auf das Gehalt die GleichsteUung der Militärärzte mit den gleichaltrigen Offizieren der Truppe durchzuführen, worin ihm Abg. 131". Zinn mit weiteren Ausführungen beitrat. Der Prä- sident des Reichskanzler-Amts, Staats-Minister 1)r. Delbrück, erklärte darauf, daß die kategorienweise GehaltSerhöhung in dem diesjährigen Etat vermieden worden sei (s. unter Reichstags - Angelegenheiten), eine Maßregel, mit wel- eher der Abg. Richter (Hagen) namentlich in Bezug auf die Militärärzte sein Einverständniß aussprach. Die Po- ßtionen des Kapitels wurden bewilligt, ebenso wie Kapitel 25 „Naturalverpflegung“, wobei von der Militärverwaktung auf eine Anfrage erklärt wurde, daß man die Frage, ob Hafer durch Mais aus SparsamkeiteZ-rückfiuhten zu ersehen sei, im Auge be- halten werde.
Eine Diskussion erhob fich demnächst nur noch bei den ein- maligen AUSgaben, und zwar bei der Position „Neubau des Kasernements für die von Pirna nach Dresden zu verlegen- den chi Escadrons des Garde = Reiter : Regiments erßc Rate (150,001916)“
Die Kommission beantragte, die hier geforderten 150,000 «16. zu streichen und die folgenden Resolutionen anzunehmen:
1) den Herrn Reichskanzler aufzufordern, Dem R91chstag den
[an der Königlich sächsischen chicrung vorzulesen, wonach die im
eickzöeigenkkxum befindlichen militärischen Etablissements von DM.;- den durch Neubauten daselbst ersetzt Mrden; 2) zu erklärén: indem der Reichstag den Titel in der vorliegenden Form ablehnt, spricbt kr seine BercitwiÜigkeit aus, bei Prüfung des vorbezeichneten Planes auch die Frage in Erwägung zu ziehen, ob zur Ausführung imer Neubauten mii Rücksicht auf etwaige Garnisonverstärknngen in Dres- Den aus Reichßmittcln Zuschüsse zu gewähren seien.
Der Referent Abg. 131". Wehrenpfennig suchte darzuihun daß es fich hier um ein zum Schaden des Reichs mit Sachsen abgeschlossenes Geschäft handle, wobei auch der Abg. Richter (Hagen) das Vorgehen des sächsischen Kriegs-Ministeriums tadelte. Der Bundesbevollmächtigte Major Edler von der Planitz konnte ver- üchern, daß das Abkommen, das über diesen Geganstand zwischen der sächfischen Militärverwa1tung und dem sächsischen Staat JG troffen wurde, bereits vor Erlaß des Reichs-Eigenthumsgeseizes geschah, Die sächsische Regierung würde übrigens die zur Be- Urtheilung der Sachlage nöthigcn aufklärenden Aktenstücke auf Verlangen dem Reichstage gern zur Verfügung steilen. Ob- wohl die Abgg. Günther (Sachsen) und Krause dcn Sachverhalt des Baues der in Rede stehendenKasernen aus näherer Kenntnis; dargelegt und hervorgehoben, daß der Sache keineswegs, wie es den Anschein habe, ein Geschäft auf Kosten des Reichs zu Gunßen des Staates Sachsen zu Grunde liege, vielmehr durch den betreffenden Bau der Militärperwaltung des Reiches allein Vortheil erwachse, wurde die betreffende Position des Titels 21 hierauf mit großer Majorität vom Hause geftrichen und die von der Kommisfion beantragten beiden Resolutionen ange- nommen.
Seitens der Budget-Kommiifion lag ferner der Antrag vor, die Summe von 55,320 416. für Eisenbahn-Transportkosten behufs Heranziehung des 3. Garde-Regiments zu Fuß und ch 4. Garde-Grenadier-Regiments Königin zu den Herbstübungen des Gacde-Corps zu streichen. Der Referent motivirte den An- Frag mit Hinweis darauf, daß die beiden Regimenter bisher mit den Truppen des )(. resp. 17111. Armee-Corps manövrirt hätten. Der Staats-Minister v. Kameke bat um Bewilligung der Summe, da sich das Bedürfnis; herauögestellt hätte, die Regimenter mit dem Gros des Garde-Corps operiren zu sehen (S. unter ReichStagsangelegenheiten); mit Rücksicht hierauf waren auch die Abgg. Or. Lucius (Erfurt) und Rickert gegen den Kommisfianantrag, der vom Abg. v. Adelebsen mit Rück- sicht auf die Finanzlage des Reichs empfohlen Wurde. Da die Abstimmung durch Probe und Gegenprobe zweifelhaft blieb, so bedurfte es einer Zählung der Stimmen, welche die BewiUigung der Position mit 150 gegen 104 Stimmen ergab. (Gegen die- selbe stimmte das Centrum, die JortschrittSpartei und wenige Mitglieder der national-[iberalen Partei.)
Bei dem Kapitel: „Außerordentliche“ Zuschüsse Wurden sch1ieß1ich ohne Widerspruch folgende von der Budgetkommisfion vorgeschlagene Resolutionen angenommen:
1) Die Ern1artung auszusprecbkn, das; künftig nicbt ohne vorhe- rig? Gknohmigung des Rcichstagks die für cine bestimmte Kaser- nirung angewiesene Bausumme zu anderweitigen KaskrnementsZzwx-cken ganz oder thailweiie verwendet werde.
2) Die Militär-Vermalfung ;,u ersuchen, künftig dsm Etat Line Usbcrficht der für im Bau begriffsnc Kasernkn erwachsenen Und Wr- aussicbtlicb nc-ch erwachscndcn Kosten sowie 11er die für Kaiérncn- banken bercits bewilligten und noch reicrviricn Beträge miizmheilcn, auc!) diZ Forderuugc'n für Kafsrncnbauten durch ausführliche Dar- legung der Garnisonöyexhältnisse und die Bestimmung der ctwa vcr- fügbar Mrdcnden Kaiecncmenis zn vervoiiständißen.
Dami war die zweite Verathung des Militär-(Ftats erledigt.
111114 Uhr wurde die Sißung aufgehoben, um 71 Uhr Abends fortgescßt zu werden.
In der Abendsihung, wekcher um 71 Uhr am Tische des Bundesraths der Präsident des Rcicthanzler-Amts, Staats- Minißer ])r. Delbrück, mit verschiedenen Kommiffarieu bei- wohnte, Wilrde die zweite Lesung des Bitdgcts fortgesetzt und zn- nächst der Etat dcs Reich Stag s nach einigen Bemerkungen der Abgg. Frh. v. Stauffenberg und v. Wahl, die fich nur auf deffen formelle Llufftelluug beziehen, bewilligt.
Das Kapitel 66 der Uu6gaben im Ordinarium, welches die Kosten der Verzinsung der Reich6schuld mit im Ganzen 3,592,700 „sé: aufführt, ist in der Budgetkommission einer sehr eingehenden Prüfung unterzogen Warden, deren Resultat in dem Vortrage des Referenten Richter (Hagen) mit- getheilt wurde. Die Anträge der Vudgetkommiifion bezwecken hier eine Abseßung von nicht weniger als 850000 «sé: Und diese, ebenso wie 2 MiUionen Mark, welche die Kommisfion aus dem Ucberschusse des Jahres 1875 in den Etat für 1876 als Einnahme einzustellen beantragte, sollen das Gleichgewicht im Budget erhalten, ohne die Matrikularbeiträge erheblich er- höhen oder die neuen Steuern bewiüigen zu müssen. _ Der Präsident des Reichskanzler-leis, Staats:Minister ])]: Del- brück glaubte der Geschicklichkeit er Annerkennung wider- fahren [affen zu können, mit welcher die Budgetkommisfion einen eigenen Finanzplan dem der Reichsverwaliung gegenüber gestellt hat, er habe indessen gegen denselben um so gewichtigere Bedenken, als seine Durchführung voraussichtlich die Veran- lassung für ein ungewöhnlich hohes Defizit im Etat des Jahres 1877 sein würde. Dennoch glaubte die Finanzverwaltung des Reiches den Finanzvorschlag der Kommisfion nicht von der Hand weisen zu sollen, sondem war bereit, den Versuch zu machen, damit zu wirthschaften. (S. unter ReichStagSangelegenheiten.) Die Einnahmen aus den Zöllen und VerbrauchSsteuern gaben dem Referenten Richter Galegenheit zu einer Replik, in welcher er. die Prophezeihung eines erheblichen Defizits im Etai für 1877 Amt Rücksicht auf den ßeigenden Charakter dies er Einnahmen zurück- zuweisen suchxe.
Als Mehpeinnahmen hat die Kommission ferner in den Etat eingestellt: 1) ein Plus beim Gewinn der AUSprägung der ReichSmünzen, sowie bei sonstigen Einnahmen aus der Münzreform von 2,400,000 „FH; 2) an Zinsen vom Festungs- bauionds 360.000 „M und vom ReichSeismbahnbaufonds 600,000 “FC»; 3) aus den ZiUSerträgniffen der franzöfischen KriegSentschädigung bis zum Ablauf des Jahres 1875 3,000,000«16. Nach einigen erläuternden Bemerkungen des Re- ferenten Richter wurden diese sämmtlichen Pofitionen nach den Anträgen der Budgetkommission genehmigt.
Eine von der Budgetkommisfion vorgeschlagene Resolution,
zu erklären: „Die verspätete Vorlage des Etats in diesem Jahre hat es nicht ermöglicht, den Etat auch in Bezug auf die gegen das Vorjahr vieifach veränderte Form der Aufsteüung überall einer eingehenden Prüfung zu unterziehen; aus dén zustimmenden Beschlüsssn des Reichs- tages zum Etat kann daher nicht gefolgert werden, daß er die fest- geseßte Form überall auch für die EtatSaufstekluug im nachsten Jahre zur Anwendung gebracht wissen will“, fand ebenfalls die Zustimmung des Hauses.
Die Etats des ailgemeinen Pensionsfonds und des Reichs- Invalidenfouds pasfirten ohne Diskussion.
Die Gesehentwürfe über Zdie Brau- und Börsen- steuer wurden hierauf ohne Diskusfion verworfen. (Für die [eßtcre Sieuer stimmten die Konservativen.)
Damit war die zweite Berathung des Budgets und der damit in Zusammenhang stehenden Vorlagen beendet bis auf die definitive Festftellung der Matrikularbeiträge, die natürlich von der Feststellung der übrigén Einnahmen abhängig find und nach dem Vorschlage des Präsidenten erst in der dritten Be- rathung festgestellt werden sollten.
Der Präfident des Reichskanzler-Nmts Siaats-Minister 01". Delbrück gab freilich zu bedenken, daß es bis zum Sonn- abend nicht möglich sein werde, die Matrikularbeiträge ent- sprechend auf die Bundesstaaten zu repartiren, weshalb die Vertheilung einer späteren Vorlage vorbehalten bleiben miiffe, bei welcher Abg. 131“. Lasker die Rechtcdes ReichHtags gewahrt zu sehen wünschte.
Das Etatsgeseß selbst wurde nach wenigen Bemerkungen des Abg. Rickert als Referenten mit dsr alleinigen Abänderung angenommen, daß in §. 3 der Reichskanzler ermächtigt wird, behufs Beschaffung eines Vetriebsfonds zur Durchführung der Münzreform Schaßanweisungen bis zum Betrage von 53 Mil- lionen Mark (statt 50 MiÜionen Mark) aUszugeben.
Damit war die TageSordnung erschöpft.
Schluß 91 Uhr.
_ In der heutigen (30.) Sißung des Deutschen Reichs- tages, welcher am Tische des BundeSraths der Präfident des Reich§kanzler=Amts, Staats-Minifter 1)r. Delbrück, und der Staats-Minister v. Pfreßschner mit tnshreren Kommissa- rien beiwohnten, stand zunächst zur Berathimg der An- trag des Abg. Hasenclever, betreffend die Auf- hebung des bei dem preußischen Amtögericht in CeÜe (:egen dcn Abg. Reimer “schwebenden Strafverfahrens. _ Der Antrag wurde, der Praxis des Hauses gemäß, ohne De- batte genehmigt. In der darauf folgenden ersten und zweiten Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Abänderung des §. 44 des Geseßes wegen Erhebung der Brausteuer vom 31. Mai 1872, bedauerte der Abg. ]))“. Lasker, daß die Einbrin- gung der Vorlage erst so spät zur Kenntniß des Hauses gekom- men sei, Was eine Information Über die Wünsche der betreffenden Bevölkerung in dieser Beziehung verhindert habe. Er bsan- tragtc daher die Wirksamkeit. des Geießes auf ein Jahr zu beschränken, um der Bevölkerung in Sachscn=Meiningen, Coburg:Gotha und Reuß ä. L. Gelegenheit zu geben, ihre Wünsche darüber zu äußern, ob fie die Last der höheren Brau- fteuer überhaupt noch weiter tragen will, wobei der Abg. Dr. Reichenspcrger (Ereield) die Braustcuer von (MM mit Surro- gaten berichten Bieren um das Doppelte zu steigern wünschte, dagegen die Steuer für echte»:- Bier vermindert sehen wollte. Das Haus genehmigte die beiden Paragraphen des Geseh- entmurfs, nur wurde in §, 1, Welcher lautet:
„Der zweite Absaß dcs §. 44 dss GeieZSS wegen Exhebung dcr Brausieuer vom 31. Mai 1872 wird durch foigsndén Saß CkiCiZt:
In den Herzogihümern Sachfen-Meiningen und “Sachicn-Coburg- Gotha, sowie in dem Fürstenthnm Vicus; älterer Linie darf jsdoch von dem Centner Malziöhrot derjenige Betrag, um wslchén die dort zur Zeit gesetzlich bestehende Brausteuer von MaiiiÖrot dcn Saß von 2 «46. ,für den Ckntner übersteigt, bis auf Weiteres, jedoch nur insoweit, als dia Stcuersäßc dieses Gasescs keine Veränderung erleiden, für Privative Rechnung der genannien Bunkc-Istaaten fort- exhobcn Werden“; _
auf den Antrag des Abg. Dr. Lasker, in Absay 2 statt der Wort; „bis auf Weiteres“ geseßt: „bis zum 1. Januar 1877 “.
Darauf wurde in dritter Veraihung der GLsLZLlitWka, be- treffend die Einführung des,GeseHes über die Portofreihei- im vom 5. Juni 1869 in Südhesssn auf Grund der in zweiter Berathung unverändert angenommmien Vorlage ohne Debatte genehmigt. Es folgte die dritte Berathung des Geseh- entmnrfs, betreffend die Abänderung des Artikels 15 des Münzgeseßes vom 9. Juli 1873. (S. Nr. 291 d. Vl.)
Der Abg. Rohland sprach den Wunsch aus, daß im Interesse der raschesten Einführung der Goldwährung die Verdrängung der Noten der Zettelbanken aus dem Verkehr darch die Reicthank in der Weise gefördeü Werden möge, daß die Reichsbank jene Noten eine gewiss e Zeitlang an ihrenKaffen annehmen, aufsammeln und den Zettelbanken zur Einlösung präsentiren möge. Der Präfident des Reichskanzler-Amts, Staats-Miniftcr 01". Delbrück erwiderte darauf, daß das vorgeschlagene Mittel gerade die entgegengesetzte Wirkung äußern und die Noten der Zsttelbanken in dem Pri- vatverkehr noch für längere Zeit feßhalten würde. Die Vorlage wurde a16dcmn bei Schluß des Blattes unverändert nach den Beschlüssen der zweiten Berathung genehmigt.
_ Ueber den Schiffbruch des Dampfers „Deutsch- land“ kann noch Folgendes aus dem Aquärtigen Amt zu- gegangenen Berichten mitgetheilt werden.
Der Kapitän Brickenstein hatte aus Besorgniß, zu nahe an die so weit in die See reichenden gefährlichen Sandbänke der hokländischen Küste zu gerathen, fick), wie das alle größeren Schiffe thun, der englischen Küste genähert, um das bekannte Feuer „1118 63110yp€r§“ zu finden, und dann den ficheren Kurs durch die Meerenge von Dover bestimmen zu können.
Durch Umftände, die noch nicht aufgeklärt find, vieUeicht Abweichung des Kompaffes, wie fie auf großen eisernen Schi en oft vorkommt, oder irgend einen Rechnenfehler, war das S iff weiter und mehr nördlick) gelaufen, als der Kapitän annahm; er war zwischen dem Jeuerschiffe und der Küße durchgefahren, khne bei dem starken Schneesturm das Leuchtfeuer bemerken zu
onnen.
Alle VorsichtSmaßregeln scheinen beobachtet worden zu sein es Wurde das Senkblei geworfen, der Kapitän und die Lootsen an Bord waren die ganze Nacht auf der Brücke. Als der Ka- pitän bemerkte, daß er fich einer gefährlichen Brandung nähere, gab er den Befehl „Volldampf zurück“, da brach die Schraube, und das schöne Schiff wurde hülflos den Wellen prengegeben und auf die Sandbank geworfen.
Ohne diesen Unglücksfall, der tvohl nicht vorauSzusehen und zu verhindern mar, würde das Schiff tray des Fehler?; im Course steher gerettet sein.
Das Benehmen des Kapitäns und der Mannschaft ist nach der Aussage aller Passagiere mufierhaft gewesen und die deutsche HandelSmarinc kann daher ruhig und mit Stolz dieser Unter- suchung entgegensehen.
Dagegen bedarf die Thatsache, daß ein Schiff fast dreißig Stunden in der Nähe der Küste und in Sicht von zwei Leucht- schiffcn (das Wetter wurde nämlich am Montag nach dem Schneefturm ganz klar) liegen konnte, auch nach englischem Urtheil noch der näheren Aufklärung.
Die englische Preffe beklagt einstimmig und lebhaft, daß in einem so bedeutenden Hafenplaße wis Hartwich kein Rettungsboot fich befinde, während fast jedes kleine Dorf an der englischen Küste ein solches befißt.
Die Nothfignale, durch das Feuerschiff wiederholt, wurden erst am Montag Abend gegen 6 Uhr in Harwich bemerkt. Ein im Hafen liegender Schleppdampfcr heizte sofort, hielt es aber bei dem hohen Seegang für gefährlich, vor TageSanbruch in See zu gehen. Nack) Aussage des Kapitäns und des Steuer- manns würden fie es aber doch gewagt haben, falls sie ein Rettungsboot hätten ins Schlepptau nehmen können.
Dem „Kommandanten der Küstenwache, der die Nothfignal- Rakete des Feuersckyiffes durch eine Rakete beantwortete, darauf aber, wie die Zeitungen behaupten, fich weiter nicht um die
*Sache bekümmerte, werden bittkre Vorwiirfe gemacht, und wird
er, falls diese Vorwürfe begriindet fiUd, einer strengen Strafe gewiß nicht entgehen.
Die Sandbank, auf der die „Deutschland“ strandete, ist 17 englische Seemeilen von Harwich entfernt, und so gelangte das Schiff erst gegen 10 Uhr an Ort und Stelle und mußte bei dem hohen Seegange und ohne Rettungsboot noch über eine Stunde warten, ehe es an das Wrack gelangen konnte. Die Passagiere hatien cine fürchterliche Nacht, ßs hingen Aae in der Takelage; diejenigen, die unicrgingen, konnten fich nicht halten und find ermatiet und erstarrt auf Deck und ins Wasser ge- fallen. Bei der Kälte hatten die Schwimmgürtel, mit denen sämmtliche Verunglückte versehen waren, keinen Ruhen.
Der Kapitän flüchtete sich erst in den Mast, nachdem er von der Kommandobrücfs heruntergespült war; sein Benehmen ist ganz musterhast gewesen, so sagen einstimmig alls Passagiere; ebenso hat die Mannschaft bis zum leßten Augenblick ihre Pflicht auf das Treufte erfüUt.
Nachdem die Geretteten ans Land gebracht worden, ist für fie vorzüglich gesorgt; ste find durch die Einwohner auf das Beste verpflegt, es find Sammlungen iür fie veranstaltet und ist Alles geschehen, was irgend Menschenliebx für sie thun konnte.
Wenn nach dem Schiffbruch des „Schiller“ in den Seeftädten und namentlich unter den Rhedern Stimmrn gcgen die Unter- suchung solcher Unfälle durch fremde, namentlich englische Behörden laut geworden find, so ßellen auch nach dem Urtheil von Deutschen in England solcheK1agen fich als unbegründet dar; dieUntcrsuchung solcher Unglücksfälle an Ort und Stelle, ganz unabhängig von der Nationalität des Schiffes, sei im Interesse dcr Sicherheit der Schiffe und der Passagiere auf Handelsschiffen von dem aller- größten Nahen. Es handelte fich bei einer solchcnUntersuchung wedcr um ein Strafverfahren, noch um Civilansprüche, es han- delte sich lediglich um die Feststellung des Thaibeftandes, nament- lich darum, wie das Unglück entstand und was nachher znr Rettung der Unglücklichen geschah, Dis Mannschaft des Schiffe?- und die Bewohner der Küste seim beide dabei bethsiligt, und deshalb sei es richtig, daß die Behörden an der näihßen Küste eine solche Untersuchung führen. Eine Untersmhung an dem Heimathsorte des Schiffes sei ja dadurch dUkchÜUI nicht ans- geschlossen, Daß eine solche Untersuchung in England voll- ständig unpartheiisch geführt werde, dafür bürgt dcr ehrenwerthe Charakter der Nation und die allerunbeschränktefte Oeffentlichkeit bei den Verhandlungen.
Die Rettung des Hochbaotémannes Bock ist fÜr sich eine Tragisckge Episode. Indem er das Rettungsboot mit zwei Mann klar machte, wird er mit demselben forigetrisben und, nachdem seine Kameraden erstarrt gestorben, bei den Befestigungen von Sheerneß angetrieben und durch den Posten auf die Wache ge- führi. Dort wurde er vortrefflich im Militär-Lazareth verpflegt und reichlich beschenkt: sein Schicksal hat so große Theilnahme gefunden, daß ihm ein Photograph sofort 10 Pfd. Sterk. bot, um seine Photographie aufnehmen zu dürfen.
Das Board of Trade behäkt ihn auf seine Kosten als Zeu- gen dort. Die Untersuchung wird wohl erst nach Weihnachten stattfinden können.
Wir smd ferner in der Lage, die Anfrage des Grafen Derbt) wegen Einleitung der Untersuchung und die darauf er- folgte Antwort des Kaiserlichen Botschafters in London mit- zuthcilen:
London, den 8. Dczember 1675.
' Herr Botschafter, Die Aufmerksamkeit des Englischen Handel&A tes ist auf den
Untergang des deutschen Schiffes „Deutschland“ be ?entisk) Knoch gelenkt worden und das gedachte Amt wünscht mit Nasbricht darüber vexsehkn zn Werden, ob die Kaiscxlickoe Regierung den Wunsch hege, ka); ein; amtliche Untersuchung der Sache in diesem Lande abgehal- en Wer e.
Ich babe deshalb die Ehrx, Eure Excellenz zu ersuchen, wir die Ansicht Ihrer Regierung in dieicr Beziehung sobald als möglich ge- fäÜrgit mitzatheilen.,
Ick habe die Ehre :c.
In der Abwesenheit des Earl of Derby: Robert Burke. Sr. Excellenz Herrn Grafen Münster xc. :c.
London, den 11. Dezember 1875. Milord,
, Auf Ew. Excellenz sehr gefällige Note vom 8. d. Mis. bechre 1ch_ mich ganz ergebenft zu erwidern, daß die Kaiserliche Regierung mit Vornahme der amtlichen Untersuchung wegen des in der Nähe von Harwich stattgefundenen „Unterganges des Bremer Schiffes öOeyfttfchland“ durch die englischen Regierungsbehördeu einverstan- eu 1 .
Indem ich sonacb seiner Zeit einer gefälligen Mittheilung über das Ergebnis; Ener Untersuchung mit großem Interesse entgegensebx, bitte ich Ew. xeelleuz im Namen meiner Regierung den Dank fur die bei diesem Anlaß bekundete Bereitwibligkeit gütigst entgegennehmen zu wollen. Mit der auSgezeicbuetften HochachMräz 2stc-
u er.
Sr. Excellenz dem Herrn Grafen von Derby :c. :e.
-- Tie heutige (20.) Sißung der außerordentlichen Generalsynode wurde um 10 Uhr 30 Minuten durch den Vorfißenden“ Grafen zu Stolberg- Wernigerode, mit geschäft- ljchen Mittheilungen eröffnet.
Auf der TageSprdnung stand die zweite Verathung des „Regierungsentwurfs von §. 21 ab. '
Die §§. 21-24 wurden ohne Diskusfion angenommen.
In § 251ag ein Antrag des Synodalen 1)r. Schrader (Königsberg) tZor, wonach der Paragraph die Fassung erhalten soll: „Der Prasident der Synode leitet die Verhandlungen und handhabt die äußere Ordnung.“
Die Synode trat diesem Anfrage mit großer Majorität bei.
Der §. 26 wurde vorläufig abgeseßt und soll später be- rathen werden.
Der §. 27 wurde mit einem Abänderung-Zantrag des St]- nodalen 1)r. Schrader (Königsberg) _ die Eingangsworte: „Die Mitglieder _ Präses“ zu fireicben und dahin zu fassen: ,Die Mitglieder werden nach Konstituirung des Präfidiums von dem Präsidenten“ _ angenommen.
Zu Alinea 2 des §. 28 beantragte der Synodale 1)r. Nieden (Coblenz) statt „wird eröffnet“ zu sehen: „beginnt“, und vor dem Worte „die Synode“ zu sehen „und endet mit einem kurzen Segenss pruch“ .
Mit diesem Amendement fand der ganze Paragraph eine einstimmige Annahme.
Der §. 29 gab zu weiterer Diskussion keinen Anlaß und wurde ohne Debatte angenommen.
Bei Verathung des §. 30 bcantragte der Synodale Schnie- wind (Elberfeld) statt „Synodalvorstand“ zu setzen: „das Prä- sidium“ und den Paragraph hiernach redaktionell zu ändern.
Die Synode nahm diesen Antrag und mit ihm den Para- ra an.
g p]?!)Tit der Verathung des §. 31 beschloß die Synode sofort Die Über §. 34, sowie die achgeseßic Berathung Über §§. 10 und 26 zu verbinden.
ZU diesen Paragraphen lagen folgende Amendements vor:
1) vom Synodalen 1)r. Schrader: (Königsberg):
a. den 2. Satz des §. 10: „Der Generaliynode_2c. ["is Vorzu- 1egen“ zu streichen und dafür zu 1agcn: „Der Generaliynode, und in den Jabrsn, in welchen sie fich nicht versamnzelt, dem Synodalvor- stande (§. 31), ist die JaizreSrechnung, über diLie Fonds zur Prüfung und Erthcilung dcr Entlastung vorzuleg3n“;
1). im „H. 26: 3. den erstkn Satz: „Nachdem die Synode _ von Bedeutung find“ zu streichen und dafür zu sagen: „Der Vorfißendc dcs Shiiodalvoritandes eröffnet die Synode, berichtet über die bis- herige Wirksamkeit des Synodalvorstaudes während der verflossenen Synodalpsrirde, sowie über die Verhandlungen der während derielben Zeit abgehaltenkn Provinzialsynodcn, soweit sie für die gesammte Landeskirche von Bedeutung find“; b. den Saß: „xn leßxercm Zweäe _ mitzutheilen' ganz zu streichen; 0. statt der Schlußwcrte in Alinea 1: „die Wahl des nenen Vorstandeö“ zu1agen: „die Wahl des Präsdinmö“;
0. die Nr. 7 des §, 31 ganz zu streichsn;
41. im §. 34 AlineaZ statt: „fällt in Den Jahren aus“ zu sagen: „kann in Dsn Jahren ausfallen“.
2) Vom Synodalen 1)r, Gierke (BreSlau):
a. in §. 31 die Nr. 3 zu streichen und (“(Wir als Nr. 3 iclg-xndc Worte cinzufügen: „Er bat die Jahresrechnungcn, Welche der Generaisyxode und dem Syncdalrath von dem Evangeliichen Ober- Kirchenrarh zur Entlastung vorzulegen smd (§. 10 und §. 34), einer Vorprüfung zu unterziehen, und die darüber aufßenowmcnen Ver- Handlungen dem Evangelischen Ober-Kirck)2nraib zur Kcnntnifznabmc und dann mik den Rschnungkn der Generalsynode und dem Synodal- rathe mitzuiheilen.“
13, ren §. 34 folgcndermaßen zu faffcn: „Der Synodalratb (Z. 20) wird in jedem Jahre,_ in Welchkm die (chcraiiynode nicht zusammeniriti, in Berlin veriammeii. Seine Bkrufung c2f01qt anf Vsrlangen Dcs Evangeliicbcn Ober-Kirchenraths oder nach Vsrein- barung mit demselben Durch dcn Vorfißkndm des Synodalvoxstandss, Walcher in ihm auch den Voxiiß führt. Seine Vsrsammlung wird auf Anordnung des Eva;:gxlischen Ober-Kirckyßnrach gsichlcsssn. Dcr Präsident UND die Mitgli-dcr des Evangc'liicben Qbsx-Kirchenrakhs smd bcrecbiigt, an den Sißiingen dcs Syncdalraths Tbcil zn “::.cbmcn; Der Präfikcnr und die von ibm bestellten Vsrircrer dcr Kirchen- regierung könncn jederzeit das Wort Ergreifen und Anirägc stkiien. Der Synodalvorstand ordnet die Geschäftsführung des Synodairaibs ZW erstatbi ihm Bericht über skins Wilkiamkcit im betslosssnon
abre.“
.Der Synodalrath hat:
1) bis Vorlagen des Evangelischen Obex-Kircbenraihs zu erlxdigen und übcr 1712 Aufgaben und Angelegenheiten der Landeskirche zn bs- rathen, in welchen die Kirchenregierung seinen Beiraii) zur Feststcilung Leitcndcr Grundsätze für nothivendig erachtet;
2) ex iii betekhiigi, Anträge zur Vertrctung der chhré und Jnieressxn der Landeskirche: und auf Befsitigung von Mängeln in *.*er Kirchenvc'rwaltuag an den Evangelischen Obex-Kitcbcnratl) zn richtsn;
3) ir bxriritt 'die nichi vsriammewc Géncralihnode, wenn AURO- nungen, welchc regelmäßig der beschließenden Mitwrrkung dsr Gsneral- synode bedüxfen, wegen ihrer Unanfsthieblichkoit Turck) kircbcnr:,:im€ni- lichen Erlaß proviioxiicb getroffen Werdsn ivllen. Sr1ch2Erlasse können nur ergehen, wenn der Synodairatk) sowobi die Unaufscbie-b- lichkeit anerkennt, als auch ihrxm analte zustimmt, und mit aus- dxück11chcr Erwähnung dieser iciner Mitwirkung. Sie find der nächsten Generaiiyncde zur Prüfung und Genshmigung vorziilkgcn, urn), Wenn die letztere versagt wird, außer Wilkisimkéit zu ikiZLn;
4) er hat in dcn Jahren, in Wclch€n die Gxnsraliynods sich nicht versammelt, die Jahrksrechnungen 111361." die in §. 10 bezeiiimsten Fonds zu prüfen und die Entlastung zu eithcilsn, Er kann auch über kk? Grundsäße für die Verwendung Dixier Fonds Anträge stellen, und darüber in Verticiuug der Genkraisynode und vorbchaitlich ihxer spä- teren Genehmigung Vereinbarungen mit dem Evangklhchen Ober- Kirchcnrath treffen.“
An der Debatte, welche das Verhältniß des Synodalrathes zum Shnodalvorßand zum Gegenstand hatte, betheiligten fick; die Synodalen Holß (Martin), 1). d. Golß (Bonn), ])1'. Gierke (Bres1au), Krummacher (Brandenburg), 131“. Cremer (Greifswald), Boretius (Halle), WieSmann (Münster), der Ober-Konfistorial; Rath ermes und der Minißerial-Direktor 1)r. Förster.
ei der nunmehr erfolgenden Abstimmung wurden die §§. 31, 10, 26 und 24 mit den Amendements Schrader an- genommcn, die Anträge Gierke dagegen sämmtlich verworfcn. [) Zu §. 32 beantragte der Synodale 1)r. Schrader (Königs- erg):
8.11: der Schlußzeile des Alinea 1 statt der Worte: „dem SynodalpräseS“ zu seven: „seinem Vorsißenden“;
b. ebenso in Alinea 3 das Wort: ,Präseö“ zu ersetzen durcb: „Vorsißenden“.
Die Synode nahm den Antrag ohne Diskussion mit dem Paragraphen an.
Zu §. 33 beantragten:
1) Der S nodale 131: Schrader (Königsberg):
Nr. 2 die orte: ,und der zur Ausfiihrung der laudeskircblichen Gesetze erforderlichen Jnsiruktioyen“ zu streichen.
2) Der Synodale 1)r. Gierke (Breslau):
, a. bei Nr. 2 die Worte hinzuzufügen: „so wie bei Erlaß kirch- Üchkr Verordnungen" . b. die Nr. 3 folgendermaßen zu fassen: „ber dem Evangelischen
Ober - Kirchenrat!) zustehenden Vorsck-läsen für die Genéral - Super- intendenturen, so wie sonstiger kirchenrezimenilicher Aemier“*
9. (313 Nr.5 die Worte hinzuzufügen: „Wenn dem Beschluß einer Froéiiöztalsynode die kirchenregimentlicbe Bestätigung versagt wer- en 0 '.
Der Paragraph giebt die ngenstände an, in Welchen der Evangelische Ober-Kirchenrath mit dem Synodalvorftand zusam- menzuwirken hat. An der Debatte betheiligten fich die Syno- dalen Gierke (Breslau), v. d. Golxz (Bonn), Hering (Arnsberg), Wunderlich (Breslau), v. Kleist-Reßmv, Altmann (Glogau) und der Ober-Konfiftorial-Rath Hermes.
Bei der nunmehr erfolgenden Abstimmung wnrden die zu Nr. 2 beantragten AbänderungSanträge 1)r. Schrader und Gierke ocrworfen; der zu Nr. 3 gestellte Antrag Giérke und Nr. 4 nach der Vorlage angenommen, die vom Synodalen 1)r. Gierke beantragte Nr. 5 dagegen verworfen.
(Schluß des Blattes.)
_ Ein Kreis-Shnodal-Vorstand hatte über den Einspruch gegkn zwei gewählte Gemeinde-Ael'teste auf Grund des §. 55 Nr. 8 dex Kirchengemeinde- und Synodawrdnung eine Enticheidung getroffen, die nur von vier Mitgliedern des Vor- standes erlassen, Weil das fünfte Mitglied mit Tode abgegangen war und dessen Erseyung durch eine Neuwahl Seitens der Kreisshnode noch nicht hatte erfolgen können. Der Gsmeinde- Kirchenrath erhob Bedenken, ob diese Entscheidung für legal ge- faßt anzusehen ist, weil der §. 55 a. a. O., lshier Nbsah, vor- schreibt, daß bei Beschlüssen dieser Art die sämmtlichen Mit- glieder des Vorstandes Theil nehmen müssen. Das bctrcffexxde Konfiswriam hat diesen Zweifek fiir unbegründet erklärt, und der Evaiigelische Ober-Kirchenrath ist dieser Entscheidung behetreten. Die Schlnßb€ßimmnng des §. 55 a. a. O. ist Wir dahin zu verstehen, daß an den bezeichncten Besch1üffen die sämmtlichen dem KreisshnobKY-Vorstand angehörigen Mitglieder fick; bcthei- ligen müssen, hat abcr keinesivcgs die: Absicky, 0711 Vorstand, so lange er nur noch die Minimalzahl von drei Mixgliedern ent- hält, für gewiffe Geschäfte als handlurigSunfähig zu erklären, wenn etwa das eine oder andere ieiiier Mitgliedsr aques-xhieden und eine ErgänzungSwahl noch nichr vollzogen ist.
_ Der Antrag des Staatsanwalts auf Einleitung einer Voruntersuchnng und Ernennung eines Untersuckzungx): richters kann vom zuständigen Gsricht aus dem GULUDL, weil eine strafbare Handlimg 1iicht vorlicgo, nicht zurückgewiesen wsr- den. (Beschluß des Ober-Tribnals vom 23. Novembsr 11.3.)
_ Der Kaiserliche Botschafter Fürst zn Hohenlohe hat Paris am 14. d. Mis. mit karzetn Urlaub verlassen. Während seiner Abwesenheit fungirt der BotschastI-Rath Graf von Weskehlen als interimistischer Geséhäfisträger.
_ Der BundOrath-Z:Bevoümächiigte, Königlick) sächsischer Geheimer Finanz-Rath Wahl, ist nach Dresden abgereist.
_ Tas IUsiiJ-Minisierialblatt enthält einen vom Geheimen Ober-Jusiiz-Rath KUrlbaum 11. verfaßicn Aufsaß: Die Ge- nshmigung des 05egenvormundes zU Rechtsgeschäfieii des Vormundes.
_ S. M. S. „Gazelle“, deren Ankimft in Sydney am 4. Oktober cr. von dort iclegraphisch gemeldet wnrde, hat nicht, wie die soeben eingeiaufenen brieflichen Nachrichtsn ergeben, SLJÖML], sondern den Hafen Brisbane in Ansiralicn (nörd1ich bon Sydney gelegen) angelanfcn, um für Die Weiterreise nach Auckiand Kohlen und Proviant aufzufüllen.
Das Schiff hUiL Amboina (Molukkeansel) am 11 Juni cr. Verlassen, am 15. deff. Mis. in der Mc. Clner-VU], West- küste Nen- Guinkas, geankert, von doci dis Rsise am 21. Juni fortgescht, hat dann durch die Galem): und Dampier : Straße gshmd, den Kurs auf die Anacho- ritcn :Inseln gesetzt, und dieselben am 8. Iasi ange- steUert, wegen Mangel einks Nnkcrgrmidcs, dasejbst aber nur kurzen Aufenthait genommzn. In den T.]JEU vom 27. IUli bis 22. August hat S.L)T.S.„Gaz9110“ sodaim mehrere theilweise noch unbkkannte Hässn aiif dcn Inseln New: Hannover, Ncw-Irland und New-Britain besucht, danach vom 25. bis 29. Aagnft bei dcr Insei Vourgainoiile (Salomon- Inscln) geankert und um Vorräthe einzmichmen am 21. Sep: tember 11.11 Hafen von Curtis (Ostküste von Australien) ange- laufen. Da s01ch8 dort nicht zu erlangcn waren, schie das Schiff am nächsten Tage die Rise nack) Brisbane fort und [angte [.aselbft am 29. September cr. an.
Erfnrt, 16. szsmber. Vorgkstern Und gestsrn wurdL hier das 50jährigc Amtsjnbilänm ch OberMegierUngs- Raths, Freiherrn v. Tettau, fesilich begangen.
Bayern. München, 15. Dezember. Sc. Majestät der König hat unter Aufhebnng (LUST entgegenstchonden Bestim- mungen, namentlich der Militär:Ersayinstruktion vom 3031161872,
„die _ nnter Zitgrundelegmig dcr deiitschen Wehrordnung vom
28. September 1). I. _ festgestellte „Wehrordnung für das Königreich Bayern“ genchmigt. Dieselbe wird in dem heut ausgegebenen Gesoxx- und VerordnUngHblatt bekannt gegeben. _ Bci Beginn der heute hisr vorgenommencn Wahleiz der Kirchcnverwaltungen wurde in allen Pfarreien folgender Protest eingelegt: „In Erwägung, daß nach dcheftimmungen der Vcrfaffunngkunde und des Konkordats nur die römisch- katholische Kirche zu den anerkannten Kirchen.;eseüschaften gehört, daß dagegen die sogenannten Y_[tkatholiken von den berechtigten Organen diescr katholischen Kirche aus ihrer Gemeinschgst ausgeschlossen worden smd und durch Bildung eigener Gemeinden fich thatsächlich selbst auögeschloffen haben, sohin bei katholischen Kirchenwahlen nicht stimmberechtigt sein können, protestiren die Unterzeichneten für fick) und im Namen der römisch-katholischen Wählerschaft gegen die Zulassung der sogenannten Altkatholiken zum heutigen Wahlakt.“_ In den vom Magistrat aufgeftcüten Wählerlisien smd Übrigens uur Katholiken eingetragen worden. _ Der König hat den zum Tode verurtheilten Raubmörder Battiftella aus Italien nicht begnadigt; die Hinrichtung desselben wird in den nächsteri Tagen dahier stattfinden. _ Tas Schwurgericht verurtheilte den Redacteur des „Wendelstein', Priester Gasteiger, wegen Belei- digung des Gesammt-Minißeriums durch einen Artikel über die Wahlkreiseintheilung zu zweimonatlicher Gefängnißstrafe.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 15. Dezember. Im Ab- geordnetenhause fand die Spezialdebatte über das Budget des Jinanz-Minißeriums ßatt. Der Finanz-Minißer beankwor- tete die vor;?xebrachten Beschwerden bezüglich der Häxten und Unregelmäßig-“eiten der Steuerbehörden bei der Steueremhebung
dahin, daß er bei ihm zur Kenntnis; kommc-nden Fällen gerne Abhilfe treffen werde. Bezüglich des Saiinenwesens erklärte der Finanz-Minister, er beabsichtige bezüglich der Reorganifirung des Salinenwesens tüchtige Fachmänner zu konsultiren und werde den ertheilten Rathsch1ägen und Wünschen die Wüste Anfmerk- samkeit zuwenden. Das Budget des Jinanz-Ministeriums wurde unverändertnach den Ausschußanträgen angenommen, sodann die Be- ratbung des Budgets ch Handels-Ministeriums begonnen, Vor dcm Schlusse der Sißung interpeUirie Janowski, Ob die Regie- rimg von den traurigen Zuständen in Galizien 111 Folge eines me da gemeienen herrschenden Futtermanng-Z Kenntnis; habe und welche Maßregeln die Regierung ergreifen WOÜL. _ Die „Tageépreße'“ meldet: Die russische Antwortsdepesche auf dle- Reformvorschläge des Grafen Andras!) ist Sonntag in der Wiener rusfisihen Botschaft eingetroffen. Der ruifisch1c Bot- schafter wollte zn dem Grafen Andraffh nach Pest reiscn, dieser aoisirté aber, daß er hcuto in Wien eintreffen mkrdk, um dem russischen Boisthan die Winterreise zu ersparen.
Pest, 15. Dezembsr. Jm Abaeordnetenhause wnrde der Gcsxxzentwnri 11er das Saizgefälle nach unbedeutender De- batte migknommen. Hierauf beantwortsts Mixiisiow Präsident TisZa die Interpellation Miketics betreffs der 2111716111119 der slowakischen „Matica“ in dem bcreits bekanxiwn Sinne. Das Vci'einWerm-den, ichkoi; Tisza, sei in die Verwalxung des Staates übsrnommen worden, nachdem daffslbe nach dem Wortlaute der Maitca - Statuten Ei,;cnthum der fiovakischen Nation sei und er einen ioichyn Eigen- thümer in Ungarn nicht anfzufinden vermocht habs. Die Unter- suchung der Akten sei er bereit, eincm vom Hans? zu wählcndyn Ausschnffe vorzulegyn, jedoch 11icht dem Plenum dW Haasss. Auf eins Anspielung Milstics erwidernd, bemerkt? Tiéza, er könne berfichcrn, daß dar Landesherr Ungariis es immer biUi-ge, wsnn man energisih gegen Lebte vorgehe, dic? gygen die Staats- ordnnng wiihlei. Nachdcm Miletic?) imd hierauf noéimalH der Minister:Priifident gßsprochen, nahm das Haus mit allsn Stim- msn gegen die. dsr Sachien, Nationalen Und äußkrften LiiLkeil die Ammoxt ziir KMtitniß,
_ 16. Dezember. (W. T. B.) In dsr heUti-gsn Sihung dcs Unterhauses brachte der Abgeord..ete Ernst Simomhi eine Juterchmion ein, in webher er Auskimft darüber ver- langte, ob Seitens Okstérreich-Ungarns eine Okkupation von Theilen der iniurgirten Provinzen büabfichtigt sci, Und Wenn dieses dor Fal] sei, auf Beschlaß welcher Mächte und zu welchem Zwecke es geschähe.
Frankreich. Nack] manchan Anzeichen sch0111€11 die V 0 n a p ar- tistcngegeiiwäriig ihre AbfichlkU aiif cinenähereVsrbiiidUng mit der leramontanen Partei zu Käsen, Und bsi LZYTLTU“ eine solche AUiaUce vielfach günstigss Entgegenkommeii 311 71213111. Die bonapartisiische Presse verxritt, der bezeichneten Tendenz (nt- sprechend, icht aiich lobhafier wie früher die Ultramontaneu In- tcrcsi.11. Bezeichnend ist in dieser Béziehung ein Artikel :*er „Watrie“ v011113, Dezember, in ws1chen das Kaiserreich den U(tramontanen als cin ?'Uck) besserer Frkimd und Verxhkibiger, m:"? das legitime Kbiiigthiim empfohlen wird. Dkk Artikkl, Ml- chcr ganz gcschickt die Form 61.101? Polsmik gegen Das „Univsxs“ annimmt, Um die [i(tramontancn Vcrdicnste des Bonapartismus in heUeS Lichx zu stellen, laUtet:
„Cäsak“, sagt das „Univers“, Zesns Christiis Krikg gefiihrt“.
Der Name Cäsars ist hier, wie wir glanen mbchtcn, mtr sinnbildlich gcbraucht.
(FH wiirde in der That für Cäsar _ d. h. Iiliich Cäsar _ sck]1ULr gcwssen sein, Krisg gegen ILsUS Christus: zU fiihren und die?: (]US dem sehr Einfachen Grunde, Mil Jesus Christus znr Zeit dss Jalius Cäsar noch nicht geboren war,
Es schsiiii uns, Naß Cäsar, (116 er fick] Constantin nannte, nicht ithLk gegcii Jesits Christus Krieg geführt hat, da er 1116 der ekstc ziim Cbristenthum Bekshrtk, sein ganzes Volk bsi seiner BchiWUnJ nach sich zog.
Carl der Große; 11)?[ch1'1“ die wxltliche Machi dsr Siaiihaitrr Issa Christi gegründet hat, war er nicht ein Cliftir?
Napblcoii, der die ?lltiire 111 Frankreick; wisdcr auigerixhtet, der das Kbiikordat geschlossen hgt, war er nicht cbcnfaUs ein Cäsar?
.iapokcon ill., ist er nicht einer der [0U11isté1111110 crgébensien Vertheidiger des Papstes ngVLsLU?
Ist der hsilige Vatsr nicht gcnau in dem Monat gefailen, Wo in Frankreich die Kaiskrli-he' Gewalt xmterlag.
Was aiich die Cäsarsn gethun haben, was auch Napolksn ]. selbst, aus politisiikcr Nothtvcndigkcix, gethan habkn mag, so scheint es Uns, daß s:? niemais mmähernb dmr hsiiigcn Vater Tcmiithigungcn Nr Art wie da= Kbnigthum aaferlcgt haben, welches in den ?lUgcn dos „Univsrs“ ailein dic Ehrerbietung vor der Religion repräsentiri.
Haben die (Täsach jcmak-Z Schiäge gsgkn einsn Papst ge- führt, wic Philipp dsr Schöne ch that? Hahexx fie ihn je 70 Jahre cimgssckzwffcv. gchaltexi? HÜÖM fie ihm jcmals, wie cs Lubxmg X1). that, schmerzlich: Entsckznldigungen auferlegt?
Wir find wirklich erstaunt, vom „Uninch“ das Kaiserreich ais dem Klerus feindlick] hingestellt zu sch:*1, während unsere beiden Kaiser Napalkon 1. und Napoleon 111. beständig die-geist- lichen, ebenso wie die westlichen J:.tereffen der rbtiiisch:katho- lischen Religion aufrechterhaltcn mid verthezidigt habkir.
Wiil 11115 das „Unibers“ etwa zu verstehen geben, daß der Klemö dem Kaiserreick) dic: Herrschaft der Radikalen vorzikht?
Versailles, 16. Dezxmber. (W. T. B,) Die Natio- nalversammlung genehmigte in zweiter Lssimg die Vorlage wsgcn Errichtnng eincs internationalen BUkeaUS für Maße und Gewichte und seßtc dic Senatorenwahl fort. Seitens der Rechten enthielten fich sehr viele der Stimmgebung. Es wurden gewäxxlt folgende zehn Mitglicder der Linken: Adam, Bérenger, General Billot, General Chareton, Cazot, Denar- mandie, Magnin, Laurent-Pichat, Schoelchsr, Jules Simon. Dem Vernehmen nach wi[l die Linke bei der morgenden Wahl den Kriegs-Minister de Ciffer) und den Unterrichxs-Minister Wallon unter ihre Wahlkandidaten aufnehmsn. _ In'Depu- tirtenkreisen wiirde die Nachricht, daß der Finanz-Mtnifter Léon Sat] um seine Entlassung eingekommen sei, für begrün- det gehalten.
Türkei. Belgrad, 16. Dezember. (W. T.. B.) 21116 Deputirtenkreisen verlautet, daß der Finanz-Mintfter Zan- kowitsch um seine Entlassung gebeten habe., _ In der Skupschtina fand eine Interpellation über die Schritte der Regierung zur Befreiung und Entschädigung von 2 in Bosnien verhafteten Serben durch die befriedigende Erklärung des Ministers des UUSrvärtigen ihre Erledigung.
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