1875 / 138 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Wed, 16 Jun 1875 18:00:01 GMT) scan diff

des rechtmäßi en Landesherrn kam. Die Siadt hatte feßlicl) ge- flaggt; von a en äusern, deren Fronten allentbialben mtt Gurr- landen und Eichen ränzen geschmückt waren, welgten deutsche und reußisthe Fahnen; die Schulen waren geschlossen, auf den Étraßen wogte festlich frohes Gedrange, da sowohl czas Berlin, als aus den umliegenden Ortschaften zahlreiche Gafte ekommen waren. g Die Feier wurde früh um 6 Uhr durch Abblasen eines Chorals vom Kirchthurm eingeleitet. Um 10 Uhr [and gas „dem Varade- plaß eine öffentliche Feier statt, an der sich die Kaiserlichen, Kdmg- lichen und städtischen Beamten, das Offizrer-Corps, der Krieger- verein, der Kombattantenverein, „der Turnverein, die Schußengilde, die Gesangvereine, der historische Verein der Mark Brandenburg, der Verein für Geschichte Berlins, die Mannschaften des Zieten- Fusaren-Regimentes, die Fortbildungsschule, die 4 oberen Klassen er höheren Bürgerschule und die beiden oberen Klassen der Knaben- und Mädchenschule betheiligten. Das Denkmal des Großen Kurfürsten auf dem Plaße War rcick] gesclzmiickt und von Iubelbäumen umgeben, die reich mit Kranzen, Laub- gewinden und Fahnen geziert waren. Nach dem Geiange des Chorals „Nun danket Alle Gott“ bestieg der Yurger- meister Große die Rednertribüne und gab eme ausfuhrliche Schilderung des Ueber-falls und seiner Folgen. Dgs dreifache Hock), das der Redner zum Schlusse auf Se. Majestdt'den Kaiser und König und das Hohenzollernsthe Konigs- haus ausbrachte, fand eine begeisterte Arifnahme m der zahlreichen Versammlung. welche nach demselben dre Volkshqmne aristimrpte. Hieran schloß fich dieUebergabezweier alter Fahnen der Schußerxgtlde an den Magistrat und die Weihe einer neuen Fahne. Der Schußen- Direktor Hobrecht übergab in kurzer Anrede die zwei alten Jiri)- nen, deren eine, als von den Schweden erobert, der Kurfurft Friedrich Wilhelm der Stadt für ,ihre patriotische Gefinnung geschenkt hat, während die andere eme alte städtische ist. _Dem- nächst folgte Seitens der Spißen der Militar- und Civilbe- hörden die Nagelung der neuen Fahne, welche aus weißseide- nem Stoff besteht und das von einer Jungfrau getragene, von Neben: und Eichenlaub umschlungene Wappen der Stadt zeigt. Mit präsentirtem Gewehr und rauschender Musik nahm die Schüßengilde ihr neues Sammelzeickzen entgegen, das alsdqnn die üblicheWeihe empfing. Der Gesang „Die Wacht am Rhein“ schloß diesen Theil der erhebenden Feier.

Unter Vorantritt eines Musik-Corps bewegte fick) die Ver- sammlung sodann in langem Zuge nach der Kirche, woselbft der Superintendent Glokke den Gottesdienst abhieli.

Um 2 Uhr war ein großes Festessen auf dem Schüßenhause arrangirt, an dem fich die Behörden, die Gäste und ein zahl- reiches Herren-Publikum betheiligten; unter den geladenen Gästen befanden fick) Nachkommen des patriotischen Landrathes v. Brie- sen und des General-Feldmarschaüs Derfflinger, sowie eine De- putation des Leib-Kürasfier-Regiments (Schlesisches) Nr. 1 in Breslau, dessen Stamm als Grumbkowsches Regimentden Haupt- antheil an der Einnahme Rathenows hatte. Trinkspriiche wurden ausgebracht auf das Wohl Sr. Majestät des Kaisers und Königs, auf das Andenken des Kurfürsten Friedrich Wilhelm, auf die Stadt Rathenow, die Ehrengäste, den Reichskanzler Fürsten von BiSniarck, die Mark Branden- burg und auf das Zie*hen-Husaren=Regiment. Nack) Aufhebung der Tafel bewegte fich die Gesellschaft theils im Garten, theils im Saale, wo ein Tanzvergnügen stattfand. *

Die Schuljugend versammelte fich um 4 Uhr auf den Schulpläizen und wurde von dort durch ihre Lehrer nach der Sck)üßenl)aUSrviese geführt, wo sie auf Kosten der Stadt be- wirthct wnrde.

In der Aula der höheren Bürgerschule hatte in der Mittags- ßunde zu Ehren des Tages der Verein für Geschichte Berlins eine Siyung ab ehalien, in der nach Mittheilung eines Hand- schreibens Sr. ajestät des Kaisers und Königs an den Vor? stßenden des Vereins, in welchem den Bestrebungen und Leistungen des leßteren die Allerhöchste Anerkennung aingedrückt wird, eine Arbeit des Majors Ising iiber den Ueberfall von Rathenow znr Verlesung kam. Der Hofschauspieler Hilti trug zum Schluß noch einige Szenen aus de la Motte-Fouqub's Drama: „Die Heimkehr des Großen Kurfürsten“ vor.

Posen, 15. Juni. (W. T. B.) Die von hier gemeldrtc Nachricht, daß der vormalige Erzbischof Ledoch0wski in Ostrowo erkrankt sei, ist unbegründet. Nach hier vorliegenden zuverlässigen Mittheilungen befindet sich derselbe vollkommen Wohl. _ Der Domherr Kurowski hier ist heute Nachmittag, in Folge einer Vormittags bei ihm vorgenommenen Haussuchimg in Angelegenheit der Diözesanverwaltung des geheimen Delega- ten, von der Polizei verhaftet worden.

Bayern. München, 14. Juni. Dem alsbald nach den Wahlen einzuberufenden Landtage wird mißer einem Geseßeniwurf über den Waldschutz auch ein solcher über zwangs- weise Nblösun der sämmtlichen Forstrechte in Bayern vorgelegt werden. Es md die Vorarbeiten hierüber bereits zu Ende ge- führt. Nicht allein das landwirthschaftliche Ceniralcomité, son- dern auch die einzelnen Kreiswmités sollen sich, der AUg. Ztg. zufolge, für Ablösung der Forstrechte auögesprochen haben.

Sachsen. Dresden, 15. Juni. Ihre Majestäten der König und die Königin, sowie Ihre Königlichen Hoheiten der Prinz und die Prinzessin Georg haben heute Mittag der feierlichen Eröffnung der Ausstellung gewerblicher und industrieller Erzeugnisse aus dem Königreiche Sachs en beigewohnt. Mit dem ersten Glockenschlage erschienen Ihre Majestäten vor dem Ausstellungsoraume, mit lebhaften Hockzrufen von der zahlreich versammelten Menge bewillkommnet, Nach einer kurzen Begrüßung durch den Vorstand der Aus- stellungskommisfion begaben die Allerhöchsten Herrschaften, nebst einem zahlreichen Gefolge unter wiederholten Hochrufen der Festversammlung sich zunächst nach dem Königs- pavillon, in welchem bereits Ihre Königlichen Hoheiten der Prinz und die Prinzessin Georg, welche kurz vor Ihren Majestäten eingetroffen, anwesend waren. Vor dem Pavillon waren die hisßgen Gesangvereine mit ihren Fahnen und Musik aufgestellt, und leßtere begrüßte Ihre Majestäten bei der Ankunft mit Webers Iu-bsl - Ouverture. Nachdem Ihre Königlichen Majc ätcn die gesthmackvolle Einrichtung des Königspavillons in ugenichein genonmren, verfügten sick) dieselben in das EröffnungSzelt, wo- selbß, mugeben von einer präch1igen Blumen: und Pflanzen- Dekoration, die Büßen Sr. Majestät des Königs und Sr. „Kö- „niglichen oheit des Prinzen Georg neben einem für den Fest- re'dner er chteten Podium aufgestellt waren. Als die Allerhöch- sten und Hvchstcn Herrschaften vor dem Podium ihre Pläße ein- genommen, gruppirte fich in einem Halbkreise um dieselben die Fest- versammlung._ Neben den Mitgliedern der Ausstellungskommisfion und den Preisrichtern waren zahlreich geladene Gäste anwesend, darunter die Staats-Minister v. Noßiß-Wallwitz, 131“. v. Gerber

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und Abeken, der Minister des Königlichen Hauses SiaatS-Mi- nister a. D. Dr. U. Falkenstein, die am hiesigen Konigltchen H„ofe beglaubigten Gesandten von Preußen, Bayern und Oesterreich- Ungarn (Graf v. Solms, Freiherr v. Gasser und Freiherr v. Franckenftein) und die hiesigen Konsuln, der StadtzKomrnan- dant General-Lieutenant Freiherr von Hausen, zahlreiche hohere Räthe der Ministerien, die Präfidenien der Handels- ,und Ge- werbekammern, Kreishauptmann v. Einsiedel, Polizei-Direktoor Schwauß, Ober-Bürgermeister Pfotenhauer und die Mitglie- der des Raths, Stadtverordnetenvorsteher Hofrath _Acker- mann und die Mitglieder des Stadtverordneten-Kollegiums, Vertreter der Presse u. . w. Der Vorfißende des “Aus- stellungs-Direktoriums, Kaufmann August Walter, hielt die Er- öffnungSrede, in weleher er eine kurze Geschichte der Entstehung der heutigen Ausstellung und des Zweches derselben gab, dabei namentlich dankbar der Unterßüßung edenkend, welche dem Unter- nehmen von Seiten des Hohen KönigsZauses und der StaaiSregie- rung zu Theil geworden ist, und mit einem Hoch auf Se. 'Maxestat den König schließend. Nachdem die Versammlung in dieses Hock) drei Mal begeistert eingestimmt hatte, traten die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften unter Fuhrung der Mitglieder des Ausstellungs - Direkwriums und des Empfangscomitc'z's und uiiter dem Geläute der Glocken und Kanonendonner einen Rundgang durch die Ausstellirng an, iiberall M dem zahlreichen Publikum auf das Freudiugste be- grüßt, uiid verließen nach einem vom Eomitémitgliede Bauincher auSgebrachten Hoch auf die Majestäten und auf den Prinzen und die Prinzessin Georg, in welches das innen und außen Larrende Publikum begeistert einstimmtc, Nachmittags nach.]X Uhr ie Ausstellung, u deren Ehren sowohl öffentliche, Wie zahl- reichePrivatgebäu e der Stadt in sächsischen und deutschen Far- ben geflaggt hatten.

_ Der Staats-Minifter v. Nostiß-Wallwiß ist von seiner UrlaubSreise zurückgekehrt. _ Der Minister des König- lichen Hauses, Staats-Minister a. D." Frhr. v. Falkenstein, hat sich heute zu einem längeren Aufenthalie nacl) Frohburg begeben.

Baden. Baden, 16. Juni, (W. T. B.) Der russische Rciéhskanzler, Fürst Gurtschakoff, ist gestern Abend von hier nach Wildbad abgereisi. Derselbe wird dort einen Llnfent- haltbvon 5 Wochen nehmen und fick) sodann nach der Schweiz bege en.

Hoffen. Jugenl)eim,15.Iuni. (W.T.B.) Se.Kaiser- liche Hoheit der Erzherzog Albrecht von Oesterreich ist beute hier eingetroffen und bei seiner Ankunft von Sr. Majeßät dem KaiserAlexander vonRußland, Sr.Großherzoglichen Hoheit dem Prinzen Alexander von Hessen sowie sämmt- lichen hier anwesenden hohen russischen deckzargcn empfangen worden. Am Sonntag, den 20. d. M., werden der Kaiser Alexander nnd der Erzherzog Albrecht mit ihrem Gefolge dem ihnen zu Ehren von Offizieren veranstalteten großen Wettrennen bei Darmstadt beiwohnen.

Mecklenburg = Schwerin. Schwerin, 15. Juni. Der am Freitag Abend bier eingetroffene General der Infan- terie v. Tresckow inspiziiie am Sonnabend Morgen auf dem großen Exerzierplahe das Mecklenburgische Grenadier-Regiment Nr. 89, das Iäger-Bataillon und die Artillerie. Nachmittags reiste derselbe zur Inspektion nach Neu-Streliß.

Oldenburg. Oldenburg, 13. Juni. „Das Geseßblait“ veröffentlicht eine Bekanntmachung des - Staats Ministeriums vom 9. Juni 1875, betreffend die Gewährung von Erleichicrim- gen für den Verkehr zwischen den beiden Weserufcrn.

Oesterreicb-Ungarn. Wien, 14.311111 Der Kaiser hat vorgestern Nachmittag den französischen Botschafter Marquis d'Harcourt empfangen und dessen Abberufungssrhreiben entge- gengenommen.

Heute empfing der Kaiser die Deputation des Bukowi- naer Landtages, welche ihn zum Besuche der Bukowina an- läßlick) der hundertjährigen Säkularfeier Und der Errichtung der Czernowiyer Universität einlud. Der Kaiser erwiderte, es seien die Mittel für die Reise gegenwärtig nicht vorhanden, cr hoffe aber gewiß, im kommenden Jahre die Bukowina zu besuchen.

SchWeiz. Die Hauptbestimmmigen des vom Großen Rath bon Bern in erster Berathung angenommenen Gcscßes, bc- treffend die Sicherstellung des konfessionellen Frie- dens find, folgende:

,§. 1. Außerhalb der dazubestimmien Lokaledürfcn keine öffent- lichen kirchlichen Prozessionen oder sonstigen kirchlichen Ccremonien stattfinden. Vorbehalten bleiben: 1) der Feldgottesdicnst gemäß den näheren Vorschriften der Militärgeseße und den Anordnungen der militärischen Oberen; 2) die kirchliche Begräbnißfeier nach den hier- über aufzustellenden besonderen Bestimmungen. Widerhandlungen Werben mit Geldbuße bis zu 200 Frs. oder mit Gefängnis; bis zu 60 Ta en bestraft. ?. 2. Wer in einer den öffentlichen Frie- den ge äbrdenden Weie Angehörige eincr Konfession oder Reli- gions-Genoffenschast zu Feindseligkeiten gegen Angehörige einer anderen anreizt, wird mit Geldbuße bis zu 1000 Frs, oder mit Gefängniß bis Yu einem Jahre bestraft. „B'. 3. Ein Geistlicher oder anderer Koligionsdiener, Welcher in Ausübung oder bei Anlaß der Aysübung golfeSdicnstlicbcr oder seeliorgeriicher Handlungen Staatsemrichiungen oder Erlasse der Staatsbebörden in einer den öffentlichen Frieden gefährdendcn Weise. zuin Gegenstand einer Verkündigung oder Erörterun macht, wird Mit Geldbuße bis zu 1000 Frcs. oder mit Gcfängni bis zu einem Jahre bestraft. §. 4. Geistlichen oder anderen Religionsdiencrn, welche nicht an einer staatlich anerkanntm Kirchengemeinde angestellt find, ist die Ausiibung geistlicher Verrichtungen untersagt: 1) Wenn der Betreffende einem staatlich verbotenen rrligiösen Orden angehört; 2) wenn er erwiesenermaßen unter Einer fremden, vom _Staair niibt anerkannten, bischöflichen JuriSdiktion steht und in diesem Falle die (christliche Erklärung berweigert, daß er ficb bedingungsws den Staatsemrichtungen und Erlasse" der StaatSbehörden unterwerfe. Wer entgegen diesen Vorschriften geist- liche Verrichtungewauöübt, wird mit einer Geldbuße bis zu 1000 Fr. oder mit Gefängnii; bis zu einem Jahre _bestraft. §. 5. Zur Vor- nahme von Pontifikalbandlungen (bischöflichen Jurisdiktionsakten) im Kantonßgebiet von Seite eines auSwartigen, staatlich nicht aner- kannten _kirchlichen Oberen ist die Bewilligun des Regierungsratbes erforderlich. . 6. Versammlungen oder Zu ammenki'mfte von Reli- gionsgenossens affen, bei denen die öffentliche Ordnung gestört oder der Sittlichkeit zuwider gehandelt Wird, sollen von Polizei wegen aufgdehoben und die Fehlbaren dem Richter zur Strafe überwiesen wer en.“

Belgien. Brüssel, 15. Juni. (W. T. B.) In der heutigen Sihung der Deputirtenkammer wurde durch den Deputirten Thoniffen der Bericht vorgelegt, der von der mit Berathung des sogenannten „Ducheöne-Geseßes“ betrauten

Kommission erstattet worden ist. Die Kommisswn beantragt eine Modifikation der Regierungövorlagc in der Weise, daß auf Grund derselben nur, wenn es fich um Anerbieten zur Begehung schwerer mit Todes- oder Zwangöarbeitsstrafe bedrohten Ver- brechen handelt, eine strafrechtliche Verfolgung eintreteiz, eme solche aber dann nicht statthaben soll, wenn lediglich m1t Eina- schließung vom Geseß bedrohte Vergehen in Betracht kommen.

Großbritannien und Irland. London, 14. Juni. Der Herzog und die Herzogin von Edinburgh werden sich im Juli zu einem Besuche des Kaisers und der Kaiserin von Rußland nach St. Petersburg begeben.

_ Der Sultan von Zanzibar empfing am Sonnabend den Lordmayor der City uud den Premier-Minifter DiSraeli. Gestern, am Sonntag, verließ er seine Gemächer nicht. Der Sultan hat seine Gewohnheiten nicht im Mindesten geändert. Im Hofe des Alexandra-Hotes ist für ihn ein Privatichlachthaus nebst Küche errichtet worden, in welchem die zu seinem Gefolge gehörenden vier Köche alle seine Mahlzeiten zubereiten. Heute wird er dem Prinzen von Wales in Marlborough=House seine Aufwartung machen. Am Sonnabend wird Se. Hoheit den Krystallpallast besuchen, wo ihm zu Ehren ein Monstre-Konzert und ein großartiges Feuerwerk stattfinden werden. ..

_ Kardinal Cullen kehrte am Sonnabend von Rom nach Dublin zurück. * .,

'_ 15. Juni. (W. T. B.) Die Meldimg auswärtiger Blätter, die Kaiserin Engenie und Prinz Louis Napo- leon hätten fick] nach dem Festlande begeben, ist unbegründet, Beide haben Chislehurst iiicht verlassen.

Frankreich. Paris, 13. Jimi. Der „Moniteur“ enthält über die Revue Folgendes: „Die treffliche Haltung der Truppen machte auf die Offiziere, welche der Revue anwohnten, einen guten Eindruck. Fiir die, welche sich wirklich für die Fortschritte der Armee interesfiren, ist eine Revue nicht allein ein militärisches Fest, sondern auch eine Gelegenheit, den Stand der Instruktion der Trnppen aller Waffengattungen zu studiren. Gestern fand die 4. Iahreörevue über die Garnisonen von Paris und Versailles ftatt, aber erst die zweite, bei welcher die Armee als wirklich reorganisirt er- scheinen konnte. Früher bemerkte mcm Ungeachtet der martiali- schen Haltung der Trnppen in ihren Bewegungen die Ab- wesenheit der Regelmäßigkeit, welche bei ihnen eine voll- ständige Instruktion darthut. Gestern war die Haltung eine vollkommene; die Unbeweglickzkeit der Linien der Infanterie, der Kavallerie und der Artillerie war eine absolute. Man fühlte, daß jeder Corpsfiihrer seine Truppen in der Hand hatte. Un- geachtei der Nothwendigkeit des Kampfes in zerétreiiier Ordnung haben unsere Offiziere eingesehen, daß ste me r denn je von ihren Leuten die Rickziigkeit der Bewegung, welche das Zeichen der.“; Gehorsams und der guten Instruktion ift, fordern müssen. Sie erlangten es nicht obne Miihe, deim fie haben heute nicht mehr die Uiiteroffizier-Cadres, wie früher. Beglückwünschen wir fie daher, indem wir zugleich von ihnen verlangen, daß fie die neue Taktik nicht vergessen, welche von dem Offizier, wie von dem Soldaten eine fortwährende Arbeit verlangt. Wenn die Bewaffnung sick) vervonommnci, so muß die Instruktion der Truppen immer auf der Höhe der Aenderungen erhalten werden, welche die Taktik nach fiel) zieht.“

_ Das neue Preßgeseß, welches der Iustiz-Minister Dufaure dieser Tage der Kammer vorlegen wird, lautet in seinen Hauptpunkten wie folgt:

Artikel 1. Jeder durch eines der im Artikel 1 des Geseßcs vom 17. Mai 1819 angefiihrten Mittel bewirkte Angriff gegen das Prin- zip oder dic Form der republikanischen Regierung und die Autorität des Präsidenten der Republik oder einc der beiden Kammern, wie sie in den Gesetzen vom 20. November 1873 und born 25. ; ebruar 1875 erklärt sind, wird mit einer Geiäxignijzstrafe von zwei ' dnaten bis 31: drei Jahren und einer Geldbuße von 500 bis 5000 Fr. belegt, Mit den nämlichen Strafen wird die Beleidigung der Person des Yräfidenten der Republik oder die gcgen eine der Kammern belegt.

etikel 2. Während drr Dauer der dem MariÖaÜ-Präfidenten der chublik durch das Gejetz vom 20. November 1873 übertragener! Gc- Walten, und so lange dieicr nicht von dem ihm durch Art. 8 des Gesetzes Vom 25, Februar 1875 geliebeyen VorrechtGebrancb gemaclyi bat, ist jede Petition, jeder Antrag und 16128 Forderung, welcbe dic Modifikatirn der StaatSzwecke zum Gegenstande hach, bei einer Geldstrafe von 500 bis 10,000 Fr. verboten. Diese Bestimmung findet keine Lla- wendung auf Schriften, w-elclyi: nicht rczelmäßig erscheinen und mchr als zelin Bogen stark find. Artikel 3 beitrait die Veröffentlichung und Wiederholung von falschrn Nachrichten, fabrizirteii, gefälschten oder fälschlich dritten Personen znaeséhriebcnen Aktcniiücken. Artikel 5. Das Verbot des Verkaufs cines Blattes auf drr Straße kann nur durch Verordnung dcs Ministers des Innern Verfügt Werden. Dirie Verordnung kann nur in dem Jahre criaffen ivcrden, Welches ciner Verurtbeilung folgt, die ein Blatt wegen icrgclwn oder Verbrechen betroffen bat. Das Verbot des Straßen- verkaufs kann nur fiir einen Monat verhängt werden. Nach Artikel 6 werden durch die Zuchtpdlizeigeriibte abgeartbeili: 1) die in Artikel 8 des Geießes vom 25. März 1822 mit Strafe belegten aiifrübrerifchen Rufe; 2) die Beleidigung der guten Sitten durch die Publikation, Vertheilung, den Verkauf oder die Aussiedlung von db- scöuen Schriften, Zeichnnimen, Photographien oder Bildern; 3) die Veröffentlichung falicher Nachricbten fabrizirter, gefälschter oder fälsch- lich dritten Personen ziigescbriebener leti'nstück'e; 4) Zuwiderhandlungcn gegen die Bestimmungen des Artikels 2; 5) die Belcidignng fremder Souveräne oder fremder Siaawobcrbäupier. Ein Scblußnriikel be- stimmt, das; der Belagerungözustand aufgehoben ist, aber da"; die Re- gierung das Recht hat, unter ihrer Veranlwortlichkcit die eitungeir zn verbieten, erck)e in den Departements der Seine (Pariö), Seine- et-Oiie (VcriailleS), Rhone (Lyon) und Rbonemündungen (Marseille) erscheinen und zum Bürgerkriege auffordern, ami) die äußeren Bezie- hungen des Staates in Gefahr bringen. Dieses Recht bört drei Monate nack) der Konstituirung des Senats und der Repräsentanten- kammer zu bestehen auf.

Versailles, 15. Juni. (W. T. V.) Die National- versammlung hat heute die Veraihung Über den höheren Unterricht forigcseßt und das von der Linken beantragte Amendement, wodurch dem Staate allein das Recht zugestanden werden soll, akademische Grade zu ertheilen, mit 369 gegen 323 Stimmen abgelehnt. Morgen wird die Beraihung fortgeseßt werden.

Italien. Rom, 15.Iuni. (W. T. B.) Sitzung der Depil- tirtenkammer. Bei der heute fortgeseßten Berathung iiber das Sich eri) ei 1 s g e s wies der Minister-Präsident Minghetli in längerer Rede die Nothwendigkeit dieses Gesetzes nach und führte aus, daß dasselbe durchaus keinen politischen Zweck habe und auch keineSwegs allein für Sicilien bestimmt sei. Der Minister sprach seine Zustimmung zu einer Enquéte, betreffend die Sicher- heitsverhältniffe in Sicilien, aus, erklärte fiel; aber gleichzeitig gegen die Annahme von Anträgen, welche die Berathung dcs Gesehenthrfes fUSpendircn wollen. Es würde dies um so be- dauerlicher sein, da hierdurch auch eine höchst bedenkliche mora-

ralische Wirkung hervorgerufen werden dürfte. Die Kammer nahm hierauf die auch von dem Minifter-Präfidenten befür-

worteie einfache Tagesordnung bei namentlicher Abstimmung mit 220 gegen 203,Stimmen an, und wird sonack) morgen in die Berathung des 111 Rede stehenden Geseßentwurfs eintreten.

. (W. T. B.) Die verschiedenen zu dem Sicher- heitSIeseHe gestellten TagesordnungSanträge, welche durch die heute von der Deputirtenkammer angenommene einfache Tagesordnung beseitigt wurden, gingen sämmtlich ent- weder auf eine Vertagung der Berathung oder auf eine Ab- lehnung der Geseßvorlgge hinaus. Garibaldi, der Wegen Krank- heit an der Sißung nicht theilnahm, hatte sich schriftlich fiir Ab- lehnung'des Geseßesausgesprochen. Die Debatte über den von der Regierung acceptirten Antrag Pisanelli's beginnt morgen.

Griecheqland. „Litre n, 16. Juni. (W. T. B“.)“S'Z'Wrbos' ist'zum Marine-Mintster ernannt worden. _ Das hier weilende franzdsrsche Geschwader geht morgen nach Smrzrna ab. Der Commandeur deffelben, Admiral de la Roncwre le Nourr), gab gestern zu Ehren des Königs ein Galadiner.

Rumänien. Bukarest, 16. Juni. (W. T. B.) Fürst Karl erhielt gelegentlich einer von ihm vorgenommenen In- spizirung der rmnäniscben Flotte bci Giurgewo von dem benach- barten iürkisrhen Pascha eine Einladung, die Garnison von Rastschuk zu besickztigen. Der Fürst nahm die Einladung an, begab fiel) nach Rustschuk und fand dort eine ausgezeickwete Aufnahme. Auf der Rückfahrt nach Biikarest erfolgte zwischen Filaret und Costroceni ein Zusammetistoß des fürstlichen 3111466 mit einem anderen. Der Fürst, sowie mrhrcre Herren seikies Gefolges erlitten,;hicrbei einige leichte, unerhebliche Kontufionen.

Rußland ttrtd_Polen. St. Petersburg, 15. Juni. (W. T. B.) Die in verschiedenen auswärtigen Zeitungen enthaltene Nachricht, daß in London zwischen Rußland und England Verabredungen über eine in Central- asien zwischen beiden Mächten als Abgrenzung festzitstellende neutrale Zone getroffen seien und daß eine bezügliche Konven- tion beschlossen, entbehrt sicherem Vernehmen nach dcr Be- gründung.

. Schivedcn und Norwegen. Stockholm, 12. Juni. Em schwedisches Uebungsgesckzwader, bestehend aus der Dampfkorvettc ,Thor“ sowie den Dampfkanonenböten „Svensk- sund“, „Motala“, „Carlssund“, ,?llfhild', ,Aslog“, „Aftrid“ und „Sigrid“, ist am Donnerstag auf der Rhede bei Malmö vor Anker gegangen. Dieses Geschwader, welclch unter Befehl des Admiral?- Virgin steht, wird fich einige Tage im Sunde Mif- halten. _ Der Chuebfür Sclnvedens geologische Unter- siichungen hat bezuglich der für diesen Sommer angeordneter: nahereir Untersuchungen der Erzlager in Norrbotten dieser Tage seine Vorschläge der Regierung unterbreitet. Der Haupt- zweck“ ift, fick) uber die Ausdehnung und Beschaffenheit der Erz- lagcr in Gellivare umd Iukkarjariri genauere Kenntnis; zn ver- schaffen. Die Untersuchungen Werden in Gcllivare ihren Anfang nehtZien und in der Richtung von Osten nach Westen fortgeseßt wer en.

Dänemark. Kopenhagen, 12. Juni. Am 29. d. M. soll bei Anwesenhci: des Königs, auf seiner Reise nach dem Uebimgslager bci Haid in Jütland, die feierliche Einweihung der Eisenbahn nack) Kallundborg stattfinden. In Holbäk und Kal- lunddorg wcrden Festlichkeiten vorbereitet, und an beiden Stellen sollen J«stmahlzeiten stattfinden.

Amerika. Aus Mittel: und Südamerika liegen der „A.A.C.“ vom 14. d. M. folgende Nachrichten vor:

Aus Jamaika wird vom 25, Mai zii'iiieldet: Mehrere Flücht= linge aus Hayti sind hier angekommen. Sie waren in dr jüngsten dortigen Pcoskriptidn mit eingeschlossen. General Brick, der in der Meuterei getbdtci Wurde, War der Beficger Salnavés, _ Nail) Be- ricbten (ins Callao (Peru) vom 13, Mai nebnicn die Vorbereitun- gen für die im Oktober statifi-idende Präfidentenivabl ibren Fortgang, General Prado und Conirc-Admiral I)ioniero wiirden bon ihren resp. Anhängern festiiib bewiribet. Die Pioji'kte bctrcffs dcs Gitanos und salpetersaiiren Natrons sind noch nicht vollendex. Dcr Grieß- cniiburf fiir die Erbrobriatidn des Guano !iegt «ck) immer dem Senat bor. Der „Prinz Alfred“, ein mit (**)-„:ano iiir London bc- fracl)ictc_s Scbiff, ist in der Nähe von Coqiixiiibb gescheitert. Die Mannschaft verließ es in zwei wwlylverprdvimiiirin Booten. Dic- jenigen, die in dem Boon? ivarcn, das den Kabiixn ciitbiili, wurdcn

erettet und nacb Canizal gebracht. Man hofft, das; das andere Boot 5rquimbd erreicht bat.

Asien. Einer Depesche dcr „Times“ aus Rangoon zn- folgc, kam Sir Douglas Forsytl) am 10. d. in Mandalay, der Hauptstadt von Birma an, und wurde gut empfangen.

_ In Tdnqnin soll, wie der „London und China Telc- graph" erfährt, eine französische Marineftation errichtet werden. Sie wird aus meiienbooteii, die aus Saigon gesendet werden, bestehen und von dcn Mariiic-Divifionen von Cockiin- China bemaiint werden. Diese Flottille soll von einem Fregatten- .Kapitän unter der Autorität des Gouvernenrs von Corbin- Chiiia befehligt wcrden.

_ Nr. 47 des „Amts - Blatts der Deutschen Reich- Postvengltung“ hat folgenden Inhalt: Verfügungen: vrm 12._Jum 1875: NnWören der Zulassung zur abgekürzikn Postsckretär: Prufimg; vom 12. Juni 1875; Aufhören der Zulassung von Prit- expxditeuren zur Posiaints-Vlifistrnten-Prüfnng; vom 13, Juni 1875: Einziehung von 7/1 Tbaler- bz. Zz Guidcnstüike; Vom 9. Juni 1875: Kursbuch der deiiiiwcn Reichöpoitberwa[tung; vom 512. Juni 1875: Eröffnung der li'iicnbalwstrccke Lünen-Dülmcn. O »."L-Z-“FZHMYÉTJM

Statistische Nachrichten.

Jm x_egenwäriigen Semester ist die Universität Erlangen von 401 Gtudirrnderx besucht, unicr denen sich 268 Bayern befinden, 133 aus andern deutschen und auizerdentscben Ländern gekommen sind. Dcr „theologiickycn Fakultät gehören 142 Studirende an, 21 bon diesen zilgleick) Philologen (82 Baywn, 60 Nichtbayern), der juristischen 44 (35? B., 9 Nichtb.), dcr medizinisébrn 96 (64 B., 32_Nichtb„), der Plyilosopbischezi 119 (87 B., 32 Nichtb.). Unter diricn siudiren 41 (38 B„ 3 Nichtb.) Philologie, 5 (2 B, 3 Nichtb.) Philosophie, 37 (23 B., 14 Nichtb.) Mathematik, Pbyfik und Chemie, 36 (24 B., 12 Nichtb.) Pharmazie.

Kuuß, Wissenschaft und Literatur.

Nachdem Monatsbericht der Königlich Preußischen Akademie der Wissenskbaften fur März 1875, lasen in diesem Mortar folgende Herren: Yekß, Ueber die neue AuGaabe der Chronik des Bischofs Isidor von eza (Pacensiö). _. Deffner, Ueber den Dialekt der Zakoneit. _ Peters, Ueber die von Hrn. Prof. 1)r. R, Buchholz in Westafrika esammelten Amphibien. _ Vorämrdt, Ueber den Briefwcibsel zwißcben Legendre und Jacobi. _ Reicheri, Zur Anatomie des Schwanzes der AScidicnlarvcn (8011341113 rjolacsus). "" Virchow, Ueber das 0:1 intoryakiotala.

_ Die für das Zeichnen der Terrains vom Königlichen 11

'roßen Generalstabe gegebenen und amtlich eingeführten Be- stimkmungcn sind soeben, in koloiirtcn Musterblättern dargestellt, nebst Erlauterungen, wclche alles für Offiziere und Kartographen Wissens- rvertlw enthalten, in der Königlickyen Hof-Buchlpardlung von E. S. V?LJHt'tlcr u. Sohn hierselbst (Kochstraßo 69) zum Preise von 4 M er tenen.

_ An der Universität München soll ein neuer Lehrstuhl errichtet Werden, und zwar für lebende Sprachen, namentli 1)“ an- zdsische und die englische. ck f"

_ DerAfrikareisende Vr. Nachtigal ist vom „“Freien deni (ben ZoYstlst“ zu Frankfurt a. M. zum Ebrenmitgliede und Meister ernxmnt or en.

_ Die Erben des (17118 Juli 1874 verstorbenen Minera- logen und .Krystallograpben Fiicdrich eisenberg, 1)r, p1111. 110110- 171.1"1118 der Berliner Fakultät, baben dc sen ausgewählte Biblioihek in diesen Fachern der Senckenbergiicben naturforschcnden Gesellschaft in Frankfurk a. M. zum Geirbenk gemacht.

_ Der außerordentlich Professor der Chemie und T? nolo ic T):". _Adolf Claus in dcr „Plzilosovhiscbcn Fakultät der Uréivc-rfiJät Freiburg ist zum ordentlichrn Professor der genannten Lebrfächer ernannt und dem Privatdozenten Dr. Gideon Spicker in Freiburg der Clxarakter als außerordentlicher Professor in der philosophischer Fakultat der dortigen Univerfiiäi verliehen worden.

__ Ju Rouen begann am 12. Juni die Säkiilar eis Bbtcldieu's. Sie dauert vier Tage; eine große Zahl vonfmusj? kgliicbe-i Vereine!) bai fich in der Geburtsstadt des populärsten fran- zofiichen Komponisten eingefunden.

_ Wie aus London 11. Juni gemrldet wird, ist . r. Waits der im letzten Sommer eine Erforschungsreise aéif Island ma_chie, und den' thna Iökkt bis zu einer SieÜe crstieg, die kein Reisender ,vor ihm erreicht bat, zu weiterer Forschung neuerdings nach Reykjabik abgegangen. Ein großer Theil der Insel ist noch unbekannt, und der topographische und mineralogiichc Charakter des Innern nicht genau festgestellt.

_ Die. e:)gliickxe National-Gemäldcgallerie ist durch Ankauf um e1_n aus_gezeichnei_es Gemälde bcrricbcrt worden. .Der „Acadewy“ zufolge'ist es ein Kopf- und Scbulier-Portrait eines venetmmirhep Patriziers, m Oel von einer Mailänder Hand gemalt und vdrzuglich gut erbalten. Das Gemälde ist kleine Lebensgröße und die Hgliuiig beinahe 811 profi]. Der Sitzende trägt einen roiben Mantel mti einer sibwarzen Kappe und schwarzer Amtsstola; am linken Handgelenke kommt ein blauer Uiitrrärmel zum Vorschein; ain linker) Daumen steckt ein TürkiSring, und in seiner rechten Hand bali er eine Nelke. Dcn'Hintcrgrund bildet eine Landschaft niedriger Hiigel. Farbednvaiialität des Bilder; sind bewnndcrungswürdig, urid der Kopf tit em Meistcrstuck von ernster und grnauer Portrait- zeixbnung. Der Name des Gißendcn ist nicht bekannt, aber das Gc- ntalde selber kann mit Gewißheit der Hand bon Andrea di So- 1a_rio, der nach'1490 in Venedig ansässig war, zugeschrieben werden. Die eiigliiibe Iiattonalgallerie befißt bereits ein auffallendcs Portrait von diciem Meister, aber in einem Weniger reinen Zustande als das soeben erworbene Gemälde.

_ Das 4. Host (117. Jahrg.) der Zeitscbrifi für deutsche Kulturgeiobicbte, herausgegeben von 01". J. H. Müller, Stn- dicnratl), (Hannover, in Kommiifion bei Carl Meyer) bat folgcnden Inhalt: Herzog Julius vokn Braunschweig,Kulturbild deutschen Fürsten- lcbens und deuticher Furstenerziebung im 16. Jabrbundcrt. Von Eduard Bodemcinn, _ Korrespondenzen iiber Aufhebung eines Ndnnenkldstcrs i'm-„16._J*a[)_rbmidert. Von Gustav Schmidt, _ Bucherscbau: Kritiickye (Geschichte der französtschen Kulinreinflüsse in den [eiiien Jabrbundertetx. Bra J. J. Honegger. Geschichte der (Hesellsxbait. Vdn YwJoi. Roßbach. _ Buntes: Spezial-Ordre Sr. Königlichen Majestai in Preußen.

Land*: und Forstwirthschaft.

Berlin, Am Tage vor dem Wollmarkte, am 18, Juni, wird Vormittags 10 Uhr der Verein der Milcbinirresfcntcn, Nachmittags 6 libr der Verein der Wollintcrcsscnten im Lokale des Club der Landwirtbc, Franzöfisclwstraße 48, hierselbst tagen.

Die Tagesordnung beider Vrrfammlimacn, zu denen Gäste Zu- iriti baben, durfte für die sich hier aufhaltciiden Landwirtbe nicbt obne Interesse sem.

_ Die Nr. 18 der „Jilustririen Jagdzciiung“, Organ für Jagd, Fischereiund Naturkundo, herausgegeben bon W. H. Nißscbe, Königl. Oberförster (Leipzig, Verlag bon Heinrich Schmidt & Carl (5311111560, (Preis 3 „15. halbjährlich), enthält: Der i'll)» paisioniric Jägrr bon v, Scburknmnn._JagdstreiiigkeiirnbonFreiherr v.Vrosie- Hülöbdff. _ Ui'bcl «inackommcn mit Illustrationen. _ Cin Zu- iaiiiincnirifFen mit Wilddiebcn. _ Waidnmnnspcch vrn O. b. Kriegcr u ]. w.

GeWerbe und Handel.

Stettin, 16, Juni. (W. T. B.) Wollmarki, Zufubren und Zabl der Käufer sind iwwächer a1ö sonst. Dic Wäiibcn sind gut, Der größte Theil ist bei rnbigcm Gii'iibäft mit einem PreiSabicblag von 1_3 Tblr. bereits rerkmift. Fiir [:estc vorbmntnrrschc Wolle wurden 62 - 64, für binierpdmmcrscbc bis 65 Thlr. bezahlt.

_ Die Direktion der ?litona-FiiclerEiscnba [) 11 vcröffcntiicbt folgende Motiviriing des Lliitragcs auf Konirabiriing cincr Prioritäts- anlcibc 17. Eiiiiision: Wir bcdcntend der Verkehr auf den |N» wig-bolsteiniickycn Babiien in dcn letzten Jahren zugenommen bat, ist an:? folgenden Angaben zu entnehmen: Auf den lidlsteinisrbcn Bahnen wurden dnrcbschnitilich pro Meile gc- fal)ren: „4, Im Personmberkebr: Im Jahre 1869 198,813 Pcrsoncnmeilen, 1870 158,246, 1871 180,699, 1872 202,488, 1873 210,526, 1874 238,448 Personemneilen. 13, Im Güter. verkehr: Jin Jabrc 1869 1,875,4_14 Ccnincrmcilcn, 1870: 2,276,278, 1871 2,001,777, 1872 2,294,442, 1873 2,333,148, 1874 2,664,957 (Txntnc'rmcilcn. In dem Zeitrz'iiim 1869 bis 1874, d. l). im Verlauf von 5 Jahren, hat allo auf den bolstciiiischcn Bahnen der Personenverkehr Um 207.7 , der (Y_ütcrocrkcbr nm 42% zugenommen. Dcr Personenberkebr mir den schleswigscbrn Balinen hat in demselben Zeitraum 11111 26% , der Güter- verkehr um 63% zugenommen,_ Der Verkehrözuwachs auf dcn holsteiniicbcn Bahnen besteht größthkils aus durchgehendem Verkehr, welcher dic Haupistationen Llliona, Ottensen und Neumünster berührt und dort eine entibrcchende Vernichtung und Erweiterung der Geleise, Reparaturwerkstättcn, Lokomotivsckzupbcn und sonstigen Bahnhofsan. lagen, sowie auch eine bedeutende Vermehrung der BetriebSmittcl er- forderlich macht. Außer dem durcbgcbetzdcn Vcrkcbr ist vorzugchisc der Lokalreikebr der Station Ottensen 111 starker Zunabmc' be riffrn. Derselbe betrug im Jahre 1869 ankommend 351,174 Cin, a gebevd 483,455 Ctr, zusammen 837.629 (Ltr.; im Jahre 1874 nnkommend 819,928 Sir., abgehend 869,690 Etc., zusammen 1,689,618 (Hir. Also in 5 Jahren eine Zunahme um mehr gls 10076. (Fine bedeutende ErWeitcrung der fiir den Güterverkehr bestimmten Geleise und sonstigen Anlagen des Bahnhofs Kiel _ist _namentlich deshalb erforderlich, weil dieser Bahnhof fick) schoii seit bielen Jahreii als sehr ungenügend ge- zeigt hat und eine Bewaltigitng des dortigen Verkehrs nur dadurch möglich war, daß die auf deii„stadtischen_ Quais liegenden Geleise vielfaeh zum Aufstellc'n und Rangiren der Gitterwagen benußt wurdcn. Innerhalb der nächsten 2 Jahre sind fur die Erweiterung der Hauptbabnböfe, die Vermehrung „der VetriebSmittel, für eine Bctbeiligung beim Bau der Neumünster - Heide . Tön- mnger Bahn und zur Vollendunx?) der Neumünster - Oldcs loer Bahn, ca. 3,000,000 kr nötbig. ami wird voraußfichtlicb im Lau_fe der nächsten 6_8 Jahre fur Ynlgge eines zweiten Bahngeleises zwiichen Neumünster und Kiel, sowie fur sonstige CchiteriiUggbauten und eine entsprechende Vermehrung der Beirtchmittcl, ein weiterer Bedarf von ca. 3,000,000 „xz hinzukommen. Es wird nun beabsich- tigt, zunächst nur Obligationen im Betrage von 3 Millionen Mir.

zu emittiren, aber bei Jeststeüung dis Inhaltes des Textes diefer Obligaxionen der Gesellschaft das Recht vorzubehalten, daß, falls eine Vergrößerung dieser 5é)rioritätö-Anleibc regierungsseiiig genehmigt Werden sollte, den In abern solcher neu zu emittirenden Obliga- tionen, bis zum Betrage von drei Millionen Mark, gleiche Priorität und'Re'cbte mit den Inhabern der zuerst emittirten Prioritäts- Obligatioricn_17. Emission verliehen werden. Die Ausoabe der neuen Obligationen tritt erst dann ein, sobald der Bedarf es erfordert. Ein Verkauf-der betrxlfzienden Obligationen wird unter allen Um- standenxrst dann_ gesche en, nachdem die Pläne und Kostenanschläge der dafur _anszuful)renden Erweiterungsbauten imd Anschaffmig'n von Betriebsimtteln vom Ausschuß und von den vorgesetzten staatlichen Aufsichtsbehördcn speziell geprüft und genehmigt siiid. Bei der bean- tragienVermebrung des Aii|agekapiials durcb dieseAnleibe ist zu be- ruckßebtigen, das; von den Prioritätsanleihen [. und 11. Emission der Aliona-Kieler Babu bereits 948,900 «76. und Von den schleöwigskkien Eiienbabu-Prioritäts-Obligatidnen schon 327,000 «., zusammen 11_,2t7?)i,9i00 «FQ, außer der Anleihe von 1855 mit 660,000 «M, amorti- lk n .

_ Nach dem Geschäftsbericht dsr Rechte Oder-Ufer-Eisen- babn fur 1874_wurden in diesem Jahre: dem Verkehr übergeben: Das ZWeiggeleiie bom Bxlmch Beuthen O. S. nach den Ladestellen fiir Hohenzolieriißrube „uud Redeiisblick1chacht am 15. August (Güter- verkehr) und dre Zweiistreckien von Bahnhof Lanrabüttc nach dem Fannyicbacbt der Chasf grube am 4. Oktober (Güterverkehr), Gegen- wärtig umfaßt die Bahn 311,45 Kilometer. Das Projeki der Eisen- babn von Beuthen O. S. über Schwieniochlowiß nacb Llntonicnbüiie nebst Zwriggelriien wird demnachsr dem Ministerium zur Genehmi- gung vorgclegt werden. Das ProxekiSchwient-rchlowiß über Nikolai nach Tiebau ist fertiggestellt, kann aber erst vorgrlegi werden, wenn die Strecke Beutbcn-Schwieniochlowiß-Antoxienhütte Oels-Brieg ist bereixs vorgelegt, aber eine Entscheidung noch nicht erfolgi. Das Projekt eiiier Zweigbabn vom Bahnhof Oppeln nach der Oder unterhalb Oppelniii gegen Ende des vergangenen Jahres zur Ausführung genehmigt worden, u'nd sol] der Bau beginnen, sobald die Verhandlungen mit den am meisten intereifirten Grundbesißernzum Abschluß gekomiucn. Die gcnereÜen Vorarbeiten für die Balm Malapane-Breslau Waren i(bon iin vergangenkn Jahre volleiidci; doch wurde auf Wunsch mel)- rerer Interessenten eine etwas veränderte Trace aufgesucht, drrcn Projektirung nock) nicbi ganz vollendetist. Auch die Bahnvsrbin- dung DziediH-KasÖcm-Odcrberger'Bahn ist vertagt worden. Bezüg- lick) der Zweigbabn "von _Scbopwniß über Mysilowiß nacb Skiibna ist auf dem an die Osterreicbiicbe Siaaisrcgierung gcrichteten Antrag auf Konzessionirung des auf Siterreichiichem Gebiete zii erbaneuden Theils diescr Bahn der Bescheid eingcgangcn, das; gegen die bean- tragte Fübrung der Linie aiif öiierrcicbiicbem Gebiete im Allgemei- nen_kcin Anstand obwalte. Die bezüglicben Verhandlungen mit der Kaiier Ferdinands-Nordbahn srhwcben zur Zeit noch, über die chiq- babn bon Georggmbe naa“) Ferdinandsgrube ist eine Entschließung der Regierung noch nicht eriolgt. Das Gisammi-Anlagekapital dcr Reck)ten Oderufer-Babn besteht aus dem Anlagekabital für die Stanmibabn mii 7,500000-16, aus dem Anlagekaviial für die von ,37,500,000 „76, aus der unberzinsliclwn, Betriebs - Einnahmen aÜinäblick) zuriickzu- zablenden Siaatöbauprämie 1,1«95,480 „76. Und aus der Llu- leibe von 1871 12000000 „W., _in Summa 58095480 «15. Die Bau-Auöiübrungen kosteten bis zum Schlusse des Jahres 1874 57,535,692 «76, so daß am Reckxnungsschlus; der Britain) des Anlagekapiipxls fich auf 559,788 25. belief, wovon jedoch noci) die auf Vorschuß gebuchten 96,150.“ in Abzug kommen, so da“,"; ein wirklicher Bestand von 463,638 «46. verblieb. Da die Erweiterung der bestehenden Anlagen der Babu, namentlich der Bahnhöfr, der Workstait zn Breblau, die Ausführung von Hochbauten und die- Be- iibaffung von Fabrbeiriebßmitieln zum größtc'n Theil diejenigen Geldbeträge in Anspruch genommen haben, welche für die noch nicht zur Ausfiihrung gelangten Zweigbabnsn und Anichlußgeleiie im Vor. auicbiagc vorgeieben waren, ericheint der am 1. Januar d. J. ver- bleibende Bestand des Baufonds zur Vollendung der bereits ange- fangenen Bau-Ausfubrungen iind Beiwaffungen, sowie zu denjenigen styyllständignngcn uiid Erweiterungm dcr Bahnanlagen, derer- Aus- fiihrungen im Laufe dieses Jahres dringend notbwcndig ist, nichk aus- reick)eud, vielmcbr Werden ca. 200,000 Thlr. noch in diesem Jahre mebr erforderlich sein; Dieser Betrag so_ll einstiveilcn aus den berriicsten Mitteln der Gesellxcbaft vdricbußrveiie entnommen werden. An Fabrbetriebsmikteln besaß die Bahn uli. 1874 112 Lokomotiven, 104 Tender, 80 Personenwagrn, 32 Gepäckwagrn, 506 bedeckte Güterwagen und 1601 offene Gütermagcn. Neubricbaffi wnrden davon im Jahre _1874 37 Lokomotiben, 33 T*nder, 14 Personenwagen, 10_(Hebackwagen und 71 offene Güterwagen. Das finanzicllc Ergebniiz des Betriebs ist gegenüber den allgemeinen Verhältnissen zufriedenstellend. Die Dividende beträgt 6176, An den Staat find zur Tilgung der unverzinslirben Bcihülfe 27,147 Tblr. zurückgezahlt. Die Gefammi-Einnabmen betcugcn pro Kilometer 1874: 24.447,14 «14, 1873: 25,017,12 .sé. Der Personen- verkehr umfaßte 1,053„577 Personen mit 1,236,521.-k: Einimbme (1873: 1,221,945 .lé). “Der Güterverkehr belief fich auf 29,267,634 (Fir. mit 6,427,507 „x( Einnahme (1873: 5,962,477 «16.1. Dio Ge- sammi-Einnabmen betrugen 1874: 8,301,263 «17., 1873: 7,832,861 .sé: Die Betrieböausgaben betrugen 1874: 3.821,08? (15. (Pro Bahnkilvlill'ikr 12,266,7.1/,), 1873:3,567,2381W(Pro Bahnkilrmctcr11,529,5„1é=). Die Mehransmbe von 84,500 Thlr. erklärt sich ibciis aus der Steige- rring der Einnahme: (w_c1che 156,000 Tblr. auImacbt), theils durch die_E;l)bb:mg der Gebalier und Tagiöhnc und Vermehrung der Lasten des Betriebes. Die Koblenpreise giiigc.i von 7,72 Sgr. im Jahre 1873 auf 7,37 Sgr. _zurück. Die laufende Betriebsausgabe bcr€chxikt sick) Ulk Tr::ZIo-Emnabme pro 1874 auf 46,03%, 1873 auf 45,54%. Die RückWen zum Rescrbe- und (Friii'ucrungsfonds be- trugen 1874: 901,5 “ss,. Der Reicrvefonds scb1ießt mit 31,479.!&, der Erneueruurisfonds mit 1,040,747.-16. ab. Tödtungen und Ver- letzungen wou Reisenden sind im Jahre 1874 nicht vorgekommen. An Verletzungen von Bahnbeamten und Babaarbeitern sind 49 zu be- klagen, von denen 3 den Tod zur aFolge hatten. Der Kostenaufwand fiir Entschädigungen brtrug 2276 Thlr.

_ Am 6. Juni ist in Dresden im Kurländcr Palais, Zcuxzbans- Plaß Nr. 3 die von uns bereits an,“.chündigtc Ausstellung alter kunstqeiverbiichcr Arbeiten eröffnet worden. Dieselbe umfaßt die besten Vorbilder alic'r Gebiete des KunstgeWerbes boni Mittel- alter bis zur Miitc des 18. Jabrbiindrrts, sie ist bereichert worden durch umfängliche Zusendungen aus den Königlichen Schlösser", von den Stadt- und Kirchengrmcindcn. irwie von einer großen Zabl von Privatfau1mlern,zind giebt cin schöncs Zcugnis; dcs kkii'lMl-i B-sißes alter und gedicgencr kunstgewerblichcr Arbeiten im Königreich Sachsen, Die Dauer der Ausstellung ist aus zwei Monate festgestellt.

_ Die crstewrdentliche Gencralversammlnng dcr Lcip'ig- Gaicbwiß-MeniclwiizerEiscnbabngescllscbaftfand gkiiern in Leipzig statt. Anweixnd waren 19 Aktionäre mit 3939 Akticn mit ebensoviel Stimmcn. Did erste Betrieböpcriode umfaßt die Zeit vom 7_ Seb cmbcr bis 31._Dczembcr 1874 und bat, wenngleich die dar- nirdcrliegcnde Industrie dcn Meuselwißcr KoblenabsaJmindcrtc. den- noch die gleichn Ergebnisse erbr2cht, welcbe die * ltenburg.3xjßer Eisenbahn in den ersten Monaten ihres Bestehens erreichte, so daß die Hoffnung vorhanden ist, es werde die Zukunft des Unter- nehmens eiiie gedeihlicbe werden. Von der in der General- versammlung vou; 22. Oktober vorigen Jahres genehmig- tcn Prioritaisiinleibe, nnz die von Oberauffichtswegen geforderten Mehrlcistungcn ruckfichtlich der Ausstatiun und Erweiterung der Bahn bestreiten zu können, wurde Anßangs dieses Jahres ein Theil durch die Allgemeine Deutsche Kreditanstalt begeben, wo- durch die tn der Bilanz vom 31. Dezember 1874 aufgeführten schw“ benden Schulden _gztilgr wurden. Sämmtiicbe Punkte der Tageöord- nupg wurdcn einstimmig geuebniixii, darunter beschlossen, daß der Dividcndcnschem Nr. 2 der Priorität:?Stammaktien mit 2250 «ckck

Babiierweiterungéa aber aus den

nnd derjenige 'der Siammakiicn mii 11,23 .“ vom 1. uli ab ein- gelöst Werden soll. J

festgestelli ist. '