L ;, i,“ x x x ? ;
„ ...- , ... _„_...-».„-,«„. „. ., _..„--„.-.....« «**-“M WW-„-„«.--- „.,-.... ...-
Staatssekretär des Reichs-Pofimts oon Podbi-eiski:
Meine Herm! chumß an! einige Punkte eingeben, die der Herr Vorrednkr angeführt bat, weil sie doch vielleicht im Lande zu itttbiim'liebeu Auffaffnnsen Veranlassung geben können. ck war mit ja nach der“ vorjäbtigat Stesung,“ die die FtaktionSgenöffen" ' des Herrn Vorredners eixgeuommen haben, nicht zweifelhaft, daß sie pkbrjipiekle Gegner d“ asien Theils der Vorlage sind, und daß sie sich zu warmen Vertbeidigem der PrivatbeförderungSauftalten aufwerfen würden.
Zunächst babe ich mich gmundert, daß er, obgleiÖ er, soviel i(b weiß, in naher Beziehung zur freismnigen Zeitung steht, entw:der seine Ausführungen aus dem „Berliner Tageblatt“ entnommtn bak, oder vielleicht felbft der Urheber dieser neuesten Leistung des „Berliner Tageblattß' ist, in dem ich beinahe mit denselben Worten aposiropbiert werde über meine Bexiebungen zur Sozialdemokratie. Nun, meine Herren, diesen Vorwurf nehme ich sehr gern bin. Ich bin nicht verwundert gewesen, daß die Herren durcb Beifallsc'mßernnaen dem zugestimmt haben, um mich edentueil an anderer Stelle zu dcnunzieren, als wenn ich in irgend einer Beziehung zur Sozialdemokratie stände. Mein bisheriges Verbalten und meine prinzipielle Stellung, die ich vor dem Reichtage und vor dem Lande jcderzeit eingenommen babe, lebten das Gegentbeil. Aber es ift ganz wunderbar, was mir brate vorgeworfen wird, ich bätte so wenig Material gegen die Priyaibeförderungs- auftauen vorgebracht. Durch alle Preßorgane gebt im Gegen- satz hierzu es hindurch, daß in dem, was ich gestern angefübrt babe, ich mich absolut befteißigt babe, sachlich zu sein. Ich babe in meiner erfien Einführungßrede nichts über die Pridaibeförde- rungSanfialten und ihre Leißungen gesagt; ich babe lediglich auf eine Rede des Herrn Dr. Pacbnicke erwidert und erst hier kurze Andeu- tungen gegeben. Es hat mir hierbei völlig fern gelegen, das ge- sammte Material vorzulegen. Es ist nicht ein dürftiges Material, wie der Herr Vorredner anführt, es ifi ein ziemlich umfaffendes. Darin gebe ich dem Hsrrn Vorredner volikommen Recht: über die Brauchbarkeit entscheidet das Publikum, derjenige, der die Anstalt benutzt. Das liegt auf einem anderen Felde, Hier handelt es sich um die prinzipielle Entscheidung, und da möchte ich wiederholen, was ich gestern schon erwähnte, daß Deutschland allein fich bis jeßt den Luxus der Privatbeförderungsanftalten geleistet hat.
Den weiteren Vorwurf des Herrn Vorredners anlangend, daß es sich im § 3 um Beseitigung der Aastalten bis auf die [este handelt, glaube ich, er hat nicht den Text des Geseyes gelesen. Es handelt sich nicht um Packete, sondérn lediglich um offene Briefsendungen, wie ich es gestern anführte, und wie § 3 ck ganz deutlich ausdrückt: um unverfchloffene Briefe, Drucksachen, Karten, Waarenproben, also nicht um Packete. Da ift ibm wobl ein kleiner Irrtbum untergelaufen. (Zustimmung dOS Abg. Fischbeck.) Es handelt sich bier also nicht darum, ob es der verbündeten Regierungen würdiger ge- wriea wäre, ein Verbot auIzusvrechen, sondern ich bin der Meinung, daß nur die klaren Konsequenzen von dem gezogen worden sind, was seitens der PrivatbrförderungöanfiaLtCn bei den Verschiedenen Verhandlungen aus- gesprochen worden ist: daß sie nicht in der Lage wären, weiter zu bestehen, wenn der geschloffene Brief ibnen genommen würde. Ich babe aus- geführt, daß die Neich-Poftverwaltung nur um deswilien die Kon- zessionwfiickpt für noibwendig erklärt, um eigentbümlicbe Mani- pulationen zu vcrbindern, wie sie leider in kleineren Orten heute schon vorkommen, indem irgend jsmand Wertbzeichen aussieht, sie verkauft, baurnd auf die Vertrauensseligkeit des Publikums, und nachher verschwindet. Es kann zweifellos nicht der Wunseb des Reichstages sein, solchen Unter- nehmungen Tbür und Thor zu öffnen.
Meine Herren, nachdem ich so gezeigt babe, daß die Konzessions- vflicbt nothwendig ist, möchte ich auch weiter darauf hinweisen - wie ich in meinrr gestrigsn Rede schon sagte _ es ist nicht mein Stand- punkt, sondkrn die verbündeten Regierungen sind der Ansicht -, daß nur aus BillizkritSrückfiÖten eine Entschädigung gewährt werden kann. Ich habe das ausdrüchicb Hervorgehoben, weil ich zu dieser Erklärung beauftragt war.
Was weitkr rie Ausfübrungen anbetrifft, daß diese großen Einnahmen, die die ReichZ-Poftberwaltung jeßt bai, lediglich aus den großen Städten kämen, und daß, wie der Herr Vorredner sagte, die großkn Städte nochmals dafür bluten sollen und gewiffermaßen noch- mals ju Lrisiungen herangezogen werden, so möchte ich zunächst be- merken, meineHerren: dieEinnabmen der Verwaltung geben nicht lediglich aus drm Postverkebr bervor, sondern es kommt das geiammt: Fernirrsch- wesen, es kcmmxn eine ganze Menge von Einrichiurxen, die in irüberxn Jabren Zetroffen sind, in dsnxn das Geld investiert ist, und dir cht Erträge a'cwxrfen, n:.turgkmäß binzu. Ick wil] nicbt etwa eingeben aui die Kozncversen mit der preußiscbkn Regierung und di: Forkerungerx, dir «tuell iür urentgeltlicbe Bsnuyung der Eisen- babnbeförkemrg von andern Seite des öftersn erhoben werden; aber ich glaube, dis Huren werden bei rubigkr und objektiver Prüfung in der Kommission doch den Eindruck gewinnen, daß wir zweiicilos, wolien wir in unserm Valeriande den Weg der Verkehrs- erlxicbtrrungen geben, den zu geben ich mich immer wieder bereit erklärt babe, wir nur dann dazu kommen können, wenn Ueberschüse :*xrbauden smd. ZH bin nicht reiiöniich beiniiußt worden, viel Grid xv iÖQFM, um rin äékaiiichxs Prinzip - das iii derbeliebieAUSdruck -- ÖOÖIUÖÜTZI. Meine erren, wenn ich eine sparsame Verwalwng iübre, so ist das -- das gxbe ich zu -- rcn mxinnn Skau'rvimkt ais konservativer Mann eine Notwandigkeit. (Zuruf links.) Ja!) bin nick)! ein Vericbwmder, der das Geld biraxakwirft, sondern bemühe mich, möglichst viel Geld irie 'das Reith xu schaffen, und wenn ich sparsam verwalte und Ver- febrketleicbierungen einfübre, so giaube ich,dieue ich dem Lande besser, als wrrm ich einiach das Geld wegtbue und nachber der Reichstag dernier! sein soll, Deckung zu schaffen. EH ifi meiner Ansicht nach viel leichtn, aus beitebenden Cinnabmrn die erforderlichen Außgaben zu decken, als in die schwierige Lage bineingebracht xu werden, in der der RUND; dc-é schon öfter gkrreien ist, für Deckung ven Aus- gaben sorgen zu müssw. Jede neue Belastung irgend eines anderm Gewerbes oder einer ar-derw Einnahmequelle kat viel größere Schwierig- keiten. Wir greifen unter allen Umfiänden viel tiefer ein, als wenn heute wenige Pimnixe dM jrdem Einxlnen beigenageu werden bei der Be- nny"; der Verkehrßauitalten. Meine Herren, ich sage gam offen, ";ck mom: uixbt, daß nur:: mich lobt; aber ich freue wird, daß irh «(:huh:-Ut ZM six: spariame Vsrwaltung wenigstens dazu beitragen kam:, daß M die WUEi-uabmw 'm Jutek eriaßrmz befinden.
Abs. Vr. Rinteleu [ tr.): Ter eis, “dm der Staatssekretär
imgck “viel!" bölk- wd»:de (viel davoxabgebUWIW jüüffe't, wm,- die:.VoL-Ot an*kbmim- wre» xW-«Naü USM» M et, al! ob,.van-r-yimwtß» die rweiterug des. ofimoxopols nothwendig] _ weil man; lese weitere [AWM ftü ' iibersehen „“Dem WMO.“ Tbuko-mid „ _sMonopolbefiaud- QW nin 1867." qude für da] norddeutsöe Ge , Posiwesen anderweit geregelt, wobei zum Ausdruck ge- _ * daß auf das MoMA verzichtet werden könnte. tt_wa's, was damals gätm Vordedacht beseitigt . Yoftmonopol sie'bt eben nur, syweit es die betroffenm Gegen ände umfaßt. 3th son ein neuer Gegen- and monopolifiert werden. Daraus allein. daß die Post gewisse erdflitbtp 11 hat, deren Erfülluua ib: Opfer safexleat, kann eine solche Erwe erung des Monopols nicbt . bergelntet werden. Troß aller unrentablen Leisirm en hat ja dennoch das Reich einen sietig steigenden Reinüber chuß, der auth den berechneten Ausfall von 8? Millionen um ein Vielfaches überwiegt. Mit jedem neuen Monopol wird überdies eine neue Menge direkt vom Staate abbängiger E istenzen geschaffen. Dem Erwerbsleben dürfen nur diejenigen SÉrar-ken ezogen werden, welcbe die Erdriickung der Schwächeren durch die tärkeren verhindern. Von diesem Standpunkte auß beftreite ich die Noibweudigkeit der Erweiterung des Monopols. Dre Auffafsung, daß der Staat die Gewerbe, sobald sie eine gewi e Rentabilität erlangt haben, verstaatlichen, monopolisieren mii e, wurde 1884 von dem |aatssozialdemokratischen Professor Adolf Wagner und wird beute von den neu Sozialdemo- kraten vertreten. Der Vorwurf des Verdieneuwo ens kann doch nicht nur einseitig gegen dre rivatposien, sondern müßte egen das ganze Erwerbsleben des Vol es erhoben werden. Daß d e Privatposten desbglb aufgehoben werden müffen, weil bei ihnen das Brief- gebeimniß nicbt sicher gewahrt ist,„ist ein ganz baltioier Einwand; es tft durchaus Sache deb Publikums, wie weit es ihnen Ver- trauen schenken will; darm hat sich die oftverwaltun garnicht einzumischen. O_bne_ die Re ultate der rivatpoften ättea wir die Aussicht auf erwaßtgte Po tarife überhaupt nicht erhalten. Die Unterdrückung der Prwatpoften wäre ein fundamentaler Mißgriff. Die Anstaiten und ihre Angestellten sollen entschädigt werden; aber wer eniscbadigt denn das Pubiikum, das doch den größten Nachtbeil von der Neuordnung hat? Auch dieie längst nothwendig gewordenen Reformen nur gezen Erhöhung der Eiknabmen zu bewiliigen, und das noxb dazu bei foicben Ueberschüffen, ist das berechtigt, ist das auch nur mit dem weck der Posiverwalrun vereinbar? Abg.Vr. ertel-Sachsen (d.soné): Wir schließen uns dem An- trag Hasse an, die Vorlage der Budgetkommission zu“ überweisen. Nack; der bisherigen Debatte erscheint das Schifflein der Vorlage allerdings erheblich, überlastet; hoffentlich bringt die Kommissions- beratbung die nötbtgeoßrleichterung. Uebertriebene Fiskalität kann man der Vorlage mcbt zum Vorwurf mach:u.„ Auf die Ein- nahmen aus der Verwertbung des großstädtischen Verkehrs kann die Verwaltung natürlich nicht verzichten. Die Leipziger Privat- poft bczt das den, Anstalten im allgemeinen gespendete Lob nicht immer verdient. Jedenfalls ist die Ausrebnung dck Monopols auf den geschloffenen Ortsbrief uns fvw atbisch; für die offenen Sendungen sehen wir eine Notbwendigkeit ni t ab. Die Aus- dehnung des Postxwanges für Zeitungen stößt auch bei uns auf Be- denken; jedenfalls_ genügt der zweimeilige Umkreis lange nicht mehr. Den Zeitungstarif haben wir uns freilich anders gedacht, und hoffent- lich wird der Staatssekretar bier mit iich reden [offen, damit etwas dcm Durchschninxwunscb Entsprechendes gescbaffen wird. Das; die Post gegenwartig bei der Zeitungsbeförderung mit Verlust arbeitet, ist in der Begründung nicht bewiesen. Die Frinzipien des neuen Tarifs find berechtigt, aber 'die Sä 8 sind zu och. Die Grundgebühr könnte vielleicht ganz wegfallen, da ür müßte der Abonnementépreis berücksichtigt werden. Die kleine Provinzpresse muß escbont werden, mit den großen Jnseratenblättern braucht man kein iitleid zu haben. Vielieicbt läßt sich dieser Theil der Vorlage herauslösen und zunächfi in einer Konferenz aller bktbeiligten Zeitungs- arten und Industrien gesondert erörtern. Die Wält würde nicht untergehen, Wenn der neue Zeitungsiarif erst irn nächsten Jahrhundert m Kraft träte. Staatssekretär des Reichs-Postamts von Podbielski: Meine Herren! Nur einer Ausführung möchte ich entgegentreten, nämlich der, daß die Reicbs-Posiverwqitung Zinsen erhält für das Geld, welches den Zsitungsverlegern gewöhnlich in sechs Monatraten außgefolgt wird. Die Reichs-Posivkrwaltung béfiadet fich leider fort- gesetzt in einem Vorschuß bei der NeichS-Hauvtkaffe. Wie Sie wiffen, bat die Verwaltung die Unfall- und Jnvalidenrenien zu bezahlen, und am Schluß des Jabres beträgt die Schuld der Postverwaltung bei der Reichshauptkaffe 70 bis 75 Millionen. Es ist also angescblofsen, daß die Verwaltung auf irgend einem Gebiet Zinsen zu erziélen vermag. Abg. D asbacb (Zentri: JH leu1ne nicht, daß wir durch den Staatssekretär von Podbieleki manche kleine Verbefferung bekommen haben. Aber Oesterreich bat schon im Jahre 1884 den einfachen 20 g-Brief eingeführt, ebenso ist in England das Ma imalgewicbt für Briefe viel höher als in Deutschland. Jeßt endlich ommt man auch bei uns mit der Erhöhung, aber man knüpit daran eine Menge anderweiter Erschwerniffr. _Daß die Aufhebung der Privatpoften die Vkrmebrung der abbaugigen Staatsbeamien durch die Aus- dehnung des Monopols zur Folge baden wird, ist eine polüiscb höchst bedenkliche Zugabe. Auch die Postverwaliuna macht troß der entgegen- gese ten Versicherung des Staatssekretärs Unterschied: nacb politischen chtspunkten. Als in Neunkirchen ein Postbau ausseséorieben wurde, inserierte die Verwaltung nicht in dem verbreitetsten Blatts, dem Zentrumsblatt, sondern in einem politisä) ibr genebmeren, welches nur ein Viertel der Abonnentenxabl des anderen batte. Die Be- ichräniung der Sdedition durcb Cxpreßboten foil gleiches Reiki für Alle schaffen; tbatsächlieb wird damit eine große Anzahl kikiner und mittlerer VläUer erdrosselt. Jm wichtigsten Punkte, dem Poftzeitunßstarif, erscheint mir die Vorlage schon jest ais abasiebnt. Der Börsenverein deutscher Buchhändler hat im thereffe der Sortimenter eine Eingabe an den Neichtxg gerichtet, worin auSgefübrt wird, daß nach dem neuxn Tarif die Zsitungen zu biliiq befördkrt werden würden. Diese aufraixendx Stellunggabme ist nichtsdestoweniger durchaus berscbs- t. Die Sortimenter befassen sich auch mit dem Vertriebe dec eitungen und Zritfcbriiten, und fix fürchten von dem neuen Tarik eine ernste Schädigung ihrer Existenz. Da die Entfernung nicht berücksichtigt. also dem Prinzip .Leiftung und Gegenleistung“ nicht entsprochen wird, sollte wenigstens ern Projennav, etwa 10 0/9, des Abonnements- preises in Betracht ge ogen werden. Im übriaen hat der Staats- sekretär selbst davon ge brochen. daß eini e 80 Vyrschläge zur ander- weitxu Gestaltung desPoft-Zeitungsvrov onstariis vorgelegen baben; vielleicht findet sich darunter irgend ein brauchbarer, der eine gerechte Vertheilung der Lasten ermö licht und die heutigen Einnahmen nicht schmälert. - In der Kommisäon werden wir ja wohl Näheres darüber
orm.
Staaissekreiär dcs Neichs-Poftamts von Podbielski:
Ich glaube ja auch, daß es sich bei den Veratbungen in einer Kommission und an der Hand des Materials, welches naturgemäß nicht den einzelnen Herren im Haufe und den einzelnen Zeitungsiniereffenten zur Zeit zur Verfügung steht - es sich doch wohl ermöglichen [asien wird, die Gründe klar zu legen für die Vorschläge der Reicbs-Poiiverwaltung resv. auch zu zeigen, daß bei der Mehrzahl der Vorschläge, die bis jest unterbreitet find, mebr versönlickpe Motive die Veranlaffung sind, daß der Vorschlag immer auf den Betreffenden und nicht auf die Allgemeinheit zugeschnitten ist. Aber, meine Herren, ich habe das Wort nur ergriffen, um bier wiederum einen Punkt zu widerlegen, der auch von dem Herrn Abg.
iir ':"te Wiblanz seiver 5 formen ber angt, ifi acuh vielen Nicho
Rinteln: vorhin erwähnt ist und den auch der Herr Vorredner an-
ZWÉW Er Mme: MM * „ für mich 'Raanuekübae, veildaumb diexßakirdx“ ;, iverwaltuug abhängigen. Beamtenst- tueuW-“' = ;. I:, szck:* Herren, das Bild ist nüt von-da WBW , - sondmrkou-den Ptivaty-osie-n aufoefdeiii; Ek-kaudelt sitb-eiufoz “um 170- bis 180000 Poübeamte mid run 2000 WM Beamte bei den Privatbefördemugsaußalten. Ia, meine IHM wie das überhaupt in denVordergnmd gerückt werden kann, das ißmirzroifm "oeftmden, nicbt Wk erklärlitk- Cine Vermehrung“ findet ja bei der Poßvmaltuug, wie die Herren aus der Budgetkommifiou wissen, alljährlich in viel größerem Maße fiatt als um die2000 Beamten, die bei den Privatbeförderungwfialtm angeßellt sind. _Meines Cr- acbtens ist also das Bedenken, daß man mehr abhängige Beamte schaffe, von keiner Bedeuiung. -
Abg. Werner (Reformp.) bittet, den Entwurf einer besonderen Kommi:1"ion zu überweisen, und wünscht, daß aus ihrer Beratbung der Vorlage, deren Inhalt er fast durchweg billige, etwas Brautb- bares herauskommen mö e.
Die Vorlage ge 1 an eine Konmrisfion von 28 Mit- gliedern.
Es folgt die erste Berathung des Entwurfs einer Fernsprechgebührenordnung. _
Staatssekretär des Reichs-Poftamts von Podbielski:
Meine Herren! Die Ausdehnung unseres Fernsprecbwesens in Deutschland zeigt, daß wir an der Spike der Entwickelung aller Länder der alten Welt sieben. Wir haben gegenwärtig 720 Orte des Reichs-Telegrapbengebieis , welche Stadtfernspretbeinricbtungeu haben, mit 172000 Sorecbfteiien, und es erfolgen an diesen 172000 SteUen täglich Lk Millionen Gespräche. Die Stadtfernsprecb- einrichtungen sind zunächst in den größeren Städten entstanden und haben erst allmählich die mittleren und kleineren Orte mit in den Kreis der Entwickelung gezogen. Im Jahre 1898 smd 180 Städte mit neuen Fernsprecbeinricbtungen versehen worden , und im kaufenden Jahre ist abermals die Auörüstung von 250 neuen Orten mit Stadtfernsvrerbeiuricbtungen vorgesehen, sodaß wir in Deutschland sehr bald über 1000 StadtfernspnÖeinriÖiunge-r haben werden. Für alle diese Neve, ob sie groß oder klein sind, ob sie 36000 Tbeilnebmer oder nur 36 haben, erhält die Verwaltung von den Angeschloffenen bisher stets die gleiche Jahresgebühr von 150 :“ Zweifellos hat dieser Einheitssatz für die Verwaltung mancherlei Vorzüge; die Einfachheit in der Feststellung und Erhebung, die Ersparung todter Bureauarbeiter hat ja auch im Brief- und Packetverkebr in fiets wachsendem Maße zu Einheitssäßen gesübrt, auch im Jniereffe des Publikums, dem die Gewißheit über die zu zahlenden Gebühren von Wert!) war.
So war es also kein Wunder, daß in Deutschland zunächst der Einheitssatz im Telproatarif zur Einführung gelangte, zu einer Zeit, da die Fernsprecbneße sich auf die ziemlich gleichartigen Verbältniffe weniger großer Städte beschränkten. Aber der Einbeitßsaß bat die eine große Schwäche, daß er ein Durchschnittsaß ist, der als solcher die einen entlastet und zweifellos die anderen belastet. Darüber ist aus den erwähnten praktischen Gründen binwegzukommen, so lange die obere und untere Ziffer, zwischen denen der Durchschnitt zu ziehen ist, nahe bei einander liegen, nur um Pfennige oder Groschen don einander abweichen. Sobald aber die Differenz von Pfennigen zum Vielfachen einer Mark anwächst, liegt die Sache wesentlich anders. Und darum handelt es fich beim Fernsprecbwesen: denn die Her- stellungs- und Unterbaitungökoften sind in den Orten mit Tausenden von Tbeilnebmern sebr erbeblich höher als in kleinen Nesrn. Infolge dkffen wird der Einheitssaß von 150 „x(- im Fernsprechgebübrenwesen bei uns von allen mittleren und kleineren Orten als ein Mißstand empfunden; dem Reichstage find in diesem Sinne kablreicbe Petitionen zugegangen, und aus den Verhandlungen der Budgetkommission er- giebt sich dassekbe.
Wie wenig der Einheitssas bier den Verbältniffen entspricht, läßt fich auch daraus entnehmen, das; außer Deutschland kein größeres Land mit entwickeltem Telkpbonsvftem den Einbeitßsaß für Fern- sprechanschlüffe beibehalten hat, auch Nord-Amerika nicbt, wo das Telephon überhaupt die allergrößte Verbreitung gefunden bat. Ueberall finden Sie Abstufungen des Tarifs nach Maßgabe des Nutzens, den die Tbeilnebmer, und nach Maßgabe der Unkosten, welche die Unter- nehmer haben; überall wird die Geseygebung von der öffentlichen Meinung dabiu gedrängt, die Fernsprechgebübren soweit als möglich nach Maßgabe der wirklichen Leistungen abzustufen.
Rock) auf eine besondere Folge muß ich hinweisen, die das System des Einheitssaizes im Fernsvrecbwesen mit sicb bringt. Es begünstigt ganz zweifellos die größeren Städte auf Kosten der kleineren und des flachen Landes; nur weil die Tbeilnebmer hier so viel zahlen müssen, haben die Tbeilnebmer in größeren Städten so wenig zu zahlen. Gestern wurde von einer Seite die Frage aufgewvrfen, ob beim Post- wesen die großen Städte zu Leistungen für das flache Land berangezoZen werden. Beim Fernspreebwesen zeigt sich ganz deutlich das Umgekehrte, daß nämlich die kleineren Städte erhebliche Summen aufbringen müffen, damit in den großen Städten die Fern- svrechgebübren so billia sein können, wie sie in Deutschland zur Zeit find, In anderen Ländern zahlen die Abonnenten der großen Städte erheblich mebr. In London werden 400 ck bezahlt, in Paris 320 „ji, in Brüssel 200 «M, in Amsterdam 195, in Budapest 240, in Wien 160, in Kopenhagen 168 .“ Nun hat diese Bevorzugung der großen Städte auf Kosten der kleinen den großen Nachtbeil, daß sie die Ent- wickelung des Fernsprecbwesens in jenen künstlick; fördert, während sie auf der anderen Seite die Entwickelung in den mittleren und kleineren Städten und auf “dem flachen Lande künfilitb zurückbält. Die zentralifierende Kraft der größeren Städte wird hindurch wesentlich erhöht; denn die größeren Städte erhalten einen bedeutenden wirtbschaftiichen Vortheil, indem sie alle Nachrichten mittels des Telephons viel schneller bekommen und ver- breitm können als die ruinieren und kleinen Städte, welche die Ein- richtung nicbt befiven oder welche für die geringere Anönußung eine" ebenso bobm Beitrag zahlen müffen wie jene. Ich habe WM mir zur Aufgabe gestellt, die Ausdehnung des Fernsprechweseas auf die kleineren Orte und das flache Land nach Kräften zu fökdm'“ Der Reichstag hat ja bereits in dankenöwertbem Entgegenkommen in diesem Jahre zum ersten Male besondere Mittel für diesen Zweck be- willigt. Diese Maßregel wird aber erst dann ganz wirksam werden, wenn wir dazu übergeben, die Tarife in den kleineren Orten wesentlich billiger zu gestalten. Die Ermäßigung der Gebühren für die kleineren Orte und das flache Land ist das Hauptziel, Muh?" 3“
vorliegende Entwurf sich gestellt hat.
- F**vksex-meg fiir “die kleineren Neve“ obne Mae k Manasse“ dk WxOrtesmöM ist",;“darübetßud'die Meinung!- ; «WMW Ia deus-gwßeu Südter- sagt am: wir neue- UW awk! sable“; ermäßigt mn die Theiluebueo-
in“ “de! kleineren , Städten. .Nan “möchte ich darauf bi-weisen: Berlin befißt 40000 Sprechstelleu mit 64000 im Draht. Wem: mm jekt das Doppeileituuassvßem durcb- gefabrt wird, so kommen- .“ da der Kilomeiec Draht etwa 100 .“ kostet und" auth kostspielige Aenderungen an den Appacaien erforder- 1jch werden, für Berlin Mein schon 6x Millionen an besonderen Kosten in Beiwcbt. Da entsteht die Frage: wie soll die Sache geregelt werden, damit auch für diese erheblichen Nmaufwendrmgea eine gewisse Verzinsung des Anlagekapitals gesichert ist? Es wäre ja für mich das Allerbequemsie und das Populärste zugleich, wenn ich nur mit Ermäßigungen vor- ging?, ohne zugleiih Erhöhungen herbeizuführen. Der § 7 des Tarif- geseßes ermächtigt den ReichSkanzler, Ermäßigungen obne Mit- wirkung des Reichstages eintreten zu lassen. Aber icb meine, ich habe doch auch noch andere Momente zu berückfitbtigen, und ich muß mir erlauben, immer wieder darauf hinzuweisen, welcbe erheblichen Kosten gerade in großen Orten, wie Hamburg, Berlin, Frankfurt 11. s. w. durch den notWendigen Uebergang zum Doppelleiwngssyfiem mißeben.
Man hat mir in einzelnen Blättern entgegengehalten: die verbündeten Regierungen geben für die Kolonien, für Meliorationen u. s. w. viel Geld aus, obne nach der Ver- ]insung zu fragen; “dagegen wird für das Fernsprecbwefen eine genaue Gewinnberecbnung aufgemacht und theilweise eine Er- höhung der Gebühren gefordert. Aber bei den Landesmeliorationen bandélt es sich um wirtbfchaftliche Voribeilc, die für große Landstriche in der Zukunft erwartet werden, und von den Kolonien hoffen wir, daß fie dem gesammten Vaterlande durcb Vermehrung seines Handels und Befeftiguug seiner Weltsteiiuag von Nußeu sein werden. Es ist also sebr verftändig, wenn dafür Summen aus-„ gegeben werden, mögen sie auch erft in der Zukunft Nutzen bringen. Bei dem Telephon dagegen kommt stets nur eine beschränke Zabl von Staatsbürgern in Frage. Auch in Zukunft wird nicht jeder Bewobner Deutschlands eine Fernspreck- anlage in seiner Wohnung und in seinem Hause baden. Deshalb müffen diejenigen, welche diese Anstalten benusen, damit rxchnen, daß sie die Kosten aufbringen, die nothwendig sind für di? Anlage, Unter- haltung, Verzinsung, Bedienung u.s.w.; sie können nicht beanspruchen, daß dazu die übrigen Steuerzahler herangezogen werden. Es läßt fich sebr wobl rechtfertigen, daß der einzelne Angeschlossene zu diesen Kosten den entsprechenden Beitrag liefert.
Ick möchte Sie bier auf eine Broschüre hinweisen, welche von einem Sweizer, Dr. Reinhard, über die Entwickeiung des Telepbon- wesens in der Schweiz veröffentlicht ist, und zwar erst nachdem dieser Geseßentwurf dem boben Hause bereits vorgelegt war. Ich babe an- geordnet, einige Exemplare von dieser Broschüre den Herren in der Kommission zur Verfügung zu stellen. In dieser Broschüre wird an der Hand der in der Schweiz gesammelten Erfahrungen gezeigt, wie es auf die Dauer unmöglich ist, eine gleichmäßige Pauschalgkbübr auirethtzuerbalien, wie es vielmehr nothwendig ist, zu einer Indi- vidualifierung der Fernsprechgebübren übmugeben. 1)r. Rsinbard bat fich dem Studium dieser Frage speziell in der Schweiz gewidmet und bringt das gesammte Material ganz unabhängig zur Darstellung, kommt aber dabei zu denselben Schlüssen, zu denen auch die Reichs- Poftverwaltung in der Begründung dieses Entwurfs gekommen ist.
Meine Herren, ich babe bier schon des öfteren aussesprocben. daß für den ganzen wirtbschaftlichen Aufschwung Deutschlands die Entwickelung unseres Telepbomvesens von hoher Bedeutung gewesen ist, und daß wir dadurch in dem wirtbscbaftlicben Wettbewerb einen erheblichen Vortheil errungen haben. Ich muß aber auch darauf hinweisen, daß das Telephon in gewiffsr Weise dem Telegrapben Abbruch tbut. Ick möchte hier einige Zahlen anführen, die beweisen, daß in der Ver- waltung des Telegravbenwesens doch recht schwierige Verhältnisse dor- liegen. Im Jahre 1897 betrug die Einnahme an Telegrammgebübren (im Gegensas zu den Fernsvrecbgebübren) IZE Miliionen Mark; die Ausgaben für das Personal der Teiegrapbie betrugen da- gegen aUein 25 Millionen Mark, die Kosten für die Unterhaltung der Linien, Apparate 11. s. w. noch 4 Miliionen; dies sind also 29 Millionen Aukgaben gegen 23Y Millionen Einnahmen, also 5? Millionen Minus. Hierbei sind die Kosten für die Räume, die Amortisation und die Verzinsung des Anlagekapitals vollkommen außer Acht gelassen. Dies Defizit wird um so schwieriger herab- gemindert werden können, wenn das Telephon dem Teiegrapben Abbruch thut, und wenn wir nicht in der Lage find, Einnahmen aus dem Telephonwesen für das Telegrapbenwesen zu verwenden. Ich möchte davor warnen, daß wir etwa einem Telegrapbendefizit noch ein Telephondefizit hinzufügen. Ich weise darauf bin. wie ich 85 be- reits an anderer Steiie gethan habe, daß wir dadurch, daß das An- lagekapital fick) beim Ferniprechwesen gut verzinst, die Finanzverwaltung gewonnen haben, uns die erforderlichen Mittel zu deffen Ausdehnung fiets bereitwillig zur Verfügung zu stellen. Ich habe Gelegenheit gehabt, in der Budgetkommission darauf hinzuweisen, daß alljährlich erhebliche Ueberscbreitungen der Aus:;abe-Titel für die Erweiterung der Fernsprech- anlagen stattgefunden haben, weil das Bedürfniß über Erwarten groß ge- wesen ist, und daß die Telegrapbenverwaltung sich von Jahr zu Jahr die Mittel von dem Reichs-Scbaßamt bat erbitten müffen; dies hat im Reichstage allseitige Zustimmung gefunden. Ich möchte aber fragen, ob das Reitbs-Scbatzamt diese Mittel bewilligt haben würde, wenn die Verwaitung keine reichliche Verzinsung der geforderten
VMÜQL hätte in Aussicht stellen können.
Meine Herren, nun ist mir auch hier der Vorwurf der Fiskalität SWW worden, der ja immer sehr leicht bei alien derartigen Geseßen duvchklingt. Es find Ihnen in der Begründung die Angaben vor- gelegt worden, aus denen Sie ersehen können, daß wir nur auf einen kleinen Ueberschuß rechnen dürfen. Wenn die Vorschläge des Ent- Wurfs mr Annahme gelangen, so werden gerade die neu binau- kommenden Anlagen in den kleinen Städten und auf dem Lande ?ck?le weniger zu zahlen haben: dadurch wird sich das Verhältniß UM Jahr zu Jahr mehr zu Ungunsten der Verwaltung verschieben, d. b. Orte, in denen billige Anlagen geschaffen werden, werden in größerer Anxabl binzutreten, während die Zunahme von Orten mit Uböbten Gebühren nicbt in Betracht kommt.
UU MiWM-W babeu- Dagegen bass,;qu-Reiöwin derselben ' Zeit" fir Vetrieb, UnmbaltuvoK'Eru-eitéuba uus Neis-
;berileliuua der Telépbmiauiagen“ (äusscijli"éß!ich"'“derkruorti-
sation und Verzinsung) 168 Millionen Maik 4116946211, mitanderai
Worten, das Reich bat aiGt allein“ die sämmtlilbeu Einnahmen-
sondem uock M Millionen Mark mehr in die Telepbqn'ié biaein-
gefteckt. Auf dem Papier erstbeinen Einnahmen, in Wirklichkeit aber
leiften wir alljährliib immer Zusibüise für Neuanlagen. Ick glaube
wirklich nicht, daß der Vomaf dec Fiskalität auf diesem Gebiete
zutreffend ift.
Dann ist mir in der Preii'e entgegen gehalten, ich sollte nur die
Tarife ermäßigen, dann würde das fiätkere Anwachsen der Wii-
nebmenabi den Gebübnnansiali ausgleichen. Dieser Eimvand beruht,
glaube ich, nicht gern] auf Sachkenntniß. Bei der Eisenbahn, der
Poft, kern Telegrapben, iiberhaupt bei den der allgemeinen Benußrmg
zugänglichen Verkehrsinstituten gleicht unter Umständen vermehrter
Verkehr eine Tarifverbiiligung aus; anders liegt es beim Telephon;
bier dient jeder neue Anschluß immer nur dem betreffenden neum Theil-
nebmer. Eine Vermehrung von Anfrbiußfieiien in einem Amt ruft
aber erböbie Kosten bervor. Werden zwei Personen verbunden. so
ist das einfach und billig; kommt der Dritte hinzu, so wollen schon die zwei mit dem Driiten sprechen können. Nun bedenken Sie, daß in Berlin jeder der 36000 Tbeilnebmer mii den anderen 35 999 sprechen kann; zu diesem Zweck müffen entsprechende Ver- bindungen hergestellt werden, nicht allein Verbindungen auf dem einzelnen Amt, sondern - Berlin hat 8 Ver- mittelungsämier - umb zahlreiche Verbindungsleitungen zwischen den verschiedenen Vermitteluugsämtern. Das erfordert komplizierte Einrichtungen, bedingt durch die größere Tbeilnebmerzabi. Also, wir können relativ billigere Einrichtungen in kleinen Orten machen als in großen, wo die steigende Zahl der Tbeilnebmer und Vermittelunßs- ämter die Kosten wesentlich steigert. Es ist technisch völlig aus- geschlossen, in Berlin ein einziges Amt für jeßt schon 36 000 Theil- nebmer zu schaffen. Die Einrichtung eines einzigen der acht vor- handenen Vermittelungsämter koftet in Berlin 1 MiUion. Das zeigt aber, wie erheblich sich die Kosten in großen Städten steigern. In den kleinen Städten läßt sich ein Anschluß um 100 „41 pro Jahr billiger schaffen als in Berlin und den anderen ganz großen Orten, weil die Verbäitniffe dort viel einfacher liegen. Das wird vom Publikum nicht berücksichtigt; man glaubt leicht, mebr Tbeiluebmer würden die Einrichtung verbilligen; die Verhältnisse liegen aber tbatsäcblich entgegengeseyt.
_ Nun verweist man bier und da auf das Ausland. Ich möchte zunächst bemerken, daß die Gebühren in England, Frankreiib, Oesterreich - Ungarn, Italien, Belgien, Niederlande, aucb Rußland höher sind als in Deutschland, ganz zu schweigen von den Vereinigten Staaten. Ebenso sind sie in der Schweiz, wenigstens in mancher Beziehung. im Verfolg des dort zur Einführung gebrachten Einzelgebübrensyfiems wesentlich höher. Geschäfte, die täglich 50 bis 60 Gespräche führen - und ich könnte Ihnen deren in Berlin eine ganze Menge anführen - zahlen in der Sebweiz dafür über 800 „45 jährlich, bei uns dagegen zur Zeit nur 150 „44 und nach dem Entwurf aucb nicht mebr als 180 .“
Die einzigen Länder, welche wesentlich billiger sind als wir, find Schweden und Norwegen, was mir ja öfters vorgehaltrn wird.*Meine Herren, ich habe Gelegenheit gehabt, in der Budgetkommission mich über die dortigen Verhältnisse im einzelnen auszulassen; ich habe aus- einandergeseßt, daß der Werth des Geldes dort ein ganz anderer ist, daß die Arbeitöentlobuung demzufolge dort eine wesentlich billigere sein kann als bei uns, ick) würde mich herben Vorwürfen yon der linken Seite des Hauses auskeßen, wenn ich daran denken wollte, für 35 bis 36 „FC monatlich eine Femsprechgebilfin anzustelien, wie es dort möglich ist. Ich will aucb nicht unterlassen, an dieser Stelle darauf hinweisen, daß gerade in Schweden eine Persönlichkeit an der Spiße der Telegravbenvkrwaitung steht, die sich durch intelligente Leitung des schwedifchen Fernsprechweiens große Verdienste erworben hat um die Entwickeiung des Telephons nicht aUein in Schweden, sondern in der ganzen Welt. Aber meines Erachtens liegt der Hauptgrund für die niedrigeren Tarife in Schweden dock) in dem erheblich böberen Werthe, welchen das Geld dort bat.
Meine Herren, ich möchte davon abseben, die einzelnen Punkte des vorgefcblagenen Tarifsystems bier zu erörtern. Ick) möchte nur nochmals betonen, daß meines Erachtens die Ermäßigung für die mittleren und kleinen Orte nicht obne gleichzeitige Erhöhung für die größeren Orte zur Durchfübrung kommen kann.
Man hat ja auch verschiedene weitere Vorschläge gemacht. Man hat gesagt: ich fonte Abstufungen nicht nur zwischen den verschiedenen Städten, sondern auch unter den Tbcilnebmern an demselben Ort zu- lassen. Ick glaube, das würde zu unendlichen Komplikationen und Schwierigkeiten führen. Das von Herrn Weft empfohlene Heil- mittel, mehrere Tbeilnebmer mittels eines gemeinsamen Drahtes an die Vermittelungsanfialt anzuschlikßen, ist bereits früher vom Abg. Dr. Müller (Sagan) abgewiesen worden
Die Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft haben auf das amerikanische System m automatischen Umschalters, bei welchem es der mknscblicben Vermittelung auf der Zentrale nicbt bedarf, auf- merksam gemacht. Ja, meine Herren, die Reichs-Pofiverwaltung ist jederzeit bereit, in eine Prüfung neuer Erfindungen einzutreten, sie hat auch die Abjickot, das amerikanische System zu versuchen, ob es aber zu einer wesentlichen Verbilligung führen wird, das muß sich erst zeigen; an Stelle der jevigen Fcrnsprechgebilfinnen würden zur Beaufsichtigung, Instandhaltung und Reparatur der höchst komplizierten Apparate wesentlich tbeurere Beamte, nämlich gewandte Mechaniker, angestellt werden müffen. Ferner liegt ein Bedenken darin, daß zum Betriebe dieses Systems starke Accumulatorenbatterien gehören, zu deren Ladung es elektrischer Zentralanlagen bedarf. An Orten, wo solche fehlen, stößt die Aus- führung auf Schwierigkeiten. Sie sehen, daß die Reichs-Poftverwal- tung sich auch mit dieser Erfindung beschäftigt hat, Die Verhand- lungen dauern bereits seit über 2 Jahr; sie haben aber noch nicbt dazu geführt, daß das System bei uns zur Einführung gelangen könnte.
Meine Herren, man hat in der Presse sogar die Bestimmung des Entwurfs angegriffen, der zufolge dem einzelnen Tbeilnebmer das Recht zustehen soi], gegen Einzelgebübren ju sprecken. Man hat mir dies fast als Arglist angerechnet. (Zuruf links.) - Ia, Herr Abg. Singer, man bat mir vorgeworfen, auf diese Weise wolle ich diejenigen eliminieren, die wenig spreehen; infolgedessen würde,
Weiter möchte ich darauf hinweisen, daß die Einnahmen des Reichs aus dem Telephonbetriebe in der Zeit von 1881 bis1897
während der Weniqsprecbende jest in der Durchschnittögesprächözahl
wktébbsatiffu ist- kü-fl't die Wildnittliöe Zahl, der Abonnenten- gesprälhe böse: werden und damit die Abonnementsgebüb: wachsen. Meine Herren, irh babe dabei keine andere Absicht als dir gehabt, dem Publikum nigegemuk-mmn, indem denjenigen, die oft von Hause ab- wesend find odersoaft deu Fauspwiber nur selten benahm, die Ge- legenheit zu einem billigeren Anschluß gegeben werden soüte. Ick erkläre aber von vornberein: liegen dagegen Bedenken vor, so lasse ich die Eimelgebübren fallen.
Ich möchte noch auf einen Punkt eingeben, der für mich sebr interessant zu beobachten war. Es ifi in der Oeffentlichkeit auch des- halb Widerspruch gegen den Entwurf erhoben worden, weil er den Vororlsverkebr bknachibeilige. Es haben sich z. B. Redner hier in den Berliner Vororten, in Schöneberg, aus diesern Grunde gegen den Tarif erklärt. Jeb weiß nicht, wie man zu der Annahme ge- kommen ist, die Vororte würden durck) den Entwurf Schaden leiden. Es ist meine Absicht, gerade für die Vororte eine Verbilligung ein- treten zu lassen. Die Herren in Schöneberg bäTten wobl beffer gethan, zunächst meine Erklärung über diesen Punkt abzuwarten. Das Minimum im Vorortsverkehr ist jetzt 200 «ja, also die Berliner Ge. bühr von 150 plus 50 „ji Der Berliner, der nach dem Vorort spricht. zablt sie nicbt, svndern der voraussichtlich minder wobl- babende Verortsbewobner muß sie entrichten, Es liegt in der Absicht der Reichs-Post- und Telesrapbrnmmaituug, kniipr.ch::;d den Vorschlägen der Postnovelle auch für den Telépboxrvsrkebr der Nachbarorte einheitliche Säße gelten zu [offen. Man würde künftig in Schöneberg, Charlottenburg, Friedenau rc. zu demselben SaSe mit Berlin sprechen können, welcher in Berlin selbst erhoben wird. Wenn der Satz für Berlin, wie der Entwurf vorschlägt, 180 „ji beträgt, so bedeutet dies für diese Vororte eine Verbiüisung um 20 „zi jährlich pro Stelle. Und ebenso wie für diese, würde es auch in anderen Orten sein, so in Köln mit Mülheim (Rhein), Elberfeld und Barmen. Ick hoffe, meine heutigen Erklärungen werden die Interessenten der Vororte überzeugen, daß sie keine Veranlaffung hatten, sich dem Ent- wurf feindlich gegenüberzustellen.
Ich komm: nun zu den Gebübren für die Ferngespräche. Die Ermäßigung der Gebühr für die 50 Kilometerzone auf 25 „5 hat eine erhebliche Zunahme der Ferngespräche zur Folge gehabt. Von seiten des Handels wird es aber als eine Benachtbeiligung angesehen, daß bei Gesprächen über 50 km die Gebühr gleich auf 1 ckck steigt. Die jeßige Vorlage sieht für die nächste Zone bis 100 km 50 „3 vor; das ist ungefähr die Grenze, die in den einzelnen Landesibeiien auSreicbt, um die Verbindung mit der nächsten größsren Handels- emporie oder dem Sise der Regierung zu erbaiten. Dieser Vorschlag ist alsbald von drm Verlangen überboten worden, die 50 Picnnig-Zone bis auf 150 km auszudehnen. Ick werdr in dcr Laze sein, der Kommisfion darsieüen zu können, daß die Kosten für die Fernleitungen so bedeutend sind, daß wir tbatsäcblicb nicht in der Lage find, auf 150 11111 die 50-Pfennig-Gebübr ausdehnen zu können.
Weiter find im Entwurf bei den Fernsvrechgebübren für größere Entfernungen böberc Säße als 1-16 vorgesehen worden. Wer die Entwickelung unseres Fernspreckpwesens überblickt, dcm muß es auf- fallen, warum zur Zeit Berlin wir eine Barre den FernsprecbVerkebr zwischen dem Osten und dem Westen trennt. Das liegt darin, daß die großen Entfernungen, welche über Berlin hinausgehen, ibatsäcblicb enorme Kosten Verursachen und hierfür die jeßige Gebühr von 1 146 kein Hinreichsndes (Entgelt bieten wird. Wenn eine Linis, die eine halbe Miüion kostet, täglich100 Gejpräche bat, also jährlick) rund 30 030 „ck bringt, so find diese 30 000 116 zweifellos ungenügend, um für Amortisation, Untrrbaiiung und Bedienungskosten das entsprechende Aequivalent zu bisten. Denken Sie z. B. an die Zeitungen, die bereits gebaut find nach Wien und Pest; denken Sie an di? Möglibieit einer telephonischcn Vsrbindung zwisch€n Berlin und Paris. Eine mit zwei Doppeilcitungkn ausgrrüsiet: Telephoniinie von Berlin nach Paris würde der deutschen Verwaltung bis zur französischen Grenze rund 1 Million Mark kosten. Ich frage Sie: mit welchen Gebühren soliten wir auf diesem Drahte auskommen, wenn wir 1 ;ck erheben wollten? Dasselbe gilt Von den langen Leitungen im Jmlande. Man muß hierbei erwägcn, daß bei den langen Leitungen, so lange sie zu Gesprächen zwischen den Endpunkten benußt werden, alis dazwischen liegenden Orte Von der Benußung der Leitung ausgeschloffen find. Wenn ;. V. jemand von Frankfurt am Main bis Königsberg durchsprecben soll, dann können während dessen so und so viele Tbeilnebmer an Zwischen- orten diese Linie auch auf Tbeilstrrcken nicht benuyen. Wenn dafür nicht entsprechende Gebührkn erhoben werden, so müßte die Verwaltung einen erbeblichsn Schaden leidm.
Wenn Sie die Eingaben der Handelskammsrn und der ver- schiedenen Städte Verfolgen, dann werden Sie immer dcn Wunsch nach möglichst weit reicbsnden Verbindungen finden. Wir werdkn immer mehr Fernleitungrn baurn müssen; aber diese müßen die Verzinsung aufbringen. Ich habe Ihnen an der Hand der Kosten, die diese Fern- leitungen hervorrufen, gezeigt, daß wir bei einem Saß von 1-46 nicbt sieben bleiben können. Wenigstens würden wir dann eine künstliche Schranke schaffen. Dir Verwaltung kann auf so große Entfkrnungen einen Draht einem einzelnen Tbeilnebmer nicht für 1,“ zur Verfügung stellen. Darum ist der Vorschlag gemacht, die Gebühren für weite Entfernungen etwas zu erböben.
Ich glaube, daß eine nähere Prüfung des Entwurfs zeigen wird, daß es mit der Vertbeuerung in den großen Städten tbatsäcblicb nicht so schlimm ist, namentlich auch im Hinblick auf den Uebergang zum Doypslleitungésystem, für welchen der Reichstag in diesem Jabre bereits 2 Miliionen bewilligt bat, und welcher schon binficbtlicb der bestehenden Anlagcn im Ganzen mindestens 20 Miliionen Mark be- anspruckzcn wird. Im Hinblick hierauf hätten wohl die großen Städte keine Veranlassung, den Tarif zu tbeuer zu finden. Auch ohne dies Gases würde der Uebergang zum Doppelleiiungsfystem die Erhebung von Zuschlägen zu den bisherigen Sätzen in den großen Städten für alle mit Doppelleitung angeschlossenen Tbcilnebmer not!;- wendig machen.
Ick glaube, die Kommission wird wohl in der Lage sein, an der Hand des Materials festzusieiien, daß es sich hier in der That nicht um Fiskaiität handelt, sondern nur um eine andere Vertheilung der Lasten. Es wird zu prüfen sein, ob die großm Städte dadurch be- nachtbeiligr werden, oder ob nicht doch vielieicht die Eingaben aus dem ganzen Lande, welcbe die kleinen und mittleren Orte entlastet zu sehen wünschen, eine größere Beachtung verdienen. Ick glaube, wir werden auf der Grundlage dieses Entmufs zu einem wesentlich gesunderen Ausbau des Fernsprecbwcsens kommen , nicht zu einer künstlichen
Züchtung der großen Neve- wie sie jetzt tbatsäcblicb geschieht.
.,.-._.- .-
. .";Y-ÉW-«x-M- ...-«- „ck«.»„«.„_«»-ch».„M «-H« .W.»„„«„.;„....-,.„
&...-L...“, .'.„ «,. „..,-. „ T.., „1 „
„„.-«„U “* N-Zx-éxv-«L-xé; _. ,
„._.-..- «4- „4 ..“»«a-«----. . ,. .. . -. , x-
» * - Y! ** ** * ;_,ch7!,4**- * *“ ** * * „“_- -;* . „ - ** ***,;- : ",L. 1 * * "1 “' „' , . * ,' . „,. '„-.,„'" ***-* *? * “L*"**.:,_-*„ ,- „),-_ „.„ Ü - “*!* „“'“ “*“-.«1 " “.:|-** “"'“-" _* , 71.4, * - ,. ., » .*.»«e-«.»«k»«- «...a-«„,- .. WW: x-o«-&«-««««7»-*-M..-«M-Wz “ "' . '“ . * “ “ , * . ' , -* 'H , ck ** "" * *" " "* "* -* -* - - * - * , ,. * ' * . . „„,-„. .,. „. „..-*. **. *.,-
-W ** * W “„ckck-DIMM- Z'P-M. „"-** ":*-I““;WM *" Uk“?! “* ““NRW W, 5733; “KFC“: &L““*'W"- “B***?YFZ-MY WL";