Den lesten Gegenßand der TageSoxdnung bildete die mie Lesung des Gesehentwurfs über die V'ertheilung de_r öffentlichen Lasten beiGrundftück'stherlquxn und du Gründung neuerAnsiedelungen in den oft'l1chen_Pro- vinz en. Die Abgg. 1)r. Frhr. v. d. Golß und Schellqu empfahlen, die weite Lesung im Plenum vorzunehmen. Der Abg. Dr. Ham- ma er lenkte die Aufmerksamkeit des Hauses auf eine Reihe voti Be- denken, die sich auf Spezialbeßimmungen der Vorlage bezteherr. Namentlich sei §. 19 geeignet, durch die Unterschei- dung von „Kolonien“ und „Anfiedelungen“ Kontrovsrsen über den Begriff „Kolonie“ hervorzurufen und die Begehr- lichkeit der Gemeinden zu wecken, indem man die. Gruu- dung von Kolonien von drr Genehmigung der OrtSpoltznbehorde abhängig mache. Ueberdies sei gar kein Grund vorhanden, das Eesey nicht auf Weßfalen auszudehnen, wo Janz ahnliche Ver- hältniffe cbwalten, wie in den östlichen Promnzen. Er empfahl aus den angeführten Gründen die Vorberathurig der Vbrlage in einer beionderen Kommission von 14 Mitgliedern. Hierauf ergriff der Staats-Minißer ])r. Friedenrhal das Yorn
Meine Herren! Die Beurtheilung der Vorlage 3211ens_d_cr Herrsn Vorredner War, was dir rrinzipicÜeu (Kesicbxé-vqukte anbeirifxt, eic? iolche, dar": icb eine Verarlasiung nicbt babe, dic"- rriuzrrislley Gefisbtsruxktercr Jdnen zu rechtiertigen ugd ;11 bcleuchten. Soweit dies nörbig skin icUrr. wird iich bei der Vsrbandlung der emzelnen Beßimmungeu Gelegeabeit dazu bieten Nur einige Exnwsndungep, welcbe namenilich dsr ÖM, Vkrredner bcrvorgebobm bar, und dre mir aßgeuwincter Natur zu 1ein scheinen, veranlanen 1111119. das Wort zu ergreiisn. , . _ _ _
Was zunäébft rie Nichtsriireckung des Geltuugxbereicbeö 1716126 Gesexzes auf die Provinz Writialrn [*rrrifft, so hat sie keinen m_:kcrn Grund, „119 den auZdrücklicb in den Mctiveu bnvrrgrbbbeneu, dar; für Westialeu nur ein Tbril der betreriendea Bestimmungen anwmdbar ist, da!": es resbalb besser erschien, kisMaterie für Westkaléu in einem Spezialgeießr zu crdusn Ick [*emyrke abcr auSdrückiicb, daß, wmn in dem bobcn Hani? der Wunsch obwalteu *„ollre, von die1esn Bedey- ken abmieben und Writialen mir der ericrderlicben EiniÖmnkung _m den Béreicb des (556161326 bineinzuzirhen. auf Seiten dsr Staatsregie- rung in rieisr Beziehung Hindemiffe in keinsr Wsiic obwalten.
Was den Pumkr wegen der Kolonien betrißt, deu a_uch „dsr Hr. Abg. Frhr. v. d. Geiß eriräbme, iO wiki icb riese MatrNr blk]: nxchi approivnkireu, :ier das Eine rnécbte fck korb brrvorbeben, dgß die ntjo 195315 für di? Kolonie einc weiertlich andere ist, als fur die eimelne Amisdclung. Bsi der Nnüedslung handelt 9-3 fich na?) mei- nen": Dafürhalten darum, ein Grundrecht des Einzelnsn zu 1chÜßen und nammilicb rin Grundrecht dosjonigen' wrmgrr vermögenden Staatkksrxgsrs, wriÉer aui dieiem WSIS 'zu einem eigcnén Hecrd rind einer eigensn Hsimstätre gekanzcn will, Bei Anlegung vou. Kolonien handelt es fick) razegsn mehr um Uni?:nxbmrmgeu von ZLWlffkrmxßéu sveknlativ-wixtbicbaitliÖer Brdeutunz. Es bandelt 171211 um die An- lage von Etabliiismcms, welche, wcnn '"i-x wirkiicb Kolonien smd und nicht nur einiZe rvenigef zerstreute Ansiedelun- gen betrrffew. 2511211 Einfluß „U17 d1€ _Stamm-Gememden ausüben könncn. w:“lcbcr io stark ist, dai; cs zum (“.;-ckW- dieier Grmrinden unerläßlich ist, gewéffe Kommunalvxrbältniffs, uameuriich die Srbul- und Kirckxenrerbälrniffe, vorher zu regeln, Vsrbäimiffr, daten Qrduuvg auch für di? einzelnen Anüédxér, die der Kclcuir angcbéren, von bxrvrrragsnder BrdéUrung iii. Ohne dax"; ich dssbalb in disicm Stadium der Frage Oräj4diziren 111511712, bielt ich mich korb „71'11: rerrxiiicbrei, rie sebr- mssentliche und rrinQpieÜe Ver- fchiedrnbxit drr Krleuiea uud eivzrliirn Anäsdeluugeu bsrvorzubebkn. D:: writerén Verbandlang mas cs Übsriaffep kleibsn, vieÜeicbt in einer icbärirreu Weise zu reänéren, ww die Grenze zwischen der einen und dsr ankere'n Kursscrie 31: ziebrn ift. Ani diesem WSIS, mrine ich, wird vieU'eicbt dis V&rinigung drr gegenüberstehenden Anfichten fich am ersten ffndsn.
Wa? Tie Zsicbäirlicbs Vébandlung dsr Sache betrifft, so übnkaße ck es ganz dem beben Hanks, ob Sie eiue V:“rbandlung im Pleaum Oder in drr Ksmmiiffru vorzieben, mir um eines möckyie icb birisn: die Vsrbardiung iv zu iördrrn, daß dx? 0531825 u1irer allen Unsiändru LOF“ iu disser- Sei'iku zur Vcslsudng gelangr.
Tas Haas brichloß, dsn Entwurf einer brsonderen Kom- uchiifibn von 14 Mitglirdern zU Übermriien. Sch1Uß 3 Uhr.
Näcbße Sixarig: Tienßaz 11 Ubr.
_ In den deutschen MÜnzftätten find bis zum 26. Februar 1876 grprägt: au Goldmünzen: 1028700040477. Doppelkonen, 310812860 :ké Kronen; Hiervon anf Privat- reckznung: 121912823 :X; cm Silbermünzen: 31.702.220 :ié 5-Maxküücke, 118351441 .16 1-Mcrrk'ftücke, 16.808224 ;ié _ „) W-Piednigßücke, 21.262.573 4-6 60 „35 20-Pfenriigstücke; cm Nickelmünzen: 14.274 5132 :X 80 „„A 10=Piennigftücke, 8.296.906 .,“ _ „) 5=Piennigft1icke; an Kapierrmänzen: 5,025,772 && 22 ,:3 2-Piemiigftücke; 2.627.952 &“ 83 ,x) 1-ernnigftücke. SesammraUé-prägung: ar Go!?)münzeri: 1.339.51290) ;ié; an Sisbermürizkn: 188154458 ML 60 H1; an Nickelmkmzerr: 22.571.468 «76 80 „„A; an Kupfermünzen: 7,723,725 »;L 5 H-
_ Nack; dsr vom Reich-Eiienbahaamt heraUH- gegebe-nerr, in der Heurigen EMM Veikagé veröffentlichten Nack)- weisung warderi im Moriat Iamrar d. I. aui den unter 63 verschiedenrri VérwalrUnZen steheiiden Eiseribabnen Temschlands excl. BQUSTNS mi: sirixr Geiammrlänge von 24,151» Kilometern befördert: cm iabrplanmxizizen 3013?" 11,221 COUkiék- Und SchneU-. 74 83.9 Psrirnen-, 31,823 gemiiche Und 68,723 Güter- züge: (in arxi:er*iabryianm5ßigen Zügsn 698 Personen: und ge- miichte UNd 12.277 Güterzüge.
Irn Ganzrn 117117061? 563847364 UchHkikom :rr bewegr, von denen 142.416 613 AÉZki-someier auf die fahrplänmäßigen Züge mit VerionenbsibrderUng EntiaUen.
EH VSW'IÜTSTLU von dsn 117.983 fabrpkanmißigcn Courier- und Schn€li:, Prrixrxkn- Urrd gemisrhrsa ZÜJEÜ 2075 Züge, oder 1,75. Proz. _ Von dieirri Vexipämnßsn wnrden jedoch 665 durch da-Z AÖWITTCK vsribäxexrr Anickzlbßzügr- bervorgrrufrn, so daß ÖULch im eigznrn Bmiebr der Babnerr liegendr Ursachen 1407 Vzriväurwzm bei 1,;-_. Proz. der br-ibrdr-risn Z:";ge ent- standen. Von Narbibriligsm Einüuß war (111113 im Januar wiedsr der Srbnxeiab'. dUr-é; welchen in 337 JäUr-n Vérspärnngrxr ber- vokgernisn wiirdéri,
In Jolxe dsr Vkrivärungrm wurden 432 Anicbsüffe versäumt.
In dernislb .1§Ü*7(:1.rrrx deH Vrrjaer verspärexrxr (111.752 Bahnen darth inr Kaneri Bsirérb; [irgende Uriachen 120.3 Züge, gleich 0,5; Pr:z. der béibrdxrisn 35138.
_ Tsr EvangeTZi-Ée Ober-Kirckzenrath in Berlin iß, na-I einem Crksanxniß TLS Ober-Tribunals vom 28. Fkbruar d, I., im Sinne “dsr vrMßisckge-n Gesrtzgebrmg und deH Rriéé-Srraigeiéxburbé alS Staat-stbbrde im wei- terer: Sirine 311 erachrM, urrd di; AUffordSrUng zum Unge- hori-um JSZM Anordnungxn ÖSH Lber-Kirckzénraths iß demnach cmi Grund ds?- (3. 110 dr?- StraigesbeuäzH 314 bestrafen. _ Der Hnaxégsésr Und Redarteur dsc Kreuzzeitung, Philipp von N::ZuZys-Ludbm, wurde bekanntlich vom Kammer-
gerich1 MIM Beleidigung des annzeliickzen Qber-Kirchen- mhz Un: mzm Auffordsrung zum Unzehorsam gegen von drm QbuKirÉenrxth getroffxne Anordnungen zu schs WUÉM Gxiärigniß veruriheilt und ssine da-
gegen eingeéegte Nich2iZkeirsbeichwerde wurde U::U Qber-Tribunal
zurückgewiesen. Das nunmehr schriftlich anagefcrtigte Erkenntnis; des höchsten Gerichtshofes äußert sich über den in der Nichtig- keitsbeschwerde erhobenen Einwand, daß der Evangelische Ober- Kirchenrath im Sinne des §. 110 des Strafgeseßbuchs richt als „Obrigkeit' anzusehen sei, im Wesentlichen folgendermaßen: „Durch die Allerhöchste Ordre vom 29. Juni 1850 iß beßimmt, daß die Abtheilung des Minißeriums der geißlichen Angelegen-
heiten für die inneren evangelischen Kirchensachen , unter Beibehaltung der von ihr bisher aUSgeübten .und durch das Reffortreglement näher bezeichneten amtlichen
Befugnisse, in Zukunft die Vrzeichnung Evangelischer Ober- Kircbenrath führen sone, und in dem beigefügten Reffortreglement iß bestimmt, daß der EvangelischeOber-Kirchenrath an die Stelle der mit der Leitung der inneren evangelischen Kirchensackzen be- auftragten Abtheilung des Ministeriums der geistlichen An- gelegenheiten trete, zum Reffort desselben die nach der Instruktion vom 23. Oktober 1817, der Allerhöchsten Ordre vom 31. De- zember 1825 und der Verordnung vom 27. Juni 1845 den Konfißorien Überwiescnen Angelegenheiten gehören und der- felbe in alien diesen Angelegenheiten die Befugnisse der höheren Instanz und das Recht der allgemeinen An- ordnung inncrhalb der beßehenden Gesese und Verord- nungm ausüben solle. Unter den im §. 1 des Reffort-Régle- ments dem Ober-Kirchenrath Übsrwiesenen Angelcgenheiten smd unter Anderen genannt: die Auffickzt Über den Religionsunterricht nach Maßgabr des zur Aquührung des Art. 24 der Verfassungs- urkunde ergebenden Unterrickzrsgeießes, die Aufsicht über das kirchliche Prüfungswesen und die Vorbereitung zum geistlichen Stande, die Beschwerden über Pfarrbeseßungen und die Veseßung niederer kirchlicher Aemter, die Bescbwerden über Anmaßung oder Vrrmeigrrung pfarramtlicher Handlungen Seitens der evangelischen Geißlichen u.s.w., Angelegenheiten, welche nach derälteren, wie nach der neuesten Geseßgebung der Ordnung durch dis Staatsgewalt miter- liegen. Der Ober-Kirchenrath, eine von dem Könige als Trager der höchßen Staats: und Kirchengewalt eingeseßte und zur Wahrnehmung von verschiedenen Funktionen der Staatögervalt berufrnen Behörde, ist hiernach als Obrigkeit anzusehen, und die Anordnungen, deren Erlaß innrrhalb der Wii dem Ressort- Reglemeut bestimmten Zuständigkeit ihm auSorücklich übertragen ist, fallen unter die VorausseYungen des § 110 des Straf- Geseßbuch, ohne das; es darauf ankommt, ob dem Ober- Kirckzznrath die Eigenschaft einer Staatsbehördc im engeren Sinne beiwohnt, und ob die bisher noch nicht gesetzlirh durch- geführte Selbständigkeit der Kirche künftig einen Eiiisluß auf die “Stellimg des Ober-Kircbenraths üben wird.“
_ Tie Geburt5urkunde hat die Bestimmung, nicbt aUein die Geburt eines Kindes von dem bezeichneten Geschlecht und die Zeit der Geburt, sondeni auch die Beziehungen deffelben zu einer bestimmten Familie zu beurkunden. Eine vorsäßlickge falsche Angabe in Beziehung auf die Mutter oder den Vater des Kirides ist demnach als cin Verbrechen in Beziehung auf den Personenßand (§. 169 des St. G. B.) und als inteUektueÜe Urknndenfälschung (§. 271) zu bestrafen. Erkenntnis; des Ober-Tribunals vom 11. Februar d. I.
_ Ter Königlich preußische Gesandte in Oldenburg, Prinz zu Ysenburg, hat sich an einige Tage nach Vraunschweig begeben, woselbß er gleichfalls beglaubigt iß.
_ Ter :reuernaunte. Gesandic bei den Großherzoglich mecklenburgischen Höfen und bei den Hansestädten, Geheime Legations-Rath von Wenßel hat fich von Hamburg nach Schwerin begeben und daselbß am 28. v. M. Sr. Königlichsn Hohsit dem Großherzogs sein Kreditiv in besonderer Audienz Überreicht.
_ Ter Kaiserlich russische Oberst und Flügel = Adjutant Sr. Majeftär des Kaisers von Rußland, Fürst Dolgorucki, ift vorgestern Aberid wieder nach St. Petersburg zurückgekehrt.§
Bayerm München, 3, März. (211113. Ztg) Tie Kai- serin von Oesterreich ift heute Morgen um 6 Uhr hier rin- gerroffen und wird morgen Vormittag ihre Reiss nach England iorffeßen. Herzog Ludwig von Bayrrn und die österreich1sch- Ungarisch€ Gssandisrbaft haben Ihre Majeßät empfangen.
Württemberg. SrUttgart, 5. März. Der König hat unter dem 3. d. M. den Minister der JamilienElngelrgenheiten des Königlicheii Hauses smn landesherrlichen Standrs- beamten in AuHiÜhrung dss §. 72 des Reich6geseßes vom 6. Februar1875, herreffend die Beurkundung des Perionen- ftandrs und die Ebesckzließung, ernannt.
Baden. KarlSruhe, 4. März. (W. T. B.) In der heUtigen SiYUng der Zweiten Kammrr Wrde die Eisenbahnfrage durch eine von kserika1cr Seite aus- gegangene InterprUaTion g(eichfakls zUr Spracbs gebracht. Tarek) den H.1ndel§-Minifier Trirban WUrde Namens der ngierung erklärt, die Frage Über Erwerbimg der Eisen- bahnen durch das Reick) sei der Regierung bis jeßi in
keinerlei, auch mrr vorbereixenden Form vorgelegt worden, dirselbe iei dahrr auch nicht in der Lage gewesen, darüber 17111) auszusprechen. Selbitverftiindlich vsrmbge
die Regierung Uicht zu sagen, Miri)? SteUUng sie zu künfxig eintrktendrn, zur Zeit weder der Form noch dem Imbalte m:!) ibr bekannted Vorgängen im Staates: oder Reichslehen Einnehmen rr-c-rde, fie müffe vielmehr ibre Eritsckziießung bis da- hin sick) vorbebalten, Wo ein Anlaß dazu in grsifbarer Weise eintrete und wo eine PrüfUng und Abwägung aller einschlägi- gen Verhältnisse und Interessen möglich sri. We1chohen Wert!; der Besiß und die eigsne Verivaltung der Eisenbahnen für das Land habe, wrrde die Regierung bei einem solchen Anlaffe vor Allem im Auge behalten. An die Erk[ärung des MinißerÖ wurde eine weitere Diskussion nicht geknüpft.
Mecklenburg = SchWerin. Schwerin, 4. März. (W. T. B.) Ueber die Ablösung aller Stolgebühren für Trammgen und Taufen und Über die Erm-Zßigung der Begräbnißgebühren ist, nachdem die Comités de-J Landtcigs vorher mit den landesherrlichen Kommiffarieii kon- ferir: hatten, eine vollständige Einigung erreicht. Bei der Ab- stimmnng ßimmten 75 Landtagémitglieder für, 10 gegen das bszüglickze Ubkommerr; die Zusiimmung der Regierungen zu dem [exterM ift g€fichert.
Oldenburg. Oldenburg, 3. März. Die Neuwahlen zum Landtage find au9geschrieben, bis zum 23. d. M. soÜen die Urwähler zur Wahl der Wahlmänner in den einzelnen Ge- meinden zusammenireten, die Wahl der Abgeordneten ift inner- haZb dert ftaaisgrundgeseylickzm Frist auf den 20. April d. I. an eraum .
Wien, 3. März. Der bisherige außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister der nord- amerikanischen Vereinigten Staaten am Königlichen und Kaiser- lichen_Hofe, Godlove S. Orth, wurde heute Mittags von dem Kais er in Abschiedsaudienz empfangen.
_ Das Reich6gesesblatt veröffentlicht die internationale Meterkonvention vom 20.Mai1875.
Oefterreich-Uagarn.
_ 4. März. Der Kais er empfing heute Mittag den neu ernannten deutschen Botschafter, Grafen Stolberg, und nahm desen Beglaubigungsschreibcn entgegen. Graf Stolberg wurde vom Kämmercr des Kaifsrs, Major Fürßen OdeScalchi, in einem Hofgalawagen in die Hofburg eingeholt, Der Ober- Ceremonienmeifter Graf Hunyady empfing den Vot- schafter beim Eintritt in die Hofburg, und wurde der- selbe darauf vom Oberß-Kämmerer IZM. Grafen CrenncvilTe zum Audienzzimmer des Kaisers geleitet. Nach Ueberreichung der Kreditive wurden auch die Mitglieder der deutschen Botschaft, VotschaftH-Rath Graf Dönhoff, der Botschastssekretär v. Tümp- ling, der Attach€ Erbprinz von Ratibor, der Militärattaché Hauptmann Graf KeUer vom Kaiser empfangen.
_ Wie die „Politische Korrrspondenz“ meldet, werden die in Wien erwartkten Ungarischen Minister daselbst nur 2 bis 3 Tage verweilen. Dieselben werdrn aber in der zweitsn Hälfte des Mona» behufs Fortsetzung der Verhandlungen aber- mals in Wien eintreffen.
_ In der heutigen Sitzung des Herrenhauses wurde die von der österreichisch-ungarischen Regierung mit Rumänien abgeschloffene Handelskonvention genehmigt. Im Laufe der De- batte erklärte der Handels-Minifter v. Chlameckq, daß die öster- reichiich:ungarijche Regierung bezüglich des Art. 6 der Konvention nur die Auffassung gelten (affe, daß alle aus irgend welchen Gründen den anderen Staaten gewährten ZoUbegünstigungen auch Oefierreich-Ungarn zukommen müßten, und daß Oeßerreich- Ungarn eine eventuelle entgegengesetzte Lluffaffung Rumäniens als Vertragsbruch ansehen würde. Die Regierur-g werde in solchem Falle die Rechte und die Ehre Oesterreichs zu wahren wissen. Darauf wurde das Geseß, betreffend die Emission der Goldrente, berathen, und nach längerer Debaite angenommen. _ Auf die gegen das Geseß gerichteten Ausführungen des Grafen Leo Thun, welche eine scharfe Rüge des Präsi- denten zur Folge hatten, erwiderte der Jinanz-Minifter de Pretis, es sei unrichtig, daß die Steuerkraft Oeßerreichs er- schöpft sei, wohl aber entziehe fich ein bedeutender Theil der Steuerzahker der Steuerpflicht, ein Uebelftand, der nach An- nahme der Steuergeseye hoffentlich beseitigt werden würde. Das Herrenhaus nahm sodann die Geseßentrvürfe, betreffend die Er- Uöhung der StaatHgarantie für die Kaschau-Oderberger Bahn, bctreffend die Kotirungsfteuer für die Wiener Börse und be- treffetid den Ankauf der Tnießcrbabn, an. _ Hierauf vertagte der Minister-Präfident im Auftrage des Kaiser?- den ReichSratl).
Pest, 4. März. In der heutigen Sißung des Abgeord- netenhauses richtete Mickxael Polit an den Minister:Prästdenten folgende ausführlich motio'irte InterprUation: „In Anbetracht, daß die Note des Minißers des Uenßern in Angelegenheit der türkischen Reformen für di? Monarchie und Ungarn von großer intérnationaler Tragweite ist, frage ich: 1) Ist die Note des Grafen Andras!) vom 30. Dezember 1875 mit Zußimmung der ungarisckzen Regierung verfaßt? 2) Billth die ungarische Re- gierung das in dieser Note enthaltene Prinzip der Einmischung in di; inneren Angelegenheiten der Türkei? 3) Welche Haltung
- gedenkt die; ungarische Regierung einzunehmen gegenüber einer
eventueilen weiteren Verbreitung des Aufstandes, falls die Pazi- fikation nicbt gelingt, und Serbien an dem Aufstands Theil nimmt? 4) Sind Vereinbarungen zwischen der ungarischen und österreichischen Regierung getroffen worden wegen Rückkehr drr auf ungarisch-kroa1i1'cher1 Boden geflüchtetcm christlichen Fa- milicti?“ _ Dic Iritérpellarion Wurde dem Minister-Präsidemen zugefteUt.
_ Tie Minifter Tisza, Székl und Simonyi reisen mor- gen mit dem Courierzuge nach Wien.
Niederlande. Haag, 2. März. Die Niederläüdische Zweite Kammer bat fick) seit ihrem Zusammemritt mit der zwi- schen England, Frankreich, Belgien und Holland abgeschlossenen Konvention Über Behandlung der Zuckerfabrikation bescbäftizt. Tie Vrrhandlimgrn haben im Laufe der Debatten einen vsrméckektsn Charakter angenommen, indem zunächst ein Amendement wegen voÜftändiger Abschaffung der Zucker-Accise und spätsr ein darauf bezüglickzer Geseyentwurf Seitens einiger Abgeordneten eingebracht worden ist. Die Annahme dieses Entwurfes präjudizirt freilich nicht dis Beschlüsse über die Konvention, würde jedoch einen AusfalL im Budget von 5 Millionen GUlden zur Folge haben, ohne ein Arqnivalent dafür zu gemäbrrn. Tie Kammer hat mit Rücksicht auf die Tragweite dikssr Anträge beschlossen, dic Frage zunächst in den Abtheilungcn berarhen zu [affen und die Verhamdlungen im P[e1mrn bis ziim Eingangs des Berichts derselben zu ver- tagen.
Großbritannien und Irland, London, 4, März. Prinz Leopold ist am 2. d. M. nach Paris abgereist. _ NWZ Bombay wird gemeldet, daß Sir Salar Jung, der Premier-Minifter von Heydrrabad, am 5. April seine Reise nach England antreten wird. _ (E, C.) Der Gesandte der Vereinigten Staaten, (Zenerzl Schenck, ist gestern von hier nach Amerikaäb- gereift. Jn Abwesenheit ch Gesandten wird Oberst Hoffman als Geschäfrsjräger fnngiren. _ Jm Gemeinderathe der Ein; wurde beichloffen, zur Feier der Rückkehr des Prinzen von Wales ein Fest in der Guildhall zu veranstalten. _ Vom Cap wird ge- meldet, daß durch eine zn Litrle Popo auSgebrockzene Feuers- brunst die Hälfte der Stadt zerstört wurde. Von den Einge- bornen machtm fich viele aus Mündern, und etwa 50 wurden dabei in die Luft gesprengt.
_ (W. T. B.) Don Carlos ift heute Abend von Folkestone hier eingetroffeii.
Spanien. Die Waffenstreckung von 12,000 Carlisten, welche am 26. _Februar in Pampelona stattfand, war ein glän- zendes militäriyches Schauspiel. Primo di Rivera war mit seiner Div'ifion, nachdem er in EfteUa und Puenta la Reina die erfor- derlrcheVesaßung zyrückgelaffen hatte, in Pampelonaeinge-rückt; am anderen Tage stieß Martinez Campos zu ihm; endlich rückte auch General Blanco mit vier Brigaden ein, und so stand eine Arm-“e von 50,000 Mann vereinigt. Mittags nahmen diese Truppen Aufstellung und durch die Hecke, welche sie gebildet, zogerr die Carlisten mit Musik zur Ciiadelle, um dort die Wanen abzulegen. Truppsn wie Bevölkerung verhielten sick) ruhig und würdig bei diesem Schauspiele. Das Aussehen der Carlisten war nicht schlecht. Das 7. navarrefische Ba- taiUon, We[ch-ZS den Zug eröffnete, imponirte durch die kräftigen abgehärteten Gestalten. Jeder Soldat erhielé
einm Buß und eine Anweisung auf den von der Regierung bx willigten Sold. Den Offizieren wurden 60 Fr. als Entschädi- gung und 1 Fr, 60 Ct. pro Tag als Reisegeld, den Unteroffi- zieren und Freiwilligen 5 Fr. 20 Ct. und 75 Ct. auSgezahlt. Abends trafen wieder 4000 sich ergebende Carlisten ein.
_ Offiziellen Nachrichtcn aus der Havanna zufolge wur- den in einem Reitergefechte zwisehen 300 Spaniern und 600 Jnsurgmten am 29. Februar die leßteren geschlagen. Die Spanier verloren 26 Todtc.
Portugal. Lissabon, 26. Februar, Se. Majestät der König von Portugal hat heute den außerordentlichen Gesandten und bevollmääztigten Minißer Sr. Majestät des Kaisers, von Pixel), in feierlicher Audienzempfangen und sein Beglaubigungs- schreiben entgegengenommen. In einer zweiten Audienz hatte der Gesandte die Ehre, den Kommandanten Sr. Majcßät Kor- vette „Medusa“, Korvetten-Kapitän Zirzow und das gesammte Osfizier-Corps des Schiffes vorzustelien, bei welcher Gelegenheit der König Tom Luiz persönlich den Gesandten und die See- Offiziere zu einem am 28. stattfindenden HofbaUe einlud.
Türkei. (W. T. B.) Wie die Wienrr „Politische Korre- spondenz“ von kompetenter Seite erfährt, gewährte die Pforte auf den fre:1ndschaftlichen Rath der Mächte den Insurgenten voUständige Amnestie und den Emigranten straffreie Rückkehr. Ebenso hat die Pforte den Insurgenten Unentgeltliche Lieferung
des zum Aufbau der Häuser nothwendigen Materials, das 11r _ FeldbesteUUng erforderliche Saatkorn und den Nachsa3 des Zehnten für 1 Jahr, sowie den der Übrigen Steuern für 2 Jahre zngefickzert. Tie türk:sche
Regierung hat die Vrrtreter der Mächte und die Spszialkom= miffarien für die Herzegowina und BoSnien von dieser Ent- schließung in Kenntniß gesetzt. _ Auf österreichisch=u11garischcm Gsbiete werden alle Vorkehrungen getroffen, um die Rückkehr der F[1"1chtli11ge zu beschleunigen.
_ Ein Telegramm W „W. T. B.“ aus St. Petsrsburg vom 5. März, Abends, meldet: Die serbische Regierung hat die Vereitwiüigkeit ausZesprochen, die Einberufung der Mi- lizen zurückzunehmen und ebenso auch Ausfuhr von Getreide nach der Türkei wieder freizugeben.
Rumänien. Bukarest, 5. März. (W. T. B.)“Ter Vize-Präsident des Senats, Orescu, bat seine Demis- fio.1 eingereicht, weil die Regierung in dem Systeme fortfahrr, welchem der Senat ein TadelSvotum ertheiltc. Der Senat hat indiffen dic Demission OreScu's zurückgewiesen, was ein Tadels- votum gegen das Ministerium implizirt. _ Te: Finanz- ausschnß der Kammer hat die von der Regierung eingebrachte Vorlage wegrn Aufnahme einer Anleihe von 30 MiUioncn behufs Dickung ch Defizits und von 50 Millionen zu Eisen: bxhnbauzwecken abgelehnt.
Rußland und Polen. St. Petersburg, 2. März. Unter dem Titel: Serbien und. Montenegro bringt der ,Golos“ vom 1. d. M. einen Artikel, dessen Wiederg1be (aus dern „Journal de St. Petersbourg") seinem Hauptinhalte nach von Jntereffe sein dürfte:
Troßdem die Pforte das von den sechs Mächten vorge- schlagcne Reformprogramm angenommen, und troHdem die türkische Regierung das Verlangen kundgegeben, durch versöhn- liche Maßnahmen der Erhebung BoSUiens und der Herzegowina ein Ziel zu seyrn, rat Europa doch noch kein unbedingtes Ver- trauen zur Wiederherstellung der Ruhe im Orient; die Besorg- niise, welche es zu nähren scheint, beziehen ßck) weniger auf die
Frage, zu wissen, ob die Insurgenten fich durch diese Reformen für befriedigt erkläron werden , als auf die fkrnere Politik Serbiens und Montenegros. Die all-
gemrine Ucberzrugung scheint die zu sein, daß die Insurgenten nicht zaubern würden, die Waffen niederzulegen, wenn fie nicht hofften, Montenegro und SerbiSU zum Frühjahr zn ihken GLUT- sten interveniren zu sehen. Aber bis zu welchem Punkte liegt es denn im Interesse dieser beiden Jürftenthümer, solch? Hoff- mmgen zu umtrrstüßen und dadurch die chriftlickxen Bevölkerun- gen Bogniens und der Herzegowina anzuftarhein, Rechte und FreiheiteU zurückznweisen, wslckze ihr Loos zu vsrbeffern im Stande wären?
Wir smd dUrchaus überzeugt, sagt „Golos“, daß, wenn Ser-
bien und Montenrgro die Insurgentcn in ihrrr Weigerung, die Reformen anzunehmen, unterstüßtsn, fie lediglich durch uneigen- nützige Grficht§punkte geleitet sein und ausschließlich das Wohl der unglücklichen Rajahs im Auge baden würden. Aber wel-bes smd denn die Mirtel, über welche fis gebieten, um erforderlichen Jalies die Insurgenien nachdrüchlichft unterstüßen zu können? Sind fie im Stande, die christlichen Völkerschaften der Türkeizu brireien und an den Ruinen des ottomanisckzrn K.:iierreiahs Linen treuen slawischen oder christlichen Staat zu gründen? . Nack; den Korrespondenzen der Presse zu mtbeilen, gehört die Möglichkeit eines offenen Kampfes zwischen Serbien und Montenegro einerseits und der Türkei andrerseits keine?- weges in das Reich der Phantasie; (1119 Korrespondenzen, wlckgr aus Belgrad an die aueZwärtigen Journale gerichtet werden, sind voll von Dctails Über die [ebbast brfriebenen Rüstungen und die Auf- regung der Gemüther des serbischen Volkes; andrerseits be- zeugen die leyten Versuche der jürkischen Regierung, fick) Mon- xene-gro zu nähern Und dieses Fürstenthum zur Aufgabe seiner feindseligen Haltung zu berucgen, daß die Pforte Befürchiungen hegt wegen der Aufrechterhaltung der Neutralität von Seiten der Regierung in Cettinje.
WoUte man kriegerische Abficbtrn bei den serbischen und Wontrnegrinisckzetr Regierungen annehmen, io müßte man bei ihnen eine Gemeinsamkeit der Geficht6pu11kte und ein vollständi- grs Einvernrhrnen v_orausse§en; und doch, wenn man das _(Hanze der Insormatiopen, die man von allen Seiten erhält, ms Auge faßt, so scheint zwischen ihnen ein gewiffer Zwiespalt zu herrschen. Man darf gewiß nicht leichtfertig an das Vor- handensein ciner Nebenbuhlersckzast zwischen den beiden Völkern glauben, von der die Pforte zu allererst Vortheil zie- hen würde, aber man muß dock; konstatiren, daß, sollte der Zwiespalt wirklich Vorhanden sein, er im Julie eines entsckzeidenden Erfolgks, den die Fürstenthümer über die Türken erringen wür- den, nur noch ßärker werden und die Sympathien und die Unterstützung der Großmächte fraglicb machen würde, deren Freundschaft in Cettinje und in Belgrad so großes Gewicht haben muß.
IedenfaÜs iß zu wünschen, daß fich die beiden Regierungen, ehe sie sich in einen gewagten Kampf mit der Pforte einlassen, genau Rechenschaft ablegen von ihren Streitkräften und von den Umständen, welche die Erreichung der vorgesteckten Ziele x_rleichtern oder ihnen Hindernisse in den Weg legen können. Dazu tit es nöthig, die innere Lage jedes der beiden Staaten scharf ins ng- zu fassen. Die von Montenegro beruht auf einer festen Grundlage: der unerschütterlichen Anhänglichkeit der Bevölkerung
an ihren Fürßen und der absoluten Hingebung des Souveräns an die Interessen seines Volkes; indem die Regierung von
Ceuinje sich auf diese Grundlage ßüyt, hat sie für ihre äußcre . aber fie „:
Politik ein Terrain, das ihr nicht entgehen kann, darf fich auch Zick): verhehlen, daß die Stäkkk des FürstenthumZ eme ganz pasnve ist, daß fie in der Bodenbeichaffenheit des Landes und in den natürlichen Hinderniffen besteht, welche dasselbe der Invasion bietet und welche seine energische urzd tapfere Bevölkerung immer unüberwindlich machen mird. _A'ber Montenegro entbehrt der HülquucUen, welche nothig sind, um einen Angriffskrieg mit Erfolg zu führen. So lange Fürß Nikolaus gegenüber der Erbebung der Herzegowma seine jeßige Haltung bewahren wird, nämlich die_e1nes Nachbarn, dessen Sympathien für die unglücklichen Iniurgenten ebenso achiungSwerrh als natürlich find, wird er denUGroßmächten gegenüber der Vertheidiger und der unzuartensrbeDolmetichcr seiner vom muselmännischen Joch untsr- drrzckten Glaubensbrüder sein können und wird die Pforte ver- pflich'en, die Interessen, welche für Montenegro Lebensbedürfniß fiZd, _,zu achten. Wenn die Regierung von Cettinje aber eine onemwe Roxje ergreifen würde, so würde fie ciire ichwsre Vcr- antwortlichkeit auf 1161) laden, indem fie ein Jener entzündete, da_s zu 15schen später nicht mehr in ihrer Gewalt stände; fie wurdc eme europäische Frage aufstellen, dessen LösUng ihr nicht mehr freistände und würde sich auf unheilvoüe Weise von den Ereignissen überflügelt sehen.
_ In Srrbien macht der Kampf der Parteien, der bereits dem Smn für Ordmmg und Geseßmäßigkeit Abbruch gethati, die Lage noch bei rveirem weniger günstig; die einzige Politik, welche dre Frermde des serbischen Volkes ihm rathen können, ist die, (ZU? Zwrstigkriten, welche es zerreißen, bei Seite zu setzsn, und 11ch um einen jungen Fürsten zu schauten, der nicmals die _Jntereffkzr der Nation preisgrben wird. So lange dir Parteien ihre Meinungen Über das Gesetz ßellen, so lange die Kriegs- partei nicht auf di? Idee einer Wiederhersteüung Serbiens durch die A11archic und die Unordnung verzichtet, kann das serbische Vgik keinen Anspruch auf die Stellung erheben, welch? ihm im Suden von Europa zukommt.
Wir glauben, sagt zum Schluß „GOTOS“, daß das Inter- esse Montenegros und Serbiens ihnen gebietet, einen offenrn Konflikt mit der Pforte zu vermeiden, und ihre abwartrnde Po: litik fortzuseßen. Die Kraft beider Fürstenthümer berubt ganz und gar in einer passiven, beobachtenden Haltung, wäbrend ihre Zirkunst und ihre Entwickelung von einer direkten Gefahr bedroht wären, wenn sie dcr Pforte den Kricg erklärten.
Wenn dagegen die Initiative zum Kampf von dieser ltherrn achginge, so könnten fie auf die Untcrßüyung Rußlands U11d der anderen Großmächte rechnen. Die Autonomie Serbien?) ist in der That von diesen anerkannt und dar.": tapfere montenegrinsche Volk hat in Rußland immer cine feste Stiiße gefunden. Indem sie den legitimen Wün- schen der Mächte beipflichten, werden sie 7141 ebenso- viele Ansprüche auf ihren Schutz erwerben, wäbrend fie sick) freiwiUig der sichersten Stüße berauben werden, wenn fie Linen Frieden gefährden, den Alle wünschen, und wsnn sie die Be- mühungen der europäischen Diplomatie, die RUHe in den insur- girtlen Provinzen des türkischen Reiches wiederherzuftellen, ver- eite n.
_ Aus Tas chkent läßt Hab die „Internationale Telegrapheu Agentur“ vom 17./29. Februar melden: Die Truppen unter Ge- neral-Major Skobelew haben das Ch anat Kokand endgültig be- seßt. Ter General-Lieutenant Kolpakowskr) ist am 14. Februar von Chodshent nach Kokand gegangen, um die administrative Verwalmng des Landes zu organifiren. Die durch die Wirren erschöpft: Bevölkerung ist mit der Brseßung des Chanats durck) un- sere Truppen znfriedcn. Urberall im Lande herrscht Ruhe. Am 15. Feerar wurde der Kiptschakenführer Abdurahman Amw- batschi durch Tasckxkent nach Orenburg iransPortirt. Der frührre Chan von Kokand Naffr-Eddin ist bis auf besondere Verfü- gungen i11 Taschkent geblieben.
Schlveden und NorWegen. Stockholm, 3. März. Ter K 1") n ig und die Königin find heute Mittag von Christiania nack) hierher zurückgekehrt. Der König begab fich sofort nach dem Schlosse und löste die unterm 31. Januar eivgeéctztc interi- miftisckze Regierung wieder anf.
Dänemark. Kopenhagen, 3. März. Anf der Tages- orduung des Landsthinges stand gestern die erste Lesung des vom Folkethinge angenommenen, von ddr vereinigten Linken eingebrachten Ministerverantwortlick)keits- geseßes. Ohne irgend welche Debatte wurde der Uebergang des Gzseßentwurfs zm“ zweiten Losung mit 32 gegen 9 Stim- men verweigert. _ Das Jolketbing beendete gestern in zwei SiHungcn die zweite Lesung des Geseßeniwurfes, betreffend die Organisation des Heeres. In der Abendsißung veran [aßtc die vom Referenten angeregte Frage wegen Ei11führung eines Verbefferien und zeitgemäßeren Strafgescßes für das Heer eine lcbhaftere Diskuifion. Dcr Kriegs-Mini,;er erinnert? daran, daß das Folkething i. I. 1872 den von der Regisrung damals vorgelegten Geseßentwrrrf verworfen habe. Gegen die Anwendung der körperlichen Züchtigung in der Armee habe er sich schon früher bestimmt auSgesprochen; aber den Ansichten der Marine- offiziere gegenüber habe er nicht gewagt, die Abschaffung der Prügelstrafe in der Marine vorznsckglagen. Sämmtlickzs Aende- rungSaUträge des Ausschusses wurden angenommen und der Gxsseßentkvurf mit 63 gegen 3 Stimme?“. zur dritten Lesung vrr- wre en.
Amerika. Nach dem lebten von dem General-Poßmeister der Vereinigten Staaten von Amerika erstatteten Jahresbericht hat das Defizit der amerikanischen Post in dem Rechnungs- jahre 1874/75 nahezu 5 Millionen Dollars betragen; für das Rechnungsjahr1876/77 ist daffelbe sogar auf (xinen Betrag von mehr als 8 MiUionen Dollars veranschlagt worden. Man darf wohl als hiermit im Zusammenhange stehend eine durch Grieß vom 3. März1875 eingeführte Maßnahme ansehen, nach welcher die Postanweisungs-Gebühren im inländischen Verfrhr der Vereinigten Staaten eine namhafte Erhöhung erfahren haben. Der General-Pofimeister spricht in dem erwähnten Bericht die Hoffnung aus, daß sick) hierdurch die Einnahmen aus dem PostanweisungS-Verkehr so weit steigern werden, um aus denselben wenigstens die Kosten dieses Dienftzweiges zu decken, was bisher keineswegs der Fall war.
Vereinstvesen.
Berlin. In der Sitzung des Kuratoriums der Luisen -Stiftung (1776-1876) am 1 d. M. wurde Direktor Marienfeld znm Vor- fitzendcn, und Konsul Franz Paetow zu dessen Stellvertreter gewählt, auch der Be1chluß gefaßt, mit der Bildung von Lokalvereinen vor-
. zugehen.
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Kauft, Wiffeusthaft und Literatur.
_ Hr Proi. stiius erläßi: folgende: Aukvkderung: Nachdem am rem imerngt-cnalen Orientalistenfcngreffe ;11 London (1874) rr?! dsr hxlmti'cbeu Sekticu der Beschluß gefaßt worden war, ei-n_e mogltchst voÜstä:;d1_,e kritische AuSgabe rss äzyp- tiichxu Todtenbucbs, dieses für die ägyviiiiben Studien w1chrig- sten, _1m LaZie d.“: bertaaienke zu immrr grér"; rem Urniangs augs- 1vach1rr1en Sammelwerkes, welche3 idem anzeiebeuru Asgyvtsr mit UTS _Gra'? gegebrn wurd“, zu v-rauftaltm, und nachdem die dazu notbizen_Geidmitte1 vrn der Köaiglickwn Akadémie der W1ssenschaii-n zu _Berlin „und rxn dem preußiickycn Unterricht:? Ministerum einem großen Tyra; nacb bewilligt, 5111-11 von S-irru drs Britisch n Muiéums e1ne_an1ehnl1che Brt'oülic zue Bcnusung ch dsriigen Materials gc- gxwabrt wmrsn war, hat sich ;in Co..»:ir-Z, kestkbend aus drn Hcrren S. Birch; British Muibm, *.*-o::rcn, F Cbabe, Ch.!!dn'sm-Sarne, Trance, R.Lchvi"111s, Benrl-rstraß-x 18, Bsriin, (Fd. Nxvélle, Cour St. Pierre, Gencchn gebildek, we2ch:s 7111) der mr AnHiÜhrung des Lxudoaex Be1ch1u11c5 nöxbigxn Jüricn-gr unrsr:Zckb-:n wird. 111x211- 1341111: eme Usbekiicht TLZ ai1ß9rcrren111ch grcixsri Mxrrrixlrs :U He- minncn, wslwss zu 1"ichteu, zuiannnsazusteäcn un) :,11 vernksxthéu ist, hat H:. ,Naviüe bereits (“113 5773111162611 Muircn 17:11 Bcrlxn 11:12 Léy kcrrbecit. und bssmdér 7111 zur Z-it 111 Lch:.dc7-, r-rn rrr: cr :*.1 rl-xicbem chcke 1181-75 Pari; Tu.i_n Und __cmkricn Zrakrsn rsd .". wird. Da sich aber ron ksmNn 1'181a1i1kben W rk: des ägvrr1ixdxr'. WM- tbums io visl ch-ssn vvn _.",röizeren cker klsinsren Tb “1162 cr'ulrrn h_abcn, wie vom Tckk-xu'r-UM, 19 sm: medche vvn *_['.11*:1rUer[[5:1 di:“!er Ari durck) Reis-de 1'11 212-171'911 an.;éiaxät Wdidxx 11117.“ 111 PrimtyUyrnlur-qsn odsr Einzslbrüs 1"1bcr„rzan:.€11. Ai ric BRI:: dm,:r rrc1t z:“ritrcnien Todtsnparyrus wenkst 171.13 dieirr Auirixi mir der Baie um Mitth-zilaUg davon .in ein Mirxli-d dcs Co:111:é-=, isi cS durcb Urbsrserdmix ['Oik Lri;in.1l-11, Pb:1;_.'.r.1;*1716x T13xch-:eich- nungrn oder Abixbriirsn, i-xi :I darch ::155'11r'r1'1 xx:xx.“ B.1'ch:.€::1:; oder Mnigsims Angaés, tv.» und 1:1 wela'éer BriÖIF-Kk-[WE 575187514. rcrhankkn ist. Ti? V rw !thnZ cke.“ aucb 1111r (Fx125b1111114 (ins? 1r_den “Papyru-Z in (rr *.*rak'KÖWTM kritiichcn 1.11»;ng- 12 1115): NIL '.ur dime cs: Oda unrrwartet grdßsm anrziis. ""dnkcrn rrröbr QUÖ ]cderzrit dcn Werth dcs 211116111111 PJYVTTZS. “ ,
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Getverbe und Handel.
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_ Ja der an die crdentricbe 7.711) anirbiicßsndrn auf;;rordxntlicben G311€ralveria111mlung der Aktionäre der Brrsmurr Makchank vom 3. d. M. WUrde die Liquidatidn des Institniz b:“sÖlwisxn. Tas vorgeirgie Bilanz-Konto Crgiebt, daf; von drm NkTiSUkCTPisäl von 1,80*§1,601 eM 989,047 „XH vrrlorkn giganzrn smd.
-- Die Dividende der Bayerischen Vereinsbank in München pro 1875 ist auf 771) oder 42 474 Pro Aktie isstgéssßr worden. Dem Rescrvrfonds smd aus den Rcinerirägxissen rss vcr- gangrnrn Jahres aubxr der von den Statuten vcrgsscbrisbrnén Dc- tatiox1 11061) weitrre 125,000 „Fk. überwkcscn wordxn.
Dresden, 5. März. (W. T. B.] Dor Verwawurgsraib drr Sächsischen Bank gcnobmizts in ieinrr hsutigén Sißu-1g aui An- trag dcr Direktion, der (111,; dsa 27. cr. Einbernicnkn (5,5 ner.:xvcrfamm- 111113 die Vsribeilimg ki11€r Dividendr von 103.) fü? das Zabr 1875 vorzuicblagen, wovon 93/1... ““,.) drm Rringi'winu pro 1875 und 711.111 de(rln dazu bestimmten Dividenden -Reiervefoud entnommen Werden 11) en.
L011don,4.März. (M.T-V.) Dem„E1)€UinJ Siandard“ zufolgr smd Accepté des Haus» Lutscher und C1*., 8 Austin friars, London, zurückgegangen. Die Paifiva des Hauses wcrd-xn auf 50.1000 56 geschätzt. Man Müschiek eins ungünstjgr Liquidation.
Moskau, 4. März. (W. T. B.) Auf den bszügLiibm Antrag drs birsig-xn Bovvllxnärbtrgien drs Administrators dcr Str oaSbergscHen KonkurImasic ba! das Gkri-rr bxrfkrgi, daß diE Moskaurr WIMA- forderung im Bsirage von 165,000 R11. abichlüglié; 311 brchidrn und dir * rcbsel 11.1(1) Berlin zur KonkurSamffI 511 (1 crstrxea srien.
Verkehrs-Anstalteu.
Münckyen, 3 März. Von SLU? der Gxxieral-Dircktion drr Vrrkcbröxnstalian sind folgende B a h n er 6 finUn g en “(11 A11Süchtgeste1113 Und zwar: 1.211.110: Dombübl-Fruchiwangen; 1. M;.i: Rdicnbrim- Müdldorf; 15 Mai: Jiördlingkainkilsbüdl; 1. Juni: Fürkd Eltsrs- dorf gezen . Aufhebung der “Streck.- Fürrbrr KreuzunQ-Elrcxsdcrf; 1. Juli: Ozfingkn-Hochstadi; 1, Juli: Neastadt-Windsbeim.
Plymouth, 5. März. (W. T. B.) Der Hamburgrr “Dost- dampfer „Allemannia“ ist aus Wkstindien hirr cingstroffcn.
Triest, 5.Mäxz. (WTB) DérLloyddampfer „Austria“ iii mit der ostindischen lleberlandpost um 10,“ Uhr Nachts aus Alsxan- dricn bier eingetroffen.
Bern, 4. März. (C J.) Drr Vcrrvaltunngath drr Gbit- bardbahn genehmigte den Finanzbericht drr Dir,:ktion und wahlie eine Kommission als Beistand der Direktion bsi drn Vrrbandlungen über die Rekonstruktiou des Baukapitals.
Aus dem Wolffschen Telegraphen-Bureau.
Stuttgart, Montag, 6, März. Nach einer Meldung des „Staats-Anzeigers“ wird Minister v. Mittna'cht bei dem am 3. April 6. erfolgenden Zusammentritt dss Iu'sttzausfthusses dss BundeSraths über die Beschlüsse "der Reichsjustizkommiffion zur Strafprozeßordmmg referichi, wahrend bezügiick) der Civil- prozeßordnung der bayerischeJmtiz-M1mft_er v. Fäustle, bézüg- [ich des Gerichtgyerfaffungszestßes der sachfisthc Iustiz-Minister Abeken das Referat übernommen hat.