zweiter Berathung wurde das Geseß, betreffend die Stempel- pflichtigkeit der Rechnungen -und Quittungen in Elsaß-Lothringen, in erster Lesung das Ges“ , betreffend di; dEinfühxcung von Reichögeseße-n ,in Elsa -Lothringm, er e igt. „'
Schluß 41/2 Uhr. Nächße Sißung Mittwoch 11 Uhr.
- Die von dem Bureaudirektor des Hauses der Abgeord- neten, Geheimen Rechnungs-Rath Kleins chmidt verfaßte Uebersickzt über die Geschäftsthätigkeit des Hauses der Abgeordneten in der Session 1873/74 iß soeben er- schienen. Dieselbe ist von den gleichen GefichtSpunkten, wie die Ueberfichten pro 1871,/“72 und 1872/73, angefertigt und zerfällt, wie diese, in dreiTheile, nämlich: die Rednerliße, die Ueber- ".,th über die Etatsyerhandlungen, die Hauptüber- i t.
Die nach dem Alphabet geordnete Rednerlifte ergiebt nicht nur den Tag, an welchem, sondern auch den Gegenßand, über welchen jeder einzelne Redner gesprochen hat, unter Hinweis auf die betreffenden Seiten der ftenographischen Berichte. Die Ueber- sicht über die EtatSverhaudlungen enthält eine vollßän- dige DarfteUung der Anträge und Verhandlungen zu dem Etawgeseß und dem, Hauptetat, sowie zu den verschiedenen Spezialetats. Sie bildet einen integrirenden Theil der Hauptübersicht und ift nur der bequemeren Benußung wegen besonders gedruckt worden. Die Hauptübersicht selbst ist alphabetisch nach Materien geordnet; ste enthält die Regierungsvorlagen und alle Anträge zu denselben dem Worjlaute nach und macht die Verhandlungen und die Beschlüsse nicht nur des Ab- geordnetmhauses, sondern auch des Herrenhauses ersichtlich. Sie
ewährt daher an s1cl) einen genauen Ueberblick über das Zu- ßandekommen der Geseße u. s. m., ohne daß die Einßcht der Druchsachen des Hauses nothwendig ist. Sämmtliche zur Berathung gelangte Petitionen, alle selbständigen Anträge und Interpellationen von Abgeordneten, die namentlichen Abßim- mungen, so wie die von dem Hause angenommenen Anträge und Resolutionen smd hintereinander verzeichnet, und bei den Verhandlungen 'Über die Prüfung von Ab- geordnetenwahlen ist der_ Inhalt der Proteste und Ein- sprachen kurz angegeben. Sorgfältige Hinweise bei den in Betracht kommenden Materien, auch aus den gehak- tenen Reden, fichern eine vollständige Kenntnis; der statt- gefundenen Verhandlungen, und ein spezielles Sachregister er- leichtert die Benußung des Werkes, in welchem bei den Gefeßen sowohl das Dan, unter welchem dieselben publizirt find, als die Seite der Geseßsammlung, wo dies geschehen, angegeben Z|.
Die Ueberficht ist an die Mitglieder des Hauses vertheilt, und kann auch anderweit gegen einen mäßigen Preis aus der Verlags-Buchhandlung von W. Moeser- in Berlin, Stallschrei- berftraße 34, bezogen werden.Y „ ,
- Die Ausübung sims in dem verliehenen Bergwerks- eigenthum enthaltenen Rechts enthält nach einem Erkenntniß des Ober-Tribunals vom 30. Oktober cr. keine Turbation, tvenn diese Ausübung auch daneben einen Zweck verfolgen soÜte, der außerhalb dieser Berechtigung liegt. Die Bergbau-Aktiengescll- schaft Uellniß betrieb mit Erlaubnis; der Bergbehörde einen Stoüen unter dem Acker und der Eisenbahn des Kaufmanns H. in Magdeburg zu bergbaulichen Zwecken und benußte denselben nach der Behauptung des Kaufmanns H. auch noch zu anderen Zwecken. Auf die dagegen von .dem Kaufmann H. ange- ftrcngte Klage wurde jedoch „Kläger sowohl in zweiter Instanz als auch vom Ober-Tribunal mit seinem Klageantrage auf Beseitigung des Stoüens zurückgewiesen, Weil die Thatsache, daß der Stollen auch zu nicht bergbaulichen Zwecken dienen soll, unerheblich ist. „Bei der 1hatsächlichen Feststeünng des Vorder- richters,“ führt das Ober-Tribunal aus, „würde die Beweis- erhebung über die Abficht bei der Errichtung des Sjolkens nicht weiter geführt haben, als zu der Annahme, daß neben dem bergbaulichen Zwecke, der die Anlegung des Stollens schon allein genügend rechtfertigt, noch cin anderer nebensächltcher Zweck, der an fick) unerheblich für die Annakzme einer Turbation ist, ver- folgt wird.“
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Wittenberg, 6. Dezember. In der Schkoßkirche fand heute die feierliche Einweihung der vier Gedenktafeln statt, auf welchen die Namen der in den beiden Kriegen von 1866 und 1870-71 von den beiden ersten Bataillonen des 3. Bran- denburgischen Infanterie-Regiments Nr. 20 und der ersten schwe- ren und ersten leichten Batterie des Brandenburgischen Feld- Arjillerie Regimentes Nc. 3 gefallenen Ofßziere und Mann- schaften verzeichnet stehen. Die drei ersten Tafeln tragen die Namen der 218 in den beiden Kriegen Gefallenen der beiden Musküer-Bataillone des 20. Regiments (1866: 9; 1870-71: 209), während auf der vierten die Namen der 24 Gefallenen der bezeichneten beiden Batterien vcrzeichnet find (1866: 5; 1870-71: 19).
Cxoblenz, 6.1Dezember. Se. Majestät der Kaiser und“
;König hohen genehmigt, daß der dem, Landtags-Marsclmlle der Rhemprovmz betgeordnete obere Beamte den Titel „Provin- zial-Rajh“ führen darf.
Hessen. Darmßadt, 7. Dezember. Der Großherzog hat unter dem 18. v. MLS. den Ministerial-Direktor in dem Minifterium der Finanzen, August Schlxiermackzer, auf sein Nachsuchen von der Stelle eines Präfidenten für die Gewerbe und den LandeSgewerbverein enthoben und am 27. November den Ministerial-Rath bei dem Minißerium der Finanzen, Franz Fink, zum Prästdenten der Centralftelxe für die Gewerbe und den Landesagewerbverein ernannt.
- Das am 4. aUSgegebene Großherzogiche Regierungs- blajt Nr. 57 enthält das Gefeß vom 25. November, die Ein- führung der ReichSmarkrecHnung im Großherzogthum be- treffend. Danach können bei der Umrechnung Pfennigbeträge, wxlche nicht Vielfache der Zahl zehn smd, bis höchstens zu dem nachft höheren Vielfachen von zehn abgerundet werden. Auf die in dem .„1 des Finanzgeseßes vom 30. November 1873 aUSJedrüxkten eldsä e, sowie auf Geldbeträge von 3 Kreuzern und wemger, findet lese Bestimmung jedoch keine Anwendung, - Dasselbe Blatt veröffentlicht auch ein Gesch, die Sterb- quartale der Civilbeamten betreffend.
Sachsm-Cohurg-Gotha. Coburg, 5. Dezember. Der He'rzog rst m voriger Nacht aus dem Elsaß hierher zurückgekehrt.. „ '
- Dem Gehnmen Rath von Pawel-Rammingen hierselbß iß Ythéröxßkrexz utßd kden SjtanzslxésisthendeBrsath ULMER zu as om urreuz . e s a en- tu Haus-Ordens von Sr. Hoheit dem Herzog verliehen, und find dre beiden leßtgenannten Staatxm'tthe Braun u'nd Brückner gleichzeitig zu „Geheimen Staatsräthen“ ernannt worden. '
Gotha, 3. Dezember. Die Verathung über Zen vom Her- 1
„[ichen Kirchenregkyente, der hier tagenden Vorsynode vox- zojTgten Entwurf der Verfassung der evangelischen
irche der Herzogthümer Coburg und Gotha wurde hum,
fortgeseßt. . , _
Die Debatte erstreckte sich, nach der „Wenn. Ztg.“. zunachst auf das Alinea 2 des §. 1 des von der Kirche im AUgemxann han- delnden Abschnittes 1. dieser Verfassung. Es wurde schlteßlrch der vom Herzoglichen Kirchenregimente modifizixte Schwerdtscbe Kom- missionS-Minoritätöantrag gegen drei Otimmea angenomnxen. Es hat dieses Alinea somit folgende Fassung erhalten: Sl? (nam- lich die evangelisHe Kirche“ dcr beiden Herze thümer) steht demnach auf dem Grunde des Evangeliums Cßrtstß und m Uekerciustimmung mit„den Grundsäßen dcr Reformatwn welche in den Bekenntuißschusten jhren ersten anerkannten Äusxruck gefunden haben, aber eine Fortentwickelung im Geiste evangeltscher Freiheit zulassen und fordern. Es find in ibx alle Glaubens- richtungen, Welche von dxefer Grundlage nicht abwe1chen, gletchbexexb- tigt.“ Einstimmig angenommen wurde zuvor das A1inea1 dte1es Paragraphen, Welches dahin lautet: „Die evangelische Kirchx der Herzogtbümer Coburg un?) Gotha ist ein Thxil der evangeltschen Kirche Deutschlands und. mit dieser ein Glied der evangelischen Ge- sammtkirclxe.“ Auch der §. 2 dieses AKchnitts, We1cher dahin geht, daß die evangelische Kirche der beiden Herzogthümer ihre Angelegen- hetten selbständig ordnen und Verwalten soll, unbeschadet der _ge- seßlick) festgestellten Rechte des Staates, wurde einstimmig genehmigt; deSgleichen §. 3 desselben Abschnitts, Welcher bestßmmt, daß der evan- gelische erzcg Inhaber des Kirchenregimcnts sei und daffelke nnch den Bestimmungen dieser Verfassung_ ausüben solle. Nur gkgen Eine Stimme wurde der von der Kommqfion hierzu gesteüte Antrag an- genommen, näm1i_ch, dnß bei eintretendem Regierungswechfel 'der Herzog in einer !cbriftlwben Urkunde die Zustcherung zu ertbetlen habe, daß er das ihm zustehende Kircheure imcnt, der Kirchenverfas- sung gemäß, zum Besten dxr Kirche trenlick? ausüben woÜe, und daß diese Urkunde an das Nr 1v_dcr Landeswnodé abgegeben Werde. Fast durchweg einstimmig gen? mxgt wurden die sämuxtlickyen Paragraphen des von dem Kirchengememden handelndm 11, Abychnitjs.
Anhait. Dessau, 5. Dezember. Nach der in der Ge- seH-Sammlung für Anhalt veröffentlichten höchsten, Verordnung Wird die Leitung der Landes:Sckzulangelegenheiten vom 1. Ja- nuar 1875 auf die Herzogliche Regierung Übergehcn. Die „A b- jheilung für das Schulwesen“ besteht aus dem Vorßßen- den, zwei Schulräkhen, einem oder nach Befinden mehreren Rüthen, welchen die Bearbeitung der juristischen, der Kaffen- und Bau- Angelegenheiten, soweit leßtere nicht technischer Natur smd, ob- liegt, einem von dem Herzoge zu ernennenden Mitgliede des Konßstoriums zur Wahrnehmung der Intereffen der evange- lischen Landeskirche in Beziehung auf den ReligionSunterricht, sowie die gemeinschaftlichen Beamten- und VermögenSangelegen- heiten, endlich einem Baurathe mit Stimmrecht in den bautech- nischen Angelegenheiten.
Bremen, 3. Dezember, In der gestrigen Bürger-
. séchafts-Sißung wurde der noch übrige Theil des Geskßes 7 über die RechtSverhältnisse der Beamten erledigt. Der
von den Nebenbeschäftigungen der Beamten handelnde Saß er- hielt folgende Fassung: „Ein Beamter darf ohne Erlaubnis; des Senats weder ein Nebenamj bekleiden, noch eine Nebenbeschäf- tigung, mit welcher eine fortlaufende Renumeration verbunden ist, oder ein sonstiges Erwerbsgeschäst betreiben, noch auch dem Vorstande, Verwaltungs- oder AuffichtSrath einer auf Erwerb gerichteten GeseUschaft angehören. Diese Erlaubnis; darf nicht er- theilt werden, wenn die fragliche93 Geschäfte mit der gehörigen Wahrnehmung des Amtes unvekiräglich find oder die Vornahme derselben mit Rückfickzt auf die Natur des 21th oder die Stel- lung oder die Verhältnisse der Beamten für unstattbaft zu achten ist. Die Erlaubniß ist jederzeit widerrufsich. Sonstige Privatarbciten find den Beamten von der vorgeseßten Behörde zu untersagen, wenn fie die Erfüllung der amtlichen Pflichten beeinträchtigen; fie können ihm außerdem dann untersagt werden, wenn fie gegkn Vergütung geschehen.“ Bei der Berechnung des Ruhegehakts wurde ein Antrag, Lehrern cm konzesfionirten bre- mischen Volksschujen beim Uebertritt in den Staatsdienst eine mehr als fünfjährige Dienstzeit an jenen mitzureckznen, abgelehnj, angenommen dagegen der Antrag, zeitweilige Unterbrechnngen der Staatsdienstzeü nicht zu berückfichtigen. Schließlich sprach die Bürgerschaft den Wunsch aus, das Geseß möge bald in Kraft treten.
Niederlande. Haag, 3. Dezember. Der österreichisch- ungarifche Gesandte am hiefigen Hofe, Ritter 5. Haymerle, wurde vor einigen Tagen von dem Prinzen Alexander in Audienz empfangen und Überreichte demselben das Großkreuz des St. Stephans-Ordens, welches der Kaiser dem Prinzen bei Gekegenheit der Mündigkeit deffelben verliehen hat.
Großbritannien und Irland. London, 6. De- zember. Dem Hofjournal zufolge wird die Königin mit ihrem Hofßaate am 17. ds. von Windsor nach Osborne auf der Insel Wight für das Weihnachtsfest überfiedeln, - Prinz Arthur, Herzog von Connaught, tritt am 1. Januar eine Reise nach dem Orient an.
- Der Premier-Minifter DiSraeli hat London verlaffen, unix fich zu einer Kur nach dem Seebadeorte Bornemouth zu be- ge en.
- Die amtliche „London Gazette“ notifizirt die Ernennung von Lord Lytton, bisherigen Bojschafts-Sekretär in Paris, zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minißer am portuJesischen Hofe. - Der „Times“ zufolge hat die Regierung ir Athur Gordon, den ehemaligen Gouverneur von Mauritius und Trinidad, zum Gourverneur der Fidschi- Inseln ernannt.
- Aus dem Ministerium für die Kolonien wird nachstehende Mittheilung veröffentlicht:
„Lord Carnarvou hält es zur Vermeidung von Mißverständniffen betreffs der genauen Lage der Maßregeln, die nun für die Abschaf- fung der Sklaverei an der Goldküste adoptirt Werden, für recht, daß es bekannt Werde, daß dem mit der [eßtcn Pot eingetrof- fenen Bericht des Gouverneurs Strahan zufolge die önige und Häuptlinge, nachdem sie ßes) Erläuterungen erbeten uud dieselben er- halten hatten, völlig ufrieéen mit der Anzeige waren, daß jedweder Sklave, der nicht wunxchen mag, fort ufahren mit seinemHerrn zu leben, künftighin durch keinen GerichtsboZ, sei er englisch oder cingeboren, gezwzmgen werden soll, zu tbm zurückzukehren. Es ist demnach uu- nöthjg, daß Grausamkeit oder irgend eine andere Ursache festgestcllt werde, und Lord Camarvon begt keine weifel, daß es Sklaven in Gemaßbeit dieser Erklärung gänzlich frei eben wird, bei ihren Herren zu blexben oder sie zu verlassen, und daß jeder Versuch, seine Freihekt zu beemxrächtigen, wirksam _kestraft werden wird. Die neu gemelde- ten Prozßdnren müssen iudeß als der erste Schritt einer Politik, die uothwendxgerweise aümählich in ihrer Entwickelung sein muß, ange- sehen werden.“
- 7. Dezember. (W. T. B.) Auf die von einer Ver- sammlung nonconformiftischer Geistlichen in Lancaster (Cornwaleö) an 'Glgdßone aus Veranlassung seiner' Broschüre über die vattkamschen Dekrete gerichtete Dankadreffe hat Lehterer unter
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dem 2. b. ein Erwiderungsschreiben erlassen. Gxadßone spricht in demselben deu Unterzeichnern der Adresse seinen Dank für das Verkauen aus,“- welches ihm betreffs der Aufrichtigkeit skiner Meinungsäußerung kundgegeben worden sei, und ver- fichert, daß er an den von ihm in der Bros üre aufgeßellten Grundsäßen über die Unvereinbarkeit der :) kanischen Dekrete mit der Unterthanentreue unbedingt feßhalte.
Frankreich. Paris, 7. Dezember. (W.T. B.) Der Moni- teur“ schreibt, daß der Kriegs-Minißer de Ciffeq sein A'mt nie- derzulegen beabfichtige, falls der Gesehentwurf über die Organisation der Cadres der Armee nicht die Genehmigung der Nationalversamm- lun erhalten sollte. - Die Antwortnote auf das letzte spa- nif e Memorandum dürfte, gutem Vernehmen nach, erß morgen offiziell in Madrid überreicht werden. - Die „Agence Havas" bestätigt, daß die Regierung einen Vertrag mit Deutschland über den Schuß des literarischen Eigenthums vorbereite. Die Grundlagen, auf denen die Konvention abgeschlossen werden solle, seien indessen im Einzelnen noch nicht festgestellt.
- 8. Dezember. (W. T. B.) Heute Abend findet der erfte offizielle Emfang bei dem Deutschen BoLschaster, Fürsten Hohenlohe, statt, wozu die sämmtlichen Mitglieder des diplomatischen Corps Einladungen erhalten haben.
- In der gestrigen Sißung des Ober-HandelSraths wurde von Grioart der Entwurf einer neuen Regulirung der Zuckerzölle eingebracht, wobei der Antragsteller darauf auf- merksam machte, daß, bevvr der Entwurf ker Nationalversamm- lung zur Berathung unterbreitet werden könne, fich die Einlei- tung neuer Unterhandlungen mit den auSwärtigen Staaten, von denen die Konvention vom Jahre 1864 unierzeichnet worden fei, erforderlich mache.
- Die französischen Streitkräfte soUen in drei Ar- msen, in eine Süd:, West: und Oft-Armee eingetheilt werden. Herzog von Aumale soll den Oberbefehl über die Oß-Armee erhalten.
Versailles, 7. Dezember. (W. T. B.) Die heutige Sißung “6er Nationalversammlung war ohne erhebliches Intereffe. Ein Antrag, betreffend den Schuß der in dem Haufir- handel und anderen umhexziehenden Gewerben beschäftigten Kinder wuxde genehmigt.
Spanien. Madrid, 7. Dezember. (W. T. B.) Die Journale veröffenjlichen ein Schreiben des Bischofs von Seu de Urgel, in welchem dieser ausspricht, daß er die car- listische Partei verlaffe, und Don Alphons von Bourbon auf- forders, fick] ebenfalls von der Sache des CarLiSMUS (nSzusagen. Der Bischof erklärt zugleich, daß er in Seu de Urgel bleiben werde, auck) wenn die Stadt von den RegierungStruppen beseßt werden soUte.
- Nach in Paris eingegangenen carlißischen Meldungen ifi Tristann zum Oberbefehlshaber der carliftifchen Armee im Norden und Dorregarar) zum Kommandan- Tend des Centrums der carlistischen Streitkräfte ernannt WR en.
Italien. Rom, 3. Dezember. (Ick. N.) In der Depu- tirtenkammer wurden gestérn zwei die Beschenkung des Ge- nerajs Garibaldi betreffende Geseßentwüafe vorgelesen. Der eine, von 106 Oppoßtionsdeputirten unterschrieben, schlägt eine Iahres- rente von 100,000, und der andere, welchen der Abg. Caranti eingebracht hat, ein IaHreSgehalt von 20,000 Frcs. vor. Der Minister-Präfidenf erklärte, das;" die Regierung gegen den von den Oppofitionsdeputirten gestellten Antrag nicht allein nichts einzuwenden hat, sondern daß fie ihn auch selber gern eingebracht hätte. Die Versammlung beschloß, daß die Antragfteüer nur heute ihre Anträge begründen sollten. - In der heutigen Sitzung der Kammer begründete der Abgeordnete Mancini den Vorschlag der 106 Oppoßtionsdepu- tirten, dcm General Garibaldi „sine Jahresrente von 100,000 Franken zu bewilligen, indem er hervorhob, daß es ihm vor Lerm darauf anzukommen scheine, diesem Akte der Dankbarkeit und Anerkennung der Verdienste um das Vaterland den Cha- rakjer einer Parteidemonftration zu benehmen, Der Minister- Präfident erklärke aufs Neue, daß die Regierung den Vorschlag mit Freuden annimmt und daß fie sich vorbehält, der Kommission einige unbedeuiende Modifikationen des Antrages zu empfehlen-
Der Marine-Minifter legte im Laufe_der gestrigen,
Kammerfißung dcn Geseßentwmf von Neuem vor, der den Ver- kauf eines Theiles der Kriegsflotte betrifft. Bekanntlich wurde diese Vorlage dem Parlamente schon am 1. DezembeuvI. untexbreitet, fie kam aber nicht zur Verhandlung in der Kammer. Die Vorlage ist dahin motioirt, daß ste jeßt nicht den Verkauf von 25, sondern von 32 Kriegsschiffen vorschlägt, nämlick) der Panzerschiffe: „Re di Portugalia“, „Principe di Carignano“, ,Audace“, „Alfredo Cappeklini“, „Jaa di Bruno“, „Guern'era“ und „Voragine“, der Schraubendampfer „Re Galantuomo“, „Duca di Genova“, „Italia“, „Principe Umberto“, „Gaeta“, ,Magenta“, Principeffa Clotilde“, „San Giovanni“, „Etna“, „Carlo Alberio“, ,Regina“, „Curtawne“ und „Montebello“, und der Raddampftr: „Constimzione“, „Monzambano“, „Tri- poli“, „Aquila“, „Peloro“, „Guluara“, „Cambria“| , „PlebiScito“, ,Ercolc“, „Tuckern“ und der beiden Segelschiffe „S. Michele“ und ,Euridice“.
- In der vergangenen Nacht wurde der Hauptmann und leßke Ueberrest einer Räuberbande, welche die Umgegend von Bologna unsxcher gemacht hatte, Nndreoli, nach kurzem Kampfe gefangen genommen und mit ihm sein Hehler und einige andere Mitschuldige.
- Nach dem Voranschlage der Einnahmen und Aus- gaben des Staatshaushaltes für das Jahr 1875 l'e- laufen fick) die Einnahmen auf 1,266,555,061Fr., die Au6gaben auf 1,320,701,519 Fr., das Defizit also auf 54,146,458 Fr.
Türkei. Belgrad, 7. Dezember. (W. T. ;,B.) Die
gestern mitgetheilte Ministerliße ist nachträglich dahin ab- - geändert, daß das Jinanz-Minißerium von Koljevic und das *
Ministerium für Kommunikationen von Ivanovics über-
nommen wird.
Dänemark. Kopenhagen, 4. Dezember. Nack) §. 2, 3 und 4 des vom Kriegs-Minifler General Steinmann ein- gebrachten Gesetzentwurfs, die Ordnung des Heeres betref- fend, besteht die Armee aus 4 Brigaden, von denen 2 aus 3, 2 aus 2 Regimentern, & 3 Linien-Bataillonen und 1 Reserve- Bataillon Fußoolk, wozu noch die Leihgarde und 1 Regiment der Kopenhagener Bewaffnung kommen (ca. 31,000 Kombat- tanten). Die Reiterei besteht aus 4 Regimentern k 4 EScadro- nen, die Feld-Artillerie aus 1 Brigade (4 Regimentern 5 3 Linien-Batterien, 1 Resveer-Batterie und 1 “Regimentsparv, ca. 128 Kanonen. Die wahrscheinlichen Auögaben für das Heer nach dem vorgelegten Geseße werden auf ca. 8,550,000 Kronen für 1 Jahr angegeben, während fie nach dem früheren Gesche 8,100,000 Kronen betragen würden. Die Mehrausgabe iß die-
/
elbe, wie beim früheren RevifioUworschlage. Indeffen enthält Las neue Geseß dnrch seine zweckmäßige Einrichtung eine Be- schränkun der persönlichen Leißnngen der Bevölkerung, insofern die Ansa [ der Dieusttage über 200,000 weniger ist, als nach dem bisherigen Geseke.
- 5. Dezember. (H. N.) Nach dem heute im_Folke- thing vorgelegten Nachbewi'lligungSgeseß ist dre Pau- summe.für das neue Königliche Theatek mit 165,049 Rd. uber- chritten. In “den Motiven heäßt es, daß der Minister vor den unberechenbaren “Folgen einer Sistirung des Baues keine Wahl
gehabt habe.
Amerika. Washin-gion, 6. Dezember. (213. T. B.) Von der morgen im Kongreß zur Verlesung gelangenden Botschaft des Präsidenten Grant Ziegt bereits in den hiesigen Iournaxen eine ausführliche, als authentisch bezeichnete Analyse vor, nach welcher der Präfident auf das Entschiedenfte die baldige Wiederaufnahme der Baarzahlungen empfiehlt, die allerdings nicht vor dem Januar 1876 möglich sein werde, Den Zeitpunkt für diese Maßregel, sowie die einzelnen Mittel und Wege zur Erreichung des Zweckes möge der Kongreß feftseßen, dem eine besondere Berückfickztigung der durch den Uebergang zur Metallmährung in hohem Grade berührten Rechtsansprüche aus allen seit längerer Zeit abgeschloffenen Privatkontrakten an- empfohlen wird. Aus diesem Grunde werde der Termin für die Einzahlung deH Papiergeldes geändert werden müssen. Die Bot- schaft schlägt vor, das Schaßdepartemenx zu ermächtigen, bei Wieder- aufnahme der Baarzahlungen ausreichende Goldankäufe vermittelst Verkaufs von Bonds zu bewirken. In allen Zweigen der Verwal- iung müsse gleichzeitig zur Erleickzterung der Maßregel die größte Sparsamkeit durchgeführt werden. Ebknso sei eine Reform des Zoll- und Steuergeseßk-Z ins Auge zu fassen, um einm höheren Steuerertrag zu erzielen Ferner sollten die Staatsbanken zur selben Zeit von bisherigen Beschränkungen bezüglich der Aus- gabe ihrer Noten befreit werden, indem es der gemeinsamen Ver- tretung derselben freigestellt werden würde, den Minimalbetrag des Notenumlaufs feßzusteilen. Die bisherigen Schußmaßregeln für die Inhaber der Bondsnoten hätten jedoch in Kraft zu bleiben. Die näheren Bestimmungen über die Freiheit der Banken und die Vorbedingungen ihrer Organisation müsse der Kon- greß festßeüen.
In Betreff der Beziehungen der Vereinigten Staaten zum Auslande konstatirt die Botschaft die ungeßörfe Fortdauer des freundschaftlichen Verkehrs mit aUen auswärtigen Mächten. Eine AuMahme hiervon bildeten nur die Beziehungen zu Vene- zuela, das die aus dem Vertrage von 1866 resultirenden Ent- schädigungssummen noch immer nicht bezahlt habe, und außer- dem diejenigen zu Spanien. Die UnionSregierung hätte fick; wegen der Fortdauer der Insurrekjion auf der Insel Kuba zu beklagen, wodurch“ dem amerikanischen Handel ganz beträchtliche Verluste zugefügt würden. Die Botschaft erklärt, daß es für Amerika nothwendig werden könne, im Verein mit den anderen Mächten der kubanischen Insurrektion ein Ende zu machen, da Spanien sch vsrgeblich bemüht habe“, dieses Ziel zu erreichen. Der Präsident giebt der Hoffnung Ausdruck, daß die mit Spanien schwebenden Verhandlungen in der Vir- ginius-Angelegenheit bald zum Absckzluß gebracht werden möch- ten, wenngleich die Lage derselben zur Zeit keine sehr günstige sei, indem er gleichzeijig ankündigt, daß die Höhe der Entfthädi- ungsforderungen den Gegenstand einer besonderen Botschaft Silben soUe. Alsdann wird noch die Indianerfrage besprochen. Der Präfident hofft, daß die den Eingsborenen gegenüber be- folgte friedfertige Politik gute Früchte tragen werde, indem fte die Grenzgebiete endlich vor der Wéederkehr der indianischen Nuf- ftände bewahre. Die Botschaft schließt mit dem Versprechen, daß die Regierung mit Energie an den Verwaltungsreformen weiter arbeiten werde, und empfiehlt die Einseßung eines Gerichts- hofes, dem die Erledigung der von Ausländern erhobenen Re- klamationen, sowie die Regelung der Einwanderung aus Ehincf zur besonderen Aufgabe gemacht werden solle.
- 7. Dezember (W. T. B.) Der Bericht des Schaß-
“Sekretärs Bristow liesgt nunmehr gleichfalls vor. In dem-
selben werden die Einnahmen des Finanzjahres 1873 auf 322 MiUionen, die AUHJaben auf 302 Millionen Doklars angege- ben; pro 1874 belaufen fick; die Einnahmen auf 293, die Aus- gaben auf 273 MiÜionen, Die zur Schuldentilgung krforderlichen 32 MiUioncn werden dabei nicht mitge- rechnet. Die Nothwendigkeit, nenes Papiergeld auszu- geben, habe aufgehört. Der“ Zeitpunkt zur Amortißrung sei gekommen, Als münsckzenswerjh wird bezeichnei, daß zu einem nahen und fest bestimmten Zeittermine der Zwangs- cours für das Papiergeld aufhöre. Dieser Zeitpunkt werde in 3 Jahren, wenn nicht früher, eintreten. Der Bericht knüpft daran Vorschläge, die die Durchführung dieses Projkktes erleich- tern und jede etwaige Krists fern halten sollen. Derselbe hält 7211 an der Erwartung, daß der Goldzufluß fiel) vermehren werde, sobald die Zahlungen in Metal! wieder aufgenommen seien. Es würde das System freier Banken zur Einführung gelangen und hei etwaigen: Mangel an baarem Gelbe der (Zirkulation durch m Gold zahlbare Banknoten zu Hülfe gekomn'ren werden können. 7 Die gegenwärtige ungünstige Lage von Börse und Handel sei d'te Folge der Ueberspekulation. Wenn an StelXe des gegenwär- tigen Systems ein solches trete, das gutes Geld an die Stelle nicht einlöslichen Pagiergeldes seße, so werde auch in den in- dustriellen Kreisen das Vertrauen zurückkehren. Der Bericht empfiehlt endlich die Aufhebung der Taxen auf Tratten der Banken, auf Sckzwefelhölzer, wohlriechende und loswetische Mittel, sowie Droguen. Es wird vorgeschlagen, dieselben durch einen Zu- schlag von 10 Cents auf Spirituosen zu erseßen; die Zölle auf Thee und Kaffee, deren Ertrag fich ohne jeden Vortheil für die Konsumenten wesentlich verringert hat, sollen gleichfalls gänzlich aufgehoben werden. Die Ginseßung einer Kommisfion, die die Zariffrage überhaupt einer neuen Prüfung unterzöge, wird als außerft ' wünschenswert!) bezeichnet.
„ - Dem „Reuterschen Bureau“ geht unter dem 7. Dezember dte Meldung aus Washington zu, der Staatssekretär des Auswär en, Sir H. Fish, habe den Unions-Gesandten in Madrid, leb Cushing, bereits im Februar d. I. dahin inßruirt, daß die UnionSregierung die Unabhängigkeit von Cuba und die Emanzipation der Sklaven als die allein mögliche und nojh- Wendige Lösung der cubanischen Frage betrachte* der Staats- sekxeiär habe dabei indes; ausdrücklich betont, da der Unions- re!!“-rung jede Absicht, Cuba zu annektiren, vollständig fern liege.
Afim. Dem „Reuters en Bureau" wird aus Hon - kAng vom 6. d. gemeldet, da die Insel Formosa am 3. . I'M den- japanischen Truppen geräumt und somit die FMM: eines Krieges zwischen Iapan und China be-
Afrika. Aegypten. Die „Times“. veröffentlicht die folgende Mittheüung der Regierung des Khedmx:
7 „Die in der ,Timeö' und französischen Zeitungen veröffeut: lichte _telegrapbische Nachricht aus Aden, welche meldete, daß hre! ägyptijche Regierungs-Kriegsschiffe nach Berben: gesandt'worden smn, um diesen Hafen zu blokiren, somit die Komxnumkatwn mit Aden gbschueideud, entbehrt gänzlich dcr Begrundung. Thatsache 1st, daß dieses Jahr wie früher ein ägyptischer Regterunggdampfer, der“ „Bakif',_ uach Berbera als eine einfache Vorfichtßmaßregel wäh- rend der großen Meffe, und auch zu dem Bebufe, dre Salaire u, s. w. der Regierungsbeamteu in Yiesem Hafen, der emen Theil des unter der Verwaltung dcr ägyptijchen Regierung ftehendcn Gebiets bildet,
„ zu überbréngen, abgesandt wurde.“
Reichstags : Angelegenheiten.
Berlin, 8. Dezember. In der gestrigen Sißung des Deutschen Reichstags erklärte der BundesbeooUmäohtigte General-Postdirektor Dr. Stephan in der Diskusswn über den Postetat rückfichtlicl; des Antrags des Abg. Ackermann in Betreff der Revision der geseßlichen Bestimmungen über die Zeitungs provision:
Meine_Herrcn! Die Gründe, Welche die geehrten .Herren Vor- rxdnex angeführt haben für dLe Zwechmäßigkeit, ja für die Notbwen- dtgkext einer Revision der Bestimmungen über _die Zeitungswoviffon, Gründe, Welchen slch noch einige andere Hinzugesellen, die abxr au53u= führen bei_ der. Etatsberathung zu weitläufig sein ryürke, 1chen die Regierung zu dxe Lage, ück) dahin zu erklären, daß fie bereit ist, aus_ die Rcwlution im "Sinne einer richtigeren Außgleicbung zwischen Leistung und Bezahlung einzugehen. Die Differenzen, welche nament- ltch bei den Wockyenblättem obwaltsn, find in der That von ganz eminentér Bedeuiung, Ein Wochenb1att, welches fick) „Aktionär' nennt und„in„Frankfurt (:./M. wöchcntlich ein Mal erscheinf, a11'o 52 Mal jahrlnb von der Post versendet wird, zahlt dafür eine Pro- vision an 2 Tbalern, 'die ich als eine sehr ansehnliche bezeichnen muß gcgenüber der Leistung der Post. Dagkgen giebt es anders Wochen- schriften - ick) nenne z. B. die Sonntagsblätter -, die ebenfakls 52 Mal jahrlich befördert werd-sn und Welche für dieselbe Lsiftung, für die das in Frankfurt erscheinende Blatt 2 Thlr. bezahlt, nur 4 Sgr. Provision entrichten. Es werdm namentlich dnrch die jetzigen Pro- vifiynsbestimxnungen die wissenschaftlichen Zßinckxriften unverhältniß- mäßig betronen. Die „Zeitschrift für kla1fische Alterélxumswiffen- Wuff“, welche monatlich ein Mal erscheint und die alw von der Post 12 MM jährlich zu befördern ist, zahlt dafür eine Provision yon 2 Thlr. Y Sgr.; Ike „Vixrtekj-1Hröscl)rift für praktische Heil: kunde“, Wklch€ nur vier Mal jährlich befördert Mrd, 3,7th ein? Pro- vi„fivn dcn 1Thlr. 15 Sgr. Diese Wenigen Beiwiele w-Zrden ge- ungen.
Nun„ meine Herren, das find Dßfferenzen, Welche die Behaup- tung gerccbtfertigf erscheinen lassen, da[; die jeßige Regelung der Zei- tungsproviswn nicht den Vorzug eins: besonders ratiozrellen besrßt, und :ck kann daher nur wiederholen, daß die Regierung gxueigt ist, auf die vorgsschlagene Resolution einzugehen und die Aend-kruug der Provifionkbcstimmungen in Erwägung zu ziehen.
- Beim Etat der Telegraphenverwaltung war zu Tit. 1 der Einnahme (Gebühren) von den Kommiffarien des Hauses der Antrag geftellt, die Erwartung auszusprechen, daß es der- Tekegraphenverwaltung gelingen werde, in dem Etat für 1876 die Einnahmen mit den Aquaben möglichß ins Gleich- gewicht zu bringen.
Der Bundeskommiffar General Meydam über nach dem Nbg. v. Behr:
Meine Herrkn! Dcr Reicbs-Telegraphsnvsrwalknng ist, wie auch der Hr. Abg. Sonnemann bereits in dexn Eingangs seiner Rede be- merkte, von dem Bundesxath die Amgabe gcwordsn , möglichst auf ein Gleixbgcwicöt zwijchen den Einnahmen und Athg.-ben im Etat dieser Verwaltung hinzuwirken. Die Verwaltung muß natür- lich ihr AugenMrk “Darauf richtcn, Die Tarife so bemessén zu lassen, daß ch eigenen Auégabcn der VerWaltnng durch ki? anfkommsnden Gebühren hinreichend ged_cckt :vsr'den. _ Inwiexvcit das durch eine NuSglcichung Der jééz't bestehenden vezxclnedenerx Tarifsäße, die fich nnch Zoncn klasfifizir'n, t[)11n!ichist, muß ?Zen stntiyti1chkn Erörterungen, die eingeleitet find, überlassen bleiben. Es wrrd natürlich die größte Mähwaktung in der Richtung einge!chlagen wcrdkn, und die Anficht, Welche dem Äntrage des Abg. Ackermann und Gsnoffen zu Grunde gelsgen l_zaf, findét darin bereits ihre Befrxedigung. D::n Vsrtrstern dcr Vcrwaltung ist Es natürlich von großem Nußen und Interesse gewesen, die Anficbten dsr Reichstngémitglieder, welche in der Gruppe thäéig waren, zu vernéhmen und damik Wünsche und_Ansichtsn kennen zu lernen, die bei den verschiedenen Krei1en und Pcr1önlichkeiten vor- handen Waren.
Ein weitcrer Punkk, der von dem Hrn, Abg. Sounkmann angeregt morden ist, betrifft Die [;erbeizufühxende Er13ichtorung der telegrapßischen Zeitungskorresponkcnz in der Nacht, Meine Herren! An solchén Orten, wo bereits NaÉtdisnst ßssteht', Wo es ohne crhsb- [iche Mehtaufwendung von Bstriebßmaterml und Persynal möglich fsk, wird- Di? TelsgrnpbenverWaltung sehr gern dc-n Wümkhén größerxr Zeitungen in dieser Beziehung entgkgcxnkommen. In der That tuht Des Nachts der telegrapbisckye Verksbr in erkzeblicbex Weise, und es ist deshalb möglich, die Leitungén für die telegravhi1che ZeiWnaZkor- respondkn zur Vkrfügung zu stellen, um diesen Organen der Hffenk- 15ch2n einunF Erleichterungen zu verschaffen, Natürlich in ein Zaupfpunkt dn ki die Vergütigung der eigenen Kosten der Tclegraphen-
ertvaltnng. „
- In der Diskussion über die Rübenzuckerßeuer ant- wortete der Bundesbevoklmächtigte, Staats-Minifter ])r. D e l b r ü ck, auf eine Anfrage des Abg. v. Behr *in Betreff des Scheiblet- schen Verfahrens: '
Meine Herren! Ich beschränke uncl) auf die Beantwortung der eben vom Herrn Vorredner gefteUtcn_Frage.
Ich kann im Augenblicke niäyt eme Auskunft darüber geben, ob eine Forderung für die zur Pxüfung des Scheiblerscben Verfahrens anzustellendm Versuche noch im Laufe d'er Budgeibexathung wird em- gebracht werden. Wenn sie aber nicht etngexbrnchf wud, so möchte ich den Herrn Vorredner sowohl wie das Haus darum bitten, nicht daraus zu folgern, das; die Versuche etwa nicht werden angestellt Werden. Die Summen, um die es fick) handelt, sind _an fich nicht sojbedeutend, und das Interesse, welches die Frage „in Ampruck) nimmt, tst auf der anderen Seite so bedeutend, das; die Yerbündxten Regéezungxn kein Bedenken tragen Werden, in dem Verbonea 91:17 die demnachsttge Zu- stimmung des Reichstags die Auögaben zu letsten, auch wenn si: mcht durch das Budget bewilligt smd.
- Gegen den Abg.1)r. Websky bemerkte'der genannte Bundesbevollmächtigte in Betreff der Branntwetnfteuer:
Meine Herren! Es ist unmögli „ von hier aus den Berechnun- en, die der Herr Vorredner mitgethe lt hat, u folgen, da man rbre Elemente nicht kontroliren kann. Ich mache thm meinerseits daraus keinen Vorwarf; denn wenn er seine Berechnungen sy vorgetragen hätte, daß man die Elemente kontroiiren könnte, so Wurde er damn vielletcbt zu viel Zeit in Anspruch genotnmeu haben.
Ich“ möchte nun, was die Branntweinsteuer betufft, seinen Zgblxn zwei andkre egenüberstellen, die 1ch für ganz unumstößluh nchtjg halte. Es 112 im Etat für den Norddeutschen Bund fur 1868 be- rechnet und zwar nacb der Wirklichkeit, was xn den 3 Jahren 1864, 1865 und 1866 in den damaligen BrannWemsieuergebteten _auf hen Kopf wirklich aufgekommen war. Nach Abzug der Cxportbomfikanon kamen damäls an Branntweinsteuem und an Uebergangs- ab abe 9 Sgr. 10 Pf. auf den „Kopf. In dem „jest I um vorliegenden Etat tft ebenso genau aus den Durchschmtteu
erklärte hier-
der 3 Jahre 1871, 1872 und 1873, auch nach AbZUJ der Exportboni- fikation, für die jeßige Branntweinsteuergemein (hach 1,0023 Mark, also 10 Sgr. & Pf. gegenüber 9 Sgr. 104%» Ps- tm Durch1chuitt der 3 ahre 1864 bis 1866 pro Kopf berechnet.
J glaube, dcn“; fich hieraus ergiebt, daß dcr Verbrauch des Braunt- weinSinnnhalb der Grmxen desVranntweinsteuergebietes sich nicht in einer Weis? vermehrt hat, so daß dies irgendwie zu bedenklicheren olgerungen Anlaß geben könnte, Wobei ich ganz außer Acht lasse, da von Jahr zu_Jal)c mehr Branntwein für gewerbliche Zwecke vsrbrauckxt wird, daß man nlso_se1bs2 aus einer sehr viel größeren “Steigeruu der Ein- nahme von der Branntnzeinsteuer uud folgeweise aus der ?rzeugung von Branntwein nicht zm aücrmindesten herleiten könnte, daß mehr Branntwein getrunken wrrd.
- In der Diskusfion über die Braufteuer entgegnete der Staats-Minifter 1)r. Delbrück dem Abg. Dr. Loewe:
Meine Herren! Ich kann mich auf Die technisch-“n Fragen, die hier bérübrt worden find, als Nichttexbniker nicht einlassen. Ich kann indeffen anführen, daß für die verbündeten Regierungen in dem vor Kurzem bskannt gewordenen Ergebnis; der Bssteusruug der Malz- Surrogafe im Jahre 1873, dem ersten Jahr?, wo has nene (Hefeß in Kraft stand, die dringende Veranlassung gegebsn ixt, R(T) zu über- legen, 95 nicht 'das ©2168 zu ändern sein möchte. Denn das Ergeb- niZ, daß im Jahre 1873 überhaupt nur 63,00) Ctr. Malz- Surrogate versteuert Worden sind, fordert Hinlänglich Zazu auf.
- Bei der Pofition Wechselftempelfteuer erwiderte Derselbe auf eine Anfrage des Nvg. ])r. Reichensperger:
Meins Hexren! DS: Augenblick, in den Säßen Nö Wechsel- stempclstcusrgescßes einc? Lienderung vorzunehmen, wird meiner Anücht nach erst dann eintretkn, Mun die MnrkwäHrung in ganz Dsutscy- [and eingkführk ssidnwird, unabhängig von der j.] jeßf nn?“ in xinem Theile von Teut1ch1nnd bevoréteiyenden Einführung dsr Mark- rechnung, '
Die Pétition, welche dsr Hsrr Vorredner erwäßnks, ist - viel- leicht nicht von dcrsxlben Hankkiskammer, indes; folckW Petitionen pflegen identisch zu Pin - von mehrsrén Hankslskammern an den Bundeörath gebxacht nnd wix_d dsr Erwägung unterliegcn. Bemerken will ich nur, da!; das Praktixcbe Resultat Dieser Pefition eine recht erhebliÖc Steuerermäßigung für die niedrigeren Stnfcn séin würde.
- In der Diskusfion 11er den Münzetat bemerkte der genannte BundeSbevoÜn1ächtigte nach dcm Nbg. Siemens:
Meine Herrsn! Da wohl nicht darauf zu hoffen ist, bis zum 31. Dkzember 1). Is. die Bankgeseßgebung abgéschlossen zu sehen. so sehe is!) es (116 vollkommen sel'sstpcrständlich an, daß eins Vérlänge- rung deS Gescßxs vom J.:Hre 1870 noch im Laufe dieses Monats sowvhl dis Zustimmung des BundeSrathö _als auck) des Reichstages finden wird. In Verbxndung mit Link)." 1olchcn Vorlage ist es die Abfiäyk res Reichskanzler-Amtes, weitere BSstimymngsn zu bxinZen, Welche darauf abzielen, die rascher? Einziehung dcr kleineren Noten- appoints innérhalb des nächstkn Jahres anzuordnen.
- Rückfichtlich des Geseßentivurch, betreffend die Einführung von Reich?:geseßen in Elsaß-Lothringen, erklärte der Staats-Mi- nister 1)r. Delbrück auf eine Anfrage des Abg. ])r. Lasker wegen der Iustizgeseße:
Meine Herren! Das Geféiz. welches dsr HN Vorradnkr er- wähnt hat, ist nicht Vé'kJLffM w-ordcn 1361 der YUfstLÜUng dieses Ent- wurfs. Wir find abcr dsr Msinung JLWLsLU, daß es nécht nothwen- dig sei, es hi-Zr ausdrücklich mi't auszuführkn, Wsil ÖGZ dieser Aende- rung d:;r Verfassung, wo Es fiel) um das Verhältniß dsr Souveränetät der Cinzcjstanten zur (Hésammthsit handelte, Rückfiäxfc'n in Bstracht gekommkn „sind und in BStracht kommen, dix 17-51 Elsaß-Lothcinzen Überall nicht JUU'LffM, und daß es bei Elsax; thinf'ng-Zn einfach ge- nügen wird, die'. RLTÖZJLsLßE, BZT auf Grund_di87es von mir erwähn- t::n Gessßes crlasjén werdcn, ohne daß ElsaZ-Lcthringsn in der Ein- gangsformel aufgsnxmmsn wird, anzunehmen und zu v-xrkündigen.
Statistische Nachrichten.
Das Königliche württembergische Ministeriuux dc?) Jnnérn Hat im vorigkn Monat von DM OßeramtsPlyysikatcn st“z€ichniffe übn ri? in ihren szirksn 'in [*Er1xf11ch)cr Thäxigf€_it stolzendc-n appro- Oirtkn dentsthén Acrxte e_ingéfordkrt und sin: Zuwxnxnsnsleünng Des JWWI dicses Verzsichnißxs bkarbciten [.1ff6n. Hikrnack) befindcn sic!) in Würtkombkrg gengäxtig b€i23421pntbek=n504 appxobirte Aérzte, wovon im Nkckukreis 193, im Sckwgrzwaldkrsi§ 108, im Jagstkrcis 77, im Donaukrcks 126 wohnst].
- Uxbcr kan Ersten allgkmeinc'nchnkxnvexein der österreichisch-ungarischen MonarchiL tbeält dk.? „Wien. Z,“ Folgendes mit: Dis LEbensMfi(ixxrnngsabxlnilung nahm im Monate Novembor d. J. 556 Anträge Üdsr 607,828 F1. 1111111111 Und 1740 Fl Rente cntgegcn, wvvyn 428 Vérüchcrungscknkr533 mit 420,800 Fl. Kapikak und 40 Fl, Renée aUZenommen wordxn, DL:“(H.',.11Umtstand Der Ende v. M. in Kraft befindlich-n Vcrfickzßrungsn bkziffche sich nach Abzug allsr Erlöschnngßn mir 23,699 Verträgen über eine Kavi- talsuunne von 21,609 600 F1. und jährliche Renxon pxr 46,900 Ff. Hickvon ist 6111 KapiTalsbetrng von 7000005751 xn' Rnckv'ekü-Fyexung gegebsn. Durch Yblebsn dcr VUÜÖLYÉM- nnd 1ettzBegmn d1e7es Jahns “252 Verfrage erlojckysn Und 111115181le 175600 Fl. Kapitäl und 300 F1, Rente fäüig gewckxdckn„ Dre Praunenemnahms für den vexflossencn Monat war mit 48,342 J[._ 64 Kr. in Vorschreibung. In Wu-Ncnstadt ist" ein Spar- und Vorychußconwrnuna des Beam- tenvereins ins Leben gctrkten.
- DieAuswanderuug ÜÖEU Liverpool ist, amtlixhen Ska- tistiken 3qu! e. noch immer im Ybnébmcn begriffen. Wahrend des Verwichenen onats (November) 189€!th von der Mersey 35 Schiffe mit 5893 AuSwandérecn nach transatlantisckzen Häjen ab, H. i. 1868 weniger als im korrespondirendkn Monat des Vorjahrés, waerend die analxme in dem m.? Novemßer endenden Jahre „ficH auf 66,900 Passagiere ben'ffert. VM den 589; AnZwanderern nn vorigen Mo- nat gingen 5585 nach den Veremrgtxn Staaten, 75 nach Nova Sco- tia, 38 nach Victoria, 20 nach EMM], 32 nach Ostindien, 30 nach Westindien und 113 nach “éZü-anerika.
Kunst, Wiffeusthaft und Literatur.
Berlin. In d2r Versammlung der Juristi]che_the_sell1chaft am Mittwoch den 9. d. M.. wird der Königxtch 1achsi1_che General- Staatöanwalt 1)r. Schwarße einen Vortrag ubsr den österrnchischen Entnmrf cines Strafgeseßbuches halten.
- Nach einer Bekanntmachung des Yorstandeß des Evangeßschen Vkreins für kirchliche ZWecke wird auch nn nachsten Jahre zwischen Neujahr und Ostern wieder ein Cyklus wx1sen7chaftltcher Vor- träge an den Montagabendeu von 7 [us _8 Uhr. tm Sagle des Evangelischen Vereinshauses, Oramenftraße 106 hrerselbft, gehalten werden. Es werden spxeänn: 4. Januar. .Rexchard, Kon- fistorial-Ratb in Possn: Die rsltgiöjcn'Bewegungen_m-Frankreich in den testen 50 Jahren. 11.Januar. Stahn, Kynfixtortal-Ratbx Die Freiheitsleiden der Gegenwart. 18. Januar., Liz. Gerlach, Pfarrer in Garz: Der Sozialismus und dns Cßnstentbum. 25. Januar. Fürst, Pfarrer in Frieödorf: Verglctxlyung von “Scheffels Ekkehard und Freitags Ahnen. 1. Februar. le. Dr. DtbeltuS, astor prim. in Dresden: Das Gesangbuch. 8. Februar. 1)r. Schian, rcbidiakouus in Liegniß: Das Wunder. 15. Februar. ,GrÜYmacber, Superintendenx iu Schueidemühl: Die Selbstzerseßuug des Chri tenthums und du Religton der Zukunft nach Eduard von artmann. 22. Februnr. Pank, Yfarrer: (Das Thema ist noch vor checkten.) 1. März. Lt'z.„Tauscher,
irektor des Stifthymnasiums_ in Zeiß: Die kitchenpylxtmben Be- wegungen der Gegenwart im Lichte der ?ohmstaufenzett. 8. Mäxz. Freiherr von Meerbeimb, Oberst im Gro en Generalmzb: Der Em- fluß der Volksbildung auf die KriegsfüYuua. „15., Mar;- !)r. Se- miich, Konsistorial-thh und Professor: a_s chxtßltxbe Märlyrertbum nach seinem Wesen und ferner Bedeutung fur dae Kirche.