1875 / 285 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 03 Dec 1875 18:00:01 GMT) scan diff

Braunscs-e Stiftuna weist xine Einnahme von 36-10 Thlr. und eine AUSKabc Ven 200Tblr. URf- - Die Stiftungökaffe zur Unterstüßuvg nothleidender Wittwe'c; von Metzler: erzielte eine (Hinnahme von 38,324 Thlr., wogegen fick) die Außgabe auf 5724 Thlr. belief. Wenn es iiicht immer gelungen ist, dem Notbstande der einzelnen Petenten m dem befürjvorteten Maße abzuhelfsn, so hatte dies eineöiheils seinen Grund in der Harck) die abnorme Prsissteigerung aller Lebensbedürfnisse herbetgefubrten Zunahme der Unterstützungßaniräge, andererseits darin, daß“ die Höhe der einzelnen Beiträge unverändert geblieben war, mithin die dem Direktorium zur DiEpofition gestellten Mittel kaum bin- reichen konnten, selbst die mäßigen Wittwen-Unterstüßungen von 25 Thlr. zu gewähren. Um so mehr War Veranlassunq vorhayden, die eingkgangenen Gesuche streng im Anhalt" an dis- statutari1chen Bestimmungen zu prüfen und diejmigen zuruckzuwästn. welche den Exfordernissen nicht überaU entsprachen. An Beiträgen für die ärzt- liche Unierstüßungsanstalt gingen 1874 von 2194 Mitgliedern 2560 Thlr. ein, daae-zen siud an 52 Notbleidende Unterstüßunqen 'in Höhe von 3480 Thlr. gezahlt worden. Die Beiträge der WitttvewUnter- stü ungkanstalt beliefen sich bei 1661 Mitgliedern auf 1971 Thlr., rend 198 Unterstützten 5719 Thlr. gezahlt wurden.

Berlin, den 3. Dezember. Berliner Kunstausstellungen. 111.

(Cf. Nr. 277 und 283 1). Bl.)

Das H ist orienbild vertritt in'der Ausstellung nur Bleib - treu mit feinem „König Wilhelm bei Königgräh“. Gefolgt von seiner Suite, in der zahlreiche hochstehende Personen in porträtmäßig treuer, charakteristischer Auffassung zu erkennen sind, sprengt der Königliche Feldherr, enthusiastisch begrüßt von den Jägern, die zur Rechten fick) um die von ihnen eroberten Kanonen gruppirt haben, über das Schlachtfeld dahin. Der we- sentlichste Vorzug der Arbeiten Bleibtreu's, die auch dem Be- schauer fich lebendig mittheilende freudige Begeisterung für den von ihm dargestellten Gegensjand ist diesem großen Gemälde in nicht geringerem Grade eigenthümlick) wie zwei kleineren Bildern, die ihre Motive dem französischen Kriege entlehnten. Das erste derselben schildert die Eroberung der ersten Kanone bei Weißen- burg durch zwei Jäger, von denen der eine, auf dem Geschüße stehend, laut sein „Victoria!“ ruft, während der andere schmet: ternd in die Trompete stößt. Dieselbe Frische des Ausdrucks und derselbe glückliche Aufbau der Gruppe zeichnet das zweite Bild aus, das unter dem Titel „Wir Woilen sein ein einig Volk von Brüdern!“ in drei fich umarmenden Soldaten die Verbrä- dcrung der deutschen Truppen nach glücklich errungenem Siege darstellt und Namentlich durch die fein empfundene Und trefflich bewegte Gestalt des freudig Herbeigeeilten jugendlichen bayeri- schen Kriegers das Auge des Beschauers fesselt.

Ein von Souchon behandeltes historisches Motiv, der auf der Wartburg mit der Bibelüberseßung beschäftigte Luther, ist bei allem Fleiß doch in Auffassung und Färbung ziemlich trocken geblieben, während ein Genrebild desselben Künstlers, ein junger Wanderbursck), der, im Wirthshaus am Tische sißend, während ein Tiroler seine Ziiher spiest, vom „Heimweh“ ergriffen, den Kopf traurig auf die Hand stüßt, ohne sonderliche Tiefe der Charakteristik dock) durch seine freundliche, anspruchslose Haltung gefällt. Verwandte Vorzüge find der alten „Märchen- erzählerin“ von Freies lebon zu eigen, die in der Stube, durch deren runde Fensterscheiben 'das voile Mond- licht einfällt, ihre Geschichten den aufmerksam lauschenden Enkeln vorirägt. Ein keckés, freundlich ansprechendes Bild desselben Autors, eine frische Studie nach der Natur, schildert den „Frühling“ in zwei Bauernkindern, die, vor dem Licht fick) abhebend, auf einem hochansteigenden Wiesengrund unter blühen- den Obstbäumen, beiiammenfißen, während unter ihnen im Rasen eine Heerde junger Gänse fick) ihr Futter sucht.

Bedeutender, in jeder Hinsicht eine meisterhafte Leistung, ist ein Bild von Dieffenbach, das ein junges Baucrnmädchen mit zwei kleineren Schwestern in der Küche bei der Zubereitung eines Kuchenteiges darstellt und durch die gesunde Naivetät der Charakteristik und das harmonisch getönte feine Kolorit gegen- über der süßlichen Empfindung Und bunten Färbung manckzer früheren Arbeit nur um so erfreulicher berührt. Die Figuren der beiden kleinen Dirnen, von denen die eine, kaum an dsn Tisch heranlangend, die zerschnittenen Pflaumen in den gewalzten Teig eindri'tckt, die andere, nicht minder emfig bei der Sache, sich die an den Fingern hangen gebliebenen Leckerbissen schmecken läßt, dürfen sich den liebenswürdigen Schöpfungen cines Knaus und Defregger vollkommen gleichberechtigt zur Seite siellen.

Der bei aller frischen Naivetät hier doch bewahrten Anmuih gsht Grünfcld in seinem häßlichen Bauernbuben, der der Mutter und den jüngeren Geschwistern die in der Falle gefan- Yne Maus vorzeigt, grundsäßlich aus dem Wege, um in der

harakteristik und der Malerei das getreueste Abbild der nackten Wirklichkeit nicht ohne Geschick zu erstreben, während Neu- ftaetter zwei kleine humoristische Scenen aus- der Kinderwelt nicht ohne LiebenSwürdigkeit, aber in gar zu matter Färbung schildert, Schlesinger in einem ähnlichen Motiv seiner bekann- ten Auffassung und seinem emailartig behandelten Kolorit treu bleibt und O,. Becker in den beiden Scenen „Vor und nach der Taufe“ fich gleichfalls in seiner gewohnten freundlichen und mit Recht beliebten Weise bewegt.

Neben einem frischen, kräftig getönten Bilde von Schell- baci), einer Marktscene, in der das zum Verkauf ausliegende Wildpret und Geflügel, Obst und Gemüse in keineStvch klein- 11chem Vortrag stillelebenartig dclikat und sorgfältig behandelt ift, mögen noch A. Burger's charakterisches Bildchen eines Misfionsfeftes auf dem Platz eines Dorfes, ein Bild von Harrer, der WWÖET einen Winkel aus einer Straße in Olevano mit passender Staffage giebt, und die kleine Figur eines Mädchens Vor dem Bade von O. Vegas die ihnen gebührende Erwähnung finden. Ein romantisches Bild von Waldschmit, ein mittel- alterlich kostümirter Jüngling, der zu einem im goldigen Abend- sonnenschein auf hohem Berge fich erhebenden Schloß empor- klimmt, ist unklar in der Empfindung, und auch den talentvollen Kappis zeigt ' ein „Frühlingstag am Starnberger See“ auf einem ihm wenig zusagenden Gebiet, während Lülvés' „Gebet einer Mutter an der Wiege ihres Kindes“ als ein bedauerlicher Rüchschritt gelten muß.

Ein kleines, mit ziemlich breitem Pinsel, in kräftigem Ton emaltes Kabinetstiick von Sprinckmann, eine schwarzgekleidete unge Dame, die, lächelnd eine Rose darbietend, eben die Thür zum Nebenzimmer öffnen will, zwei andere vortreffliche Kabinet- bilder von Ehrentraut, die zu den beften seiner “stets anzie-

henden Arbeiten zählen, ein ,Pifferaro“, der fich von einer grauen Mauer abhebt, und die delikate Figur eines jungen Mannes im Kostüm des fiebzehnten Jahrhunderts, der den zum „Früh- schoppen“ mit blinkendem Wein gefiillten och in der Hand gehaltenen Römer betrachtet, sowie endlici; en gediegen durch-

geführtes, durch den feinen Rex?ft seiner Farbe wie durch vor-

zügliche Zeichnung und charakte ische Bewegung der Figuren

Kunst , Wissenschaft und Literatur.

Ztyei der bedeutendsten Schöpfungen dsr neueren deutschen Malerei. wclche bisher PctvatsamMungen angehörten, Adolf Meu- zels „Konzert bei Hof:. Sanssouci 1756“ und desselben Meisters „Dampfschmiedewerkstatt“ find neuerdings für die National- Gallerie angekauft worden.

' _ Der „Bär“, Berlinische Blätter für vater- land1sche Geschichte und Altxrtbumökunde“. herausge- Leben bon Georg Hills und Ferdinand Meyer, Verlag von Alfred Weile, hat in Nr. 17 folgenden Inhalt: Die Wappen urid, _Farbenkder Stadt Berlin 171. _ 11. Cöln vom Archivar Fidtcm, (Mit Abbildungen.) _ Charlottenburg und seine Geschichte. Von Fsrd. Meyer. (Fortseßung) Die Stadt Oderberg. _ Napoleonsburg bei Charlottenburg 1808. _ Ein preußischer Dichter- beld. 'Von E, Handen. _ Dcr „Golxjunge. Histor. Erzählung von G. Hilti. (Fortsetzung.) _ Mittheilungen aus Berlins Theater- chromk, _ Literatur.

GcWerkxe und Handel.

Wien, 2. Dezember. (W. T. B.) Dem Konsortium

Rothschild-Kred1tanstalt, Welches die Sprozentige ungarische

hervorragendes Kostümbild von Treidler, ein Cavalier in prächtiger rother Kleidung, der einer in der offenen, nur durch einen Vorhang verschlossenen Halle in gkaziöse: Haltung ihm gegenüberstxzenden jungen Dame in meergrün schimmerndem Seidenkleide aus einem Buche vorlieft, mögen die lange Reihe der erwähnenswerthm figürlichen Darstellungen beschließen.

Auch die plastische Abtheilung der Ausstellung hat in den letzten Wochen manche interessante Bereicherung erfahren. An erster Stelle nennen wir von den usa eingesandtcn Arbeiten die lebensgroße, von Ludwig Brunow nach der Natur modellirte Und mit tüchtiger und gewissenhafter Hand in Marmor aus- geführte Büste des Grafen Moltke. Wie der Künstler in dem bei früherer Gelegenheit besprochsnen, für die Stadt Parchim be- stimmten Bronzcdenkmal eine dem Wesen des Dargestellten ent- sprechende, einfach schlichte, echt monumentale Auffassung der ganzen Gestalt zu erreichen verstand, so ist es ihm hier gelungen, bei durchweg edler Behandlung der Formen nicht nur die individueilen Züge des Kopfes in überraschend getreuer, porträt- mäfziger Wiedergabe festzuhalten, sondern zugleich auch dem fie beseelenden reichen geistigen Leben in so hohem Grade gerecht zu werden, daß diese Arbeit unter den zahlreichen biSher in unseren Ausstellungen gesehenen Moltkebüsten wohl den vornehmsten Play in Anspruch nehmen darf. Eine Vervielfältigung der- selben, die auch weiteren Kreisen ihren Befiß zu ermöglichen vermöchte, würde sich gewiß überal! des lebhaftesten VeifaUs zu erfreuen haben. Das gleichzeitig in dem kleineren Zimmsr fiir Bildwerke au6geste111e, durch seine warme "Empfindung und durch die glücklich bewegte Komposition der Hauptgruppe auSgezeichnete Relief, eine junge Frau, die fißend dem von hinten herantretcnden, als Baumeiüer charakterifirten (Hatten ihr hock) emporgehaltenes Kind zum Küssen darreicht, beweist, daß der Künstler auch für ideale Aufgaben in nicht geringerem Maße begabt iß. Der ein- fach profilirte Eichenholzrahmen macht die Wirkung des Ganzen noch voUer und reicher und ermöglicht zugleich die harmonische Einfügung der Arbeit in die Dekoriion eines geschlossenen Raumes.

Von Reusch ist die lebenSgroße Figur eines Amorknaben eingesandt, der als Befieger des Herkules dessen schwere Rüstung davonträgt. Das schon in der antiken Kunst beliebte geistreiche Motiv hat hier eine in hohem Grade glückliche Verwendung gefunden, Und auch in dieser neuen Erscheinung ist es durch die frische, originelle Auffassung und Empfindung, wie durch die treffliche, in den Linien aklseitig harmonisch geschlossene Kompo- fition seiner voÜen Wirkung fickxr. Das nachschleppende, mit der Linken gefaßte Löwenfell iiber das lockige Haar gezogen, die mächtige, mit der rechten Hand gehaltene Keule über die Schulter gelegt, schreitet die zierliche Gestalt leicht und ficher da- hin, den Beschauer durch ihre anmuthige Bewegung ebenso fesselnd wie durch den schelmischen Ausdruck des reizend ge- formten Kopfes, der keck und munter vor sich hinschaut.

Eine geschickt aufgebaute, mehr auf malerische Wirkung be- rechnete als durch seine Empfindung der Formen fesselnde Fontainengruppe von Rau zeigt die am Boden knicende Ge- stalt einen Mannes und die auf seiner linken Schulter rUhende, von seinem Arm umfaßte Figur ciner jugendlichen Nymphe, die aus ihrer, mit beiden Händen hockygehaltenen Urne den vol1en Wasserstrahl übermüthig lächelnd auf den zu ihr Emporblickenden herabplätfthem läßt. ' Bci ihrsr keineswegs mißlungenen deko- rativen Anlage entbehrt die Gruppe aber doch zu sehr der unmittelbaren Naivetät der Auffassung, um eine wirklich frische, erquickende Wirkung zu erzielen. Auch ein von Büchting aUSgeftcUtes Grabmonument eineH eben dem Kindeöalter ent- wachsenen, wie schlummernd auf einem liegenden Kreuze ruhenden Mädchens vermag trotz der gut gedachten Kompofition den Be- schauer doch nur wenig zu befriedigen, da dem Antlitz ein er- greifendcr, seelcnvoller Ausdruck fehlt und den Formen über- haupt cine voliere Rundung, der etwas dürftigen GewandUng ein reicherer, wirksamerer Faltemvurf zu wünschen wäre.

Von Herter ist endtick) noch eine kleine, durchaus realistische Figur eines alten italienischen Dudelsackpfeifers, die bei meyr humoristischer Auffassung gewinnen würde, von Wilhelm Wolff das kleine Modell einer umfangreichen Gruppe eines Löwen- kampch vorhanden, ein in antiker Weise Gerüsteter, der von dem Rücken eines Elephanten herab fich mit der Lanze gegen die an- dringende Bestie vertheidigt, während zu beiden Seiten sich je eine kleinere, aus dem kompofitionellen Zusammenhang heraus- fallendc Gruppe ablöß. Auch hiervon abgesehcn würde sich der Künßler troß der richtigen Beobachtung der Thiercharaktere, die fich auch hier offenbart, doch in der Wahl des Stoffes vergriffen haben, wenn er eine lebensgroße Ausführung seiner Arbeit beabsichtigte.

Eine Ausstellung kunstinduftrieller Arbeiten, die in dem mit Aquarellen von Will) er g, mit trefflichen Thierstudien von Leutemann und mit phantasievollen Zeichnungen zu deutschen Volksliedern von Roehling geschmückten Eintrittsraum des Salons ihren Play fand, führte dem Publikum eine stattliche Kollektion venetianischer Bronzen aus der Werkstatt von Mi- chieli vor, die, aus den mannigfachften Gebraucthegenständen, aus Leuchtern, Schüffeln, Schaalen, Schreibzeugen, Thürklopfern und zahlreichen anderen Stücken zusammengeseßt. der rößeren MehrHahl nach meisterhafte Copien der phantasievo en Er- zeugn se der Renaiffanceperiode umfaßte und fich eines so lebhaften Beifalls der Besucher erfreute, daß viel- leicht eine Wiederhokung in noch größerem Maßstabe erwartet werden darf. Sie würde den auf die Hebung der modernen deutschen Kunftindustrie ab ielenden Bestrebungen auch ihrerseits eine schäsenswerthe Unter übung gewähren, wenn- gleich eine bedingungslose Nachahmun sämmtlicher dargebotenen, einer wesentlich anderen als der mo ernen Anspannungs- und

Goldrente negoziirt bat, gehören die Berliner Dißkontogesekl cbaft bas Bavkhaus S. Bleichroeder an; auch die Gebrüder v. oths-r m Paris haben sich dieses Mal der Operation angeschloffen. " _ Ju d'er Generalversammlung der Aktivnäre der Bre ,- Grajewo-Etsenbahn wurde das Budget per 1876 bestätigt.“ * demselben figurtren die Einnahmen mit 1,283,3-23 RA., bie Ax gaben mit 803,500 Ndl., der Reingewinn mit 479,823 Rbl.

Verkehrs-Anßalten.

Die Direktion der Magdeburg-Leipziger Eifenbax

zeigt an, daß seit drei Tagen auf der Bahn bedeutende Schnei *

Webanan eingetreten, wie solche seit 20 Jahren nicht vorgekomm .Der Guterverkehr mußte ganz eingeKellt werden, der Personenverkeh tvar nur sehr beschräykt und uuregelmäßig auszuführen; an ein elne Steaen mußte): drei bis vier Maschinen einen Zug ziehen. nge strengtßr): Bemuhungen ist es gelungen, ein Geleise wisder fahrba zu ma en.

Lyxjdon, 2._ Dezember. (W. T. V.) Die telegraplxbiscl), Verbindung mti Ostindien ist wiederbergestellt; es sind,

bereits mehrere gestern in Bombay und Kalkutta aufgegebene Tele-z

gramme hier eingetroffen.

Lebensweise entsprungenen Muster stch von selber verbieten?

müßte.

noch nachträglich bemerkt, daß in ihr auch Friß Werner, der

Zu der Besprechung der Thiemeschen Galerie sei schließlich .

bewährte Berliner KabinetSmaler, mit zwei bereits bekannten ?

- Stücken vertreten ist, mit der Figur eines Malers der Rococco- ?

periode und mit dem auf der leßten akademischen Kunstaus- ; ftsllung nach Verdienst gewürdigten, vor der Front der Grena- “_

diere stehenden Fahnenjunker aus der ZeitFriedrichs 11.

Im Verfolg der mittelst Erlasses des Ministers der geistlichen )c, Angelegenheiten vom 30. Juni 1). J. außgesproÖenen Absicht der Siaaiöregierung, eine das ganze Staathebiet umfassende Inventari- saiion und Aufnahme der Baudenkmäler, im thunltcvsten Ansch1usse an die in einzelnen Landestbeilen bereits vorhandenen, ähnliche Zwecke verfolgenden Arbxiten ins Werk zu seven, bat nunmehr das Ober- ?)räfidium der ProvinzBrandenburg fich an den Berliner Architek- en-Verein mit dem Ersuchen gewandt, über ein spezielles Pro. gramm für die Inventarisirung der Baudenkmäler in der Provinz Brandenburg in Beratbung treten und mit den Erg-ébnissen dikser Beraibungcn ihm zugleich eine ungefähre Angabe dsr Kosten miitheilcn zu woÜen, welche voraussichtlich für die“ Durchführung der vorgesch1agenen Maßnahmen auf- zuwenden sein dürften. Leßtere werden _dahin das; es 1165 neben einer genauen und voÜsiand-igen Aufzeich. nnng der vorhandenen Denkmäler, Welcher chronologische und kunst- geschick11iche Erläut-*r11ngea beizugeben wären„ vornehmlich um zweierlei handele, um die Fortscßung und Vervollständigung dc'r bereits bor- liegechén architektoxxischeu Aufnahmen, _uud vm die Anfertigung einer umfassenden Sammlung pbotographijcher Darstellungkn von allen architektonisch und kunstgeschichtlich bedeutenden Bauwerken 2c. der Vorxeit. Eine (ingkmessen billige Vervielfältigung dxr photogravhischen Darstellungen, etwa auf pbotographischem Wege, wyrdewesentlick) dazu beitragen, in den Kreisen des Publikums das Verstaudmß und Interesse für die vaterläudischen Baudenkmäler zu fördern und zu wecken. Der Verein hat sich bereit gefunden, dieser Auffordérung zu entsprechen.

In der gesirigenSiszung berStadtverordnet_en-Versamm- lung wurde ein Schreiben des Magistrats mitgetheilt, nach welchem feine Vorarbeiten in der DexmiralisationSangelegenheit nun- mehr bckndct find, und ersucht er die Versammlung, ihrerseits die Mitglieder xu der in Aussicht genommenen gemischten _Devutation zu ernennen. Die Versammlung beschloß ihrerseits 15 Mitglieder in die Deputation zu entsenden und die Wahl derselben vor Beginn der nächsten Sitzung durch die Abtheilungen vornehmen zu lassen.

Aus Weimar, 2. Dezember meldet die „,W. Ztg.“: eute Vormittaq 11 Uhr fand die feierliche Weihe der Gedacht- nißtafel, Welche die Namen der im Kamps gcgen Frankxeich nebliebenen Offiziere und Soldaten des 5. _ üringi- schen Jnfanterie-Regiments Nr. 94 (Großherzo von Sackzsen) trägt, in der Stadtkirche, in denzselben "ottks- hauke statt, in dem am 27. Juli 1870 eine andächttqe Menge beiße Gebete für die theuern Häupter, die dem Rufe des Vatexlandes zur Vertbeidigung seiner Ehre und feiner Sicherheit mit begeisterter Hin- gcbung gefolgt Waren, zum Himmel gesendet Hatte Vor dem Altar der Kirche tvar inmitten eines reichen grünen Laub- schmucks die mit Trauerscbleifen gezierte Tafel aufge- stellt, welcbe folgende Zuschrift trägt: _,Es starben den Heldentod im Kriyge geai'n Frankreich 1870/71 Offiziere und Mann- schaften des 5. Thüringischen Jnfanterie-Regiments Nr. 94 (Groß- herzog bon Sachsen) (folgen 281 Namen). Die Gefallenen ehrt dank- bar Fürst und Vatcrland.“ Vor der Tafel, zu deren Seiten die Altarkerzcn standen, lag ein prächtiger Lorbxerkranz mit schwarz- ivciß-rothen Schleifen. GEIL!! 11 Uhr fullte fick) die Kirche. Die Mannschaften des 1. Bataillons des Regiment.? Mrsam- melken fich im Schiff der Kirche, während das aus den drei Garnisonen fast voÜständig versammelxe Offizicrcorps vor dem Altar Steüuna nabm. Hiersclbst besxnden fick) auch der Staatö-Minister 1)k. Thon, Geheimrgtb 131"; Stichling, Geleim'r Staatßratl) ()x. von GWH, sowie die Geistlichkeit im Ornat. Zu der einen Seite der Tafel nahm der Fab-eyträger des 1. Bataiuons, so- wie die durch Dspuiationen der in Eijenach und Jena gainisoniren- dcn Bataiüone hergeleiteten Fahnenkräger dxs 2. und des Füsilier- Bataillons mit den Fahnen Aufsteüung, vor 1buen zive'i Offiziere mit gezogenem Degen. Auf der anderen Seite der Tafel stand der Fahnen- träger des weimariscben Kricgervercins mit der Fahne, während der Verein selbst SkeUung im Schiffe der Kirche genomm-xx batte. Ihre Königliche Hohsit die Großherzogin mit der Erbgroßherzogin und den Prinzessinnen Töchtern hatte in Trauerkleidernxin der Herr- schaitlichen Loge Platz aenommen. Bald nach 11 Uhr er1chiett unter dem Vortritt der General-Adjutanten Grafen Beust, Obcrst Marschall von Sulicki und der Gkistl1chkéit der Kirckoe Se. Königliche Hoheit der Großherzog mit dem Erbgroßherzog, in großer GeneralSuniform, und nahm vor dem Altar, dcr Tafel gegenüber, Platz. Nachxem einige Verse des Chorals „Jesus meine Zuversicht“ gcsungen und der Kirchenchor das „111.1 aoterna lucsab 618“ vorgetragen, bielt Hr. Gar- nisonprediger 1)r. ScbWeizer eine die ernste und, hohe Bxdkutung des Aktes nachdrücklich hervorhebende Weiherede. Em Chorgesang schloß die Feierlikhkeit.

Theater. , _

Im Königlichen Operanu1e_-wirdFr[.Minnie Hauck im Laufe der Saison auch als „Elsa“ m_ Wagners „Lohengriu“ auf treten. _ Am Königlichen Schausprelbause ist Frl. Abich vom Stadttheater in Frankfurt a. M. vorgestexn, vorbehaltlich eines günstigen Ausfalles ihres demnächstigen Gastspiels für naive Rollen engagirt worden.

_ Der Großherzogliche Hoiscbauspieler Hr. Adolph Bethge Zmbzsloxftheater zu Schwerin feierte am 2. d. M. sein 25jähriges

u taum.

_ Der Zudrang zu der dies'äbrigen Weihnachts-Ausstel- lung im Kroll'schen Etablisiemeut ist scvon in den ersten Ta en bedeutender gewesen, als in den Vorjahren. Die Pofffe: „Wünsche und Träume“, Welche durch rascheres Tempo um aft eine halbe Stunde kürzer spielt, gefällt von Tag zu Tag mehr und v-rscbafft den Darstellern der Hauvtrollen vielfache Hervorrufe.

_ Redacteur: F. Previn. Berlin. Verlag der Expedition (Kessel).

Drei Beilagen (einschließlich Börseu-Beilage).

Präxisirt,

1

Dtm! W. Elsner. '

zum Deutschen Reichsan

Königreich Preußen. Privilegium wegen AuSgabe auf den Inhaber lautender Obliga- tionen der Stadt Elbing zum Betrage von 400,000 „M

Vom 17. September 1875. '

Wir Wilhelm. von Gottes Gnaden König von Preußen :e

Nachdem per Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung der Stadx Elbing darauf angetragen haben, zur Ausführung mehrerer notHWendtger Bagten und anderer gemeinnütziger Anlagen und Einrichtun- gen eine Anleihe tm Betrage von 400000571; aufnehmen, und zu diesem Bebufe auf jrden Inhaber lautende mit Zinßcoupons und Talons vxrsehene, SZttens der Gläubiger unkündbare Stadtobligationen aus-

eben zu durfen, so erthcilen Wir in Gemäßheit des §. 2 des eseßes vom 17. Juni 1833 wegen Ausstellung von Papieren, welche eine ZabluyZSverbind1ichkeit gegen jeden Inhaber ent- halten, durch gegenwartiges Privilegium Unsere landesherrlicbe Ge- nehmigung zizr Aussteuung von auß dkn Jubaber lautenden Elbinger Stadtobligattonen zum Betrage von 400.000 „(ß, welche nach dem anliegenden Schema auszustellen, in folgenden Apoinis 80 Stück 5- 2000 „M 100 T*. 1000 220 H. 500 150 5- WG außzugcben, mit 4.176 jährlich zu verzinsen, von Seiten der Gläubi- ger unkündbar sind und nach dem festgestellten Tilgungsplane durcb Ausloosung mit Wenigstens jährlich Einem Prozent 1726 Kapital- betrages, unter Zuwachs der Zinscn von den getilgten Schuldver- schrcivungxn, von demjenigen Jahre ab amorttfirt w_erden soÜen, Welck-es auf die Ausgabe der Obligationexi folgt, so daß die Anleihe in längstens 39 Jahren abgezablt sein wird.

Vorstehendes Privilegium, welches Wir vorbehaltlich der Rechte Dritter ertbeilen und durch Welches für die Befriedigung der Ju- haber dsr Obligationen in keinerlei Weise eine Gewährleimung Sei- tens des Staats übernommen wird, ist in Gemäßbeit der Bestim- mungen des Geseßes Vom 10. April 1872 (Gesetz-Sammluna Seite 357) zur öffentlichen Kenntnis; zu bringen.

Urkundlich untcr Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift und beigedrucktem Königlichen Jnsiegel.

Gegeben Liegniß, den 17. September 1875. (x.. 8.) Wilhelm.

Zugleich für den Minister des Innern:

Camphauseu. Achenbach.

RegierungsbczirkDanzig. (Stadtwappen) Obligation der Stadt Fllbiug.

bittr. . r. . . . über „;ck Reichswährnng.

Auf Grund des Allerhöchstkn Privilegiums vom . . . (Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Danzig, Stück, . . . . Seite .) zur Aufnahma einer Anleihe von 400,000 «. Reichs- währung ermächtigt, bekennt fick) der unterzeichnete Magistrat Namens der Stadt Elbing durch diese, für jedkn Inhaber güljige, Seitens des Gläubigers unkiindbare Verschreibung zu einer Darlehnsscbuld von . „. . . . „;ck Reichßwäbrnng, welchcr Betrag als ein Theil der ob1gxn Anleihe an die Stadt gpzavlt wvrden und mii vier und ein halb Prozent jährlich zu vkrzimen ist.

Die Rückzahmng der gxnzen Schuld von 400,0004/kä Reiohs- währung geschieht vom 1. Januar 1877 ab alimählicb in Gemäßbeit des festgesteüien TilgungSplancs aus einem zu diesem Bevufe gebil- deten TilgnnNLfonds mit wenigstens jährlick) Einem Prozent der An- leihe, unter Zuwachs der ersparten Zinsen von den getilgten Schuld- verschreibungcn.

Die Folgeordnung der Einlösung der Schuldvsrfchreibnngen wird 111rch das Loos bestimmt. .Die Altslooiung erfolgt im Monate Juni jedes der Einlösung vorlzergehendcn Jahres und beginnt im Juni 1876, die Stadtgemeinde behält sich jedoch das Recht vor, den Til- gungßfonds zu verstärken, sowie sämmtliche umlaufende Sämldvcr- 1ckretbungen zu kündigen.

Die angeloosten bcziehnnoIWeisé die gekündigten Schuldverschrei= bungen Werden unter Bezeichnung ihrer Buchstaben, Nummern und Beträg_e, sbwi:z des Tcrmincs, an w61chcm die Rückzahlung erfolgen soll, öffentlich bekannt gemacht. Diese Bekanntmachung erfolgt sechs, drei und einen Monat vor den Zablnngßterminen, also in den Mona- texx Juli, Oktober und Dezember im „Deutschen Reichs- und Kxaiglick) Preußischen Staats-Nuzeiger“, [m „letßblatte“ dcr Kontgnchen Regierung zu Danzig, im „Elbinger KrciÉblatte“, in W“ „„Berliner Börsen-Zeitung“, in der „Elbinger Zeitung“ und in der .Exbmger Altpreußischen Zeitung“.

Sollte eincs dixser Blätter eingehsn, so wird vom Magistrat mit Genehmigung der „Königlichen Regisrung ein anderes subsjituirt. Bis Zu dem Tage, kvo 101chcrgcstalt das Kapital zu entrichten ist, wird es in halbjälcktlichen Terminen, am 2. Januar und 1. Juli, von heute an gerechnet, mit vier und ein halb Prozent jährlich in Reicbkwävrung vcrxmsct, Mit kom FäÜigkkitStermine hört die Verinsung der aus- oeloosten und gekündigten Obligationen auf.

Die AUSZahlung der Zinsen und des Kapitals erfolgt gcgen bloße Rückgabe der ausgegebenen Zinswupons, bezisbungNm-ise dieser Sebuldverschreibung bei der Kämmercikasse zu Elbing oder an andern bekannt zu machenden Orlen, in der nach dem Eintritte des Fällig- kextNerminS folgenden Zeit.

Mit der zur Cmpfangnahme des Kapitals prä1entirten Schuld- vkxschreibung sind aucb die dazu gehörigen ZinScoupons der späteren Fqüigfeitsterminc zurückzuwichen. Für die fehlenden ZinScoupons Mrd der Beérag vom Kapitale abgezogsn.

Dre g-kündigten Kapitalsbeträge, welche innerhalb dreißig Jahren "“ck dem Rückzahlungstxkrmine nicbt eibbbcn Werden, sowie die inner- b_§111* vier Jahren nach Ablauf dcs Kalendexjabrcék, in welchem sie falltg geworden nicbt abgehobeuen Zinsen, verjähren zu Gunsten der Stüdkaemeinoe.

Das Aufgebot und die Amortisation Verlorener und vernichteter Schuldvexschreibungcn erfolgt nach Vorschrift der Aligcmeinen Ge- klchisordnung Theil [. Titel 51 §§. 120 sequ. bei dem Königlichen

reisseriébte in Elbing. Zinöcoupons können weder aufgeboten, noch amortisirt werden. Doch ioll Demjenigen, welcher den Verlust von lnécoupons vor Ablauf der vierjährigen Verjährungsfrist bei uns “Welder und den ftattgchabten Bestß der Coupons in glaubhafter B**ktse darthut, nach Ablauf der Verjährungsstrß der Betrag der an- nettieldeten und bis dahin nicht vorgekommenen ZinScoupons gegen Ulttung aussezablt werden. Mit dieser Schulrvkrschreibung smd balbiährige Zinöcouvyns bis alt, Dezembrr des Jahres 1885 ausgegeben, fur die weitere Zett wix- M ZmScoupons auf zehnjähriße Perioden auSgegeben werden. 'Die . "snahe jeder neuen ZinScoupons-Serie erfolgt bei der,.Kämmeretkaffe in Elbing gegen Ablieferung des der älteren Serie beigedruckten Ta- o_us, Beim Verlust des Talons erfolgt die Aushändigung der nenen Zmscvupon-Y-Serie an den Inhaber der Schuldverschreibung, sofern deren Vorzexgung _rechtzeitig aeschehen ist. _

Zur Sicherheit der hierdurch eingegangenen Verpflichtungen baf-

Provinz Preußen.

Erste Beilage

Berlin. Freitag den 3. Dezember

tet die Stadtgemeinde Elbing mit_ ihrem gegenwärtigen und zukünf- tigen Vermögen, Einkommen und ihrer gesammten Stherkraft. Elbing, den . . ten ...... 18 . . (Stadtsegel)

Der Magistrat. ,' . (Eigsnbändige Unterschrift des Magistratserrigenten und emxs anderen Magistrats-Mitgliedes, unter Beifugung der Amtsntel.)

Hierzu sind Zinscoupons Kontrolbch) Seite . . .

Nr ........ bis . . . uebß; Talon auSgereicht. Kontrolbeamter.

Provinz Preußen. Regierungßbezcrk Danzig. (Stadéwappen) Serie....... ZinScoupons Nr. . . über . _ Mark Pfennige Reichswahrung zur Obligation der Stadt Elbing. . . Nr. . über Mark NeuW- währung. Der Inhaber dieses ZinScoupons empfangi gxgen deffxn ' Ückßabe am . . en . . . . . . die vier ynd ezn ' halb prozentigen Zinsen der vorbcnanuieu Siadtobligaiion fur das Halbjahr vom . . ten . _. . . . . . bis zum . mit (m Buchstaben). _ . . _. Reichswährung aus der Kummers:- 1 '

1111.13.

* - * ten - * Pf. ,-

. . . enmge

kassZin Elbing. (Elbing, den

abgeschnitten ist

. . ten . . . . . (Trockenes Sindtficgel.) Der Magistrat. , (Unterschrift des Magistrats-Dirigenien und eines andern Magistratömifgliedes, unter Beifügung der Amtstitel.) Kontrylbeamter. " Dieser Zinßcoupon, verjährt nach dem Gc1cße vom 31. Marz 1838am......

Ungültig, wenn die Vorderseite durchkreuzt, oder wenn eine Ecke

Regierungsbezirk Danzig. T a l o n

zur Obligation der Stadt Elbing. . Nr. '14

Provinz Preußen.

1.185. u er Mark Reichs- währung; ' Der Inhaber dieses Talons empfangi gegen dessen Ruckgabe dre . . te Serie Zinscoupons für die . . Jahres von] 1. Jg- nuar 1 . . . bis ult. Dezember 1 . . . _bei .der Kammexer- kasse hierfelbst, sofern von dem Inhaber der Obligation gegen diese Auörcichung nicht rechtzeitig Wic-erwruck) erhoben Worden ist. E1biug,den .ten.......1... (Trockenes Stadifiegel.) Der Magistrat. ' (Unterschrift des Magistrats- Dixi enten und eines andern Ma- gistratSmitgliedes unter Beifügung der mtstitel.) Kontrolbeamter. [Anmerkung zu den Schemas für die Zinöcoupons und die Ta ons.

Die Namenöunterschrifien des Magistrats - Dirigenten und des zweiten Magistrafsmitgliedes können .mit Lettern odcr Fac- fimilestempeln gedruckt werden; dock) muß jeder Zinöcoupon und Talon mit der eigenhändigen Namsnsunterschrist eines Kontrol- beamten versehkn Werden.

Reichstags - Angelegenheiten.

Berlin, 3. Dezember. In der gestrigen Sißung des Deutschen Reichstages antwortete der Präsident des Reichs- kanzler-Amts, Staats-Minifter 131“. Delbrück , auf die Inter- pellation des Abg. Wiggers, die Herstellung von Wasser- straßen betreffend: * *

Meine Herren! Ick) kann mich dcr Natur der Sache nach nur an den Wortlaut der Jnterpxllation Halten, wie sie gesteÜt ist, und dieser Wortlaut geht dahin, Auskunft zu erhqltezl iibcr dasjenige, Was die Reichsregierung zu thun gedenkt, um die i_tx der Jnxerpslla- tion bezkichneten Verfassungsbestimmungen praktnch ivtrkjam zu machen. In der Interpellation selbst sind eine Anzahl von einzelnen Maßrcgkln, welche der Herr JuterPeUant bei'Begründung derselben namhaft gemacbk hat, nichr bc'zcicbnet, und Sie werden deshalb von mir nicht erWarten, da!; ich auf diese ein einen Maßrecxxln, über wklclyc ich nur eine der Natur der Sache yaclz) sehr Wertblo1e persön- liche Meinung aussprechen könnte, näher eingebe.

Der Herr Jutexpeüant hat seinen Vortraß damit begonnen,)aß die von ihm bexcicbnelen Bestimmungcn „der Keicbéberfassung bißher ein iodter Bachitabe geblieben seien. Diescr Behanptung muß ich widersprechen. Es ist zunächst _ und man mag das für eine Klei- nigkeit halten, fie ist indessen von den Betheiligten nicht als eine Kleinigkeit empfunden wordcn, _ durcb Rcicbchstß das Verbäaniß dcr Flößcreiabgabkn _ geregelt. Es ist ferner auf Antrag von Elb - Handeléplaßen, . welche sicb über den Zustand der Elbe. namentlich auf der preußischen und anhaltischen Elbenrecke, beschiverten, eine Reichskoxntniifioy zur Untersuchung dieser Stromstrsckc entsendet wvrden. Die1e Untermcbung hat stattgefunden und hat zu Ergebnissen gsführt, welche fi_ch allerdings augenblicklich in der Beschaffenheit dcs Stroms noch nicht merkbar machen, rveil bekanntlich dergleichen Wasserbautcn nicbt ;;11r_sek)r lange Vorbereitungen zu ihrer richtigen Ausführung, sondern auch_laygere Zeit erfordern, bevor sie ihre gutenFol cn für die Schiffabrt wrrxmm machen. Es ist ferner auf Anruf ciner “XundZSrcgicrung cine Reichskommrsfion beauftragt worden mit der Untersuchung des Fabrwassch der Weser unterhalb Vegesack. Auch diese Kommisfion ist zusammcngetreten, hat ihren Bericht erstattet, und wird nach Vornahme „der auch hier noch erforderlich gewoxdenen technischcn Ermrticlungcu die Sache im Bun- deSratbe weiter behandelt Werden. _ ,

Dies sind die Wesentlichen Schritts, die bisher auf Grund der be- zeichneten VerfaYungsbestimmung geschehen sind. Dex err JnterpeUant verlangt rnehr. ck weiß nicht, und er hat es selbst wenig texts als eiiie offene Frage behandelt, ob er davon auSgebt. paß d_urch die von ihm be- ?eichnete Verfassungsbestimmung dem Rauch die nygabe geworden ei, in Deutschland ein Kanalneß herzustelley, In dieser Ausvehnxmg haben die verbündeten Regierungen die bezeichnete Berfasxuygsbesnm- mung bisher nicht verstanden, und ich glaube, die Bei tele selbst, Welche der Herr Jnterpeüant angeführt hat, sprichst: ent (bieden da- für, das; es sehr bedenklich wäre, dem Reich die Aufga e zur Her- stcÜung eines Kanalnc es zu vindi iren. Er hat in erster Linie von der gro en und, wie ich ür meinen heil sehr gern anerkenne, überaus wi tigen Kanalverbindung gesprochen zwischen Elbe und Rhein. Dies ist eine Kanalverbindung, die lediglich das preußische Gebiet berührt. Es nd ferner zwei andere Kanalprojekte näher erörtert worden im Laue der leßten Jahre, von denen das eine lediglich Preußen und Mecklenburg, das andere Preußen gnd Sachsen betrifft. Meine Herren, i laube, es genügt_ die Hinweisung auf diese faktischen Verbä tui e, um die schweren Bedenken an-

eiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

1Z75.

schaulich zu machen, welche der Ausführung eines plan- mäßigen Kanalneßes auf Kosten des Reichs entgeqenftehen. Das schließt nnn aUerdings keineSwegs aus, daß das Reich den Jnxeressen der Kanalschiffahri, We1che im Burachrath ihre 13on Wurdigung finden, sein Interesse zuwende. Es hat dazu 311311)?! ve_rschiedencn Zeiten durch den von dem Herrn Interpeüanten bs- ZetFneten Verein zur Förderung der Kanalfcbiffahrt Véranlassuug er- a en.

Es Wurde zuerst der Wunsch außgesprochen von diesem Vexem, daß einleitende Schritte für Durchführung eines einheitltcben Neßes [SLFÜUULssäbigex Wasserstraßen im Deutschen Reiche veranlaßt. Wexd_en mochtsn; DarBundeSrail) hat nicht geglaubt, aux den Antrag m„dte1,er ?lilgemeiiiheit eingehen Fu können, eben aus dem von mir vorhin be- zeichneten Grunde, Wei er nicht von der UntersteÜung aus;;ebt, daß es chbe dss Reichs sei, ein deutsches Kanalnetz zu bauen, und wenn das nicht der Fal] ist, es für seinen Beruf halten kann, ein Kanalncß zu entwerfen und dessen Ausführung den Einzelstaaten [edislich nach ilHrerl Fonvenienz oder nach dem Befinden ihrer Landesvertretunscn zu 1: er (: en.

Der Verein hat sodann später, im Jahre 1874, einen Antrag gesteÜt, dahin gehend:

Im Sinne des Artikels 4, Ziffer 8 und 0 der Reichövcr- fassung baldihunlickdst maßgebende Minimaldimenfionxn für den Ausban derjenigen Wasserstraßen im Gebiete des Deutftben Reichs festseßen zn WoUen, deren HersteÜuug im Jntereff: des aÜgemcinen Verkehrs oder der Landesvertheidigung liegt, oder welche mehreren Staaten gemeinsam angshören,

_ Bei diesem Anfrage handelte es fich nm eine gan; konkrete und, Wie von allen Seiten anerkannt Wurde, überaus wichtige und be- dexxtungsvoile Frage. Der Vundcsratl) hat fick) mit eingehenden Cr- wagungcn dieser Frage beschäftigt; er konnte indessen in dem Material, wczs ihm vorlag 11110 von dem Verein bcig-bracht Worken War, noch kemoöivegs die genügenden Grundla en finden, um zu einer Ver- ständigung über diese Minimaldimenixionxn in seinem Schooße zu ge- lqn_gcn. Ein Theil des Materials, dessen er zur endgültigeu Prüfnng diNer Frag€ [*xdnrfte, wird beschafft durch die Aufnahmen, die in- folge eines Beschlusses des Bundcsratbs schon aus dem Jahre 1871 dyrch„das statistische Amt zusammengestellt werden in Beziehung auf 171€ Lange, Anfangs- und Endpunkte der Kanäle, die Beschaffenheit der Fahrzeuge 11. s. w. Dies konnte für die Erledigung der Frage nicht genügen. Es Wurdc deshalb vom BundeSratb im vorigen Jahre beschlossen, die Regierungen zu ersuchen, über nachstehende Fragen sich zu äußern _ es wird Ihnen von Jntercfse sein, wenn ich fie Voll- ständig mittbeile _:

]. Bezeicbnung der bei den vorhandenen Kanälen in Betracht kommenden besonderen Verhältnisse, namentlich der Boden- und Terrainverbälinisse.

Zeit der Hersieüung der Kanäle, bezw. der Erweiterung der- selben und der zugeböri en Bauwerke,

Kosten der ersten Herstellung und der ErMiieruna derselben,

Unterhaltungs- und Betriebskosten nach dem Durchfchnitt der letzten fünf ahre.

Höhe der analabgabe und Umfang des gegenwärtig auf dem Kayak sicb bewegmden Verkehrs,

chammteinnahme 'edes Kanals in den lcßtcn füanahrcn.

11. Bezeichnung der s1chiffbaren Strom- und Flußstrecken und deren Längénangabe, welcbe bei der Annahme der oben angegebenen, für die großen Kanäle empfohlenen Dimensionen _

diese Dimensionen sind diejenigen, bie vom Vereine empfohlen Waren _

von “der direkt-Zn Benutzung für den 'durckygebendcu Schiffsverkehr

ausgeschlossen Werden, indesssn nach wie vor für kleinere Fahrzeuge

zugänglich bleiben würden.

Bezeichnung der schiffbaren Flußsirecken und dexen Längenan- gabe“, Welche bei der Verwendung von Schiffen mit einer Tragfähig- keit von nur 3: bis 4000 Centnern und mit einem dieser Trag- fähigkcit eutsprcchkudcn geringeren, als dcm yon der T€chnikervcr- sammlung angenommenen Tiefgange von der direkten Bcnxßung für den durchgebknden Sckyiffahrtsbstrieb ausseschlossen werden, indesscn nach wie vor für klemere Fahrzeuge zugänglich bleiben werden.

anässigkeit eiuer Regulirung dirnack) diess" beiden Voraus- setzungen anSgeschlossenen Strom- und Flußstrecken und die unge- fähren Kosten dcrsclbcn.

111. Empfiehlt sich für den durchgehenden Verkehr die Fcst- ste_llnng völlig (inheitlicber Kanaldimensionen: welchc Dimensionsn cr1cheinen als die zwcckmäßigsten, Welck)? Schiffsgrößcn sind den Bidürfnissen des Handels und dsr Schiffahrt am mcisten ent- fpreclvcnd, welche eignen fich am besten für den Kanalverkehr?

Empfiehlt fich daneben die Feststeauug von Kaualdimensiouen, wie solche durcb die lokalen Verhältnisse und durch die, nach durch- geffihrtcr Regulirung, erreichbare Fabrbarkeik der für Nrbenkanäle maßgebenden Flußstrecken bedingt sind, so daß fich abgestufte Minimq1dimenfionen ergeben?

Wie wiirdx fich ie n_ach Annahme der Hauptdimensionen die Breite der Kanale, Schleunn und Brücken steüen?

Wie hoch würden sich die' Anlage- (Baw) Kosten nach über- schlägiger Berechnung Pro Meile belaufen?

Wie hoch darf die Menge des Frachtguts, welches auf den ver- schiedenen projektirten Linicn den Kanal jährlich pasfircn kann, nach 1"!1*srsch1ägiger Schätzung angenommen werden, und wie hoch würde fick) voraussichtlich die Höhe der Abgabe und der Rentabilität des Kanals stellen?

Auf düse Fragen ist von dcr überwicgcnden Mehrzahl der Bun- deöregierunßcn bereits geantwortet Wordcn. Es stehen nur noch Wc- nig-x Antwortcn zurück, und nachdeman gesammte Material vorlikgt, wird der Bundeßrath in der Lage _1ein, iu d_er _Sache weitkr vorzu- gehen und bezüglicbe BesÖlÜffe zu fassen. Bei dixser Lage dsr Saehe 1st es auch zur Zeit unterblieben, dem Vereine eme eingehende Ant- wort zu eriheilen, da diese fich doch„nur darauf hätte beschränken müssen, daß der Bundeskatb sicb nut der Sache beschäftige und Weitere Ermittelungen angeordnet habe.

Ich habe schon vcjrbin bemerkt, daS ich nicht in der Lage bin, auf die einzelnen Maßregeln, die Yer err Jnterpellant angedeutet hat, als zur Ausführung de;r Vsermffungöbestimmungen erforderlich, hier rähcr einzugehen. Es gilt dies insbesondere von der Frage der Errichtung einer besonderen Behörde für diese Zwecks, oder worauf er mehr zu deuten Wien:, auf Uebertragung der ReichSaufsicht in dieser Beziehung an das Reichs - Eifenbahnamt. Ich glaube, durch das, was ich mitzutheilen die Ehre gehabt habe, die m der Inter- pcüation gestellten Fragen thatsächlich beautwvrtet zu haben.

_ In der Diskussion über den Gesetzentwurf, betreffend die Abänderung des Poftgeseßes, nahm der General-Poß- direktor Dr. Stephan in der Diskusfion über Art. 2 nach dem Abg. v. Benda das Wort:

Fürchteu Sie nicht, meine Herren, daß ich die Diskusfion etwa zu verlängern die Absicht hätte. Ich habe nur 1th Wort gebeten, um kurz die Erklärung abzugeben, welche der geehrte Hr. Abg. von Benda mvartet. Es entspricht durchaus nicht den Ybsicbien der Postver- waltung, daß eine Zertheilung der größercrx Packete m kleinere stattfinde.

Wie wenig das diesen Absichten entipricht, bat die Postverwal- tung am besten dadurch bewiesen, daß sie qewiffx Bestimmungen er- lassen hat, die eine Schranke gegen die Zerxheiluua der Packete zu bxtrcn geeignet sind. Sie hat bereits vor einem Jahre bei Anlaß