1876 / 78 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Thu, 30 Mar 1876 18:00:01 GMT) scan diff

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Berlin, den 30. März 1876.

Die Versammlung der RechtSantvalte der Provinz Brandenburg,

wel am 27. d. Mts. im .Euoliscbzn Hanse“ stattfand, war voochegrößten Theile der Berliner Auwalte_ und auch von mehrx- nu Auwaltea aus der Provinz besucht. Die Versammlung foasn- tuirte fich unter dem Vorsiß ves Justtz„-RatbS_ Luxus. 311 semetzt eiu- [ejmden Vortrage theilte derselbe mtl, dar; die vpn der fruheren Versammlung behufs Vorberatbzug ker von der Reichß-Jufiu-„Jom- misfiou über die Rechtöauwaltjchaft gefaßten Bescbluffe ?ervahlte Kommission, bestehend aus den Herren: Geh. Justiz-Nath Ul ett und den Justiz Räthen v. Wilmowsky, Laue, Lesse_ und Makower, bei *Mit: Vorschlägen _zwar von _dein Prinzipe_ der freien Advokatur ausgegangen _121, das _Pruizip ieLbst indessen nicht diekutixt babs, U::d dai; demgkmaß uber die Frage, ob die Advokatur überhaupt frei zu_ geben sei, die Diskussion nicht er- öffnet werden würde. Er, sowie viele andere Berliner Rechtsanwälte seien zwar gegen die freie levokatur, bei der Lage der Sache bghe man ficb aber lediglich auf den Boden der Vorlage gestillt und diese zu verbessern gesucht.

Demnächst erstattete der von der Kommission bestellte Yefernzt Justizratl) vou Wilmowskv seinen Bericht und zwar zunächst uber die zu fordernden Vorbedingungen der Zula11ung zur Addy- katur. Der Cutwmf dsr ReichsragskommUfion (§. a. 31111. 1.) wil] Jeden als RccbiSanwalt, auch bei Kouegialgerichten, _zulaffen, sobald er die Fähigkeit zum Richteramt erlangt bqt. Die Versamman nahm einen Antrag der ÖH. Leffe und Levy in folgender Fassung aii:

.Bei Kollegialgeriwtcn kann _als RechtSanwalt__nu_r derjenige zugelassen Werden, welcher nach Erlangung der Beruhigung zum Richxeramte während eines Zeitraums von drei Jahren inuerhaib des Deutschen Reiches bei Gerichten odcr bsi der Staatsanwalt- 1chaft oder als RechtSauwalt bei einem Amtsgerichte oder als Rechtßanwaltégcbülfe thäiig gewesen ijt.“ __

Es Waide ferner angenommen der Antrag de_r Kommmfion:

dem §. j. DST Reichsragskommisfionsbescblusse, welchsr lauici: „Die Zulassung des AntragsteUers kanu versggt werden, wenn i_eix der ihn zum Richteramte befähigenren Prufizng mxhr_ (116 funf Jahre verstossen sind, in wc1chc_n er weder die Auwaliickyast aus- geübt, noch ein Staats-amt bekleidxt hat,“

folgenden Zusaß zu geben: _ _ _ _ _ __ _ „noch als ReckytöanwaLt-chhulse thatig neweieu iii. _ Wer die Fähigkeit zum Richteramt innerhalb des Deuticheu Reich5 erl.:xgt hat, kann fich als Gehülfe eines Anwaltß mit O_effen Genehmi- gung bei der Anwaltkkammer eintrag"; lasten; der 10" Eingetragsne kann von dem Anwalts zeitweiic mit 1einer Vertretung beaiiftragt werden.“

Es wurde hiernächst üb_erg?gangen zur Frage d_er Lokalisirung der Anwaltschaft. Der Referent iührte aus, das; das Prinzip des Entwurfs, wvnack) der Anwalt an dem Octe_des Gerichts, beiwch1chem er zugelassen ist, seinen Wohnfiy nehmen musse, aas der Kynftrukiion des Prozeßverfahrens folge_und deshalb xu billigen sei, daß hingegsn nacb *.*-!icinung der Kommisxon sine Außnabnie zu GunstenderAmts- gexichtßanwätte zulässig erichcine, tvenn_fie_ am Si e des Übergecid- neten Landgerichtes auch__nur eixien geichaftlichen z**okmfitz nehmen. Der Antrag der „Hrn. Lene, Kar1_ten, Ottmann, Jacobi, Levy und Makower wurde in folgender Fasjuug angxnommen:

,die bei einem Amtsgexicht zugelanensn Anwälte find, inso- szrn eine dar im §, a, a1jv, "2 vorgeschriebenen Vorausiesungcn bei ihnen zutrifft, bei dem übergeordnetkn Landgericht zuzulassen, wenn fie an dem Sißs desselben auch nur einen geickyästlichcn N ohnfiß nehmen.“

Der Entwurf bestimmt in §. 6.2

„So lange bei einem oder mxhrercn Landgerichten die zuge- l'assenen Anwälte zur ordnungsmägigen Erlekigung der Anwalts- prozesse nicht ausreichen, sind bei anderen Gerichten desselben Bun- desstaates Anwälte nicbt zuzulassen,“

„Die Landes-Justizvcrwaltung hai Vor der Feststeliung, daß bei einem Landgerichte die zugelassenen Anwälte nicht ausreichen, dieses Gericht und die Anwaltskammer gutachtlicb zu hören und ist an übereinstimmende Gutachxen dexselben gebunden.“

,Die Vorschrift dss ersten Absatzes findet nicht AUWMÖUUJ, sofern der Antragsteller bereits fünf Jahre die Anwaltschaft aus. geübt oder ein StaatSamt bekleidet hat,“

Die Versammlung beschloß die Streichung dieses Artikels.

Nückfichiliä) der Notare wurde der Antrag angenommxn, dem §. g„ Alinea 3 da?: Entwurfs, welcher 1autet_:

„Tie Zulasiung des Antragstxllcrs muß versagt Werden: wenn derselbe ein Amt bekleidet, init Welchem dikAnwaltschaft nach Vorfchxiit des Geießes nicht verbunden Wirren kann“ '

folgenden ZufaZ zu geben: „Als ein solches ist das Amt eines Notars nichi zu erachten.“

Was das Verhältnis; der Anwaltschaft der vexickyiedenen Bundes- staaien bstrifft, so kann nach dem Cntwmf in §. (1. A1inca1, lauxsnd:

„Die Zulassung bei Dem Reichsgerith, sowie bei einem Gerichte dss Bundesstaates, in jvc1chem der Antragsteller die zum Richier- amic bcfähiJCUdé Prüfung bestanden bai, darf nur aus den in diesem Geseße bezeichneisn Gründen versagt werden“ Lic Zulaßunß Ostiagi werden, wenn der Antragsteüer die Prüfung nicht in demjenigen Bundesstaate bestanden hat, iu welchem er zuge- lassen ieiu will.

Die Kommission beaniragte indessen, die Worte:

,bei dem :)ieichsgerichxe, sowie bki einem Gerichte dcs Bundes- staais, in M1chem der AntragsteUer die zum Richteramte bsfähi- gende Priifanz bcstanken hat“,

zu streichen.

Der Aritrag Wurde angenommen.

_ Was die Anwaxiskammeru "und die Disziplin betrifft, 1o bsiiimmx §._8. des Entwuxis:

“Dl? Psiixbten dex Anwälte, die Auffickot und die Handhabung dex Diözlplin uber dieiclben werden durch ein Reichßgeieß übér die Bildung von AantZkammkrn geregelt. Den Anwaltskammcrn wnd die Handbabung der D|IZiplin in der ersten Instanz zuge- wissen Die Amßalisr'ammer bei dem Reictherichie wird aus den bei diesem 3uge_1asienen Anwälten gsbildet.“

Die Kommiisicn beantraßte, statt Alinea 2 folgendenZvon dir Veisammlung angeuqmmeneu Satz: _

,Dasie'lbé 'OMWUUL- i_velche Befugnis; den Anwa1tskammsru ("dcr Oesainnithcix Der Anwalik), und welche dem durch Wahl ge- bildeten AUÖ1chUUS (Cbren-Tisziplmarraily) zustehen. Dem Aus- schuss? wird die_ Hanxhabung der DiSziplin zugewiesen. Sein: Entickyeidungen ßrid nur wegcn Bcrwxzung der das Verfahren be- treffenden Vorschxistcn aßfcchtbar.“

Der Antrag wurde einstimmig angenommen.

Nack) §. _11, Wines: 1 des Entwuxfs kann dem Antragsieucv die Zulassung vsriagt worden, _

,ivenn Derselbe eincs die zeiiwsise Entziehung der Anwaltschaft begründenden Vsrbaltens sick) schuldig genzacht hat“.

Der Referent beantragte S_treichung diese; Wyrie, Weil es eine uuxulasfige Voraussetzung sei, dax; übethaupt eine ZMWÜFL Cntziekxnng ulassig sei; w-“nn das Verhalten des Anwalts so unw_urdig sei, daß uberhaupt auf Entziehung erkannt werden müsse, so konne diese nur eine definitive sein. _ _

Die Veriammnmg beschloß die Streichung diejes Paffus urid beauftragte Die Kommiision mit der Redaktion der Beschluss:;, die demnächst an den Proußischen JustizxMinisier, das Reichs-Justizamt, die Reichs-Justizkommiision und den Vorstand des deutschen Auwakts- vereins übexsendet werden sollen.

Mit dem Schluß der laufenden 111. Session der jeßigen 12. Legislatur-Periode des Hauses der Abgeordnetex' erlöschen die Mandate der gegenwärtigen VolkSUertreler. Von den bisher bestchenden Parteien find es namentlich die sozialdemokra- tische („Neuer Sozial-Demokrat“ und ,Volksslaat“), und die

ultramonta'ne (.Gmmmia“ und „Kölnisöe Vylkszeitung“), die |ck mit Eifer zu den bevorstehenden Wyhlen rußcn.

Neben ihnm sind in [ester Zeit zum ne_ue Parteien her. vorgetreten , die der sogenannten Agrarier, oder, wie fich selbst neuerdings nennen, der „Steuer- und Wirth- schaftöreformer“, und die des „Centralverbandes deutscher Industrieller“. Organ de_r Erstem: 1? die „deutsche Landes-Zeitung“, das der Lesteren die ,deutsche Dorfen- und Handelözsitung“; die vom 1. April_ den Ranzen „deutsche Preffe“ annehmen wird. Auch diese beiden Parteien laffm_es an Eifer und Verbreitung ihrer _Crizndsahe nicht fehlen; Programm bewegt sich hauptsachlich _ _ Gebiete. Bekannte Persönlichkeiten, _zUm Theil bisher verschie- denen der früheren Paricim angebörtg, ßehen an ihrer Spihe. Präsident kes Ausschusses des Centralverbandes deutscher In- dustrieller i| der Abgeordnete von_Karkorff, dem Ausschizffe gehören von bedeutenden Industrieüen_ Borfig, Kuhnheim, Reimann, Wrede (iämmtlich in Berlin), Hamel (Ruhrort), Staub (Kuchen), Zimmermann (Chemmß), Abgeordnetx Vr. Websky (Wüste-Walterstf) an, ferner Pro1.Grashof, Direktor des Vereins deutscher Ingenieure (CarlSruhe), Tenge, Prafident des Vereins deutichw Eisengießereien u. _m. _ _

Erstrebt, wie schon aus den Namen ihrer ngptsachlichsien

Vertreter erficht1ich, diese Partei hurch Bekampfung _und theilweise Aenderung der gegenwärtig hcrrschenden Wirth- schaft-Zgrundsäße nameni1ich Förderung der de_utschcn Industrie, so ist das Hauptaugcnmerk der Steuer- mid Wirthsihaftsrefortzier in ähnlicher Weise auf Hebung der landw:rthschaftlich_xn Verhalt- niffe gerichtet. An der Spiße dieser Partei sieht der Nene un? Erbe des verstorbenen Ober-Präsidcnten von Schlesien und Prafidxn- ten dcs Herrenhauses, Grafen Eberhard zu Stolberg-Wermge- rode, das Mitglied des Herrenhauses, der Graf Udo zu Stolberg- Wernigerode. Weiter gehören zu derfelben der Abgeordnete von Below-Saleske, die Herren von Diest-Dabcr, E(Yner von er now, Freiheit von Thüngen (Bayern), der Volkswnth 1)r. Perrot u. s. w. - Auch der Verein selbständiger Handwerker und Fabrikanten Deutschlands, der seinen diesjährigen Hon- greß in Cöln abhalten wird, wobei die bevorstehenden politiichen Wahlen den Hauptverhandlmigsgegenstand bilden sollen, beab- fich1igt, so weit als thunlich, eigene Kandidaten für den Land- und Reichstag aller Orten aufzustellen. Wir werden auf diese wirthschaftliche Parteigruppe gelegentlich zurückkommen,

Ter „Neue Sozialdemokrat: bxingt ein_Verzei_ch_nißiozia- listiscber Zeitschriften, kéM zufolge die 1ozicilijti1che _Yxesse gegenwärtig zähkt: in deutscher Sprackye _42 Organx, iu fräuz0111ch2r Sprache 7, in italiéniscyer 5, in Hollänkiicher, ser_bi1cher und_ru1fisch€r Sprache je 3, in czechischer 2 in englischer, dänijcher, spamxcher, por- tugiefiicher und griechiicher Sprache je 1 Organ, zuiammen also 70 Organe.

Dor Abbé Micbaud hat Dieser Tage bei Sandoz und Fischbacher in Paris ein Buch vsröffentlicvt, das dsn ,Titel führt: „15171166 stratéquue contre 1201116“, Dasselbe trägt, der „Köln. Ztg.“ zufolge, xolgende Widmung: „Nn Jwre Exc. Ti; Herren Miniftc; der Justiz und Der Kulien, der innersn und der äußéreu Angelegenheiten; zu Ehren der kaiholiichen Prinzipien mid der nationalen Traditionen, welcbe dazu beigitragcn haben, die Größe Frankreichs zn fichern, und zur Bertheidigung der Eejeße, die angegriffen und ver1_e13t sind von dem gsfährlichiten Frinde des Vaterlandes, dein Rowanismus. Ein

französischer kathc1ischer Priester L. Michaud.“ Die Kapitel des BWG führen folgende Tite1_: Kap. 1. _ Dring- 11che Nothwendigkeit , Rom gegenuber eme cniickylosiexe

Haltung anzunkkymen. KW. 2. Unzuträglicbkéit einiger Phan- tasitschzr Tßeoricn. Kap. 3. Was man von der abso1u_ten Tren- nung der Kirch? vom Staat halten muß. Kap. 4. 11n3111ang11chkeit d?s amerikaniscßeu Piendo-Libxralinnus. Kap. 5. Unzu1äng:ichkeit kes englischen Pieuko-Libeniiisiiius. Kap. 6. Unzulänglichkeii des bclgisthcn Pseudo-Liberaliömus. Kap. 7. Unzulänßlicbkeit des italie- nischen Pjeuko-Libexalismns. Kap. 8. Unzulängücbkeit dxs fr-in- zösiscben Pseudo-Libcralismus. Kap. 9. Seliiame BexrifsSverWir- rung der vskudo-likeralsn Partei in der romanistischen Frage. Kap. 10. Dringkicße Nothwenkigkeit einer Vertheidiguxigs- uad Unteidrückungspolitik gegen Rom. Kap. 11. Unzulxmßlicbkeit der Pseuyo-demofiatischen Politik. Kap. 12. _Unzulanzlileit der isojirten Unterdrückung. Kap. 13. Nothweudigkeit rer KoÜekLiv- Unicrdiiickang. Wie die romanistischc Frage endgüxtig nur durch eine inicriicirionale Uckereinstimmxwg der Staaten eregelt wcrdén kann. Kap. 14. Dringliaye Nothwsndigkeik einer besiandigen Unterdrückung. Wie die romanisiiicke Frag? eanÜltig nur durch ein internationales chht gelöst wcrdea kann, we1chcs die Beziehungen der Staaten mit der neuen romanxstiicbcn Kirctxe regelt. Kap. 15. Nützlichkeit eines internationalen KongressäZ der Staatcu zu dem Zwkck, das oben erwähnte intémätichle Rcchr zu löisn uny zu zeitigen, Kap. 16. Pxogramm der nothwer.digxn Represfiv - Maßregeln.“ Wie verlautet, hat der_ Abbé Michaud sein Programm in Uebereinstimmung mit den italieniichen Liberalen entworieu.

Gestxm Mitiaz 22 Uk)r starb hierielbst nacb länge'ren Leidin im Alter von 74 Jahren der Professor ])1', Karl Ferdinand Ranke, Dixckior des Friedrich-Willyelm-GymnasiumS, der Friedrich-Wilhelm- Realfchu1e, der Elisabciyiayule ux?) dsr Vorichuie. Ein Bruder des Geschickxtsicbreibas Leopold v. Ranke und des Kanzelredners Heinrich Fiiedrick) Ranke wurde er 1802 zu Wiebe in Thüringen geboren, er- hielt seine Gymnastalbildung auf der Anstalt zu Schulpfona, studiite alsdanu Thkologie und Phleogie und begann 1eine Lehrerlauihabn zu Qucdlinburg, ivo er bis ziim Direkicr des EVMUSÜUMS in noch sehr jungen Jahren vo;rückte; 1837 wurde er als Direktor des päda- gogischen Seminars und Proicssor dsr aiim Literatur nach Göttingen beruf-cn, Ostern 1842 als Direktor der oben erwähnten véreinig- isn Austa1ien nach Boilin. 1867 feierte Ferdinand Ranke unter großer Theilnahms sein 25jävrigcs Direktorats-Jubi- läum, im Voriger: Jahre sein 50jäbriges Lehrerjubiläum, Tau- sende von Schülern verdankkn in Berlin ihm ihre Bildung und be- kleiden 1:81 9.16 Männir zum Theil die höchsten Ste_Üen im Staate und in anderen L-„bensberufen. Nach 50jäbriger Dienstzeit machte Ranke 1874 eine größere Reise nach Italien, nach We1cher er bald darauf a_n einer Rippenieüentzündung erkrankte. Scheinbar vollstän- dig geneyen, ergriff ißn im Februar d. I. ein Rücksal! der'Krankbeit, dcm Ferd. Ranke cilegen ist. Als Schriftsteller bat er fich mehrfach durch pädagogische und vvilologische Arbeiten bekannt gemacht, noch jüngst durch eine kleine Schrift über Sophokles.

Die Bauthäiigkeit an den beiden Hauptthüxmezr de_s Don_1 es zu Cölu, schreibt die „K. Ztg.“, nimmt gegenwärtig Wieder einen rechs erfreulichen Aufschwung. “Durch Fortführuug_der_Ysrsaßarbert-Zn währcnd des ganzen Winters, so weit es der theil_we11e starke_Frost gestattete, ist der Aufbau des südlichen Thurmes bis zugt Fuße der Helmspiße gkdiehen,_so daß die Bauleute immer mehr mzt der Vol]- enduug der acht großen Thürme beschäftigtsnd, welche die Oktogene umgeben und von denen jeder eine Höhe von unge-

fähr 110 Fuß erhält. Dieselben würden, au_ der Erde stehend, acht große Kircbthürme daxsteaen, wohmgegexi sie auf ihrem Standpunkte, in einer Hohe von 200 Fuß be-

ginnend, dem Auge des untenstehenden Beschauers als kleine Fialen erscheinen. Am Schlusse des Jahres 1876 werden beide Thürme bis zur Höhe des Fußes der Sninpyramiden mit aUeu Ornamenten uud Eckthürmen auégeiübrt sein, so daß vom Jahre 1877 ab nur

auf Wikthsthastlichélrl '

noch die Ausführung der aus Stein konstruirteu Helme vablu'kt, deren Höhe 200 Fuß beträgt und deren Krmzblmueu 500 Foß_über die Erde emporrageuo den Abschluß, des hxnjichut Bauwerks bilden. Als Vergleich füh';'; wir an, daß du: Straßburger Münßer 452 M kleich 142 Meter, er Thurm von St. Step au ckWie! ohne Met - renz

431 Fuß, glmo 1353 Meter und der om m Antwerpen obne Metallkrenz 393 Fuß, gleich 123,4 Meter, mißt. Mithin werden die vollendeten Domtdürme dae Straßburger Munster noch um 48 Fuß lberragen.

Ueber den Untergang des Lluöwandererschiffes .Stratbmore“ und die Rettung der Bejahung find etzt weitere Einzelheiten eingetroffen. Die Ueberlebeudxn, 44 an der _ahl. nabe- ten fich von Seevögeln und deren Eiern, 1cr_vie eiuer ans der Insel wachsenden Grakart, als Biennmatetial mußten sie Fsdern und das Oel von Vögeln gebrauchen. _Bei ihrxr Rettung waren die_Leute schrecklich abgemagert und fait auer Kleidung beraubt. Wie der weite Steuermann Allan erzählt, herrsckote am 13. Juni ein dichter

ebel, so daß der Kapitän befahl. einen starken AUSguck zu halten und die Logge beständig zu gebrauchen, Um Mitlerucxcht wurde plöß- [ich „Brandung voraus.“ gemeldet, und ka_s Schiff stieß auf die Fengruppe Zwölf Apostil und begann iofort zu sm en. Die

Böie wurden sofort zum Aqueseu bereit gemacht; eins dersechn, in wc1ch2m iich achtzehn Personen befanden, wurde durch eine ungehemp Woge über BFW gespült, läcklicher- weise ohne zu kentern. Eiwa zwanzig Seeleute und assagiere

batten fich in den Krcmtop geflüchtét, während andere fixb auf das Vordertheil des Schiffchs, das neck) über dem Waffer egiporragte, gerettet haben. Bei Tagesanbrucb sah man, das; ng_ Schiff zwischen zwei mehrere hundert Fuß hohen Felieu eingekeilt 1.15, Sieben o_dtr acht Personen sprangen mit dem 2. Steuermann in_ vgs Gig, um eme LandungsiieUe zu iucyen und die übrigen Sckyiffbruchigen dann abzu- holen, Dieses Boot nahm das in der Nacht fortgefpülte Boot, das an den Felsen sehr zerichlagen war, ins Schlepptau und es_g_elang beiden, das Land zu crrechn, die Rcttuuq _der uwrigen konnte aber erst nach zwei Tagen erfolgen. Einige Schweiel- hölzer, Spirituosen imd etwas Biod war Anek, _ was vom Scbiffe geborgen Werden konnte, da die Böie aui dm Jelieu in Stücke schlu- gen und verloren gingm. Blechbücbien, in welchen Zuckerwerk gewe- sen war, dienten als Kochgeschirr. Nachdem die J-“uerung nach einem Monate verbraucht war, mußte man die Bälgx der Vögel verbrennen. Fünf der Schiffvrüchigen starben auf der Justi, uud merkwürdiger- ivciie wurden die Körper nach dem Tode nicbt steif, sondern blieben aescbmeidia. Vier Schiffe fuhren vorbei, ohne die Notbfispale der Unglücklichen zu sehen, erst am 21. Januar nahm der WaYfiicbfahrcr „Young Phönix“ die Uxbcrsebeuden an Bord, dsssen Kap_:tan Ginotd fia; entschloß, die Sckoinvrüchigen nach Mauritius zu bringen, tros- dem er dadurch die Saison zum Fischen verlor.

Theater.

Im Königlichen Schauspielßause scßie Fkk. Clara Z ieg1er gestern ihr Gastspiel alSJ p_bigenie fort, eine Pariie, in der die gcfeicrte Künstlerin ihre MCisth1chafk Vor dem hiesigen _Publikum ichon öfter bewieieu hat. Auch die gestrige Darsteüuvg cnijprach deu hocbgcspannten Erwartung-xn; reicher Beifall yud wiekkrholter Hervor- ruf lohnien die Gastin für den hklxxn ven 1br_ Yargeboicnm Kunst- genuß. Se, Majestät der Kaiicr iind Konig und Se. Kaiser- lich? und Königliche Hoheit der Kronprinz bechricu die VOrstellung mit Ihrer Gegenwart. .

Bei dieser Gelegenheit ist Daran zu erinnern, daß gegenwärtig die Drei bedeutendsten lebenden Kutschen Tragödinuen, Clara Ziegler, Cbarlotce Wolter und Marie Seebach, in Berlin ais Gäste hiesiger Bühnen weilen. Die Leistuugcn der Lestgsnanutea smd bereits an anderer Stelle gewürdigt worden. YAML .- . .

_ Im Wallner-Tyeater wrrd am Sonnabensdikaannte fünfaktiqe Posse .Txicocbe und Cgcolet: vou Meilbac und Halevy neu einstudirt in Scene gihen. Die _Bcstßung mit den HH. Hßlmer- ding, Formcs, Kadejburg, Engels, Wilken und Frl. Carlsen ist un- verandert geblieben. Nur die Rollen der Fanny Bombaucc und Georgette find durch Frl. Löffler und Frl. Dorint neu besetzt worden.

_ Die artistisch-technische Leitung dks Friedricb-Wilhelm- städtischen Theaters ist vom 1. April d. I. ab Hrn. Ober- Regisscur C. Teßlaff üHertragen Werken.

_-Jn Krolls Theater ging gestern Abend zum ersten Male ein neues Stück von Julius Rosen: Schla_umeyer u. Comp.“ über die Breiter und fand beim Publikum_eiuen ts_ichen und wohl- verdienten Beifall. Abgésaben von einigen Lßngeu, dre 1€icht zu be- seitigen find, bietet das Stück eiiie rciche FuUe_x_cn_Wiß uni) komi- schen Seinen, und wird sich deshalb a1s_§“,n Zu372uch_xiir dis Kroüsche Bühne cxweiscn. Die mitwirkenden Krank, tinter_ ihnen dis Herrsu Hexer, Karl Weiß und Eduard Weiß, sowie O_ie Damen Mejo, Stokke, Leéfixn und Mkinixold, wetteifericn u11t_ einander. Das Pu- bliknm war sehr animiri, und zeichnkie UÜML11111ch Hrn. Heder, _dcffm Benefiz gestexn Aöend war, durch Lorbeeikranze und Hervorrui aus.

Der Orsxnist Dienel wird _gm 31. Märx, Ahends pxäc. 7 Uhr, ssiu 50. Konzert mit der Aunührxing einss chuism von ibm ]“ elbst geben, Außer einem zablreicbexi Chor werden in demselben Frl. SÖÜUÖUUNU, Frl. Loos, Fr. MuÜer-Ronnsbchcr, Frl._Hohen- schild, Hr. Jul. Sturm, Hr. Dr._Adlex, Hr. Ad. Schulzs, Konigliche Domsäxigcr als Solisten singen, 10 daß das 50. Konzert dxs Konzext- gebcrs cin rechi würdiges zu wsrdeg veripriäxi. Hz:, Pienel wird außerdsm zum Schluß dasselbe Stuck, Welches _kr m1einem erften Konzert einst spielte. die K-äur Toccate von Bach vortrqgcn. _ Der Ertrag ist für Die Organisten-Wiikwenkaffe bestimmt. Billets 814“ bei Trautwyin, Leipzigexstr. 107 und keiin Küster, Hrn. Streich, an der Marienkirche 23.

Eingegangene literarische Neuigkeiten.

Das Deutsche Reich und die kirchliche Frage von Constantin Rößler. Leipzig. Fr, Wilh. Grunow. 1876. Ycchiv für VcrwaliungIrccht, gesamzxielt und beatbeitet von Dr. Hermann Stow. 1.215d._(1.Ha1b1ahrganxi.) Berlin 1876. Verlag der Expedition der Deut1chen Gemeinde-Zeiiung. Vcirräge zur Statistik Meckleyburgs. Vom _Groß- herzoglich statistischen Bureau zu chwerm, UU. Bk- _ Zweites und Mitte?; Heft. Statistik der unter Cameralverwaltuug itehenken Domanialforstkn Des Großherzogtbums Mecklenburg - Schwerin. Sch weriii, 1876, Siillkrsche Hofbuchkxandlung. _ Deuiicher Sprüche ein Tauiend. Gesgmiiielr von L. Strackerjan. Bremen, Nodestdeutscher Volk51chriften-Verlag. Preis 250 ckck.. _ Fieberkrankheiten, derm Gefahren und Behandlungöweise mit bcsondcrir Berücksichtigung der Kaltwafferbchaudluu . Allgemein verständlich dargesteüt von Dr. 11:96. M. _Löb m Yorms a. Rh. Mannheim u. Straßburg. J. Bensheimex. _1876. _ Korrespondeuzblatt des Niederrheinischen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege. Band 7. Nr.1, 2, 3- Redacieur: ])r. Leni, Sekretär des Vereins 11. s. w. Cöln, 1876. M. Dumont, Schaubergsche Buchhandlung. _ Monatsschrift des Vereins zur Befordxrmxg des_ G artenbaues in den Kön1g1.preuß.StaateniurGartnetxt und Pflauzenknnde. Redacteur [)r. L. Wittmgg, Genxral-Sekrejar dcs Vereins u. s. w. Berlin. In Kommtsiwn bk! Wieganrt,

Hempel u. Parey.

Redacieur: F. Prebm. Verlag der Expedition (Kei sel). Druck: W. Elsner. Vier Beilagen (einschließlich Börsen-Beilage).

Berlin:

Erste Beilage

zum Deutschen Reirhs-Anzeigcr und König1ich Preußischen Staais-Unzeiger.

„&?78. Yiohtamtliches.

Preußen. Berlin, 30. März. laufe der geßrigen Six,:ung des Hauses der Abae- ordneten beleuchtete in der Diskussion über den Be- richt der Spezialkommission zur Untersuchung des Eisenbahnkonzessionswesens der Abg. Dr. Lasker, nachdem er die Vorwürfe zurückgewiesen, welche der vorangehende Redner, Abg. v.Tempelhoff, gegen die Untersuchungskommiifion erhoben hatte, die Ergebnisse der Untersuchung und die sack)- lichen Lehren, welche aus derselben zu ziehen seien, in ihren aUgemeinen und großen Zügen. Hierauf ergriff der Handels-Minißer Dr.Achenbach das Wort:

_ Meine Herren; Ich kann zunächst dem Hm. Abg. Lasker nur meinen Dank_ dafur aussprechen, daß er mit besonderer Betonung her_vorbob, wie die ganze Utitersucbuug, welche über das Eisenbahn- weien stattgefunden hat, keinen Zweifel über die Integrität dss Beamten hat aufkommen lassen. Ebenso dankbar bin ich ihm, das; er kei_ der Gelegenheit, wo er die Mißstände der vergangxneu Zeit erörterte, Licht und Schatten unier die da[“ci Betkeiligieu gleich verthcilte. Denn, meine Herren, es unter- liegt xvohl kemkm Zweifel, daß in der Vergan enbeit, und zivar in xen jungst verftcffeuenIahren diesseits und jen?eiis gesündigt worden ist und daß, wenn wir die Verhältnisse richtig, korrékt und gerecht _beurtheilen Hollen, w:r_ uns in die Zeit zuxückzuvrrseßen haben, in w_elcher_ 1en_e Vorfalle fich ereigneten. MeineStbeils ecachte ick) mich mcht fur berufen, dasjenige zu vcrtheidigen, was geschehen ist, um so Weniger, als ich. wie wenige in diesem haben Hause, die beklagenswxxihen Folgen jener Thaten überaU vor Augen habe und in meiner eigenen_Aftion täglich _ möchte ich sagen _ auf Schritt und T_ritt_ mich gehemmt fühle, indem die Trümmu dxr Vergangenheit _eine freie und frische Thätigkeit nach allen Seiicn hin beengen und huidern. _Gnvlß also _bin ich nicht berufen, dxsjenige was ge]che_b_en, zu vexiheixigcu, aber am dkl." andern Seite crackxe ick) (Sebenso sur msine Pfiicht,_noch einmak hier hervorzuheben, das; das _Vergangezix zum Therl _auch unter Kenntnis; und unter Mitwirkung dreies Hauses 88161)?th ist. Meine Herren! Wenn der Hr. AbgeOcdnete Lasker einen Rückblick auf die Politik dir Staatsregierung bezüglich des Eisenbahnwesens w::rf, so kann ich Wchk aneikennen, pass_izon dkmjmigen Boden, welchen das Gescß vpn 1838 legte, die ipatcre Zsit fick) weit entfemt hat; ich kann dies beklagen, weil ici) in Beurtheilung diefes Geseßes auf de_msel_ben Standpunkt sich?, wie der Heir Vorredner, aber wenn Wir die Wandlungen, die in der Handhabung der Gesksze, und die Aenderimgen, Welche in d„r Gessßgebung fslbst eingetreten find, richtig bxurtheilen wollen, so müsssn wir uns doch erinnern, daß gerade ONLY hohe Haus_wiekerholt einen ganz entschiedenen Druck auf die Regierung ausgeubr hat, die Gischtkpunkte, Welche in der Vergangen- heit wesentlich zum Staatseikenbabnbau führen souten, zn verazilassen und dcm Privateisenbahnweseu einen größeren Spielrczum zx: gewähren. Ich erinnere an ausdrückliche Resolutionen, welche 111 Mm Richtung hier in diesem hoben Hause in den vergan- genen Jahren gefaßt wvrden sind, Meine Herren, kann kann ich auch afienmaßig _ ich darf dies ohne ein amtliches Geheimnis; zu verleßén _ kynfiatiret), daß, als (S fich beispiélswäfe im Jahre 1859 und zwar wesenilick) unier Dem Andräuzen des Abgeordiicisiihauses damm hanclke, dcn wgeuanntsn EisenkabnamoxtisaticucT-fond zu be- ieitigén, Seitens „Tes Haiidels - Ministeriums bei den Vor- p§;!7.7ndkun§:n immér dcr _äUZ-Zlste Widsrstand geleistct worden 111, _ Das Haniels-Miniiierium ist damals von Position zu Position zurückgetrieben wo.!xen, Mil man in anderen entscheidenden Jniignzen von anderen Aunaffuxizcn wie das Handels-Ministerium _ausng, Endlich erinnere ich auch daran, daß die Maßregéln girade in einer ZM“ Zetwffen w:;rden sind, in Welclyer ein liberales Regimeßt im Lande hkkkisbk-F. Dis]? Aenksrungen sMd exfolgt wähxend der so.- genaxintxn neuen Aer_a. Diss dient gewiß zu einer richiig€n Beurtheiliing der Ver_baltmffe. Ich _will damit die Staatöregicrung xiixbt von ihrcn Vekpskicbiungen befreien, als wenn fie nicht exnkn s21ten Weg zu gehen hätts, unbekümmert um dasjenige, Was von Der eins:; oder anderen Seite ihr zuscrufen wird, indessen, wenn die Regierung wahrhaft konstitutivnel] regisren sol], so ist fie doch ge- Ukihlgt, auf ein Votum dieses_[„3_oicki?n Haus-s die gebührende Rücksichtzu x:e_1;mc_n_. AÜxrrings liefert dwxer Vorgang einen Beweis, wie vir- bangznxvoll es unter Umständxn sein kann, wenn ein Votum dieses Hauics ohne genügsnde Unter1uckUng der cinicblagenden Frage in dié WaagsYale geworfen Wild, und erstens dieBafis zu einer voÜsiändig xpckiäungen Bewegung auf einem_wichtigsn wtrtkyschaftlichen Gebiete bildet. Dat! _so11te allerdings, bsi 1clchen Gelegenheiten reiflich erwvgen Werdsn, weil die chikrung gstur-gen ist, derartige Vota nicht un' beachtet zu 1affen.

Wenn ich nun zu dkr Resolution als iolcher üßergelye, io bezieht sich_ der erste Theil derselben auf das Eisenbahnkonzeisio.“chsen. _Meme_ Herrxn! Wgs diefen Tbeil der Resolution anbstrifft, so kann lch_ mich mti T_em1elßen _einVIrstanden erklären, jedoch nur in rem Sinne, daß seit der Zert. wo ich berufen war, dieses Ministo- RUM 331 MUMM?"- nacb' den in der Resolution bezeichneten Grundsaßen v_erf_al)ren worden ist. Es wird also nicht etwas von Mir ge_wun1cht, was in Zukunft erst geschehen soÜ, fondcrn etwas, was ich_nach meinem besten Wissen und Gewissen in der Ver- gangenheit bereits getbay zu haben glaube. Es ist von dem Herrn Vo;rekner_erwahnt, Dax; in der Session von 1873/74 die Königliche St_aatßregiecung dem Hohen Hause em Geseß vorlegte, welches das CiisnvabnkonzejsionSwesen regulirén sollte. In diesem Gkseße Waren dieHauptpunkte, we1che_vou per Untersuchungxkommission hervor- JCHobeu worden find, _bcrUckfichtigt,_ Ich habe sie berücksichtigt, nicht m_i_1_ gergde Pie Unier1uchungékommisfion die Regierung hätte zwinßcn m_unen, _iu disse: Rtxhtungporzugehen, sondern weil ich die Auffaffung, ww fie in _dcxn Berichie niedergelegt_ war, persönlich theilte. Meine .Herren, Wl6_1_st nun die Antwort dieies hohen Hauses auf seine Vorlage geipefen? _Ote hahen dic Vorlaze nicht einmal in der Art gewürdigt, daß Si? disselbx einer ersten Lejung unterzogen haben, troßdem der Entwuxs noch ziemlich zu Arifczug der Session vorgelegt worden ist. Wenn ich nach der Urs_ache die1er_Prozedur frage, so meine ich, 17e- tybte dieselbe wohl aus zwei Gruyden, obschon ich in die Gcheiin- msse diefes hohen Hauses nacb _kieser Richtung nicht eingeWeiht kin. Ich habe mir gesagt, die Uebelstandx, Welche kei dem Konzesfionswesea beworgetreten waren, find noch so fr11ch in _aUer Erinnerung und haben theilweise die (Heister_ in der Art erregt,_ daß, wenn wir sofort zu einem gesetzgeberiscben Schr1tte üßsrgeben wurden,“ wir vielleicht zu extrem gewesen ssin würden. Es ist mög_lich, daß manche Mitglieder des hohen Hauses der Vorlage, wie sie be1chaffcn war, den Vorwurf machten, daß sie zu sehr unter dem Eindruck dsr damaligen Zeit stand. Einen anderen Grund habe ich aber darin gef_unden, und diesen hat auch der Kerr Vorredner erwähnt, daß nämlick) gleichzeitig das Reich mit der egulirung des EisenbahniPefens befaßt war.

_ Ich erinnere mich sehr genau, daß, als jene Vorlage über das EisenbahukcnzessioUSWesen in das Haus eingebracht wurde, in sehr angeseheneü und Weit verbreiteten Zeitun en die Meinung Ausdruck fand, daß Preußen hier dem Reiche gewi ermaßcxn emenStreicb habe fpielen wollen, daß es fich um eine partikularistische Aktion gegen das Vorgehen des Reiches handele. Es mag vielleicht bei manchen Mitgliedern des Hauses ein solchex thgnkc vorgewaltet

Im weiteren Vex- _

Berlin, Donnersiag, den 30. März

haben, und dcxraus erkläre ich mir das eigcutbümliche Schicksal der Vorlagx. Die Regierung hielt sich damals verpflichtet, die Vor- lage einzubringen, damit das Haus Stellung nehme. Nachdem aher die_Vcr1-i.:e nicht einmal, wie ich schon gesagt (*abc, einer einen Lciung unterzogen war, nachdem ferner das Reich kick) mrtdieiec A11Z61e_gen1;eit_intensiver beschäfiigte, habe ich es für richtig erachtet, zunacbit daß Haus mit dieser Frage nicht weiter zu befassen, sondern dexi EntmickelimgsMng, welchen die Reichsgeießgcbung nehmen w_urde, ahzuwarten. Gefährlich ist dieses Zuwarten infofexn zucht geweieu, als außerordentlich wenige Eismbabnkouzeifionen iti den _ [e_sten Jahren zu ertheileu gewesen sind, uud alls dic_ schwici'igsn Fräsen, die in der Vergangenheit zu man- nigfachen Erörterungen und Protestationen iührten, hier nicht vor- gelcgen haben._ Es war alio diefer Gegenstand kein bxeunender, und da das Hans ielbit anzunehmen schien, man solle sich mit diesem Gegeusiandc zunächst nicht beeilen, habe ich Abstand genommen, aber- xnals xine derartige Vorlage einzubringen. Jcb leugne nicht, daß es m_ meiner Absicht liegt, vielleicht in der nächsten Session rie Tbatig- keit des Hamas für diese Auqelegeuheit in Anipruch zu nehmen. Ich kcuime nun zu dem zweiten Punkt, Welcher sich auf di? Reform des Aktienwßseus bezieht, und es dient vielleicht zur Aufklärung, wma 1ch dIm Hause. einige Mittheilimgsn darüber macke, ivas v0n Scitkn der Königlichen StaatSrégierung geschehen ist, Meine Herren! Jeb habe unter dem 28. Mai des Jahres 1873 cme___Versügung, die, wenn ich nichtirrc, damals auch in den Zeitungen vexvnxutlicht worden ist, an sämmtliche HandelSkammern und kauf- maiinisch Korporationen, an sämmtliche Rogierungen und Land- drqsteicn erlassen, um über bestimmt formuiirie Fragen des Aktien- Weiens Bericht zu erstatten. Ich habe in diese! Verfügung namentlich den Handelskammern gegenüber hervorgehoben. daß ich weniger tbxoretiicbe Erörterungen, ala an ihatsächliche Verhältnisse gkknüvft: Darlegiingen wüasche. Es haben auch in Folge dieses Reikcipics die_ mmmilicben Behörden berichtxt, wobei ich aÜerdings zu niemem Bedauern hervorheben muß, daß der Punkt, wonach die Darlegungeg sich an Thatsackxen anknüpfen soüten, Walchc 1"1ch_in dcn betreffenden Bezirken ereignet hätten, sehr geringe Berück- sichttgu1_1g gefuuden hat und zwar_ hat man fich meisjentbeils in der eigeiithumlickxn Ari geäußert, dar; in dem diesseitigen Bezirke von dex] ublen Erfahrungen, welche andereBezirke vieUeicht gemacht haben xnochtcn, nichts Näb_eres bekannt sei. Llnf Grundlage die- 1e_r verschiedenen Aeußerungen hat das Handels-Ministerium ein ausfüht_liches _Voium an das Königliche ZtaatSminifterium erstaitet, worin es die Vor1ch|äge formulirte, welche nach seiner Ansicht zur Reform _ der Aktiengeseßgebung dienen könnten. Es beziehen sieb die1e Vorschläge namentlich erörtert _wird, _ ob in Zukuxft statt der Verpflichtung bis zu 40% Utébt em_e volle Haftung des Zeichners einzutreten habe. Diese Frage ist in dem Votum bejaht. Es wird ferner die Frage _erörtert über die Emissiou der jungen Aktien vox der BOUeinthlung der alten und der Vorrechte der ursprünglichen Zeichner bei der neuen Enzisfion. Es ist bcfürwmtci, dem hier statt- gefmzdenen Unfug durch 1ehr energisch? Maßregxln für die Zukunft Aßhulfe Zu verschaffen. Das Votum beschäftigt fich sodann writer nur den ygenannten qualifizirten Gründungen, die im Art. 2091) des Hande1sge1cßbuchs vorgesehen sind, und es wird hier das, Was aiich m_ dxr Resolution sicb betont findei, Hervorgehoben, daß eine _verjchaxfte _Haftung der Gründer in civil- und krimi- nalrechtlicher Beziehung wünschenSwertb fei. Demnächft gébt das Votum auf die Verwalmug der Aktiengesellschaften übsr, befürwortet eine umiaffeudere K_ompeienz und Thätigkeit der Generalversamm- lungen., i_nkcm gewisie Angelegenheiten bezeichnet wordsn, die chkr ?urä; ijchluß _noch durch Statut dc-r Generalversammlung 2111302121“! wer- T_cn dnzscn, befürwortkt iveitkr, den Veiwaltungsraik) in die Stellung eines; eigentlichen AuffichtSraihes zu versesen und ihm iiicht eine kon- kxirrirende_Bewgn_i[; in Verwaltungßangclegénb*:iien mit der Dirsktion cinkr_ Axtiengssell|chaf1 zu belassen. EudlikÖ smd in chm Voium ausfuhxliche Eröxteruugcn Übcr die srgenanni-n Jndividunlrecbte där Aktionare _cnihalten, und auch n_ach dieser Richiiing finden sich verschie- 13637 Antrag? gestellt. Sie eiychen aus dem Angeführtxn, daß das- 1e1iig_e ungefahr, ivas damals zur Etörisrung gslangi ist, fick) in den Anfragen angedeutet firidet, wclck-se dem Hohen Hause vorgeschlagen sm_d. Rim bat zu jener Zéit dar Bundesratk) fich ebsnfalls mit dxéjer Angelegenheit beschäftigt, und es ist in einer Sißimg dcsseYoen_vom 2:2. Juni des Jahxcs 1874 auf Grund dss Bexicbts DLS Justizagssäyuffes ein Beschluß géfaßt Worden, daß die Rßrorm der Axtiengest gebung und überhaupt des ganzen Handels- geicßbychks '.111k der __eform des Civilgeseßbuches zu vsrbindsn sei. Es_ Wird in deiii betreffenden Berichte ausgeführt, daß bei Lage der Dinge 11111) bei der AVLkfiOU Hes Publikums gegen alles Daéjénigs, xvgs Aktie h_eißt, die Verhältnisse nicht für so dringend xu «achten ieren, um 1chleunigst mit einer Gesejzxebung über das Aktienwesen vorzugehen, ohne vorher die nothwendige Reform des Obligationsrccbte zu_ ukerielxen. Auf diese Weise haben die Verhandlungen vot1äufig keinen weitxrcu Foxtgang gefunden. Es muß Hierbei bervoraehoben weiden, daß_auch in den Berichten, welche an die Königlic'oe Staa» regierung exitattet worden find, Bcdsnksn JLLLI cin sofoxtiges Vor- gehen der Geseßgebung zur Beseitigung der Schäden dsr Aktiengesetz- gebung erhoben worden sind. Man hat einmal din eben hervor- gehobeiien Umstand als ivesenilich bezeichnet, daß in der nächsten Zeit 1chuxerlich irgend welche größere Unternehmungen mit Hülfe von Aktienge1el11c1)aft_en zu Sfande kommen würden, sodann aber ist be- tont wvxden, daß man unmözlich alle die Ericheinungen, welche in den bezeichnetén Jahren hervorgetreten find, auf die Aktiengeseßgebung gls s01ch_e zurückführen könne. Man hxbe sich auch im Jahre 1870, als 1enc_sGe]eH erlassen wurde, kxiueSwegs verhehlt, das; möglicherweise eine Periche des gründlich1ten Mißbrauchs der neugewonnxncn Freiheit eintre- t€n_fonne, und das; deshalb an fich in dem Eintret-xn derartiger Mißbräuche noch nicht ein zwingender Beweis dafür geliefert sei, daß die ?be- sieh-nde Geseßgebung umgestaltet werden müsse. Dazu komms, daß im Publikum überall eine derartige Erregung Herrsche, daß man zu Yüxckxten babs, es werde der Geseßaeber _weit über das Ziel Hinaus- 1chießen, wznn er fick) sofort dieses Gegenitandss wieder bemächtige. Es ist gewiß anzuerkennen, mein: Horren, daß es nothwendig erscheint, auf dem hier vorliegenden Gebiete mit äußerster Vorfichr voxzugehen, um nicht dasjenige, was man in der Vergangenheit muhsam err_ungen hat, durch ein rasches Umdrehen nach der anderen S_eite voUstandig in Frage zu stellen. Gleichwohl werden die ka- bunxxten Regierungen, falls Sie die Resolution annehmen, sicb schlZ-Ufig zu machen haben, ob sie mit einem sogenannten Notbgeseß bezuglich des Aktienwesens auf der angedeuteten oder einer anderen Grundlage schon jetzt vorzugehen haben. Meine Herren, gerade dies, sowi_e die ganze Diskusfion. Welche heute in dem hohen Hama stattgefunden hat, 1th mir zum Schluß noch einmal_ die Frage nah: wer ist denn eigentlich, wenn man die heworgetretenen Uebelstände in ihrer Gesammtheit betrachtet, der Schuldige? Meine Herren! Bald Werden die Regierungen ge- nannt; indessen es wird doch anzuerkennen sein, daß sich diesslbea ugcb dem Erlaß des Geseßes vom Jahre 1870 völlig neuen Verhält- nissen gegenüber befanden, und daß die Gesetzgebung des Jahres 1870 ivese_nt_1ich unter dem Gedanken erlassen Wurde, daß man buregu!ra_t:sche_ Bceinstussung möglichst weit abwerfen onte. Es ist hierbei noch besonders zu berücksichtigen -- und ich könnte Ihnen Belage atis den Reden namhaß'rer Führer dieses Hauses und W Reichstages beibripgen _ daß die Ansichten auf dicses! Gebiete tm Jahre 1870, spezan rxgs das Ejsenhqhgxpesen be-

darauf, daß die Fraze

!

1876.

triffx ganz außerorkxeutlicb weit auseinandergingen, und daß, wenn die Regierung aus die Stimm: eimeluer Führer Werth gelegt hatte _uad voxzugkwciie die Richtung verfo1gt hätte, welche vo_n_ d1_(_'skk bezeichnet worden war, wabkich-inlicb nok!) größere Y_cxßgrine yorgekcmixZßn wäcep. 3-2) ?iwce d-m-ixg- Meiißemngeu h_erjedocb ytchtan, weil ich voUstäUrig ?;rn ovn „13:7: Ref:»minationet biti uiid Niemandem enoaY _vctwer'en will, sondern die Beryältniffe obxeknv zu_betr_achten_wuu1che. Meine Herren! Man fast dam: wxiter, _daß die_ Ge1e_ßgebuug die Ursache des Uebels gewesen sei. Ein neuerdings iiber rie wirthsckxxfilicho KriiiÖ erschienenes Buch, w€1ches fich eingehend _ mit kieien Vsrhältniffen befaßt, gekzzngt zg dem Resultate, das in eriTer Linie dis im Jahre 18-0_erls_11iene Geießgebuag die Uciache der wirthichaiilichén Krisis gewe16n1ei._ Diese Ansicht kaun ick) von meinem Standpunkte aus durchaus_n1cht_theilen. Wenn wir einen Blick auf die ganzszirilifirte W211, mo_ch_te 1ch sagen, werfen, so ssbcn wir, da?"; überaü melir oder wsmgcx dreielben Erscheinungen wic bsi uns eingetreten fend, und doch Besteht in den einzelnen Ländern eine Wesentlich verichiedeue Goisyzebung. You Vielen wird hierbei. auf die Vorzüge des früheren Konzechöweiens hingewiesßn. Sehen wir aber beispielSwsiiL auf Lüsterreich hin, io iind Jie Vorgange, Welche dort *unter der Herrichaft des Konzeffionsweims ]tch_ ereignet haben, in der That geradezu als gegenüber dem- 1enrgen, was bei uns versucht wvrrkn ist, zu bezeicbnkn, mir liegt hier gerade der Bericht des vrlkSwirthschaftiickykn Ausickouffcs des öster- reichischen Abgeordnetenhauses über dcn Antrag der Abg. Lieu- chber und Gen., betreffend die Krifis vom Jahre 1873, Vor Und ich M11 mir erlauben, wenigstens (ine kurz; Mittheilung aus der;;iclben zu _macbeu. Jck) bemerke Voraus, da:; das Akgcordneiwhaus in Wien am 13. November 1873 Einen Ausschuß nikderseicsi hat, "„im die Uryackxen der Krifis zu erörtern. Tiefer B?cicbt beziéht sich naiyrgcmäi; nicht blos auf das Ciscnbahnivcien, sondern auf die Giundungsn überhaupt, m€lche in Den beirsfferikkn Jahren stattge- funden habkn. Nack) demselben BeriÖt find konzesiionir! in den Jahren 1867 bis April 1873 _ das ist nämlich die Zeit der _Blütbe in Oesterreich _ nicbt Mnigcr als 1005 Aktien- géseklstbasten mik einein Nominal-Afiienkapital von 4 MiUiardcn Gulden. Dies ist aNo unter der Hsrxfchafx ker anzsifionM gc- ich-lmi, un_d wenn Sie die einzelnen JÜÜLL VSXZ1L1chCU, io steUt fich heraus, dax; im Jahre 1867: 26 Akricngeicüfchaiten, 1868: 32, im Jahre 1869; 141, im Jahre 1870 _ damals brach dcr fran- zosiicbe Krieg aus _ 101 , 1871: 175, 1872: 376 MZ x_och im Jahre 1873: 154 Aktienzcseüschasten kou- zesyiomrt wurden, und dar; dikie 154 des Jalxres 1873 GM_ Nominal-Aktienkapital von einc-r Milliarde in Anspruch nahmen. S_t_e sexe" aUs _dieien thlcn, wie “unter der Herrschaft des Kon- zemwnS'zysiems die Verhältnisse sich gestaltet haben. Vickisicht in- teresfiri es das hohe „Haus, Wenn ich wenigstens eine? Blüihe dieses Systems hier noch_näk)er konstatire, es lzaiidel't fikb um die Baubunken, welcbe vorzUJSweiie in Wien gewirthichaftei haken. Der Bericht spricht sick) natiirlich folgendermaßen aus:

Nach übereinitimmxuden, wenn auck) nicht offizieslcn Schäizun- gen könnte man] auf der in Wien und seine: Umgebung allein von den Baugeieüschasten und privaten Spekulanten erworbenen Gmndkomp_lexen Weit über 100,000 Häuser, keines in einem geringe- ren Außmaße a1s_150 Quadratklafter aufführen. Um aber diése Ziffer zu würdigen, muß man im Auge bkbaltkn, das; ganz Wien obne Vor- orte (Hyde 1872 nur 10,756 Häuser und mitsammt dm Vororten (210riicha_ft§n Umgebung Wisns, 5880 Häuser) nur16636 Häuser zählte; daZXserner nach einer vorliegenden authentischen ZU'sammen- fteÜung der jährliche Zuwachs an Hänsern in Wien seit dem B3- ginne der großen Stadterweiterung pie Ziffer von 250 im Durch- schnitte niemals erreicht hat, und daß; Die gesammte Thätigkeit aller BaiigéselUchaften in den Jahrkn 1869 bis UlklUfiVk 1872- fick) iii dsr Ziffcr von etwas über 200 nouen Hänisrn aussprickzt.

Die Behauptuxg, so Parador sic kLinJ2n_1nag, ist d?mnack) unter allen Umständen einc wohl kegrünkito, _daZ es immeibin mehrerer berhunderte bedurft hätte, um bei noch 10 großer Anspannung aller verfügbarcn Llrkeitskxäfte aÜe jéne GrunDkompskxe z Ocrbanen, wslcbe fick) in den Händen der Spekulaiion befanden, «1,5 die Krifis fiker den Effektenmarkt bereinbrack).

Meine Herren! 'Der sehr interessante Bericht weist anf andcren Gébietsn Aebnliches nach. Fragt man nun, um nochmals auf den Auég-mgspunkc zurück ukommev»: wo lisgt die Sckyyld? so meine ich, könnsn wir uns do das nicht vxrkxeblcn, Daß das Publikum WInigfteUZ einen sebr wesentlichen Antheil trägt. Osna Wynn Der- artigcs unter dxn Angkn eins]: inicUigcnten BévölkékUUJ Paffikt und nicht Einmal Einspruch erloobsn wird, scndsrn im Giginthcil das Fisher sich aUgcmeiner vsrbreitet, so darf man wohl 1agsp: im großen Ganikii hat die Sünde jcner Zeit MW)." oder WZUlger im großen Publikum selbst gelogen, Ick fraZc einkack): wis, War _es bei Uns? find bei UW dieselben Crscbeinungsn, wic: in Wisn, bsiipielsweiie in Berlin nicht verirétsn gewesen? find st? in der That auch nicht eienso zu béurtk)cilen? Ich Habe vorher des neuesten Buckyes Übcr die Krifis gkdacht. Daffélbe kommt, Wenn ich es wörtlich vorlesen darf, zu fol- genden Resultaten:

„Die Hauptichnld liegi nicht an Den chiernngen oder Börssn oder an Betrügerkategorixn, sondern an dem allgemeinen Reichtbums- fieber, we1ch28_ die Nation ergriffen hatte und den Einzelnen die feiniren niora1i1ckeiiRegung€n ertödtend, mitfortriß. Es ist jeZtModege- worden, sich als Opfer geheimen Betrugs hinzustcÜcn, wo doch das Grün- kungsweien mit der Offenheit des erlaubten Geschäfts bxtrieben wurde, und gerade hierdurch so Viele in feinen Strudel mit fortriß. Mockzten die Programme die ursprünglichen Kaufsummen vsrichwsigcn, mochte cs Unbekannt bleiben, ob diese oder jane sich in den GéWinn geihcilt, _ die entschkidenden Thatsackxen, dai: und wie viel, über die früheren Normalpreise, über die wirkiicben Werthe aufgeschlagen worden war, kannte Jedermann. Wußte man nicht bei allem BkrlinsrBaugeseÜschaften daß ihre Objekte noch vor Monaten, vor Wochen, zu einem Zritthcil„ einem Viertbéil, des eingesetzten Preiies Von Zen früheren Befitzern crworbw wurden? Wenn dies nicht von der Betheiligung abhielt, so war 1- er höchste Grad der Verblendung vorhanden, oder der Aktionär “tiat nur in die Jußtapfen der Grunder, indcm er das Geschäft dek Auf- schlagens auf den ursprünglichen Prcis an der Börse fN-x/useßen dachte. Der Agioteur ist nur der fortgeseßte und very,:élsäliigte Gründer; beide babxn kein Rxcbt, ficb gegenieitig anzukla' ck .

Es ist wvhlangezeigt, daß manDerartiges nicht 5“ oerfie'bt nicht um den Einen oder Anderen zu exkulpiren, nicbt um d'asjeniße, was- in der Vergangenheit geschehkn ist, und die beklag-

. . „. „uSwerthkn Folgen zu veriuichen. Aber, meine Herren, Wenn dem 0 ist und ich bin der Ueberzeugung, daß die Verhältniße in ,TÖahrbZit so liegen 19 meine ich Werden wi".- uns imxt' “, . . . - .. , .er zu fragen haben. 1o_Ü Danemge, was geschehen Ut, du_r_ch vol) xtändige Umkehr der Ver- haltnisse verbkffert werden? Ick) mr „nein Theil stehe auf dem Standpunkt, obschon ick) Reformen in ' - -

. , . .. „kr angedeuteten Richtung fur zweck_maßig era_chte, daß _ich 07er auljßrechex Ick wünsche auf dem Gebiete der Wirtbschaftlichen ckckckijle keine Reaktion,

_ _Nachdem UM) die UbSI- v"“.xc'ardorff, * ari ms und Scl "d - Lippitath gesprcFchLU„ hatten, wurde de? Asritrag dcr )Zkbxxrx. 1)r. Lasker_ und o. Kollßx _:mit großer Majorität angenommen.

Schluk; 51/5 Uhr» Nackyyte Sitzung: Freitag 11 Uhr,