1875 / 207 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Sat, 04 Sep 1875 18:00:01 GMT) scan diff

Die heute ausgegebene Nr. 36 der Yllgemeinetx Per- loosungs - Tabelle des Deu_tschen Neiths- rind Komgltch Preußischen Staats-Unzeigers enthalt die Ziehungßltftxn fol/geridI Papiere: A a ck e n - M a ft r i ch 1 e r Eisenbahn : Prtoritats - Obliga- tionen. A u g s b ur g e r Prämien-Anlehen. B a d if ch e 35 Fl.? Loose (16 1845. Bamberger mechanische Vaumon-prnn'eret und Weberei, PrioritätS=Obligationem B ar ! et_ t a Prczmien- Anleihe (16 1870. H a m b ur gi sch e “Staats-Pramwn-Anlethe (18 1846. Infierburger, Kattowr'ßer, Neustadi-Ebers- w a l d er Stadt-Obligationen. M art en b urg'er ' Kreis-Obliga- tionen. Mo s ka u - K u r sk = Eisenbahn - Obligaimiien. No r - tvegisrhe Staats-Anleihe (18 1872. Qeßerrrrchtsche Nord- weßbahn:Prioritäts-Obligationen. O est errxi this ch es S_taczis- Prämien-Anlehen (18 1864. P a'p p en 1) e 1 tn] (h es Prqmwn- Anlehen. P o m m e r s ch e Provinzral-Chauffeebau-Ohltganonen. R us f i s ch e Central-Bodenkredit-Pfandbriefe. R 1; b 1 n 5 k : _B o - To g o 1) e- Eisenbahn-Aktien und Obligationen. S ck w e d x s ch e Reichs-thothekenbank:Pfandbriefe. Stuttgarter „Gemeinde- schuld-Obligationen. Ung arif ch e Bodenkresit-Instttut-Pfanh": briefe. W aa dter 4-1 proz. Kantonal-Anleihe (19. 1868. Wex lc) Güter-thotheken-Vereins-Pfandbriefe. '

Die Allgemeine Verloosungs - Tabelle erscheint wöchentlich einmal und ift zum NbonnemeniSpreis von 1 Mark 50 Pf. (15 Sgr.) vierteljährlich durch alle Postanstalieti, sg wre durch Carl Heymanns Verlag, Berlin, 8. 11, Kogiggraßcjr- straße 109, und alle Buchhandlungen zu beziehen, fur Berlin auch bei der Expedition, Wilhelmftraße 32. Preis pro einzelne Nummer 25 Pf. (21/2 Sgr.)

Die heutige Nummer des „Reichs- und'Staats Anzcigers“ enthält im Central-Handelsregtfter:

Nr. 26 der Tarif-Veränderungen der deutschen Eisenbahnen.

Yichtamtliehez. Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 4. September. Ueber das Festdiurr zu Ehren Sr. „Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen im Rathhause zu Augsburg meldet die „Allg. Ztg.“ Folgendes:

Augsburg, 2. September. Heute Nachmittags fand im goldenen Saal des in einer Wahrhaft großartigen Weise mit künstlerischem Geschmack dekorirten Rathhauses das Festmahl statt, welches die Vertreter der Gemeinde Augsburg zu Ehren Sr. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen des Deutschen Reiches und von Prcnßen und zur Feier des National- festtages veranstalteten. Als Gäste waren außer Sr. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit und Dessen Gefolge erschienen Kriegs- Miniftcr v.Mai[1inger, General v. d. Tann und mehrere andere Generale und höhere Stabs-Offiziere des ]. Bayerischen Armee- Corps, ferner Fürst Fugger-Vabenhausen und die Spitzen der hiesigen Civilbehörden. Während des vortrefflich arrangirien Mahles, das durch die Vorträge des städtischen Orchesters ge- würzt wurde, gelangte die Festfrcude zu ungebundenem und heiterem Ausdruck. Die Freude wuchs aber zu lautem Jubel an als Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit folgenden Trinkspruch aithebracht hatte:

„Meine Herren! Uns aue beseelt heute die sine erhebende Em- pfindung: sagen zu könnrn, daß die Stunde, die uns hier festlich ver- einigt, in al1eu Gauen unseres Vaterlandes in glsirhcr Weise gefeiert wird"; denn fie gilt der Erinnerung an jenc unwergeleichen Zeiten, Welche der Geschichte angehören. Was jene Taze bedeutet haben, erfüÜt uns mit Dankbarkeit auch denen gcgcnüber, die so wcscntlich zu den großen, für unser Vaterland bedeutungöreichen Erfolgen bei- getragen haben, derer nicht zu vergessen, die nicht mehr unter uns Weilen. Lassen Sie uns aber jeßt nicht dessen gcdenkrn, was damals in blutiger Stunde errungen wurde, lassen Sie uns lieber freudig das genicßcn, was im Frieden als Frucht jener Saat entstanden ist, und was Mir jetzt überall so laut entgegen- iönte: daß der Schlachttag yon Sedan gleichzeitig der Gehnris- tag des wicdererstandenen Deutschen Reiches ist. Meine Hsrrcn! Wenn dieser Gsdanke uusereHerzen erheben macht, indem wir erleben durften, was Generationrn heiß ersehnten, nämlich das Reich an Kopf und Gliedern nxugestalict wieder aufgerichtet zu sehen, so ist für Sie hier noch besonders hervorzuheben, daß König Ludwig 11. es War, der die Anregung hierzu gegeben hat. Unvergeßlich bleibt daher der Name Ihres Königs in den Geschichtsbüchern vkrzeichnet. Zu dieser Gesinnung erhebe Ick Mein (Hias mit Pfälzer-Nein und fordere Sie auf, auf das Wohl Sr. Majestät des Königs Ludwig 11. zu trinken. Se. Majestät König Ludwig 11. von Bayern lebe hoch!“

Dieser Toaft wurde vom erften Vürgermsister Fischer in folgender Weise erwidert:

„Vor _aÜrn Dingen sage ich im Namen dor Stadt Augskurg Dank, ehrsurkhtvollsten Dank für die Gnade, dic Ew. Kaiserliche Hoheit durch Anyahmc der Einladung zum heutigen Fest uns er- Wiesen hahezt. Wir feiern heut ein Fest, ein dcuksch-naiionales Fest, von demmnnr glauhen, daß es für all? Zukunft üherall in Deutsch- land al] abrltcb Wieder gefeiert Werden jo . Als die Ereignisse der Jahre 1 70 und 1871 ihren glorreichen Abschluß gefunden hatien, da war maxx wohl aUenthalbcn, someit die deutsche Zunge klingt, darüber einig, das; zun) cheziken an solche Tage, an solche Thaten auf immerdar em Gedachtnißfcst gestiftet werden müsse, Aber nach echter deutscher Art komte man sich lange nicht einigen dariiber, an Welchem Tage das, Fxst, das Aüe feiern Wollten, gefeiert Werden soÜe. Wir waren hier in unserem Kreise von Anfang an der Meinung, daß der 2. September fich aux besten eigne, zum Gedächtnißtag erhoben zu werden. Denn. sq groß auch die Thaten Waren, die an verschiedenen Tagen in jener denkwürdigen Zeit geschahen, so vielfach die ruhmreicben Erinnerungen an jene Wochen find __ eines hat sich uns als nnxviderleKlich aufgedrängt: von einer solch uberwältigenden Wirkung, wie die u_nde_, die der 2. Septem- ber 1870 uns brachte, war keines der _Eretgmfse jenes Krieges. An jenern Tage, da der Sieg von Sedan m Deutschland zur Kenntnis; dd? jubelnden Volkes fam, Ward uns allen klar, daß nunmehr die Yeti der alten deutschen Zerrissen eit geendigt sei; da warkx uns auen

lar, das; nunmehr yon einem ersuche des Auslandes, m Dentsch- [and Geseßke zu Drktxren, nicht mehr die Rede sein könne; da ward uns “ÜM_ [“k- dafß dgs untergegangene Deutsche Reich in verjüngter Gestalt wieder an gerichtet werden müsse und wieder werde cruise- rrchtxt werden. Damals fand das deutsche Volk sich selbst wieder. An jenem 2. September sagte man fich, der deutsche Name sei Meder zur Geltung gekommen, und Oeuischland müfse fortan die erste Rolle m („Euro a spulen. chse machti : Wirkung, Welche die Kunde der Eretgm e von Sedan m unsern auen überall hervorbrachte, hatte uns damals schon gesagt, HerTagznüsse es sein, an Welchem sich für UU? Zukunft has Gedächtnis; an die Wiedererstehung des deutschen Volkes, an die Wiederaufrrchtuug der _deutschen Macht und Kraft

. --g ,HWMNYUMMW1'ZL

[

zu knüpfen habe. Und wenn noch irgend ein Zweifel darüber ber uns hätte bestehen können, ob die Wahl, die wir 1n„Bczu_g quf die Festsekung des Nationalfesttanes etroffxn haben, eme richtige gewesen ei _ diese leßten Zwei el mußten heute schiympen, da uns das Glück gegönnt ist, durch die Anwesenheit „em'es solch' erhabenen Gastes die Wahl dieses Tages 1auktzonzrt zu sehen. Es ist ein nicht hoch genus _zu schaßen_des Eretgmß, sagen zu können, daß hier in Augsburg, in emer'bayertscbenStadt, die Feier des Nationalfrsttages in Aansenhett des Hohen Herrn, der zugleich fiegreicher Führer der bayerischen Armee und Erbe des aqunrcgung unseres Königs und unter Bethülfe per bayerischen Armee wieder axtfgerichteten Deutschen Kaiserthumes is_t, begangen rhet- den kann. Es ist ein erbebender Moment, an den 'Wir uns tn spate- ren Jahren werden noch oft zurückerinnern, dax m Hem goldenxn Saale des Ratbbaufes zu Augsburg, itx_d1e_sem aale,_1n_n;elcbexn m frühsren Jahrhunderten sich manche historisch merkwurdtge Episohe abspielte, ein Gedächtnißfest gefeiert Wurhe zu_r_ Erm'nerung an die Wiedererstyhung Deutschlands, ein Gedachtmßfßst m Anivesrnhnt eines Erlauchten Führers der deutschen Armee, in Anwesenheit des künftigen Deutschxn Kaisers. (Lebhaftes quvo!) _Jch darf_w:ckhl sagen, daß dies eines der hervorragendsten Ereignisse, dre m diesem Saale fick; zugetragen haben, sein Werde. Wir onert Gott pauken, das; ck Um? besckzeert war, ein solches deutsches Fest hier in dieser gut bayer:- schen Stadt friern zu könuexj; wir wonen danken dem. der an drr Spitze des mächtigsten drut1chen Staates stand, als, Deutschlanh in Gefahr war; wir wollen danken dem, der als einer der beiten Freunds unsrres bayerischen Heimatblandcs datimls Bayerns Söhne zum Siege führte“ wir woÜen geloben, daß Wir, Was an uns l_1egt, sorgen wsrden, da unser iiebes Bayern strts' trxu halte zum Reichr; wir wviien dicses Gclöbnix; zum AuSdrUck hrmgen daxurch, da 'Wir als bayerische Männer rufen: „Se. Majesiai der Kaner, Se. (_nser- 1iche Hoheit der Kronprinz des Deutschen Reiches, der siegreiche Fahrer des bayerisches Öreres, fie leben hoch! hoch! hoch.“

Hierauf antwortete Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit also:

„Meine Herren! Als Ick vor drei Jahren zum ersten Male in Ihre Stadt kam, habe Ich Ihnen Meinen Dank für die Hsrzlichkeit und Liebenswiirdigkcii, mit der Ich hier aufgenommen wurde, auxgesprorhcu, dcn Ick hruie aus vollem Herzen wiederhole. Auf al1e die erheben- den Worte, die Ihr Herr Bürgermeister eben gesprochen, näher ein- zugehen, verbietet Mir die Bescheidenheit. Nur das eine möchte Ich hervorheben, was schon damals in diesen Räumen ausgesprochen wurde, das; jeder gute Deutsche gleichzeitig seinem engeren Vaterlande dienen und doch seine besten Kräfte dem Reiche widmen kaun. In visier Gefinnung geht Ihr König voran, dem erhabenen Beispikle des Deutschen Kaisers folgend. Es war Mir eine besonders hohe Freude, den heuiigen Tag unter Ihnen feiern zu dürfen, und Mick) zugleich in der Mitte der tapferen bayerischen Truppen, Meinen Kampf- und Siegesgcnossen, zu befinden. Und so erhebe Jcb Mein Glas auf das Wohl der Stadt Augsburg und fordere Sie auf, mit Mir einzustimmen in den Ruf: Die Stadt Augsburg lebe hoch!“

Erstem Nachmittag 31 Uhr kehrte Se. Kaiserliche und Kö- nigliche Hoheit der Kronprinz von dem bei Odelshausen abge- haltenen Feldmanöver nach Augsburg zurück und nahm aber- mals im Gasthof zum „Bayerischen Hof“ sein Abstrigcquartier. Der Kronprin hatte zu Seinem geßrigen Diner zahlreiche Ein- ladungen ergehen lassen.

_ Von den uns vorliegenden zahlreichen Berichten über die Feier des 2. September lassen wir heute die nach- stehenden folgen: -

Breslau, 3. Sepiember, Zur Feier des Tages von Sedan hatte die Hauptßadt der Provinz Schlefien gestern ihren Feftickgmuck angelegt. Von früher Sjunde an zeigte fich schon auf den Straßen jener regere Verkehr, welcher das Kcnnzeichen besonderer Fest- und Freudeniage ist. Die Umgegend, wie die Provinz hatten ihre Vertreter cntsendet, die im Verein mit den Bewohuern sthon im Laufe des Vormittags die Hauptftraßen der Stadt durchwogien und dem Fest- schmuck ihren BeisaU zoilten. Flaggen unh Fahnen in drn Farben des Deutschen Reichs, des preußischen Vaterlandes und der schlrfischen Heimath fsaiterten in dem frischen Luftzuge, nament- lich auch an den sinnig dekorirten Monumenten Friedrichs des Großen, Friedrich Wilhelm des Dritten, des Feldmarschall Blücher und am Denkmal Tauenhisns. Das Schließen der größeren Geschäftslokale gab Zeugniß, daß die Vertreter des Handels drn Ehrentag des deutschen Vaterlandes mitzufeiern beabsichtigten. Um 9 Uhr Vormittags begann in den evangelischen Kirchen der feierliche Festgottesdienst. Die Spixzen der hiesigen Königlichcn und städtischen Behörden wohnten dem Festgottesdienst in der St. Elisabethkirche bei. In der neuen und alten Synagoge fand ebenfalls Dankgottesdienst mit Gebet für Se. Majestät dcn Kai- ser statt. Zu einer echt patriotischen Festlichkeit hatten fich auf Einladung des AppeUationSge-richts - Präsidenten Holzapfel sämmtliche Beamte des genannten Gerichts Vormittags gegen 11 Uhr im Sißungssaale verrint, um der feierlichen Ent- hüllung cines Porträts Sr. Majestät des Kaisers beizuwohnen. Das von dem Maler Arnold nach einem Originalgemälde Winter: halters auSgeführte prächtige Bildniß ßeUt Se. Majestät in ganzer Figur dar. Ein kostbarer, reich vergoldeter Rahmen um- giebt das Bild, welches jeßt die den Sißungssaal schmückende Reihe der Portraits preußischer Könige von Friedrich dem Großen ab vervollständigt. Die in den Ghmnafien, den anderen höheren Lehranstalten und in den Elementarschulen veranstalteten patrio- tischen Festlichkeiten nahmen in üblicher Weise ihren Verlauf. Um 12 Uhr Mittags erklangen von dem mit Flaggen geschmücktenThurm des Rathhauses patriotische Weisen. Eine zahlreiche VolkSmenge hatte fich aus diesem Anlaß auf dem Ringe versammelt. Im großen Saale des Hotel de Siiefie vereinigten fich Nachmittags Reserve: und Landwehr-Offiziere zu einem Feßmahl, bei welchem der Kommandant General v. Wulffen einen mit Begeisterung aufgenommenen Toast auf Se. Majeftät den Kaiser aus- brachte. Das Breslauer Schüßencorps hatte zur Feier des Tages ein Jestschießen um Silberprämien veran- staltet, wobei sich eine zahlreiche Bctheiligung kundgab.

Die Zwinger: und Reffourcen-Geseilschaft feierte den Sedan- tag durch ein Festkonzert in ihrem reich geschmückten und trotz der zeitmeisen Ungunst des Wetters zahlreich besuchten Garten; ebenso der Breslauer Landwehrverein in dem Etablissement „zum Bergkeller“.

Die größeren Gesellschafts- und VergnügunJSgärten, in welchen besondere Festlichkeiten aus Anlaß des Sedantages vor- bereitet waren, hatten troß der zweifelhaften Witterung zahl- reichen Zuspruch.

Runden, 2. September. Die Feier des Sedan- festes ist hier, am Wohnsiße des Herzogs von Ratibor, nach- dem von Sr. Durchlaucht sellbst feßgestellten Programm, unter frrudigfter Thetlnahme der ganzen Bevölkerung begangen worden. Sie wurd? am Vorabend eingeleitet durch einen militärischen Zapfenstreich, au5geführt von der hiefigen uniformirten Knaben-

kapelle und ihrem Tamöours- und Pfeifer- Corps, he- gleitet von militärisch koftümirten, theils Gewehre, LÜUls bunte Laternen tragenden Knaben. Derselbe bewegte sich unter Völlersckzüffen durch den reich mit Flaggen geschmück- ten Ort nach dem Schlosse, wo ihn die Herzogliche Familie an fick) vorüberziehen ließ. Auf dem „Ring“, wo die bekränzten Büsten Ihrer Majestäten und des Kronprinzlichen Paares auf- gestellt und von Fahnen in preußischen und deutschen Farben umgeben waren, wurden unter den Klängen des Abendgebetes bengalische Flammen abgebrannt.

Der Feßtag selbst Wurde durch die Revaiae- der jugendlichen Tambours und Pfeifer eröffnet. Dann folgte der Vortrag des Chorals „Lobet den Herrn“, und der National- hymne. Inzwischen hatte sich der hiefige Kriegerverein, nach- dem er seine Fahne aus dem Schlosse geholt, nebst den zahlreich aus den benachbarten Herzoglichen Ortschaften erschienenen Mitkämpfern in den [chien Feldzügen aufgeßeüi und es wurde mit klingendem Spiele zur Pfarrkirche marschtrt. Sämmiliche Schulen mit ihren Fahnen schlossen fich an. Nach abge- haltencm feierlichem Hochamt bewegte fich dcr Festzug nach dem „Ring“ zurück und es folgte ein besonderer Schulakt, be- stehend in patriotischsr Ansprache an die Kinder und dem Ab- fingen der Nationalhymne. Hieran reihte fick) das von dem Herzog mit ergreifenden Worten eingeleitktr Hoch auf Se. Majestät dm Kaiser und König, in welches die Krieger und die zahlreick; anwesende Einwohnerschaft unter Böllcrschüffen cinstimmten. Nach drm Vorbeimarsch der Krieger vor Sr. Durchlaucht wurden dieselben in dem festlich dekorirten Herzoglichen Theatersaale be- wirthet, währer'd die Knabenkapelle Märsche und patriotische Weisen vortrug.

Der Nachmittag gehörte den Schulkindern. Um 2 Uhr zogen fie mit klingendem Spiel durch den Park nach dem Theater, Wa 500 Kinder mit Kaffee und Weißbrod, Wurst und Bier durch die Herzogliche Familie bewirthet und mit" Tanz und Spielen unterhalten wnrden. Damit endete das schöne Fest.

Magdeburg, 3. September. Die Sedanfeier war hier eine der Bedeutung des Tages würdige. Man hatts das Rath- haus mit Fahnen und frischem Grün geschmückt, und auf dem Balkove desselben erblickte man, umgeben von einer geschmackvoll zusammengesteüten Pfianzengruppe, die Büßen Sr.Ma1eftätdes Kaisers und Königs, des Kronprinzen und des Prinzen Fried- rich Carl. Am Vorabcnd des 2. Srptember kündrte das Ge- läute sämmtlicher Glocken den Beginn dre."- Festss an, und bald darauf zogen die Mitglieder hiesiger Militäroereine, begleitet von Fackelträgern und geführt durch Vetsranen aus den Freiheits- kriegen, den Breitenweg entlang nach dem Dompiaßs. Nachdem hier Aufstellung genommen war, gedachte Hr. Pastor Haupt der gefallenen Kameraden, worauf der Verband-Zvorfißende ein Hoch auf Se. Majestät den Kaiser ausbrachte, in das die vielenTau- sende, welche den Festzug begleitet hatten, jubelnd einstimmten. Am Morgen des 2. September entwickelte fich schon zu früher Stunde ein lebhafterer Verkehr auf den Straßen, und die Häuser legten bald ihren schönsten Fahnenschmuck an. Um 7 Uhr zogen die vier höheren Schulen unter klingendsm Spiel nach dem Domplaße, auf welchem fich bereits die theilnehmenden Festgenoffen eingefundsn hatten, Nachdem Aufstellung genommen war, stimmten die Schüler den Choral „Lok'e den Herren, den mächti- gen König der Ehren“ an, nach dessen Schlußvcrse Direkwr Bormann ein Hoch auf Se. Majestät den Kaiser aUSbrachte. Die Schulen

agen sodann nach dem Vogelgesang, dem Sehüßenhause, dem riedrirh-Wilhelms-Garten oder nach dem Schulhause zurück, um in engerem Kreise durch Reden und Gesang den Tag zu feiern. In den übrigen ftädiischen Schulen wurde der Sedantag gleich- falls feierlich begangen. “Um 10 Uhr begann in der St. Io- hanniskirehe der Festgottesdienst, welchem die Spißen der Be- hörden, der Magistrat, die Stadtverordneten und viele Offiziere beimohnien. Herr Prediger Döblin hiclt vor einer zahlreichen

Zirhörerschaar die Festpredigt, weicher als Text 2. Sam. 22, 29 _

U. 30 zu Grunde lag. Der Kirchengesangverein verherrlichte dm Gottesdienst dUrch Vortrag des von Rolle komponirtcn 103. Psalms. Um 111; Uhr zogen die vereinigten Männergesang- vereine nach dem Alten Markte, nahmen vor dem Rathhause Anfsteilung und trugen außer einem Morgengesange von MM? drci patriotische Lieder: ,Die Wacht am Rhein“, „Dornröschen Straßburg“ und „Heil dem Kaiser“ unter dem lebhaften Vei- falle der zahlreichen Festgenoffen vor. Nach einem Hoch auf den Kaiser, welches Herr Ober-Bürgermeifter Haselbach ausbrachte, wurde der Choral „Nun danket Alle Gott“ von der festlichen Yersammlung angestimmt. Damit schloß der ernste Theil der erer.

Während des Vormittags hatte fich der Himmel vollstän- dig aufgeklärt, und das schönste Wetter begünstigte den Beginn drs Volksfcstes, das namentlich in dem Herrcnkrug? sich in schönfter Weise entfaltete, Neben Konzertvorträgen wurde das Publikum durch Gesangsvorträge der Vereine erfreut. Bei an- brcchender Dunkelheit ward der westlichr Theil des Festplatzes beleuihtet. _ Ebenso fanden in HaÜe a. S., Langensalza, Oi- vcnstedt erhebende Feierlichkeiten zur Erinnerung des Sieges- tages „statt.

Kiel, 3. September. Die Feier des Sedantages hat nicht nur hier, sondem auch in Schle6mig und Flensburg unter äußerft zahlreicher Thrilnahme bei schönstem Wetter in erhsbender Weise stattgefunden.

Emden, 3. Sepiemher. Unsere Sedanfeier War von dem herrlichßen Wetter begünstigt und hat auch in aUen übrigen Be- ziehungen einen allgemein befriedigenden Verlauf genommen. Durch die ailgemeine Theilnahme der hiesigen Bevölkerung und die umsichtigen Feßvorbereitungen, welche eine solche an aUen in dem reichhaltigen Festprogramm vorgesehenen Feftlichkeiten er- möglichte, geßaltete fich der gestrige Tag zu einem Volksfeste im besten Sinne des Worts, welches die Fcftgrnoffen aus allen Ständen bis spät nach Mitternacht zusammenhielt und auch nicht durch den leiseßen Mißton gestört wurde. Als besondere Glanzpunkte des Festes sind hervorzuheben: die allen Kon- fessionen gemeinschaftliche kirchliche Feier in der großen reformirten Kirche, für welche die Feftpredigt Paftor Pannenberg übernommen hatte, der Feßzug und die Fest- rede des Bürgermeister Fürbringer auf dem Festplaße, die Be- wirthung der Kinder aller hiefigen Schulen durch das hierzu ge: bildete Comité der Frauen und Jungfrauen Emdens, endlich das abendliche Festbanket in dem Hauptzelte des Fefiplaßes, bei wexchem die ausrzebrachten Trinksprüche auf Se. Majestät den Kaiser und König , Ihre Majeftät die Kaiserin: Königin, Se. Kaiserliche und-Königliche Hoheit den Kronprinzen, Fürst BiSmarck, Moltke, das 78. Oßfriefische Infanterie-Regiment 2c. 2a. mit größter Begeisterung aufgenommen wurden. _ Die für die Bemirthung der Kindxr gesammelten Beiträge waren so reichlich geflossen, daß das Frauen-Comitéz nicht unbedeutende Ueber- schüffe behalten hat, welche dazu vMendet werden sollen, allen Schulen der Stadt die wohlgelungenen gestochenen Bilder des

- Wirthschaft im Königlichen

aisers und des Kronprinzen in passender Einrahmung „zum

“sndenken an das diesjährige Fest zu schenken.

Cassel, 2. September. Wie im vorigen Jahre, so ist auch ieömal die Sedanfeier festlizh begangen worden. Alle öffent- jchen Gebäude, sowée viele Privathäuser waren beflaggt, theil- „eise auch mit Guirianden, Blumen 7c. auSgefchmückß Ganz esonders schön war das Theater dekorirt, dessen Balkon die ntendantur in einen förmlichen Garten hatte um-randein (affen.

m 10 Uhr bewegte fich ein endloser, von drn Veteranen aus en Befreiungskriegen eröffneter Zug vom Ständéplaß aus durch „i,? Straßen, an dem fich dcr Kriegervercin, die städtischen

chUlen, die Turner und Turner-Feuerwehr, die städtischen Be- eörden, die Werkßätten=Arbeiter mit ihren Emblemsn 2c. be- heiligten. In der Karls-Ylue hielt Pfarrer Spangenberg die „Festrede, indem er über die Bedeutung des Tages sprach und . amentlich die Jugend ermahnte, stets patriotischckzu denken und u handeln. Für heute Abend ein großer Ja elzug in Aus-

tcht genommen. .

Paderborn, 2. September. Zur Feier des Sedan- estes waren heute zahlreiche Häuser, namentlich in den Haupt- raßen der Stadt, festlich beflaggt. Festgottesdienst fand in der evangelisthen Kirche statt. Alle Elementarschuien hatten Schul- eier. In dem Gymnafium Wurde der Tag, unter gleichzeitiger Entlassung drr Abiturienten, dnrch Fcßrcdr, Gesang patriotischer Lieder und Tckiamation von Gedichten gefeiert. Nachmittags 2 Uhr war untcr Vorantritt eines Mufikcorps Frstzug vom Marktplaß aus durch die Hauptstraßen der Stadt: voran die chüler und Schülerinnen der evangelischen Elemeniarschnie, ie Knaben mit Fähnchen, die Mädchen mit Blumenfackeln; odann der Kriegerverein mit der Fahne und hieran schlossen ch Bürger der Stadt. Der Zug begab fick) in den an der Stadt belegenen Meyerschen Garten, in welchem fich im Laufe des Nachmittages immer zahlreichrre Festgenosscn, auck] Damen, einfanden. Von daneHicrcn Wurden den Kindern Erfrischungen gereicht; es fanden dann Spiele statt, Lieder wurden gesungen, patriotische Gedichte deklamirt und Ansprachen gehalten. Dcr riegerverein hatte Concert und trug ebenfalls Lirder vor. Es war ein reges, patriotisches Leben. Gegen Abend gingen die inder im Zuge in die Stadt zurück. Der Kriegcrverein hatte Ball und im Hoiei Loeffelmann fand ein Feßessen statt, an welchem mehr als 100 Personen Theil nahmen.

Dresden, 3. September. Sachsens Hauptstadt 1rug zur Fricr des gestrigen nationalen Festtages ein rrmstrs, weihevoch erräge. Der Werkeltagslärm war verßummt. Die Bureaus der Königlichen, wie überhaupt die aller Behörden, die Börje ' nd sonstigen Geschäftslokale, die meisten Kaufläden und Werk- stätten blieben geschlossen. Im festlichen Flaggenschmuck prangte die Skadi. Von dem Königlichen Refidenzschlosse wehte, zwischen en Reichs- und Landesfarven, die Königliche Hansslagge herab. Das Llltstädtrr Rathhaus trug seine Festdekoration und ie alle öffentlichen Gebäude geflaggt , so hatten auch zahlreiche Privathänser in Fahnrn, Büsten, Bildern Und der- gleichen eine Zierrath angelegt. Die voliste Hingebung endlich an die Jsier spiegelte fich in der bimten Mc11schenmenge, welche von früh an in gchobener Fcststimmnng die geschmückten Siraßcn die Siadt belebte. Würdig eingeleitet wurde der Tag durch den GotteHdienfi, der am Morgen von 9 bis 10 Uhr in aUen Kirchen, sowie in der Synagoge siattfand. Dem Gottes- dienste in der Kreuzkirche wohnten die Spißcn der Behörden, sowie der Stadtrath und die Stadtverordneten bei. In den ehranstalten und Schulen fanden zur Feier drs Tages ent- sprechende Festakte statt. Von 12 Uhr an ertönte Musik vom Balkon des Raihhauses, während der durch die ßchengelaffenen Marktbudrn freilich etwas beschränkte Raum des Marktes nor dem Rathhausr dicht von Menschen beseßt war. Ein vom Militärverein veranstalteier Festzug begab fich Vom winger aus in das Königliche Schloß, moselbft nach einem esange der Vize-Präfident dcr särhfiW-zn Militärvereine, Hr. Inspektor Tannert, eine Rede hielt, die er mit eiiiem drei- maligen Hoch auf Ihre Majestäten den König Albert und den Kaiser Wilhelm schloß, in wclchcs die Jestgenoffen jnbelnd ein- immten.

Tie Nachmitiagsfeierlichkeiten wurden leider durch die Un- gunst der Witterung theilweise gestört, erlitten aber keine .resent- liche Unierbrcchrmg. In der dritten Stunde sehte fich der große Festzug der hiesigen Gesang- und Turnvereine mit zahlreichen Fahnen und Emblemen von der Mitte der Stadt aus in Be- wegung und [angie pünktlich 31 Uhr auf der einfach, aber geschmackooll dckorirten Sängerfestwiese am Waldschlößchen an. Nach dem Vortrage mehrerer Gesävge begannen die Freiübungen drr Dresdner Turnerschaft, welche troß dcs herniedcrftrömenden Regens ihrersFortgang nahmen. Dagegen mußte sich der Feßrcdncr auf eine kurze patriotische Ansprache Beschränkcn. Inzwischrn hatte der Himmel fich wieder aufgeklärt, und das Programm konnte nunmehr innegehalten werden, Am „Schlusse der annübungen erfolgte die Vertheilung der Preise m Gestalt von Eichenkränzcn durch Herrn Ober-Bijrgrrmeister Pfotenhauer. Später vereinigten fich die Sänger in der großen Großen Garten, auf dem Wald- schiößchen und im Schillerschlößchen zu GesangSproduktionen. In dem den beiden [chtercn Etabliffemknts nahen Linckc'sckzen Bade hatte ein Concert der „Dresdner Licdertafel“ ein sehr zahlreiches und gewähltes Publikum versammelt. Beim Ein- hrkchen der Dunkelheit wurde der Garten i(lnminirt, und ein in reichem Lichterglanze srahlendes Schiff am jenseitigen Elb- U'ser erhöhte die festliche Dekoration. Gleichzeitig ließ fich auch elne Anzahl anderer Gesangvereine zu wohlihätigen Zwecken in gkßßeren Etablissements hören. Ebenso fanden in den übrigen großeren Restaurants 11. s. w. Feft-Conccrte und Festvorsteilungen Kail, so im Königlichen Belvedére der Brühlschen Terraffe, im

xcioriasalon auf der Waisenhausßraße, im Wiener Garten 11. s. 11). Bis spät in die Nacht waren die öffentlichen Pläve Und die hervorragenden Vergnügungslokale glänzend erleuchtet.

_ Se. Majestät der Kaiser und König haben dem evangelischen Verein der Gustav-Adolf-Stiftung zu [einer Kirchenkollekte einen Beitrag von Eintausend Mark zu Jsmthen geruht und diesen Betrag dem Hof- und Garnison- Predtger Rogge zu Potsdam zur Weiteren Veranlassung zugehen lassen. Der Centralvorstand hat hierfür folgendes Danksckzreiben

M Se. Majefiät gerichtet: „Leipzig, den 30. August 1875.

Sr. Majestät * dem Deutschen Kaiser und Köui e von Preußen

otsdam.

_ (Zw. Majestät , abetx mit Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin dcn evangeltjeben Stern der Gustav-AdolfzStistun in so huldvoüer Weise empfangen

unt? dUkch Ihr Linergnädtgétes Cgrscheinen mit Ihrer Majestät der alse'rtn_yor Be mx! de_s Fxtmabls so hoch geehrt und erfreut, daß es uns mmgstes edurfmß ist, für alle Gnade, die wir wieder in Pots-

xalxrrempfirgen, unsern allerunterihänigsjeu Dank auch hierdurch dar- u ringen.

_Wlk Wissen, daß diese Gnade dem wichtigen und schweren We:ke gehyrt, dessrn Pflege Gott und das Vertrauen drs Vereins uns zur ésltcht grmzchi haben. Aber Eure Majestäte'n gestatten cs auszu- quchen, tmc hock) uns diere Huld und Gitake erquickt und in dr Wetterpflege unseres evangelijchcn, weit übcr Dcutschland hinaus- rageudexr Werkes gestärkt hat.

. Moge Gott, urisr Vater in Christo Jesu, unser aüriniger Trost tm Lrben un_d_ Sterhcn,_ Er, der die Seele auch unsercs Wcrkes isi, Euere Maisnaien reichlich segnen, Das ist das heiße Gebet wir unserer? Vereins, [0 unseres ganzen Volkes!

Ju tiefster Ehrfurcht verharren

Ew. Majestät ' allernnierthänigste Der Centralvorsiand des ewangclischen Vereins der Gustav-Adoif-Stistung:

131". Gusiav Adrif Fricxkxz Vorsißx'nkcr Dr, Hermann F?rdinand von Erregern, Schnstsuhrer. Dr. Carl Lampe SLK„ Kassicer,“

_ Nachdem die Einziehung des deutschen LUUÖLS- paprergcldrs und der aquandeswährung lautenden deu_tschetr Banknoten gesetzlich angeordnet ist, wird natur- geinaß von (211911 Seiten der WUnsck) laut, daß diese Zahiungs- mtitel t'hunlichft bald aus dem Verkehr treten. Die Jinanzleitnng de's Reichs theiit diesrn Wunsch und hat die-zUr Förderung der Einziehung gecigneten Anordmmgen cm die Reichskaffen ergehen [offen. Allerdings hat fie nicht anordnen können, daß diejenigen Reichskaffen, welche in Preußen ihren Six; haben, das Papier- geld anderer Bundesstaaten oder die Noten von Banken in an- deren_ Bundesstaaten in Zahlung annehmen soUen, denn nach den m Preußen heute noch geltenden Gesehen vom 14. Mai 1855 und 25. Mai 1857 ist es verboten, fremdes, auf Thaler- wahrung laatendrs Papiergcld in Abschnitten von weniger als 10 Thlr. oder fremde Banknoten irgend einer Art zu Zahlungen zu gebrauchexi. Dagegen ist schon seit längersr Zeit Vorsorge getrhffen, daß solche Werthzrichen durch Vermittelung der Pro- vinztgistellrn drr Preußischen Bank und des privatrn Bank- goichasts, wie die'?) nach den erwiihnten Gesehen zulässig ist, an- gekauft und durch die Reichépostverwaltung zur Einlösung prä: sentirt werden.

_ Die Reichs-Iustizkommission begann in ihrer zweiten Sißung nach den Frrien die Bcrathimg des vom Nbg. Thilo bcantragten §. 215 T),: „Nach der Abhörimg Link's jeden Zeugen, Sachverständigen odrr Mitangckiagten, soil der Ange- klagte befragt werden, ob er auf die eben vrrnommrne AUHsage etwas zu erklären habe.“ Der Antrag, der besoridsrs mit der Erwägung befürwortet wurde, daß in dieser Art dsr Befragung das Interesse des Angeklagten am Besten gewahrt und ein klares Bild des Strafsalls am Sicherstrn gewonnen Wi'kdk, fand nach kurzer Dekane Annahmr. §. 216 des Entwurfs wurde sodann nach läng-rer Tiskixsfion über dir Frage, inwieweit die Ein Zeug- niß oder ein Gutachten enthaltenden Eiklärnngrn verkcsen Werden dürfen, mit einem Anfrage der Abgg. U. Puttkamrr UUd Gneist mit drr Aenderung angenommen, daß eine Verlssmig dcs Gut- achtens öffentlirhrr Behörden behufs der BeweiSaufnahmr in der Hauptverhandlung nicht stattfixidcn solle, vielmehr die Behörde zu ersuchen sei, ein Mitglied zu hezcichnrn, welches von ihr mit der Vertretung des Gutachtens in drr HaUpwerhandlung beauf- tragt sei. Die §§. 217_220 wurden angenommen, §. 218 mit einem nicht wesentlichen Zufuhr in Bezug auf die Ver- handlung mit Tauben. Die Berathnng der §§. 221 und 222 wnrde mchessht, §. 223 nicht beanstandet. §. 224 fand Annahme mit folgendem, vom Abg. Bkckkk beantragten Zufuhr: „Das Gericht hat auf Antrag des Linge- klagten die Verhandlung auszusrhen 1) WLUU die That in Folge erst in der Verhmidlang ermitteltyr Umsiände nack) cinsm Straf- gesehe als strafbar erscheint, wrlchks die Erkennung ciner sch1ve- reren Strafe? gegen dcn Angekiagtcn zuläßt, als das in dem Beschluss über di? Vrrwcismrg angeführte Strafgesexz; 2) MMU vom StrafgkscH Orsonders hexvorgrhoheiie Umstände, wehhe die Strafbarkeit rrhöfécn, erst in dcr Verharidlung vom Angeklagter: zugestanden find.“ Bci §. 225 entstand eine ausführliche Er: örtcrung über die Frage, ob Entscixidnngsgiünde noch in wei- terem Umfange, als nach dem Entwurfs, in Vszng auf die Schdefragc, die Strafzumessungsgründe und die miidcrnden Umstände aufgenommen werden solle". (Hin dahin gehender Antrag des Abg. Becker wurde in Brzug auf die beiden ersten Punkte angenommen.

_ Heute früh rückten sämmtiiche Truppenthcile des Gardr-Corps _ soweit sie nicht schon geßern die Garaison verlassen hatten _ in das Manöoechrrain ab.

_ Se. Erlancht der Graf Clemens zu Schönburg- Glauchau ist nach Gitsow abgereist.

_ Dcr Generai der Infanterie von Stosch, x'; ja Znitez dcs See-VataiÜon-Z und Chef der Admiralität, hat sich nach Danzig begeben.

_ Dcr Grneral-Licutenank Wolff- von Linger, In- specteur der Gcwehrfabriken, ist von seiner Jnspizirungßreise hierher zurückgekehrt.

_ Der Kaiserlich russische General-Adjutant, Baron v. Wrangcll, ist gestern Abend aus Travemünde hier an- gekommen und im Hotel Royal aigesticgen.

_ S. M. S. „Vineta“ am 1. September cr. in Danzig, behufs Uchcrführung nach Kick, in Dienst gestellt.

Kiel, 3. September. (Kiel. Ztg.) Das Uebungs- geschmadcr, bestehend aus den Panzerfrcgatten „König Wil- helm“, „Kaiser“, „Kronprinz“, der Painzktkorvette „Hansa“ und dem Aviso ,Falke“, sowie die Fregatte „Niobe“, die Briggs “Undine“, „Musquito“ und „Rover“ werden Mitte dieses Monats im Kixisr Hafen vereinigt sein, wo der Chef der Admiralität die UebungSschiffe inspiziren wird. _ Brief- sendungen für das Kanonenboot „Nautilus“ sind bis auf Weiteres nach Gibraltar zu dirigiren.

Bayern. München, 2. September. Se: Majestät der König hat heut aus verschiedenen Landestheilen und von aus- wärts aus Anlaß der Erinnerungsfeier an den Tag von Sedan zahlreickze Huldigungstelcgramme erhalten. _ Die Ernennung des neuen Erzbischofs von Bamberg wurde unter dem 31. d. M. offiziell in folgender Fassung publi- zirt: „Se, Majestät aben Sich bewogen gefunden, unterm 31. Mai d. I. den bisherigen Kreisscholarchen von Oberbayern und „Pfarrer von Engelbrechtömünster, Bez. - A. faffenhofen, K. geißl. Rath Fr. Schreiber zum Erzbischof in amberg zu er- nennen.

Baden. - KarlSruhe, 2. Sepiember. Ihre Königliche

Hoheit die Prinzessin Katharina von Württemberg

traf Dicnßag, den 31. August, Nachmittags, um Be a der Großherzogliäzen Familie auf Schloß Mainai? cin unsd chkehrte Abend?- wieder nach Villa Seefeld bei Rorschach zurück. Mitt- whch, den 1. d.,*Um Mittag, begaben fick; Ihre Königlichen Ho- heiten der Großherzog und die Großherzogin nach Con- stanz zur Begrüßung der Fürstlich hohenonernsrhcn Familie, welche sich auf der Reise von Kraurhemvies nach Schloß Wein- burg bci _Nhemcck befand. _ Ueber den VSTinlf anHwärtiger Wahlnzannerwahlen wird gemeldet, daß OiHh-er in Tur- lackz 8, tn Baden 7, in Säckingen 16 und in Staufenberg 4 natmnal-[iberale Kandidaten mit großer Stimmrnmrhrhcit ge- whhlt wnrden. _ Die Stadtbchörde hat zwei vatcrkändisckze Träzkjer dadnrch geehrt, daß sie deren Namen zwei Stadtstraßen ertheilte. Die bisherigc Lhcenmsßraße hoißt mmmchr «Hebel- straßr (Hebel hat darin gewohnt), und die nene Straße von der Miihlburger Straße nack; dsr nrum Sophirnftraße ift Scheffelstraße benarmt worden zu Ehrcn dka Tirhtcrs Vr. Victor von Scheffel.

Frriburg, ]. Septembrr. Hertie hat die 23. Gcncral- versammlung der (römischen) Katholiken Tentirh- lands zu tagen begonnen. Während des grstrigcn Tages trafen die Theisnehmcr, weiche größtrnth-xiis drm Zristlichen Stande angehören, hier ein. Dirsen Morgrn nahm *dir Ver- sammlung mit einc'm feirrlithen Hochamt im Minisxsr ihren Anfang, moranf sich die Theilnehmer im Ziigr im:!) dem fogrnannirn kathoiisrhen Verritishanse begahrn, wwsclh'st so- dann die erste ,gesch[offene“ Generaivcrsannniimg, die fich dem Programm gemäß mit der KonstitnirnUg drH Vor- stqndes UNd drr Ausschüssr zu befassen hattk, abgrhaltrn wnrde. Die erste_ öffentliche Versammlung findet heutr Ahknd in der KumsjhaUe anf drm Karlsplahe statt. Namch drr hicsxgen Altkatholikrn hat deren Seelsorger, Hr. Professor Dr. Michclis, heute mitteist Vcröffentlichung durch Die hiefichi Vläiirr Und Anschlag an den Straßenecken dem Kongrrffr eine Anzahl Thesen zur öffentlichen DiSkUsfiOU Uorgelogt Und fick) znr Vcr- thxidigimg derselben erbotcn. Der Hauptinhalt dieser Thesen läßt fich in Kürze dahin zusammenfassrn:

1) Die Wahre von Christus gchündrie Viriaffmigsirrxn dcr k411301ischck8n Kirche 1st nickot der Absolutismus, sonrrrn ri? dcr kon- stitutirxi-ellm Staatsform cntsprrchrndc; 2) dis vatikaniirrsn Drkrste vom 18. Juli _1870 find daher ksin rechtwäßiges katixrlis-Örs Drgma, sxndsrtreine U7urpatirn von Seiten drs Papstes, cin Ziani?- oder Ki1'chknsi_k€1ch Der Jsfuiien; 3) alle“.- R'ahrksrtigunhs- mid errheidi- gurgzyrrzuche dcr anaklihiiisten und der irfan-xiiéstiickzen Bischöfe brruhen auf offener Unwahrhrik odcr aui Zr'.*i)ii1crci; 4) die Triebfedkr “kisses Beginnens in rxr Kirché k.11111 rn: cine un55111iche skin; das näxhsie Zirl drs J:]"Uiiismaö 11120 11:2:amrnta- 11iÉ_1UUZ ist die P&TÜUUTUUJ dcr Einwirkung dxÉ krixriKé-sn (Hxiiies gui dir Kirchs, U:!d daher drr Siarz I)enisciöxa'aks ron dcr Höhe icim'r ixhizcn Lchtitrihmgz 51115 Erschsim rc-thlig 5.15 (JirJsi-snö- sacbr und hkiligr PWM iür jsden dsuii-Ö-n Kakkwäln, mix aller Kraki nnd Energie" gcgcn dcn Sikg diefsr Partei in U::Jch Dsaisckxea Vaterland? einzuxtshm.

Oesterrcirh-Ungarn. Wien, 2. Septrmbér. Sr. Ma- jestät der Kaisrr ist vorgcstern ANUÖE 9 Uhr von Ofen nach Bruck zurückgrkehrt, _ Se. Kaiserliche und Kömigxirhr Hoheit der (Trzherzog Ladivig Victor ist am 1. d. M. in Dresden cingciroffrn und dort von Ihrer Majrsiät dcr Köitizin Marie empfangen worden.

Bad Gastein, 2. September. HOME mitrd-x hirr eine Sedan_=Feicr abgehalten. Aus Amiaß des Gedcnktigrs fand ein aroZ-és Diner für die zahlreichen deutschen Kirr-Ziix'xe im Bade- sch10ffc statt.

Pest, ]. September. Grficrn Nackzmirtacch nm 4 Uhr hieitrn jrne Mitglieder des Oberhauses, wrlrhs dsr Rogie- rungS-Partei angehören, beim Grafen Akmaffx), NÖCTWÄ Um 6 Uhr aber jLUf', wrlche der Opposition der Rechten znstimmcn, beim Grafcn Grorg Karolhi Konferenzen, um übsr die' KaiididaxiMcn für die Wahlen dsr Uerschixdciien C0miié:Mixg1icd-:r srhliisstg zu wcrden. _ In der hrntigen Sixznng drs Rhgsord: n e t e n h a U se es wurde cine Zuschrift Fkkiilz Drais verlesen, in welcher derselbe erklart, dax"; er sein 2113111552 nicdrrkegc. Es wird hierüber erst nach der Koxistiini- rung Beschluß gefaßt ivrrdcn. In der ?lbendfitzmig drs Ab- geordnetenhauses wurden die nrun Sektionen ansgcloosi, die fich morgen fonstituiren wcrden.

Czernowiß, 2. September. Der Gemeinderat!) hat in seimr gestrigen SihUng ach Beitrag zur Erriihiung cines Universitäts=05cbäuch 50,000 Fl. votirt und Überdies eincn Gartengrund für die Errichtung eines botanischen Garten?- gewidmet. ,

Frankreich. Paris, 3. September.

(W. T. B 31 dem hrute Vormittag stattgehabxcn Ministerraihe ist auch

wegen drs in der gcstrigon Sihimg dcr mission zur Sprache gebrachten Artikels des „Pahs“ herathxn worden. Justiz - Ministrr Dufanre warde mit der weiteren Erörterimg der Angelegenheit bcaiiftragt. _ Von den Abendbiättern wird eine Zuschrift des Generals Klapka veröffentlicht, worin derselbe erklärt, daß er die Uebrr- nahmr des Oberbefehls Über die Iniurgenten in BoSnirn ab- gelehnt habe. Er Wolle nicht gegen die Türken kämpfen, die im Jahre 1819 die einzigen Freunde der Ungarn gewesen seien, und eben so wenig zn Gunsten der Serben, die sich damals als erbiitcrir Rinde Ungarns erwiesen hätten.

Spanien. Madrid, 3. Ssptemher. (W. T. B.) Hier eiiigegangenen Depeschen zufolge versucht Dorregarat) unter Bcnuhnng der GebirgSwege durch Aragonien nach Navarra zu gelangen. Die Anzahl seiner Truppen wird verschieden angege- ben; nach einigen Nachrichten soU dieselbe 1000 Mann und 100 Pferde betragen, nach anderm 2500 Mann, Zwei Tini- fionen der RegierungSarmee find von Jaca (Provinz Aragonien) und TafaUa aufgebrochen, um Dorregarah den Wog zu ver- legen. _ Die Fregatte ,Vittoria“ bombardirt Ondarroa an der cantabrisrhen Küste. _ Der deutsche Gesandte, Graf von Haßfeldt, vom König Alfons in Audienz empfan- gen worden.

_ Der „Agence Havas“ vom 3. September Zwird aus Talos a gemcldet, daß die Provinzialdeputatfonen ker bas- kischen Provinzen fich weigern, eine Maffenaushebung von Mannschaften zu beschließen,. wie dies Seitens der Provinzial- deputation von Navarra geschehen ist. .

_ Die Kapitulation, welrhe die Bedingungen der Uebergabe von Seo de Urgel feststellt, hat folgenden. Wortlaut:

26. August 1875. Don Joaquin JoveUar und Don Arsenio Martinez Campos, General-LicutenantsZnud Obcr kommandirende dcr Armeen des Centrums und von Cgtalonien, un Don Antonio Li- zarraga, Feld-Marschall der carlisttichen Armee, sind in Anbetracht der glauzenden Vertheidigung, welche die carlistische Besahnng der Joris von la Seo de Urge: Citadeae, Schloß urd

Permaneiiz - Kom-