lands nicht in demselben Verhältnisse stände, wie der Herzog YM Nemours zu dem Beherrscher Frankreichs. DieserUrnftand innffc auch die Besorgniffe der Franzosen, daß England irgend emen besonderen politischen oder kommerziellen Vorthexl aus der Thron- besteigung des Prinzen ziehen könne, verscheuchen. „
In ihrem neuesten Blatte sagt dieselbe Zettungz. „Es scheint, das; das Belgische Arrangemxnt, wenigstens fm jetzt, fehl eschlagen ist. Die dem Prmzen Leopold unter besonderen ?Bedingungen angebotene Krdne Z| von dezms-elben nicht angenommen worden. Die Belgier bieten dk?! pkUZ-FM mehr Land an, als ihnen ehökt; deshalb hk“ der„Prmz i_hke Krone au6geschla en. Die Yrotokolle de„r großen MFM? erken- nen Limburg niZt als zu elgiexx gxhorend an; dW Belgier aber sprechen sick) daffelbe eigenmaxhng zu und ersuchenden Prinzen Leopold, über diesen vergroßerten Staat zu herrschen. Die Folge davon ist, wie wir bereits erwahnt lxaben, daß dieser das anerbieten abgelehnt hat. - Dre Belgier hqben „daher nunmehr einen anderen König 11! sUPLU- Ob s? LMU [UMP Werden, wissen-wir nicht; aber „wn mussen gestehen, das; wwzdie Kühnyeit dessen bewundern wurden. der dle Krone tinter „Be- dingungen annehmen wiirde, denen, ,ich England und ;;rankrenß widersetzen. Die Belgier haben 111 der, That keinen Schmtt vorwärts gethan; sie haben„bloß den' Prinzen Leopold ftntt'des
erzogs von Nemours gewahlt. Dre anderen und wichtigen Fragen sind im 81311] quo geblteben.“ . _ ck .
Das Schiff „Nautilus“, das L11,sabon am 2711en 92,291. verlaffen hat, bringt die Nachricht unt, daß zwet Franzoxtsche Fregatten, zwei Korvetten und eme Brtgg _nn Taxo angekommen seven, wo sie sowohl alle im Hafen befindliche,“ als alle „ankom- mende Portugiesische Fahrzeuge weggenommen hatten. Die Fran- zössche Seenmcht sah auch noch einer Perstnrkung „entgegen.
Ein Privatbrief aus Lissabon erklart dte Weigerung Dom Miguels, der Französischen Regierung Gxnugthmmg zu geben, daraus, daß er der Meinung set) , er befande sich, nnchdetn er den Engländern Alles zugestanden, unter dem Schutze dieser Na- tion und brauche sich daher um die Drohungen annkreichs nicht zu kümmern. Die Times bemerkt dazu, man konne von Liffa- bon her jmmer auf das Allerseltsamste gefaßt seyn. ,
Auf Lloyds wurde heute eine Mittheilung des Engltschen Vice-Konsuls aus Terceira vom 17. Mai bekannt gemacht, wor- aus hervorgeht, daß St.George, eine der_AzortschenInscln, am 9. Mai von den Truppen der Regentschaft ohne Widerstand ge: nommen worden ist. Der Graf von Billaflor' kehrte am 14th mit seinem Stabe nach Terceira zuriickf schiffte sich aber am 161en mit 150 Mann wieder ein, um, ww man vernmthetc, Fa-
yal anzugreifen.
Nack) Berichten aus Gibraltar. vom 16. Mai ist die Verbin-
dung mit Spanien wieder hergestellt, da durch das Adsendcn der Spanischen Flüchtlinge nach Algier der Grund der fruheren Ab: brechung hinweggeräumt war. „ '
Nach Briefen aus Rio-Ianeiro vom 18. Marz war 'die Stadt fortwährend in einem Zuftande großer „Aufregung. Eine bedeutende Anzahl von Mitgliedern der Deputirten-Kammer hat- te dem „Kaiser eine Adresse überreicht, welche, in nicht sehr ehr- erbietigen AUSDrücken abgefaßt, die Schuld wegen 'der vorgefalle- nen tumultuariscben Auftritte lediglich den Portugiesen zuschricb. und die Ungestraftheit, welche diesen zu Thejl wurde . als eme unwürdige Parteilichkeit und als einen argen Mangel inder An- wendung der Gesetze schilderte. Es hatte eine Mlülstek111l-5Ve'k- änderung in Rio stattgefunden, aber es waren nur erst zwe: Mit- glieder des neuen Ministeriums namhaft gemacht: Gama, fru- her Präsident von Rio Grande, als Justiz-Minister, und Gene: ral Moraes als Kriegs-Minisier. Die Brasilianischen Papiere fielen auf diese Nachrichten ungefähr 15 pCt. '
In Merthyr Tydfil in Wales ist es zwischen den Arbeitern, welche in den dortigen Eisen-Fabriken beschäftigt sind, und einem Theil des 93sten Regiments zum Handgemenge gekommen. Das Militair war von den Behörden aufgefordert, zum Schutze des Eigentbums und zur Aufrechterhaltung des öffentlichen Friedens einzuscbreiten. Es hatten schon seit 2 oder 3 Tagen tumultnn- rische Versammlungen der Arbeiter stattgefunden, wo man sich heftig iiber den niedrigen Lohn und die hohen Preise der Lebens- mittel beklagte. Nachdem Unterhandlungen zwischen den Arbei- tern und den Fabrikherren zu keinem Resultate gefiihrt hatten, ward die Aufruhr-Akte verlesen. Der Pöbel aber, ßatt sich zu zerstreuen, griff das Militair an; er war mit Knitteln und Stöcken bewaffnet und verwundete den Major und mehrere Soldaten. Die Magistrats-Personen ermächtigten nun die Sol: daten, Feuer zu geben, wodurch 11 Personen aus dem Volke getödtet wurden. Hierauf zerstreute sich der Haufen, und die Ruhe war vor der Hand wieder hergestellt.
Nord:Amerikanische Zeitungen enthalten Nachrichten aus Veracruz vom 11ten und aus der HaUptstadt Mexiko vom 5ten April. Das Land wird als in einem verhältnißmäsxig ruhigen Zustande geschildert. Der Traktat mit den Vereinigten Staaten, der so langen Berathungen unterworfen gewesen, ist endlich von der Mexikanischen Regierung ratificirt worden. Der Gouverneur von Cuba soll vom Könige von Spanien die Voll- macht erhalten haben , eine Unterhandlung einzuleiten, um den Handelsverkehr zwischen Cuba und Mexiko wieder herzustellen. In Washington ist noch kein neues Kabinet ernannt. Die ein- zi e Ernennung war die des Herrn Livingstone zum Staats: “ecretair.
Niederlande.
Aus dem Haag, 9. Juni. In der StantH-Coni'ant heißt es: „Aller Anstrengungen ungeachtet, urn den Dnrcbl'ruck) im Schelde-Deich bei Lillo wieder herzustellen, hat man bis Jetzt, des schlechten Zustandes einer Schleuse wegen, noch 1116“! zum Zweck gelangen können. Man lxört indessen nicht mit *),“Taaßre: geln auf, einem vielleicht zu befurchtenden Einsturz aller Maxxer: werke und daraus entstehenden Durchbruch eines anderen Océchcs zuvorzukommen; die Befehlshaber der Truppen sowohl, als der Bürgermeister des Ortes und, die bei den Dammbautcn ange: stellten Beamten, wirken veremt auf diesen Zweck hin. Hierans allein sollte man genugsam abnehmen können, mit wie tvrnigcm Grund die Belgischen Tagesblätter obenertvähnten Durchbruch als eine vorsätzliche feindliche Maaßregel schildern; iibrigens dinfte wohl schwerlich Jemand einer eben so böswilligen als ungereim- ten Beschuldigung Glauben geschenkt haben.“
Antwerpen, 7. Juni. Das bei Lillo liegende Holländi- sche Geschwader wurde gestern durch drei Kanonierboote verstärkt; auch das Dampfboot Curagao war dort angekommen. In die- sem Augenblicke befinden sich auf der Rhede von Antwerpen 1 Fregatte, 1 Korvette und 5 Kanonierboote. Das hiesige Journal meldet: „Liefkenshoek wird, wie es scheint, von keiner Ueberschwemmnug bedroht; Personen, die von Allem unterrich- tet sind, was in der Umge end vorfällt, und alle Dämme selbst untersucht haben, fanden etne S ur von Beschädigung. Amy stheint das Botgtbxn, als sey die 11911111: von PM:.Tabat un-
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tenninirt, ungegründet; Personen, die sich dahin begeben hatten, konnten nichts dem Rehnliches entdecken. Im Fall man iibri- gens fiir diese Schleuse, die nur eine halbe Stunde von Anstru- wel entfernt ist, Besorgniffe hegen sollte, könnte man eine starke Wache dorthin senden, die sich in den umliegenden Meiereien einqttartieren wiirde.“ *
Brüssel, 8. Juni. Die auf gestern anberaumt gewesene
Sitzung des Kongresses konnte nicht stattfinden, weil es un- möglick) war, die zum Berathen nöthigeAnzahl von Mitgliedern zusammenzubri11gen. Das Bureau beschloß, einen Brief in die Journale einrücken zu lassen, dnrch welchen die abwesenden De- putirten aufgefordert werden sollen, sick) augenblicklich auf ihre Posten zu begeben, weil es von der größten Wichtigkeit sen, sich mit dem Budget Und dcn Finanz-Gesetzen, welche am 1. Juli in Kraft treten müssen, zu beschäftigen. Der Namens-Au-fruf crgab die Gegenwart von 77 Mitgliedern, deren Namen öffent- lich bekannt gemacht wnrden. Die Herren Bilain Klin., chtsund H. v. Bro 11chixre-l)atten an den Präsidenten ge- schrieben, 11111 TEU Kongreß von ihrer Abwesenhccit in Kenntniß 11 1215111. 3 sHerr White, Sekretair des Lords Ponsonbt), ist heute Mor: gen 11111 10111311viedex hier angekonnnen. „Wir wollen hoffen“, sagt der Independant, „daß diese schnelle Rückkehr auf gute Nachrichten deutet.“
Dcr Regent hat durch eine Verfügung vom 7ten d. ange- ordnet, daß das erste Aufgebot der Biirgcrgarden in den Pro- vinzen Antwerpen, Osi:Fla11dern, West:Flander11, Hennegau, Na- mur, Brabant, Ltittick) und Limbnrg mobil gemacht werde.
Der Judependant bemerkt in Betreff der Versetzung des Herrn Ticlcnmns, daß derselbe das Amt eines Gouverneurs der Provinz Antwerpen friiher nur 110 interim und unter der Be- dingung angenonnnen habe, das;“ er später zum Gouverneur der Provinz Eiitticl) ernannt wiirde.
Man schreibt unterm 6ten d. von Tournat), daß die Natio: nal:9lffociation dort zahlreich nnd gut zusammengesetzt sei). Die- selbe habe folgende drei Vorschläge angenommen: 1) eine Pro- testation gegen das Dekret, welches der Wahl des Prinzen von Sachscn-«Koburg vorangegangen set), indem dasselbe dem Grund: Artikel der Constitution widerspräcbc und die Integrität des Ge: bicts aufs neue in Frage ficlle; 2) eine Bittschrist zur unmittel- baren Wicdcraufnadme dcr Feindscligkciten; Z) die Absendung cines Dcpntirtcn nach Briiffel, um die Ylffociation des Hennegau mit dem Central:Comité in Verbindung zu setzen.
DicSt. Sitnonisten sind nach Lüttich zurückgekommen, und schu tlne Versannnlnngen daselbst fort.
Lord Ponsobt) hat seine Abberufung erhalten.
Polen.
Den letzten Nachrichten zufolge, befand sich das Haupt- quartier des General:Feld1narschalls Grafen Diebitsch-Sa: balkanski am 28. Mai (9. Juni) noch bei Pultusk. In der Nähe von Wilna hatte man eine hinlängliche Zahl von Truppen konzentrirt; iiberhaupt erwartete man von den eingeleiteten kräftigen Maaßregeln znr Vereitelung der von den Polen gegen die Russischen Provinzen gerichteten Versuche ein befriedigendes und baldiges Resultat,
Warschau, 9. Juni, Ain Zten d. setzte die Landboten- Kammer ihre Berathungen iiber den GescH-Entwurf hin- sichtlich der vorzunehmenden Requifitionen fort, und “als die Sitzung schon ihrem Ende nahe war, trug dvr Landbote Graf Johann Ledochowski darauf an, daß der Reichsmg, ohne die Annahme des ganzen Projekts abzuwarten, die Regierung be- vollmächtigen solle, unverzüglich zu Nequirirtmg der im crßen Artikel des Gesetzes bezcichncten Produkte zu schreiten, und zwar deshalb, damit die Besitzer derselben sich nicht beeilen möchten, sie vorher zu verkaufen, wodurch die Armee der Möglichkeit be- raubt werden wiirde, sich zu erhalten. Da die ganze Kammer einstimmig anf OLU Vorschlag dieses Landboten einging, so be- zeichnete der Marschall, um dem Antrags vollständige Giiltigkeit zu geben, eine ans Herrn Ledochowski und dem Deputirten Dembowski bestehende Kommission, welche denselben dem Senat vorstellen sollte. Nach chlanf kurzer Zeit überbrachten die Sc- natoren Kastellane Malachowski und Wenzyk der Landvo- tcnkammer die Entscheidung des Senats, daß er jenem Antrags beistimme, und Herr Wenzyk dankte bei dieser Gelegenheit der Kammer zugleich fiir das Vertrauen, wovon sie ihm durch seine Ernennung zum Senator einen so deutlichen Beweis gegeben habe. Der von beiden Kannnern angenommene Gesetz- C'ntwurf wurde nun in einen ReickWtagé-Besclsuß des Inhalts verwandelt, daß die Kammern, auf Antrag der Natio11al:Regie- rung und nach Anhörung der Reichsrags-Konnnissionen, um die Ausgaben des Schatzes zu schonen und die Armee aufs schnellste mit Ledenömittcln zu versehen, beschlossen hätten, die National- RegierunZ zn ermächtigen, fiir die Bedürfnisse der Armee die in der VorigenSiYung näher bezeichnete Quantität von Produkten zu reqniriren, wvdci es derselben anheimgestellt Werde, jede Gattung von Getreide mit einer anderen erwähnten oder nicht erwahnten zu ver- tanschn, wenn cö die Nothwendigkeit erfordere, und zwar nach Verhältniß dés einer jeden Getreide:?lrt zukommenden Werthes, indt'm sie jedoch zugleich auf die Bedürfnisse des Grund und „5230de nnd der Eigenthiimer Rücksicht zu nehmen und hinsicht- lich der Mittel zur Entschädigung für die zu requirircnden Pro- dnkte sick) nach einem später zu erlassenden Reichstags-Bescl)luß zu richten Habe.
Die Sitzung der Landboten-Kammer am -1ten d. M. begann 11111 Ablesung einer Adresse des Senats:Präside11ten und des bcigcfiigten Protokoll:?(ttszuges, worin die Gründe enthalten witten, warum der Senat die Meinung der Landbotcn:Kan1111er 1:1 Bezug dnranf nicht tbeilen könne, daß die Fahnen, welche von Rnßlnnd im [[!th TÜrkenkriegc erobert und in der Metro- polixnnkirche zu War:“DaU anfgchängt worden, der Türkei zuriick- nss-„tndr werdcn solxon. Unter diesen Gründen war als der be- dcntcndstc n.:gcngrn, da?"; es in einem Augenblick, wo die Pforte Wit Untrcdrncénng Ie“: entpörtenPafchas beschäftigt set) und sick) vielleicht sogar in die Notnwcndigkeitversetzt sehen könnte, die 3511th des Russischn Gesandten, Herrn v. Butenicff, anzuspre- chen, völlig Unpolitiscl) seyn winde, einen Schritt zu thun, der dem Interesse der Tiirkci selbst zum Nachtheil gereichen möchte. Der Bischof von Plozk hatte sich der Auslieferung der er- wähntenFahncn an dieTiirkei deshalb widersetzt, weil er sie als ein Siegeszcichen dea Christenthums über den Islam ansah.; der Synator „Kastellan Bcwinski aber hatte behauptet, man habe selbst in gesetzlicher Hinsicht nur das Recht, die besprochenen Fahnen aus dem Heiligthnm zu entfernen, in welchem sie auf- gehängt worden, nicht aber dazu, sie den Türken auszuliefern, denn fie wären keineswrges das Eigenthum Polens, sobald dies das ihm pon Nttstland damit gemachte Geschenk nicht anerkcnne. -- „Hierauf erhob stel) der Landbote Ledochowskt nochmals zur Vertlxeidjgung seines Antrages, indem er darßellte, dak allein die
Bereitwilligkeit, welche man durch Auslieferung der von Rußla
eroberten Fahnen gegen die Türkei bezeige, die Pforte iib zeugen wiirde, wie sehr Polen wünsche, in ih'.“ seinen Bundesg, nossen zu sehen. Die Majorität der Kammer theilte jedoch dj Ansicht des Senats, daß“ die Auslieferung der Türkischen Fa um an die Pforte auf eine spätere Zeit verschoben werden müsse und daß es jetzt dabei sein Bewenden haben solle, sie aus d.. Kirche zu St. Johann zu entfernen und die Namens-Chiff. des Kaisers Nikolas iiberall durch die vereinigten Wappen Pn lens und Litthauens zu erseßen. Der Antrag des Deputirre Szaniezki, aus dem Sitzungssaal der Landboten-Ka
mer nach dem anstoßenden Schloß-Pavillon eine Thür durch zubrechen, um den Saal zu erweitern, und den Landboten in d Regierungö-Gemächern Wohnungen anzuweisen , wurde beseitigt,
er vom Finanz-Minister beauftragt worden, ihr bekannt zu Mo.- chen, das; dieser Minister bereits sein Entlassungsgesucb eingereicht habe unddaher seinen Platz auf der Regierungsbank nicht Mehr einnehmen werde. Hierauf beklagte sich der Deputirte Klimou; tcwicz iiber die Saumseligkeit, mit der man beim Gießen der Kanonen zu Werke gehe; er wunderte sich, daß, nachdem berei iiber 6 Monate seit dem Beginn der Revolution verfloffen mä: ren, doch noch nicht eine einzige „Kanone ferti geworden sey, und behauptete, daß unter der Kosciuszkoschen 5 evolution meh. Energie in dieser Hinsicht stattgefunden habe; endlich schloß er mit dem Antrag, daß der Polnische Mechanikus Migdalski, der friiher in der Stückgießerei zu Wien gearbeitet und jetzt schon zur Probe auf eigene Kosten einen Einpfünder gegossen habe, mit diesem Geschäft beauftragt werden möchte. Dieser Antrag Veranlaßte einige Diskussionen; unter Anderen wollte der Deputirte Krysinski den Verzug im Gießen der Kanonen und in der Gewehrfabrication dem Wunsch zuschreibéu, neue Erfindungen zu probiren; der Landbote Graf G. Mala,- chowski leitete diesen Verzu daraus her, daß man nicht die zum Kanonengießen nöthige
kcn beständen. Die Kammer beschloß daher, den Kriegs-Mini: ster auf diesen Umstand aufmerksam zu machen. Nächstdem ck griff der Landbote Graf Johann Ledochowski das Wort, um der Kannner einen Gegenstand vorzutragen, auf den der Ge: neralissinms die Aufmerksamkeit der an ihn abgesandten Deyn tation hingelenkt hätte; er stellte sodann die Gründe dar, Welche den Generalissimus «bewogen hätten, eine Veränderung in der bestehenden Regierung zu wünschen, wovon die Lnndboten-Kam- nter bereits in ihrer geheimen Sitzung am 2ten d. be- nachrichtigt worden, und erklärte auödrficklich, daß er die Ueberzeugung theile, daß die National : Regierung in ihrer jetzigen Zusammenseßung den Wünschen und Bedürfnissen der Nation nicht entspreche. Ohne ihr den besten Willen abzu- sprechen, längnete der Redner doch, daß in den Bestrebungen der einzelnen Mitglieder Einigkeit vorhanden set), und meinte, daß dadurch eben der Mangel der jetzt so nöthigen Energie entstehe. Als Belag dieser Behauptung führte er an, daß, ungeachtet sich längst schon in der Kammer Mißtrauen gegen den bisherigenFi: nanz-Minisier offenbart habe, die National-Regierung doch, ent- weder aus Gleichgültigkeit, oder weil sie jenen Minister besonders protegirt, sich nicht beeilt hätte, ihn seiner Pflichten zu entbinden, und es vielleicht bis jetzt noch nicht gethan haben wiirde, wenn nicht der Finanz-Minisier selbst seine Entlassung verlangt hätte; ferner, daß die National-Regierung der Zügellosigkeit der Preß- gleichgültig zusehe. Der Redner fiihrte hierbei den Ausspruch
Walter Scotts an, daß die Preß-Freiheit cin wachsamen Hund;
set), der dnrch sein Bellen den Dieb zuriickschrecke, und bchan tcte, daß man diesem Hunde, wenn er nicht nur belle, sonder
ihn durch noch heftigere Maaßregeln bändigen müsse; dasselbe hätte, seiner Meinung nach, die Regierung kraft des Un: dienen- den Gesetzes hinsichtlich des Preßunfugs schon längst thun sollen, sie habe aber lieber die Sache mit Gleichgültigkeit betrachtet, als daß sie die der Ucbertretung Schuldigen zu gerichtlicher „Verantwor- tnng gezogen hätte. Diese Bemerkungen brachte der genannte Landbote besonders mit einem Artikel in Beziehung, der sich vor eini- gen Tagen in der Polnischen Zeitung befunden hatte, und worin er aufBehauptungen“aufmerksam machte, welche den vom Reichs- tage angenommenen Grundsätzen aufs heftigste widersprächen, und sich dabei besonders gegen das Regierungs-Mitglied Herrn Lclewel, als Präsidenten des patriotischen Vercéns, erhob, wel- cher behattptet hatte, daß die Polnische Revolution nicht bloß eine nationale, sondern auch eine sociale set). Der Redner iiu-
ßerte sich mit der größten Heftigkeit gegen den ganzen patrioti- »
schen Verein, indem er schon am Anfang seines „Vortrages ge- sagt hatte, das; ihn keine persönliche Riicksichten zurückhalten wiirden, iiberall die Wahrheit auSzusprechen. Zuletzt trug er darauf an, daß die Kammer den Kommissionen auftragen möchte, dariiber zu beratlckschlagen, ob und auf welche Weise eine Verän- derung in der bestehenden Regierung vorzunehmen set). Der
neu darüber aus , daß in einem Augenblick , wo man Europa ein Beispiel von Einigkeit und Harmonie geben sollte und am meisten Nothwendigkeit dazu vorhanden set), ein Vlu- trag anf „Veränderung der Regierung gemacht werde, und zwar
auf eine ganz unstatthafte Weise, indem er von! Generalisslmus '
hcrriihre. Der Redner meinte, tvenn General Skrzynezki einen ähnlichen Antrag vom Dniepr oder von der Dzwina aus ge- macht hätte, so könnte man denken, das; er von der wahren Lage der Dinge keine genaUe Kenntniß besitze; aber sehr sonderbar sey es, daß er ihn nach der Schlacht bei Ostrolenka mache. Ferner setzte er auSeinander, daß sich in dem Verfahren der Regierung durcha116 nichts vorfinde, was eine Veränderung derselben wiin- schen lassen könnte; sowohl der Civil- als der Militairdienfi wiirden aufs geniigendsie besorgt, die Armee set) mit chens- mitteln vc-rsehen, der Kredit aufrecht erhalten, und nur ein Stre- ben nach DespotiSmus könnte den Antrag auf eine Re terungs- Veränderung rechtfertigen. In Erwiederung auf diese ?Behaup- tungen erklärte der Landbote Wenzyk, daß vielmehr dann, wenn der Generalisslmus den erwähnten Antrag von den Ufern des Dniepr oder der Dzwina aus gemacht hätte, derselbe eher die Gestalt einer Vlnmaßung annehmen würde, als jetzt, wo man auch das berücksichtigen müsse, daß derselbe den Vorschlag nicht als Feldherr, sondern als“ Regierungs- mitglied in Anregung gebracht hätte, indem er als solches das Recht habe, auf Unziemlichkeiten, die aus der Zusammensetzung der Regierung lervorgingen, die Repräsentanten aufmerksam zu machen. Die iskusslon iiber den Antrag des Landboten Ledo- chowski wurde indes; durch die Bemerkung des Deputirten Wo- lowski unterbrochen, daß derselbe in formeller HinsicHt nick)t auf dem gehörigen Wege der Kammer vorgestellt worden set)- Es entspannen fich“ hieriiber weitläuftigc Erörterun en , welche damit endikten, daß d_ie_.Kammrr von dem Land orm Levo- chowtkl ver nngte, et solle seine Petition den „Kommissionen schrift-
nenschliche Tyrannei erlaiibte.
übergeben, die dieselbe dann prüfen und der Kammer darüber ericht erstatten sollten. Hierauf vereinigte sich die Landboten- «mmer mit dem Senat. '
I" der Stagts - Zeitung befindet sich ein weitläuftiger (rtikel, worin daruber Beschwerde gefuhrt wird, daß man in der olitik sich stets nach Vorbildern im Auslande umsehe und ein emdes System befolgen wolle; nur der Franzosen und Englän- er parlmnentarischeö Bersahrxn werde gepriesen und verlangt, aß die ganze Natwn davon eingenommen seyn solle; die Polen „jenen fßast zu vergessen. daß ße ganz Europa in der politischen xejheit und Repräsentatw-Form vorangegangen setzen und in il)- en eigenen Reichsragen Muster der _Beredtsn111k1it besäßen. Hier- Uf heißt es unter Anderem: „Es handelt sich 1th nicht darum,
. , “ “ ts u reiten und von den (He 2 en anderer Nationen Sodann zexgte der Landbote Rembowski der Kammer an, da Uckwar 3 W W
icht Nutzen zu ziehen, sondern darum, nicht mit Willen und ne Noth die Nationalität aufzugeben und zuzugestehen, was „5 unsere Nachbarn vorwerfen, daß Polen niemals etwas Gu- es besaß", daß es gar keine Gesetze hatte; endlich darum, daß ir nicht durch das Nachalm1en der Französisxhen Revolution in eren Abgrund stürzen. Haben wir doch einen ganz anderen Weg or uns," den von den Geseßgebern des 3. Mai angezcigten näm- “ck, welcher daffelbe Ziel, wie die Französische Revolution, be- weckte, nur daß sich das Gesetz des 3. Mai nicht mit Blut, euersbriinsten und Zerstörung der Familienbande bcfieckte. Wer je Polnischen Gesetzbiicher nnd die Geschichte unserer Nation ur Hand nehmen will, wird sich überzeugen, das; Polen schon 1 15te11 Jahrhunderte die Freiheiten genoß, welche England erst 111 17ten erhielt, und die Frankreich erst im 19ten seiner Regie: ung abzuringen anfing. Mtzminom 011911171111 pea'mitiimnz' nisi ure 710111111 war schon damals die Bürgschaft dex Biirgerrechte. war erstreckte sich dieses Gesetz nur auf den Adel; abcr wäh- end einerseitsdiese Klasse sehr zahlreich war und eSnacl) ihrer Vermin- erung noch ist, so war es andererseits unmöqlicl), daß in einchahr:
' -- - . 1 wo der““ endalisinus in der an aneltwijtlete der beiden , „ ompositton erhalten konne, melchx55 under, I g z ) , eine andere set), als dtcjenige, aus denen die Istvöhnlichen Glot-
ranzosen sogenannte dritte Stand bei uns gleiche Vorrechte mit em Adel genießen konnte. Es ist dies nicht die Schuld der WM, sondern des Zeitgeistcs. Jndeffrn waren die Städte ock)" nicht bcdtiickt; sle richteten sich nach eigenen Gesetzen hat- en ihre eigenen Privilegien und bewähren ihre alten Freiheiten 111 besten durch ihren damaligen Reicbthnm; wenn sie gegen das nde der Republik in Verfall gerietyen, so war dies nur eine olg? der „Kriege, besonders der Schwedischen, und des nlltnäli- en Verfalls des ganzen Reiches. Es bestanden anch Gesetze um Schutz der Bauern gegen die Bedriicknng ihrer Herren, .odurct) ihnen gcstattct wnrde, ihren Sitz in ganzen Kolonicen u gleicher Zeit zu vcrlaffrn, wenn der Eigentln'nncr sich un- Scbon im 151211 Jahrhundert atte die Nation auf den Reichsragen ?lntheil an der Gesetzge- ung. Jm 16te11 Zabrhnndrrt aber konnte, ohne Bewiltigung er Stände, keine Abgabe mehr auferlkgt werden. Auch die «tadte waren vor Alters nicht ohne Repräsentation auf den ck eicthagen, wie die Ausländer behaupten und viele unserer Lands- ente, besonders heut zu Tage, ihnen nachsagen. Es hatten ihre eptäsentanten alle größeren Städte, wie Krakau, Warschau und ndcre; sie hatten Antheil an allen bedeutendenNational:?lkten, an 111 König:“;wahlen, an der Abschließung von Verträgen 11. s. w. “diese Repräsentanten saßen in dex Kannner unter dem Titel on Delegirten der Städte, wie die Urkunden beweisen. Die lnion Polens mit Litthaucn im Jahr 1569 wurde von 2 Dele- inen der Stadt Krakau unterschrieben; auf dem Rcicbötage on 1668 bcfandcn sick) 6 Städte-Vlbgeordnete; die Confo'dcm: ion yon! 6. Drzcmbcr dcffclbcn Jahres wurde von 9, die „Vor:
riftcn iiber die Königswahl auf dem Reichsmge von 1669 Von
„„ „ 2. die Wu (lauer Con'ddcration na dem Tode des Köni s auch beiße, einen Maulkorb anlegen und, wenn er gar toll werde, 0, * s ) ' ck Z
)lichael von 6, die 141913 (*nm-ema auf dem Wahl:Reichstage
önig Johanns ][]. von 11, die General:Confdderation Von Warschau im Jahr 1696 nach dem Tode des Letzteren von 6
Uelegirten unterzeichnct. - Der Umfang dieses Blattes ist nicht
“.iiireick)end, um darin die Beschlitffe der Polnischen Reichstage
ufzuza'hlen, wodurch persönliche Freiheit, Prcßfreihcit, Toleranz, .andclsstciheit, anitckdrängnng der 111011archische11 Gewalt in hre ezicmendcn Gränzen gesichert wurdxn; sie sind der Stolz er JJation, der Ruhm 16cm Jahrhunderts; in Folge dieser Be- chliiffe hattePolen im Verlauf vonZJalyrhnnd-Zrtcn kcincntyranni- chenKönig, es erhoben sich nicht, wie in anderen Landern, Blutgeriiste nd Bastillen, es fanden keine Religionskämvfe, keine ewige theolo- ischeStrcitigkcitcn Über spihfindige Fragen statt. Der Gcisiliche [)d'rte
1ixentals anf, Bürger zu seyn; man el)rte in ihm die Freiheit, eme Meinung ausz11sprccl)en. _ enen Glaubens, welche anderöwo verfolgt wurden, fanden hier
Gelehrte nnd Bekenner versckie=
ine gastfreie Aufnahme. Nur durch die Schuld des Zeitgeisits
urden, wie oben gesagt, den Bauern nicht die ihnen gebühren-
en Rechte zugestanden, aber ihre Lage war nicht immer so be: lggenchrtl), wie wir sie vor dem Verfall des Reiches hin und ieder gesehen haben. So lange die Aufklärung Vorherrschte,
-'-“urch Welche slch Polcn zur Zeit der Iagiclionen nnd Stephan
Landbote RemeWski dkÜchtk hierauf sein sehr großes Erstail 3?" atory's auszeichnen, war ihr Zustand ungleich beffer; als aber
*tfiege, häufig wiederholte ungesiinne Angriffe und die .Ver- ustungen, welche sich die Schweden zweimal erlaubten, unsere chulen und Bibliotheken vernichteten und die Bildung zerstör- kll, als der Pole mehr mit Bcrtheidigung seiner Gränzen, als nt den Wissenschaften, beschäftigt War, da mußte sich freilich ilch das Loos der Bauern verschlimmern. Aber mit der Riick- khr der Wisenschaften erkannte die Nation ihre wahren Bedürf- iffe. Wer weiß nicht, wie die privilegirte Klasse, durch nichts kiwungen, freiwillig die anderen Einwohner-Klaffen zum Genuß er-allgemeinen Freiheiten zulassen wollte. Werfen wir einen „lick auf die Polnische und Französische Revolution und wagen etde gegen einander ab. Der Polnische Reichsmg begann sein "Uerk im Jahre 1788 in gesetzmäßiger Zusanunenberufnnx]; die x_anzosenbcganne11 es ein Jahr später, nämlich 1789. Der Pol- 'llche Adel, dem Zuge seines Herzens folgend, reichte den an- eren Ständen brüderlich die Hand und fing allmalig an, die "ge unterdriickten Rechte wieder einzuführen; der Französische Pei, ob leich dnrxk) die Umstände gedrängt, wollte von nichts oren. 52 enn der Polnische Reichsmg nicht vlösliche Verände- Ungen einführte, wenn er die iibrigenC'inwohner nicht zmnGenuß glei- er Rechte zuzog, so that er es nur ans Furcht vor gewaltsamen rschi“1tterungen. Doch verließ er den eingeschlagenen Weg nicht, ndern behielt sich, nachdem er bedeutende Verbesserungen fiir tadte und Volk in der Regierungsform vorgenommen hatte, ach 25 Jahren eine Revision des ganzen Grundgesetzes vor und ttete uns auf diese Weise von den blutigen Serum und schreck- chen Umwälzungen, denen Frankreich unterla , welches, vom ?Ußersien zum Aettßersien schreitend, 2 MiZionen Menschen erlor Und zuletzt sich unter das schwere Joch Napoleons eugte. -« Aber schon längst ist die durch das Gesetz vom - Mai bezeichnete Zeit zur „Verbesserung desselben verstossen, "d wir haben uns durch das Zusamrncutreffender Umstände nd durex) die Fortschritte der Aufklärung bersits der Reife ge-
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nähert. Laßt uns also unser Gesetz vom 3. Mai vervollkomm- nen, den Schuh, welcher darin den Rechten aUer Einwo ner- Klaffen versprochen wird, und ihre Gleichheit vor dem esch aufrecht erhalten, die Repräsentation nach den Bxdürfniffen der Zeit einrichten, die von unseren Vätern immer heilig gehaltene religiöse Toleranz bewahren, die Aufklärung durch Preß-Freiheit verbreiten, die Lage der Bauern durch alle mögliche vernünftige Maaßregeln verbessern, diejenigen Civil:Rechte, we1che , wenn gleich uns aufgedrungen, sich doch als niißlich bewährt haben, uns zu eigen machen und sie, wo es nöthig ist, verändern, aber nicht der Vergangenheit uns schämen, denn wir dürfen uns der- selben rühmen, sondern der Würde unserer Väter nachfolgen, wie sie, vor Verfolgung und Willkür zurückbeben, keine Factio- nen begründen und nichts dergleichen nähren , was die blutigen Scenen der Französischen Revolution herbeiführen könnte, vor denen selbst die Franzosen jetzt sich entsesen. Vergessen wir nicht, daß die feindliche Armee noch auf unserem Boden fieht, und daß nns, während Einigkeit uns allein zum Ziel führen kann, Zwietracht in einen Abgrund von Elend stürzen könnte, deffen bloße Erinnerung mit Schauder erfüllen wiirde.“
Italien.
» -« Florenz, 4. Juni. Einer in diesem Augenblicke aus Livorno angekommcnen Nachricht vom Zten d. M. zufolge, ist der Prinz von Joinville am 2ten Mittags 1 Uhr dort aus Land gestiegen und mit dem Abfeuern des Geschlitzes und Glocken- Geläute empfangen worden. Er nahm seine Wohnung im Groß- herzogl. Palaste, vor welchem die Garnison unter den Waffen war, Am Iten Abends sollte ein Ball zu Ehren des Prinzen, der am folgenden Tage wieder abzureisen gedachte, bei dem Fran- zösschcn Konsul seyn. Der Prinz wird nicht nach Florenz kom- men, sondern nur die Hafenstädte besuchen. - Die Getreide- Preise sind auf dom dasigen Platze wieder etwas gestiegen, in- dem die anhaltend nasse Witterung eine sehr mittelmäßige Ernte verspricht. Uebrigens währt die Lethargie des Handels noch fort, obgleich der Kredit sich von neuem etwas mehr befestigt hat.
Rom, 1. Juni. Am 2417811 v. M. iiberreichte der hiesige Bildhauer Ritter Fabris dem heiligen Vater die lebensgroße O)“?arnwrbiiste Sr. Heiligkq't, wozu er in den ersten Tagen der Thronbesteigung Gregor's )(?l. das Modell genommen hatte; die Büste ist mit einer Blumenkrone von vergoldetem Me- tall geschmückt, und auf der Stola ist die merkwürdige Epoche der Thronbesteigung Sr. Heiligkeit symbolisch dargestellt. Der Künstler ist zur Belohnun? fiir diese auSgezeicHnete Arbeit zum Coadjntor und künftigen I acbfolger des Ritters Anton v. Este, Direktors des Vatikanischen Museums, ernannt worden.
Die Regierungs=Konm1ission hat über neun von den hier wegen politischer Vergehen gefangen sitzenden Personen das Ur: theil gefällt und Sr. Heiligkeit vorgelegt; zwei davon waren, wie man jetzt erfährt, zum Tode, die Übrigen zn vieljävriger Ga- leerenstrafe verurtheilt. Der heilige Vater hat die Todes: in Galeerenstrafe verwandelt und fiir die iibri en die Dauer der Gefangenschaft abgekürzt. Auf diese erste ZJZilderung ist eine zweite wichtigere gefolgt; unter den Gefangenen befanden sich nämlich sechs Korsett, ein Neapolitaner und nur ein Römer, Namens ani; die sechs Korsen sind zur Verfügung des Franzö- sischen Botschafters gestellt, der Neapolitaner wird ebenfalls sei- nen Landesbehörden ausgeliefert werden, und die Galeerenstrafe dcs ani ist in eine Gefangenschaft von einigen Jahren auf der Engelsburg verwandelt worden.
-- .I.-er Allgemeinen Zeitung zufolge, heißt es, der in 651615 vor ein Kriegsgericht gestellte ehemalige Feldmarschall- Lientenant chchi set) zum Tode verurtheilt, von Sr. Majestät aber begnadigt worden.
Türkei.
Der (gestern vorbehaltene) Bericht über das siegreiche Ge- fecht des Groß-Wesirs'gegen den Pascha von Skutari, lautet, dem Oesterreichischen Beobachter zufolge, also:
Uebkersctzung des mündlichen Bcrichts, welchen der von Sexten dcs Groß: Wesirs an dee Pforte abcgefertigte ?attar Fedschcb nm 25. Zilkide 1246 (7. Mat 1831) er- 1a tet at:
„ Nach dem Treffen bei Pcrlcvc war_f_ Mustapha Pnscha voix Sku- tart den um ihn versammelten Albanxsttchen Paschas 1h1'c Untucht1g- keit Mit folgenden Worten vor: „Bet „erlepe wart „thr zu dreizehn Paschas und habt dcm eincn Rxds td Pascha nicht widerstehen können. Schmack) über euch!“ Drescm ent cgnetc e_encr untcr th- nen, Namens Hifzi Pascha: „Ihr kennt nt t denjenigen, den man Redschid Pascha nennt. Ick) sah sechrt, zu kampfen, und weiß es daher Die Zunge kann es nicht aussprechen.; cs emuß mat Augen gcschcn wcrden.“ Hierauf sammelte, dcr ubermuthtge Mustapha von Skutari 15,000 Mann frischer en der Gegend von Perzertn ausgehobcner Truppen, schlug zu densclden noch 12,000 auserlcsenc Soldaten aus seinem Heere, begab sxck) mPerson nach „dem„Engpasse oder Derbend bci Perlepe und vcrthctlte setne Truppen tn dte Dur - gänge, welche die gT'ößtcn Hinderniss darbteten. Da der Großwc 113 wohl einsah, daß die yon den Rebellen bcseiztcn Punkte stch zu et- 11em Kavalleric-Angriffc nicbt eigneten, ließ er die regulatxc sowohl als die übrige unbesoldcte Reiterer stcb auf den Ebenen bet Perlepc aufstellen und erthet'lte alsoglcict) den Befehl an du: regulatrc In- fanterie und das in Monatsold stehende Albaneser-Corps, besagte hnnkte anzugreifen. Dies fand am verfioscnen Dienstag (3. Mat)
art, und der An riff von Seiten det; Truppen des Großwescrs war so heftig und ürmisch, daß nach eenem Kampfe von vier und einer halben Stunde die Rebellen von drxi Seiten etngeschtoffen waren und ihnen nichts übrig blieb, als sick) auf xmcn von ihnen besetzten hohen Felsen zu wcrfcn, Dcr Großwcffr lte, . demnachdte auf bcnanntem Felsen sich wehrenden Emyörxr durch *etne regulatren Truppen umrinqcn und versprach dementgen„„ Welche dcn _Fel- sen ersiürmcn würden, eine Belohnung yon dretßtg Beuteln (10.000 Mailer). Unvcrzüglicl) führte das Toskn sche Albanescr-Coxps cmxn heftincn Sturm gcgen dieselben ans, wddurchd1eRebxllen nicht allem aus hren Posten vertrieben wurden, 1on_dern, da src von den regu- laircn Truppen umzingelt waren, sämkmtltck) lebend tn Gcfenxgenschaft gericthen. Mustapha Pascha eilte:o m_tt den, Worten: „Htfzt Pascha hat wahr gesprochen“ unter den nbxtgen fitehcnden Rcbtllensclmaren in das fünf, Stunden von Kövrtlt entfernte Chan Paxolt- konnte sich aber auch da nicht aufhalten, dq er dße ant den Ebenen ver- theilt gewesene Reiterei sah, welch_e ctlte/ ehn „einzahoxen. Er ver- ließ daher sein La er und suchte sem Heil in einer weiteren Flucht. Wohin er 17ch ger cbtct hat, hatcnocb nicht ausßndkg gemacht wer- den kdnnen. Der Großwcsr erhielt bald dee Kunde, daß auch .letzt- gcnannter Chan genommen worden sey. - Der Tatar berichtet uber- dies, daß seit seiner Abreise, wclche zwei Stunden nach der Schlacht stattgefunden, mehr als 500 Rebellen lebend gefangen genommen und 3000 Köpfe der Um ckomnienxn etngebkracht worden seven: daß ferner Emin Aga aus „ dprile setne Famtlie nacb UFkub gesendet und, wiewohl er selbst sich wahrend der Schlacht in Köprili befun- den, an derselben keinen Antheil genommen habe.
MM]
Inland,
„ Berlin, 14. Juni. So eben geht hier auf außerordentli= lichem Wege die Nachricht ein, daß der Ober-Vefeblshaber der Kaiserl. Russischen Armee in Polen, Graf Diebitsch=Snbalkanski, am 9ten d, M. vom Schlage getroffen und" noch an demselben Tage Abends verschieden ist.
- YusHalle vom 11. Juni meldet die dortige Zeitung: „Abermals ward uns das Glück zu Theil , ein Mitglied unserer Erlauchtcn Herrscher:Familie, in deren Haupt das Preußische Volk ein leuchtendes Musterbild der höchsten Regententugenden ver- ehrt, in Unseren Mauern zu begrüßen. Se. Königl. Hoheit der Prinz Wilhelm (Sohn Sr. Majestät) traf nämlich, auf einer Musterungsreise begriffen, gestern Nachmitkag'hikk ?in- Nach- dem Höchstderselbe die Aufwartung der zum Empfange in dem Gasthofe zum Kronprinzen anwesenden Behörden entgegengenom- men, begab Se. Königl. Hol). sich nach den Frankffchen Stif- tungen, woselbft Sie jeder sehenswerthcn Einrichtung dieser groß- artigen Anstalt Ihre regste Theilnahme zu bezeugen und unter Andßrem auch den großen Speisesaal, in welchem sämmtliche Schuler zur Abendmahlzeét versammelt waren, in Llugenschein zu, nehmen gxrulnen. Auch das Stadt:Hospital, ein Institut, WW 950271316 nur wenige Städte der Monarchie in gtcickver Zweckmaßigkctt und in gleich bedeutendem Umfang besitzen, cr- freute sich der anwcsenhkit Sr. Königl. Holx, Höchstwelche sic!) nnch desen,„Bkschtigung wiederum in den Gasthof zum Kron- prinzen zurnckbegaben. Sämmtliche höhere Stabs-Offiziere, so wie derIBtzrger11teister ])1“. Mellin nnd der Direktor der Frau: kcschen CNXUUJZLU, Professor ])r. Nie1neycr,_hatten darauf die Ehre, zur Tasel gezogen zu werden. Heute Morgen fand die Musterung der hier garnisonirenden Truppen, aus dem Füsilier- bataillon dcs 19tcn Jnfanterie-Negiments und einer ESkadron des Zten Hnsaren:Negiments bestehend, statt, worauf Se. K. FLY)", ZM den hcrzlichsten Wünschen begleitet, Ihre Reise fort- e en.
- Man meldet aus Llchen vom 9. Irmi: Se. Durchs. der regierende Herzog von Braunschweig ist unter dem Namen eines Grafen von Eberstein gestern Nachmittags nebst Gefolge hier eingetroffen und im 116181 (111 ])1'QZ011 (1'017 abgestiegen. Se. Dnrchl. hat gestern der Vorstellnng des „Freischütz“ im hiesigen? Theater beigewohnt und ist heut Morgsn nach London abgerciy .
- Die am 24. Mai vor dem Yssisenhofe in Köln, unter dem Borsttze des Herrn Geheimen Ober-RevistonMath Krezzer, begonnenen Verhandlungen iiber die zu Ylchen ergriffencn Meu- terer dauern ununterbrochen fort. Alles geht dabei rnl)'ig und ohne Störung zu. Die Theilnahme des Publikums bei diesen Verhandlungen ist nicht allzu groß, und man bemrrkt daher bei denselben auch eine verhältnißtnäßég 11111“ kleine Anzahl von Zu: hörern. Für auswärtige Leser ist es vielleicht von Interesse, daß von dem Advokaten Venedey in Köln die Verhandlungen nach- geschricben werden und sofort im Drnck erscheinen.
- Als ein Beweis guter Gesinnung verdient es wohl er: wähnt zu werden, daß die zum dritten und vierten Stande ge: hörenden Kreistags-Deputirten im Kreise Euskirchen (Regie- rungS-Bezirk" Köln) aus eigenem Antriebe anf xede Entschädi- gung fiir die Kosten ihrer Reése zu111Kreistage Verzicht geleistet und darüber einen förmlichen Beschluß gefaßt haben. Die Kd- nigl. Regierung zu Köln hat diesen rtihmlichen Beweis gmer Gesinnung in ihrem Amtsblatte rnit dem gebührenden Lobe nn- erkannt. Früher schon hatten die Deputirtcn aus dem Kreise
Bonn und aus dem Landkreise Köln“ ebenfalls auf eine Entschä- digung fur ihre Raisekosten Verzicht geleistet.
Ausstellung der Schiilerstndien auf der Königl. Aka- demie der Künste, vom 31. Mai bis 4. Juni.-
Keinen Verein des Höchsten und Trcfflicbücn, was" die vater- ländiscbe Kumi zu leisten vermag, hatte man déxsmal 111 den Sälen der Akademie zu suchen; dafür sah man aber dre Hdffnungcn künf- tiger Zeiten, die von Lehrerband gclettetcn odcx 1c_l)on meln“ nch selbst überlaffencn Uebungen junger Künstler, wee ne, jentt 1hjr_cm Genius und der Natur aUcén, gleicbnmßtg Phantasie„ kunßlcr11chc ' crception und Hand üben, ohne uns Schnuluütgcn ctxt Blld dar- Fellen zu wollen. Man sieht hier auf der einen Sette immer neue Kräfte und Neigungen für die Kunst gewonnene, auf der anderen die sietigcre Wirkßmkeit der Akndcmtc» welche, nber den vexxchtedc; nen Fndividualétaten waltcnd, ne alle tn genienenen Studien wet- ter künstlerischer Frciheit und Sclbsiüändtgkctt cntgcgcnxnhrt. Man freut sick), anf bemerkenswerthen Leistungen neue Namen und dte schon bekannten nuf reiferen zu lesen. . _
Den Anfang machen die Zeichenklasscn der Akndemte; freies Hand eichnen nac!) Vorbildern, in Krccde oder Roth (tft, theils cm- zeln “öpfc, theils Glieder; 'mnn geht'es fort,z_u chtchnungen nach Gyps und endlich nach der Natur. Hecx schließt sich das Insittnt der akademischen Eleven an, deren Arbeiten zu Iokbtlderwdcr Zkt- chenschülcr benutzt werden. Unter den Ausstellungen dtcsc'.“ Art machte sich ein Blatt von Holbein, dnrßellend Linken gebogenen 211111 mit einem Theil der Brust, durch Weichheit, Rundung/ K_mrhctt der Schatten und überhaupt lebendige Nnturnuffnssung bcxondcrs bemerkléck). Die Ornamentzciclmungcn nacb Vorbildern odcr Gyps waren in dem ansioßendcn Korridor aufgestellt; daxuntcr manches, das an plastischer Verfolgung der Formen, an rclecsarttgcm ervor; treten, guter Lichtwirkung, endlich an sanfter “Schandlung dce-docl) wohlverstnndencr Schärfe aller Thctlc kaum etwas zu wumcycn übrig ließ. , , . ' _ . .
Ungleichcr zeigen fick) dre Leistungen„ 16 ftctcr fie weyden. Dre Reihe der Aufstellung im großen Saal führt zunächst nns dtc lain- schaftlichcn Stadien. Großx Blättcr yon Herrn Elsnncr,“ dex vor seiner Reise nach Italien nch noch ctne knrze ZtJtt m dre Schule unseres trefßéchen Ychcln-n begeben hatte, nnnmt :ngrchn xffckt- vollen Sepiaskizzcn das" Auge am meisten in|AnsUrncix Orc konnen es aber auch, am längsten fcffrln, denn so weld nnd ctlfrrtcg, so sehr im Großen und (Ranzen dicscBlättcr aucb gearbeitet s(bcMM/ so haben fie doch eine nachhaltknc Nahrung für die Phantanc drfs Betrachtcndcn. Wir haben hier einen bctnfrncn Landschaftcr, dchchon vtcl lctiiqtund noch mehr vcw'pricbt. Ein wnbrhaftcs Gefühl fin: dtx_W11'k11ngen nnd Spiele des Lichts, 11ocl: gain entfernt" von e*tnsctttgxr Art, Enckt durcb Kontraste dcs „Hallen und Dunklen hervorzubringen, sprengt zuerst in decAugen, sodann ein vortrcffléck')cs'Zut_“11ckthtchcnedcr Ge- genstände, große Lockerheit nnd Luftigkctt'm 11:01:11 Ztvctgenßnnd Stauden, aber, was mehr sngcn will,e “Sinn fur Leben und Was der Vegetation, zarte Empfänglichkeit fur die Charaktere und gle1ch- sam Neigungen und Sitten der Bäume und Pßanzcn, sowohl m Wuchs nnd Grupvirung, als selbst m der Bewegung: dees Alles macht es, daß der bcgüniiigtc Zcicbnxr mcbt nach dem Seltsamen und irgendwie Außerordentlichcn grctfcn daref, sondern schon Mit dem, was jeder in der Nähe haben kann, knnülcr11chc Wrrkungen hervorzubrin cn weiß. Eine Waldpaxtte an eincm eingeschlossenen Waser, au Welches der Mond scheint, „vcrctntLgt dec dczctchneten Vorzüchc ganz besonders in sich; nun) tft dies Stnck_1vcnthrr tuinul- tuarts ) ausgeführt. Herrn Elsaffcrs Geschick, m scmcn omposttio- nen mit der Architektur umzugehen, muß noch ganz bcjondcrsénam-
a mackt w rd . h stÉäcrdéngsZieö? tt noch eine andere Art für dm ßandschgßxx,_