anwalt koußatiert, daß 'die Verstöße auf dieser Zeche ganz ungeheuerlücb gewesen seien. Man bat in den Arbeitszeiteln Radierungen vorgenommen, um dre Entdeckung zu verhüten. Die Erwerke find nicht bestraft worden, sondern bloß die Betriebsfübrer und nur miti- rafeu. Diese Vorschrift dex Erwerbeotdnung muß entschieden ab eäudert werden. wenn fie fortgeseßt in so bobkm Maße übertreten w 17, obwohl fie doch nur gam mäßige Schuß- maßregeln vorschreibt; eine fortgeseyte bewußte Uebertretung di-ser Vorschriften m mit Gefängnkß beftraft werden. Den Revier- boamten trifft keine Schulz» heißt es; weshalb, wird nich: gesagt. Ich bitje dringend, daß bier im Plenum ausführlich nachgewiesen wird weshalb ihn keine Schuld trifft, obwohl er doch Veranlassung gebaßt hat, zu warnen. Im vorigen Jahr ist hier die Frage der Beibeiligung you Arbeiterdeleqirten an der Kontrole erörtert worden. Es ifi „sebr bedauerlich, daß die Regierung diesem berech- ügten Wunsche nicht nachkommt, da es doch um Erhaltung von Leben und Gesundheit der Arbeiter bande t. Daß die Grubenbefißer, wie der Minister gemeint hat, dieser Arbeiterdelegirten sich bei der ersten Gelegenheit entledigen und ste ablekxen würden, ist ein Vor- wurf, den 6 die Grubenbesißer boffentich nicht gefallen [affen werden. Die muten mögen noch mehr Befugnisse erhalten, aber neben ihnen müssen Männer der wirklichen Arbeiterpraxis bei der Berginspektiou betbeiligt sein. Finanzielle Opfer werden hier nicht gefordert; je mehr Unglücksfälle verhindert werden, desto höher sind die Tantidmen der Direktoren.
Abg. Dr. Schuly-Vocbum (al.): Die Informationen. aus denen Herr Dasbacb schöpft, find sebr lückenhaft und unzuverläsfig. Ueber die jugendlichen Arbeiter ergeben die Zeugenaussagen gerade das Gegentbeil deffen, was hier außgefübrt nkorden ist. Es hat fich auch nicht um Ordnungswidrigkeiten gehandelt, welcbe fich Betriebsbeamte hätten mSchulden kommen lassen; vor Gericht hat nicht ein solcher ge- ßandeu, sondern der Redakteux der s ozialdemokratischen .Berg- und Hütten- arbeiter- eitung'. Die vorgekommenen Ordnungßverleßungen fallen sämmtli deu Bcrgarbeitern selbst zurLast. Und nun kommt Herr Dasbacb und bäuft unter dem Schutz der parlamentarischen Redefreiheit solche ebrenrübrigen Vorwürfe auf die Grubenbefiver und ihr Verwaltungs- personal. Mir fehlt es an einem parlamentarischen AuSdruck für ein 1olches Vorgehen. Wie sollen die Arbeiter zu den wiffensckaftljcben und technischen Kenntniffen kommen, die erforderlich find, um dte so verantwortungsvokle Aufsicht in den Bergwerken wahrzunehmen? Die Aufficbtsbeamtenvüffen das Vertrauen beider Parteien, der Arbzit-
eber und der Arbeiter, best en, und solche Vertrauensmänner beider arteien find die Arbeiterde egirten nicbt.
Minifter für „Handel und Gewerbe Brefcld:
Meine Herren! Daß in einem so auSgedshnten Bergbaubexrizbe wie es der preußische Bergbau, naméntlich der preußéscbe Koblen- bergban ift, Uebertretuugen der bergvolizeilichen Vorschriften vor- kommen, das ist eine beklagenSwertbe Thatsachz, die wir aber niemals ganz aus der Welt schaffen werden. (Sehr richtig!) Daß solche Ueber- ttetungeu häufiger vorkommen, wenn der Verkehr eine aufsteigende Rickptung nimmt, daß fie am bäufizftcn vorkommen, wenn die Kohlen- förderung, die Koblenproduktion eine fieberhafte ift und die Klagen über die Koblenuotb aus allen Theilen des Landzs ertönen, darüber darf man sich auch nicht wundern. Die Aufgabe der Regierung ist es, durch ihre Bergaufficbt, soviel möglich, zu verhindern, daß solche Uebertretungeu statjfinden, und Wenn fie stattgefunden bxben, dafür zu sorgen. daß die entsprechenden Bestrafungen eintreten.
Nan glaubt der Herr Abg. Dasbach der Regierung den Vorwurf machen zu müssen, daß fie in dieser Beziehung ihrer Aufgabe nicht vollständig gerecht geworden wäre, und hat zu dem Zweck Bezug ge- nommen auf die Vorgänge bei den Zechen .Vorusfia' und „Unser Friß'. Daß bei der Zecke .Borusfia' die von ibm gerügten Unord- nungen Vorgekommen sind, ist eine Tbatsachx, die ich nicht bestreiten will, die ich meinerseits auch nur bedauern kann. Die Revierbeamten haben die Aufgabe, bei ihren Befahrungen der Gruben nicht vorher fich anzumelden, sofern dies nicht durch die Umstände geboten ist. Häufig ist es bei ausgedehnter Befahrung durcb die Umstände geboten; soweit das nicht der Fall ifi, sou die Befahrung eine unvermutbete sein. Das war schon bisher Vorschrift. Aus den Vorgängen bei der Zeche .Borusfia' babe ich aber den Anlaß genommen, nunmehr in einer detaillierten Verordnung im Einzelnen vorzuschreiben, wie bei den Be- fabrungen seitens der Revierbeamten und künftig auch seitens der Ein- fahrer verfahren werden soll.
Es ift also vorgeschrieben, daß der Regel nach die Befahrung nicht vorher angekündigt werden sol]; nur wenn besondere Gründe vorliegen, namentlich wenn die Ausdehnung der Befahrung es noth- wendig macht, daß eine Begleitung des einfahrenden Beamten durch einen Grubenbeamten stattfindet, soll eine Benachrichtigung statt- ßnden, damit dieser Beamte zur Stelle ist. Das soll aber tbunlicbjt unmittelbar vorher geschehen. Nur dann, wenn die Befahrung morgens früh beginnt, soll die Venachricbtiaung am Abend vorher ftattfindeu dürfen; sonst soll das erst an demselben Tage geschehen.
Es ist dann ferner vorgeschrieben, daß bei der Befahrung selbst diejmigen Punkte, die besichtigt werden soÜeu, nicht vorher, sottdern erst, wenn die Befahrung beginnt, mitgetheilt werden sollen, das; ferner während der Befahrung des einen Punktes keine Mittheilung darüber gemacht werden soll, wclch:r andere Betriebspuukt demnächst befahren werden soll; das soll erst geschehen, wenn die Befahrung des ersten Betriebsvuuktes erledigt worden ist. Es ist endlich Vorgeschrieben, daß da, wo Vcrscbleierungen Von unregelmaßigen Zuständen nachweisbar berVortrkten, in unnachsichtigerWeise gegen die Beamten eingeschritten werden soll. (Bravo!)
Damit glaube ich, meinerseits 'das Meinige gethan zu ba'oen, um solchen Unordnungen, wie sie in der Zeche ,Borusfia' vorgekommen find, vorzu- beugen. Im übrigen mache ich darauf aufmerksam, daß gerade die Be- . rieselung der Gruben, die, wie der Herr Dasbach das richtig angeführt hat, von sebr großer Bedeutung für die Sicherung des Betriebes ist, auf meine Veranlaffung in den leßten Jahren allgemein durchgeführt worden ist, zum tbeil auch gegen den Widerspruch der Grubenbestyer. Ich glaube also, an der nötbigeu Fürsorge hat es meinerseits nicbt gefeblj.
Ich möchte kann ferner noch hervorheben, daß dcrjxnige Betriebs- flbrer der Grube ,Borusfia“, unter dem die erwähnten Unordnungen vorgekommen find, inzwischen auf Veranlassung des Revierbeamten seine Stelle niedergelegt bat, und ein anderer an seine Stelle ge- treten ist.
Was nun die Unordnungen auf der Zeche „Unser Fritz“ anbetrifft, so bestehen sie also darin, daß dort eine Besckäftigung der jugend- lichen Arbeiter über die vorgeschriebene Zeit stattgefunden hat. Das ift von dem Revierbeamten zuerst wahrgenommen worden in einer Reihe leichter Uebertretungen, die ihm nur den Anlaß zu einer ent- sprechenden Verwarnung an den Grubenvotstand gcgeben haben. Es wäre wohl richtiger gewesen, wenn er schon damals mit Bestrafungen vorgegangen wäre, was ibm auch zu erkennen gegeben ist.
Ich muß aber hervorheben, daß es fich damals nur um leichtere Ueber- tretungen handelte, bei denen man allerdings annehmen konnte, daß
eine Verwarnung vorläufig genügen würde. Die schwereren Ueber- tretungen, die nachher Gegenstand der gerichtlichen Verbandkng ge- worden find, fallen in die Zeit, naibdem diese Verw.“:rnung stattgefunden hatte, Im übrigen ist aber der Betriebsfübrer der betreffenden Zeche, unttr dem diese [Anordnungen vorgekommen find, entlassen worden. Was die Strafen anbetrifft, die seitens des Gerichts verhängt worden find, so enthalte ich mich darüber eines Urtbeils, und ich glaube, Sie werden diese meine Auffaßung billigen.
Das find also die tbatsäcblicben Vorgänge, und das ist die Stellung, die die Regierung diesen Vorgängen gegenüber eingenommen hat.
Nun hat der Herr Abg. Dasbach aus diesen Vorgängen den Schluß gezogen, die Regierung müsse den Standpunkt, den fie bisher hinsichtlich der Frage der Betheiliauna von Arbeitexdeleairten an der Berggufficbt eingenommen habe, ändern und nunmehr mit der Einführung solcher Atbeilerdelegirten vorgeben. Meine Herren, ich habe nicht die Absicht, an ' dem Standpunkt, den ich im vorigen Jahre hier ausführlich dargelegt und beßründet babe, gegenwärtig eine Aenderung eintreten zu laffen, und ich glaube: Sie werden das auch billigen. Das Institut der Ein- fabrer ist erst jetzt zur Einführung gekommen; fie find noch nicht alle angestellt; erst 35 Stellen find gegenwärtig, zum tbeil erst eben, besetzt worden; die übrigen 15 werden noch zur Veseyung gelangen, weil es nicbt so sehr leicht ist, die entsprechende Zahl solcher Beamten aus den Betrieben der Bergwerke der Staats- und der Priyatbetriebe berauSzulösen. Erst wenn dieses Institut der Einfahrer zur Durch- führung gekommen und wirksam gewvrden ift, erst dann kann über- haupt die Frage entstehen, ob es angezeigt ist, Arbeiterdelegirte bei der Aussicht zu betbeiligen. Denn darüber sind wir ja im vorigen Jahre alle einig gewesen, daß der Arbeiterdelegkrte unter keinen Umständen selbständig einfahren, sondern nur in Begleitung des Einfahrers seinen Dienst verrichten dürfte. „
Also zunächst "müffen wir, wie ich im vorigen Jabre erklärt babe, abwarten, bis das Institut der Cinfabrer voUständig durchgeführt und wirksam geworden ist. Erst dann stehen wir vor der Prüfung der Frage, ob 29 angezeigt ist, mit der Einführung von Arbeiter- delegirten vorzugeben. Daß man dabei aber mit großer Vorficht ver- fahren muß, das babe ich bereits im vorigen Jahre ausführlich auseinandergeseyt, und daß es am allerverkebrtesten wäre, damit gerade in denjenigen Bezirken vorzugehen, wo seitens der Grubenverwaltungen. Widerstand gerade der Einführung einer solch3n Art der Aufsicht entgegen- gesetzt wird, das babe ich im vorigen Jahre ebenfaUß nachgewiesen. Ich bin der Msinung, wenn man einen Versuch machen will, muß man ihn dort machen, wo auf einen solchen Widerstand nicht zu rechnen ist. also bei den Staatsgrubcn, wo außerdem in den vorhandenen Arbeitsrausschüffen die Möglichkeit gegeben ist, solche Arbeiterdelegirten obne bssondere Wahlen einzuführen.
Ich bin in dieser meiner Auffaffung, meine Herren, noch bestärkt worden dadurch, daß ich es nicht unterlassen habe, mich zugleich darüber zu informieren, wie nun die Einrichtung von Arbeiterdelegirten in Belgien, wo sie bekanntlich erst im Jahre 1897 eingeführt worden ist, fich bewährt hat. Darüber ist eine gedruckte Mittheilung vor- handen in der Zeitschrift für Berg-, Hätten- und Salinenwesen; fie ist ziemlich ausführlicher Natur. Es wird darin im Détail ausein- andergefeyt, welche Mängel fich bei der Sache geltend gemacht haben, wie man fich bemüht hat, diese Mängsl zu überwinden, wie es erst allmählich gelungen ist, den Arbeitern das richtige Verständniß für die Einrichtung, die Vorschriften und ibréBedeutung beizubringen, daß fie fich nach und nach in die Sache bkneingswöbnt haben und die Sache jest beffer funktioniert, als es ursprünglich der Fall war. Die Aeußerung schließt mit folgendem Passus:
Es wäre Verfrübt, wenn man schon heute sagen wollte, ob die Institution die erwarteten Erfolge zeitigen wird. Das Berichts- jahr war kein glückliches; schwere Unfäkle haben stattgefunden. Nur die Zukunft kann die Erwartungen, die man hegt, be- stätigen.
Also Sie sehen, meine Herren, hier ist das Ergebniß der Er- fahrungen, die man dort gemacht hat, durchaus greignet, uns auch zu bestimmen, nicht vorschnell in der Sache vorzugehen, sondern erst dann vorzugehen, wenn erstens die Vorbedingungen für die Wirksamkeit einer solchen Einrichtung geschaffen worden find und zweitens, wenn wir den genügenden Anhalt haben, daß fi: nothwendig ist und sich bewähren wird. (Sehr richtig !) Das ist der Standpunkt, auf den ich mich im vorigen Jahre gestellt babe und den ich auch jetzt fest- balte Und bei dem i'cb glaube, auf die Zustimmung des Hauses rechnen zu dürfen. (Bravo !)
Aba. Lobmann-Ottwüler (ul.) meint, das; nur die aus dem BergaufsickptSdienft hervorgegangenen unteren Verabeamtsn, nicht solche aus den Gewerkschaften im stande seien, sachgemäß die Bergpolizei zu führen. Die Bergvolizeiotdnung dürfe nur mit grcßsr Voxfixt fest- gelegt werden, sonft käme man zu einer gefährlichen Schablonifierung. Die gro en Unternehmer tbäten gut daran, ihrerseits die (Gruben in einen so chen Zustand zu btingen, daß Verordnungen überhaupt üßer- flüsstg wären. Allerdings gebe es unter ihnen auch rücks1ändige Elemente, wie auf der Grube „Unser 55118“, die dann von den Sozialdemokraten dem ganzen Bergbau an die Rockfcböße gehängt würden. Wolle der Arbeiter mitwirken, fo möge er es für sich tbun, nicht in Verbindung mit der Verapolizei. Das schließe nicbt aus, daß er über Mrßstände gutachtlicb gehört werde. Zu solchen Mittheilungen müßten die Arbeiter ermuntert werden, denn naturgemäß babe der Mensch eine Scheu, seine Ansichten dem Arbeitgeber gegenüber zu äußern. Das Beispiel Belgiens und Frankreich in Bezug auf die Verwendung von Arbeiterdelegirten sei für uns nicht ermunternd. Dic Bergaufficbt würde dadurch nur zu agitatoriscben Zwecken gsmißbraucht werden. Es würde fich empfehlen, allmonatltcb die Grube von Arbeitervertretern befahren zu [affen und ihre Berichte entgegen- zunehmen, wenn nicht hiervon Agitationen zu befürchten wären. Zur
Zeit müfse man es deshalb bei dem Bestehenden bewenden [affen und ruhigere Zeiten abwarten.
Abg. Dr. Hixscb (fr. Volksv.) weist darauf hin, daß nichts mehr den'Unfrieden zwischen Arbeitgebern und Arbeitern schüre, als die Mangel in dxn Schuyvorricbt-mgen. Die Mitwirkung von Arbeiter- delegirte'n bet der Unfallverhütung werde von der gesammten Berg- arbeiterschaft gewünscht, nicht bloß von den foxialdemokratiscben Bergarbettern. In einem Jahre habe die bel der Todten im Berg- betriebe 1000 betra4en, wie amtlich konstatiert sei. Wie könne man es da ken Arbeitern perdenkep, wenn fie auch dazu beitragen wollten, daß ihre Frauen und Kxnder ntcbt ihrer Ernährer ber'aubt würden? In (Eng- land, Frankretch un_d_ Belgien, wo Arbeiterdelegirte angestellt seien, sei dße bel der Umalle bedeutknd geringer als in Preußen. Die Arbetter würden manches in den Gruhkn bemerken, was von den Auf- , , An waffenscbaftlicbcr Vorbildung seien dte Revinbeamten selbftoexstanYlécb den Arbeiterdeleairten überlegen, nicht aber in Bezug auf prakxikcben Blick und Intelligenz, was be- synders in England anerkannt werde. Bergarbeiter, die 25 Jahre dte Gruben befabxen haben, verständen doch sicherlich etwas von der Sache, und m_ England hätten sie tbatsächlich durch ihre Anzeigen Grubenuufalle verhütet. Die Arbeiter bäjten ja viel-
ficht§beamten übersehen werde.
[lektbt in mancher Beziehung gesündigt, die Hauptschuld an den Unglücksfäüen trügen aber die Arbeitgeber, und es würde sehr viel zur Beruhigung der Bergarbeiter beitragen, wenn man ihre !; tigten Wünsche nach Anstellun von Arbeiterdelegirten erfüllte. Dee Redner beschwert |ck“. dann ü er die- zahlreichen Ueber- und Neben- s 1chte_n. Warum. führe man nickt in ganz reußen = die in West. sa e_n ubliche 8-Stundenschicht ein? Die lange chichtdauer in diesen gefahrlichen, gesundheitssÖädlicben Betrieben erkläre großentbeils die hohe Zahl der Unfälle. Die Aufmerksamkeit und aeisti e Spannkraft würden durch eine zu lange ArbeiSzeit erscböp t. Arbeitgeber und Arbeiter sollten steh verständigen. Das sei auch in einem Falle bei Einführung der 8-Stundenscbicht und beim Bau von Arbeiterwobnunaen excheben. Wie ftebe es mit den Arbeiterausscbüffen? Es würde, empfehlen, die Arbeiterdelegieten aus Arbeiterausscbüsen zu entnehmen. In den Berg - Gewerbe- ericbten u. s. w. saßen je t schon Arbeiter, ohne daß daraus ein
chaden erwachsen wäre. ie Heranziehung der Arbeiter ju derartiger Tbatigkeit sei das beste Mittel, die Arbeiter der Sozialdemokratie abwendig zu machen. Dte Unternehmer betrachteten fich aber als Herren, die Arbeiter als Untergebene, und fie wollten Zwischen fich und die Arbeiter keine andere Instanz einschieben lassen. Die Erfahrungen, welche mit den Arbeitern in den Gewerbe- gerichten gemacht worden seien, sprächen auch für ihre Zu- ziebung zur Yergbau-Aufficht. Man behaupte, die Löhne der Bergarbetter seren erbebl_ich estiegen. Gefiiegen seien in dem staat- 1ich§n Betriebe die Ertrage iSehr erheblich, die Löhne dagegen nur um 2 hrs 69/9. 'Die Löhne in Westfalen seien doppelt so hoch wie in Schlesien; hje ersteren entsvräcben nur dem wirklichen Bedürfniß, und man wlle dre Löhne nicht berabseßen, wenn die Konjunkturen sich ver- schlechtern._ Die Hauptsache aber jej eine geordnete Arbeitervertretuug unter Betuckficbtigung der Würde der einzelnen Persönlicbkeit.
Abg. Jßmer (freikons.) weist darauf hin, daß die Bergarbeiter- löbne sehr bedeutend gestiegen seien. Der Etat ür das Jahr 1900 nehme an Mehrausgaben für Löhne 5620 030 in Aussicht. In dem Bergamtsbezirk Breßlau und anderen Bezirken seien die Lohn- steigerungen _größer als die Steigerungen der Materialvreise. ein Beweis dafur, daß die Arbeiter an den Vortheilen der Preis- steigerung tbeil genommen hätten. Die Löhne müßten aber so bemessen werden, daß fie nicht von der Konjunktur abhängen, damit fie mcht_ fixlen, sobald auch die Preise der Produkte fallen. Die vom Abg. Zmch empfohlene Verkürzung der Schichtdauer sei praktxscb mxdur fübxbar, da fie die Leistungen des Bergbaues vermindern wurdx. Em; intensivere Leistung würde die Bergleute mehr ermüden und tbre Auxmerksamkeit mehr abschwäcben als eine längere Arbeits- zejt. Zur Beauffichxigung des Bergbaues gehörten theoretische Kennt- ntffe, vor aÜem Kenntnis; des Grubenvlans, Wenn man nicht Ursache und Wirkung verwechseln wolle. Auch die Wetterkenntniß erfordere sebr eingsbende Stadien unter Anwendung wechaniscber Werkzeuge. An Gelegenheit zur (Erwerbung dieser Kenntnisse fehle es nicht. Der Besuch der Bergsckßule sei unentgeltlich und diese auch den Berg- arheitern zuaängltcb. Neuerungen in der Bergaufficht sollten nicht ein- geführt werden, solange die Resultate der bisherigen nicbt vorläzen.
Abg. Schmieding (nl,) warnt vor der Verallgemeinerung ein- zelner Mißstände, wie es der Abg. Dasbacb gethan babe. Arbeiter und Arbeitgeber. führt er aus, Haben genau dasselbe Intereffe an der Verhütung der Unfälle. Meinungkuntersckpiede bestehen bei der Auf- ficht nur binfichtlich der Methode und Oraanisation. Eine aus Wahlen hervorgegangene Bergpolizei ist von Uebel. Die Bergwerks- befiser sollen unabhängig sein nach oben und nach unten. Es liegt im Interesse der Arbeiter, das; die Lobnbewegung eine langsame und stetige ist. Die Bergwerkshefiver haben ein Warmes Hm für ihre Arbeiter; es bedurfte deshalb der Mahnung des Abg. Hirsch garnicht; fie haben freiwillig gsthan, wozu die soziale Geseßgebunz die anderen Arbeitgeber erst gezwungen bat.
Abg. Dasbacb: Der Minister hat meine Angaben bestätigt. Auf der Zeche „Unser Fritz“ fino Ueberftunden Vorgekommen; jugend- l:che Arbeiter baken obne auskeichende Pausen bis 18 Stunden tä lich gearbeitet im_Widerspruch mit der Gewerbeordnung. Es hat Züc- mand zu Gefangnißstrafc verurtbeilt werden können, sondern nur zu Geldstrafe, weil die (Gewerbeordnung nur Geldstrafe vorsieht. Ich hab; nich1s Unwabres vorgetragen, sondern nur ZLUJM' ausmgen angeführt. Nur wenn man Mißstände verheim- licht, werden die Leute wild. Die Herren sollten sich freuen, daß auch Nichrsozialdemokcaten diese Mißstände zur Sprache bringen. Statt dessen tbut Herr Schals so, als wiegelt: ich die Leute auf. Er findet keinen Ausdruck. um mein Verfahren zu charakterisieren. Ich finde einen Ausdruck, um sein Verfahren zu charakterisieren: ich finde in demselben eine unerhörte Verwxcbselung der Thatsachen. Um festzustellen, ob die Bekieselungsvorrickptungen richtig find, braucht man nicht Phyfik un) Chemie, sondern zwei gesunde Augen oder nur eins oder gesunde Hande. Auch Hierin bat fick; Hzrr Schals einer Ver- wechselung der Tbatsackven schuldig gemacht.
Abg. von Bockelberg (kons.): Herr Hirsch thut so, als ob er dxr einzige Arbeiterfreund wäre. Ich bewundere feinen Muth, mit dem er die Ausficbt in seinem Sinne außqestalten will. Im Bergbau ist eine Strafbiöxiplin unumgänglich nothwendig, und diese würde ge- fährdet, wenn man die Polizeiaufficbt den Arbeitern unterstellen onte. Wäre ich Bergarbeiter, so würde ich nach der Rede des Herrn Hirsch sagep: Gott schüße mich Vor meinen Freunden. Es käme ein agita- tori1ches Element in Yen Bergbau, das nicht erwünscht wäre. Unpraktijcbe Vorschlage haben auch bei den besten Ab- ficbten keinen Werth. Die Einfahrer müffen Beamtenqualität, auSreicbcnde Vorbildung und eine nach oben und unten unabbäugxge Steüung haben. Ist das nicht der Fall, so wird nicht Berubiqung, sondern Beunruhigung unter die Arbeiter getragen. Der Nornkalarbettsmq ist eine sozialdemokratisckye Forderung und mag in Westfalen am P(aße sein. In Schlesien würde eine so intensive Arbeit niht diejelbe Leistung zeitigen, dort find 10 Stunden nötbig. Unfälle find gerade in den ersten Schichtstunden eingetreten, in denen von Uebermüdung nécht die Rede sein kann. Wären die Bergarbeiter- löbne gering, so würden die Leute fich nicht zum Bergbau drängen. Wir wären froh, wenn fie fich mehr der Landwittbschaft zuwendeten.
Minister für Handel und Gewerbe Brefeld;
Meine Herren! Ich möchte noch auf zwei Fragen, die der Herr Abg. Dr. Hirsch an mich gerichtet bat, eine kurze Antwort geben.
Die erste betraf die Thätigkeit der sogenannten Stein- und Koblenfaleommisfion. Diese Kommission ist vor eineinhalb Jahren von mir speziell zu dem chck eingeseßt worden, um genau zu unter- suchen und Vorschläge zu machen, wie der besonderen Betriengefabr, die bei dem Stein- und Koblenfall entsteht, vorgebeugt wird. Diese Gefahr ist sehr groß. Es entfaklen jhatsäeblicb auf den Stein- und Koblenfall 400/9 sämmtlicher Unfälle, also weit mehr als auf die schlagenden Wetter, auf die nur 11% entfalLen. Es ist deshalb in der That von großer Bedeutung, einmal der Frage nachzugeben uud praktisthe Vorschläge entgegenzunehmen, wie dieser Gefahr vorgebeugt wer- den kann.
Die Kommisfion ifi ousammengeseßt aus praktischen Bergleuten, aus Staatsbeamten, aus Priyatbeamten, es find auch Unterbeamte, auch praktische erfahrene Arbeiter hinzugezogen worden, welche ihre Erfahrungen in der Kommission verwertben sollen.
Diese Kommission vkrfäb.t sebr gründlich. Sie befährt sämmt- liche Gruben, weil bei jeder einzelnen Grube besondere Umstände, be- sondere Verhältnis: in Betracht kommen und für jede Grube also besondere Vorschläge gemacht werden müssen. Das dauert geraume Zeit. Deshalb hat die Kommission ibre Thätigkeit, obwohl fie bereits seit anderthalb Jahren fungiert, noch nickt zum Abschluß gekracht. Ich hoffe aber, daß sie in der Folge gute Früchte bringen wird.
Die zweite Frage, die der Herr Abgeordnete ßellte, bezog steh auf die
Ueberschichteu. Er nahm darauf Bezug, daß ja) früher bereits erklärt habe, ck liege in meiner Absicht, die' Frage näher zu untersuchen, ob
nicht einem Uebermaß von Ueberscbiebten durcb polizeiliche "Vork
scheißen vorgebeugt werden könne. Diese Untersuchung ist für das Rubnevier von mir veranlaßt worden; es ist ein Entwurf aufgestellt und berasben worden von Vertretern der Grubenverwaltungen unter Leitung des Ober-Bergamts. Bei diesen Beratbungen stellte fich aber heraus, daß zunächst das Maß der Ueberscbicbten, das thatsächlich ver- fahren wird, nicbt so groß war, als man annahm. Es stellte sub heraus, daß bei Umrechnung auf acht Stunden pro Kopf und Monat “zwei Ueberschicbten fich ergeben, -- also für jeden Arbeiter für den ganzen Monat zwei Ueberfchicbten! Daraus folgt nun noch nicht, daß nicht doch durch eine Uebermüdung von einzelnen Ar- beitern Unfälle herbeigeführt werden können; diese Frage bleibt also Gegenstand der Uatersuchung. Es wurde aber darauf aufmerksam gemacht, daß es vor allen Dingen wesentlich wäre, in der Unfall- ßqtiftik bei der Untersuchung der Unfälle näher nachzuweisen, in welchem kausalen Zusammenhang die Unfälle namentlich bei Stein- und Koblrnfall stehen mit der tbatsächlicben Beschäftigung in den Ueber- fchichten, ob der einzelne verunglückte Arbeiter in einer Ueberscbicbt tbätig gmesen ist oder in einer Schicht, die unmittelbar auf eine Ueberscbitbt gefolgt ist, sodaß man annehmen kann, daß ein kausaler Zusammenhang zwischen Unfall und Ueberschicbt vorhanden ist. In dieser Hinficbt wurde nun anerkannt, daß es lunäcbst nötbig sei, hierüber weiteres Material zu beschaffen, um eine beffere Beurtheilung dieser Frage zu ermöglichen.
Die Beschränkung der Ueberschicbten hat aber auch ihre Kehrseite, und besonders in der Gegenwart, wo wir ja in der Koblenförderung nicht den ungeheuer wachsenden Ansprüchen genügen können, wo wir sogar so weit gekommen find, daß die Beschaffung der Betriebskoblen für die Staatsbahnen auf Schwierigkeiten stößt. Ich habe deshalb geglaubt, unter diesen Umständen dikse Frage nicht überstürzen zu dürfen, vielmehr zunächst das Material, das diese Frage betrifft, ver- vollfiäudigen zu müssen.
. kon. ür tet, da die vom A5 . ir vor- geschY1ZIneFÖlek5eYiz§ungs5eF Aébeitxr nßtr die SozialdeFtoZYatjsxbstärken und den sozialen Frteden ßören wurde. Die Zahl der Unfaüe babe zwar stetig zugenommen aber das sei nur ein Beweis dafür, daß die Segnun en der sozialen Geseßgebung statistisch zu Tage ge- treten sein:. D e Schwere der Unfäü: babe zweifellos abgenounnen. 1000 Todte seien eine große Zahl, aber es komme doch auf den Prozentsatz an, und dieser sei gefallen. Die Aufsicht müßten un- abhängige Leute_fübren, nicbt Arbeiter, die tbäten, was ihre Organisation ihnen vorschreibe.
Das Kapitel wird berviUigt.
Um 4, Uhr wird die weitere Berathung auf Dienstag, 11 Uhr, vertagt. (Außerdem Etat für Handel und Gewerbe.)
Statistik und Volkswirthschaft.
Die Woblfabrtöeinricbtungen der „Bergischen Stahlindustrie“.
Das Herzoatbum Berg, ein Theil des recht5rbeinischen Gebiets der Rheinprovinz, ift dieHeimatb der meisten Kleineisenwaaren. Werkzeuge aller Art, Samen, Schlittschuhe 2c. werden ganz besonders in Remscheid und seiner Umqeßend in einer fast unübersehbaren Zahl kleinerer und größerer Schmieden und Schleifereien hergestellt. Neben der blühenden Kleinindustcie, der die Regierung durch die musterbaft eingéricbtete und eleitete Lehrwerkstätte in Remscheid verständnißvoll Untexstüßung aewä rt, ist im Laufe der letzten Zeit auch die Großindustrie auf den Plan getreten, w-lcbe binficht1ich der Arbeiterfürforge vermöge ihrer Kapitalkcaft und Organisationsfäbigkeit dem Klsin- und Mittelbetrkeb iberlegen ist. . „ ' ,
Eine der bervorragendften Vertretennnen der Großmdyfine tft die .Beraijcbe Stahlindustrie“ _in_Remscheid, eine Ge1e0schaft mit beschränkter Haftung. Sie beschaftxgt, wre wir der „Sozial- Korr.“ entnehmen, gegenwärtig etwa 1480 Arbeiter und ein ansehn- liches Kontingent von Beamten. Mit Hilfe ihrer Arbeiterschaft vermag die Gesellschaft nicht unerheblich über das von der (Gesetzgebung Ver- langte in den inftungen der Versicherung hinaus zu geben. Die Be- triebskkaukenkaff: gewährt ibren Maigliedxrn, soweit fie wxnigstms 6 Monate ibr angehören, 39 Wochen, (1170 dreiviertel Jahr, volle Unterftüvung, d. b. freie ärztliche beandlung und Arzntimittel neben einem Krankengeld von 50 0/0 des Tagelobms. Auck) auf die Anaxbörigen der Arbeiter erstrecken fick) die Vo-tbeile der freien ärztlichen Behandlung, die Apotbxke ist für diese zur Hälfts frei. Die Niederkunfwunkosten der EbesraZen der Arbeßter fallen gxeichfaüs der Betriebskrankenkaffe zur Last. Sterbegeld wrcd aucb betm Tove der Frau, der Kinder und der im Haushalt lebenden nahen Vkrwandten
ezablt. Für die Heilung Lungenkranker und die Erholung Genesender
ßaben dke Fabrikkrankenkaffe, eine besondere Unterftüßungskakse und die Geschättsfaffe unmittelbar im [?sten Jabxe 2412 «sé erlegt. Es wurden Patienten bezw. Rekonvaleözenten nach Lippspringe, Honnef, Aachen, Burtscheid und in andere Kurorte gxsandt.
Um eine möglichst schnel1e vnd sachgemaße Behandlung der vor- kommenden Unfälle zu sichern, bat die Gesellrckoast eine besondxre Unfallftation errichtet, in welcher ein staatlich gevrüfter Heilgebtlfe unabläffig anwesend ist. Außerdem find 17 duxch einxn Kaffßnaxzt im Samxritexdienst aussebildete Arbeiter xu soforttger erster Hilkeletftung in den Werkstätten bereit, während eine weit größere Anzahl Leute durch die alljährlich im Winter abgebaltenm Samariterkurse auch schon vorgeskbult find. Die Unfallstation stellt ,übrigens dem ge- sammten Publikum Remscheids ihre Dienste in wettberziger Weise zur Verfügung. Die Station ist mit 26Stellcn des erkes durcb Fern- sprecber verbunden. '
Eine Atbeiter-Penfions-, Wittwen- und Waisenkaffe kat,dte Fabrik- leitung bei ihrer Gcündung mit 100 003 „sé dotiert. Beitrage zu dxr- selben werden nicht erhoben, sondern das Geschäft hat ihr eine Retbe von Spezialeinnabmen von Anfang an überwiesen. Jm leßten qure bezogen 11 penfionierte Arbeiter, 18 Wittwen und 20 Kmxer ms- Lesammt 7791 .“ Eine Kaffe für außerordentliche Unterstußunaen, 11 welche 1. V. au_ch alle Strafgelder fließen, gewährt xznter Um- ßäuden, ;. B. bei längerer Krankheit. Zuschuß zur Mieth: oder weitere Bristeuer zur Heilung von Familienangebörigen, sendet solche
B. in Kurorte, Kliniken :c. Za militärischen Uebungen einberyfxne untcmnsZÖaften erhalten für ihre Familien festgeseßte regelmaßtge sungen. * ür jagendlécbx und unverheiratbete Arbeiter bis zu 25 Jahren ist in der Fabrik der Sparzwang eingeführt. Von jeder Löbnunq werden mindestens 5% einbehalten und bei der städtischen Spmkaffe au elegt. Die Sparbeträge find festgeseßt bis auf weiteres bei einem rbeiter von 11? Jahren auf .“ (0,63) pro 1/1 monatl. Löbnung
16 1,-
17 1,20
18 1,40
19 1,60
W UW
! 21 ' . - 2T“ r o .
NAB dem 21. Jahre bleibt der Mindestbetrag 2 .“ pro Löbnnng. Es sieht jedem Arbfiter frei, auch höhere als die festgeseyten Beträge ej"sablen zu lasen. Die .BergischeStablknduf1ric' fü ! zu den Zinse,n der städtischen Sparkasse 2 % vom ersparten Kap tal als Prämie
'bknzu.
Die freie Verfügung über das Sparkaffenbuch erhält der Sparer u'tit Beendigung des 25. Lebensjahres oder drei Wochen nach qeschebenem Austritt aus der Beschäftksun bei der „Bergischen Stabl- induftrie'. Ferner kann derS arer darü er auch bei Gründung eines Haußftandes verfü en. Bern enSwettb erscheint die erfreuliche That- sache, daß die Za [ der Sparer, welche fich freikallig an der Spar- einrichtung betbeiligen, im üeten Wachsen begnffen ist und überall die Neigung bervortritt, böbere Beträge zur Einlage zu bringen, als die angeführte Skala es vorschreibt. .
Von den 1480 Arbeitern besaßen 729 Sparkassenbücber und zwar Waren 387 zwangßmäßige und 342 freiwiüige Sparer, welche zusammen ein Guthaben von 92103 .“ batten. Von den inSgesammt seit dem 1. Oktober 1887 wieder abgebobenen221410cké wurden etwa40000.“ wegen erfolgten Austritts aus der Arbeit, 20030 «FQ zur Begründung eines eigenen Hausstandes, 20000 .“ zum Erwerb eines Häuschens, 43000 «_bei dringenden: Bedarf im ausbalt und 4000 .“ während der Militardienstzeit der Sparer xurü gezogen.
Um den Arbeitern Gelegenheit zu geben, in mannigfachfter Weise ibre Recht; wahrzunehmen und vor Verluften die nur zu leicht aus ankeqntniß der Geseke hervorgehen, fich zu scöüßen, ist eine stets zu- gangltcbe Auskunftsstelle in der Fabrik eingerichtet, wo sich die Arbeiter kostenlos und ohne Einbuße an Zeit Rath holen können. Die An- gestellten der Auskunftsstelle find zu ftrengstet Vsrjchwiegenbeit ver- pflichtet. Steuer-, Verficberunss- und Militärangelegenbeiten fteben oben an, Mieth, Annem, Straf-, Bau- und Schulsacben kommen aber aueh bäußg zur Erledigung.
Zur, Vekamvfun der Wohnungsnot!) und zur Seßbastmachung der Arbexter wurde s on 1885 in Remfcheid eine Gemeinnützige Bau- aesellscbaft' gegründet, welcher die „Bergische Stahlindustrie“ im Intereffe tbrer Leute ein Darlebn von 30000 „;ck gewährte. Bis heute hat die Baugesellschaft 71 Häuser zum Kaufpreise von 5000 bis 9300 „Fi tm Gesammtwertb von 526 825 „46 erftellt. Da dieser Verein aber nicht aUen Anforderungen genügen kann, gewährt die Gesellschaft ihren Arbeitern unter gewiffen Bedingungen auch noch dtrekxe Baukredite. Der Werth der auf diesen beiden Wegen von Arbettern de'r Gesellschaft erworbenen, allerdings noch nicht voll ab- gezablten Hauser beträgt 355 480 .“
Doch auch für die Beamten bat die Gesellschaft durch Gründung WI 'Penßonsa, Wittwen- und Waisenkaffen gesorgt. Eine sehr wohl- tbattge, bxsber no_ch in wenigen Großbetrieben vertretene Einrichtung ift ferner 131: im Marz 1899 ins Leben gerufene Kranken-, Sterbe- und Unterstutzungskaffe für die Beamten. Die Kaffe ist durch General- versammlungs-BesÖluß de_xr bxtbeiligten Beamten unter Mitwirkung YZ! 'Gesxllfcbaft als freawißtge Kaffe ins Leben gerufén worden. Oje gewahrt den Beamten in Krankheitsfällen freie ärztliche Be- handlupg, Arznei, freie Kur und Pflege in Heilanstalten und Bädern auf 45'1e Dauer_ von 39 Wochen nach bestimmten Säßen. Die Faqjttcznangebörtgen erhalten ebenfalls freie ärztlicbsBebandlung cin- schlleßxtch arztlicher Geburtshilfe auf die Dauer von 39 Wochen; in Notbfallen können mdeffen au? Bkscbluß des Vorstands muß die ubrigen, „sonsx nur den Mitgliedern zu gewährenden Leistungen ganz oder_ tbetlrpette von der Kaffe übernommen werden. Das Sterbegeld bxtragt betm Tode eines Mitglieds 100 „FC, einer Ehefrau 60 „FC, etpes sonstigen Familienangehörigen 30 „46, bei einem todt geborenen Kinde 10 .“ An monatlichen Beiirägen zahlt jedes Mitglied 3 „FC und_dic (Geselljchaft für jedes Mitglied 1,50 .“ Zur Sicherung der vobrlclxtufigen Betriebskosten bat die Kaffe eine Zuwendung von 4000.34 er a en.
Able geschilderten Einrichtungen haben zwar nichts Staunen- erregxndes, aber sie gewähren ein gutes Bild deffen, was ein großer Fabrtkbetneb, auch ohne zu den Riesenunternebmungen zu gehören, im Interesse feine; Angestellten zu leisten vermag. Hohe Bewunde- rung verdient gsw1ß aÜes das, was z. B. Krupp, die Farbwerke in Höchst a. M., die Optischen Werkstätten in Jena auf dem Gebiet der Arbeiterxürsorge leisten. Aber was diese thun, kann man bei aller Großartigkxtt kaum als Vorbild binfteüen; denn es find Schöpfungen von monovylarjigen Betrieben, die fast der Konkurrenz entrückt find und daher eme ausnehmend hohe Reute abzuwerfen im stande smd, während die Stahlindustrie mit dem Wettbewerb des Im und Aus- landes zu rechnen hat und daher auch den anderen Unternehmungen der Großindustrie eher zur Nacheiferung vorgeführt werden kann.
Zur ArbeiterbeWegunY.
Aus Aachen meldet „W. T. B.“ unterm 5. d. M., daß die Zahl der Ausßändigsn im Wurmrevier im allgemeinen zurück- geaangen ist, insbesondere auf den Gruben „Kempcben', „Teut', .Marie' und .Laurwe_g“. Dagegen ist auf der auf boüändiscbem Gebiet beleaenen, ebenfalls der Vereinigungßgesellsckpaft gehörenden (Grube ,Preck' etwa die Hälfte der Belegschaft, und auf der der Firma Motiv Honigmann gehörenden Grube ,Nordstern' find 169 Mann in den Ausstand getreten. (Veral. Nr. 33 1). Bl.)
Ein Arbeitsrausstand hat, der „Rb-Westf- Ztg.“ zufolge, am Sonnabend bei der bedeutenden EisengieZerei und Maschinen- fabrik von Fried. Spies Söhne in * armen bsgonnen. Die Arbeitsr hatten die Forderung gestellt, den 10xstündigen Axbeüstag auf einen 10ftündkgen berabzuseßen- Dieser Forderung wurde auch sofort entsprockoen, bei der Lohnzahlung am Freitag ab?: der auf & Stunde entfaYendeBetrag in Abzug gebracht. Etwa 300 Mann haben infolge denen dre Arbeit niedergelegt.
Zum Ausstand der Formstecbergebilfen Deutschlands theilt die „Leim. Ztg.“ mit, daß, nachdem die Verhandlungen zwischen den Vertretern der Prinzipalitat und der Gehilfenscbaft von dem Gewerbe- gericbt zu Köln (1. Rb. zur Einigung geführt haben, am 1. Februar 1,8939. ddieBLllZlyeit wieder aufgenommen worden ist. (Vergl. Nr. 295/
Die Lage in den böbmijcb-mäbrischen Koblgnrevieren ist, wie „W. T. B.“ berickotet, tm allgemeinen no:b unverandert. Doch hat der am 3. d. M. in den Werken der Staateeisenbabngesellscbaft in Rescbitza auSgebrochene Ausstand am 4. d. M. durch dsn Anschluß wéitererer tausend Mann an Ausvebnung zugenommen. Die Arbeiter fordern Herabseßung der Arbeitßzeit und besondere Löhne für die Nachtarbeit. _ In Nürfcban beschlossen die Arbeiter, auf die vor dem Einigungsamt estellten Bedingungen der Werkbefiser nicht einzugeben, sondern im usftand zu beharren. _ Die Oderberger Röbrenwalzwerke haben den Betrieb wegen Koblenmangels theilweise eingesteüt. (Vergl. Nr. 33 d. Bl.)
Handel und Gewerbe.
(Aus den im Reichöamt des Innern zusammengeftellteu „Nachrichten für Handel und Industrie".)
Außenhandel des deutschen Zollgebietes im Jahre 1899.
Die Gesammteinfubr in das deutsche Zollaebiet im Jahre 1899 beläuft sich auf 5495 853000 „44 g- en 5 439 676 000 .“ im Vorjahr, weist also gegen das Vorjahr ein * ebr von 56177000 .“ auf. Der Werth der eingefübrten (delmetalle beträgt 298 843 000 .“ gegen 359 030 000 „46 im Jabra 1898.
Die Gesammtausfubr erreicht einen Werth von 4 151707000 .“ gegen 4010565 000 .“. im Jahre 1898, übersteigt also die Ausfuhr des Vorjahres um 141 142 0.10 .“ Edelmetalle sind nn Wettbe_von 160287 000 .“ gegen 253 999000 .“ im Jahre 1898 außgefubrt worden. -
Bei der Wettbbemeffung der Ein- und Ausfubrartikel find die für 1898 festgesetztexx Einbeitöwecibe zu chnde gelegt, sodaß sich ein genauer Vergleich mit dem Vorjahr btnfichtltch der Handels- bewegunq ermöglicht. Die bedeutenden Zunahmen, welche sich sowohl bei der Einfuhr, als auch bei der Au-qubr gegxn das_VoerLbr ergeben, müffxn auf gesteigerte Ein- und Ausxubrmengen zuruckzxfubrt werden.
Die Werthe der wichtigsten Eine und Ausfubrqrnkel im Ver- gleich mit dem Vorjahr und ihren prozentualen Antbetl am Gesammt- (Einfuhr- und -Ausfubrwertb des Jahres 1899 ergeben die folgenden Zusammenfteaungen:
.Tabackblätter, unbearbeitete
]. Einfuhr. 1898
Werth in Millionen sa Mark
Schafwolle, robe ......... 241.4 Baumwolle, robe . ........ 237,5 Weizen ............. 231,4 Gold, rob, auch in Barren . . . . 175,1 Kaffee, roher ........... 137,0 Mais..,...s: ....... 126,4 Gold, gemänjt .......... 151.1 Gerste ............. 132,8 Bau- und Nutzbolz, gesägt; Kant-
bölzer u. s. w .......... 104,9 Bau- und Nu bolz, rob oder nur in
der Querri tung mit Axt oder
SäJe bearbeitet Robse de, ungefärbt ........ 10 Wollengarn 9 ,
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Eier von Geflügel; Eigelb YÉtdel. 'd'sckx „l. Zt. .F..“ . . mazun maxatge et.. Cbilesalpeter ........... IWW Fbesd G tt (da an a un u aper Steinkohlen . . Bau- und Nußbolz, nach der Längs- achse beschlagen u. s. w ...... Obst und Beeren zum Genuß, frisch . Roggen ...... . ...... Eisenerz: ............ Fleisch von Vieh, frisch und einfach zubereitet ........... Petroleum ............ Wolle, gekämmte ......... Maschinen aller Art Braunkohlen ........... Reis .............. Kleie, Maljkeime, ReiSabfäUe u. s. w. Oelkucben ............ Baumwollengaru, aucb Vigognegarn . Leinsaat ............. Rindshäute,_ arüne uud gesalzene Wein in Faffern ......... Roheisen Seidenwaaren ..... . . . . Häute und Felle zur Peleerkberei; 52118, von Pelztbieren, aach Vogel- a ge Federvieh, lebendes ........ Baumwollenwanen ........ Palmkerne, Koprab, Butterbobnen
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Kakaobohnen, rob Heringe, gesalzene Rindshäute, qekalkte und trockene . . Malz aus Gerste und Hafer . . . .
en ............. Kleesaat, Esparsette-, Luzerne- u. s. w. aa ............. Hanf, außer Aloe- und Manilabanf .
Kalbfelle lachs, außer neuseeländischen: . . .
ute . Blasen, Därme, Magen ...... loretseide, ungefärbt ....... ' ücher, Karten, Musikalien . Obst, getrocknet u. s. w ....... RFT; Rübsaat, Hederich- und Rettig- a ............. Fische, frische .......... Zinn, rohes; Bruchzinn ...... 11. Ausfuhr.
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Weetbin Millionen sammt-Aus- Mark
Wollenwaaren .......... 201,1 Vaumwollenwaaren ........ Zucker Maschinen aller Art Steinkohlen ........... Seidenwaaren 128,8 Eisenwaaren, grobe, nicbt abgeschliffen 117,7 Gold, gemünjt . . 208,2 Anilin- und andere Tbeetfarbstoffe . 72,0 Bücher, Karten, Mufikalien . . . . 70,8 Farbendruckbilder, Kupferstiche u.s.w. 58,0 Kleider und Pußwaaren aus Baum- wolle, Leinen, Wolle; Leibwäjche, wollene ............ Lederwaaren, feine Leder, lackiertes, gefärbtes u. s. w. . . Eisenwaaren, feine Wollengarn . . . ....... Waaren aus edlen Metallen u. s. w. . Spielzeug aller Art ........ Koks Klaviere u. s. w .......... Porzellan u. s. w., mehrfarbig u. s.w. Rindshäute ovfen äute und Felle zur Pelzwerkbereitung, von Pklztbieren, auch Vogelbälge . Eck- und Winkeleisen ....... Weizen ............. Waaren, grobe, aus weichem Kaut- schuck Waaren aus Kupfer u. s. w., feine. . Holzwaaren, feine; Holzbronze Wolle, gekämmte . . . __ ..... Eisen, schmiedbares in Stuben u. s. w. Bund, Gold- und Silbekpapier . Platten und Bleche aus schmiedbarem Eisen. . . ......... Baumwolle, robe ._ ........ Silber, rob, aucb m Barren . . . . Eisendraht ............ Kautschuck und Guttapercba . . Mehl aus Getretde u. s. w ..... Yakumwollengarn, aucb Vigognegarn . e s
ndscbube, lederne ........ Pavier- und Pavaaaren ..... Tlscbler- u. s. w. Arbeiten, grobe . . Yxrfw [[ . „b .......... a o e, ro Zink, rohes; Bruchziuk ..... .
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