1875 / 209 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Tue, 07 Sep 1875 18:00:01 GMT) scan diff

treffenden Abschnitts. Nach klikZCL Debattx iibcr das,Institut des Schwurgerichts überhaupt, in d_er verschiedene Mitglieder er- klärten, daß auch fie, zwar dem Schriffengxricht vor dem Schwur- gerichte den Vorzug gäben, jedoch'fur Beibehaltuxig des leßteren ßimmen würden, weil die öffenilxche Meinung m Deutsch[and gegenwärtig überwiegend auf Seitxn_des leßteren stekZe, und fie abwarten wollten, ob uicht bc: Einfuhrung _des' Schoffengerichts für geringere Straffälle dgsselbe fich allmahlich, derart Balzn brechen werde, daß demnachst das Schwurgericht durch em großes Schöffengericht erseßi werden konn-s, wurde §. 234 un- verändert angenommen. Enie lebhafte Erorterung rief dagegxn die Frage hervor, ob die Bildung der Geschworenrnddnk fur aUe in derselben SißungsPeriode vorliegenden Siraffexllegm- mittelhar nacheinander oder, wie der Entwurf es mill, fur ]eden Fall unmittelbar vor Beginn der Verhandlung deffeibeii stair- finden folie. Schließlich entschied sich die Kommiifiori rmt ziemlich großerSiimmcnmehrheit für die fakultativr Gesammibildung der Ge- schworenenbank und bestimmie zugleich, daß dariiber, ob in der einzelnen Sißungsperiode davon Gebrauch gemacht wrtden solle, nicht der Vorfißende aUein, sondern das Gericht beschließen solTe. Im Uebrigen wurden die §§. 235-237 imgenommen. Ber §. 238 wurde ein Antrag, die Zahl der im einzelnen Falle mri- wirkenden Geschworenen von 12 auf 9 herabzusexzen, der Mit dem Wunsche, die Last des Geschworenendtenstrs zu erleichterxi, und mit der Erwägung molivirt wurde, daß die 3951 9 genu- gsnde Bürgschaft für einen zutreffenden Spruch gewahre, zumal wenn man Einstimmigkeit verlange, abgelehnt. Dagegen wurde auf Antrag des Abg. Becker beschissen, „der Sta€16anwaltschaft mir ein Drittheil der Abiehimngsn von Gcsrhworenen zu ge_stattcn. Die §§. 241_247 fanden nach knrzer Erorterung unverandertc

Annahme.

_ Nacizdcm dcr vormalige Bischof von Paderborn, Dr. Martin, sick) „“aus der ihm auf Grund des Reichögeseßes vom 4. Mai U. I. zum Aufenihalt angewiesenen Stadt Wrsel ohne Erlaubnis; entfernt hat, haben die Minister des Innern UNd der geift1ichen2c. Angelegenheiten unterm 15.AUgUftc. 111.1 dcn Königlichen Ober-Präsidenten von Kühlwetter zu Münster die nachstehende Verfügnng erlassen:

( Oer vormalige Bischof von Paderborn, 131“. Martin, wird, in "'."WÜJUUZ,

das; derselbe, nachdem er durch rechtskräftiges Urtheil des König- ]iiiyxn Gerichtshofes für kirchliche Angelegenheiten vom 5. Januar D. J. aus dem Amte als Bischof Von Paderborn cntlaffcn worden v.“.ir, Handlungen vornahm, ans Welchen Hervorging, da)“; er die Fort- dauer des entzogenen Amtes deanipruchte;

da)) ihm deswxgcn "durcb Verfügung der Königlichen Regierung zu Minden va 18. Januar d. J. in Gemäßheif des §. 1 des Reichs- z_;?1'e15es,1*rtrsnend die Verhinderung der unbefugten Ausübung von Kirchenämicrn vom 4. Mai v. J. (R. G. Bl, S. 43), der Aufent- hxlt 111 der Stadt erel angcwicfen worden ist;

daß er jrdoch diescr Verfügung zuwider gxlxandcit hat, indem er am 4. Angnst d. Z. 17911 ikxm angewiesenxn Aufenthaltßort ohne Er- 1,?i.5niß rsrlassxn; _

daß er außxrdom während scincs Aufenthaltes in Wssel Wieder- k-ZLL Handlungen vorgenommen hat, Welche xine ausdrückliche_An- imizung des iiym entzogenen Amiez knihielten, indem er in 1*€r!chic- dixen, an öffentliche Behörden gerichisten Schreibsn sich als „Bischof von Paderborn“ unterzeichnete:

auf Grund des §„1 des erwähnten Reichsgeseßes r;m 4. Mai 1). I. der preußischen Staatöangehörigkeii hierdurch verlustig erklärt.

_ Eine Anklage wegen gewerbSmäßigen Glücks- spieies im Oktober 1873 führte am 30. Dezember 1873 zur Verurtheilung. Später wurde bekannt, daß der Väruriheiiie im November desselben Jahres wiederum gcwerbSmäßig hasardirt und girichzcitig dabei die Bank gehalten habe. Abermals wurde die ßrafgerichtliche Untersiickxsmg und zwar wegen unbefugten Bankhaltcns eingeleitet, dagegen das gleichzeitig bcgangene Verbrechen des gewerbSmäßigen Glückspieieé» in die Untersuchung nirht hineingezogen, weii das [cßtere der Zeit nach vor dem Er- kexmtniß vom 30. Drzembcr 1873 liegt, und somit eine neue Vcriirthsilung mis denselben Gründen nicht auSgesprochcn Wer- ')Si'; konnte. Gegen die neueVerurtheiiung in erster imd zweiter Instanz wegen Uiibeiugten Bankhaltens legte der Nngekiagie die Z1i€ch1igksitébeichwcrde ein, in welcher cr geltend machte, daß nach §. 73 da??: Z::aigeicßdiicl,es,ivenii eine und dicsesbeH-andiung mehrere eruibsßéxmwigkn v::1e§t (hier also die wrgen gcwrrdsmäßigen Gisiikspirlz x:“.d Unbkiiigien Bankhaitcns), nur diejenige Bestimmung. irsirhe dic schwerste Strafe, resp. Straf- ar! andrdht (hier wegen gewerbsmäßigen GlückspielS) zur Niixrendnng korrimt. Wenn nun im vorlicgendrn Jade auf Grimd drs [eßtech Gescßss (aus dem oben angegrbencn Grundc) ani Sirafe nichr erkaimt werden kann, so könne er nach §. 73 ch Si. 65. B. iiberhaupt nicht bestraft werden. Das Ober- Tribrtnal wirs jeddck) in dcr SUZUKI vom 12. Juli d. I. die Nick)iigksiisbcsckyvcrde ziiriick, indem ec.“- auéführte: „§- 73 St. G. B. scßt vorans, daß im gegebencn Falle auf Gruud der sirciigercn Strafbcstimmung auf Strafe erkannt wcrdrn kann. chn mm in Einem Falle die Strafverfrlgumg nuch drrscibcn u:;staithafi ist, so folgt nicht, das; deshalb (mal] die Beßrafung mies dem zweiten edciifails verleßien Geseyc ais ausge- schlossen zu erachten. Hätte: das friihereStrafverfahren sick) auch aiif die Spielfälie aus dem November 1873 erstreckt, so wäre dsr erkennrnde Richter in der Lage gewesen, mit R 1":chficht auf dieselben em höheres Strafmaß terkennen. Der Umiiaud nun, daß die fraglichen FiiUe erst im gegenwärtigen Verfahren zur Sprache gekommen smd, hat allerdings, weil sie vor dem Er: kcnntniß vom 30. Dezember 1873 liegen, die rechtliche Folge, daß eine neue Vernrttzeilung wegen gewerbSmäßigenHazardspicls gcgen den Angéklagien nicht ausgesprochen werden kann, steht dem aber nicht entgegen, daß derselbe, wie gesche[)en, wegen der scibständig strafbaren Ueberlretung des §. 360 Nr. 14 des Str. G. B., die außerhaib des Thatbestandes der friiheren Ver- uriheilung liegt, zur geseßlichen Strafe gezogen wird.“

_ Tie Mittheilung des strafbaren Inhalts eincr Zerichtlirhen VertheidigungSrede durch eine Zeitung 111, „nach einem im Juli d. I, ergangenen Erkentniß des Ober- Tribu11als,strafbar.

_ Der General-Feldmarsäzai] Freiherr von Manteuffel, (H'exieral-Adxutant Sr, Majestät des Kaisers und Königs, ist von seiner Befißung in der Neumark hierher zurückgekehrt,

..."." Der General der Kavallerie und General-Inipecteur des Militar:Erzteh_ungs- und BildungSwesens, Baron von Rhein- baben, hat emeJnspizirungSreise nach den westlichen Provinzen angetreten;. der De_neral-Major Weigelt, Commandeur der 1. Fuß-Artrüerxe-Yrigade, hat fich zur Inspizirung der Posen- schen und 'Marktichen Artillerie-Depots auf Dienftreisen, der Geyxral-„Maxor Halfter, Dezernent in der Kaiserlichen Admi- raixtar, m dienstlichen Angeiegenheiten nach Zoppot begeben.

-MWWWM-RMUWM" .»4 ** «“ - *, „., , - ** . !

&

_ Der General der Infanterie von Stülpnagel, von der Armee und beauftragt mit den Geschäften des Gouvernements von Berlin, sowie mit denen des Chefs der Land-Gensdarmerie, hat sich mit Urlaub nach Geiersdorf bei Fraustadt begeben, ebenso der General-Arzt 1);- Mehlhausen, T3. 13 sujia des Sanitäts-Corps und Direktor des hiefigen Charité-Kranken- hauses, nach der Provinz Preußen.

_ Der Kaiserlich österreichische Militär-Bevollmächtigie Major Prinz zn Liechtenstein hat fich nach Schirfien be- geben, um den Manövern beizuwohnen.

_ Dem mit der Vertretung der zweiten Kreisthierarzt- Stelle in Berlin beauftragten Kreisthierarzt Vo gle r aus Namslau ist diese Stelle definitiv verliehen worden.

Der Kreisthierarzt Vormeng zu Lauenburg i. P. ist aus dem Kreise Lauenburg in den Kreis Neustadt W./P. ver- seßt worden. '

Der Thierarzt erster Klasse Haas e zu Cöslin ist zum kommissarischen Kreisthierarzt des Kreises Ohlau ernannt wvrden.

Danzig, 5. September. Der General drr Infanterie, Chef der Admiralität, Staats-Minister v. Sto)" ck, ist gestern Mor- gen von Berlin hier eingetroffen und hat sofort mit der Inipizirung der Werft begonnen. Heute begiebt fick) derselbe nack) Zoppot und wird sich dort bis zum 11. d. M. behufs Inspizirung des Geschwaders aufhaiten.

Posen, 6. September. (W. T. B.) Das hiefigeAppel- lationWericht hat heute die Appellation des Fürßbischof§ von Breslau, 1)r. Foerster, gegen das vom Kreisgerichtzu Birnbaum gefäUtc Urtheil, wodurch derselbe wegen Exkommuni- kation des Propstes Kick in Kaehme zu einer Geldstrafe von 2000 Mark event. zu einer Gefängnißstrafe von 133 Tagen vcruriheilt worden war, zurückgewiesen und dieses Erkenntnis; lediglich beßäiigt. _ Der Audienztermin in der Unter- suchungssache wider den der geseßwidrigen Anmaßung der Diözesanverwaliung beschuldigten Domherrn Kurowski ist vom hiesigen KrengeriU auf den 18. d. Mis. angeseßt. Als BelastungSzeu en sind zu demselben der Pönitentiar Iaskulski und der Dom err Cichowski, beide von hier, vorgeladen.

Kiel, 4. September. Der Schleswig-Holfteinisckze Städtetag ift nunmehr zum 25. September d.I. nach Haders- leben berufen. Aus der Tagesordnung heben wir hervor das Schreiben des ständischen Ausschusses des Städtetages in der Provinz Posen wegen einer Zusammenkunft im Oktober d. I. behufs Gründung eines allgemeinen preußischen Städtebundes, sowie Voriräge über die Zulässigkeit der Wahl von Polizei: und richterlichen Beamten, deren Thätigkeit fick) nicht auf das Stadt- gebiet erstreckt, zu Stadtverordneten, Verhältniß der Stadt- gemeinde zur Kirchengemeinde nach der Gemeinde-Ordnung vom 16. August 1869, iiber Einflüsse der Sozialdemokratie in den städtischen und ländlichen Kommunen, Styliung der Landräthe zu den Magistraten und Polizeiverwaltern in den zu den Krei- sen geHörigen selbständigen Städten, Beraihung über die Noth- irendigkcit, mit dem 1.Ianuar 1878 eine allgemeine, auf gleichen Grundiäßen beruhende Taxation der Immobilien einzuführen event. Beschlußfassung darüber, die immer mehr zunkhmende Be- lastung der Kommunen beziehentlici) der Bürgermeister mit un- beioldeten Staatheschäften.

IHchoe, 7. September. (Kiejcr Zig.) Nachdem am Frei- tag Abend Se. Königliche Hoheit der Großherzog von Mecklenburg-Sckzwerin in das Ldckftedtcr Lager eingerückt war, fand gestern Morgen 8_11 Uhr die Parade und nach dieser das Excrzieren im Feucr der 31er, 85er Infanterie und des 9. Jäger-Bataiildns statt. Das Wetter war sehr günstig. Nack) eingenommenem Frühstück verlirß der Großherzog das Lager, um über Wrist nack) Mlch[811b11kg zu reisen.

Hannover, 5. September. Gestern Nachmittag 3 Uhr 38 Minuten traf Se, Königlich? Hoheit Prinz Arthur von Großbritannien von Berlin hier ein; derselbe wurde am Bahnhofc von Sr. Königlichen Hodcit dem Prinzen Albrecht und den Spich der Behörden empfangen. Um 5 Uhr 5 Mi- nuten reisten beide Königliche Hoheiten nach WalSrode ab.

WalSrode, 3. September. (Haim. Courier) Gestern Abend um 6 Uhr traf Se. Königliche Hoheit der Prinz Jrisdrich Carl hier ein und nahm bei dem Kom- merzien-Ratl) Wolff Quartier, DaS heutige Manöver auf der Ahrenshaidc war außerordentlich glänzend. Be- günstigt vom Wetter und drm ganz siandfreien Terrain, boten die Rcitermaffen in den verschiedenenEvolutionen ein großartiges Sckmuipiei. Besonders glänzend war die Parade am Schluß des Manövers, bei welcher schließlich im Galopp die chimenirr vorbeigcführt miirden. Das Hauptmanöver findet am 8. bei Kirchboißen staii; es soilen in demselben 32 Sck)wadronen, 6 chimcnter UNd 11 Batterien vc-rcinigt worden. Der Gesundheits- zustand dcr Truppen ist ein sehr günstiger; im hiesigen Haupt- lazarctk) befinden sick) nur 7 Kranke, sämmtlick) in Folge leichter äußercr Verleßimgcn. So eben trifft Prinz Leopold von Bayern ein; der Erbprinz von Schaumburg-Lippe ist seit gestkrn hier.

Bayern. München, 5. September. Vor der Ein- berufung der Kammern haben die Minister Dr. U. Luß und 111". v. Fäustle einen 14tägigen Urlaub angetreten. Das Kultus-Ministerium hat der Königliche Minister des Innern v. Pfeufer, das Iuftiz-Minißerium drr Königliche Staat?;i'atk) im außerordentlichen Dienste 1). Vomhard am 3. d. M, über- nommen. Die beiden erstgcnannten Minister haben sich, einer Einladung Sr. Königlichen Hoheit ch Herzogs Karl Theodor folgend, zu dessen Iagdrn im Rieß bsgeben. _ Die feierliche Enthüllung des Monuments, welches dem König Maximilian 11. in der Maximiliansstraße errichtet wird, ist nun auf den 12. 1". MW., den Namenstag des Verblichcnen, festgeseßt. Die Kosten des Monuments, sowie der Maximilians- ftiftung find bekanntlich aus freiwilligen Beiträgen des ganzen Landes gedeckt worden. Der hiefige Magistrat allein hat einen Vrilrag von 100,000 Fl. geleistet.

Nürnberg, 4. September. Da am Sedantage die regneriickze Witterung den projektirten Festzug vereitelr hatte, fand derselbe heute Nachmittag statt. Der Aufschub war für die Betheiligung keineSwegs nachtheilig, da fich inzwischen noch mehrere Vereine hierzu angemeldet hatten. Nachdem der Zug sick) durch die programmmäßig feßgescßten Straßen, deren Ge- bäude auch heute beflaggt waren, zu dem Festpiaße (Maxfelde) bsgeben hatte, entfaltete fich daselbst ein volksfestartiges Treiben.

Sachsen. Dresden, 6. September. Ihre Majeftäten der König und die Königin haben sich am 3. September vom _Iagdschloffe Wermsdorf nach Iahnishausen begeben, den Manovern dcr KavaUerie-Division beigewohnt und find vor-

gestern (Sonnabend) Abend wieder in Pilan? eingetroffen. „Zur Königlichen Tafel in Pillniß smd für eute

ladungen beehrt worden: das Direktor um der hiefigen Industrie- und Gewerbe-Ausftellung, be chend aus den Herren Kaufmann Aug. Walter, Landrentenban Buchhalter Nagel und „Kaufmann Weller, somie der Kommissar des Geiverbevereins Hr. Schicke und mehrere andere Herren, welche fich um die Ausfüllung vers» dient gemacht haben. _ Morgen und übermorgen (7. und

8. September) wird Se. Majcßät der König den Truppen-

übztngxn bei LeiSiiig beiwohnen. Ihre Majesiät die Königin begtedt sick) am ersteren Tage gleichfaüs nach LeiSnig. _ Vom 4. bis 6. September wird in Waldheim der 6. sächsische Fcuerwehriag abgehalten

Hessen. Darmstadt, 5. September. Hoheit der Großherzog ist am 1. September Vormittag, nach dreiwöchentlichem Aufenthalt in Mainz, in bestem Wohlsein, wieder hier eingetroffen. _ Prinz und Prin essin Carl und Prinz Wilhelm sind am 31. August Na mittags von Reichenhall wieder hier angekommen. _ Aus Veranlassung der

in dem Jorßwesen in leßter Zeit vorgenommenen bedeutenden _

Organisations- und sonstigen Aenderungen hat das Finanz- Ministerium eine neue Instruktion für die Lokal-Forß- verwaltung durch die außarbeiten und solche den Forstämtern zustcüen laffen. werden, ob die neuen Vorschriften sich bewährt haben, oder welche Aenderungen raihsam erscheinen.

Mecklenburg. Schwerin, 6. September. Die „M. U.“ melden unter dem 28. August amtlich: Se. Königliche Hoheit der Großherzog hat den bisherigen Iustiz-Rath von Prollius, unter Ernennung zum Geheimen Legations-Rath, ais Allerhöchftihren außerordentlichcn Gesandten und bevoilmäch- tigten Ministar am Königxich prrußischen Hofe zu beglaubigen geruht. _ Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin ist am Freitag Nachmittag vom Heiligen Damm hierscldst eingetroffen und hat sich nach kurzem Aufenthalt von hier gleich writer nach Rudolstadt begeben. _ Se. Königliche Hoheit der ErbZroß- herzog, Major, wurde, unter Belassung in dem Verhaltnisse Zi 13 31619. des Infanterie-Regiments Nr. 24 und 5 1a 8111ka des Grenadier-Regiments Nr. 89, zum Garde-Kürassier-Regiment :"). 1:3. suits desselben verseßt.

Sachseu-Weiumr-Eisenmh. Weimar, 7. September. Die heutige „W. Ztg.“ meldet: Se. Königliche Hoheit der Großherzog gewährten am 4. d. M. im Refidenzschlosz zu Weimar Sr. Excelienz dem Königlich spanischen Gesandten Don FranciSco Merrr] r) Colom eine besondere Audiénz, in welcher der Leytere einen cigenhäudigen Brief Sr. Majestät des Königs Alfons von Spanien Sr. Königlichen Hoheit über- reichte. In demsckben wurde Sr. Königlichen Hoheit mitgetheilt, daß Se. Majestät der Deutsche Kaiser und König von Preußen ersucht worden sei, im Namen und in Vertretung Sr. Majeftät des Königs von Spanien die Investitur Sr. Königlichen Hoheit mit dem von Hoch)demselben angenommenen Orden des goldenen Vließes zu vollziehen. An diese be- sondere Audienz schloß fich im großm Saale des Re- fidenzschloffes der feieriiche Akt der bezeichneten In- vestitur nach den (Hrseßen des hohen Ordens des goldenen Vließcs an. Se. Majestät der Deutsche Kaiser und König von Preußen vollzogen dieselbe unter Mitwirkung Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen Car! von Preußen, des Herzogs von Osuna et de ['Infantado, Grafen Hérzogs von Venavente und Arcos,- als Pathen und des schon genannten spanisckzcn Gesandten, sowie des iibrigen Personals drr Königlich spanischen Gcsandtsckwst und in Gegenwari der Großherzoglichen Familie, der Mitgiieder des Großherzoglichen Staats-Minißeriums und des Großherzoglichen Hofstaats. _ Die Sedanfeier ist wie überall in Deutschland so auch in Thüringen festlich begangen Worden.

Sachseu:Meiningen=Hildburghausen. M ein i ng e n, 3. Septembcr. Im Herzogthnm Meiningen ist der Se- dantag allerorts mit Dankgottesdienst gefeiert worden. In vielen Gemeinden, 3. B. in den Städten Sonneberg, Gräfen- thal, Lehesten, Saalfeld, Pößneck, Eisftld,Hi[dburghausen, Sal- zungen fanden außerdcm nach den in den vorliegenden Lokal- dlättern veröffentlichten Festordnungen am 2. September, zum Theil auch schon am Vorabend öffentliche Festlichkeiten, als: Glockengeläuie, Morgenmufik, feierlicher Zug zur Kirche, Festzug zu den tzepflanzten JriedcnSeichen, Festreden und Gesang, Schuk- fcste, Festschicßen, Mufikaufführungen, Fackelzug, thcairalisckze Vorßcllungen der Vereine U. s. w. statt. Zum Theik ward leider durch Regenwetter die öffentliche Feier eftört. Wenn man fick) in dcr Residenzstadt auf den Dankgottes ienß, auf das Bcslaggen der Häusrr und auf Festlickzkeitcn in engeren ge- selligen Vereinen beschränkte, während in ailen voranögogangenen Jahren Feßzug der Schulen und andrre Festlichkeiten ftattfanden, so liegt die Erklärnng darin, daß vor einem Jahre, ama-5. Sep- tember, wie bekannt, ein großer Theil der Stadt niederbrannte, und daß, so viel auch geschehen, um denSchaden auSzugleichen, doch noch unfertige Bauten und leere Brandstätter: zu lebhaft an jenen Schreckeiistag erinnern.

Neuß. Gera, 3. September. Die Feier des Sedan- tages ging gestern in üblicher Weise hier von statten: am Vormittag durch Mufikauffiihrungen, Schulfeierlichkeiten in allen Bürger: Und höheren Schulanstalten und gemeinsame Spazier- gänge, am Nachmittag durch V01kaLß auf dem Schüßenplaße, Kinderfefie und Konzerte. und am Absnd durch Feuerwerk 2c. _ Nächsten Sonntag über acht Tage, 12. September, hält der Osterländiiche Gaunerband sein diesjähriges Gauturnfest in Gera ab und soll dasselbe lediglich nur praktischen Ziele'n gé- widmct sein. _ Sonntag, am 5. September, wird dieIahres- versammlung der thüringer Juristen hier stattfinden.

Bremen, 6. September. Der Großherzog von Meck- lenburg veriveiste auf der Reise zu den Manövern der 19. Division zwischen Syke und Hoya Sonntag in Bremen. In Begleitung des „Konsul Dyes besuchte er die Sehens- würdigkeiten der Stadt und speiste Nachmittags auf dem Land- gute des Herrn C. Wätjen in Blumenthal.

und Rentämiern

Oesterreich - Ungarn. Wien, 3. September. Pefier Meldungen zufolge, stellt sich das diesjährige Defizit im ungarischen Budget nach„ den Berechnungen des Finanz- Minifieriums auf 27 Miliionen Gulden. _ Der Banus von Kroatien, Mazuranic, ist nach zweitägigem Aufenthalte in

Pest wieder nach Agram zurückgereift, nachdem er bei der Er: '

öffnung des ungarischen Reichstages als Vannerherr des Landes theilnahm und von Sr. Majeßät in einer besonderen Audienz empfangen wurde. Die vom- kroatischen Landtage votirte Adresse Wurde Sr. Majestät noch nicht überreicht; die aus dem.

achm .ttag mii Ein-

Se. Königliche *

Oberforst- und Domänen-Direkiion“

Nach Ablauf von drei Jahren soU ermittelt,

Präsidenten mid dem Vize-Präfidenten des kroatischen Landtages beftehende Deputalion, welche mit der Ueberreichung betraut Wurde, wird später zu geeigneter Zeit empfangen werden. Die kroatischen Abgeordneten am ungarischen Reickgs- tage haben eine Konferenz geflogen und beschlossen, einen be- sonderen kroatischen Klub zwar aufrecht zu erhalten, aber jedem Einzelnen freizustellen, welcher Reichstachpartei immer bei- zutreten.

Pesi, 4. September. Das Abgeordnetenhaus wählte zu Vize-Präsidenten Joseph Bano und Gabriel Varadr), zu Sckzriftfiihrern Algernon BeöthU- Aladar Molnar, Emcrich HUSzar, Ivan Tombor, Friedrich Wächter nnd Blasius Orban. Der Präsident (thczq übernahm mit einer kurzen Rede unter lebhaften Eljen-Rufen das Präsidium. Auf Antrag des Finanz-Ministers und Verkehrs-Minifters werden der Finanz- und Kommuni- katiOUSUusschuß nicht, wie bisher, aus 15, sondern aus 21 Mit- gliedern bestehen. Ein Steuerausschuß wird nicht mehr gewählt.

_ 6. September. (W. T. B.) Auf der heute hier stattgehabten Konferenz zur Berathung über Aufnahme einer gemeinsamen Anleihe derjenigen Eisenbahnen, welche die ungarische und gemeinsame Staatharantie ge- vießen, waren 6 Eisenbahngesellsckzaftcn vertreten. Es wurde'be- schlossen, eine Anleihe aufzunehmen und ein Comité zu ent- senden„ Welches mit der Regierung die nötHigen Verhandlungen einleiten solite. Zugleich wurde bestimmt, die Anleihe müßte als StaatÉ-anleihe angesehen werden, an der alis Bahnen betheiligt sein sollen.

Großbritannien und Irland. London, 7. Sep- tember. (W, T. B.) Der „TimeZ“ wird aus Shanghai gemeldet, daß nach einem dort verbreiteten Gerüchte die an- läßlich _ der Ermordung Margarys zwischen Eng- land und China entstandenen Differenzen im Wesentlichen als ausgeglichen zu betrachten seien. China werde einen Spezial- gesandten nach England senden und die an der Ermordung Margary's Betheiligtcn zur Strafe ziehen. Die Provinz Yiin- Nan werde der Familie des ermordeten Margarr) eine ent- sprechende Entschädigimg zahlen. Außerdem solle ein Handels- Weg zwischen der Provinz Yün-Nan und dem Königreich Birma geöffnet und die Erhebung der Zöl1e in Peking anderweit geregelt werden,

Frankreich. Paris, 4. September. Das „Journal officiel“ veröffentlicht den Berner Poßvertrag, welchem Frankreich unter dem 25. August mit der Maßgabe beigetreten ist, daß er für sein Gebiet am 1. Januar 1876 in Kraft treten soll. Ferner veröffentlicht das amtliche Blatt cine am 11. August zu London von Frankreich und Englandxgezrichnete Deklaration, durch welche das Eigenthum an dramatischen Ar: beiten nicht blos, wie bisher, gegen einfache Entleh- nung, sondern auch gegen das beliebte System der „Nach- bildungen“, „Nachahmungen“ u. s. w. geschützt wird. _ Das amtlickze Blatt vom 2. September veröffentlicht folgende Note in Betreff der NuSweise über die Eisen: bahn-Einnabmen: „Trotz der schon gegebenen Erläuterungen beklagt man fich in mehreren Blättern noch darüber, daß die Uebersicht der Einnahmen der Eiscnba1)nen spät veröffentlicht wird, daß fie weder die algerischen noch die Lokal:Eisenbak)nen umfaßt, und daß sie endlich die Einnahmen nicht einiheilt in Erirägniß der Fahrbiklete einer- und der Waarenbefördcrung andrerseits, auch nicht, wie die englischen Gesellschaften die;!) thun, die Betriebskosten angebe. Man vergißt aber immer, daß kein Geseß der Regierung ein Zwang-Irecht gegen wideripänstigc Ge- scl1schaftrn verleiht. In die GesLYgebung der franzöfischenEisem bahnen sollte eine Klausel eingeführt werden, ähnlich der Lifte des Vereinigten Königreichs, derzufokge die Eisenbahngeseilsckwsten, unter Androhung einer Geldstrafe von 126 Fr. für jeden Tag Verspätung und der Haftnahme, sowie eines Maximums von 1262 Fr. für eine falsckze Litigabe, verpflichtet sind, binnen kur- zer Frist drm Zoarci 0t“ “11-569 genau verbürgte ßatistischs Aus- künfte zu liefern. Wenn eine ähnlirhe Maßregel in Frankreich beschlossen würde, müßte sie nicht nur auf die großen, sondern auch auf die Lokalbahnen angewendet werden. Schon ist den GeseUschaften der Lokalbahncn in aUen seit 1874 Verfaßtcn Kon- zisfionirungsZ Fristvcrlängerungs- und anderen "Akten die Ver- pflichtung auferlegt worden, nile 3 Monate dem Minister der öffentlichen Arbeiten behufs Einrückmig in das amtlickxe Blatt einsn eingehenden Rechenschaftsberickn über die

*rgebniffe irJres Betriebs zuftcUcn zu lassen. Was dic Eintheilung der Einnahmen und die Veröffent- lickmng der Betriebskosten betrifft, so wären damit große Schwie- rigkeiten verbunden, welche die Herausaabe der Vierteljahrsbe- richte no mehr verzögern würden. Schon die nöthige Ein- theilung m Erträgnisse des alten und des neuen Eisenbahnneßeö UNd die chulirung der Anschläge und der Steuern auf die Frachten erfordern eine große Arbeit. Wenn in dem ,Herapath“ dsr Betrag der halbjährlichen (und nicht vierteljährlichen) LluSgabcn der engliscHen Gesellschaften figurirt, so erklärt fich dies aus dem Unistande, daß diese Gesellschaften ihren Aktionären alle sechs Monate Rechnung legen und" so halbjährliche Berichte (11311 )'8111'13'6 1'61111'118) entstehen, welche unseren„Jal)rcsberichten gleich- kommen.“ _ Morgen sol] in Saint Malo das Standbild Cha- teaubriands feierlich enthüllt werden. Der Unterrichts-Minisier Wallon und der Kriegs-Minifter de Ciffer) werden dabei sein. Die Reden werden der Maire von Saint Malo, Camille Doucet (von der franzöfisckzer-i Akademie) und Paul Féval, der bekannte Romanschriftsteller, ltherer WZ Namen der „8001516 (195 ZEUS (is ]Sttras“, halten. _ Aus ourdes bringen die klerikalen Blätter folgende Depesche: „Die Züge der nationalen Wall- fahrt smd angekommen. Die Heilung einer Person, die nicht mehr gehen konnte, fand plößlich in der Grotte statt und rief allgemeine Begeisterung hervor.“

Im November werden drei katholische Universitäten eröffnet: in Paris, Lil1e und Toulouse. Die Zeit der Eröffnung der katholischen Univerfilät in Angers ist noch nicht festgestelit.

_ Der franzöfiiche General-Konsul in London, Hr. Fleury, ein Bruder des Generals, ist gestorben.

Spanien. Madrid, 6. September. (W. T. B.) Nach dem „Diario“ hat Don Carlos den General Mendiri und mehrere andere Personen seiner Umgebung verhaften lassen. Der Oberstkommandirende der Nordarmee, General Quesada, ist nach Navarra abgegangen, die Operationen sollenin der Nähe von Eßella beginnen. _ Nach Nachrichten aus carlißiscyer QueUe wäre Dorregaray am 3. d. in Isaba (Provinz Navarra) eingetroffen.

_ Ueber den Rückzug Dorregarays verlautet nach einem Telegramm des „W. T. B.“ aus Paris, 7. September, noch, daß es ihm war gelungen ist, mit 1500 Matin Navarra zu erreichen, daI er aber sein gesammies KriegSmaterigl eingebüßt ha“. _ In Biscaya haben neuerdings KUUd- gebungen zu Gunften des Friedens ßattgefunden. Die

„Gerüchte von dem beoorßehenden Abschluß eines Convenio

zwischen den Regierung-Ziruppen und Don Carlos gewinnen an

- Glaubwürdigkeit. _ Wie von der Grenze gemeldet wird, find

Delegirte des Papstes in Tolosa eingetroffen, um in dessen Namen Don Carlos ebenfalls den Frieden anzurathen.

Italien. Rom, 3. September. Der König Victor Emanuel ist gestern in Mailand eingetr ffen, wurde an der Eisenbahnftation von den Spitzen der Be örden empfangen und stieg darauf zu Pferde, um auf dem Exerzierplaye Truppen- schgu abzuhalten, _ Nachdem die Kavallerie einige Angriffe aus- gefuhii, erfolgte der Vorbeimarsck) der Truppen. Eine große V9119menge wvhnte dem militärischen Schauspiele bei und be- gr'ußte Se. Majestät sowohl beim Kommrn wie beim Abreiten mti lautem Jubel. Der König kehrt morgen nach Turin zurück, wird sich Mitte Oktober nach Neapel begeben und sechs Monate daselbst zubringen, auSgenommen, wenn ihn RegierungSgeschäste nach Rom rufen. _ Man schreibt der „Turiner Zeitung“ aus Rom: Der General Garibaldi hat fich in den Nieder- landen ganz genaue Berichte über die Summen ausxzebeien, welche von dem Parlament für die bevorstehende Trockenlegung dcs Zuydersees bewiliigt worden find. Gleichzeitig hat er um Mittheilung der Pläne ersucht, weiche die niederländischen In- genieure zur Ausfiihrung deS Unternehmens entworfen haben, so wie auch um Zeichnungen und Beschreibungen der Maschinen, welche bei der Trockenlegung jenes Vinnenmeeres angewendet werden sollen. Der General wil! diese Pläne und Maschinen wegen der großen Tiderprojekte kennen lernen. _ Nack) einem Telegramm aus Turin ist der Marchese Ainardo Cavour auf dem Schlosse Santena gestorben. Er war im Iaixe 1833 geboren und Sohn des Marchese Gustavo Cavour, Brudcrs des berühmten Staatsmannes. Mit ihm ist der letzte Trägcr des Namens Cavour dahingegangeit.

Türkei. Wie dsr „Agence Havas“ aus Konstantinopel vom 6. d. gemeldet wird, hat die serbische Regierung offizicil erklärt, daß fie sich in keiner Weise an drm Aufstande bcthci- ligen Werde. In Bosnien ist die Rahe bereits vondmmcn wieder [)ergestcUt nnd der Aafftand in der Herzegowina fast ganz unterdrückt. Zahlreiche Aufständische haben sick] der Regie- rung nnterworfexi.

Belgrad, 6. September. (W. T. B.) Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Ristic, hat den hiefigrn diplo- matischen Vertretern der Großmächte nunmehr offizieÜ angezeigt, daß die Regierung ein Verbot gegen den Uebertritt bewaffneter Banden über die Grenze erlassen habe. _ Die Nachricht von dem angeblichen Einfaile türkischer Truppen in das serbische Gebiet entbehrt jeder thatsäck]lick]cn Be- gründung. _ Sämmiliche Minister find hrute nack) Kragn- jewaß abgereist; Fürst Milan wird fich am Mittwoch zur Eröffnung der Skupschtina ebenfaüs dorthin begeben.

Nußlaxzd und Polen. St. Petersburg, 5. Septem- ber. Der hier angekommene Kaschgare ist nicht der Chan Jakub- Beg, sondern heißt Machmud-Iakub und ist Gesandter des Chairs von Kaschgar bei der Hohen Pforte gcwsson. _ Die Reichswnk zeigt im „ch.-Anz.“ an, daß fie in der Stadt Ssewastopol cine Abtheilung eröffnet hat. _Wie die rnssische „St. P. 3.“ erfährt, hat das IUstiz - Ministerimn kürzlich dcm ReichSrath eine Vorstellung über Einführung der Justizre- form in ihrem vollen Umfange in den Gonvcrnements Kiew, Mohilew, Wolhynien, KamenezWodolsk und Witebsk eingereicht. Die Reform soll im Laufe des nächstenIechres voilzogen werden. _ Ueber die Reform der Hairdelspolizei erfährt die „Ruff, W.“, daß die Reform hauptsächlich in folgenden Pitnkten bestehen werde: 1) in einer strengen Begrenzung des Thätigkeit-Z- gebieis und des amtlichen Verfahrens dcr Polizei durch eine be- sondkre Instruktion; 2) in eincr Vsrtheilung der polizeilichen Bezirke einer Stadt unter die Beamten; jeder Bszirk erhält einen Handelsaufssher und einige Gehülfen. Alle JäUe von Miß- bräuchcn nnd gesetzwidrigen «Handlungén Seitens dur Händler wird der Handels-mfieher dem Bezirkspristaw zur gcscßlichen Verfolgung rapportiren. In allen bezüglichcn Prozessen haben die Mitglieder der Handelöpolizei als Zeugen aufzutreten. Zu der Kanzlei der Haindelspolizei wird stets ein Dejourant sein, der Anzeigen von Privatpersonen exiigegennimmt. Da die Einrichtung der Handelöpoiizci auf sqlcher Grundlage mehr Un- kosten verursacht, als bisher, soll der Ucbcrschn' durch einen geringen Zuschlag auf die Haiidelscrzcugniffe gods t wcrdsn. Die HandclSPolizisten soÜen eine besondere Uniform erhalten.

Schweden und Nortvegcn. Stockholm, 3. Sep- tember. Ihre Majestäten die Königin und die verwitt- wete Königin, sowie Se. Königliche Hoheit dEr Kronprinz reisen am Sonntag Abends halb 8 Uhr mit Extrazng nach Christiania, um mit Sr. Majestät dem Könige zusammen- zutrrffen und darauf der Enthüllung des Carl Johann- Denkmals beizuwohnen _ Der Gcnerai-yidjutant S1“. Ma- jestät des Kaisers von Rußland, Graf Soumarofow Elstone, und der Flügel-Adjwiant OberstFiirft Meschtschcrskr), hal- ten fick) gegenwärtig auf der Durchreise nach Chriftiania hier auf, wohin dor General sich in außerordentlicher Sendung von Sr. Majcstät dem Kaiser begiebt, um der Enthül- lung des Denkmais Königs Carl Johann beizuwohnen. Für die Felddicnftübnngen in Smaalenene gilt fol- gende Generalidee: Eine feindliche Armee ist in der Absicht, fick] Christiania? zu bemächtigemsüdiick) vonMoß ans Land gestiegen und hat fich, ohne auf erheblichen Widerstand zu stoßen, am 29, JngUft im Stande gesehen, die Defileen bei Maß zu be: sech. Die bei Christiania zusammengezogenen Truppen ver- suchen, obgleich unterlegen, das Vorrücken des Feindes zu vcr- hindern, und wird airgenommen, daß am 29. August seine am weitesten vorgeschobenen Truppen bei dem Höicnfiuffe stehen. Die EScadre ist Herr auf dem Meere von Soon gcgen Norden und dieZponirt Über ein kleines Landgangscorps. _ Das f chwe= dische UebungSgeschwader unter Befehl des Commandeur Virgin ist nach einem in Gegenwart des Marine-Ministers ab- gehaltenen Schlußmanöver aufgelöst worden, und find die Schiffe nach ihren respektiven Stationsorten zurückgekehrt. _ Die 1th geltenden sckzwedischen Kriegsgeseße Wizrden am _11. Juni 1868 erlaffen. Wie sich aus einem Vergleiche der nach diesen neuen Gesehen erfolgten Bestrafungen in den Jahren 1869 bis 1873 ergiebt, hat sich bei der geworbenen Armee die Anzahl der Disziplinarbcstrafungen von 2367 in 1869 auf 3178 m 1873, und die Anzahl der Bestrafungen nach gerichtlichem Aus- spruch, als Gefängniß, Strafarbeit, Geldbuße u. s.,w., von 99 auf 207 erhöht. Bei der eingetheiltexi Armer ist das Ver- hältniß etwas verschieden gewesen; wahrend die Anzahl der DiSziplinarbeftrafungen eine Vermehrung 'von. 405 auf 614 zeigt, haben fick) die Bestrafungen nach gerichtlichen! Ausspruch von 50 auf 47 vermindert. Die gewordene Armee hatte 1873 eine Stärke von 6130 Mann und die emgetheilten Truppen von 18,302 Mann.

Amerika. Die am 1. Junid.I. in“ Chicago versammel- ten Bischoxe der bischöflichen Methodiftenkirche der Vereinigten Staaten haben, wie die „Nordd. Alig. Ztg.“ meidet, folgende Zuschrift an den Reichskcmzler Fürsten von BWmarck gerich1eix

„Die Augriffx, welche die päpstliche Hierarchie in neusster Zsit Fgen die'Souveraneigt des Deutschen Reichs gerichtet hat, und die

ympathie, welche Romisthe Katholiken in den Vereinigtxn Staufen von Amerika sowyhl als in anderen Ländrrn mit diesen Angriffén zu erkennten gegeben lmßcn, „veranlassen uns Unlerzeichnete, Bischéfc in der brichoflichezi Mctl)odiste_nkirchs, die Grfinnungen auIznirrrrhen, mit welclxexi wir den Kampf betrachten, in Welchem Sie drr Hsrvor- ragende Fuhrer find._ er habciz mit wachsender Theilnabme und Bcunriißigun den klkchlichk11 Konfliki beobacht-Ii, welcher jeßf in dem Lande vdr fi ) geht, rvo der große Widerspruch gegen die Röäuische Uiurvatwn fich zuerst erhob, und wir erlauben uns, Ew. xc. und durch Sie Sr. Mansiät dcm Kaiser unsere herzlich: Zustimmung ans- zgprechen zu Ihren ernsten chühungen, die Unabhäiigigieii der Staatßgewaii gegenüber dem geistlichen Mackziipruci) zu voriiicirigen und das Recht drs eigenen Uribxils und der Gewissensireibsii «Uirecht zu erhaliep. Wir glauben, daß Sie für Amerika sowohl als für Europa die Sache der bürgerlichen und reiigiösrn Freihrif vsrfcchteit und m dlésém Kampfe die Gebete Uiid Sympatßirn der PLOixstfMsi- schen Bevölkerung aller LZr-der für fich haben wcrden. Mxt tiefer

Verchrung oc.“ (Folgen 10 Unterschriften.)

_ 91an Costa Rica wird New-Yorkcr Zeitungen ge- schrieben, daß daselbst im Juli eine Anzahl von aus Guate- mala vcrtriebencn Jesuiten ankam, aber zehn Meilen von der Hauptstadt angehalten wurde. Am nämlichen Tage trat der Kongreß d€r Republik znsammen, und 2000 Freimaurer erschienen in der WM des Kongresses und petitionirten Um die Niistrei- bung dsr Jesuiten aus dem Grunde, daß fie schädliche Mitglieder der GeseÜschaft seien. Der Präsident und mehrere hervorragende Deputirien sprachen gcg-xn die Jesuiten, nnd das Rcsultat war, daß der Kongreß 1500 Dollars für dsren unverzügliche Bedürf- nisse votirte und ihnen befahl, das Land zn vcrlaffen.

BULUQE Ayres, 7. Arigusi. Die Ernrmimig dcs 1)r. Bernardo Irigoyen zum Ministcr für die cmSwärtigcn Lin- geiegenheiicn, sowie des Hrn. Lucas Gonzalis zum Finanz- Minister hat ailgemeineBefriedigung gewährt. In den Provinzen ist Alles ruhig. Die Regensaisdn hat begonnen, in Folge deffen st-F) der Stand der Weiden gebeffcrt hat.

Afrika. Nachrichien der „A. N. E.“ aus Tangier fia Gibraltar melden, daß Kaid Tilaly-bcn-Hamo, der neu ernannte Pascha von Tangier, am letzten Freitag (19. August) dem Got- tesdienste in dcr Hauptmoschee, begleitet von den Spiyen der städiiscizen Behörden, anwohnie. Auf der nach der Mdschee führenden Straße, welche der Pascha pasfirie, bildeten Askars Spalier, Diese wilden Truppen, von denen viele vorhrr viel- leicht niemals einen Cixriften gesehen, hielten alle Personen in curopäischer Kleidung, die zufäliigcrweise ihre Linien pas- firten, cm. Einige Europäer, darnnter ein Beamter eiiier frem- den Legation, die auf ihr Durchgang-Zrccht bestanden, wur- den von den Askars geschlagen; aber glücklicherweise wurde kei- nem fremden Unterthanen irgend eine eriisilickze Beschädigung zugefügt. Es Heißt, daß die Askars, die der Mißiwndlung fremder Unterthanen beschuldigt wurden, eine icharfe Bastmmde erhielten und von dem Pascha auf das Verlangensämmtlichcrfremder Vertreter eingesperrt wurdcn. Gleichzütig befahl der mimrisckze Ministsr für answäriige Angelegenheiten, daß die Askars und andere nur etwa vier Meilen von Tangier kampireiideTriippen Nicht wie- drr dic Stadtbetretensoklten. DieseMaßnahmewird von der Ein- wohnyrichaft von Tangier, selbst die Mohamrdaiikr iiicht aus- geriommen, die wegen ihres ordemtiichen Und friedlichen Be- nehmens gegen Europäer wohlberx'fen smd, scßr gsdiiligt. Birke der Askars waren neuiick; aus férnen und Wilden Regionen im Innern rekruiirt mordcn und wurden in brrauschtem Ziisiande zuweilen der Schrecken der mohamedanisrhcn wie dcr europäischen Bevölkerung. Man glaubt, daß die Armee vom Sultan nackz Jez zurückberufcn wnrde, da ihre Anwesenheit in den nördlichen Provinzen nicht länger erforderlich ist. Der Sultan wird sri; Anfangs nächsten Monats von Fez nach den südlichen Provinzen und Marocco begeben.

_ Dcr Snitan von Zanzibar ist auf der Rückreise nach seinem Lande in Adrn eingetroffen.

Nr, 36 1728 .Ceniral-Blaits für das Deutsche Reich“, herauSgcgcben im Reichskanzl-Zr-Ami, H.;;i folgcnden Jnßuit: 1) 511119?- gemcine Verwaliungssackxn: lekdmmcn zwischen Dsmiäxland und Oksterreiäi-Ungarn bezüglich drr Ue'rcrnabme Liuzziiwciscnder. 2) Miinx- wesen: Uebersicht üHcr die AUSPrägUng vrn Rsicinünzen, 3) Zoll- und Sirucrwssén: Verändcrmigon ("ei Sicuerstkilen; 4) Marine und Schiffakckrt7 Vereicbmß der in den Blinrks-Secitaaécn ilanik-Jnden Straiidbébördcn. Vom 26, Liilguft 1875; Beginn vonSiLnecmanns- prüiuugzn :c. 5) Postwssen: Bekämiimiichkigkn, [wir. Bcstriiang voa Postausträgcn; Postpackrtverkrhr mit Ostindien; Postanwciiungsver- krbr mik Rirderland; Post-Lampfsä)iffvcrbindungén mit Dänrnmrk und Schweden.

Statistische Nachrichten.

Ueber die Gesundheits!)crbä_[_tnisse in der am 28. August beendeten Woche berichtet die „Vom. Ziq.', daß Von 13 10,060 Einwohncrn, auf den JahreSdiirch1chniii bazrccbnet, starben m_ Bstim 451, in Hamburg 314. in Breslau 408, m I)ii'mchrn 253, iii Wien 241, in Pest 397, in Paris 235, in Brüssel 216, in Amßcrdam 304, in Rotterdam 343, im Haag 289, in Rom 326, in H„ixapel 315, in Turin 206, in London 218 und in den _18 JWß-éskn Städten Englands je 246. _ Was die Berliner GE!1111_Ö1)6116- warhältnisfe betrifft, so find diiielben 111111181; nrci) gunstigzn nennen, namentlich die Zahl. der Durchfäilx und Br3chdurchfalie der Kinder nimmt stetig ab. Nach der vorlaufigcn Fexistcßnng des städtischen statistischen Bureans botrug die Zahl der Gkstorbrnen im Ganzen 718, darunter 392 männliche, 326 weibliche Psrsoiien; 377 unter, 341 über ein Jahr. Todesursachen: Maier:: 3, Scharlackb 6, Rotlylauf 3, Diphteritis 22, _Tyvixus 42, Ruhr ([);597175.) Lo.. Kcuchkyusten 8, Bxäune (Kehlkopscixtzundwng) 14, Bronchitis 3, Lungenentzündung (knaum) 22, Brustscllenizundzan 24, Diarrhoe 104. Sonstige Krankheiten mit 10 und mehr Todeßsalien: Brechdurc1xga11 123, Schwindsucht 62, Krämpfe,!)3, Schwack)? 28, Altxrsscbwachä- 11, Abzehrung 51, Uniericiböentzuudung 12, (Hebtrnentzundiwg 12.

Hirnhauteuizündung 10. Alle anderen Krankheiten 102. Kunst , Wiffeusthaft und theratur.

Da das Interesse für das Märkische PWNUZÜKY' Museufrzn ein allgemeines isi, geht aus dem 11. Vertax], über dre eingegangenen Geschenke hervor, welchw; zxxgt. daß die Geber über die ganze Provinz Brandenburg vertheüt sind. Se. Kaiser- 1ich: und Königliche Hoheit der Kronprinz bgt dem Museum eine nahe dem Neuen Palais bei_Pot§daizi aussegraoene Todtep-ane eingesandt, der Magistrat von Kopxmck eme Sturmbaube sowie eirie . Sammelbüchse Und eine Wetterjahne. Sek)? interessant ist die vom Stadtverordneten 1)r. Zixnv'riermann herrüßrcnde Sammlung von Abbildungen Berliner Pcriöril'.chkeiien, in Gyps modeÜirt. Von dem Ortsvorfteber Stecklein_iuScra1au ist dem Museum eine Urkunde czas dem 17. Jahxh'z-"pdept uberwicien worden; das hiesige Heilige-Geisi-