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detten-Corch speißen im Jeldmarschallfaale des Instituts. Für eine entsprechende Vergnügung der Mannschaften war allenthal- ben Sorge getragen. " ' .
Tie Königliche Akademie der Kunße hielt znr Jem: des AUerhdchßen Geburtstages Vormntags 11 UHL eme _Jcßsißung ab, die Königliche Akademie der W111enfcha7ten ,wnd morgen eine öffentliche Siyung veranßalten. Die Königliche Universität beging den Geburtstag Sr. Majestät in der großen Aula durch cine Feier, bei welcher der Professor 1)1'. Curtius die Festrede hieit.
In den Gymnasien, Realschulen und den Übrigen höheren Lehranstalten wurden feierliche Akte abgehalten, während in allen Schulen ohne AUHnahme der Unterricht ausfisl.
Ter AUerhöckgste Geburtstag war vom Magistrate dazu be- stimmt worden, die vom Bildhauer Keil UUSJeführte Bronze- Statue Sr. Majestät des Kaisers und Königs in der linken Nische am Hauptportak des Ratihauscs zn enthüllen. Eine besondere Feier fand hierbei nicht statt.
Untrr zahlreicher Betheilignng der kirchlichen und städtischen Brbdrden, sowie der Gemeindemiiglieder wurde Vormittags 11 Unr in feierlicher Weise der Grundstein zu dem Kirchen- hansr- der St. MarkuSgemeinde in der Weberßraße gelegt.
Tas Geburterst Sr. Kaiserlichen Majestät war von den zuständigen Behörden dazu bestimmt worden, um _an demselben cine Erinncrungsfcicr an das fünfundzwanzig: jährige Bestehen der Berliner Jeucrwchr zu 1):- gehen. Die Mannschaften der Feuerwehr versammelten sick] demgemäß, soweit es das Interesse des Dienstes zu- ließ, nac!) Brendigung des Gottesdienstes auf dem Hofe des Ceniraldepots in Parade-Auffteüung. Der Polizei-Präfident v. Madai gedachte in knrzer Anrede der Wichtigkeit des Tages, vertheilte die von Sr. Majestät LlÜcrgnädigst bewilligten Ordens- dekoraiionen und Übermitteln: den Mannschaften, dir seit der 'Bsgründunn der Jenerwehr dem Institute angehören, die vom Magistrate bewilligten Gratifikationen.
Wie in friiheren Jahren, so wurde auch heute der Kaiserkiche Gedurixtan in sämmtlichrn städtischen Woh[thätigkeitsanstalten durch festliche Speisung der Hospitaliten oder durch Gewährung von Geldspenden gefeiert.
In den Königlickyen Theatern finden Abends FestvorstsUun- gcn statt, welche durch Prologe und die Klänge der Iubelouver- Türe eingeleitet werden. Ebenso werden in den übrigen Theatern die Vorstellungen, die zum Theil Aufführungen patriotischen In- haiies bieten, durch festliche Worte eröffnet.
Nur!) in zahlreiwen Vereinen und geschlossenen GeseUschaf- ten wird der Geburtsrag Sr. Majestät in herzlicher und feier- licher Wriss begangen. NUenihalben äußern sich die innigen und theilnedmenden Wünsche, mit denen das deutsche Volk den Kaiser in Sein achtzigstes Lebensjahr geleitet.
Namentliä] ist es auch die Presse, welche diesen Gefühlen aufrichtiger Theilnahme und Verehrung heute Ausdruck verleiht. Fast sämmtliche der uns vorliegenden Blätter aÜer Parteien widmen dem heutigen Festtage ausführliche Leitartikél. So schreibt die „Voss. Ztg.“: . . . „An der Schwel1e des achtzig- sten LebenSjahres scheinen Ihm menschliche Schwächen fremd, allen Anstrengungen Seiner hohen SteUnng zrigt (Er Sick) ebenso gewachsen, wie Er fiir edle Freuden des Lebens jugend- liche Empfännlichkeit bewahrt hat, auf dem Exerzierplaxz ver- säumt Er keine Pflicht, in der GcsrUsckgaft keine Rückßckn, aUe Geisteskräste ftchen Ihm zu Gebot, überaü ist Er derselbe, jeder Schein ist Ihm fern. In einer nur funfzrhnjährigen Regierungszeit hat dieser Monarch genug für die längste Regierungszeit gethan, Seinen Namen eng mit den ruhm- reichsten Erinnerungen Seines Volkes und Seiner Nation verkniipft und arbeitet an Seinem “Theil mit red1ichem Willen an der Ansticdinng drs Reiches und der Reorganisation des Staates, wie Cr mehrere Male die schwere Last des Kriegs?) auf Seine nngebengten Schultern genommén hat.“. _ _ _ „Dadurch ist in Preußen zwischen dem Herrscherhause und dem Volke ein Bund enrstandcn, der das Jamilienverhältniß vom Thron bis zur Hütte abschließt.“
Ebenso die „Nat. Ztg.“: . . .. „Von «Urn Thürmen im deutschen Lande läuten dic Giocken, von den Häusern wehen die schwarz::veiß-rothen Fahnen. Nach dem ftiÜen Hause unter den Linden, dessen First die Adler bewachen, richten fick) vom Meer zu den Alpen Augen und Herzen. Wünsche des Segens, Zeichen der Huldigung verbinden sich mit den Hoffnnnrcn, daß die sch1ichte, herzgewinnende, ehrwürdigc Majestät Kaiser Wilhelms noch auf Jahre hinaus uns erhalten bleiben möge, neue Kraft schöpfend cms jrdem neuen Früßling, aus dern WachSihum des jungen Reichs, aus der Liebe und der Bewundrrung dcs Vol- kes. Das ist für die Fürsten der wahre Iungbrnnnen, der ihnen aus dem unerschöpflichen Quell des Volksihnms immer aqu Neue große, fruchtbringende Gedanken und erhabene Empfindungen zuführt.“ . . . .
„Was Kaiser Wilhelm“, so sagt die „Tribünc“ in ihrem Fest- artikel, „beiUebernahmedcrdeutschenKrone hoffend gelobt, eshnt bis heuteredlicheErfüüung gefunden. Der Kaiser hai das Recht des Reiches Und seiner Glieder zu schönen gewußt, den Frieden ge- wahrt, die Unabhängigkeit Deutschlands, gesrüßt auf die geeinte Krair seines Volkrs, verrHeidigt. Die deutsche Nation genießt dcn LoHn ihrer heißen und opfermüthigen Kämpfe in Frieden und wird ihn auch ferner innerhalb der Grenzen genirßen, welche dem Vatrrlande seine Sicherheit gegen neue Angriffe von Außen gewähren. Dem Kaiser selbst aber ist es beschieden gewesen, nac!) Seinem Wnnsche „Mehrer des Reichs“ zu sein an Gütern des Friedens, auf den Gebieten nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Grfittung.“
Die „Deutjckn Vörsen- u, Handels=Ztg.“ hebt hervor, daß ganz Deutschland den Gedurtcötag seines Kaisers feiere, denn „an diesem Tage ruht aller Haß nnd Zwietracht, aUer Kampf ÖndkHadcr. Es ist etwas Schönes um die Feier eines ganzen
0 es“. . . .
„Niemaks“, so sch1ießt die „Wes.Ztg.“ ihrcn herriigen Leit- artikel, „wird Kaiser Wilhelm tiefer Sick) der wunderbaren Wege, die Ihn die Vorsehung geführt, inne geworden sein, als am Tags, da Er das Andenken des hunderijährigen Ge- burtstages Seiner unvergeßlichen Mutter beging. Er hat an der glorreichen Erhebung mit Theil genommen, mit- gekämpft für die Befreiung, die Jahrzehnte des Ringens und Hoffens auf eine glück1ichere Gestaltung der deutschen Verhält- niffe miterlebt und miterlitten, Er ist das Werkzeug zur Erfül- lung unserer hrißesten Wünsche geworden. Darum ist Kaiser Wilhelm so innig mit dem deutschen Volke verbunden und darum nimmt dieses an Seinem Geschicke den wahren, herzlichen Antheil, der heute vom Fels zum Meere in lautem Ich! und in siiUer Feier überall sich durch den Wunsch kundgicbt, daß auch das kommende Lebensjahr dem Deutschen Kaiser ein glückliches, em gesegnetes sein möge.“ ,
_ Se. Kaiserli e und Königliche Hoheit der Kronprinz begab Si geßcrn früh 72 Uhr zur Begrüßung Sr. Großherzoglichen Hoheit des Prinzen Ludwig von Hessen nach dem Anhalter Bahnhofe. Im Laufe des Vormittags nahm Höchstderselbe militärisckze Meldungen entgegen, empfing den General=Licutenant und General-Adjutantcn von Oberniy, sowie eine Deputation Höchstseines Königlich sächfischen Husaren-Regi- ments Nr. 19, beftehend aus dem Commandenr Oberst-Lieute- nani von Schnehen, dem Rittmeister Schulße und dem Premier- Lieutenant von Sandersleben.
Um 1 Uhr Mittags wohnten Ihre Kaiserlichen Hoheiten der Kronprinz und die Kronprinzessin der Eröffnung der Nationalgalerie bei und emxfingen und erwiderten später die Besnckze hier eingetroffener Furfilicher Gäste. Nach- mittags 5 Uhr begaben Sich Höchstdieselbcn zum Diner in das Königliche Schloß. Se. Kaiserliche Hoheit der Kronprinz be- suchte Abends die Oper und nach derselben die Soirsc bei dem Fürsten Anton Radziwill, während IHre Kaiserliche Hoheit die Kronprinzessin Abends 9 Uhr Höchftihre beiden altcsten Söhne, die Prinzen Friedrich Wilhelm und Heinrich, welche zum Geburtstage Sr. Majeßät des Kaisers von Cassel hier ein- trafen, auf dem Potsdamrr Bahnhofs begrüßte.
_ Se. Durchlaucht der regierende Fürst Reuß ist gestern Abend in Begleitung des Obcrx'ien v. Feilitzsch aus Greiz hier angekommen und im Hotcl Royal abgestiegen“.
_ Der Ausschuß des Bundesraths für Rechnungswesen hat bei dem BundeSratl) beantragt, folgenden Bestimmungen über die Behandlung nachgemachter und verfälschter, sowic beschädigter und unbrauchbar gewordener Reichskassenscheine die Zußimmung zu ertheilen:
n. Nachgemachte und verfälschte Reichskassen- scheine. ]. 1) Sämmtliche Reichs- und Landeskaffen haben die bei ihnen eingehenden nachgemachten oder verfälschten Reichs- kaffrnsckzeine (§§. 146-148 des Strafgeseßbuchs) anzuhalten.
2) Wird ein eingehendes Falschstück als solche?- von den Kaffenbeamien ohne weiteres erkannt, so hat der Vrrsteher der Kasse sofort der zuständigen Inßiz- oder Polizeibehörde Anzeige zu machen und das angehaltene Falschstück vorzulegen, unter Beifügung des eingegangenen Begleiischreibens, Etikette.“- 2c., be- ziehungsweise der über die Einzahlung anfzunehmenken kurzen Verhandlung.
3) Erscheint die Unechtheii eines Scheines zweifelhaft, so ist derselbe, nachdem dem bisherigen Inhaber eine Bescheinigung über den Sachverhalt ertheilt worden, an die Reichsschuldenver- waltung (Königlich preußische Hauptverwaltung der Staats- schulden, Berlin ZW., Oranienstraßc 94) einzusenden. Dirscibe wird diese Scheine einer Untrriuchnng unterwerfen, und a. im Faüe der Echtheit den Wert!; für Rechnung des Reich der ein- sendenden Kasse zur Aushändigung an den Einzahler zusenden, die Scheine aber, sofern sie znm Umlauf nicht geeignet find, einziehen lassen; 1). im FaUe der Unreinheit dns Falschstück an die einsendende Kaffe zurückgeben, damit dieselbe in Gemäßheit der Vorschriften unter 1. 2 verfahre.
11. Der Reichs-Schuldenvcrwaliung ist von jeder, wegen Fälschung oder Nachahmung von Reichs-Kaffenscheinen erfolgten Einleitung eines Unterk-uchungs- oder Ermittelungöverfahrens sofort Mittheilung zu machen und, sobald cs ohne Nachtheil für das erfahren geschehen „kann, das Falsrhstück vorzuiegen. Anek) ist di?)z Reichs-Schuldenn altung von dem Fortgange des Ver- fahrens in Kenntniß zu erhalten und von dem schliesilichen Er- gebnisse desselben, unter Vorlegung der Akten und Falschsiücke, zu benachrichtigen. Leßtere sind von der Rcich§-Schuldenvsrwal- tung aufzubewahren.
13. Beickzädigte und unbrauchbar gewordene Reicthassensrheinc. 1. 1) Sämmtlickze Reichs- und Zander?- kaffen haben die ihnen bei Zahlungen angebotenen beschädigten oder unbrauchbar gewordenen (einschließlich der geklebten und der beschmuizten) ReichSkaffenscHeine, deren Umtansrhfähigkeit (vgl. „H. 6 Absaß 2 des Gescyes, betreffend dir AusZabe von Reichskaffenscheinen, vom 30. April 1874, Rcickzs-Geseßbl. S. 40) zweifellos ist, anznnehmrn, aber nicht wieder anSzugeben, sondern an Sammelstrüen (_ für die Reichskaffen die Reichs- Hauptkaffe nnd die Ober-Postkaffen, für Preußen die General- Siaatskaffe nnd die Regierungs= brziehungsweiseBezirks-Hnnpt-
kassen, für die iibrigen Bundesstaaten die Landes Ccntralkasscn _) ,
abzuführen.
Solch-x Reichsknffensckzeine smd, außer von der Rcichs- Hanptkaffe, auch von den vordezxirhnetcn übrigen Sammrlstellen, soweit es deren Bestände gestatten, gegen umlaufsfühige Reichs- kaffenfckzeine odcr baares Gckd umzutauschrn.
2) Die zu 1) gedachten Sammelstellen haben die bei ihnen eingegangenen einzuziehenden Scheine, nach erfolgter Priifung der Umtausrhfäßigkeit am Schluffc jedes Vierteljahres, unmittel- bar an die Königlich preußische Konirole der Staatspnpiere (Berlin ZW„ Oranienstraße 94) einzusenden. Die Einsendung kann auch schon im Laufs des Quartals erfolgen, wenn sich ein Beßand von 5000 „47: oder mehr angesammelt hat.
3) Dis Kontrole der Staatspapiere leistet, nach erfolgter Prüfung der Umtausrhfähigkeit der eingeliefertrn Scheine, den Ersaß fiir dieselben an?: den ihr zu diesem Vehufe von der Reichs-Hauptkaffe vorsckzußweise zur Verfügung gesteUten Mitteln, und entwertii'et die solchcrgeftnlt eingezogenen Scheine mittelst einer Durchschlagemaschine.
4) Sobald eine Summe von 300,000 «46 in eingezogenen Und entwertheten Sch€inen sich angesammelt hat, beantragt die Kontrole der StaatSpapiere bei der Reichsschuldenverwaltung die Vernichtung derselben, und empfängt, nach erfolgter Vernichtung, welche unter Kontrole der Reichsschulden- kommisfion ßnrtzufinden hat, aus dem bei der Reichsschulden- verwaltung beruhenden Formular-Reservebeßande eine nach Betrag und Abschnitten der vernichteten Summe entsprechende Menge von Formularen mit der Ermächtigung, dieselben aUSzu- fertigen und der Reickzs-Hauptkasse zur Deckung des erhaltenen Vorschuffes zu verabsolgen.
Der Betrag der eingezogenen und vernichteten Schei1e iß dem Reichskanzler-Amt anährlich anzuzeigen.
11. Auf Reichskaffenscheine, deren Umtauschfähigkeit zweifelhaft oder deren Ersaß nach . 6 des Reichögcseßes vom 30. April 1874 dem Erme en der Reichsschulden- verwaktung überlassen ifi, finden die Bestimmungen unter 1. 1 und 2 keine Anwendung, vielmehr ist der Ein-
lieferer solcher Scheine mit dem Antrag? auf Ersaß an die Reichsschuldenverwaltung zu verweisen.
Wird von dieser Ersaßleistung verfügt, fo_ findet dasselbe Verfahren, wie bei den übrigeneingezogenen Retchskassenscheinen (1. Ziffer 3 und 4) statt. Wird die Ersaßleißung verweigert, so iind die Scheine mit dem Werthlosstempel versehen den Ein- lieferern zurückzugeben.
0. Portofreiheit. Postsendungen, welche in Ausfüh- rung der gegenwärtigen Bestimmungen zwischen Landesbehörden und Landeskaffen einerseits, sowie der Reichs : Schnidenvernml- tung und der Königlich preußischen Konxrole der Staatsm- piere andererseits erfolgen, find als Reicßsdienftsachen portofrek zu befördern.
Die Schlußberichte über die geßrigen Sitzungen des Herrenhauses und des Hauses der Abgeordneten be- finden fich in der Beilage.
_ Ein Zeitungöredactrur, Welcher eine Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze veröffentlicht, ohne fich dec Strafbarkeit dieser Auffordrrung bewußt zu sein, ist drnnock) als Thätcr nackp §. 20 des Prcßgcsrtzcs und §. 110 des Str. 05. B. zu bcstrafrn. Erkenntnis; des Obcr-Tribunals vom 25. FL- bruar d. I.
_ Der Thierarzt 1)r. Steinbach zu Eschweiler ift zum kommissarischen Kreisthierarzt für den Kreis Saarbrücken ernannt
worden.
Bayern. München, 19. März. Von dem ReichSrath v. Bomhard ist der Kammer der Reichsräthe ein auf die Beschlüsse der Kammer der Abgeordneten hinfichtlich der Ge- halte der Beamten fich beziehender Antrag eingereicht wor- den, welcher, wie die „Allg. Ztg.“ vernimmt, in der Hauptsache dahin geht: den Beschlüssen der Abgeordnetenkammer mit der Erweiterung beizustimmen, daß auch die von der StaatSregie- rung proponirten, von der Mehrheit der Abgeordnetenkammer aber abgelehnten 210 „M für jeden Beamten bewilligt und die an die Krone zn richtende Bitte dahin erweitert werde: es möchte Se. Majestät der König, wie die biSHerige Theuerungs- zulage, so auch die in Rede ftehenden 210 „16. als pragmatischen Gehalt gewähren.
_ 20. März. Nachdem der Minister v. Pfreßschner in de Abgeordnetenkammer die heutige Lcffersche Interpellation, beireffend die Tarife für den HolztranSport, sowie die nenliche Föckerersche InterpeUation, betreffend die Getreide- tarife, in ausführlicher Weise beantwortet und die Unmöglich- keit, bezüglich des Tranfitverkehrs Aenderungen der Tarife vor- zunehmen, dargelegt hatte, wurde der Antrag des Abg. Senestren auf Wahl eines Eisenbahnaussckznffes ** angenommen. Der Krisgs-Minißer legte den Militäretat vor. Nächste Sißung Donnerstag.
Sachsen. Dresden, 19. März. Des Kaisers Ge- burtstag wird dieSmal hierfeier1icher, als je, begangen werden. Außer dem Fcftdincr bei Hofe, das schon immer stattfand, und einem vom Reickwvercin veranstalteten Souper, bei welchem der znm Landing hier anwesende Professor Or. Biedermann auf Er- suchen des Vorstandes die Festrede übernommen hat, wird auch, zum ersten Male, ein gemeinsames Festessen der Zweiten Kammer stattfinden.
Hessen. Darmstadt, 17. März. In der heutigen Sißung der Landessynode bildete nach Erledigung minder wichtiger Vorlagen den Hauptpunkt der Verhandlungen der Llnirag der 13131". Rieger und Buchner auf Maßregeln zum Sehnde der Sonntagsheiligung. Ueber den Verlauf der Debatte schreibt man dem „Fr. Journ.“: Nach der eingehenden Moiivirung des Antrags, welche die Zustände des Volkslebens schilderie, wurde von der einen Seite die Schilderung als zu grel], nicht zutreffend bezeichnet, der Kirche selbft die Schuld beigemessen, warum die Sonntagsheiligung nicht mehr in gleichem Maße stattfinde, wie früher, und namentlich dem Gedanken Ausdruck gegeben, das; die Kirche fich der Kultur Und dem Bewußtsein der Zeit anzuschließen habe. Von der an- dern Seite wurde dagegen das Sinken und Zurücktreten des religiös-fittlichen Momentes im Volksleben ebenso entschieden bc- hauptet als beklagt, aber nun umgekehrt der realistischen und materialistischen Richtung der Zeit gedacht und bemerkt, daß das geläntrrte Christenthum fich nicht nach der Kultur oder nach dem Zeitbewnßtsein zn richtrn habe, im Gegentheile die QueÜe aUer wahren Kultur sei. Schließlich wurde der Antrag so weit angenommen, daß Wies, was irgendwie einen Polizeizwang ein- zuschließen scheine, fern zu halten sei. Damit wurden die dies- maligen Verhandlungen der Synode geschlossen.
_ 18. März. Ersten Kammer über diejenigen Gegenstände, welche vor Kurzem von der Zweiten Kammer erledigt worden find, liegen nunmehr gedruckt vor, und es erHeUi daraus, daß der Aus- schuß iiberaU Beitritt zn den Beschlüssen Zweiter Kammer be- fürworter Namentlich gilt dies auch von denjenigen Be- schlüssen, welche zur Erwerbung der oberhessischen Eisenbahnen durch den Staat gefaßt wurden.
_ 19. März. Die Landessynode hat fick) gestern, nach- dem fie innerhaiv dreier Sißungen das Kirchenbndget herathen und einen Antrag auf strengere Wahrung der Sonntagsferer (mit AUSnahme des Passus, drr die Hülfe der St_aatSregierung an- gerufen wissen woklte) angenommen, auf unbestimmte Zeit ver- tagQ
Nchklenburg-Sckzjverin. Schwerin, 21. März. Zur Vorfeier des Geburtstages Sr. Majestät des Deutschen Kaisers findet heute Abend um 9 Uhr ein von sämmtlichen Mufikcorps ausgeführter Zapfenstreich statt. Die morgige Feier wird militärischerseits eingeleitet durch eine Reveille. Um 10 Uhr wird Gottesdienst in der Garnisonskirche gehalten. Nach demselben findet auf dem akten Garten eine große Pa- rade statt. „
Sachsen - Weimar = Eisenach. Weimar, 21. März. (W. T. B.) Der Landtag hat heute die Vorlage wegen Theilung des Reinertrages aux; dem Kammervermögen mit erheblicher Majorität abgelehnt.
Oldenburg. Okdenburg, 19. März. Gestern haben hier die Urwahlen stattgefunden, und sind dieselben Personen aus der Wahlurne hervorgegangen, welche bei den Wahlen zum leßten Landtage als Wahlmänner fungirt haben. Die Wieder- wahl derselben entsprach einem auf einer allgemeinen Bürger- versammlnng vor Kurzem gefaßten Besckxluffe. Die Betheiligung an der Wahl war, wie man der „Wes. Ztg.“ schreibt, eine äußerst geringe und wurden nur 246 Stimmzettel abgegeben. In den übrigen Theilen des Großherzogthums scheint die Wahl- bewegung eine sehr rege zu sein. _ Der Geburtstag des Kaisers wird in Eutin durch ein Feßeffen im Hotel Stadt Hamburg gefeiert werden.
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Oesterreich-Ungarn. Wien, 21. März. Das Reichs- eseßblatt publizirt das Geseß vom 19. März 1876, betref- Yend die Beßimmung der Fristen zur Geltendmachung der Rechts- mittel gegen die Entscheidungen und Verfugungen der Organe
Die Berichte des Finanzaussckwffes dcr -
der Finanzverwaltung. _ Der „Pol. Korr.“ zufolge treten die Delegationen vorausfichtlich in der crßen Woche des Monats Mai in Pest zusammen.
_ __ Die „Preffe“hält die von der„N. Fr. Pr.“ vorgeschlagene Einfuhrung der Goldwährung für unmöglich und faßt das ngene „Programa; für wirthschaftliche Rettung“ in die Worte zusatnmen: „Arbeit und nochmals Arbeit und vielArbeit. „Die Arbeit, um wrlckze es fich hierbei handelt, untersckzeidetfich in viele Maßen und Arten, die aber ein gemeinsames Kennzeichen haben, das sie ald produktwjiempelt. Dieses Kennzeiäzen liegt in dem Wörtchen „redlich.“ Redliche Arbeit in der Studirftube, im AmtSzimmer, auf dem Markt? auf dem Felde. „Diese redliche Arbeit wird nicht auf dre Wahrung des Gläubigers, doch auf die eigene Zahl- pflrcht das Gewicht legen; fie wird nicht die Bau=Uebcrschrei- tungen garnntiren, sondern den Bau zu gewährleisten haben. Diese Arbeit wird nicht über Nacht die Schäden der Krifis heilen, sondern Sandkorn nur an Sandkorn reihen.“
Lemberg, 20. März. In der heutigen Sitzung des Lnndtags beantwortete dcr Landesausschuss, Vize=Prnfident Pletruski, eine Interpellation der Ruthenen, ob der Landesaus- schuß zufolge der von ruthenischer Seite eingebrachten Motion wegen größerer Berücksichtigung der deutschen Unterrichtssprackze in den Schulen Galiziens irgend welche Anträge diesbezüglich dem Landtage vorlegen werde, dahin, das; der LandeSauHs-xhuß im Einvernehmen mit dem Landesschulrathe beschlossen habe, in dieser Frage die Initiative aus Opportunitäwgründen abzulehnen. Eine RegierungSvorlage über Feldschuß wurde der Landeskultur- Kommiffwn und ein Antrag der Ruthenen auf Gleichderechtigung der ruthenischen Vortragssprache mit der polnischen ilk den Schulen Galiziens (erst nach wiederholter Abstimmnn1* dem UnterrichtsauHschuffe zugewiesen.
Zara, 20. März. Die für heute angesagte Landtags- sißung konnt“- nicht zu Stande kommen. Es erschienen nur vier Abgeordnete, nämlich Antonietti, Gligo, Piperaia und Bischof Petranovic. Der PräfidentLjubiffa hat in Folgr deffen auf besonderen Allerhöckfften Auftrag den Landtag geschloffcn
_ Wie die „Politische Korrespondenz“ melder, hat fich so- gleich nach dem Schluß des dalmatinischen Landtages cine Deputation der Majorität zum Statthalter Rodich begeben und dirsem gegenüber die Erklärung abgegeben, daß die gegen den Präsidenten des Landtages, Ljubiffa, gerichtete Knndgebung jeden Gedanken an eine Demonstration gegen die Regiernng ausschließt, auch zugleich gebeten, die Landesvertretung gegen jede derartige Zumuthung verwahrt zu halten.
Pest, 20. März. Das Abgeordnetenhaus votirte. heut die vom Oberhause an dem SanitäthcscHe gcmachten Modifi- kationen, Worauf die Spezialdcbatte des Geseßeniwurfes über die Volksschnlbehörden begann.
Das Oberhaus diskutirte die Dienßboienordnung.
Belgien. Brüssel, 21. März. (W. T. B.) In der heutigen Sixzrrng der Repräsentantenkammer brachte Ji- nanz- Minister Malou den bereits gemeldeten, zur Unter- ßüßung der Banque de Belgique bestimmten Gesen- entwnrf ein, wonach die Regierung ermächtigt wird, der „80- oiété ydur (3011811110110!) (165 (3116111105 (16 fdr“, die die Schuld- nerin der Banque de Beigique ist, den Betrag für die von der gedachten GcseUsckzast fiir Staatsrechnung aus- geführten Eisenbahnstrecken mit circa 12 MiUionen so- fort und nicht erst zu den ftipnlirten JäUigkeitsterminen auszuzahlen. Der Abg. Dumortier verlangte, daß die Banque de Belgiqne einen anderen Namen annehme, und beantragte eine eingehende Prüfung der Vorlage, damit in Zukunft die Regierung nicht mehr gcnöthigt sei, den in Roth gerathenen Finanzinstituten zn Hülfe zu kommen. Es wurde in Folge dessen Berichterstattung über die Geseizvorlage beschlossen und die Berathung des Berichts auf morgen festgesrßt. Der Bericht, der unter Unterbrechung der Kammerfißnng alsbald erstattet wurde, sprachen fish für Annahme der Vorlage aus.
Großbritannien und Irland. London, 21. März. (W. T. B.) Die Königin hat den seitherigen Gesandten Sir Augustus Paget zum Botschafter am italienischen Hofe ernannt; zum italienischen Botschafter am engli- schen Hofe ist Graf M enadrea ernannt worden.
_ (W. T. B.) In der Heutigen SiHung des Unter- bauses sprach der Kanzler der Schaßkammer, Northcote, die Erwartung aus, daß der Deputirte Wolff auf seinem An- trage, betreffend die Neutralifirung des Suezkanals, nicht be- harren werde, weil dieselbe fiir den Augenblick inoppdrtun er- scheine. Wolff erklärte in Folge deffen, daß er von seinem Antrage absehen Werde. Im weiteren Verlaufe der Sitzung zeigte Cochrane an, daß er demnächst die Aufmerksamkeit des Hauses auf die Vcfißergreifung Kokands dnrch dis russische Regierung zu lenken beabfichtigs.
__ Die_Expedi1ion gegen Waidak) (Westküste von Afrika), welche wegen Mißhandlung eines englischen Kaufmnnm- unternommen wurde, steht, wie schon erwähnt, unier dem Kom- mando des Kommodore Herden und es find der Korvctie „Actide“ die Kanonenboote „Contes“ und „Foam'“ und die Schaiuppe „Spiteful" beigegeben, mit einer Gesammtmannschast von mehr als 600 Personen.
Frnnkreich. Paris, 19. März. Das „Memorial diplomatique“ kommt auf das ministrriellc Programm zurück nnd bemerkt dazu 11. A.: „Eine große Nation, welche m voiier Umbildung begriffen ist, braucht den Frieden zu, seiner Konsolidirung. Auch unser Vaterland hat stets seine Bereitwilligkeit zu erkennen gegeben, wenn es fich um Bcsanfttgung und Beruhigung handelte; es hat fick) je- doch aller Initiative enthalten, um jedem Verdacht zu entgehen. Die Erklärung des Ministeriums bestärkt noch diese äußere Politik in Bezug auf die Steilen. we1che die Armee und Marine berühren. Alles, was Frankreich rn dieser Beziehung seit vier Jahren ge- than, harte nur den Zweck, die in voller Auflösung befindliche Armee wieder herzustellen. Ein gewaltiger OrganisationSplan wurde angenommen, aber seine Ausführung geht nur langsam vorwärts, theils weil finanzielle Rücksichten eingetreten theils aber in Uebereinßimmung mit der friedlichen Politik. Dasselbe gilt auch von der Marine, für welche seit dem Kriege gar nichts geschehen ist und bei welcher es fich jeßt darum handelt, Ersaß zu schaffen für daS, was seit 1870 verloren gegangen iß.“ _ Das „Alx. Siecle“ erhält aus Neucaledonien einig- Daten, die in dem Augenblick, da die Umnesiiefrage angeregt wird, besonderes Interesse haben. Damack) beläuft sich die Zahl der zur Deportation nach einem befestigten Plaße Ver- urtheilten, welche fick) dört fünf Jahre aufhalten müssen, ehe sie fich in der Kolonie niederlassen dürfen, auf 750. Von den zur einfachen Deportaxion Veruriheilten befinden fick) noch 2550 auf der Pinieninsel, 222 durften sich auf der Hauptinsel (in
Namen, Gomen, in den Vcrgwerkcn von Vakade, in Quaryil, ? Tomdea, Pont des Francais und anderen Orion) nicdcriaffcn. ; Endlich befinden fick) noch in Neuraledonien 218 Individuen, :
welche in Josge gemeiner Verbrechen, die sie unter der Gunst des Kommuneaufstandes begangen []atten, zum Bagno verurtheilt worden find. Aber es darf nicht vergessen werden, daß eine viel bedeutendere Unzahl von Theiinebmern an der Insurrektion fick) den Verfoigungen durch die Flucht entzogen hat und in Brüssel, Genf. London u. 7. m. nur auf den Augenblick wartet, nichr al_s Vegnadizte, sondem als Märtyrer, die man selbst um Ver- ze_chung gebeten hat, nach Paris zurückznkehren. Dis „Opinion“ haltudaher die Amnestie für die Leute vom 18. März für wedcr vernunftig noch möglich; statt Beruhigung und Versöhnung zu schaffen, würde fie nur Haß und Streit verbreiten, den Bürger- irreg neu beleben und neue Vcrwirrnng in den Gcmüthern nnd m den erissen stiften. Dies ist, wie das genannte Blatt ausführt, die allgemeine Ueberzcugung in Frankreich. _ In Erwartung des Weissach des Bringerungszustandes werden in Paris schon fünf neue Blätter angekündigt mit den der Kommunezeit entlehnten Titeln: „Lc Mot d'Ordre“, „Le Reveii“, „ L'Avenir“, „La Marseillaise“ nnd „Le PdreDucheSne“. _ Eine Anzahl carliftischer Offiziere und Soldaten hat fick) zum Eintritt in die französische Fremdenlegion gemeldet. Dieselben wcrden nach der Provinz Oran gesandk.
__ 20. März. Das „JAK. Sidclc“ zitirt lxrute eine andere Aeußernng des Unterrichts=MinisTers Waddington, die fick; noch schärfer gegen seine klerikalen Vorgänger Cnmonr nnd Wallon kehrt. Hsrr Waddington härte, dem gcnannten Blatts zufolge, die Beamten seines Minifterinms um sich gesammelt und ihnen gesagt: „Ich weiß, daß Stellungen, wclche aUe Achtung und Schonung verdienten, angrtafter worden find, ich gedrnkc die betreffenden Personalakten dnrchzn- sehen und Jedermann Gerechtigkeit wisderfahrrn zu lassen.“ _ _ Das dente in der Tepntirtenkammer znr Vértkieilung gelangte Budget für 1877 schließt mit folgenden Ziffern ab: Ein- nalnnen 2672140530 Fr., Ausgaben 2667296751 Fr., dem- nach Ueberschus; der Einnahmen 4,84Z,779 Fr. Die ?lnsgnden übersieigen jene des Jahres 1876 nm 97111948 Fr., die Ein- nahmen jene des Vorjahres um 96.794238 Fr. In den Mo- tiven wird aUSJeführt, daß für das Jahr 1877 zwar keine Er- höhung der Sicuerlasien geboten, dock] auch keine Reform der- selben gestartet sei: das gegenwärtige Errrägniß soi fiir die Er- haltung des Glcichgewichts unerläßlich.
_ Die republikaniscßc Li" “*r Deputirten- kammer nahm gestern ihre regelnnäßig. Zusammenkünfte wieder auf. Der Präsident der Partei, “Hr. Inlr-s FLer), hielt bei diesem Anlaß eine Rede, in wrirher rr zuniichst betonte, daß das innige Zusammengehen der verschicdcnen Gruppen der Lin- ken, das 'in der Nationalveriammlung so erfrenliche Früchte ge- tragen, ]eßt wo möglich noch noihwrndiger, abcr auch noch le_rchtcr_sei. Eine vonommene Verschmciznng hält er dagegen nicht fnr räthlick). Die DiSziplin, ohne welche das ganze parla- mentnrxsckre System nur ZUfal] oder Anarriiie sei, [affe fick) lediglich in getrennten, an Zahl beschränkten und ihrrr Naim“ nach homogenen Gruppen erlernen und be- fefttgen"; wenn die Extrcmnr znsammenwirken soÜen, so mußten zwischen ihnen vermittelnde Elemente liegen, und gegenseitige Zugeständnisse wiirden [richter dnrch ZOelegirte gemacht, als in Plcnar-Versammlnngen. Man miiffe uberhanpt nicht nur in der Methode, sondern auch im Geistc der wenrren Aktion an die Nationnlvcrsaminlung anknüpfen.
„Wir haben, sagt der Redner, im Abgeordneisnkzanss eine starke, und :niscHloffene Majorität, wclche weiß, was sie will, und immer nur wollen wird, was sie anch kann. Im Sckzdoße dieser Majorität ist die Einigkeit [richt, fie brauchte also nnr ihr Programm festzusteUen und ihren WiUen zn r*rrlnnibaren, wrnn ihr nicht die elementarste Klugheit gehöre, anti) auf die andrren Jakiorcn der Staat-dewnlt Riicksicht zn nrhmcn. Wir baden zwei Knmmern, meine Herren, ick] fürchte, das; wir dies in drr ersten Freude etwas vergeffen haben. Ick) wiU Und muß von dem Srnate nur in tiefer Achinng sprechen. Wie wir, aus dem Volkswillrn hervorgegangen, wie wir, cntsrk)loffcn„ die rciinblika- nische Vsrfaffung anfrechtznerhalten, hnt er nicht nur Rrckn anf unsere Ergebenheit, sondern ist auch ein noihwendiger Fakwr in nllen unseren Kombinationen. Ick) sprrche es laut aus, daß ich ihn nichr für einen Feind halte; aver fiir den Angenbliéé fck]ci- nen der (Heist des Fortschritts und der Geist des Widerstandes ihn in zwei nahezu (][-sick]? Theile zn spalten; don Iiinsn, meine Herren, wird es abhängen, ob das Zünglein, Dank Ihrer Mäßigung, nach links, oder Dank Ihren Frhigriffen, nnck) rechts neigen wird. Hirr muß der Geist deH ?lqul-sichs in seine Rechte irrten,“ hier muß der Geist der Initiative, der cincr jungcn und volksrhümlia'zen Kammer so gut ansteht, fick) einzu- schränken und anznschmiegen verstehen. Bei Reformen ist es nicht die Haupisacizs, zn drrlangen, sondern dnrch5nse§en Bei unserer konstitutionellen Einrichtung, die wir vor allem gegen einen „Konflikt jchÜZen miiffen, auf wslchen di.: sch1immsten Frinde der Republik Und dcs Vaterlandes nur lauern, find die :rdit- terien Rückfordrrnngen, die aggressiven Formeln, rie absoluten Lehriäize zur Oßnnrarßt vcrnrthrilt. Vor ihnen werden wir Uns daher zu hüten wissen, wir Werden die Fragen eine nach der anderen in den Grenzen behandein, die ihnen durch dir angen- blickiichen Umstände gesteckt find, mrhr bedacht auf den praktischen Erfolg, nis anf die änßere Wirkung. Unsrre Pflicht ist, die Wünsche der öffentlichen Meinung in c'inrr Form vorzubringen, welche für beide Kammern annehmbar isi, wie es Fortschriri-Z- männern gezicmt, welche die Reformen nicht für fici), sondern nm ihrer selbst willen lieben. Diese Wünsche enthalten iibrigens nichts, was selbst die Acngstlichs1en beunrnhigen könnte. Ist nicht jetzt die öffentliche Meinung selber der cindringlichste Prediger der Mäßigung und Einsicht? Niemals zeigic fie sick) unmittelbar nach einer großen politischen Bewegung freier von Utopien, nirmals war cinr Nation, die in den Befiß ihrer selbst gelangt War, lcichtcr zufrieden zu fteUen. Sonst sah man wohl ein entflamnrtes Voir von der republikanischen Regierung die soforiige Erfüllung aller Träume, alier Chimären verlangen und die Republik erlag dann unter der Last einer unausbleivlichen Eiitiänschung. Wie anders jeßt. Vor fünfundzwanzig Iahren forderte man die republi- kanischen Minister auf, mit einem Z.:nberfthlage die ganze Gesellschaft zu vrrändcrn. Glückliche Minister von 1876, Frank- reich verlangt von Euch nur, daß Ihr einige Beamte ver: ändert! Und diese so bescheidenen und gerechten Wünsche sauren nicht erhört werden? Welcher StaatSmann wäre unver- ständig genug, fick) ihnen zu widersexen? Ich für meinen Theil kann es nicht glauben und berufe mich dafür nicht blos auf die Loyalität des Kabinets, sondern auch auf die Macht der Ver- hältnisse, die ja schon aus einer monarchisck) gesinnten Nationai- versammlung die Republik hervorgehen ließ, Wie sollten jeßt untcr einer republikanischen Verfassung, in einem republi- kanischen Lande und mit einer republikanischen Majorität
ivdhc Beamte in ihren Stellnngen bleilnn, die sick) gegrn die Re- pu.-lik an ißrcr Wiegc verschwdren lxdrn? Nein, :;nicndinal nein! Wrnn wir die Akte drs neuen Kabinetts abwarten mirffcn, so gesrricht dies ohne Nicdergeschlagenheit oder Mißtrarren. Wir wünschen ihm von Herzen eine lange Dauer. In der Ronnblik und zumal in einer parlamentarisckzen Republik wird das längsie Ministerium nuch das beste séin. Wir haben dem arinirsamrn Frankreich die Wohlthaten einer friedlichen, von Stürmen nnd Krisen freien Republik versprochrn; wir ftnd ihm cinr W[che schuldig und wir werden sie ihm geben.“
Dre „République frantxaise“, welch? vielmehr nUf die Fnswn ailcr Linken hinardeitet, ist rnit dirs-Zr Rede wrnig thricdrn,
. _ 22. März. (W. T. V.) Die von dem „Journai offi- ciel“ heine Veröffentiicizten Verändernngcn in der Be- seßnwg mehrerer Präfektenstelien betréffcn im Ganzkn 24_Prniekien. 13 Präfekten wcrden tlzeils dnrck] andere erießt, theils 111 den Ruhestand verseßt, iheils znr Dinoüti-sn qesn'llt. Unter lcyteren befinden fich die Präfekten von MarsriUe, Niniss, Bordeaux, Toulonso, Orléans, Epinnl und Tours. Tcr **.riifekr von Pan, NadaiUnc, ist nach Tours derseizr worden.
„» Versailles, 21. März. (W. T. B.) In dsr Hrinigrn Yrßung ch Senats wnrde die Interprllatiorr Pnrien uber die Münzfrage bsrathrn. Parieu r*:rlnngic DZ; cinncit- liche Goldwährnng, der Finanz-Minister, Leon Snn Und Nrn- land sprnrben für Beibehaltung der dopprlren Wii:,rrrnq. “Oer Finnnz-Minister brachte hirranf einen Gesetzentwurf cm"] dnrch welchen die dopprlte Währung provisorijck; gsrcgci: “.ind der annz-Ministcr zugleich ermächtigt wird, die PTÜJULYQ VM 5:Franc§stiirfen durch Dekret zn beichriinkcn. _ Irn Wéitchx'. Ver- laufe drr Sinang legte Victor Hngd seinen Amnest iennrrna vor. Der Conseilpräsident anaure ergriff hirranf daé Wort und fiihrte aus, der Präsident der Repnbiik kdnrr wohl Brgnadignnnen für dirjcnigrn Drportirten oder Landesfjiickniren eintretrn lassen, welche ihre Vergehen bereuen, nder rina Milde sei nnmöglirk] für diejenigen, welcho dir Jrindc der Geicnsiiwst bleiben, und welche (LUS möglichen Mittel erfinden, Urn nach Frankreich Schriften gelangen zu [affrn WL[ch€diL Régiernng und die Geseilschnft vcrleumden, .Der Ministrr vrrinnnxc in: dessen die Dringlichkeit für die Berathung der Vorlage, weil man fick; sofort Über diese Angelegenheit sck)[i'ri'fig n1achen mnffr. Die Dringlichkeit fiir die Verarbung der Vorlage wnrde schließlich ein stimmig angenommen.
In der heutigen Siriung der Depuiirien kammer brachte RaHpaii (von den Radikalen) einc Nmnesti cridriage ern, wojnan) fiir nile politischen nnd Preßvergehen vxiisriindige Amnestie ertheikt Werden soil. Ronnier (von drrsekben Parisi) legte e_inen zweiicn Anrnestieantrag vor, der dis zn errhciirnde Anmeme anf gewiss? Kategorien beschränkt. Tor Mi- nister des Innern, Ricard, erklärte *sich Namsns der Regierung_ sonwhi gegen eins aUgcineine, wie gqun eine nach grwinen Kategorien zu erihcilende Amnestir, fck)ing nder für die_ Bcrnidnng der Angeiegenhcir die Dringlichkrit vor, weil man LUWU Antrag, der, wie der gegenwärtige, die Gcmiiidrr er- rege, sofort [*crathen iniiffe. RaSpail nnd BkiffOÜ sprachen grgen die Dringlichkeit. Die Versammlung beschloß disseldc aber Einjtimmig. Von RasP-ail (dein Iiingrren) ward,: I)iernnf noch ein Antrag eingebracht, wonach das Recht znr Eriiennnng der Maircs der Regierung ferner nicht mehr zUstkhéU wil.
Portugal. Lissabon, 19. März. (K. Z.) Die der Oppdiition angehörigen Mitglieder der beiden K" nmntcrn einschließiicl) der repnblikanisri) gesinnrrn Grnppc, hadcn 58an eine Versammlung abgshalten, um über cine Irrfaffnng-Frrfdrm nnd verschiedene (iderale Gesrxzantriige zn berathen. _ Ti: König: [ich]c Famikie Hat g-Zstern dem Prinzrn Und drr Prinzessin Leopold von Banrrn einkn Brsnck) grmackn.
Türkei. Konstantinopel, 21.März. (WT. V.) Nack) [)ier ringegangencn Nackzrirhrcn ()at Nciimer Mnkhta ): Pairna Gaczkd verlassen und ist in der Richtnng nack) Pi V n «rng»- Örochen, wo fick) die Insurgentrn gesammekt haben. _ Der ehemalige SiaatSrathé-Prästdent Kiaini1 Pascha ist ziim Minister dhne Poriefeuiile ernannt worden.
_ .Die von der „Times“ grdrariite Nachriän, dns; die otwmanische Bank, wsik die türkische Rrgirrnnz dsn inr dewiiiigten Kredit weit iibrrsckzritten, die LlnSzahlnng déi: fiir dns diplomatische Corps der Türkei im Auslande bestimmten Summen beanstandet habs, entbehrt nnch Minnéilnng 0011 anthentiscbcr Seite jrder Begründung.
_ 22. März, (W. T. B.) Ali Pnsrkza wird in Met: kovici] cine Unicrrednng mit dem Starthairer Baron Rodick] habrn. Dns Amiicftirdekrer wird hcnir 1:1 Borinien und in der Herzegowina veröffentlicht. Mnkrzrar PastHn nicldet, das; dir in Piva znr Verhink'ernng der Verprovinnrérnng von Zsiikific konzxntrirtrn Insnrgenrensckznaren fici) zersrrcnt )(: en.
Aus dem Wolffsrhen Telegraphen-Bure an.
Dresden, Miitwoch, 22. März, Mittags. Tie Icicr des Kaiserlichen Geburtstages wnrde friih Morgens dnrch eine große ReveiUe der Miiitärmufik einasleirsr. Die Stadt flaggt in deuischen nnd sächsischen Farbrn. Vormittags erschienen sämmtliche Ministsr bsim pren- ßischen Gesandten. um ihre Gliickwünéche für des Kaisers Majestät darzudringen. Mittnch finden Fsstdiners der Mitglieder beider „Kammern und des OffiziEr-CUWS statt. Nachmittags Galatafel bei den Königlichsn Maje- stäten, zu welcher der preußische Gesandte, Graf Solms, LegationS=Raih Graf Radoiinski, der Kaiserliche Obrr:Post- Direktor, sämmtliche Minister, der bayerische Gesandte nnd mehrere Generaie eingeladen sind. Abends Feftdiner des dentsckwn :iicickis- vereins auf dcr Brühlschen Terrasse, bei welcher Professor Bie- dermann die Festrede hält.
Leipzig, Mittwoch, 22. Miirz, Vormittags. Zur Feier des Geburthage-Z Sr. Majestät des Kaisers sind akle öffentlichen Grbände nnd viele Privatliänssr reich mit Flaggen geschmückt. In sämmtlichen Schulen fanden Feier- lichkeiten statt. Für den Abend ist ein Festessen iin Sckiiixzen- hause nnd eine Iklnrnination der öffentlichen Pläne in Aussicht genommen.
Ragusa, Mitiwoch, 22. März. Es bestätigt sich, daß Ali Mnkhtar Pascha die Verhandlungen mit den Jührcrn der In- snrgentcn wegen Abschlusses einer Waffenruhe fortseßt, während wrlckxer dicselven mit den Kommiffären der Pforxe inner- handeln folien,