von Bayern in Anerkennung seiner hervorrazenden Leistungen dic Geheimrathswürde verlieben nnd_1[)m die_1e Auézxxchnung in einen' sehr huldrollcn eigenen Handschreibcn mitgetheilt WLden.
_ 29. März. (W. T. B.) Die Mittheilung einiger Blätter, daß ein Theil der liberalen Kammerfrakiion, bcziehungSiveise der linke Flügel derselben, eine bciondere „freie Vereinigung“ bilden werde, wird non gut unterrichteter Seite als vollständig unbegründet bezeichnet.
Sachsen. Dresden, 29. März. Die Erße Kammer mhm in ihrer gestrigen Sisung den Gesehentwnrf über die Entschädigung der Geistlichen und Kirchendiener mit geringen Aenderungen in der Fassung der Zweiten Kammer an.
_ In der heutigen Sißung der Zweiten Kammer wurde mch längerer Diskusfion die Novelle zu dem Geseße über dM Lgndeskulturrath mit mehreren von den Referenten vor- geschlagenen Abänderungen gegen 12 Stimmen angenommen. Hierauf bewilligte die Kammer den Etat des Ministeriums des Auswärtigen und die Ausgaben für das Deutsche Reich. Eine fnrze Debatte veranlaßte der Antrag der Majoriiät der Dsputation, die Postulat? für den Gesandten in Wien und den Ministerrefidenten in München abzulehnen. Die Kammer 58- wéiligtc jedoch, dem Anrathen der Minorität der Deputation ei'tsprechend, dic gedachten Postulate mit 34 gegen 31 Stimmen.
Württemberg. Stuttgart, 28. März. Inder [)LUÜJSU Sitzung der Kammer der Abgeordneten (der ersten nach drr Vertagung) find [aut Bericht des „St.-A. f. W.“ folgende Anträge in Bezug auf das Eisenbahnwesen eingelaufen:
1. Antrag von Schmid, v. Sarwey und etwa 36 Gen.: die ' hoize Kammer wolle
«) Der Königlichen Régierung gegenüber aussprechrn: Die Abhülfe der Mißstände, welche im deutschen Eisenbahn- wesen bestehen, sei durch das Zustandekommen eines im Sinne der Bestimmungen Art. 4, 8 und Art. 41_47 der Reichs- verfassung zu erlassenden Rcwbéeisenbahngeseßes anzustreben, nicht aber durch Erwerbung irgend eines Komplexes deu1scher Eisenbahnen auf Rechnung des Deutschen Reiches; d) die Königliche Regierung ersuchen, dieselbe möge al1en Maßnahmen, welche auf eine Uebertragung von Eisenbahnen auf das Reich abzielen, ihre Zustimmung im BundeSrath versagen.
11. Antrag von Dr. Elben u. Gen. (Pfeiffer, Wächter, Finckh, Müller): Die Kammer möge beschließen: 1) die Rigie- rung zu ersuchen, fie wolle auch im jeßigen Stadium fiir das Znstandekommen eines wirksamen Reich5=EisenbahngeseHeck durch tvsickzes in Ausführung der Bestimmungen der Reickzsverfassung die aus der Zersplitterung des Eisenbahnwesens in einem großen Tiieil Deuiichlands entspringenden volkswirthschaftlichen Schäden bsieitigt werden können, nach Kräften thätig sein; 2) fie wolle, wenn der Auggang der Verhandlungen über die nrueste preußische Eisenbahngeseßvorlage nur die Wahl läßt zwischen der Uebernahme der preußischen Staatsbahnen auf das Reich oder
E'.“ cinscitigen Hin[enkung der preußischen Eisenbahnpolitik auf Schaffung eines Über die preußischen Staatsgrenzen hinaus- reéchenden Uebergcwichis des preußischen Eisenbahnsystcms, fich fix:“ die Reform durch das Reich entscheiden.
111, Oesterlen und Genossen stellen folgende Anfrage an -
de:: Minister der Auöwäriigen Angelegenheiien: In Erwägung, daß in politischer, finanzieller und wirthschaftlicher Beziehung [:::-3 Wohl Württembergs, wie die föderatioe Grundlage drs Reiches durch die preußische Vorlage wegen Uebertragung p:?iißiscknr Staatsbahnen auf das Reick; gefährdet wäre, bephren 11:1) die Unterzeichneten, den Herrn Minister darüber zu interpel- [ix_en: 5. Was ist der Königlichen Staatsregierung über die Ab- sicht der preußiichen Regierung in dieser Hinsicht bek-xmnt? 1). Welcher RechtSanficht ist die Königliche Regierung Über die Frage, ob die preußischerseiis geplants Uebertragung von Eiscnbahnen an das Reich im BundeSrath durch einfache S:immen1nehrheii beschlossen werden könnte, oder ob fie eine Verfaffungsänderung (Art. 78) involvirt? 0. Ist die Königliche Regierung der Ansicht, daß für eine etwaige ZUftimmung im Bnndesrath die Zustimmnng der württembergischen Landes- vsrtretung nöthig ist? (1, Welche Stellung nimmt die Königliche Regierung ein bczügiich der Tarifreform 2c. im Eisenbahnwssen? (Unterzeichnet ist diese Interpellation von Mohl, Schwarz, Probst, R-Itier, Hopf, Entbeinz IL,).
Präsident v. Hölder wird diese Anträge und dic Interpeüa- ii.;n auf die TageSordnung einer der nächsten Sixznngen (Don- nsrstag) setzen.
Baden. Badcn-Badcn, 29. März. (W. TV.) Die Kbnigin Victoria ist mit der Prinzessin Bratricc Und (He- frxgc beute Nacknnittag 41151“ hier eingetroffsn und in der Villa .OI-benlohe abgestisgen. Lord Derbi) traf (“[K-1151115 [)cntc Nachmittag Hier ein.
;Orstcrreicthgarn'. Wien, 28.März. Se. Könileichc szctt der Prinz Carl von Preußen ist mit Höchstseiner Gemahlin vorgestern m Linz angekommen und gestern von dort ÜOer Salzburg nach Italien weitergereist.
_ Vorgestern waren inVrag die altczechischen Landtags- abgeordneten versammelt, um die Antwort auf die Aufforde- rrrnq des Oberst-Laiikmarsckzaüs zum Erscheinen im Landtage zn bsrathen. In dieser Versammlung wurde, wie die „Politik“ berichtet, „der Tiroler Landtagömajoriiät für deren mannhastes Auftreten gegen die alle Autonomie der Länder erdrückende Centralisation 11170 der Landtachmajorität in Zara für deren entschiedenes Ver- Urrbeilen der politischen Korruption die wärmste Zustimmung ansizesprochen“.
. _ Die „N. Fr. Pr.“ bespricht in ihrem [)euiigen Leitartikel d:? wirthschaftliche Krisis in Oesterreich, der fie wiederum die Entwerthung des Silbers zur Last legt. „DieKrise“, schreibt das genannte Blatt, „weiche zuerst über die .[kiien der Banken und über Indußriepapiere hercingebrochcn, frißt weiter wie ein verheereixdes Element und erfaßt nun die solidesten An- [agcwerthe. Mitten im Frieden, und ohne daß auf dem ge- sammten Gebiete der inneren und äußeren Politik irgend ein bsunruhigsndes Ereignis; eingetreten wäre, fallen unsere Renten- cburse ruckweise um mehrere Prozrnie, und damit paraUel [äust em ebenso sprungweises Steigen der Goldcourse. Der Zu- sammenhang beider Erseheinungen liegt klar zu Tage, fie be- herrschen seit Wochen unseren Effektenmarkt, und Jene, w::[che unsere Artikel über die Mittel, der Krise ein Ziel zu sehen, ihrer Aufmerksamkeit würdigten, haben wohl schon erkannt, daß in der Entwerthung dcs Silbers und in dem Emporschnelien des Guldprxises die allgemeine, die große Ursache der Kalamität zu suchen ist, welche über unser Land hereingebrochen i .“
. __ In demseibsn Blatt äußert sich auch Prof. Soetbecr w:oder uber die glsiche Frage. Derselbe verwirft den Vorschlag
der erren Wolmski, Cernus chi, Send, Mees und Anderer, ein ebereinkommm der großen handeltreibenden Nationen wegen gemeinschaftlich“ FestßeUUng einer gleichmäßigen Werthrelatwn der Edelmetalle für das Münzwesen und damit eine fast unerschütterliche Stabilität des effektiven Geldes an- zubahnen. Nachdem Prof. Soetbeer die all emeine Preis- ßeigerung auf 50 Proz. berechnet hat, ährt er fort: „Wenn wir auch bereitwillig einräumen, daß die Entwicklung des Kreditwesens und die Papieroaluta in den Vereini ten Staaten, Italien, Oesterreich-Ungarn und Rußland zum jeßtgen Minderwerthe des Geldes wesentlich beigetragen haben, so können wir doch den Hauptfaktor für die Steigerung der Preise nur in der gewaltigen Zunahme der Baarmittei durch die koloffale Gold- gewinnung in Kalifornien und Uusftralien erkennen. Die seit einigen Jahren eingetretene progresfive Zunahme der Silberproduk- tion bedroht uns 1th von anderer Seite her mit einer weiteren Werthverminderung des Geldes. Die gleichzeitig wirksam ge- wordene beginnende Werthvarminderung des Silbers wird hiergegen Abhiilfe gewähren. Wenn man erwägt, wie schädlich und ßörend in allgemeiner sozialer Hinsicht das Schwanken des Geldwerthes und namentlich ein starkes Sinken desselben wirkt, wie schwierig und langsam die sachgemäße und der Billigkeit entsprechende AuSgleichung der Geldeinkommen und der Kosten des Lebensunterhalts nach eingetretenen Preis- revolutionen iß, so muß man es als eine Wohlthat ansehen, daß die jeßt im Werke begriffenen Münzreformen den Silber- preis [)inabdrücken und in den vorgeschriitenen Kulturländern das Silberkourant beseitigen werden. Möglichste Stabilität des Geldwerthes, der jeßt mit der Kaufmacht des Goldes zusammen- fälit, ist eine zu wünschenswertbe Sache, als daß fie, soweit solche überhaupt zu erreichen ist, nicht durch vorübergehende und einzelne Kreise treffende Opfer und Unzuträglichkeiten, wie fie die 1WHM)verringerung des Silbers mit sich führt, erkauft werden o te.“
Pest, 28. März. Jm Nbgeordnetenhause wurde der Antrag Ziedenyi's, wonach fick) die Sektionen erst nach den Feiertagen konflituiren soilen, angenommen. Die Minister reiséki'bDonnerftags nach Wien, wo dieselben bis Mitte April ver et en.
Schiveiz. Bern, 28. März. (N. Zürch. Ztg.) Gegen das Militärsteuergcseß smd bis jth bei der Bimdeskanzlei 26,881 Unterschriften eingelangt: aus St. Gallen 7067, Wans 3858, Appenzell A.-R[). 1375.
_ (Köln. Ztg.) Die Gotihardbahn- Direktion be- zeichnet die Nachricht, daß sis dem BundeSrath erklärt habe, fie halte fich gegenüber seiner offiziellen Kontrole des GottHardbahn- baues für dessen gegenwärtige Krifis nicht verantwortlich, für Lingenau.
Großbritannien und Irland. L o n d o n, 28. März. (EC.) Ueber die Ankunft des Prinzen von Wales in Suez und seinen Empfang in Kairo wird der Times von ihrem Spezial- Korrespondenten berichtet: „Als der „Serapis“ und das britische Geschwader auf der Rhede von Suez ankerten, wurden sie von den ägyptischen Kriegsschiffen begrüßt. Lord und Lady Lutton, Oberst Burne mit Gemahlin, Tscherif Pascha, Mußafa Pascha, General Stanton, Hr. Gordon, Hr. v. Leffeps, Kapitän Willoughbr) und andere wurden an Bord des „Se- rapiö“ zum Frühstück empfangen. Lord Lytton harre eine [ange Unterredung mit dem Prinzen und begleitete ihn zum Bahnhof, wo er herzlichen Abschied nahm. Ein Extrazug brachte den Prinzen nach * Kairo, und hier erwarteten der Khedive und die Prinzen, der Groß- fürst Alexis von Rußland mit Gefolge und vie[e hochstehende Persön1ichkeiten seine Ankunft. Um 6 Uhr*“ Abends fuhr der Prinz mit dem Khrdive und von einer starken Ehrenmache be- gleitet zum Palast Gczireh. Der Khedive verabschiedete sich nunmehr von dem Prinzen, der mit dem Großfürsten Alexis speiste und darauf die Oper besuchte. Kairo ist sehr voll. Heute ßattete der Prinz dein Khedive einen Privatbesuck) ab und unterhielt fick) [ange mit ibm. Nach dem Besuche des Prinzen hatte Sir Bartle Frere eine Unterredung mit drm Khedive sowie auch mit Gensral Stanlon und Herrn Rivers Wilson. Lord Alfrrd Pagst reiste [)euie Morgen nach Italien ab. Der Prinz nahm das Diner mit dem Großfürsten Alexis im Palast El Nouffa ein. Am Sonnabend tritt der britische Thronfo[ger die Reise nach Malta an und der Großfürst be- gleitet ihn dahin auf einer russischen “Fregatte,
_ Dcr „Morning Post“ zufolge find die Berichte iibßr eine Reise der Kaiserin (Zrigcnik und des Prinzcn Louis Napoleon naci) Dcniiciyland aus dEr Luft gegriffen und hat Weder sic nock) dm“ Sohn CHislebnrst Verlassen.
_ Die indische Tite[vorlage bleibt der Haitptgegen- ßand, in welchem sich gegenwärtig das ganze politische Interesse vereinigt. Jm Oberhanse steht für den 30. die zwsite Lesung auf der Tagesordnung, we[che von der Opposition ais soicber nicht beanstandet werden wird. Es steht indessen ei» Amendemcnt Lord Sbastesburys auf der Liste, welches vom Herzog von Bucclench befürwortet werden und dem Vernehmen nach die Unterßüßung der Opposition iiberhaupt erhalien soll. Im Unterhanse soll gleich- zeitig der Marquis of Harrington den Premier ersuchen, der Königin den Rath zu geben, fie möge den Erlaß der Prokla- mation über Annahme des neuen Tiiels hinausscbieben, bis das Unterhaus Gelegenheit gehabt, den Antrag Prof. Fawcetts, der mit der Motion Shaftesbury im Oberhause der Hauptsache nach übereinstimmt, zu erörtern.
_ Der „Times“ wird unter dem 26. d. aus Calcutta berichtet: Die Angelegenheiten in Khelat sind noch nicht geord- net und unlängft fand zwischen den Bahaa-Häuptlingen und dem Khan ein Gefeckzt statt, in welchem der Letztere gänzlich geschlagen wurde. Major Sundeman, der bei den Stämmen großen Einfluß besitzt, geht nach Kl')e[at, um über Beilegung der Streitigkeiten zu unterhandeln, und eine Truppeneskorte begleitet ihn. Seinem Berichte zufolge istthätliches Einschreiten unnöthig, da die indische Regierung gegen keine Der beiden Parteien Ver- pflichtungen hat. *
Frankreich. Paris, 28. Miirz. Der „Köln. Ztg.“ wird gcickyrieben: Die Politik der Tagesblättcr bejvcgt fick) noch immer erntlick) um Waddingtons EntWUrf zur Reform des 11 nterrichthei ck es, und sie echitcrt fich zu einem allgemeinen Wortkamps des liberalen Heerlagers gegen das klerikale. Das lelztxre thut, Was es immer und übsrall zu thun gewohnt ist, es“ ]qmmsrt iiber Verfolgung und Bedrückung. Aus der Einstimmigkeit der liberalen Preise aber ist deutlich zn ersehen, wie sehr der Klsrus auch hier durch scme Herrichgelüste und durch seine Art fick) geltend zu machen, die öffentliche Meinung gegen sich auf- gebracht hat. Die neuesten Proteste des Papstes
gegen die Toleranz in Spanien find nicht ohne Einwir- kung auf die Stimmung in Frankreich. Indem fie dem Volke zeigen, was es von der „Freiheit“ des Ultramontaniömus zu erwarten haben wird, dienen fie dazu, die -mtiklerikale Stim- mung zu verßärken. _ Der französische Episkopat, der zur Gründung der katholischen Universität in Paris einm Verband geschloffen, wird fich morgen im erzbischöftichen Palast zu Paris versammeln und iich unter Kardinal Guiberts Vorfiß mit den Maßregeln zur Entwicklung dieses Werkes, zugleich aber auch mit Waddingtons Gesesemwurf beschäftigen.
Versailles, 29. März. (213. T. B.) In der heutigen Sihung der Deputirtenkammer wurde bei Kegelegenheit der Prüfung der Wahl des republikanischen Deputirten Guyho für das Departement Finiftére von dem bonapartiftischen Depu- tirten Pra Paris der Majorität des Hauses der Vorwurf g“ macht, da es ihr an Unparteilichkeit fehle und daß fie nur die Wahlen ihrer politischen Gegner fur ungiltig erkläre. Nach [eb- hafter Debatte wurde die Wahl Guyho's bestätigt.
_ 29. März. (W. T. V.) Der Konseilpräfident Du- faure und der Minister des Innern, Ricard, haben sich in der Kommission des Senats gegen eine allgemeine Amneßie aUSgesprochen, dagegen für Begnadigung Einzelner.
Spanien. Es haben fich, wie man der „Köln. Ztg.“ schreibt, viele Freiwillige gemeldet, die fich noch den nach Cuba zu schickenden Verßärfungen anschließen wbllen. Neuerdings wurden wreder zwei KavaUerie-Regimenter nach der Insel geschickt. Seit der Befieguug der Carliften iß die Beendigung des Aufstandes :'qu noch eine Frage der Zeit und es giebt keine cubanische Frage me .
_ (Köln. Ztg.) Das Breve des Papftes an den Kardinal-Erzbischof von Toledo, deffen Veröffentlichung durch den [eßteren den Grund zu einer Interpellation in den Cortes gab, iß vom 4. März datirt. Pius [U. bezieht fich im Eingang auf ein Schreiben des Kardinals, in welchem derselbe ihm von seiner an die Cortes gerichteten Petition für die Glaubensixinheit in Spanien Mittheilung gemacht hatte. Hier- durch und durch die zahlreich aus allen Theilen Spaniens er- schallenden Bitten bewogen, habe er seinen Nuntius nach Madrid gesandt, mit dem Auftrage, bei den Kammerdeputirten,. den Ministern und dem Könige selbß mit aller Energie dahin zu wirken, daß die [eßten Spuren der beklagenswerthen Revolutionen der Iüngftzeit verwischt würden und das Konkordat vom Jahre 1851 nebst den später darauf abgeschloffenen Verträgen wieder tn seine alte Rechte trete. Das Breve fährt dann fort:
Und da die Verfassung von 1869 eine schwere Vsrgewaltigung gegen diesen Vertrag enthielt, eine Vergewaltigung, der man durch die Proklgmirung der Kultußfreiheit Gesexzeskraft gab, so wandte unser Nuntius gxmäß den von uns empfangenen Instruktionen seinen gan- zen Einfluß an, diesen Vertrag wieder in Kraft irrten zu lassen, mit energifcber Zurüzkwxisung jeder Neuerung, die ihrer Natur nach der religiösen Einheii hätte schaden können. Gleichzciiig erachteten wir es fur unsere Pflicht, dem katholischen Könige in einrm eigenhändigen Schreiben uniere Ansichten in_ diesem Punkte außeinanderzuie en. Selbst dann noch, als die_svamsche Presse den Text des neuen er- fasiunßseniwurfs veröffentlichte, wie er den Cories zur Beraihung vor- gelegt werdensoÜte und dessen eilfte-s Kapitol sich auf die gesetzliche Villi- gnng der Freibrix oder Duldung der nicbtfaiboliscben Religionsbekenni- msie bezieht, )elbii dann noch haben wir unserm Kardinal-Staatssekretär aufgeiragen,_ dem Vertrrier der spanischen Nation unter Zugrunde- [rgung des in Frage siebendcn vom 13. August 1875 datirien Doku- ments unsere guf Recht und Pflicht begründeten Einwürfe grgen das genannte Kapite'l anseiuanderzuseßen. Als die spanisch! Rrgierung uns hierauf mri, einer Anzahl von AusCinanderskßungen erwiderte, haben wir noch einmal die gleiche Klage erhoben, und unser Nuntius in_ M_adrtd fuhr fort, in1einen Konfcronzen mit dem Srants*Mi- nisterium, zu'verlaugen, daß seine Beschivrtdsn dcn öffentlichen Akten des Ministeriums eingerriht wüxdcn. Und trotz ailedem erlsbten wir den tiefen Schmerz, zu sehen, dax: unsere eigenen Bemühungen wie die des Kardmal-Staaidsekretärs und unseres Nuntius zu Madrid gleich fruchtlos blieben. Noch emmalprotestirenwirim Verein mitden Bischöfen und dem größten Theile der Gläubigen Spaniens dagegen, daß die Tole- ranz der mcbtkatboliichen Kult? Geseßesßaft erlangt, wir p:otestiren dagegen als 5Ligen eme Verletzung der Wahrheit und dyr R2chie der kathylischen 1rch?. Wurde diese Duldung zur Thatsache, so wäre damit der Verbreitung des Irrthums und in zweiter Linie der Ver- folgung der katholischen Kirche Thür und Chor gröffnei. Eine Un- zahl von U'ebeln _WUrde fich über diese erbabsne Nation ergießen, Welche von jeher diese Religionsfreibeit mit Unwiiien von sich zurück- gewiesen bai, welche mit ganzer Seele an der von den Vorfahren ererbten ReligioUSeinhcit hängt, die so innig mit den Denkmälern nnd Ueberlieferungen der Geschichte, der Sitten und des Ruhmes diefer Nation, verflochten "ist.
Pius 111. wunscht, daß diesem Schreiben durch den Mund
'der Kirche die größtmögliche Verbreitung unter aUen Gläubigen
Spaniens zu Theil werde.
Italien. Rom, 29. März. (W. T. B.) In der heutigen Sitzung der Deputirtenkammer machte Bianch'eri die schrift- liche Mittheisung, daß er das Präs idium der Kammer niederlege. Nachdem hierauf der Minister-Präfident Deprejis erklärt, daß Biancheri das volle Vertrauen des neuen Kab-“nets befiße, und nachdem Minghetti und CriSpi ihrem Vertrauen zu Biancheri Ausdruck gegeben, lehnte die Kammer die Demission Viancheri's einstrmnng ab. Ncrchdem' der Minißer-Präßdch Depretis Zeit zur Prufung der fruher eingebrachten Regierungsvorlagen verlangt hgtte, vertngte sich die Kammer bis zum 25. Aprild.I.
_. Die „Optntone“ freut fich, bestätigen zu können, daß selbst die Organe der Linken erklären, daß in der Staatsverwal- tung zwar manche Veränderungen bevorstehen, an der Heeres- und Fldtienorganisation aber nichts geändert werden soll. Die „'Opintone' giebt darauf hin der Hoffnung Ausdruck, daß fich die neue Heerxs- und Marineverwaltung darauf beschränken werde, die von ihren Vorgängern angebahnten Reformen gx wiffenhaft durchzuführen.
_ In der Adresse der internationa[en D eputation an den Papst, we[che der Herzog Des Cars vorlas, finden fich fo'lgende Stellen: . . . „Deine Feinde wollen die Heerde vom Hirten trennen, sie halten sich fiir die Stärkeren, und halten mit ihren Hoffnungen und Avfickzten nicht zurück. Sie sagen es laut, daß sie Deine und unsere Geduld ermüden weröen. Sie glauben, Deine heiligsten Rechte beßimmen zu können, und sehen aber nicht, wie gerade ihre Kraftanstrengungen Deine Rechte immer mehr verstärken, fie weigern sich in Deiner 1). Person den Vertreter des absoluten Herrn unserer Seelen anzuerkennen, der, erfüllt von seiner Liebe, erleuchtet von seinem“ Geiste, bekleidet durch seine (Christi) Macht, der geseßmaßige Ausleger feines [). Willens, auf Erden seine Iußiz erhält und f eine Gnade spendet ..... “ „Niemals werden wir Verträge mit jenen machen, welche behaupten,Deine geißige Macht beziehe fich nur auf die Seelen und habe keine Gewalt über das öffentliche Leben der Menschen“ . . . .,
_ Dem „Schwäb. Merkur“ schreibt man aus Mailand unter dem 23.: Die Ultramnntanen find mit ihrem Fest- programm für Legnano fertig. Soeben verkündigt es der
( (.
„Katholische Beobachter“, das hiefige Organ derselben: Es wird das .edächtniß des Sieges über Barbarossa darnach 'auf sieben- fache Art gefeiert werden. Im Dom zu Aleffgndrm errichtet man eine Statue von St. Ambrosius, dem Mailander Patron. Dann wird eine Abordnung nach Rom zu Pius 11T. gesandt, um dem Nachfolger Alexanders 111. zu huldigen, demselben einen Protest gegen die Schismatiker und eine Ergebenheitsadrrffe zu überreichen. In der S. Simpliciankircbe mird eine reltgrose Feier mit ambrofianischem Lobgesang stattfinden. _Gme Ybend- unterhaltung soll die Erinnerung an die Schlacht m vuich1ede- nerlei Gestalt auffrischen. Eine Gelegenheitssthrift .Traitatlem) wird vorbereitet. Endlich wird man Dcnkßeine an die statt- gehabte Feier errichten.
Türkei. (W. T. B.) Aus Ragus a wird unter dem 29. März gemeldet: Der türkische Kommis'sar Bassa Effendi ,hat unter dem geßrigen Tage eine von hier dattrte_Z) rok [ anration erlassen, in welcher er, anknüpfend e_m das xungste Kaiserliche Reform-Irade, bekannt macht, daß die auf mer Wochen feftgx- seßte Amnestiefrist vom 24. d. M. ab gerechnei m:rd. Tie binnen dieser Frist heimkehrenden und die Waffen niederlegcnden Einwohner sollen außer den ihnen durch die Reformen gewahr- ten Vortheile eine einjährige Befreiung'vom Zehnten und eme zweijährige Befreiung von allen sonstigen grseßltchen Steuern genießen. Alle übrigen Einwohner werden, wre bereit:“: ander- weitig gemeldet, nicht nur der Wdhlthaten der Reformen ve_r- luftig gehen, sondern ihr Befiß mird verkauft und der Erlos unter die Heimkehrenden vertheilt werden.
_ Ein weiteres Telegramm von demselben Tage be- richtet: Zwischen General Rodich und Mnkhtar Pascha ist nunmehr eine Verßändigung dahin erzielt worden, daß vom 28. d. bis zum 10. April inkl. in der Herzegowina die Feindseligkeiten vollständig eingestelit_ werdexn sollen. Mukhtar Pascha kehrt heuie nach Trebmxe zuruck, Ali Pascha w1rd mor- gen Ragusa verlaffen.
Rußland und Polen. St. Petersburg, 28. Miirz. Eine Konsular-Konoention zwischen Rußland und Spanien ist, der „N. Wr.“ zufolge, in diesen Tagen abgeschioffen wor- den. Nach derselben werden 11 neue Konsulate und V13x-Kon- sulate eingerichtet wzrden. _ Die Aufhebung des balttschxn General-Guberniats gestattet, nach demselben Blatte, eme reine Ersparniß von 80,000 Rbl. Der ungefähr 12 Proz. der ganzen ursprünglich au9geworf€nen Summe Von,_91,000 Rb[_. betragende Rest soll zur Bestreitung der Kostewfnr die in dte- sen Gouvernements = Verwaliungen sich jetzt steigernde rusfische Korrespondenz, sowie zur Besoldung zweier Beamten gnseder Kanzlei des General - Gouverneurs, welcbe" dns Ministerium wegen ihrer Kenntniß der spezieilen Verbaltmffe der _Oitsee- provinzen in Angelegenheit dieser Provinzen verwenden Will, und endlich zur Unterstüßung und Erziehung von Beamtenkmdein verwandt werden. .
_ (St. Pet. Hero[d.) Im verfwffenen Lehrjahr wurden in den Iunkerfchulen 4400 Junker unterrichtet. UntZr diesen befanden fich 3410 Personen, welche fich zn Offizieren fur Fuß- Regimenter vorbereiteten, 480 für Kavallerie?:, und 510. fur Kosaken:Regimenter. Aus dieser Zahl haben mri volistandtgenr Erfolg gearbeitet 77 pCt.; mit geringern Erfolge, ohne daß die Hoffnung auf ein günstiges Resu1tat bei fcrnerem Verbleiben m der Schule aufgegeben werden mußte, 5 pCt.; voilßandig cr- folglos, so daß fie aus der Anstalt auSgefthloffen wiirden, 8pCi. Wegen sch1echt€r Führung wurden entfernt 2 pCt., mcht exami- nirt wnrden 2 pCt. und auf eigenen Wunsch traten aus den Anstalten 6 pCt. Als Offiziere smd endlich aus den Anstalten entlassen worden 1632 Mann.
SchWeden und NorWegen. Siockho[m, 27., Marz. Die heutige „Post och Inv. Tidn.“ enthalt folgend? Mitthei- lung: Bei der Beratyung über den Gesundheiißzuftand Ihrer Majestät der Königin, welche gestxrn zwischen dem Professor Friedreick; aus Heidelberg, dem Leihmedicns Budde aus Christiania und den Professoren Malmsten nnd Abelni stattfand, und welche alia sowohl hmfichilick) der Beschaffenheit der Krankheit Ihrer Majestät, sowu; der Behandlung derselben volikommen übereinstimmende Ansichten begtcn, Wurde beschlossen, Ihrer Majsstiit, welche fbrtgesxßt und m un- verändertem Grade an gcichwächter Herzthatigketi, Blutarrnutb und Störungrn in dcr Thätigkeit dcs Nerycniystcms [€10LÉ, anzuratben, zur Erlangung der großen nnd Wick)tlg€11 VOYWCÜC, Welche ein mildes Klima und eine frr]che und reine Luft er- bieicn können (je früher dcsto besser), nack) der sudlickzcn SÖWUZ abzureiien, um fick) daselbst, in M' Gegend des Gerner ScezZ, aufzuhalten, bis Ihre Majestät Anfangs Juni, oder, sobald dis Witterungsberbältniffi» solches erlauben, eine: [)'obsr gxl-x-gcnc: (He- birgsgcgcnd bcsuchsn kann, wo Ihre Majestai aucb draUL-Vclcgcn- beit, ein mildes eisenhaltiges Waffcr anzunxcndrn, crbali.
_ Schwedens Zolleinnahmen in 1875. Infolge des nunmehr abgeschlossenen Hauptbuches der Königlichen Gcneral- Zoliverwaltnng betrugen die Braxto-Einnabmen im genannten Jahre? 25224853 Kronen 15 Oere gegen 30405975 Kronen 14 Vers in 1874, mithin 5,181,121 Kronen 99 Vers Weniger. Nach Abzug der Erhebungskosten (2,277,678 Kronen 93 Oere in 1875). Bonifikationen 26. beträgt die Nettoeinnahr'ne in 1875 21,317,657 Kronen 3 Oere gegen 26,424,629 „Kronen 82 Oere in 1874, folglich eine Mindereinnahme von 5,106,972 Kronen
79 Vers.
Dänemark. Kopenhagen, 27. März. Das Lands- Wing nahm in seiner Sißung am Sonnabend das Finanz- geseH für 1876/77 und das Geseß, betreffend die Beobachtung der Feiertage der Volkskirche, in dritter Lesung mit allen gefteUten Aenderungsanträgen einstimmig an. Beide Geseßent- würfe wurden zum Folketbinge zurückgefandt. Ohne Debatte wurden die Geseßentwürfe, betreffend da? Uebungsiager und die Nachtragsbewilligung 'zum Fmanzgeseß, zur dritten Lesung verwiesen. _ In drr Stßung des Folkethinges am Sonnabend gab der von Boxsen xingßbr9chte Geseßentwurf, be- treffend die Veränderung des mrlitartsch'en erafrechtes, welcher zur ersten Lesung stand, zu xtner langeren Vex- handlung Veranlassung. Der Krirgs-Vitnißer verspraciz in nächster Session, wenn er noch Minister sein'werde, selbst emen bezüglichen Geseßeniwurf einzubringen. Er set der Ansicht, daß die körperliche Züchtigung im Heere abgeschafft, werden muffe, und daß man auch dahin kommen werde,_ den ,in der Marine noch gebräuchlichen geringen Rest der korperlichen Zuchtignng aufgeben zu können. Wenng[eich er Mit dem Antragsteller einig sei, so könne er doch den vorliegenden Entwurf nicht annehrnen, da er nicht im Stande sei, seine personlicbe Ansicht gegenuber den im Heere und namentlich m der Marine herrschenden An- fichten durchzuführen. Der Uebergang des Gxseßentwurfs znr zweiten Lesung und dessen Verweisung an eine aus 11 Mit-
gliedern bestehende Kommission wurde schlisßlich einßimmig 1 angenommen.“ _
_ 29. März. (W. T. B.) In der heutigen Sißung de.?- Jolkething wurden bei der Bcrathung des Wehrgrseßes die von der Partei der Linken geßellten Amendeznents _mit 56 und 39 Stimmen angenommen und die demgemaß abgeandertr Vor- lage mit 47 gegen 47 Stimmen abgelehnt. Der Reichstag wurde sodann durch ein Königliches Dekret'geschloisen.
Amerika. (A. A. C.) Kabeldepeschen aus Washingxon und New-York vom 27. ds. melden: _Die Justtz=Kommis_non des Repräsentantenhauses erachtet jeht die gegen den e_hemnlrgen Kriegssekretär Velknap vorliegenden _Bewnse fur hinreichend, und wird wahrscheinlich diese Woche die „_ImpeachmentÉ Artikel dem Hause unterbreiten. _ In Maffachu1etts, (T_onnerttcut nnd Rhode-Island smd durch die heftigen Rrgenguffe m vor1g_er Woche große Ueberschwemmungen einqetreten. Fabrik- gebäuden und Brücken, sowie verschiedenen Theilen der Eisen- bahnlinien wurde erheblicher Schaden zugefugt. _
_ Eine Depefche der „Times“ aus Philadelphtn meldet die daselbst (rfolgte Ankunft des Dampfxrs „Hammomq" aus Hamburg mit den AuHsteUungs-Kommiffaren der Schweiz und 1200 Tonnen Ausstellungsartikeln aus der Schwyz, Deutschland, Oesterreich, Dänemark und Aegyp en.. Gleichzeitig iß der ,Nederland' aus Antwerpen mit dem belgischen Kunst- kommiffar und 960 Kisten aus Belgien, Rußland und Deutickz- [and angekommen. . ' .
_ Eine Kabeldepesche aus Rio de Janeiro meldei die am 26. ds. erfolgte Abreise des Kaisers von Brasilien nach den Vereinigten Staaten.
Asien. China. Die „StaatSzig.“ veröffentlicht ein Edikt der Kaiserinnen=Regentinnen, in welchem befohlen Wird, daß der junge Kais er im 4. Monat des laufenden ' Jahres seine Studien beginnen soll. Wenq-Tung-ho, der_Vize-Kanzler des Groß=Sekretariats, und der Vize-Präfideni Hm Tung-stkwn find zu dessen Lehrern ernannt. Des Kaisers Vater, Prinz Tschau, ist mit der Oberleitung des Unterrichts betraut.
Afrika. Aegypten. Alexandrien, 30. März. (W. T. B.) Nach hier eingegangenen Nachrichtcn wurde der zwischen den ägyptischen Truppen und dem Konig Johann von Abessnien verabredete Waffenstillstand von dem Zeßteren ge- brochen. Die ägyptischen Truppen bracht_en Dem K0n1g91edgck) eine schwere Niederlage bsi. D"erse[b€ Wick) nach Lahlali zuruck und hat abermals FriedenSvorschlage gemacht.
Statistische Nachrichten.
O. A. Srbulz' soeben im 38. Jahrganiie (1876) erschienenes „Allgemeinss Adreßbuch für den Deutschen Bnchbandel, dcn Aniiquar-, Kolportage-, Kunib, Landknrien- nnd Musikalienbandel sowie verwandte GéschäitSzweige. Bzarbeitet und [)xrmißgegebsn vpn
ermann Schulz. Mit Hrinricb Brockbans' Bildniß. Leipzig, Schulz“ verzcicbnet für 1876 im (Hnnzxn 4550 Firmen ailer auf dem Titel genannten €Hx1chqsiszweigZ (gegxn 4531 im vorigen Jahre); davon beicbastigen "ck 1176 nur mit dem Verlaps- Buchhandei, 210 nur niit drm Vcr- [ags-Kunstbandei, 131 nur mit dem Verlags-Miiszialienizaiidci, 107 mit dem Sortiments - Kunstbaudcl :als Hanptgejckxcist), 150 mit dem Sortiments - Musikaiienbandel (58591), 95 nur mtr dem. Anti- quariatshandel, imd 2820 mit dem Sortimenis- Buch-, Antiquar, Kolportage-, Kunst-, Mufikalien-, Landkarxen-, Papier- und Schreib- materiaiicnhandel; unter den letzterrn befinden fixi) jedoch VlL"[L,'dle ebenfaÜs sebr bediutendrn Vrrlag befißen. _ Von „den auswiutigsn Handlungen halten 1425 Auslieferungslagcr in 26155ng nnr 727 SortimentS-Bucb- xc. Handlungcn nebmrn unverlangt ICKLUleClU'n an und 2661 pflegen dagegen ihren Bedarf 1e1bst zn wahien. _ Das gsiammie Kommissionswesen des Buchhandels Vérinilfßfick) unter 7 Haupi-KommiifionL-bläizen mii zniamnisn 223 Kownnifibnarcn, wovon auf Leipzig 115 (mit 4358 Kommrirrnten), Stuttgart 15 (500), Beriin 30 (287), Wien 31 (460), Bgdaveit 11 (103), Prag 16 (88) und auf Zürich 5 (mit 91 Komimtrenicn) kommen. _ An nen7n Etabiissrmcnts sind im Jahre 1875 bis Ende Febrnar d. J. 365 exstanden, wogegen die Anzahl der erloichrnen und_veran_- derten Firmrn 449 bcträgt. _ Von der oben genannten GekLniz-nt- zahl von 4750 Firmen mit 85 Filialen Miche sich auf 1170 “Maite vertheilen, kommen 3622 (in 814 Starirn) aus daß Deutichndiinb, 4 auf Luxemburg, 588 (in 198 St.) auf Oesterreich, 535 (m 128 Si.) auf die übrigen LUkOPäisÖLn Sta.“.tcn, 79 (m 24 Sr.1-_a,ns Amerika, 2 auf Afrika (Alexandrien), 3 (1151 Wien (1 Jedo, 2 Tiflis) und 2 auf Austraiien (Melbourne und Tanunda).
Kunst, Wissenschaft und Literatur.
In Cöln verstarb am 24. März drr Gch. Regirrungs-Ratk) Cbriiiian Josef Matzerath, der lanßxabrtge Freund Ferdinand Fréiiigraihs. Als Siudknt und nachbsr als'Ausculi-ator und Resc- rendar im Cölner Landgericht Mr_wandte er. einen großrn Thcil 1einer Zeit auf geichichtlich2 und literariiche Siudtcn, die eine Anzahl pvc: tischer Bliiibsn trieben. Zu Yurang _des Jahres 1838 e_rikbxen bst J. G. Coixa in Stuttgart ein Band srmer Grdicbte (in drei Biicbcrn: BaÜaden mid Romanxcn, Vermischte ch'ckn", Ditbyrambrn, Elegixn, deileu und dramaiistdc Scrnen). Mii Simrrrk und _Fretiigrxii) im Verein gab er das „Rheinisch? Jabrbuck) fiir Kumi und Poesie“ (Cöln, Du Moni-Schauberg) in zwei Jabrgangen _1810 und 1841 heraus. Von ihm angerkgt dichtete Niclas Becker mr_Hcrb-sr 1840 das Lied: „Sie ioiisn ihn nicht haben, den freien d"uiichcn Rlzsm,“
_ Wir erwähnten bereits vorgestern, daß guf der Kunst- und kunstgewerblicben Ausstellung in" Muncben auch 4.3"?9. lianicn und ein Oktavband auI der beiubmien sogenanntkn Oll- ber-Bibliotbek dcs ersten, 1568 gestorbeneanerzogs vyanreußen, Albrcchts des Aeliercn, welcbe die Koniglicbe Bibliothek" zu Königöbcrg anibewabrt, ausgxstgllt icin 'wndxn. De_r HsrzoZ, Wklcher bekanntlirb das Ordens1and Preußsn m “,k". protéstaniischs Herzogthinn verwandclte und die Universität zu_Komng€rg grundrte, ivar cin Freund der Wisirnickxaften und Kunste. Er stand in [ebhaftxm Briefwechsel mit Melanchthon und vielen anderen bedeutenden Man- nern seiner Zeit und benußte dtxsq Verbindungen auch zur An- legung der Scbloßbibiiothek zu Konthberg. Von den damals ange- schafften Büäxern ließ er eine Anzahl Erbauungssckyrnten von Nurn- berger Meistern in ciselirtes und. gravrrtes,_ zum Théll vergoldetrs Silber binden. Zwanzig dieser Cinbgnde "exisiircn _nocbx 111111 „THM ohne den Inhalt, we1cher veriauli ist,„wchxbrend dix Silber-szlio- thek im fiebenjährigen Kriege m Cufirm, wohin sie gxfsucbirt worden war, Jahre lang an einem feuchten O_rie aufbewahrt wurde. Eine Vorstellung von der Pracht dieser Arbeitpn mag die folgende Beschreibung eines der erwähntenBande geben: Auf dem oberen Buchdeckel befindet fich das vereinigte ngpxn des Herzygs und 1eincr Gemahlin, eincr braunschwetgischen Furstm, an dem die Helxne und das die Schilde umgebende vergoldete Blatteerk vortrefflich ciselirt sind; die Zwischenräume zwischen dem runden Wabpen und dem dasselbe einrabmendrn verschobénén Qiradrat scheinen früher mit Zeilenscbmelz ausgefüllt geweiea zu sein. Darunter liest man die Jahreszahl 1555. Eine in Silber gravirte reiche Land- schaft mit Gebäuden, Bergen und einem Fln'sse, welche non wgndcrn- den oder ruhenden Pilgern belebt ist, umgicbt das Mittelstuck von allen Seiten bis cm die gleichfaiis vergoldeten Leisten, welche den, Deckel einrabmen, um jsnes und die Gravirungen beider Benußung des Buches
vor der Berührung mix dcr Tischplatte zu schützen. Das Mittelfeld 1
der Rückseite zeigt in erbabener" Arbeik DJ" anfersiandenén Ébkimkk' w"lck)er den Drachen zertriit, und im Hkmxkgxunde die ich1xienden WäÖter, die Bäume des Gartens und die drei zum Grabe walter)- den Fr.“!uen. Die Umgebung dieser DarstkÜUU8„klldkn blek__die meisterhaft gravirten lebensvollen Figuren der vier Evangelttten mit ihren Symbolen. Johannes, welcher verzückdnach deriucch das Fenster in den Wolken sichtbaren Jungfrau xmt dem Kinde blickt, nnd Lucas, der die eder eintauchen will, sind m der Oberen Halske, in der unicren der ;chreibende Marcus und Der semrm Engel IU" hörende Matthäus von einer rsichen Architektur umgedsn, Orten ein- zelne Theile, wie Pilaster, Kapiiäle u. s. w. mit den retzenkficn Or- namenten dcr Frührenaiffance bedeckt find. Den Rücken kes Buches tbeilen 6 vergoidcie und vortrefflich ciselirte Bänder, in denen Früchte, Bläiter und kleine Figurkn ein reizvolles Ganze bilden, in 5 Felder, Welche von schön vexich1unxenen Flechtbänderu auf schraffirtem Grunde aUsßéfÜÜt Werden. Die übrigenBände sind nicht weniger mannigfaltig, Einer derielben, welcher eine deutsche Bibel eink'chließt und gleich- falls die Jahreszahl 1555 träai, ift irgar gam vkrgclket, und auf beiden Seiten mit wundxrvrll auSJeiübrtcn Reliefkarstelluugen be- deckt; einzelne Felder mit Wahl erhalienem (Email erhöhen noch die Wirkung des Ganzen. Neben die1en Meistchrken dEr Gold- schmiedekunst erregt noch das Gebetbuch der ersten Gsmablin des Herzogs Albrecht, einer dänischen Priuzeisin, Interesse. Es führt den origineklen Titel ,Fsuerzeug christ11cher21ndachi' Und ist 1536 mit drm dänischen Wappen und auf allsn Biäiteru neben und unter dem Text mit Malereim gxscbmückt worden. DaF Seiteniiück zu diesen Werk, das Gebetbueb des erzrgs Albrecht, besitzt Se. Kaiserliche und Königliche .H:[)eit der Kronprinz, Höchstweicber dassrlbe ebenfalls für die AussteUnng zugesagt hat.
GeWcrde und Handel.
In der gestrigen GeneralVersamm1u_::g der Baugrielsicbaft für Miteltvobnungen wurde der Gc1chäftsbecicbt vcrqelcqx; nach demsslben bat die Geieliichaft im Jahre 1875 180 Qn-Rutiien Bau- terrain verkauft. Der VrckauiSPreis ist Von 20 Thlr. auf 22 Thlr. pro Qu.-Rutbe gestiegen. Der Reingewinn beträgt 8454.16, die Dividende wurde auf 1,50 „FQ pro Aktie féstgéskßi.
_ Die Halle-Casseler Bahn, Wegrn dsren Erwnbnng für den Staat dem Landtage ein Gesetzentwurf vorgciegi ist, hat cine Länge brn 221,253 Kilometer, wovon 24,075 auf die mitbrnußte Babu- streckr der Hannoverschen Südbadn von Münden bis (Castel fallsn. Das Anlagskabitrl bestkbt in 15,00:),000 Tblr._ in Stamm- aktien Piti. 13. der Magdcburq-Cötben-HaÜc-Lcipziger Ciienbabngeseli- schaft, von Wölchen 810,000 Thlr. aus dem, §, 6 1516915 nä[)kr be- zeichnetcn Allerhöcbsten Vrrmächtnisz gezeichnet und 14190000 Thlr., mit 4"/0iger SiaaiZzinSgaxantie au'aestaiiri, andérwsit br- geben Wordcn ("ind. Auf die Bahn warsn _ abgksehen von 79,698 Thlr. Subventionsgclder, wclchs _ ksi dsr Biichung dcr Grundeerbungs- und Nußnrgs - Cniicbädiqunxirn abge- schxiébm wwrdrn find, nacb einem am 1, August 1873 auiicitrilten HauptreckynungMbichluß 14 359.246 Thlr., nach dem Gcscbäitsrericht der Mundsburg»Cötbcn-Haile-Leipiiger Eiiénbakynßeieliickyaft fiir das Jahr 1874 (Ende dss Jabrrs 14,804,483 Thlr. definitiv berausgabt. Dry NLsZTVOfOUdÖ hatte Eiidé1874 6111211 Baarb"stand von 9154613 „16, der Erneucrungsiond cinsn solchen von 40707974 .li-. Die Brutto- Cinnabmen der Balm bTiruaen: 1873: 5,320263 «16. 1874: 6515781 «M, 1875: 6,422837 „16, die Reincrirägniffe, nach Doiirung dcs Rcirrve- und dss Erneuerungsfonds 1873: 462,504 „46, 1874: 715,16? „zs., 1875: 1.385.605 „14 Dkk vom Staate aaraniirie Reimrtrag bxträgi: 1,702800 „(ck und wurden auf Grund desien für 1873; _1_,083,383,23.46., für 1874: 362,60371 „M, 1875: 277,545,0i „;ck Zaicbiimc: aclrinei.
_ Die Riitericbaftlikbe Privatbank in Pommern wird für das Jahr 1875 Line Dividrnde von 9.1'1/0 [*.-Jablexi.
_ Der Verwaltungsraib der Aktien-Gescllirbast Sool- bad Salzungen bat die Dividéndc prro 1875 auf 355%, also auf 23 «FL pro Aktie iestgestcili. _ _,
Leipzig, 29. März. (W, T. B.) In dsr chilgrn OMAR!- versammlung der Aktionäre der Lcipiig-DreSdéne-r Omi en1)_§1[)n- nesellschaft wurde der von der Regierung für Die Babu onrrxte Kaufprris von 9"/0 R-nix zu einem CoursrUeriH von 700.77. abgeiebnt und beickxlwsscn, die Bahn nur _qc-grn ein? 101310 Rent? [Wi cmsm Courßwertk) von 1000 „15. an die 1äckii1chs Regierung zu nbexlasscn.
_ Die Gcnerai'vexsammlung der Aktionäre ds“: Wiiriiémo bergischen Notenbank vom 25. d. M. xirnc'Hmigic di? Biinnz, Aus 5611! Gesckiäft-xbcricist führen wir foigende Daten an: DW Cir- ku1ation der Banknoicn War am siärkiisn am 1. FWer 1875 uni 25710500 .46., am i(bwäcbsten am 16. Sovieinbrr mii 21,697300 4/16, die iäg1iche DUTÖsÖUifiZcirkulaiirn w.]r24,411,300„/jé; und die d1nchscbninlich€ Buaibedsckung 12.639000 (16. _ Der (Hssammnnnias der Bank kcirng 30942652.) ._xr oder 59 Miilionen Mark inilyr, als im VorUbr-n DiSkrntirt wurden an Gulden- nnd Tbalerwrckzsxlu 112643567 «16; Oder 1,039,000 „16 mehr, als 1874. Der Diökonin wurde im Laufe drs Jahres 6 Mal verändert und bctrng durckyichyittxicb 47/1.„"/„, Jn Daricbcn wurde durchschnittlich ein Kapital von 1.613.300 „75. ver- wendet mit einem Zinsertrag [*r-n 5,51% Der (3)2w*1_1nia1d_c) bon 769,137 „76 vxribeilt sick) mit 61/902) : 585000 ckck: an die Vikiionare, 76,913 „M an den Réscrv:fond, 33,222 «16 an Tantiéme imd 69,667 „16 Gcwinnaniheil drs Sinatrs; Der Rest mit 9380 .16. kommi auf neue Rechnung; der Reservéfonds Erreicht nunmehr die H5[)ev011317,345 „16,
_ Die Kbntiiiajiditgesellscha7i aus Vikrien von Grimme, Naialis & C9. in Braunschweig veribkilt bro 1875 eine Dividende von 81% DSL“ Umsaß erréicbie di? Höhe vo_n 1,546,000 „M, und Wurden 22,052 Stück Maicbincnbsrkanii, 'alio 3098 SiÜck tnébr, als voriges Jahr. Die Jubi Dcr iclbirfabrizirten Maichincn bat siko gcgen das Vorjahr um 2972 _Siuxk brrgrösirt. _ Das Gswinn- nnd Verlust-Konto zeigi ein€n11rkber1cknß von 174.709 „M Nsbr-„n drn siaiuirnmäßigen Abscbrkibungen embfieblf die Vcrwalinng eine Crira-Abscbrsibung von 8000 «16. auf Gebäiids- und (Hrnnditniko Konto; 3900 „76. auf das Aniagc-Konid d::r Cirkuiiir-Cliiiic-Ma- schinrnf-„ibrik, endlich eine Ertra-Ueberweiinna von 1200046. an dns Di-[kredere-Konto; rs verbleibt dann nach Zahlung der Dwrdcnde ein erinn-Saldo von 2868 „M bro 1876. '
London, 29, März. (W. T. B.) Dem__„Ewemng Siandari“ zufolge bal dic Firma Streckeisen, Bischof) and Compagnie von dkr Seidenbrancbc, Great Winchester bmldin-xs, („20110010 ihre Zahlungen ?ingcsteilt. Die Paifiva ]ollen 120,000 Psd. Stk)."[lng betta En. . .
Konstantinopel, 29. März. „(W, T. B.).“ D:? Regie: rung beschloß, die Zahlung des ApriiCOUYOUsybls zam 1.Jn11 zu vertagen. Die hierinen Vertreier der Machte Und von diesem Beschluß beute offiziell in Kenntnix; gesetz'i wordén Yxm ernehmen nach hat fick) die :neqierung Prinzipiekl im: die U nolslxkatlvn der otiomanischcn Staatsschuld entschied?!) DLL 51»ckr1ck4ndliingen mit den Dclcgirten der englischen und französich Inhaber tinkischer Con rns dauern ort. '
P_ 29. Märzf, Abends. (W. T. V.) Für denÄAbrilconpon, dessen Einlösung, wie bereits gemeldet, bis zum 1. Jubi“. verschoben ist, werden 6 pCt. Zinsen vergütet werden. Der 0111510116 Text der diesbrzüglichen Erklärung wird erst morgen Vubnztrt werden“ Weil die- 1elbe in dem die Motive enthaltenden Theile nachtra-Zitcb abge- ändert wurde.
Aus dem Wolffschen Telegraphen-Bureau.
Pest, Mittwoch, 29. März, Abrnds. In der be_utigen Sixzung des Unterbanses beantwortete der Minister-Pcastdent Tisza eine Interpellation wegen der eventuellen zwangSweisen Heimsendung der Fiüchtlinge uns der Herzegowina dahin, daß die bisherige Gastfreundschast nicht verpflichten könne, _auch da;:n noch sehwere Opfer zu bringen, '.ocnn den Flüchtlingeß, die ““eimkehr mögiiih geworden 1e'i. _ Die Sißungen des; Unter- Fauses smd bis zum 20. April vertagt worden,