheit berJ )rem Namens- auruekunduen. * f (fGescipiezbiJsäWniiiÖe nacb auf der Liste stehenden 24 Grscbwo- tenen md (1an en . _ _ _ Füs.: Eb1e ich zur Bildung des _Schwurgencbtes 1chreite, habe ich folgendes Erkenntnis; des Schwurgericbtsbofes zz: verlesen: (Dasselbe lautet auf Beiziehung eines ErganzungSgescbivorenen bis zur Berathnng und Erkheilung des WabrsprucheS). _ Präs.: Ich schreite nunmehr zur Bildung des Schivurgerichies, Werde zu diesem Behufe die Namen der anwesenden 24 Herren Ge- schworenen in die Urne legen, woraus dann 12 gezogen werden, Welche das Schwurgericht bilden. Wegen Be1ziebuug emes Ergan- ungSgescbworenen können nur 11 Herren abgelehnt werden und es ?tebi wegcn diefer ungleichen Zahl dem Angexlag'en dis Recht der Ab- lehnung von 6, dem Hrn. Staatsanwalte die Ablehnung von 5 Na- men u. __ _ ZlngekU aben Sie das Recht, ZUM Y_blebnunngefugmß aus- zuüben, vieliei i Ihrem Herrn Veribetdtgrr ubertragen? Kuilmann: Ich will keinen ablehnen lassen. _ _ (Es Wurden nun die 24 Namen der Geschworenen m die Um? gelegt und nach Durchmischung die_Z1ebung ergenommen, 1110in folgende Namen unabgelcbnt hervorgingen. ]) Sattler, Carl, Pri- vatier und Magistrats-Ratb von Schnoemfurt, 2) Jbb. Fackelmgnn, Bürgermeister von Krautheim, 3) Petxr Heeg, Landwirtb und Mitiler von Schweinfurt, 4) Franz Anton Fqcher, Kauf1n_nnn und FZbrtkcmt von Schweinfurt, 5) Salomon Bing, _Gerbernienter von Wur burg, 6) Franz Riedmann, Landwirth und Burgermeifter byn Stadel ofen, 7) Nicolaus Holzapfel, Landwrrib von Zeußleben, 8) Job. Andreas Bauer, Landwirts) von Uettingen, 9) Ccui Ludw. Rbsa, Kaufmann in Schweinfurt, 10) Jacob Engelhardt, Kczufuzgnn 111 Aschaffenburg, 11) Conrad Dahlen, Bierbrauer _von A)cha_nenburg, 12) Jol). Gg- Scbleier, Landwirt!) und vormaliger_Gen1e_1nd_evorstebe_r von_ Ober- bobenried _ Erg. Geschw. 13) Cgkd Killarn, Schneidermeister 111 Würzburg.) __ _ _ _ _ __ [___ (Abgelehnt wurden von Gene des Komglrchen_©taatöanwa . a. Ludw. Bauch, Restaurateur von _Wurzbnrg, b,__M1ch. Hamermann, rivaiier von Würzburg, 6. Job. Elsen, Seilernieijter und Magistr_.1_ts- Rath von Haßfurt, 11. Michael Eidel, Lannnrtk) und Vurgermenier von Allersheim, 6. Hermann Müller, Komgltcher RschiSanwalt von weiniurt. , Sch Präs. Ös sind nunmehr 12, bezw. 13 _der Herr_en_G_eschworenen gezogen und ist somit das Schwurgericht gebildet. _Die ubrigen Heren Geschworenen, Welcheb nicbbt geZogxn fi1_1d, konnen bis Sonnabend «zor- mitta 9 U r rei ü er i re ei ver ugen. _ _ 3Fingekchztefr! wie ist Ihr ganzer Name? ___Eruard Franz Ludwrg KuÜmann. _ Welcher Religion? _ _Kaib0111ch. _ Wie alt sind Sie? _ 21 Jahre.'_ Wo sind Sie geborru? __ Ja NeustadtZ Magdeburg, eine Vorstadi von Mngdeburg. __- Was 1st Jbr Gewerbe . _ Böttchergeiclie. _ Befißen Sie Vcrmogen? _ Rem. _ Smd Sie schon früher bestraft morden? _ Ja. __ Weswean? _ Wegen Körberverießung. _ Weiche Strafe haben Sie crl1tte11. _ 3 Monat Gefängniß. _ _ _ __ Ick ermabne Sie, auf d1e_ yorzuiragende Anklage und_ den Gang _er Vrrbandlung aufmerksam zu1e1n. _ Den Herrn _Vertlmdtger habe ich nach dem Geseße an die ihm wvblbekannten Zslrchten zu erinnern. ch schreite nunmehr zur Beeidtgung der errezi Geschworenen und erinche die Herren, die Eideßformel siebcnd anzuboren und nach Ver-
Wor_te nachzuiprcchen : Wéije.)
erkenntniß des Königlichen_ Appellationsgericbts in 14. September 1874 und die Anklageschrift zn verlesen. _ vom 9,14 bis 9,32. (Fortsetzung folgt.)
" [* u NamenSaufrui mit emporgehobener Rechte die le1ung derse ien af Ich schwöre! (Geichiel)t in der angegebenen
dn errn Sekretär das Veriveiiungs- Ich ersuche nunmehr 9 H , Bamberg vom
(Geschi6hk
Neichötags = Angelegenhéiteu.
über den Landfturm lautet:
vonn Preußen :c. verordnen im Namen des mung des BundeSraths und
§. 1. Das Aufgebot
des Reichstages, Was folgt: stimmt Wird.
den Vor ri ten Anwendung. _ Militärsicrlzfxxeseßen und der Diézipltnqrordnung unterworfen.
. 3. Der Landsturm erhält bei Verwendung militarifcbe, auf Schußweiie erkxnnbare_Abze1chen Regel in besonderen Abtheilungen foimtrt. Ja lichen Bedarfs,
urm ergänzt werden._ Die Auflosung Mit der AuZsojung
d et. _ _ M n andsturmpflichtrgeu auf,
ilitärverhältniß der stimmimgen erläßt der Kaiser. Bestimmung des Bündnißverkrages vom
Gef bl. 1871 S. 9).unier 111. §. 5 zur Anwendung. 11: dlich 2c. Gegeben“ xc.
Der dem Reichstag vorliegende Entwurf eines Gefeßes
Wir Wilhelm, von thtes Gnaden Deutscher Kaiser, König Deutscben Reichs, nach erfolgter Zustim-
des Landsturms_erfolgi durcb Kaiserliche Verordnung, in welcher zugleich der Umxang des Aufgebots bc-
§. 2. Nachdem das Aufgebbt «_xrgangxn xsi, _finden auf die von der Kaiserlich russischen geograpb1schen dt mb (1 ii en dre fur d1e LandWebr gelten- demselben betroffenen Lan sur Jßséesxndere smd die Aufgeboienen den
gegen den Feind und wird in der Fällen außerordent- oder wenn es an geeigneten Führern für besondere Formationen fehli, kann jedoch auch die Landwehr aus dem Land- 1
des Land turms wird vom Kaiser an- der betsreffenden Formationen hört das
§ 5. Die zur Ausführung dieses Gesetzes erforderlichen Be-
" ' k mt in Bayern nacb näherer §' 6' Gegenwarnges Gesch W 23. November 1870 (Bundes-
200 Geisteskranke, d. 1), 2,17876 der Bevölkerun_g_ Gegen die Zäbliiug von 1851, die Wohl nicht als eine ganz zubxrlaisige zu betrachten ist, ergab sie eine Vermehrung von 112 Genteskranken, d. b. 127 76. Von 100 Irren sind 54 männlichkn und 46_weiblichen Gésckilechts, 66,41edig, 22,5 verheiraibet und 1276 sind 1111 Alter von 0-30, 64 % von 30-60, 2476 von über 60 Jahren.
_ Im vorigen Jahre wurden nach der „A.A,C.' in_Englaud 743 Soldaten wegen Desertion Von der Fahne verurtbe1it. ngon wurden 57 Soldaten durch Kameraden gereizt oder von Unteroffizieren barsch behandelt; 44 beiratbeten obne Erla ubuiß; 87_ um den durch Trunk auf Abwese geführt; 229 deseriirtcn aus Widerwnlsn gkgen dm_M1- litärdienst; 81 wurden durch Kameraden oder sch1e_chie Gefeiiichaft dazu verleitet; 64 gaben verweigerten Urlaub als Uriache an ; 29 de- sertirien, um ihre Lage zu verbessern; 39 g1ng_en aus, um nch e_1_111«n lustigen Tag zu machen und kchrten nicbt znruck; 43 waren _dss (901- datenlebens müde; 18 dessriirten aus Griilen und Tborbetten, und 32 gaben keine Ursache an.
Kunst, Wissenschaft und Literatur.
Berlin, 30. Oktober. In dem Verein_f1'1r HaniYiSmus (im Vereinsbauie, Taubenstraße 34, 2 Tr.) Mrd 131. ZV. O_cbwarz seinen Vortrag übcr den „alten und neu*:n Glauben von Strauß“ heute Abend wiedrrboleu. _ _ _ _ _ _ _ Jm Fail eine genügende Bethnligung siatinndrt, bsabficbtixzt die Verlagshandlung Jr. Kortkamps 111 Berlm unter Lenting nambastrr Farbmänner eine bZsonderx b1il1ge_ AuSgabe derjsmgen Materialien zudendreiIuitizrerornng“Zen z11_veranst»1lien, wclche die ReichstaJSverbandlungen 1e1ner x__e_1_t 1111-1211 werden. Mir Rücksicht auf den Wenk). Welchen ein; JMÉPWTT gesichtete und grordnetr Sammlung diefer Materialien xur JuxNszordrn, Braniir, Rxchi§anwalte 2c. bai, nimmt die Verlagsbandlung, _um 1:12 Darch- fü[)rung des beabsichtigten Unternehmens zu sichern; :cbvn 12151 Abon- nrinents entgegen. “ _
_ Der Allgemeine Deutsche Muiikverri11_vrrösxéntlnbt folgende Bekanntmachung: Ynter Bezugnabms ans dre 1111 Januar 1873 (in der Neuen Zeiiiäzrifi fur Musik 69. Band Nr, 7_ und Nr. 24) vom Allgem. Deutichrn Mufikverein fur eine Broirbnre uber den Text zu Richard Wagners Teirassgie: „I)er 3c1ng des Nibr- lungen“ ergangene Ausseßung eines Prcnes, [eßisrer b1_st_ei)end 111 einem ganzen Patronatsichein zu den Bayrentber Jesinursubrungrn oder (nacb Wahl) Neunbunderi ReiZHZmark, ib0iltn rvir mccdnrck) unt, da die Herren PreiSrichter Prrxfezjor Karl_S_1mrock 1n_Bonn,_ Pro- fefßor ])r. Moriß Heyne in Baiel _und Proiestor 131“. Fr1edr, Nicßickxe ebendaielbst sicb geeinigt haben, obigen Preis, der 11111 _dem Motiv: „8111117811 bafäj wasit, 31“- 53“. banJr 01: thai: Zul] 511311111 "31113 111653 113.111 er 32111“ versehenen Abhandlung_zuzuerYennen, als deren Vrrsaffrr sicb Hr. Professor Dr. Erust_Koch_1n Gr1m111a_ ergrben bat._ Die Herren Verfasser der andern eingeschicktcn Manuiinpts 1_vc_1[-:n gefailigst baldigst die Adressen angeben, unter wcklchen _dte Zurnckiendungen er- folgen können. Leipzig, Jena,u11d Dresdcn, _Sevtembcr 1874. Pro- fessor Cari Riedel, Vorfilzxnder; Zyniz-Ratl)_1)_r. (351119, Sekretar; KommisfionS-Rati) C. F. Kabnr, Kaifirer; Prosefwr Or.Ndolf'»*_518rn. _ Das Rsformationsfest wird von der Univ_er1itäi 82111315; in der bisißer gewobnten Weise diirch _einßn akadsmiicben _Gbitrsdmnt gefriert, welchem sicb stiftunmean die 111 der Panimerkirxl); zu bai- iende laiciniscbe Rede eines Studenten derTbeologie anjchltexrn Wird. Sodann wird in der Aula der [1111132411111 d2r der3_61t_1_ge Yektbr, Gel). Justiz-Raib 1)r. Adolph Schmidt, uber das verklbinnr 3111d1en- jahr Bericht erstatten und dann das Rektorat 1e1r1_cm Jiachwlger, ])_1-. Gustav Adolph Ludwig Baur, ordentlichem Proxesor der Theologie, feierlich übergeben. _ _
_ Auf der leßten Pbilolog enver_1am1nlnng in Jans- bruck wurde auch aber eine in NordamerikaÄSfund-zne kolois ale pbönikiscbe Statue verhandelt. Profefforchlottniann fpraxb darüber. Cin pbönikiicbes Denkmal 111 Nordamerika wurde den bis jetzt vermißten urkundlicben Bewe1s_ der yon A. b. Humboldt u. A. brbauvteten Bekanntschaft der hömker _1n1t dxr 11111161 nxucnidcékirn Welt liefern. In der leßten eix find fast glenbzrttig, _1v12 Hchlotr- mann berichtet, zwei angeblich _phomkncbe Denkrnaicr 111 ?i111cr1ka zum Vorschein gekommen. Eine, 11118 man vorg1ebt, m BrZfilien gufundrne Inschrift in phönikifchen Charakteren, bon we1cher_Sch1ott11mnn_e_me Photographie vorzeigi, giebt fick) aus 1nnr_ren_ Grunden_ais gef1111cht zu erkennen, abgesehen v0n__der schiexbten ;ußercn _Bygrundnngnbrer Entdeckung. Jn paläograp 11cher H11_111ch_t ist fie srz111ch mii io be- Wanderungswürdigem (Hes 1ck_ _angesert1gi, _daß der Vortragende sie als eine geniale Faiichung beze1chn§ie._ Dagegen ist Schloiimann geneigt, ein kolossales Stembtid yon etwa 10 Fuß Länge und einem _ Gexvxbte von 9001) Pmnd, das man vor fünf Jahren aus emer am Berge_ Onandaga _11n Gebiete der Stadt Lafayetre __gelegencn Farm bxim _(Hraben mins Brunnens fand, für aitphömknci) zu halten. Es scheint den phonz- kiicben Adonis darzustellen; auf der Schulter hat es anscheinend pbo; nikiscbe Inschrift, von welcher Schlottmann durcb Bermrttlnng dry Professor Mac Wortber 111 New-Haven Wachsabdrucke erhalten h_atte, die er mit mehreren p[)oiograpbuchrn A_bb11dungen__des Stetnbildes vorlegte. Die äußere Ge1ch1chte der Auffindung laßt nach den bor- liegendcn Berichten kaum an einen Trug denkxn. Abrr da_e1ne Aki1e11- geirllschaft zur Ausbeutung des Steins fich blldi'té, die _glanzendL Ge- schäfte machte, und in Folge dessen an manchen Orten abniicbe Stein- riesen auftauchten, io kam der Fund von Onandaga 111 Vrrruf. Die Behauptung, ein TJbakhändler babe_drn Ste_in vergraben, bnt fich ais unwahr herauögesteilt und kein außerer 1iichbalt1ger Grund zur Verdächtigung der Entdeckung sicb ergeben.
_ Aus D igoin bei Charoiies _in Burgund vom 21. Oktober schreibt man der „Corr. Havaö“: „Em Landmann hat gestern auf einem brunchbarren Felde eine prachtxol]; Bronze-Staiue eines römischen Kaisers aus gan-romnchen Ze_1te_n gesunden; _Dte Lorbeerkrone zeigt, daß die Statue das _Werk_e1nes großen Kunstlers ist. Unglücklicber Weise ist sie theilweise beichadigt, da der erste Schlag der Hacke den Kopf der Statue traf. Medmil-xn und mehrere andere Gegenstände, unter Anderem_ auch_ ein T_riler xnii A1che , e_m Schwsrt, eme geschlossene Kassette, e1n_klemrr Hirsch tn _Bronze, ein prächtiges goldrnes Halsband neb11__S11ber- _und Gyldmunzexi wurden an derselben Stelle gefunden; Es i]t_ noch bmzuznftxgen, daß das_ be- treffende Feld jenseii der Lotre, 1011111 a1_1f dem linken __Ufcr liegt, während unser Städtchen an das rechte User angebaut ist.
_ Die russische Expedition z_u NivellirungenzM- ee und dem Kas ischen Meer, welch_e von
chen dem Arals Gßieilscbast unter Unterstußung war, hatViHrTPLYrbeiten vxaenÖet. e der elben, Oberst Tino, hat dem ize-_ras_1dentcn 91: e- Fliichéxt fP. Ps. Siemenow folgendes Telegramn1_e1ngejandt: Die Aus- führer der Aral-Kakpischen Nivrliirung sind glucklich 111111) _Orrnburg zurückgekehrt. Eine vorläufige Berechnung zive1er Bßftimznungxu ergiebt, daß der Araisee etwa 75 Meter oder 250 Fuß bober_1st als der Meriwy-Kultuck (der sogenannte _ todte ieerbmen, welcher im Kaspischen Meer d1e Zalbtnsel Mangvscblak bildet). Der Aralsee liegt .qlso etwa 165 uß_uber dem Wasser- spiegel des Oceans. Zum ersten Male wurde d1e relative Höhe des KaSpischen Meeres und des Aralsees 1826 durch den Bardmeter von der Bergschen E- edition unter Tberlnabmr von Sagoskm, Angoii und Duhamel betimmt und auf 117,1; englische Fu berechnet. Die weite Messung wurde im Jahre 1858 von Herrn . Struwe ausge- ?ühtt. Er bestimmte die Höhe des Araisecs zu Orenburg, und er- hielt aus dem Verhältniß der Höhe _Orenburgs und deI_K_aSp1schen Meeres zum Ocean das Resultat, daß der Aralsee 132 Fuß uber dem
Meeresspiegel liege.
der Regierung abdelcairt wvrdcn
Statistische Naehriehten.
' in Verein zur Heraus abe einer .Zeiisrbrift fiir blieied'e FKSFÉFUÜ“ gebildet. Der ereizt h_at fich verpflichtet, eme Garantiesumme von 15.000 Kronen jährltch 111 5 Jahren zu steam
„V ita“ brin t eini e Personen der Mannschat drs Dam;)fers „EZiir“ aus LZ'cupe,g111el«1)es Schiff im_Septemxer im Rim fluffe scheiterte, mit. Die Eingeborenen plunderten das Schiff und
Jrrenweseus im
' v Sanitätöraih angefertigten Statistik_ des Nach em“ o.;knanton Graubünden befinden fich in diesem
und die Redaktion der Zeitung ist, dem Professor L. Dietrichsen über-
_ Der „Nya dagl. Allahanda“ zufolge hat sich in Stockholm iu ,