an andiios euebmi . 4 wurde nach kurzer Debatte, an welther dieß Abgg. Vgr. Virchéw,§ ])r. Hammacher. Bindthorft (Bielefeld) und der Regierungskommiffar, .Geheaner Ober-Jinanz-Rath Vr. Michelln, fich betheili; ten, unt dem Antrag dir _Abgg_. 1)r. Virchow und ])r. Luftnot]? angenommen„daß auch dte Prufung der bisherigen Rechnungen der lauenburgtschen Verwaltung bis zum 1. Juli 1876 durch die preußnche Ober-Rethnungskammer erfolgen soll. §. 5 wurde bei Schluß des Vlattsmit dem Amende- ment des Abg. Windthorß (Bielefeld) genehnugi, nach welchem der Anschluß Lauenburgs an den Promnzmlverband von Schleswig-Holßein nur vorläufig erfolgen soll.
_ Durch die Beschlüsse des Reichstags vom 6. April 1870 und 27. November 1871 waren dem Reichskanzler mehrere, die öffentliche Gesundheitspflege betreffende Petitionen theils zur Kcnninißnahme und eventuellen weiteren Veranlassung, theils zur Berücksichtigung und mit dern Ersuchen überwiesen worden, auf Grund des Artikels 4 Nr. 15 der Reich6verfaffung dem Reichs- tag eincn Geseyentwurf, betreffend die VerwaltungSorganiiation der öffentlichen Gesundheitspflege im Deutschen Reick), vorzulegen. Gleicherweise führte die Verathung des Impfgeseges zu dem-Er- suchen an den Reichkanzler, mit Riicksicht auf die durch dieses Gestx, begründete Nothwendigkeit, die Oberaufsichi uber das Jmpfwesen wirksam und einheitlich zu handhaben, dre Errichtung eines Gesundheits-Nmtes für das Deutsche R8lch thun- lichst zu beschleunigen, .
Nachdem zur Ausfiihrung des letzteren Beschlusses in dern Etat für das laufende Jahr die Mittel ausgeworfen waren, “qt das Gesundheits-Amt für das Deutsche Reich am 1. d. MnkP“ in Wirksamkeit getreten. Von der weiter angeregten Herd'eifnh- rung einer reictheseßlichen Regelung der Verwaltung der offent- lichen GesandheitSpflege ist dagegen zur Zeit noch abgesehen worden.
Was die Stellung des GesundheiW-AmtS fiir das „De_utsche Reick] betrifft, so soll dasselbe nach der „dem Etat beigesü ten Denkschrift dem ReichSka11zler=Amte unmittelbar uniergeor net sein und einen lediglich berathcnden Charakter tragen. Seine Aufgabe wird sein, das Reick.) in der Ausubung, d_er inn_z_uge- wiesenen Aufsicht iiber die medizinal: und vrtennarpolizeilichen Angelegenheiten zu unterstützen, von den hierfiir m den emzclnen Bundesstaaien. bestehenden Einrichtungen Kenntnis; zu nehmen, die vom Reiche ausgehende Geseßgebung vorzubereiten, die Aus- führung der crkaffenen Geseße zu überwachen, die Wirkungen der im Jntsreffe der öffentlichen Gssundheiispflege ergriffenen Maßnahmen zu beobachten und in geeigneten Fällen den Staats- und den Gemeindebehörden Auskunft zu ertheilen, die Entwicke- lung der Medizinalgeseßgebung in außerdeutschen Ländern zu verfolgen und die Herstellung einer genügenden medizinischen Statistik für Deutschland zn organiftren.
Zu dem Ende wird die Behörde aus drei Personen _ zwei Aerzten, bezw. einem Arzte und einem Statistiker und einem Verwaltungsbeamten _ gebildet. Ueber diese Anzahl wird bis zu weiterer Erfahrung um so weniger hinauszugehen sein, als ohnehin bei der Vor bereitung besonders wichtiger Maßregeln der Medizinal- und Veterinärpolizei die zeitweise Einberufung von Sachverständigen aus den einzelnen Bundes- staaten unentbehrlich sein wird.
Die Rang: und BeioldungSverhältniffe des Direktors, der Mitglieder und Subalternbeamten entsprechen denjenigen bei dem Statistischen Amte, beziehungsweise der Normal-Eichungs- kommission.
_ Tie Vsrhandiungen der württembergischen Stände- kammer in der Eisenbahnfrage bilden auch heuieinvielen der vorliegenden Zeitungen den Gegenstand von Besprechungen, aus denen wir Folgendes hervorheben: Die ,Weser-Z.“ giebt in einem ausführlichen Artikel dem Gedanken AuZdruck, das Votum der Kammer [affe bei schärferer Prüfung doch einige Anknüpfungspnnkte fiir eine frcundschaftlichie Verständi- gnng entdecken. Das Blatt findet dieielbkn namentlich in den Worten der Resolution: „dieRegierung möge solchem Erwerbe und solchen Maßnahmen die Zustimmung versagen, welche die württem- bergischen Eisenbahnen in die Hände des Reichs bringen würden;“ denn von einem solchen Erwerb und solchen Maßnahmen sei noch nirgends, namentlich aber nicht in dem preußischen Gesetzentwurf die Rede grwrsen. „Das preußische Projekt nimmt gerade vom enigegengeseßten Punkte seinen AuSgang. Es 1"th voraus, daß die Minister, mit denen das Reich§=Eisendahnami korrespondirt, Bahnverwalter seien und bleiben. Württemberg erscheint in diesem Raisonnemeni ass Eisenbahnmacht. Liefe der Man auf Konfiskation der württembergischen Bahnen hinaus, so müßten andere Argumente vorgebracht werden.“ _ Der Artikel kommt zu dem Schiuß, es werde fiel; (in der Eisenbahnfrage) wiedkrholen, was wir schon öfter erlebt haben, bei der Gründung und Ent- wickkung des Zollvereins wie bei der Einigung Deutschlands: „im ersten Stadinm heftiges Stränden des Südens, im zweiten geichiif11ich-versiändige Ueberlegung, im dritten Sieg der natio- nalen Sache auf beiden Seiten des Mains.“
Die „Weimarische Zeit.“ konstaiirt, daß man in Siuiigart dem Uebergang dcr Staatsbahnen von Anbeginn wenig giinstig ge- finnt gewesen sei; erst seitdem die Eisenbahnvorlage der preußi- schen chisrnng bekannt geworden sei, habe die Situation eine feste und konkrete Gestalt gewonnen. Die württembergische Kammer hätte in entschiedenfier Weise durch die bekannte Re- soiution zu der (in F:)[ge der preußischen Vorlage) Wesentlich veränderten Frage Stellung grnommen. Von der württembergischen Regierung heißt es: „die Haltung, welche dieselbe in dissen Ver- handlungen beobachtete, war eme ebenso maßvolle als ent- schiedene. Es verdient in erster Linie hervorgehoben zu Werdcn, daß Hrrr von Mitinacht die Annahme zurückwies, als handle der Reichskanzler, falls er dem Reiche die preußischen Eisen- bahnrcchte erwerben wolle, im Interesse des preußischen Parti- knlariSmus; Fürst Bismarck glaube dadurch dem Reiche zu nüßen, das er über Preußen stelle. Diese Anschauung ift gewiß ganz zutreffend und wir verzeichnxn fie um so freudiger, als wir darin den ersten Schritt dazu sehen, daß der Vorwurf des „Partikularismus, mit dem man auf Seiten der Gegner Wie der Anhänger des Reichs- Eiienbahnsystems nicht gegeizt hat, endlich verstumme.“
Die „Schl. Pr.“ knüpft an die Verhandlungen der württembergischen Kammer folgende Bemerkungen: „Die Rede des Herrn Mittnacht in der württembergischen Kammer hat über den Gang der Eisenbahnstage denen, die sehen wollen, ein hech Licht angezündet. Württemberg ver- wahrt fich gegen den Standpunkt, wonach die Aufsicht über die deutschen Bahnen dem Reiche unmittelbar zufallen soll. Darum, und weil die übrigen Mittelßaaten die Anschau- ungen Württembergs theilen, kam der Eiscnbahngeseßentwurf nicht zu Stande, und nur weil das Reich9eisenbahm geseß nicht zu Stande kam, sah fich die preußische Regierung zu ihrem Kaufgeschäftsprojekt gedrängt. Wir bitten unsere
Leser, im gan weiteren Verkauft der Angelegenheit diese ' beiden Seiten Frage scharf zu, sondern. Für ein_e wirk- same Aufsicht des Reichs smd wn: quanäß-mew-a; fur_ diese halten wir die gesammte nationale Pgrtet engagtrt; Fur den, Ankauf von Eisenbahnen durch das Reich, dngegen'ftnnxnen wir nur, weil und soweit ' er Ankauf das rmztze Matei tst,_ eme wirksame Reichsauffieht erbeizuführen;_wrr fixuimen nicht leichten Herzens und mit voller Einsicht in die fingnztellen iind volks- wirthséhastlichen Schwierigkeiten dafür. wxil die Mittelstaaten uns jeden anderen Weg verlegt haden.“ ' . ' '
_ Die „Neue Preußische Zeitung“ bringt emen Artikel, wonach fick) in der Zeit vom 1. bis 6. Marz, als, der erfien GültigkeitSperiode des neuen_ Telegrnphentarifs, kerne Mehreinnahmen, wohl aber bei, emer Reihe von Telegraphen- ämtern ganz bedeutende Mindereinnahmen ergebewhaben sollrn, und knüpft daran Betrachtungen über die Nachthetle des Tarifs für die Staatskasse und dessen Vortheile für den Börsenverkehr. Statt aller Widerlegung wollen wir für ]eßt nur die' That- sache anführen, daß ein finanzielles Ergebniß zur Zeri noch überhaupt nicht vdrliegt und auch gar nicht vorliegen kann, da nach der bestehenden Kaffenverfaffung [ich erst am 20. April üöersehsn läßt, wie die Einnahmen im Marz fich gestaltet Haben. Auch besondere Nachweisungen für die von der „Neuen Preu- ßischen Zeitung“ bezeichnete Zeit vom 1. bis 6. Marz find nicht eingefordert worden, indem die erste Zeit ja überhaupt mcht maßgebend sein kann. Die anührungen der gedachten Zeitung entbehren mithin jedes thatsächlichcn Anhalts.
_ Wir sind in dzn Stand gesth, nunmehr auch den Passus 2 des in Nr. 50 des Düsseldorfer Anzeigers vom 19. U. M enthaltenen „Der Staat und die heimische Indußrie“ überschriebenen Artikels ais jeder Begründung entbehrend bezeichnen zu können. , „
Die Vesohaffung des Eisenbedarfs für die Arttilerte-Werk- statt zu Spandau hat in den "leßten Jahren, von geringerem augenblicklichen Bedarf abgesehen, ausschließlich von Rheinischen und Westfälischen Eisenwerken u. z. größtentheils im Sub- missionSwege stattgefunden, englische Firmen sind bei der Ver- gebung des Bedarfs niemals beriicksichtigt worden.
Hervorzuheben ist noch, daß auch bei der Konstruktion des neuen Artillerie-Materials auf die Betheiligung der einheimischen Industrie bei der Beschaffung in der Weise gerücküchtigt worden ist, daß niemals Profileiien von größeren Abmessungen ange- wendet worden find, als Seitens der heimischen Eisenwerke noch hergestelii werden können.
_ Im Einverständnis; mit dem Minister des Innern find die Gerichtsbehdrden im Geltungsbereichs des Geseßes vom 10. Mai 1851 von dem Iustiz-Miuister durch Eirkular-Erlaß vom 25.Februar 13. I. angewiesen, bei Requisitionen der Gerichte durch diejenigen VerwaltungSgerichte, auf welche der §. 16 des GeseßeS, betreffend die Verwaltungsgerichte und das Ver- waltungZßreiiverfaHren, vom 3. Juli 1875 Anwendung findet, die erwachsenden Auslagen definitiv auf die Fonds der Justiz- verwaltung zu übernehmen, eine Erstattung solcher Auskagßn von Seiten der VerwaltungSgerichte also fortan nicht mehr in Anspruch zu nehmen. .
_ Das Halten einer Predigt, das Vorlesen eines päpstlichen Erlaffes und die Erläuterung eines solchen i' der Kirche von Seiten eines.katholischen Geistlichen ist eine Handlung, welche stil; unter allen “Umständen als Ausfluß eines geist- lichen Amts darstellt und welche nur von einem vorschrifts- mäßig berufenen Geifilichen vorgenommen werden kann. Erkenntniß des Oder-Tribunals vom 9. März d. I. _ Der katholische Geistliche Johann Sievering zu Ossendorf wurde vom Appellations- gericht zu Paderborn wegen Verleßung der Maigesehe verurtheilt, weil er, ohne staatliche Genehmigung, in der Kirche gepredigt, einen päpstlichen Erlaß verlesen und denselben erl'utert hatte. In der dagegen eingelegten Nichtigkeitsbeschwerde rügte der Angeklagte Vsrletzung des Recht§grundsaßes, daß das Halien einer Predigt, das Vorlesen eines päpstlichen Erlasses und die Erläuterung eines solckzen in der Kirche von Seiten eines katholischen Geist- lichen nicht ohne Weiteres objckiiv ach Amtshandlnngen gelten können, sondern nur dann, wenn Umstände hinzutreien, durch welche diess Handlungen in ihrer äußeren“ Art und Erscheinungs- form dem Pubiikum und namrntlicl) den Gemeindemiigliedern gegenüber als amtliche Handlungen fich darstrUen. Das Ober-Tribunal erklärte jedoch diese Rüge als Unbe- griindet, indem ee.“- in ssinem Erkenntnis; ausführte: „Zwar hat das Ober-Tridunal einen entsprechenden Grundsaß in Betreff des Lesens einer stillen Messe Mehrfach au5gesprochen, aUcin die Gründe, aus wxlchen derselbe in Bezug auf das Lesen einer stiilen Meffe richtig ift, treffen auf die hier in Frage ftrhenden geistiickxn Handlungen nicht zu. Das Lesen einer stiilen Messe kann, selbst wennes in derKirckge geschieht, deshalb nicht unbedingt für eine grisiliche Amtshandlung angesehen werden, Weil es zugleich zu einer Geiviffen-prlicht des Priesters dienen kann und mithin einen dcp- pelten Charakter an fick) trägt. Die Umstände des einzelnen Falles müffen daher entscheiden, ob der Handlung nicht etwa
ws der [eßtcre Charakter beiwohne, und hierfür eben ist der
Geficht-annkt maßgebend, daß eine ftiUe Meffe, welche ihrer änßeren Art und Erschéinungsform nach geeignet ist, das reli- giöse Vediirfniß der Gemeindemitglieder zu befriedigen, nicht bloß als eine den subjektiven Zwecken des Priesters dienende geistliche anktion, sondern objektiv als eine Ausübung eines geistlichen Amis fick) darstellt. Das Halten einer Predigt in der Kirche, das Vorlesen eines päpstlichen Erlasses oder die Er- läuterung eines solchen daselbst ist dagegen 5 niemals eine zur Erfülinng einer allgemeinen Priesterpflicht die- nende geistige Funktion, sondern eine Handlung, welche fick) unter allen Umständen als Ausfiuß eines geist- lichen Amtes darstellt, und mit vollem Recht hat daher der AppeilationSrichter den Beweis, daß im vorliegenden Fall be- sondere Umfiände hinzugetreten seien, durch welche diese Hand- lungen in ihrer äußeren Art und Erscheinungsform dern Publi- kum gegenüber als amtliche Handlungen fick) darstellen, für un- erheblich erachtet. Gleichgültig ist es namentlich auch, ob zum Predigen nach katholischem Kirchenrechte schon die Diakonats- weihe, welche den Geweihten noch gar nicht zum Priefter macht, berechtigt; denn daraus würde keineswegs Folgen, daß eine von einem Priester, wie der Angeklagte ist, ge altene Predigt nicht an sich zu den Funktionen des geistlichen Amtes gehört.“
_ Die vorsäßliche Veränderung oder Unterdrückung des Personenftandes eines Todten iß, nach“ einem Erkenntniß des Ober-Tribunals vom 8. März d. I. strafbar, auch wenn Personen, deren Rechte durch die Veränderung oder Unter- drückung des Personenstandes eines Anderen verleßt werden könn- ten, überhaupt nicht beftehen.
_ Das revidirte Statut deréannoversckzen Bank zu Hannover, das an Stelle der dur Königlickze Verordnung
vom 26. Juli 1856 genehmigten Statuten und ihrer Nachträo, u treten beßimmt ist, hat unterm 4. März d. I. die Alle:. Söchfie Bestätigung erhalten.
_ In diesem Jahre finden Generalsabs :Uebun s reisen bei dem 1., U., U., "sl., 711., [.'-(., X., Y., )(17. JW )(7. Armee-Corps ßattfinden,
_ Der Kaiserliche Gesandte am Königlich poÜugiefischch Hofe von Pitch hat einen ihm zum Gebrauch einer Kur in Karlsbad Allerhöchst bewilligten sechswöchentlichen Urlaub an- getreten, während deffen der ßendertretende Legations =Sekretär Graf zu Ranßau als Geschäftsträger fungirt,
_ Der General:Lieutenant Kraft Prinz zu Hohen, lobe-Ingelfingen, General-Adjutant Sr. Majestät des Kaisers und Königs und Commandeur der 12. Divifion, iß auf einige Tage von Neisse hier eingetroffen.
_ Der General-Lieutenant und Remonte-Inspecteur Von Rauch hat fick) zur Musterung der Remonten in den Depots auf Dienstreisen begeben.
_ Der General-Major von Oppermann, Inspecteur de: 5, Feßungs-Inspektion, ist von seinem bisherigen Kommando zur Dienßleistung bei der General-Te[egraphen-Direktion ent- bunden, der Oberst von Hartrott, bisher Chef der Central. Abtheilung im Kriegs-Ministerium, zum Direktor des Militär- Oekonomie-Departements ernannt worden. -
_ Zur Abstattung persönlicher Meldungen aus Aniaß ihrer Beförderung zu General-Majors smd hier eingetroffen: der General-Major Frhr. v. Dörnberg, Commandeur der 32, Infanterie-Brigade, von Trier; der General-Major Frhr. v. Kittliß, Commandeur der 19. Infanterie-Brigade, von Schleswig, und der General-Major Wii ck) er vom Stabe des. Zikgenieur-Corps und Jnspecteur der 8. Festungs-Inspektion von
tona.
_ S. M. Brigg „Rover“ ist am 31. v. Mis. in Danziz außer Dienst gestelit.
Bayern. München, 31. März. Der König hat den Prinzen Luitpold aus Anlaß der 40jährigen Dienstzeit des- selben in der Armee zum General-Feldzeugmeister be- fördert und ihn in einem Handschreiben aufs Wärmste beglück- wünscht. Aus dem gleichen Anlaß hat heute der General-Adjntani Graf Pappenheim im Ailerhöchsten Auftrag dem Prinzen das Kreuz für 40 jährige militärische Dienstleistung überreicht.
_ 1.April. Die Kammer der Abaeordnetenerledigie heute die übrigen Etats des Budgets des Ministeriums des In- nern, mit AuSnahme der zurückgesteliten Etats, nach den An- trägen der Kommission, und nahm die Anträge von Kopp und Grießenbeck an. Die nächste Sitzung findet am Dienftag statt.
_ Vom Abg. Hauck als Referenten der betreffrnden Ab- iheilung wird, wie die „Alig. Ztg.“ vernimmt, beantragt: die “sämmtlichen Münchener LandtagSwaHlen wegen angeblich. geseßwidriger Eintheilung,der Wahlbezirke zu kasfiren. Vom Korreferenten, Abg. Sing, werden vorerst noch weitere Erhe- bungen für nothwendig erachtet, und da derselbe, wie der Herr Referent, zur Prüfung der Wahlakten jedenfalls auch einige Zeit bedarf, so kann die gegen die hiesigen Wahlen vorliegende Reklamation voraussichtlich so bald noch nicht in der Kammer zur Berathung gelangen.
_ 2. Aprii. (W. T. B.) Der frühere Kriegs-Minister, General Frhr. v. Prankk), ift unbeschadet seiner eventurilen Verwendung in der Feldarmee zum General-Kapiiän der Leibgarde der Hartschiere ernannt worden.
Nürnberg, 1. April. (Allg. Ztg.) Der katholische VolkSr-erein in Kißingen ift polizeilich geschlossen worden.
Sachsen. Dresden, 1. April. Die Erste Kammer begann heute die Spezialberathung des Geseßentwnrfs über die höheren Unterrichisansialten und schritt darin bis zum §. 9 vor. Die Beraihung ergab die Annahme der Depu- tationSvorschlc'ige mit der Abänderung, daß die Einreichung von Etats 2c„ den unter Privatcollatur stehenden Anstalten nur dann auferlegt werden soii, wenn fie vom Staate Unterstüßung beanspruchen. Eine erheblichere Debaiie enispann sich nur über den von dsr Deputation zur Einschaltung beantragten §. 1i)., wrlcher die erziehlirhe Aufgabe der höheren Unterrichtsansralten betont, von mehreren Redncrn, insbesondere auch vom StaatS-Minifter ])r. v. Gerber, als theilweise oder ganz entbehrlich bekämpft, jedoch schließlich mit 24 geg2n 14 Stimmen angenommen wurde.
Württemberg. Stuttgart, 1. April. (Schwäb. M.) In der heutigen 16. Sißung der Kammer der Stunde?:- herren wurde von dem Generai-Lieutenani v. Baur Namens der volkswirthschaftlichen Kommission der über die Erwerbnng deutscher Eisenbahnen durch das Reich berichtet und fol- gender Antrag gestellt:
„1) Die Kammer der Standesherren wolle Angesichts des Geseßentwurfcs, betreffend die Uebernahme der preußischen Staatsbahnen durch das Reich der Königlichen Regierung gegen- über die Erwartung aussprechen: dieselbe werde ihre eifrigsten Be- mühungen darauf richten, das Zustandekommen eines R 8 ich s eis en- bahngeseßes in Ausführung der Bestimmungen der Reichsver- fassung (Art. 4 Nr. 8 und Kap. 1711.)zu bewirken; dieselbe wolle jedoch derUebernahme von Bahnen einzelner deutscher Staaten durch das Reich in keiner Weise zustimmen; 2) im Hinblick auf
die offizielie Aeußerungdes Herrn Ministers im andern Hause “
von einer weiteren Interpeilation an denselben Umgang nehmen.“
Nach Eröffnung der Debatte meldete fich Niemand zum Wort und konnte daher sogleich zur namenilichen Abstimmung geschritten werden, die zur einstimmigen Annahme des obigen KommisswnSantrags fiihrte. Bemerkt muß noch werden, daß der Sißung eine länger dauernde vertrauliche Besprechung vor- herging.
Baden. Karlsruhe, 1. April. Die Zweite Kammer hat bei der Berathung des Etats des Ministeriums des Innern die erhöhte Anforderung von 18,000 «16 für die Altkatholiken ohne Diskussion _ gegen ultramontane und demokratische Stimmen _ bewilligt. _ Die Großherzoglichen Herrschaften kehrten heute Vormittag hierher zurück.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 2, April. Die amtliche „Wien. 3.“ veröffentlichte geftern das Gesch, betreffend die Aus- gabe von verzinslichen Rente-Obligationen der im“ Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder (48 Millionen Goldrente), und heute das Geseß, betreffend die Errichtung eines VerwaltungSgerickztshofes.
Prag, 31. März, In der heutigen Landtagssihung interpellirten die Abgg. Ruß und Genossen den Statthalter, ob
die an der Jesuitensthule in Mariaschein angeßellten Lehrer
du.- geseßliche Befähigung haben; ob diese Schule inspizirt
werde und dh die Zöglinge derselben die vorgeschriebenen Prü-
feurtxglm an einer öffentlichen Anstalt ablegen und mit welchem o ge.
_ ]. Anril. Die in der heutigen Landtagssißung verxesene Erklarung des Unterrichts-MinisterS über die Frage der Brandung einer czechischen Universität wahrt vor Allem die Konipetenz des Reickzswths in Univerfitäts-Angelegmheiten und weiß hierauf von Fakultät zu Fakultät nach, daß den An- sprachen auf Gxeichberechtigung, mit Rückficht auf die vorhandenen Krafte, Genüge geleißet ist. Die judiziellen Facher seuxn alle'czechiscl) und deutsch beseßt. Das Strafrecht habe scxgar zweimczechtsche und nur einen deutschen Lehrßuhl. Für die rechtshijtorischen und staatöwiffenschastlickien Fächer habe sich jedoch bis ]th kaum eine einzige befähigte czechische Lehr- kraft gefunden.
Der Landesausschuß beantragte, die Petitionen um Errich- tung einer czechischen Universität seien mit Rücksicht auf das sei) kundgebende loyale und eine weitere Entwickelung in sich Zragende Bestreben der Regierung als erledigt zu betrachten, ]edock) behufs formeller Behandlung derselben sei eine zwölfgliedrige Kommisfion zu wählen.
Lemberg, 31. März. Da die Erledigung der zahlreichen Landrags-Angelegenheiten bis zu der von der Regierung in Aussicht genommenen Zeit des Sesfionssckiluffes und bis zur LandtagSauflösung unwahrscheinlich ift, so wurde in einer unter dem Vorfiß des Landmarschalls stattgehabten Konferenz der Ausschuß-Obmänner beschlossen, die Regierung um Verlänge- rung der Session zu ersuchen, Der polnische Abgeordneten- kluv beschloß, ein Agitations-Comité zur Leitung der Landtags-Neuivahlen einzusetzen.
Pest, 1. April. Die „Pester Correipondenz“ mrldci iiber den Aufenthalt der Minister in Wien: Die bcidcriciiigen Minister konferirtcn heute wieder vier Stunden mit befrie- digendcm Ergebnisse. Es Wurde die Reihe der Verhandlungs- gegenstände cndgiiltig fixirt. Zuvörderst gelangen dir reinen Tariffragen zur Verhandlung, dann erst folgen die Steuer- fragcn und die Bankirage. _ Wie die nämliche Corrcipon- denz meldet. Wurds die Option mit der Roidschild-Grupps fiir die zweite Hälfte der Rente um 30 Tage Verlängert.
Niederlande. Haag, 30.“ März. Die Königin hat gestern Cannes verlassen, um hier am 6. n. M. über MarseiUe, Lyon und Paris zurückzukehren. _ Dic Zweiie Kammer 1“th ihre Verajhungen über den GeseHeniwurf zur Reorganisa- tion des Höheren Unterrichts fast ohne Unterbrechung fort. Gleichwoiil wird es schwer halten, den Gegenstand vor Anfang der Osterfericn zu erledigen. Unter den wichtigeren in dieser Sache gefaßten Beschlüsse gehört namentlich die Aufhebung der bisherigen theol o gisch en Fakultät. Nur dreiMitgliedcr auf 73 Abstimmende gaben ihre Stimme zu Gunsten der Beibehal- tung derselben ab. Dagegen wurde die Gründung einer neuen Fakultät verfügt. Dieselbe soll „Faculteit van godgeleerdheit“ heißen. Die Reform beschränkt sich vor der Hand nur auf eine bloße Namensordnung, da die Bezeichnung der in dieser Vor- schule für Theologen zu behandelnden Lehrgegenftände vorläufig noch ausßeht. Nucl) die Entscheidung rückstchtlich der Kollegien- gelder verdient hervorgehoben zu werden. Nachdem nämlick) der Entwurf die Abschaffung derselben beantragt hatte, suchten zwei Mitglieder der ultramontanen Partei ihre Wiederhersteliung mittels eines Amendements zu erwirken. Der Versuch blieb aber ohne Erfolg.
Großbritannien und Irland. London, 31. März. (E. C.) Die Prinzessin voniWales wird fich morgsn nach Sandringham begeben und wahrscheinlich bis zur Ankunft des Prinzen (in den erstewTagen des Mai) dort vrrweilen. _ Aus Cairo wird gemeldet: Der Prinz von Wales hat dem Khedive sein Bedauern darüber ausgesprochen, nicht länger in der ägyptischen Hauptstadt verweilen zu können. Seine Abreise ist auf den 1. Aprik festgeseßt. Er wird sick) in Malta nur 24 Stunden aufhalten. _ Die liberalrn Vereine in den Provinzialstädten beginnen Protest- meetings gegen die Titelbill zu veranstalten und Petitionen in demselben Sinne an das Oberhaus abzufaffen. In der Hauptstadt wird eine öffeniliche Kundgebung im großen Maßstabe beabsichtigt. _ Einer telcgraphischen Nachricht aus Pcnzance zufolge sind von der Baarfracht des „Schiller“, der vergangenen Mai an den Scininseln sckzeiterte, Weitere 10,000 Pfd. Sterk. aufgefunden worden.
_ Im Unterhause fand eine sehr eingedende und inter- effante Diskussion der Kiosierfrage statt. Sir T. Chambers beantragte die Einleitung einer Untersuchung über die Anzahl, das Verhältniß der Zunahme, den Charakter und die geseßliche Stellung der M5nchs- und Nonnenklöster in Großbri- tannien. an Unterstüßung dieses Antrages hob er hervor, daß während der leßien paar Jahre die Zahl der Mönchs- klöster auf 99, die der Jrauenklöster auf 299 und die anderer klösterlicher Institute auf 21 gestiegen sei. In diesen Klöstern Werde die persöniiche Freiheit ge- fährlich beschränkt, und es exiftire keine Gewalt, die im Stande sei, Jemanden aus einem Kloster zu befreien. Sie seien alie illegal und es mangelt: an Mitteln zu entdecken, was inner- halb der Mauern dieser Institute vorgehe; selbst ein Habeas Corpus-Befehl erweise sich zu diesem Behufc als machtlos. Im Weiteren verbreitete fick) Sir Thomas über die Information, welche das Nuswäriige Amt über die Beauffichtigung von Klö- stern im Auslande erkangt, und er wies daraus nach, um wie viek strenger die Regierungen katholischer Staaten ihre Klöster beauffichtigten, als das pro- testantische Engkand. _ Nach langer und eingehender Diskussion erklärte Lord I ohn Mariners, der General-Postmeifter, im Namen der Regierung, daß fie die Verantwortlichkeit, in dieser Sache die Initiative zu ergreifen, nicht eher übernehmen könnte, bis iriftigere Beweise für die Nothwendigkeit der bean- tragten Untersuchung beigebracht worden seien. _ Bei der Ab- ßimmung wurde der Antrag mit, 127 gegen 87 Stimmen ab- gelehnt. _ Gegen Schluß der Sißung erhob ßch der Schuß- kanzler und theilte dem Hause den Inhalt eines von der ägyptischen Regierung soeben eingegangenen Telegrammes mit, wonach der Khedive seine Einwilligung zur rückhaltslosen Veröffentlichung des Berichts des Hrn. Cave über die finanzielse Lage Lkrgnptens ertheilt _ eine Ankün- digutng, die vom Hause mit lebhaftem Beifall aufgenommen wur e.
_ Die Angabe der „Times“, Don Carlos sei im Begriffe, fich nach Steiermark zu begeben, und habe die österreichische Regierung von seiner Abftcht, dort seinen Aufent- halt zu nehmen, in Kenntnis; geseßt, wird "von der „Morning Paß“ als falsch bezeichnet, mit dem Hinzufugen, daß der „Her-
' zog von Madrid“ überhaupt nicht die Absicht habe, England zu verlassen.
_ Der General-Posimeisier von Canada sagt in seinem eben erschienemn Jahresbericht für 1875 bei Hervor- hebung der großenVortheile des allgemeinen Poftvereins für den Völkerverkehr, daß die Regierung von Canada mit Zußim- innng des Britischen Gouvernements die Aufnahme in den Ver- ein nachgesucht habe, Das Canadische Postgebiet umfaßt die Provinzen Ontario und Quebec, Neu-Braunichrveig, Neu-Sckwtt- land, Prinz Eduards-Insel und Britisch Columbien. Am Schluß des Jahres 1875 bestanden dort 4892 Post- anftalten; es wurden während des Jahres befördert: 44 Millionen Briefe und Postkarten, 31 Millionen Zei- tungen und 132,000 Packete; duni) Postanweisungcn wurden 6,700,000 Dollars vermittelt, Die Einnahmen der Post be- trugen 1.536,000 Dollars, die AusZabcn 1,873,000 Dollars. Die zu Postzwecken benußien Eisenbahnlinien hatten eine Länge von 4176 englischen Meilen. Außer den Pofidampfschiffen auf dem Atlantischen Ozean und den großen “:.-Teen besteht auch eine Canadische Poftdampfer-Linie auf dem Großen Ozean zwischen Victoria in Britisch-Columbien und San Franzesco in Californien, aiif welcher vom April bis September vier Fahrten monatlich und fur den iibrigen Theil des Jahres noch zwei Fahrten stattfin- den; die Beihülfe aus der Postkaffe beträgt 54,000 Dollars jahrlich. Bci Weitem am auSgebreitetsten find die Landpost- verbindungen: zu Wagen, Schlitten, reitend oder zu Fuß; fie reichen bis in die Hudsons-Bailändcr, die Rocky Mountains und zum Theil bis an die Gestade dcs Stillen Ozeans. Dem Weltpostverein würde durch die Aufnahme dieses gewiß noch sehr antivickelungsfähigen VerkehrSgedieis und seiner rührigen Verwaltung ein nencs nicht unwichtigcs Glied zugeführt werden.
Frankreich. Paris, 1. April. (Köln. Ztg.) Der Wider- stand der Ultramontanen gegen die Beschlüsse der Kammer wird immer heftiger und leidenschafi1icher; das Stichwort ist auSgegebsn, den Mitgliedern der Uniersucßungs : Kommission keine Antwort zu ertheilen, wozu man iiberdies geseßlick) nicht gezwungen werden könne, So hat in Morbihan der Bischof von Vannes seinen Priestern verboten, auf irgend eine Frage zu antworten, welche die in Bezug auf die Wahl de Man's niedergeseßte Kommission an ste richten würde, Die Pfarrer wieder stacheln ihre Gemeindemitglieder zum Widerstande auf und die Bauern drohen ganz offen, die Mitgiicder drs parlamentarischen Ausschusses mit Flintenschüffen zu empfangen. _ Dazu haben die dreißig Bischöfe„ die Gründer der kaiholischcn Universität von Paris, in ihren Konferenzen, denen der päpstliche Nuntius, Msgr. Meglia, dciwohnte, béschloffen, Alles aufzubietin, um da61eßige Kabinet zu stürzen. Diesen Umtrieben gegeniiber bewahrt die „Affemblée“ nicht aliein iHre Eniscdloffcnheit, sondern fie scheint noch energischer vorzugehen, wie die Wahl- Barni's zum Vorfißenden der Kommisfion beweist, welche über den Waddingtonschen Antrag berathen soil. Barni, der Bericht- erstatter über diesen Antrag, betreffend die Zurückgabe der Verleihung der Univerfitätsgrade an den Staat, geht näm- lich noch über denselben Hinaus, und verlangt, das; auch die Be- schränknngen gegen die Freiheit der Vorlesungen aus dem Grieß gesirichen werden. Andererseits haben Jene Bischöfe wieder zwei neue Rechtsstühle der Rechtsfakuität gestiftet und die Kardinal- Erzbischöfe von Rouen und Paris bevoUmächtigt, bei der Re- gierung Protest gegen den Waddingtonschen Geseßentwurf zn erheben, „da im Vertrauen auf dieses schon lange vor- bereitete Geseß so viele materielle und moralische Interessen auf- geboten worden seien.“ _ Der „Moniteur Universel“ derichtet, daß die republikanischen Deputirten, we[che am Don- nerstag fich zUm Empfange bei dem Präsidentcn der Re- publik eingefunden hatten und mit leyterem sprachen, demselben sammt nnd sonders ihre Ergebenheit gegen seine Person und ihre tiefe Achtung vor seinen Volimachten iundgegeben hätten.
_ Jm „Journai des Debais“ beschäftigt fick) Hr. Paul Leroy : Beaulicu mit dem kürzlich eingebrachten Budget fiir 1877. Er erinnert daran, daß seit dem Jahre 1840 die französischen VUÖJLÉS eigentlich nur ausnahmsweise in wirklichem Gleichgewicht adschloffen, Jejzi isi nach alledem die unbed€ckte Schuld auf 886 Miliionen angrlaufen. Hoffen wir, fährt Hr. Pank Lerdy-Veaulieu fort, daß sie damit ihren Gipfel erreicht hat. Eine strengere Führung unserer Finanzsn muß diesen chronischen Defizits, welche der Krebsschaden Unserer bisherigen Budgets smd, ein Ziel sei;,sn. Das Jahr 1875 eröffnet in diesem Betracht eine neue Aera. Es ist seit langer Zeit das erste, welches mii cinem wirklichen, greifbaren, keiner Anleihe und keinem Akiivresie zu verdankenden Uebersckmß ab- schließt. Die Einnahmen find darin auf 2 Milliarden 693 Mil- lionen geftiegen, die AnSgaben, die noch nicht ganz genau fest- gesteUt smd, werden wahrscheinlich 2 Miiliarden 621 Miliidnen betragen. Es bleibt also der bedeutende Ueberschuß von unge- fähr 72 MiUionen. Rechnet man hiervon selbst noch dir 40 MiUionen ab, die man weniger, als ursprünglich präliminirt war, an die Bank zu zahlen hatte, in bieibt immer noch ein un- bestreitbarer Uebersckzuß von 32 Miklionen. Davonsind 25 an die Bank anticiyamio abgszahlt worden und 7 Miiiionen als Re- serve im Staatsschaß geblieben. Dieser Ueberschuß dcs Iaßres 1875 ist von guter Vorbedeuiung; wir haben ihn haupisäckglich den ausgezeichneten Ernten, die uns der Himmel bescheert hat, der Wiederaufnahme der Geschäfte und der Befestigung der politischen Verhältniss zu danken. Je mehr unser Einnahme- bndget anwächst, desto empfindlicher wird es auch, das darf man nicht vergeffen, fiir äußere Einflüsse. Eine schiimme Jahres- zeit, wie Hungerönoth, eine Handelskrifis könne es schwer beeinträchtigen, während entgegengeseyte Ereignisse ihm nicht minder bedeutende UeberscHüffe eintragen können. Das Jahr 1876 verspricht ebenso günstig auszufalien. Die Einnahmen sind auf 2 Mikliardcn 575 Millionen, die Achgaben auf 2 Miliiarden 5701/2 Millionen angeseßt, was also pro- visorisch einen Ueberschuß von 41/2 MiUionen ergiebt; schon _hat man aber ungefähr 24 Miilionen Nachtragskredit: votirt, so daß hingegen ein Defizit von 191/2 MiÜionen verbleiben würde. Zum Glück smd indeß die Einnahmen mit Mäßigung und bedeutend geringer veranschlagt worden, als fie sich im Jahre 1875 heraus- geftelit haben; wahrscheinlich wird also ein beträchtliches Mehr- erträgniß die dati) die Nachtragskredite eingeiretene Erhöhung der Lasten reichlich kompenfiren. Schon beläuft sich dieses Mehrerträgniß für die beiden ersten Monate auf 20 Millionen; es wird, wenn die Ueberschwemmungen nicht zu viel Schaden angerichtet haben und die Ernte befriedigend ausfälit, seine 50-60 Millionen betragen. Im ungünstigsten Falle wird das Budget wahrscheinlich noch immer im Gleichgewicht ab- schließen. Bekanntlich hat das Liquidationskonto, welches
in. erster Reihe dazu bestimmt „ift, unser Krieg-Zmaterial wxederherzustellen, seine ursprünglichen Hülfequellen, die in
Anleiherefien, dcm Erträgniß fiskalischer Terrains und dem Rentenbefttz verschiedener öffenxlicher Kaffen veßanden, gänzlich verschlungen, während seine Ansprüche noch immer fortdauern. Man befriedigt fie jetzt durch die AuSgabc weitfichtiger Schuß- bonds, die erst in den Jahren nach 1880 eingelöst werden soUen.
Versailles, ]. April. (W. T. B.) In der heutigen Siyung der Depuiirtenkammer brachte der Deputirte Tirard von der Linken einen Antrag auf Aufhebung der fran- zösischen Botschaft beim päpstlichen Stuhle ein. Die Wahl des ronapariiitischen Tepuiirten, Duc de Feltre, warde fur ungiltig erklärt.
. Spanien. Madrid, 23. März. In Folge der Been- digung „des Bürgerkrieges in Spanien hat der Nuntius Kardinal Simeon! eine Audienz für das dipkomatische Corps nach- gesucht, um Se. Majestät den König A(phons zurWieder- herstellung d_es Friedens zu beglückwünschen.
_Se. Maxestat hat das dipwmatiiche Corps am 21. d. M. einpxangrn. Der Nuntius drgrüßte den König im Namen des diplomgtischrn Corps in einer längeren Rede, in welcher er Ihm die_G[uckwunschrt “zur Wiederherfteilung des Friedens und die Honnung ausdruckte, daß es den Bemühungen Sr. Majestät ge- lingen werde, Spanien auf dem Wege wahrer Civilisation Mixer zu führen. In Seiner Erwidernng sprach der König Seinen Dank für die Gefinnungcn der fremden Mächte aus, auf welche er den größten Werth lege, und fiigte besondcrs hinzu, daß Er auf das Lrbßafteste wünsche, das Wohl Spaniens auf demselben Wege der Civilisation zu fördern, auf wclchem der Wohlstand der anderen Nationen begründet sei.
_ 2. April. (W. T. V.) Der bisherige Marine-Miniftcr Duran :) Liria hat seine Entlassung genommen. Tln seiner Stelie hat Antiqnera das Portefeuille der Marine erhalten.
Griechenland. Aiden, ]. Aprik. (W. T. B.) Die Verhandlnngen in dem Prozesse gegen das gesammte Kabinet Bul garis wegen Vcrfaffnngéverleizung und Simonis find dente geschlossen worden.
Türkei. Konstantinopel, 1. April. (W. T. B.) Kiamil Pascha ist an Stelle Nami! Paschas zum Präsi- dentcn des SiaaiSratbes ernannt worden. Auch im Marine-Ministeriam und Finanz-Ministerium sollen Verände- rungen bevorstehen.
_ (W. T. V.) Wie der „Agence Hanns“ von Ragnsa aus siidsianiicher Queiie gemeldkt wird, [“NRW die Türken bci Unaz eme Niederlage erlitten. Die Insnrgentenfüiirsr Babick; nnd Useiaz sind nach GraHdwd .infgcbrockien. Virle Einwohner haben sich bei Knin anf österreichisch Gedicr geflüchiet.
Rußland und Polen. St, Petersburg, 2. April, (W. T. V.) Der „Staats-Anzeiger“ verdffcntlickit die Pläncfiir dis Reisen des Kaisers Alexander irn Lnufc des Sow- mers und Herbstes. Nack) denselben gedenkt der Kaiser sick) Ende April über Berlin nach GUS und dann nach Jugenhcim zu begeben und von dort aus nach St. Petersburg znrücfznreisen, Um den Lageriidungen in Kranje Seid beiznwoßnen. Fiir dcn Sommer ist ein Vesnck) von Helfingiors in Niisfickzt genommsn. Im August wird fich der Kaiser nnch Warschan begeben, um dort Truppenrevüen abzuhalien, wclche anch noch an verschiede- nen anderen Orten stattfinden sollen. Alswann treten der Kaiser und dic Kaiserin die Reise nach Livadia cm und werden im Spätherbstnaci] St. Petersburg zurückkehren. Im Laufe des Som- mers werdcn am hiesigen Hofe die Vcsnche des Kaisers von Brasilien, des Königs von Dänemark und des Prinzen und der Prinzessin von Piemont erwariet.
Dänemark. decnhagcn, 80, März. Trr in der „Ldvtidende“ _(Gcseßzeitung) vom 30. veröffentlichte Königliche oisene Brief, durck) wslchen dns FolketHing aufgrldst wird, lautet:
.Wir Cdristian 1T. :c. ikmn kund: Daß, da Wir es nicht iiir verantwortlich erach:e;i, dm Bxgiun dcr :iriizwcndigen auszrrcrdcniiiriwn Yeranstalrnngxn zur Befördernng des Berideidigungöwairns langer arisiuchrn, und da kc-an Ucdereinsiimmung zwischen dém Folkribinge und Unserer Régicrimx Über drn '.é-icrnnf zielxndm Gésexzentwnrf hat rrlnngr wrrdcn könnén, _ indem daß THir-g, außer der Vchrrfnng der nöcdigstén nnd wrist dringlixhrn Von dyn außerordrntiichen Vrriheidigungsvrrmistaitnngrn, niimli-H Tir Bo- schutznng Kodcnhagens nacb der Seeiciie durch zritgcwäßc: fcsts Sec- fortsa den Beginn mit den Vsrtlxidignngsveranstaimngcn ron dcr an und „für sich nnaunebmbaren Bedingung hat abhängig machen wolicn, dax; cin dicse nicbis angedeiides und unter den joizigrn finanziciicn Vrrhäimiffcn Ui'iiöidigss Grieß wsgrn eincr nrusn Srsnsr DAHW angcnonimcn und in Kraft gcirsien ist, so Haden Wir Ailsrgnädixxst bcichlosxen, mit Brzugnahme auf 5. 22 der Verfasinnz, das Tding aufzulöwn.
_" sthald erklärcn Wir hierdurch dns gcgcnwäriigc Folkerizéng sm: aukgélösi. Wonach «'Le Betreffenden sick) nilernnicrtdäuigst zu richten [);i'dsn. Gegeben auf Unser Schloß Amalieuborg, den 30, März 1876. Unter Unixrer Königlickien Hand und Siogrl. Ci)ristinn K. (Y. 5.) Esirup.
_ „1. April. (W. T. B.) Die Nenwahlen zum Folketkiing find mittelst beute dcröffrntlickzicn offenen Briefs des Königs auf den 25. d. M. festgesejzi.
Amerika. Washington, 31. März. (W. T. B.) Die Repräsentantenkammer hat der Bil], wonach die kleinen Papiergeld - Werthzeirhen durch Silberschcidc- münzen ersth werden sollen, ihre Zustimmung eriheili.
_ 1. April. (W.T. B.) Nack) einer dem StaatS-Sekkciär Fish zugegangenen Meldung hat in Mexiko der Aufstand größere Dimensionen angenommen und fich fast iiber ails Staaken verbreitet.
New-York, 1. April. (W. TV.) Die Staatsschnld der Vereinigten Staaten hat fiel) im Monat März d. I. Um 4.240,000 Dollars vermindert. Im Siaatsscliaße befanden sick) Ende März 73,756,000 Doliars in Gold und 5,965,000 Danrs in Papier.
Afrika. Aegnpien. Alexandrien, 1. April. (W.T.B.) Der Prinz von Wales ist hier eingetroffen.
Kunst, Wissenschaft und Literatur. Göriiß. 2. April.,Dic Oberlausißifche Geiellswaft der Wisienichaftcn xvird Mittwoch, den 19,21pri1 c., Vormiiings 11 Uhr, ihre 146. Hauptversammlnng abhalten. _ Das Comixé Zur Errichtung eines Denkmals für den Dichter Byroxn m oandon fordert Künstler aller Nationkn auf, welche die Ausfuhrung einer Statue Byrons zu unternehmen wünichen,
Skizzsn ihrer Yläne mit ausführlicher Beichceii'ung aller Dciails an den CHrensekcetar des Comicsö einznxendcn.