1875 / 147 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 25 Jun 1875 18:00:01 GMT) scan diff

von den Beschränkungen handelt, die teten auferlegt werden können, war, eine Reihe von Anirägen *gefteÜt, welche bezweckten, aUgememe Normen für die Ausführung der Haft “u geben, welche, ohne den Zweck der Haft zu gefährden, dem Ver afteten Schuß gege_n unnötbige Belusti- ung gewähren sollten. Vbn diesen Antragen fand ein auf die

equemlichkeiten, die Beschaftigung und die möglichste Trennung der Untersuchungögefangenen von den Strafgefangenen sich be- ziehender Antrag des Abg.Hauck, ein die Fesselung der Verhafte- ten betreffender Antrag des Abg. Struckmann, sowie endlich ein Antrag der Abgg. Kloß und Genoffen, daß die Beßimmung über die im einzeinen Falle zu treffenden besonderen Maßregeln dem Richter zuftehen soUe, Annahme. Bei §. 106 entspann sick) eine län ere Verhandlung darüber, ob eine Verschonung mit der Unteriu ungshast auch gegen Handgelöbnisz oder gegen eid- licbes Angelöbniß zuläsßg sein solle; die betreffenden Anträge wurden jedo abgelehnt, ebenso ein Antrag, bei gewissen schweren Verbrechen die Freilassung gegen Sicherheitsleistung gar nicht zu gestatten. Die §§. 107-109 wurden nach kurzer Erörternng mit einer unwesentlichen Aenderung angenommen, ?. 110 mit einem Zusaß des Abg. Schwarze, wo nach dem Fall, Bürgen oder Pfandbesteller die Gestellung des Beschuldigten bewirken, der Fal! gleicbftehen soli, wenn sie rechtzeitig dem Richter Anzeige davon machen, daß die Verhaftung erfolgen könne, diese aber durch Schuld des Gerichts unterbleibt. Auch die §§. 111 und 112 blieben mwerändert; ein Antrag, in Fällen, in welchen gegen ein freisprechendes Urtheil sofort bei Verkündigung des- selben ein Rechtswittel eingelegt wird und der Angeklagte sich bis dahin in Haft befand, dem Gerichte die Befugnis; zu ertbeilsn, einem Antrags auf Fortdauer der Haft statt zu geben, wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Bei §. 113 beschloß man nach längerer Diskussion auf Antrag der Nbgg. Struckmann, 1)r. Gneist und Dr. Wolffson, in der Voruntersuchung zur Anf- bebung der Untersuchungshaft und zur Freilassung des Be- sckxuldigten gegen Sicherheit nicht, wie der Entwurf will, das Einverständniß, sondern nur die zuvorige Anhörung der Staats- anwaltschaft zu erfordern und die Entscheidung, ebenso wie die Entscheidung Über die Erlassung des Haftbefehls, aÜein dcm UntersuchungSrichter zu überlassen, gegen dessen Beschiuß nach allgemeinen Grundsäßen die Beschwerde an die Rathskammer “stattfindet.

_ Nach einer im „Justiz:Ministerialblatt“ veröffentlichten UeberfichtderGescbäfte beiderIuftiz-Priifungs:.Kommis- sion im Jahre 1874 smd derselbkn im genannten Jahre zur Vornahme der StaatSprüfung 272 Kandidaten überwiesen wor- den, während die Zahl derselben im Jahre 1873 331 betrug. Aus dem Jahre 1873 war noch ein Bestand von 93 Kandida- ten vorhanden; die Gesammizahl derselben belief iich daher im Jahre 1874 auf 365. Von diesen hatten 25 die Priifung zu wiederholen, und 340 hatten dieselbe zum ersten Male abzulegen. Vor Abnahme der Prüfung ist ein Kandidat gestorben, einer auf seinen Antrag entlassen; nach Abzug dieser 2 find mithin verblieben 363 gegen 402 im Vorjahre. Die Prüfung haben mit Erfolg bestanden 271, und zwar 46 mit dem Prädikat „gut“, 225 mit dem Prädikat „ausreichend“; dagegen ist wegen Herzögerter Einreichung der Relation vorweg von der münd- lichen Prufung UUsgeichloffen 1, die Prüfung haben nicht be-

anden 16, 1 , ' ' '- FM 73. snd 288 Es find Mithin als Bestand verblie

Die größte Zahl der Kandidaten ist aus dem Departement des Kammergerichts (75), demnächst aus den Departements von Breslau (52), Cöln (39), Cassel (25) und (Teile (24) zur Prüfung prasentirt worden. Aus dem Departemrnt Ehrenbreit- ftem bat fick; auch in dem abgelaufenen Jahre kein Kandidat gemeldet.

Die Zahl der Referendarien dagegen hat fick) im Vor- jahre erheblich vermehrt. Am Schlusse des Jahres 1874 waren namlich 1897 Referendarien vorhanden, während die Zahl der- selben am Schlusse des Jahres 18731685, am Schlusse des Jahres 1872 1585, am Schlusse des Jahres 1871 1520 betrug. Die meisten Rcferendarien waren in den Departements des Kammergerichts (262), des AppeUatiorisgericbtsbdfcs zu Edln (262); der AppellationSgerichtc zu Breslau (222), Celle (132), Naumburg (126) und Königsberg (104).

_ Im Auftrage des Ministers für Handel, Gewerbe und Öffentliche Arbeiter! ist nach amtlichen Quellen eine Denkschrift uber „die E1nr1chtungenzum Besten der Arbeiter auf den Yergwerien Preußens“ ausgearbeitet worden. Die- selbe ist m Starke von 12 Bogen Teri und 9 Bogen An- hang (14 Text - Beilagen und 12 TabeÜen) nunmehr un Verlage von Ernst & Korn hierselbst .erscbienen. Von Alters her schon zeichnete fich, wie die Einleitung sagt, der deutsche Bergbqu vor anderen Gewerben durck) Veranstaltungen aus„welcl)? Seriens der Bergwerksbetreiber zur Förderung des geistigen _und leiblichen Wohles der Bergarbeiter getroffen wur- den, wre _ dies die reichlichen an Schulen und Kir- chen gewahrten Unterßüyungen und namenilick) das Knappschaftöwefen beweisen. Mit der immer größeren Arisdehmmg des Bergbaues, besonders seit dem raschen Auf- biuhen dos Stemkohlen-Bergbaues, erwiesen fich jedoch die durch die_ Bergordmin en vorgesehenen Einrichtungen als unzureichend. Vielmehr «chers te der rasche ZUWacbs der Lkrbeiierbevölkerung besondere Maßregeln,“ um ihre Seßbaftmacbung in der Nähe der Bergwerke m zweckxiiaßiger Weise zu bewirken und ihren Kindern die Wohithat geringenden Unterrichts zu verschaffen. Das durck; seine beispiellose industrielle Bewegung ausgezeichnete leßiverfiossene Jahrzehnt ist auch hierin hervorragend, und inner- halb dieses Zeitraiznies „find es namentlich die Jahre 1872 und 1873, deren guiistige wrrthsckzaftliche Ergebnisse die Werksbefißcr nicht haben vorubergehen lassen, ohne aus eigner Initiative. für die Lebens- und Bildbngswrhältniffe der Arbeiter möglichst zu sorgen, obschon ailcrdtngs die diesfäiligen Leistungen den Arbei- tern .und „deren wnthschaftlicher Selbständigkeöi vielfach erst gegen- wartig Wirklich zum 'Vußen gereichen. Iedcnsalis ift namentlich mfdlge der gegenseitig fich aufmunternden Besirebungen die [oziale Lage. der preußischen Bergarbeiter eine gegen- uber den Arbeitern anderer Industriezweige bevorzugte geworden. Die vorliegende Denkschrift behandelt zunächst die iiskalisckzen Berg:, utten- und Salzwerke in den mittelbaren und'- in den Unm'itel aren Unterstußungen zur Hebung des leiblichen u'nd des Xiftigen Wohles der Arbeiter bis zum Ende des Jahres 1873 zw. 187 4, und gehi s odann in ganz gleichartiger Anordnung und REZ- henfolge auf die Seitens der Privat-Bergwerksbesißer mittelbar urikd unmittelbar hxrvdrgerufenen Schöpfungen der nämlichen Art über. Dxr eÉTUFhetll1 txt im Wesentlichen eine dem en pr e e erarbeitr' und Vervoll ändi u r'eni e S rifk, welche_bet GelegexZeit der Wienerst WelLtFaYsgßelFuYg FOL 1873 als „CUMÜUUUS zu den vom Königlich preußischen HMdeks-MIÜÜMUM aUSgeßellt gewesenen Plänen von Arbeiter-

dem MWM“

äusern auf den_ fiskalischen Berg-, Hütten- imd Salzwerken erausgegeben worden ist. Der zweite, die Vrivatwerke behan- delnde Theil hat aus den von den einzelnen WerkSverwaltungen im Jahre 1874 elieferien Angaben, Zeichnungen und sonstigen Materialien, sowie aus den hierzu von den Königlichen Berg- Revierbeamten und Ober-Bergiimtern erstatteten Berichten ge- schöpft. Wir werden demnächst eingehend auf den Inhalt des Werkes zurückkommen.

- Die Rittmeister der preußischen Armee bekleiden, nach einem Erkenntnis; des Ober-Tribunals vom 31. Mai d. I., eine und dieselbe Chargr; ihre .Klasfifizirnng in Ritt- meister 1. und 2. Klasse bezieht fich auf die nach der Anciennität der Ritimeister klasfizirien Feldgehälter.

_ Der spanische Gesandte am hiesigen Hofe, Don Fran- ciSco Merry r] Colom, ist gestern Abend aus Dresden wieder hierher zurückgekehrt.

_ Der bisherige Spezial-Kommiffarius in Cassel, Regie- rungs-Rati) Grein, ist als Mitglied in das Kollegium der dortigen General-Kommisfion berufen worden.

_ Dem Handengäriner Birkel zU Charlottenburg ist für seine Gesammtlcistungen auf der jüngsten Aussteüung des Charlottenburger Gartenbauvereins eine goldene Medaiile zu- gesprochen worden.

_ S. M. Kbt. „Cyclop“ hat am 13. Juni cr. Mor- gens den Hafen von Port Said verlassen und ankerte am 14. d. M. früh auf der Rhede von Suez.

Kiel, 24. Juni. (Kiel.Ztg.) Dia Segelfregatte „Niobe“ verließ am 22. d. Mis. Stockholm, um fick) nach Bergen zu begeben. _ Das Kohlenhulk ,Theiis“ wird bei günstiger Witterung morgen nach Wilhelmshaven übergeführt. Außer dem Korvetten-Kapiiän Pirncr, welcher diese Ueberführung leitet, find ferner dazu kommandirt die Unter-Lieuicnants zur See Gril], Sewelol) und Ehrlich.

Bonn, 25. Juni. (W. T. B.) Das gestern in der Beethovenhalle von den hiesigen Bürgern zu Ehrcn des Mini- sters der geistlichen 2c. Angelegenheiten 1)r. Falk veranstaltete Feft verlief in überaus glänzender Weise. Der Minister wurde von den zahlreirb versammelten Festiheilnebmern mit lebhaften Kund- gebungen empfangen. In seiner Antwvrt auf die an ibn gerichtete Ansprache hob der Minister hervor, daß er in seinem Leben keine so schöne Woche verlebt habe, wie die leßtverganqene und sprach seinen Dank aus für die vielfachen Beweise der Zustimmung, die ihm in so überreichen! Maße zu Theil geworden seien. Im wei- teren Verlaufe seiner Rede erklärte der Minister, daß die Regierung „81116010 izt 001181511130!“ auf dem betretenen Wege forifabi'en werdsdb. daß, wie Niemand in seinen heiligsten und edelsten Empfindimgen angegriffen werde, io anch Jedermann seine heiligften und edelsten Empfindungen frei entwickeln könne zu seinem und des M]- gemeinen Besten. Die Worte des Ministers wnrden mit Über- aus lebhaftem Veifail aufgenommen.

Sachsen. Dresden, 24. Juni. Ihre Majestäten der König und die Königin werden morgen die beabsichtigte Reise nach Süddeutschland antreten. Ihre “Majestäten werden fich morgen Abend 6 Uhr 10 Minuten mit dem Schnellzuge zu- nächst nach Leipzig begrben, im Königlichen Palais daselbst ügerna xen und (Jannmkwnd féös) die Reise "“ck Frankfurt U. M, fortress . Von dort gedenken dieselben sodann Darmstadt, KarlSruhe, B.1den-Baden und Friedrichshafen zu besuchen und von [eßterem Orte aus noch einen Ausflug in die Schweiz zu unternehmen.

Württemberg. Stuttgart, 22. Juni. Ihre Majestät die Königin ist heute Nachmittag, von Schwerin kommend, in erwünsckztem Wohlsein hier eingetroffen und hat aiif der König- lichen Villa bei Berg Wohnung genommen.

Baden. KarlSrube, 23. Juni. Kaufmann Jakob Lindau in Heidelberg und Pfarrer Kilian Benz in Dilsbcrg waren durck) Uribcil der Strafkammer in Mannheim, ersterer zu 4, [ct,zterer zu 3 Monaten Gefängnis; verurihcilt worden, weil fie, als die Cborkirchc zum heiligen Geist inHeidclberg den Lliikatholiken eingeräumt wurde, noch rasch die dort befindliche, einer Brüderscbaft gehörige Orgel aus der Kirche wegsckgafften und nach Diisberg verbrachteii. Die Nichtigkeitsbeschwerde der Ierurtbeikten, welche fick; darauf gründete, daß die erforderliche Anzeige wegen diescs Vergehens nicht in gehöriger Weise erfolgt gewesen und der §. 289 des Reich§=Strafgeseßbnches unrichtig auszgelegt worden 1ei, wurde vom Obcr-Hofgeriagte in Mann- heim als unbegründet verworfen.

Hessen. Darmstadt, 24. Juni. (W. T. B.) Heure Vormittag bai Se. Majestät der Kaiser Alexand er trotz der sehr ungünstigen Wiiierung die Parade über die hiesigen Truppen, welche vom Prinzen Ludwig von Hessen kommandirt wurde, ab- genommen. Se. Königliche Hoheit dcr Großherzog, Prinz Ll'lrxgndcr und die Prinzessin Ludwig von Hessen wohnten dem miliiarischen Schauspiele gleichfalls bei. Unmittelbar nach der Parade begab Sich Se. Majestät der Kaiser Alexander in Be- gleitung der, Prinzen Alexander und Ludwig nack) Birkenbach, um Se. Majestät den Deutschen Kaiser zu begrüßen, Allerhöchst- welcher um 1 Uhr dort eintraf.

Sßchfrn-Weimar-Eisenach. Weimar, 23. Juni. Se. Kdmgliche Hoheit dcr Erbgroßberzog ift ani 21. aus Pyrmont, Ihre Königliche Hoheit die Erbgroßhxerzogin ani 22. aus Marienbad hierher zurückgekehrt. _ Heute Mittag fand im Beisein Ihrer Königlichen Hoheiten des Großherzogs, der Großherzogin und des Erbgroßherzogs die feierliche Grundsteinlegung zu dem neuen Seminar- gebaude auf dem Bauterraiu zwischen der Erfurter- und Brau- bausstraße stcztt. _ Dcr morgends Geburtstag des Groß- herzdgs wird nur im engeren "Kreise der Großherzoglichen Famrlre gefeiert und ohne Hoffesilichkeiten begangen werden.

Saxhfen-Meiningeu-Hildburghausen. M ein in g e n , 22.,Iun1. Gestern kamen die von den Hiilfsgekdern noch ubrigen und fiir Au9gleichimg der Gebäudeschäden rcservirten circii 266,000 Gulden an die Abgebrannten zur Vertheilung. Yet Verrechnung derselben sind im Allgemeinen dieselben Grund- sgße festßebaltenyorden, welche bei Vertheilung der Summe fur Mo ilmrsrhaden als maßgebend betrachtet worden smd. Man _at zwrschen Unbemittelten, Wohlhabenden und Reichen Unters rede gemacht und nach Gewährung einer in allen Fällen

heutigen Stand? :

fich gleich bleibenden Summe von 900, 600 und 300 34 die- selben noch außerdem mit 25, 20 imd 15 Proz. ihres erlittenen Schuberts unter vorzu sweiser Berücksichtigung der Kosten für den“ Wiederaufbau entf ädigt, dabei aber unter Umständen je nach gécößerem öder geringerem GeßchäftSr-erlufte dem Einzelnen die auf 1 U faUenden Summen me r odcr Wenigcr erhöht. Die

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in Angriff genommenen Bauten schreiten der „Weim. Ztg.“ zu- folge, mit wenigen Ausnahmen, langsam vorwärts. Nur sehr wenige Häuser sind bereits unter Dach, bei vielen wird noch am untersten Stockwerke gearbeitet, bei den meisten aber isi kaum erst der Grund fertig. An Baumaterial fehlt es nicht, wohk aber an Arbeitern. Feldziegclcien smd, namentlich in der Nähe der Eisenbahnlinien, in Menge entstanden.

SrhWarzburg-Nndolstadt. Rudokftadt, 22. Juni. Der Landratl) Freiherr von Ketekhodt ist zum Zwecke des Uebertritts in den Königlich preußischen Staatsdienst aus dem fürstlichen Dienste entlassen worden. _ Die AuGgaben für Iustizpflege im Jürßcnihume haben einschließlich der Zahlun- gen für die gemeinschaftlicben Gerichte 1873 rund 164,228 M, 1874: 173,529 «, die Einnahmen dagegen 1873: 124,114 «46. oder 76 Prozent der Ausgaben, 1874: 115,250 «W oder 60 Prozent der AUSgaben betragen.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 23. Irmi. Dcr Kaissr

hat heute Morgen den Schießiibungen bei Felixdorf aiigewobnf UNdkahrte von dort um 11 Uhr Vormiitags wieder nach Wien Uru . z _ Der Kronprinz der Niederlande, Prinz von Oranien, ift vorgestern unter dem Namen eines Kapitäns v. Bargaugc in Budapest angekommen und heute nach Mezö- begyes abgereist um das dortige Gestüt zn besichtigen.

_ Das ReichMeschlatf veröffentlicht 11, A. die Ver- ordnung der Ministsrien des Ackerbaues, des Innern, der Finanzen Mid des Handels vom 29. April 1875, betrtffend das Verbot der Einfuhr von Kartoffeln aus den Vereinigten Staarcn von Nordamerika, sowie von Abfälien und Verpackungdmateriak solcher Kartoffeln; das Gesetz vom 29. April 1875 über die Verwendbarkeit der Obligationen des von der Gemeinde Prag auf Grund des LandeSgeseHes Vom 7. Oktober 1874 auf- genommenen verziiislicbsn Anlcbens von fünf Millionen Gulden zur fruchtbringcnden Anlegung von Kapitalien der Stiftungen, der unter öffentlicher Aufsicht stehenden Anstalten, dann von Pupiilar-, Fideikommiß: und Dcpofitengeldern; das Gescß vom 23. Mai 1875, bdireffend einige Acndernngcii der bestehenden geseßlicben Bestimmnngen Über den Feingehalt der Gold: und Silberwaaren und dessen Uebarwacbung.

_ Am 16. d. M. traf, wie der „Nobis. Dalm.“ meldet, das vierte Schiff des großbritannisiben Gcscbwaders, der Aviiodampfer „Pallas“, von Nntivari kommend, im Kanal von Lacroma bei Ragusa ein und ging daselbst vor Anker. Am 18. d. M. lief die englische Korvette „Rodip“ in den Hafen von Lisa ein, um dort Kohlen einzunehmen.

SckWeiz. Bern, 22. Juni. Der Nationalratb bat gleich dem Siändcratl) heute den Postmandatsvertrag mii Bel- gien raiifizirt und feirte dann die Verathung des bundesräibliabcn Geschäftsberichts für 1874 fort. Beim Geschäftskreise des Militärdepariements erhob er folgenden nenen Antrag zum Be- schluß: „Dcr BundeSrath wird eingeladen, die nöihigen Anord- nungen zn Treffen, daß die militärischen Vorarbeiten, welche im Interesse einer raschen Aufstellung und Dislokation dcr schiveize- rischen Armee und einer nachdrücklichen Landesvertheidigung schon in Friedenszeiten arthefiihri werden können und sollen, mit thunlichster Beförderung an die Hand genommen, beziehungs- weise o_u Ende geführt werden.““ Ebenso nahm er beim Ge- schäftskreisc dcs Eisenbahn: und Handelsdepartements einen neuen Antrag an, dahin gehend: „Der VundeSraib ist eingeladen, in Uebereinstimmung mit Art. 31 des Eisenbahngescßes dafür zu sorgen, das; alle GescUschasten für jeden Personenzug, besonders an Sonn: und Festtagen, die genügende Anzahl Wagen bereit halten.“ Im Uebrigen trat er allen Postulatcn dcs Ständc- rath-cs bci. Fiir die Theilnahme der schweizerischen Industrie cm der Weltausstellimg in Philadelphia nächsten Ink)»; hat der Biäiidesratk) heute einen Blindesbeitrag von 250,000 Jrcs. be- wi iat.

Großbritannien und Irland. Ldiidon, 23. Irmi. Jbre Majeßät die Königin der Niederlande kam gestern mit ihrem Gefolge an Bord der iiiédirläiidisch811 StaatSrmcbi „De Valk“ in Woolwick) an, wo die Königin von dem nieder- ländischen Gesandten, Graf dc Brilandt, Empfangen wurde. Ihre Majestät, die unter dem Inkognito eincr Gräfin von Bllkcil reist, fuhr alsdann in einer vierspännigcn Equipagc nach London, wo sie in Claridge's Hotel Absteigequarticr nahm. Die: Königin gedenkt bis zum 8, Juli in England zu verweilen. Bald nach ihrer Ankunft im Hotel stattete sie dem Prinzen und der Prin- zessin von Wales in Marlborough-Honse einen Besuch ab, dem dieselben bald darauf erwidertcn, und später cmpfing sic Besuche von dem Prinzen und der Prinzessin Christian von SckULSWig- Holstein Und dem Fürsten und der Fürstin Teck. Untrr den Per- sonen, die Ihrer Majestät im Laufe des Tages ihre Aufwartung machten, befanden sick) der ehemalige König von Neapel sowie viele Mitglieder des diplomatischen Cards.

_ Jn Liverpool soll das in Elberfeld in Wirksamkcit befind- liche System der freiwilligen Armenpflcge Versuchswcise eingeführt wcrden.

Frankreich. Versailles, 24. Juni. (WT. B.) Naiid nal- versqmmlung. Jm Beginn der heutigen Sißung machte der Eonsctl-Vizepräfident Buffet nähere Mittheilung über die durch dieUeberschwemmungen in den südlichenDcpariemciits ange- richteten Verwüßungen und legte einen Geseßentwurf vor, in Welchem die Vcrwilligung cines Kredits von 100,000 Frcs. zur Unterstüyimg der Beschädigten beantragt wird. Die Versamm- lung beschloß die Dringliohkeii und verwies die Vorlage an die Budgetkommisfion. Von Biiffct wurde mit besonderer Anerken- nung der Offiziere und Soldatcn gedacht, welche miteinander darin gewettcifert hätten, den Bedrängten bcizusteben. Im wei- teren Verlauf der Sißung gelangte der Bericht Pelletans über die Wahl im Departement Cotes du Nord zur Berathung. Der Bericht spricht sich für Giltigerklärung der Wahl Kerjegu's aus, mißbilligt aber das bei dieser Wahlangelegenbeit von der Regierung beobachtete Verfahren. Nachdem der frühere Justiz- Minifter Tailhand sein im Berichte angegriffenes Verhalten unter dem Beifall der Rechten gerechtfertigt hatte, wurde die weitere Beraihung auf morgen vertagt. Die Versammlung ge: nehmigte hierauf noch die von dem Ministerium beantragte Ver- willigung eines Kredits von 100,000 Frcs. zur Unterstüßung der in den südlichen Departements von Waiscrönoth Heimgesucb- ten und beschloß endlich auf den Antrag CheSnelongs, daß die dritte Lesung des Gesetzentwurfs über den höheren Unter- richt nach der zweiten Berathung des Geseßes über die öffent- lichen Gewalten stattfinden solle.

_ 25. Juni. (W. T. B.) Bei dem gestern hier zu Ehren Hoche's stattgehcxbten Banket hielt Gambetta eine Rede, in der er ausfuhrte, das; die Einigkeit der Parteien,

welche der Republik ihre Entstehung gegeben habe, foribestehen werde. Die Republikaricr, aufgeklärt und belebri durch die ge- machten Erfahrungen, seien gemäßigter geworden und erwarteten von der Zeit die Verwirklichung ihrer Prinzipien. Die bevor- stehender) Wahlen fiir die Naiionalversammlung wiirden eine fortschreiiende Repirbkik schaffen, indem sie eine Regierung der Bourgemfie ermöglichen, welche in einem demokratischen Staate auch demokratisch zu regieren verstehen "werde.

Spanien. Madrid, 24. Juni. (W. T. B.) Nach den Aeußerwigen der der Regierung nahe stehenden Journale scheinen

die allgemeinen Wahlen für den Oktober und der Zusam-

mentritt der Cortes fiir den November d. I. in ?lrisficbt genom- men zu sein. _ Generak Iovellar bat die Befesiigimg von San Marcos boUendet und daranf seine Bewegung zur Ver- einigimg mit dem General Martinez Campos begonnen, Welcher leßtere sich noch vor Mirabet bcfindet und mit der Belagerung dieses Platzes beschäftigt ist.

Portugal. Liisabon, 22. Juni. (C. Zig.) Der König bestrebt? beute die zu Teja ankcrnde französiickge Fregatte „Océzan“ und wnrde an Bord von dem französischen Gesandten Grafxn Armand Und dem Kapitän Maurin empfangen. Das Schiff geht morgen, mit dem Geiandien an Bord, nacb Cherbourg.

Türkei. Konstantinopel, 25. Jimi. (W.T.B.) Das Budget wird zu Anfang der nächsten Woche veröffentlicht werden. Der Iulicoupon wird, wie von der Regierung ver- breitet wird, zu seiner Verfallzeii eingelöst werden. Die Ver- bandiungen der türkischen Regierung mit der Banque impbriale sind ihrem Abschluss? nahe.

Asien. Singapore, 6. April. Unsere offizieileZeiiung hat seit der Mitte des vorigen Jahres eine Reihe amtlicher Aktenstücke verdffenilirht, wclche wobl geeignet find, die Aufmorksamkeit des europäischen Handclsstandes uns zwei bisher wohl wenig bekannte indische Staaken zu richten.

Zwisäzen den britischen Niederlassungen Malacca liegen an der Meerenge ltheren einheimischen Reichd Perak imd Salangore, selbsiiindigen Fürsten beizerrscht. Die beiden Staaten waren in den leizten Jahren in vollständige Anarchie zcrfaUen und zwar Perak, das nördlicbere Gebiet, namentlich durch die chinesischen Anßedler, welche die [cicbie und ergiebige Nus- bcuic der dortigen Zinngruben ins Land gelockt hatte, und die mm, über deren Besitz in tödlichem Zwist entbrannt, fick) unter einander bis aufs Mcffer bekämpften. In Salangore andererseits hatte fick) die Bevölkerung mehr und mehr der Seeräubcrei cr- gobcn, so daß im Lande kcinc Autorität mehr herrschte und die Gewässer der vorbeiziehenden vielbefahrenen Handelsstraße immer umsichrrer wnrden. Der [eiztcrc Umstand insbridndcrc Zinint den Engländern zum Einschreiten Anlaß gegeben zii a en.

Auf Angehen der betreffenden machtloscn Sultane selbst babrn die Engländer im Anfange des verflossenen Jabrcs ihre Bcvollmäckstigten iii Bcgleiiung dcr nbtbigen Polizeikräfte in beide Länder entsandt, welche die Autorität der einheimischen legitimen Herrsckwr wieder aufgerichtet und förmliche Verträge mit deniclben abgeschlossen haben, kraft deren sie als britische Refidentcn mit ihrer Macht ständig ihnen zur Seite bleiben und faktisch die Länder regieren. ZU Langat, der Hauptstadt von Susan- gorc, etabiirte sick) der britische Refideni Frank N. Swetienham im August 1). Is, und bereits im Dezember konnte er bcricbten, daß das Land vollständig pacificiri sei, daß kein Fail von Piraterie seit jener Zeit mehr vorgekommen, daß Handel und Vcrkebr im Lande fick) belebten und die Chinesen im Gefühl der Sicixrbcit wiedermn ihre Buden öffneten. Durch eine in der „Straits Settlemrnt Government Gazette“ vom 12. Dezember 1). Is. abgedruckte Proklamation vom 18. November desselben Jahres tl)at Sultan Abduffamad Vin Tunku Abdullah den Beginn didicr nenen Aera ier Welt kund und lud aile cmd- päischcn ,Gexrtiemen“, chincfischen „Headmeii“ imd „Aiidsrc“ ein, ins Lmid 311 kommen, Wi.) Lk durck) denGochrnciir dcr britischen Scitlemciits in den Stand gesetzt sci, mit Gerechtigkeit zii rogie: ren und Leben und Eigciiihiim dcr Niificdlcr zii bescbüxzeii; dicse möchten mm Zinn: oder Goldminen bearbeiten, oder Holz und Giittä=Pcrc1m gewinnen oder Ziickcr, Tiibak imd Reis barten.

ZU Pcrak war bcreits am 20. Immar 1874 ein Ueberein- kdmmen mit den Häiiptliiigcn dcs Laiides getroffen worden, wo: durch der Sohn des chien Sultans als Sillian Abdullah Ma- hdmkd Shai) anerkannt und der chte chrni psufioniri wurde, Damit mußte sick) drr nciic Hcri'sckyer einc Grenzreguli- rung gcfailcn lassen, durch welche die britische Pro- vinz Wellesley iiber das Jiußgcbiri dcs Krraii : Flusses erstreckt wrirde, was der Statthalter von Penang unterm 13. Iiili 1). I. mit dem Bewerten bekannt macbtc, daß zur Befabrimg des Flusses KreanIedcrmann cmi sein Ansuchen bei der Polizei:Station von 919110an Tribal Pdffe imd Schuß erhalten könne. Der Sultmr von Psrak erließ wech seiner Thronbesteignng gleichzeitig und nach derselben Vorschrift, wie scin Nachbar von Salaiigore, eine entsprcchcndc Kundmach1iiig.

Perak ist besonders reick) an Zinn. Der Name bedeniet in der Landessprache Silber, da die Eingeborenen das vielfach zu Tage tretende Metail dafiir hielten. DicZiniigruben befindcnfick) zumeist in dcr zwischen 4 0 und 5 " nördlicher Vrcite imd 100 0 und 101 0 östlicher Länge, 70 englische Meilen in der Länge, 20 bis 30 Meilen in der Breite fick) erstreckenden Pro- vinz Lariit, wo seit den 50er Jahren eingewanderte Chinesen dieselbrn auSgcbcutet haben. Die nnicr diesen bald entstehenden, durch ihre Neigung zu geheimen Gesellschaften beförderten Strei- tigkeiten arteten in offene Fehde aus, und seit 1872 haben die verschiedenen Faktionen dermaßen gegen einander gcwiithet, daß von der ganzen Bevölkerung der Provinz zu Anfang1874 nur noch 4000 Seelen Übrig waren. Elf Monate nach der Pacifi- kation war diese Seelcnzabl bereits wieder auf 33,000 gestiegen, darunter 26,000 Chinesen, und in solchem Aufschwungs befindet sich jest das Land, daß der britische Resident erwartet, die ge- dachte Zahl vor dem Schlnffe des laufenden Jahres verdreifacht zu sehen. Im Beginn des Jahres 1874 waren 30 Minen im Betrieb, am Schluß desselben bereits 120, Das Produkt dieier Minen ist beziffert auf 79,200 Picul und der Werth desselben, berechnet zu 20 Dollars per Picul, auf 1,584,000 Doliars. Die Förderung geschieht noch mit den primitivsten Anstalten durch Wäsche des Flußsandes; ebenso einfach smd die Mittel zur Schmelze.

Durch Anwendung von nur wenig Dampfkraft könnten nach der Ansicht des Refidenien Kapitän Speedy, dessen sehr in's Einzelne gehenden Bericht die „Straits Settlements Govern- ment Gazette“ vom 3. April d. Is. veröffentlicht, großartige Erfolge erzielt werden, da 'der Vorrath an Zinn, 'das ,in den Bergen fich in Klumpen findet, geradezu unerschöpflich sei. Es

Penang und Namens die bislang von

wird jetzt noch von dem Produkt „eine bobe Abgabe erhoben, 19 DdÜars per Bhara (gleick; 3 Picul gleich 400 Pfd. ax-ojr äapoiö), das macht vom Werthe ca. 31 pCt., welcbe Abgabe indessen vom 15. April 1). Is. an auf 15 Danrs und vor Ende des Jahres voraiisfich11ich auf 12 Dollar Ermäßigi werden sollte. In Salangore betriigt dicse Abgabe mrr 9 Dollars. Der mexikanische oder der spaniscize Dollar ist die Umlauf- mun e.

zDas Land ist frnchtbar und bringt in den Ebenen Zucker, Tabak, Tapioca bervor, an den Bergabhäugen Kaffee, Thee, Vaniile, Muskatnüffe, Gewürze 2c.

Die klimatischen Verhältnisse find nach den vorliegenden Berichten ungleich günstiger, als die ngel in den Tropen. Das Thermometer zeigt im Scharten selten über 860 Fahrenheit und sinkt Nacbts oft bis 650. An den Höhen find die Nächte manch- mal kühl, und warme Desken Werden unentbehrlich. Der Bericht schließt mit einer Schilderung der Thicrwelt, welche dem Jäger reiche Beute bietet. Heerdcn von ivilden Elephanten, welcbe gezähmt zu Lastihieren benUth worden, durchziehen das Innere des Landes. Das Rbinozews kommt in zwei Arten vor, der Tiger in dreien. Sodann gisbt cs Leoparden, Bären, Wild- sch1VeiUL, auch verschiedene Spezies Hirstbe, Schlangen der größ- ten Arien, giftige und nicht giftige; in den Flüssen Krokodile.

_ Der „A. A. C.“ vom 23. Juni liegen folgende Nach- richten aus Indien, Birma und China vor:

Eine in Simla, dem Siiz dsrindiscben Regierung, eingciroffene amtliche Depesche melder, daß der König von Birma dem indi- scbcn Gesandten Sir Douglas Foriyts) Erklärungen bctroffs des von ibm dem cbincfiscben General Lersceiabi bereiteten ebrenbolien Em- pf.;ngcs abgegrben bai. Dcr König bat ami) cine Uebereinkimft kib- gefaßi, wonach die Unabbängigkcit dcs wcstlichrnKarennigewäbrlcistet wird. Feindscliakriien mit Birma werden nun als unwabriMinlick) cracbiei. Sir Douglas Foriyii) bleibt in Birma, um wcitere J'n- strukiionen dcr indischen chicrung zu erwarten. _ Aus Simia wird unterm 22. d. ferner gcmrldet: Haute brach bicr eins Feuers- brunst aus, durch Weicbe eine Anzahl Läden cingräschert und Schaden in Höhe von 10,000 Pfd. Sierl. angcrickytci wurde, der größicntheils unberficbsrt ist. *

China. In CbinJ-Kiang ist ciner Drbéiche ans Sbingbai zufolge die Nabe wiedrr brrgrstelii. Die cbinrsiicbt'n Behördsn babon dir von dem britischen und amcrikaniscbrn Koniul in Folge des jiing- sten szcsses gestellten Genugthuungs-Forderungen tbsilweiie befriedigt.

Ausralien. Die „A. A. E.“ vom 23. Jimi meldet:

Die Goldausfubr bon Victoria beläuft sirb iii dicirm Jsbre aui 198,208 Unzen gcgen 316,557 Unzen im Vorjahre. _ Zu Lift:, Loyaliy-Jnieln, wurde in der N&ckyt des 28. März rin heftiger Erdstoß, der sicb am folgenden Tage wiederholte, verspürt. L_[m Abrnd des 30. März fügte ein dritter Sidi; den Gebäuden großen Schaden zii. Dom Erdbeben auf dem Fuße folgte cine gcwaliige F1Uib,di2 drci Döifcr [)inwrgicbwcmiiite und viele Menscbenlebcn Utid zablrcickzcs Eigenibum zu (Grunde iichiete. _ Zn Handelskreisen besorgt man in Folge dier Minrnspekiilaiidn der Jahre 1873-74 drn Ausbrncb einer Panik. Dem Zuiammcnstarz vielsr Handcleäuser wird in näibster Zcit cntgrgcngeiebsn.

Nr. 54 des „Amts -B1atis der Denisrben Reichs- Postverwaltung“ bai iolgexiden anali: Verfügungen: vom 23. Juni 1875. Taxe fiir Dkllchiach8n imd Waarcnbroben im Vsr- kcbr mit Ociierrricb-Ung-irn. _ Vom 23. Jimi 1875. Verfahren bsi Postagenturcn in Betreff boranöbczabiter Bcsteligcbübrkn A.

_ Nr. 26 des Justiz-Ministeriai-Blaits für die Prcußiscbe Gesetzgebung und Recbisbflkge, bkrausgcgcbcn im Birreau drs Justiz-Ministcriums, enthält eine aÜgemeine Vér- fiigimq der Minister des Innern und der Justiz vom 21. Juni 1874, bctrcffcnd die nach §. 41 des Gcießos vom 9. März 1874 (Gsies- Samml. S. 95) bei amtlich ermitielien Todesfällc'n den “Standes- benmicii zu machende icbriftlicbe Mittheilung. _ Viilgemcine Ver- fügung bdm 22. Juni 1875, betreffend die Ermittelung der_Gerichts- kdsieneinnabme in Civilprozisien. _ Uebersicht dcr Gcichäiie bci der Justiz-Prüfiingskdmmiision im Jahre 1874.

Landtags - Angelegenheiten.

Das Abgrordnoidnbnns bai, wie die „Nai-Zig.“ [*srccbnci hat, mit dcm Abicblus: dcr dtcsiäbrigsn Tbäiigkeii die Uiniangrsickiste iciiier Sciiidncn binter sicb, Dic Daucr dcr Sriiibnén nnd die Zabi dcr abgcbalicnen Plsnarfißungsn stellt sicb seit der 10. Ligis- 1aturbcriddc im Fabre 1867 fblgeiidcrmnß-sn: 10. Legislaturbsridde: 1 Scifidn 110111 15, Ndbrmbcr 1867 bis 29. Föbruar 1868 mit 66 Sitzungen; 11. Scsfidn vom 4. Ndb-xiiibcr 1868 bis 6. Mär; 1869 mit 61 Sitzungen; 111. 658711011 vom 6 Oktober 1869 bis 12. Je- brnar 1870 mit 68 Sißungcn. _ 11. L:“gislainrpcriodc: 1. Sofsidn vom 14. Dezember 1870 bis 17. Februar 1871 mit 32 Sißungen; 11. Session bdm 27. Novcmbsr 1871 bis 10. Juni 1872 (ibdann Vertagung) und vom 22. Oktober bis 1.5.110bcmbcr 1872 mitzuiammen 62 Siiziingdn; 111. Session bdm 12, Novcmber 1872 bis 21. März 1873 und nach der Vcriaximig VIU] 5. Mai bis 20. Mai 1871 mit 80 Sitzungen. _ 12, Lxxiiswtnrbcriddé': 1. Srifion vom 12, Nrwrm- ber 1873 bis 21. Mai 1874 mit 72 Siiznngrn; 11. Scision vom 16. Januar bis 15. Juni 1875 mit 81 Sisungen.

Auch das Herrenbaus, Welches dicEmal 36 Sißungen bieli, bai skit einer langen Reihe von Jabrsn nicht eine ib anstrengende Session gehabt.

Kunst, Wissenfchaft und Literatur.

_ Am 22. wurde untcr intung des Gynniafial-Direkidrs Prof. M. Srbwarß aus Psion auf dem Domininm ÖLÖ Gxiisbsfißers Barts) in Cerekwice cine Ausgrabung veranstaltet. MIM stieß auf dimm ettVa ,“ Meile südöstlici) von Ccrckwicc xrclrgcr-en Felde, wclcbes dcn Namen Lysin Göra führt, an vier brricbiedenm Steam auf alt- bcidniicbc Gräber. Es Waren Einzclgräbcr, die von Granitsteinen überdrckt waren und etwa 1.1 Fus; unicr der Ecdobersläcbriagw. Außor einer Menge von Urnenicberbgn forderte mau acht voÜiicindigc Gefäße, Welche zum Thcil mit Rapfen zugedeckt waren, zu_ Tage; darunter befand sich zunächst eine rohr, rotblich ._gk'farbic großc Urne mit Verzierungen, die von Fingerrmdruckxu bcrrubricn;_ icrncr_fand man zwsi cylindriscb geformte reibe Topfe,_w61chs fast dicielben Lincarzeichnungen aufzuweiien battcn, zwci klcixxcxc baxickyig geformic Gefäße von schöner, gefäiligcc Forn1,'eiti'e kleine,!)ubicb vcrzieric stack)? Schale und ein außerordentlich zierlicher; kleines chkclgefaxz, welches als Schöpfkelle gedient haben mag. Zahlreiche Knochen- Ucberresie fanden fich in jedxm Grabe; dggeaeu fehlten Schmuck- sachen und Werkzeuge", wie _1ie sonst. Oft. m Urnen „gefunden wcr- den, vollständig; überhaupt zeigte sich in keinem der Graber emeSpur von Metall.

_ Wie das „Aibenäum' miitbcilt, ist der norwegiiibe Sce- KaPiiän Carr Wilo in England eingetroffon, nin Studien für eine Expedition nacb dem nordatlaytischen Ozean zu machen, ivclcbe dic ncrwi'gische Regierung im nachsten Jahre aUSzuscnden _cnt- fchlos§n ist und die unter 131“. Wile's Komwando gesteUt Werden :o(]. Die Wecke dieser wissenschaftlichn Exvedition Werden dieselben Wie die des ,Challenger' sein. Der Erforschung der mannigfachen Phänomene der nordischen Meere soÜen drei Jahre gewidmet werden.

_ Die Dampfyaibi „Pandora“ bcriicß am 23. Juiii Southampton auf der Reise nach den arktischen Regionen. Sie Ui für den Dienst in den Polarmeeren gut ausZerüstet und führt unter

andern Bedürfnissen sechs starke Bdoic, zivci Wallfiscbfangbooie, Sniderbüchsen für die Robbcnjaqd, Exskondenfaidrs'u. s. w. Uiit|s1ch. Jbre Bissaßung brstsbt ails 32 Mann emscliiixrzitcl) des Kaprians Lilien Young und der Offiziere, Liiuiennnt Pillingskoné- Ll-IUtenant Pirie, Lieutenant Batman (von der niederiaiidiicheii, Marine) , und Dr. Horner, der die Expedition außer in feiner arztbcben Ybatigfiir als Meteorologist begleitet. An Bord der „Pandora“ brzizidet sich auch .Ekquimaux Joe“, der mir HaÜ die Polar-Expeditwn init- magbie und von Amerika berübergebracbt wurde, um als Dolmxtscbxr zu sungiren. Die „Pandora“ icgelt zuerst nach DiSco Und hofft, die For1chungen in den Polarmceren rcchtzeitig zu bsenden, um gcgru Rorwmber wieder nach England zurückkcbren zu kbnnrn, Da Lady Franklin einin beträckyiiicbcn Theil der Aus'cüsirnigsrdsten bestritten, wird die _„Pandora“ Wabrickoeinlich das von M'Cliniock brgdnnrne ?oricbungöwerk nacb Ueberresien ron Sir John Franklins Expedition ortießen

_ Am 17, Juni iii der Erste Russiiciie Jur_isten-Kon- greß in Moskau eröffneiqrvorden. Die Idee zr; dieiem Kongrxs; grbört der Moskauer Jurisiiicbcn Gesellscbaii, welcbe schon im Herbst 1872 den bezüglichen Vdr1ch)1ag ibres Mitgiicdes S. J- Varscbcw acceptirie und seit der Zexi Unermndlicb durcb Wort und Tbat fiir die Verwirklirbung des Kongrcffcs gcwirkt bai. 21:1 Mitgliedern des Kongresses Haben sich 130 Pérsonen zusammrngeiundeii, Vertrc'ii'r ruiiisrbrr JurisVrUdcnz aus St. Psikrsburg, Kixw, .Kaian, Odessa„ Dorpat, Jarosslaw, Riasan, Jekaterinosilaw u. 1. w.

_ Jm griecbiichen Kloster Agios Elias zn Zißa in Epirus ist unlängst ein Mönch gestorben, dcffen Lord Byron in irincm Gedichte „Wilde Harold“ erwähnt. Der bsireffende I)iönrb, Nicebborus, war 117 Jahre alt und erinnerte sicb reibt 109111611 Lord Byron, der 1827 fick) msbrere Tage in, dem Kloster auibirlr und in seinem (Hsdicbtc dic: malerische Lage des Klosters und die chir- licbkcii der Mönche pries. .

_Die Provinzialdrdnung ist soeben bcrrits in 'driiixr Auflage, von Dr. G. M. Kicike bcarbeiicr, bsi Eugen (Hrojicx hicrielbst, ZW., Gitschincrstraßs 111, zum Preise von 2 (is. crstbicnrn.

„Land- und Forstwirthschaft.

Ans Graubünden wird der „N. Ziircb. Zig.“ gescbricbc'ix: Am Calanda gegenüber Cbur ist die leizirn Tags LIM Srbxfbrerd 1? von Über 100 Stück verunglückt. Jrgcndwie, man wrif; niibt ans wclckyer Uriacbe _ Viklk bchanbten, (s ikien Zur Zrii (Heier in dcr Näbe _ i:: Sibrecksn grjagt, bdiie sich die Spitzs der chrdb iibkr eine Fslswand [)ernnterzestürzi, und nach der Arc Disicr Thier? idlgicn alle Übrigen blindlings nach. Einzelne, di? 3111913: aaf ÖM iodtén Hansen der Vorangegangrnon fielen, blieben am cheii. Eigsmbiimrr der Thiere waren Pribate Und Gemeindcn aus der umiicgcndcn

Gegend. Getverbe und Handel.

Berlin, 25. Juni. Gestern starb bier dcr Gcbxims KONZ“- merzien-Raii) Moritz Hrinrick; (Hüterbock.

_ Dic Generalvcriammlung der Wilhelmsbüttk, ?iitirn- Geiellscbaft für Maschinenbau und (Z'iicngieixr-rbi, 111 w-clcber 297,000 Tblr. Akiimkapiml vcrtccten war, gcnrbmizxte die vom Vorsitzenden vorgelegte Bilani pro 1874 eiixsiimmig, idwie die.» vom Verwaltungsrat!) fcstaeseßic Dibidéude vrii 4% und siibciltc einstimmig Decbargs. ZU Revisoren 1 ::)."de dic Hsrrrn VWL,“: Sicin- t[)al, H. Rust und Lid. Eiscck, in den Auffribisraib fiir :,w-xi mis- scbeidendc Mitglieder die Herren Ferdinand Rsickxribrim imd Sieg- fried Berend neu gewählt.

_ 21115 Lübeck wird Unter dcm 21. d. M. gsiÖrieben: Das zu Markt gebrachte Quantum Wolle zeigte geJen das Vorjahr einen Abfall Von 400 Centncrn. Die Ursache dafür mag in cinigc-n Ver- käufen bor dsm Markt und Skndung ungewaicbener Wollpöiie zu dsn Ylasiäilcn für Fabrikwäicbe zn finden sein. Di? Wäsche der ziigrfiibr- ien WdUe war durchgängig eine gute; dies wie aucb dcr geitrigo ziemlici) fest Verlaufcne Berliner Markttag, wir: endlich die gsgrn i_onst größrre Anzahl der Käiifcr crlsicbtcrie das Gcichäii derariig, dai; in den Wenigsn Siundsn brn 103-1 Uhr Mittags fast das ganze Quan- ium Vergriffen war. Außer den gewöhnlicbkn Känfern, Ncnniünsierickien Fabrikanten, Hamburger und mecklenburger Händlrrn, waren dänische nnd schwchdiicbe Fabrikanten erschienen, die das Geschäft belebten. Bc- zabli wurd? für gute Kiuftwollen 48-52 THW, mittel diio 57- 60 Thlr., feine Wollen 61-65 Thlr., einzelne Posten 68-70 Thlr. _ Nack) einem anderen Bericbi ist ein LZiamm fabrikgswasckxnc mccklsn: buraer Mittelwoile gegen 90 Thlr. an einen Gchncr Fabrikanten verkauft worden.

Wien, 25. Juni. In dcr bcuie siaiigebabien Grimal- Versammlung der Oesterreicbiicbcn Nordwesibabn Wurde der (Hescliäftsberiibf genobmigi und der Ve'rwaiiimg Driburg? kr- ibrili. Dic Generalbcriammiung nnbm irdami Ksimtxiiii Vbn dcn cingclciicien Vrrbandlungcn Üb?! dic: Fufirn dcr Nordwcstbabn mii dcr Süd-Nbrddeuticch Verbindmizisbabn, mir der Mäbriicbcn Grenz- babn und der Liindcnburg-Grusbackocr Bahn und ertbcilrc dem Vor- siande die Erinäcbtignng, dicic Vcrbandliingcn idiizuiiibrcn. Jcrndc wurdc brisblosscn, die Akiicmcubrns 1.11. 1131111 1.J1;1icr. 11111“. 2 F1, 63 Kr. einzulösen und die ciwaigc DMSWUZ zwischen „dem Reincrträgniß und der zur (?iniöé'img der Lédiib0n_s LlfOTÖTTUÜWU Stimme für das Erste Jahr der Bctriebspcrirdc zu Lasten des Bau- kdntds vorzutragen.

London, 19. Juni. Für die gcsicrn besndrtx zweite SZric diss- jäbriger Aiikiidiisn von Koloniaiwollen, dir am 4. Mai br- goiincn batic, wicicn die Kataloge 477,273 Bxiii'n Weile 31311), grain 450306 B. in 1874. Im Ganzen belief iiib die Einfiibr VO]! Kd- ldniainwllcit in diksrm Jabrk ani 748,545 Balis", «egen 815,770 in 1874. Dicss Soria zeichnete sicb durkb große "Sräiigisir axis, und be- merkenswcribc Schwankungen kamen nur bei Dc!1j*'iiig**n_UZOiWklassM vor, welche veränderlicber Nackiirage gcwöhnlicki untcrworscn iixsd, wic iupericine Port Pbiüib und Mudgse Fließe, dir __ namentlich die besten Looie _ zu einer Zeit bis 2 (1. übcr Marz-Qiirtitiingen be- dangen, wäbrcnd fie spiter ungefähr zu früheicn Preiicn kaiiilicb _waren. Auffallend war der starke Bcgebr nacb groben 511011911, _ 101V1e der bobo Wcrib, wi'icber für Stück::n und Locken, fcbidrbnch 1-::*11rcd iiud Kab, kurz für alle geringercn Tiiibidricn angslear wurdc, und drm im August 1874, d. 1). zur böcbiten Periddc dcs Véksibsicilen Zabrds gang- baren, nicbt nacbstcbi. Dagegcn fanden isine Tucbiorirn, bcioiidcrs Sydney Fließc, eincn Weniger lebhaften und“ iiäten Yiarir_itnd zeigixn gygkn Ende dcr Auktioncn mrrkiicbc Schwackye. Erbweißwcilen fur Kamm Waren wiederum stark bcgcbrt zu voll_cn, kaum bariirkndcn Ereiscn. Dies gilt vorzugsweise von dcn bcs|srrn, gut briibaffencn (Zotten, während die geringen und icbwcren von 10c1bis 13c1_per Pfd. bin und wirdcr etwas,_ obwohl auch nicbt [eicbi qitriiri'ar, [luk- tuiricn. Port PbiUip Fließe zogexn in dcn erstdn viirWdrbcn _1-16 per Pfund an, zc'igicn sicb aber zuxiänglicbcr in den lcizien vierzebn Tagen. Australische Lamm löstrn jcdcrzcit crrrrmen Wrrib. Everio gcnosssn dic bi'scbciden vrrtretcnen Kapwoiicn ummie'rbrdcixn Fut?" Bsgcbr und haben im Vcrgieicbe zu 3)]iärzvxciicn einc leanz von „!,-“111 für Flicßc, sowie beste Snow-whitcs und 1.1-26 _per Pfund für geringe icoured aufzuwriscn. Sowohl cmhciimicbc als fremde Käufer bctbciligtcn sicb willig, und das von dcn le'ßtercn acquiririe Qiiantum wird auf 130,0_00_ Vallon, also bei- nahe die Hälfte des ausgebricncn Totals, gdichaßi. Fiir die dritte Auktions-Scrie, deren Anfang auf Dienstag, den 17. August, fixirt ist, find bis äato eingetroffen Trial 163,43] VaUen, als schwimmend bekannt total 77,079 Ballen, und das verfügbare Tokai dürfte 270-280,000Ba11en kkkéikhk". Jil__dcr grsiern abgebalicnen Auktion von ordinären WOÜM wurden oscrirt total “2767 Ballen, bcrkauft total 1518 Ballen _Die Auswahl war spärlich und die Käufcizabl klciner, als gewöhnlich. Preise stciiicn fich den früher pcr Privat-Kontrakt gezahlten gleich mit Außnabmc von inefiscben Kameelhaarcn, welcbe seit Kurzem iebr begebrt sind und -12z-c1 ver Pfd. für gute bis ganz vorzügliche Waare gvhyjt Haben. Cb ne- fiichc Fiicßc 1611011 7-81 (1 be“! Pfd., rniiiirbc Fließ? ivciße Durch- schnitis-Qimlität 10§_11 (1 pcr PD., weiße JC'iliZC 91 (1 per PsD-a graue ?ck (1 per Pfd.