auf den Gégsnstank Wtückkrmme. Ick; möchte Sie daranf anfmerx- 1 sam machen, daß es für die Verwaltung nicht ganz letcht tft, m komplxzirten Verhältnissen. wo mar_1_ mn mehrxren Staaten zu thun bat, *Ich auf alle FäUe zu “tunen unH sich_ 111 dre Lage zu bringen, im gegebenen Augsnblicke mlt kém Alnchluß des Vertrach vorzugsbcu, Hier handelt es sich nunxum emen 5Yertrag, „wobei Prcnßcn mix *) » Oldenburg mlt 1,2,„Br'emenmrt 2512 und fur. Yen Rist Das RFI; 'rctbkéligt 1st. Ick xyexß mcht, m wch1ch5r L_»;JS Zunge der anderm Régierungen find, Pceußxn und das Rexcb mznncn 1_e:en- ;allé an ihre: Lankksvcmctungcu geben, um fich m den Stand 1:13:11 zu 1affen, kicv'e Summen zahlen zu können, „und __cb nun das für alle Thsi1e zur g-,leqénen Zeit, moglich “nt, das steht dahin. Was da? Réich betrZfft, so wird 171? C):nebngung schon nicbt krüber crkclgen könnm, als wenn der nach Re1ch6mg _ver- sammc1t is?. es sei däm, daß man dort dieselbe V-erückxt gsnb! batte, wée wé: béxr, WIS iel) uiÖt weiß, und cbknjo kann Es mn anderem Staaken gxkxen. Was ist nun aher die Gefaßr, _welche kn: Landes- vertrérnng länn, wenn 69, dem Wunsch: dcr Nkzxxxnng en'tgrreébenßs, cine L'Olche vrvyisoriscße Bewßüigung knackt? TieGé'abr nt r9ch_1n der T(rat eine außsrordeutlickv geringe. Der Herr Handels - anter
bat Jkncn _ schon erklärt. _ daß wtx kein 1Beke:1k_-sn ge- ba'c'r („*be wnrden, Ten Enkwucf _ezncs _Bertragxs vcr- zu1x;*:x, und da!; also die sach11che Prufung m der Badgkt-
kan-ékWn erfolgen knsp. Wenn fie kann crf(*1gtift,dann_istes g1eichéam eine Autorivsaan für die Regierung, dm Veytrag m _Zu- km;?! aSzuTchließxn, und eine fo1chs Autorisation zu ertherlsn, wurde au-Ö ryan konstitutiomklen Standp*:nkte völlig unbedenklxch 1e_n*:. Jm Uebrigén, meine Herren, wenn Sie uns in der_knttansmng das Geld- wirklich gkben, dann ist es für dée_Ncherruug xndsr Tßat gleicbgült-Äg, ob Zje di? Pesrtxon heute proviwrnck) geuehmxgen, over ck Sie Dieselbe crst nachträglich genehmxgen. Der Abg. Dr. Wehrenpfennig beantragte die Verweisung des Titel?- an die Budgetkommisfion, da diese von Hsm Vertxage selbst Kenmniß nehmen und den muthmaßltchen Zettpunkt setnYr Jcrtigßtellung erfahren könne. Das Haus beschloß demgemaß. Ten Tit. 44 (Zum Neubau der Dienstwohnung hes Re- gierungs-Präfidenten und znr Vergrößerung des Regrerungs- gebäudes in Danzig 1. Rate 75,000 4%) 'bxnntxagte'Abg. chke zu ßreickzen. Ter Regierungs-Kommiffar, meftertal-Dtrektor M_a_c- Lean betonje Tas Bedürfniß, in Danzig_eine Tienßwohnung xur den RegierungHPräfidenten zu bauen, tm Interesse des offent- lichen Tienßes, worin ihm die Abgg. Wagner (Stargardt) und Windthorß (Meppen), sowie der Regiemngßkommxssar Gch. Ober=Finanz=Rath Hoffmann beistimmten. Tw Positron wurde- hierauf mit 160 gegen 125 Stimmen abgelehnt. _ Bei Tit. 50 (unvorhergesehsne Brückenbauten :c.) wunschte Abg. Schröder (Königsberg) die Herßelhmg emer Oderbxucke zwischen Küstrin und Schwedt, und Dei Ttt. 53 (Polytechmkum in Hgnnover) konßatirte Abg. Lauenstein im Gegensatz zu den) Abg. Windthorft (Meppen) die Anfickzt der Hannoveraner, daß das WeLfenschloß StaaTSeigenthum sei. Ber T11. 60 fandxn einigs Anfragen des Abg. Schmidt (Stetnn) durch den Regle- rungskommiffar Geh. Ober-Regiernngs-Raxl) Wendt xhrx Er- ledigung. Sämmtl'iche Titel wurden genehmxgt und damn war der Etat der Verwaltung für Handel und Bauwesen erledtgt, Es folgte der Etat der allgemeinen Finanz- verwaltung (1. unter LandtagSangelegenheitxn) Nack) enter kurzen Bemerkung des Abg.1)r. Hammacher zu Tit. 1 (67,000116 Zingeinnahme der Hauptdepofftenkaffe zu Caffe! und der Depo- fitenkaffe zu Cöln) wurde derselbe bewilligt. _ _ Zu Tit. 11 (Ueberschuß des vormaligen Kurfurftlich Hefn- schen Hanssckzaßes zu Caffel) war eine Petition der Agnaten'dex Philippsthaler Linie des Kurhauses Hessen, ihre Rechte am Frde1- kommiß-Vermögen betreffend, eingegangen, welche, unt_er Dar- legung des vor öfterreichischen Gerichten geführjen und m letzter Instanz vom Wiener Hofgericht? zu Gunsten der Petenten, ent- schiedenen Prozesses, die anefißnahme der sogenannten Szlber- kammer des verftorßenen Knrfürßsn durch den prenßtschen Staat, welcher fie dem Landgrafsn Friedrich ausageantworkkt hat, zum ngenftanxe einer Beschwerde macht. Der Referenx dcr Bndgetkommisswn Abg. 1)r. Hammackzer be- antrngxe, über diese Petition znr Tages:)rdnung überzugeken, Terseibe erinnerte an den Verlauf des Über diesen Theil des Nachlaffes des Knrfürsten von Heffen in Wien geführten Pro- zesses, der in erstsr Instanz zu Gunsten des LandgrafenFriedrich, in 1615181: Instanz zn dsffen Ungunsten entschieden worden 18. Die Kommisfion sei der Anfickzt, daß die preußische Regiernng lediglich in Konfequsnz ihrer Rcch1§anffaffung ihre Pflicht gethan und ihr Reckzt ansgeübt habe; die Krone Preußen habe ihre Rechte nun durch VLL'UÜJ vom 26. März 1873 an den Landgrafen Jriedréck; von Heffsn abgetreten und der preußijck)? Staat habe die Pfläckzt, die Revenüen des Vkrmögens zu fichsrn. Es handele fick; hier nicht mn einsn gewöhnlichen Civilftreit zwiéchen zwei C1vi1person€n, sondern nm polnische Tings, ws1ch€n die Kom- misswn dnrch Ukbergang znr TageSordnnng nicht präjndiziren wo11e, in die 17:13 einzumisckszn aber für das Haus gar kein Grund vorliegs. Ter Regisrungskommiffar Geh. Tber-Jinanz=Rath 1)» Michslln fügte hinzu , daß die Staathgierung den mit dem Landgrafen Friedrich von Hxffen, Haupt der Rumpenheimer Lin'ie, abgesch10ffenen Vertrag für keine dkfinitivc Anéeinandsr- sexznng mn VLN kurhksßsckxn Agnaten ansehe, we1che vielmehr durch StaatHgÉey wsrde erfolgen müffkn. Ter Vize-Präfident des Staats-Minißerinms Finanz-Mi- nifter Camphausen erklärte: Mein? Herren! :D.-r geeHrts Hérr Vorredner, der W) ]"o e*lngeh-cnd mH: dsr *:an vorK-genken Frag? käsÉäfxizt, begann seine Rede mit einec mit Zrcszsm Patöos abgkgsbknsn Erklarung, Daß es 1251119; g1€ich- Zünéz '7-:i, cb dée ZHl'cexkxmnwr dsn WMO ven 1 Mislixn Thalern cke: ren 90,000 Thalkrn cker vcn 10 Pfennigen gebxbt habs. Ick 111561728 'rch nm 'Die Erlaubnis; kitken, anzunehmen, da.? man fÜr d'e 10 Msn-xizz NF) u€chx so lekhxn in BCWFZUUJ geséßt älte. EH 532 sicb :4172 ZWU n€cht um ein so au'ZUcrkeutxick) grcßxs und ßedéntnngs' cheH VexmöFxckZEkt gshandelt, wie es Der Dr. Abg. r. SchOrl€msr anuaßm, 3,15€: ixxmsrhin koch um ein r€cht an*“ehn1iches ijskt. WcUm Six nun kér StaatZreZZerung einn! VDqurf Taran"; machcn, daß das Auxwärnze Amt die RLG? vréußiscbkr Sxaaksangxhöriger dem AnSlandE ZLJMÜÖLT zu schüßen fuckxt; da!"; es dis Reklamnxérn nhektr 1i€7ext T-Le Éi1berkammer hikrßer JUZ, Und daß €:“- die *Si1bxr- kammxr annimmt, nacbkem "Oer Auésrtuck) Sims östkrreicbisoßen (Önéchtx- LT? Rsxéernng in ren S?;ud Jeksst har, Tékse LluSliskerung ei-t:€*:€n zu [.*-.an7 Ich méckte in der Tha? JläukéU, daß asl dsr PI,:T-xs, der daran; vélwankx ?sst, um rZeseH Verfahren Herabzukrücken, jein Zéel dcch nicht (rreicht bat. WM: “kanu lkr gxkkyrte Herr errekuer Taran!“ thgswieZZn bak, zt“; né'cen ren Peinionxn, die T€: HET: BeriÖTerstntter Erwäknt hab?, ucÉ eén: TTLOQYÜT? PUZZLLU iu Berraäxt gxzchn werkén müö'e, so habe ?ck ;?ankr, daß das HTW?" anvnrme ?_l'etixicnen übexkanxx n1chr ;_um Gesenüande ;eirer VMa-xtung mackxen kaxk, 12132 ?ck l)]be mér gékacht, der Grund, Wekhalb kiése Petixion aurnvm e'snqekracbt ist, wéckrs wobl karin zu suchen skin, daß, wenn ksr Ver- k.“.sxr Zemmnt wäre, vLZÜcé-„Ht cer Staatsanwalt mét ihm Vékannt- Ich:;t machen wérce.
Tsun k,:at der Hr. RZ. Wiuktborü in einst WHM, drse mit
hake kie Sache gar nicht verßankm Nun, meine meu, Sxe haben den Vortrag des Herrn Reiuuugskomm1ffars_ se_bort, Ste wiffeu, daß er an den langwierigen Derhandluugen._ du; uber den Abschluß des Vertrages ftattg-fundeu haben, betberlmt wax. Ich muß, babe; Ihrem Urtbeil übnlaffeu, ob eine solche Auscbnldguvg berxckyngt sei. Wenn endlich gefragt wird: wenn dem: nun dte Staatsrxgterung_an- erkennt, das; das hohe Haus dem_ schwebendkn Rxchtsstrett gegenuber nicht in der Lage ist, emen Rechtsauswruck) _ zu thnn; wenn ferncr die Regierung, so fest fie auch davon uberzeugx ist, daß fie fick) überall in den Schranken kes Gestßes und in den Schranken des durch das Geseß vom 23. Sevxernbey 1867
doch anerkennm muß, da!; 151 dxe ab- solute Unmöglichkeit. da:"; die Agnateu iu de_m Rechtsstreix traend etwas erkämpfen möchten, nicht zu behaupten tft und dabxr dme dxfim- tiv: Regulirung erst erfolgen kann, wenn der Rech1sstre1t eutscbxeden ist; wenn gefragt wird, weshalb denn nun dje Voxlage ge- macht ist: so crinnete ich den geehrten Herrn Vorredner Daran, daß in der Verfassung eiue Bestkmmung 1st_, wonach aÜe Staatxcinnabmen in den Staatshaushalt emgeft'ellt Werden tnüffsn. Die Regierung ist nun der Meznung, daß thx aus der Verwaltung dieser Vermögenßobjekte _ Dte, m Parentbne bemerkt, in dieésm Augcnblicke noch unter einer SeparaWexwaltung sieben _
JLZOJMLU Kxeises bewegt hat,
daß ihr an:? dieser Verwalxung Uekzerychüffe zuflteßen werden; fie hat diese Usberschusxe _ uormnt,___und ste _1_egt dern Landtage, wie es ihre verraffungömaßxge Berpsirchz tung ist, dke dessausigcn Angaben vor. Ob der Landtag [“aber
glaukt, das; der Bartrag mit rem Landgrafen Friedrich noch ferner Genehmigung bedürfe, oder ob, wie die Régrernug auntmxnk, eme solckye Genehmigung nicht erforderlich, sondern dle Ermachtxgung zn dessen Abschluß schon durch das 'Geseß vom _Jahre 1867 gegeben s_et, das find ja Fragen, die heute mcht zur EeNterung stebsenk, und 1ch gebe dern geehrten Henn Vorredner Zu, _daß dxe Bewilligung 17er EtatSpcsition eine definitiv bindende Erklarung mx'Bezug au? dress Frage nicht abgiebt. Ick accsvtire überhaupt den “(:tnndpunkt, den der Herr Verichterstatter bei seinem erstsn klaxen, _emgÉendYnund erschöpfenden Vortrage eingenommen hat, und :ck bitte «te, 1emem Antrage zu entwrechen.
Nach einem kurzen Schlußrvorte des Berichterstattsers wuxdc der Antrag der Budgetkommisfion angenommen, und dre Pofitton selbst gegsn die Stimmen des Centrums und der Polen bs: willigt. _ '
Die übrigen Titel wurden ohne Diskußwn genehmrgt, worauf fich das Haus um 4? Uhr vertagte.
_ In der heutigen (18.)S1Zung des H'au/seJ “„er Abgeordneten, welcher am Minißertische der Vize-Prafident des Staats-Minifterinms Finanz-Ministcr Camphaujen und der Staats-Minißer ])r. Falk mit mehrerenKommiffarien betwohnten, beantwortete der Staats-Minifter 1)r. Falk die von dem ?lbg. Schmidt (Sagan) geßeUte und motivirte Interpellatxon welche lautet: ' _
In der Sißung des Abgeordnetenhausts vom 1. Zum 1875 hak der Herr KultuS-Minister erklärt, daß er die Frage de_s Pa- tronates für eine vorzuZSn-eise zu erledigende bglte, da'ß dreselbe fich 'In weiterer Bearbeitung befinde und er es fur nöthxg erachte, die vorhandenen Kräfte der LösnZzg dieser Aufgabe_ zu_ widmen; _ In dieser Session ift jedoch in ezug auf dießmßrmgung emes Patronatsgeseßes und den Zeitpunkt, Wann die1e1be tn Llusficht ge- nommen ist, noch nichts bekannt geworden. ' _
Die Unterzeichneten erlauben sich dab r dre Anfrage an dle Königliche Staatöregierung zu xicbten:
ob und wann die Einbringung einer solchen Gsseßeßvorlage
ankkfichftIJZMk' bézieheutlich: wie weit die Vorarbetten ge- xe en sofort dahin, daß die zu beantwortenden Fragen in „dieser schwie- rigen Materie solchen Aufwand von Mühe und Zelt erfordern, daß ein bestimmter Zeitpunkt für die Vorlegung des Geseßes nicht angegeben werden könne. ,
Darauf motivirte der Abg. Schmidt (Sagan) fernen An- trag, welcher lautet:
.Das Haus der Abgeordneten wae beschließen,_ die Staats- regierung aufzufordern, auf die Beseitigung der fiSfali1chen Brücken- zölle baldmöglichst Bedacht zu nehmen.“ _ '
Ter Abg. Wagner (Stargardt) sprach gegen dre Bethe- haktung der Brückenzölle. Nack; einer kurzen Bemerkungxes Regn- rung-Zkommiffars wurde der Antrag der Budgetkommimwn uber- rme en.
sDas Haus beschloß auf den Antrag der GeschäftSordnungs- kommisfion, Namens deren die Abgg. Friße und Kletschke refe- rirten, die Mandcne des Abg. Rickert, welcher zurn Landes- direktor der Provinz Preußen, des Abg. Wiffelinck, welcher znm Krengerichts:Rath, des Abg Bernhardt, welcher znm Forstmenjer mit dem Range der Regierungs-Räthe ernannt 111, der Ab_gg. Kreisgerickztsdirekwr Werner und Landrath Knebel, „Welche ver1eßt fi1d und des Abg. Lehfeldt, welcher zum Stadtgerrchts-Ratl) erz nannt ist, nicht für erloschen zu erklären. Darauf _tvurde be1 Schluß des Blaxtes die Weite Berathung des Etats sorngsth.
_ Berichte des Austvärtigen Amts bestätigen die tele- graphische Nachricht, daß die Untersuchung 'des Handels- amts zu London über den Zusammenftoxz der Dampfer „Jranconia“ und „Strathclyde“ erst dann ihren Anfang nehmen wird, wenn das gegen den Führer der ,Franconia“ eingeleitet? straTrichterliche Verfahren beendigt ist.
Dem Ersuckgen, zu der handelSaleichen Untersnchung einen Beamten des Kaiserlichen General-Konsulats zn London ab- ordnen zu können, iß mlm englischer Seits bereits mit Bereit- wiUigkeit entgegengekommcn.
_ In neuerer Zeit werden Gesuche um Verbesserung des Einkommens, sowie um Gewährung von Gehalts- und PenfionSzuschüffsn und einmaligen Unterftüßungen von (Heiß- lichen und Emeriten väelfältig unmittelbar an den Minister der gsistlichen 2D. Angelegenheiten gerichtet. Da es in derartigen Fäslen immer einer Erörterung und Feßfteüung der thatsäclJ- lichen Verhältnisse bedarf, so wird die Erledigung der Gesuche durch die Einreichung an den Minister verzögert und der Ge- schäftsgang unnöthigerweise erschwert. Die Konfistorien find deshalß veranlaßt worden, die Geistlichen nnd Emeriten hierauf aufmerksam zu machen und dieselben aufzufordern, in dex Folge derartige Gesuche dem Konfistorium einzureichen.
_ Tie „Prov.=Corresp.“ schreibt: ,Das plößlich eingetretene Thauwetter und der dadurch beschleunigte Engang haben in unserem Vaterlande ebenso, wie in benachbarten Ländern große Ueberschwsmmungen und schwere Bedrängnis; aller Art fü'r die an großen Flüffen gelegenen Gebiete herbeigeführt. Dre Weichsel und die Warthe, die Oder und die Elbe haben 1heilweise ihre Ufer überschritten und schwere Verwüstungen angerichtet. Am härtssten iß die Umgebung Magdeburgs, besonders die Stadt Schönebeck an der Elbe betroffen wor- den, wo von 700 Häusern 600 fast voUßändig unter Wasser gesth Worden Kuh und von den Bewohnern unter Zurücklaffung ihrer Habe verlaffen werden mußten In Folge der Schließung
Zeiuxmmßskeuxwärcixn Ve_r*abrm in anderen FäUsn nix!)? véUig ML (Imklxnx 'kkkr, xn'xlE-xrk, kk); „7;er RSZLSL'UKZLkmejfff-lk
aller Fabriken und Wertkhftätten find zugleich Tausende von Ar- beiéexn brotloH. Aehnli e Bedrängnis; tritt m einzelnen Gegen-
den von Ober- und Niederschlefien, Posen und Weßpreußen
ervor. h Die Königlichen Behörden find bemüht, überaU Beißand
und Hülfe zu gewähren, soweit es möglich ist. Der Minifter des Innern steht mit den betreffenden Ober-Präßdenxm m fort- geseßtem telegraphischen Verkehr, damit die erforderxtchen Maß- regeln überall schleunigß und mit Nachdruck ergriffen! werden. Das Staats-Minifterium hat seinerseéis die Schrtxte behufs wirksamer Hülfe aus Staatsfonds alsbald in Erwagung ge- zogen, doch wird fich Vestimmtexes in dieser Beziehung. nament- lich behufs Anrufung der Mitwrrkung des Landtages, erst nach Eingang näherer Berichte über den vollen Umfang des No:!)- ftandes feftfteUen lassen. , ' '
Der öffentliche Wohlthätigkettsßnn aber, welcher güsetttg aufgerufen iß, wird fich gewiß in allen yon dem Unglnck ver- schonten Theilen der Monarchie auch ber dteser Gelegenheit durch schleunige Hülfsleistung bewähren.“
_ Der Königliche Gerichtshof für kirchliche An- gelegenheiten verhandelte heute in der Berufungssache des Superintendenten Meinhardt aus Eammm gegen das Er- kenntniß des Evangelischen Ober-Kirchenraths vom 11. Augnst 1875, welches den Provokanten auf dem Wege des Dts- ziplinarverfahrens wegen Unbotmäßigkeit scmer Ephoral- rechte entkleidete. Der Gerichtshof war znsammengeseßt aus den Herren Ober-Tribunals-Vize-Präfident Wirklichen Geheimen Ober- Iustiz-Rath Heineccius (Votßßender), Ober-Tribungls-Rath Frhr. v. Diepenbrinck-Grüter, Ober:Tribunalö-Vize-Prafident_1)r. v. Schelling, Ober-Tribunals-Rath Hartmann, ObenTrnbunals- Rath Rappo1d, Präses der Rheinischen Provmztalsynode Pfarrer Dr. Nieden (Referent) und ApeUationSgerickzts-Rath Ge- heimer Obcr-Juftiz-Rath Bürgers. _ Die Betufung _wurde von dem Gerichtshof zurückgewiesen. In der Motimrung des Spruches heißt es, daß der Provokant wegen Irrlehre ntcht zur Untersuchung gezogen sei, eine Bxftrafung dieserhalb auch mcht vorliege, §. 68 ac] 6 der Gememde-, Ktrchen- nndSynodal- Ordnung mithin nicht Play greife. Den thatsachlt_chen Jefi- stellnngen des Evangelischen Ober-Ktrcyenraths gegenuber habe dsr Ger'chtshof die Ueberzeugung géwonnen“ daß durch das angefochtene Verfahren nach keiner Rxchtung hm dze Geseße des Staats oder allgemeine Rechthrundsaße verleyt seten.
_ Kirchliche und religiöse Vereine und _Ver- sammlungen zum Zivecke einer gemeinsamen Religtonöubung find, nach einem Erkenntniß des Ober-Trtbunal's vom 11.3anum: 1876, grundsäßlich als solche zu betrachten, m wel- chen öffentlicße Angelegenheiten erörtert werden, und faUen dem- gemäß unter die Beßimmungen des preußrschen Beretns- geseßes vom Jahre 1850. Die Statuten unh Mttglteder-_Ver- zeichniffe derartiger Vereine müssen, wenn _s1e kerne, Korporanons- rechte haben, der Ortsbehörde zur vorschrtftsmaßtgen Kenntmß- nahme vorgelsgt Werden, und die Versa'xnmlungen smd zur vorschriftsmäßigen Anzeige bei der erwahnten Behorde zu bringen.
_ Hiefige Blätter “berichteten in hen letzten Tagen Über einen mittelst gefälschter Postanwe1sungen hter ange- führten Betrug, welcher durch Anwxndnng 1ogenannter smnpa- thetijcher Tinte ermöglicht Worden inn 1131]. Es finYaUerdmgs im Monat Dezember einige gefälnhte 'Po_ftanwet]ung_en _m Berlin zur Außzahlung gelangt; allenn dre wgenannte wmpa- thetische Tinte jpielke hierbei kenwrler Rolle, sondern es haxn- dclte fick) um einen plumpen Betrug, dcffen Thalerufich bereits in den Händen der SicherßcitÖbekx§ckrdc befindst, Wahrend man dsn Mitschuldigen auf der Spnr nt.
_ Wir mackjen darauf aufmerksam, daß_vom 1. März nb die Gebühr für Stadt-Telegramme be_trag_t: 20 Pfennxg Grundtaxe für jedes Telegramm und 2 Pxenmg Worttaxe sur jedes Wort. (Der allgemeine Tartf fur“ Telegramme nn ganzen Reich beträgt bekanntlich 20 Pfenmg Grundtaxe und 5 Pfennig Worttaxe),
_ Der BnndeSraths-Bevollmächtizte, Königlich bayerischer“
Ober-Zollrath Schmidtkonz ist nach München abgereist.
_ Der Kaiserlich rusfisckze Oberst und F1ügel-Adjutant Sr. Majestät des Kaisers, Fürst Nicnlaus Dolgorouckt, ist Heute früh aus St. Petersburg hnr emgetroffen.
Lauenburg. Raßeburg, 29. Februar. Einer _Bekannt- machung des Landraths zufolge wird mit dem 1. Marz 17.3. die voUständige Einrichtung des Vermessungswesens mr das Herzogthum Lauenburg ins Leben treten. Zu denz Zwecke ift das Land in drei Vermeffungsbezirke, Steinhorst Molln und Schwarzenbeck, eingetheilt.
Bayern. München, 28. Februar. ,Die „Alxg. Ztg.“ meldet: Der wegen seiner Thätigkeit in Yerxkalen „BZattern be- kannte, mehrfach und zuletzt wegen Majeftatshelndtgung Hes Deutschen Kaisers vom oberbayerisckzen Schwurgertchte verurthexlte Frhr. v. Linden ist der Würde eines Kammerherrn Sr. Ma- jestät unseres Königs nunmehr enthobxn worden. _ Sttprropst ])r. v. Döllinger erhielt heute zu fernem 77. Geburts'tage von Sr. Majestät dem Könige die besten 61uch1vunsche m .hulh- voUßer Weise. _ Nach telegraphischer Mxxthetlnng aus Rom tß hte Ernennung des bisherigen Gesandten Italrens m Stnttgart, Gxasen Ratti-Opizzoni, zum Gesandten am Königlwh bancrxjchen Hofe nunmehr erfolgt, und wird,derselbe gegen Mute des nach- sten Monats hier eintreffen. _ Wte dcr „Allg. Ztg.“ yon kompe- tenter Seile mitgetheilt wird, find die von dem Sudd. Entre- spondenzbureau verbreiteten Telegramme über den neulxchen Beschluß des Finanzausschusses dex Kammxr der Ab- geordneten nicht genau, da gerade der wichngfte' Thetl des Be- schlusses des Jinanzauöschuffes weggelassen rst. Es nmrde allerdings die Regierungsvorkage_„ bezügltch der wezteren TheuerungSzulage von 210 „17; für ,]eden' pxagmaUschen Beamten abgelehnt, dagegen aber dre btsherrge _ Theue- rungszulage als pragmatischer GrhalLSznschlag erklart, so daß der pragmatische Gehalt eines ]eden Beamten fich nicht aUein um die 5 Proz. der Umxechnung, sondern auch um
die bisherige Theuerungszulage vergrößert. Die übrigen Theile_
der RegierungSUerage bezüglich der Umrechnung der Penfionen, Sußentationen, Bezüge der Lehrer W- „191111? der Exhöhung der Theuerungszulage für das nicht stabile Personal wurden an- genommen. _ Um 23. fiarb in seinem Schlosse zu Tamback) der Graf Manz Karl zu Ortenburg im Alter von 74 Jahren. Als Chef eines ßandesherrlichen Hauses war der Verßorbene erbliches Mitglied der bayerischen RexchSrathskammer, welcher er seit dem November 1831 angehörte.
Sachseu- Weimar- Eisenach. Weimar, 1. März,
(Weim. Ztg.) Ter Großherzog hen den Herzog Paul Frieerick; von Mecklenburg-Schwerin, den Prmzen Heinrich 117. Reuß].L.
und den Prinzen Heinrich T111. Reuß j. L. unter die_ Groß- kreuze des HauSordens der Wachsamkeit oder vom weißen Jal- ken aufgenommen.
Oefterreich=ngarm Wien, 28. Februar. Das Reicthes eßblatt veröffentlicht das Geseß vom 26. Februar 1876 über die Kaiserlich Königliche Gensd'armerie für die im Reichskathe vertretenen Königreiche und Länder.
_ 29. Februar. Im Abgeordnetenhause interpellirte der Abg. Pawlinovic und Genossen den Minister des Innern darüber, ob die österreichische Regierung fiel; mit der ungarischen bezüglich der Behandlung der Flüchtlinge aus Boonien und der Herze- gowina in Einv-“rnehmen gesetzt habe, und wie die Regierung in dieser Hinficht vorzugehen gedenke. Im weiteren Verlaufe der Sisung wurde die Kotirungsfteucr angenommen.
_ 1. März. (W. T. B.) Das ungarische Amtsblatt veröffentlicht die aus GesundheitSrückfickztsn erfolgte Enthebung des bisherigen Minißers für Kroatien und Slavonisn, Grafen Pejacsevicf) de Veröcze, von seinem Posten und die Er- nennung Bedekovichs zum Minißer für Krontien und Slawonien. _ Der Kaiser und die Kaiserin haben weitere 40,000 Fl. für die dureh die Ueberschwemmung in Ungarn heimgesuchten Bewohner gespendet.
Niederlande. Haag, 23. Februar. Nack) den leyken Mittheilungen aus Cannes nimmt die Besserung in dem Be- finden der Königin fortwährend zu, obschon die Kräfte noch nicht vollständig wéeder hergestellt find. Die Königin wird das ganze Frühjahr in Cannes zubringen. _ Die Zweite Kammer der Generalstaaten hat heute ihre Sißungen wieder aufgenommen.
_ 29. Februar. (W. T. B.) Der biSherige Gesandte in Stockholm, A. Mazel, ist zum Gesandten in Lissabon ernannt worden; an seine Stelle tritt in Stockholm van Karnebeek; der bisherige erßc Sekretär
bei der Gesandtschaft in Paris, van Bylandt, wird durch Wittenaak de Stoetwegen, bisher Legationssekretär in St. Peters- burg, exseyt.
_ Hier eingegangenen Nachrichten aus Atchin zufolge iß der Ober-Befehlshaber der dortigen niederländischen Truppen, General Peel, an der Cholera geßorben. An seiner SteÜe hat Engel den Oberbefehl über die niederländischen Truppen über- nommen. Leßtere rüchen weiter vor; verschiedene Häuptlinge der Eingeborenen haben fich unterworfen. '
Großbritannien und'Irland. London, 28. Februar. Der Herzog von Edinburgh ift am Sonnabend nach Ports- mouth abgereist, um das Kommando auf dem Panzerschiff „Sultan“ zu übernehmen. _ Der neuernannte Vize-König von Indien und der neue Oberbefehlshaber der in Indien stehenden Truppen werden auf dem gleichen Schiffe, dem Truppen- FranSportschiffe „OronLes“, die Reise nach Indien antreten. Lord Lytton reift mit seiner Gemahlin am 1. März von hier ab, um fick) über Paris nach Neapel zu begeben, wo er steh einschiffen wird. _ Am Sonnabend empfing Lord Lytton noch eine Deputation von der Manchester Handelskammer, die mit ihm eine Be- sprechung über die Aufhebung der Einfuhrzölle auf B aumwollw aaren in Indien hajte. Wie kürzlich der Marquis of Salisbury, so erklärte fich auch Lord Lntton im Prinzip für die Abschaffung der Zölle, gab aber der Deputation zu bedenken, daß die wenig elaßischen indifchen Finanzen vorläufig einen solchen Ausfall nicht ertragen könnjen. _ Die elf meu- terischen Seeleute, meist Griechen und Italiener, welche den Kapitän und die Offiziere des Schiffes ,Lennie“ ermordeten, find von den franzößschen Behörden an England ausgeliefert und hier vor dem Richter in Bon-Street vorläufig verhört worden. ,_ Wie der „Times“ aus Rangun telegraphärt wird, hat im Gefängniß zu Moulmein eine Erneute stattgefunden, wobei 11 Sträflinge erschossen und mehrere verwundet wurden. _ In Worksop kam es in der vergangenen Woche anläßlich de; leßten Parlamentswahlen zu ernstlichen Ruhe- ftorungen. Um deren Wiederholung am Sonnabend vorzu- beugen, wurden umfassende Polizeimaßregeln getroffen, und auch Militär aus dem nahenSheffield abgeschickt. _ Die a mt [ i ch e K or- respondenz des AUSWärtigen Amtes mit Senor Gutierrez, dedeesandten von Honduras, ist dem Parlamente Vorgelegt wor en.
Frankreich. Paris, 27. Februar. In einem heute veröffentlichten B rief Hält der Minisler des AuSwärtigen, Herzog Decazes, seine Kandidatur znr Deputirtenkammer in Paris aufrecht: er Vertraue fest auf die beßehende Verfassung, in der Hoffnung, daß durch dieselbe Jedermann im Inlande, sowie im YuSlando in der Ueberzeugung von der Mäßigung und Bestän- dtgkeit der franzöfisckzen Republik und der Stärke ihrsr Regierung befestigt werde.
_ 29. Februar. (W. TB.) Don Carlos ift, von dem Grafen von Caserta begleitet, geßern Abend in Mauléon ange- kommen und nach Pau weitergereist. Der Präfekt von Pau hat Don Carlos eröffnet, er könne ihm auch nicht vorüberßehend den Aufenthalt in dem Departement Pyrénées gestatten, doch werde ke_r provisorisch seinen Aufenthalt im Norden Frankreichs nehmen onnen.
_ 1. März. (W. T. B.) Don Carlos hat gestern Abend Pau verlassen, um ßch nach England zu begeben; der Graf von Caserta ist von Pau nach Cannes abgereist.
Spanien. Madrid, 29. Februar. (W. T. B.) Eine Unzahl Deputlrter beabsichtigt, unverzüglich einen Antrag einzu- brxngen, m welchem die Regierung ersucht wird, das Gevict von VtScana und Naourra mit den angrenzenden spanischen Pro- vinzen zu verschmelzen.
Italien. Rom, 22. Februar. Die ,Italie“ bespricht die Spaltungen m der klerikalen Partei Italiens und die Ausfickxten, die fick) darnn knüpfen, wie folgt:
Die klerikale Partei tft. im Begriff sich zu spalten, man kann sogar sagen, daß dxes schon vollendete Thatsache ist. Was noch vor einem Jahre thre Stärke ausmachte, und worin zugleich für uns eine Gefahr'lag, das war ihre Einigkeit im Handeln, eine chht ihrer Dtsziplin. 3th ist die DiSziplin er- schlafft, zum Theil erschüttert, und in Folge dessen hat auch die Einigkeit des Handelns aufgehört.
So lange die Klerikalen hoffen durften, daß die in Italien errichtete Ordnung der Dinge aus Mangel an Boden in "nh selbst zerfallen oder durch eine fremde Invafion umgeftoÖen Werden könnte, blieben sie einig und warteten ab; als fie aber die Beobachtang machten, daß der so pomphast angekündigte ])165 jras nicht anbrach und keine Ausficht auf seinen Unbruch vorhanden war, da begannen die Einßchtigen unter den Kleri- kaleu, das heißt diejenigen, welche die wahren Jntereffen der Religion über die materiellen Intereffen flellen, fich davon zu
unter allen Umßänden zu schmouen, das schlechteßc von allen war und daß man ein guter Katholik bleiben kann, a„uch wenn man einen gewiffen Amheil an öffentlichen Angelegenheiten
nimmt.
Die Fanatiker lehnten fich gegen diese ehrenwnthen Bestrebungen anf und juchten den Grundsaß zur Gel- tung zu bringen: „weder Wähler, noch Gewählje“, in- dem fie ihn feierlich durch den Vatikan proklamiren zu [affen ßrebten. Als aber die Adminiftratiowahxen kamen, nahmen die Einßchtigen unter den Klerikalen daran THeil und ließen die Fanatiker in der Wüste predigen.
Auf dem katholisckzen Kongreß in Florenz wurde die Spal- tung noch deutlicher, Troß aller Sorgfalt, die man darauf ver- .wandte, fie zu verheimlichen. Man sah Katholiken steh auf das Parlament berufen, und man hörte Katholiken der Frage der politischen Wahlen dadurch nähertrstm, daß ste die Nothendig- feit behaupTeten, fick; daran zu betheiligen. Man darf mit Recht sagen, daß seit diesem Tage die Einheit des Handelns und die Einheit der TiSziplin für immer gebrochen waren, und daß seitdem die Partei in zwei Fraktionen, die der Intranfigenten nnd die der nationalen Katholiken gespalten ist.
Viele Liberale erschraken über ein derarjizes Ersigniß und onten darin eine crnßliche Trokyung für Italien erblicken; was uns betrifft, so haben wir es.“- alH anßerordentlich günstig für unsere Suche begrüßt. Uebrigens Waren wir nicht die EIn- zigen, die ein solches Urtheil fäl1ten. In dsr That, die Spal- tung der alten klerikalen Partei, die fie materiell weniger ge- fährlich machte, begründete zu gleicher Zeit für uns eine Art Triumph; die nationalen Katholiken näherten fick) uns um einen Schritt; fie erkannten, so zu sagen öffentlich, die gegenwärtige Ordnung der Dinge an. Das war eine langsame Bewegung zu einer unausbleiblichen Schmenkung. Auf der anderen Seite _ und dies ist für uns ein nencr Vortheil _ werden die von den gemäßigten Katholiken fich selbst überlassenen Fanatiker dnxch ihre Zügelsofigkeifen unserer Sache nur dienen können.
Was gegenwärtig in Bologna vorgeht, ist die erste Wirkung dieser Spaltung; andere Ereignisse werden unser Urtheil bald beßätigcn. Das liegt in der natürlichen Ordnung der Dinge. Anßatt in der Haltung der Bevölkerung von Bologna eine heil- same Warnung zu sehen, wsrden die intranfigenten Klerikalen cs noch schlimmer machen, und das zum großen Vortheil un- serer eigenen Sache. Ihr zügellos reaktionärer Geiß hat Italien seine Einheit vollenéen geholfen und ihm die Sympathien ganz Europas gefichert.
Laffen wir fie also gewähren, [affen wir ße arbeiten für unsere Rechnung, und wir, Liberale, handeln wir mit Klugheit, um die nationalen Katholiken zu ermuthigen, fich um einen zweiten Schritt uns zu nähern. Es wäre ein schwerer Irrthum, wenn wir fie von uns wiesen und fie zwängen, zu ihrer alten Partei zurückzukehren. Freilich haben wir kcéne Veranlassung, uns IÜufionen zu machen und zu glauben, fie könnten von einem Tage zum andern vollständig ihre Vergangenheit ver- gessen; nein, fie werden noch lange Zeit ernstlich mit fich selbst zu kämpfen haben; aber die Einsnht und der PatriotiSmus wer- den schließlich den Sieg davon tragen.
_ Ueber den Eindruck, den die jüngsten Niederlagen der klerikalen Partei in Rom hervorgebracht haben, be- richtet man der „Rat. Ztg.“ von dort unterm 25. Februar:
Noch vor kurzer Zeit hatte man im Vatikan anf zwei mächtig gloriose Siege gehofft, und sah schon im Geiste Spanien und Frankreich in nltramontanen Händen. Aber Tag auf Tag bringt der Telegraph nichts als Hiobsposten aus ihrem Lager. Der CarliSmus ist nun entschieden 10131, die letzte Hoffnung, an die man fich anklammerte, ist von dsr Wirklichkeit graujarn vernichtet. Der CarliSmns hätte zu seiner Erhaltung vor Allem des Goldes bedurft; aber das kostbare Metall fing an gänzlich zu fehlen, seit der Herzog von Modena todt ist und die spanischen Bischöfe mit dem Vcr- luße des Glaubens an den Sieg die Luft verloren haben, für eine desperate Sackye Geld achzu-Jeben. Wenn die „Voce della Verita“ reden dürfte, wie fie wollte, Würxe fie diese geist- lichen - Geizhälje sammt und sonders mit dem Anathem belegen; aber da der heilige Vater auf Don Carlos übel zu sprechen ist, muß fie jchweigen, ja fie darf fich nicht einmal nach Herzenslust über den gräßlichen Skandaläußern, daß die beiden Repräsentanten Sr. katholischen Majestät, welche im spanischen Palaßc inZRom als friedlicheHaungnoffcn zusammen- wohnen, ihre Soiréen gegenseitig besuchen, so daß der recht- gläubige Botschafter beim heiligen Stuhle mit den keßerischen italienischen Ministern und dem beim Könige akkreditirten diplo- matischen Corps in cine für seine Rechtgläubigkeit höchft gkfähr- liche Berührung kommt. Von demselben Kontagium ist auch der franzöfische Botschafter beim Vatikan bedroht, seit der Marquis de NoaiUeH Gesandter beim Qnirinal ist, und die beiden _ übrigens gleick] klerikalgefinnten _ Diplomaten freund- schaftlich mit einander verkehren.
Was aber die Klerikalen tiefer betrübt, als das moralische Verderben, welchem dTe vatikanische Diplomatie anSZeseßt ist, find die franzöfischen ParlamemE-wahlen, deren Ausfall die Klerikalen im Sinne des Wortes verblüfft hat. Wie eine jede von Illufion lebende Partei, hatten die hiefigen Kleri- kalen auf einen vollständigen Sieg ihrer Gefinnungégenoffen in Frankreich gerechnet. Veuillot wurde nicht müde in die Welt hinaus zu schreien, daß ganz Frankreich zu den Füßen des heiligen Vaters liege, nnd Monfignore ananloup gab während seines neulichen Aufenthaltes in Rom dem Papste die bündigßen Zuficherungen von Seite des Marsckzaüs und der Marschallin Mac Mahon, daß die Regierung Frankreich wieder katholisch machen werde. Kein Wunder also, wenn die Nieder- lage schmerzlich empfunden wird. Die Wendung der Dinge in Frankreich vernichtet mit einem Schlage eine ganze Kette schöner Hoffnungen nicht nur in Frankreich selbst, sondern auch in Bezug auf Deutschland, Italien und Spanien. Pius 1I(., in dessen Art es sonst nicht liegt, ernste Dinge ernst zu nehmen, soll“ das Resuljat der französtsckzen Wahlen für eine Art Gottesgcricht erkläxt Zaben, gegen welches es vergeblich wäre, frei; zu sträuben, und er klerikalen Preffe war durch einige Tage ihr Latein aus- gegangen. Der Schlag ist ein so harter, das; kleine Unfälle, wie die belgischen Skandale, die Mißerfolge des Kardinals Manning und die vom Grafen Andrafft] aus Rückßcht auf Deutschland und Rußland verfügte Unterbrechung der galizischen Triumph- reise des Märtyrers Ledochowski, unter der Wucht dieses Schla- ges kaum empfunden werden.
Werden auch nicht deshalb alle Hoffnungen auf Frankreich aufgegeben, so seh_n die Klerikalen doch ein, daß vorläufig auf die Franzosen nicht zu zäJlen sei, und täusche ick) mich nicht ganz und gar, so werden fie fich vor allem in Italien zu
revanchirén suchen. Möglicherweise kann die Nicderlage in Frank-
] üerzeugen, daß das System, welches darin besteht, immcr nnd ! reich der Anlaß wcrden, daß Zn Imkien die Frage der Theil-
nahme der Klerikalen an den politischen Wahlen früher zur Lösung kommt, als man es sonft bei dem Starrfinn Pius' 1)(. erwarten durfxe, Nachdem von Ocfterrcich nicht§ Großes für die Kirche mehr zu erwarten ist und die Restauration der Bour- bons in Neapel auch eben nicht in naher Ausficw steht, so könnte die heilige Penitenziaria unschwer kin je!,"nitix'ches Kunststücklein er- ftnden, um das zarte Gewissen der Klerikalen zu bsruhägen. Schon heute sagen die Klerikalen, daß fie den jetzigen RechtHznftand in Ita- lien nicht anerkennen, sondern fick) in denselben nurzwangsweise fügen, um ihn desto ficherer mit aklen Rechtsmitteln bekämpfen zu können. Mit einigem scholastischenScharffinn ist dies e Prinzipienerklärung so dehnbar wie Kautschuk zu machen. Warum soUte man nicht, mit Aanahme dsr ehemals päpstlizkzen Provinxsn, in denen die Klerikalen ohnehin keine Aussicht aufErfolg habén, Ten klerikaan Wählern der übrigen Provinzen gestatten können, das Parlament mit gut klerikalenTeputirten zu bevölkern? Ein kléines scholaftisch2§ Knnßftück der Penitknziaria kann ja da alle Skrupel beschmichtigen. Eine schöne klerikaleMajorität im italienischen Parlamem wäre ja dock; wenigstens so viel wert!; als im franzöfisckzen, vieUeichr sogar me17r, denn ße wäre im eigéntlichßen Sinne des Wortes „6111- 1131136* und die unblmige Restauration dcr we1211chen Pnpftherrs-anft, sobald ßck) ein klerikales Ministsrinm zur anführnng eines solchen Besch1uffes fände. Es wäre wahrlich der Mühe werxß, Ein solches Experiment zu machen, vorausseseßt nämlickg, daß der Vatikan Überzeugt ist, daß die Meknhiit des Landes klerikal sei. Ick) denke aber, daß der wirk11che Grund der Enthalmng-Zpoxitik des Vajikans eben nnr die Ueberzsngung vom (Zegenthsil und die Fnrckn vor einer kapitalen Niederlage ssiner Partei sei, und daßddie Enthaltung nur deshalb zu einer Prinzipéenstagc gemaézt wer e“.
Dänemark. KopenZJ-agen, 28.Febrnar. Das Land?- thing nahm in seiner Sißnng am Sonnabend den GeseHenTwurf, betreffend die Gehälter der Beamten der Vokkskirckze, in dritter LSsung und mit mehreren, rom Knltns-Minifter gesteUten Aenderungsanträgen mit aUen gegen 1 Stimme an. Tat Gcseßentwnrf gskzt nunmehr an das Folkething. _ Auf der TageMrdnnng dss Folkethinges stand am Sonnabend die dritte Lesung des GcseHentwnrfes, bekreffend die Organisation der Seewehr. In namentlicher Abstim- mung wurde der Geseßentwurf mit 53 gegen 2 Stimmen an- genommen; 45 Mitglieder waren abwesend. Die dritte Lesung des Geseßentwurfs, bktreffcnd die Veohnchkung der Sonn: und Feiertage dec Volkskirche, gab zu einer lebhaften Debatte Veranlaffung. Der von O. Christensen und Genossen gsfiellte AenderungSantrag, daß an Sonn: und Feier- tagen nur die Läden nach der Straße zu g€schloffen zu halten und der Straßenhandel zu verbieten sei, wurde von dem Fähre»: der Linken, J. A. Hansen, der fick.) den Ausführnngen des Justiz- Minißers anschloß, heftig bekämpft, und das in der zweitkn Lesung angenommene unbedingte Verbot aÜen Handels beizu- behalten empfohlen. Nach Zurückziehnng dieses Amendemsnks fand der Gesetzentwurf mit 64 gegen 1 Sximme Annahme, und geht derselbe jth an das Landsthing.
Türkei. Belgrad, 29. Februar. (W. T. B.) Die Rc- gierung hat ein Verbot, betreffend die Ausfuhr von Gex, tre_ide, erlassen.
VereinsWefen.
Der Verein gegen Verarmnng hielk am Montag Abcnd untcr dem Vorfiße d(s Stadtyerordneten-Vorstehch ])1'. Stmßmann seine diesjährige Generalversammlung im Bürgsrsaalc des Rall)- hauses ab. Die AUfLZÖLkUUZSU an den Versin find nach dem ven dem Vorüßsnden erstattsk-sn Gcfchäft§baichr im vc-rigm Jak)": 111 außsrgswöhniicher Wéise aestécgkn, dabei haben die Dar1c1xsn gszcn das Vorjahr um ca. 12,000 „ckck abgenommen, Kié G:?Éenke dagsgcn um ca. 10,000 «M zngcnommen. Auch die GLsUckIL nux Bewillißnng von Nähmaschinen smd erheblich hinter Dim Vorjahr zurückgebliebm. Gcgsnüber den erhöhten Anforderungcn an xen Bkrsin smd Die re,;el- mäßigen Beträge nicht in demselben Maße gestiegen, _ Was rée
finanzieüen Resultate anlangt, , so stellen fick) die Ein- nahmen des voxigsn IIHXCZ [*exm Vorstand und kon Lakai- (Tomités wie folgt: Bestand 73,189,34 „xs. Vcéträ-gs, Ge-
schenke :c. 87,396,74 .“, Lsgat des verstorbch MnfikdirckMs Conradi 26,325,17 Ml., Rückzahlungen der Unterstüstch 53,93221 „xx, Zinsen 2971,» „;ck, Affervate 55,75 „ckck, Summa 243,7d0,86 „M Aus- gegebea wurden dagegen: Darlehne, Geschenke :c. 137,713,c»; „45, Mr- waltungskoften 21,484,47 «sz, Summa 159,197,53 „16. Im Laufe des vorigen Ja;;reZ find 305 Nähmaschinen ausgkgeben (77 M::“ger als 1874), xeit dem Bestehen des Verxins 1839 Ma- schinen. Von _ ÖM im vorigen Jahre bewiÜi-ztén Näh- maschinen mußten 41 zurückgenommen werden, Weil die Empfänger die le1chlag53nblungen böswiÜig vorweigétéen, 22 Wurden freiwillig zurückgegeben und 10 von den Empfängern widerrecht11ch vcxkauft resp. verscßr. An Darlckycn Waxden vsrauögakt an 27 Pérfonen 6978.42 .F. in Posten von 30-1200 „16, an GUT- untexstüßungen als Geéchenke an 49 Personen 1161,» „!(-. in Posten von 10-95 «M; laufende Unterstüßnnsen an 6 Personen und an Tcn Kinkerscbußverein für 9 Pfleglingc 104_1,70 (FC:, an Almosensmpfänger, für Wejchcx vom Prinxcn Georg cine beyondexe Untästüßnng ausgecht ifi, 919,58 „xz, und R2chtöxchuß wurde 'in 3 Fällcn gewährt, wo es sich um Entschädigungxn wegen Körncrverlcßuva handclte. Nachdem die Reckonung des Vorjtnndcs dxchargirt, le„te 1)1', Stxaßmnnn wogen Ablaufs der Wahlperiode das Amt a1s Vorfißcnder nieder, Wurke indessen einstimmig wiedergewählt.
Gewerbe und Handel.
Die Berliner Jmmoöilien - Gesellschafk vertk).ilt nacb dsm Beschluß dcr gxstrigsn GmeraWersammlnnz 6.321, Dividsnds. Aus dem Bericht des Auffi1tSratHes entnehmen wic Folgendes: Die in dsr Generalveriammlnng vom 26. Januar o. J. beschlossene Zn- sammenlcgung von je zvoei 50',.x,igen Interimßsche€ncn in eine Vol]- aktie, ist vvn dem größten Thexle der Aktionäre_bcrcits voüzcgcn worden. Auf Grund der uns von der Gcneralvcrxammlung vom 2. März 1875 ertbeiltcn Ermächtigung wurden zum Zancke Dkk Amorti- sation 1.201.200 „411 5070198 Jnterin1sjcheine : 600600 «;ck Vou- aktien und 50,400 4461 Vollaktisn, in Summa 651,000 _.xx. Vyüaktien angekauft, und dafür 560,138 „x(. 80 «1 verausgabt, 19 „daß gegen den Nominalwsrtk) ein Gewinn von 90,861 „;ck 20 „) erzrelt, wcxdcn ist, der zu außergewövn1ichcn Ausgabén thkils vcxwenrcz thejls reser- virt worden ist. Zur theilweifea Deckung dkr crsorxerlxcln'n _Bsträge wurden auf die bisher schuldenfrcien 6 Häusßr (m der stadtiscbcn Feuerkaffe mit 805,050 „M styhend) vom B_erlxner_ Pfaukkrief-Amte 450,300 „Fk 4:10/0ige städtische Pfandbriefe aurgenommen, deren Begebung eincn Cours- und Zinsengewiun von 6025 „;ck. 45-94 knackte. Der Hypothékenstaud per 1875 bat fich demnach nur um die stäkti- schen 5 fandbriefe erhöht, nämliä) von 681.000 „FI. anf 1.131,300 „M Die ietbseinnahmcn erhöhten fick) Pro 1875 auf 258,88? «16. 20 „_3 gegen 247,689 „M in 1874. Für Renovationkn und Reparaturen smd bis jetzt 64,141 «FH 25 „5 yeransngbt _wordan; für noch nicbt fest- gefieÜte Rechnunßsbcträge, xow1e_ fur kunftige Renovationen und außer- ngvöhnliche Axxégaben wexden nn_ Ganzen 20,00) „M reservirt. Jm Teber des Gewinn- und Veclunkcnto findet fich ein Posten von 1896 „FH für. nnbtx'äßlia“) kxxnblke Gewerbestxuer. Von dem Gewinne
am Amortisaxionskaufe wurden an außergewöhnlichen Außgaben bc-