1900 / 78 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Thu, 29 Mar 1900 18:00:01 GMT) scan diff

wurde von der Bevölkerung lebhaft“ begrüßt; es fand keinerlei Gegenkundgebung statt.

Im Unterbause verlautete gestern, der Herzog von Norfolk habe sein Amt als General-Postmeifter niedergelegt, weil seine Abreise nach dem Kap unmittelbar bevotstehe. Die übrigen Minister versuchten indessen, ihn zu bestimmen, seinen EntsYuß rückgängin, zu machen.

er Ober-Bcfehlshabsr der Armee, Feldmarschal] Lord Wolseley bielt gestern in einer Versammlung der „Ver- einigung der Miliz-Schüven“, in welcher er den Vors1ß [311317113 einc Lobrede auf das von Lord CardWeU eingefüßrte mxlitarischc System, ohne welches es unmöglich gewesen sein würde, drn Krieg fortzuführsn. Lord Wolselkt) betoxitedie Bedeutung der Miliz, welche allein die Bildung drs Fgenwc'irtig in Süd- Afrika kämpfendsn Heeres ermöglicht ha e. Die Miliz h_abr seit Beginn des Krisch den regulären Truppen 900 Offizixre elirfcrt; dreißig Miliz-Bataillone ständen zur Zeit in 3111)- frika unter der Fahne. Ec wiffs sehr wohl, daß man im Auslande glaube,?ngland sei von Truppen entblößt.'N1emals seien jcdoch die Kasernen so vol! brfcßt gewesen wre augen- blicklich. Für Einberufung zu den Fahnen seien no_ch 50 Bataillone Jnfanterie-Miliz Vérfügbqr, man habe aber fur so viele Mannschaften keinen YIM chs0 Bataillone würden einberufen werden, sobald die itterunq die Anlage vmi Feld- lagern gestatte. Lord Wolseley schloß seine NM m1t den Worten: In Zukunft müssen die Soldatcn vor aUem gute Schüßen sein.

Bei der in Nottingham abgehaltenen Versammiung der „Liberalen Vereinigung“ (s. d. gestr. Nr. 11. Bl.) sprach Sir Edward Grct), welcher S1r Henri) Campbell Bannerman, der erkrankt ist, als Hauptredner vertrat, dis Ansicht aus, daß weder der Sinn noch die Worte der leßthin von dem Präsidenten Krüger eingeleiteten Friedens: präliminarien derart gewesen seien, das; die Regierung babe darauf cinchrn können. Das Unterhaus werde fort: fahren, die Regierung zu untcrstüßen; er glaube nicht, daß die Auflösung des Unterhauscs als wahrscheinlich anzusrhen sei, ehe nicht die beiden südafrikanischen Republiken unter- worfcn odcr-bestegt seien. Auch sprach sich Sir Edward Grey für eine südafrikanische Vereinigung unter der britischen Flagge aus.

Frankreich. Der ehemalige französische Botschafter am preußischen ofe Graf Bcnedetti ist, wie „W. T. B.“ aus Paris er- ährt, gestern gestorben.

Rußland.

Der Erbprinz von Siam ist, wie dem „W. T. B.“ gemeldrt wird, gestern Nachmittag in St. Petersburg ein- grtroffen.

Italien.

Die Deputirtenkammer nahm, dcm „W. T. B.“ zufolge, gestern die Bcraihung des Antrages Cambrai)- Dignr) wicder auf. Der Präsident erth2ilie _dem Dr- putirten Venturi das Wort. Der Depuiirte Ferri rief: Ncin, nein. Der Deputirte Pantano blieb dabei, das N2cht zu Haben, seine Tageskordnung, betreffend Einbe- rufung der Constituantr, zu begründen. Der Präsident erklärte, er könne stine vorgestrtgrn Erklärungen, in drncn er seine Ohnmacht zum Ausdruck gebracht habe, nur, wieder- holen, und fügte die Aufforderung an die Kammer hinzu, ihre und des Präsidenten Autorität zu wahren. Die äußerste Linke ricf: „Es lebe die Constituantc!“ Hierauf hob der Präsident die Sißung aus.

Spanien.

Aus Madrid wird dem „W. T. B.“ gemeldet, daß der Finanz:Minister in dem gestrigen Ministerrat!) erklärt hab.“, er werde den Geseßentwurf, betreffend die Alkohol- steuer, abändern, um die Annahmr desselben zu erleichtern.

Türkei.

Nach ein:r Meldung dcs Wiener „Telear. Korresp.- Bureaus“ aus Konstantinopel vom gestrigen Tage, werden die Botschafter hsuie der Pforte eine Kollektivnotc überreichen, in welcher gegen die Zoilerhöhung und die An: wrndung der Konventionaliarife ohne vorherige Vrrständigung der Mächte cindringlichst protestiert wird.

Rumänien.

Wie dem „W. T. B.“ aus Bukarest gemeldet wird, ist die außerord-xntlickze Session der Kammern bis zum 14. April verlängert worden. _ Die Verhandlungen vor dem Schiedchricht in dcr Angclcgenheit des Erbauers des Hafens von Cdnstanza Hallier sind geschlossen worden. FasbGericht hat sich b:hufs Lofalbesichtigung nach Constanza ego en.

Amerika.

Die Kommission des Nepräsentantenhauses für

die auswärtigen Angelegenheiten vernahm, wie dem „W. T. B.“ aus Wasbingien berichtet wird, gestern den ehemaligen amerikanischen Konsul in Pretoria Macrum über die Oeffnung seiner Bricfe durch britische Zensur: behörden. Der Staatssekcstär Hat) ließ der Kommission sin Schreiben zugehen, in welchem er erklärt, daß Macrum niemals bei dem Amte w-cgen Oeffnung seiner Briefe Beschwerde gc- füdrt habe. Die britis e Régicrmig habe erklärt, wenn Briefe geöffnet worden seien, o_ sei dies im Widerspruch mit den er: theilten Instruktionen gssthehen. Hat) fügt hinzu, der ameri- kanischeGeneral-Konsu1 in Kapstadt Stowe habe ihm berichtet, daß, nachdem zwei seiner nach retoria undLouren oMarques er1chtetcn Briefe von der Zen ur in Durban geöonet worden Zion, der Gouverneur Sir Alfred Milner ich in be- iedigender Wrise bei ihm entschuldigt habe. Hat) erwähnt ferner ein vom 3. Oktober datieries Schreiben Stowe's, aus welchem hervorgeht, daß der Präsident Steijn am 26. September durch Vermittelung des amrrikanis en Konsular-Agenten in Bloemfontein Stowe habe ersuchen affen, fich darüber zu ver- cwiffern, ob die Vereinigten Staaten bereit sein würden, das mt dcs Schiedsrichters zu übernehmen. falls Sir Alfred Milner damit einverstanden sei. Stowe habe geantwortet, daß der Gouverneur, welchen er befragt habe, persönlich geneigt sei, solche Verhandlungen einzuleiten, daß er aber nicht glaube, in dem vorgeschlagenen Sinne thätig sein zu

können. Aka»

Die „Times“_ meldet aus Lourenxo Marques vom 26, d. M.: In einem als Antwort auf die Proklamation des

Feldmarsohails Lord Roberts .erlaffenen Rundschreiben »er- äre der Präsident Steixn, „die Politik Großbritannien; in Afrika babe gegenübsr denen, welche steh ihr widerseßten, stets den Grundsaß „(1171118 61". jmpsra“ befolgt. Vox Beginn derFemd- seligkeiten habe man versucht, den Oranxe-Freiftaat für fich,zu ge- winnen, um ihn von Transvaal zu tr-xnnen undso die Annektterung beider Repubiiken zu erleichtert), Die Bar her seien niemals von ihren Führern irregeführ't worden. * unmehr suche der Feind sie abermals zu entzweien, indem er eine Belohnung für Verräther ausseße. Die schmachooile Verwüstung von Eigenthum in IakobSdaal und die Verhaftung von Burghern in Bloemfontein zeige, welches Maß von Vertrauen man den britischen Vrrsprechungen entgégenbr131gen dürlfe, Die stadt sei zwar vom Feinde beießt, die Sch acht aber nicht vcrlorxn, man müss; im Grgsntheil in diesem Augenblick den größten KampfeSmixth beweisen.

Drr General Joubert ixt, wie das „Reuter'sche Bureau“ aus Pretoria erfährt, am Dienstag Ab:“nd 111/3 Uhr in- folge cines Magenleidens rstorben. Pretoria sei von tiefster Trauer über den Verlus? eines wahren Patrioten, eines tapferen Gensrals und Ehrenmannes erfiillt.

Die heute erschienenen Pariser Blätter widmen dem General Joubert warme Nachrufe und sagen, die gesammte ivilifierte let stehe tiefbewcgt und achtungßvoll an der 7terbiichen Hülle des ehrwürdigen Greises, der als Führer eines kleinen „Herres vier Monate lang das mächtige England in Schach gehalten habe,

Michael Davitt ist in Pretoria eingetroffen und vonddem Unter-Staatsfckrctär drs Auswärtigen empfangen wor en.

Aus Lourengo Marqnes vom 26. d. M. erfährt das „Reuter'sche Bureau“, daß das Kriegsamt in Pretoria, den „Diggers N?st“ zufolge, Nachrichten vom 21. d. M. erhalten habe, wonach die Generale Groblcr und Olivier, welche kiirzlich von NoxwalSpont de Stormbexg in der NäZ-T' von Thabanchu angskommrn seien, genü'g-xnd nach dem orden vorgerückt seien, um der Sorgc, daß sie abgeschnitt-xn werden könnten, enthoben zu sein. Man erwarte, daß die Truppen, wrlche ail-e d-sn südlichen Tlieil des Freistaats verlassen hätten, demnächst in Winburg ankommen würden.

Demsrlben Bureau wird aus Kr'oonstad vom 26. d. M, brrichtct, daß der General Olivier sick) mit den Streitkräften dcr Gsnerale Grabler und Lemmer vereinigt habe und daß die britischen Truppen fick) vom Lseuw-Nivzr in der Rich- tung auf Thabanchu zurückzöqsn.

Aus Kroanstad vom 27. d. M, wird gemeldet, der General Delarct) sei an Jaflusnza erkrankt. Das Kommando über die TranHva-altruppen führe znr Zeit Gsneral Smuts. Der Kommandant Crowther barichte, er" Habe Ladybrand wieder genommen, nachdsm die EngLänder sich eine Stunde dort aufgehalten und drn Landdrost van (Horkum und den Feldkornet Smith gefangsn genommen hätten. Die Engländer hätten einen Verwundeten umd drei Gefangene vsrioren und seien nacb Masern hin geflüchtet. Bci Brandfort habe ein kleines Grfcchi stattgefunden, bei welchem vier britische U(anen gr- tödtet und sechs verwundet worden seien.

Eine in Pretoria ein etroffsne Drpcsche von der Front in Natal meldet, das; die Zerstörung der Kohlenderg- werke, welche den Engländern von Naßen sein könnten, fort: dauere. Sämmtliche dreiSchächte der Gruber bei Dundee seien ,csprcngt, die Maschinen vernichtet und die Vorbereitungen zur Zsrstörung der iibrigen Koblemverke beendet worden.

Dem „Reuter'schn Bureau“ wird aus Bloemfontein vom 27. März gemsldet, daß der Gouvsrneur der Kapkolonie Sir Alfred Milner dort angekommrn sci:

Demselen Bureau wird aus Van Wyks Vlei Lim Nordwesten der Kapkolonie) vom 27. März berichtet, er Gmerai €Farsons sei am 26, d. M. von der Avantgarde zurückgckr rt, wclche die Aufständischen bekämpfte. Er habe der Hauptkolonne den Befehl egeben, am folgenden Tage aufzubrechen. Der Vormarsch sci dur heftige Regenguss verzögert worden, welche die Wege ungangbar gemacht hätten. Nack) Meldun, en aus Upington befinde sich der Führer der Aufständis en Steenkamp mit reichlich 800 bewaffneten Männern in Upingion. Die Aufständischen ssien ziim großen Theil mit Martini-Gewehren bewaffne_t und Hätten genügend Munition. Die Wege seien schwer passterbar, und man glaube, daß auch das Ueberschrciten dsr Flüsse mit großrn Schwierigkeiten ver- knüpft sein werde. _

Der „Standard“ berichtet aus Lady1mith vom gestrigen Tage, dort sei alles ruhig, der Feind halte noch die Biggars: ber [inte inne, wo das Vorrücken des Generals Sir Rcdoers Bu er erwartet werde.

In dem Lager der Buren bei Glencoe ist, dem „Reuter'schen Bureau“ zufolge, ein Schreiben des Generals Sir Redvers Buller eingetroff-xn, worin die bevorstehende Freilassung des deutschen Arztes Dr. Albrecht angekündigt wird, welcher bei Ladysmith gefangen genommen worden sei, weil er zwei seiner Patienten, Burenoffiziere, habe ent- kommen lassen, obwohl fie ibr Ehrenmort gegeben hätten, nicht flüchten zu onen. Ferner sollten den Buren die zur hollän- dischen Ambulanz gehörenden Gegenstände, die elf Waggons füUten, Wieder zugestellt werden.

Nach einer Meldung aus Simonstown sind am 27. d. M. zwci gefangene Buren aus dem Nordlager ent- kommcn. In der Nacht zu gestern ist im Hospital noch ein Bur gestorben. Das sei seit Sonntag der siebente Todesfall. Jm Hospital würden dreißig an Masern und fünfzehn am Typhus erkrankte Gefangene behandelt, während auch auf den Trané5portschiff2n eine große Anzahl von Kranken liege. Es Hsiße, das; Ende ,dieser Woche Transportschiffe mit den ge- fangenen Buren nach St. Helena in See gehen würden.

Parlamentarische Nachrichten.

Die Berichte Über die gestrigen Sisungen des Reichs- tßages, des Herrenhauses und des Hauses der Ab- geordneten befinden s1ch m der Ersten und Zweiten Beilage.

_ DasHerrenbaus bIgann in der heuligen(6.) Sißung, welcher der Vize-Präsident des Staats-MinisteriUMS, Finan = Minister ])1'. von Miquel, der Minister für Landwirt - schaft 2c. Freiherr von HamxnerÉein und der Iuftiz-Minister Schönstedt beiwohnten, die xraihung des Staats- haushalts-Etats für das__EtatS1ak)r 1900.

General-Berichterstatter nt Graf von Königsmarck.

Die Etats: und inanzkommission hat den Etat genehmigt und folgende esolution beantragt:

Häupt-

* die- .-ch5ÜUegierunk; aufzufordern, baldigst auf eine nz

. «höhte -Dstatiou. der Pro:) ialverbände Bedacht zu nehmen ,

welcher den den einzelnen Verbänden durch die Gesch ebung der 1va

Jahrzehnte auferlegten neuen Lasten und der „_ dieser Verbände Rechnung etragen wird; b. die Staatsregjexu zu ersuchen, sie wolle daran Bedackot nehmen. das; Neuanlage für welche erbeblicbe Aufwendungen in mehrfachen Jahresbeträg erforderlich werden, nicht nur durch Einstellung in den E„ sondern durch besondere Gesetzentwürfe dem Landtage der Monarch" voraelegt werden.

Herr von Leveßow beantragt:

in der Resoluiion b bintec .Sjaatsre terung" einzuschanm ,in Wahrung der Etaisrechte des Herrenhauße '._ Dec Resolution 8- w1ll Graf von Mirbach folgen. Fassung geben: die Staatsregierung aufzufordern, in der nächsten Sesß dem Landtage einen Geicßentwurf vorzulegen, betreffend eine . böbte Dotation der_Provinzialve-rdände, bci welchem den den e' zelnen Verbänden durch die Gesetzgebung 11. s. w. (wie in y., Txxi _des Kommisfianoorschlaas). .

Eine Generaldtsfusfion findet mcht statt.

Die Spezialdebaite beginnt mit dem Etat der land wirthfchaftlichen Verwaltung.

Graf von Mirbach: Wik haben keine Gxneraldiskusfion ge- wünscht, weil unsere Anliegen ebenw gut im Laufe dsr Svezjal. diskussion vorgetragen werden können. Wxnn ich jetzt als erstxr Reda, zum Etat über die Bahn ge_be,_ so möchte ich denFerrn Landwirtbscham, Minister erfuchen, im r_1ach1ten Jahre einen 5 etrag von 300000 für Tiefbohrungen in Oiwreußen in den Etat einzusteüen. Es lage„ zweifellos noch ungebéure BovensÖäße in den östlichen Provinz, Welche Bedeutung die Entd-*ckang großer Salz- und Kaliiagxr s'. die Landwirtbschaft baden wiirde., brauche ich nur anzudeuten.

Nach weiteren „Ausfuhrungen des Ministers für La .. wirthschast 2c. Freiherrn von Hammerstein, des ij Präsidenten des StaatE-Ministeriums, Finanz-Ministers ])1. von Miquel, der .Herren von BelomsSaleske und rei herr von Durant mird der Etat der landwirlhschafiltchen Verwaltung angenommen, .

(Schluß des Blattrs.)

_ Auf der Tagesordnung der heutigen (57) Sißimg des Hauses der Abgeordneten, in welcher der Minister der eistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten ])r. tudt zugegen war, stand zunächst die Verlesung der Interpellation der Adgg. Bacnsch-Schmidtleiu (fr. kons.), ])r. Friedberg (nl,) und Genossen:

Welche M1 regeln gedenkt die Königliche SkaatSregierung m Beseitigung der immer schwerer empfundenen Mißstände uad Ungerechtigkeiten in Bring auf die Unterhaltung der Volk!. schulen zu „ergreifen? .

Der Minister, der geistlichen 2c. Angels enheiten 01. Studt erkiärte sich bereit, namens der Königichen Staats regierung die Interpellation sofort zu beantworten.

Nachdemwer Abg. Baensch-Schmidtlcin die Inter pollution begrundet hatte, nahm der Minister der geistlichea Ze. An elegenheiten ])1', Studt zur Beantwortung derselben

as ort.

Auf Antrag des Abg. Grafen zu Limburg-Stirun konf.) trat das Haus alsdaxzn in eine Besprechung der nterpellation ein, an welcher nch bis zum Schluß des Blattes die Abgg. ])1'. von Heydebrand und der Lasa Ffonw, Seydel-Hirschberg (nl,), _])1*. Porsch (Zentr.), Gra von Kants (konf.) und ])1'. Friedberg (nl,) betheiligten.

kifiungsfäbjg „|

Deutsckxer Forstwirthsckjaftsrath.

Erste Tagung. 11.

Zweite Sitzung vom 28. Mär; 1900.

Der Vorsißende, Landforstmeister ])1'. Danckelmann-Eberswaidi begrüßt nach Eröffnun4 der Sißung den vom Reichsamt drs Innen enxiandten Kommissar ])1'. Vöicker und ertbeilt dann der:: Forstmeifia Riebel-Muskau das Wort zur Erstattung des Kommisfionsbrricbn uber das Thema: „Begutachtung des Entwurfs einer neuen Anord- nung des ZolltarifS'.

Zunächst bedauert der Berichterstatter, daß die Rob- produkte der Forstwirtbscbaft, die Haibfabrikate aus ihnen und dir Holzwqaren an ganz verschiedenen Steüen des Entwurfs Verstreutfixr.

Hieran knüpft sich eine lebhafte Debatte, an der sich der Vo:- fißende, der Berichterstatter, der Kommissar des ReichMmts des Innern, Landes-Forsiratb Quaet-Faslem-Hannover und Professor Dr. EndreS- München betbeiligen. Das Ecgebniß ist folgender, einstimmig anze- nommener Antrag: _

.Es wird beantragt, daß in dem Entwurf des Zolltarif-Scbemas die Forstwirtbscbaft in einem besqnderen Abschnitt behandelt wird,m1d alle Erzeugnisse der Forstwirtb1chaft sowie die daraus gefertigten Waaren zusammengefaßt werden.“

Der Entwurf trennt das Bau: und Nußbolj in hartes unk weiches Holz. Demgegenüber wird ein Antrag der Kommission an-

enommen, wonach fol ende Sonderung eintreten foil: Laubholz bart, aubbolx weich, Nadel olg.

Als weiche Laubbölzer sollen gelten: Birken, Erlen, Paddel!- Weiden, Linden, Roßkasianien.

Ferner soll nicht, wie bisher, für alle Hobarten das Gew1chk eines Festmeters gleichmäßig mit 600 kJ angenommen sondern das Verhältniß von Masse zu Gewicht fou in folgender Weise ße“ regelt werden:

4. Rundholz.

Laubholz bart, 1 km = 1000 kg,

Laubholz weich, 1 , = 600 ,

Nadelholz, 1 , = 600 , ,

13. Beschlagenes Holz und Schnittholz.

Laubholz bart, 1 fra 800 kg,

Laubholz weich, 1 , 500 ,

Nadelholz, 1 . _ 500 . '

Die Beraibung wendet siko nun zu den einzelnen Pofitioncn- ?" für die Forstwirtbscbaft von Bedeutung sind.

Bei os. *110/111 ist im Entwurf auch das bewaldrechtete,Vu“ und Nuß ol: aufgeführt. Nun enthält os. *112/113 das mda Richtung der Längßachse befehlaaene Holz. eil auch das Bewaldtetbw ein Beschlagen in der LängSachse ist, muß eine Aenderung eintrekk“ Sie wird in folgender Weise beschlossen:

"Pos. ',110/111: „Rundholz, rob oder lediglich in der_QM' richtung mrt der Axt oder Säze bearbeitet (Rundholz in SLM!!!“ Blöcken, Klößen, Nu boljrollen, Gruben- und Stempelbolj, SUM?!“ bolz oder dergleichen, unentrindei, ganz oder theilweise entrmdet- Anmerkung: „Als , Bearbeitung -aufzufaffen, die nicht zum wecke des Einbmd in Flöße erforderlich ist, oder die bloße- eseitigung des Wut

aufs. , Pos. * 112/113: ,Bau- und Nuvbolo, in der Richtung der Lanai achse beschlagen oder anderweitig mit der Axt vorgearbeitet 95“ zerkleinert; aucb aerifsene Späne aus H:!s.“ Zu Pos. 116, die im Entwurf beißt: „Hol zur Herstellung 3; Holzmaffe (geschliffenem Holetoff) und von Zell (Cellulose), über 1 m lang und nicht über 18 am am schwacheren Ende

earbeitung in der LäYSricbtung ift nicbtieki

unter Ueberwachung der Veriveudung,:' wird nach, längerer Debatte,; an der sich der Berichterstatter, der.. Vor ende, Ober-Forstpteifier Schulze-Dresden, Pxofeffor vr. Endres-Munchen und der Kommissar des Re'kchSants des Innern betbeili en. -folZender Antrag beschlossen:

„Für Papierbölzer wird die zu äsfige L nge von 1 m auf 1.10111 erböbt. Auf die Ueberwachung, der Verwendung wird für alle Soxtimente, die unter Pos. 116 fallen, von der Forstwirtbscbaft kein Werti) gelegt.“ . Bei Pos. 117 des Entwurfs „Brennholz u. s. w.“ wird be- schlossen, die Holckoble auszuscheiden. unter besonderer Pos. 1.178- auf- xuiübxen Und dieser die unter P97. 436 aufgeführte, gxpulverte olz- kohlr- u;-d die im Entwurf nicht besonders genannten Holzko len- briquxtts anxualiedern. .

Schließlick; soil Pos. 919 des Eniwurfs in folgender Weise ge- 11"an werden: _

&. chemisch bereiteter oizstoff (ZeiYftoff, Celluxose);

b chemisch bereiteter ' trobstoff. Exparto, andere Fasexstoffe.

Dru Schluß der Sißnng bildc_t_en gefchäftlicbe Beratbungen, vor 11112111 die Feststellung der Geschastsordnung fur die Haupiver- ani-nlung des Deutschen Forstvereins, weich nach dem Entwurf des

ber-Forftmeisters Ney-Mev mit wenigen Aenderungen angenommen

wurdk.

Scko'luß der Sitzung gegen 5 Uhr.

Nächste Sißung: Donnerstag, den 29. d. M., Vormittags 10 Uhr.

Statistik und Volkswirthsthaft.

Zur Arbeiterbewegung.

In Mörs (Neg.-Bez. Düsseldorf) sind, wis die .Rb.-Westf. Zig.“ mittdriit, die Seidenweber der Firma Schroeder mit der Forderung höherer Löhne, auch für die T: elöbner, Schererinnen, Winderinnen, Sänbrrinnrn, an den Arbeitge er berangetceten. Leßtuer bat die gesteUtsn Anträge abgeiebnt. Gestern beschloß infslgedeffen eine von 200 Arbeitern besuchte Versammiung, die Anträge auf Etböbung der Löhr? in gelinderer Form nochmais der Firma vorzuieaen, um dann über die weiier zu lhnenden Schritte verarben zu können (vergl. Nr. 67 d. Bl.).

Auch in Hochneukirch haben die Weber und Wekberinnen der Firma H. J. Brunner die Kündigung eingereicht. Sie forderten eine Lohnerhöhung, welche mit der Bkgründunq abgelehnt wurde, daß. kksts im vorigen Jahre eine Erhöhnng der Löhne vorgenommen word:;i Li.

In Striegau sind, der „Boss. Ztg.“ Zufolqe, sämmtliche fünf- bundärt Arbeiter und Arbeiterinnen der Aktiengeselljchaft für Bürstenindustcie vorm. Regner in den Ausstxmd getreten. Sie verlangen eine Lohnerhöhung um 10 0/0 und xebnstundtge Arbeiixzeit.

Zum Ausstand der Leipziger Tgpezierergebilfen h_erichtet die „W;. Ztg.“ vom gestrigen Tage, das die Zahl der Ausstandigen nokb 60 beträgt und die Fordrrungen der Gehilfen von 30 Arbeit- gebsrn mit 85 Gehilfen bewilLigt worden sind (vergl. Nc. 76 d.Bl.). _ Die Holzbildhauer Leipzigs sahen am 26. d. M. in einer Versammlung beschlossen, in eine Lobnbewegung einzutreten 1_md den Arbeitgrbern folgende Forderungen zu unterbreiien: Einführung einrs Mindeststundenlobnes von, 45 „5, der fur die Gehilfen im ersten Jahre nach Beendigung „drr Lxhrzeit auf _40 „3 festaeseßt werden kann; Erböbunq der bisher gezahlien Lohnsaß: um 100/0; Auszahlung des vollen Wochenlobr-s an Stelle der bisher übitch gewesenen wöchenjlichen AbschlagSzablungen und der viertel- jäb111chcn Lohnabrcchnunßen; 33k0/o Zuschlag für die ersten beidrn Ueberstunden, 50 0/9 Zuschlag für ails weiteren Ueberstunden und für Sonntagsarbeit; strenge Durchführung, der im Jahre 1890 mit den Prinzipalen getroffenen, inzwischen vielfach dsurchdrochenen Verein- barungen, insbesondere Beseitigung der Accocdarbeit, Einführung derZei.- lodnarbcif, 9siündi e ArbeitSz-xit einschließlich js Line: vierrelstündigen Frühstücks- und VFUerpause, die mitbejablt werden müffen. FaÜs

bis heute Abend keine oder eine ablehnende Antwort eingegangen sein

sollte, soU die Arbeit morgen überaü niedergelegt werden. _ In der Lobnßewrgnng der dortigen Malergebilien hat die Maler- und Lackiersr-Jnnung in einer an demselben Tage abgehaltenen Versamm- lung bcichloffem in Zukunft einen Mindestitundenlobn von 48 „_5 zu zahlen, der VR! Ostern 1901 ab bei 9stündiger Arbeitszeit auf 50 43 erhöht werden soll (vsrgl. Nr. 70 1). Bl.).

Kunst und Wissenschaft.

Die Deutsche Sbakespeare-Gesellscbaft bäli ihre dies- jährige Generaldersammlung am Moniqg, den 23. Aptil, Vor- mittags 11 Uhr, im Saal der .Armbrust!(büßen-Geseliscbait' zu Weimar ab. Den Festvortrag baiProfessor Bulthaupt übernommen; sein Thema lautet: „Ueber Raum imd Zait bei Sbokexveare und Schiller“. Die Vorstandssißung findet am Sonntag, den 22. April, im Schillerbause statt und zwar, da wicbsige Beratbungßgegenstände vorliegen, Vormittags 11 Uhr. Zu Ehren der Sbakespeare-Gesell- schaft wird das Großherzogiickpe Hoftheaicr am 23. April zum ersten Mal das Trauerspiel „Timon von Athen“ in der Bearbeitung von H. Bulthaupt zur Aufführung bringen.

Im neu eröffneten Saale der Kunsthandlung von Ernst Zacslein (Potsdamerstraße 129 und 130, (Ecke der Eichbornstrake) nd seit einigen Tagen neu zur Ausstellung gelangt: Arnold Böckl n: .Flora“ (cine Komposition mit 15 balblebenSaroßen Figuren), Land- ! aft und Skizze; Fran] Stuck: neun Arbeiten, darunter die soeben vollendete Bilderserie „Die vier Iabreßzeiten'; ferner Werke von tanz don Lenbach, Gabriel Max, Max Liebermann, Loeffz- Manthe, icky Zarslein-Benda u. A.

Gesundheitswesen, Thierkrankheiteu und Absperrnugs- Maßregeln.

Gesundheitsstand und Gang der Volkskrankheiten.

(Aus den .Veröfféntlichungen des Kaiserlichen GesundbritSamts', Nr. 13 vom 28. März 1900.)

P : st.

Aden. Die am 22. Februar d. J. in Aden festgestellten 6 Pestsälle sind in einem vollständig isolierten Viertel des Ortes vor- gekommen. Die erkrankten Personen sind alsbald abgesondertworden; aucb Lind sonst alle Maßnahmen zur Verhütung einer Weiter- verbret ne; der Krankheit am Orte angeblich getroffen, einschließlich einer Zerstörung der betroffenen äuser durch Feuer.

Argentinien. Vom 8. is 15. Februar sind in Rosario angeblich 2 Fälle von Pest und ein verdächtiger Erkrankungsfall beobachtet worden. (Vgl. a. nachstehende Mittheilung über die Erkrankungen an Hi schlag in Buenos Aires.)

Paraguay. om 24. Januar bis zum 2. Februar wurden in Asuncion nach Angabe des dortigen NationalgesundbeitSratbs noch 5 Erkrankungen (die letzte am 1. Februar) und 4 Todesfälle an der Pest (der letzte am 30. Januar) bcobackotet. Das game Stadtgebiet ist in 10 Sekxionen, deren jede einem besonderen Arzte zugewiesen wurde, eingetbeilt worden. Den Aerzten ist zur Pflicht gemacht, die Häuser ihres Distrikts nacb Kranken zu durchsuchen und nötbigenfalls ofort Maßregeln zur Isolierung zu veranlassen.

Neu-Caledonien. Vom 22. Februar bis zum 4. März find iu Numea 22 Erkrankungen und 12 Todesfälle an der Pest gemeldet.

Cholera.“

Vritisch-Ostindien. Kalkutta. In der Zeit vom 18. bis

24. Februar sind 65 Personen an der Cholera gestorben.

Gelbfieber.

Es gelangten zur Anzeige in der Zeit vom 16. bis 24. Ja- nuar d. I. in Santos 10 Erkrankungen und 2 Todesfälle, vom 11. bis 17. Februar in Vera Cruz 2 Todesfäüe, vom 4. bis 10. Februar auf Curacxao 1 Erkrankung, vom _31. Dezember v. I. bis 6. Ja-

mtar. d. J. in Singapore 1 Todesfall; ferner wurden „in Cien uegos auf einem am -17. Februar anaekommenen Schiffe 7 : ermittelt.,

ikscblag-

Argentinien. Der (Feinridbeimußand in Buenos Aires war durch die seit Anfang Januar daselbst herrschende, ganz unge- wöhnliche Hitze bis in die ersten Tage des Februar weni beeinflußt, troßdem das Thermometer _ bei anhaltend heißem, feu tem Nord- winde _ am Tage selten unter 320 C. gesunken war und auch die Nächte nur wenig Abkühlung gebra-Ht batten.

Am 3. und 4. Februar erkrankten 363 Personen am Hißsävlaa, von denrn 189 verstarben; da die Gefickster der Verstorbenen vielfach dunkel gefärbt erschienen, verbreitete sich in der Stadt das Gerücht, daß der schwarze Tod seinen Einzug gehalten hätte. Die sofort vor- genommenen Obduktionen zahlreicher Leichen ergaben obne AUSnabme als TvdeSursache Hi schlag, und vorgenommene Kulturversucbe von BaciÜen verliefen re ultatlos.

Am 4. Februar Abends entlud sich ein heftiges Gewiiier mit starkem Regen über die Stadt, durch welches die Temperatur ein wenig abgekühlt wurde; am 5. ebruar wurden darauf 100 Personen, am „6. Februar 189 vom Hissch ag betroffen, von denen jedoch nur 27 und 6 Perxonen verschixden,

Noch me r als die Menschen w'1rden die Thiere, namentlich Pferde. vom Hißscblage etroffen. Viele Hunderte von Pferden brachen auf der Straße zu ammen' von 125 zum Verkauf gebrachten Pferdrn verstarben z. B. 75 Stück.

Welche Umstände außer 'der Hitze diese ganz ungewöhnlichen Er- krankungen herbeigeführt haben, war zufolge einer Mitibeilung vom 7. Februar damals nsch nicht festgestellt; die Befürchtung, daß es sich um eine ansteckende Krankheit gxbandelt habe, konnte zurückgewiesen

werden. Verschiedene Krankheiten.

Pocken: Krakau 3, Madrid 10, Moskau 2, St. Peteerurg 3, Kalkutta 16 Todesfälle; Antwrrvrn (Krankenhäuser) 3, Lmdoa (Krankenhäuser) 2, Paris 7, St. Petersburg 47, Warschau (Krankm- bäuser) 3 Erkrankungen; Flecktyvbus: Warschau 3 Todesfälle; Edin- bura 5, St.Petersburg 9, W1rschauiKrankenbäuser) 4 Erkrankungen; Rücksallfieber: St.Petersburg 16 Erkrankungen; (Henicksiarre: Rrg.-Vez. Wiesbaden 3, New York 10 Todesfäile; ch.-Bez. Wiesbaden 3 Erkrankungen; Varijellen: Budapest 37, Wien 72 Erkrankungen; Rotblauf: Wien 24 Erkrankungen; epidemische Ohrspeicheldrüsen-Entxündung: Wien 48 Erkrankungen; Influenza: Berlin 36, Magdeburg 11, Frankfurt a M. 10, Ham- burg 9, Köln 8, Barmen, Elberfeld, Mainz je 7, Lübeck 6, Brkslau, Danzig, Freiburg, Hannover je 5, Altona, Braunschwäg, Darm- stadt, _Potsdam, Stettin je 4, Bremen, Cdarloticnburg, Elbing, Frankfurt a. O., Remscheid, Solingen je 3, Krefeld, Zwickau, * msterdam, Budapest je 2, Kopenhagen 34, London 26, Moskau 3, New York 17, Paris 24, St. Petersburg 11, Rom 14, Wien 3 Todesfäile; Reg-Vrz. Düsseldorf 122, Nürnberg 639, Hamburg 54, Kopenhagen „1452, St.Pekersburg 36, Prag 16, Stockholm 15, Wien 54 Erkrankungén; Keuchhusten: London 35 TODCSfäÜI; Bu- dapest 40, Wien 42 Erkrankungen; Lungenentzündung: Neg.- Bez. Schleswig 98, Trier 34 Erkrankungen. _ Mehr als ein Zehntel aiTer Gestdrbenen starb an Diphtherie und Croup (Durchschnitt aller deuticben Berichtsorte 1886/95: 4,27 0/0): in Königshütte _ Erkrankungen kamen zur Meldung in Berlin 56, im ch.-Bez. Düffeldorf 93, in Budapest 24, Kopenhagen 31, London (Krankrn- häuser) 154. New York 339. Paris 59, St. Petersburg 110, Stockßolm 63, Wien 60; ferner kamen Erkrankungen an Masern zur Anzeige: in Breslau 26 in den Reg.-Bezirken Stettin 126, Wiesbaden 102, in Müncßrn 257, Hamburg 64, Budapest 87, Edinburg 70, New York 891, St. Petersburg 113, Wien 207 _ deSgl. an Scharlach in Berlin 32, im Rea-Brz. Düffeldorf 108, in Hamburg 35, Budapest 34, Christiania 24, Kopen- hagen 53, Lox1don (Krankenhäuier) 181, New York 212, Paris 63, ST. Petersbuix 91. Wien 45 _ désgl. an Unterleibstypbus TULOYM ( rankenbäuser) 34, Paris 162, St. Petersburg 61,

en .

Argentinien.

Durch Dekret vom 24. Februar 5.25. ist der Hafen von Porto nebst den übrigen portugiesiswen Häfen mit Außnabme desjenigen von Lourenczo Marquez fürpestfrei erklärt worden. (Vergl. .R-Anj." Nr. 65 v. 14. d. M.)

Durch ein weiteres Dekret vom 28. Februar d. J. wkrden auch die brasilianischen Häfen für pestfrei erklärt.

Herkünfte von dort werden in Argentinien frei zu elassen mii Außnahme der Herkünfte vonSantos und Rio de aneiro wegen des dort herrschenden gelben Fiebers. Hkrkünfte aus Santos unterliegen einer Beobachtung yon 5, solche aus Rio einer Beobachtung von 2 Tagen, die Frist gerechnet von dem Zeitpunkt dar Beendigung der Desinfektion an. (Vergi. „R.-Anz.' Nr. 278 11.24.920- vember v. I., Nr. 65 Vom 14. d. M.)

Konstantinopel, 28. März. (W. T. V.) Die Sanitäts- bebörde von Suleimanije im Vilajet Bagdad theilt mit, daß im Gebiete Dschevanru in Persien, in drr Nähe des Distrikts Gulambar, die Beulenpest außßebrocben ist, daß mehrere Dörfer von der Seuche ergriffen und ereiis mehrere Todesfälle vor- gekommen find.

Buenos Aires, 28. März. (W. T. B.) Die Maul- und Klauenseuche, die unter dem Viel) in der Provinz Buenos Aires ausgebrochen ist (s. Nr. 72 d.Bl.), ist in ichneller Abnahme begriffen. Die Sterblichkeit unter dem Vieh ist unbedeutend.

Verdingmtgen im Auslande.

Portugal (Insel Madeira).

Die Frist zur Einreichung von Angeboten für die in Nr. 42 und Nr. 64 des „Reicbs-Anzeigers' angekündigte Verzeihung der Arbeiten für Wafferversorgun i_md Kanalisation der Stadt Funchal (Madeira) läuft bis zum 20. ;n d. J.

Bulgarien. 9. April, 10 Uhr. _ Kreisfinanxvräfektur von Sofix: Lieferung von Lack, Farben und tonsti en Politurmitteln für die bulgarischen Staatkeisen ahnen. Kosteyanscßlag 2109725 Fr., Kaution 105490 Fr. Lastenheft und Verzeicbmß der zu liefernden Artikel im Bureau der

obengenannten Stelle.

Verkehrs-Anftalten.

Laut Telegramm aus Köln hat die zweite englische Post über Ostende vom 28. März in Köln den Anschluß an Zug 31 nach Berlin über Hildesheim wrgrn Zugverspätung in ' elgien nicht erreicht.

Im Srbußgebiete von Deutsch-Süvwestai ika „sind in Grootfontein (Damaraland) und in Otavi stan falten eingerichtet worden.

Bremen, 28. März. (W. T. B.) Norddeutscher Lloyd. „Kaiserin Maria Theresia“ 27. März v. New York n. Bremen abgeJ. „Friedrich der Große" 27. Mär v. Bremen in New York ange . lier“ 27. März 1». Genua in ew York angek. „Crefeld' 27. Marz v. Coruna n. d. La Plata abgeg. „Bremen“ 28. März v. New York in Bremerhaven an ekommen.

_ 29. März. (W. T. . Dampfer „Köln“ 28. März in Baltimore angek. „Kaiser Wilhelm der Große“ 28. März Reise v. Southampton n. Cherbourg fortges. ,Labn'. v. New York kommend, 28. Mär] in Southampton angek. und Reise n. Bremen fortkzes. Der Dampfer überbringt 561 Passagiere und volle Ladung. „He m- burg' 27. März v. Pernambuco über Leixoes und Antwerpen und

. Vortrag kamen.

Bluecroß' 27. März v. Antwerpen u. b. Weser abzeg. „König

'Älbert' 28. März Reife v. Nagasaki n. Sbacigbai und „Stuttgart“

28. März v. Penang n. (Colombo fortgescst.

Hamburg. 28. März. (W. T. 58.) Hamburg-Amerika- Linie. Dampfer ,Pennsvlvania', v. Hamburg n. New York, 27. März v. Plymouth abgeg. .Nubia', 11. New York über Kopcn- bagen n. Stettin, 27. März Donnet Head pass. .Canadia“, v. meurg n. Westindien, 27. März in Havre anger. ,Flandria“. v.

mbarg n. Westindien, 27. März 17. Havre abgeg. .Bengalia“, v. Baltimore n. Haznburg, 27. März und „Bosnia', v. Hamburg n. Baltimore„ 28. Marz Cuxhaven paff. .Atbesia“ 27. März in Pbiladelybia angel. „Alesia“ 26. März v. Singapore n. Sue: abgeg. „Suevia 28. März in MMB angek.

London, 28 März ( .T.B.) Castle-Linie. „Norbam Castle" beute auf Heimreise Madeira passiert.

Union-Linie. Dampfer .Briion“ auf Ausreise v. Madeira abgegangen.

Rotterdam, 28. März. (W. T. B,) Holland-Amerika- Linie. Dampfer ,Diaatendam“ v. New York beute in Rotterdam, „Spaarndam“ v. Rotterdam gestern in New York angrkommen.

Dampfer

Theater und Musik.

21 M 1 f d 1 TMZZZUFH

„rn on gg an n er i armonie das übli :, die Satsoxi abschließende Orchesterkonzeri zum Weite;!; des Pensionsfonds des Verline erilbarmoniscben Orchesters, dieImal unter der Leitung von ])1'. Hans Richter statt. Diesss Konzert dürfte six: wohl immer denkwürdiges Rubmcsblatt intietbalb des Berltner Musiklebens bleiben. Nach drr voliendeten Wiedergabe des Vorspiels zu .Parsifal“ und des erscbüitrrnden Trauermarsckpes aus der .Götterdämmerung' von Richard Wagner folgte als Hauvtwerk des Abends BestbQVen's Nsunt-e Svmdbonie. Dirfin dieser sich in so überwältigender Wxise widrrsvikgeinde Lebens- tragxkdoußxe der Dirigrnt in so rein menschlicher, einfacher Grfialtung Vorzufubren, daß es aligemeine Bewunderung errrgte. NAÖ dem Scherzo des zweiten Saßes erhob sich ein solch elementarer Beifall. daß der bc:- scYeidsne, ielbftlose Dirigent seine ausführenden Kräfte Nötbigir, fur die'ronibnen so woblverdienteOoaiion 111 00113016 zu danken. In der wie von Engelscbören getragrnen Spbärenmufik des folgenden Adagtos glaubte man fast statt der einzelnen Instrumente nzenschliche Stimmen zu Vrrüebmen. Das W311 hat mit diesem une_rmeßixch sch_önen antus symphonisäo srinen Höve- puni't erreicht und baite_ bier naturgemäß in Oeriöbnrndem Welixnfrteden (zusklmgen rnuffen. Der siab als höchst? Steiqerung de_r AuSdrucksmtitel anschließende Chor „An die Freude“ fäiit so ganzlich aus dern R9bn1en des Ganzen, daß man säxisr exjcbrkcki, wenn run plö lich Wirkllä) dix merifcblickxe Stimme kinsrßt. Soli und Chor bew [tigten i_ndeffen 1[)ren_gesaxiglich fast unmöglich wieder- zuzebeiidkn Part, in qignzender Weijc. Hurt Von Ykildr sang sein Barrtorzsolo mit 'großer, schöner, auNrucksr-oiler Stimme, ihm zur S::te standen im Soloquarteti Frau Fleischer-Edel (Sopran), Frau Goetze (Alt) und Herr Dr. Briesemeister (Tenor). Dkk Beifall schixn zum Schluß gar kein Ende nehmen zu woli'en.

Am anniag, den 18. d. M. gab im Bretboven-Saal die OVcrniäxtaerm raulein Gertrud Corti, in Gemeinschait mit dem Mobr'1_chen ännercbor eit) Konzrrt. Fräulein Corti's Stimme machte emen nicht mehr ganz frischen Eindruck, aucb wirkte die fehler- hafte Vokaliiation bisweilen störend. Die Lebhaftigkeit des Vortrags Vermochtq leider nicbt vö_[iik, drrseMängsl auszuxxieicbsn. BeiWieder- Jade enter, Roisini'nben Aris zeigte die Dam? jxdocko, daß fix eme gute Vorbildung gengssrn bst. Am Klavier wirkte Herr Walter Meyrowiß, der axxci) als Komponist mit zwei Liedern aus, dem Programm Vsrtreikn war. Wenn diefe auch11icht derade origtxel] zu nennen sind, so dinteriießkn sie doch cinrn guten Eindruck; eines dkrse'lben „LSF doch dos Fragen" wußte“, sogar wiederholt werden. Der Mobi'sche Männerchor trug kleinere recht ansprechende Gesänge vor, mit dxuen er trieben Beifuß erntrie. Am beiten gklang ihm das „Ade Maria“ von Blümrl. Jm BerthoVen-Saal veranstaltete an demselben Tage Herr Victor von Woikowsky-Biedau Nachmittags ein Konzert, in welchem lediglich von ihm komponierte Lieder und Gesänge: zum Es wurden neben manchem Mittelmäßigrn einige recht afinebmbare Leistungen geboten. BesOnders bei kleineren lyrischen Liedern wie „Goldene Nacht" (yon Herrn Heinemann recht wirksam vorgejragen), .Der erste Kuß“, (von Fräulein Destinn gesungen) und .Maiglöckchey' (womit Gmeiner großen Beifali erntzte), gelmzt xs drm Kom- vonisien ansprechende, zu Herzen gebende Weiienq zu erfinden, deren Wirkung noch intensiver wäre. wenn der Tonicßxr die Be- gleitung charakteristischrr gestaltete. Wenigrr gut sind dagrgrn längere, durchkomwonierte Liedertyxte gelungen, wie „Die Lieb' ist erstanden“, wo fich ein empfindlicher Mangel an iirferen mnsikalifäxrn Gedanken bemexköar macbxe. Die zahlreich anwesenden Zuhörer svendrten dem in feixyfinnigrr Weise am Flügel bexxleitendrki Komponistrn und 'dén ausführenden Küusticrn, unter drnen noch de_r Königliche Sängrr Herr Iulius Lieban zu nennen ist, lebhaften Beifal].

Herr Raimund Von Zur Mühlen, der am Montag im Beethovrn-Saal frincn vierten und [exten Lieder-Abrnd gab, er- freute daszablrcich erschienene Publikum wiederum durch dieintcreffante Art feines Gef.".ng-É. Der Künstler war s_ebr gut disponiert und drr beaZte Beifall Veranlaßte ihn zu mehrfachen Wiederholungen und

usa en.

Fräulein Gertrude Popper. eine noch recht jungr Geigrrin, lixß fich am DiZnstag im Saal Bechstein böten. Dgr Vortra sowohl, wie die Sicherheit der Technik [aßen noch zu wünsche_e7, do verspriébt die mufikglische Veanlaaung der Dame, bei weiterkmFortickpreiten Jute künftige Erfolge. Di: BYieitun-g in Mendslssohn's 1341101] Biolin-Konjert führte Herr V. 5 os geichickt aus. Fränlein Popper, sowie die mitwirkende Sängerin Fräulein Käte Ravvtb wurden durch Lebhaften Beifall aus ezeichnet; [EMEW erfreute bxsmxders mit dem Lieds „Vom lustigen rasmücklein' von Taubert, welchem sie, als Zugabe „Frühling“ von Hildach folgen ließ.

Am Mittwoch gab im Saal Bechfisin dcr Ténorist L_eo Castel Fidéxrdo ein Konzert, bei welchem Herr anzsrttnctßer A. Witek und Frau Vita Gerhardt mitwirkten. Die Vortrage des Sängers waren wenig erfreulich; es fehlt ibm Vor allxm an stimmlicber Beanla ung. Aber auch die künstleriicbz Purchdzldung des Geiungenen ließ xu wünschen. Frau B. Gsrbardt fuhrte die zum Theil sebr schwierigen Klavierpartien von Schubert's Phantasie und Franck'ö Sonate für Violine und Klavier, welchsfisin G5uisiiiichaft unt Herrn Witek zu Gehör bracht.“, sehr gut durch. Die K_lavcerbegienung zu den Gesängen batte Herr Kapellmeister R. Erben_ube_rnomm€n. _ Die bier schon bekannie jungc Pianistin Fraulein Bertha Visanska ab gleichzeitig in der Sing-Akademie eincn Klavier- Abeud, der i r wohlverdienten Beifall eintrug. Jbr Spiel zeigt eme brdeutende musikalische Begabung und eine fast roUendete Technik. Sie trägt aber und mit Verständniß vor; nur fehlt, was bei ihrer Jugend ni t 111 verwundert! ist, bei manchen Stücken thwetlen _nocb die tiefere Empfindung und die rrchts Jnnerlicbkcti drs Außdrucks jowie bei den mächtigeren Stelirn die Kraft. Man gewcmn aber doch von neuem die Ueberzeugung, daß die junge Dame ein musikalisches Talent besitzt, das weit über dem Durchschnitt steht.

Die Königliche Kapelle veranstaltete am _Donnerstag unter der Leitun von Felix Weingartner ihren neunterx SymphonJe-Abend. Das Pro ramm brachte zu Anfang Brahms 0-m011-Svmpbonie, deren vorzüg iche Wiedergabe dcm Dirigenten und dem Orchester alle Ehre machte. Herr Weingartner wußte auf ane Feinheiten des Werkes einzugebrn und sein eigenes Temperament auch auf die Ausführenden zu übertrakxen. Dos Haup'nntercffrwrs Abends nahm Richard S_traueß' be annte siitnlicholeidenschattoicke Tondichtung „Don Juan“ nir si in Anspruch, welche das gleich- namiqe Lenau'scbe Werk zur Unterlage hat und vom Kom- vonisten selbst Vorgefübtt wurde. Ein, Zug wilder Leiden- schaft hält den Zuhörer bis zum Schluß gefangen. Die vielen

Fräylein