1898 / 58 p. 9 (Deutscher Reichsanzeiger, Tue, 08 Mar 1898 18:00:01 GMT) scan diff

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Zweite Beilage

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Auzeigero

M 58.

Berlin, Dienstag, den 8. März

1Z9Z.

(Schluß aus der Ersten Beilage.)

Die Zabl der Diakonisfinnkn [):-t sicb stmk vxrmebrt, ohne daß man davon eine Störung dxs konfesfioneÜen Friedens befürchtet. Man wende doch nicht zwererlei Maß an, wie es in Kaiserswerth, Letmathe, Düren und bei der Ntederlaffuvg der Redemptoristsn in der Grafschaft Glav, wo die Kaxbolifen übsrwiegcn, der Faü ist. Hier fehlt es an e_iner aUSretchenden Seelsorge. Die Kultus- verwaltunq tt_mß „Hie AUMn' offyn halten und in solchen ällen_ selbst die Initiative ergretfen. Der Minister hat gesagt, die atboltsehe Abtheilung wsrde „niemals' wiederbergesteUt werden, so lange er im AMT? blélbé- Warum soU dic Wiaderbersteklung den konfxsfionsysn Frieden stören? So lange die Abtheilung bestand, bat ÜL ck11 nlcht gkskört, _man hat dies auch garnicht einmal behaupten können. Herr von Myblex hat dies in der .Kreuzzeitnng' nach seinem Austritt aus dem; thstertum offen zugestanden. Die Abtheilung hat sogar vor der Zulassung eincs päpstlichkn Nuntius in Berlin gewarnt, fie hatt; auch vte,l engere Funktionen als die evangelische in Oesterreich. Es genugt „uns 1a auch, wenn im Ministerium eine genügende Zahl von katbyltschen Rätben angesteüt wird. Das; Herr Dauzenberg in dieser Beztebung ein Vorschlagörecht Verlangt hat, ist absolut unrichtig; er hat nur seine bescheidene Hilfe angeboten.

Ab .Stöckbr (b.k. F.): von Döllinger hat gegknüber der Reforma- tion na 1870 eine ganz andere Stellung eingenommen als früher; er hat über die Reformation mit größter Achtung assprochen. Die Herren vom antrum sollten offen anerkennen, daß es nicht gut ist, wenn in dieser Weise von Rom aus über die Reformation gesprochen wird.

Wir befinden uns Rom gegeaüber in einer sehr schwierigen Lage. Sola“): ' Aeußerungen wirken wie ein elektrischer unke in „der katholtscben Welt. Wir können nicht in derelben beleidigenden Weise antwoxten, Es ist ja zu bedauern, 3a?) udF s erabhängiFitspc-rat raphc§1 dk der Kirche Efallen n n e are wun answer , da e e' 25 ' - berfteüung ermöglichte. Z ttlage ibr redet

_ Der Kulturkampf war ein ro 81: ler, und ixb wunsche, dqß ex vollständig besxitkgt wird. Ynß dexFlekÖxen ZZÜ ist das staaksrlkßbllÖS SWM? viel schärf6r hervorgetreten als in fruheren inten. Dte Sexbstandtgkeit der evangelischen Kirche ist ehr ers uttert wordbn, schr zum Schaden der Wirksamkeit der Kirche sel st. Eine _trese inncxe Verirrung. wie dsr Umsturz, dér in Deutschland am starksten verbreitet „ist, kann nicht bekämpft und bezwungen werden, obne eixx 'lebendtges Erwachen der Lebens- wächte des Evangeliums. SM" Unem Jahrzehnt leiden wir in unserem Sjaatskircbéntbum, und es ware, in d_er That besser, Wenn wir u- stände wie in England und Amertka hatécn. Lshre und Leitung nd fast ganz in den Händen des Staates, und die Kirche kann garnicht mitwixken, wie es Graf Posadowsky wüyscbt, Wenn sie keine Freiheit hat. Die evangelischen Geistliäyen iverd6_n aus der Politik hinaus- getrieben. ihr soziales Wirken wird beschrankt. Das ist ein Unglück, umsomehr, als die katholischeKirche in dieser Yeziebung durchaus nicht bes cänkt wird. Darin liegt eine Imparitat. Das staaxskircblicbe Sy tem wirkt auf das Volk nicht so ein, wie es nökbig ist. Es fehlt bei aus hier eine christlich-soziale Profsssur für Unsere Theologen.

Ab . ])1'. Virchow (fr. Volksw.): Man scheint soxche Dinge auf künßtliche Weise züchjén zu w:)Ucn. Wix auf dieser Seitz: WoÜen die Freiheit «U61: Menschen, ihre rxxigjösen BLdürfniffe zu befriédigen. antrum und Kirche find aber nicht tdsntische Begriffa Dis Men- schen liegen mir am Herzkn, ich vertrete nicht kirchliche, sondern humane Interessen. Wenn allexi Richtungen Frsiheit gewährt wird, so kann man fick) leicht verständigen. Man will aber auf beiden Seiten eine Art Treibhausreligion. Man will auf der einen Seite, der Staat sokle einireten. Die Frage der Diakonisfinnen diskutiert man nur vom konfessionellen Standpunkt. Das ist ganz falsch. Es giebt dock) auch z. B. hier in Berlin Schwesxern, die gar nicht konfcsfioneks find, z. B. die von Ihrer Majestat der Kaiserin Friedrich organi erten Krankenpflegesckpwestern. Darum beruht auch der Begriff „chriilich-sozial' auf emer falschen Prämisse. , Man kommt zu keiner Lösung, wenn man alle diese Fragen vom Standpxmkt der Konfessionalität lösen will. Die Uebertragung der Kultusangelaqenheltxn auf pas Iustiz-Ministerium ist für die Entlastung des Kultus-Ministe'rtums vrelwichtigcr als dkeLostrennung der Medizinal- abtbeilung. Die Klagen über Ungexecbtigkeit würdcn viel geringer sein, wenn die Kultußgngelegenbeiten an emcr anderen Stew: behandelt würden. Eine Verbmdung dxr Medizinal-Angulegenheiten mit der Wissenschaft ikt doch nur etat5maßig vorhanden. Ich habe nichts dagegen, daß die Medizinalabtbeilung auf das Ministerium des Innern übertragen wird, denn ste bat mti; dem Kultus-Ministerium keinen inneren

usammenhang, und d1e betreffmden Räthc könnten ja an das 5 inisterium des Innern abgegeben wsrden. Die Thätigkeit der preußisÖcn Medizinalabiheilung ist duxch die Erweiterung der: Kompetenz dss Kaiserlichen Gesundhettßamts etwas Hurch- kreuzt worden. Es müssen die bejden Gebiete, bestrxnxnt begrenzt werden. Ick) wsrweise hier auf di? fegenßretcbe Thana- keit unserer M1litär-Medizinalbeamten, ohne deren Hufe der Kultus- Minister garnicht mehr auskommen könnte. Man braucht bei unzs in medizinischen Dingen sehr viel Zeit. Ich krmnere nur an die Ver- wendunq der Pasteur'j'chen Erfindung?!) SLIM di? TVUWUW- „Jeöx, erst nach zehn Jahren, ist ein Mijtel m den ETat emgesteüt fur dte Behandlung s9lcher Menschen, die Von joUen Hunden gsbiffen worden find. Die Medizinalbeamtsn sc-Uten besserNL-stellt werden, WFM" fie die ihnen zugewiesenen Aufgaben wirklich ersullen so!]en. Das ask noch wichtißet als eine Organisation. Die Beamten wüten so bezabYt werdé'n, “paß fie ihr Amt im Hauvfamt versehen können.. Auch dre Lage unxerer (Extraordinaxien ums; verbsffert werden; vxele batten früher nur den Titel und ihr Leben lang nicht eich Pfenntg Gehalt. Nack; dem neuen (Etat ist das auch noch nicht mel besser gewordcn. Wax; bekommen aber die Extraordinarien“? Die, Theologen komme'n am besten rvcg; Re erhalten 2400 bis 4400 „M, ble Iurxsten 2700, dl? Mediziner 600 bis 3300, die Pbilowphen 200 brs 4000 „M _ Einen be- sonderen Luxus können fi? dabei nicht entfalten. Dre Assistenten find noch viel schlechter gestellt. Giebt einer Kurse,. so wird er schon beim Ministerium verdächtig, dann gilt er „“für eme Arx von Roth- schild. Die Leute find eben darauf an ermefm, Reb emen Ncben- verdienst zu schaffen. Der Sohn wobxba ende: Eltern kann sich Yen Luxus gestatten. Assistent zu werden. Die Aermercn müffen zuruck- treten, und hierin liegt eine soziale Ungerechtigkeix. Die Verbesserung der Gehälter der Mebizinalbeamten darf nicht hinausgeschoben werden bis zur Medizinalreform. (Heben Sie fi? sobald wie möglich. _Sie werden damit auch der öffentlichen Gesundheitspflege einen Dtenst erweisen.

s entr.) bsscbwert sich uber die Nichtzula ung der RSDLYFWZTLYÜ1(ZÖOchUM„ wo die _ki1chlicbe Noth eine auYerordent- [ich große sei. Eine bssondclrei FeseljoF-snxtb Fs??? für dxe YMM- . . an on vre enen recrn,un !: ejzu 1chen Polen, ks Uhle p sreligiös verwahrlosten und der Sozial-

befüxchten, daß ste fitiltch und _ _ ' me allen. Fur dux dequch1PrecheydcnPoley sorge FMTFLMZ. YFerci YTäMe, fähxt Rekncr sort, jchle1che31tm kastem und verhindern die Niederlassung der R_cdemptori1tchn in onghum, Fer evangelische Bund [WT dagxgen, er befutchch davon eine StÖkUßg' tes kaejfioneÜe-x Friedens, wie er in ck_ner Cmgabe (10,de mesber schrcibt; cr bebauvikt, die Kaiholiken MMU dm M?NPKUUUS 11 Er den Erlöser der Welt. WEnn solcbsr Toq in der Kkgterunz maß. ebend wäre, würden wir uns aufreiben m konfessiioneüen Kampfen,

chou einmal ist Deutschland durch konfcjfioxzkxle Kampfe zur Macht- [Ofigkeit verdammt worden. Wir wollen parrtatiscb behandelt werden,

und der Minister sollte dieser Heße entgegentreten und die Redempto-

risten in Bochum zulassen. .

Abg. Freiherr von Eynatten (Zentr.): Herr Sattler ist mit unserem OrdenSwesen nicht vertraut. In dem all des bestraften Geistlichen kommt es darauß an, ob der bifcböfl chen Behörde diese Vorstrafe bekannt war; ich itte ken _Minister, die Sache nach di'eser Richtung nochmals sorgfälxig zu prufen. Jm K_ultus-Ministertum müssen wir charakterfeste katholische vortreäzende Raths haben, we_lche die katholisäyen Interessen vertreten. Cs nd s on katholische Mathe im Ministerium gewesen, welcbe gegen disse ntereffen operierten. Die wiederholt in den Gemeinden vorgezwmmenen VolkSmisfionen find sehr geeignet, von der Demokratie bßretts verseuchte Gegenden zu reinigen. Deshalb sollte man djeser Etnrichtung mehr Bewegun'ßs- freiheit gestatten. Unsere Orden wllte man_ mit lästigen Statistt en verschonen. Der Regierungs-Präfidenk ,in Munster bat g6sagt, die_ Er- richtung von Krankenanstalten gehöre nicht, zu den Aufgaben „de'r Kirche. Wie denkt der Minister darüber? Ick bxtte ferne; den Munster, der höheren katholischen Knabenschule in Erkelenz keme Schwierigkeiten

mehr zu machen. '

Minister der geistlichen 2c. Angelegenhetten 1). ])1'. Bosse:

Meine Herren! Ich erkenne es dankbar an, daß der Hsrr Abg. Freiherr von Eynatten in derselben rnbigen, sachlichen, friedsamen Weise seine Beschwerden bier vorgebracht hat, wie das vorgestern der Herr Abg, Dauzenberg gethan bat. Soviel an mir ist, werdeicb mich gerne bemühen, in demselben Tone zu antworten und auch in fried- lichem Sinne zu handeln. * K '

Was zunächst den bestraften Geistlichen anbetrtfft, so erkenne ich ausdrücklich an, daß dabei die bischöfliche Behörde nicht die geringste Schuld hat. Es handelte sich übrkgens nicht um einen Dispens, sondern um den Einspruch gegen die Anstellung. Ick) kann zu Ihrer Beruhigung hinzufügen, daß auch Staatsbebörden, die dabei betheiligt waren, die Vorgänge nächt kannten, und leßtere beinahe nur durch einkn Zufall hier im Minésterium entdeckt wurden, und da war es sehr gut, daß von hier aus eingeschritten werden konnte. Aber dagegcn muß ich miei) auxdrücklich verwahren, daß ich auch nur den Schein eines Vorwurfs gegen die bischöfliche Behörde hätte erheben wollen; das bat mir gänzlich fern gelegen.

Was die Anstellung der Rätbe im Kultus - Ministerium betrifft, so babe ich wirklich msiner Erklärung vom Sonnabend nichts Hinzu- zufügcn. Was ich gesagt hab?, ist vollkommen wahr, und es wäre sehr wohl denkbar, daß wir dahin kämen, noch den einen oder anderen katholischen Rath auf diesem mixtlercn, dem indifferenten, neutralen (Gebiet anzuskellen. Aber, meine Herren, aus diesen Dingen läßf fich überhaupk kein konkrefer Beschrverdegrund bernebmen, dsnn das Ermessen des Reffort-Chefs und der Behörde, den einzelnea Mann auf seine Türb- tigkeitzu prüfcn, müssen Sie auch mir überlaffen. Esistunmög1ich,daß Sie sagen: büer find 5 katholische Affefforen, außerordentlich tüchtige Männer. Wenn der Minister sagt: da[)on bkeiet mir KLincr die genügende Garanüe, daß ich glaube, ihn in meinem Ministerium mit Erfolg beschäftigen zu können, so ist dagegen eigenklicb nichts zu machen. Hier handelt es fich um die Sache freien Ermessens. Das einzige, was wir Ihnen sagen, ist das: wirken Sie nur wsiter dahin, daß recht viel tüchtige katholische Aspiranten für den Verwaltungsdienst da sind, dann wird es ganz von selber kommen, daß auch Katholiken in größerer Anzahl als“ bisher in solche Steüeu einrücken, Meine Herren, auch in Ihrer eigenen Presse ist ja anerkannt, daß das in Jhi'em eigenen Jntereffe wünschenswert!) ist, und das halte ich für den richtigen Weg. Ich kann nur meinerseits und seitens der Königlichen StaatSregierung versichern, daß bei uns eine tendenziöse Antipathie gegen katholische Bewerber und gegen die Anstellung von tüchtigen Katholiken in höheren Stellen nicht vorliegt.

Nun die höhere Knabenschule in Erkelenz. ch will Ihnen hier sehr gern behilflich sein, denn ich habe ja garnichts dagegen, daß da,wo cin Bebürfniß vorhanden ist, die Katholiken fich helfen und eine höhere Knabenschule anlegen. Nur der Uebergang dieser Schule auf den Bischöflichen Stuhl schien uns den Verhältnissen nicht zu ent- sprechen; wir haben vielmehr daraüf hingewiesen, daß es wünsckpens. wertb wärs, daß diese Schule selbst eine Rechtspcrsönxixbkekt würde. Im übrisen ist mir der Fall im einzelnen nicht bekaknt; ich bitte, ihn an mick) zu bringen; ich werde ihn eingehend und gerecht prüfen.

Was die Orden anbelangt, so meinte Herr von Eynatten: wir könnten doch die Orden wenigstens von dem statistischxn Formel- kram etwas mehr befreien. Das haben wir gethan; zu meknkr Zeit ist die ganze Schreiberei bei den Orden aufgehoben mit Aus- nahme einer einzigen jährlichen Nachweisung, Worin nur die Zahl der Schwestern und der Brüder., die dem Orden angehören, angegeben find.

Anf das Vermögenßgeseß will ich nicbt zwch einmal näher ein- gehen. Im aUgsmeinen möchte ich aber zungchst bemerken, und das möchte ich auch erklären in Bezug au's dre Ausfuhrungen des Herm Abg. Dr. Poxsck): Wenn ich ueblich gesagt habe, unsere kirchenpolitiscbe Geseßgebung, „wie n sie heut Haben, seit den Gcscßen der achtziger Jahre, dre zur Beilegung des Kultur- kampfes erlassen Worden sind, sei ein Kompromiß: so habe [ck das nicht so gemeint, daß das ein WU 1116 baygsrs ware, an dem man nicht rühren dürfe. So liegt die Sache nicht; ich habe nur gexagt, für die StaatSregierung, von staailichen Gefichtspunkten aus mussen erst ganz bcsoydere Gründe vorhanden sein, ebe wir uns ent- schließen können, unsererseits die Initiative zu Aenderungen dsr Gesetzgebung zu ergreifen. Was dann das Vermög-ensverwaltungs- geseß speziell ankangi, so war ja die HauptbeschMrde, die die Herren haben, daß die Gemeindevertretnng nicht recht für die Verwaltung kakboliscber Kirchsngemeindcn passe, Nun, meine Hexren, da haben wir anM einsn Weg gezeigt, dex im Geseß selbst offen gelassen ist, nämlich im Wege der Verständigung mit den Bischöfen in einzelnen Gemeinden die Gemeindevertretung zu beseitigen. Nun, meine Hkrren, in der Diözcse Tréer smd an dissem Wege im vorigen Jahre dé“: Gemeindebsrtrctungen Von 167 Ge- 1neind€n abgeschafft worden. Damit ist im Wesentlichen gebolfen und wird noch wekter geholfen wurden, soweit es nötHig ist. Also, meine Herren, Sie schen, daß es uns Ernst mit dicskm Hinwais

geWesen ist, daß ich nicht bloß bier gesagt habe: in dem Paragraphen

sieht, wenn die Herren fich einigen, kann die Geuteindevertretüng" w:"gfallen, sondem daß wir da, wo es nöthig ist, auch zustimmen. Nur da haben wir nicht zugestimmk, wo erhebliches Vermögen zu verwalten war, sodaß eine Gemeindevertretung hier wohl am Maße schien. Im übrigen haben wir die Genehmigungen ertbeilt. Es wäre auch ganz verkehrt, es kann uns nicht daran'liegen, dabei unnüße Schwierig- keiten, Schreibereien, Quälereikn zu machen; das würde ich für die alkerverkehrtefte Politik halten, die man einschlagen könnte.

Nun, meine Herren, was den Fal] in Metelen im Münsterlande anlangt, der Herrn von Eynatten immer noch beunruhigt, so war durch eine Verfügung des Regierungs-Präfiventen eine Auskunft verlangt darüber, ob wirklich sämmtliche Krankenhäuser im Münsterlande den Kirchengemeinden gehörten, wie uns angezeigt worden War. Ick verstehe nicht, wie Sie fich darüber noch beunruhigen. Wir bestreiten gar nicht, daß es auch zur Aufgabe der Kirche gehört, Krankenpflege zu treiben, ja selbst Krankenhäuser zu haben. Solche Krankenhäuser'find ja in Menge vorhanden, auch im Münsterschen. Die wird kein Mensch angreifen. Hier handelte es fich aber speziell darum, ob es wünschenswert!) war, und ob es von StaaTswegen ge- nehmigt werden fothe, daß eine Zivilgemeinde, eine Kommune, auf die Kirchengemeinde unentgeltlich ein* Krankenhaus übertrug; und diese Frage, die wesentlich unter kommunale Gesichtspunkte fällt, war iti Zweifel gezogen. (Zuruf.) Nur diese Frage!

Meine Herren, das find im weéentlichen die Auskünfte, die ich auf die Ausführungen des Herrn Abg. Freiherrn von Eynatten zu machen hätte.

Ich will noch hinzufügen mit Rückficht auf eine Bemerkung des Herrn Abg. Dr. Porsch, der sagte, es giebt Leute, denen die bloße Existenz der katholischen Kirche schon ein Aergerniß sei _: ich will das nicht bSstreiten, ich will es dabingefteUt sein lassen. Ich gehörezu diesen Leuten nicht. Im Gegeniheil, ich habe neulich erklärt und erkläre heute wieder: die katholische Kirche ist nun einmal neben der evan- gelischen Kirche _ oder umgekehrt können Sie es auch ausdrücken - in unserem Vaterlande genötbigt, mit der Kirche der anderen Konfesfion zu leben, fich zu vertragen, fich einzurichten, und ich halte den einzig richtigen Weg dazu den der friedsamen Verständigung und eines 11106118 yjysnäj, da wir uns über die großen prinzipieüen Gegensäße, die uns trennen, ja zur Zeik nicht verständigen können.

Nun möchte iä) aber doch darauf aufmerksam machen, das dürfen Sie auch nicht übersehen, es giebt auch Katholiken, denen die bloße Exisienz der eVangelischsn Kirche ein schweres Aergerniß ift. (Wider- spruch im Zentrum.) Ich selbst habe solche Katholiken gefunden, und daß aus solchen prinzipiellen Anschauungen auch zuweilen Aeußkrungen und Handlungen s'tcl) ergeben, die dem andern Theil recht schwer zu tragen find, das, glaube ich, brauche ich nicht aus- drücklich hervorzuheben. Wir müffen uns von beiden Seiten bemühen, solche excentriscben Dinge zu vermeiden und uns zu vertragen und zu verständigen; dann können wir recht gut noch mal zu einem fried- lichen Verhältniß in unserm Vaterlande kommen. Ich gebe Ihnen vollkommen zu, "daß dazu auch eine gerechte Behandlung der katholischen Kirche gehört. (Bravo! Rufe: Vertagen !)

Um 41/4 Uhr vertaxt das „Haus die weitere Berathung,

. Abg., Freiherr von edliß _und Neukirch (fr. kons.) regt wiede; dre Abhaltun? von Abendsisuygen an, wenn die Verathung des Kultus-Etats so angsam sortschrette.

Abg. Dr. Pots ck (Zentr.) bestreitet, da die Verhandlun en lang am von _statten ginnen, die nicht ausführst er 1eien, als neußicb die ebatte uber das Flachßröstvcrfabren.

Präsident von Kxöcber erklärt, daß er an jedem Tage u FTYYHYJM bereit set, und will eventuell am Dienstag eine soch:

NZchste Sing Dienstag 11 Uhr. (Etat des Ministeriums der geistlichen, nterrtchts- und Medizinal-Angelegenheiten.)

Land- und Forstwirthsthbast. Saatenstand und Getreidehandel in Rußland.

Aus Rostoff a. D. [ie: tfolgende Meldung vor:

Im Laufe des Februar tt das Wetter in der biefigen Gegend den Wintersaaten weniger günstig gewesen, als vorher.

Nachdem sick) die Temperatur in der festen Woche des Januar auf -6 bis 10 Grad R. erhalten hatte plö lich Tbauwkiter ein, welches, durcb wiederholten Regen ver ärkt, bis zum 12. Februar anhielt. Cini e dazwischen faUende klare Tage, an welchen der Thermometer s on am frühen Morgen + 59 N. aufwies, um in den Mittagsßunden unter dem Einfluß der Sonnenwärme bis auf 120 zu steigen, halfen das Ab- tbauen der Schneedecke von den “Feldern vollenden. Hierauf fol te ganz unbermitjelt Vom 13. bis 18. Februar scharfer FroFt, Wel er den Thermometer an 3 Taacn bis auf ca. - 100 R. sinken lteß. Die sodann einzetretene wärmere Wixterung von + 1 bis 2 Grad N ist seit dem 22. Februar von neuem in einem scharfen Frost (hrs xu -15 Grad N.) umgeschlagen, dessen Wirkung auf die nicht mehr durch Schnee e- fcbüßte Erdoberfläche seit'2 Tagen durch einen sturmarttgen Ostw nd noch erheblich verstärkt wrrd. _

Es wird vielfach befürchtet, daß das wiederholte Durchfneren der durch voranakgangenes Tbauwetter stark durchfeu„chtetc,n oberen Boden- schicht die Wurzeln dex junW Wintersgaf in emer tbr ferneres (Ge- deiben beeinsrächtigendcn eise beschabigt haben Fönnte. Andere wieder erklären diese Besorgnis; unter Hmweis auf dre ungewöhnlxcbe Widerstandsfäbigkeit de_r hier gEbauten Weizenarten gegen Einfluffe dür Kälte zur Zeit noch für unbegründet.

Der bkefißk Gejreidebandel hat _durch die am 25. Januar er- folgte zeitwéckige Herabsetzung des italjerxifchen WeizenonH von 7T auf 5 Lire und die fick; daran anschließende vermehrte Rachxrage seitens- italienischer Importeure einen unverwutbxten Ansporn erhalten, der auch einc namentlich bei Haxtweizen nicht urxbeträchtliche Preis- stkigerung zur Folge gehabt hat. ' ' _

Die gleichzcitig eäug€tretene Prajsstetgerung fur Roggen und Gerste soll duxch eine Vermehrte Nachfrage von Deutschland und HoÜand berbéigekübrt worden sein. ,

In beiden Fällen hande!t es sub im wssknjlichfen um T*:rmm- geschäfte, die erst nach der Wiedereröffnung der Sch1ffabrt im April oder Mai zur Ausführung kommen sollen.

Die Getreidemengen, die ihren We nach dem Auslande schon jetzt über NoWOrosfisk nehmen, sollen na wie wor sehr geking sein-

trat am 31. Januar

Für den 22. ebruar_ wurden hier die Preise für das zebnpudise Tschetwert, wie so gt, nottert: .