1900 / 9 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Wed, 10 Jan 1900 18:00:01 GMT) scan diff

3) sich zkwar gesielit, über ihr Militärverhältniß aber noch eine endgultige Entscheidung erhalien haben und gcacnwärtig innerhalb des Wcicbbildes hiesiger Residenz sich aufhalten, werden, soweit fie nicht von der persönlichen (Hesicliung in dissem Jahre entbunden find, Hikrdurch auf Grund des § 25 der Deutschen Wehrordnung vom 22. No- vember 1888 angewiesen: fichbebufzibr€rAufiiahmeindicNekrutierungS: Siammrolle in der Zeit vom 15. Januar bis 1. Februar d. I. bei dem Königlichen Polizei: Leutnant ihres Rcvicrs persönlich zu melden und ihre (HeburtS: oder Loosungsscheine und die etwaigen soiistigcn Atteste, welche bereits ergangene Ent- sckieidungcn übsr ihr Militärverbäliniß enthalten, mit zur STSUL zu bringen.

Dio GcburtSchgniffe werden von den Standesämtern ausgcstiiii,

Fiir dii'jcnigcn bicfigcn Militärpfiichiigen, welche zur, eit abwcscnd siiid (aiif dsr Reise begriffcne Handlungßgehilen, aui Si“? bcfindlichc Sceleute 2c.), haben die Eltern, Vor: Münder, chrz Broi- unb Fabrikbcrren die Anmeldung in der vorbkstimmten Ait zu bewirken.

Wer die vorgeschriibcne Anmeldung Wrsäumt, wird nach Z 38 ch Rcich§=MiliiächscheS vom 2. Mai 1874 mit einer bÉchbstfmfc bis zu 30 «16 oder mit Hafi bis zu drei Tagen

ciira t.

Riflamationen (Anträge auf Zurücksti'llung bezw. Be- frciimq von der Aashebu1:g in Bcrücksichtigung bürgerlicher Vékl)ä1iiiiffk _- § 32 23-J der Dcuischen Webrordnunq _) sind bezüglich aller Militärpflichtigen, auch der Einjährig-

rciwiUigen, vor dem Musterung-deschäst, spätestens aber im

iustcriinggtcrmine anznbringen; nach der Musterung ange- brachte chlamaiioncn wcrdkn nur dann berücksichtigt, wenn die Vbranlaffung zu denselbkn erst nach Beendigung des MusicrUng-chschästs entstanden ist.

Berlin, den 10. Januar 1900.

Die Königlichßn Ersaß-Koinss'ibnen der Aushebungs-Bezirke ' Tl“.ln. ])1'. von Lepell.

Personal-Veränderungen.

Königlich Preußische Armee. Oiiizikre,Fäbnriche:c.,Ernennnngen. Beförderungen und Verseyungkn. Jm aktiv:" Heere. Berlin, 4.Januar Lir€bknb9rg, Li. im I;.f. Régt. Nr. 131, iiidas Inf Regt. “Kir. 171 ver e t. t?Oierlin, 6. Ianuxr. Lucke, Obstlt. im Magdeburg. Jäger- Bat. Nr. 4, in das J- ?. Regt. Herzog Frisdrich Wilhelm von Biavnscbwkig (O17frié's) Nr. 78 wms izt. Abichi9d6bewiliigunaem Jm aktivenHeere. Berlin, 6. Fax:";r. (Grain. Pückler u.Jimvarg, Li. im 5. Garde-Aikgt. z. 57 , dk!" Abschiedbewil1igk. v. Karmainskv, Major &. D., zulkst Bezirks- Oifizier beim Landw. Byzirk Oels, mit der Erlaubnis: zum ferneren Tragkn ber Uniwrm des Grim Regis. König FriedriCb Wilbxlm 11. (1. SÖii-w Nr. 10, zu den mit P nswn zur Disp. gesteilten Osfizieren zurückVLrseßt. Königlich Bayerische Armee.

Viamte ber Militär-Verwaltung.

23.115!) 29. Dezember. Siautner, xnieud. und Bauratb dkr Jnixni. 11. Armc-e-Ko-ps, di'r Tiiel und Rang eines Geheimen Bauratbs. Tri-r, chbnumisraib, (Geheimer (xbedierender Sekretär im Krikgß-Ministkrium, ier Titel kirk; Gebeirnkn Reßonungskatbs, M : Uk'i', Holl, Gcbsimc kaL'ikkknTk Sekrexäre im Kriegx-Ministetium, ker Titsl cini-s Nsckonungsraibs, - bsriieb-n. Bauer, Lazar:ib- Ober-Fnsb. “ces GUN. Lazarßibs Landau, der Tktél eines R,chnangs- kätbÖ, Hailer, GLÖSÖM'LF Registrator im Krie,is-Miniiierii11n, Der Titel Lines Kanzlxiratbs. Niebrrl, Proviantmeistkr, Rechnungskaib d-s Pibbiabiamtß Augsburg, ker Tiiel Link's Prowianiamts-Direktors, qubbiis, Siabébobbist DLZ 2. Ilif. ngts. Kronprinz, der Titel Köni,_.,1ich5c MusikmeistIr, - verliebkci.

Yichtamtliches.

Deutsches Reich.

Preußen. Bcrlin, 10. Januar.

Seine Mbjcstät der Kaiser und König bcgaben Sick) bout? Moigcn 91/5 Ubr iiach Ststiin, um der Taiifc und dem Stapzilaiif des am der Wcrfi drs „Vuicnn“ im Bau be- findlichsii TiiMprlÖ „D;utschlanb“ bLiZUkVOiWLn.

Tic vxrcinigtcn Aiwsckwssb d:s Iiunbesratbs für Zvi]: und Strncchscn und fiir Hankel und Verkehr hieltrn beate eine SWUNZ.

Im Monat November 1), Z. sind auf deutschen Eiskiibak)ricn - ausschiiißlicb der baykrischkn - 11 Eni- gleisungcn aiif frsier Balm (davon 4 bci Perionenzügcn), 22 Entgleisungen in Statioxsn (davon 2 bei Personen- züqcni, 8 Ziismmnienstößc auf frcicr Balm (davon 1 bei Ver- sonenziimn), 28 Zusammenstöße in Stationen (davon 5 bei VkaOiikUzÜng) vorgekommen; Dabei wurden 4 Bahn- bedienstcte gctödtet, 17 Rei1xnde und 25 Vahnbedienstete verletzt.

Laut Meldung des „W. T. B.“ ist S. M. S. „Jrcne“, Kommandant: Fregattkn:.§kapiiän Stein, am 8. Januar in Pagoba Anchorage eingetroffen und beabsichtigt, am 16. Januar wieder in Sc'c zu „qchen.

S. M. S. „Habicht“, „Kommandant: Korvetten-Kapitän Kutter, ist am 8. Januar in Kapstadt angckUMMLn.

Der Transport der abgelösten Vcsaßungcn S.M.SS. „Deutschlaiid“, „Kaiserin Augusta“, „Hertha“, „Irene“ und „Gefion“ ist am 8. Januar unter übrung des Fregatten-Kapitäns Obenbeimer mit dcm ampfer „König Albert“ in Gonua eingetroffkn und hat estcrn unter Fuhrunci des Kapitänleutnants Grapom dic Rei e nach Southampton fortgeseßt.

Stéttin, 10. Januar. Seine Majestät der Kaiser traf, wie „W. T. V.“,“ meldet, hLUtL Vormittag 111/2 Uhr mittels Sonderzuges hier ein. Allerhöchstdcrseibe wurde von dem komman- dierenben General von Lanaenbeck empfangen und begab Sich sofort zu Fuß mit dem Gefolge nach dem Bollwerk, um von dort auf dem Regierungsdawpfer „Dresel“ nach der Wsrft des „Vulkan“ zu fahren. Sem»: Majsstät tyug Genergls- umform und wurde von der zahlreich herbxi e- sirömten Menschenmenge mit großem Zabel b-*gru t. Um 12 Uhr traf Seine Majestät auf der Wkkft des „Vulkan“ ein. Am Landungssteg, wo pine vom GrenadierMegimcxzt König Friedrich Wilhelm 117. gesteilte Ehren- Kowpaqnie aufgxstcllt war, wurde Allerböchstdsrseibe von den Direktoren und dem Aufsichtsi-atk) bes „Vulkan“ empfangen. Nach dem Abschreiten der Front der Ebken-Kompaanie begab Sich Seine Majestät in den her cricht€ten Pavillon und wohnte dcm Stappsllauf dss DoppelJcHraubendampfer-z „Deuisckixand“ bei. Don T-iufakt vollzog ber Staatssekcstäc des Auswärtigen Amts, Staats-Ministcr Graf von Büiow, dessen Anspache, dem „W. T. B.“ zufolge, etwa foxgendcn Wortlaut hatte:

„Eure ngestäi! Mein»: Herren] Vor 52 Jabrxn, im Jahre 1847, wurdc in Hamburg eine Geyeüsckpaft gegründet IUZ) Zvcke dsr Segelschiffxbrt zwischen Hamburg und New York. SiS wurde mii einem Kapital von nur 450010 „FQ gegründet. Heute ist ibr AktikiikaViial an.;ewacbfen auf 65 MilLiorien Mark Der Raixm„zei*a!t ibr-zr Schiffe bat längst die Zahl. von 400000 1; über!:brittsn. Sie bkscbäftigt auf ihren Sxebampsern, auf ibien Fiußfabrjku an 21110 am Lande 9000 Personen. Im vexfloffenen J.:bre legten i ce Scbffz fast 4 Miliioxen Seemeilen zurück Vor wenigen Wowsn ist für dieielbe Gesi-Üscbaft auf derseibkn Weifi der inÖI-Poiibamvfer „HIMb'ikg“ bon StaVé'l gelaufen, mit weichem die Gxiellichaft in den Rkichs-Postbienst mit dkm f?rnkn Osten eingetreten ist, den fix iiemeinsam *mit ihrem Bremer Bxubxr, dem „Norbbeutscheu Lloyd“, betreiben wird. Disse Gessliickpafc die während des [Wien halben IIbkbundLitß mit dem .,Bremrr Lloyd“ zur giößien RbeberLi-Gesell'cbaft der Welt empocstieg, ist die „Hamb.1rg- Amerika-L-nie“. deren Flotte heute ein neues Schiff eingereibt werben soll für die Fahrt aaf jener Hochstxaßz des norbailanti!_chen V::- kebrs, die uns wit dem befreundeten Volke d-er Vereinigten Staaten von Amerika kabindét. DissLI Schiff “ist erbaut worden auf der Werft des Vulkan", der seine Laaibabn einst in eb'nso be- scheibkner Wéiie begonnen hat wie die „,Hamburg-Amerika- Linie“ und ÖZUTL auf seinen sixben HcÜingen mit 8000 Arbeitern nicht nur unserer Maxine, soabern auch den Marinen fremder Nxtionen alle Schiffstyv-“n vom Torpxdoboot bis zum siäiksien Panzer und vom Flußschiff bis zum größten Ozkan-Schneüdambier liefe'rt. Das vom .Vulfan“ erbaute Schiff der ,Hamburg-Amerika- Linie“, welches wir heute seinem Clément übsrgeben wolien, soll das mächtigste Schiff der WM werben und an Schnelligkeit ails heute in Fabri bxfinblicben Schiffe übertreffen. Es ist ein langer und müh- samer Wex], der von kleinen Anfäqaen bis zu diesem stolzen Fabrzsug gkfübrt hat. Und wie sich die ,meburg-AMZrika-Linie“ in immer großartigerer Weise entwickelte, wie dsr Stettiner .Vulfan“ seine Leistungßfäbigkeit Mkbk und mehr stsigerte, so hat während dieser selben Periode unser Vaterland begonnen wiederzugxwinnen, ira; fiir den Tagen der Hansa verloren gegangen war Seit dem uiitergange rer Hansa, die zu Gruwde ging, weil das alte Reich sie nicht genügend stüßte, wcil damals der beuische Kaufmann keine genügende staatliche Rückendsckuvg fand, wandte fich Deutschiand von der See ab. Wäbrenb dreier Jabrbunderte ging es uns wie dem Peter in der Kemde unicrer altcn Erzählung, dem es vor der Fahrt über das * ser gruseltk, uns, die wir einst fremde Länder mit Koloniin bescßt, Barbaren zur Gcfittung geführt, den Eco- bal] mit unseren Faktoreixn überzogen batikn. Erst als die Ratio» durch unseren großen Kaiier, diirch die unsterblichen Beraiber unseres großen Kaisirs, durch die Opierwiliigkeit und Vaterlandßlikbe aller Stämme und Schichten dss deutschen Volks ibre staatliche Einbiit wiidcrkriungen baile, besann sie sikb wieder auf das alte Hanseatenwort: „Mein Feld ist die Wzlt“ und betrat sie wieder das Tbkater der Wiltpoliiik. Denn unsere gigenwärtige übersei-iicbe Politik ist bervorgegangcn aus unserem gewaltiasn wirtbscbaftlicben Aiifschwung, ker wiekerum die Folge war dsr Schaffung des Reichs. Als deutsche Arbeit fich ihre Stsliunq auf dim Weltmarkt erobert batte, mußte unsere außwärtiae Politik der Entfaltung unserer wirxbsch2ftlichen Kräfte folgen. Unsere katißL übersesische Politik und uniere heutige Weltpolitik baben'sich aus unserem wirtbscbaftlickpen Wachstbum mit Notbwkndigkeit ergeben. Heute fühlen wir mehr und mehr, daß ein Volk, das sich von ker See abdiängen läßt, im Wkltgetriebe bei Seite steht wie der Statist, der fich im Hintergrunde berumdxückt, während born auf rc.- Bübne die großen Rollen agieren. Deutschland, dissen .Hanii'l sicb während der [kisten vier Jabrzcbnte von 21 Milliarbcn im Jabre 1860 aiif 8x Milliarden im Jahre 1897 gehoben, das seit 30 Jabren Tic Tonnage fcincr H.]:di-lsmaiink. b€rfunfzebnfacht bat, das in Hmbyl, »Mehr und Schiffabat an di? zwiite Stelle auiskrückt ist, Deutschland darf wébcr im wirtbschafllicben noch im bciitischen WéssbekVé'tb zurückbleibkn. Deutschlanb, das dem Meer so una-beure Weribe axbutraut hat, welches längst nicht mkbr nur Binn-nvolk im erzkn Europas, sondern aua) Wilt- baiidclsmacbt im Voxdertrsffcn der Ko-ikarrenz ist, muß auch zur See stark (:knug skin, um beutxchsn Frieden, deutsche Ehre und deutsche; Wobliabit übxraÜ wabrkn zu können. Und wenn wir auf diesem uns vom Schicksal vorgezeichneten Wege Hindernis:- zu überwkndkn und schwi2rige Stelikn zu passieren babkn, so wird uns das weier irre machkn noch niederbeugrn. Muxhig, stztig unb energisch müffn und woilen wir dem Enbziele entgeßen- schreii:n. Und nun soll biesks schöne Schiff seinen Namen; er- balnen Dkk Name, den diese; Schiff erhalten soii, ist der Name, den auch das kiste S-ebiff der Hamburg-Amecika-Linie' getragen bat, jmk's kleine Segelschiff, das am 15 Okiober 1848 von Hamburg naa; New York mit 220 Passagieren in SL? siacb, ist derjenige _Name, der bon alien irbischkn Namrn uns der tbeueisie ist, der höchxte und heiligste -- ker Name Deuifcbland! Jcb taufe Die]; auf dcn Nxmcn ,Deutschiand“. .S.-gie Gott dieses Sch-ss, das den Namen unscrc's Landes trägt, er scbüße es auf aiim seinen Fahrten, er schüße Freundschaft und Ver- kebr zwifckcn unI urd den Vereinigten Staaten, er schüße deutsche Arbeit, d(utsäxkn Fleiß und dsutsche Tüchtigkeit, er gebe uns Frieden und Eintracht im Innern, sichere Webr, Macht und Stück:? nach Außen, er scbirme und segne Deutichiand. Und'wie dieses Schiff den anderen Schiffen Übkk sein soll, so viele ihrer die Meere durch- queren. so möge immeidar für jeden Denischen Deuticbland über Alies sein, über Alles auf ker Wilk. Wir abkr ve1einigen uns i,i dem Rufe, der zusammeniaßt, was wir fühlen, hoffen und erstreben: Der Führer dcr Nation, Seine Majestät der Kaiser und König lebe boch!"

Der Stapellauf der „Deutschland“ ging glücklich von statten.

Württemberg.

Seine Majestät der König hatte, wie der „St.-A. f. W.“ meldet, Seiner Majestät dem Kaiser von der Ueber- nahme des Protektorats über den Lanchausscbuf; fiir Württem- berg des deutschen Flottenvereins durch nachstehendes Telegramm Mittheilung gemacht:

Seiner Majestät dem Kaiser und König Berlin. Eurer Majestät darf ich die Meldung abstatten. daß sich dieser

Tage der Lande93uéschuß für Württember?k des deutschen Flotten- verkins unter Vorsiß meines Vetters Fürst arl bon Ukach gebildet

hat und daß ich mit b'utigem Tage das Protektorat über genannten Landesausschuß übernommen babs“. Wir hoffen nach besten Kräften zum Wohle des Vatarlandes auf diesem wichtigen (Gebiete wirken zu können und der Sache nißbringend zu dienen.

W i l b e l m.

Hieraizf ist von Seiner Majestät dem Kaiser n Seine Maxsstäi den König nachstehende telegraphische And wort eingetroffen:

Seiner Majestätidem König von Württemberg, ' Stuttgart.

Ich danke Dir aufrichtig dafür, daß Da durch Uebernahme des Protektorat?! über den württkmberaifckpen LaudeSausscbuß des deuxschm Xlottenbsreins einen erneuten Beweis davvn gegebSn hast, das; Deutschlands Füisien bei aWn Bkstrebungsn zum Wohl Unsgres Vaterlandes vorangehen, und bitte Dich. dem sZFürsten Karl von Urach mrzine-n Dink dafür zu übermitteln, daß er an die Spiße des andeSausschuffxs gestellt hat, Ich böffc', daß bii- Vorgänge di?! [88th Tag? immer weitere K.“,eise davon übzrz-Zugt haben, daß nicht nur

Dkutichiaabs Interessen, sonder: auch Deutschland?; Ehre in fernen"

Mxeren geschützt wxiden und daß hiezu Deutichlanb auch zu Wxsser stark und mäcbtig dastkben muß. Wilßelm.

Oesterreich-Ungarn.

Zn Anwesi'nheit des Kaisers, fast alier Mitglieder des Kaisxxl€chen Hauscs, der Hof: und Staatswürdenträgcr, der (Henoraiität, bes diplomatischen Korps und des hthll Adels fand, wie „W. T. B.“ berichtet, gkstern ein Hofball statt_ Der Kaiser führte die HIrzogin von Cumberlgnd, Ailerböchst; demselben folgten de.“ Herzog von Cumberland mit der Erzherzogin Maxin Joscpha, ier Erzherzog Franz Ferdinand von Oester- reich Este mit dkk Kronprmzessn-Wittwe, Erzherzogin Stephanie und sodann paarweise die übrigen Mitgiiederbes Kaissrlichen Hauses. Während des Tanzss machte der Kaiser einen Rund- gang durch den Saal und zeichnete zahlreiche Persönlichkeiten durcb Ansprachen aus. Vor dem Eintritt in den Saal hatten der Kaiser und die Erzbsrzogin Maria Josepha die Vorstellung zahlreicher Herren und Damen des diplomatischen Korps ent: gigcngenommen.

Der Erzherzog Eugen ist seit einigen Tagen leidend, Ein gestern ausgi-gcbenes Bulletin besagt, der_ Erzherzog ssi seit mchreren Tagen aii Jnflusnza, welche mit_Schüttelfrost eingescßt habe, erkrankt. Neben diffuser Bronchitis Habe sich ein hanbtcllcrgroßer Verdickungsherd in der rechten Seite ent: wickelt. Die Timperaiur, welche an den zwei vorber- chngenen Tagin 38,50 nicht überschritten, habe gestern früh 36,50 betragen.

In der gestrigen Plenarsißun der österreichischen Dele-

gation kam der Prästd_ent auf ie leßte Rede des Delegirten Gregr zuxiick und mißbilligte die Auscwücke, welche dieser be: ziigiick) der österreichisckpcn Beamtenschaft gebraucht hatte. Der Dclegirte Pacak interpeüierte über die Ausweisung österreichischer Staatsbür er czecbischer und polnischer Nationalität aus dem Deut chen inchc. Die Delegation ging alswann zur Berathung des Ordinariums und des Extra- oroinariums des Armeebudgets über. Nachdem der Bericht- erstatter Walterskirchcn das Ordinarium be kündet hatte, erklärte der Dklegirte Pacak, die Czechen wür en gegen das Heeresbudgct stimmen, und schloß mit der Erklärung, daß dies kcine Feindseligkeit Men das Heer, sondern nur den AuSdruck ch ißtrauens gegen den in der Heercsverwaltung herrschenden (Heist bedeute. Der Delegirte Kaftan besprach die Zde:Frage unb betonte die große Bedeutung des nationalen Gedankens im Heeie, wobei er auf die Kriege untcr Napoleon [. und auf die Er- folge Dxutschlands im Jahre 1870 hinwies. Der deutsch- fortscbrittliche Delegirte Goch sprach über das anachien der Militärlasten in Oesterreich und erklärte, daß seine Partei für den Dreibund eintreten werde; denn der Dreibund bedeute eiiie Politik des Friedens. Der Delegirte ])r. Stranskt) ing ebenfalls auf die Zbe-Frage ein und hob Hervbr, daß Lie Einheitlichkeit des Heeres nicht die hciligsten Gefuhle des Soldaten verletzen dürfc. Er gab sodann der Ansicht Ausdr_uck, das; Deutschland sich in die inneren Angelegenheiten Oeser- reichS, cinmische, Und zitierte ein Hamburger qutt, welches den deutschen Soldatin als das ein ige zuverlässige Element dis österreichischen Heeres, dLn slaoiszchen Soldaien als zur Dcseriion bereit bezeichne. Der Redner sprach sem Bedauexxi darüber aus, daß die Slavcn egen einen solchen Angriff keimen Schuß gcfuvdcn hättcn. ?) achdem noch mehrerechner für das Armeebudgct gesprochen hatten, wurde die «Hung vertagt

Frankreich.

In dem gestern abchaltencn Ministerrath wurde, dem „W. T. B.“ zufolge, beschossen, die Bcseßung von Ain-Salak] aufrechtzuerhalten.

Die diesjährige ordentliche Session des Paxlamentß wurde gesiern eroffnet. Der Senat wählte “?alltérbs mit 89 von 100 abgegebenen Stimmen zum provixorisch2n Yräsidenten und Ma nin mit 81 von 100 a gegebenen Stimmen zum prooisorißhen Vize-Präsidenten. Sobanii v:»rtagtc sich der Senat bis zum 1. Fibruar. -7 Die Dcputirtenkammer wählte Deschanel mit 308 Stimmxn gegen 221 Stimmen, welche auf Brisson fielen, zum'Pra- sidenten. Zu Vize-Vräsidenten wurden Faure mit 32?- Cochcrr) mit 316, Mesurcur mit 289 und Aynarb mti 281 Stimmen wiedergewählt. Von den Gegenkandidaten ek- bielt de Mahr) 179, Déroulbde 81, Marcel Hubert 54 und d“: Ramel 50 Stimmen.

Für das Abhalten der großen Uebunge_n im Jahre 1900 sind, der „France militaire“ zufolge, die nachstehenden Bestimmungen erlassen: Armcemanöoer werden unter der Oberleitung des Generals Jamont, Vize-Präfidenten des Ober-Kricgöratbö, zwifchen zwei Parteien stattfmden, von chen die eine, dem General Brugbre unterstellte aus dexn 17. (Le Maus) und dem )(. (Rennes; Korps unter Vergabe der 1. Kavallerie-Division Paris bestehen, die andere aus dem ?. (Orléans) un dem 1)(. (Tours) Korps nebst der 5. Kaoaüerie-Division (Melun)„ unter dem Genera Lucas zusammengeseßt werden Wird. Schauplaß der Uebungen wiid vcrmuthlich die Umgegend von Chäteaudun sein. Die großen Uebungen des 17. und [F. Korps waren im the 1899 ausgefallen, das 117. und )(.Korps wqrcn an der cihe, zu solchen herangezogen, u werden. Vixrze !“ tägige DivisionSman-Zver sind für ste en Korps, nämlich "7 das [. (Lille), 11. (Amiens), 111. (Rouen), 1711. (Besancxonb

Clermont-x errand), )(117. (L on , )(7. (Marskille), FZ] oßn zwölftä ?ger Dauer für das R1. Chälons sur Marne), „9,1 zehntägiger ür das )()T. (Nancy) in Aussicht genommen. Beim 17111. (Bourges), )(1. (Nanteß), )(11. (Liwoges), )(171. (M.).nip.,llier) und )(711. (Toulouse „Korxzs smd vierzehn- tä_;jqurigadeübungen anberaumt. _ciggdcubungen von acht- täaißer Dauer werd-n bei den KavaUertc-Brigaden des 171, 1711, 17111, Kl., )(11., FUL, KLU., )(17. und FIT. Korps omic bei der 2., Z., 4, 6. und "7. Kavallerie-Division abgchaitcn wcrdkn. (Größere Reitcrubungen werden von den Kavallerie-Brigaden des 1., 11. und 111. Korps unter Leitung des Jnspxkteurs des 1., von den Kavaüerie- Brigadxn des )(71, )(711. und )(7111. Korps unter Leitung ;).-s ZMspkkt-T'Urs ds 6. Kavalieriebeziiks vorgenommeii Nack) dym „Pro,;rézs militairs“ werden an den Uebungan Lhrkk Re- jm-xntcc.auch diy. Vierten Bataillone iheiln-hmcn, mit Aus- nahme jedoch derjenigen des [F., )(. und )(11. Korps, welche in den zum Militar-Gouvernemsnt von Paris aehörendsn Forts sieben, sowie derieni en des 71, 711 und )(FKorps, wclche eincm Theil der B3 aßungcn m den Ostforts bilden.

Rußland.

Für den am 10. Juli v. Z. vsrstorbenen Großfürsten- Thronfolger Georg fand, wie „W.T. B.“ aus St.Peters- burg mclbct,_aestcrn in dir Pctxr Pauls-Kathedrale in ngen- wart des Kaisers, der Kaiserin, der Kaiserin-Wittwe und der in St. Peiersburg weilenben Großfürsten und (Großfürstinnen sowie ailer Hof-Chargen eine Trauer- meffe statt,

Amerika.

Das amerikanische Kriegsschiff „Mgchias“ hat, wie „W, T. B.“ melbe't, den Befehl erhaltin, iich vpn San Juan nach San Domingo u beg3ben, um_dort im Fall: von Unruhen die amerikanisch Interessen zu xchüßen. Dabei wir.) ausdrücklich hervorgehoben, d'aß dasselbs sich nicht in den Streit zwischen Frankreich und San Domingo mischen solle. Eine in New York eingetroffsne Depbsche aus San Domingo besagt, der Präsident Jimenes habe den französischen Admiral empfangen.

Afrika.

Aus Aden berichtet das „quiec'scbs Bureau“. daß der oftdampier -„(Hsn.?rai“, wxlchxrfccigeiassen worden sei, gsstern 5 bend von dort seine Raise fortseßen sollts. Es seien auf demselben einiqe Chzm-kalien und Nidachsei gefunden worden, sonst nichts. Auf einem österreichischen Lloyd: dampfer (deffen Name in dem Telegramm nicht angié- geben wird) sei eine Menus Mehl vorgefunden worden, welcbc-s, wie man annsbme, fiir Tcanövakil bestimmt ski. Das Mehl wxrdc zurückßehalten, bis das Prissngericht eine Entschsidung getroffen ha 2. - Nach einem T:!egrainm des „Standard“ aus Durban vom 7. d. . wird die Lidiixig dcs Postdampfers „Vunch-atk)“ gelöscht. Bisher sei nichts gefunden worden, was irgsndww verdächtig sei. - Dcr Postbampfer „Herzog“ wurde, dem „Reatec'schen Bureau“ zufolge, im Norden der DclagoaBay beschlagnahmt und dann dem Pxiscngericht Überantmortet. Dsr portugiesische Gouverneur des Zambesi-Distrikis befand sich unter den Vaffaxieren, die nach dsr D:lagoa-Bay goben wollten. Die Scebebörben boten ihm an, die Rsise dorthin auf eincm britischen chicrungsschiff fortzuscßcn. Der „Hßrzog“ ist gsstern

von den britischen Beyöi'dcn freigegeb en worden.

Die Regieranq dcr Südafrikanischen Republik bat, wie das „Reuicr'sche Bureau“ aus Washington erfährt, der Regierung der Vereinigten Staaten mitgctbbilt, daß sie dem amcrikaniichxn Konsul in Pxetoria nicht gestatten wsrde, die bkiiischM Ziteresscn in Transvaal zu vertreten. Der (Grund hierfiir sei der, daß die Regierung von TranSvaal m ihrem Territorium eine Vertretung britischer Interessen nicht wünsche.

Demsclben Bureau wird aus Lourencxo Marques vom 6. d. M. berichtet, daß aus Colenso vom 3.1). M. die Naeh- richt eingetroffen sei, es rei bsi Klipiiver Drift ein allgemeiner Kriegsratb unter dem Vorsiß des (Generals Joubert ab: gcbaiten worden, in welchem der weitere Fcldzugsplan fest: gestelit worden sei.

In London ist am:!ich bekannt gemacht worden, der

General French habe am 7. d. M. berichtet, daß er am Morgen des genaxntcn Tach mit einer Schwadron Garde- vaallcric eine Rckognos ierung “egcn dic östlich: Flanke des Feindes auf der Landstraße nach * chterang gemacht habe. Er ici dabei auf beträchtliche Streitkräfte des Fkindcs estoßen, der fick] um seine Verbindungen mit N0rwai§pont beYrgt czcigt und seine Truppen zurück kzogen habe. - Die crlute des Ginerals renck) in din agen vom 1. bis 6. Januar be: trugen cin chließlich des dem Suffolk-Re_imevt zugestoßcnen Unfalls: 4 Offiziere todt, 6 vermißt; 35 » ann tobt, 60 vcr- mundet und 107 vermißt. _ Das „Reuter'sche Bureau“ meldet aus Rensburg vom 5.13.1111: Sir John Milbank, Mitglied des Unterbauses, sei bei einem Pati'ouiilsnritt in der Nähe von Colesberg, leicht am Bein verwundet worden.

Parlamentarische Nathrichten.

Die Berichte über die gestrigen Sißunqen des Reichs- kaegles und des Herrenhauses befinden sich in der Ersten iogc.

-- Jn der Heutigen (124) Sißung des Reichstages, welcher der Staatssekrctär des Innern, Staats-Minister 1)1'. Graf von Posadowsky beiwobnte, begann die zweite Be- rakhup? des Rei shaushalts:Etats für 1900 mit dem Spezia -Etat des eichstages.

Der leßtere wurde nach kurzer Debatte bei Schluß des Blattes angenommen.

* In der heutigen (2.) Sißung des Hauses der Ab- gepxdneten, welcher der Vize-Präsident des Staats- !msteriums, inanz-Minister ])1'. von Miquel, der Ménkster der "6 entlichcn Aibeiten Thielen, der Justiz: GMister Schonstedt und der Minister für Handel und ewerbe Brefeld bciwohnten, nahm zunächst der Präsident

'

der vorigen Session von Krack) er zu folgender Mittheilung das Wort:

Das Präsidium hat an der Nßujabrscour tbeilgenommen und G!egen„b:1t gehabt, Seinxr Majcsjat dem Kaiser und Könia die Gluckwuiische des'Hauii-s auSzusvrecben. Seine Majestät bat die Gngde gehabt, die!: Glückwünsch: anzunehmen und freundLicbst zu szdcxrn. " Gestern früh, iit Jbre'Königlicbe Hoheit die Gemahlin Seiner Kbmglichen Hoheit des Prinzen Hsinricy von Preußen von einein Pimzen eqtbunden worden Ick schlage vor, das Präsidium zu exmczcbxiqen, Sxtzier Majestät dem Kaiser und König und Seiner Königlichen Hohnt dem Prinzen Hzinrich die Glückwünsche des Hauses zu übérmiiteln.

Damit ist das Haus einverstanden.

Der, PräsidZnt theilt weiter mit, daß seit dem Schluß der vorigen Sesnon die Abgg. Iebscn und Herper ver- Yrbscn smd. Das Haus ehrt dercn Andenken in der üblichen

ci (*,

_Yuf der Tagesordnung steht zunächst die Wahl des FTasidcnten, der beiden Vize-Präfidcnien und der Schrift: U)rcr.

.Abg. Sten el (fr. kons.) schlägt vor, den Präsidenten dex vorigen Sessixon, den Abg. von Kröcher, durch Zuruf Wieder uwählen. Gegen diesen Vorschlag wird ein Wider: spruch nicht erhoben.

Abg. von Kröcber: JH nehme die Wahl mit berbindlichsiem Dank fur das mir abermals erwiesene ertrau-sn an.

Zum Ersten Vize-Präfidetiten wird auf Vorschlag des Abg. Stengel der Abg. Freiherr von Heereman, zum Zwetten VizZ-Präsibenten ber Abg. 131“. Krause wieder“- gewählt. Beide nihmen die Wahl mit Dank an.

Zu Schriftführ-xrn werdsn gewählt die Abgg. von Bockel- ber_g, von Detten, Jm Walle, Jürgensen, Weyer: buick), Weiekamp, von Wrochem und Zimmermann.

Zu Quästoren beruft der Präsident die Abgeordneten Letocha und Busch.

Damit ist du's Haus konitituiert. Der Präsident wird davon „Seme'x'Masestat. dem Konig und dem Herrenhause dic vorschriftsmaßige Anzeige machen.

Aleann mmmi zur Einbringung des Staatshaushaits: Etgtß fiir das EiatNahr 1900 der Vize-Präsident des Staats- Mxmsisriums, Fmanz=Mimster Dr. von Miquel das Wort, dssien Rede morgen nachgetragen wird.

, Z.!k" Geschäftsdeung Aba. bon Ebnern (ul.): Obwohl der Vize-Prgsidéwt des Staats-Ministeriums sich alle Mühe gegsben bat, EU! zu sprechen, babrn wn“ bier (1in dieser Seite nur abgebrocbsne iDtuxxe? vernommen. Die Akustik ist leider in diesém Hause Xros der iiizw11ch€11 voraenommenxn Vcrbefferunqen ebenso schlecht, wie sie bZibe'r war (sebr wahr!), und ich weiß nicht, wie in einem solchen Saaie, bei io mangelnder Akustik, die Vkrbanblungen überhaupt ge- deibltcb geführt werden folien.

Präsident von Kröcber: Die nächste Siyung schlage ich vor, mor rn um 11 Uhr Vormiitags abzubaltcn mit der TageSorbnung: Vsr esung ber Interpeliation bkr Abgg. Arendt und Genossen wegen der Zucdispofitionssteaung verschiedenerBeamten. ,

Damit ist das Haus einverstanden. Schluß 3/41 Uhr.

Nr. 49 des . Eisenbabn-Verordnungsblatts“, beraus- gegkben im Ministerium der öfféntliehsn Arbeiten, vom 30. Dkzember, Enthält einkn Eilaß des Ministers der öffentlichen Arbeiten, Vom 20. Dezkmbkr 1899, betr. Allgsmsine Vertra..§bebingun-,xen für die Ausführung 10011 Staaisbautcn und für die Ausführung bon Listungcn oder Lixferungxn.

Statistik und Volkswirthschaft.

Zur Arbeiterbewegung.

Wie in einer Versammlung dc'r ausständigen Bauanschiäaer Berlins am Montag, der .Di. Warte“ zuiolqc, berichtet wurde, haben ungefähr 170 die Arbeit zu den neuen Bxbingunaen wieder auf- gsnommcn, bie g'cicbe Zabl ist noch ausständig. Zn dsr Verhandlung der Arbeiterbeitreier mit den Jnnunxbdeleairten ist Line Einigung bis auf wenige Punkte erzxelt worbcn (vergl. Nc. 4 13.231).

Cine Vertam-nlung der hiesigen Bäcker hat, wie die „Wolki;- RJ“. miitbeili, am Dicnstag beschlossen, gemeinsam mitden Bäckerei- (11 Litern andsrcr"StäOte folaende Foidcrungen an die Mcistsr zu steklen: 1) Abschussuna bon Kost und Logis beim Meister, 2) Minimal- lobn von 21 «M vb Wockpe, 3) Bkzablung der nach der Bundeskatbs- vsrorbnung zulässigen Ueberstunden mit 50 „3 pro Stunde und 4) Beseitigung des Geseiienbucbes der Germania-Jnnung.

Der Einigungßborsckolag in dem Kölner Formstecber-Aus- stande (vsrgl. Nr. 8 b. Bl ), welcher scwobl ber Prinzipaiität. wie der Gehilfknscb-"ft unterbreiiet werden soll, lautet: Der Mindestlohn beträgt 21 „44, jybocb für dikjenigen, welche bie Lehrzeit noch keine zwei Jahre beendet babcn, 18 „44, und zwar unter Zuschlag von 15% für biejenizen, deren Lobn cht bereits 18 :ck und mehr beträgt. Die Frühstücks- und Vespeipausen wäbrcn zusammen eine Viertelstunde außerhalb der 10stünbigen Arbeitszeit. Die Vertreter beider Pakteien versprschcn, disse EinigungSvorschläge ibren Mandatgebern zu unter- breiten Und zur Annahme? zu empieblen. Am Freitag soli abermals eine Verhandlung bor dem Einigungöami, zwecks cndgüitiger Bascbluß- fassung, stattfinden.

Kunst und Wiffenséhaft.

:U: Jm Kunstsalon von Keller und Reiner bat die Ver- einigung „Freie Kunst“, zu der sich die: Maler, OttoHeinrieb Engel, Carl Langhammer, Gustav Menii-TYmmis und Max Schlichting, mit dem Bildhauer Martin Schaaf; ber- bunben haben, eine Sonderausstellung veranstaltet. Während (Engel und Langbammxr Vorwiegend landschaftliche Vorwürfe wählten, vertritt Schlichting den a_riser„ PleinairiSmus der acht- ziger Jahre mit vielem sichick; Meng - Trimmis bat fick) ichon auf früheren Ausstellungen. alZ Porträtmaler vvrtbeilbast bekannt gemacht. Engel's Aibxiten zeigen cine natür- liche, gesunde Auffassung, der es auch an der Fähigkeit, landschaftliche Stimmung feiizubalten, nicbt mangelt. An die Kraft seiner Figuren- kombofition, di: auf der Sszessionöaussteilung dieses Sommers Auf- merksamkeit erregte, reichen die bier vertretenen kleineren Arbeiten aber nicht heran. Langbammer's Landschaften, die sich in recht willkürlicher Farben- und Formengebung gefaüen, wirken etwas zu schwer im Ton;

Mehr Aufiehen dürften die absondeilicben Shöpfungen des auf Java geborenen Holländers Jan Toorop erregen, der von dem Verein als Gast ein eladen wurde. Es sind Visionen einer an mystischen und [ymbolitischen Träumereien genährten Einbildungskraft,

die drr Maler uns vorfi-bct. Die limurenkaften Gestalten, die durch aklerlei graphische Symbole mit einander in Verbinduna gese twerben, besißen so gut wie gar keinen kükistkekifchkn Rkiz. Es s eint, als o eriereFToorop ganz absichtlich und verstardeStnäßiq gegen alles, was b sher kunstleriscbe Vernunft gebeißm. In den Inhalt dieser grikiyn- haften Erfindungen einzubringen, wird wobl nur dem Veschauer mög- lich sein, der von dem Maler dazu eine besondere Anlsitung erbäit. Damit sind. sie als Kunstwsrke verfehlt. Es ist bedauerlich, daß ein fem organisiertes Talent, wie es Toorop in einem Männerporträt und einer kleinen Jnterieurscene offenbart, so völlig in sklaviscbe Abhängigkeit Von einer durehaus unkünstleriichön Idee geratben ist. Wie frei und souverän beherrscht dagegen Lub- wig von Hofmann, der ebenfalis in der Ausstellung mit cincr Reibe_ neuerer Arbeiten vertreten ist, ssine Kunst! Seine serene Empfindung, sein: reiche Farbenpiantasie spricht sich in diesen arkadiichen Scenen, die er nicht müde wird, immer wieder und wieder zubanriieren, ungebsmmt aus. Der Neigung. mit den reich qusllenden Emfaßlen zu spiel-Zn, dürfte Hofmann am ehesten Herr werden, wenn er an einex großxn dekorativen Aufgabe seine Kräfte zu erproben Gelegenbkit fände. Fast jede seinkr Schöpfungen läßt aufs neue be- dauern, daß diese ungewöhnliche Bkiiabung für ?Monumentalmalerei bracb liegen bleibt. Unter den ausxiesteilten Bildern wecken besonders die „badenden Frauen“, die Serpcnxintänzerinnen, und die naiv glück- liche DarsteÜung des Paradieses aunichtige Bewunderung.

. Die anthropologische Gesellschaft in Stockholm bai, wie dem „W. T. B.“ von dort gemeldet wird, beschlossen, das; die icbwediscben Schiffe, welche im Frühjahr nach Spißbergen ab- geben, um die schwedische Gradmessungs-Exvedition abzuholkn, nach König Karls-Lanb geben sollen, um Unteriuchungen über di? dort gefundene Pol-Voje Andrée's anzusteilen.

Gesundheitswesen, Thierkraukheiten und Absperrungs- Maßregeln.

Hintcrindien.

Durch Bikanntmacbung der Kolonialregierung in Singapore vom 13 _v. M. ist der Hafen von Saigon für cboleraverseucht erklart worden.

Wie bon Saigon kommenden Schiffe werden bis zum neunten Tage nach der Abfahrt von Saigon oder nach dkm Datum des l-Zten an Bord yvigekommenen Fach der Erkrankuna oder bis zur Freigabe durex den Giiunrbeitßbeamien der Kolonie in Quarantäne gehalten wer en.

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Madrid, 10. Januar. (W. T. B.) Amtlich wird bestätigt, daß die Pest in Manila auftritt.

Manuigfaltiges. Berlin, den 10. Januar 1900.

Das Deutsche Zentral-Comité zur Errichtung bon Heilstätten für Lungenkranke trat beute Vormiitag unter dem Ehrenvorsiß des Reichskanzlers Fürsten zu Hobenlobe-Sckpillingx- fürst im Kongrkßsaal des Palais desselben zur diesjährigen Geueralversammlung zusammen. Erschienen waren der Staats- Minister Freiherr Lucius von Ballbausen, die Ober-Präsidéntsn, Staats-Mibister T):“. von Boeiticber und Rasse, der Untcr-Staatssekrejär 1). Ok. von Bartsch, der Ministerial-Direktor 1)r. Althoff, de-r Gensral- Stabsarzt der Armee ])1'. VON Coler, der Vize-Ober-Zeremonien- meiste'r Von dem Knesebkck, ber Prasident ies Kaiserlichen Gesundbeitßamis 1)r. Köhler, der Präsident des Reichs-Versicherun Samts (Säbel, dsr bayerisch Gesandte Gxaf von Lerchenfeld und * ndere. Auch die Prinzessin Elisabeth zu Hohenlohe wohnte den Verhandlungen bei. Der Reichskanzler cröffnets die Verhandlungen mit einer Ansprache, in welcher er dem Bedauern Ausdruck gab,iaß IbieMaje'stät dieKaiserin leider durch Unwoblsein behindeit sei, an der S*.ßuna tbeilzunebmen. Der Ehren- Vor sende iiiüvfte daran rkn wärmfttn Dank für die rege Tbeilnabme, wel Ihre Majestät dem Unternehmen der Heilstätien- fürsorge iortgeseßt widme. Mit dem bisherigen Gang der Dinge könne das Zentral-Comité wobl_ zufrieden sein: es seien zahlreiche Vereine für die Y_ufgaben ier „x)."ilstattenfürforge neu gebildet und ebenso zabiraiche Heilstätten erbaut worden. Die Grundlage der Westrcbunqcn bilde die AUerböchste Botschaft vom Jahre 1881, welcbe in Scixier _Maje'stät dem jetzt regierenden Kaiser ibren wamiberzigkn Erfülier gefunden habe. . Allerhöchst- dkrselbe habe auch die Tbäti keit das Zentral-Comiiés unter Seinen Schuß gi-notUMkn, wofür me inniger Dayk gebühre. Sodann übergab dkr Reichskanzler den Vorsiy dem Prasidenten des Zentral- Comiiés, dym StaatOsekrctäc dcs Jnncrn, Staats-Minister Vr. Grafen von Posadowsky-Webner, welcher den Verstorbenen Mitgliedern Worte ebrender Anerkennung widmsts.

Den Geschäftsberickit erstattete nunmebr dex General-Sekretär bes Zentral-Comués, Ober-StabLarztOr. Pannwts. Wobl selten bat eine qemciniiüsige Vereinigung die Genugtbuung gehabt, _den Zielkn, die sie sich bei ihrer Begründung gesteckt batte, in verbaltnißmäßig kurzer Zeit so nahe zu kommen, wie das Zentra_l-Comité. In wknig mehr als vier Jahren konnie es das kastänkiliß für die Noibwendig- keit der Tnberkulossbckämwiung irn bi'sten Sinne des Worts, zum Ge- meingut des deutschen Volks macken. Den Mittelpunkt der Tbatigkcit des leßt-n Jahres bilbkte rie Or anisation und Durchführung des_denk- würdigen Tbberkulose-Kongreßes. Was dem Stand der planmaßigen Heilstätienfärsome für Lungenkranke anlangt, so stehen 3. Z. zur Aufnahme von Lunacnkranken aus der minder- und unbemittelten Bevölkerung 33 Volkßbcilstäticn bereit. Zur speziellen Behandlung Lungenkrankyr siiid außcidem noch 16 Privatanstalten in Deutkchland vorbaxdcn. Im Jahre 1900 wsrden vorzubsichilich 11 weitere Heilstätten eröffnet werden, darunter die Heilstatie der Landesversicberungs anstalt Brandenbuxg bei Kottbus für lungxnkranke Fiauen, und fiir das Jahr 1901 in die Eröffnung von ferneren 14 Heilstätten zu erw;1rten, datUnter bxfinden sicb die Berliner städtische Heilstätte in Buch, die beiden Heilstätten der L_andeövetsickyerungs- anstalt B-riin bei Beiliy für mannliche und weibliwc Kranke und die Heilsiätte der Pnsionskasse für die Arbeiter der preußischen Staatßcisenbabnverwaitung. Endlich sind noch 13 Heilstätten geplant, außerdem sind Ansäße zu neuen Vexsinsbildungen aus vier Städten aemelbet worden. Nach einer angeitcüien Umfrage'steben z. Z. ca. 3000 Betten für Lungenkianke bereit, dicse Zahl wm) sich bis zum Schlusse des Jahres 1901 auf ca. 5500'erböben. Der Redner konnte seine darauf be'züglichen Ausführungrn wtt den stolzen Worten schließen: „Mit dem Beginn dss neuen Jubibankerts wird es in Deutschland möglich sein, auf Grund der Linz!,i dastebenden deutschen Arbeiter- Versicherung, 1). b. auf öffcntlicheK-osicn, aüjäbrlick) mindestens 20 000 Heilbedürftige den in den schönsten LFen des deutschen Vaterlandes errichteten Heilsiätten 3," dreimonatlichi n' ebandlungskursen zuzuführen“. Der Redner verwies jobann auf die von nemm bestätigte Erfahrung, daß es ni t nötbig iii, Lungenkranke in ausländis e Kurorte mit kl matischen Vorzugin zu emsenben, daß es sich vielme : empfiehlt, den Kranken da der Kur zu unterziehen, wo er nach derselben leben und arbeiten soll, d. b, in seincr Hcimatb. Der Redner gedachte sodann der erfolgreich in die Wege geleiteten Fürsorge Tür die An- ebörigen der fteglinge und der Arbeitsvcrmittelung für d e aus Heil- Ltätten (Entla enep. Es gebi in lcßierer Beziehung das Vextreben der Leiter bon Heilsiätten babm, die während der Kur unerl ßlicbe Beschäftigung der Pflsglinge im Sinne eines etwaigen Berufswecbsels

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