1876 / 79 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 31 Mar 1876 18:00:01 GMT) scan diff

"*- beide Mecklenbur . Oldenburg, Braunfchweig, Waldeck, beide Lippe, sowie 132 drei Hanießädte _ sä'mmtiicb, mit] Kuonahme von Hamburg, für die Inditßrie_ uberhaupt

und für die in Rede |ehenden Verhältnisse insbesondeke

ohne größere Bedeutung _ bilden die lebte (Yruppe.

Die 15 Druckbogen umfassende Zusaniunnstellung enthalt zu-

nächst eine allgemeine Vorbemerkung uber die Art und Weise,

wie diese Erhebungen bewirkt wurden, mit dem Programme,

welches denselben zu Grunde gelegen. Sodann giebt fie eine Uebersicht der Verhältniss der Fabrikarbeiterinnen und der jn- gendlichen Fabrikarbeiter, Beides in getrennter Darstellung. Nach den beigefügten Tabellen find in denjenigen Industrie- zweigen, auf welche die Erhebungen iich zu erßrecken hatten, 226,000 Arbeiterinnen im Alter von über 16 Jahren, davon 128,500 in der Textilindustrie, 566,500 männliche und 88,000 jugendliche Arbeiter, beschäftigt.

_ Dievon den Landegbehörden an das Reichsbank- Direktorium, an die Reichs-Hauptkaffe und an die Reichsbank- anftalten gerichteten Postsendungen in reinen Reickisbienst- an gelegenheiten genießen nach einem Cirkularreskrtpt des Jinanz-Minifters und des Ministers des Innern die Porto- freiheii. Diejenigen Sendungen dagegen, wrlche fick) 'auf LandeSangelegenheiten oder auf den Geschäftsbetrieb der Reichs- “bank beziehen, find von der Portofreiheit au6g_esch[offrn. Zur Anerkennung der Portofreiheit durch die Postamialten ist erfor- derlich, daß die Sendungen &. mit amilichenr Siegel oder Steinpel und 1). auf der Adresse mit dem PortofretheitSvermerf „Reichs-

dienfisache“ versehen find.

_ In der heutigen (36) Sißung des Hauses der. Tib- geordneten, welcher der Vize-Präfideni des Staats-Minzite- riums Finanz-Minifter Camphausen und der Handels-Mmiiter 1)r, Achenbach mit mehreren Kommissarien beiwohnien, theilte der Präsident mit, daß die Wahl und Konstitmrirng der Kommission für den Geseheniwurf , betreffend die Ver- waltung der Provinz Berlin, erfolgt sei. Gewahlt ßnd die Abgg. 1)r. Techow (Vorsitzender), 1)r. Virchow (Stellvertreter), v, Kehler, v. Saldern (Schriftführer), 131“. Weber, Wulfshem, Richter (Sangerhausen), Kiepert, 01“. Köhler (Göttingen), Kochann, Runge (Berlin), Richter (Hagen), 1)r. Ebern), v. Loeper-Loepersdorf. Ebenfalls ist gewählt und hat sich konstituirt die Kommission für den Geseßent- wurf, betreffend die Besteuerung des Gewerbebetriebes im Umherziehen. Gewählt smd die Abgg. Worzewski (Vors.), Scharnweber (Ster.), Hirsch, Gescher (Schriftf.), Siemens, Weißenborn, Hamkens, 1)r. Plate, Troje, Niederschabbehard, Partheiger, Stuschke. Bender (Alienkirchen). Es folgte die erste Beratbung der Gesetzentwürfe, betreffend die Ueber- nahme einer Zin6garantie drs Staats für die PrioritätSanleihen der Halle - Sorau = Gubener Eisenbahngeselischaft bis auf Höhx von 29,730,000 „M und den Ankauf und den Ausbau der Bahnstrecken Halle-Caisel und Nordhausen-Nixei. Gegen die Vor- lagen sprach zuerst der Abg. Richter (Hagen); er beantragte die Verweisung derselben an die Budgetkommisfion, welchem Vor- irhlage auch der Abg. v. Venda beistimmte, da auch er fiel; nicht definiiiv für die Vorlagen engagiren wollte. Der Abg. Dr. Roeckeraih beantragte die Bildung einer großen Eisenbahn- kommission, welcher außer diesen Vorlagen auch der Geseßent- wurf, betreffend den Ankauf der preußischen Staatsbahnen durch das Reick), zur Vorberathung überwiesen werden könnte. qum Schlusse des Blatts hatte der Abg. Stengel das Wort.

_ Die Eisenbahnfrage ist durch die Vorlegung des preu- ßischen Geseßenimurfs in das Stadium der parlamentarischen Verhandlung und damit noch mehr als früher in den Vorder- grund der öffentlichen Diskusfion getreten. Aile politischen und Fachblätter ergreifen nach ihrem wirtbsckzaftlichen oder politischen Standpunkt für oder wider die Eisenbahnfrage Partei, dock) bilden die Gegner derselben die Minorität. Indem wir uns vorbehalten, in den nächsten Tagen eine umfas- sende Uebersicht über die betreffendrn Kundgebungen der Presse zu geben, beschränken wir uns beute darauf, hervorzuheben, daß von hiesigen Zeitungen die „Vossiiche Ztg.“ und der „Berliner Börsen-Courier“ |ck) als Gegner des Projekts rrweisen. Die „Schlesische Zeitung“, welche früher heftig opponirte, uriheilt schon ruhiger und billigt das ideale Ziel, wenngleich ihr die Erreichbarkeit desselben noch zweifelhaft erscheint. Die „Frankfurter Zig.“ bekennt fick) als grundsätzliche Anhängerin der Reichsbahnen, hält aber den vorläufigen Urber- gang zu den Staatsbahnen fiir den einzig praktischen Weg.

Das „Frankf. Jonrnal“ faßt icin.“ prinzipicilc Ansicht dahin zuiammen, daß es dem StaathaHn-Siystemr den Vorzug vor dem Privaibabnban und Beiricb, namentlich jcdoci) vor dem grmiichien Systemc einrämnr, und daß es mn“ eint: Var- cinigung des Eigrnihums und des Betrirbcs der Eiicnbabnrn in'dr-n Händcn des Reichs perhorrcscire, drm cs Hingegen cin mbYZMt w;itgcbrndcs und wirksames Aufsichtsrrcht zueribeiien mo c.

Zahlreich find die der Eisenbahnvorlage günstigen Stimmen der Presse. Wir erwähnen u. A. die „Wesrrzeitung“, welche hofft, daß auch 1th wieder Deutschiand der Führung Preußens folgen werde, und die „Kölnische Zeitung“, welche sich in einer Reihe „eingehender Ariikel zustimmend über die Vor- lage ausspricht. Unter den süddeutschen Blättern ist, gegenüber den Beschlüssen der württembergischen Kammer und der Broschüre des Ministers v. Varnbüler, besonders der „Schwäbische Merkur“ hervorzuheben, der den Grund- gedanken des Projékts für einen solchen erklärt, welcher fich weit eher der Zustimmung der deutschen Brindrsßaaten er- freuen, als ihren Widerstand hervorrufen müßte.

Auch die außerordentliche Generalversammlung des Ver eins zur Wahrung der gemeinsamen wirthfchaftlickgen Interessen in Rheinland und Westfalen hat sich am 28. d. M. mit der in der Vorlage des Abgeordnetenhauies MSgesprorhenen Absicht, die preußischen Staatsbahnen, sowie die Rechte des Staates an anderen Bahnen und das AuffichtSrecht det? Staates an das Deutsche Reich zu übertragen, einverstanden er ärt.

_ Die am 13. d. M. hier zusainxnengetretene Ko mmiis io_n Höherer Kaballerie-Offiziere, welche Vor1chläge betreffs Aexnderung des Exerzier-Reglements der Kavallerie machen sollte, wird morgen geschlossen Werden.

_ Ein Palizei-Exekutivbeamter ist, nach einem Ek- kenntnjß Öes Ober-Tribunals vom 8. Miirz d- I., zur so- fortigen Jextnahme einer Person, die ihn bxxkeidigt, befugt, auch wenn der" Betroffene dem Beamten persönlich hkant ift- Zerbeiderstand IWM diefe sxifortige Arretirung dxmnack)

a ar.

_ Der General-Major Bauer, Commandeur der 8. Feld- Urtillerie-Vri ade, welcher kürzlich von Coblenz zur Abstammg eldungen hier eingetroffen war, ist wieder ab*-

persönlicher gereiß.

Bayern. München, 28.März. DerAbg.Frhr.v.Grieien- beck hat zum Etat des Staats-Ministcriums des In- nern folgenden Antrag eingereicht:_DieKa1Zm_ier der Abgeord- neten wolle beschließen, an Se. Majestat den Konig die allernnier- ihänigfic Bitte zu richten, die Vorlegimg eines dre Reorgnnnatiqn und das Vciiahi'en der Verwaltungßbehbrden und d1c_Judzcatizi' m Vchaltungsrerhtsiachen regelndenGestßentwurfs fur die nachste LandtagSveriammlung allergnädigii anordnen zu „wollen, durch welchen Geicßentwurf eine durchgreifende Vereinfachung des Verfahrens und des gan en Geick)äft'sgiznges„ sonne eme thun- lichste Vermindernng dcs erionals bei sammtiiiche'n Vrrwaltungs- behörden, dann eine einheitliche und unabhangige Handh'abun'g der VerWaltungsrcchtSpflegc berbeigeführi, sonnt namentlich dre Kompetenz der Königlichen Bezirksämter erweitert, Ausdehnung und Seelenzabl derselben mehr ausgrglichen und ein un- abhängiger oberster Gerichtshof in VerwaltungSiachen ge1chaffen Werde.

_ 29, März. Die „Allg. Ztg.“ schreibt: Da fich die Er- ledigung des Budgets durch die Kammern noch weiter verzögert, so wird derselben ein Geseßentwurf behufs der provisorischen Stéuercrhebung auch im zweiten Quartal d. J. vorgelegt werden. Da nun aber das betreffende Geseß erst im Laufe des nächßen Monats wird erlassen werden können, so werden durch Ministerialerlaß die Kaffen, Aemter und Stellen ermächtigt, die für die leßte Finanzperiode bewiiiigien TheuerungSzulagen auch noch für den Monat April [. I. unter den in den früheren Entschließungen angeordneten Modalitäten verabfolgen zu lassen.

Erlangen, 23. März 1876, Bei der Feier des Geburts- festes des Deutschen Kaisers, welche die Harmoniegeseüsckiast veranstaltet hatte, wurde von dem dzt. Prorektor 5)'.Zrofeffor 1)r. v. Hofmann folgender Trinkspruch auf den Kaiier aus- gebracht, welchen drs Erlanger Tageblatt mittheilt:

,Hochyrrebrte .Herren! '

Es ist mir der Auftrag und also die Ebre zu Theil gewiyrden, in dieser Vecsammlun deutjcbcr Männrr den Gsdanken und Empfin- dungen AuSdruck zu geßen, mit denen wir unsers heute vor 79 Jahren geborenen Kaisers gedenken. _ _ '

Ein Auftrag, leicht und ichiver zugleich. Denn ]edes Kind Weiß von ihm zu sagen; aber Ailes zu umipannen, was sein Gedackztmß auf die fernste Nachw-lt bringt, wäre auch dem kaudrqsten und be- gabtesten Redner zu viel. _ '

Welche FüÜe der folgenreicbsten Begebntsse_ruff sein Name in Erinnerung! welch' großes Maß drr Dankbarkeit schuldet ibm das deuticbe Volk! _ .

Wenn es zurückdenki, wie es heute vor 10 Jahren in dieZak-„mit sah. und nun um fich schaut, Weiche Gegenwart es sein nennt, em Jahrhundert scheint dazwischen zu 1irgrn. _

Und dock) war damals der erste große Srbritt schon geschehen, der es aus der Schmach berausfübrie, einem gelabmten Riesen zZ glei- chen, mit dem selbst die Flirgen ihren Muthwiilen-tcerben. Schiri;- wig-Folstein war für Deut1ch1aud gereitet, ohne daß dir Schselmcbt der remden es hätte hindern können. _

Aber eben dort wurden (1116 Gebrrchen drs deutschen Bundes offenbar. Sie zu heilen, gab, es nur Ein Mittei, und dieses eme Fark 19 schmerzlich, daß Wenige den Muth hatten, es auch nur zu

en en

König Wilheim empfand die Schmerzlichkeit desselben nicbt meani- ger, als wir; aber die Einsicht, daß es kein anderes gebe. machic ihn stark, das zu thun, wovor fein eigrnrs Vo[k*z1_rrückschrak. Es war der zweite Schritt zu des deuischen Volkes Größe. _

Den dritten forderte der Mann heraus, von dessen Lippen Europa- sick) gewöhnt batte, sein Schicksal zu verncb, en, i_md dessen Hände die Würfel führten, die über Krieg und Fried n entjcbieden. .

Er hatte seines gewaltigen Obeims Sturz an Rußland geraÖt und an Oesterreich. Der dritte Rachezug sollte Preaßen nieder- Mrfen und Deutschland ihm zu Füßen legen.

Aber Preußen war schon nicht mehr Prrußen allein. Mit Ver- wunderung sal) rer Napoleonide ein einiges Volk der Druiicbrn sich erheben von der Ostsee bis zu den Alpen, um eine Wiederkehr der Schmack) abzutvenden, die sein Oheim ibm angrtban baite,

So schnell waren die Wunden, welche die Ermöglichung druiicbrr Eintraébi gesckMg-n hatte, über der Crkenntniß vergessen, daß sie Deutschland geheilt hatten.

Geführt von dem héldenmüibigen Greiie,_ der die Ehre, über das Hrer der Deutschen zu gebieten, nicht umsonst haben woliie, kamen die deutschen Waffen bis in das Heri, bis in die riesig? Haupisiadt des feindlichen Landes, in Gebiete deffxlbcn, die seit mrbr ais vier- hundert Jabren keine Frindrswnffen geieben hatten.

Vor ihnen stürzte der Thron, weichen die_Adler drs napoieoni- ichen Krießsrubms umsianden, _vor ihnen mußte die Republik fick) beugen, deren Hrere einst Deui1chland Überfluthet haiirn, und seit Jahrhunderim uns entivendeies, leidrr anch entfremdctrs Land wurde seinem drnticben Namrn wiedergewonnen.

Weird ein Tag ohne Gleich in der Geschicbte unsers Volks, als nach rinbeÜxgem Braebren aller Fürsten und Stämnxr deffxlben, unsers Königs voran, Wilheluz der Siegreiche im_ Festiaalr jenes Ludwig, der es mit Fäusten grichlagrn und mit Füßen getreirn hat, zum Kaiser Deutschlands ausgerufrn Wurde!

Aber g ößcr war er selbst, als er seinen Kcießsruhm vor Gott niederlegtr und, den Frieden fortan erhalten zu können, für den besten Gewinn ieiner Siege erklärte.

„Reich“ und „Reichstag“, längst verkiungene Namen, die zuleßt nur 110€!) die Hirlisloiigkeit und Raibiosigksit der Deutschen bezeichnet batten, tauchten nun aus dor Vergessenheit auf, nunmehr aber ein Reich der Eintracht und der Kraft und ein Reichstag aus freiester Wahl des ganzen Volkes; ein Reibb, das deuiicher Ehre und deutschem Geschäft in alien Welttheilen Schuß verlieh; ein Reichstag, dem in wenigen Jahren gelang, was der deutsche Bund und Bundestag in sechs Jahrzehnten nicht zu Wege gebracht batte.

Und alle diese Erfolge umleuchten das greife Haupt, zu dessen Ehren wir hier versammelt sind. Wohl haben ibm Männer zur Seite g_estanden, mit denen er den_Rui)m derselben theilt. Liber sein Ruhm 1st,_daß er sie nicht nur gefunden und an den rechten Ort ge- stellt'bai, iondern ihnen auch rückhaltlos vertraut, neidlos und dank- bar ihr Verdienst würdigt uud ehrt.

_ Ec bedarf ihrer und hat dessen kein Hedi, wie das deuisthe Vblk srmer bedarf. Denn schw:re Aufgaben find neu erwckch1en. Eine Grenze ist strittig grwordrn, die schwerer zu ziehen ist, als Landes- grenien, die Grenze zwischen der kirchlichen Macht des Papsterz und der staatlichen Obrigkeit, zweier Gewalten verschiedenster Art, dre 'auf einem zmd demselben Gebiete sich kreuzen. Und eine bittere Feind- s"chgft iii entbrannt, die schwerer zu dämpfen ist, als der'grimmigste außere Feind, eine Zwietcaxbt auf dem Gebiete der Arbeit, dir den Wyhistand schafft, zwi1chen denen, ohne deren geistige und prfuniäre Mittel. und zwischen denen, ohne deren Händefleiß sie nicht ge- 1chehen kann.

Unsers Kaisers Auge ist beiden Kämpfen forglicb zugewendet, und ie'nx Ta werden nicht reichen, daß er ihr Ende sehe. Wie iolltrn nicht - lle, die ibn ehren, darauf bedacht sein, daß er getrost in die Zukunft blicken könne? Er kann es, wenn fie sich und ibm ge- loben, die Tugenden im deutschen Volke zu pflegen, in denen fie ihn zu einem Vorbilde haben, die Tugenden der Gotteöfurcht, der Pflicht- treue und der “Selbstbes eiduug. _

La en Sie uns die es Gelöbniß miteinscbließcn, Wenn wir rufen: Horb le e und lange lebe der siegreiche und friedexnsfrobe Wieder-

] bringer deutscher inchSherrlichkeit! Kaiser Wilhelm 1“. lebe hoch!“

Sachsen. Dresden, 30. März. DieZweite Kammer berieth in ihrer heutigen Sitzung den Etat des Ministeriums des Innern und bewilligte die geforderten Summen nach den Anträ „en der Deputation. Eine längere Debatte entspann sich über d e Pos. 21, Amtshauptmannsthaften, welche mehreren Ub- geordneten Gelegenheit gab, sich über die Vortheil: und Nach- theile der neuen VerivaltungSorganisation au6zusprechen und ihre Wünsche bezüglich der weiteren Ausbildung diefer Organi- sation kundzugeben. Staats-Minißer v.Vostiz-Waniß hob hxr- vor, daß die neue Organisation |ck über Erwarten schnell em- gelebt habe, und sprach den Behörden und Personen, deren Ent- gegenkommen dieses Resultat mit zu verdanken sei, seinen Dank aus. Nach Erledigung der Pos. 2311 wurde die Weiterberathung auf morgen vertagt.

Württemberg. Stuttgart, 29. März. Der „St. A. f. 28.“ theilt die in der Eisenbahnsache vorliegenden An- träge, bezw. Interpellation, noch einmal im Wortlaut mit, womit die gestrige, zum Theil ungenaue Mittheilung richtig gefteUt wird:

[. Der Antrag von Schmid, Sarwey und Ge-

nossen lautet: -

Die Kammer der Abgeordneten wolle aussprechxn: _ _

Die Abyülfr dcr Mißstände im deutschen Eisenbahnwesen 1er durch ein im Sinne der Bestimmungen der RerchSverfassi-ing zu er- laffendes ReichSeisenbabngeseß anzustreben, nicht aber durch„Erwer- bung deutscher Eisrubabnen für Reckonuaß des Deutschen Reichs; es wolle daher die Königliche Sinatsregierung einer aux „solchen „Erwerb grrichtsten Vorlage, namentlich aber Maßnahmen die Zustimmimg versagen. welcbeden Uebergang dcs Eigenthums oder drs Betriebs der württembergiichrn Eisenbahnen an das Deutsche RMH herbei- führen würden.

11. Der Antrag von Elben und Gen. lautet:

Die hohe Kammer woÜe folgende Erklärung beschließen:

Die Kammer der Abgeordneten richtet an die Königliche Stanis- regierung das Ersuchen:

1) fie Wolle aucb irn jeßigen Stadium für das Zustandexommen eines wirksamen Reichs-Eiienbabngeseßes, durch wrlches in Aus- führung der Bestimmungen der Reichöoerfaffxrng (Art. 4 Nx. 8_und Kap. 711.) die aus der Zersplitterung des Eiicnbahnweseus in einem großen Tbcile von Deut1chland entspringenden volkswirtischaftlicheu Schäden beseitigt Wsrden können, nach Kräften tbätig sein;

2) fie wylle, Wenn dcr Außgang der Verhandlungen über_ die neneste preußische Eiicnbahiigeséßvorlage bezüglich der deut|chen Eiieudahureforux nur die Wahl läßt zwischen der angebotenen Ueber- nahme der Preußischn Staat?;eiienbahnen auf das Reich, xder der einseitigen Hinlenkung der preußischen Eisenbabnpolitik ans Schaf- fung eines über die_vreui2iichen Htaathrenzen binauörei-Öenden Ueber- gewicbis des vrrußi1chen Eisenbahnsystems, sii) für die Reform durch das Reich entscheiden.

111, Die Interpellation von Oeßerlen u. Gen. lautet:

In Erwägung, das; in politischer, finanzirkler und wiribfchaft- licher Beziehung das Wohl Württembergs, sowie die_ föderative Grundlage und gedeihliche Entwicklung des _Reiches selbit gbiiihrdet werden, Wenn _zunächst die preußischen Eistnbabnen und in der Folge aueh die Bahnen des übriarn Dsuiscblcmds auf daIReich über- tragen würden, erlauben fich die Unterzeichneten die Anfrage; an den Herrn Minister der auswäciißen Angelegenheiten und der Ver- kehrßanstalfen :

1) Was ist der Königlichen StaatSreaierur-g über die Absicht der Königlich preußischen Rrgierung in Betreff der Uebertragung deutscher Eisenbahnen auf das Reich bekannt und welche Steilung wird sie zu derselben einnehmen? _

2) Welche Rechtsansicbi ist die Königliche StaatSregierung in Bsirrff der Frage zu vertreten entschlossen, ob reich6vcrfasiungßmäßig die Uebernahme der preußischen und anderer Eisenbahnen auf das Reich im Bundesrail) mit einfacher Stimmenmehr- hxit beschlossen Werdsn könne, und ob, wenn es fich um die Ueber- nahme der württembergiscben Eisenbahnen bündelt, hierzu die Zu- stimmunq drr württxmberaiicben Landesvertretung noihivendig isi?

3)We1chesist der Stand der Verhandlungen über die Aus- führung des Art. 41-47 der Rrichsverfaffiinq, und welche Steliung nimmt die_Regierung zu drr Frage der „möglichften Gleichmäßigkeit und Herabießuug drr Tarife“ mit Rücksicht auf die Interrsfen umeres

Landes ein? _ 30. März. (W. T. B.)

In der heutigen Sißung der Ständekammer begründete, wie „W. T. B.“ mit- theilt, nach Eintritt in die TageSordnung der Abg. Schmid unter VeifaU des Hauses seinen am Dienstag einge- brachten Antrag, die Zuitimmung zu dem Ueber- gang der württembergischen Bahnen an das Reil!) zu versagen. Der Redner beleuchtete den Ankauf der dent- ichcn oder auch nur der preußischen Bahnen von Historischer, poliiischer, volkswirthschafilich:finanziel[er Seite und stellte den Unterschied zwischen dem in dieser Angelegenheit in der iäch- fischen Kammrr gefteÜien Anfrage und dem seinigrn dar. Dieser wollr das politisch? Decorum wahren und die Schaffung eines Reiche-Eisenbabngesetzes, jedoch in dem Sinne, daß die Verwaltung der Bahnen nicht an das Reich falle. _ Näckzstdem erhielt das Wort der Abg. Dr. Elben, welcher zunächst nach warmer Anerkennung drr württembergischen Eisenbahnverwal- tung die Zeripiitterung des deutschen Eisenbahn- wesens und die daraus entspringenden Schäden schilderte. Redner hob dicser Zersplirterung gegenüber die festere Organi- sation des Eisenbahnwesens in Frankreich und auch in Eng- land hervor, die auf weniger großen Vsrwaltungen beruhe. Eine Abbüife dieser Uebelft'a'nde sollte in Deutschland das ReichZ=EisenbabngeseH bringen, das aber bis jeßt nicht zu erzielen War. Redner könne aus seiner Kenntniß der Dinge 111 Berlin beifügen, daß der Widerstand gegen dar; in Rede stehende Projekt nicht von der württembergischen Regierung auSgegangen sei. In Betreff der neuesten, dem preußischen Landtage zugegangenen Eisenbahnvorlage bedauerte Elben, daß man heute hier verhandle, ohne die näheren Aufschlüsse abzuwarten, welche in wenigen Tagen im preußischen Abgeordnetenhause mit Sicherheit zu er- warten seien, und hob aisdann hervor, daß der bisherige Widerstand wesentlich dem Ankunft der gesammten Bahnen gegolten habe, während jene Vorlage nur die preußischen Staatsbahnen umfasse. Auf längere Zeit könne dies Verhältniß nicht bestehen. Der Kern der preußischen Vorlage fei_nur die Alternative: Reform durch das Reich oder ein- seitige preußische Eisenbahnpolitik. Redner zeigte eingehend den Unterschied, führte Preußens VerkehrSgebiet auf, welches faft alle deutschen Handelsstraßen beherrsche, zeigte das alsdann entstehende Uebergewicht, welches auf das Empfindlichste die Alleinstehenden treffen müsse. Insbesondere müsse Baden der Verkehrözone des preußisckz-rheinischen Gebiets zufaUen und dadurch isolirt werden. Bei dieser Sachlage sprach Redner sich entschieden für die Reform durch das Reich aus und schloß mit einer Erinne- rung an die Geschichte des Zollvereins, der auch einft hier be- kämpft worden und doch jede Kriiis überstanden habe. Auch dem Gedanken dieser Reform durch das Reich, wenn er auch vielleicht heute noch nicht reif sei, gehöre die Zu kunft.

Nachdem die Antragsteller ihre Anträge begründet hatten, erklärte Minister v. Mittnacht, man werde nicht fehlgehen,

wenn man das Reickyseiienbahnprojekt mit dem Nichtzuftcmde- kommen des Reickiseisenbahngeseses in Verbindung bringe. In den Jahren 1874 und 1875 seien 2 Entwürfe eines Reichseisenbahngeseßes an die Regierung gelangt, keiner derselben habe aber dem VundeSrathe vorgelegen. Die Regierung habe die Entwürfe berathen, indem sie m

Stelle auf die Reichsverfassung und dann erst auf die Landesintcreffen Rücksicht genommen habe. Sie habe den erßen Ennvurf im Oktober 1874 beantwortet, und nicht nur Bedenken geltend gemacht, sondern auch Gegenvorschlage ge- äußert, welche vom ReichSeisenbahnamte in den zweiten Ent- wurf zum größten Theil aufgenommen worden seien. Der zweite Entwurf habe die Befiimmung enthalten, daß die unmit- jelbare Aufficht über alle drutschen Bahnen dem Reiche zu- fallen solle. Hierin habe die Regierung eine formelle und tna- terielle Aenderung der Reich5oerfaffung erblickt, es sei ihr namentlich bedenklich erschienen, einen Grundfos von solcher Tragweite an die Spise zu stellen, ohne daß das Verhältniß dieses Grundiaßes zu den einzelnen Bestimmungen des Ent- wurfs feßgeftelit wäre. Die Regierung habe geglaubt, daß dieser Grundfos wegfallen und doch ein brauchbares Geseß zu Stande kommen könne, Der Reichskanzler habe dem Bundes- rathe die Eraebniffe dec Berathungen der Enquétekommisfion vorgelegt und fich auf Grund derselben Vorschläge zu machen vorbehalten, es seien bisher aber noch keine Vorschläge erfolgt. Württemberg sei jederzeit bereit, einem allgemeinen Tarifgrseßc, das die Landesintereffcn nicht gar zu empfindlich schädige, beizutreten. Gegen Schluß des vorigen Jahres habe die Regierung glaubhaft erfahren, daß nur die Privatbahnen vom Reich gekauft werden sollten, und habe er, der Minister, diese Eventualität bei dem bekannten Ulmer Toast im Auge ge- habt. Gegenüber dem Standpunkte einer Bundeöregierung, welche den Verkauf ihrer Bahnen an das Reich erwäge, habe die Regierung selbst als BundeSregierung iiber den Ankauf erwogen und vor Monatsfrist ihren Gesandten in Vrrlin beauftragt, zu erklären, daß Württemberg fiir den Ankauf deutscher oder preußischer Bahnen durch das Reich aus politischen, finanziellen und volkSrvirihscbaftlicben Gründen seine Stimme nicht abgeben könne. Der Minister führte demnächst aus, daß die Eisenbahnen durch die ReichSverfaffung nicht, wie die Post und das Telegraphcnwesen, drm Reiche vindizirt seien, und hielt es nicht für wünschrnSwerih, daß Württem- berg neben seinem eigenen Bahnendefizit noch ein Reichs- bahnendefizit tragen helfe, Man sehe häufig an dem Be- Üehenden nur die Schattenseiten und an dem Zukünftigen die Lichtseiten, auch in der Reick]§eisenbahnfrage gebe man fick) manchen Illusionen hin. Wenn die Frage wegen Abtretung der Eisenbahnen, des Post- oder Telegraphenwesens an die Regie- rung herantretr, werde dieselbe nichts ohne Zustimmung der Kammer unternehmen. Wenn Preußen die Bahnen für fich ankauie, werde dasselbe eine gewaltige Eisenbahnmacht, er sei aber überzeugt, daß Preußen diese seine Macht nichtmißbraucben werde, wie das der Abg. Elben glaube. Hätte Preußen rück- sichtslos sein wollen, so hätte es mit odcr ohne eigene Eisen- bahnmacht oder Reichsbahnen alics durchführen können. Wenn der Reichskanzler dem Reiche, das er übrr Preußen stelle, den Ankauf der preußischen Bahnen anbiete, so müsse Jedermann annehmen, daß er dem Reiche nüyen wolle. Andere Annahmen seien ausgeschlossen. Württemberg werde, hiervon außgehend, die Sachewiederholtprüfen und seinen Standpunkt in bescheidener, bundesfreund- licher Weise im BundeSratHe bis zum Ende entschie- den vertreten. „Wir werden uns nicht “scheuen, unsere An- sieht zu vertreten, troß des Terrorismus in der Preffe, der uns Partikuiariömus vorwirft. Auf die Frage des Abg. Oesicrlen nehme ich keinen Anstand zu sagen, daß ich die Frage, ob das preußische Projekt eine Verfaffungsänderung mir sich bringe, in keinem Falle verneine. Ick) ersuche die Herren, fick) heute dabei zu beruhigen, daß die württembergische Regierung dieser Frage jedenfaUs in keiner Weise präjudizirt hat.“ Der Abg. Mohl sprach hieranf noch gegm Reichseisenbahnen.

In der Abendsißung der Ständekammer nahmen Wöllwardt, Elben (Kannftadt), Oesterlen, Ubi und Schmid für des Leßteren Antrag das Woti, wäizrend Pfeiffer und Wäch- ter den Antrag Elbrus (Böblingen) vertraten. Nachdem der Finanz - Minifier l')irrauf noch dén vom Abgrordnc: ten Pfeiffer aufgesteliten Berechnungen entgegengetreten war, wurde der Antrag Elbens (Böblingen) in namentiicher Abstimmung mit 80 gegen 6 Stimmen abge- lebnt, der Antrag Schmid mit 78 grgen 6 Stimmen an- genommen. Von 21 Ultramontanen und Demokraten wurde die Abstimmung besonders moiiviri. Dieielben vrrmißien im Schmidschen Anfrage den Hinweis auf die poiiiisckze Seite des ReichSeisenbabn-Projekts und erklärten sich auch gegen ein Rsich-Z- Eisenbahngeseß; sie seien aber mit dem 2. Absaiz des Antrages, die Regierung malie dem Ankaufe der preußischen Bahnen durch das Reich entgegentreten, einvrrstanden.

Baden. KarlSruhe, 28. März. Für den evangeli- schen Kultus wurden die Forderungen des Budgets im Ge- sammtbrtrage von rund 95,000 „FH von der Kommission zur Genehrnigunz vbrgeschlagen; jene für den katholischen Kul- tus, einschließlich 18,000 046 für die kirchlichen Bedürfnisse der Altkatbolxken, umfassen rund 117,000 riß; endlich die für den israelitischen Kultus 3600 «46 fiir das Jahr.

' _ (Fr. 3.) e„Hie kniholiscbe Geistlichkeit dees Landes nnrd Fel; n'ur kapitelweise versammeln, um ihr volles Einver- stqndniß mrt den Schritten und Protesten der Freiburger Ktrcbenbehörde gegen die den Kammern vorliegenden Gesexzent- würfe über die Pfarrdotation und die gemischten Schulen zu be- kunden. Bereits hat dns Landkapitel Heidelberg den Anfang damit gemacht und fick) einstimmig gegen beide Entwürfe und bx sonders gegen den ReverSparagrapben ausZesprochen.

_ (H. N.) Bei der Budgetberathung des Miniiieriums des Innern in der Zweiten Kammer veranlaßte ein Antrag der Klerikaien auf Wiederherstellung der erzbischöflichen T_iickzdotation eine mehrstündige, theilweise sehr erregte Diskussion. Der Antrag wurde schließlich verworfen.

Sarhfeu-Coburg-Gotha. Coburg, 29. März. (Allg. Ztg.) Der Herzog von Edinburgh ist geßern Abend von St. Petersburg hier eingetroffen, um einige Tage hier zu ver- Weilen und ßch vor Uebernahme seines Seekommandos am hie- ßgen Hofe zu verabschieden. _ Die Ankunft der Königin von Großbritannien wird für den 8. April hier erwartet. Die- selbe wird während ihres hiefigen Aufenthaltes im Palais ihres Sohnes, des Herzogs von Edinburgh, rcfidiren

Oesterreich-mcgarn. Wien, 30, März. (W. T, B) ; Der „Politischen Korrespondenz“ zufolge haben gesiern und [):U72 : mehrstündige Sißungen des Ministerrathes stattgefunden, in welchen u A. auch Maßregeln zur Hebung des Eisenbahn- k'redits berathen und beschloffen wurden. _ In ihrem finan- ziellen Theile meldet die „Politische Korrespondenz“, daß die Regie- rung, wie versichert wird, weit davon entfernt sei, in der Eisen- bahnsanirungsfrage die Politik der Passivität zn arceptiren. Die Regierung habe vielmehr die Deckung des Defizits beim Betriebe der vom Staate garantirten Bahnen in ihr Programm auf- genommen und beabsichtige bei dem Reichsmthe eine Vorlage einzubringen, durch welche sämmtlichen Prioritäten der subventio- nirtcn Eisenbahnen der VoUgenuß der in den Titres auSgespro- cherten Zinsen gefichert werden solle.

_ Das „Pr. A.“ schreibt: „Morgen sollen die ungarischen Minister hier wieder eintreffen, um die Verhandlungenüber die i_chwebenden Ausgleichsfragen fortzuseßen und womög- lich ihrer Brendigung zuzuführen. Man darf es wohl als ein gutes Vorzeichen betrachten, daß nicht bloc; auf beiden Seiten, namenilich in drr Presse, die frühere Gcreiztheii einer ruhigeren und oersöbnlirheren Stimmung Play gemacht hat, “son- dern auch daß die ungarischen Minister fiel; auf eine langere Anwesenheit in Wien _ man spricht von virr: zehn Tagen bis drei Wochen _ vorbereiten, ein Beweis, daß sie von der Ueberzeugung durchdrungen smd, dieSmal zu einem definitiven Ergebnisse zu gelangen. Damit stimmen auch die Nachrichten überein, wonach in der Bank: und Verzehrungs- stsuerfrage die größten Schwierigkeiten als halb überwunden zu bctrackzten sein sollen, während in der Zoilfrage die ungariirhcn RegieruriZSmänner gleich von vorn herein einen solchen Stand- punkt einnahmen, daß die Erhaltung des einheitlichen ZoUgebie- tes als nahezu gefichert gelten durfte.“

Brünn, 30. März. Am 4. April 1011 hier eine Vsr- sammlung hervorragender Mitglieder der Verfas s un gsp nrtci in Mähren stattfinden. Nn derselben folien die verfassungs- treuen Reickzsraths- und Landtagsabgeordneten, dann zahlreickze Bürgermeister und Vereinggbmänner iheiinekimrn. Gegenstand der Brrathung ist die Frage der Parteiorganisation und die Be- fteUnng eines Parteicomiiés für die närbstcn Neuivahlen 311111 mährischen Landtagx.

Pest, 29. März. Morgen Vormittags findet der „Pester

Korrespondenz“ zufolge ein Ministerrati) staii, um die laufenden Angelegenheiten und die Geschäftsführung wiihrend der Ab- wesenheit der Minister zu ordnen, _ _ In der heutigen Sißung des Abgeordnetenhausrs interpeliirxe der Abg. Berzeiviczy bezüglich der Herabmindernng des grmeinsamen Budgets. Der Minister:!ßräfident erwiderte: Die Regierung wisse gut, daß es nicht mir ihr Rocks, sondern auch ihre Pflicht ist, ihren Einfluß bei Feststellung des gemein- samen Budgets geltend zu machen. Sie wird dies an.“?) so thnn, wie es ihre patriotische Pfiicht gebietet.

Schtyeiz. Der „N. Zürch. Ztg.“ wird aus der Bundes- stadtgeschrieben: „Am 20. März hat der BiinreSrathbe'sMos- sen, den Regierungen des Deutschen Reick)?» und Italiens, sowie den beibriligtrn Kantonsregierungen und Eisenbabndirektionen die Berichterstattung drr Golthardbahndirekiisn vom 3. [. M16. Über die Finanziage der Unternehmung zu Übermiirrin, und burn beiden erstgenannten Regierungen anf die erste Hiilfte des nachfien Mai die Abbaltung einer Konferenz in Bern vorzuschlagen, welcher die Aufgabe geftellt würde, die von drin Ober-Ingemeur der Gcseiischaft bearbeiteten Pläne und Kosten- berechnunxzen zu untersuchen und zu begutachten, wie überhanpt alis teckchhen Vyrhiiltniffe klar zu steilen, die bei den Vör- handlungen in Betracht fallen werdcn, Wklch2 nnck) Anfichr des Bundesrathes unmittelbar nach dem Schlusse dirser vorbcrriten- drn Konferenz zum Zwecke der abschiießiichrn Erlrdignng der Nngeirgcnbrit in Aussicht zu nehmen sind.“

_ Im Anschluß an unsere frühercn Mittheilungen Über den Kongreß der „Iniernationale“ in Bern tragen wir nach schweizer Zeitungen noch Folgendes nach:

_ ._Ein großes Publikum hakte fich ziir angrsagten Stunde aux die ;))-kiinsierpiattform und die anftoßendenPläye und Gaffen begeben; inan bemerkte in der Menge außerordentlich viele der arbeitenden Klaffe angehörige Personen, welche ihre Antipathie gegen die Demonséraiion in allen Tonarten vom beißenden Spotte bis zur h6chstchn Entrüstung Lait machten. Was die Demonstranten selbst anbelangt, so bildricn disselben inmitten der Menschenmenge ein nahrzu verschwindendes Häuflein, welches fick; in zwei Gruppen von (ima 30 Und 20 Köpfen sonderte. Dic Letztere marscbirtr Unter dem Banner des deutschenLirbéitcr- Bildungsverein?) und dürfte Wohl größtenibciis ans Britischen bestanden haben. Ein Gedicht: „Arbriter-Jeldgeschrei“, aiif gräulich rothen Zekirln gedruckt, wurde vcrihsilt, nnd die Abfingnng desselben nach der Melodie „Die Warbi am Rhein“ bildete eine Nummer des Festprogramm-Z. Jede Strophe des Gedichtes fck)[ießt mit dem Refrrain: „Es wirbelt dumpf das Nnigebot, EH flattert hoch die Fahne roti); Arbeitend leben oder kämpfend den Tod!“ Als fick.) der Zug, von etwa 20 Jaiiein irüb beleuchtet, in Bewrgung seHie, entstand ein großer Lärm und Tumult. Umringt und gedrängt von der Menge grrieth der an in voliftändigfie Deroute. Tie rothe Fahne wurde zerrissen, der ganze Vorfall dürfte den Cammunards aller Schatiirungen die Ueberzeugung beigebracht habrn, daß fie in der Stadt Bern keinen Boden fiir ihre Ansichten und Be- ßrebungen finden wcrdrn.

_ Das Denkmal des Reformators Wilhelm Farsi (gest. 1565) wird am 4, Mai in Neuenburg enthüllt werden. Von Paris, Cap, Meß, Montbéliard, Genf, Bern, Lausanne, St. Jmirr und Murten sind Delegirte der dortigen Kirch- gemeinden, zu deren Gründung Farel beigetragen, eingeladen.

Großbritannien undIrlaud. London, 29. März. Die Erörterungrn über dir Abreise deernigin dauern noch fort und den t-idelnden Bemerkungen der „Times“ und liberaler Parteibläiter über dieselben seßcn „Morning-Poft“, „Standard“, „Hour“ u. s. w. scharfen Tadel entgegen; fie erklären es fiir eine bedauernSwerthe Verleyung des Anstandes, der Monarchin, die zur Erfiiiluna einer Familieiipfiiiht ihre Reise angeixcten habe, in solcher Weise zu begegnen, und verweisen darauf, wie bei den modernen VerkehrSmitteln die alte Regel, das; der König während der Parlamentsfißung nicht aus dem Lande gehen solle, ohnehin ihre Bedeutung verloren habe.

_ Aus Alexandria wird berichtet, daß der Prinz von Wales seine Ab:eise aus Aegypten auf nächsten Moniag ver- schobenhat._Der österreichische Bo tschafter ift am Montag, von Wien kommend, hier eingetroffen. _ Der. türkische Bot- schafter, Musurus Pascha ift auf einige Tage nach Paris ge- gangen. _ Im Befinden des portugiesischen Gesandten, Herzogs von Saldanha, ift fciiSonntag eine Besserung ein-

getreten.

_ 30. März. (Köin. Zig.) In dr: geftrigen Sißung des Unterhauses 30.3 Nemdrgate seinrn Amrag auf Untersucbng der Klostergüter zurüF, mri! er dem weitrrgrhrndsn Anika.» von Chambers auf gänzliche Aufhebung der Klößer das std frei machen wollte.

_ (W. T B.) Jill Unicrhauie erwiderte der Unicr- ftaatSsekretär im Departement des Augmärtigen auf Tir

*Intcrpellation des Deputirxen O“Sul[ivan in der

Angelegenheit des Grafen Arnim: Obschrn er das be: zuglrckze Schreibrn des Fürsten Pigmarck in drn Zeitungen gc- sehen'habcn diirfte, könne cr doch ::ickzt sagen, daß die Aufmerk- sanikeit d€s_Au6wärtigr. Amtes darauf geienkt worden wärs, rveil fick) _krine amtliche Korrrspondrnz über dsn Graien Arrinn ix_n Auöwartigen Amt:? befinde. Nack; der Interpriiation O'Sxii- 11vansichxine disKorrespondrnz anfangs 1873 itaxkgeiiabt zu babrn, bevor die jetzige Regirrung ins Amt gekommen sei, Auch müsse drr Schriftmechsel nothwendiger Weis? einen privaten und verrraUZiZ'Jr-n Charaktrr_ getragen haben. Alles. was er über den Grgenftakid sagen ' konne, sei: Wir brfißen darüber kcinrrlci In- formation. _ Auf die Anfragr, ob die Prokiarnirunq des neuen Titels der Königin bis zu deren Rückkehr 11:26; England verschoben toerdcn wiirde, erividcrie TiHroeii, w::m die den gedachten Titel betreffende Vorlage zum Geier, und die Proklamirung dcs nenen Titrls nothwendig geworden sei, wxrdr das Kabinet der Königin drnjen§gen Rath eribeiien, den rs rnit dsr Würde der Königin und mi: drm “Wobir der Ngtion iir“; vsreinbar krachte".

_ 31. März. (W. T. B.) In der grßrigen Siizung drs Oberhauses beantragte d.r Lord-Vräsideni, Herzog v'on Rick]- mond, zu drr zweiten Lesung der Titelbill Überzugeiirn. Lord Granville crklärtr, er woile fich nicht gegcn die zmritr Lesung des GxseHrniwuri-Z aussprechen, jedoch den von Lord Shaitrsbitrr; in Aussicht gesicilten Vorschlag auf Eriaß einer Adresse an die KbniZin wrgenAnnr-„bme eines anderen Titel_s statt des Titels „Kaiserin“ nntrrstüizén. Er kbnn-x *.*-i? Aeußrrung Derby's, daß die Tiielbill feinr VerfaffnnZH-irage berbriführe, nicbt mit drr neniiii) von dem Premier abgegebenen Erklariinxi- daß drr Vorlage h0chp01itische Erwägirngsn zu Grunde lägrn, brrcinbaren. Er halte das brircffs Rußland an- geführte Argument für ein: rrin rHstoriiche Wsndnng. Nachdrm noch der Staatssekretär für Indien, Saiesbnrr), für die Vorixxe gesprochen und Lord Kairns crklärt Haix, dsr Tit.“! ,Kaiseriri' werde aus Indien brscHränkt bicibcn, wurde die Vorlage in zweiter Lesung angenommen.

Frankreich. Paris, 27.9.11Jir5. Dns „Ebenr-meni“ brarizxc grgen Ende Januar Eiityüilungrn iiber eine große geheime k! r- riknie-Verbindnng, die inFrankreick) ihren Siß Habe und nnch mit drin Auslande in Vrrbindnng stehe. ES brach abcr srine' *.*- bffenilxtbimg piniick] ab und rrwidr-rie anch nicbts, als im „Sriir“ foigcndc Note erschien: „Mehrere Biättsr, dns „Eberemzni“ nn der Spiße, vsrbffrniiirhen Miiibsilungrn iibrr eine sogenannte gehennr klerikale Gesrilschaii. Nach den von den koinprtenxrn Behörden eingrzogenen Erkundigungrn brstrbt, wir es sckyeknr, die grnannte (Hese0schast nicht.“ Die DZLkniswn Übrr die Wahk des Grafen de Man in der Kammrrfißnng am Sonnabxnd rief die vbrn ,vanement“ gemaibien Entbiriiungrn wieder ins Grdächtniß. Es wurden Nachforschungen angesteilt, und die Resuitaic dersclbcn werden in dcr „Gazeiir“ (einrm vor cinich Monaten ziim ersten Mal erschienenen nenen Biaire) mitgethriix. _Ihrc Mittheilangen lauten nack) der „Köln. Zig.“ in der Hanri- 1;chr, wie folgt:

Im Monat Srvicmbrr Und Okirbrr r*. J“. fing man in irn ?i- tboiiickx-en und rryalistiicbrn GMPPM «::. Liiiä'isLHCii, Daß rz inx “::", dir leylprrwxganda vorzubrrriirn. Z': ©er drr kirrikiixn chéré- inistrn, die man nichi mix rrn rxi'7-FU Lrgiiiinikicn vzrn»:ckch“21n ??:7, tmr von d.". ab Kiri): mrbr aiiskudiiéßiiri) drr G.Kndxrng dcr eré*.*“i- ick)cn Llrbéiicrvsrrinr (Warrb (10 165»; („167er) Und drin Tri::;.:*.!*!i dar Sni): Don Carlos g:»xirincr. Ter aii-séincins SciilacébtxxF war: ,Berrétkn wir die W::blrn r.-.*:-:„' Die FZbr-Ir drr grdimi .;".- trnnxoiitanrn Bcwcgiina, dencn dar 24 Mai Grid und 5301515? r9c- irbnsfr hat??, icßim sn?) mit Wrnigrr [*r-.".irnien. abr": llxäxigén erxx-xn in »Lsrbindimg, und aus drr ercinirn Vrrbindnng „(„im Tir „Zociéié ZSSl'ÖTS (10 „165113 Zbi" ircrvrr, ÖSV)" Cirknixrr, Statutxn und arbrimniszvoil») .„CUSLÖÄUUNTLÜKZ“ w'r i“3*"*.i,:é.**.. Das ichcinbare Oberlyaupr dirisr rxrßsn VE:?"Ö'VÖZMZ ist ch Vicrmie de PQ-an dAmé-wuri. DTU? rréir Cixkularrsr Verbindxrgx, MWC?) drn Zwrck und dir leiibrémkrrri anZirdt, irxiZi fOieriÖZ Z-xicbxn ?ck“. Ja dsr Vorredr Fu dikiein Doknmrnr L*rißr SZ: „DZH, traiiringrrwirrung der Arbriirrmassrn Sai 'In Fr-xixkrri-zb di: „001.779 (16 165115 Murrj-Ir“ hotVorgerirn. Ti: Giririxüxiigkréc odr: I'd: Schw.:cbb-yii drr Männer an drr (Hrwaii rr;1:szir ig.: „*)-zur 6.1.6 16365 Koi“ znr Frige haben. In rrixii-xxbrn difixidrn Krb rann 114-7) iolgrnde Steilrn: „Zwrck der Vrrbindmig iii, vr-n ?:»:r qöiiié-chn V.:- ssbung eine katboliicbe Régiériing zii erlangrn“. . . . Max'. i:“agr !*.-.I, ob da:; „061378 (10 .]ézaz Koi“ déi: knrkriis-Örn Z:)iiiiiéx, dsn r-.*2-2- [isiii-Frcn Cmnité-Z 1111!) den cariiiiiicTJ-xn Crinité-Z i'sixcrn S.1ck-.*-_.4-.n brxnzi, die in virien Dcpnriemxnir? Iriiébcn. Ebru ir («ni iéx:..xr inan cincr: Gcnrral frngcn, rc: ":*rrrir ist, ein: S-Ylaäxi JU. liefrrn. ob eine L'lrxx-irc, dir ibn Icriiärki, irhadrxi irrrdr. * T.". „()enx'ro (19 'FC-5:1; Koi“ Hat als besrixdsrrn Cbaraiier, ;;:- nieich katholisch. royalisiiick) nnd cariiitiici) zn icin. . .. . . . Ein anderes Cirknla: Nr. 3 eriheili kcn 'Miigkirdcrn drr Bcrbinrsmß Jniirnktirnen._ Dasselbe rnibäli folgende Slelirxi: .Wir "ck5an “Ick initändigii, fur das „Werk“ Propaganda „5:1 marben. Ez mu?; ;n jxdem Kanton ein Mitglied (:,-ckden, Und wir miiiirn ',“Pätrr in i:“.rr Grmrinre eius hxben. Snchrn “Sie brionrrrx I)isinn-Zr ani, MLM nick): komproaiiiiirend iind, abcr z.: dcm Pabiikum in bäniigrn Z,:- zicbixnnrn striren. Dis Acrzie, dic: Einnrbmrr, dic Konrxktrinr. Jie Vlnarstellfen Dcr Rrgis, die Orrmrier, dir Handelsrsiirndrxi, die W::k- mrister ii: dm Fabriken, rie Brxrirrägcr :s. sind rrrff-iickiéHiixis- genoffen, wrnn fix: fich zu unsrrn Prinzivicn brkcnnrn. Vcrlicxccr wir keinen Tag; die Dringlichkcir nimmt zu; man muß brcrir sein; xnan wird sii?) ipäter ausriibcn . _ .. Wir w::dcn (“(i-ll ©6123 10 langs gsborckysn, bis es uns rririrkrn wiii; Li)! ßébrrrs G;";(Z brrbicirt dm menschlirhrn Grchxn, dic rcchiichaffsxien eréiirn ZU erstick-In ...... Das gcqrnwäriige War n:“«fsrcr Vorbén= dung besteht nacb wie vor in dir Unirriiüsimg dsr 2.77221'257313N SIZ??- Das Werk der Vorbereitung ist dir Wablaeron. Da (111€ Anstren- Zungcn dcn Zweek haben, dir katHr-Liirbkn Rrgirrungrn zu unrrrstürxn, io koustitairen die bemrrktcn legitimrn Fürsten und die untrrdcücern katholischen Völker das grwöbniirbr K*Zrk unier-kr Vrrbindnnzi.“ Diesem Cirkular war folßendéS (IIILÜNMQTW angrichloiic::: „?o-psf, 6. Oktober 1875. Fraq-Jn: 1) Haben Sie im Laufe" dcs Monats Srptcmber einige Subikrirrioncn für die rariistiiM Armee erhalten? 2) Habrn Sie dem Wrrk einig? USU? Iibbänßer =:?- wonncn? 3) Können Sie einige Bszieiiunch mit dem UUÖiäKd r- öffncn? 4) Wie steht es in Ihren Depxrtemrnis mit den ;oxkisn für den Senat? W31che Kandidaten birirn uns die mristen Bürg- fchafren? 5) Wenn man gegenwärtig “einen Aufruf an das allgemeine Stimmrecht maIHen würde, wie viel Siimmen anf Hundext wüx-xn den katholiicb-rcyalistifäyen Kandidarrn Jbrcs Arrondisseménts w::il gesichcrt_ fein?“ _ *

Die „Eazeiie“ psrlangi, da“; ,die Regicrung grgrn dérse große geheime Verbindung die briiebendcn Gesetze in Anm.“:- dzmg bringe nnd rinrm Treiben ein Ziel ftße, wriches gczrn die soziale und politisch? Existenz des Siasch gerichtst sei.