1900 / 47 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Wed, 21 Feb 1900 18:00:01 GMT) scan diff

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Kiel, 20. .bruar. Zu Ehren Seiner Königlichen Hoheit des Prin en einrich fand wie „W. T.B.“ meldet_, heute Abend im ffizierskasino ein Festmahl der StabSoffiztere der Ostseestation statt, welchem der Ammral von Koester prä- stdierte. Der Prinz Heinrich nahm an der Tafel und dem sich daran schließenden gessUjgen Beisammensein theil.

Hannover, 20. Februar. De_r Provinzial-Landtag erledigte in seiner gestrigen und hcungen Sißung die Berathung des Antrags, betreffend den Neubau der Hebammen-Lebr- anstalt in Hannover. Der Antrag wurde mit der Vc: schränM angenommen, daß die Anstalt statt für 1500 nur für 1 Wöchnerinnen mit gynäkologischer Station und Polykl'mik ein erichtet werden soll. Ecnstimmig wurde ferner der ntrag- des Abg. vxm Frese : Loggersum angenommen, die Beschickung der dieS1ähri0en Pariser _let- ausstellung mit ostfriesischen Pferden mit 5000 „44 zu_anden der hannoveYchen Landwirthschaftskammer zu suboenhomeren, unter der orausfeßung, daß von seiten dex Retchß. b:- ziehungSweise der preußischen StaatSregierung fur den gletchen Zweck entsprechende Mittel bewilligt würden.

Cassel, 19. Februar. Der 25. Kommunal:Landtag des Regierungsbeztrks Cassel wnrde heute durch det; Ober- Yräfidenten, Staats-Minister ])r. Grafxn von Zedltß und

rüßschler mit nachstehender Rede eroffnet: Gerbrte Herren!

Im Namen der Königlichen Sfaatnegierung begrüße ich Sie bei

Ihrem Wiedereintritt in Ihre regelmäßige Tagung und heiße Sie

willkommen. Von der erfreulichen Entwicklung d.“! Angelegenheityn des Be-

irksverbandes und den Fortschritten, welche auf allen Gebieten der Thätigkeit desselben zu verzeichnen find, giebt anen der vorliegenYe Verwaltungsbericbt für die vsrgangene fünfjährige Berichtveriodk (::: umfaffendes Bild. ' ,

Die Gegenstände", deren Erl-digung Ibnen_ dts5ma1 oblcegt, werden reiche Gelegenheit bieten. Jbre Fürsorge für die Pfiege'und Förderung der Interessen des Bezirks erneut nz betbätiqen. Hterxu wird Ihnen sowohl die Feststellung des diesjäbrtgen Kommunqlvaus- baltsplanes, als ramentlich auch die Wiederb22eßung der leitenden Stelle an der Spise Ihrer Verwaltung besonderen Arxlaß sehen.

Soweit die Königliche Staatßregierung berufen tft, _bet Jbren Arbeiten mitzuwirken, wird dies in dem vollen Bexußtsem der Be- deutung derselben und mit größter Bereitwiüigkcit ge'cbebrn..

Ich erkläre den auf Befehl Seiner Ma":';“*.ät des Katsers mz?- Königs auf heute zusammenberusenen 25. ommunal-Landtag fur eröffnet.

Der AlterSpräfident, Bürgermeister Hold von O_vcrmxiser gab in seiner Erwiderung den evrfurcbxsvoücn (Hennzmngen des Kommunal-Landta es gegenüber Semor Majestat dem Kaiser und König uSdruck, und die .BZrsam1xrlux1a schloß fich dieser Kundgebung in einem auf Seme Ma1estat aUSge- brachten Hoch lebhaft an.

Nachdem hierauf der Kammerherx Rabe von Pappen: heim zum Vorsißxnden und der Justtzrczth Nxxß zum stel)- vertretendsn Vor!) en_den durcb Zurux géwahlt _ und_ dle erforderlichen Aus! ü11e gebildet waren, wurde dte Stßung

geschlossen.

Köln, 20. Februar. Der Erzbischof [)1'. Simar empfing heute, wie „W. T. B.“ meloet, Vertreter der__-Be: hörden und Korporationen, darunter Vertreter des rheinqche-n Adels und der katholischen Fakultät d-r Univerfität Bonn. Nachmittags fand ein von dem Erzbischof geacbenes Festmahl statt, an welchem der chrWräsidcnt Nasse, die RegierungS-Präsidentcn von Holleufsec und von Hartmann, der General-Oberst Freiherr von LOS, der (Gouverneur, Géneral der Infanterie Freiherr von thczek und die Spitzen der Behördensowie hohe eistlichetheilnahmen. Bei dem Fsst- mahl hielt der Erzbischof eine Rede, in welcher er seinen Dank für die ihm erwiesenen Ehrungen aussprach und das Versprechen abgab, der Erzdiözese aklezeit ein wachsamcr, treuer und opferfreudxger Hirte zu sein. Nach der „Kölnischen Volks- zeitung“ fuhr der Erzbischof dann fort:

„Wie bisher soU auch in alLe Zukunft méin einziqer Ehrgeiz sein, den Ruf eines treu katholischen Bixcbofs mir zu wahren, und damit zugleich den eines treu vztriotisckoen Bischofs. Der eine kann ja Vom anderen nimner getrennt werden. solange mit dem hehren Namen des atriothmus eine der edelsten Tugenden bkzeicbnet wird, jene iebe zu Fürst und Vaterland, deren höchste Ziele, deren Grenze durch die göttliche Weltordnung bestimmt find. Indem die Bischöfe durch “rie Pfie : christlich-kn Glaubens und chrisilicher Säfte diesem ewigen göttli en G'seß di: Geltuug zn Liebert: fick) bemühen, die im privaten wie öffentlichen Leben ibxn Ze-

übrt, schi": en fie d"e ünentbebrlicbe Grundlage aller gesemcbaft- lichen und aatlicbcn Ordnung und fördern ße eine der vornßbmsten Bedivoungen dauernder Größe und Wohlfahrt der Völker. Ich bitte Sie. bochgxebrte Herren, es als Bekräftigung meines soeben auszespwchenen Gelöbniffes betrachten zu wollen, wenn ich Sie nunmehr einlade. rnserem geliebten Kaiser, dem treuen, stark:.q Schirmberrn des Völkerfriedens, und dem weisen, unermüdlichen Lehre: und Vertbeidige- göjtlicber Weltordnuna und ihrer sczialen Gkseße auf St. Petri Stuhl den Außdruck unserer dankbaren Verehrung kar- xubisteniudkm Rufe: „Seine Majestät unser Alleranädtgster Kaiser und König Wilhelm und Seine Heiligkeit Papst Leo leben boch!“

Abends fand eine glänzende Jaumination der Stadt und ein Fackelzug statt. Auch der Dom, die Gsreons: und die Aponelfirche waren illuminiert. Als der FackelzuZ vor dem erzbischöfltchen Valais ankam, erschien der Erz ischof auf dem Balkon und nahm dxe Huldigungsansprache des Abg. Fuchs entgegen. ])r. Simar_ erwiderte hxrzlich und schloß mit einem Hoch auf den Papst. Im Laufe des späteren Abends wurden noch verschiedene Festversammlungen und Kommerse abgehalten.

Oesterreith-ngaru.

Die Wiener Blätter meiden, daß der Kaiser von einem leichten Unwohlsein befallen sei. Dasselbe sei jedoch vollkommen bedeutungslos. Der „Kaiser habe allerdings gestern das Zimm.r hüten müffen, jedoch Audienzen ertheilt.

Der gestern zusammengetretene niederösterreichische L_andtag überwies die Gemeindewablordnung für Wien emem aus 13 Mitgliedern bestehenden Ausfchuffe,

In Wien fanden gestern in verschiedenen Bezirken fünf von der sozialdemokratischen Partei einberufene Volks: versammlun en stalt, welche vollkommen ruhig verliefen. Es wurden esylutionen zu Gunsten der Einführung der

esesltchen Achntundenschicht _ im Bergbau angenommen. ehrere Versammlungen protestierten gegen die neue Wiener Gemeindewahlordnung.

Großbritannien. mtb Irland.

Die Königin besichtigte, wie „W. T. B.“ mxldet, geftern Vormittag in Comes em Mjliz-Regiment, wober Allerhochst- dieselbe sichtlich eFreut die Matheilun machte, „es seien am Mor en gute Na richten vom Kriegs chauplaß _emgegangen,

1 einem Schreiben, welches die Kömgin _ an den Ober-Befehlshaber der Armee ViScount W o [F ele y geachtet bat, heißt es: da jest ein großer Theil des Heeres m Süd-Afrrka stehe, sei fie fich voukommen darüber klar, daß für die Zwecke der LandeSvertheioigung die nothwendigen Maßregelxx gßtro _en xyerdxn müßten. Ihr set mttgethkilt worden, daß es mogltchset, fur em Jahr eine auSreichende Streitmacht an Offizieren_ und Mann- schaften aus den altged enten Sol.“.aten aufzustellen. Ste vertraueguf deren Hingabe an das Vaterland und den Thron_und appelltere an sie, ihr noch einmal zu dienen zum Ersaß derjenigen, welche Schulter an Schulter mit den Mannschaften'aus den Kolomen so wacker der Invasion in ihre südafxikamscheq Befiyun en entgegenträten. Diese neu zu schaffenden Bataillone so ten „Kontgliche Rsserve-Vatatllone“ g-“nannt wcrden.

Ueber die gestrigen Si ungen beiderTYäuser des Parlaments liegt nachstehen er Bericht des T B.“ vor: Das O herbaus berietb gestern den von der Re-Zli-Zrung bekämvften Antrag de! L-nd Wemvß, wekebxr lautete: „Nach anruW d_er Vor- schläge der Regierung zur V:“tstärkung der mklttärijeven Streitkrafte'und Rüstumen ist das Haus der Meinung, daß es, da das brxtzsche errsystem auf dsr Miliz-Avdlooxung berube, von wesentlicher Bedeutung sei, daß das alLe konstitutionelle Geses- des zwangs- weisen „Heeresdienstes für die Vertbeidigung dss Mukterlandxßallem sofort dabin abaeäarert werde, daß es möglich sex, dasselbe in emkr so veränderten Gestalt in Kraft zu sey-n, rvslcbe deffen w:ck erreichen laffe, obne das Volk ungewöh:1lcch zu belasten." Nachdem Lord Nortbbxook fich_ ju Gansten dcs Anita,:s angxsprochen batte, e1klärte der Swatswkretär "LS Kxieges Marqais Os Landadowne. daß die Re,.i-zrunx. obgleich fie die Milizauslöosung als böchft wettb- voüe Kraftreserve betrachte, es nicht xür qeeignet halte, si: geg-mjpärtig voxzunebmxn, aucb fienicht für gexerdtfeeti t halte, außer wenn x_ne 'auf dem freiwilligen eereßdienst kerubenden vstewe sicb alß voUstaanxer Fehlschlag heraus teÜen joÜten.Obwob§die Milkznicbtauftbrer norma en Höh! stehe, so glaube er doch, daß sis demnächst auf einem böhsrenXunkx der Schlagfe'rtigkeit angelangt sein m:rde als“ gegextwärtig. ejbft um!) dem Abgang von M.tnnjcbaften naH “HÜI-Atrika _seien noch 77 000 Milizmannschxften in England _vorbanden. Loxd K_tmbgrlfey bemerkte, die gegsnwäckiz Zeit jej fichcr nicht dre nchttg: zur (Frbbnnz d.? vo; Lo?) Wemvß aufgcworfxyen Frage. Der Herzog von Devombir: führte aus, es wgcde unklug sein, die Befugnis; zur Wtspereinfüdrung dcr Mtltzaasloosung aufzogeben, doch sei dis em Prixq'U), vas dxm ganzen brimchen :ereswssen durchaus fremd sei. Er erkeanr an, daß eine scbwzertge age bestrbe, roch etfo:dere dx-se w:»dsr die jüngst Von Lord Rojeberv erbobenm Mabnrufe, noch die Mobinfinung _der Flotte. Dce Flotte sei reichich genügend für jSke Anforderung, dre an fi: gesteÜt weryen könne. Lotd Nojeoexy :yxacb fich zu Gunsten der Ern- bringunq einer Vo-laae, betrxff nd Einführung der Axxsloosunz, aus. Gegen ibn Wandte fib a-sdxnn der Pre-nier-Minnwr Loro Salisbury, indem er auxfüxrtk, eiae solchz V'orlaße würde nicht die geringsts Ausfickot auf Annakme baben_ ovne eme heftige und ex- bitterte Debatte. Das Haus müßxe in '.:iexem Faüe berajbxn, qb dre Gefahren wirklich vorhandsn 16 en, und müZLe in der Oeffentltchkejt j-“Ue Gefahren erörtern, denen Taz Land nach Lord Rosebery's Meinun ausgeseßt Fei. Lo-d Saliskury Jagt?“ ob _ dt's von ortbeil 1cin wexde uvd, gesest, dax: Ltne wlcbe Vorlage durchgebe, n;?[ÖZ Wnkung wkrde st! babln? In anderen Ländern würde fix, wenn der Eng ausblejbx, den Eindruck der Wehr- lofigkeit hervorrufen und so die viel::t von Lord Rojebery auf- gezählten Gsfabren vermeh:e:;. Nach Einxükrux-q der Ayswojung werde es unmö,«lich sein, vor der Anmkme des Koaxkriptionxwftems inne zu balken. Anschinend babe niemand di“ ange aufgeworfen, wie_ das Land die Sache auflebmen Wkkd“. Er molle nichr die Gefahr aus fich nehmen. Leidensckoaftxn und Eregu-„xm bsrvorzurufen, welcbe tm gxgenwärti„en Augenbl-Éck eine ernste Gékäbk sein w.":rden. Man hahe den (Gedanken geäußxrt, wenn das Volk ]U sehr zum Etntrxtt in dxe Miliz g-xdrängt werde, wxrde es fich zu den chintgcn-Kyrys m-lden. Ec vzrmujbe abkr, daß blk Lkut: nacb tranxatlantijchen Ländern auéwandxrn würden, tro ib: Glaube, ibre Syrackoe und tore Einrichtunchxen noch berrxchten und w.- s1e keine MilizauSloosuuxz zurückicbrc-cksn wkrde. Er zieh“ einen :orfichtigkren Platz eines aus Freiwjüigkeit berubknden Svstxms vor; er wünsche mcbt. gußxr- gewöhnliche Erreguna za ei:-ec 3th wacbzurufen, in der _es nötbig rei, daß die Narion in Eintracht zusammenwirk; Schließltch wurde der Antrag des Lord Wemyß mit 6) gkgen 42 Stimmen ab.-elebnr.

Jm Unterbaufe rtchtst: Patrick O'Brien (Ire) dßx An- frage an die Regierung, ob die BezkiHnung .Emgeborenen-Dntckft' alle Distrikte umfasse, in MW die Emgebocenen 111 Zu "WEA Hie Mebrbei: der Bewohner biLd-xten, ob ferner von dén briti'cben SWL!!- kräften ebenso wie von kan Buren erw;rt:t werde, daß fi: diese (Hebiete nicht beträten und fit Für ihre Zwkckx ausnasten, und _ob dle (Engländer ebénso wie bis Buren an4ewiesen séjén, sich aus solchen (Hekietxn xuxückzuzirben. Dkk Staßtssekretär für die Kolonien Chamberlain beantwoctete v“:? erste Fra4e mit: nein. _ _Wx,4en der zweiten Frage könne er in einer Sache, die miltxaxijäoen Rückfichten untcrgeordnet ski, ksinc ngeln aufstellen, es 1ci aber Pcinziv, die Eingkborenen womögLiO gänzlich vom Kampfe “xem- zubaltcn, fie aber nicht daran zu verhindern, Leben und Eigentbum zu vertbeidégen, wcnn fis angegriffsn würden. Die Buren, bemerkte Chamberlain dann weiter, battkn cinen Einfaü in Zululand aemakbt. (Fs schkine vor etwa 5 Wochsn allerdings eine kleine fliegende Kolonne der Engländer aus Natal nacb Zalularzd geYandt worden zu seßn. Abér die Truppen der Buren batten 1chon dvrber eine Grenwerlesung begangen und gegen (Ende Oktobxr den Magistratsdistrikt Ingwawuma angeyrkffen und dén Ort in Brand gesest. Auf eine weitere Anßrage O'Brien's, ob dre Rx- gterunq dxn Präfidentm Krüger davon benachrichtigcn wolle, dax die b:itiscken Truppxn ;mückgezogen Werden würden, Falls dies au mit den Truvpen der Burn der FW sein wsrde, entgegnete der Staatssekrexär für die Kolonien Cbamberla_in: nem. _ Mac Kknna (Liberal) fragte, ob Chamberlain aas hie Nachricht des .Siécle' aufmerksam gemacht sei, kerzufolZe Franzo!en_uad Deutsche über dl? Hälfte asler Afti-n der Goldminen in ransvaal be!?xßea, während die EUQländU weniger als die Hälfte in ibxem Bxfi batten, un_d ob der Minister Informationen habe, welche diexe Na richt bestättgt-n oder widerlegten. Der Staatstekretär far die Kolonieanamberlain entgegnete. er habe die Meldung nicht gesehen und habe auch keine Informationen, welcbe dieselbe bestätigten oder widerlegten. Tbymas (Libeml) beantragte sodann eine Rekolution, welcbe eige vollstankige Untersuchung des Ursprungs und der näheren Umstande der Ver- schwörung gegen die Regierung TranSvaals und des Einbruch? in TranSvaal mit bkwaffmter Hand im Jahre 1895 für zweckaza ig erklärt. Der Rédner legte dar, daß ibn keine persönliche Feindseltg eit gegen Chamberlain leite, aber durch die schwache und zu keinem Abschluß gelangte Unter1uchung sei ein Gefühl der Unzu- friedenheit erreat worden. Das Land sei von dem Bericht des Süd- Afrjka-Ausscbuffes enttäuscht. Die dadurch hervorgerufene Unzufrieden- heit habe sich zur höchsten Entrüstung verschärft, als später jene Ent- hüllungen in einer feftländiscben Zeitung erschienen seien, welche die Unparteilichkeit des Auxschuffes und dadurch die Ehre des Unterbauses und des Landes angefochten hätten. „Indem icbdieseResolution beantrage“, schloß der Redner, .ftelle ich mich einzig und allein auf den Boden, daß es fich bei jenen Eutbüllungen um die Ehre und den Ruf des Hauses und des Landes handele. Es sei daher in dem Intereffe der Nation, des Hauses und Cbamberlain's selbst eine voüe gründ- lich: Untersuchung durch ein unparteiiscbes, unabhängiges Tribunal geboten, um für immer dem Argwohn, deu Verdächtigungen und den

Behauptungen" die'gese'n Chamberlain und sein Departement er würden, eine Énde zu machen.“ Naebdxm sicb Gavaus (J:?)obJ demselben Sinne geäu ert batte, unterstußte aucb Samuel Evan; éLiberal) den Antrag bomas. Die [este Untersucbun sei und:)!!- fündig und unbeftiedigend gewesen. Es sei th die Frage, ob die Urbeher des Jameson - ages genü end kacbt und Einfluß bätten, um die Majorit des HaUZes zu hindern, eine neu: Untersuchung eröffnen zu lasen. Der Staatssekretär für die Kolo- nien Chamberlain unterbrach den Redner: Ich verstehe nicht was Evans mit seinen leßken Worten meint. Evans fuhr fort, e; laube„ mit Auknabme Cbamberlain's werde wobl jeder sonst im Sause Anwesende ibn verstanden haben. Es bestehe die Annahme daß es Einfiüne ebe. welcbe geltend gemacht Werden könnten, um „; vetbindern, daß) e RrßierunZ]1 der Wiedereinseßung des Untersuchungs. Ausscbuffes zu nume. Die ntersucbungen des Auxfcbuffes von 1897 seien nicht erschöpfend gewesen. Wenn eine weitere UntersuchUng ftattßefunden hätte. würde der Ausschuß vielleicht zu einem anderen Schlusse gekommen sein. Cbambe-lain's Ruf sei atxgetaftet, es sei so. mit Feine fiicht gewesen, dem Auoxcbuffe alles ihm im Kolonial. Amte zur * erfügung stehende Material vorzulegen. Chamberlain? Verhalten babe schweren Verdacht erregt. Er habe seine weitere Korrespondenz mit Hawksley über die Frage der Vorlegung der Telegramme Hawköley's nicht Vorgelegt. Chamberlain babe fich, indem er die Vorlegung der Telegramme unterlassen, schweren Ungeborsams schuldig gemacht und hätte vor das Haus als Gericbwbof gestellt und im Elockentburm eingekukert werden müffen. Die Unterdrückung dieser Telegramme, die zweifellos kom. promixtierend gewesen seien, involviert die Mttscbulp des Kolonial. amts. Das Land und das Publikum verlangten eme neue Unter. suchung. Chamberlain müsse auch über seine nach dem Schluß der Unterfucbun gebaxtene ungewöhnliche Rede Ausrunft geben,. in der er erklärt Fade, Cecil Rhodes habe nichts gethan, was „persönlich unebrenbaft wäre. Das Verhalten der Untersuchungskommtsfion und das daran anschließende Verhalten der Regierung n,!achten eine neue Untersuchungnötbja. Hierauf erwiderte der Staats ekretar für die Kolonien (Chamberlain, ec empfinde es sehr schmerzli , daß solche Anklagen *gen ibn erhoben würden, nachdem er 24 Jahre dem Hauxe QUJSDÖLL. s seien aber keine Anklagen, sondern auf Argwohn und verbüütx Be- zicbttguugen gegründete Unterstellungen. Diejenigen, welche diexelven wiederholten, wagten nicht zu sagen, daß ste daranglaubten. Man habe gesagt, daß eine weitere Untersuchung nötbkg set, um die :Klitik im Ausland zu beruhigen. Er tbeilx die (éoffnun nicht, daß trgend etwas, wxs das aus tvun könne, seme daruber ain's) auawärtigen Kritiker zum S wei en bringen werde. , 9 sei ferner gesagt worden, daß die gegen ihn erbo m_en Angriffe auch bet pkelen Landsleuten Wurzeln gcjcblagen hätten; es jej jsdoch durch „dteselben niemand beeinflußt worden, auf dessen gute Meinung er Gervtcbt lege. Was die Umstände bei der Einseyun des Untersucbun Jausschuffes betreffe, so habe er, ebe irgend ein ort über seine_ uwiffenjchaft geäu ert worden sei, eine vollständige Untersuchung verxprocben; man habe 1 m Yagegen ein- ewandt, daß dies gegen das öffentliche Jnxereffe sei, 1edoch_ obne i(zxkrfolg. Bei den Beratbungen des Comités sei er aus alle Anträge Sir William Harcyurt's eingegangen, auf_ deßen Vorschlag die Verhandlungen ge1chloffen worden seien. Dre beute aufgeworfene Frage wegen der Telegramme tei von de_m Ausnbuß erörte1t worden. Ex wtcoerbole mit Nachdruck, was er fruher catübex erklärt babe. Die Tele ramme, welche fehlten, seien nicht auf Veranlassung eines der ' etbeiligten bei Seite gekommen, sondern lediglich in Verfolg des gewöhnlichen Geschäftößanqs ,der Telegrapben- Geseüscbaft, Wie festgestellt worden sei, w ren dte fehlenden Dc- pescben von ähnlicher Art gewesen_ wie di_e dem Ausschuß vorgelegten. Dieser habe die leßteren jorgfälttg gepruft und gefunden, daß nichts daxin enthalten sei, was irgend eine Beschulxigung gegen das Kolonial- amt rechtfertige. Seither babe fich _ntcbts ereignet, was eine neue Untersuchung rechtfertigen wurde. Cvamderlam _be- svracb sodann die Rede, welche; er seiner Zeit uber Cecil Rhodes gehalten habe; der Sinn detsclben sei folgen- der gswesen: Rhodes sei der Tbeilnabmx an der Verschwörung, welche zu dem Jameson-Zug geführt habe, fur schuldig befunden worden; neben dicker Anschuldisung habe aber noch ewe andere gegen Rhodes bestanden, nämlich, daß er aus dem schmumgen Beweggrunde, Geld in seine Tasche zu schaffen, ein politiyckoes Verbrechen begangxn habe. Was diese Anklage bexreffe, so sei Rhodes durchaus unschuldig. Er verurtbeile Rbodeß' Verhalten bezüglxcb des Vergebens, dessen er schuldig erklärt worden sei, entlaste ihn aber durchaxts von dem Ver- geben, defsen er nicht schuldi sei und das seine persönliche Chee beflecken würde. Chamberlain fuhr ?odann fort: Zest Werde eme neue Unter.- suchung gefordert aus Anlaß der in der, ,Jndépendance Bxlge vrröffentlichten Sammlung von Scbriftstucken, die von emen! entlassenen Bureauan estellten Hawkslcv's gestohlen worden seren. Mit diesen Sebriftstüchn sei man in London bausiexen gegangen und habe fie radikalen Zerrungen angeboten, wclche ße mcht hätten Nehmen wollen. Schließlich hätten ste einen Kunden in einem bekannten Burenfreunde gefunden; dieser babe fie an 1)r._ Leyds geschickt, der WM: 100 Pfd. Sjerl. gszablt oder zu zahlen Vertprocben Lahe. _L_ryds habe nie ein schlechteres Geschäft emacht. In den Scbrtftuuckm sei nichts embalten, was nicbt dem arlamxnts-Yusfebuffe und_ jeder- mann schon vollkommen bekannt gewesen jet. Erne neue Unterweisung verlange mcm ies! nicht im öffentlichen Jnterxffe,_sondern um zu versuchen, das Kolonialamt kes Meineihs ju uberfubrerz. Wknn dies nun ein gewöhnlicher, nicht durch polnische Beweggrunde _und erssnliche Feindschaften vexwickelter gemachtex Fall wäre, so wqrde xedermann im Hause gesagt haben, daß mehr der Schajxen nner eine neue Untersuchung vorhanden e_*1._ Was sei das Vertrauen zu dem nnster |U er!chüttern, den fie im gegenwärtigen AugenblÉe ungxrechlék“ weise bcschuldige, daß er m ganz besonderem Smne fur den Krieg verantwortlich sei. Man möge, .fie_ thun _laffen, was sie wolle. Diese Angriffe würden auf dujemgen ]urucksaUen, von denen fis aUSgegangen seien. Im weiteren Verlaufe_der Stßung _?!- gr:ff Sir William Harcourt das Wort und fuhrte aus, eine neue Unterfuchun sei nötbig, weil der Verdacht gegen das Kolonial- amt nicht das§ stk politischer Gegner, sondern das dex Agenten RbokeS' sei, die fich bemühten, ihre eigene Schuld dmch dre Angabe von der Mitwiffenschaft des Kolonialamts zu dxcken. Die Machen- schaften dieser Leute müßten in ihrem wabren Ltcbt _gezei t__weccen. Sir Henry Campbell-Bannerman sprach dle esurchtung aus, daß (Cbamberlain's Rede schwerlich den bei de: öffentltcbkn Meinung des Anstands bestehenden Verdacht verrin ern werde- uud daß England yon den Machenschaften, die mit dem amesynJZUa zusammenbingen, fi nicht reinwaschen könne. Wclcb eine Befremns würde es sein, der elt zu zeigen, daß EnFland an der ungexechn Tborbeit von 1895 keinen Theil gehabt ba :! Er fordere dte Ne- gierung auf, die Untersuchung zuzugeben. Der Erste Lord des _Scbas amts Balfour kennzeichnete den Antrag Thomas als einen personltch An tiff auf Chamberlain, der auf dessen Gegner zurückfallen werd?- NaY Weiterer Debatte erfolgte die Ablehnung des Antrags Thomas mit 286 gegen 152 Stimmen.

Fraukreith.

In der Deputirtenkammer beantragte_gestern_dek Finanz-Minister Caillaux die Bewilligung euxes drxtten provisoris en Zwölftels. Im Verlaufe der wetteren „_Be- rathung es Armee-Bud ets erklärte der_Krregs-aniek- General d e Gal li fei: „( ch möchte Ihnen eme Ueberraschung bereiten. Der enerai Deloye, der auch unsere ganze Artiklerie neugestaliet hat, hat uns soeben durch eine gays eringfügige Abänderung ein Gewehr verschafft wxlches, !" Sechs Monaten im Gebrauch sein wird und a es ubertrtfst- was gegenwärti existiert.“ _ 5

In der e rigen Sißung des StaatSJertchtshof,e begann der räsident mit dem Verhör Marcel Hahert dsc, Dxeser protestierte dagegen, daß man es abgelehnt habe, Dsroulé

Begxündung für die Opposuion wolle,

ner eugenaussage freies GeTeit zu bewilligen. Hubert EZM Zdaran, daß_ er vom Schwurgericht von der An- klage wegen der Vorgänge in der Neuillt) - Kasexne frei-

esprochén sei, und fügte hinzu, die Kundgebungen tm leßten

hk? seien keineswegs vorbereitet gewesen. Es habe niemals ein Einvernehmen zwischen Déroqlßde und den Royalisten bestanden; die Mitalicder _der Vatrwten-Liga seien Republikaner. abert legte sodann m Zärzgerer Ausführun seine Ansichten uber Republik und Plethctt dar und spra von der Aufgabe Faschodas, oer Eroberung Cuvas und dsr Philippinen sowie über den Krieg Groß- bxjtanniens mrt TranSoaal. Nach" einer Kaufe verhörte der kästdent mehrereZ:u en, welche uber die nwcsenheitMarcel abert's bei den ver) Ledenen Kundgebungen aussagten. Die weitere Verhandlung wurdc sodann auf heute vertagt.

Der Kultus-Minister Waldecx-Nqusscxau hat über acht Pfarrer, welche ihrer Sympathie für me Anumptionisten Aus- druck gaben, die Strafe der G haltssperre verhängt.

Die Wittwe des Marschalls Mac Mahon ist gestern Abend gestorben.

Italien.

In der gestrigen Sißung der Deputirtenkamm er stand, wie „W. T. B.“ mcld-xt, zunächst der Antraa zur Berathung, den von den Dcputirten Caldefi und Giovanelli ein- gebrachten Gesesentwurf, betrtfßend Pcnsionszahlunxen an die Veteranen, in rwägunq zu zie en. Dsr UKtek:S:aatssekreiär des Schaßes Baron Saporito bat, den Antrag abzulehnen. Die memer beschloß die Ablehnung mit 103 - gegen 104 Stmmen uad Yng zur Berathung des Em- nahme-Budgets über. * uf ein». Anfcaae des Dkvutirten

"Branca erwiderte der Schaß-Minister Boselli, die Ein-

nahmen der ersten stehen Monate dks laufendrn Etatsjahres ergäben eine Stcjge'rung von 24 Mellionen geqenübsr dcm entsprechenden Zeitraum des vorbergshenden Budgctjahrcs. Aber auch wenn man bis Berechnungen der Budgstkommission acceptiere und die Zunahme dsr Einnahmen der *rtten si-ben Monate auf 18 oder 19 Mxllionen annahme und danach für die übrigen fünf Monate w:itere 10 Millionen anse ?, so ergebe das_ rund 30 Millionen mehr, als man veran chlagt have. Diese würden zur Deckung des angenomm-N ge: wesenen Defizits hinreichen, ohne daß weitere Maß- nahmen nöthig seien. Der Minister machte darauf aufmerksam, daß_ er für di- nothwendigxn Auggaben behufs neuer marttimer und militärischer Bautsn keinerlei besondere Operation vorgeschlagen habe, weder durch ein? vor- zeitige Jnanspruchnahm: des Staatsschaßes noch auf irgend einem a?:deren Wege. Was die außerordentlichkn AUanben für Yeexeszwecke betreffe, so, brächtcn dieselben keinerlei erneute Bela ung m1t fich, da ste bereits im Budget des „Kriegs- Ministcriums aufgeführt seien. Ja finanzieller Hinsicht stehe dxr Beschleunisung dsr Neubildung der Artillerie, namentltch im Hinblick auf Eventualitäten der Zukunft, kein Hindernis; entgegen. Land und Heer wüßten, daß es an den Mitteln für die Vertheidigung und das politische Ansehen des Vaterlandes nicht fehlen werde. Auf das Gleichgewicht des Budgets zurückkommend, erklärte der Minister, dassekbe müsse konsolidiert werden, man dürfe des- halb die Voranschläqe der Ausgaben nicht erheblich ändern, da dieselben den Anstrengungen entsprächen, welche für die Finanzen in dem gegenwärtigen Augenblick möglich seien. uf eme Anfrage des Deputirten Luzzatti hob der Minister die günstiqe Lage des Schaßes hervor und erklärte. er habe niemals Gold oder Silberstücke verkauft. Heute nach Leistunq aller Zahlungen seien noch 20 Miüionen Gold im Auslande disponibel; dtx Zahlungen an das Ausland für die italienische Rsnte sexen in beständiqer Abnahme begriffen. Im lcßten Jahre seien fast drei Millionen Lire Rente von Italién absorbiert worden, ohne daß dadurch eineVerringekung der gewöhnlichen Ersparnisse hervorgerufen worden wäre. Er werde die lateinische Münzunion nicht anständigen und werde nie im Auslande (Gold oder Silber ckan, um Bankbillets zur AUSgabc Zy bringen, die durch die etaUreseroe vonständiq gedeckt eten. Das Schaßamt Habe niemals Silber von der Bank von Jrcmkreuh gekauft, weder unter seiner Vsrwaltung noch früher. er_Minister sprach daraufvon dem Lnanz-Programm und erklarte, die Regierung wolle die Steuerlasten nicht ver- mehren,_ sondern ste geringer machen, soweit die Integrität und die Elajttzität des Budgets dies gestatteten. „Indem wir die Außgaben abwägen“, schloß der_Minister, „ist das Gleich- Zewxcht des laufenden RechnungNahreS gefichert. Die Lage

_ks Schaßes hat sich gebessert, die Regierung trachtet auf: rlcbtxg und energisch, die Emissionsinstitutc zu starken und den Notenumlauf u sanieren. Die Regierung ist darüber einig, das Gleichgewxcht zwischen den Einnahmen und den AuBgab-Zn üufkechtzuerhaltem Ein Schaß:Mimster, welcher ges1attcte, daß dle Staatsfinanzen aufs neue in Unordnuna gericthen, wurde die Interessen des Landes verrathen.“ Die Sisung wurde sodann aufgehoben.

__Wie die in Rom erscheinsnden Blätter melden, be- schasttgte sich) gestern der KassationShof als Berufungs- mstanz mit er ra e des Dekretirens von Gcseßcn. Der Kaffationsho te ein Urtbeit, Wölchks dahin geht, das

ekxettcren eincs (Heseßes dürfe künftig hin nicht mehr stattfinden, da,?U) Geseß, Wklchs in der Kammer nur eingebracht worden, led1gltch em Gcéeßentwurf sei. _ Der „Popolo romano“ stelLt fest, daß dieses eitens der Ersten Kammer des Kassationstzofcs erJMgene Urtheil in direktem Gegenfa ste?e zu dem von der wetten Kammer desselben Gerichtsbo 6 ge äÜten.

Dänemark.

Nachdem die Neformpartei der Linken beschlossen hat, dieVorlage,be1reffendErhöhung der Branntweinsteuer, zu "“Zkafen, aber mit der Partei der Rechtkn einen Kompromiß b,?zUJllch derZollreformvorlage u suchen, hat, wie „WT. B.“ bc- FchkkdHerPräfidentdesZanus chuffeSdesFolkethin ZundFührer er retskandeLSpartei Ko e dt sem Mankat als Prä went des Zol]: aus (bu cs niedergelegt und ist aus der Reformpartei der Linken WJ etreten. Der ZanuSschuß hat gestern Jensen zum Pra rdenxen gewählt und Christoff er Hage zum Bcrtcht- ekstatter uber die Verwerfung der Branntweinvorlage bestimmt.

Amerika.

di Y_us Balparais o meldet das „Reuter'sche Bureau“, daß e ,ch1lemschen Gesandten in Peru und Bolivien mit der eL_Uerung tn Santiago wegen des angeblichen, gegen Chile

Z""hteten Dreibunds im Verkehr ständen. - Eine aus dem

d&?" La _Paz (Bolivien) eingegangene Depesche melde, daß

Geschuße und Gewehre angelangt seien.

Asien.

_Aus Peking meldet das „Neuter'sche Bureau“, daß der Ka :s er am Montag das diplomatische Korps empfangen habe. Derselbe hab_e sehr schlecht und an egriffen ausgesehen. Die Kaiserin sel bet dem Empfang ni t zugegen gewesen.

Afrika.

Der „_Times“ wird aus Vulawayo vom 12. d. M. ge- meldet:, Ems, 200 Many starke britische Streitmacht aas Nbodesrerz grtff heute em von Buren bese tes Kop)": bei K_rokodzll-Pools an; die Stellung war jedoY) zu stark, und dre brixtschen Truppen zogen sich mit einem Verlust von 2 Offizieren und 19 Mann zurück; ein Offizier und 9 Mann merden vermißt.

DJS „Reuter'sche Bureau“ veröffentlicht folgende Einzel- heiten uber den Entsaß von Kimberley: Als die Truppen unter dem General French acht englische Meilen von Kunberley xntfcrnt standen, empfingen sie von den Belagerten dre heliographische Mittheilung, daß die Buren dj? Stadt bxschöffen. Darauf wurde zurückfignalifiert: Hter steht dre Kolonnx des Generals French, welche zu e_urem Entsaß vorruckt. Die Belagerten antworteten, da fte wyhl füxchteten, die Depesche könne von seiten der Wurm helxograpbiert sein, mit der Frage: Was für ein Regi- mcnt_ few ihr? Die Antwortüberzxuqte ste dann, daß der Ent- say m der That nahe sei. Schlreßlich zogen die Enaländer, ohne deerrtand zu finden, in Kimberley ein, d2ff3n Be- mobner umer lauten Ausbrüchen Truppen umrivgten und steh untcr sie mischten. Die Truppen rasteten die Nacht über und verfolgten am andern Tage den F:1nd nacb Drontveld, indem sie ihn durch Artilleriefeuer von den Kopxes vertrieben. Nach dem Dunkelwerden flohen die Byren untcr Zurücklassung vieler Todtcn. Die Besayung un.?) dle Einwohnerschaft von Kimberley hatten von Pferde- “ftetsch gklebt; die Nationen wurden _ck" [ich auf dem Markt- p_laß m:rtheilt. Der General C ronje at in Magersfontein cm (Hexchüx nebst Zelten, Nahrungßmittcln und Kleidung?- stücken zuruckgelassen.

Dasselbe Bureau berichtet weiter, daß auf dem Gebiete um Kimberley keine Buren mehr ständen. Dieselben Hätten Dronfi-xld, Saltpan, Scholsnek und Spytfontcin geräumt. Ein Zwölfpfünder der Buren mit Munition sei erbeuT-ot worden, ebenso das Lager bei Dronficld, wslcbes ia der Nacht vom 16. Februar verlassen worden sei. In der Dunkelheit seien mehrere Viehberden erwutet worden. Bei den Kämpfen zum Entsa? von Kimberley vom 14. bis zurxx 16. ebruar set ein brtti cher Offizier getödtet, und sechs Offiziere eien verwundet worden,

Ein Telegramm des „Standard“ aus Modder River vom 18. d. M. meldet über die Verfolgung des Generals Cron_]e: Am Freitag Morgen begann die 13. Brigade den Angriff auf den Nachtrab des Feindes. Ungefähr 2000 Burcu hielth eizige Kopxes nordöstlich von Klipdrift bescßt, von wo gus ne den Rückzug des Haupttrupps deckten. Zwei Komes wurdcn erstürmt, doch die Buren verthetdigtcn das dritte mit der äußersten Hartnäckigkeit durch ein furchtbarcs Feuer. Es wurde dann auf jede Weise versucht, denHügel zu stürmen. Unsere Truppen hielten fich glänzend; die Buren behaupteten jedoch ihre Stellungen bis zum Dunkelmerden; dann wurden sie durch das Feuer der 84. Batterie vertrieben. Inzwischen gelang es der Haupt: macht der Buren, die Klipkaaldrift zu crrctcben, wo sie den Fluß nach Süden zu übcrschritten. Eine kleine Abtheilung berittencr Infanterie und eine Batterie waren über die Klipdrist zurück- gezogen und nach dem Südufer des Klip Nivar gesandt wordrn, um dm Uebergang unmöglich zu machen, sie sahen aber", an Ort und SteUe angelangt, daß bereits so viele Buren üver den Fluß gegangen waren, daß sie ihre Steaung dort vertheidigen konnten. Die britischen Geschüße feuerten bis zam Dunkelwerden weiter. Gestern früh befanden fich die Buren unter General Cronje in vollem Rückzugs süd: lich des Modder River. Die Generale Lord Kitchener uno Kellev-Kknncr) folgten ihnen dicht auf den Fersen. In der testen Nacht machte der General Macdonald mit der Hoch- läaderbrigadc einen Gewaltmarsch von 20 Meilen, um dre Koodoos- und Nanddrift so rechtzeitig zu erreichen. daß der Feind dort abgeschnitten werden könne.

Der Feldmarschall Lord Roberts hat, wie „W. T. B.“ aus Lon_don meldet, am Montaq früh aus Puardeberg, 30 englijchc Meilen östlich von Jacobsdal, telcgraphiert, daß der General Lord Methuen mit Verstärkungen und Vor- räthon sofort mit der Eis_enbahn nach Kimberley gehen werde.

,Die britischen Verluste in dem Kampfe an der Waterval- Drtf t am 15. d. M. waren: 2 Offiziere vcrwandet, 20 Mann verwundet und 6 vermißt.

Zn Cradock find, wie das „Reutcr'fche Bureau“ berichtet, folgende EWMMM über die Wegnahme des britischen Convoys am Niet [oer eingegangen. Die Wagen waren an einer Drift zu einem Lager geordnet worden, als sie von 1800 Buren mit 4 Geschüßen angegriffen wurden. Das Schießen währte den anzen Tag über. Es wurden 180 Wagen mit Lebens: mitte n für Menschxn und Vieh von den Waren erbeutet. Die Hälfte der Treiber und Führer wurden getödtet oder werden vermißt. '

Der General Sir Redvers Buller meldet aus Chie- velct) vom gestrigen Tage: Die FüsilierBrigahe nahm am Monta dcn Hlangwane-Berg, welcher Colcn o beherrscht. Der Feind hatte alle seine Truppen nor wärts des Tugela zurückaezogen. Der Gencral Hart bcseyte heute Colcnjo nach geringem Widerstands des schwachxn Nachtrabs der Buren. Die Engländer halten jest vas Südufer des Tugela von Colenso bis Eagle§ncst be- feßt. Der Feind scheint in vollem Rückzug zu sein und nur die Pojition an der Bahnlinie Colenso-Ladysmith mit schwachen NachtrabSmannschaften zu halten. Der Vortrab des Generals Hart überschreitet zur Zeit den luß bei Colenso. Ich hoffe, daß meine Verluste gestern und eute nur gering gewesen find.

Nach einer Mittheilung des britischen KriegSamts be- trugen die Vsrlusae des Generals Sir Redvcrs Buller in den Tagen vom 15. bis 18. d. M.: 1 Offizier todt, 6 ver- wundet, 13 Mann todt, 154 verwundet.

Parlamentarische Nachrichten.

In der heutigen (151.) Sißung des Reichstages, welcher der Reichskanzler Fürst zu Hohen! ohe und der Staqts- sekretär des Innern, StaatOMinifter [)r. Graf von Poja-

dowskt) beiwohnten, stand zur ersten Berathung der von den

der Begeisterung die-

elsä sischen Abgg. Winterer und Genossen (b. f. . eingekvrachte Gesehentwurf wegen Abänderung des F2 des Geseßes, betreffepd die Verfassung und Ver- * waltu_ng Elsaß-Lothrtngens, von 1879. Dreier § 2 soll folgende Fassung erhalten: „Auf den Statthalter geben zugleich die durch GeseZe und

Verordnungen Yem Reichskanzler in elsaß-lotbringiscben andes- angeleqenbeiten uberwiesenen Befugniffe über.

Die durch § 10 des Geseßxs, betreffend die Einrichtung der Vexw:ltun§1, vom 30. Dez-mbkr 1871 dem Ober-Präfidenten über- traa-qen au erordenxxicbkn Gewalten find aufgehoben.“

Dte ?_De atte eroffnete der Abg. Winterer. Nach ihm nahmen hrs zum Schluß des Blattes das Wort der Nächs- kanzler Farsi zu Hohenlohe und der Abg. Riff (fr. Vgg.)

- Der Schlußbericht über die gestri e Si un des .ZcZZxses der Abgeordneten befindet fichgin der8 ZrTeiten ' er age.

-- Das Haus der Abgeordneten feste in der heutigen (29) Stßung, welcher der Minister der öffentlichen Arbeiten von Thtelen und der Mimster für Landwirthkchast 2c. Frei- herr von Hammerstein beiwohnten, die erte Berathung des Gejxßentwurfs, betreffend die Erweiterung des Staatsaxsenbahnneßes_ und die Betheiligung des St_aats an dem Bau elner Eisenbahn von Treuen- brtesen nach Neustadt a. D. sowie von Klein- bahnen, fort.

_ Die Vorlage wurde nach kurzer Debatte, an welcher fich dte Abgg. von Bxankenhurg (kons.), Reinecke (fr. kams), Zorns (nl,), Ktttler fr. VolkSp.), Yorn (111), von Eynern_ (nl,) und_ ,der inifter der 6 entlichen Arbeiten von Thtelen bethetlrgten, der Budgetkommisfion überwiesen.

Darauf wuxde die zweite Berathung des Staatshaus- halts-Etat] fur 1900 und war der Etats der Domänen- und der Forstverwaltung Fortgeseßt.

(Schluß des Blattes.)

Statistik und Volkswirthschaft. '

Zur Arbeiterbewegung.

Ein allgemeiner Ausstand der Berliner Tischler hat, wie hiesige Blätjer berichten, am Montag seinen Anfang genommen. Bis jetzt find geaen 7003 Gesenen aus den Möbeltischlereien ausstävdig. Daneben treten auch die, verwandLen Berufe: Mö'oelpolierer, Holzbild- b_auer in den Ausstand cm. Die Forderungen sind folgende: 1) wöchent- ltche Abschlagßzablung von mindestens 24 „Fl für Accordarbeiten' 2) in den erkstätten, in denen der Lobnsatz nicht erreicht wird, sind dé? Accord- vretse deyxentsyrechend zx: erhöhen; 3) gl-ichmäßiae Festseßxmg der Accordxrene fur die gletcbkn Artikel in allen Werkstätikn; 4) die Mascbmxnarbeit ist vom Unternehmer zu liefern; 5) das Holzabtragen komznt m Fortfall. Die iIkrbcsitgeber haben zum größten Theile die Erwüung der Forderungen, abgelehnt. In einer gestern abgeßxltenen Versammlung der Ausständtgen wurde Mitgetbeilt, daß etwa 60 Meister dte_ Fordexungen der Ausftändigen anerkannt haben und 1000 Gesellen wexterarbetten. Die Gesammtzabl der Ausständigen soll fich auf rund 7500 Mann belaufen.

Jm Halleschen Beraxevker ist, der .Rb.-Weftf. Ztg.“ zu- folge, vorgestern auch m Ntetleben der Ausstand aukgebrocben. Jm gesammten Bezirk find Übkk 1000 Mann ausständig (vergl. Nr. 45 d. B_l.).

_ Zum Kurs ncrauhstasnd in Leivzig und Umgegend theilt dre „_Lpz. Zt.“ m t, daß sich die Zahl der ausnändigen Gehilfen gegen- wärttg auf 616 beläuft, yon denen 260 auf Markranstädt, 131 auf Lindenau, 115 auf Rötha und 110 auf Schkeudkß entfallen. Bis jetzt haben dix Gebilfenforderungen neun Firmen bewilli ?, bei denen 86 Gehilfen zveiter arbeiten. In Markranstädt, dem anpi- .one, Und auch 60 Htl'söarbeiter_ am Ausflande betbeiltgt. Die weiteren Verhandluygen nyixchen beilkenkommisfion und Prinzipalsvertretung haben za emer Emtgunxx ntcht geführt. (ergl. Nr. 44 d. Vl.)

Jm Zwickager Koblenreoier waren, dkm .W. T. B.“ zufolge, gestöcn Abend 34,5 0/., heute früh 31,9 9/0 der Bergarbeiter, im Ganzen 3799 Mann, ausständig.

_Aus Dux berichtet dasselbe Bureau, daß von 107 größeren Schachten des Braunkohlenbkckens Ausstg-Komotau gestern 70 im thriebe aewesen find. Vorgestern wurden 782 Wxggons Koble ge- fördert. Die Zahl der Häuer betrug 1260 (vergl. Nr. 46 d. Bl.).

Kauft und Wissenschaft.

14 k,_ Aus der letzten Sitzung der Berliner Gefell- scbaft „fur Antßrovologix ist ein Vortrag von Interesse, den Dr. Tbtlenius 1": er die Bejiedelung der nordwestvolynesi- 1chen Inseln, 'Neue Hebriden, Fidschi - Inseln, Samoa xc, hielt. Es erscbernt näm1ich vom ethnologikcbey Standpunkt aus recht merkwürdig, daß diese Inseln eine polynesitche Bevölkerung haben, da sie doch in der nächsten Nähe dxr großen melanefischen Inseln, Neu - Guineas und der Inseln des BiSmarck- Archipels, liegen. An ihrem polynksischen Ursprung ist nach der vorliegenden Kulturentwickelung der Bevölkerung, der Ge- rätbe und Waffen, des Kaktus und der Sprachen indeffen keinZweifel. Der Vortragende, der fich lange in diesem Tb-zil dsr Südsee auf ver- schiedenen Inseln aufgsbalten bat, will nun Voxgänge beobachtet haben, die ein bezeichnendes Licht auf die Befiedeluug werfsn. Er sab namlich zu wiederholten Malen Kanoes an den genannten Insel- gruppen anlegen und deren öfters aus ganzen Familien bestehende Imaffen dauernden Wohnsitz am Zielpunkt ibrer Fahrt nehmen. Sie kamen von weitber über den Ozean, von Inseln, dj_e sowohl nördlich und no:döstlich als südöstlich lagen; aber keine dieser kleinen Einwanderungen stammte aus dem Westen oder dem nahen Nordwesten der melanefischcn Inselwelt Der Vor- tragende glaubt dexbalb und findet für feine Ansicht in den Traditionen der Bevölkerung einen Anhalt, daß die Befisdeiung dicses Tbxils der Südsee niemals im WE,)? einer großsn Wmderung, sondern immer nur in der beobachteten kleinen Einwanderung auf einzelnen Kanoes erfolg! ist. Das; ste nur in dcn, bezeichneten Richtungen erfolgt ist, erklärt sich einfach durch dre in der guten Jahres- zeit nördlich und südlich des Aequxtors weben'den UO- bezw. 80.- Paffate. während W“.- und M. - Wmde, die eine mslanefiscb: Einwanderung begünstigen würdzn, _in der schie ten, der Schiffahrt gefährlichen Jabrekzeit wsben. Dre Eigenart der elanefier ist ein zweiter Grund, weshalb fie ch wobl dsr Besiedelung ver- bältnißmäßig naher Inselgruyven enthalten haben. Sie find zwar geschickte Bootsbauer und erretchen auf ibrxn Ruderbooten 6bi88S€eo meilen in der Stunde; aber_ ste find nyc Küstenfabrer. Dagegen wiffen die Polynefier und MFwnM-r mtc dem Segeln gut Be1cheid und wagen sich weit in die See binaus Ihren darch die Gunst _des UO- oder 80.-* affats angestellten (Entpeckungsfabrten stellten sich zu allexx eiten die oben bezctcbneten Inselgruppen gleichsam als ein Gxtjer entgegen, das ein_cn großen Theil ihrer Boote auffing;- aber_ sie sagten selten auch wetter. Man findet auf diesen Inseln wobl “Spuren fruherer Yelanesircher Bkvölkerung, und wahrschein- lich ist_ in der gegenwärtigen Bevölkerung am!) ein Tropfen mrlansßtcben 231th; aber man begegnet auf den Inseln des melane scbcn Arcbtpelß keinen Spuren, die auf jxmals vorhanden.ge- wesene polynxfiscbe Ernwanderung deuten. Dee Vortragende erkennt an, daß ferne. Anschauungen in „einem gewissen Gegensag zu _ den bisher von den Ethnographen festgehaltenen Memungen stehen, aber der Gegensaß sei nur ein schein-

barer. Auch ibn dünkt es in hohem Gkade wahrscheinlich,